Newsticker Archiv März 2003
01.04.2003
Ausgezehrte Regionen
Deutschland steht mitten in der schwersten Strukturkrise der Raumpolitik seit
dem Zweiten Weltkrieg. Leerstände von 1,3 Millionen Wohneinheiten,
Bevölkerungsschwund, großflächige Abwanderung und eine desaströse Verschuldung
der Kommunen haben ein Konfliktpotenzial aufgehäuft, wie es seit der
Totalzerstörung der Städte nicht zu bewältigen war. In dieser Situation reagiert
die Politik mit niederschmetternder Konzeptionslosigkeit, für die das neue
milliardenschwere "Konjunkturprogramm" für Kommunen nur ein weiteres
deprimierendes Beispiel ist. Was die Vertreter der Parteien zum Scheitern
städtebaulicher Visionen vorbringen, sind kosmetische Korrekturen und ein
sinnleerer, realitätsferner Streit darüber, wie die Bautätigkeit neu in Gang zu
bringen sei.
Tatsächlich aber steht die Leistungsfähigkeit und das Überleben ganzer Regionen
auf dem Spiel. Wenn das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin mit seiner
Vorhersage richtig liegt, dass das Ruhrgebiet in 20 Jahren zehn bis 20 Prozent
seiner Einwohner verliert, wenn die Bevölkerung der neuen Bundesländer in 100
Jahren von 15 auf sechs, womöglich gar 3,5 Millionen Einwohner schrumpft, dann
genügt es nicht, über die Eigenheimförderung zu debattieren.
Großstädte trifft es genauso wie Landstädte. Das aufblühende Leipzig, so eine
Expertendiskussion in Düsseldorf, wird in 25 Jahren nur noch halb so viel
Einwohner wie 1940 haben: statt 700 000 nur noch 350 000. Städte wie das
800-jährige Guben, heute noch 25 000 Einwohner, werden womöglich völlig von der
Landkarte verschwinden. Doch auch Nordrhein-Westfalen - so Städtebauminister
Vesper - muss bis 2040 mit einem Verlust von einer Million Einwohner rechnen.
Das Brachfallen ganzer Regionen resultiert nicht nur aus dem galoppierenden
Bevölkerungsschwund, sondern ganz wesentlich aus Deindustrialisierung. Es wird
von Abwanderungsströmen begleitet, deren Richtung und vorwärts drängende Gewalt
sich an Wochenenden beobachten lässt, wenn sich ein Heer von Zehntausenden
Wochenpendlern in nicht abreißendem Strom über die Autobahnen wälzt. Diese
Binnenwanderung nimmt Ausmaße einer Völkerwanderung an, wie sie sich schon vor
dem Ersten Weltkrieg aus den deutschen Ostprovinzen in die Industriezentren des
Westens ergossen hat. Und sie führt zu einer immer bedenklicheren Schieflage der
Binnenstruktur.
In Gebieten unablässiger Auszehrung kommt es zu einem verhängnisvollen
Automatismus. Auf die Abwanderung der Menschen folgt der Zusammenbruch der
Versorgungsnetze - Bahn, Post, technische Infrastruktur -, der seinerseits eine
Kostenlawine und weitere Wanderungsströme auslöst. Zusätzlich dünnt die
innerstädtische Bevölkerung durch Abwanderung an die Stadtränder aus - eine
Entwicklung, die mitnichten zur Sanierung, sondern zum Ruin städtischer Finanzen
ausschlägt.
Denn die Städte zahlen doppelt: Kindergärten, Schulen, Bibliotheken, Bäder,
Bürgerhäuser müssen in der Innenstadt geschlossen und draußen neu gebaut werden,
die Kanäle verrotten, die eben erst sanierten Gründerzeithäuser müssen
zugenagelt werden (und reißen mittelständische Eigentümer in den Bankrott), in
ganzen Quartieren bricht der Einzelhandel weg - während die Städte weiterhin
Millionen in immer neue Straßen, Verkehrslinien und technische Versorgungsnetze
am Stadtrand stecken, mit denen sie das pilzartige Wuchern von Siedlungen,
Einkaufs- und Gewerbezentren auf der grünen Wiese nur noch forcieren.
Jede neue Milliarde, die in diesen Kreislauf eingespeist wird, potenziert
den Finanzbedarf - deshalb kann die zukunftsweisende Strategie nur in der
Umkehrung der Abwanderungsströme liegen. Für sie gibt es bis jetzt weder eine
Vision noch erst recht eine Strategie.
Wenn die Raumpolitik des wieder vereinigten Deutschland nicht in einer
gigantischen Kapitalvernichtung enden soll, besteht hier brennender
Handlungsbedarf. In einigen Regionen sehen die (selbst konzeptionslosen)
Planungsexperten Zustände heraufziehen, wie sie nach dem Dreißigjährigen Krieg
und dem Wüten der Pest geherrscht haben. Mit Gießkanne und Kinderschaufel lässt
sich da nichts ausrichten.
www.welt.de
01.04.2003
Wohnungsvermieter kritisieren Förderpolitik
Kritik an der Förderpolitik von Bund und Land hat die
Bezirksarbeitsgemeinschaft der Wohnungsunternehmen in Vorpommern-Süd bei ihrer
Frühjahrstagung in Anklam geäußert: Weil die Altschulden von 75 Euro je
Quadratmeter nicht gestrichen und die Abriss-Sonderförderung von 60 Euro je
Quadratmeter nur bei einer Leerstandsquote von 15 Prozent gewährt wird, "kommt
der Stadtumbau ins Stocken", unterstreicht der Gemeinschaftsvorsitzende
Karl-Dieter Lehrkamp, zugleich Geschäftsführer der Anklamer
Wohnungsgenossenschaft.
Der Leerstand bei den in der Gemeinschaft organisierten 30 Unternehmen betrage
im Schnitt knapp zehn Prozent, erklärte er. In Anklam sieht es etwas besser aus:
Bei der Genossenschaft stehen 3,4 Prozent der Wohnungen leer, bei der
Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH knapp über vier Prozent. Lehrkamps
Befürchtung: Vermieter, die ungeachtet der unklaren finanziellen Situation
Plattenbauten ab reißen, "geben ihre letzte Barschaft rein". Die Wolgaster
Wohnungswirtschaft GmbH macht an ihren Abrissplänen für Wolgast-Nord indes keine
Abstriche: "Wir hätten es so oder so gemacht, schließlich wollen wir die 15
Prozent Leerstand erst gar nicht erreichen", hieß es.
www.nordkurier.de
28.03.2003
Malchin: Vor dem Abriss die letzten Fenster
gerettet
Acht Malchinern war gestern offiziell erlaubt, was zuvor eigentlich als
Diebstahl galt. Sie durften alles aus dem 1968 errichteten Wohnblock holen, was
sie gebrauchen konnten. Viel war das wahrlich nicht mehr. "Die Heizkörper sind
alle schon vorher geklaut worden und die meisten Fenster zur B 104 hin sind
bereits zerstört worden", bedauerte Herbert Mehl, Geschäftsführer der Malchiner
Wohnungsgesellschaft (Wogema) gestern noch einmal. Die Wogema bzw. ihr Vorgänger
die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) hatte die Ein- bis Vierraumwohnungen bis
Ende 2001 vermietet. "Die Leute, die hier gewohnt haben, haben hier eigentlich
sehr gern gewohnt. Schöner Blick, gute Lage. Der Block war auch immer voll
gewesen. Leerstand gab es dann erst, als bekannt wurde, dass das Haus abgerissen
wird", berichtete Herbert Mehl.
Zehn Euro pro Stück In den vergangenen Wochen habe es dann immer wieder Anfragen
nach den noch vor einigen Jahren erneuerten Balkonfenstern gegeben. Die Wogema
setzte die Interessenten darauf hin auf eine Liste und gestern durften sie sich
nun bedienen. Immerhin 13 Balkonfenster in den insgesamt 25 Wohnungen hatten den
Vandalismus und die Selbstbedienungs-Allüren der vergangenen Monate überstanden.
Das Stück ging gestern für zehn Euro weg. Die Fenster seien ganz ideal für die
Gartenlaube, meinte ein Malchiner, der das Glas für den Transport vorsichtig
herausgenommen hatte. Ein weiteres Balkonfenster wird demnächst in Schwinkendorf
an der Kegelbahn wiederzufinden sein. Auch deren Betreiber hatte sich auf die
Liste der Wogema setzen lassen. Eine Frau suchte noch eine Keller-Tür. Keine
Chance, alles schon weg.
www.nordkurier.de
28.03.2003
Die Zukunft heißt Abriss
Auf Einladung der SPD-Bürgerschaftsfraktion Bremen debattierten in den
vergangenen zwei Tagen sozialdemokratische Bauexperten aus nahezu allen
Landesparlamenten über das Thema "Stadtmodernisierung und Wohnungsbau". Bei der
abschließenden Podiumsdiskussion warf Bernd Meyer, Ex-Bausenator in Bremen und
inzwischen Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und
Bremen der Politik vor, die demographische Bevölkerungsentwicklung in vielen
Bereichen verschlafen zu haben. Heute schon hätten darunter die sozialen
Sicherungssysteme zu leiden, in naher Zukunft würden die Städte darunter leiden.
"Wir haben zwar genug Wohnungen im Bestand, aber es sind oft die falschen", so
der Ex-Senator. "Die klassische vierköpfige Familie macht nicht mal mehr zehn
Prozent der Nachfrage aus, über 70 Prozent kommen von den Ein- bis
Zwei-Personen-Haushalten". Die künftigen Schwerpunkte der Wohnungswirtschaft
hießen daher Modernisierung, Umbau und Wohnumfeldverbesserung. Diese Aufgaben
aber müssten Hand in Hand mit der Politik angegangen werden. Der Abriss ganzer
Siedlungsteile, wie er in der Hochhaussiedlung Tenever aufgrund mangelnder
Nachfrage nötig geworden ist, sei eine Angelegenheit, die finanziell nicht von
der Privatwirtschaft alleine zu leisten sei. Meyer plädierte vor diesem
Hintergrund eindringlich für den Erhalt der städtischen
Wohnungsbaugesellschaften. Immerhin ist es auch in Tenever die mehrheitlich in
öffentlicher Hand befindliche Gewoba, die die maroden Hochhäuser aufgekauft hat,
um sie nun teils zu sanieren, teils der der Abrissbirne zu überlassen.
Professor Volker Eichener, der Leiter des Bochumer Instituts für
Wohnungsforschung (siehe Interview) ging noch einen Schritt weiter: Eine
nachhaltige Städtebaupolitik müsse sich weniger um die "hardware" als um die "software"
der Stadt kümmern. Eine Gesellschaft, in der die Alten und die Armen immer mehr
würden, bräuchte vor allem eines: Betreuung.
Sein Plädoyer, vor dem Hintergrund schrumpfender Städte ganze Quartiere
abzureißen um andere zu stärken, rief indes den Widerspruch des Staatssekretärs
im Bundesbauministerium Achim Großmann hervor. "In Deutschland und Frankreich
schrumpft die Bevölkerung vielleicht, aber die Weltbevölkerung explodiert", gab
er zu bedenken. "Wir müssen den Schalter zwar umlegen und auf den Bestand, statt
auf Neubau setzen, aber wir müssen die Hand am Schalter behalten", warb er für
ein möglichst flexibles wohnungspolitisches Instrumentarium, das auch neuen
Herausforderungen wie der Einwanderung gewachsen sein müsse. Mit den neuen
Programmen "Soziale Stadt" und "Stadtumbau West" - von beiden profitiert die
Quartierssanierung in Tenever - wolle die Bundesregierung genau das:
Ressortgrenzen überwinden und den Kommunen ein flexibles, auf die örtlichen
Gegebenheiten zugeschnittenes Mittel an die Hand geben. Auch Großmann warnte
davor, die städtischen Wohnungsgesellschaften "nur als Vermögenswerte"
anzusehen, die man einfach veräußern könne.
www.taz.de
28.03.2003
Die wirklichen Probleme kommen erst noch
Die Wohnungsbaupolitik der rot-grünen Bundesregierung steht unter heftiger
Kritik. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt rief beim 4. Leipziger
Baugespräch ("Bauen in Deutschland - Niedergang ohne Ende?") nach neuen
Prioritäten und anderen Rahmenbedingungen, um die Investitionsbereitschaft im
Bausektor anzukurbeln.
Was Milbradt forderte, bedeutet den Abschied von den bisherigen Leitlinien der
Wohnungspolitik: Schluss mit dem sozialen Wohnungsbau; massive Umschichtungen
der Fördermittel des "Stadtumbauprogramms Ost" zu Gunsten der
Abriss-Aktivitäten; eine Eigenheimzulage, die den Bestandserwerb gegenüber dem
Neubau bevorzugt; Investitionsmodelle, die die zu mehr Erträgen führen anstatt
zu höherer Kreditaufnahme, was die meisten Kommunen ohnehin nicht mehr
bewältigen könnten. Zudem sei den regional unterschiedlich verlaufenden
Marktentwicklungen mit einer ebenso differenzierten Förderung zu begegnen.
Konkret wurde Milbradt insbesondere in Sachen Stadtumbau- und Kreditprogramm:
"Anreize zur Sanierung sind überflüssig. Von den 400 000 leerstehenden Wohnungen
in Sachsen sind 150 000 saniert." Stattdessen fehle es an schnell wirksamen
Mitteln, um mit Abrissen die steuerinduzierte Überinvestition im Wohnungsbau aus
den 90er Jahren zu beseitigen. Nur wenn es gelänge, die immer weiter auseinander
klaffende Schere zwischen wohnungswirtschaftlichen Erträgen und Kosten wieder zu
schließen, sei die Misere des Wohnungsbaus und damit die der Bauwirtschaft zu
bewältigen. Was der Leerstand allein den kommunalen Wohnungsunternehmen kostet,
bezifferte Joachim Arlt vom Institut für Bauforschung: eine halbe Milliarde Euro
pro Jahr. Um Rückbau wirkungsvoll zu betreiben, müssen nicht nur mehr Gelder
fließen, so Milbradt, sondern etwa auch Abriss-Kündigungen in den
Maßnahmen-Katalog aufgenommen werden.
Massiver Rückbau ist laut Milbradt auch aus einem anderen Grund dringend
geboten: Bis 2010 werde die Zahl der Haushalte - und damit die der benötigten
Wohnungen - zwar weiter steigen. Danach öffne sich aber die Demographie-Falle
mit sinkenden Bevölkerungszahlen, und "dann kommen erst die wirklichen
Probleme".
www.welt.de
28.03.2003
Stadtumbau durch öffentliche Mittel allein nicht
finanzierbar
Brandenburgs Bauminister Hartmut Meyer fordert Stadtwerke und Banken zur
Beteiligung am Stadtumbau Ost auf. Die Mittel der öffentlichen Hand reichten nur
für den Abriss von 480 000 der etwa 1,5 Millionen leer stehenden Wohnungen in
den neuen Ländern aus, sagte Meyer am Mittwochabend in Frankfurt (Oder). Die
Stadtwerke hätten sich am Gewinn aus diesen Wohnungen beteiligt, nun müssten
auch sie ihren Beitrag zu den Infrastrukturkosten beim Abriss leisten. Auch die
Banken dürften bei der Bewältigung der Altschulden nicht aus der Verantwortung
entlassen werden.
Zudem kritisierte Meyer nach Angaben des Frankfurter Hanse-Unternehmerclubs die
Eigentumsförderpolitik des Bundes. Es sei ein Fehler, kinderlose Bauherren von
der Förderung auszuschließen. Junge Leute, die noch keine Kinder haben,
bräuchten Unterstützung, um überhaupt Eigentum bilden zu können. Ältere Menschen
müssten die Chance erhalten, in die Innenstädte zu ziehen und dort
Eigentumswohnungen zu kaufen.
www.moz.de
28.03.2003
Hirschberg : Vorhaben, das in die Zukunft reicht
Einhellig beschlossen die Hirschberger Stadträte am Mittwochabend, die Aufnahme
ihrer Stadt in das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" zu beantragen. Sie
konnten sich dabei auf positive Signale zu diesem Ansinnen stützen, die es bei
Gesprächen des Bürgermeisters im Landesverwaltungsamt gegeben hatte.
Der Hirschberger Antrag wird damit begründet, dass das Stadtbild geprägt ist von
nicht mehr verwertbaren Wohn- und Gewerbeobjekten sowie von Freiflächen auf dem
Gelände der ehemaligen Lederfabrik. Für die Zukunft und auch schon in
Vorbereitung auf das Jubiläum "525 Jahre Stadtrecht" im kommenden Sommer erhofft
man sich dadurch deutliche Fortschritte im Sanierungsgebiet.
Die konkreten Maßnahmen, die beantragt werden, sind Abrisse in der Saalgasse,
Uferstraße, Karl-Liebknecht- und Jägerstraße. Neu gestaltet werden soll die
Fläche zwischen Kulturhaus und Museum, das Außengelände um beide Gebäude und die
Uferzone. Dafür liegen bereits fertige Projekte vor. Mit Hilfe von Vergabe-ABM
hofft der Stadtrat, für diese Maßnahmen eine 100-prozentige Förderung zu
erreichen. Anders kann die Stadt Hirschberg bei ihrer Haushaltslage solche
Vorhaben nicht angehen.
www.otz.de
27.03.2003
Meuselwitz: schrumpft und hat Wohnungen zuviel
Im Jahr 2015 werden voraussichtlich nur noch 8800 Menschen in Meuselwitz sowie
den Ortsteilen leben. Deshalb werden dann an die 1000 Wohnungen überflüssig sein
und könnten im Rahmen des Projekts Stadtumbau Ost abgebrochen werden. Erstmals
stellte der mit der Studie beauftragte Geraer Architekt Thomas Weber seine
Studie dem Stadtrat vor.
Bei der Analyse handelt es sich wie auch bei den Lösungsmöglichkeiten um ein
unverbindliches und manchmal auch etwas provokantes Diskussionspapier. Dennoch
herrschte bei Webers Ausführungen teilweise sichtlich Betroffenheit. "Das hat
einen förmlich überrollt", bekannte SPD-Mann Peter Dütsch, der zugleich
durchdrückte, dass die Präsentation vom nichtöffentlichen Teil in die
öffentliche Tagesordnung übernommen wird. "Hier hat von Anfang an die
Öffentlichkeit ein Recht, beteiligt zu sein", begründete er und die Mehrheit der
Stadträte gingen da mit.
Weber ließ deutliche Zahlen sprechen: Von 1989 bis 2002 sank die Einwohnerzahl
in Meuselwitz von 12 000 auf 10 000. Jeder fünfte Einwohner davon sei jenseits
der 65 Jahre. Die Überalterung der Stadt ist prägnant und ragt über der des
Umlands hinaus. Zugleich stieg der Wohnungsbestand aber um 250 auf heute 5600
an. Davon sind schon heute gerade 4800 bewohnt, was einem Leerstand von rund 14
Prozent entspricht. Halte der Abwanderungstrend an, so sei zu erwarten, dass es
schon 2015 nur noch 8800 Meuselwitzer gibt. "Und es gibt derzeit leider
keinerlei Anzeichen, dass sich hier eine Trendwende einstellen könnte", spielte
Weber auf die gespannte wirtschaftliche Lage an. In zwölf Jahren müsse deshalb
damit gerechnet werden, dass in Meuselwitz sowie den Ortsteilen zirka 1000
Wohnungen leer stehen. Für eine genaue Analyse des Leerstands haben der
Stadtplaner und seine Mitarbeiter Schnauderstadt und Ortsteile in zehn gesondert
untersuchte Gebiete unterteilt. In den Ortsteilen sei der Leerstand vor allem in
Bünauroda und Mumsdorf mit etwa 16 Prozent frappierend. In der eigentlichen
Stadt ist die Altstadt mit allein 300 leeren Wohnungen, aber auch das Quartier
um die Breitscheid- sowie Ebertstraße mit 230 Leerständen betroffen.
Eine Lösung, sprich ein Rück- oder Umbau des Überschusses gestaltet sich in
Meuselwitz schwierig. Denn im Gegensatz zu anderen Städten verfüge die Stadt
nicht über ein zu DDR-Zeiten hochgezogenes Neubaugebiet, wo Abrisse problemloser
vollzogen werden könnten. Vielmehr müssen in Meuselwitz die
Wohnungsgesellschaften und viele private Grundstückseigentümer für den
Stadtumbau an einen Tisch kommen. Bausubstanz, die nach der Wende saniert worden
ist und denkmalgeschützte Gebäude sind vom Abriss ausgeschlossen. Zugleich griff
der Architekt besonders die Altstadt heraus. Als Umbauschwerpunkte nannte er die
Quartiere Freiligrath-/Bebel- sowie Schulstraße bis hin zum Poetenweg, die
Poderschauer Gasse und die Goethestraße.
www.otz.de
27.03.2003
Rostock: 18 Millionen Euro für die Innenstadt
Die Zustimmung des Bauministeriums fehlt noch, doch der grobe Fahrplan steht
bereits fest. 18 Millionen Euro Städtebauförderung sollen auch 2003 wieder in
Rostocks Zentrum investiert werden.
Vor allem die Verbesserung der Infrastruktur steht dabei für Oberbürgermeister
Arno Pöker im Mittelpunkt. Denn die sei indirekt Anstoß für weiteres privates
Engagement. In der Innenstadt wird in diesem Jahr der Jakobikirchplatz gestaltet
und die Pädagogienstraße saniert. Das Areal zwischen Marienkirche und
Kistenmacherstraße wird in Angriff genommen, wobei hinter dem Restaurant Old
Western ein Fußgängerweg entsteht. Und weil auch die künftige Deutsche Med ein
besseres Umfeld verdient habe, soll im Sommer der Westeingang Unterwall
wiederbelebt werden.
Doch nicht nur im Zentrum sondern auch für die Neubaugebiete kündigte der
Oberbürgermeister Maßnahmen aus der Städtebauförderung an. "Allein für die
Wohnumfeldverbesserung werden wir voraussichtlich mehr als 5,8 Millionen Euro
aus dem Programm Stadtumbau Ost investieren." Profitieren werden Toitenwinkel,
Dierkow, Evershagen, Groß Klein und Schmarl. Ein Beispiel für viele
Einzelvorhaben ist das künftige Hansa-Trainingszentrum, ein anderes der Schulhof
des Ostseegymnasiums Evershagen. Groß Klein und Schmarl schließlich bekommen in
diesem Jahr zusätzliche Förderung aus dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt.".
Knapp 1,8 Millionen Euro will Rostock aus diesem Topf nehmen.
www.svz.de
27.03.2003
Warnemünde: Abriss lässt Mietniveau steigen
Trotz Abriss und Rückbau – preiswerter und bezahlbarer Wohnraum in Rostock und
Umgebung muss erhalten bleiben. Dies hat der Vorsitzende des Rostocker
Mietervereins, Dr. Lutz Danke, bei der gestrigen Mitgliederversammlung im
Bildungs- und Kongresszentrum des TPW in Warnemünde gefordert. Der Grund: Sowohl
in der Hansestadt als auch in den umliegenden Orten werden im Rahmen des vom
Bund bezuschussten Stadtumbau-Programms Ost zur Beseitigung von Leerstand
Wohnungen abgerissen.
In Dankes Augen ist dies ein Schritt in die falsche Richtung. Vor allem würde
damit das allgemeine Mietniveau angehoben werden, erklärte er die Folgen. Laut
Lutz Danke kann und darf es nicht sein, das mit öffentlichen Fördergeldern
Vermieter entlastet, Mieter aber durch höhere Mieten und Betriebskosten
„unzumutbar und stärker belastet werden“.
Das Engegament zur Erhaltung preiswerten Wohnraums ist nur eine wichtige
Aufgabe, die sich der Mieterverein in diesem Jahr auf die Fahnen geschrieben
hat. Wie Lutz Danke gegenüber OZ sagte, steht auch die Arbeit an Miet-, Heiz-
und Betriebskostenspiegeln weit oben auf der Aktionsliste.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
26.03.2003
Müritzkreis: Wohnungs-Leerstand bereitet Dörfern
weiter große Sorgen
Der Nachbar aus dem zweiten Stock zieht nach Waren. Auch die junge Familie aus
dem Erdgeschoss ist beim Kisten packen, der Mann hat in den Altbundesländern
Arbeit gefunden. Die Familie darüber freut sich auf das Richtfest für das neue
Eigenheim. Im Herbst werden auch sie ausziehen. Die Wohnungen im sanierten
Plattenbau bleiben leer. Und diese Entwicklung geschieht nicht etwa nur in
Stadt, sondern vor allem auf dem Land. Dieser Leerstand drückt nicht nur aufs
Gemüt der Lokalpolitiker, sondern auch auf die Finanzkraft der Gemeinden. Zum
Beispiel Lupendorf: Seit drei Jahren kämpft die Kommune mit einem
unausgeglichenen Etat. Dort schlägt die Leerstandsquote von30 Prozent heftig ins
Kontor. "Die Mieteinnahmen bleiben aus. Die Sanierungskredite müssen weiter
gezahlt werden", erläuterte die Moltzower Amtsleiterin Petra Kruse. Der
Bürgermeister wolle deshalb einen Antrag auf Abriss eines Blockes stellen.
Lupendorf folgt damit dem Beispiel Hohen Wangelins. "Das Land hat rund 260 000
Euro für den Abriss eines Neubaublocks bewilligt", freute sich Kruse. Das
Stadtumbauprogramm Ost, ursprünglich nur für Städte gedacht, werde nun auch in
der ländlichen Region angewandt. Gerade auf diesen Bereich sei in Zukunft noch
mehr Augenmerk zu legen, forderte die Amtsleiterin. Denn beispielsweise in Hohen
Wangelin bleiben auch nach dem Abriss noch 25 Prozent der Wohnungen leer.
"Die Blöcke sind weg, die Mieteinnahmen fehlen, doch die finanziellen
Forderungen von Altschulden und Sanierung bleiben", legte Kruse den Finger auf
den wunden Punkt. Hier müsse die Bundesregierung mit ins Boot geholt werden.
Nach Kruses Einschätzung werden die großen Probleme in einigen Jahren kommen,
wenn die Überalterung auf dem Land weiter zu nehme.
Die Auswirkungen von "sterbenden Dörfern" zeigt sich auch im Amtsbereich
Rechliner Land. "Wenn die Sparkasse schließt, die Schule abgezogen wird und zum
Schluss gar noch die Verkaufsstelle dicht macht, gehen auch die Mieter",
berichtete die Geschäftsführerin der Wohnungsverwaltungsgesellschaft, Petra
Schulz, über ihre Erfahrungen. Bislang seien in Rechlin von 189 gemeindeeigenen
Unterkünften gerade einmal zwei unbewohnt. In Melz sei es ebenso. "Doch hier
stimmt noch die Sozialstruktur im Dorf", erklärte Schulz. Ganz anders dagegen in
Priborn. Die Gemeinde kämpfe mit 20 Prozent Leerstand. "Mieter haben bereits
angekündigt, dass auch sie gehen, sollte die Grundschule schließen."
Große Schwankungen mit nichtvermieteten Wohnungen registriert auch das Amt
Penzliner Land. Am stärksten betroffen sind dabei Möllenhagen und Groß Vielen
mit einer Leerstandsquote von 26,5 Prozent beziehungsweise 37,8 Prozent. Dagegen
hat Ankershagen gerade einmal drei leer stehende Wohnungen, was eine Quote von
5,1 Prozent bedeutet. "Und in Krukow ist alles vermietet", sagte die
Amtskämmerin Cornelia Zebrich.
www.nordkurier.de
26.03.2003
Neukieritzsch: Schandfleck in Neukieritzsch
verschwindet im April
Erstmals soll jetzt in Neukieritzsch ein leer stehendes und unsaniertes
Mehrfamilienhaus im Rahmen des Ortsentwicklungskonzeptes den Abrissbaggern
weichen. Das betrifft die Glück-auf-Straße 2 bis 8 mit insgesamt 16 Wohnungen.
Der Abriss erfolgt im April.
"Das Haus ist in einem so schlechten Zustand, dass sich eine Sanierung nicht
lohnt", erklärte Gerd Valentin, Mitarbeiter der in Rötha ansässigen
Wohnungsgenossenschaft Rend, der dieses Gebäude gehört. Die dafür erforderlichen
Gelder wurden im Rahmen des Förderprogramms "Stadtumbau Ost" von der Sächsischen
Aufbaubank zugesagt.
Wie Gerd Valentin weiter sagte, erfolge der Abriss in Abstimmung mit der
Gemeinde. Der Vorteil liege für beide Seiten auf der Hand. "Wenn das marode
Gebäude verschwindet, trägt das zur Verschönerung des Ortsbildes sowie zur
Konsolidierung des Wohnungsmarktes in der Gemeinde bei. Außerdem entfallen für
unsere Genossenschaft die Kosten, welche auch ein leer stehendes Haus
verursacht."
Sobald das Gebäude dem Erdboden gleichgemacht ist und die Trümmer beräumt sind,
wird im Auftrag von Rend vorerst eine Grünfläche angelegt.
Derzeit stehen von den rund 1800 Wohnungen in Neukieritzsch knapp zwölf Prozent
leer.
Noch in diesem Jahr sollen weitere unsanierten Gebäude weichen.
www.lvz-online.de
25.03.2003
Brüel: Leerstand nimmt Leerstand zu
Über zwölf Prozent der Wohnungen in Brüel einschließlich der Ortsteile stehen
leer. Besonders gravierend ist der zunehmende Leerstand im Geschosswohnungsbau
der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (STEWO) in der Feldstraße und auf dem
Mühlenberg in Brüel.
Hatten in Brüel 1989 noch 3435 Einwohner ihren Hauptwohnsitz waren es im
vergangenen Jahr nur noch 3147 Bürger. Was bedeutet, dass die Stadt allein in
diesem Zeitraum über acht Prozent ihrer Einwohner verloren hat. Im
Landesdurchschnitt betrug der Rückgang im gleichen Zeitraum ca. zehn Prozent.
Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und auch in
Brüel in den nächsten zehn Jahren "mit einem weiteren Einwohnerverlust von
geschätzt acht bis zehn Prozent und daraus resultierend mit einer Erhöhung des
Wohnungsleerstandes zu rechen ist", wie es in einer Beschlussvorlage der
jüngsten Stadtvertretersitzung heißt.
Schlussfolgend könne das Problem des Wohnungsleerstandes "nur über den Rückbau
des dauerhaft leestehenden Wohngebäudebestandes gelöst werden".
Die STEWO beabsichtigt, die betroffenen Wohnungsblöcke in der Feldstraße 1 bis 3
und 5 bis 9 sowie auf lange Sicht auf dem Mühlenberg 8 bis 10 abzureißen und
beantragte bei der Stadt als Antragsberechtigte die Aufnahme in die
Gesamtmaßnahme der Rückbauförderung. Die Stadtvertreter bestätigten auf ihrer
jüngsten Sitzung einstimmig den Antrag der STEWO und den damit verbundenen
Rückbau.
Stadtvertreter Jürgen Goldberg hatte vorab darüber informiert, dass der
Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr schon in den vergangenen zwei
Jahren immer wieder gemeinsam mit der STEWO zum Problem Leerzug beraten habe.
Denn wie Repp auf der Stadtvertretersitzung auch informierte, hatte es bereits
eine Selektion dahingehend gegeben, nur Städte über 20000 Einwohner in das
Programm aufzunehmen. "Aufgrund von Protesten kleinerer Städte wurde dann aber
in Aussicht gestellt, auch Rückbauten, die mit der Städtebauentwicklung
einhergehen, zu bedenken", erklärte er und auch, dass es sicherlich illusorisch
sei, damit zu rechnen, den Leerstand durch Zuzug ausgleichen zu können.
www.svz.de
25.03.2003
Wohnungswirtschaft in Sachsen fordert
"Abrisskündigung"
Der Verband der sächsischen Wohnungsunternehmen (VSWU) hat sich erneut für eine
"Abrisskündigung" ausgesprochen. Es müsse möglich sein, einem Mieter zu
kündigen, der in einem für den Abriss vorgesehenen Haus wohnt. Die Europäische
Union könnte mit Fördergeldern künftig ostdeutschen Kommunen beim Abriss von
leer stehenden Wohnungen helfen.
Derzeit werde ein Vorschlag des EU-Abgeordneten Ulrich Stockmann (SPD) geprüft,
sagte ein Sprecher von EU-Regionalkommissar Michel Barnier gestern in Brüssel
der Deutschen Presseagentur. Das Geld könne zu diesem Zweck eingesetzt werden.
Die Union stellt in der laufenden Förderperiode 2000 bis 2006 rund 700 Millionen
Euro für das Gemeinschaftsprogramm "Urban" bereit, davon 140 Millionen Euro für
deutsche Städte und Gemeinden. Die Finanzspritze soll den Kommunen helfen,
betroffene Städte oder Stadtviertel wieder lebenswert zu machen.
Der SPD-Politiker aus Magdeburg schlug der EU-Kommission vor, ein
Extra-Hilfsprogramm für die Kommunen aufzulegen. Stockmann hatte in einem Brief
an Barnier auf den Bevölkerungsrückgang und die rund 1,3 Millionen leer
stehenden Wohnungen in Ostdeutschland hingewiesen. Die Sanierung, der Abriss und
die Demontage von Gas- und Wasserleitungen treibe Kommunen und
Wohnungsunternehmen in den Ruin.
Sachsen wollte im Rahmen einer ohnehin geplanten Änderung des Baugesetzbuches
dieses Problem ausräumen lassen. Möglicherweise gibt es für das spezifische
Ostproblem auf diesem Weg keine Mehrheit. Der Vorstoß sollte verhindern, dass
letzte Mieter eines zum Abriss vorgesehenen Hauses mit überzogenen Forderungen
nach Umzugsprämien den Stadtumbau behindern. Eine Kündigung sollte allerdings an
Bedingungen geknüpft werden. Es gehe nicht darum, Mieter willkürlich auf die
Straße setzen zu lassen, sagte der Sprecher des sächsischen Innenministeriums,
Thomas Uslaub, gestern gegenüber DNN. Mittlerweile denkt der Freistaat über eine
eigene Bundesratsinitiative nach, um seinem Vorhaben zum Durchbruch zu
verhelfen.
www.dnn.de
22.03.2003
Braunschweig: Abriss von Häusern nicht
ausschließen
Wie wird sich der Wohnungsmarkt in Braunschweig in den kommenden
Jahren entwickeln? Diese Frage ließ die Arbeitsgemeinschaft Wohnungswirtschaft
untersuchen. Das Ergebnis, das gestern vorgestellt wurde: Die Nachfrage nach
großen Wohnungen und Wohneigentum wird steigen, die nach kleinen Wohnungen
weiter sinken.
"Die Zeiten, in denen sich ein Wohnungsbewerber in lange Wartelisten aufnehmen
lassen musste, sind lange vorbei", erklärte Wiederaufbau-Vorstand Werner Wedekin,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wohnungswirtschaft Braunschweig, Salzgitter
und Wolfenbüttel, in der Wohnungsunternehmen organisiert sind. Und, die
Ergebnisse der Studie vorweg nehmend: "Unser Wohnungsangebot muss stärker an
Markterfordernisse angepasst werden."
Die Untersuchung, von "Gewos –Institut für Stadt-, Regional und Wohnforschung"
in Hamburg erarbeitet, stellte deren Prokurist Dr. Peter Scibbe vor. Und der
wies darauf hin, dass sich die demographischen Veränderungen auch in
Braunschweig deutlich auf die Wohnraumnachfrage auswirken würden. Scibbe: "Schon
jetzt ist der Anteil an jungen Familien in Braunschweig unterdurchschnittlich.
Währenddessen steigt der Anteil älterer Menschen weiter an."
Überdurchschnittlich ist, so das Ergebnis der Untersuchung, der Anteil junger
Menschen der Altersgruppe von 20 bis 34 Jahren, der sogar steigt. Der Grund: Die
guten Ausbildungs- und Studienangebote in der Stadt. Das ändert aber nichts
daran, dass die Bevölkerungszahl Braunschweigs bis zum Jahr 2015 um vier Prozent
auf 240400 Einwohner sinken wird (2001 waren es 245501 Einwohner).
Dabei wird es nicht nur eine Nachfrage nach Wohneigentum, sondern auch nach
Mietwohnungen – vor allem auch großen – geben. Denn die Menschen müssen
beruflich mobiler sein, und wenn auch die Familien nicht größer werden, das
gutverdienende Ehepaar ohne Kinder fragt nach großzügigen Wohnungen, die in
Zukunft immer mehr zum Statussymbol werden. Das zeigt sich an der Prognose, die
in einer pessimistischen Version von einem Wohnraumleerstand von 7200 Einheiten
im Jahr 2015 ausgeht. 1- und 2-Zimmerwohnungen werden demnach 2400 zuviel
angeboten werden, mittlere Wohnungen 4250. Einzig für große Wohnungen wird es
nach dieser Berechnung einen Nachfrageüberhang von 3650 geben.
Um der Gefahr von Leerständen, der Verwahrlosung von Wohngebieten
entgegenzuwirken, dürfe künftig auch der Abriss von Häusern nicht ausgeschlossen
werden, betonte Bernd Meyer, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft
Niedersachsen und Bremen. In der Hansestadt habe man damit bereits begonnen. Der
Abriss berge die Chance, Wohnqualität in Quartieren zu entwickeln. Auch Wedekin
sieht Handlungsbedarf: "Wenn wir uns nicht bewegen, bekommen wir wirtschaftliche
Probleme, die Stadt aber soziale." Die Wohnungsunternehmen könnten zwar
innerhalb ihres Bestands gegensteuern, bei der Lösung der Probleme ganzer
Quartiere müsse die Stadt mit eingebunden werden. Um diese Fragen zu lösen,
empfahl Wedekin die Bildung eines runden Tisches "Wohnen in Braunschweig" .
www.newsclick.de
22.03.2003
Wilkau-Haßlau: Dietelhäuser in Haara werden zu
attraktiver Wohnanlage umgebaut
In den kommenden Jahren sollen vor allem durch umfassende Sanierung von
Wohngebäuden, den notwendigen Abriss maroder und leer stehenden Häuser sowie das
Anlegen neuer Grünflächen und Parkanlagen die Wohnbedingungen und das -umfeld in
Wilkau-Haßlau weiter verbessert und damit attraktiver gestaltet werden.
Arbeitsgrundlage aller vorgesehener Maßnahmen ist ein Integriertes
Standtentwicklungskonzept (ISEK), das die Stadträte auf ihrer Sitzung am
Donnerstagabend einstimmig verabschiedet haben.
Bürgermeister Frank Lange machte die Abgeordneten darauf aufmerksam, dass ISEK,
indem es ständig weiter entwickelt und angepasst wird, kein starres Konzept sei.
Das Wohngebiet an der Cainsdorfer Straße, das zu den Stadtumbau-Bereichen in
Wilkau-Haßlau gehört, hat zurzeit 670 Wohnungen, die in der Wendezeit entstanden
und weitestgehend noch unsaniert sind. Aufgrund des zunehmenden Leerstandes
sollen im mittleren Teil einzelne Blöcke abgebrochen werden. In der damit
entstehenden Schneise werden Grünanlagen geschaffen.
Nicht mehr allzu lange wird es dagegen dauern, bis im Stadtteil Haara mit dem
Umbau der Dietelhäuser zu einer attraktiven Wohnanlage begonnen wird. Denn es
ist vorgesehen, diese sanierten Wohnungen auch denjenigen Bürgern anzubieten,
die beim Rückbau der Plattenbausiedlung an der Cainsdorfer Straße umziehen
müssen. Durch Maßnahmen innerhalb des Stadtumbaus soll sich auch das Wohnumfeld
für die Häuser ändern, die an der stark befahreren Bundesstraße 93 stehen.
www.freiepresse.de
21.03.2003
Neubrandenburg: Erste Platte geht zu Boden
Am 31. Mai ist von dem Hochhaus am Kaufhof Süd nichts mehr zu sehen. Wie sonst
nur Grundsteinlegungen oder erste Spatenstiche hatte gestern der Abrissbeginn
für den Elfgeschosser Am Anger 17 einen "großen Bahnhof". Kurz nach 16 Uhr
schwebte am Haken des etwa 40 Meter hohen Krans eine 3,2 Tonnen schwere
Betonplatte zu Boden.
Ein historischer Moment, für den es allerdings von den Abgeordneten und
Mitarbeitern der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (neuwoges) keinen Beifall
gab: Der erste Plattenbau überhaupt in der Viertorestadt wird platt gemacht, ein
eher "trauriger Anlass", wie es in der Runde hieß. Der Wohnungsleerstand macht
der Wohnungsgesellschaft (neuwoges) seit Jahren Kopfzerbrechen. Die neuwoges
beklagt derzeit einen Leerstand von etwa 13 Prozent - Ausdruck vor allem eines
Neubrandenburger Einwohnerschwundes von 91 000 auf 69 000. Mietausfall und
kostspielige Sicherungsmaßnahmen belasten die Gesellschaft. Darum der Abriss,
wie auch neuwoges-Geschäftsführer Michael Kunz begründete. So ein Bild wie Am
Anger 17 werde es ab jetzt in den nächsten 20 Jahren beim Stadtumbau des öfteren
zu sehen geben.
Die sechs bis acht Bauleute aus Dolgen nehmen nun bis einschließlich der achten
Etage Platte für Platte ab. Etwa nach den Osterfeiertagen, so Dietmar Namokel,
soll die Betonschere zum Einsatz kommen. Am 25 Meter langen Auslegearm eines
Baggers befestigt, wird die Schere den Rest des Gebäudes abbrechen. Ende der
60er Jahre wurde es errichtet, ist fast 33 Meter hoch und beherbergte bislang
132 Wohnungen.
Jetzt wird in Abrissgrößen gerechnet: Von 18 000 Kubikmeter umbauten Raums, also
6000 Kubikmeter Schutt, ist die Rede. Bevor die Demontage des Elfgeschosser
begann, ist ein Asbestkataster erstellt und die Entsorgung des Asbetes
vorgenommen worden, wie die neuwoges mitteilte. Außerdem habe man sämtliche
Einbauten entfernt. Am Ende bleibt nun ein Parkplatz.
www.nordkurier.de
21.03.2003
Das Stadtumbauprogramm muss umgebaut werden
Wie konkret und wie glaubhaft sind die amtlichen Konzepte für die "schrumpfende
Stadt"? Das Problem ereilt den Westen Deutschlands nur mit zeitlicher
Verzögerung. 1,4 Millionen leer stehende Wohnungen in den neuen Ländern,
zugleich wachsende Leerstände jetzt auch in den westlichen
Alt-Industrie-Regionen - wie reagiert die Politik?
Zwei Tagungen über die "schrumpfende Stadt" jüngst in Bochum und Düsseldorf, ein
Leerstandskongress in Halle/Saale nur eine Woche später. Vollbesetzte Säle,
Riesenaufgebote von Kommunalvertretern, Bundes- und Landespolitikern, Experten
der Wohnungswirtschaft und der Bürgervereine. Dies sind klare Belege dafür, dass
die größte Krise der Siedlungsentwicklung inzwischen voll auf die Märkte und die
Politik durchschlägt. Aber ähnlich hilflos wie im Osten erweisen sich auch die
"Akteure" des Stadtumbaus im Westen: Nur bloß Nichts dramatisieren und vor allem
nicht von Abriss reden.
Dass zum Beispiel viele 50er-Jahre Siedlungen in Westdeutschland verschlissen
und nicht mehr zeitgemäß sind, darüber herrscht breiter Konsens. Dass sie
saniert und modernisiert werden müssen - das haben die Wohnungsgesellschaften
längst begriffen. Aber dass oft auch ersatzlos abgerissen werden muss, um diese
Konsequenz mogeln sich die meisten herum.
Da war man in Halle einen Schritt weiter. Dass rückgebaut und abgerissen werden
muss, steht in den neuen Ländern seit zwei Jahren außer Frage. Aber nun zeigen
sich die handwerklichen Fehler des Stadtumbauprogramms der Bundesregierung:
Niemand fängt an, weil jeder argwöhnisch auf den andern schielt, der sich
womöglich um den Abriss drücken könnte, um mit "freigesetzten" Mietern seine
Wohnsilos neu zu füllen.
Aber nicht das einzelne Gebäude, sondern der Siedlungstyp hat ausgedient. Für
die Städte und Wohnungsgesellschaften sind die leer laufenden Großsiedlungen, um
die es einzig gehen kann, zu einer gewaltigen Kapitalvernichtungsmaschine
geworden.
Da hilft kein Schönreden mehr. Das Stadtumbauprogramm muss selbst von Grund auf
umgebaut werden. Und zwar jetzt.
www.welt.de
21.03.2003
Stavenhagen: Erster Plattenbau verliert seine
oberen zwei Stockwerke
In der Reuterstadt geht es am kommenden Montag dem ersten Neubaublock an den
Kragen. Damit wird quasi für die gesamte Region der Startschuss für eine groß
angelegte Veränderung gegeben: Rückbau und Abriss von Plattenbauten, um den
immer geringer werdenden Bevölkerungszahlen gerecht zu werden.
In dem Neubaublock Straße am Wasserturm 2-8 geht es mit der Entkernung der
vierten und fünften Etage los. Laut Eckhard Beyer, Leiter der Stavenhagener
Wohnungsverwaltung, folgt unmittelbar danach der Rückbau der Stockwerke, die
dann durch ein Spitzdach ersetzt werden. "Dieser Bereich wird aber nicht
ausgebaut, sondern soll als Trockenboden dienen", sagt Beyer. "24 Wohneinheiten
stehen zur Verfügung, von denen schon sechs bereits wieder vergeben sind."
Es soll zum Teil massive Veränderungen bei der räumlichen Aufteilung der
Wohnungen geben. Dabei will man sich vor allem nach den Wünschen der zukünftigen
Mieter richten. "So werden zum Beispiel einige Kinderzimmer zu Küchen umgebaut",
erläutert der Chef der Wohnungsverwaltung weiter. "Auch ist die Beseitigung der
Trennwand zwischen Bad und Küche geplant, um die Bäder großzügiger zu
gestalten." Einige Wohnungen werden allerdings im Zuschnitt genauso bleiben wie
sie sind. Auch das sei ein Wunsch von Mietern gewesen.
"Um noch Einfluss auf die Gestaltung der jeweiligen Wohnung nehmen zu können,
schlage ich potentiellen Mietern vor, sich sofort bei uns zu melden. Der Umbau
des Blocks in der Straße am Wasserturm wird rund 1,2 Millionen Euro kosten. 750
000 Euro von den Kosten steuert laut Beyer das Land bei.
www.nordkurier.de
20.03.2003
Gera: Wohngebiet Südstraße soll umgestaltet werden
Für die Erarbeitung eines Quartierrahmenplanes für das Wohngebiet
Südstraße/Debschwitzer Straße/Fröbelstraße in Gera-Debschwitz hat sich der Bau-
und Stadtentwicklungsausschuss Gera einstimmig ausgesprochen.
Momentan stehen in den sieben Fünfgeschossern der Wohnungsbaugenossenschaft
"Glück Auf", den vier Fünf- und einem Elfgeschosser der Geraer
Wohnungsbaugesellschaft "Elstertal" zwischen 10 und 30 Prozent der Wohnungen
leer. Der Plan sieht deshalb vor, dass die Anzahl der Wohnungen reduziert und
damit die verbleibenden aufgewertet werden sollen. "Wir haben den Inhalt der
Pläne mit den Wohnungseigentümern besprochen", erklärt Konrad Steinbrecht,
Leiter des Stadtplanungsamtes Gera. Durch Abriss, Zusammenlegen von Wohnungen
und Bilden von Maisonetten sollen die Pläne realisiert werden.
Außerdem sollen attraktive Außenanlagen und mehr Stellplätze in der Siedlung
entstehen.
Heute wird der Stadtrat Gera entscheiden, ob Pläne zur Umgestaltung des
Debschwitzer Wohngebietes erarbeitet werden. Sollten Geras Stadträte zustimmen,
kann mit der Planung begonnen werden. Steht diese, können Fördergelder beantragt
werden.
www.otz.de
20.03.2003
Der lange Weg zur neuen Stadt
Der „Umbau Ost“ kommt kaum voran. Auch in Brandenburg wird derzeit vor allem
abgerissen
In diesem Jahr sollen in Brandenburg rund 5000 leerstehende Wohnungen abgerissen
werden – so viele wie noch nie. Man wolle den notwendigen Stadtumbau jetzt mit
aller Kraft vorantreiben, sagte der zuständige Abteilungsleiter im
Stadtentwicklungsministerium, Hans Eichler, dem Tagesspiegel. Deshalb werde die
Zahl der ursprünglich für einen Abriss vorgesehenen Wohnungen (2700) fast
verdoppelt. Auch in den kommenden Jahren sollen jährlich zwischen 5000 und 6000
Wohnungen in alten DDR-Plattenbauten der Abrissbirne zum Opfer fallen. Der Umbau
werde das Gesicht vieler märkischer Städte und damit auch des Landes in den
nächsten Jahren verändern, sagte Eichler.
Eichler sieht die Lage in Brandenburg zwar nicht ganz so dramatisch wie
beispielsweise in Sachsen-Anhalt oder Sachsen, hält jedoch ebenfalls eine
Fortsetzung des Stadtumbau-Programms über 2009 hinaus für erforderlich. Im
Rahmen des laufenden Programms könnten in den nächsten Jahren etwa 50 000
Wohnungen abgerissen werden. 160 000 stünden in Brandenburg zur Zeit leer, diese
Zahl werde weiter steigen. Eichler hält deshalb ein 20-Jahres-Programm
erforderlich.
Dass Brandenburg nicht so stark wie andere ostdeutsche Länder betroffen ist,
liegt nicht zuletzt an den besonderen geographischen Bedingungen: In Berlinnähe
gebe es teilweise einen starken Bevölkerungszuwachs, so dass der Leerstand im so
genannten Speckgürtel deutlich geringer sei. Er betrug dort 2001
durchschnittlich nur 7,4 Prozent. Hingegen nimmt die Bevölkerung in den
Randregionen dramatisch ab. Die Leerstandsquote betrug dort im gleichen Jahr
rund 14 Prozent. Es gibt allerdings eine Reihe von Städten, wo inzwischen jede
vierte Wohnung leer steht: So in Lauchhammer, Luckenwalde und Wittenberge.
www.tagesspiegel.de
19.03.2003
Hermsdorf: Konzeptionelle Stadtplanung durch Fachleute
begleitet
Das Jahr 2010 setzt Hermsdorf als Fixpunkt bei der weiteren Planung der
Stadtentwicklung. Ein so genanntes Stadtentwicklungskonzept soll dabei eine
Richtschnur bilden.
Zu dessen Erarbeitung hat sich die Kommune nun professionelle Hilfe ins Boot
geholt. Ein Mellinger Ingenieurbüro erhielt vorige Woche den Zuschlag.
Bis zum Jahresende will Hermsdorf sein Stadtentwicklungskonzept vorlegen,
welches dann auch einen beschließungsfähigen Flächennutzungsplan enthalten soll.
Weitere Bestandteile sind eine Verkehrskonzeption und der Grünordnungsplan.
Der Grobplan sieht jetzt bis Ende September das Gerüst des Konzeptes vor,
welches dann durch detailierte Aufarbeitung bis Dezember seinen Feinschliff
bekommen soll.
Hermsdorf fängt allerdings in dieser Planung nicht bei Null an. Vorherige
Konzepte und Eckpunkte werden einfließen, so aus der Lokalen Agenda 21 und dem
Programm Stadtumbau Ost. Gerade bei letzteren sieht Hermsdorf eine günstige
Voraussetzung in der weiteren Verbesserung der Wohnsubstanz, der Möglichkeit,
sich als Wohnstadt zu präsentieren und damit wieder mehr Einwohner zu gewinnen.
Dazu soll sich auch der Charakter der Neubaugebiete verändern, wie zum Beispiel
durch die Integration weiterer sozialer Anlaufstätten, was bereits in der
Waldsiedlung umgesetzt wird.
www.otz.de
18.03.2003
Holter fordert Erlass der Altschulden im Wohnungsbau
Die Wohnungsgesellschaften in Ostdeutschland sollten nach den Worten von
Bauminister Helmut Holter von ihren Altschulden aus der DDR-Zeit entlastet
werden. Nach der jetzigen Regelung werden die Unternehmen nur entlastet, wenn
sie einen Leerstand von mindestens 15 Prozent aufweisen und in ihrer Existenz
gefährdet sind, sagte Holter. Wenn die Belastung der Unternehmen weiter anhalte,
bestehe die Gefahr, dass der Stadtumbau Ost nicht wie geplant weitergeführt
werden kann.
Bei der Wiedervereinigung wurden die Kreditverpflichtungen der ostdeutschen
Wohnungsunternehmen als weiter gültig eingestuft. Vielen Unternehmen waren zu
DDR-Zeiten für den Neubau von Plattenbauten hohe Kredite zugeordnet worden. Die
Verträge wurden als wirksam eingestuft und gingen an Privatbanken über. Bis Ende
1993 hatten die Banken auf Initiative der Bundesregierung den Schuldendienst
ausgesetzt, da er wegen der niedrigen Mieten nicht bedient werden konnte.
Seither müssen Zins und Tilgung geleistet werden, auch wenn die Wohnungen leer
standen oder bereits abgerissen wurden.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
15.03.2003
Jena: Letzter Mieter muss Wohnung räumen und die
Kosten tragen
Der letzte Mieter des Abrissblocks in der Paul-Schneider-Straßemuss die Wohnung
unverzüglich räumen und trägt allein die Kosten des Verfahrens. Das entschied
gestern das Amtsgericht Jena und gab damit einer Räumungsklage des Vermieters
SWVG statt.
Richter Rainer Preuß, der die Urteilsverkündung wegen Zahnschmerzen um eine
Woche aufgeschoben hatte, begründete das Urteil mit der besonderen Situation des
Vermieters. Der Leerstand sei demographisch bedingt und nicht von der SWVG zu
verantworten. Daraus begründe sich ein berechtigtes Interesse des Vermieters zur
Kündigung. Insbesondere, weil der Unterhaltungsaufwand des leeren Gebäudes in
keinem Verhältnis zu den erzielbaren Mieteinnahmnen steht. Auch der
Einigungsvertrag stehe einer Kündigung nicht entgegen, stellte Richter Preuß
fest. Der Ausschluss von Eigenbedarfskündigungen habe lediglich den Sinn,
Kündigungen zu verhindern, die einer anderweitig lukrativeren Verwertung des
Grundstücks dienen. Der Abriss des Blocks erfolge dagegen zur Vermeidung
weiterer finanzieller Verluste.
Vermieter müssten allerdings den Grundsatz beachten, dass Verträge einzuhalten
sind. Eine Kündigung sei nur das letzte Mittel. Zunächst müsse sich der
Vermieter um eine einvernehmliche Lösung mit dem Mieter bemühen. Das könne durch
das Angebot vergleichbarer Ersatzwohnungen geschehen und durch die Übernahme der
Umzugskosten. Gegen das Urteil kann binnen eines Monats Berufung eingelegt
werden.
Dirk Kreinberger, Justitiar der SWVG, begrüßte den Richterspruch. "Damit können
wir den eingeschlagenen Weg zur Umgestaltung von Lobeda fortsetzen", sagte
Kreinberger. Hätte das Gericht der Entschädigungsforderung des Mieters in Höhe
von 20 000 Euro stattgegeben, hätte die Wohnungsgesellschaft alle geplanten
Abrisse gestoppt. Statt 25 Millionen Euro wären dann 52 Millionen Euro an Kosten
auf die SWVG in den nächsten zehn Jahrenb zugekommen.
Mit Interesse verfolgt wurde die Urteilsverkündung gestern von Rechtsanwalt
Philipp Wolfgang Beyer von PWB Rechtsanwälte Jena. Diese Kanzlei will den
Mietern der Ebereschenstraße, dem nächsten SWVG-Abrissblock, eine
Entschädigungs-Sammelklage wie in den USA anbieten. Beyer, der Kontakt mit dem
Rechtsanwalt des Mieters aus der Paul-Schneider-Straße hat, geht davon aus, dass
die unterlegene Partei gegen das Urteil des Amtsgerichts beim Landgericht in
Berufung geht.
www.otz.de
15.03.2003
NRW: Stadtumbau bis zum Abriss
Noch wähnen sich westdeutsche Städte in prosperierenden Regionen auf der
sicheren Seite. "Das Leerstands-Desaster wird uns erspart bleiben", will so
mancher Planungsdezernent und Wohnungsexperte, mancher Lobbyist der Bauindustrie
und Provinzpolitiker glauben machen. Doch die Zeit der Gemütlichkeit ist auch in
den alten Bundesländern vorbei. "Es wird kein wichtigeres Thema in den nächsten
Jahren für den Baupolitiker geben, als die Schrumpfung", orakelt der
nordrhein-westfälische Städtebauminister Michael Vesper.
"Der Wohnungsneubau wird in der Bedeutung zurücktreten. Jetzt müssen wir uns
darüber klar werden, wie wir mit den bestehenden Siedlungen umgehen." Für seine
Mahnung hatte sich der Politiker das Europäische Bildungszentrum der Wohnungs-
und Immobilienwirtschaft in Bochum ausgesucht. Vor vollbesetzten Sitzreihen
debattierten Vertreter der Wohnungswirtschaft ein lastendes Problem, das sich
zum Erschrecken der Branche als milliardenschwere Hypothek erweist: die
Sanierung der 50er-Jahre-Siedlungen. Zu zwei Dritteln mit staatlichen
Fördergeldern in heute gigantisch erscheinender Höhe hochgezogen, sind sie nach
50 Jahren verschlissen und stehen - so Vesper - "auf dem Prüfstand". Denn die
"Abstimmung mit dem Möbelwagen" läuft auf vollen Touren. Die ersten riesigen
Leerstände zeichnen sich ab.
Um welche Größenordnungen und was für eine Substanz es geht, demonstrierte
Vesper an Zahlen: Von 1948 bis 1960 wurden allein in NRW zwei Millionen
Wohnungen gebaut, um Flüchtlinge, Ausgebombte und zuströmendes
Wirtschaftswunderproletariat unterzubringen. Es war gewiss eine Meisterleistung
- aber auch ein Notprogramm. In schmucklose Standardwohnungen von 47 qm
Wohnfläche mit Ofenheizung, 2,35 Meter niedriger Decke und 90 Zentimeter
schmaler Treppe wurden fünfköpfige Familien gestopft.
Noch weiter geht Dieter Kraemer von der VBW Bauen und Wohnen GmbH, Bochum. Er
stellt den Siedlungstyp der 50er Jahre generell in Frage und errichtet anstelle
der kammartigen Siedlung Dorstener Straße in Bochum einen Blockrandkomplex mit
grünen Höfen und innen liegenden Stadtvillen.
Und das dicke Ende komme erst noch: "Die 60er und 70er Jahre werden wir noch
viel stärker in Frage stellen müssen."
www.welt.de
15.03.2003
Berlin-Lichtenberg: Frisches Grün ersetzt alte Schulen
und Kitas
In Lichtenberg werden in diesem Jahr mindestens zehn ungenutzte Kitas und
Schulen abgerissen. An ihrer Stelle entstehen zumeist Parkanlagen. Es geht um
Grundstücke an der Zingster Straße, Edgar- und Paul-Zobel-Straße und am
Rosenfelder Ring. Aus dem Programm "Stadtumbau Ost" erhält Lichtenberg dafür
1,12 Millionen Euro. Mit EU-Fördermitteln von 2,1 Mio. Euro wird ein Schulabriss
an der Schulze-Boysen-Straße 38 inklusive Neubau eines Nachbarschaftszentrums
unterstützt.
Zwei Kitas an der Wiecker Straße 8-10 und Am Breiten Luch 51/53 sind bereits dem
Erdboden gleichgemacht worden. Je zwei Kitas und Schulen stehen für 2003
außerdem noch auf der Warteliste. Insgesamt umfasst die Abrissliste etwa 40 leer
stehende Gebäude. Geschuldet ist der Gebäudeüberschuss dem dramatischen
Geburten- und Schülerrückgang. So verringerte sich im Bezirk seit 1999 die Zahl
der Grundschüler um 6500, die der Oberschüler um 4000. Bis 2008 soll es rasant
weiter abwärts gehen.
Der Abriss eines Schulgebäudes an der Ribnitzer Straße 1 a bietet die Chance,
mit zusätzlichen Senatsmitteln von 620 000 Euro den Wustrower Park im Wohngebiet
zwischen den Bahnhöfen Hohenschönhausen und Wartenberg zu erweitern: 113 Bäume
und 5000 Sträucher werden gepflanzt, Wege und ein Feuchtbiotop angelegt.
www.morgenpost.berlin1.de
14.03.2003
Tutow: zieht nun einen ersten Wohnblock frei
Die Gemeinde Tutow geht angesichts des stetig steigenden Leerstands in ihren
kommunalen Wohnungen völlig neue Wege: Sie zieht gegenwärtig einen der Blöcke im
Flugplatz-Wohngebiet leer, um ihre Bewirtschaftungskosten zu senken. Die Kommune
kämpft momentan mit einem Leerstand um die 30 Prozent in ihren insgesamt 576
Domizilen, gerade in den oberen Etagen der Flugplatz-Siedlung stehen
mittlerweile mehr Wohnungen leer als vermietet sind. Doch einige
Bewirtschaftungskosten muss die Gemeinde trotzdem tragen, egal wieviele Bewohner
es dort gibt. Daher hatte die Amtskämmerei schon seit langem vorgeschlagen,
einige der Gebäude konsequent leer zu ziehen, war damit in der
Gemeindevertretung und bei Bürgermeisterin Elke Kunte aber erstmal auf wenige
Gegenliebe gestoßen.
Auch die Abteilung Wohnungswirtschaft sträubte sich gegen diese Variante,
verwies auf den drohenden Vandalismus. Angesichts des am Abgrund stehenden
Haushaltes, weiterer Abwanderung und des enormen Kostendrucks setzen die Tutower
diese Idee nun trotzdem um.
Von Versorgung abkoppeln Ist der Block komplett leer, lasse die Gemeinde das
Haus absperren und alle Versorgungsleitungen kappen, zum Beispiel für Elektro
und Heizung.
Die weitere Zukunft des Betonklotzes hängt dann vor allem vom Land ab. Im
Bauministerium nämlich haben die Tutower eine Abriss-Genehmigung samt Förderung
beantragt. "Der bleibt solange stehen, bis der Antrag genehmigt ist", macht
Giermann klar. Schließlich verfüge die Gemeinde nicht über den Spielraum, um das
Ganze selbst zu finanzieren.Den Tutowern schwebt vor, mit Hilfe dieser Landesmittel insgesamt 132 Wohnungen
in der Flugplatzsiedlung dem Erdboden gleich zu machen, was genau drei der
dortigen Fünfgeschosser entspricht.
www.nordkurier.de
12.03.2003
Crimmitschau: Sanierter Plattenbau durchaus gefragt
Die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau (WGC) hat seit mehr als einem Jahr
keinen Anstieg beim Leerstand ihrer Wohnungen zu verzeichnen, freute sich
Geschäftsführer Harald Lichtenstein. Stets sei die diesbezügliche Quote unter 19
Prozent geblieben und das sei in einer Zeit, da immer mehr Leute wegziehen,
durchaus ein Erfolg. Die Tendenz gehe derzeit gar in Richtung noch weniger
Leerstand.
„Gut und sicher wohnen" ist der Slogan des Unternehmens. Auch Wohnungen in den
großen Plattenbauhäusern der WGC auf dem Westberg seien durchaus gefragt. Erst
recht, wenn man sich verbessern kann. Das sei in den 1997 sanierten und mit
einem normalen Standard versehenen Wohnungen ohne weiteres möglich. Erst
kürzlich übergab Lichtenstein wieder Schlüssel für eine einzugsfertige
Dreiraumwohnung im Grünen Weg 20.
www.freieprese.de
12.03.2003
Nordhausen: Bürger aus Nordhausen-Ost reden beim Umbau
mit
Ein "Bürgerbeirat Nordhausen-Ost" mit 13 Mitgliedern gründete sich dieser Tage
in der Ostrower Straße. Das gab gestern die Stadtverwaltung bekannt. Der Beirat
werde in den nächsten Jahren den vom Stadtrat beschlossenen Umbau-Prozess im
Quartier begleiten, hieß es.
Beim ersten Treffen standen noch keine konkreten Projekte auf der Tagesordnung,
sondern das Kennen lernen und das Vorstellen des Bundesprogrammes Stadtumbau-Ost,
in dessen Rahmen auch das Quartier Nordhausen-Ost in die Kur genommen wird.
Die Bewohner wollen zum Beispiel die Belange von Senioren, Familien und Kindern
in den Planungsprozess einbringen. Ein Mitglied habe darüber hinaus angeboten,
eine soziologische Studie über den Stadtteil anzufertigen. Darüber hinaus sei
gefordert worden, dass auch das Umfeld der Häuser in Ordnung gebracht und
verbessert werde, die nicht kurzfristig saniert würden, andererseits aber auch
nicht auf der Abriss-Liste stünden. "Damit wollen die Bewohner für ein besseres
Image ihres Stadtteils sorgen", betonte Beate Meißner vom Stadtplanungsamt.
Ebenfalls aus diesem Grund seien nicht nur Abriss-, sondern auch
Aufwertungsplanungen im Gebiet Thema gewesen.
www.thueringer-allgemeine.de
11.03.2003
Wurzen: Abriss nur punktuell
Bürgermeister Jürgen Schmidt reagierte jetzt auf ein Schreiben, in dem sich
SPD-Stadtrat Peter Konheiser gegen Abbruch in historisch gewachsenen
Gründerzeitquartieren ausgesprochen hatte. Im integrierten
Stadtentwicklungskonzept ist festgehalten, dass in Wurzen bis 2010 insgesamt
3498 Wohnungen verschwinden sollen, um das Leerstands-Problem zu lösen.
"Die Intention, den Rückbau unter anderem im Bereich der B 6 vorzunehmen,
entspricht den zentralen Orientierungen, Wohnungen vom Markt zu nehmen, die kaum
vermietbar sind oder nur mit unzumutbarem Aufwand zu rekonstruieren wären",
schreibt Schmidt. Im Plattenbau gebe es in Wurzen derzeit keinen hohen
Leerstand, so dass dieser Bereich kein Ziel für Rückbau sei. In Bereichen wie
der Schillerstraße seien keine großflächigen Abbrüche vorgesehen, sondern
"höchstens punktueller Abbruch von einzelnen Gebäuden".
"Unter einem Rückbaukonzept verstehe ich, den Wohnungsmarkt der Bevölkerungszahl
anzupassen. Es kann dabei nicht um punktuellen Abriss gehen, weil das Haus
zufällig der WGW gehört und ohne große juristische Auseinandersetzung
abgebrochen werden kann. Das ist für die WGW zwar ökonomisch sinnvoll, aber aus
meiner Sicht kein akzeptabler städtebaulicher Vorschlag", bleibt Konheiser bei
seiner kritischen Position. Zudem macht er deutlich, dass bei einem Abbruch auch
empfindlich in das Eigentumsrecht beim angrenzenden Grundstück eingegriffen
werde, dessen Verkehrswert deutlich sinke.
www.lvz-online.de
11.03.2003
Gera: Weiterer "Elfer" wird in Lusan bald weichen
Den Abriss eines weiteren Elfgeschossers in Lusan bereitet derzeit die Geraer
Wohnungsgesellschaft mbH (Gewo) vor. Im zweiten Quartal soll der "Elfer" in der
Zeulenrodaer Straße 1-3 nach der Entkernung abgetragen werden. Die auf dem Dach
befindliche Richtfunkantenne wird zuvor auf den Elfgeschosser Saalfelder Straße
2 umgesetzt.
Die ursprünglich höher angesetzten Gesamtkosten für Abriss und anschließende
Herrichtung des Grundstücks haben sich im Ergebnis der Ausschreibung auf rund
250 000 Euro reduziert, so Gewo-Geschäftsführer Horst Richter. Zu 90 Prozent
werde das Vorhaben mit Mitteln aus dem Programm Stadtumbau Ost gefördert. Für
den Abriss des Hauses habe man sich aus rein städtebaulichen Gesichtspunkten
heraus entschieden. "Der Elfgeschosser passt ja hier eigentlich nicht hin", so
Richter. Anfang Januar ist der letzte Mieter aus dem Haus in der Zeulenrodaer
Straße ausgezogen. Von den insgesamt 88 Wohnungen waren Anfang letzten Jahres
noch 55 bewohnt. Seit Mai seien dann mit mit den Mietern Gespräche geführt
worden. Die Gewo bot Ersatzwohnraum, um die Betroffenen als Mieter zu halten.
Bei etwa 60 Prozent sei das auch gelungen. In jedem Fall aber habe man eine
einvernehmliche Lösung gefunden und gerichtliche Entscheidungen vermeiden
können; sei es durch Umzugsvereinbarungen, Entschädigungen oder teils auch die
Übernahme alter Mietkonditionen.
www.otz.de
07.03.2003
Jena: Problem Stadtumbau
"Die bunten Hochglanzprospekte der Bundesregierung zum Stadtumbauprogramm Ost
haben nichts mit der Realität im Osten zu tun", meint Stefan Wosche-Graf.
In Wirklichkeit, so der Chef der Städtischen Wohnungsbau- und
Verwaltungsgesellschaft (SWVG), sei der Umbau Ost eine traurige Sache. Wohnungen
müssen in Größenordnungen abgerissen werden, weil die Menschen mangels Arbeit
wegziehen.
Jenas Leerstand-Problem ist mit rund acht Prozent vergleichsweise lächerlich
gegen Stendal, Hoyerswerda oder Halle. Trotzdem sollen in Lobeda laut
Rahmenplanung bis 2011 rund 1900 Wohnungen mit 112 399 Quadratmetern Wohnfläche
platt gemacht werden. Das allein - ohne irgend eine anschließende Bebauung oder
Begrünung eingerechnet - kostet die SWVG 25 Millionen Euro, nur fünf Millionen
davon kommen als Fördermittel vom Bund.
Ein Ende des Programms "Stadtumbau Ost" fürchtet Stefan Wosche-Graf,
Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft. Sollte
die Räumungsklage gegen den Mieter Dirk Schmidt aus dem Abrissblock in der
Paul-Schneider-Straße zugunsten dieses Mieters entschieden werden, dann könne
die SWVG dem "Stadtumbau Ost" für die Zukunft Adieu sagen. Denn der Mieter
fordert als Entschädigung für seinen Auszug 20 000 Euro von der SWVG. "Wir
können im Durchschnitt 2500 Euro pro Mieter zahlen, da sind aber Umzug und
Entschädigung eingerechnet. Höhere Forderungen können wir nicht erfüllen", so
Wosche-Graf.
Stefan Wosche-Graf hält den Stadtumbau Ost für ein unausgewogenes Programm, das
einige Lücken beinhalte. So sei die Verwertungskündigung in den neuen
Bundesländern bislang ausgeschlossen, eine diskutierte Abrisskündigung als
gesetzliche Möglichkeit sei gescheitert bei der Mietrechtsreform. "Der
Stadtumbau Ost ist nichts anderes als das Ergebnis des traurigen Tatbestandes,
dass die Städte immer leerer werden, weil die Leute dorthin gehen, wo sie Arbeit
finden", erklärt der SWVG-Geschäftsführer. In blühenden Städten käme niemand auf
die Idee, Wohnungen abzureißen. Er setzt auf den sich weiter positiv
entwickelnden Wissenschaftsstandort Jena. "Dann hoffe ich, dass wir unser
Abrissprogramm gar nicht verwirklichen müssen."
www.otz.de
www.tlz.de