Newsticker Archiv April 2003

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30.04.2003
Schrumpfende Städte – ein globales Problem
Ruinen schaffen ohne Waffen – der Spruch, der einst bitter-ironisch Fehler in der Wohnungsbaupolitik der DDR kommentierte, ist auch heute traurig aktuell. Während im Osten Deutschlands bis zur Wende viele der innerstädtischen Altbauquartiere ihrem Abriss entgegendämmerten, ist man in vielen Städten der neuen Bundesländer dazu übergegangen, leer stehenden Plattenbauten abzureißen, so in Schwedt, in Wolfen, aber auch in Berlin-Marzahn. Aber Leerstand auch im Altbau: Leipzig 35 Prozent, Görlitz 48 Prozent und Stendal 42 Prozent. Grund: Mangelnde Nachfrage, denn die ostdeutschen Städte schrumpfen. Insgesamt eine Million Wohnungen, der Wohnraum für 2,1 Millionen Menschen, stehen leer. Das entspricht der Einwohnerzahl des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Wende haben sich auf dem Territorium der ehemaligen DDR dramatische strukturelle Veränderungen abgespielt: Das Land wurde – von einigen Ausnahmen abgesehen – praktisch deindustrialisiert.
Nur ein Beispiel für viele: Am Chemiestandort Halle-Merseburg-Bitterfeld, wo ehemals 117 000 Menschen Arbeit fanden, blieben 11 000 Jobs übrig. Folge: Gerade die jungen, arbeitsfähigen Menschen wandern den Arbeitsplätzen hinterher Richtung Westen. Zurück bleiben halb verlassene Städte, in denen immer weniger Kinder geboren werden, was den Schrumpfungsprozess noch beschleunigt. Wer noch Arbeit hat, und es sich leisten kann, zieht aus den Innenstädten und bezieht ein Häuschen im Grünen irgendwo am Stadtrand. Es gibt ostdeutsche Städten, die haben binnen einer Dekade die Hälfte ihrer Einwohner verloren, so etwa Wolfen; Leipzig schrumpfte um ein Sechstel, Weißenfels um ein Siebtel. Aber es wird noch schlimmer kommen, als wäre die Situation im Osten nicht schon heute alarmierend genug: Wenn nach 2010 die geburtenstarken Jahrgänge sich ihre Eigenheime außerhalb der Stadt bauen und die Zahl der Haushalte insgesamt durch die gesunkene Geburtenzahl nach der Wende weiter sinkt, ist mit dem Kollabieren von ganzen Städten zu rechnen, so befürchten es die Experten. Das von den Städten und Kommunen getragene Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) warnt, alle »bisher verfügbaren Planungsinstrumente sind auf Stadtwachstum, nicht auf Stadtschrumpfung ausgelegt«. Dazu kommt, dass die staatliche Förderung des Eigenheimbaus den Trend zur Stadtflucht noch forciert. Das Difu empfiehlt bereits über »wirtschaftliche Sonderzonen« und »perforierten Städte« und die »Potentiale der Leere« nachzudenken.
Es mag ein schwacher Trost sein, dass das Phänomen der schrumpfenden Städte ein globales Problem darstellt. Kyong Park etwa, Künstler und Architekt aus Detroit, vergleicht die Entwicklung in seiner Heimatstadt in den letzten 50 Jahre mit dem Abwurf einer riesigen Bombe auf die Mitte der Stadt. Im Ergebnis käme beides ungefähr auf das gleich heraus: Heute wächst in Detroits Mitte Gras. Wo einst Leben pulste, gleich neben dem Hauptbahnhof, findet man heute Brachland.
www.nd-online.de

26.04.2003
Dranske: Zurück zu alten Wurzeln
Uwe Ahlers , Bürgermeister von Dranske, hat derzeit einen schweren Stand. Obwohl sich mit dem massiven Rückbau der örtlichen Plattenbauten gegenwärtig eine Menge in der Kommune tut, sieht sich das Gemeindeoberhaut fast täglich mit harscher Kritik konfrontiert. „Wir sind die Gemeinde mit den zugenagelten Fenstern“ brachte es ein aufgebrachter Bürger in der öffentlichen Sitzung des Gemeindeparlamentes am Donnerstagabend auf den Punkt. Daran, dass es künftig deutlich weniger Fenster sein werden, die Vandalen einschlagen können und Gemeindearbeiter zunageln müssen, lässt die erste Fortschreibung der Entwicklungskonzeption für die Gemeinde Dranske keinen Zweifel.
Demnach wird der begonnene Rückbau der Plattenbauten, bei dem allein in diesem Jahr die Neubaublöcke II, III und IV der Abrissbirne zum Opfer fallen, in den vergangenen Jahren fortgesetzt. So sollen im nächsten Jahr die Blöcke VI (bis zum 1. September) und VII (bis zum 1. November) komplett abgerissen werden. Block V soll dann in den Jahren 2006 / 2007 dem Erdboden gleich gemacht werden.
„Nach dem letzten Abriss eines gesamten Neubaublocks wird die begonnene Verbesserung des Dransker Ortsbildes in den Jahren 2008 und 2009 mit dem partiellen Rückbau weiterer Neubauwohnungen fortgesetzt. Von einst 905 Wohnungen in Plattenbauten werden in Dranske nur noch knapp 200 Wohnungen übrig bleiben“, gibt Frank Wodars von der EGS Entwicklungsgesellschaft mbH Rostock Einblicke in künftige Entwicklungen in der Gemeinde zwischen Bodden und Ostsee.
Darauf, dass sich diese Schritte durch das massive Schrumpfen der Bevölkerung in den zurückliegenden zehn Jahren ganz einfach notwendig machen, verwies Carsten Zippel. Der Stadt- und Dorfplaner aus Oldenburg, der mit einigen kurzen Unterbrechungen seit 1992 für die Gemeinde Dranske tätig ist, machte den erschreckenden Bevölkerungsschwund deutlich. „1989 lebten in Dranske 3760 Menschen. Seit dieser Zeit hat sich die Bevölkerung durch massive Abwanderung um 54 Prozent auf 1731 Einwohner reduziert. Wenn alle 905 Neubauwohnungen noch existieren würden, hätten wir jetzt 604 leerstehende Wohnungen. Da sich bis Ende 2007 der Wegzug um jährlich fünf Prozent der jetzigen Bevölkerung fortsetzen wird, muss auch der Abriss von Plattenbauten weitergeführt werden“, machte Carsten Zippel anhand von Diagrammen und Tabellen deutlich.
Die neue Identität Dranskes, zu der die Kommune zwischen Bodden und Ostsee in den kommenden Jahrzehnten finden soll, bedeutet einen Schritt in die Vergangenheit. Das idyllische Fischerdorf, das Dranske einst am Wieker Bodden war, wird es vielleicht in 20 Jahren wieder geben. „Dann haben die Menschen hier wieder Platz und Licht zum Leben“, so Zippel.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

26.04.2003
Suhl: Der größte Plattenbau Südthüringens wird platt gemacht

Das Wohnhaus Würzburger Straße 50 bis 66 in der Suhler Aue II – zu DDR-Zeiten mit 396 Wohnungen der größte Plattenbau Südthüringens – wird platt gemacht. Die „Klagemauer“, wie die Wohnscheibe damals im Volksmund hieß, gehört bald nicht mehr zum Stadtbild. Für Spötter und böse Zungen war das sozialistische Bauwerk der „Menschenfresser“. Über 1250 Leute wohnten dort. 300 Arbeiter des damaligen Suhler Wohnungsbaukombinates (WBK) hatten den Bau von Mai 1972 bis März 1973 hochzogen. Weil nach der Wende aber dem „Menschenfresser“ die Menschen fehlten, sprachen Stadtplaner und Suhler Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GeWo) sein Todesurteil.
Die flüchtenden Suhler waren es auch, die das Wohnungsbau-Unternehmen bewogen, den Block abzureißen. „10 000 haben in den vergangenen zehn Jahren der Stadt den Rücken gekehrt “, rechnet Volker Frase, Sprecher der GeWo, vor. Ein Teilrückbau wäre mit den Mietkosten nicht zu decken gewesen. „Leere Wohnungen sind teurer als bewohnte, wir können die Betriebskosten nicht weitergeben“, betont Frase. Eine Meinung, die Norbert Walther, der Leiter des Suhler Bau- und Stadtplanungsamtes, mit ihm teilt. „Uns nützen Vorstellungen nichts, die nicht finanzierbar sind“, sagt er, obwohl die städtebaulichen Bedenken nachvollziehbar sind. Aber heute wie damals sieht man sich in Geldzwängen. Gras soll im wahrsten Wortsinn nach dem Abriss der Platte über die leere Fläche wachsen. „Ein Areal für Sport und Freizeit“ sieht der öffentlich diskutierte städtische Rahmenplan dort vor, gibt Walther Auskunft. Detaillierte Vorstellungen existieren bislang nicht. Bürger, Interessengruppen und Partner sollen gehört werden. Ein Angebot, das vielleicht auch Erhardt Simon, Peter Seifert und Ulrich Möckel wahrnehmen.
www.freies-wort.de

26.04.2003
Reform der Eigenheimzulage rückt näher
Auch nach dem Abriss bleibt Tenever eine Mustersiedlung. Mit ihren durchschnittlich elf Stockwerken ist die Betonburg im Bremer Stadtteil Osterholz eine typische Hinterlassenschaft der siebziger Jahre. Viele Wohnungen stehen leer, ein Drittel der Bewohner lebt von Sozialhilfe. Nun reicht es dem Senat: Rund 600 der 2600 Wohnungen werden abgerissen. Damit wird Tenever erneut zu einem Modellprojekt – diesmal für den „Stadtumbau West”.
Derzeit müssen die Steuerzahler sowohl für den Abriss von Altbauten aufkommen als auch für die Förderung von neuen Eigenheimen. Angesichts der Alterung der Gesellschaft sei das widersinnig, meinen Fachleute. Insbesondere in Ostdeutschland stehen bereits viele Plattenbauten leer. Etliche Häuser – wie hier in Halle – werden abgerissen.
Vorerst ist das nur der Titel eines Forschungsvorhabens, das dem Bundesbauminister den Sanierungsbedarf in den alten Ländern aufzeigen soll. Entstanden ist die Idee zum Stadtumbau im Osten. Die hohen Leerstände in Plattenbauten und anderen heruntergekommenen Quartieren zwischen Rostock und Riesa ließen keine Wahl: 2,7 Milliarden Euro stehen bis 2009 für die Radikalsanierung bereit. Doch Gebiete mit abnehmender Bevölkerung gibt es auch im Westen, im Harz etwa oder in der Wesermarsch. Für den Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen führt deshalb am „Stadtumbau West” kein Weg vorbei. „Wenn wir den richtigen Zeitpunkt zum Handeln versäumen, werden einige Städte irreparable Schäden erleiden”, sagt Verbandsdirektor Bernd Meyer. Eine Studie des Hamburger Gewos-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass in Niedersachsen und Bremen 2015 etwa 170 000 Wohneinheiten leer stehen werden, gut 4 Prozent des Bestands. Dabei ergibt sich regional ein sehr unterschiedliches Bild. Im Südosten Niedersachsens werden künftig deutlich weniger Menschen leben. Im Hamburger Umland dagegen oder in Westniedersachsen, wo sich viele Aussiedlerfamilien niedergelassen haben, wird der Wohnungsbedarf steigen. Selbst in diesen Gebieten passen jedoch Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Mieter wünschen vor allem große Wohnungen, Bauherren suchen günstige Grundstücke für Ein- oder Zweifamilienhäuser. In einem sind sich die Marktforscher einig: Der Trend geht weg vom Mehrfamilienhaus. Dass dieser vom Staat mit der Eigenheimzulage auch noch gefördert wird, halten Fachleute inzwischen für falsch. Mittlerweile formiert sich eine breite Koalition zur Reform der Eigenheimzulage. Sie reicht vom Deutschen Städtetag über den Mieterbund bis in Bundestag und Bundesrat. Noch passen die unterschiedlichen Vorschläge im Detail nicht ganz zusammen. Der Tenor jedoch ist eindeutig: Der Neubau von Immobilien soll nicht länger doppelt so hoch gefördert werden wie die Sanierung von Altbauten. „Rund 10 Milliarden Euro werden derzeit nach dem Gießkannenprinzip verteilt”, heißt es beim Mieterbund. Die Eigenheimzulage gebe es zudem vor allem in intakten ländlichen Räumen, aber nicht in städtischen Problemzonen. „In der Praxis greift die Förderung dort am stärksten, wo der Wohnungsmangel am geringsten ist”, kritisiert Mieterbunddirektor Franz-Georg Rips. Als besonders absurd empfindet es die baupolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Eichstedt-Bohlig, dass die öffentliche Hand parallel zur Förderung von Eigenheimneubauten auf der grünen Wiese – wie in Tenever – den Abriss von ganzen Wohnblöcken bezahlt. Der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Spanier, wirbt dafür, die Eigenheimzulage regional zu differenzieren. Denkbar sei eine „Modernisierungsprämie” für Altimmobilien, deren Höhe von der am jeweiligen Ort zu zahlenden Durchschnittsmiete abhänge. Spanier kann sich auch vorstellen, die Zulage nur für Nachkriegsbauten zu gewähren: „Dann bekommen wir eine indirekte Lenkung in die Innenstädte.” Geld vom Staat soll in diesem Modell nur fließen, wenn der Immobilienkäufer Rechnungen für die Renovierung vorlegen kann. Auch die bereits früher erwogene Beschränkung der Eigenheimzulage auf Paare mit Kindern ist wieder in der Diskussion.Dieser zweite Wiederaufbau nach dem Krieg würde auch dem (legalen) Bauhandwerk einen Schub geben, glaubt der Sozialdemokrat. Experten warnen indes vor neuen falschen Anreizen. „Insbesondere beim Kauf von Altimmobilien ist die Zulage im Preis immer schon drin”, sagt Matthias Günther vom hannoverschen Pestel-Institut. Schließlich wolle der Verkäufer verkaufen, also verlange er den Preis, den der Käufer – mit staatlicher Hilfe – gerade noch aufbringen könne. „
www.haz.de

25.04.2003
Verfall und Planungseuphorie
Seit einem Jahr propagiert die deutsche Bundesregierung das Förderprogramm «Stadtumbau Ost». Die Einsicht in den Handlungsbedarf kam spät, denn die Zeichen des urbanen Notstands in den ostdeutschen Städten sind alarmierend: Über eine Million Wohnungen sowie unzählige Gewerbebauten, soziale Einrichtungen und Industrieareale stehen in Städten wie Rostock, Wismar, Potsdam, Magdeburg, Cottbus, Halle, Erfurt, Gera, Zwickau und Chemnitz leer. Die potenziellen Einwohner dieser «verlassenen Stadt» würden mit 2,3 Millionen Menschen die zweitgrösste Metropole Deutschlands bilden. Zu dieser Erkenntnis kommt die Ausstellung «3 Städte: Verlassene Stadt - Ersatzstadt - Ungebaute Stadt», die von den Kuratoren Sybil Kohl, Philipp Oswalt und Albrecht Schäfer in der Kunsthalle Düsseldorf eingerichtet wurde und deren unspektakuläre Präsentation offenbar ganz im Trend des Low-Budget-Programms der neuen Direktorin Ulrike Groos liegt. Die Schau zeigt, wie vielfältig das vernachlässigte Erbe ist: Es reicht von gründerzeitlichen Wohnhäusern, Volksbädern aus der Zeit um 1900 und Verwaltungskomplexen im neusachlichen Stil über Gaststätten, Tankstellen und Kaufhäuser bis hin zu den Plattenbauten des uniformen DDR-Funktionalismus.
Die Kehrseite des städtischen Verfalls war lange Zeit eine ungebremste Planungseuphorie, die den nach 1989 entstandenen Wachstumsmarkt einzig nach den Verheißungen satter Renditen bemaß. Deswegen dachten die westlichen Investoren der ersten Stunde weniger an behutsames Renovieren, sondern mehr an Einkaufszentren und Multiplexkinos, die sie bevorzugt auf der grünen Wiese in unmittelbarer Nähe der Autobahnen hochzogen. Der zweite Teil der Präsentation zeigt diese ostdeutsche «Ersatzstadt» zwischen utopischer Kühnheit und banaler Scheußlichkeit als Mix aus Shopping-Malls, Metastasen an den Stadträndern und einer adrett postmodernen Wohnhauskultur mit ihrem Zierrat aus Giebeln, Säulchen und Erkern.
www.nzz.de

23.04.2003
Bauminister fordern mehr Geld für den schnellen Abriss leerer Wohnungen
Angesichts 1,3 Millionen leer stehender Wohnungen in Ostdeutschland dringen die neuen Länder auf schnelle Gegenmaßnahmen. Das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" müsse von derzeit fünf auf maximal drei Jahre verkürzt und der Abriss dadurch beschleunigt werden, sagte Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre nach einem Treffen mit seinen ostdeutschen Amtskollegen in Magdeburg.
Zum Abbau des Leerstandes stellen Bund und Länder bis 2009 insgesamt rund 2,6 Mrd. Euro bereit, je rund die Hälfte für Abriss und Aufwertung. Die Mittel sollten nach Ansicht der Bauminister zunächst auf den Abriss konzentriert werden, damit die Aufwertung ab 2005/06 zügig erfolgen könne.
Vorgestellt wurde ein gemeinsamer Bundesratsantrag der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Danach sollen Wohnungsunternehmen bei einer Fusion von der Gewerbesteuer befreit werden. Die für den Stadtumbauprozess dringend gebotene Neuausrichtung der Wohnungsunternehmen zu größeren Einheiten werde derzeit durch die Gewerbesteuer behindert, die bei einer Fusion fällig werde. Die ostdeutschen Bauminister bekräftigten die Forderungen ihrer Ministerpräsidenten, alle abgerissenen Wohnungen von Altschulden zu entlasten.
Diskutiert wurde auf dem Treffen in Magdeburg auch die Eigenheimzulage. Ein Gesetzesantrag von Sachsen, nach dem der Erwerb von Wohneigentum im Altbaubestand in den neuen Ländern stärker gefördert werden solle, werde ein Tagesordnungspunkt der Bauministerkonferenz im Mai.
www.welt.de

22.04.2003
In Thüringen fehlt oft das Geld für Abriss
Der Präsident des Verbandes Thüringer Wohnungswirtschaft, Norbert Nareyke, befürchtet die Gefahr der Gettobildung durch hohen Leerstand in Plattenbaugebieten. "Es sind zu viele Wohnungen auf dem Markt, die niemand mehr will", sagte er. Diese Wohnungen müssten vom Markt genommen werden. In Thüringen stehen etwa 120 000 Wohnungen leer, bei einem Bestand von etwa 1,1 Millionen. Pro Jahr sollen im Freistaat knapp 6000 Wohnungen abgerissen werden.
Das Stadtumbauprogramm Ost greift nach seiner Ansicht zu kurz. Die Bedingungen der ostdeutschen Wohnungsunternehmen müssten mehr berücksichtigt werden. "Die Kassen sind leer", sagte Nareyke. Für den Abriss fehlten oft die Mittel. Die Wohnungsunternehmen in Thüringen müssten in jedem Jahr etwa 130 Millionen Euro Einnahmeausfälle verkraften, die zu 95 Prozent durch Leerstand verursacht werden. Nicht nur das Ausbleiben von Mietzahlungen führe zu roten Zahlen. Auch wenn ein Haus nur noch von wenigen bewohnt werde, müsse der Vermieter die Kosten wie Grunderwerbsteuer, Müllabfuhr, Wasser und Energie tragen.Bis 2009 sollen fast 1,8 Millionen Euro Bundesmittel für den Stadtumbau Ost zur Verfügung stehen. Damit soll unter anderem der Abriss leer stehender Wohnungen in den neuen Bundesländern gefördert werden. Wenn Kommunen auf Grund der eigenen desolaten Finanzlage sich nicht mit 35 Prozent an den Kosten beteiligen könnten, komme auch nicht das restliche Geld vom Bund, sagte Nareyke. Der Präsident des Verbandes, der ungefähr 230 Mitglieder, meist Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen, im Freistaat vertritt, verlangte: "Es gibt Bewilligungsbescheide, aber nichts Bares in der Kasse."
Zu wenig wird nach seiner Auffassung die soziale Komponente beim Stadtumbau Ost berücksichtigt. "Leer stehende und nicht mehr gefragte Wohnungen abzureißen, geht schnell. Doch was dann?"
Die Thüringer Wohnungsunternehmen haben nach seinen Angaben seit 1991 etwa acht Milliarden Euro in den Bestand investiert, für Instandsetzung und Modernisierung. "Doch auch für diese finden sich immer weniger Mieter", sagte er
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www.tlz.de

20.04.2003
Sachsen setzt für dieses Jahr 15 000 leere Wohnungen auf die Abrissliste
1,4 Mio. Wohnungen stehen in den neuen Bundesländern leer; in Sachsen allein 400 000. Jetzt hat sich die sächsische Wohnungswirtschaft zu einem unumgänglichen Schnitt bekannt: Noch in diesem Jahr, so der Direktor des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger, sollen 15 000 Wohnungen abgerissen werden. Aus Bundes- und Landesmitteln stünden dafür 75 Mio. Euro bereit.
Viehweger machte an Zahlenbeispielen deutlich, mit welcher Last es die Wohnungsunternehmen zu tun haben. So seien für 46 000 leerstehende Wohnungen bei den sächsischen Genossenschaften allein im Jahre 2002 Mietausfälle von fast 117 Mio. Euro angefallen. Weitere 70 Mio. Euro hätten für Wartung und zur Tilgung von Altschulden aufgebracht werden müssen, die teilweise noch aus DDR-Zeiten stammten.
Bei der Sanierung des Wohnungsbestandes tut sich die Wohnungswirtschaft vor allem in den innerstädtischen Gründerzeitquartieren schwer. Laut Viehweger entstehen dabei Kosten von 2000 Euro/qm, während bei Plattenbauten lediglich 400 bis 500 Euro/qm aufgewandt werden müssten. Dadurch geraten die Gesellschaften in Widerspruch zur offiziellen Philosophie des Stadtumbaus, nach der vor allem Wohnraum im Zentrum erschwinglich und attraktiv gemacht werden soll.
Die Tendenz, Großsiedlungen schönzureden, ist deshalb auf wohnungspolitischen Konferenzen unverkennbar. So unterstrich auch Viehweger die nach wie vor "erstaunlich große Nachfrage" nach Plattenbauwohnungen, die wegen ihrer "meist guten Verkehrsanbindung sowie ihrer bequemen Park- und Einkaufsmöglichkeiten" bei den Mietern beliebt seien. Hier spricht die Wirklichkeit freilich eine andere Sprache. Während die Innenstädte Bewohnerzuwachs verzeichnen, bluten die Großsiedlungen kontinuierlich aus.

www.welt.de

17.04.2003
Schwerin : Abrissbirne gegen den Leerstand
Mit einem Konzept für den Dreesch reagiert die Stadt auf den zunehmenden Wohnungsleerstand. Gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen musste eine Strategie entwickelt werden, um das Überleben der großen Vermieter zu sichern. Mit dem Stadtumbauprogramm Ost des Bundes gibt es den dazugehörigen Fördertopf, um die Visionen auch umsetzen zu können. Die städtischen Ideen zur Zukunft der Stadtteile Neu Zippendorf und Mueßer Holz waren so gut, dass es dafür im vergangenen Jahr eine Goldmedaille vom Bundesbauministerium gab (SVZ berichtete).
Jetzt liegen die entsprechenden Eckdaten des Konzeptes in einem anschaulichen Papier vor. Grundlage ist dabei die perspektivische Entwicklung der Einwohnerzahl Schwerins bis zum Jahr 2017. Baudezernentin Heidrun Bluhm geht von "43 bis 49 000 Haushalten mit 81 bis 90 000 Einwohnern" aus.
"Prognosen zeigen, dass der heutige Leerstand von rund elf Prozent im bewohnbaren Bestand ohne nachdrückliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt bis 2017 nicht abgebaut werden wird. Es handelt sich um ein strukturelles Problem", so die Baudezernentin. Dadurch sei der gezielte Abriss "nicht mehr nachgefragter Wohnungssegmente" erforderlich. Andere Wohnungen müssten zur Steigerung der Attraktivität dagegen aufgewertet werden. Rückbau  muss dabei nicht immer vollständigen Abriss bedeuten.

www.svz.de

16.04.2003
Mühlhausen: Plattenbauten platt gemacht
Der Wohnungsleerstand zwingt die Städtische Wohnungsgesellschaft mbH Mühlhausen und die Wohnungsgenossenschaft Mühlhausen eG zum Abriss von Plattenbauten aus DDR-Zeiten. Derzeit verschwinden zwei Blocks in der Feldstraße und Am neuen Ufer. Mit Staub und Baulärm müssen Anwohner und Passanten in der Feldstraße und Am neuen Ufer in Mühlhausen seit mehreren Wochen leben. Dort werden gegenwärtig zwei große Plattenbauten der Wohnungsgenossenschaft Mühlhausen (WGM) abgerissen. So ist der Sechsgeschosser aus der Feldstraße Nr. 137 bis 140 bereits so gut wie verschwunden. Dieser Wohnblock in Plattenbauweise bot einmal 48 Wohnungen und wurde als einer der letzten vor der Wende, im Jahr 1987, bezogen. Damals war als so genannte Nachverdichtung auch noch eine letzte Lücke in diesem Mühlhäuser Neubauviertel geschlossen worden. In vollem Gange sind die Abrissarbeiten jetzt an dem ehemaligen Fünfgeschosser Am neuen Ufer Nr. 10 bis 16 aus dem Jahr 1978, in dem einmal 40 Familien wohnten. Nach dem kompletten Abriss dieser Häuser, einschließlich der Kellergeschosse, werden die Flächen mit Erde aufgefüllt und als Grünanlagen gestaltet. Die nächsten drei Abrissobjekte der Wohnungsgenossenschaft befinden sich in der Damaschkestraße. Hier stehen von den 120 Wohnungen bis auf 27 bereits alle leer. Nur noch für etwa acht, neun Familien müsse neuer Wohnraum vermittelt werden, erklärte Degenhardt gestern. Etwa 65 Prozent der Mieter hätten auch wieder eine Wohnung bei der WGM bezogen, vornehmlich in dem dortigen Stadtviertel. Die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) hat im zurückliegenden Winter in der Feldstraße 85 sowie 85 a bis e insgesamt 72 Wohneinheiten abreißen lassen. Laut Stadtentwicklungskonzept sollen in der Damaschkestraße im nächsten Jahr jeweils drei Plattenbauten der WGM und der SWG abgerissen werden. Allein hier sollen insgesamt 240 Wohnungen verschwinden. Der abgesteckte Zeitrahmen hängt aber nicht nur von der Räumung der Wohnungen, sondern auch von den erforderlichen Zuschüssen ab. So erwartet die Stadt Mühlhausen in diesem Jahr aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Sonderprogramm "Stadtumbau Ost / Rückbau" etwa 660 000 Euro an Fördermitteln,
www.tlz.de

15.04.2003
Apolda: Sanierungsplan für Bahnhofstraße
"Der Bahnhofsbereich ist städtebauliches Notstandsgebiet", weiß Apoldas Bürgermeister Michael Müller. Um den Notstand zu beseitigen, hofft Müller auf den "Stadtumbau Ost". Dieses Programm erfordert es aber, den großflächigen Bereich um die Bahnhofstraße als zweites Sanierungsgebiet Apoldas auszuweisen. Der Stadtrat stimmte auf seiner jüngsten Sitzung zu, ein Planungsbüro mit vorbereitenden Untersuchungen zu beauftragen. So gilt es zu konkretisieren, wie die historische Stadtstruktur bewahrt und verbessert werden kann. Die Planung erstreckt sich nicht nur auf Gebäude, sondern auch auf den Straßenverkehr. Allerdings bedarf es vorab noch der Genehmigung durch das Landesverwaltungsamt.
www.thueringer-allemeine.de

15.04.2003
Dresden: 15 000 Wohnungen droht die Abrissbirne
Der mögliche Abriss von 15 000 Wohnungen in diesem Jahr soll den Leerstand von über 400 000 Wohnungen in Sachsen verringern. "Dafür haben Bund und Land etwa 75 Millionen Euro bereitgestellt", sagte der Direktor des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger, gestern in Dresden.
Im vorigen Jahr hatten über 46 000 Wohnungen bei den sächsischen Genossenschaften keine Nutzer. Dadurch habe es Mietausfälle von fast 117 Millionen Euro gegeben. Hinzu kämen jährliche Kosten von mehr als 70 Millionen Euro für Wartung und zur Tilgung von Altschulden, die zum Teil noch aus DDR-Zeiten stammen.
Seit 2001 verringerten die Wohnungsgenossenschaften im Freistaat ihren Bestand um 3371 Wohnungen. Trotz Abriss habe der Leerstand zugenommen. Hier verspricht sich der Verband eine Trendwende durch den Abriss der 15 000 Wohnungen. "Dadurch entstehen keine höheren Mieten für den verbleibenden Wohnraum, wir verringern nur den Verlust für die Genossenschaften", meinte Viehweger. Seinen Schätzungen zufolge kann die demografische Entwicklung zu einer Bevölkerungszahl unter vier Millionen Menschen im Jahr 2010 führen, was auch den Wohnungsmarkt beträfe.
Ein weiteres großes Problem der Zukunft sei der Stadtumbau, sagte Verbandssprecher Werner Orbanz. Ziel des Stadtumbaus sei es, Wohnraum im Zentrum der Städte attraktiv und erschwinglich zu machen, betonte Viehweger. Dies scheitere derzeit jedoch häufig an den hohen Sanierungskosten bei gleichzeitig niedrigen Mieteinnahmen. So entstünden etwa bei der Erneuerung von Altbauten Kosten in Höhe von 2000 Euro pro Quadratmeter, bei Plattenbauten seien es zwischen 400 und 500 Euro. Diese Ausgaben würden jedoch nicht über die Mieteinnahmen erwirtschaftet. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Wohnungen in Plattenbauten nach wie vor erstaunlich groß, so der Verbands-Boss. Wohnungssuchende schätzten die meist gute Verkehrsanbindung sowie Park- und Einkaufsmöglichkeiten.

www.dnn.de

15.04.2003
Wittenberge: Minister beraten über Stadtumbau
Das Kabinett kommt heute zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel zusammen. Die Beratungen werden in Wittenberge stattfinden, wie ein Sprecher der Staatskanzlei in Potsdam sagte. Bei der Tagung geht es unter anderem um den Stadtumbau und die Verkehrsinfrastruktur in Wittenberge. Zudem werden sich die Minister und Planer mit dem Gewerbe- und Industriegebiet Temnitz-Park Neuruppin befassen.
www.moz.de

12.04.2003
Heiligenstadt: Genossenschaft - kein Nachschuss
Mit leeren Wohnungen hat auch die Wohnungsgenossenschaft Heiligenstadt ihre Sorgen. Der Leerstand sei aber nicht das große Thema. "Wenn der Leerstand von unseren rund 1500 Wohnungen auch unter zehn Prozent beträgt, so belastet uns wirtschaftlich freilich jede leere Wohnung", so Vorstandsvorsitzender Volkmar Hartmann.  Dabei beschränke sich der Leerstand nur auf teilmodernisierte Wohnungen und Wohnungen aus der Wendezeit vor allem in Heiligenstadt. Kaum Probleme bereiten der Genossenschaft Wohnungen in Uder, Arenshausen, Gerbershausen.
Wirke sich der Bevölkerungsrückgang und die Alterspyramide auch bei der Wohnungsgenossenschaft aus, so sieht Vorstand Volkmar Hartmann seine Genossenschaft aber gut präsentiert in der Wohnstruktur der Kreisstadt. Dank zielgerichteter Investitionen. In den vergangenen 13 Jahren seien durch komplexe Modernisierungsmaßnahmen fast 100 Millionen Euro in die Wohnungen investiert worden, so dass sich "unsere modernisierten Wohnungen in ausgezeichnetem Zustand zeigen - auch hinsichtlich technisch moderner Ausstattung und Wohnumfeld". Dass sich die Wohnungen der Genossenschaft, wie Volkmar meint, von anderen etwas abheben, liege am hohen Engagement der Mitglieder. "Alle Mitglieder sind ja Miteigentümer aller Liegenschaft und Immobilien der Genossenschaft", so Hartmann. Mit ihren Geschäftsanteilen haften die Mitglieder. Doch seien diese Geschäftsguthaben durch entsprechende Rücklagen gesichert und bestehe kein Anlass zu Sorgen.

www.tlz.de

12.04.2003
Rostock: Zum Abriss stimmten sich Unternehmen ab
Die Themen Wohnumfeld, Abriss und Rückbau dominierten vorgestern im Ortsbeirat Groß Klein. Von Vorteil war, dass viele Wohnungsunternehmen vertreten waren.
In der Hermann-Flach-Straße betreiben perspektivisch Wiro, Schifffahrt-Hafen und WG Warnow einen Rückbau und Abriss. "Wenn auch jeder im Innern seine Zuschnitte individuell gestaltet und alle im Wettbewerb stehen, gab es zum Gesamtvorhaben einen Konsens", beteuerten der Vertreter von Schifffahrt-Hafen und Sabine Schünemann von der Wiro auf Anfrage des Ortsbeirates nach einer Zusammenarbeit.
Viele der Wohnungsunternehmen, dazu gehört auch die WG Marienehe, sind in Groß Klein bei Sanierung schon fast komplett fertig. Am Dänenberg ist die Aufwertung durch die Balkonanbauten mit Blick auf das IGA-Gelände sehr gelungen.
Sehr attraktiv werden die Wohnungen in der Hermann-Flach-Straße 25 bis 36. Hier werden 35 Wohnungen der oberen Etagen weichen, die verbleibenden Wohnungen werden komplett umgebaut. Da der Ruf der Hermann-Flach-Straße im Laufe der Zeit gelitten hat, soll ein Teil dieser Straße umbenannt werden. Der Vorschlag der Wiro lautet Ahorn-Hof. Der Name bezieht sich auf die Gestaltung des Innenhofes, wo Ahornbäume gepflanzt werden sollen.

www.svz.de

12.04.2003
Wohnungsgenossenschaften in Zahlungsnot
Leerstand, Abwanderung, Preisverfall ... die Wohnungswirtschaft des Ostens steckt in der Krise. Ein Problem, das bisher in erster Linie Vermieter, Wohnungsunternehmen und Städteplaner beschäftigt hat. Doch jetzt erreicht die Krise auch die "kleinen Leute" - die Mitglieder der rund 750 Wohnungsgenossenschaften in den neuen Bundesländern. Voraussichtlich jede fünfte ostdeutsche Wohnungsgenossenschaft wird in den kommenden Jahren Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, so Karlheinz Körner, Geschäftsführer des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter e.V.. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es rund 700.000 Genossenschaftswohnungen. Für die Mitglieder der Wohnungsgenossenschaften sind die Folgen besonders heikel, denn sie sind nicht nur Nutzer der Wohnungen sondern auch Miteigentümer.
Eines der ersten Opfer der Krise ist die Thüringer Wohnungsgenossenschaft Crossen-Hartmannsdorf eG. Letztes Jahr meldete das Unternehmen Insolvenz an. Zwar muss vorerst niemand mit einer Kündigung rechnen. Auch die Miete hat sich nicht geändert. Doch die Genossenschaftsanteile der Mitglieder, insgesamt über eine Millionen Euro, werden jetzt zur Schuldendeckung herangezogen. Und wie es mit den Wohnungen weitergehen wird, das entscheiden jetzt nicht mehr die rund 700 Genossenschaftsmitglieder, sondern Insolvenzverwalter und Gläubiger. Laut Satzung besteht für die insolvente Genossenschaft Crossen-Hartmannsdorf eG zudem eine Nachschusspflicht. Danach kann ein Mitglied zu weiteren Zahlungen in Anspruch genommen werden, bis zu einem Betrag, "der dem Gesamtbetrag seiner Geschäftsanteile" entspricht.
Ein weiteres Symptom der Krise: Zahlreiche Wohnungsgenossenschaften sind nicht mehr in der Lage, die Guthaben ausgetretener Genossenschaftsmitglieder zurückzuzahlen.
In mindestens 500 Fällen haben Wohnungsgenossenschaften in Sachsen ehemaligen Mitgliedern die Rückzahlung von Geschäftsguthaben verweigert. Betroffen sind ehemalige Mitglieder der Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf eG (7.000 Wohnungen), der Wohnungsgenossenschaft Laubusch eG (1.100 Wohnungen) sowie der Gröditzer Wohnbau eG (1.100 Wohnungen).
Viele ehemalige Genossenschaftsmitglieder sind nicht bereit, diesen Totalverlust ihrer Guthaben hinzunehmen. Zumal es umstritten ist, ob die vollständige Verwendung der Geschäftsguthaben ausgeschiedener Mitglieder zur Verlustdeckung ohne eine detaillierte Berechnung überhaupt zulässig ist.

www.mdr.de

12.04.2003
Eisenach: Erste Blocks vor dem Abriss
Einstimmig billigten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrates einen Vertrag über die Durchführung einer Ordnungsmaßnahme im Rahmen der Städtebauförderung. Konkret geht es um den Abriss der Blocks an der Ziegeleistraße 50 bis 64. Allerdings gilt dieser Vertrag nur vorbehaltlich der Bewilligung von Haushaltsmitteln in Höhe von knapp 311 000 Euro aus Vorgriff auf den kommenden Haushaltsplan. Durch den Rückbau soll eine Verbesserung des Wohnumfeldes erreicht werden.
Der Abriss wird mit Bundes- und Landesmitteln gefördert, ein städtischer Anteil sei nicht erforderlich, so der Oberbürgermeister. Die Stadt gebe das Geld lediglich an die AWG in gleicher Höhe weiter. Das Vorhaben soll noch in diesem Jahr realisiert und schon in den nächsten Wochen begonnen werden. Der Vertrag wiederum ist Voraussetzung zur Sicherung der Finanzierung.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 641 000 Euro. Von denen sind fast 384 000 Euro förderfähig, in denen das Geld aus dem Vertrag enthalten ist. Der Finanzierungsanteil der förderfähigen Kosten durch die AWG beläuft sich damit auf knapp 73 000 Euro. Die Differenz zwischen Förderung und den Gesamtkosten in Höhe von über 257 000 Euro habe ebenfalls die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft Eisenach zu tragen, hieß es zur Begründung.Die Weitergabe des Geldes seitens der Stadt erfolgt aber nur bei tatsächlicher Einnahme. Gibt es Verzögerung bei der Auszahlung der Fördermittel, hat sich die AWG zu einer Zwischenfinanzierung bereiterklärt.

www.tlz.de

09.04.2003
Chemnitz: WCH plant Rettung aus eigener Kraft
Die Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf (WCH) will sich innerhalb von vier Jahren aus eigener Kraft aus der gegenwärtigen finanziellen Schieflage befreien. Über ein entsprechendes Sanierungskonzept möchte der Vorstand des viertgrößten Chemnitzer Wohnungsunternehmens möglichst bis Mitte des Jahres mit der Vertreterversammlung der Genossenschaft, mit den beteiligten Banken und mit dem Sächsischen Prüfverband einen Konsens erzielen.
Forderten die Gläubigerbanken im Sommer vergangenen Jahres noch den Abriss von 3600 der insgesamt 6800 WCH-Wohnungen, so sieht das neue Sanierungskonzept den Rückbau von knapp 2800 Wohnungen vor. Dies sind rund 500 Wohnungen mehr, als derzeit in der Genossenschaft leer stehen. Für diese Differenz führt Vorstand Klaus-Dieter Lemke mehrere Gründe an: „Da etwa die Hälfte der abzureißenden Wohnungen derzeit noch belegt sind, müssen zahlreiche Mieter in den nächsten vier Jahren umziehen. Unser Ziel ist es, dass wir mindestens 70 Prozent davon in unserer Genossenschaft halten können. Rechnet man zu erwartende Auszüge aus anderen Gründen hinzu, gehen wir davon aus, dass sich unser jetziger durchschnittlicher Leerstand von 33 Prozent mittelfristig um weitere sieben Prozent erhöhen wird. Die akutelle Situation in den einzelnen Wohngebieten plus die prognostizierten Auszüge waren für uns die rechnerische Grundlage für das Sanierungskonzept“, so Lemke.
Das Sanierungskonzept, das auch von den Banken finanzielle Zugeständnisse in Millionenhöhe vorsieht, soll möglichst bis Ende 2007 umgesetzt sein und der WCH dann mit geschrumpftem Bestand ein wirtschaftliches Überleben mit Leerstandsquoten zwischen fünf und maximal zehn Prozent ermöglichen.
Bestandteil des Rettungsversuches aus eigener Kraft sind aber auch Investitionen in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen die Wohnungen im Kernbestand der WCH so modernisiert werden, dass sie den Mietern aus Abrisshäusern als Umzugsalternative angeboten werden können. „Dabei sind wir nicht auf Luxussanierungen aus, sondern schaffen in den Wohnungen einen modernen Standard. Denn Ziel ist es, dass auch 2011 die Durchschnittsmiete in unseren Wohnungen unter fünf Euro pro Quadratmeter liegt“, so Lemke. Bei der Vermittlung von Alternativwohnungen will Lemke auch mit der Stadtumbau GmbH zusammenarbeiten.
Dass die Gespräche nicht einfach werden, ist dem WCH-Vorstand klar. Gerade in den Wohnvierteln, wo bereits zum Teil sanierte Häuser abgerissen werden sollen („Stadtmauer“, Bruno-Granz-Straße, Wenzel-Verner-Straße), werde sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig sein.
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09.04.2003
Stavenhagen: Weststadt wird Fördergebiet
Auf der jüngsten Stavenhagener Stadtvertretersitzung hat es einige Beschlüsse gegeben, deren Vorlagen aus dem Bauamt in die Vertretung eingereicht wurden. So bestätigten die Abgeordneten zum Beispiel einstimmig den Geltungsbereich für das Fördergebiet "Stadtumbau Ost". Dabei handelt es sich um das "Neubaugebiet Weststadt" einschließlich so genannter Übergangszonen, das in näherer und auch fernerer Zukunft von Rückbau betroffen sein wird aber auch eine Aufwertung erfahren soll.
Für die Umgestaltung dieses Stadtgebietes habe die Reuterstadt Förder
anträge gestellt, heißt es in der beigefügten Begründung der Beschlussvorlage.
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07.04.2003
Wolgast: WoWi zieht ersten Abrissblock nach und nach leer
In der Gorkistraße 21 bis 24 sind bereits etwa die Hälfte der 65 Wohnungen geräumt. Der WoWi-Block in Wolgast-Nord soll bekanntlich als erster zurückgebaut werden, weshalb die Wohnungswirtschafts GmbH seit geraumer Zeit in individuellen Gesprächen mit allen Bewohnern nach einvernehmlichen Lösungen sucht. „Wir wollen unsere Mieter gern behalten, bieten ihnen also andere Wohnungen an“, erläuterte jetzt WoWi-Chefin Sabine Lüdtke die behutsame Vorgehensweise, bei der man sich bemühe, niemanden unnötigerweise unter Druck zu setzen.
Die Gesellschaft hofft auf den vollständigen Freizug des Plattenbaus bis zum 3. Quartal. Wenn dann ein entsprechender Bewilligungsbescheid für dieses Vorhaben innerhalb des Programms „Stadtumbau Ost“ vorliege, könnte man - weitgehend witterungsunabhängig – mit dem Abriss beginnen.

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05.04.2003
Crimmitschau: 450 Wohnungen sollen bis 2010 abgerissen werden
27 Prozent aller Wohnungen im Bestand der kommunalen Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) stehen leer. Daher mache es sich erforderlich, in den nächsten Jahren mit dem Rückbau von Gebäuden zu beginnen, gab der Geschäftsführer des Unternehmens, Reinhard Zill, Auskunft. Das kürzlich beschlossene Konzept sehe vor, bis zum Jahre 2010 annähernd 450 Wohnungen abzubrechen, darunter sind auch große Plattenbau-Wohnhäuser.
Das bedeutet für einzelne Mieter dann auch, dass sie in andere Wohnungen umziehen müssen. Auf sein Unverständnis stoße es dabei, so Zill, dass sich einige der Mieter bei notwendig werdendem Freizug von Wohnraum noch auf den von DDR-Zeiten her bestehenden Mieterschutz berufen würden. Den Wohnungsgesellschaften könne es nämlich nicht zugemutet werden, dass Entschädigungen bzw. Abstandszahlungen an die Mieter geleistet werden müssen. Gespräche und Angebote habe es seitens der CWG schon gegeben. Aber hier bestehe, wie Zill meint, Handlungsbedarf von Seiten der Politik.
Aufgrund neuer, vom Bund angestrebter Förderrichtlinien hinsichtlich der Bildung von Wohneigentum sollten bereits sanierte Gebäude an Eigentümergemeinschaften verkauft werden. Auch in diesem Jahr trennt sich die CWG von Gebäuden an Einzelstandorten, für die der Sanierungsaufwand nicht mehr zu vertreten ist.

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05.04.2003
Zwickau: Erstmals Elfgeschosser auf Abrissliste

Vor genau zwei Jahren hat ein neues Zeitalter der Zwickauer Wohnungspolitik begonnen: In der Max-Planck-Straße fielen die ersten Wände eines sechsgeschossigen Plattenbaus. Bis heute hat allein der größte Vermieter, die Gebäude- und Grundstücksgesesellschaft Zwickau (GGZ), 643 Wohnungen weggerissen. 1045 weitere sollen in diesem Jahr und 324 im ersten Quartal 2004 folgen. Dabei wird ein weiterer Meilenstein gesetzt: An der Max-Planck-Straße soll der erste Elf-Geschosser fallen, und zwar der Block 2 bis 10.Eine Stadt, die schwer an Einwohnerschwund leidet, korrigiert den Wohnungsmarkt.
Bei jedem Abriss wird vorausgesetzt, dass Fördermittel fließen, räumt GGZ-Sprecher Lutz Feustel ein. Die Anträge an die Sächsische Aufbaubank sind geschrieben. 70 Euro kostet jeder Quadratmeter. Da hinein teilen sich Bund, Land und Kommune. Was Feustel freut: „70 Prozent unserer Mieter konnten wir halten.„ Die drei großen Wohnungsunternehmen GGZ, ZWG und Wewobau würden sich nicht gegenseitig die Mieter abjagen. „Wir sitzen alle im selben Boot, auch die privaten Vermieter„, sagt er. Rund 13.000 Wohnungen stehen in der Muldestadt leer, etwa 4000 davon gehören der GGZ. Ein Ende der Talfahrt sehen die Experten nicht vor dem Jahr 2015. Dann sollen der 100.000-Einwohner-Stadt weitere 12.000 Bürger den Rücken gekehrt haben.
Abrissschwerpunkte liegen in den Plattenbaugebieten Eckersbach, da besonders auf dem Viertel E 5, und Neuplanitz. In anderen Stadtteilen sind es lediglich einzelne Bruchbuden, die dran glauben müssen. Was gut erhalten ist und technische Standards erfüllt, verwendet die GGZ wieder. „Eingangstüren zum Beispiel„, so Feustel. Mit den Abrissfirmen habe man Verträge abgeschlossen, in denen die sich verpflichten, das Material umweltgerecht zu entsorgen. Manch geschredderte Platte tut noch einen letzten Dienst im Straßenbau.
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05.04.2003
Greifswald: Rückbau im Ostseeviertel ist weiter unklar
Es gibt konkrete Pläne, wie das Ostseeviertel künftig aussehen soll. Diverse Blöcke werden total abgerissen. Von anderen sollen zwei Geschosse oder eines abgetragen werden. Diese Häuser würden mit neuen Dachkonstruktionen versehen. Wohnungen bekommen moderne Zuschnitte, zusätzliche Balkons sind eingeplant. Auch das Umfeld soll attraktiver werden.
Eingeladen war auch Bauminister Helmut Holter. Er konnte den anwesenden Chefs der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WVG), Fritz Richter, und der Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald (WGG), Hans-Georg Falck, leider keine befriedigenden Aussagen dazu machen, mit welchen Förderungen die Unternehmen in den nächsten Jahren rechnen können. Holter sagte, dass lediglich für dieses Jahr 2,1 Millionen Euro für den Wohnungsrückbau in Greifswald gesichert seien, hinzu kämen rund 500 000 Euro für Aufwertungsmaßnahmen. Auf die Frage der Chefs der Wohnungsgesellschaften, was in den Folgejahren wird, blieb Holter die Antwort leider schuldig. „Wir können nicht mit dem Abriss beginnen, wenn wir nicht die Sicherheit haben, dass die Folgemaßnahmen finanziell untersetzt sind“, meinte Fritz Richter von der WVG.
Er hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der Umbau der Plattenbaugebiete für seine Gesellschaft eine Existenzfrage sei. Offenbar in jeder Hinsicht. Denn der bereits bestehende Leerstand an Wohnungen in den Plattenbaugebieten sei dramatisch. Allein im Ostseeviertel habe sich die Zahl unbewohnter Wohnungen im letzten Jahr verdoppelt. Grund sei in erster Linie die Verunsicherung der Bevölkerung. Die Bürger würden seit Monaten auf konkrete Aussagen warten und immer wieder vertröstet. Der WVG-Chef machte an vielen Zahlen deutlich, dass es sich seine Gesellschaft in keiner Weise leisten könne, finanzielle Risiken einzugehen. Dazu stellte er mehrere Rechenmodelle an, die u.a. zeigten, dass eine Wirtschaftlichkeit nur dann erreicht werde, wenn eine langfristige Förderung garantiert sei. Die seit langem prognostizierten 60 Euro je Quadratmeter Wohnung aus dem sogenannten Stadtumbau Ost würden gerade einmal für den Abriss reichen, sagte er. Es sei aber von allen Verantwortlichen beabsichtigt – Minister Holter unterstrich das ebenfalls – die Plattenbaugebiete so umzugestalten, dass sie begehrte Wohngebiete für die Bürger werden. Denn Greifswald verliert jährlich viele Bürger.

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05.04.2003
Anklam: Keine Parkplätze anstelle von alten Wohnblöcken
Die Wohnblöcke sowohl an der Markt-Westseite als auch an der Keilstraße bleiben bis auf weiteres stehen. Leere Wohnungen werden nach Worten von Lothar Salzsieder, Geschäftsführer der Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH (GWA), zwar nicht mehr neu belegt. Die noch verbliebenen Familien indes "können ganz beruhigt sein", versichert er: Ein allmähliches Leerziehen der noch nicht sanierten Blöcke sowie ein späterer Abriss erfolge "nur im Konsens mit den Mietern".
Damit widersprach Salzsieder Gerüchten, die Gebäude sollten im Zusammenhang mit der geplanten Einrichtung eines "Hanseatischen Erlebniszentrums" im ehemaligen Amtsgericht zugunsten von Parkplätzen weichen. Der GWA-Chef selbst hat nach eigenen Worten "bei der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe ,Stadtumbau‘ erfahren, dass es seit zehn Jahren einen Plan gibt, das Eigentum der GWA an der Keilstraße als Parkplatz zu verwenden". Doch "über das Eigentum der GWA entscheidet auch die GWA - und niemand anders". So könne er sich "an dieser Stelle alles vorstellen, nur keine Parkplätze".
Während die GmbH in ihren Plattenbauten derzeit einen Leerstand von rund 5,5 Prozent aufweist, betrage dieser Wert für den Gesamtbestand über 9,7 Prozent: Nach Salzsieders Worten treiben unter anderem die ungenutzte ehemalige Kriegsschule sowie die noch immer in die Leerstands-Ermittlung einfließende alte Brauerei den Durchschnitt hoch; auch für diese Gebäude müssen Altschulden von 75 Euro je Quadratmeter abgetragen werden.
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03.04.2003
Nordhausen: Stadtrat macht Weg frei für weitere Häuserabrisse
Grünes Licht gab gestern der Nordhäuser Stadtrat für den Abriss der Kranichstraße 1 bis 5. Die Plattenbauten stehen just auf dem Areal, auf dem das neue Einkaufszentrum am Pferdemarkt entstehen soll. Ob die Bagger tatsächlich anrücken werden, ist jedoch noch nicht entschieden. Denn derzeit laufen die Gespräche zwischen dem Investor und den Hauseigentümern, der SWG und der WBG, noch. Den Mietern sollen im Falle des Abrisses auf jeden Fall im näheren Umfeld Ersatzwohnungen angeboten werden.
Weichen wird auch das Haus in der Erfurter Straße 18, entschieden die Politiker. Das Fachwerkhaus in Privatbesitz stehe seit Jahren leer und sei baufällig. Auf dem frei werdenden Grundstück sollen Grün- und Parkflächen angelegt werden, hieß es gestern Abend.
Außerdem votierten die Stadträte für neue Straßennamen. So soll die bisherige - offiziell nie so benannte - Hintere Rautenstraße den Namen Vor dem Vogel tragen. Die Straßen im Wohngebiet Am Holungsbügel sollen Schwalben- und Fasanenweg heißen. Der Wall hinter der Pfaffengasse, der zum historischen Stadtrundgang gehört, soll Johanniswall heißen.

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03.04.2003
Templin: Modernisierte Wohnungen unvermietet
In Templin stehen im Vergleich zu anderen Kommunen recht wenige Wohnungen leer. Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft (WOBA Templin UM) weist zurzeit einen Leerstand von 2,5 Prozent aus. Geschäftsführer Alfons Klaffki macht das in Zahlen deutlich: 29 Wohnungen werden zurzeit im wöchentlich wechselnden Aushang angeboten. Das sei nicht besorgniserregend angesichts von Meldungen aus dem Templiner Umland, wo sogar 25 Prozent der Wohnungen leer stünden. Dennoch, so Alfons Klaffki, mache man sich Gedanken. In diesem Jahr, so schätzt er ein, werde die Leerstandsquote in Richtung 4 Prozent pendeln, sie aber nicht erreichen.
Er sieht Ursachen darin, dass vor allem junge Leute aus Templin wegzögen. Und was noch viel schlimmer sei, dass junge Leute, die hierblieben, aber keine Arbeit finden würden, sich keine Wohnung leisten könnten. Dies sei familienpolitisch ein großes Problem und werde vermutlich erst in einigen Jahren zum Politikum werden, so Klaffki weiter.
Und so habe die WOBA jetzt sogar modernisierte Wohnungen im Leerstand.
"Wir merken immer häufiger, dass sowohl junge als auch ältere Templiner auf der Suche nach kleinem, preiswertem und damit bezahlbarem Wohnraum sind." Im Grunde genommen habe die WOBA das gesamte Preisspektrum im Angebot. Also Wohnungen mit gehobenem Standard und Umfeld - wie zum Beispiel im Postheim - bis zu recht einfachen Wohnungen in unsanierten Blöcken in der Lychener Straße. Ja sogar ganz preiswerte Wohnungen, mit Ofenheizung, seien noch im Angebot.

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03.04.2003
Chemnitz: WCH legt Sanierungskonzept vor
Der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf (WCH) ist bei ihrem Sanierungsversuch offenbar ein Zwischenerfolg gelungen. Wie aus dem jüngsten Informationsblatt an die Genossenschafter hervorgeht, hätten sich alle beteiligten Banken bereiterklärt, den Sanierungskurs nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen. Dadurch bestehe aktuell keine Insolvenzgefahr für das viertgrößte Chemnitzer Wohnungsunternehmen mit seinen noch mehr als 6000 Wohnungen. Für die nächsten Tage ist laut Vorstand Klaus-Dieter Lemke eine nächste Bankenrunde vorgesehen.
Der teilweise Kapitalverzicht der Gläubigerbanken ist allerdings nur ein Teil des Sanierungsplanes. Ein weiterer Teil ist der notwendige Abriss von Wohnungen. Konkrete Pläne dafür hat die Genossenschaft mittlerweile ausgearbeitet und bereits den Mieterinitiativen und der neugewählten Vertreterversammlung in zwei Arbeitstagungen vorgestellt. Als nächstes sollen die Genossenschaftsmitglieder darüber informiert werden, welche Häuser im Bestand bleiben und welche abgerissen werden sollen. Als im vergangenen Sommer die ersten Abrisslisten bekannt geworden waren, hatte sich der Protest dagegen in der Gründung von drei Mieterinitiativen niedergeschlagen. Damals sollten bis zu 3600 Wohnungen, zum Teil auch bereits sanierte, vom Markt verschwinden.
In den zurückliegenden zwölf Monaten nach Bekanntwerden der finanziellen Schieflage und den damit verbundenen Unsicherheiten hat sich der durchschnittliche Wohnungsleerstand der WCH von 31 auf 33 Prozent erhöht. Durch die demografische Entwicklung sowie durch weitere mögliche Wegzüge muss ein Anstieg des Leerstandes in die Sanierungspläne eingerechnet werden. „Um perspektivisch eine stabile Entwicklung zu erreichen, müssen in jedem Wohngebiet etwa sechs Prozent mehr Wohnungen vom Markt genommen werden, als der jeweilige derzeitige Leerstand ist“, nennt Klaus-Dieter Lemke zumindest eine konkrete Zahl.
Mit Aufmerksamkeit verfolgt man derzeit bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Dresden die aktuelle Entwicklung bei der WCH. Als Hauptgläubiger kommt der SAB, die seit Monaten die Kreditrückzahlung gestundet hat, eine Schlüsselrolle bei der Rettung des Wohnungsunternehmens zu. „Solange wir eine Chance für die WCH sehen, halten wir die Stundung aufrecht. Entscheidend wird jetzt sein, dass der Vorstand eine Mehrheit der Genosenschafter für das Sanierungskonzept gewinnen kann“, sagte SAB-Chef Stefan Weber gegenüber „Freie Presse“. Er warnte aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen, was eine Reduzierung des Abrissvolumens betrifft. „Wenn die WCH weniger Wohnungen vom Markt nehmen will, dann müssten andere Wohnungsunternehmen in Chemnitz entsprechend mehr abreißen. Insellösungen kann es bei den generellen Problemen des Stadtumbaus nicht geben“, machte Weber deutlich. Auf alle Fälle will der SAB-Chef in den nächsten Wochen die Gespräche mit der neugewählten WCH-Vertreterversammlung wieder aufnehmen.
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03.04.2003
Zeulenroda: Wohnbau-Chef Peter Lösche kündigt Kündigungen an
Drei Wohnblöcke im Zeulenrodaer Stadtbachring sollen ab 2004 abgerissen werden. Von den 140 Wohnungen stehen 50 seit Monaten oder gar Jahren leer. 90 waren bislang noch vermietet.
"Wir haben mit 84 der insgesamt 90 betroffenen Mietparteien bereits Gespräche geführt. Sechs haben sich noch nicht gemeldet. Bei den 84 Gesprächen konnten bereits 62 neue Miet-Vereinbarungen getroffen werden, in zwei Fällen mussten wir wegen langer Mietschulden fristlose Kündigungen aussprechen. 36 Familien sind bereits umgezogen, haben einen neuen Mietvertrag unterschrieben oder deren neue Wohnung ist bereits hergerichtet", umreißt Peter Lösche den derzeitigen Räum-Stand in den geplanten Abriss-Häusern.
Mit insgesamt 150 000 Euro wurden bisher durch die Wohnbau die Umzüge unterstützt. Dabei zahlt man sowohl Umzugskosten, die Ummelde-Kosten als auch das Sanieren der angebotenen Austausch-Wohnung. Es gab auch Fälle, wo man Schadenersatz leistete, wenn beispielsweise Gardinen oder vor wenigen Monaten neu gekaufte Auslegware nicht mehr passen. Auch das Tapezieren wird bezahlt. Es gab auch Fälle, wo Gipskartonplatten verlegt oder Trockenbau-Wände wunschgerecht eingezogen wurden. Man zeigt sich da offenbar sehr kulant, um den Mietern den Umzug aus ihrem gewohnten Umfeld zu erleichtern. Dies alles wird aber ganz individuell nach jeweiliger Mieter-Situation besprochen und dann der Ausgleich für entstandene Aufwendungen bezahlt.

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01.04.2003
Ausgezehrte Regionen
Deutschland steht mitten in der schwersten Strukturkrise der Raumpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Leerstände von 1,3 Millionen Wohneinheiten, Bevölkerungsschwund, großflächige Abwanderung und eine desaströse Verschuldung der Kommunen haben ein Konfliktpotenzial aufgehäuft, wie es seit der Totalzerstörung der Städte nicht zu bewältigen war. In dieser Situation reagiert die Politik mit niederschmetternder Konzeptionslosigkeit, für die das neue milliardenschwere "Konjunkturprogramm" für Kommunen nur ein weiteres deprimierendes Beispiel ist. Was die Vertreter der Parteien zum Scheitern städtebaulicher Visionen vorbringen, sind kosmetische Korrekturen und ein sinnleerer, realitätsferner Streit darüber, wie die Bautätigkeit neu in Gang zu bringen sei.
Tatsächlich aber steht die Leistungsfähigkeit und das Überleben ganzer Regionen auf dem Spiel. Wenn das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin mit seiner Vorhersage richtig liegt, dass das Ruhrgebiet in 20 Jahren zehn bis 20 Prozent seiner Einwohner verliert, wenn die Bevölkerung der neuen Bundesländer in 100 Jahren von 15 auf sechs, womöglich gar 3,5 Millionen Einwohner schrumpft, dann genügt es nicht, über die Eigenheimförderung zu debattieren.
Großstädte trifft es genauso wie Landstädte. Das aufblühende Leipzig, so eine Expertendiskussion in Düsseldorf, wird in 25 Jahren nur noch halb so viel Einwohner wie 1940 haben: statt 700 000 nur noch 350 000. Städte wie das 800-jährige Guben, heute noch 25 000 Einwohner, werden womöglich völlig von der Landkarte verschwinden. Doch auch Nordrhein-Westfalen - so Städtebauminister Vesper - muss bis 2040 mit einem Verlust von einer Million Einwohner rechnen.
Das Brachfallen ganzer Regionen resultiert nicht nur aus dem galoppierenden Bevölkerungsschwund, sondern ganz wesentlich aus Deindustrialisierung. Es wird von Abwanderungsströmen begleitet, deren Richtung und vorwärts drängende Gewalt sich an Wochenenden beobachten lässt, wenn sich ein Heer von Zehntausenden Wochenpendlern in nicht abreißendem Strom über die Autobahnen wälzt. Diese Binnenwanderung nimmt Ausmaße einer Völkerwanderung an, wie sie sich schon vor dem Ersten Weltkrieg aus den deutschen Ostprovinzen in die Industriezentren des Westens ergossen hat. Und sie führt zu einer immer bedenklicheren Schieflage der Binnenstruktur.
In Gebieten unablässiger Auszehrung kommt es zu einem verhängnisvollen Automatismus. Auf die Abwanderung der Menschen folgt der Zusammenbruch der Versorgungsnetze - Bahn, Post, technische Infrastruktur -, der seinerseits eine Kostenlawine und weitere Wanderungsströme auslöst. Zusätzlich dünnt die innerstädtische Bevölkerung durch Abwanderung an die Stadtränder aus - eine Entwicklung, die mitnichten zur Sanierung, sondern zum Ruin städtischer Finanzen ausschlägt.
Denn die Städte zahlen doppelt: Kindergärten, Schulen, Bibliotheken, Bäder, Bürgerhäuser müssen in der Innenstadt geschlossen und draußen neu gebaut werden, die Kanäle verrotten, die eben erst sanierten Gründerzeithäuser müssen zugenagelt werden (und reißen mittelständische Eigentümer in den Bankrott), in ganzen Quartieren bricht der Einzelhandel weg - während die Städte weiterhin Millionen in immer neue Straßen, Verkehrslinien und technische Versorgungsnetze am Stadtrand stecken, mit denen sie das pilzartige Wuchern von Siedlungen, Einkaufs- und Gewerbezentren auf der grünen Wiese nur noch forcieren.
Jede neue Milliarde, die in diesen Kreislauf eingespeist wird, potenziert den Finanzbedarf - deshalb kann die zukunftsweisende Strategie nur in der Umkehrung der Abwanderungsströme liegen. Für sie gibt es bis jetzt weder eine Vision noch erst recht eine Strategie.
Wenn die Raumpolitik des wieder vereinigten Deutschland nicht in einer gigantischen Kapitalvernichtung enden soll, besteht hier brennender Handlungsbedarf. In einigen Regionen sehen die (selbst konzeptionslosen) Planungsexperten Zustände heraufziehen, wie sie nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Wüten der Pest geherrscht haben. Mit Gießkanne und Kinderschaufel lässt sich da nichts ausrichten.

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01.04.2003
Wohnungsvermieter kritisieren Förderpolitik
Kritik an der Förderpolitik von Bund und Land hat die Bezirksarbeitsgemeinschaft der Wohnungsunternehmen in Vorpommern-Süd bei ihrer Frühjahrstagung in Anklam geäußert: Weil die Altschulden von 75 Euro je Quadratmeter nicht gestrichen und die Abriss-Sonderförderung von 60 Euro je Quadratmeter nur bei einer Leerstandsquote von 15 Prozent gewährt wird, "kommt der Stadtumbau ins Stocken", unterstreicht der Gemeinschaftsvorsitzende Karl-Dieter Lehrkamp, zugleich Geschäftsführer der Anklamer Wohnungsgenossenschaft.
Der Leerstand bei den in der Gemeinschaft organisierten 30 Unternehmen betrage im Schnitt knapp zehn Prozent, erklärte er. In Anklam sieht es etwas besser aus: Bei der Genossenschaft stehen 3,4 Prozent der Wohnungen leer, bei der Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH knapp über vier Prozent. Lehrkamps Befürchtung: Vermieter, die ungeachtet der unklaren finanziellen Situation Plattenbauten ab reißen, "geben ihre letzte Barschaft rein". Die Wolgaster Wohnungswirtschaft GmbH macht an ihren Abrissplänen für Wolgast-Nord indes keine Abstriche: "Wir hätten es so oder so gemacht, schließlich wollen wir die 15 Prozent Leerstand erst gar nicht erreichen", hieß es
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28.03.2003
Malchin:  Vor dem Abriss die letzten Fenster gerettet
Acht Malchinern war gestern offiziell erlaubt, was zuvor eigentlich als Diebstahl galt. Sie durften alles aus dem 1968 errichteten Wohnblock holen, was sie gebrauchen konnten. Viel war das wahrlich nicht mehr. "Die Heizkörper sind alle schon vorher geklaut worden und die meisten Fenster zur B 104 hin sind bereits zerstört worden", bedauerte Herbert Mehl, Geschäftsführer der Malchiner Wohnungsgesellschaft (Wogema) gestern noch einmal. Die Wogema bzw. ihr Vorgänger die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) hatte die Ein- bis Vierraumwohnungen bis Ende 2001 vermietet. "Die Leute, die hier gewohnt haben, haben hier eigentlich sehr gern gewohnt. Schöner Blick, gute Lage. Der Block war auch immer voll gewesen. Leerstand gab es dann erst, als bekannt wurde, dass das Haus abgerissen wird", berichtete Herbert Mehl.
Zehn Euro pro Stück In den vergangenen Wochen habe es dann immer wieder Anfragen nach den noch vor einigen Jahren erneuerten Balkonfenstern gegeben. Die Wogema setzte die Interessenten darauf hin auf eine Liste und gestern durften sie sich nun bedienen. Immerhin 13 Balkonfenster in den insgesamt 25 Wohnungen hatten den Vandalismus und die Selbstbedienungs-Allüren der vergangenen Monate überstanden. Das Stück ging gestern für zehn Euro weg. Die Fenster seien ganz ideal für die Gartenlaube, meinte ein Malchiner, der das Glas für den Transport vorsichtig herausgenommen hatte. Ein weiteres Balkonfenster wird demnächst in Schwinkendorf an der Kegelbahn wiederzufinden sein. Auch deren Betreiber hatte sich auf die Liste der Wogema setzen lassen. Eine Frau suchte noch eine Keller-Tür. Keine Chance, alles schon weg.

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28.03.2003
Die Zukunft heißt Abriss
Auf Einladung der SPD-Bürgerschaftsfraktion Bremen debattierten in den vergangenen zwei Tagen sozialdemokratische Bauexperten aus nahezu allen Landesparlamenten über das Thema "Stadtmodernisierung und Wohnungsbau". Bei der abschließenden Podiumsdiskussion warf Bernd Meyer, Ex-Bausenator in Bremen und inzwischen Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und Bremen der Politik vor, die demographische Bevölkerungsentwicklung in vielen Bereichen verschlafen zu haben. Heute schon hätten darunter die sozialen Sicherungssysteme zu leiden, in naher Zukunft würden die Städte darunter leiden. "Wir haben zwar genug Wohnungen im Bestand, aber es sind oft die falschen", so der Ex-Senator. "Die klassische vierköpfige Familie macht nicht mal mehr zehn Prozent der Nachfrage aus, über 70 Prozent kommen von den Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten". Die künftigen Schwerpunkte der Wohnungswirtschaft hießen daher Modernisierung, Umbau und Wohnumfeldverbesserung. Diese Aufgaben aber müssten Hand in Hand mit der Politik angegangen werden. Der Abriss ganzer Siedlungsteile, wie er in der Hochhaussiedlung Tenever aufgrund mangelnder Nachfrage nötig geworden ist, sei eine Angelegenheit, die finanziell nicht von der Privatwirtschaft alleine zu leisten sei. Meyer plädierte vor diesem Hintergrund eindringlich für den Erhalt der städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Immerhin ist es auch in Tenever die mehrheitlich in öffentlicher Hand befindliche Gewoba, die die maroden Hochhäuser aufgekauft hat, um sie nun teils zu sanieren, teils der der Abrissbirne zu überlassen.
Professor Volker Eichener, der Leiter des Bochumer Instituts für Wohnungsforschung (siehe Interview) ging noch einen Schritt weiter: Eine nachhaltige Städtebaupolitik müsse sich weniger um die "hardware" als um die "software" der Stadt kümmern. Eine Gesellschaft, in der die Alten und die Armen immer mehr würden, bräuchte vor allem eines: Betreuung.
Sein Plädoyer, vor dem Hintergrund schrumpfender Städte ganze Quartiere abzureißen um andere zu stärken, rief indes den Widerspruch des Staatssekretärs im Bundesbauministerium Achim Großmann hervor. "In Deutschland und Frankreich schrumpft die Bevölkerung vielleicht, aber die Weltbevölkerung explodiert", gab er zu bedenken. "Wir müssen den Schalter zwar umlegen und auf den Bestand, statt auf Neubau setzen, aber wir müssen die Hand am Schalter behalten", warb er für ein möglichst flexibles wohnungspolitisches Instrumentarium, das auch neuen Herausforderungen wie der Einwanderung gewachsen sein müsse. Mit den neuen Programmen "Soziale Stadt" und "Stadtumbau West" - von beiden profitiert die Quartierssanierung in Tenever - wolle die Bundesregierung genau das: Ressortgrenzen überwinden und den Kommunen ein flexibles, auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnittenes Mittel an die Hand geben. Auch Großmann warnte davor, die städtischen Wohnungsgesellschaften "nur als Vermögenswerte" anzusehen, die man einfach veräußern könne.

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28.03.2003
Die wirklichen Probleme kommen erst noch
Die Wohnungsbaupolitik der rot-grünen Bundesregierung steht unter heftiger Kritik. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt  rief beim 4. Leipziger Baugespräch ("Bauen in Deutschland - Niedergang ohne Ende?") nach neuen Prioritäten und anderen Rahmenbedingungen, um die Investitionsbereitschaft im Bausektor anzukurbeln.
Was Milbradt forderte, bedeutet den Abschied von den bisherigen Leitlinien der Wohnungspolitik: Schluss mit dem sozialen Wohnungsbau; massive Umschichtungen der Fördermittel des "Stadtumbauprogramms Ost" zu Gunsten der Abriss-Aktivitäten; eine Eigenheimzulage, die den Bestandserwerb gegenüber dem Neubau bevorzugt; Investitionsmodelle, die die zu mehr Erträgen führen anstatt zu höherer Kreditaufnahme, was die meisten Kommunen ohnehin nicht mehr bewältigen könnten. Zudem sei den regional unterschiedlich verlaufenden Marktentwicklungen mit einer ebenso differenzierten Förderung zu begegnen.
Konkret wurde Milbradt insbesondere in Sachen Stadtumbau- und Kreditprogramm: "Anreize zur Sanierung sind überflüssig. Von den 400 000 leerstehenden Wohnungen in Sachsen sind 150 000 saniert." Stattdessen fehle es an schnell wirksamen Mitteln, um mit Abrissen die steuerinduzierte Überinvestition im Wohnungsbau aus den 90er Jahren zu beseitigen. Nur wenn es gelänge, die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen wohnungswirtschaftlichen Erträgen und Kosten wieder zu schließen, sei die Misere des Wohnungsbaus und damit die der Bauwirtschaft zu bewältigen. Was der Leerstand allein den kommunalen Wohnungsunternehmen kostet, bezifferte Joachim Arlt vom Institut für Bauforschung: eine halbe Milliarde Euro pro Jahr. Um Rückbau wirkungsvoll zu betreiben, müssen nicht nur mehr Gelder fließen, so Milbradt, sondern etwa auch Abriss-Kündigungen in den Maßnahmen-Katalog aufgenommen werden.
Massiver Rückbau ist laut Milbradt auch aus einem anderen Grund dringend geboten: Bis 2010 werde die Zahl der Haushalte - und damit die der benötigten Wohnungen - zwar weiter steigen. Danach öffne sich aber die Demographie-Falle mit sinkenden Bevölkerungszahlen, und "dann kommen erst die wirklichen Probleme".

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28.03.2003
Stadtumbau durch öffentliche Mittel allein nicht finanzierbar
Brandenburgs Bauminister Hartmut Meyer  fordert Stadtwerke und Banken zur Beteiligung am Stadtumbau Ost auf. Die Mittel der öffentlichen Hand reichten nur für den Abriss von 480 000 der etwa 1,5 Millionen leer stehenden Wohnungen in den neuen Ländern aus, sagte Meyer am Mittwochabend in Frankfurt (Oder). Die Stadtwerke hätten sich am Gewinn aus diesen Wohnungen beteiligt, nun müssten auch sie ihren Beitrag zu den Infrastrukturkosten beim Abriss leisten. Auch die Banken dürften bei der Bewältigung der Altschulden nicht aus der Verantwortung entlassen werden.
Zudem kritisierte Meyer nach Angaben des Frankfurter Hanse-Unternehmerclubs die Eigentumsförderpolitik des Bundes. Es sei ein Fehler, kinderlose Bauherren von der Förderung auszuschließen. Junge Leute, die noch keine Kinder haben, bräuchten Unterstützung, um überhaupt Eigentum bilden zu können. Ältere Menschen müssten die Chance erhalten, in die Innenstädte zu ziehen und dort Eigentumswohnungen zu kaufen.

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28.03.2003
Hirschberg : Vorhaben, das in die Zukunft reicht
Einhellig beschlossen die Hirschberger Stadträte am Mittwochabend, die Aufnahme ihrer Stadt in das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" zu beantragen. Sie konnten sich dabei auf positive Signale zu diesem Ansinnen stützen, die es bei Gesprächen des Bürgermeisters im Landesverwaltungsamt gegeben hatte.
Der Hirschberger Antrag wird damit begründet, dass das Stadtbild geprägt ist von nicht mehr verwertbaren Wohn- und Gewerbeobjekten sowie von Freiflächen auf dem Gelände der ehemaligen Lederfabrik. Für die Zukunft und auch schon in Vorbereitung auf das Jubiläum "525 Jahre Stadtrecht" im kommenden Sommer erhofft man sich dadurch deutliche Fortschritte im Sanierungsgebiet.
Die konkreten Maßnahmen, die beantragt werden, sind Abrisse in der Saalgasse, Uferstraße, Karl-Liebknecht- und Jägerstraße. Neu gestaltet werden soll die Fläche zwischen Kulturhaus und Museum, das Außengelände um beide Gebäude und die Uferzone. Dafür liegen bereits fertige Projekte vor. Mit Hilfe von Vergabe-ABM hofft der Stadtrat, für diese Maßnahmen eine 100-prozentige Förderung zu erreichen. Anders kann die Stadt Hirschberg bei ihrer Haushaltslage solche Vorhaben nicht angehen.

www.otz.de