Newsticker Archiv April 2003
30.04.2003
Schrumpfende Städte – ein globales Problem
Ruinen schaffen ohne Waffen – der Spruch, der einst bitter-ironisch Fehler in
der Wohnungsbaupolitik der DDR kommentierte, ist auch heute traurig aktuell.
Während im Osten Deutschlands bis zur Wende viele der innerstädtischen
Altbauquartiere ihrem Abriss entgegendämmerten, ist man in vielen Städten der
neuen Bundesländer dazu übergegangen, leer stehenden Plattenbauten abzureißen,
so in Schwedt, in Wolfen, aber auch in Berlin-Marzahn. Aber Leerstand auch im
Altbau: Leipzig 35 Prozent, Görlitz 48 Prozent und Stendal 42 Prozent. Grund:
Mangelnde Nachfrage, denn die ostdeutschen Städte schrumpfen. Insgesamt eine
Million Wohnungen, der Wohnraum für 2,1 Millionen Menschen, stehen leer. Das
entspricht der Einwohnerzahl des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Wende
haben sich auf dem Territorium der ehemaligen DDR dramatische strukturelle
Veränderungen abgespielt: Das Land wurde – von einigen Ausnahmen abgesehen –
praktisch deindustrialisiert.
Nur ein Beispiel für viele: Am Chemiestandort Halle-Merseburg-Bitterfeld, wo
ehemals 117 000 Menschen Arbeit fanden, blieben 11 000 Jobs übrig. Folge: Gerade
die jungen, arbeitsfähigen Menschen wandern den Arbeitsplätzen hinterher
Richtung Westen. Zurück bleiben halb verlassene Städte, in denen immer weniger
Kinder geboren werden, was den Schrumpfungsprozess noch beschleunigt. Wer noch
Arbeit hat, und es sich leisten kann, zieht aus den Innenstädten und bezieht ein
Häuschen im Grünen irgendwo am Stadtrand. Es gibt ostdeutsche Städten, die haben
binnen einer Dekade die Hälfte ihrer Einwohner verloren, so etwa Wolfen; Leipzig
schrumpfte um ein Sechstel, Weißenfels um ein Siebtel. Aber es wird noch
schlimmer kommen, als wäre die Situation im Osten nicht schon heute alarmierend
genug: Wenn nach 2010 die geburtenstarken Jahrgänge sich ihre Eigenheime
außerhalb der Stadt bauen und die Zahl der Haushalte insgesamt durch die
gesunkene Geburtenzahl nach der Wende weiter sinkt, ist mit dem Kollabieren von
ganzen Städten zu rechnen, so befürchten es die Experten. Das von den Städten
und Kommunen getragene Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) warnt, alle
»bisher verfügbaren Planungsinstrumente sind auf Stadtwachstum, nicht auf
Stadtschrumpfung ausgelegt«. Dazu kommt, dass die staatliche Förderung des
Eigenheimbaus den Trend zur Stadtflucht noch forciert. Das Difu empfiehlt
bereits über »wirtschaftliche Sonderzonen« und »perforierten Städte« und die
»Potentiale der Leere« nachzudenken.
Es mag ein schwacher Trost sein, dass das Phänomen der schrumpfenden Städte ein
globales Problem darstellt. Kyong Park etwa, Künstler und Architekt aus Detroit,
vergleicht die Entwicklung in seiner Heimatstadt in den letzten 50 Jahre mit dem
Abwurf einer riesigen Bombe auf die Mitte der Stadt. Im Ergebnis käme beides
ungefähr auf das gleich heraus: Heute wächst in Detroits Mitte Gras. Wo einst
Leben pulste, gleich neben dem Hauptbahnhof, findet man heute Brachland.
www.nd-online.de
26.04.2003
Dranske: Zurück zu alten Wurzeln
Uwe Ahlers , Bürgermeister von Dranske, hat derzeit einen schweren Stand. Obwohl
sich mit dem massiven Rückbau der örtlichen Plattenbauten gegenwärtig eine Menge
in der Kommune tut, sieht sich das Gemeindeoberhaut fast täglich mit harscher
Kritik konfrontiert. „Wir sind die Gemeinde mit den zugenagelten Fenstern“
brachte es ein aufgebrachter Bürger in der öffentlichen Sitzung des
Gemeindeparlamentes am Donnerstagabend auf den Punkt. Daran, dass es künftig
deutlich weniger Fenster sein werden, die Vandalen einschlagen können und
Gemeindearbeiter zunageln müssen, lässt die erste Fortschreibung der
Entwicklungskonzeption für die Gemeinde Dranske keinen Zweifel.
Demnach wird der begonnene Rückbau der Plattenbauten, bei dem allein in diesem
Jahr die Neubaublöcke II, III und IV der Abrissbirne zum Opfer fallen, in den
vergangenen Jahren fortgesetzt. So sollen im nächsten Jahr die Blöcke VI (bis
zum 1. September) und VII (bis zum 1. November) komplett abgerissen werden.
Block V soll dann in den Jahren 2006 / 2007 dem Erdboden gleich gemacht werden.
„Nach dem letzten Abriss eines gesamten Neubaublocks wird die begonnene
Verbesserung des Dransker Ortsbildes in den Jahren 2008 und 2009 mit dem
partiellen Rückbau weiterer Neubauwohnungen fortgesetzt. Von einst 905 Wohnungen
in Plattenbauten werden in Dranske nur noch knapp 200 Wohnungen übrig bleiben“,
gibt Frank Wodars von der EGS Entwicklungsgesellschaft mbH Rostock Einblicke in
künftige Entwicklungen in der Gemeinde zwischen Bodden und Ostsee.
Darauf, dass sich diese Schritte durch das massive Schrumpfen der Bevölkerung in
den zurückliegenden zehn Jahren ganz einfach notwendig machen, verwies Carsten
Zippel. Der Stadt- und Dorfplaner aus Oldenburg, der mit einigen kurzen
Unterbrechungen seit 1992 für die Gemeinde Dranske tätig ist, machte den
erschreckenden Bevölkerungsschwund deutlich. „1989 lebten in Dranske 3760
Menschen. Seit dieser Zeit hat sich die Bevölkerung durch massive Abwanderung um
54 Prozent auf 1731 Einwohner reduziert. Wenn alle 905 Neubauwohnungen noch
existieren würden, hätten wir jetzt 604 leerstehende Wohnungen. Da sich bis Ende
2007 der Wegzug um jährlich fünf Prozent der jetzigen Bevölkerung fortsetzen
wird, muss auch der Abriss von Plattenbauten weitergeführt werden“, machte
Carsten Zippel anhand von Diagrammen und Tabellen deutlich.
Die neue Identität Dranskes, zu der die Kommune zwischen Bodden und Ostsee in
den kommenden Jahrzehnten finden soll, bedeutet einen Schritt in die
Vergangenheit. Das idyllische Fischerdorf, das Dranske einst am Wieker Bodden
war, wird es vielleicht in 20 Jahren wieder geben. „Dann haben die Menschen hier
wieder Platz und Licht zum Leben“, so Zippel.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
26.04.2003
Suhl: Der größte Plattenbau Südthüringens wird platt gemacht
Das Wohnhaus Würzburger Straße 50 bis 66 in der
Suhler Aue II – zu DDR-Zeiten mit 396 Wohnungen der größte Plattenbau
Südthüringens – wird platt gemacht. Die „Klagemauer“, wie die Wohnscheibe damals
im Volksmund hieß, gehört bald nicht mehr zum Stadtbild. Für Spötter und böse
Zungen war das sozialistische Bauwerk der „Menschenfresser“. Über 1250 Leute
wohnten dort. 300 Arbeiter des damaligen Suhler Wohnungsbaukombinates (WBK)
hatten den Bau von Mai 1972 bis März 1973 hochzogen. Weil nach der Wende aber
dem „Menschenfresser“ die Menschen fehlten, sprachen Stadtplaner und Suhler
Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GeWo) sein Todesurteil.
Die flüchtenden Suhler waren es auch, die das Wohnungsbau-Unternehmen bewogen,
den Block abzureißen. „10 000 haben in den vergangenen zehn Jahren der Stadt den
Rücken gekehrt “, rechnet Volker Frase, Sprecher der GeWo, vor. Ein Teilrückbau
wäre mit den Mietkosten nicht zu decken gewesen. „Leere Wohnungen sind teurer
als bewohnte, wir können die Betriebskosten nicht weitergeben“, betont Frase.
Eine Meinung, die Norbert Walther, der Leiter des Suhler Bau- und
Stadtplanungsamtes, mit ihm teilt. „Uns nützen Vorstellungen nichts, die nicht
finanzierbar sind“, sagt er, obwohl die städtebaulichen Bedenken nachvollziehbar
sind. Aber heute wie damals sieht man sich in Geldzwängen. Gras soll im wahrsten
Wortsinn nach dem Abriss der Platte über die leere Fläche wachsen. „Ein Areal
für Sport und Freizeit“ sieht der öffentlich diskutierte städtische Rahmenplan
dort vor, gibt Walther Auskunft. Detaillierte Vorstellungen existieren bislang
nicht. Bürger, Interessengruppen und Partner sollen gehört werden. Ein Angebot,
das vielleicht auch Erhardt Simon, Peter Seifert und Ulrich Möckel wahrnehmen.
www.freies-wort.de
26.04.2003
Reform der Eigenheimzulage rückt näher
Auch nach dem Abriss bleibt Tenever eine
Mustersiedlung. Mit ihren durchschnittlich elf Stockwerken ist die Betonburg im
Bremer Stadtteil Osterholz eine typische Hinterlassenschaft der siebziger Jahre.
Viele Wohnungen stehen leer, ein Drittel der Bewohner lebt von Sozialhilfe. Nun
reicht es dem Senat: Rund 600 der 2600 Wohnungen werden abgerissen. Damit wird
Tenever erneut zu einem Modellprojekt – diesmal für den „Stadtumbau West”.
Derzeit müssen die Steuerzahler sowohl für den Abriss von Altbauten aufkommen
als auch für die Förderung von neuen Eigenheimen. Angesichts der Alterung der
Gesellschaft sei das widersinnig, meinen Fachleute. Insbesondere in
Ostdeutschland stehen bereits viele Plattenbauten leer. Etliche Häuser – wie
hier in Halle – werden abgerissen.
Vorerst ist das nur der Titel eines Forschungsvorhabens, das dem
Bundesbauminister den Sanierungsbedarf in den alten Ländern aufzeigen soll.
Entstanden ist die Idee zum Stadtumbau im Osten. Die hohen Leerstände in
Plattenbauten und anderen heruntergekommenen Quartieren zwischen Rostock und
Riesa ließen keine Wahl: 2,7 Milliarden Euro stehen bis 2009 für die
Radikalsanierung bereit. Doch Gebiete mit abnehmender Bevölkerung gibt es auch
im Westen, im Harz etwa oder in der Wesermarsch. Für den Verband der
Wohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen führt deshalb am „Stadtumbau West” kein
Weg vorbei. „Wenn wir den richtigen Zeitpunkt zum Handeln versäumen, werden
einige Städte irreparable Schäden erleiden”, sagt Verbandsdirektor Bernd Meyer.
Eine Studie des Hamburger Gewos-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass in
Niedersachsen und Bremen 2015 etwa 170 000 Wohneinheiten leer stehen werden, gut
4 Prozent des Bestands. Dabei ergibt sich regional ein sehr unterschiedliches
Bild. Im Südosten Niedersachsens werden künftig deutlich weniger Menschen leben.
Im Hamburger Umland dagegen oder in Westniedersachsen, wo sich viele
Aussiedlerfamilien niedergelassen haben, wird der Wohnungsbedarf steigen. Selbst
in diesen Gebieten passen jedoch Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Mieter
wünschen vor allem große Wohnungen, Bauherren suchen günstige Grundstücke für
Ein- oder Zweifamilienhäuser. In einem sind sich die Marktforscher einig: Der
Trend geht weg vom Mehrfamilienhaus. Dass dieser vom Staat mit der
Eigenheimzulage auch noch gefördert wird, halten Fachleute inzwischen für
falsch. Mittlerweile formiert sich eine breite Koalition zur Reform der
Eigenheimzulage. Sie reicht vom Deutschen Städtetag über den Mieterbund bis in
Bundestag und Bundesrat. Noch passen die unterschiedlichen Vorschläge im Detail
nicht ganz zusammen. Der Tenor jedoch ist eindeutig: Der Neubau von Immobilien
soll nicht länger doppelt so hoch gefördert werden wie die Sanierung von
Altbauten. „Rund 10 Milliarden Euro werden derzeit nach dem Gießkannenprinzip
verteilt”, heißt es beim Mieterbund. Die Eigenheimzulage gebe es zudem vor allem
in intakten ländlichen Räumen, aber nicht in städtischen Problemzonen. „In der
Praxis greift die Förderung dort am stärksten, wo der Wohnungsmangel am
geringsten ist”, kritisiert Mieterbunddirektor Franz-Georg Rips. Als besonders
absurd empfindet es die baupolitische Sprecherin der Grünen, Franziska
Eichstedt-Bohlig, dass die öffentliche Hand parallel zur Förderung von
Eigenheimneubauten auf der grünen Wiese – wie in Tenever – den Abriss von ganzen
Wohnblöcken bezahlt. Der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang
Spanier, wirbt dafür, die Eigenheimzulage regional zu differenzieren. Denkbar
sei eine „Modernisierungsprämie” für Altimmobilien, deren Höhe von der am
jeweiligen Ort zu zahlenden Durchschnittsmiete abhänge. Spanier kann sich auch
vorstellen, die Zulage nur für Nachkriegsbauten zu gewähren: „Dann bekommen wir
eine indirekte Lenkung in die Innenstädte.” Geld vom Staat soll in diesem Modell
nur fließen, wenn der Immobilienkäufer Rechnungen für die Renovierung vorlegen
kann. Auch die bereits früher erwogene Beschränkung der Eigenheimzulage auf
Paare mit Kindern ist wieder in der Diskussion.Dieser zweite Wiederaufbau nach
dem Krieg würde auch dem (legalen) Bauhandwerk einen Schub geben, glaubt der
Sozialdemokrat. Experten warnen indes vor neuen falschen Anreizen. „Insbesondere
beim Kauf von Altimmobilien ist die Zulage im Preis immer schon drin”, sagt
Matthias Günther vom hannoverschen Pestel-Institut. Schließlich wolle der
Verkäufer verkaufen, also verlange er den Preis, den der Käufer – mit
staatlicher Hilfe – gerade noch aufbringen könne. „
www.haz.de
25.04.2003
Verfall und Planungseuphorie
Seit einem Jahr propagiert die deutsche Bundesregierung das Förderprogramm
«Stadtumbau Ost». Die Einsicht in den Handlungsbedarf kam spät, denn die Zeichen
des urbanen Notstands in den ostdeutschen Städten sind alarmierend: Über eine
Million Wohnungen sowie unzählige Gewerbebauten, soziale Einrichtungen und
Industrieareale stehen in Städten wie Rostock, Wismar, Potsdam, Magdeburg,
Cottbus, Halle, Erfurt, Gera, Zwickau und Chemnitz leer. Die potenziellen
Einwohner dieser «verlassenen Stadt» würden mit 2,3 Millionen Menschen die
zweitgrösste Metropole Deutschlands bilden. Zu dieser Erkenntnis kommt die
Ausstellung «3 Städte: Verlassene Stadt - Ersatzstadt - Ungebaute Stadt», die
von den Kuratoren Sybil Kohl, Philipp Oswalt und Albrecht Schäfer in der
Kunsthalle Düsseldorf eingerichtet wurde und deren unspektakuläre Präsentation
offenbar ganz im Trend des Low-Budget-Programms der neuen Direktorin Ulrike
Groos liegt. Die Schau zeigt, wie vielfältig das vernachlässigte Erbe ist: Es
reicht von gründerzeitlichen Wohnhäusern, Volksbädern aus der Zeit um 1900 und
Verwaltungskomplexen im neusachlichen Stil über Gaststätten, Tankstellen und
Kaufhäuser bis hin zu den Plattenbauten des uniformen DDR-Funktionalismus.
Die Kehrseite des städtischen Verfalls war lange Zeit eine ungebremste
Planungseuphorie, die den nach 1989 entstandenen Wachstumsmarkt einzig nach den
Verheißungen satter Renditen bemaß. Deswegen dachten die westlichen Investoren
der ersten Stunde weniger an behutsames Renovieren, sondern mehr an
Einkaufszentren und Multiplexkinos, die sie bevorzugt auf der grünen Wiese in
unmittelbarer Nähe der Autobahnen hochzogen. Der zweite Teil der Präsentation
zeigt diese ostdeutsche «Ersatzstadt» zwischen utopischer Kühnheit und banaler
Scheußlichkeit als Mix aus Shopping-Malls, Metastasen an den Stadträndern und
einer adrett postmodernen Wohnhauskultur mit ihrem Zierrat aus Giebeln, Säulchen
und Erkern.
www.nzz.de
23.04.2003
Bauminister fordern mehr Geld für den schnellen Abriss
leerer Wohnungen
Angesichts 1,3 Millionen leer stehender Wohnungen in Ostdeutschland dringen die
neuen Länder auf schnelle Gegenmaßnahmen. Das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau
Ost" müsse von derzeit fünf auf maximal drei Jahre verkürzt und der Abriss
dadurch beschleunigt werden, sagte Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre
nach einem Treffen mit seinen ostdeutschen Amtskollegen in Magdeburg.
Zum Abbau des Leerstandes stellen Bund und Länder bis 2009 insgesamt rund 2,6
Mrd. Euro bereit, je rund die Hälfte für Abriss und Aufwertung. Die Mittel
sollten nach Ansicht der Bauminister zunächst auf den Abriss konzentriert
werden, damit die Aufwertung ab 2005/06 zügig erfolgen könne.
Vorgestellt wurde ein gemeinsamer Bundesratsantrag der Länder Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Danach sollen
Wohnungsunternehmen bei einer Fusion von der Gewerbesteuer befreit werden. Die
für den Stadtumbauprozess dringend gebotene Neuausrichtung der
Wohnungsunternehmen zu größeren Einheiten werde derzeit durch die Gewerbesteuer
behindert, die bei einer Fusion fällig werde. Die ostdeutschen Bauminister
bekräftigten die Forderungen ihrer Ministerpräsidenten, alle abgerissenen
Wohnungen von Altschulden zu entlasten.
Diskutiert wurde auf dem Treffen in Magdeburg auch die Eigenheimzulage. Ein
Gesetzesantrag von Sachsen, nach dem der Erwerb von Wohneigentum im
Altbaubestand in den neuen Ländern stärker gefördert werden solle, werde ein
Tagesordnungspunkt der Bauministerkonferenz im Mai.
www.welt.de
22.04.2003
In Thüringen fehlt oft das Geld für Abriss
Der Präsident des Verbandes Thüringer Wohnungswirtschaft, Norbert Nareyke,
befürchtet die Gefahr der Gettobildung durch hohen Leerstand in
Plattenbaugebieten. "Es sind zu viele Wohnungen auf dem Markt, die niemand mehr
will", sagte er. Diese Wohnungen müssten vom Markt genommen werden. In Thüringen
stehen etwa 120 000 Wohnungen leer, bei einem Bestand von etwa 1,1 Millionen.
Pro Jahr sollen im Freistaat knapp 6000 Wohnungen abgerissen werden.
Das Stadtumbauprogramm Ost greift nach seiner Ansicht zu kurz. Die Bedingungen
der ostdeutschen Wohnungsunternehmen müssten mehr berücksichtigt werden. "Die
Kassen sind leer", sagte Nareyke. Für den Abriss fehlten oft die Mittel. Die
Wohnungsunternehmen in Thüringen müssten in jedem Jahr etwa 130 Millionen Euro
Einnahmeausfälle verkraften, die zu 95 Prozent durch Leerstand verursacht
werden. Nicht nur das Ausbleiben von Mietzahlungen führe zu roten Zahlen. Auch
wenn ein Haus nur noch von wenigen bewohnt werde, müsse der Vermieter die Kosten
wie Grunderwerbsteuer, Müllabfuhr, Wasser und Energie tragen.Bis 2009 sollen
fast 1,8 Millionen Euro Bundesmittel für den Stadtumbau Ost zur Verfügung
stehen. Damit soll unter anderem der Abriss leer stehender Wohnungen in den
neuen Bundesländern gefördert werden. Wenn Kommunen auf Grund der eigenen
desolaten Finanzlage sich nicht mit 35 Prozent an den Kosten beteiligen könnten,
komme auch nicht das restliche Geld vom Bund, sagte Nareyke. Der Präsident des
Verbandes, der ungefähr 230 Mitglieder, meist Wohnungsgenossenschaften und
kommunale Wohnungsunternehmen, im Freistaat vertritt, verlangte: "Es gibt
Bewilligungsbescheide, aber nichts Bares in der Kasse."
Zu wenig wird nach seiner Auffassung die soziale Komponente beim Stadtumbau Ost
berücksichtigt. "Leer stehende und nicht mehr gefragte Wohnungen abzureißen,
geht schnell. Doch was dann?"
Die Thüringer Wohnungsunternehmen haben nach seinen Angaben seit 1991 etwa acht
Milliarden Euro in den Bestand investiert, für Instandsetzung und
Modernisierung. "Doch auch für diese finden sich immer weniger Mieter", sagte er.
www.tlz.de
20.04.2003
Sachsen setzt für dieses Jahr 15 000 leere Wohnungen
auf die Abrissliste
1,4 Mio. Wohnungen stehen in den neuen Bundesländern leer; in Sachsen allein 400
000. Jetzt hat sich die sächsische Wohnungswirtschaft zu einem unumgänglichen
Schnitt bekannt: Noch in diesem Jahr, so der Direktor des Verbandes Sächsischer
Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger, sollen 15 000 Wohnungen abgerissen
werden. Aus Bundes- und Landesmitteln stünden dafür 75 Mio. Euro bereit.
Viehweger machte an Zahlenbeispielen deutlich, mit welcher Last es die
Wohnungsunternehmen zu tun haben. So seien für 46 000 leerstehende Wohnungen bei
den sächsischen Genossenschaften allein im Jahre 2002 Mietausfälle von fast 117
Mio. Euro angefallen. Weitere 70 Mio. Euro hätten für Wartung und zur Tilgung
von Altschulden aufgebracht werden müssen, die teilweise noch aus DDR-Zeiten
stammten.
Bei der Sanierung des Wohnungsbestandes tut sich die Wohnungswirtschaft vor
allem in den innerstädtischen Gründerzeitquartieren schwer. Laut Viehweger
entstehen dabei Kosten von 2000 Euro/qm, während bei Plattenbauten lediglich 400
bis 500 Euro/qm aufgewandt werden müssten. Dadurch geraten die Gesellschaften in
Widerspruch zur offiziellen Philosophie des Stadtumbaus, nach der vor allem
Wohnraum im Zentrum erschwinglich und attraktiv gemacht werden soll.
Die Tendenz, Großsiedlungen schönzureden, ist deshalb auf wohnungspolitischen
Konferenzen unverkennbar. So unterstrich auch Viehweger die nach wie vor
"erstaunlich große Nachfrage" nach Plattenbauwohnungen, die wegen ihrer "meist
guten Verkehrsanbindung sowie ihrer bequemen Park- und Einkaufsmöglichkeiten"
bei den Mietern beliebt seien. Hier spricht die Wirklichkeit freilich eine
andere Sprache. Während die Innenstädte Bewohnerzuwachs verzeichnen, bluten die
Großsiedlungen kontinuierlich aus.
www.welt.de
17.04.2003
Schwerin : Abrissbirne gegen den Leerstand
Mit einem Konzept für den Dreesch reagiert die Stadt auf den zunehmenden
Wohnungsleerstand. Gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen musste eine Strategie
entwickelt werden, um das Überleben der großen Vermieter zu sichern. Mit dem
Stadtumbauprogramm Ost des Bundes gibt es den dazugehörigen Fördertopf, um die
Visionen auch umsetzen zu können. Die städtischen Ideen zur Zukunft der
Stadtteile Neu Zippendorf und Mueßer Holz waren so gut, dass es dafür im
vergangenen Jahr eine Goldmedaille vom Bundesbauministerium gab (SVZ
berichtete).
Jetzt liegen die entsprechenden Eckdaten des Konzeptes in einem anschaulichen
Papier vor. Grundlage ist dabei die perspektivische Entwicklung der
Einwohnerzahl Schwerins bis zum Jahr 2017. Baudezernentin Heidrun Bluhm geht von
"43 bis 49 000 Haushalten mit 81 bis 90 000 Einwohnern" aus.
"Prognosen zeigen, dass der heutige Leerstand von rund elf Prozent im
bewohnbaren Bestand ohne nachdrückliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt bis 2017
nicht abgebaut werden wird. Es handelt sich um ein strukturelles Problem", so
die Baudezernentin. Dadurch sei der gezielte Abriss "nicht mehr nachgefragter
Wohnungssegmente" erforderlich. Andere Wohnungen müssten zur Steigerung der
Attraktivität dagegen aufgewertet werden. Rückbau muss dabei nicht immer
vollständigen Abriss bedeuten.
www.svz.de
16.04.2003
Mühlhausen: Plattenbauten platt gemacht
Der Wohnungsleerstand zwingt die Städtische Wohnungsgesellschaft mbH Mühlhausen
und die Wohnungsgenossenschaft Mühlhausen eG zum Abriss von Plattenbauten aus
DDR-Zeiten. Derzeit verschwinden zwei Blocks in der Feldstraße und Am neuen
Ufer. Mit Staub und Baulärm müssen Anwohner und Passanten in der Feldstraße und
Am neuen Ufer in Mühlhausen seit mehreren Wochen leben. Dort werden gegenwärtig
zwei große Plattenbauten der Wohnungsgenossenschaft Mühlhausen (WGM) abgerissen.
So ist der Sechsgeschosser aus der Feldstraße Nr. 137 bis 140 bereits so gut wie
verschwunden. Dieser Wohnblock in Plattenbauweise bot einmal 48 Wohnungen und
wurde als einer der letzten vor der Wende, im Jahr 1987, bezogen. Damals war als
so genannte Nachverdichtung auch noch eine letzte Lücke in diesem Mühlhäuser
Neubauviertel geschlossen worden. In vollem Gange sind die Abrissarbeiten jetzt
an dem ehemaligen Fünfgeschosser Am neuen Ufer Nr. 10 bis 16 aus dem Jahr 1978,
in dem einmal 40 Familien wohnten. Nach dem kompletten Abriss dieser Häuser,
einschließlich der Kellergeschosse, werden die Flächen mit Erde aufgefüllt und
als Grünanlagen gestaltet. Die nächsten drei Abrissobjekte der
Wohnungsgenossenschaft befinden sich in der Damaschkestraße. Hier stehen von den
120 Wohnungen bis auf 27 bereits alle leer. Nur noch für etwa acht, neun
Familien müsse neuer Wohnraum vermittelt werden, erklärte Degenhardt gestern.
Etwa 65 Prozent der Mieter hätten auch wieder eine Wohnung bei der WGM bezogen,
vornehmlich in dem dortigen Stadtviertel. Die Städtische Wohnungsgesellschaft
(SWG) hat im zurückliegenden Winter in der Feldstraße 85 sowie 85 a bis e
insgesamt 72 Wohneinheiten abreißen lassen. Laut Stadtentwicklungskonzept sollen
in der Damaschkestraße im nächsten Jahr jeweils drei Plattenbauten der WGM und
der SWG abgerissen werden. Allein hier sollen insgesamt 240 Wohnungen
verschwinden. Der abgesteckte Zeitrahmen hängt aber nicht nur von der Räumung
der Wohnungen, sondern auch von den erforderlichen Zuschüssen ab. So erwartet
die Stadt Mühlhausen in diesem Jahr aus dem von der Bundesregierung aufgelegten
Sonderprogramm "Stadtumbau Ost / Rückbau" etwa 660 000 Euro an Fördermitteln,
www.tlz.de
15.04.2003
Apolda: Sanierungsplan für Bahnhofstraße
"Der Bahnhofsbereich ist städtebauliches Notstandsgebiet", weiß Apoldas
Bürgermeister Michael Müller. Um den Notstand zu beseitigen, hofft Müller auf
den "Stadtumbau Ost". Dieses Programm erfordert es aber, den großflächigen
Bereich um die Bahnhofstraße als zweites Sanierungsgebiet Apoldas auszuweisen.
Der Stadtrat stimmte auf seiner jüngsten Sitzung zu, ein Planungsbüro mit
vorbereitenden Untersuchungen zu beauftragen. So gilt es zu konkretisieren, wie
die historische Stadtstruktur bewahrt und verbessert werden kann. Die Planung
erstreckt sich nicht nur auf Gebäude, sondern auch auf den Straßenverkehr.
Allerdings bedarf es vorab noch der Genehmigung durch das Landesverwaltungsamt.
www.thueringer-allemeine.de
15.04.2003
Dresden: 15 000 Wohnungen droht die Abrissbirne
Der mögliche Abriss von 15 000 Wohnungen in diesem Jahr soll den Leerstand von
über 400 000 Wohnungen in Sachsen verringern. "Dafür haben Bund und Land etwa 75
Millionen Euro bereitgestellt", sagte der Direktor des Verbandes Sächsischer
Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger, gestern in Dresden.
Im vorigen Jahr hatten über 46 000 Wohnungen bei den sächsischen
Genossenschaften keine Nutzer. Dadurch habe es Mietausfälle von fast 117
Millionen Euro gegeben. Hinzu kämen jährliche Kosten von mehr als 70 Millionen
Euro für Wartung und zur Tilgung von Altschulden, die zum Teil noch aus
DDR-Zeiten stammen.
Seit 2001 verringerten die Wohnungsgenossenschaften im Freistaat ihren Bestand
um 3371 Wohnungen. Trotz Abriss habe der Leerstand zugenommen. Hier verspricht
sich der Verband eine Trendwende durch den Abriss der 15 000 Wohnungen. "Dadurch
entstehen keine höheren Mieten für den verbleibenden Wohnraum, wir verringern
nur den Verlust für die Genossenschaften", meinte Viehweger. Seinen Schätzungen
zufolge kann die demografische Entwicklung zu einer Bevölkerungszahl unter vier
Millionen Menschen im Jahr 2010 führen, was auch den Wohnungsmarkt beträfe.
Ein weiteres großes Problem der Zukunft sei der Stadtumbau, sagte
Verbandssprecher Werner Orbanz. Ziel des Stadtumbaus sei es, Wohnraum im Zentrum
der Städte attraktiv und erschwinglich zu machen, betonte Viehweger. Dies
scheitere derzeit jedoch häufig an den hohen Sanierungskosten bei gleichzeitig
niedrigen Mieteinnahmen. So entstünden etwa bei der Erneuerung von Altbauten
Kosten in Höhe von 2000 Euro pro Quadratmeter, bei Plattenbauten seien es
zwischen 400 und 500 Euro. Diese Ausgaben würden jedoch nicht über die
Mieteinnahmen erwirtschaftet. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Wohnungen in
Plattenbauten nach wie vor erstaunlich groß, so der Verbands-Boss.
Wohnungssuchende schätzten die meist gute Verkehrsanbindung sowie Park- und
Einkaufsmöglichkeiten.
www.dnn.de
15.04.2003
Wittenberge: Minister beraten über Stadtumbau
Das Kabinett kommt heute zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand der
Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel zusammen. Die Beratungen
werden in Wittenberge stattfinden, wie ein Sprecher der Staatskanzlei in Potsdam
sagte. Bei der Tagung geht es unter anderem um den Stadtumbau und die
Verkehrsinfrastruktur in Wittenberge. Zudem werden sich die Minister und Planer
mit dem Gewerbe- und Industriegebiet Temnitz-Park Neuruppin befassen.
www.moz.de
12.04.2003
Heiligenstadt: Genossenschaft - kein Nachschuss
Mit leeren Wohnungen hat auch die Wohnungsgenossenschaft Heiligenstadt ihre
Sorgen. Der Leerstand sei aber nicht das große Thema. "Wenn der Leerstand von
unseren rund 1500 Wohnungen auch unter zehn Prozent beträgt, so belastet uns
wirtschaftlich freilich jede leere Wohnung", so Vorstandsvorsitzender Volkmar
Hartmann. Dabei beschränke sich der Leerstand nur auf teilmodernisierte
Wohnungen und Wohnungen aus der Wendezeit vor allem in Heiligenstadt. Kaum
Probleme bereiten der Genossenschaft Wohnungen in Uder, Arenshausen,
Gerbershausen.
Wirke sich der Bevölkerungsrückgang und die Alterspyramide auch bei der
Wohnungsgenossenschaft aus, so sieht Vorstand Volkmar Hartmann seine
Genossenschaft aber gut präsentiert in der Wohnstruktur der Kreisstadt. Dank
zielgerichteter Investitionen. In den vergangenen 13 Jahren seien durch komplexe
Modernisierungsmaßnahmen fast 100 Millionen Euro in die Wohnungen investiert
worden, so dass sich "unsere modernisierten Wohnungen in ausgezeichnetem Zustand
zeigen - auch hinsichtlich technisch moderner Ausstattung und Wohnumfeld". Dass
sich die Wohnungen der Genossenschaft, wie Volkmar meint, von anderen etwas
abheben, liege am hohen Engagement der Mitglieder. "Alle Mitglieder sind ja
Miteigentümer aller Liegenschaft und Immobilien der Genossenschaft", so
Hartmann. Mit ihren Geschäftsanteilen haften die Mitglieder. Doch seien diese
Geschäftsguthaben durch entsprechende Rücklagen gesichert und bestehe kein
Anlass zu Sorgen.
www.tlz.de
12.04.2003
Rostock: Zum Abriss stimmten sich Unternehmen ab
Die Themen Wohnumfeld, Abriss und Rückbau dominierten vorgestern im Ortsbeirat
Groß Klein. Von Vorteil war, dass viele Wohnungsunternehmen vertreten waren.
In der Hermann-Flach-Straße betreiben perspektivisch Wiro, Schifffahrt-Hafen und
WG Warnow einen Rückbau und Abriss. "Wenn auch jeder im Innern seine Zuschnitte
individuell gestaltet und alle im Wettbewerb stehen, gab es zum Gesamtvorhaben
einen Konsens", beteuerten der Vertreter von Schifffahrt-Hafen und Sabine
Schünemann von der Wiro auf Anfrage des Ortsbeirates nach einer Zusammenarbeit.
Viele der Wohnungsunternehmen, dazu gehört auch die WG Marienehe, sind in Groß
Klein bei Sanierung schon fast komplett fertig. Am Dänenberg ist die Aufwertung
durch die Balkonanbauten mit Blick auf das IGA-Gelände sehr gelungen.
Sehr attraktiv werden die Wohnungen in der Hermann-Flach-Straße 25 bis 36. Hier
werden 35 Wohnungen der oberen Etagen weichen, die verbleibenden Wohnungen
werden komplett umgebaut. Da der Ruf der Hermann-Flach-Straße im Laufe der Zeit
gelitten hat, soll ein Teil dieser Straße umbenannt werden. Der Vorschlag der
Wiro lautet Ahorn-Hof. Der Name bezieht sich auf die Gestaltung des Innenhofes,
wo Ahornbäume gepflanzt werden sollen.
www.svz.de
12.04.2003
Wohnungsgenossenschaften in Zahlungsnot
Leerstand, Abwanderung, Preisverfall ... die Wohnungswirtschaft des Ostens
steckt in der Krise. Ein Problem, das bisher in erster Linie Vermieter,
Wohnungsunternehmen und Städteplaner beschäftigt hat. Doch jetzt erreicht die
Krise auch die "kleinen Leute" - die Mitglieder der rund 750
Wohnungsgenossenschaften in den neuen Bundesländern. Voraussichtlich jede fünfte
ostdeutsche Wohnungsgenossenschaft wird in den kommenden Jahren
Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, so Karlheinz Körner, Geschäftsführer des
Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter e.V.. Allein in Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es rund 700.000 Genossenschaftswohnungen. Für
die Mitglieder der Wohnungsgenossenschaften sind die Folgen besonders heikel,
denn sie sind nicht nur Nutzer der Wohnungen sondern auch Miteigentümer.
Eines der ersten Opfer der Krise ist die Thüringer Wohnungsgenossenschaft
Crossen-Hartmannsdorf eG. Letztes Jahr meldete das Unternehmen Insolvenz an.
Zwar muss vorerst niemand mit einer Kündigung rechnen. Auch die Miete hat sich
nicht geändert. Doch die Genossenschaftsanteile der Mitglieder, insgesamt über
eine Millionen Euro, werden jetzt zur Schuldendeckung herangezogen. Und wie es
mit den Wohnungen weitergehen wird, das entscheiden jetzt nicht mehr die rund
700 Genossenschaftsmitglieder, sondern Insolvenzverwalter und Gläubiger. Laut
Satzung besteht für die insolvente Genossenschaft Crossen-Hartmannsdorf eG zudem
eine Nachschusspflicht. Danach kann ein Mitglied zu weiteren Zahlungen in
Anspruch genommen werden, bis zu einem Betrag, "der dem Gesamtbetrag seiner
Geschäftsanteile" entspricht.
Ein weiteres Symptom der Krise: Zahlreiche Wohnungsgenossenschaften sind nicht
mehr in der Lage, die Guthaben ausgetretener Genossenschaftsmitglieder
zurückzuzahlen.
In mindestens 500 Fällen haben Wohnungsgenossenschaften in Sachsen ehemaligen
Mitgliedern die Rückzahlung von Geschäftsguthaben verweigert. Betroffen sind
ehemalige Mitglieder der Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf eG
(7.000 Wohnungen), der Wohnungsgenossenschaft Laubusch eG (1.100 Wohnungen)
sowie der Gröditzer Wohnbau eG (1.100 Wohnungen).
Viele ehemalige Genossenschaftsmitglieder sind nicht bereit, diesen Totalverlust
ihrer Guthaben hinzunehmen. Zumal es umstritten ist, ob die vollständige
Verwendung der Geschäftsguthaben ausgeschiedener Mitglieder zur Verlustdeckung
ohne eine detaillierte Berechnung überhaupt zulässig ist.
www.mdr.de
12.04.2003
Eisenach: Erste Blocks vor dem Abriss
Einstimmig billigten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses des
Stadtrates einen Vertrag über die Durchführung einer Ordnungsmaßnahme im Rahmen
der Städtebauförderung. Konkret geht es um den Abriss der Blocks an der
Ziegeleistraße 50 bis 64. Allerdings gilt dieser Vertrag nur vorbehaltlich der
Bewilligung von Haushaltsmitteln in Höhe von knapp 311 000 Euro aus Vorgriff auf
den kommenden Haushaltsplan. Durch den Rückbau soll eine Verbesserung des
Wohnumfeldes erreicht werden.
Der Abriss wird mit Bundes- und Landesmitteln gefördert, ein städtischer Anteil
sei nicht erforderlich, so der Oberbürgermeister. Die Stadt gebe das Geld
lediglich an die AWG in gleicher Höhe weiter. Das Vorhaben soll noch in diesem
Jahr realisiert und schon in den nächsten Wochen begonnen werden. Der Vertrag
wiederum ist Voraussetzung zur Sicherung der Finanzierung.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 641 000 Euro. Von denen sind fast 384
000 Euro förderfähig, in denen das Geld aus dem Vertrag enthalten ist. Der
Finanzierungsanteil der förderfähigen Kosten durch die AWG beläuft sich damit
auf knapp 73 000 Euro. Die Differenz zwischen Förderung und den Gesamtkosten in
Höhe von über 257 000 Euro habe ebenfalls die Allgemeine
Wohnungsbaugenossenschaft Eisenach zu tragen, hieß es zur Begründung.Die
Weitergabe des Geldes seitens der Stadt erfolgt aber nur bei tatsächlicher
Einnahme. Gibt es Verzögerung bei der Auszahlung der Fördermittel, hat sich die
AWG zu einer Zwischenfinanzierung bereiterklärt.
www.tlz.de
09.04.2003
Chemnitz: WCH plant Rettung aus eigener Kraft
Die Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf (WCH) will sich innerhalb von
vier Jahren aus eigener Kraft aus der gegenwärtigen finanziellen Schieflage
befreien. Über ein entsprechendes Sanierungskonzept möchte der Vorstand des
viertgrößten Chemnitzer Wohnungsunternehmens möglichst bis Mitte des Jahres mit
der Vertreterversammlung der Genossenschaft, mit den beteiligten Banken und mit
dem Sächsischen Prüfverband einen Konsens erzielen.
Forderten die Gläubigerbanken im Sommer vergangenen Jahres noch den Abriss von
3600 der insgesamt 6800 WCH-Wohnungen, so sieht das neue Sanierungskonzept den
Rückbau von knapp 2800 Wohnungen vor. Dies sind rund 500 Wohnungen mehr, als
derzeit in der Genossenschaft leer stehen. Für diese Differenz führt Vorstand
Klaus-Dieter Lemke mehrere Gründe an: „Da etwa die Hälfte der abzureißenden
Wohnungen derzeit noch belegt sind, müssen zahlreiche Mieter in den nächsten
vier Jahren umziehen. Unser Ziel ist es, dass wir mindestens 70 Prozent davon in
unserer Genossenschaft halten können. Rechnet man zu erwartende Auszüge aus
anderen Gründen hinzu, gehen wir davon aus, dass sich unser jetziger
durchschnittlicher Leerstand von 33 Prozent mittelfristig um weitere sieben
Prozent erhöhen wird. Die akutelle Situation in den einzelnen Wohngebieten plus
die prognostizierten Auszüge waren für uns die rechnerische Grundlage für das
Sanierungskonzept“, so Lemke.
Das Sanierungskonzept, das auch von den Banken finanzielle Zugeständnisse in
Millionenhöhe vorsieht, soll möglichst bis Ende 2007 umgesetzt sein und der WCH
dann mit geschrumpftem Bestand ein wirtschaftliches Überleben mit
Leerstandsquoten zwischen fünf und maximal zehn Prozent ermöglichen.
Bestandteil des Rettungsversuches aus eigener Kraft sind aber auch Investitionen
in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen die Wohnungen im
Kernbestand der WCH so modernisiert werden, dass sie den Mietern aus
Abrisshäusern als Umzugsalternative angeboten werden können. „Dabei sind wir
nicht auf Luxussanierungen aus, sondern schaffen in den Wohnungen einen modernen
Standard. Denn Ziel ist es, dass auch 2011 die Durchschnittsmiete in unseren
Wohnungen unter fünf Euro pro Quadratmeter liegt“, so Lemke. Bei der Vermittlung
von Alternativwohnungen will Lemke auch mit der Stadtumbau GmbH
zusammenarbeiten.
Dass die Gespräche nicht einfach werden, ist dem WCH-Vorstand klar. Gerade in
den Wohnvierteln, wo bereits zum Teil sanierte Häuser abgerissen werden sollen
(„Stadtmauer“, Bruno-Granz-Straße, Wenzel-Verner-Straße), werde sehr viel
Überzeugungsarbeit notwendig sein.
www.freiepresse.de
09.04.2003
Stavenhagen: Weststadt wird Fördergebiet
Auf der jüngsten Stavenhagener Stadtvertretersitzung hat es einige Beschlüsse
gegeben, deren Vorlagen aus dem Bauamt in die Vertretung eingereicht wurden. So
bestätigten die Abgeordneten zum Beispiel einstimmig den Geltungsbereich für das
Fördergebiet "Stadtumbau Ost". Dabei handelt es sich um das "Neubaugebiet
Weststadt" einschließlich so genannter Übergangszonen, das in näherer und auch
fernerer Zukunft von Rückbau betroffen sein wird aber auch eine Aufwertung
erfahren soll.
Für die Umgestaltung dieses Stadtgebietes habe die Reuterstadt Förderanträge
gestellt, heißt es in
der beigefügten Begründung der Beschlussvorlage.
www.nordkurier.de
07.04.2003
Wolgast: WoWi zieht ersten Abrissblock nach und nach leer
In der Gorkistraße 21 bis 24 sind bereits etwa die Hälfte der 65 Wohnungen
geräumt. Der WoWi-Block in Wolgast-Nord soll bekanntlich als erster zurückgebaut
werden, weshalb die Wohnungswirtschafts GmbH seit geraumer Zeit in individuellen
Gesprächen mit allen Bewohnern nach einvernehmlichen Lösungen sucht. „Wir wollen
unsere Mieter gern behalten, bieten ihnen also andere Wohnungen an“, erläuterte
jetzt WoWi-Chefin Sabine Lüdtke die behutsame Vorgehensweise, bei der man sich
bemühe, niemanden unnötigerweise unter Druck zu setzen.
Die Gesellschaft hofft auf den vollständigen Freizug des Plattenbaus bis zum 3.
Quartal. Wenn dann ein entsprechender Bewilligungsbescheid für dieses Vorhaben
innerhalb des Programms „Stadtumbau Ost“ vorliege, könnte man - weitgehend
witterungsunabhängig – mit dem Abriss beginnen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
05.04.2003
Crimmitschau: 450 Wohnungen sollen bis 2010 abgerissen
werden
27 Prozent aller Wohnungen im Bestand der kommunalen Crimmitschauer
Wohnungsgesellschaft (CWG) stehen leer. Daher mache es sich erforderlich, in den
nächsten Jahren mit dem Rückbau von Gebäuden zu beginnen, gab der
Geschäftsführer des Unternehmens, Reinhard Zill, Auskunft. Das kürzlich
beschlossene Konzept sehe vor, bis zum Jahre 2010 annähernd 450 Wohnungen
abzubrechen, darunter sind auch große Plattenbau-Wohnhäuser.
Das bedeutet für einzelne Mieter dann auch, dass sie in andere Wohnungen
umziehen müssen. Auf sein Unverständnis stoße es dabei, so Zill, dass sich
einige der Mieter bei notwendig werdendem Freizug von Wohnraum noch auf den von
DDR-Zeiten her bestehenden Mieterschutz berufen würden. Den
Wohnungsgesellschaften könne es nämlich nicht zugemutet werden, dass
Entschädigungen bzw. Abstandszahlungen an die Mieter geleistet werden müssen.
Gespräche und Angebote habe es seitens der CWG schon gegeben. Aber hier bestehe,
wie Zill meint, Handlungsbedarf von Seiten der Politik.
Aufgrund neuer, vom Bund angestrebter Förderrichtlinien hinsichtlich der Bildung
von Wohneigentum sollten bereits sanierte Gebäude an Eigentümergemeinschaften
verkauft werden. Auch in diesem Jahr trennt sich die CWG von Gebäuden an
Einzelstandorten, für die der Sanierungsaufwand nicht mehr zu vertreten ist.
www.freiepresse.de
05.04.2003
Zwickau: Erstmals Elfgeschosser auf
Abrissliste
Vor genau zwei Jahren hat ein neues Zeitalter der Zwickauer Wohnungspolitik
begonnen: In der Max-Planck-Straße fielen die ersten Wände eines
sechsgeschossigen Plattenbaus. Bis heute hat allein der größte Vermieter, die
Gebäude- und Grundstücksgesesellschaft Zwickau (GGZ), 643 Wohnungen weggerissen.
1045 weitere sollen in diesem Jahr und 324 im ersten Quartal 2004 folgen. Dabei
wird ein weiterer Meilenstein gesetzt: An der Max-Planck-Straße soll der erste
Elf-Geschosser fallen, und zwar der Block 2 bis 10.Eine Stadt, die schwer an
Einwohnerschwund leidet, korrigiert den Wohnungsmarkt.
Bei jedem Abriss wird vorausgesetzt, dass Fördermittel fließen, räumt
GGZ-Sprecher Lutz Feustel ein. Die Anträge an die Sächsische Aufbaubank sind
geschrieben. 70 Euro kostet jeder Quadratmeter. Da hinein teilen sich Bund, Land
und Kommune. Was Feustel freut: „70 Prozent unserer Mieter konnten wir halten.„
Die drei großen Wohnungsunternehmen GGZ, ZWG und Wewobau würden sich nicht
gegenseitig die Mieter abjagen. „Wir sitzen alle im selben Boot, auch die
privaten Vermieter„, sagt er. Rund 13.000 Wohnungen stehen in der Muldestadt
leer, etwa 4000 davon gehören der GGZ. Ein Ende der Talfahrt sehen die Experten
nicht vor dem Jahr 2015. Dann sollen der 100.000-Einwohner-Stadt weitere 12.000
Bürger den Rücken gekehrt haben.
Abrissschwerpunkte liegen in den Plattenbaugebieten Eckersbach, da besonders auf
dem Viertel E 5, und Neuplanitz. In anderen Stadtteilen sind es lediglich
einzelne Bruchbuden, die dran glauben müssen. Was gut erhalten ist und
technische Standards erfüllt, verwendet die GGZ wieder. „Eingangstüren zum
Beispiel„, so Feustel. Mit den Abrissfirmen habe man Verträge abgeschlossen, in
denen die sich verpflichten, das Material umweltgerecht zu entsorgen. Manch
geschredderte Platte tut noch einen letzten Dienst im Straßenbau.
www.freiepresse.de
05.04.2003
Greifswald: Rückbau im Ostseeviertel ist weiter unklar
Es gibt konkrete Pläne, wie das Ostseeviertel künftig aussehen soll. Diverse
Blöcke werden total abgerissen. Von anderen sollen zwei Geschosse oder eines
abgetragen werden. Diese Häuser würden mit neuen Dachkonstruktionen versehen.
Wohnungen bekommen moderne Zuschnitte, zusätzliche Balkons sind eingeplant. Auch
das Umfeld soll attraktiver werden.
Eingeladen war auch Bauminister Helmut Holter. Er konnte den anwesenden Chefs
der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WVG), Fritz Richter, und der
Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald (WGG), Hans-Georg Falck, leider keine
befriedigenden Aussagen dazu machen, mit welchen Förderungen die Unternehmen in
den nächsten Jahren rechnen können. Holter sagte, dass lediglich für dieses Jahr
2,1 Millionen Euro für den Wohnungsrückbau in Greifswald gesichert seien, hinzu
kämen rund 500 000 Euro für Aufwertungsmaßnahmen. Auf die Frage der Chefs der
Wohnungsgesellschaften, was in den Folgejahren wird, blieb Holter die Antwort
leider schuldig. „Wir können nicht mit dem Abriss beginnen, wenn wir nicht die
Sicherheit haben, dass die Folgemaßnahmen finanziell untersetzt sind“, meinte
Fritz Richter von der WVG.
Er hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der Umbau der Plattenbaugebiete für
seine Gesellschaft eine Existenzfrage sei. Offenbar in jeder Hinsicht. Denn der
bereits bestehende Leerstand an Wohnungen in den Plattenbaugebieten sei
dramatisch. Allein im Ostseeviertel habe sich die Zahl unbewohnter Wohnungen im
letzten Jahr verdoppelt. Grund sei in erster Linie die Verunsicherung der
Bevölkerung. Die Bürger würden seit Monaten auf konkrete Aussagen warten und
immer wieder vertröstet. Der WVG-Chef machte an vielen Zahlen deutlich, dass es
sich seine Gesellschaft in keiner Weise leisten könne, finanzielle Risiken
einzugehen. Dazu stellte er mehrere Rechenmodelle an, die u.a. zeigten, dass
eine Wirtschaftlichkeit nur dann erreicht werde, wenn eine langfristige
Förderung garantiert sei. Die seit langem prognostizierten 60 Euro je
Quadratmeter Wohnung aus dem sogenannten Stadtumbau Ost würden gerade einmal für
den Abriss reichen, sagte er. Es sei aber von allen Verantwortlichen
beabsichtigt – Minister Holter unterstrich das ebenfalls – die Plattenbaugebiete
so umzugestalten, dass sie begehrte Wohngebiete für die Bürger werden. Denn
Greifswald verliert jährlich viele Bürger.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
05.04.2003
Anklam:
Keine Parkplätze anstelle von alten Wohnblöcken
Die Wohnblöcke sowohl an der Markt-Westseite als auch an der Keilstraße bleiben
bis auf weiteres stehen. Leere Wohnungen werden nach Worten von Lothar
Salzsieder, Geschäftsführer der Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH (GWA),
zwar nicht mehr neu belegt. Die noch verbliebenen Familien indes "können ganz
beruhigt sein", versichert er: Ein allmähliches Leerziehen der noch nicht
sanierten Blöcke sowie ein späterer Abriss erfolge "nur im Konsens mit den
Mietern".
Damit widersprach Salzsieder Gerüchten, die Gebäude sollten im Zusammenhang mit
der geplanten Einrichtung eines "Hanseatischen Erlebniszentrums" im ehemaligen
Amtsgericht zugunsten von Parkplätzen weichen. Der GWA-Chef selbst hat nach
eigenen Worten "bei der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe ,Stadtumbau‘ erfahren,
dass es seit zehn Jahren einen Plan gibt, das Eigentum der GWA an der Keilstraße
als Parkplatz zu verwenden". Doch "über das Eigentum der GWA entscheidet auch
die GWA - und niemand anders". So könne er sich "an dieser Stelle alles
vorstellen, nur keine Parkplätze".
Während die GmbH in ihren Plattenbauten derzeit einen Leerstand von rund 5,5
Prozent aufweist, betrage dieser Wert für den Gesamtbestand über 9,7 Prozent:
Nach Salzsieders Worten treiben unter anderem die ungenutzte ehemalige
Kriegsschule sowie die noch immer in die Leerstands-Ermittlung einfließende alte
Brauerei den Durchschnitt hoch; auch für diese Gebäude müssen Altschulden von 75
Euro je Quadratmeter abgetragen werden.
www.nordkurier.de
03.04.2003
Nordhausen: Stadtrat macht Weg frei für weitere
Häuserabrisse
Grünes Licht gab gestern der Nordhäuser Stadtrat für den Abriss der
Kranichstraße 1 bis 5. Die Plattenbauten stehen just auf dem Areal, auf dem das
neue Einkaufszentrum am Pferdemarkt entstehen soll. Ob die Bagger tatsächlich
anrücken werden, ist jedoch noch nicht entschieden. Denn derzeit laufen die
Gespräche zwischen dem Investor und den Hauseigentümern, der SWG und der WBG,
noch. Den Mietern sollen im Falle des Abrisses auf jeden Fall im näheren Umfeld
Ersatzwohnungen angeboten werden.
Weichen wird auch das Haus in der Erfurter Straße 18, entschieden die Politiker.
Das Fachwerkhaus in Privatbesitz stehe seit Jahren leer und sei baufällig. Auf
dem frei werdenden Grundstück sollen Grün- und Parkflächen angelegt werden, hieß
es gestern Abend.
Außerdem votierten die Stadträte für neue Straßennamen. So soll die bisherige -
offiziell nie so benannte - Hintere Rautenstraße den Namen Vor dem Vogel tragen.
Die Straßen im Wohngebiet Am Holungsbügel sollen Schwalben- und Fasanenweg
heißen. Der Wall hinter der Pfaffengasse, der zum historischen Stadtrundgang
gehört, soll Johanniswall heißen.
www.thueringer-allgemeine.de
03.04.2003
Templin: Modernisierte Wohnungen unvermietet
In Templin stehen im Vergleich zu anderen Kommunen recht wenige Wohnungen leer.
Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft (WOBA Templin UM) weist zurzeit einen
Leerstand von 2,5 Prozent aus. Geschäftsführer Alfons Klaffki macht das in
Zahlen deutlich: 29 Wohnungen werden zurzeit im wöchentlich wechselnden Aushang
angeboten. Das sei nicht besorgniserregend angesichts von Meldungen aus dem
Templiner Umland, wo sogar 25 Prozent der Wohnungen leer stünden. Dennoch, so
Alfons Klaffki, mache man sich Gedanken. In diesem Jahr, so schätzt er ein,
werde die Leerstandsquote in Richtung 4 Prozent pendeln, sie aber nicht
erreichen.
Er sieht Ursachen darin, dass vor allem junge Leute aus Templin wegzögen. Und
was noch viel schlimmer sei, dass junge Leute, die hierblieben, aber keine
Arbeit finden würden, sich keine Wohnung leisten könnten. Dies sei
familienpolitisch ein großes Problem und werde vermutlich erst in einigen Jahren
zum Politikum werden, so Klaffki weiter.
Und so habe die WOBA jetzt sogar modernisierte Wohnungen im Leerstand.
"Wir merken immer häufiger, dass sowohl junge als auch ältere Templiner auf der
Suche nach kleinem, preiswertem und damit bezahlbarem Wohnraum sind." Im Grunde
genommen habe die WOBA das gesamte Preisspektrum im Angebot. Also Wohnungen mit
gehobenem Standard und Umfeld - wie zum Beispiel im Postheim - bis zu recht
einfachen Wohnungen in unsanierten Blöcken in der Lychener Straße. Ja sogar ganz
preiswerte Wohnungen, mit Ofenheizung, seien noch im Angebot.
www.nordkurier.de
03.04.2003
Chemnitz: WCH legt Sanierungskonzept vor
Der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Wohnungsbaugenossenschaft
Chemnitz-Helbersdorf (WCH) ist bei ihrem Sanierungsversuch offenbar ein
Zwischenerfolg gelungen. Wie aus dem jüngsten Informationsblatt an die
Genossenschafter hervorgeht, hätten sich alle beteiligten Banken bereiterklärt,
den Sanierungskurs nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen. Dadurch bestehe
aktuell keine Insolvenzgefahr für das viertgrößte Chemnitzer Wohnungsunternehmen
mit seinen noch mehr als 6000 Wohnungen. Für die nächsten Tage ist laut Vorstand
Klaus-Dieter Lemke eine nächste Bankenrunde vorgesehen.
Der teilweise Kapitalverzicht der Gläubigerbanken ist allerdings nur ein Teil
des Sanierungsplanes. Ein weiterer Teil ist der notwendige Abriss von Wohnungen.
Konkrete Pläne dafür hat die Genossenschaft mittlerweile ausgearbeitet und
bereits den Mieterinitiativen und der neugewählten Vertreterversammlung in zwei
Arbeitstagungen vorgestellt. Als nächstes sollen die Genossenschaftsmitglieder
darüber informiert werden, welche Häuser im Bestand bleiben und welche
abgerissen werden sollen. Als im vergangenen Sommer die ersten Abrisslisten
bekannt geworden waren, hatte sich der Protest dagegen in der Gründung von drei
Mieterinitiativen niedergeschlagen. Damals sollten bis zu 3600 Wohnungen, zum
Teil auch bereits sanierte, vom Markt verschwinden.
In den zurückliegenden zwölf Monaten nach Bekanntwerden der finanziellen
Schieflage und den damit verbundenen Unsicherheiten hat sich der
durchschnittliche Wohnungsleerstand der WCH von 31 auf 33 Prozent erhöht. Durch
die demografische Entwicklung sowie durch weitere mögliche Wegzüge muss ein
Anstieg des Leerstandes in die Sanierungspläne eingerechnet werden. „Um
perspektivisch eine stabile Entwicklung zu erreichen, müssen in jedem Wohngebiet
etwa sechs Prozent mehr Wohnungen vom Markt genommen werden, als der jeweilige
derzeitige Leerstand ist“, nennt Klaus-Dieter Lemke zumindest eine konkrete
Zahl.
Mit Aufmerksamkeit verfolgt man derzeit bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in
Dresden die aktuelle Entwicklung bei der WCH. Als Hauptgläubiger kommt der SAB,
die seit Monaten die Kreditrückzahlung gestundet hat, eine Schlüsselrolle bei
der Rettung des Wohnungsunternehmens zu. „Solange wir eine Chance für die WCH
sehen, halten wir die Stundung aufrecht. Entscheidend wird jetzt sein, dass der
Vorstand eine Mehrheit der Genosenschafter für das Sanierungskonzept gewinnen
kann“, sagte SAB-Chef Stefan Weber gegenüber „Freie Presse“. Er warnte aber
zugleich vor übertriebenen Erwartungen, was eine Reduzierung des Abrissvolumens
betrifft. „Wenn die WCH weniger Wohnungen vom Markt nehmen will, dann müssten
andere Wohnungsunternehmen in Chemnitz entsprechend mehr abreißen. Insellösungen
kann es bei den generellen Problemen des Stadtumbaus nicht geben“, machte Weber
deutlich. Auf alle Fälle will der SAB-Chef in den nächsten Wochen die Gespräche
mit der neugewählten WCH-Vertreterversammlung wieder aufnehmen.
www.freiepresse.de
03.04.2003
Zeulenroda: Wohnbau-Chef Peter Lösche kündigt Kündigungen
an
Drei Wohnblöcke im Zeulenrodaer Stadtbachring sollen ab 2004 abgerissen werden.
Von den 140 Wohnungen stehen 50 seit Monaten oder gar Jahren leer. 90 waren
bislang noch vermietet.
"Wir haben mit 84 der insgesamt 90 betroffenen Mietparteien bereits Gespräche
geführt. Sechs haben sich noch nicht gemeldet. Bei den 84 Gesprächen konnten
bereits 62 neue Miet-Vereinbarungen getroffen werden, in zwei Fällen mussten wir
wegen langer Mietschulden fristlose Kündigungen aussprechen. 36 Familien sind
bereits umgezogen, haben einen neuen Mietvertrag unterschrieben oder deren neue
Wohnung ist bereits hergerichtet", umreißt Peter Lösche den derzeitigen
Räum-Stand in den geplanten Abriss-Häusern.
Mit insgesamt 150 000 Euro wurden bisher durch die Wohnbau die Umzüge
unterstützt. Dabei zahlt man sowohl Umzugskosten, die Ummelde-Kosten als auch
das Sanieren der angebotenen Austausch-Wohnung. Es gab auch Fälle, wo man
Schadenersatz leistete, wenn beispielsweise Gardinen oder vor wenigen Monaten
neu gekaufte Auslegware nicht mehr passen. Auch das Tapezieren wird bezahlt. Es
gab auch Fälle, wo Gipskartonplatten verlegt oder Trockenbau-Wände wunschgerecht
eingezogen wurden. Man zeigt sich da offenbar sehr kulant, um den Mietern den
Umzug aus ihrem gewohnten Umfeld zu erleichtern. Dies alles wird aber ganz
individuell nach jeweiliger Mieter-Situation besprochen und dann der Ausgleich
für entstandene Aufwendungen bezahlt.
www.otz.de
01.04.2003
Ausgezehrte Regionen
Deutschland steht mitten in der schwersten Strukturkrise der Raumpolitik seit
dem Zweiten Weltkrieg. Leerstände von 1,3 Millionen Wohneinheiten,
Bevölkerungsschwund, großflächige Abwanderung und eine desaströse Verschuldung
der Kommunen haben ein Konfliktpotenzial aufgehäuft, wie es seit der
Totalzerstörung der Städte nicht zu bewältigen war. In dieser Situation reagiert
die Politik mit niederschmetternder Konzeptionslosigkeit, für die das neue
milliardenschwere "Konjunkturprogramm" für Kommunen nur ein weiteres
deprimierendes Beispiel ist. Was die Vertreter der Parteien zum Scheitern
städtebaulicher Visionen vorbringen, sind kosmetische Korrekturen und ein
sinnleerer, realitätsferner Streit darüber, wie die Bautätigkeit neu in Gang zu
bringen sei.
Tatsächlich aber steht die Leistungsfähigkeit und das Überleben ganzer Regionen
auf dem Spiel. Wenn das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin mit seiner
Vorhersage richtig liegt, dass das Ruhrgebiet in 20 Jahren zehn bis 20 Prozent
seiner Einwohner verliert, wenn die Bevölkerung der neuen Bundesländer in 100
Jahren von 15 auf sechs, womöglich gar 3,5 Millionen Einwohner schrumpft, dann
genügt es nicht, über die Eigenheimförderung zu debattieren.
Großstädte trifft es genauso wie Landstädte. Das aufblühende Leipzig, so eine
Expertendiskussion in Düsseldorf, wird in 25 Jahren nur noch halb so viel
Einwohner wie 1940 haben: statt 700 000 nur noch 350 000. Städte wie das
800-jährige Guben, heute noch 25 000 Einwohner, werden womöglich völlig von der
Landkarte verschwinden. Doch auch Nordrhein-Westfalen - so Städtebauminister
Vesper - muss bis 2040 mit einem Verlust von einer Million Einwohner rechnen.
Das Brachfallen ganzer Regionen resultiert nicht nur aus dem galoppierenden
Bevölkerungsschwund, sondern ganz wesentlich aus Deindustrialisierung. Es wird
von Abwanderungsströmen begleitet, deren Richtung und vorwärts drängende Gewalt
sich an Wochenenden beobachten lässt, wenn sich ein Heer von Zehntausenden
Wochenpendlern in nicht abreißendem Strom über die Autobahnen wälzt. Diese
Binnenwanderung nimmt Ausmaße einer Völkerwanderung an, wie sie sich schon vor
dem Ersten Weltkrieg aus den deutschen Ostprovinzen in die Industriezentren des
Westens ergossen hat. Und sie führt zu einer immer bedenklicheren Schieflage der
Binnenstruktur.
In Gebieten unablässiger Auszehrung kommt es zu einem verhängnisvollen
Automatismus. Auf die Abwanderung der Menschen folgt der Zusammenbruch der
Versorgungsnetze - Bahn, Post, technische Infrastruktur -, der seinerseits eine
Kostenlawine und weitere Wanderungsströme auslöst. Zusätzlich dünnt die
innerstädtische Bevölkerung durch Abwanderung an die Stadtränder aus - eine
Entwicklung, die mitnichten zur Sanierung, sondern zum Ruin städtischer Finanzen
ausschlägt.
Denn die Städte zahlen doppelt: Kindergärten, Schulen, Bibliotheken, Bäder,
Bürgerhäuser müssen in der Innenstadt geschlossen und draußen neu gebaut werden,
die Kanäle verrotten, die eben erst sanierten Gründerzeithäuser müssen
zugenagelt werden (und reißen mittelständische Eigentümer in den Bankrott), in
ganzen Quartieren bricht der Einzelhandel weg - während die Städte weiterhin
Millionen in immer neue Straßen, Verkehrslinien und technische Versorgungsnetze
am Stadtrand stecken, mit denen sie das pilzartige Wuchern von Siedlungen,
Einkaufs- und Gewerbezentren auf der grünen Wiese nur noch forcieren.
Jede neue Milliarde, die in diesen Kreislauf eingespeist wird, potenziert
den Finanzbedarf - deshalb kann die zukunftsweisende Strategie nur in der
Umkehrung der Abwanderungsströme liegen. Für sie gibt es bis jetzt weder eine
Vision noch erst recht eine Strategie.
Wenn die Raumpolitik des wieder vereinigten Deutschland nicht in einer
gigantischen Kapitalvernichtung enden soll, besteht hier brennender
Handlungsbedarf. In einigen Regionen sehen die (selbst konzeptionslosen)
Planungsexperten Zustände heraufziehen, wie sie nach dem Dreißigjährigen Krieg
und dem Wüten der Pest geherrscht haben. Mit Gießkanne und Kinderschaufel lässt
sich da nichts ausrichten.
www.welt.de
01.04.2003
Wohnungsvermieter kritisieren Förderpolitik
Kritik an der Förderpolitik von Bund und Land hat die
Bezirksarbeitsgemeinschaft der Wohnungsunternehmen in Vorpommern-Süd bei ihrer
Frühjahrstagung in Anklam geäußert: Weil die Altschulden von 75 Euro je
Quadratmeter nicht gestrichen und die Abriss-Sonderförderung von 60 Euro je
Quadratmeter nur bei einer Leerstandsquote von 15 Prozent gewährt wird, "kommt
der Stadtumbau ins Stocken", unterstreicht der Gemeinschaftsvorsitzende
Karl-Dieter Lehrkamp, zugleich Geschäftsführer der Anklamer
Wohnungsgenossenschaft.
Der Leerstand bei den in der Gemeinschaft organisierten 30 Unternehmen betrage
im Schnitt knapp zehn Prozent, erklärte er. In Anklam sieht es etwas besser aus:
Bei der Genossenschaft stehen 3,4 Prozent der Wohnungen leer, bei der
Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH knapp über vier Prozent. Lehrkamps
Befürchtung: Vermieter, die ungeachtet der unklaren finanziellen Situation
Plattenbauten ab reißen, "geben ihre letzte Barschaft rein". Die Wolgaster
Wohnungswirtschaft GmbH macht an ihren Abrissplänen für Wolgast-Nord indes keine
Abstriche: "Wir hätten es so oder so gemacht, schließlich wollen wir die 15
Prozent Leerstand erst gar nicht erreichen", hieß es.
www.nordkurier.de
28.03.2003
Malchin: Vor dem Abriss die letzten Fenster
gerettet
Acht Malchinern war gestern offiziell erlaubt, was zuvor eigentlich als
Diebstahl galt. Sie durften alles aus dem 1968 errichteten Wohnblock holen, was
sie gebrauchen konnten. Viel war das wahrlich nicht mehr. "Die Heizkörper sind
alle schon vorher geklaut worden und die meisten Fenster zur B 104 hin sind
bereits zerstört worden", bedauerte Herbert Mehl, Geschäftsführer der Malchiner
Wohnungsgesellschaft (Wogema) gestern noch einmal. Die Wogema bzw. ihr Vorgänger
die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) hatte die Ein- bis Vierraumwohnungen bis
Ende 2001 vermietet. "Die Leute, die hier gewohnt haben, haben hier eigentlich
sehr gern gewohnt. Schöner Blick, gute Lage. Der Block war auch immer voll
gewesen. Leerstand gab es dann erst, als bekannt wurde, dass das Haus abgerissen
wird", berichtete Herbert Mehl.
Zehn Euro pro Stück In den vergangenen Wochen habe es dann immer wieder Anfragen
nach den noch vor einigen Jahren erneuerten Balkonfenstern gegeben. Die Wogema
setzte die Interessenten darauf hin auf eine Liste und gestern durften sie sich
nun bedienen. Immerhin 13 Balkonfenster in den insgesamt 25 Wohnungen hatten den
Vandalismus und die Selbstbedienungs-Allüren der vergangenen Monate überstanden.
Das Stück ging gestern für zehn Euro weg. Die Fenster seien ganz ideal für die
Gartenlaube, meinte ein Malchiner, der das Glas für den Transport vorsichtig
herausgenommen hatte. Ein weiteres Balkonfenster wird demnächst in Schwinkendorf
an der Kegelbahn wiederzufinden sein. Auch deren Betreiber hatte sich auf die
Liste der Wogema setzen lassen. Eine Frau suchte noch eine Keller-Tür. Keine
Chance, alles schon weg.
www.nordkurier.de
28.03.2003
Die Zukunft heißt Abriss
Auf Einladung der SPD-Bürgerschaftsfraktion Bremen debattierten in den
vergangenen zwei Tagen sozialdemokratische Bauexperten aus nahezu allen
Landesparlamenten über das Thema "Stadtmodernisierung und Wohnungsbau". Bei der
abschließenden Podiumsdiskussion warf Bernd Meyer, Ex-Bausenator in Bremen und
inzwischen Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und
Bremen der Politik vor, die demographische Bevölkerungsentwicklung in vielen
Bereichen verschlafen zu haben. Heute schon hätten darunter die sozialen
Sicherungssysteme zu leiden, in naher Zukunft würden die Städte darunter leiden.
"Wir haben zwar genug Wohnungen im Bestand, aber es sind oft die falschen", so
der Ex-Senator. "Die klassische vierköpfige Familie macht nicht mal mehr zehn
Prozent der Nachfrage aus, über 70 Prozent kommen von den Ein- bis
Zwei-Personen-Haushalten". Die künftigen Schwerpunkte der Wohnungswirtschaft
hießen daher Modernisierung, Umbau und Wohnumfeldverbesserung. Diese Aufgaben
aber müssten Hand in Hand mit der Politik angegangen werden. Der Abriss ganzer
Siedlungsteile, wie er in der Hochhaussiedlung Tenever aufgrund mangelnder
Nachfrage nötig geworden ist, sei eine Angelegenheit, die finanziell nicht von
der Privatwirtschaft alleine zu leisten sei. Meyer plädierte vor diesem
Hintergrund eindringlich für den Erhalt der städtischen
Wohnungsbaugesellschaften. Immerhin ist es auch in Tenever die mehrheitlich in
öffentlicher Hand befindliche Gewoba, die die maroden Hochhäuser aufgekauft hat,
um sie nun teils zu sanieren, teils der der Abrissbirne zu überlassen.
Professor Volker Eichener, der Leiter des Bochumer Instituts für
Wohnungsforschung (siehe Interview) ging noch einen Schritt weiter: Eine
nachhaltige Städtebaupolitik müsse sich weniger um die "hardware" als um die "software"
der Stadt kümmern. Eine Gesellschaft, in der die Alten und die Armen immer mehr
würden, bräuchte vor allem eines: Betreuung.
Sein Plädoyer, vor dem Hintergrund schrumpfender Städte ganze Quartiere
abzureißen um andere zu stärken, rief indes den Widerspruch des Staatssekretärs
im Bundesbauministerium Achim Großmann hervor. "In Deutschland und Frankreich
schrumpft die Bevölkerung vielleicht, aber die Weltbevölkerung explodiert", gab
er zu bedenken. "Wir müssen den Schalter zwar umlegen und auf den Bestand, statt
auf Neubau setzen, aber wir müssen die Hand am Schalter behalten", warb er für
ein möglichst flexibles wohnungspolitisches Instrumentarium, das auch neuen
Herausforderungen wie der Einwanderung gewachsen sein müsse. Mit den neuen
Programmen "Soziale Stadt" und "Stadtumbau West" - von beiden profitiert die
Quartierssanierung in Tenever - wolle die Bundesregierung genau das:
Ressortgrenzen überwinden und den Kommunen ein flexibles, auf die örtlichen
Gegebenheiten zugeschnittenes Mittel an die Hand geben. Auch Großmann warnte
davor, die städtischen Wohnungsgesellschaften "nur als Vermögenswerte"
anzusehen, die man einfach veräußern könne.
www.taz.de
28.03.2003
Die wirklichen Probleme kommen erst noch
Die Wohnungsbaupolitik der rot-grünen Bundesregierung steht unter heftiger
Kritik. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt rief beim 4. Leipziger
Baugespräch ("Bauen in Deutschland - Niedergang ohne Ende?") nach neuen
Prioritäten und anderen Rahmenbedingungen, um die Investitionsbereitschaft im
Bausektor anzukurbeln.
Was Milbradt forderte, bedeutet den Abschied von den bisherigen Leitlinien der
Wohnungspolitik: Schluss mit dem sozialen Wohnungsbau; massive Umschichtungen
der Fördermittel des "Stadtumbauprogramms Ost" zu Gunsten der
Abriss-Aktivitäten; eine Eigenheimzulage, die den Bestandserwerb gegenüber dem
Neubau bevorzugt; Investitionsmodelle, die die zu mehr Erträgen führen anstatt
zu höherer Kreditaufnahme, was die meisten Kommunen ohnehin nicht mehr
bewältigen könnten. Zudem sei den regional unterschiedlich verlaufenden
Marktentwicklungen mit einer ebenso differenzierten Förderung zu begegnen.
Konkret wurde Milbradt insbesondere in Sachen Stadtumbau- und Kreditprogramm:
"Anreize zur Sanierung sind überflüssig. Von den 400 000 leerstehenden Wohnungen
in Sachsen sind 150 000 saniert." Stattdessen fehle es an schnell wirksamen
Mitteln, um mit Abrissen die steuerinduzierte Überinvestition im Wohnungsbau aus
den 90er Jahren zu beseitigen. Nur wenn es gelänge, die immer weiter auseinander
klaffende Schere zwischen wohnungswirtschaftlichen Erträgen und Kosten wieder zu
schließen, sei die Misere des Wohnungsbaus und damit die der Bauwirtschaft zu
bewältigen. Was der Leerstand allein den kommunalen Wohnungsunternehmen kostet,
bezifferte Joachim Arlt vom Institut für Bauforschung: eine halbe Milliarde Euro
pro Jahr. Um Rückbau wirkungsvoll zu betreiben, müssen nicht nur mehr Gelder
fließen, so Milbradt, sondern etwa auch Abriss-Kündigungen in den
Maßnahmen-Katalog aufgenommen werden.
Massiver Rückbau ist laut Milbradt auch aus einem anderen Grund dringend
geboten: Bis 2010 werde die Zahl der Haushalte - und damit die der benötigten
Wohnungen - zwar weiter steigen. Danach öffne sich aber die Demographie-Falle
mit sinkenden Bevölkerungszahlen, und "dann kommen erst die wirklichen
Probleme".
www.welt.de
28.03.2003
Stadtumbau durch öffentliche Mittel allein nicht
finanzierbar
Brandenburgs Bauminister Hartmut Meyer fordert Stadtwerke und Banken zur
Beteiligung am Stadtumbau Ost auf. Die Mittel der öffentlichen Hand reichten nur
für den Abriss von 480 000 der etwa 1,5 Millionen leer stehenden Wohnungen in
den neuen Ländern aus, sagte Meyer am Mittwochabend in Frankfurt (Oder). Die
Stadtwerke hätten sich am Gewinn aus diesen Wohnungen beteiligt, nun müssten
auch sie ihren Beitrag zu den Infrastrukturkosten beim Abriss leisten. Auch die
Banken dürften bei der Bewältigung der Altschulden nicht aus der Verantwortung
entlassen werden.
Zudem kritisierte Meyer nach Angaben des Frankfurter Hanse-Unternehmerclubs die
Eigentumsförderpolitik des Bundes. Es sei ein Fehler, kinderlose Bauherren von
der Förderung auszuschließen. Junge Leute, die noch keine Kinder haben,
bräuchten Unterstützung, um überhaupt Eigentum bilden zu können. Ältere Menschen
müssten die Chance erhalten, in die Innenstädte zu ziehen und dort
Eigentumswohnungen zu kaufen.
www.moz.de
28.03.2003
Hirschberg : Vorhaben, das in die Zukunft reicht
Einhellig beschlossen die Hirschberger Stadträte am Mittwochabend, die Aufnahme
ihrer Stadt in das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" zu beantragen. Sie
konnten sich dabei auf positive Signale zu diesem Ansinnen stützen, die es bei
Gesprächen des Bürgermeisters im Landesverwaltungsamt gegeben hatte.
Der Hirschberger Antrag wird damit begründet, dass das Stadtbild geprägt ist von
nicht mehr verwertbaren Wohn- und Gewerbeobjekten sowie von Freiflächen auf dem
Gelände der ehemaligen Lederfabrik. Für die Zukunft und auch schon in
Vorbereitung auf das Jubiläum "525 Jahre Stadtrecht" im kommenden Sommer erhofft
man sich dadurch deutliche Fortschritte im Sanierungsgebiet.
Die konkreten Maßnahmen, die beantragt werden, sind Abrisse in der Saalgasse,
Uferstraße, Karl-Liebknecht- und Jägerstraße. Neu gestaltet werden soll die
Fläche zwischen Kulturhaus und Museum, das Außengelände um beide Gebäude und die
Uferzone. Dafür liegen bereits fertige Projekte vor. Mit Hilfe von Vergabe-ABM
hofft der Stadtrat, für diese Maßnahmen eine 100-prozentige Förderung zu
erreichen. Anders kann die Stadt Hirschberg bei ihrer Haushaltslage solche
Vorhaben nicht angehen.
www.otz.de