Newsticker März 2005
27.03.2005
Leipzig: Wohnungsmarkt auf Weg der Genesung
Der hiesige Wohnungs- und Grundstücksmarkt
erholt sich allmählich. Dieses Fazit zieht zumindest die Leipziger Wohnungs- und
Baugesellschaft mbH (LWB), die gestern ihre Marktanalyse vorstellte. Als Gründe
dafür nennt das Unternehmen steigende Einwohnerzahlen, höhere Geburtenraten,
eine Zunahme der Haushaltszahl sowie positive Auswirkungen des Stadtumbaus.
"Der Leipziger Wohnungs- und Immobilienmarkt kommt auf dem Weg der Genesung gut
voran", sagt LWB-Geschäftsführer Christoph Beck bei der gestrigen Vorstellung
des Marktberichts. "Ein tatsächlicher Wohnungsüberhang von rund sechs Prozent,
stabile und sogar steigende Preise bei Verkäufen und erste stabilisierte
Mikrostandorte infolge des Stadtumbaus belegen, dass die gemeinsame Strategie
von Stadt, Wohnungswirtschaft und Vermietern zur Marktkonsolidierung richtig
ist." Günstig wirkt sich auch der Trend "zur Singularisierung der Gesellschaft"
aus. "Seit 1997 stieg die Zahl der Leipziger Haushalte um 24 Prozent", der der
Ein-Personen-Haushalte sogar um 55 Prozent. Weitere positive Effekte verspricht
sich die LWB durch Porsche und BMW sowie den Ausbau des Flughafens Leipzig-Halle
zum DHL-Luftfrachtkreuz. Mit zusätzlicher Wohnungsnachfrage durch
BMW-Beschäftigte rechnet das Unternehmen schon in diesem Jahr, bis 2010 schätzt
man den Bedarf allein dadurch auf 6000 Einheiten. 63 Prozent aller Wohnungen in
der Stadt sind Privateigentum. Mit 18 Prozent Anteil an der Bausubstanz ist die
LWB größter Anbieter am Leipziger Wohnungsmarkt. Üblicherweise wird von 16
Prozent Leerstand (Ende 2003: 51.000 Wohnungen) in der Stadt ausgegangen. Doch
die LWB rechnen vier Prozent "branchenübliche Fluktuationsreserve" sowie
"nichtmarktaktiven Bestand" heraus und kommen so auf sechs Prozent Überhang
"vermietbarer Wohnungen". Dieser soll auch durch weiteren "Stadtumbau und Abriss
leer stehender Wohnungen" gesenkt werden. 2005 plant die LWB den Abbruch von
2000 Mieteinheiten.
www.lvz-online.de
27.03.2005
Bayern: verbaut seine Landschaft
Die städtebaulichen Entwicklungen in Bayern sind gegensätzlich. In Oberfranken,
in Nachbarschaft zum Billiglohn-Land Tschechien und zu Thüringen, wo die
Fördermöglichkeiten noch besser sind, entvölkern sich Städte und Gemeinden. Mit
den Arbeitsplätzen gehen auch die Einwohner.
Die Stadt Hof hat in den vergangenen zehn Jahren zehn Prozent der Bevölkerung
verloren. In der Porzellan-Stadt Arzberg waren es im gleichen Zeitraum neun
Prozent. Leere Geschäfte, Firmen und Häuser prägen zunehmend das Ortsbild in
dieser Region. Im wirtschaftsstärkeren Süden Bayerns dagegen breiten sich die
Gewerbegebiete vor den Toren der Stadt großzügig aus, wie zum Beispiels in der
Region um den Flughafen München. Jeden Tag werden in Bayern 17,2 Hektar Land zu
Siedlungs- oder Verkehrsfläche umgewandelt. Auch der Bedarf an Wohnfläche
steigt. Von 1970 bis 1998 stieg die Einwohnerzahl Bayerns um 13,6 Prozent, die
Haushalte nahmen um 47 Prozent zu, die Zahl der Singlehaushalte verdoppelte
sich. Im gleichen Zeitraum vergrößerte sich die durchschnittliche Wohnfläche von
24 auf 41 Quadratmeter.
Laut Schmid stehen beträchtliche Fördermittel zur Verfügung. Der Freistaat
erhält in diesem Jahr 17 Millionen Euro von der EU für sogenannte
Ziel-2-Gebiete, das sind die Grenzregionen und städtische Problemgebiete. Hinzu
kommen die ergänzenden Landesmittel in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Mit diesen
Mitteln sollen Investitionen von 34 Millionen Euro in 23 Städten finanziert
werden. Geld für eine neue Städtebauförderung steht auch aus dem Programm
Stadtumbau West des Bundes zur Verfügung, 40 Millionen Euro für die westlichen
Bundesländer bis 2007. Genug Anreiz, so hofft die Staatsregierung, um die
Kommunen, die die Planungshoheit haben, zum Umdenken zu bewegen.
www.wams.de
26.03.2005
Strategie gegen demographischen Wandel fehlt
Der demographische Wandel der Gesellschaft ist in den
deutschen Kommunen das Thema der Zukunft. Laut einer Umfrage der
Bertelsmann-Stiftung halten 70 Prozent der Bürgermeister von Gemeinden mit mehr
als 10.000 Einwohnern das Thema "Demographischer Wandel" für sehr wichtig.
Lediglich ein Drittel habe angegeben, dass sie sich damit bereits ausreichend
beschäftigten, teilte die Stiftung am Mittwoch in Gütersloh mit.Aus Sicht der
Kommunen sind die wichtigsten Handlungsfelder demnach Schulentwicklung,
bürgerschaftliches Engagement, Wirtschaftsförderung, Stadtplanung, Vereinbarkeit
von Familie und Beruf sowie altergerechtes Wohnen. Dabei setzen große und kleine
Gemeinden aber unterschiedliche Prioritäten. Für große Städte haben Themen wie
Armutsbekämpfung, Ghettobildung, Förderung benachteiligter Gruppen und soziale
Eingliederung eine wesentlich höhere Bedeutung als für kleine Gemeinden. In
Ostdeutschland hingegen ist das Thema Rückbau von Infrastruktur für 60 Prozent
der Kommunen von zentraler Bedeutung. Denn noch werde die Bevölkerungsstruktur
in den westdeutschen Gemeinden von der Binnenwanderung auf Kosten der
ostdeutschen Nachbarn stabilisiert, heißt es in der Studie.Im Osten Deutschlands
hätten die Gemeinden daher nur noch eine Anpassungsstrategie entwickelt, sagte
Kerstin Schmidt von der Bertelsmann-Stiftung der Netzeitung. Sie glaubten nicht
daran, den Bevölkerungsschwund aufhalten zu können. Deshalb ginge es in erster
Linie um den effektiven Einsatz der Infrastruktur. So würden Schulen
geschlossen, Verwaltungseinrichtungen zusammengelegt und der Wohnungsleerstand
mit Abriss bekämpft, sagte Schmidt weiter.
Trotz der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft verfolgen der Umfrage
zufolge nur 55 Prozent der Gemeinden eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik.
Auch hier sind demnach die Unterschiede zwischen großen und kleinen Kommunen
erheblich. 90 Prozent der großen Städte, aber nur 45 Prozent der Kommunen unter
20.000 Einwohnern kümmerten sich bereits um dieses Thema.
Obwohl 85 Prozent der Kommunen eine Veränderung des öffentlichen Bewusstsein für
dringend erforderlich hielten, fehle es grundsätzlich aber an einer
langfristigen Strategie, um dem demographischen Wandel zu begegnen, sagte
Schmidt weiter. Denn an eine Veränderung der demographischen Entwicklung
glaubten vor allem die Beteiligten in den neuen Länder nicht mehr.
www.n24.de
26.03.2005
Mecklenburg-Vorpommern: 2020 noch drei
Landkreise mit mehr als 100.000 Menschen
Der regionalisierten Prognose zufolge wird sich das
Wachstum der Bevölkerung auf die Großregion um Rostock (Landkreis Bad Doberan)
und auf die Hansestadt Greifswald beschränken. "Auch dort wird der Zuwachs nur
geringfügig sein", so der Minister. Weniger als zehn Prozent
Bevölkerungsrückgang werden die Kreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust sowie
die Städte Wismar, Rostock und Stralsund verzeichnen. Der größte Teil des
Bundeslandes verliert zwischen 20 und 30 Prozent Einwohner. Den höchsten Verlust
mit über 30 Prozent werden der Prognose zufolge die Kreise Uecker-Randow und
Demmin hinnehmen müssen. Insgesamt wird die Einwohnerzahl um 240.000 auf rund
1,5 Millionen sinken.
Dies sei eine Tendenz in ganz Ostdeutschland, so der Minister. "Nach einer
Studie der Deutschen Bank ist Mecklenburg-Vorpommern von dem
Bevölkerungsrückgang weniger stark betroffen als die anderen ostdeutschen
Länder", konstatierte der Minister. Laut Studie liegt der Bevölkerungsrückgang
von 2003 bis 2050 in Brandenburg bei 29,6 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 29,1
Prozent, in Sachsen bei 27,1 Prozent und in Thüringen bei 26,5 Prozent - in
Mecklenburg-Vorpommern bei 22,5 Prozent.
Im Jahr 2002 gab es noch sieben Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern, die den
Maßstab der ersten Kreisgebietsreform von 1993/94 für die Mindestgröße von
Landkreisen mit mehr als 100.000 Einwohnern erfüllten. Nach den neuen
Berechnungen, denen die 3. Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2003 zugrunde
liegt, wird dies 2020 nur noch für drei Landkreise in jetziger Form zutreffen.
Diese demographische Entwicklung unterstreicht nach Worten von
Landesentwicklungsminister Helmut Holter die Notwendigkeit der geplanten
umfassenden Verwaltungs- und Funktionalreform. "Zumindest widerspricht sie
Behauptungen, es herrsche kein Handlungsbedarf für eine entsprechende Reform",
sagte er. Die Ursachen für die Bevölkerungsabnahme sind vor allem die geringen
Kinderzahlen. Verstärkt wird die Entwicklung durch die Abwanderung jüngerer
Menschen. "Daher werden die Einwohner des Landes im Jahr 2020 im Durchschnitt
deutlich älter sein als heute", betonte der Minister.
Die Zahl der Personen unter 20 Jahren wird laut Prognose von etwa 20 Prozent im
Jahr 2002 auf etwa 13 Prozent im Jahr 2020 sinken; der Anteil der über
60-Jährigen wird dagegen von etwa 25 Prozent im Jahr 2002 auf rund 35 Prozent im
Jahr 2020 ansteigen. In die Erarbeitung der Prognose hat die
Landesplanungsbehörde die Regionalen Planungsverbände, die Landkreise sowie die
kreisfreien Städte einbezogen.
www.mvregio.de
23.03.2005
Büromärkte bieten frisches "Futter für die
Abrißbirne"
"Wer Immobilienmärkte nur nach deren Leerstandsquote
beurteilt, nimmt einen Teilaspekt für das viel komplexere Ganze", kommentierte
Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter der Aengevelt Immobilien GmbH
& Co KG, die Zahlen des aktuellen "City Reports Berlin". Und doch ist es gerade
eine detaillierte Betrachtung des Leerstands, der - vor allem für die Hauptstadt
- derzeit noch gewagt erscheinende Rückschlüsse für Büromärkte zuläßt: Unter
leerstehenden Bürohäusern gibt es - wie schon lange bei Wohnungen - reichlich
Futter für die Abrißbirne.
Die Argumente für den Ruf nach Radikalmaßnahmen liefert eine Leerstandsanalyse
von Rolf Scheffler, Leiter von Aengevelt Research: Demnach sind knapp 500 000 qm
der insgesamt 1,7 Mio. leerstehenden Büroquadratmeter in Berlin als
"struktureller Leerstand" abzubuchen. Nach Schefflers Definition gehören dazu
Immobilien, "die über mindestens fünf Jahre zu mehr als 50 Prozent leerstehen".
"Was nach fünf Jahren keinen Nutzer gefunden hat, ist
heute einfach nicht mehr marktgerecht", stempelt Wulff Aengevelt 29 Prozent der
leerstehenden Berliner Büros zu Entsorgungsfällen. Als spürbarer Ballast für das
Büromarktgeschehen zählt laut Aengevelt allein der "Angebotsüberhang", in Berlin
immerhin noch 693 000 qm. Und der klettert weiter - trotz steigender
Vermietungsziffern. Die einleuchtende Erklärung: Umzugswillige Unternehmen
nutzen die Gunst der Stunde - niedrige Mieten -, um sich mit erstklassigen
Büroflächen zu versorgen und gleichzeitig ihren Flächenbedarf zu senken
www.welt.de
22.03.2005
Dessau: Abschied ohne Tränen
Fast täglich eröffnen sich neue,
ungeahnte Sichtachsen. Dem Wohnviertel im Dessauer Westen scheint niemand eine
Träne nachzuweinen. „Die Bewohner haben schon lange vorher abgestimmt, wo sie
wohnen möchten und wo lieber nicht“, kommentiert Dessaus Baudezernent Karl Gröger die Situation. Trotzdem wird das Viertel nicht ganz verschwinden. Am Ende
sollen noch etwa 300 von insgesamt 800 Wohnungen übrig bleiben.
Eine private Gesellschaft hat Pläne, ein Quartier im mittleren Bereich des
einstigen Wohnquartiers zwischen der Taubenstraße und dem Triftweg zu
sanieren. Die verbleidenden Häuser würden sich nach Abschluss des Projektes
inmitten von neuem Grün, weitab von der befahrenen Bundesstraße befinden. Die
Begrünung der Abrissflächen sei in diesem Fall Sache der Grundstückseigentümer.
.Baudezernent Karl Gröger sieht
Dessaus Stadtumbaukonzept, das die Schaffung von grünen Zonen auf Abrissflächen
bei gleichzeitiger Stärkung von urbanen Kernen vorsieht, auf dem richtigen Weg,
„Das eigentliche Problem von schrumpfenden Städten können wir damit aber nicht
lösen. Wir brauchen Arbeitsplätze und eine völlig neue Familienpolitik, die
jungen Leuten mit Kind Perspektiven bietet.“ Dazu gehören seiner Meinung nach
auch flexible Arbeitszeitmodelle und Betreuungsangebote.
Das Dessauer Stadtumbaukonzept sieht vor, dass bis zum Jahr 2010 rund 7 000
leerstehende Wohnungen vom Markt genommen werden. Bislang sind laut Gröger schon
1 200 Wohnungen zurückgebaut worden
www.Super Sonntag-web.de
20.03.2005
Penig/Geithain: Leerstand setzt Kommunen zu: Fusion
soll helfen
Immer mehr Wohnungen stehen leer. Die Betriebskosten
steigen immer weiter. Vor allem Großvermietern bereitet diese Entwicklung
Kopfzerbrechen. Mit einer Fusion will man im Muldental gegensteuern. Neben Penig,
Lunzenau, Rochlitz könnte auch Geithain mit ins Boot. Doch dort ist man
skeptisch. "Eine effiziente Verwaltung ist erst bei mehr als 2000 Wohnungen
möglich", sagt Thomas Eulenberger. Der Peniger Bürgermeister ergriff mit seinen
Amtskollegen in Lunzenau, Rochlitz und Wechselburg die Initiative, um den
kommunalen Wohnungsbestand unter dem Dach einer gemeinsamen Wohnungsgesellschaft
zusammenzufassen. Diese Fusion wurde im vorigen Jahr vorbereitet, soll Mitte
2005 rückwirkend zum Jahresbeginn vollzogen werden.
"Wir mussten uns etwas einfallen lassen, damit unsere kommunale
Wohnungswirtschaft nicht eines Tages die Kommunen selbst in den Strudel zieht",
sagt Eulenberger. Durch eine straffere Verwaltung ließen sich Kosten einsparen,
mit denen der Leerstand - zumindest in Teilen - gegenfinanziert werden könne.
Insgesamt verfügt die neue Gesellschaft über rund 1800 Wohnungen. Eulenberger
macht kein Hehl daraus, dass diese Zahl noch zu steigern ist. Er könne sich
vorstellen, dass das nicht weit entfernte Geithain ein potenzieller
Gesellschafter wäre. "
www.lvz-online.de
19.03.2005
Brandenburg: will historisch wertvolle Häuser
abreißen
Experten warnen vor einem „fatalen Signal“ für die
Sanierung der früheren Chur- und Hauptstadt der Mark: In Brandenburg an der
Havel will ausgerechnet das kommunale Wohnungsunternehmen Wobra jetzt 18
Altbau-Miethäuser abreißen lassen, die zwar zumeist leer stehen, aber saniert
werden könnten. Nach der streng internen Abrissplanung 2005 des
Stadt-Unternehmens, die der RUNDSCHAU vorliegt, sollen in diesem Jahr 505
Wobra-Wohnungen abgerissen werden. In der Stadt formiert sich Protest.
Von den 505 Wohnungen liegen 383 Altbau-Wohnungen im Sanierungsgebiet Innenstadt
und den historischen Vorstädten, die Ende des 19. und Anfang des 20.
Jahrhunderts rings um die mittelalterlichen Stadtkerne entstanden waren. In der
DDR-Großplattensiedlung Hohenstücken sind es trotz großer Leerstände dagegen nur
122 Wohnungen (fünf Häuser).
Würden die Pläne umgesetzt, wäre das für Brandenburg/Havel – nach 1990 aufgrund
der berühmten historischen Stadtkerne noch eine von fünf Modellstädten der
Bundesregierung für behutsame Stadterneuerung in Ostdeutschland – das größte
Altbau-Vernichtungs-Programm seit DDR-Zeiten. Und es soll auch noch aus
Fördermitteln finanziert werden.
Zwar enthält die Wobra-Abrissliste keine Denkmale. Trotzdem warnen
Städtebau-Experten vor dem negativen Vorbild für private Hauseigentümer, die zum
Teil alte Häuser in weit schlimmeren Zuständen in der historischen Innenstadt
besitzen. Einige besonders krasse Beispiele: So will die Wobra in der Innenstadt
ein kleines Gründerzeithaus, vis a vis des Rathauses, abreißen, obwohl es mitten
in einer geschlossenen Häuserzeile steht. Und, so betont Deschner
mehrfach: „Wir reißen kein Gebäude ohne Genehmigung der Stadt ab.“ Das heißt
allerdings wenig. So wurde der einflussreichen Stadtfirma vom Rathaus unter
Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann jüngst der Abriss des Gründerzeithauses
Kurstraße 5, im Sanierungsgebiet und in Sichtweite der Fußgängerzone, prompt
genehmigt. Inzwischen stoppten Tiemann und Deschner die Planung, die noch wie
ein Einzelfall aussah – aufgrund öffentlicher Proteste.
www.lr-online.de
19.03.2005
Sachsen-Anhalt: Wenn die Menschen gehen und die
Klärwerke bleiben
Ein aktuelles Gesprächs- und Diskussionsthema geworden ist
die „Demografie, die Faust, die das 21. Jahrhundert knebelt“, wie Ulrich
Pfeiffer von empirica in übertriebener Anlehnung an biblische Katastrophen
sagte. In dieser Debatte wächst stückchenweise die Erkenntnis, dass alle
Bereiche der Wirtschaft und des Zusammenlebens betroffen sind. Wenig beachtet und
diskutiert hat man bisher jedoch die Folgen, die eine schrumpfende Bevölkerung
und eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur auf die Ver- und
Entsorgungssysteme im Lande haben. Wir sind an eine gut funktionierende
Infrastruktur gewöhnt, von den Straßen, über die Beleuchtung, die
Wasserversorgung, bis zur Entwässerung und den Kläranlagen, dank deren unsere
Flüsse sauberer geworden sind. All das passiert auf Grund bestimmter
Kapazitäten. Was aber geschieht, wenn diese Kapazitäten nicht mehr ausgelastet
sind und noch schlimmer, wenn sich Veränderungen in der Verteilungsstruktur
innerhalb unterschiedlicher Gebiete ergeben? Was aber,
wenn ganze Dörfer leer fallen, wenn sich Menschen in Siedlungsschwerpunkte
zurückziehen und infrastrukturelle Anlagen künftig zu einem großen Teil nicht
mehr ausgelastet sind? Ein Beispiel ist die Abwasserversorgung.
Mindestdurchflussmengen sind für den Betrieb von Leitungen unerlässlich. Sind
sie nicht mehr gewährleistet, müssen Kanäle gespült werden. Das ist deshalb
notwendig, weil Klärwerke nur funktionieren, wenn bestimmte Mindestdurchsätze
nicht unterschritten werden. Was geschieht nun, wenn
die Menschen gehen, aber die Klärwerke bleiben? In einigen Orten sind die
fatalen Folgen schon sichtbar geworden: Je geringer der Wasserverbrauch, desto
höher wurde die Gebühr. Und daran ist bislang nicht zu rütteln. Haben doch die
Gerichte festgestellt, dass trotz der Überdimensionierung die Gebührenerhebung
rechtmäßig ist.
Grundgebühren können fast unbegrenzt erhoben werden, wenn fixe Kosten auf
weniger Abwasser umzulegen sind. So sind Abwassergrundgebühren für leer stehende
Wohnungen und Gebäude möglich. Für das Thema des Wohnungsleerstandes gibt es
ansatzweise Lösungskonzepte. Aber wer diskutiert bisher über neue
Abwasserbeseitigungskonzepte, und wer garantiert uns, dass in den nächsten
Jahren und Jahrzehnten Beiträge und Gebühren nicht ins Uferlose steigen? Noch
immer wird Land erschlossen und bebaut. Auch unbebaute Grundstücke werden zu
einem Beitrag veranlagt, obwohl offensichtlich wird, dass bei dieser
demografischen und sozialen Entwicklung nur noch wenige bauen werden. Für die
Abwasserverbände ist die Welt noch in Ordnung. Der im Kommunalabgabengesetz und
in Satzungen verankerte Beitrags-, Anschluss- und Gebührenzwang ermöglicht, die
ursprüngliche Konzeption durchzusetzen und verlangt de facto keinerlei
Wirtschaftlichkeit. In Thüringen hingegen ist man mit einem geänderten
Kommualabgabengesetz neue Wege gegangen. Dort dürfen Abwasserverbände nur dann
einen Beitrag erheben, wenn das Grundstück tatsächlich bebaut ist. Das hatte
zwar schmerzhafte Beitragsausfälle für die Abwasserverbände zur Folge, führt nun
allerdings auch zu einer Überarbeitung der Abwasserkonzeptionen.
www.volksstimme.de
18.03.2005
Dorsten: Land zahlt nur bei Umnutzung
Das Städtebauministerium NRW schließt nicht aus, dass es
Landesgeld für den Erhalt des Gemeinschaftshauses geben könnte. Bedingung wäre
aber eine Veränderung an der Konzeption.
Sprecherin Miriam Grotjahn zur WAZ: "Die Stadt müsste auf uns zukommen und Ideen
unterbreiten." Eine stärkere Bürgerbeteiligung - etwa durch den soeben
gegründeten Förderverein - könne schon ein Ansatz sein. Ob Gelder dann aus der
Städtebauförderung oder dem Programm Stadtumbau West fließen können, müsste
geprüft werden. Eine Einbindung des GHW in den Stadtumbau sei aber schwierig,
weil das Haus einige hundert Meter vom Planbereich Dimker Allee entfernt ist.
Die Bereitstellung von Landesmitteln nur für Sanierungen und Bandschutzmaßnahmen
ohne eine Umnutzung des Stadtteilzentrums scheint dagegen ausgeschlossen.
Grotjahn: "Das ist in den Förderrichtlinien nicht angelegt." Kritisiert wird in
Barkenberg die Idee, bis zu 1,5 Mio E (inkl. Betriebskosten für drei Jahre) in
ein neues Haus an der Dimker Allee zu investieren, während genau diese Summe für
das GHW benötigt wird. Ministeriumssprecherin Miriam Grotjahn betont, diese Idee
für ein neues, kleines GHW stamme nicht vom Land, sondern von der Stadt: "Wir
haben das nicht angeboten, sondern sind gefragt worden, ob ein solcher Neubau im
Zuge des Stadtumbau West gefördert werden kann." Das habe Ministerialdirigent
Hans-Dieter Collinet bejaht.
Der LEG-Aufsichtsrat hat den ersten Bauabschnitt für den Stadtumbau in
Barkenberg abgesegnet: Im Kern geht es dabei um den Abriss von 267 Wohnungen und
fünf Gewerbeeinheiten an der Dimker Allee 31 bis 97."Mit dem Abriss begonnen
werden kann frühestens im November - wegen der umfangreichen
Planungsvorbereitungen", erklärt LEG-Sprecherin Christine Mattauch.
Voraussetzung sei, dass das Land die Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau
West bewilligt. Angekündigt sind 12,5 Mio E bis 2008.Die Mieter, etwa 60 % der
Wohnungen sind noch belegt, wurden gestern schriftlich über den Beschluss des
Aufsichtsrates informiert. Die LEG will mit allen Betroffenen Gespräche über die
bevorstehenden Umzüge führen und Ersatzwohnungen anbieten. Die freiwerdenden
Flächen an der Dimker Allee sollen als Bauland ausgewiesen werden.
Beschlossen wurde außerdem die Modernisierung mehrerer Wohngebäude am
Himmelsberg und an der Barkenberger Allee.Der LEG
(Landes-Entwicklungs-Gesellschaft) gehören insgesamt 1379 Wohnungen in
Barkenberg. Im Durchschnitt stehen davon 15 % leer, in den Blöcken, die nun
abgerissen werden, sind es sogar 40 %. Angesichts einer negativen
Bevölkerungsentwicklung für den Ortsteil ergebe sich für das
Immobilien-Unternehmen die Notwendigkeit, eine langfristige Strategie für die
Zukunft der Siedlung festzulegen, so Mattauch.
ww.waz.de
18.03.2005
Leipzig: Rathaus will 500 Häuser aus der Gründerzeit retten
Das Rettungsprogramm für Leipzigs Gründerzeithäuser
bekommt Konturen: Das Rathaus hat 500 Altbauten ausgewählt, die in den nächsten
Monaten gesichert und vor dem Verfall bewahrt werden sollen. Der stadteigene
Großvermieter LWB will 50 denkmalgeschützte Altbauten an sanierungswillige
Privatleuten versteigern.
"Die Häuser wurden von Denkmalschützern, Bauexperten und Stadtplanern
ausgewählt", betonte gestern Stadtbaurat Engelbert Lütke Daldrup, als er die
Aktionen im Rathaus vorstellte. "Die Gebäudeliste ist nicht unabänderlich. Im
Gegenteil: Wir stellen sie öffentlich zur Diskussion und werden Objekte
auswechseln, wenn es gute Gründe dafür gibt."
Von den 500 ausgewählten Objekten sind laut Lütke Daldrup rund 100 so
verschlissen, dass akuter Handlungsbedarf besteht. "Bei den übrigen ist etwas
mehr Zeit", sagte er. Die Altbauten würden aber nicht komplett saniert, sondern
lediglich so hergerichtet, dass sie die nächste Zeit unbeschadet überstehen und
"binnen zwei bis fünf Jahren" an Investoren veräußert werden können.
Die Stadtverwaltung hat bislang rund 2,3 Millionen Euro für die Sanierung von
Dächern und Fassaden bereitgestellt; eine weitere Million Euro kann für so
genannte Einzelsicherungen eingesetzt werden. "Für unser Notsicherungsprogramm
benötigen wir aber noch erheblich mehr Mittel", so der Planungschef. Ebenso für
so genannte Ersatzvornahmen - also die Gefahrenabwehr bei einstürzenden
Gebäuden.
Lütke Daldrup appellierte deshalb an die Landesregierung, die Aktion zu
unterstützen. "Wir brauchen dafür auch die Fördermittel für den Stadtumbau Ost",
sagte er. Der Bund habe bereits gestattet, diese Gelder für die Gebäudesicherung
einzusetzen - nur der Freistaat Sachsen könne sich bislang nicht dazu
durchringen. Wie berichtet, will Dresden mit Hausabrissen den sächsischen
Wohnungsmarkt gesundschrumpfen und dadurch die Insolvenz von
Wohnungsgesellschaften abwenden. Trotz des angekündigten Progamms wird es in
Leipzig weitere Abrisse geben. "Es gibt in der Stadt 50.000 leerstehende
Wohnungen, und die verschwinden nicht von allein", sagte Lütke Daldrup. Leipzig
müsse "eine gewisse Perforation hinnehmen", aber dies sei "kein Leitbild der
Stadt". Am umstrittenen Abriss der Kleinen Funkenburg will er weiter festhalten.
Dafür gebe es Stadtratsbeschlüsse, argumentierte er. "Wir leben in einem
Rechtsstaat und müssen solche Entscheidungen akzeptieren." Seine Kritiker sehen
dies völlig anders, begrüßten aber dennoch die Rettungsaktion für 500 Gebäude.
Angesichts von insgesamt über 2500 unsanierten Gründerzeithäusern sei dieser
"Sinneswandel" ein "später erster Schritt in die richtige Richtung", erklärte
Alexander Khorrami, Sprecher des Stadtforums, in dem sich Architekten und
Künstler für den Erhalt historischer Bausubstanz engagieren. "Wir werden genau
darauf achten, dass die Stadt ihre Ankündigungen einhält, und weitere Gebäude
ins Gespräch bringen."
www.lvz-online.de
17.03.2005
Sachsen-Anhalt: Land plant Wohneigentumsprogramm
Mit einem Wohneigentumsprogramm will Sachsen-Anhalt jungen Familien den Erwerb
von Wohneigentum in den Innenstädten schmackhaft machen und sie zum Hierbleiben
bewegen. Das Besondere: Je mehr Kinder, desto günstiger werden die Konditionen
der Darlehenszinsen. Im April will Bauminister Karl-Heinz Daehre das dann im
Detail vorliegende Programm der Öffentlichkeit präsentieren. Magdeburg. Noch
bevor dem Land das Ergebnis der in Auftrag gegebenen repräsentativen
„Zukunftsstudie: Wohnen in Sachsen-Anhalt“ vorliegt, hat gestern Sachsen-Anhalts
Bauminister Karl-Heinz Daehre ein Förderprogramm für junge Familien angekündigt.
Daehre: „Wir wissen bereits aus der Dienel-Studie der Fachhochschule
Magdeburg-Stendal, dass die Förderung von Wohneigentum ein wichtiger
Bleibefaktor ist.“ Die neuerliche Studie, die im April vorgestellt werden soll,
werde diese Aussage bestätigen, ist sich der Minister sicher. Mit dem neuen
Programm und dem darin festgelegten Familienfaktor will die Landesregierung zwei
Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Familiengründung und das Hierbleiben
fördern sowie den Stadtumbau-Ost-Prozess beleben. Es gehe keinesfalls um die
Förderung des Eigenheimbaus auf der grünen Wiese, unterstrich Daehre. Ausgelegt
sei das Programm, das gemeinsam mit der Investitionsbank des Landes aufgelegt
werde, lediglich auf die 44 Kommunen im Land, die in den Stadtumbau Ost
eingebunden sind. Das sind fast alle größeren Städte Sachsen-Anhalts. Über
angedachte Zinssenkungen wollte sich Daehre noch nicht äußern. Fest stehe
jedoch, dass Kinder sozusagen einen Bonus erhalten. Daehre: „Je mehr Kinder,
desto günstiger werden die Konditionen.“ Selbst wenn ein Ehepaar das Darlehen in
Anspruch nehme und später ein Kind bekomme, sollen ab der Geburt die
finanziellen Zuwendungen gewährt werden, heißt es aus dem Ministerium. Bis zu
500 junge Familien könnten sich in der Startphase des Förderprogramms den Traum
vom eigenen Haus mitten in der Stadt verwirklichen. Die Eigenheimförderung oder
ein leichterer Zugang zum Wohneigentum sei, so Daehre, ein nicht zu
unterschätzender Anreiz für junge Menschen, Sachsen-Anhalt nicht den Rücken zu
kehren. Würden sie sich auch für Kinder entscheiden, wäre das ein großer Gewinn,
meinte der Minister.
www.volksstimme.de
13.03.2005
Geldnot zwingt Kirchen zum Verkauf von
Grundstücken
Schrumpfende Bevölkerung, sinkende Steuereinnahmen,
Kirchenaustritte und die Finanznot öffentlicher Kassen - ein ganzes Bündel von
Ursachen ist verantwortlich dafür, daß die finanzielle Situation vieler
Gemeinden schwierig geworden ist. Mit personellen Einsparungen allein sind die
Löcher in den Kirchenhaushalten kaum noch zu stopfen. Und deshalb sehen sich
immer mehr Gemeinden vor die Konsequenz gestellt, Kirchensprengel
zusammenzulegen und sich den Pfarrer für die Gottesdienste zu "teilen". Die
Folge: Viele Kirchen bleiben im Winter kalt, werden kaum noch oder gar nicht
mehr genutzt. Jetzt hat die EKD Alarm geschlagen. Fast die Hälfte der bundesweit
mehr als 20 000 evangelischen Kirchen und Kapellen würden künftig nicht mehr für
Gottesdienste benötigt. In den neuen Ländern seien es langfristig sogar weit
mehr 50 Prozent der Gotteshäuser, erklärte der bei der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) für Bau- und Grundstücksrecht zuständige Oberkirchenrat
Gerhard Eibach im Bielefelder "Westfalenblatt".
Noch haben sich Beispiele wie in Holland in Deutschland nicht durchzusetzen
vermocht. Supermarktketten, Einkaufscenter und Diskotheken sind hierzulande noch
kaum als "Interessenten" von Kirchengebäuden aufgetreten. In seinem Statement
beeilte sich EKD-Vertreter Eibach nun, die größten Besorgnisse in den Gemeinden
zu beschwichtigen. Ein Verkauf komme aber nur an andere, nahestehende
christliche Kirchen in Betracht, nicht aber an moslemische Gemeinden. "Kirchen,
die nicht unter Denkmalschutz stehen, können auch abgerissen werden, wenn ihre
Nutzung als Gottesdienststätte nicht mehr benötigt wird."
www.welt.de
09.03.2005
Lauchhammer: will dramatische Abwanderung stoppen
Hier wurde die weltgrößte Förderbrücke F60 für die
Lausitzer Braunkohletagebaue gebaut. Doch seit dem Umbruch Anfang der 90er-Jahre
verschwanden etwa 13 000 industrielle Arbeitsplätze. Nun versucht die Stadt, mit
einem neuen Konzept ihren Weg bis ins Jahr 2020 zu bestimmen. Das von den
Stadtverordneten beschlossene Leitbild setzt auf die Neuansiedlung von
Unternehmen. Außerdem ist geplant, mit millionenschwerer Sanierungshilfe der
Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft eine ehemalige
Bergbaufläche in der Grünen Mitte der weiträumigen Stadt so zu entwickeln, dass
das Zentrum attraktiver wird. Zudem soll das Abrisstempo von Wohnungen dem
Leerstand angepasst werden.
Denn die Abwanderung meist junger Leute hat dramatische Ausmaße angenommen.
"Seit 1989 ist in Lauchhammer die Zahl der Einwohner von 27 000 auf 19 800
zurückgegangen", berichtet die Bürgermeisterin Elisabeth Mühlpforte (parteilos).
Sie befürchtet wie andere Kommunalpolitiker, dass künftig vor allem die
Wachstumskerne um die Hauptstadt Berlin zu fördern, noch mehr Menschen die
Randregionen verlassen.
"Es kann nicht der richtige Weg sein, dass sich entwickelnde Schwerpunktregionen
auch in den Randbereichen – und zu denen zählt sich die Region Lauchhammer,
Schwarzheide und Senftenberg – außer Acht gelassen werden", bemerkt die
Bürgermeisterin. "Wir geben aber nicht auf und wollen die Stadt attraktiver
machen, und zwar auch durch eine stärkere Zusammenarbeit mit den
Nachbarstädten." Vor allem müssen neue Arbeitsplätze her. "Rechnet man die
geförderten Arbeitsplätze ab, hat hier erst jeder Zweite der Erwerbsfähigen ein
Einkommen auf dem Ersten Arbeitsmarkt", sagt die Rathauschefin.
"Wir sind einer von vier Standorten in Brandenburg, der noch große
zusammenhängende Industrieflächen anbieten kann", berichtet der
Wirtschaftsförderer Andreas Siegl. Wo früher Brikettfabriken oder die Kokerei
standen, warten heute bis zu 30 Hektar große Flächen auf neue Investoren. Doch
seit dem EU-Beitritt osteuropäischer Länder machen viele von ihnen einen Bogen
um die Stadt. "Obwohl wir moderate Preise für die Ansiedlungsflächen anbieten,
zieht es die großen Investoren eher in die Nachbarländer", bedauert Siegl.
www.svz.de
09.03.2005
Hoyerswerda: Demontage einer Stadt
Wie stirbt eine Stadt? Darüber hatte Margitta Faßl nie
nachgedacht, bis sie im Internet eine Seite fand, die sich mit genau dieser
Frage beschäftigte. "Das hat mich geschockt", sagt die Diplom-Ingenieurin und
erzählt von dem Szenario, das ein Cottbuser Professor entwickelt und im Netz
verbreitet hatte. Der Tod einer Stadt ist keine schnelle Angelegenheit, sondern
mit einer qualvollen Leidensgeschichte verbunden. Kein Ende in Würde, sondern
eines, das alle Hinterbliebenen mit sich reißt. Anfangs erfaßt niemand den
Ernst der Lage. Der Busverkehr über Land wird eingestellt, weil sich die Strecke
nicht rechnet. Damit ist die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten. Ohne Auto
kann sie weder erreicht noch verlassen werden. Viele Bürger ziehen deshalb weg.
Damit sind weitere Einschnitte unumgänglich. Die medizinische Versorgung wird
eingeschränkt. Ganze Quartiere veröden. Der städtische Kosmos zerfasert. Und so
geht es immer weiter, Schritt für Schritt eine Schreckensvision, bis zum
endgültigen Ableben des siechen Patienten. "Da wußte ich, das kann auch bei uns
geschehen", erinnert sich Frau Faßl an die Internet-Lektüre. Die
Mittfünfzigerin, die eine typisch ostdeutsche Zickzackkarriere gemacht hat,
wurde 1993 Geschäftsführerin der kommunalen Wohnungsgesellschaft. Da konnte sie
noch nicht ahnen, welche Aufgabe sie erwartete: Sie muß inzwischen einen
Stadtrückbau vorantreiben, dessen Umfang in Deutschland einzigartig ist.
Schrumpf dich gesund: Die Pläne dazu reiften schon 1996. Als sie durchsickerten,
hagelte es böse Anfeindungen: "Keiner wollte begreifen, daß der radikale Abriß
die Zukunft sein wird." Hoyerswerda wurde zur jüngsten und zur kinderreichsten
Stadt der DDR. Und sie wuchs, so schnell wie keine andere: In rund 25 Jahren
stieg die Zahl der Bewohner von 7775 um mehr als das Achtfache auf über 71 000
Menschen. Damit lief die Neustadt der Altstadt den Rang ab, der Stadtteil
entwickelte sich zur eigentlichen Stadt. Doch 1990 ging der Schwarzen Pumpe mit
18 000 Beschäftigten die Energie aus. Damit begann die rasante Entvölkerung.
Mitte 2004 hatte Hoyerswerda noch 44 000 Bewohner, in 15 Jahren könnten es
nochmals 14 000 Menschen weniger sein. In jedem Fall wird sich die Einwohnerzahl
halbieren. Drei Eheschließungen und drei Geburten wurden im Juli 2004
registriert. Die niedrigsten Zahlen seit Menschengedenken. Die Plage, die
Hoyerswerda erfaßt hat, heißt Leerstand. Riesige Wohnblöcke, die ganze
Straßenzüge säumen, sind ohne Mieter. Allein im Bestand des Unternehmens von
Margitta Faßl ist fast jede vierte Wohnung unbewohnt. Bei einem Gesamtumsatz von
rund 35 Millionen Euro bedeutet das einen jährlichen Mietausfall von knapp fünf
Millionen Euro. Zur Firma, die einen Marktanteil von 40 Prozent hält, gehörten
einst 14 500 Wohnungen. Das waren 5800 zuviel. Bis Mitte 2004 wurden erst 2100
davon abgerissen.
"Es ist schwer, Visionen für das zu entwickeln, was auf Hoyerswerda zukommt",
sagt Margitta Faßl, "um das Jahr 2008 herum könnte es richtig hart werden." Ihre
Firma gleicht einem Seismographen, der jede noch so kleine Bewegung im
städtischen Kosmos registriert. Da sind die Rentner, die sich immer häufiger
über lärmende Jugendliche beschweren. Wie intolerant ist eine alternde
Gesellschaft? Da sind breite Schichten, denen jeglicher Optimismus abhanden
gekommen zu sein scheint. Wieviel Depression hält eine schrumpfende Stadt aus?
Und dann sind da noch Nostalgiker, die sich in einem Verein zusammengeschlossen
haben, den Abriß stoppen und Leerstandshäuser einmotten wollen. Doch für wen?
www.welt.de
08.03.2005
Berlin: will 28 Friedhöfe schließen
Berlins Friedhofsflächen schrumpfen. Fast die Hälfte soll
in den nächsten 20 Jahren aufgegeben werden. Die 225 Friedhöfe umfassen 1469
Hektar. Etwa 690 Hektar sollen für eine andere Nutzung ausgewiesen werden - zum
Beispiel als Friedhofspark, als Grünfläche oder für eine Bebauung.
Das sieht der Entwurf des ersten Berliner Friedhofsentwicklungsplanes vor. Er
soll Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Bis zum 31. März werden noch die
konfessionellen Träger gehört, sagte Hans Georg Büchner von der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung. Dann werde man weiter an die Planung gehen. Grund für
dieses Vorhaben: Seit 1980 ist der jährliche Bedarf an Friedhofsflächen in
Berlin um mehr als die Hälfte gesunken. Waren bislang vier Quadratmeter pro
Einwohner als notwendig eingeschätzt worden, geht man nun nur noch von zwei
Quadratmetern aus. Das liegt an der geringeren Einwohnerzahl als ursprünglich
angenommen (3,4 statt vier Millionen), dem Rückgang der Sterberate von 18
Prozent im Jahre 1970 auf 10 Prozent 2003, der Zunahme der Feuerbestattungen und
den vermehrten Beisetzungen in Urnengemeinschaftsanlagen. Der Senat will daher
28 Friedhöfe ganz schließen und Teilflächen von 71 Friedhöfen ebenfalls
anderweitig nutzen. 27 Friedhöfe werden zu Friedhofsparks umgestaltet. Von den
225 Friedhöfen in Berlin und im Umland (4) sind 87 landeseigen, 120 gehören der
evangelischen, 9 der katholischen Kirche, 9 sind jüdisch, muslimisch,
russisch-orthodox oder britisch. Der SPD-Umweltexperte Daniel Buchholz verwies
gestern darauf, daß man noch in Gesprächen sei und bislang einen vorläufigen
Plan erstellt habe. Es sei so, daß die Gebühreneinnahmen nicht mehr ausreichten,
um die weitläufigen Friedhofsflächen, die nicht mehr genutzt würden, zu
unterhalten. "Darum brauchen wir einen abgestimmten, langfristig angelegten
Plan, welche weniger bedeutenden Friedhöfe oder Teilflächen künftig aufgegeben
werden können", so der SPD-Abgeordnete. Dabei gehe es aber nicht nur um Kosten.
"Es geht um die kulturelle, geschichtliche und ökologische Bedeutung der
Friedhöfe. Sie sind nicht nur Stätten der Erinnerung, sondern haben auch eine
wichtige Ausgleichsfunktion für das Stadtklima und als naturnahe Grünflächen."
Das sieht auch der CDU-Abgeordnete Stephan Tromp nicht anders. Er forderte aber,
man müsse klipp und klar sagen, wer zukünftig Friedhofsparks oder Grünflächen zu
bewirtschaften hat. Das sehe der bislang vorgelegte Entwicklungsplan aber nicht
vor. Zudem müsse offengelegt werden, was mit den zu schließenden Friedhöfen
geschieht. "Es muß vorher klar sein, welcher Friedhof für welchen Zweck
umgewidmet wird. Die Friedhöfe sind ein Stück Kulturgut - und mit denen geht man
anders um als mit normalen Grundstücken."
www.welt.de
05.03.2005
Sachsen-Anhalt: Abwanderung lässt das
Durchschnittsalter weiter steigen
Das Durchschnittsalter der Menschen in Sachsen-Anhalts
steigt immer weiter an. Im Schnitt ist eine Frau im Land mittlerweile 45,8 Jahre
alt. Das ist ein Anstieg seit 1991 um 5,2 Jahre. Ein Mann ist in Sachsen-Anhalt
41,6 Jahre alt und damit 5,7 Jahre älter als noch 1991, teilte das Statistische
Landesamt am Mittwoch in Halle mit. Wegen der gestiegenen Lebenserwartung und
des starken Wegzugs vor allem junger Menschen stieg das Durchschnittsalter pro
Jahr statistisch gesehen um 6 Monate. Dabei gibt es regional sehr große
Unterschiede. Die jüngsten Frauen haben der Ohrekreis und der Saalkreis mit
einem Durchschnittsalter von 43,6 und 43,7 Jahren. Die jüngsten Männer kommen
aus dem Altmarkkreis Salzwedel, dem Ohrekreis, dem Saalkreis und dem Landkreis
Stendal mit einem Durchschnittsalter zwischen 40 und 40,4 Jahren. Im Jahr 1991
lebten die jüngsten Einwohner im Norden des Landes, im Landkreis Stendal und im
Altmarkkreis Salzwedel. Hingegen hat die Bevölkerung in der Stadt Dessau das
höchste Durchschnittsalter in Sachsen-Anhalt mit 47,8 Jahre alten Frauen und
43,6 Jahre alten Männern. Danach folgt das Mansfelder Land mit 47 Jahre alten
Frauen und 42,7 Jahre alten Männern. Im Jahr 1991 waren die Einwohner des
Landkreises Weißenfels und des Mansfelder Landes am ältesten in Sachsen-Anhalt.
In Halle und Magdeburg stieg das Durchschnittsalter der Bevölkerung vor allem
deshalb, weil viele junge Menschen in die angrenzenden Landkreise zogen. So
beträgt das Durchschnittsalter der Frauen in der Landeshauptstadt 46,2 Jahre und
das der Männer 42 Jahre. In Halle sind Frauen 45,3 Jahre, Männer 41,1 Jahre alt.
www.naumburger-tageblatt.de
05.03.2005
Land Brandenburg: Platzeck will Demographie-Check
„Wir müssen unsere gesamte, bisher auf Zuwachs
ausgerichtete Politik verändern“, sagte Hans-Ulrich Oel, Leiter des neuen
Referats „Demographischer Wandel“ in der Staatskanzlei, gestern auf einer
Fachtagung in Potsdam. Als exemplarisches Beispiel nannte Oel die
Förderprogramme des Agrar- und Umweltministeriums für den Bau von
Abwasseranlagen, die immer noch „auf Zuwachs ausgerichtet“ seien. Sie müssten
novelliert werden, um den Bau neuer überdimensionierter Trassen zu vermeiden. In
den dünn besiedelten Regionen wie der Uckermark und der Prignitz, wo wegen
sinkender Einwohnerzahlen künftig nur noch 20 Einwohner je Quadratkilometer
leben, werde aber sogar ein „schwieriger Rückbau von Infrastruktur“ nötig.
Oel betonte, dass es vor diesem Hintergrund zu dem von Platzeck eingeleiteten
Kurswechsel in der Förderpolitik, die jetzt „auf das Berliner Umland und auf
Wachstumskerne“ in den Randregionen ausgerichtet wird, keine Alternative gebe.
„Wir müssen uns davon verabschieden, dass jedes Dorf gefördert werden kann.“
Nach Einschätzung von Oel ist das Bewusstsein, dass der demographische Wandel
das Alltagsleben verändern wird, bislang aber kaum verbreitet. Nötig sei ein
„Mentalitätswechsel“. Dass die Brandenburger weniger und älter werden, müsse
dabei auch als Chance begriffen werden. „In Japan spricht man vom Land des
langen Lebens. Wir reden immer von Vergreisung“, so der Demographie-Experte.
Unter seiner Federführung wird bis Frühsommer der neue Demographiebericht
erarbeitet, der erstmals konkrete Schlussfolgerungen enthalten soll. Oel
betonte, dass der demographische Wandel selbst unaufhaltsam sei: Denn der
Geburtenknick von 1990, der erst zur Schließung von Kitas, dann von Grundschulen
und jetzt der weiterführenden Schulen sorgt, pflanzt sich immer weiter fort. Die
nicht geborenen Mädchen fehlen als Mütter – so schrumpft jede folgende
Generation um ein Drittel. „85 Prozent der Bevölkerungsrückgänge in den
Randregionen resultiert daraus. Nur zu 15 Prozent ist Abwanderung der Grund“,
sagte Oel. Nach Worten von Oel kann Brandenburg ein Vorreiter sein,
Anpassungsstrategien für sinkende Einwohnerzahlen zu entwickeln. Das Problem
stelle sich in der ganzen Bundesrepublik, sogar in den osteuropäischen
Beitrittsländern. Oel: „Die nächstgelegene Region, in der die Bevölkerung
zunimmt, ist Anatolien.“
www.lr-online.de
05.03.2005
Heiligenhaus: Zusammenarbeit in der
Wohnungswirtschaft
In der Oberilp fand jetzt der erste "Runde Tisch Wohnen" im Jahr 2005
statt. Diskussionsthemen der vom Büro Post und Welters, Dortmund, moderierten
Veranstaltung waren Kinderspielplätze, die neue Schulhofgestaltung und die
Versorgungssituation. Höhepunkt war die Unterzeichnung der
Kooperationsvereinbarung für die künftige Belegungs- und Modernisierungspolitik.
Durch ihre Unterschrift bekräftigten der Bürgermeister der Stadt Heiligenhaus
(als Vertreter der Stadtverwaltung), die größten in der Oberilp tätigen
Wohnungsunternehmen sowie weitere kleinere Hausverwaltungen und Eigentümer ihren
Willen, weiterhin gemeinsam an der zukunftsfähigen Entwicklung der
Wohnungsbestände in der Oberilp mitzugestalten. Ziel der Vereinbarung ist eine
langfristige Zusammenarbeit aller in der Oberilp agierenden Akteure der
Wohnungswirtschaft und der Stadt Heiligenhaus. Darüber hinaus sollen u.a. die
Wohnverhältnisse verbessert, tragfähige Nachbarschaften entwickelt und ein
positives Image geschaffen werden. Die einzelnen Aufgaben der Vertragspartner
sowie wesentliche Bausteine des Belegungs- und das Modernisierungskonzeptes sind
in der Kooperationsvereinbarung enthalten. Insgesamt vertreten die Unterzeichner
mehr als 300 Wohnungen in der Oberilp. Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt
im Rahmen des "Runden Tisches" war die Zukunft des Objektes Rhönstraße 10-12.
Nach dem Leerzug auf Anordnung des Gesundheitsamtes und der Förderzusage vom
Städtebauministerium NRW im Rahmen seines "Stadtumbau-West"-Förderprogrammes
strebt die Stadt Heiligenhaus nun den Erwerb des Gebäudes an. Anschließend soll
das Objekt abgerissen werden und nachfragegerechte Wohnformen gerade für jüngere
und ältere Bevölkerungsgruppen am Standort entwickelt werden.
www.waz.de
05.03.2005
Land Brandenburg: Förderung: Empörung der Verlierer
"Kommunen unter 10 000 Einwohnern im Land haben keine
Daseinsberechtigung mehr", sagt der Bürgermeister von Fürstenberg/Havel, Robert
Philipp. Sein Zehdenicker Amts-Kollege Arno Dahlenburg befürchtet: "Die Stadt
fällt ins Nichts." Als "wirtschaftliche Ohrfeige" für Wittenberge empfindet
Bürgermeister Klaus Petry die Förderpläne der rot-schwarzen
Landesregierung. Sie sollen 2007 in Kraft treten. Die drei Kommunalpolitiker aus
den Kreisen Oberhavel und Prignitz eint neben der Empörung, dass sie sich als
Oberhäupter von Städten in Randregionen des Landes als Verlierer vor allem bei
der geplanten Überarbeitung des Zentrale-Orte-Systems, aber zum Teil auch bei
der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung sehen. Durch die Veränderungen soll
die boomende Region um Berlin weiter aufgewertet werden. Die Bundeshauptstadt
sei ohne Zweifel ein "Kraftquell für Brandenburg", zitiert Dahlenburg
Ministerpräsident Matthias Platzeck. Doch hätte man aus dieser Erkenntnis nicht
die aktuellen Schlüsse ziehen dürfen. Der Widerstand der Kommunen in den
Randregionen dagegen werde "heftig" sein, schließlich gehe es um die Verteilung
von Geld, kündigen die drei Bürgermeister Protest an.
Kern der Überlegungen ist die Neuordnung von Zentren. Statt der bislang 152
Ober-, Mittel-, Grund- und Kleinzentren sollen künftig nur noch 63 zentrale Orte
besonders vom Land unterstützt werden. In der Wirtschaftsförderung soll die Mark
bald über 23 regionale Wachstumskerne verfügen. Wittenberge hat noch die
Funktion eines Mittelzentrums, Fürstenberg/Havel und Zehdenick sind noch
Grundzentren. Wenn die Regierungspläne aber in die Tat umgesetzt werden, gehen
den drei Städten ihre jeweiligen Kategorisierungen und damit Landesmittel
verloren. Philipp beziffert die finanziellen Einbußen für Fürstenberg mit 280
000 Euro pro Jahr, Dahlenburg mit 300 000 Euro im Jahr für Zehdenick. Petry
wähnt die "Infrastruktur" seiner Stadt in Gefahr. In der Vergangenheit seien
Millionen Euro etwa in den Kultur- und sozialen Bereich geflossen. Er wisse
nicht, wie dies in Zukunft erhalten werden könne. Auch beim Stichwort
"Stadtumbau" zuckt Petry mit den Schultern. Der werde sich wohl zumindest
verlangsamen. Wittenberge sei "Perspektivlosigkeit bescheinigt worden",
kritisiert er. Dies drohe zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu werden, so
dass immer mehr Menschen abwanderten.
Für Bürgermeister Petry ist es ferner "völlig unverständlich", dass die
bisherigen Mittelzentren Pritzwalk und Wittenberge gestrichen und mit Perleberg
auf einmal ein ganz neues Mittelzentrum in der Prignitz entstehen soll.
Pritzwalk und Wittenberge sollen zu Nahbereichszentren abgestuft werden.
Zufrieden geben mit den jeweiligen Einstufungen wollen sich weder Petry noch
Philipp und Dahlenburg.
www.svz.de
03.03.2005
Städtedreieck nimmt Brachflächen in Angriff
In enger Kooperation wollen Saalfeld, Rudolstadt und Bad
Blankenburg künftig störende Brachflächen einer Nachnutzung zuführen. Dies ist
ein Ergebnis des Workshops "Nachnutzung gewerblicher Brachflächen", zu dem die
Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen gestern nach Rudolstadt
eingeladen hatte.
"Die Zielsetzung besteht darin, nach Erfassung und Analyse die ehemals
gewerblich genutzten Flächen mit regionaler Bedeutung einer sinnvollen Nutzung
zuzuführen, wobei Prioritätensetzungen notwendig sind", sagte der Saalfelder
Bürgermeister Richard Beetz, Sprecher des Rates der Bürgermeister im
Städtedreieck, laut einer Mitteilung der LEG.
Um die vorhandenen Brachflächen zügig einer neuen Nutzung zuführen zu können,
definierten die Experten aus den drei Städten, dem Landkreis sowie aus
Ministerien zunächst Brachflächen, denen eine strategische Bedeutung zukommt und
die deshalb vorrangig zu entwickeln sind. Dies sind Brachflächen im
Gewerbegebiet Rudolstadt-Ost, Rückbauflächen im Stadtumbau-Gebiet Volkstedt-West,
die Standorte des ehemaligen Ferienlagers "Chrysopras" und des ehemaligen Hotels
"Schwarzeck" in Bad Blankenburg, der "Geraer Bahnbogen" in Saalfeld und der
Standort des ehemaligen Verpackungsmittelwerkes in Saalfeld.
Nun gehe es darum, nachhaltige Nutzungskonzepte zu entwickeln und eine
Finanzierung der Aufbereitungskosten aufzuzeigen, heißt es in der Mitteilung.
Durch gemeinsames Agieren werde bei der abgesprochenen Funktionsteilung die
Aufbereitung der Brachflächen gelingen, so die übereinstimmende Meinung. Nicht
zuletzt sei damit die Hoffnung verbunden, ansiedlungswilligen Unternehmen
kurzfristig weitere attraktive Standorte anbieten zu können und so Raum für neue
Arbeitsplätze zu schaffen.
www.otz.de
03.03.2005
Magdeburg: Eiskellerplatz bald mit Graffiti
Mit Mitteln des Förderprogramms „Stadtumbau Ost“ und mit
Unterstützung der Städtischen Werke (SWM) wird das Schaltwerk auf dem
Eiskellerplatz in den Osterferien mit Graffiti gestaltet. Dafür sprach sich die
AG Gemeinwesenarbeit einstimmig aus. So werden in den Osterferien Schüler der
Freien Waldorfschule und des Raabe-Gymnasiums das Schaltwerk gestalten.
GWA-Sprecherin Astrid Pierau: „Die Graffiti-Gestaltung ist aus unserer Sicht die
kostengünstigste Variante, die auch zügig umsetzbar ist.“
Die von zahlreichen Sudenburgern bevorzugte Begrünung des Schaltwerkes, etwa
durch Rankelpflanzen, ist leider nicht möglich, wie aus dem Stadtplanungsamt zu
erfahren war. Rankelpflanzen dürfen rings um das Schaltwerk nicht in die Erde
gebracht werden, da die SWM Sicherheitsbedenken angemeldet haben. Grund: Es
liegen zahlreiche Leitungen unter der Erde, die beschädigt werden könnten. Das
Aufstellen von Pflanzkübeln halten die Stadtplaner ebenfalls für wenig
zweckmäßig. Erfahrungen in anderen Stadtteilen hätten gezeigt, dass die Kübel
ohnehin nur zerschlagen würden.
Das Haus war 1930 als Umspannwerk ohne Großtransformatoren gebaut worden. Es ist
der wichtigste Knotenpunkt für die Stromversorgung der Großund Privatkunden
zwischen Fichtestraße und Buckau. 1993 hatten die SWM für 50 000 Euro die
Fassade und das Dach saniert, 2000/ 2001 weitere 250 000 Euro in neue Technik
investiert.
www.volksstimme.de
01.03.2005
Hermsdorf: Wohnungsunternehmen meldet Insolvenz an
Gestern hat die Wohnungsbaugesellschaft "Holzland" GmbH
mit Sitz in Hermsdorf beim Amtsgericht in Gera den Antrag auf Eröffnung eines
Insolvenzverfahrens gestellt. Grund sei die drohende Zahlungsunfähigkeit. Das
wurde am Nachmittag in einer von Bürgermeister Gerd Pillau unterzeichneten
Presseinformation mitgeteilt. Hintergrund seien die seit längerer Zeit erfolglos
verlaufenden Sanierungsbemühungen, die man mit dem Hauptgläubiger des
Wohnungsunternehmens geführt habe. Es handele sich um eine Bank, bei der die
Wohnungsbaugesellschaft mit Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von 35
Millionen Euro in der Kreide stehe. Hauptgesellschafter des Wohnungsunternehmens
ist die Stadt. Doch weder deren noch die Bemühungen der Geschäftsführung hätten
zum Ziel geführt und man stehe vor der Tatsache, dass die Verbindlichkeiten auf
Dauer nicht bedient werden können, wird erläutert. Nunmehr sollen im
Insolvenzverfahren alle gesetzlichen Möglichkeiten ausgelotet werden, um mit dem
finanzierenden Hauptgläubiger einen Kompromiss zu erreichen. Die aktuelle
Situation habe auf die Fortführung des Geschäftsbetriebes keinen Einfluss. Das
Unternehmen arbeite in gewohnt zuverlässiger Weise weiter. Die bisherigen
Mitarbeiter stehen den Mietern nach wie vor als Ansprechpartner zur Verfügung,
wird versichert. Die Mietverhältnisse und damit die Pflichten von Mietern und
Vermieter bleiben bestehen. Das gelte insbesondere für die Zahlungspflichten,
wir betont. Bereits auf der Gesellschafterversammlung am 29. November
vergangenen Jahres war von drohender Zahlungsunfähigkeit die Rede. Wachsender
Leerstand und weitere Mietausfälle wurden als Probleme genannt.
www.otz.de
01.03.2005
Grimma: Wohnblöcke weichen für Grünflächen
Freundliche Leute, die aus dem Fenster schauen, sind in
manchen Wohnblöcken in Grimma-Süd sehr rar geworden. Nicht mal mehr Gardinen
hat's an einigen großen Fronten - "tote Augen" schauen auf den Vorbeigehenden
herunter. Bereits im vergangenen Jahr wurde der erste große Block im Wohngebiet
Grimma-Süd, Südstraße 81 bis 87, abgerissen. Gefördert wird die Entkernung
solcher Gebiete durch das Programm Stadtumbau Ost. Wie Grimmas Stadtplaner
Jochen Lischke jetzt sagte, laufe das Programm bis zum Jahr 2009 weiter. Mit dem
Abriss von Wohnblöcken, die zum Beispiel in Süd zu mehr als 15 Prozent leer
stehen, und der Schaffung von Grünflächen sollen die Wohngegenden aufgewertet
werden.
Sei bis zum vergangenen Jahr der Abriss von leeren und maroden Häusern mit 70
Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gefördert worden, betrage die Förderung jetzt
nur noch 60 Euro, sagte Lischke. Man könne zwar mit dieser Summe hinkommen. Doch
sei die Situation besonders in Grimma-Süd etwas kompliziert, weil hier nur ein
punktueller Leerstand zu verzeichnen sei, wodurch beim Abriss keine großen
Freiflächen entstehen können.
Jutta Vetterlein, Geschäftsführerin der Grimmaer Wohnungs- und Baugesellschaft,
hat mit leer stehenden Wohnungen noch andere Probleme. Zum Beispiel beim Block
in der Stecknadelallee 10, in dem mannigfaltig die Einraumwohnungen unbelegt
sind. "Diese Wohnungen werden kaum mehr durch die Bürger angenommen und stehen
leer. Wir können das Haus aber nicht abreißen, weil es 1996 einfach falsch
saniert wurde und wir dafür noch immer zu zahlen haben. Zwar kamen neue Fenster
und Fassade, aber zum Beispiel keine Balkons."
www.lvz-online.de