Newsticker Archiv April 2004

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30.04.2004
Lübbenau: Obere Etagen werden schrittweise abgebaut

Der Umbau des Viergeschosser in der August-Bebel-Straße ist in vollem Gange. Bis November entstehen in der Innenstadt aus einem alten Plattenbau zehn Reihenhäuser. Dabei wird nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten gebaut. "Mit dieser Sanierungsvariante, die viel Detailarbeit erfordert, betreten wir technologisches Neuland", sagt der Geschäftsführer der WiS-Wohnungsbaugesellschaft, Michael Jakobs. "Damit trägt der Stadtumbau weitere Früchte, auch wenn das Ganze nicht ohne Lärm abgeht." Beim Rückbau werden die vierte und dritte Etage des Hauses Platte für Platte mit einem Kran demontiert. Als nächster Schritt wird der Dachstuhl errichtet. Die Reihenhäuser bekommen ein neues Dach aus Titanzink, einem Material mit besonders hoher Lebensdauer. Und im Mai soll Richtfest gefeiert werden. Erst dann beginnen die Innenarbeiten. Jedes Haus werde individuell gestaltet, entsprechend den Vorstellungen der Besitzer. Sechs der zehn Reihenhäuser sind schon vor Baubeginn verkauft. Die Eigenheime haben eine Wohnfläche zwischen 103 m² und 127 m² groß und kosten je nach Größe zwischen 139.000 Euro und 169.000 Euro. Verschiedene Grundrissvarianten werden verwirklicht. Vier Zimmer, Bad und Gäste-WC, eine große Küche sowie ein Abstellraum sind auf zwei Etagen verteilt. Das Wohnzimmer führt direkt in den Garten. Außerdem hat jedes Haus einen Keller - zwischen 48 m² und 58 m² groß. "Vor allem Familien haben sich für ein Eigenheim mitten in der Stadt entschieden. Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Kita, das alles liegt in unmittelbarer Nähe", sagt Michael Jakobs.
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30.04.2004
Calau: Die nächsten Häuser müssen weichen
Wie geht es weiter mit dem Stadtumbau in Calau? Peter Ullrich von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BBSM/BSM) stellte die aktuellen Arbeitsergebnisse der Calauer Arbeitsgruppe Stadtumbau in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend vor. Regelmäßig kommt die Arbeitsgruppe Stadtumbau zusammen, in der die großen Vermieter WBC und Wohnungsgenossenschaft wie auch die Stadtverwaltung mitwirken. Peter Ullrich gab den Stadtverordneten einen Zwischenbericht zu den speziellen Problemen, die Calau zu bewältigen hat. Seit 1989 gehen die Einwohnerzahlen kontinuierlich zurück, die Prognose geht gegenwärtig von 5.400 bis 5.800 Einwohnern im Jahr 2015 aus. Bis dahin werden voraussichtlich 545 Wohnungen leer stehen. Die Leitlinie sehe den Rückbau von 370 Einheiten vor, so Ullrich." Der Calauer Wohnungsmarkt ist vom Geschosswohnungsbau aus DDR-Zeit geprägt, davon sind 95 Prozent saniert und modernisiert" , erläuterte Ullrich. Gegenwärtig stünden 300 Wohneinheiten leer, 43 wurden bereits abgerissen. "Es verdient hohe Anerkennung, dass der Rückbau in Gang gekommen ist", meinte der Planer. Dazu sei auch die Zustimmung der Banken notwendig gewesen, da u. a. teilsanierte Objekte darunter seien. Auch über die Nachnutzung der frei gewordenen Flächen gebe es Vorstellungen. So entsteht in der Mühlenstraße ein Eigenheim, in der Jahn-/Urnenstraße beginnt in der nächsten Zeit die Vermarktung von sechs Eigenheimflächen. Die nächsten Wohnungen, die dem Abrissbagger zum Opfer fallen werden, sind in der Otto-Nuschke-Straße 39 bis 43. Hier haben die Planer ebenfalls Eigenheimbebauung auf drei Parzellen vorgesehen. Außerdem soll das Wohnumfeld einschließlich Stellplätze gestaltet werden. "Ab 2005 könnte an die Umsetzung gegangen werden", sagte Ullrich. Zu den Maßnahmen, die das Wohnen in Calau aufwerten sollen, gehören auch Modernisierungen in der Cottbuser Straße. Die WBC habe vor, pro Jahr ein Objekt zu realisieren, in diesem Jahr sind die Eingänge 14 bis 17 vorgesehen. Da Calau eines der elf Modellprojekte zum Stadtumbau im Land Brandenburg ist, gibt es weitere Vorhaben, die mit Fördermitteln über mehrere Jahre umgesetzt werden sollen. Ein Vorhaben ist die Hüllensanierung der Gesamtschule (mehr dazu auf Seite 15). Begonnen wird in diesem Jahr mit dem Neubau einer Turnhalle, weitere Projekte sind u. a. die Schulhofgestaltung an der Gesamtschule und die Einrichtung einer Busspur am zentralen Schulstandort. Die sachliche und anschauliche Darstellung fand den Zuspruch der Calauer Abgeordneten, Fragen ergaben sich für die Stadtverordneten nicht aus dem Bericht von Peter Ullrich.
www.lr-online.de

30.04.2004
Eisleben: Zeitplan gerät ins Stocken
Keine guten Nachrichten hat Bürgermeister Peter Pfützner  jetzt für die Eisleber Stadtplaner aus Magdeburg mitgebracht. So ist gegenwärtig noch völlig offen, wann und in welcher Höhe die Stadt Eisleben Fördermittel für den begonnenen Stadtumbau erhält.
Nach Angaben aus dem Landesbauministerium betrifft diese ungeklärte Frage nicht nur Eisleben, sondern alle Kommunen in Sachsen-Anhalt, die durch den Rückbau von leer stehenden Wohnungen und die Neugestaltung der frei gewordenen Flächen das Erscheinungsbild ihrer Städte aufwerten wollen. "Der Bund hat sich noch nicht geäußert, welche Gelder an die einzelnen Länder verteilt werden", so Gisela Kirchner, Eislebens Stadtplanerin, zum Hintergrund.
Die Landesregierung genehmigt ihr zufolge derzeit nicht einmal "den vorzeitigen Maßnahmebeginn" von bereits bewilligten Vorhaben. Die unklare Situation trübt nach den Worten von Kirchner die Freude über gerade erhaltene Fördermittel für Sanierungsprojekte wie das Katharinenstift. Wann der Bund eine Entscheidung über die Fördermittel für den Stadtumbau trifft, weiß niemand. "Wir warten täglich auf eine Nachricht", so Kirchner.
Ein Zeitverzug im Stadtumbau scheint unausweichlich. Eisleben gehört zu den wenigen Städten in Sachsen-Anhalt, die mit dem Land eine so genannte Zielvereinbarung für die Rückbau von Wohnungen in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen haben. Im vergangenen Jahr waren mit Hilfe von Fördermitteln rund 4000 Quadratmeter Wohnfläche im gesamten Stadtgebiet abgerissen worden. Kirchner: "Dieses Jahr sollten es noch einmal rund 8000 Quadratmeter sein."
Eislebens Stadtplaner können in diesem Jahr bislang nur mit rund 90 000 Euro operieren. Dieses Geld war ihnen bereits im Vorjahr für Aufwertungsmaßnahmen nach dem Abriss von Häusern zur Verfügung gestellt worden. "Damit können wir längst nicht alle Lücken schließen", so Kirchner.
Priorität hat das Pilotprojekt Lutherstraße / Badergasse. In diesem Jahr soll mit den Eigentümern begonnen werden, durch Mauern und Einfriedungen die Häuser miteinander zu verbinden. Für die Freifläche, wo früher die Häuser der Lutherstraße 6 und 7 standen, können sich die Planer auch eine neue Bebauung vorstellen. "Ausreichend Platz wäre dort für ein Wohnhaus", meint Kirchner. Das rund 1000 Quadratmeter große Gelände sei kostengünstig abzugeben.
An anderer Stelle soll der Abriss von Häusern fortgesetzt werden. Konkret in der Rammtorstraße - die Nummer 16. An dieser Stelle wollen die Stadtplaner den Grünbereich vom Stadtgraben terrassenförmig mit Sitzsteinen zur Rammtorstraße fortführen. Kirchner: "Das ist aus unserer Sicht auch die kostengünstigste Variante."

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29.04.2004
Frankfurt (Oder): So lange es geht in vertrauten Wänden
Schon 25 Prozent aller Frankfurter sind 60 Jahre und älter. Das stellt auch an die Frankfurter Vermieter besondere Anforderungen. Denn viele Senioren wollen möglichst lange in ihren angestammten vier Wänden und der vertrauten Umgebung bleiben. Beratung dazu, wie das gehen kann, wollte der Wowi-Seniorenbeirat gemeinsam mit einem Sanitätshaus in dieser Woche geben. Zum Treff in den Sieben Raben kamen viele.
"Wenn ich aus meiner Wohnung mal ausziehe, dann nur noch auf den Friedhof", sagt Ingetraud Krüger und spricht damit aus, was viele der Frauen und Männer denken, die an diesem Dienstagnachmittag ins Bürgerforum Innenstadt kommen. Die 75-Jährige, die in der Baumgartenstraße wohnt, will sich lieber, wenn es mal nicht mehr so geht, jemanden holen, der ihr zu Hause bei den täglichen Verrichtungen hilft.
So sieht das auch Brigitte van Bosch. Auch diese 75-Jährige will aus ihrer Wohnung oder zumindest der Gegend um Zille- und Rathenaustraße nicht weg. Denn da wohnen in der Nähe auch Sohn, Tochter und Bekannte, die ihr im Notfall helfen können. Doch Brigitte van Bosch hat ein Problem: Wegen gesundheitlicher Probleme, vor allem Arthrose in den Knien, würde ihr ein Sitz in der Wanne das Baden erleichtern. Aber ihre Wanne ist mit 1,60 Meter zu kurz. Bei einem derzeit handelsüblichen Einsatz könnte sie die Beine nicht mehr ausstrecken.
Trotzdem kommt sie noch einmal zur Beratung, redet mit Doris Kühl und Wolfgang Müller von der Wohnungswirtschaft und lässt sich bei Reha-Techniker Sven Strohwald und Außendienstmitarbeiter Karl-Heinz Reinhardt vom Sanitätshaus Laußmann mögliche Hilfseinrichtungen zeigen. Wowi-Geschäftsführer Müller will einen Mitarbeiter bei der Frankfurterin erkunden lassen, ob eventuell durch den Einbau einer Falttür das Badzimmer eine größere Wanne aufnehmen kann. Doch auch nach einer passenden Wohnung in der Nähe der jetzigen Bleibe von Brigitte van Bosch soll gesucht werden.
Kein konkretes Anliegen haben Eva und Werner Richter aus der Hohenwalder Straße. Die 76-Jährige und ihr 70-jähriger Mann wohnen im eigenen Häuschen und hoffen dort ebenfalls noch lange bleiben zu können. Doch sie haben sich auch schon mal im betreuten Wohnen umgesehen. "Man weiß ja nicht, wie schnell man vielleicht doch mal auf mehr Hilfe angewiesen ist. Da wollen wir einfach mal sehen, was es so für Möglichkeiten in der Stadt gibt", sagt Eva Richter.
Auch die beiden gehen wie viele andere nicht, ohne sich am Stand des Sanitätshauses über die diversen Angebote zur Erleichterung des Lebens in der eigenen Wohnung zu informieren. Das Angebot reicht von den Standardgriffen zum bequemeren Einsteigen in die Wanne über Duschhocker, Badewannensitze und -lifte, WC-Beckenerhöhungen - wichtig für Patienten mit Hüfterkrankungen - bis hin zu Gehhilfen und Geräten zur Erleichterung des Treppensteigens. Für viele dieser Hilfsgeräte übernehmen die Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Finanzierung. Die Kassen und das Sanitätshaus informieren darüber.
Wie man zu Plätzen im Seniorenheim oder im betreuten Wohnen kommt, wollen andere Besucher wissen. Oder: Wo es altersgerechte Wohnungen, also möglichst mit Fahrstuhl, im Zentrum gibt? Und natürlich bewegt nach wie vor der Stadtumbau. 2009 z. B. soll das Wohnhaus Winzerring 13 abgerissen werden. Mehrere Bewohner finden das gar nicht schön. Doch noch wollen sie bleiben. Dass nun nicht mehr in das Haus investiert wird, verstehen sie, aber wenigstens Reparaturen an den Fenstern sollten möglich sein, meinen sie. Auch dieses Problem wird notiert und soll geklärt werden.

www.moz.de

29.04.2004
Leipzig: Baugenossenschaft und Lipsia gehen zusammen
Zwei der größten Leipziger Wohnungsgenossenschaften haben gestern einen Vertrag geschlossen, der sie für die nächsten Jahre auf eine enge Zusammenarbeit verpflichtet. "Die Baugenossenschaft und die Lipsia verfügen gemeinsam über 22 000 Wohnungen. Und sie ergänzen sich sehr gut", erklärte Vorstandschef Michael Voigt von der 106 Jahre alten Baugenossenschaft aus der Dörrienstraße. Zum Beispiel verfüge sein Unternehmen über viele hochwertig sanierte Gründerzeit-Bestände, das Connewitzer Gerd-Klingner-Haus für Betreutes Wohnen und einen sehr aktiven Nachbarschaftshilfe-Verein.
Die 50 Jahre alte WG Lipsia aus der Brünner Straße sowie der Ableger WG Elsteraue konnten bereits 85 Prozent ihrer Bestände, die aus DDR-Zeiten stammen, modernisieren. "Obendrein haben wir das Altschuldenhilfegesetz erfüllt und über unsere Spareinrichtung mehr als 15 Millionen Euro zusätzliche Liquidität erlangt", erläuterte Lipsia-Vorstand Wilhelm Grewatsch. Die Erfahrungen seines Unternehmens beim Stadtumbau inGrünau könnten auch dem neuen Partner nutzen. "Vor allem bündeln wir unsere Kräfte, um auf dem Markt aggressiver auftreten zu können. Wir wollen den Leipzigern zeigen, dass für sie die Genossenschaften die beste Adresse sind."
Konkret erstrecke sich die Kooperation zunächst auf einen einheitlichen Marketing-Auftritt und auf die gemeinsame Vermittlung sämtlicher Wohnungen. "Unsere Mitarbeiter werden also ab Mai unter doppelt so vielen Angeboten nach dem Passenden für jeden Interessenten suchen. Entlassungen sind absolut nicht geplant", sagte Voigt. Auch starte eine größere Werbeaktion, für die man sich nun die Kosten teilen kann. "Das alles ist nur ein Anfang, dem viele weitere gemeinsame Angebote für unsere Mitglieder und neue Mieter folgen sollen", so der Vorstand. Selbst eine spätere Heirat des frisch verbundenen Paares sei nicht völlig ausgeschlossen. "Im Moment ist das aber ganz weit weg."

www.lvz-online.de

29.04.2004
Dorsten: Schöner Wohnen mit der Abrissbirne
Das Bundesprogramm Stadtumbau West soll auch Wulfen-Barkenberg nach vorne bringen. Das NRW-Bauministerium hat nun eine Förderung des Abrisses von Hochhäusern mit rund 300 Wohnungen signalisiert, die sich im Besitz der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) befinden.
Die Dimker Allee im Dorstener Stadtteil Barkenberg ist keine feine Adresse: eine achtstöckige Hochhauszeile im vierten Jahrzehnt nach dem Bau. Wer sich in die Treppenhäuser traut, braucht einen gefestigten Charakter. Graffiti, Müll und zerschlagene Fenster, die durch eine Sperrholzplatte ersetzt wurden, bestimmen das Bild. Der bröckelnde Beton der Balkone gibt den Blick auf Stahlträger frei. Hier leben fast nur jene, die keine andere Wahl haben. Auf bis zu 40 Prozent beziffert die LEG die Leerstände.
Offiziell, wohlgemerkt. Insider gehen von höheren Zahlen aus. Im benachbarten "Sternbau" einem weiteren Hochhaus, sind viele Balkone mit grünen Netzen verkleidet. Heimisch werden hier nur noch Tauben. "Laufend fallen Vogelleichen auf Kinder, die hier spielen", schimpft Daniel Eickmann-Gerland über "unhaltbare hygienische Zustände".
Der evangelische Pfarrer hat vor einigen Monaten mit vielen Ehrenamtlichen den "Dorstener Laden" initiiert. Günstige Lebensmittel werden hier an sozial schwache Menschen verkauft. Schon 600 Kunden zählt der Laden, im Mai soll eine Tafel auch eine täglichen Mittagsmahlzeit anbieten.
Die LEG erwarb vor 20 Jahren in Barkenberg insgesamt 875 Wohnungen von der Treuhandstelle von Bergmannswohnstätten (THS). Darunter attraktive Objekte, aber eben auch andere wie die Dimker Allee. Dass sie vor einigen Jahren ihre Versuche einstellte, die Häuser attraktiver zu gestalten, gesteht die Wohnungsgesellschaft nicht ein. Aber das ist nicht nur äußerlich deutlich genug sichtbar. Weil wegzieht, wer kann, ist die Fluktuation enorm, ohne stabile Mieterstruktur kann Integration von Flüchtlingen, Ausländern und Spätaussiedlern kaum gelingen.
Eine "Wulfen-Konferenz" versucht seit Jahren, der Probleme Herr zu werden. Vertreter von Jugend- und Sozialamt, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Initiativen bilden da Netzwerke, doch letztlich kuriert das eifrige Engagement nur die Symptome. "Es gibt viele Angebote, aber es gibt Jugendliche, die damit nicht erreicht werden", bescheinigte die Barkenbergerin Angela Polodzek in der vergangenen Woche der Konferenz. Die 24-Jährige hat für ihre Diplomarbeit junge Barkenberger befragt.
Längst ist die Erkenntnis gereift, dass sich grundlegende Verbesserung nur mit der Abrissbirne erreichen läßt. Doch erste Vorstöße stießen bei der landeseigenen LEG und dem Ministerium auf taube Ohren. Im Dorstener Rathaus fürchtet man, die LEG werde sich durch Verkauf der Probleme entledigen. Die Versicherung von Geschäftsführerin Barbara Clemens, dabei nur einen Investor in Betracht zu ziehen, der sich "dem Standort in gleicher Weise wie die LEG verpflichtet fühlt", wird dabei eher als Drohung verstanden. "Ein Verkauf würde sämtliche Bemühungen um strukturelle Verbesserungen zunichte machen", sagt Bürgermeister Lambert Lütkenhorst.
Doch seit der Bund Mittel für die Stadtsanierung-West in Aussicht gestellt hat, deutet sich eine Wende an. Die geschätzten Abrisskosten von vier Millionen Euro könnten zu 80 Prozent übernommen werden, deuteten Vertreter des Landesministeriums an. In einem Gesamtkonzept sollen andere Häuser modernisiert, und die Strukturen durch Mieter-Privatisierung gefestigt werden. Zahlen für ein solches Konzept will die LEG kurzfristig erarbeiten.
Die Wahl zwischen Abriss und Verkauf wird der LEG-Aufsichtsrat möglicherweise am 12. Mai treffen. Und einiges deutet darauf hin, dass sich das Gremium, dem der Bau-Staatssekretär Manfred Morgenstern vorsitzt, für die Sanierungs-Variante entscheidet.
Barkenberg, in den 60er Jahren auf dem Reißbrett geplant für 50 000 Menschen und die Nordwanderung des Bergbaus, könnte dann endlich seinen schlechten Ruf ablegen. Der ärgert viele, die sich am Rande der Hohen Mark schmucke Eigenheime bauten. Wie Frank Gläßner, den Dorstener Stadtbaurat, für den sich ein beruflicher Kreis schließt.
Als junger Student kam er in die Entwicklungsgesellschaft für die "Neue Stadt Wulfen". Jetzt hofft der 59-jährige Planer, dass er in seiner Amtszeit noch die zweite Baugenehmigung für die Dimker Allee unterschreiben kann.

www.waz.de

29.04.2004
Dresden: Kaum noch Hoffnung für die "Platte"
Noch vor fünf Jahren wehrte der Stadtsprecher von Dresden vehement ab: "Nein, Leerstandsprobleme in der 'Platte' haben wir nicht!" Heute befindet sich die Großsiedlung Gorbitz am nördlichen Stadtrand vor dem Kollaps. Helga Gantz von SAS Regional-, Verkehrs- und Umweltforschung sieht den Stadtteil gar schon "in sich zusammenfallen", wenn die Einwohnerzahl noch weiter absinkt.
Gorbitz teilt damit das Schicksal der Monstersiedlungen des "sozialistischen Städtebaus", die nach dem Krieg in Ost und West nach städtebaulichen Leitideen der 20-er Jahre errichtet worden sind: Den Großsiedlungen der "Massenmenschhaltung" laufen die Bewohner weg. Und das, obwohl seit der Wiedervereinigung bereits Milliarden in diese Siedlungen hineingepumpt wurden, um sie zu erhalten. Wie zahllose Beispiele belegen, völlig umsonst. Im Osten wie jetzt auch im Westen sieht man sich nun mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass die Wohnungswirtschaft nur überleben kann, wenn sie sich mit dem flächenhaften Abriss ganzer Siedlungen befreundet.
Am Beispiel Gorbitz: 1990 zählte der Stadtteil noch 35 236 Einwohner. Doch 2003 waren es gerade noch 20 668. Bei 18 725 sieht Helga Gantz das Ende der Fahnenstange erreicht. Dabei hat die Wissenschaftlerin für Dresden sogar noch Tröstliches parat. "Wir rechnen damit, dass die Lage stabil bleibt, seit zwei Jahren gibt es keinen Rückgang mehr", erläuterte sie vor Teilnehmern der Konferenz "Perspektiven von Stadtumbaugebieten - Musterstandort Gorbitz" in der Elbmetropole.
Aber die Hoffnung auf eine Wende in den Großsiedlungen kann trügen. Denn selbst wenn sich Sachsens Hauptstadt dem allgemeinen Trend der Entvölkerung noch erfolgreich entgegenstemmt, so muss das noch längst nicht heißen, dass die "Platte" eine Zukunft hat. Bisher sind mehr als 13 Mio. Euro in die Rettung der Arbeiterschließfächer geflossen - mit kaum messbarem Erfolg. Seit 1990 hat der Stadtteil 42 Prozent der Einwohner verloren, der Wohnungsleerstand kletterte auf 24 Prozent. Und die Zukunftsperspektive sieht rabenschwarz aus. Als die "Dresdner Neuesten Nachrichten" nach der Konferenz auf der Straße zehn Gorbitzer fragten, ob sie im Stadtteil bleiben wollen, fiel das Ergebnis niederschmetternd aus: sechs zu vier für den Wegzug.
Auch die inzwischen (zaghaft) angelaufenen Rückbauprogramme ("Stadtumbau Ost") konnten die Lage für die Großsiedlungen noch kaum entspannen. Denn mit kosmetischen Eingriffen, wie sie etwa die Eisenbahnerwohnungsgesellschaft in Gorbitz plante, ist es nicht getan. Den Eisenbahnern gehören 8200 der 14 200 Gorbitzer Wohnungen. Von diesem Bestand will die Genossenschaft bis 2010 insgesamt 1700 abreißen. Allein 700 werden es in der Kräutersiedlung sein. Eigentlich, so die Zeitung, wollte die Genossenschaft in dem Vorzeige-Umbauprojekt mehr Wohnungen erhalten. Aber wegen Geldmangels werden im Bauabschnitt 3 und 4 alle Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer fallen. Staatssekretär Albrecht Buttolo hält die finanziellen Mittel des Freistaats schon jetzt für ausgeschöpft: Förderanträgen für Wohnungsabriss in Sachsen von mehr als 147 Mio. Euro standen 2003 verfügbare Mittel von nur 85,7 Mio. gegenüber.
Nun würde Oberbürgermeister Ingolf Roßberg  den Stadtteil am liebsten in das Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen sehen. Doch die Medaille hat zwei Seiten. Sollte man vorhandene Förder-Gelder nicht besser in die wieder begehrten Altbaugebiete stecken, an denen Identität und "Image" des einstigen Elbflorenz hängt?

www.welt.de

27.04.2004
Ludwigslust: Schönheitskur für die "Platte"
Mit dem Programm "Stadtumbau Ost" verändert sich Ludwigslusts Parkviertel
Ludwigslust Das Parkviertel, Plattenbaugebiet in der Kreisstadt, soll sich verändern. Die Stadt nutzt dazu Fördermittel, die aus dem Programm "Stadtumbau Ost" des Bundes und der Ländern zur Verfügung gestellt werden. Projektleiter Norbert Thiele von der Gesellschaft für Ortsentwicklung und Stadterneuerung (GOS) betont die Behutsamkeit des Vorgehens. In Kürze gibt es dazu eine Informationsveranstaltung.
Am 4. Mai um 18 Uhr können sich alle Interessenten im Rathaussaal mit den Plänen vertraut machen. Die Ursprünge für das jetzige Vorhaben resultieren bereits aus dem seinerzeit erarbeiteten Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), mit dem sich Ludwigslust schon mal in das zukünftige Stadtbild denkt.
Die Bevölkerung in diesem Teil der Stadt werde sich in den nächsten 20 Jahren nicht drastisch verringern, gibt Thiele die Resultate von Erhebungen wieder. Die Umgestaltung des Wohnareals könne also behutsam erfolgen; der Schwerpunkt liege in der Aufwertung des Areals. Außer Frage stehe, dass das Wohngebiet eine Zukunft habe. Die ersten Schritte werden in diesem Jahr unternommen. Das Parkviertel soll seinem Namen gerechter werden, indem sich vom Schlossgarten ausgehend einmal ein grünes Band durch das Gebiet bis hinein in die angrenzende Landschaft zieht. Begonnen wird in diesem Jahr auf einer Fläche schräg gegenüber dem Schlossgartenausgang an der B5 sowie auf einer weiteren hinter dem Gerätehaus der Feuerwehr an der Bauernallee.
Als Zeitraum für die Planung sind erstmal die nächsten fünf Jahre vorgesehen. Eines der Highlights ist gewiss der um das gesamte Gebiet herum geplante Rad- und Skaterweg. Er soll nach Aussage des städtischen Bauamtsleiters Paul-Friedrich Leopold asphaltiert werden. Als Zeitraum für die Anlage des Bandes ist die Frühjahrssaison 2005 ins Auge gefasst.
Das Plattenbaugebiet Parkviertel ist Ende der siebziger Jahre entstanden. Obwohl vor allem der preiswerte Wohnungsbau im Vordergrund stand, folgt die Anlage der Blocks nach Ansicht von Norbert Thiele durchaus sinnvollen planerischen Gesichtspunkten.

www.svz.de

27.04.2004
Warin:  Abrissbirne unvermeidlich
In Warin und Umgebung stehen derzeit mit 196 Wohnungen entschieden zu viele Wohnungen aller Eigentumsformen leer. Ein Rückbau wird in den nächsten zehn Jahren unvermeidlich sein.
Mindestens 98 Wohnungen im Bereich des mehrgeschossigen Wohnungsbaus müssen in Warin und den Gemeinden in den nächsten zehn Jahren zurückgebaut werden.
Der Hauptausschuss in Warin hatte auf seiner jüngsten Beratung als wichtigsten Punkt ein Handlungskonzept zum Stadtumbau Ost beraten.
Inhalt dieses Konzeptes ist zum einen die Forderung nach Rückbau von Geschosswohnungen und zum anderen die den Kommunen eingeräumte Möglichkeit, dafür Fördermittel zu beantragen, erläuterte der Leitende Verwaltungsbeamte Dieter Habl.
Für Warin ist dieses Grobkonzept zwölf Seiten lang und zeigt zunächst einmal auf, wie sich die Wohnungssituation in der Stadt und den Gemeinden von 1990 bis 2003 entwickelt hat. Daran schließt sich die aktuelle Situation der Wohnungsbelegungen in Stadt und Gemeinden an.
"Nach diesem Bericht ist man sich im Hauptausschuss einig, dass in Warin der Wohnungsrückbau in den nächsten zehn Jahren auf die Tagesordnung gesetzt werden muss", so Dieter Habl weiter.
Zu den Schwerpunkten des notwenigen Rückbaus gehört der Geschosswohnungsbau am Fritz-Reuter-Platz in Warin, in Waldeck und auch in Mankmoos. "Der Rückbau ist allerdings nur dann möglich, wenn die gewerblichen Vermieter das auch unterstützen. Die Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (STEWO) beispielsweise ist bereits einverstanden", erklärte Dieter Habl.

www.svz.de

27.04.2004
Seebach: Planung für die Zukunft der Orte
 "Wir werden bestaunt wie Exoten, wenn wir mit unseren Plänen nach Erfurt kommen", diese Erfahrung hat zumindest Seebachs Bürgermeister Kurt Kästner gemacht, wenn es um die Zusammenarbeit der drei Erbstromtal-Kommunen geht. "Andere sehen einen Städteverbund mit einer gemeinsamen Bürobedarf-Bestellung schon als großen Erfolg, wir dagegen planen gemeinsam für die Zukunft", ergänzt Ruhlas Bürgermeister Gerald Pietsch.
Und um genau diese gemeinsame Planung nun auf eine noch höhere Ebene zu stellen, unterzeichneten die beiden Rathauschefs gemeinsam mit ihrem Kollegen Torsten Gieß aus Wutha-Farnroda die Vereinbarung zur Erstellung eines gemeinsamen Flächennutzungsplanes für die drei Kommunen. In solch einem Plan werden die Weichen für die Zukunft gestellt, dort ist dann nach zu lesen, welches Gebiet sich wie und wohin entwickeln soll, wo welche Schwerpunkte gesetzt werden. Ist ein solcher Plan erst einmal von den drei Gemeinderäten in Kraft gesetzt, kann er auch nur von allen dreien gemeinsam wieder geändert werden.
Doch bis dahin gehen bestimmt noch 1,5 Jahre ins Land. Wenn auch alle drei Kommunen bereits einen solchen Flächennutzungsplan im Entwurf haben, gibt es jetzt noch viel zu planen und zu reden, bevor das gemeinsame Werk verabschiedet werden kann. Die Kosten für die Planerstellung werden etwa 50 000 Euro betragen und von allen gemeinsam getragen. "Würde jeder seinen eigenen Plan erstellen, wäre es um etwa ein Drittel teurer geworden", so Torsten Gieß. Die Erstellung des Planes ist eines des Schlüsselprojekte im Regionalen Entwicklungskonzept (REK). Und die Arbeit hat bereits Früchte getragen. "Ohne die enge Kooperation der drei Gemeinden wäre Seebach sicher nicht in das Stadtumbau-Programm gekommen, und bei Wutha-Farnroda und Ruhla sind Fragezeichen erlaubt", so Pietsch. So sind alle drei drin.

www.tlz.de

25.04.2004
Thüringen: Demographische Entwicklung als zentrale Herausforderung
"Die künftige Entwicklung unserer Bevölkerung ist die zentrale Herausforderung für unser Gemeinwesen, nicht nur in Thüringen, sondern in ganz Deutschland. Sie beeinflusst die Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume von Politik und Gesellschaft.? Das erklärte Innenminister Andreas Trautvetter vor dem Hintergrund des Bevölkerungsrückgangs von rund 330.000 Einwohnern zwischen 1989 und 2002 im Freistaat.
"Diese Entwicklung entspricht einem landesweiten Rückgang von insgesamt 12 Prozent", sagte er gestern (23. April) auf der 10. Thüringer Regionalplanertagung vor über 200 Teilnehmern in Arnstadt.
Die Lebenserwartung der Menschen", führte Trautvetter weiter aus, "ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Insbesondere der medizinische Fortschritt, die bessere medizinische Versorgung, die hygienischen Verhältnissen und der allgemeine Wohlstand bewirken, dass die Menschen heute älter werden als vor 100 Jahren. Jungen, die heute in Thüringen geboren werden, haben eine Lebenserwartung von 74 Jahren, Mädchen können darauf hoffen, sogar fast 81 Jahre alt zu werden."
Isoliert betrachtet, müsste diese Entwicklung eigentlich dafür sorgen, dass die Thüringer Bevölkerung wächst, doch wie eingangs erörtert, ist das Gegenteil der Fall. Die Einwohnerzahlen in unseren Städten und Gemeinden gehen zurück. Hauptursachen für den demographischen Wandel sind der drastische Rückgang der Geburtenzahlen und die Abwanderung, vor allem in die alten Bundesländer. Aber auch die wirtschaftliche Globalisierung oder die höhere Flexibilität und Mobilität in Bezug auf den Arbeitsort beeinflussen den rückläufigen Bevölkerungs-Trend.
Neben der Demographie hat sich auch die Siedlungsstruktur verändert. Die Menschen wandern verstärkt aus den Städten ab und ziehen ins Umland. Damit verlieren viele Städte an Wirtschaftskraft. Die kreisfreien Städte Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach und Suhl haben im Ergebnis am stärksten mit Wohnungsleerstand zu kämpfen. Initiativen wie "Genial zentral ? Unser Haus in der Stadt" sind Antworten auf diese Entwicklung. Mit diesem Projekt des Thüringer Innenministeriums, an dem sich bereits 15 Städte beteiligen, wird die Schaffung von Wohneigentum zu akzeptablen Preisen in den Städten gefördert.
Die Auswirkungen des demographischen Wandels bedingen, so Trautvetter weiter, den forcierten Aufbau eines Netzes von leistungsfähigen Ober- und Mittelzentren sowie wirtschaftlich tragfähigen Grundzentren. Angesichts mangelnder Auslastungen einerseits sowie steigender Kosten andererseits wird die Zusammenarbeit der Kommunen untereinander weiter an Bedeutung gewinnen. Denn die Aufrechterhaltung der Infrastrukturen und der Dienstleistungszentren sei sehr kostenintensiv. Die regionalen Entwicklungskonzepte in Thüringen nannte trautvetter "kluge Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung freiwilliger Kooperationsprozesse".
Auf den Punkt gebracht: Die Raumordnung und Landesplanung müsse die Zusammenarbeit der Kommunen fördern. Das Ziel der Landesregierung bestehte darin, für die Bürger in allen Teilen des Freistaats gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen.
Der Innenminister erläuterte abschließend, dass über 1300 Gemeinden, Institutionen und Privatpersonen sich im Rahmen der Anhörung am Entwurf des Landesentwicklungsplans 2004 beteiligt haben, der die demografischen Perspektiven schwerpunktmäßig fokussiere. Insgesamt gab es über 700 Stellungnahmen zum Entwicklungsplan, der am 1. Juni 2004 - unmittelbar vor den Landtagswahlen - als Rechtsverordnung vom Kabinett verabschiedet werden soll.

www.RegioWeb.de

25.04.2004
Erfurt: Lebensräume auch für Shi-Take
Plattenbauten zu vertikalen Lebensräumen aufzupeppen oder ihnen ungewohntes Leben einzuhauchen. Aus diesen Ansätzen entwickelten junge Tüftler preiswürdige Konzepte für einen Ideenwettbewerb gegen den Wohnungsleerstand.
Schon einige Wohnscheiben verschwanden aus dem Stadtbild. Doch die Wohnungsunternehmen hadern zunehmend über die Vernichtung des eigenen Bestandes an Immobilien. Die Kommunale Wohnungsgesellschaft (Kowo) und die Thüringer Existenzgründer Initiative Get Up prämierten gestern junge Ingenieure und Studenten für ihre unkonventionellen Entwürfe, mit denen die Bausubstanz erhalten werden könnte.
"Vertikale Urbanität" lautet der Titel des Konzeptes von Diplom-Ingenieur Ralph Mallach, das die Jury mit Kowo-Gechäftsführer Hubert Peter am meisten überzeugte. Anlehnend an den französischen Architekten Le Corbusier entwarf Mallach Skizzen für einen vertikalen "Lebensraum" als neuartiges Stadtquartier. Generationen wohnen unter einem Dach, zugleich entwickelt sich ein gegenseitig nützliches Angebot an verschiedensten Dienstleistungen. "Anders als Le Corbusier hat es Ralph Mallach Verstanden, Visionen und ökonomische Macharkeit zu vereinen", lobt die Jury. Behutsame Umgestaltung und der Anspruch, qualitativ hochwertigen Lebensraum zu schaffen seien eindeutiges Indiz dafür.
Aber nicht nur die Arbeit des 1. Preisträgers würdigt die Kowo. "Wir wollen alle Beiträge noch einmal ansehen, was für uns vielleicht zu verwirklichen ist", sagt Cornelia Mörstedt, Marketing-Chefin des Unternehmens. Während beim dritten Preis, dem "Noteingang" von Evelyn Ermisch die Hinwendung zu Menschen in sozialer Notlage herausgehoben wurde, punkteten die jungen Architekten David Seidl und Lars Bucki mit einer unkonventionellen und zugleich schmackhaften Lösung. Delikate japanische Speisepilze (Shi-Take) könnten ihrer Meinung nach ohne großen Umbauaufwand in leeren Wohnungen gezüchtet werden. Der Clou der Geschäftsidee bestehe nicht nur in der Nutzung unvermietbarer Wohnungsflächen, sondern der Verwertung von unternehmenseigenen Abfälle der Kowo. Nämlich der Kaffee- und Teeabfälle als stofflichen Nährboden für die Pilzzucht. Die Möglichkeit dazu sei wissenschaftlich nachgewiesen.

www.thueringer-allgemeine.de

25.04.2004
Apolda: Drei Monate lang ohne Miete wohnen
Mit einer nicht gerade alltäglichen Aktion will die Wohnungsgesellschaft Apolda (WGA) ab Mai neue Mieter gewinnen. So können diese in ausgewählten Wohnblöcken drei Monate lang mietfrei starten. Diese Aktion soll vorerst bis zum Jahresende laufen.
"Wir machen jedes Jahr eine neue Aktion", berichtete Katharina Sorge, Marketingbeauftragte der WGA, im TA-Gespräch. Im September 2002 führte WGA-Chef Hartmut Kirsten als Begrüßungsgeschenk für neue Mieter ein gesponsertes Halbjahres-Abo der "Thüringer Allgemeine" ein, einen Monat später erblickte ein "Baby-Begrüßungsgeld" in Form eines Gutscheins das Licht der Welt. Einen solchen Gutschein der Baby-Boutique Walther in Höhe von 50 Euro haben bisher 15 Babys von WGA-Mietern erhalten. "Ursprünglich war diese Aktion auf ein Jahr befristet, wir wollen diese schöne Tradition aber weiterführen", machte Katharina Sorge deutlich.
Für dieses Jahr ließ sich die WGA etwas anders einfallen: "Wir bieten neuen Mietern ab Mai in ausgewählten Häusern an, drei Monate lang mietfrei zu wohnen", so die Marketingbeauftragte. Mietfrei beziehe sich allerdings natürlich nicht auf die Nebenkosten, die selbstverständlich bezahlt werden müssten. Die drei dafür zur Verfügung stehenden Wohnblöcke sind Ernst-Thälmann-Ring 64-70, Werner-Seelenbinder-Straße 24-38 und Christian-Zimmermann-Straße 16-30. Die insgesamt 32 freien Wohnungen befänden sich in einem jeweils unterschiedlichen Sanierungs-Zustand, erläuterte Katharina Sorge. "Auf Wunsch des neuen Mieters investieren wir aber auch noch darin."
Darüber hinaus bietet die Wohnungsgesellschaft ihren neuen Mietern auch noch einen Umzugsservice an. Zwei Leute und ein Transporter stehen ihnen kostenlos für einen Tag zur Verfügung.
"Das Ganze ist natürlich ein Versuch, wohnungssuchende Mieter für die WGA zu gewinnen", machte sie deutlich. Bei 15 Prozent Wohnungsleerstand muss man sich einfach etwas einfallen lassen.
Ein anderer wesentlicher Service-Baustein ist seit einem knappen Jahr die Mieterkarte (TA berichtete). Elf Geschäfte bzw. Unternehmen gewähren inzwischen den Besitzern einer solchen Karte Rabatte auf Waren oder Dienstleistungen. Als jüngste Unternehmen sind die beiden Apoldaer Hotels "2 Länder" und "Hotel am Schloss" sowie eine Sömmerdaer Einbauküchen-Firma mit Apoldaer Außenstelle an Bord.

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25.04.2004
Leeres Land, leere Kassen, leere Kanäle
Die Politik im Osten nimmt zunehmend die Folgen des Bevölkerungsschwunds wahr. Nach dem Wohnungsleerstand werden jetzt auch Folgen für Etats und Landesentwicklung erörtert. Die Devise lautet: kontrolliertes Schrumpfen.
Die Sächsische Semmeringbahn wird aufgegeben. Auf der Bahnstrecke in Südostsachsen, deren Abschnitt nach Sebnitz erst kürzlich saniert wurde, werden bald nur noch wenige Züge fahren. 500 Fahrgäste am Tag, sagen die Betreiber, sind für regulären Verkehr zu wenig.
Solche Nachrichten dürften sich in Ostdeutschland häufen. Die Region ist vom Bevölkerungsrückgang gezeichnet. Allein in Sachsen wird die Einwohnerzahl von fünf Millionen im Jahr 1989 auf 3,6 Millionen im Jahr 2020 sinken. Prognosen für die anderen Länder sind nicht optimistischer.
Die Folgen der Entwicklung, die der Abwanderung, noch mehr aber der niedrigen Geburtenrate geschuldet ist, wurden lange nur widerstrebend zur Kenntnis genommen. Begriffe wie Wohnungsabriss wurden erst salonfähig, als der Leerstand dramatische Ausmaße erreicht hatte. Inzwischen werden auch Konsequenzen für öffentliche Kassen und Infrastruktur angesprochen. Der SPD-Politiker Jens Bullerjahn aus Sachsen-Anhalt forderte unlängst, die Landesentwicklung auf Kerngebiete zu konzentrieren. Sachsens Landesregierung hat nun sogar zu einem Demografiegipfel geladen.
Die Herausforderungen, die Gutachter dabei für Staatsfinanzen, Raumentwicklung und Wirtschaft aufzeigen, sind gewaltig. Sachsens Einnahmen werden wegen sinkender Einwohnerzahlen bis 2020 um 23 Prozent sinken, sagt Helmut Seitz von der Viadrina-Universität Frankfurt (Oder): »Mit jedem nicht geborenen Sachsen verliert das Land 2400 Euro Zuweisungen im Jahr.« Zwar sei das Land im Vorteil gegenüber Sachsen-Anhalt, wo weniger Menschen mit extrem hohen Staatsschulden fertig werden müssen. Doch auch für Sachsen fordert er Personalabbau bei Verwaltung, Bildung und innerer Sicherheit. Er rechnet mit einem Abbau von jetzt 104000 auf 80000 Stellen.
Schwinden wird auch die Erwerbsbevölkerung, so Marcel Thum, Chef des ifo-Instituts Dresden. Qualifizierte Fachkräfte würden zur knappen Ressource. Er plädiert für eine »selektive Zuwanderung« aus Osteuropa, vor allem aber für längere Lebensarbeitszeiten. Zudem befürwortet er die Konzentration auf universitäre Forschung, um »neues Humankapital zu bilden«. Damit die qualifizierten Fachkräfte indes auch zum Bevölkerungswachstum beitragen, hält Charlotte Höhn vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung drei Dinge für notwendig. Gestützt auf Umfragen, nennt sie eine gute Kinderbetreuung sowie Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten.
Für erhebliches Konfliktpotenzial dürfte die Frage sorgen, wie die Infrastruktur entwickelt wird und ob manche Regionen quasi abgekoppelt werden. »Gegenden, wo kaum noch jemand wohnt, brauchen keine 30 Meter breite Straßen«, sagt Seitz. Bernhard Müller vom Institut für Ökologische Raumentwicklung verlangt, Wohnungen und Gewerbestandorte nur noch auf früher bereits genutzten Flächen anzusiedeln und den Verbrauch neuer Flächen auf Null zu reduzieren. Probleme sieht er für den öffentlichen Nahverkehr, besonders aber auch für Ver- und Entsorgungssysteme bei Wasser oder Strom. Dort seien dezentrale Lösungen nötig und höhere Gebühren zwangsläufig. Müller hält sogar eine »Aufgabe des Prinzips gleichwertiger Versorgung« für denkbar.
Wie lange die Erkenntnisse der Fachleute brauchen, bis sie aus Gutachten in praktische Politik umgesetzt werden, ist offen. Stanislaw Tillich, Chef der sächsischen Staatskanzlei, lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Devise des kontrollierten Schrumpfens im nächsten Landesetat niederschlagen wird. In vielen Kommunen, konstatieren Fachleute, werde die Entwicklung dagegen »zum Teil einfach ignoriert«. Wie kostspielig das sein kann, weiß man in Dresden inzwischen gut. Jahrelang wurden große Abwasseranlagen gefördert. Bald, räumt Tillich ein, müsse Geld investiert werden, um überdimensionierte Kanäle wieder abzureißen.

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25.04.2004
Sachsen-Anhalt: 15-Jährige: "Wir sehen hier keine Perspektive"
Eine Zukunft in Sachsen-Anhalt scheinen Schüler nicht zu sehen. In zwei neunten Klassen des Salzwedeler Käthe-Kollwitz-Gymnasiums wollen 90 Prozent der Jugendlichen das Bundesland verlassen. Fehlende Ausbildungsplätze und der Rückbau der sozial-kulturellen Infrastruktur führen sie als Gründe an. Ab morgen wird sich eine Landes-Bevölkerungskonferenz in Stendal mit dem Thema auseinander setzen.
"Wir sehen hier keine Perspektive. Deswegen wollen wir gehen", meint die 15-jährige Kristi. Keine spontane Idee, sondern durchaus ernsthafte Lebensplanung. Die Jugendlichen sind enttäuscht von der gegenwärtigen Politik. Nicht nur, weil ihr Gymnasium auf Grund sinkender Schülerzahlen geschlossen wird. Ausbildungsplätze und gut bezahlte Jobs fehlen ebenso wie Jugendklubs, Streetworker oder ein ansprechendes kulturelles Leben. Und natürlich eine Autobahn. "Die bringt Arbeitsplätze", ist sich Johanna sicher.
In den vergangenen Wochen hat sie sich wie die anderen 51 Schüler der 9b und 9c des Kollwitz-Gymnasiums ausführlich mit dem Thema Abwanderung und Geburtenrückgang beschäftigt. Fazit der Schüler: "Deutschland stirbt aus, wenn sich die Politik nicht ändert", formuliert es Johanna. Erst vor zwei Wochen haben sie darüber mit Finanzminister Karl-Heinz Paqué diskutiert. Zwei Stunden lang. Aus ihrer Sicht hätten sie aber keine zufrieden stellenden Antworten erhalten. "Das war alles so glatt", schätzt Kristi rückblickend ein. Ihr Lebensplan steht fest: Abitur und dann nach Möglichkeit in Süddeutschland Jura studieren und dort ein eigenes Leben aufbauen. Nicht untypisch für altmärkische Jugendliche.
Die Altmark ist eine aussterbende Region. Sie wird bis zum Jahr 2020 voraussichtlich mehr als 41000 Einwohner verlieren. Das wären etwa ein Fünftel weniger. So die aktuelle Prognose des Statistischen Landesamtes. Vor allem bei der Altersgruppe der unter 20-Jährigen würde es einen kräftigen Aderlass geben. Bis zu sechs Prozent weniger wird prognostiziert.
Jedoch ist die Altmark längst nicht der am schlimmsten betroffene Landstrich in Sachsen-Anhalt. Für Dessau, das Mansfelder Land, Bitterfeld und Aschersleben-Staßfurt wird ein Bevölkerungsschwund von mehr als 23 Prozent prognostiziert. Eine Entwicklung, die auf der morgen in Stendal beginnenden Landeskonferenz zur Demografie eine gewichtige Rolle spielen wird. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer wird über Notwendigkeiten der Landespolitik sprechen. Landes-Bauminister Karl-Heinz Daehre will "Handlungsansätze für eine zukunftsfähige Strukturpolitik" vorstellen.
Der Konferenzort ist gut gewählt. Stendal gilt als die Stadt mit dem dritthöchsten Wohnungsleerstand in Ostdeutschland.

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25.04.2004
Frankfurt (Oder): Abriss im Baumschulenweg beginnt
Am Mittwoch beginnen die Entkernungsarbeiten im Wohnblock Baumschulenweg 1 bis 4. Das Haus soll ab dem 3. Mai abgerissen werden. Darüber hat die Wowi am Dienstag informiert. Weitere Abrissarbeiten der Wohnhäuser Baumschulenweg 12 bis 14, 5 bis 8, 19 bis 22 und 65 bis 70 folgen und sollen bis September abgeschlossen sein. Damit werden in diesem Bereich insgesamt 252 Wohnungen abgerissen. Auf den entstehenden Freiflächen wird vorerst Rasen ausgesät. Nach Aussage der Wowi haben die Mieter, die ihre Wohnungen wegen der Abriss-Maßnahmen verlassen mussten, hauptsächlich im gleichen Wohngebiet ein neues Zuhause gefunden.
Die Gesamtzahl der Wohnungen, die in Frankfurt bis zum Jahr 2015 abgerissen werden, wird sich mit der Fortschreibung des Stadtumbaukonzepts wahrscheinlich weiter erhöhen. Wie Baudezernent Peter Edelmann auf einem Workshop des Stadtentwicklungsausschusses erklärte, gehen Verwaltung und Stadtplaner mittlerweile davon aus, dass bis 2010 rund 7500 Wohungen abgerissen werden, weitere 2000 in den folgenden fünf Jahren. Dennoch wird es weiter Wohnungsleerstand geben, wenn der Bevölkerungsrückgang anhält. Zum Jahresende 2003 lebten 66 300 Menschen in Frankfurt. Diese Zahl war in einer Landesprognose aus dem Jahr 2001 erst für 2008 erwartet worden.

www.moz.de

25.04.2004
Waltershausen: Rückbau mit Komplikationen
Einige Mühen hat sich und einem Teil ihrer Mieter die Baugesellschaft Waltershausen aufgehalst. Anfang Juni soll in der Clara-Zetkin-Straße im Rahmen des Stadtumbaus mit Rückbaumaßnahmen in der Clara-Zetkin-Straße begonnen werden.
Die Besonderheit: Während die Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (WSG) in der Clara-Zetkin-Straße 5 - 8 Tabula rasa macht, bereitet die Baugesellschaft in den Aufgängen einen Teilrückbau unter bewohnten Bedingungen vor. Ein bislang einmaliges Vorhaben, so Geschäftsführer Jürgen Zwätz. Denn: Die beiden oberen Geschosse der Clara-Zetkin-Straße 9 bis 12 sollen abgetragen werden. Sicherheitshalber wurde das darunter liegende Geschoss geräumt, für die bisherigen Bewohner gab es alternative Wohnungsangebote. Die Mieter der ersten drei Etagen der Aufgänge bleiben im Haus.
Ihnen steht nun jeweils eine zehntägige Phase vor, in denen die Mieter zwischen 7 Uhr morgens und 18 Uhr abends ihre Treppenaufgänge nicht benutzen können. "Wir unternehmen alles, um uns um die Betreuung der Bewohner zu kümmern", verspricht Zwätz.
Für zwei ältere Mieter stehen Ein-Raum-Wohnungen zur Verfügung. In der Heinrich-Heine-Straße richtet die Baugesellschaft einen Aufenthaltsraum ein, in dem beispielsweise Schulkinder ihre Hausaufgaben erledigen und sich die betroffenen Mieter tagsüber aufhalten können. Nur an den Wochenenden können sie uneingeschränkt ihre Zeit im Haus verbringen.
Pro Aufgang soll diese Belastung etwa zehn Tage dauern. Begonnen wird in der Nummer zwölf, dann folgen die Aufgänge elf, zehn und neun.
Sobald der Abriss in einem Teil erledigt ist, beginnen die Dacharbeiten - dann allerdings ohne Einschränkungen für die Mieter. Angebracht werden auch neue Balkons. Bis September sollen so die vier Aufgänge erledigt sein. Geschäftsführer Jürgen Zwätz ist sicher: "Das wird einer der schönsten Blöcke von Ibenhain."

www.tlz.de

25.04.2004
Berlin: Verlierer: Zahlungskräftige Mieter verlassen Kiez um die Havemannstraße
Im Problemkiez um die Havemannstraße im Marzahner Norden ist derzeit Berlins größtes Stadtumbau-Ost-Projekt "Ahrensfelder Terrassen" im Gange. Kräne drehen sich, Bagger laden zermalmte Platten von Elfgeschossern auf Transporter. Ob der soziale Abstieg ursächlich mit dem Rückbau oder Abriss der entvölkerten Plattenhäuser zu tun hat, ist umstritten.
Torsten Preussing vom Bewohnerbeirat Nordost findet es bedauerlich, dass sein Kiez "jetzt so abqualifiziert wird". Er gibt dem Stadtumbau Ost, der ja eine gute Sache sei, aber Mitschuld an der Misere. Das Projekt sei viel zu spät in Gang gekommen. "Viele Leute, die Geld und Arbeit hatten, sind aus den 1670 Wohnungen in den Blocks, die zurückgebaut werden, in Marzahn-Hellersdorf umgezogen oder ganz aus dem Bezirk verschwunden", sagt Preussing.
Doch er sieht Land: Wenn die drei- bis sechsgeschossigen Terrassenhäuser mit 409 Zwei- bis Vierraum-Wohnungen und Quadratmetermieten von rund fünf Euro (kalt) am Jahresende fertig seien, werde sich die Situation entschärfen. Dass da begüterte Leute einziehen wollen, zeige sich daran, dass kleinere Wohnungen nicht ganz so gefragt wie große sind.
Erika Kröber, Sprecherin der WBG Marzahn/Degewo, rechnet nicht damit, dass die aktuelle soziale Schieflage zu spürbaren Rücktritten von den knapp 250 Mietvorverträgen führt. Allein für die 45 reservierten Dachterrassen-Apartments stünden 135 Familien aus ganz Berlin auf einer Warteliste. Auch die Altersgruppe 50 plus sei stark an der ruhigen Wohnlage interessiert. Anwohner Hans Fischer sieht trotzdem Gefahren: "Hoffentlich ziehen nun nicht viele Interessenten ihre Bewerbungen zurück." Gerda Mahler deutet auf den Osten der Havemannstraße: "Hinter der Straßenbahnlinie wohnen sehr viele Übersiedler und Vietnamesen", sagt die 50-Jährige. Die belasteten das soziale Gefüge. Paul Wendt sagt: "Hier geblieben sind viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger." Die Einkaufspassage, die das Glanzstück im Kiez sein sollte, werde jetzt von Ramschläden erobert.

www.welt.de

24.04.2004
Aderlass an Einwohnern
Die neuen Bundesländer werden weiter dramatisch Bewohner verlieren.
„Nach unser neuesten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nimmt die Zahl im Jahr 2020 auf zwölf Millionen ab“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, Johann Hahlen, zu FOCUS.
Ende 2001 hatten die fünf neuen Länder ohne Berlin noch 13,7 Millionen Einwohner. Nach den bisher unveröffentlichten Zahlen verliert der Osten allein eine Million Einwohner durch Abwanderung, den Rest, weil mehr Menschen dort sterben als geboren werden. Dem Osten bricht gleichzeitig die Jugend weg. Die Zahl der unter 20-Jährigen sinke bis 2020 um 28 Prozent, so Hahlen, im Westen aber nur um 14 Prozent.
„Der Ost-West-Unterschied hat sich in den letzten Jahren immer weiter zugespitzt. Ostdeutschland zeigt uns im Zeitraffer, was auch in Teilen Westdeutschlands ablaufen wird“, erklärte Ralf Ulrich, der auf dem bekannten Bielefelder Demographie-Lehrstuhl die Nachfolge von Herwig Birg antreten soll. „Die Länder, die viele junge Leute verlieren, könnten von Bayern und Baden-Württemberg vielleicht zukünftig eine Kompensation fordern – zum Beispiel im Länderfinanzausgleich“, meint Ulrich. Vielleicht müsse sogar das Grundgesetz geändert werden: „Es ist nicht klar, wie lange die Gleichheit der Lebensverhältnisse für

aktuell.focus.msn.de

24.04.2004
Die demographische Zeitbombe tickt immer schneller
Das Schlimmste an der Entwicklung ist, dass man so gut wie nichts mehr daran ändern kann. Wenn nicht ein Wunder geschieht und jedes Pärchen in Deutschland demnächst mindestens zwei Kinder in die Welt setzt, drohen langfristig gesellschaftliche Konflikte unbekannten Ausmaßes. Das erwarten jedenfalls Demographen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler angesichts der unaufhaltsamen Alterung der Bundesbürger.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Montag ist das Geburtendefizit 2003 erneut um 23.000 auf 143.000 Menschen angewachsen. Das ist Teil einer Entwicklung, die bereits seit 33 Jahren anhält. 1971 war das letzte Jahr, in dem in Gesamtdeutschland ein Geburtenüberschuss verzeichnet wurde. Nach den Vorausberechnungen der Wiesbadener Behörde werden im Jahr 2050 in Deutschland knapp 600.000 Menschen mehr sterben als geboren.
Martin Textor vom Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik hat zahlreiche Gründe hierfür zusammengetragen. Zum einen verführt der wachsende Wohlstand die Menschen zunehmend zu Egoismus. Statt Kinder für teures Geld zu erziehen, behält man das Geld und konsumiert. Hinzu kommen zahlreiche soziokulturelle Ursachen: Single-Dasein und bewusster Verzicht auf Kinder werden gesellschaftlich akzeptiert, an jeder Ecke sind Verhütungsmittel zu haben, und man beschränkt die Kinderzahl, «damit die Ich-Entfaltung nicht zu sehr durch die Erziehungsaufgabe behindert wird», heißt es bei Textor.
Aber auch wenn das Wunder geschähe, wieder mehr Kinder geboren würden und jährlich noch 150.000 junge Leute aus dem Ausland einwanderten, ließe sich das Problem nur auf lange Sicht ausräumen. Weil nämlich die in den vergangenen 33 Jahren nicht Geborenen heute als potenzielle Eltern fehlen, «könnte auch die beste Familienpolitik mangels Adressaten das Blatt nicht wenden», schrieb der Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg kürzlich im Online-Dienst FAZ.NET.
Die Folge der Überalterung wird somit ein hoher Bedarf an Sozialkosten sein, insbesondere zur Versorgung der Alten. Denn die Experten rechnen damit, das bereits 2030 die Hälfte der Bürger in Deutschland älter als 55 Jahre sein und noch 25 bis 30 Lebensjahre vor sich haben wird. Bezahlen müssen das die Jungen mit hohen Renten- und Kassenbeiträgen. Der Wirtschaftswissenschaftler Meinhard Miegel befürchtet sogar eine Gefährdung der Demokratie, weil er mit dem Widerstand der Arbeitenden gegen allzu hohe Belastungen rechnet. Der Soziologe Reimer Gronemeyer warnt gar vor einem «Generationenkrieg».
Birg sieht darüber hinaus weitere Konfliktlinien, die auf die Menschen zukommen:
- Die Abwanderung junger Leute von Ost- nach Westdeutschland bedroht die demographische Substanz in den neuen Ländern.
- Die nichtdeutsche Bevölkerung wird in vielen Großstädten einen Anteil von 50 und mehr Prozent erreichen.
- Es droht eine Spaltung der Gesellschaft in Kinderlose und Familien mit Kindern, weil letztere neben dem finanziellen den viel wichtigeren «generativen Beitrag» zur sozialen Sicherung in Form der Erziehung künftiger Beitragszahler leisten.
Und nicht zuletzt warnt Birg vor einem globalen Alterungsproblem. Weil die Menschen auch in China und Amerika demnächst immer länger leben und mit wachsendem Wohlstand auch in den Schwellenländern die Geburtenrate zurückgehen wird, könnte die kapitalgedeckte Vorsorge für das Alter - der einzige Ausweg aus der Versorgungsfalle - weltweit knapp werden. Da die internationale Konkurrenz um renditeträchtige Kapitalanlagen sich zu verschärfen drohe, wird laut Birg «demographisch bedingter Verteilungsstress die Welt von morgen in kaum gekannter Weise prägen».

de.news.yahoo.com

24.04.2004
Wilhelmshaven: In der City soll wieder das Leben toben
Mit einem bereits eingeleiteten „Stadtumbau“ reagiert Wilhelmshaven auf den starken wirtschaftlichen Strukturwandel und die rückläufige Bevölkerungsentwicklung: „Wir wollen die Menschen wieder in die Innenstadt holen und die City insbesondere durch junge Familien mit Kindern wieder lebendig machen“, sagte Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) gestern am Rande einer Fachtagung im Forschungsgebiet „Stadtumbau West“, die vom Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen und vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung veranstaltet wurde. Wilhelmshaven gehört zu den bundesweit 16 Städten, in denen Lösungsmöglichkeiten für den Stadtumbau erprobt werden.
Eines der Ziele in Wilhelmshaven ist es nach den Worten Menzels, „die Innenstadt noch näher an das Wasser zu ziehen“. Dazu wird ein Konzept für die Anschlussnutzung von Grundstücken und Gebäuden entwickelt, die beispielsweise von der Marine oder von Unternehmen nicht mehr genutzt werden. Auch Abriss kann dabei eine Lösung sein, wobei Menzel generell auf Anreize für private Investoren setzt: „Wir können uns keine Billig-Lösungen leisten. Nur durch Qualität kann man Aufmerksamkeit für die Stadt erzeugen und sie für die Menschen attraktiv machen.“
Die Stadt hat eine Marketing-Kampagne zur Vermarktung zukünftiger Neubaugebiete begonnen. Zielgruppe sind u. a. die täglich rund 9000 „Einpendler“ aus dem Umland, die in Wilhelmshaven arbeiten. Darüber hinaus werden externe Studenten an der Fachhochschule mit speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Wohnungsangeboten gelockt; es gibt auch Wohnungsangebote für allein erziehende Mütter. Unter dem Motto „Service im Alter“ ist in einem Stadtteil ein Projekt aufgelegt worden, das Senioren so lange wie möglich das Wohnen in vertrauter Umgebung ermöglichen soll.
Der vorsichtig eingeleitete städtebauliche Umbruch eröffne „große Chancen zur Steigerung der Lebensqualität“, sagte Dr. Wolfgang Preibisch vom Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen. Notwendig sei breite Bürgerbeteiligung.

www.nwz-online.de

24.04.2004
Freital: Guten Morgen, Herr Zille
Der Ballsaal des Goldenen Löwen in Freital wurde vor kurzem abgerissen. Nun soll auch das Gebäude, in dem einst Heinrich Zille zur Schule ging, dem Erdboden gleich gemacht werden. Dazu schreibt Günter Siebert aus Freital:
Einen guten Morgen wünscht der Goldene Löwe der Heinrich-Zille-Schule in Freital. Aufgewacht, du FREIES TAL der großen Kulturgeschichte! 300 Meter flussaufwärts schließt sich das Wilhelmine-Reichard-Haus den guten Wünschen an. 1997 war das Reichard-Haus eine schlimme Ruine. Ihre Eigentümerin hatte eine Abrissgenehmigung mit dem „grünen Stempel“ – und eine eigene Abrissfirma. Heute strahlt das Reichard-Haus als vermutlich weltältestes Haus der Luftfahrtgeschichte weit über Deutschlands Grenzen. Es ist eine Zierde für unsere Stadt.
Und das Zille-Haus? Es soll abgerissen werden. Warum? Ist es baufällig oder gefährlich? Keineswegs, es ist kerngesund, aber alt. Um es für kommende Generationen zu bewahren und zu konservieren, würden nur geringe Mittel gebraucht, viel weniger als für den Abriss. Für einen Abriss, der aus dem Bundesprogramm „Stadtumbau Ost“ bezahlt werden soll. Die Bundesregierung hat diesen Fonds aufgelegt, um mit ihm die Städte aufzubauen, nicht abzureißen. Durch dieses Programm sollen die Städte an Wert gewinnen, nicht blindlings abgerissen werden und ihrer Geschichte beraubt werden. Das Geld ist zweckgebunden! Wie könnte es besser angelegt werden als für die Erhaltung von Zilles Schulhaus, eines stolzen Baus aus Freitals früher Industriegeschichte. Weit und breit sucht es seinesgleichen, in Dresden steht kein Zille-Haus mehr.
Ein weiterer buchstäblicher Anziehungspunkt in unserer Stadt könnte das Haus sein, in dem Zille zur Schule ging. Es hätte nicht nur Geschichte, sondern auch Charakter, Flair, Ausstrahlung. Vielleicht als Wohnanlage „Zilleblick“, im Grünen, mitten in der Stadt und sogar hochwassersicher.
Die untere Denkmalschutzbehörde hat genehmigt, Zilles Schulhaus abzureißen (SZ 31.3. und 13.4.2004). Schade, dass Herrn Greifs Landratsamt in Dippoldiswalde mit einem Zille-Haus in der Großen Kreisstadt Freital nichts anzufangen weiß.
Hat die Stadt Freital dem privaten Eigentümer genehmigt, Zilles Schule abzureißen? Wenn ja, warum nur? Haben wir zu viele attraktive Zeugnisse unserer überregionalen Kulturgeschichte? Oder wusste keiner der Spitzenbeamten und städtischen Fachleute, was er genehmigt? Das soll schon mal vorgekommen sein, damals, als 1994 das Zille-Wohnhaus in Freital abgerissen wurde. Warum will die Stadt „… für den Abriss (des) ehemaligen Schulgebäudes … keine Verantwortung übernehmen“ (SZ 31.3.), wo sie die doch gemäß Sächs. Bauordnung hat?
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23.04.2004
Magdeburg:  Im "Feld" fällt jetzt der dritte 16-Geschosser
Nächste Woche beginnt Wobau mit dem Abriss des leer stehenden Hochhauses im Milchweg
Der Kran ist das untrügliche Zeichen: Jetzt wird es ernst im Milchweg 30. In der kommenden Woche beginnt der Abriss des zum Jahreswechsel entkernten Hochhauses. Während der zweite der "beiden Gleichen", der 16-Geschosser der Genossenschaft "Otto von Guericke", frisch saniert wurde, nimmt die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ihren einstigen Wohnturm vom Markt. 132 Wohnungen beherbergte der Plattenbau.
Es ist der dritte 16-Geschosser, den die Wobau im Neustädter Feld abreißen lässt. Verschwunden sind bereits zwei baugleiche Typen in der Resewitz- sowie in der Othrichstraße. Der Abriss erfolgt im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms und wird mit Geld von Bund und Land gefördert.
Das Hochhaus kann aber nicht von heute auf morgen in Bauschutt verwandelt werden. Bis zur 7. Etage wird der Wohnturm stufenförmig Platte für Platte abgetragen. Erst dann geht es mit der so genannten Abriss-Zange vergleichsweise zügig voran: Die Abriss-Zange "knabbert" sich durch den verbleibenden Rumpf. Das Ganze wird nach Auskunft der Wobau bis zum 30. September dauern.
Nach dem Gebäudeabriss wird der Keller verfüllt. Am Ende wächst buchstäblich Gras darüber. Die Fläche soll begrünt werden, erklärte gestern die Wobau auf Volksstimme-Nachfrage.

www.volksstimme.de

23.04.2004
Finsterwalde: "Wir wollen die Leute in die City locken"
 "Beseitigung städtebaulicher Sünden der Vergangenheit". So charmant umschrieben hören sich Abriss und Altstadtsanierungen sehr verträglich an. Dahinter verbirgt sich das Programm Stadtumbau Ost der Bundesregierung, mit dessen Hilfe Städte in den neuen Ländern wieder lebenswert und attraktiv gestaltet werden sollen. Mit 2,7 Milliarden Euro von Bund, Ländern und Kommunen werden in den Jahren 2002 bis 2009 Gemeinden, Wohnungswirtschaft und potenzielle Wohnungseigentümer unterstützt, die ihre Stadt verschönern wollen. "Rückbau" heißt eines der Zauberwörter, gemeint ist damit schlichtweg das Entfernen von überflüssigen Plattenbauten. Eine Millionen Wohnungen stehen zurzeit im Osten Deutschlands leer, bis 2010 sollen 350 000 von ihnen abgerissen werden.
Im brandenburgischen Finsterwalde setzt Bürgermeister Johannes Wohmann  darauf, die Bevölkerung von der Platte ins Stadtzentrum zu locken. "Wir wollen die Leute in der Stadtmitte, hier soll es brodeln." Wohmann befürchtet einen Verfall und eine Auflösung der Innenstadt. "Das ist wie, wenn man abnimmt: Wer Kilos verliert, braucht eine engere Hose. Wir verlieren Bewohner, müssen also unsere Stadt verdichten." Wer privaten Wohnungsbesitz mitten in der Stadt fördert, bekommt ebenfalls Mittel aus dem Topf vom Stadtumbau Ost. Auch für die "Revitalisierung städtebaulich wertvoller Quartiere" ist Geld eingeplant. Hierfür wurden die Zulagen für Modernisierungen von Mietwohnungen in Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden vom Staat erhöht.
In der Stadtverwaltung Finsterwalde scheint es den Verantwortlichen mit dem Stadtumbau nicht schnell genug zu gehen. Bauamtsleiter Zimmermann klagt: "Die Wohnungsunternehmen sehen das Problem noch nicht so dringend. Leider haben wir wohl noch nicht genug Leerstand, um endlich mit dem Abriss beginnen zu können." Perspektivisch sei es aber klar, dass Platten in bestimmten Gebieten in Finsterwalde der Abrissbirne zum Opfer fallen. Wohmann und Zimmermann sind sich einig: 120 Wohnungen sollen insgesamt 2004 und 2005 verschwinden.
Davon ist Ullrich Witt, kaufmännischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde, nicht überzeugt. Gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft sträubt er sich gegen die Rückbau-Pläne. "Uns kann niemand zum Abriss zwingen. Wir entscheiden allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und da macht es jetzt überhaupt keinen Sinn." 2 862 Wohnungen gehören der Wohnungsgenossenschaft, alle vollsaniert. Etwa 13,5 Prozent stehen davon derzeit leer. 60 Millionen Euro steckte die Genossenschaft in den vergangenen Jahren in die Modernisierung ihrer Wohnungen. Grünanlagen wurden gebaut, Fahrstühle und Balkone instaliert. "Das ist unser Beitrag zum Aufbau Ost", sagt Witt.
Laut dem Verband der deutschen Wohnungsunternehmen flossen von 1992 bis 2002 knapp 60 Milliarden Euro in die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden in den neuen Ländern. Mit dem Stadtumbaukonzept wird den Wohnungsunternehmen nun mit einer doppelten Belastung gedankt. In Finsterwalde müsste die Wohnungsgenossenschaft nach den Kosten für die Instandsetzung nun auch noch die Kosten eines Abrisses tragen. Ein Rückbau von ganzen Blöcken würde das Unternehmen in den finanziellen Ruin stürzen. "Wir wollen nicht die Existenz der Wohnungsunternehmen gefährden", hat Bürgermeister Wohmann Verständnis für die Situation. "Aber die Zeit drängt." Vorerst ist das Programm Stadtumbau Ost bis 2009 festgelegt. Bis dahin sind die Fördergelder sicher. Was danach kommt, weiß heute noch niemand.
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24.04.2004
Landflucht und Bankrott
Die ostdeutschen Städte und Gemeinden steuern in den nächsten Jahren auf eine finanzielle Katastrophe zu. "Die Situation ist dramatisch", sagte der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Klaus Jeziorsky (CDU), der Berliner Zeitung. "Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geht immer weiter auseinander." Die Lücke in ihren Haushalten schließen die Kommunen durch Schulden. Das ist zwar rechtswidrig, denn für laufende Ausgaben dürfen sie keine Kredite aufnehmen. Doch die Kommunalaufsicht in den zuständigen Innenministerien drückt beide Augen zu: Schließlich weiß niemand, wo das fehlende Geld herkommen soll.
Jeziorsky zufolge wird die Entwicklung durch den Bevölkerungsrückgang im Osten noch beschleunigt. "Die Einwohnerverluste führen automatisch zu geringeren Einnahmen", sagte der Minister. "Die Belastung auf der Ausgabenseite aber bleibt."
Schon 2004 geben die Kommunen in den neuen Ländern eine Milliarde Euro mehr aus, als sie einnehmen. Dies schätzt die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. In den nächsten zehn Jahren wird sich das Defizit noch deutlich vergrößern. "Eine Verdreifachung ist sicher nicht zu hoch gegriffen", sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher, dieser Zeitung.
Der Grund für das immer größer werdende Minus: Wegen der Abwanderung und der Überalterung der Bevölkerung zahlen immer weniger Bürger Einkommen- und Umsatzsteuer. Schon heute beziehen die Ost-Kommunen nur 16,6 Prozent ihrer Einnahmen aus Steuern. Zum Vergleich: Im Westen sind es 38,2 Prozent. "Den Kommunen im Osten fehlt die wirtschaftliche Basis", erklärt Martin Rosenfeld, Regionalforscher am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. "Sie sind deshalb extrem abhängig von Finanzzuweisungen."
Doch auch diese Gelder werden immer weniger. Denn die Transferleistungen bemessen sich an der Zahl der Einwohner - je weniger Menschen, desto weniger Zuweisungen. Der Effekt ist dramatisch: Schließlich stammen von den geschätzten Gesamteinnahmen der Ost-Kommunen in Höhe von 25 Milliarden Euro in diesem Jahr knapp 15 Milliarden Euro vom Bund oder von den Ländern. Selbst wenn nur ein Teil dieser Mittel fehlt, geraten die kommunalen Haushalte in arge Bedrängnis.
Verschärft wird das Problem dadurch, dass die Städte und Gemeinden im Osten immer mehr Geld ausgeben müssen. Allein in diesem Jahr steigen die Ausgaben um 2,5 Prozent, im Westen sind es dagegen nur 1,0 Prozent. Besonders teuer sind für die Kommunen die Sozialleistungen: Hier beträgt der Kostenzuwachs in den neuen Ländern sogar sechs Prozent - im Gegensatz zu 4,4 Prozent in Westdeutschland. "Sozialhilfe, Wohngeld, die gesamte Unterstützung für sozial Schwache - das müssen alles die Kommunen bezahlen", sagt Böttcher.
Beispiel Dresden: Die Stadt muss Jahr für Jahr sieben Prozent mehr Mittel für Soziales aufwänden - während die Einnahmen heute auf demselben Niveau liegen wie 1998. "Das mathematische System ist noch nicht erfunden, das da nicht zusammenbricht", sagte der Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP). Wegen der fehlenden Mittel sieht er für die Kommunalpolitik kaum noch Gestaltungsspielräume. "Ich bin in weiten Teilen handlungsunfähig geworden", sagte Roßberg. Der Grund für die Misere liege vor allem in den Bundesgesetzen: "Wir müssen die Sozialhilfe auszahlen, aber wir haben keinen Einfluss darauf, wie hoch sie ist", empört er sich. "Es kann doch nicht angehen, dass uns deshalb das Geld fehlt und wir eine öffentliche Einrichtung nach der anderen zumachen müssen."
Dabei geht es Dresden noch verhältnismäßig gut. Andere Regionen mit sinkenden Einwohnerzahlen haben noch ganz andere Probleme. So führt die Abwanderung der meist jungen Menschen dazu, dass der Bevölkerungsanteil der Rentner stärker als im Westen steigt. Alte Menschen nehmen jedoch mehr öffentliche Dienstleistungen in Anspruch, zum Beispiel für Pflege und Gesundheit.
Darüber hinaus sorgt die Abwanderung für so genannte Rückinvestitionskosten - zum Beispiel beim Abriss von leer stehenden Plattenbauten. Dennoch müssen die Kommunen die öffentliche Infrastruktur weiter aufrecht erhalten. "Ob ein Schulbus voll oder halb leer fährt: Die Kosten bleiben die gleichen", sagte Verbandsfunktionär Böttcher.
Wirtschaftsexperte Rosenfeld sieht das ähnlich: "Die Infrastruktur kann man nicht von heute auf morgen zurückbauen, vor allem nicht im ländlichen Raum." Auf längere Sicht hingegen würden ganze Landstriche verlassen. "Manche kleinere Siedlung wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben."

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23.04.2004
Tendenzen zur Verödung
"Kinder kriegen die Leute immer", hat Konrad Adenauer gesagt. Das ist lange her. Heute wissen wir, dass der erste deutsche Bundeskanzler irrte. In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren - statistisch 1,37 pro Frau. Ohne Zuwanderung liegt das so genannte Ersatzniveau aber bei 2,1 Kindern pro Frau.
Immerhin einen Landkreis gibt es in Deutschland, wo diese Zahl fast erreicht wird: Cloppenburg in Westniedersachsen. Dort bringt jede Frau im statistischen Schnitt 1,92 Kinder zur Welt. Eine schlüssige Erklärung hatte Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, das diese Zahlen gestern in der Demografiestudie "Deutschland 2020" vorlegte, nicht. Er konnte nur Ansätze nennen: Die Bevölkerung im Kreis Cloppenburg sei überwiegend konservativ, viele Menschen seien katholisch, es gebe einen hohen Anteil an Auslandsdeutschen.
An der viel beschworenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann der Kinderreichtum jedenfalls nicht liegen. In Cloppenburg ist nur gut jede dritte Frau berufstätig; das Angebot an Kindergartenplätzen liegt mit 43 pro 100 Kinder unter dem deutschen Durchschnitt. Zum Vergleich: Im thüringischen Gera, wo als einziger Stadt in Deutschland rein rechnerisch für jedes Kind ein Betreuungsplatz zur Verfügung steht, bringen die Frauen im Mittel nur 1,12 Kinder zur Welt. Im Landkreis Cloppenburg fiel den Statistikern auch auf, dass der Bildungsstand der erwerbstätigen Frauen besonders niedrig ist. Lediglich 2,6 Prozent von ihnen verfügen über einen Fach- oder Hochschulabschluss. Der häufigste Weg in die Kinderlosigkeit führe in Deutschland über die Universität, formuliert eine Expertin.
Das Zahlenwerk der Wissenschaftler macht klar: Die Hoffnung der Republik liegt im Süden. Von den 20 zukunftsfähigsten Kreisen gehören 13 zu Bayern und sechs zu Baden-Württemberg. Hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen Wirtschaftskraft und Bevölkerungsentwicklung. Der Spitzenreiter, der Landkreis Eichstätt, liegt vor den Toren der Audi-Metropole Ingolstadt. Auch in Stuttgart hat, wie die Wissenschaftler formulieren, "die Zukunft ein Zuhause". Die florierende Wirtschaft hat sehr viele Migranten angelockt. Inzwischen sitzen Türken, Russen und Kroaten auch in den Behörden.
Die fünf Schlusslichter unter den Landkreisen sind allesamt Leidtragende des Zusammenbruchs traditioneller Industrien. Am Schlimmsten hat es den thüringischen Landkreis Altenburger Land erwischt, wo viele Menschen Jahrzehnte lang vom Braunkohleabbau lebten. Aber auch Gelsenkirchen im Ruhrgebiet muss gewaltig bluten. Dort werden nun die Erfahrungen beim "Stadtumbau Ost" - also dem Abbau von Wohnblöcken - genutzt.
Das Ruhrgebiet ist insgesamt die größte Abstiegsregion in Westdeutschland. Im Jahr 2020 werden dort voraussichtlich nur noch 4,8 Millionen Menschen leben - fast eine halbe Million weniger als im Jahr 2000. Institutsdirektor Klingholz sieht als einen Grund für die deprimierende Entwicklung die enormen Subventionen, die der Staat in den 80er Jahren in die Steinkohleindustrie gesteckt hat. So sei verhindert worden, dass sich innovative Industrien ansiedeln. "Der Versuch, die langfristig sterbende Kohlebranche mit viel Geld am Leben zu erhalten, musste aus den gleichen Gründen scheitern wie in vielen Regionen der Aufbau Ost."
Auch andere Gebiete in Westdeutschland müssen Federn lassen. Seit es die so genannte Zonenrandförderung nicht mehr gibt, befinden sich Südostniedersachsen, Oberfranken und andere Regionen an der einstigen Ost-West-Grenze auf Talfahrt.
Ihre Lage ist fast vergleichbar mit den Randregionen Brandenburgs. Während die Bevölkerungzahl in Potsdam-Mittelmark kräftig steigt und seit 1995 kaum noch Arbeitsplätze verloren gingen, leiden die Uckermark und andere Kreise unter Entleerung und Überalterung. Vor allem Frauen zieht es weg - und damit potenzielle Mütter. Im vorpommerschen Landkreis Randow-Uecker kommen auf 100 Männer zwischen 18 und 30 Jahren nur noch 76 Frauen. Eine Folge der Abwanderung ist die Erosion der Grundversorgung: Keine Schulen, keine Ärzte, keine Schwimmbäder und Diskos. Zum Schluss, so Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur der Zeitschrift "Geo", die sich in ihrer Mai-Ausgabe dem Thema widmet, blieben nur leere Zigarettenautomaten übrig.
Wenigstens einen Vorteil habe die Enleerung, meint Institutsdirektor Klingholz sarkastisch: "Die Natur bekommt ungeahnte Chancen. In der Lausitz haben sich schon zwei Rudel Wölfe angesiedelt."

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23.04.2004
Sachsen-Anhalt: Optimistische Landesregierung: "Aus Abwanderung wird Zuwanderung"
Die Fakten sind bekannt: Sachsen-Anhalt wird bis zum Jahr 2020 voraussichtlich rund eine halbe Million Einwohner verlieren - Zugleich steigt der Altersdurchschnitt von derzeit 43 Jahren auf 49 Jahre. Ohne neue Weichenstellungen könnte das Bundesland sich in ein gigantisches Altenpflegeheim verwandeln, warnten gestern Experten während einer Landes-Bevölkerungskonferenz in Stendal.
Eine nachhaltige Bevölkerungspolitik will die Landesregierung angesichts der trüben Zukunftsaussichten betreiben. Dazu zählt Ministerpräsident Wolfgang Böhmer die Einführung eines "Familienpasses", der Familien mit Kindern finanziell entlasten soll. Zudem sind Gespräche zwischen Landesregierung und Wirtschaft über eine "Familienallianz" geplant, um flexible Kinderbetreuungsangebote zu schaffen. Auch soll sich die Wirtschaftsförderung künftig noch stärker auf die Zentren konzentrieren. Mit dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" aber auch mit der für 2010 geplanten Internationalen Bauausstellung Sachsen-Anhalt sollen Wege für den Erhalt der Städte angesichts massiven Einwohnerschwunds und Überalterung der Bevölkerung aufgezeigt werden.
Böhmer gewann der sich abzeichnenden dramatischen Lage auch noch Gutes ab: Ab 2007 würde es keinen Lehrstellenmangel mehr in Sachsen-Anhalt geben, ab 2010 sogar einen verstärkten Bedarf an spezialisierten Fachkräften. "Dann wird aus Abwanderung Zuwanderung", hieß es gestern während der Bevölkerungskonferenz der Landesregierung. Rund 140 Experten - auch aus Wales, Finnland und den USA angereist - diskutierten in Stendal über "Wirtschaftspolitik im Zeichen des demografischen Wandels".
Den Einspruch von Experten wie vom Volkswirtschaftler Ulrich Pfeifer hörten Böhmer und seine Minister Karl-Heinz Daehre und Horst Rehberger nicht mehr. Sie waren bereits wieder in Richtung Magdeburg entschwunden. Mit ihnen auch der Stendaler Storch, der zunächst tapfer über dem Tagungsort seine Runden gedreht hatte.
"Es ist blanke Illusion, dass es nach 2012 Zuwanderung in Sachsen-Anhalt geben wird", erklärte Pfeiffer während eines Workshops. Das Bundesland müsse sich dem Wettbewerb mit Boom-Regionen wie der von München stellen. "Diese Regionen werden um Zuwanderung kämpfen, auch mit dem Lockmittel höherer Löhne", ist sich der Experte sicher. Er warnte davor, die demografischen Probleme auf die lange Bank zu schieben. "Wir haben ein Zeitfenster von höchstens zehn Jahren, dann ist kaum noch was zu retten", so Pfeiffer.
Was ist zu tun? Nach Ansicht von Professor Gunter Steinmann von der Martin-Luther-Universität Halle ist aktive Bevölkerungspolitik notwendig. Kurz gesagt: Eltern mit Kindern werden finanziell belohnt. Familiensplitting wie in Frankreich, finanzielle Freistellung von der Kinderbetreuung bis zum 18. Lebensjahr, Gesamtschulen und von den Studenten zu tragende Studiengebühren listete Professor Steinmann auf.
Der Hallenser lief damit bei Jens Bullerjahn, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, offene Türen ein. "Vieles deckt sich mit dem, was ich selber in meiner Studie ,Sachsen-Anhalt 2020 - Einsichten und Perspektiven' festgestellt habe", erklärte Bullerjahn. Für ihn steht fest, dass die Landesregierung noch in diesem Jahr Strategien erarbeiten muss. "Die Zeit läuft uns weg. Ende des Jahres sollten Opposition und Regierung in einen Ideenwettstreit gehen", mahnte Bullerjahn gestern an.

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22.04.2004
Investitionen gegen die Altschulden
Die Erinnerung ist noch da. "Bis vor zwei Jahren war das Wort Abriss unter Strafe gestellt." Doch längst ist aus Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre  auch ein Abrissminister geworden. "Es geht nicht anders. Wir müssen das machen."
Die Ausgangslage ist klar. 200 000 Wohnungen stehen in Sachsen-Anhalt leer, 100 000 davon sollen abgerissen werden. "Geld", sagt Minister Daehre auf einem Forum der CDU in Dessau, "haben wir für 60 000." Der Wettlauf hat begonnen. "Wer jetzt nicht mit der Glocke anfängt, kriegt irgendwann kein Geld mehr."
Doch der Stadtumbau bringt Probleme: "Es gab selten ein Programm, das von der Systematik her weiter weg war von der Realität", kritisiert Stefan Weber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der sächsischen Aufbaubank. Das Geld für den Stadtumbau gibt es über fünf Jahre verteilt, mit geringen Anfangsraten, die die Wohnungsunternehmen zwingen, den Abriss vorzufinanzieren. Mancherorts stockt deshalb der Stadtumbau.
Stefan Weber, ganz Banker, warnt die Wohnungsunternehmen vor dem Warten auf Zuschüsse. "Es wird abgerissen, weil die Wohnungen nicht mehr gebraucht werden." Und: "Der Stadtumbau macht die Städte nicht schöner, nur kleiner", sagt der Sachse und macht sich stark für den flächendeckenden Abriss. "Die fünfte Etage irgendwo rausnehmen, das ist ökonomischer Wahnsinn." Widerspruch kommt sofort: Stadtumbau ist Stadtgestaltung, sagt Jürgen Leindecker vom Städte- und Gemeindebund. In Dessau sieht der Dessauer vor allem ein Problem: die Weitläufigkeit der Stadt. "Es muss eine funktionsfähige Infrastruktur bleiben." Hans-Georg Otto, Dessaus Oberbürgermeister, nimmt zwei Anregungen mit. Fast 1 000 Wohnungen will Dessau 2004 noch abreißen. Wenn rechtzeitig das Geld fließt. Dessau kann, wenn es will, 2004 den Abriss bis zu 500 weiterer Wohnungen beantragen.
Daehre sichert die Finanzierung des Landes zu. Der Bauminister bietet auch Hilfe bei der Zwischenfinanzierung an - über die neue Investitionsbank des Landes. Und Daehre hat noch eine weitere Idee. Investitionen will der Minister gegen Altschulden gegenrechnen. "Das habe ich mir am Wochenende überlegt." Die Wohnungsgesellschaften würden Schulden abbauen, die Investitionen könnten die Wirtschaft ankurbeln. Oberbürgermeister Otto lobt. "Das wäre ein Ausweg."

www.mz-web.de

22.04.2004
Premnitz: Kegelbahnblock kommt weg
In Rathenow sind bereits einige Wohnhäuser abgerissen worden. Nun beginnt dieser weniger geliebte Teil des Stadtumbaus auch in Premnitz. Die Wohnungsbaugenossenschaft Premnitz (WBG) lässt das Gebäude Bunsenstraße 26 bis 29, bekannt als Kegelbahnblock, abreißen. Am Montag war die erste Baubegehung, der Bauzaun wurde errichtet und gestern lief die Entkernung an. Wie Henry Ketter, Technischer Vorstand der WBG, berichtet, wird zunächst die Haustechnik ausgebaut. Fenster, Türen, Rohre, Isoliermaterial und ähnliches kommen heraus, Dachpappe wird entfernt, alles in sortenreine Fraktionen getrennt und abtransportiert.
Spätestens Mitte Mai rückt die schwere Technik an, um den Kegelbahnblock zu beseitigen. Schon nach wenigen Tagen soll das Gebäude dem Erdboden gleich gemacht sein. Ab 24. Mai wird laut Plan die Baugrube gefüllt und anschließend Rasen gesät. "Wir haben uns einen engen Zeitrahmen gesetzt", sagt Henry Ketter, "doch wir bemühen uns, noch schneller zu sein, denn ein leeres Gebäude kostet nur Geld." Erst vor gut 20 Jahren, 1983, ist dieses Gebäude fertig geworden. Es enthält 45 Wohnungen.
Henry Ketter betrachtet den Auftakt für den Abriss in Premnitz mit gemischten Gefühlen. "Das ist schon ein Kuriosum", erklärt er, "wenn wir unser Vermögen vernichten, um dadurch die weitere Existenz des Unternehmens zu sichern." Das sei ganz gewiss nichts, was man feiern könne. Doch es gehe nicht anders.
Premnitz wurde in das Stadtumbauprogramm des Landes aufgenommen und bekommt deshalb speziell für den Abriss 60 Euro für jeden Quadratmeter Wohnraum, der beseitigt wird. "Das ist nicht kostendeckend", erklärt Henry Ketter, "es reicht nur für den rein technischen Abriss." Die WBG hat 1584 Wohnungen in ihrem Bestand und plant, insgesamt 210 Wohneinheiten abzureißen. Theoretisch wäre es möglich, in diesem Jahr alles zu schaffen. Doch die Fördermittel vom Land fließen nicht üppig. So sieht es derzeit danach aus, dass der Kegelbahnblock das erste und einzige Gebäude in der Stadt ist, das in diesem Jahr abgerissen wird.
In der Arbeitsgruppe Stadtumbau, die es in Premnitz gibt, wurde festgelegt, dass die WBG die ersten Abrissfördermittel erhält. Hier waren die Blöcke leer und die Genossenschaft stand seit Monaten Gewehr bei Fuß. Wenn das nächste Mal Fördermittel kommen, erhält sie der größte Vermieter der Stadt, die Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft (PWG). Wie deren Geschäftsführer Dietmar Kästner sagt, wird damit ein Gebäude abgerissen, das im gleichen Gebiet wie der Kegelbahnblock liegt. Der Block Bunsenstraße 46 bis 49 mit 40 Wohnungen wird der zweite sein, der in Premnitz abgerissen wird.

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21.04.2004
Brandenburg: will Wohnungs-Abrisse forcieren
Der Abriss leer stehender Plattenbauten in Brandenburg soll weiter forciert werden. Nach den in seinem Ressort eingegangenen Anträgen aus den Kommunen sei der Abriss von schätzungsweise 55.000 Wohnungen vorgesehen, sagte Bauminister Frank Szymanski auf eine parlamentarische Anfrage. Der dafür erforderliche Finanzbedarf belaufe sich auf mehr als 197 Mio. Euro. Landesweit stehen gegenwärtig über 165 000 Wohnungen vor allem in Plattenbauvierteln leer. Durch die anhaltende Abwanderung wird hier ein weiterer Anstieg befürchtet. Bis Ende 2003 wurden laut Szymanski rund 9000 Wohnungen abgerissen; in diesem Jahr könnten weitere 6000 folgen. Am Stadtumbau Ost beteiligen sich den Angaben zufolge gegenwärtig 24 brandenburgische Städte
www.welt.de

20.04.2004
Braunschweig: Treffen der Wohnungswirtschaft
Was wird eigentlich aus unserer Stadt, wenn doch angeblich alle von einem Häuschen im Grünen träumen? Während des Niedersächsischen Eigentümertages von Haus & Grund suchten Experten nach Lösungen.
Im Gewandhaus am Altstadtmarkt herrschte prächtige Stimmung. Alles was Rang und Namen in der Wohnungswirtschaft hat traf sich dort. 200 Gäste waren erwartet worden, "doch ein Mehrfaches davon", so Braunschweigs Haus & Grund-Vorsitzender Klaus Müller, füllte Foyer und Vortragssäle.
Und dennoch: Für die Wohnungswirtschaft hängt zurzeit der Himmel nicht voller Geigen. Müller berichtet für Braunschweig von einem Wohnungsleerstand "von etwa zehn Prozent". Die Kaltmieten bewegen sich seit Jahren nicht mehr. Das freut zwar die Mieter, bremst jedoch die Investitionsbereitschaft der Vermieter.
Dies sei jedoch nur die Spitze des Eisbergs, berichtet Rüdiger Dorn. Der Präsident von Haus & Grund-Deutschland wird zwar nicht müde zu fordern, "dass sich jeder eine Immobilie zulegen sollte, um im Alter mietfrei zu wohnen". Doch auch er weiß: "Die Banken verleihen Kapital im Grunde nur, wenn sie es morgen zurück erhalten." Das sind keine guten Rahmenbedingungen für den Immobilienkauf. Zumal die Wirtschaftskrise dafür gesorgt habe, so Dorn weiter, "dass jeder zwanzigste Mieter seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann". Das bringe die Eigentümer in Schwierigkeiten. Die Miete ist schließlich Bestandteil des Finanzierungsplans bei einem Immobilienkauf. Größtes Problem jedoch: Der Umzug von der Stadt aufs Land. Dorn meint: "Spätestens an der Stadtgrenze endet die gute Infrastruktur." Junge Familien seien zwar mobil genug, "doch im Alter werden lange Wege und Gartenpflege überaus beschwerlich". Er fordert darum: "Was wir brauchen, ist die altengerechte Stadt." Es reiche nicht, "ausschließlich Neubaugebiete in den Stadtteilen auszuweisen. Auch in Braunschweig muss man Rückkehrwilligen in der Stadt selbst Angebote machen".

www.newsclick.de

20.04.2004
Nordhausen: Deutliche Aufwertung in Nordhäuser Siedlung
Der Abriss in der Jakob-Plaut-Straße ist abgeschlossen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, meinte gestern die Nordhäuser Wohnungsbaugenossenschaft.
In den vergangenen Jahren sind in Nordhausen einige Wohnblocks abgerissen worden. Zu den ersten Standorten der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) gehörte die Jakob-Plaut-Straße 2 bis 10. Der WBG gehe es bei diesen Abrissen nicht nur darum, den Leerstand zu vermindern, sondern vor allem um eine attraktive Aufwertung der Standorte, teilte sie gestern mit.
Der Wohnblock mit 42 Wohnungen in der Jakob-Plaut-Straße war bereits 2002 abgerissen worden. Im Jahr darauf wurde mit der Herrichtung der Grundstücksfläche begonnen. Und jetzt, im Frühjahr 2004, könne sich das Ergebnis sehen lassen. Noch in diesem Monat sollen die letzten Bäume und Büsche gepflanzt werden. Gleichzeitig entstehen für die Mieter in der Jakob-Plaut-Straße 1 bis 9 und 12 bis 18 zusätzliche Stellplätze für ihre Autos. Damit sei der Standort entlang der Halleschen Straße insgesamt aufgewertet worden.
Der Rückbau des Wohnblocks sowie die Neugestaltung des Wohnumfeldes wurden unter anderem aus Mitteln des Programms "Stadtumbau Ost" von Bund und Ländern finanziert. Insgesamt wurden 208 000 Euro für das Vorhaben veranschlagt. Dazu wurden Fördermittel in Höhe von 170 000 Euro ausgereicht. In diesem Jahr soll der Abriss von Wohnungen der Genossenschaft fortgesetzt werden. Geplant ist dabei der Standort in der Karl-Meyer-Straße 8 bis 14 im Stadtteil Ost.

www.thueringer-allgemeine.de

17.04.2004
Extreme Preisspannen
Der Markt für Wohnimmobilien zerfällt. Einige Regionen Deutschlands leiden unter einem Bewohnerrückgang, der die Preise unter Druck setzt. In anderen Gegenden können Immobilieneigentümer dagegen durchaus auf Wertzuwachs hoffen.
So ein Angebot mag mancher nicht abschlagen: Mit kostenlosem Probewohnen für zwei oder drei Monate locken Wohnungsgesellschaften in den neuen Bundesländern potenzielle Mieter in ihre Apartments. Die Offerte stößt auf Resonanz, aber anders als gedacht. Einige Leute ziehen bereits von Wohnung zu Wohnung - immer probeweise. "Miettourismus nennt man das", berichtet Peter Rohland, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Wohneigentum und Stadtentwicklung.
Das Phänomen ist symptomatisch für die Märkte in einigen Teilen Ostdeutschlands. Abwanderung und Überalterung machen den Immobilienanbietern zu schaffen. Liegt der Preis für ein Reihenhaus in der Stadt München bei etwa 700.000 Euro, zahlt ein Käufer in Dresden ungefähr 200.000 Euro (Popup).
Jahrzehntelang galten Häuser und Wohnungen als sichere Geldanlage. So steckte 2002 rund 45 Prozent des Vermögens der Deutschen in Immobilien. Von 1975 bis 2003 sind die Preise nach den Statistiken des Analysehauses Bulwien in 49 ausgewählten deutschen Städten jährlich im Schnitt um 2,8 Prozent gestiegen. Ein sicherer Wertzuwachs.
Mittlerweile mehren sich jedoch die Hiobsbotschaften. Von fast 2,5 Millionen leer stehenden Wohnungen in Deutschland ist die Rede. Mit gezielten Abrissen stemmen sich Politiker gegen den Trend. Einzelne Wohnungsmärkte drohten jedoch angesichts eines Bevölkerungsschwundes einzubrechen, heißt es. Wissenschaftler, Analysten und Immobilienexperten sprechen vom "Patchwork-Wohnungsmarkt".
"Für den deutschen Immobilienmarkt lässt sich keine allgemein gültige Aussage mehr treffen. Wohnungsleerstand und Wohnungsmangel treten gleichzeitig auf", meint Hermann Adam, Immobilienexperte bei der Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen.
Im schlimmsten Fall könnten vor allem in den neuen Bundesländern in 20 Jahren Dörfer leer stehen, sagt Thorsten Schilling, Leiter der Immobilienanalyse bei Feri Research. Manche Eigentümer mussten bereits Preisabschläge im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen. "Wie hoch der Wertverlust ausfällt, kommt auf das einzelne Objekt an", sagt Tobias Just, Immobilienanalyst bei der Deutschen Bank. Unsanierte Bauten aus den 70er Jahren hätten es beispielsweise schwer.
Auch im Westen stehen die Preise in einigen Gegenden unter Druck. So zeigt das Szenario für Niedersachsen von Gewos, einem Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung, ebenfalls einen zerklüfteten Markt. Während in und um Wilhelmshaven innerhalb der nächsten elf Jahre mit einem Bevölkerungsschwund zu rechnen ist, wachsen andere Landkreise wie etwa Vechta überdurchschnittlich stark.
Alles, was im direkten Einzugsbereich Hamburgs liege, sei auch künftig wertbeständig, prognostiziert Verbandschef Rohland. In einigen Teilen des Ruhrgebiets schlagen sich Anbieter schon jetzt mit zweistelligen Leerstandsquoten herum.
Um Leipzig herum könnte der Wohnungsmarkt dagegen irgendwann wieder anziehen, sagt Tobias Just, Immobilienexperte bei der Deutschen Bank. "Dort werden immer mehr Automobilfirmen ansässig", berichtet er. Und in Thüringen gebe es bei Jena eine vielversprechende Biotech-Szene.
Ein gesamtdeutscher Trend dürfte die Märkte in den kommenden Jahren noch stützen: Die Zahl der Haushalte nimmt zu. Zwar leben immer weniger Menschen hierzulande, aber sie brauchen tendenziell mehr Wohnraum. Belegte 1990 eine Person etwa 35 Quadratmeter, waren es im vergangenen Jahr schon mehr als 40. Steigende Haushaltszahlen und größerer Flächenverbrauch je Haushalt würden die Gesamtnachfrage nach Wohnraum noch bis zum Jahr 2030 ansteigen lassen, sagt Just.
Wer sein Geld in die eigenen vier Wände oder in ein Objekt zum Vermieten investiert, wird auch in den kommenden Jahren noch moderate Wertzuwächse erhalten, sagen die Experten. Voraussetzung ist aber, dass die Immobilie am richtigen Platz steht. Vor der Anschaffung sollte man die Umgebung genau unter die Lupe nehmen, so der Rat.
"Vor 20 Jahren konnte man ein Haus oder eine Wohnung kaufen, ohne sich großartig Sorgen über die Wertentwicklung zu machen. Das ist jetzt anders", sagt Just. "Die Menschen zieht es in wirtschaftlich starke Gegenden. Schwächelt die Wirtschaft, wirkt sich das zwangsläufig auf den Immobilienmarkt aus", sagt auch Rohland. Die Region, in der man baue oder kaufe, sollte deswegen nicht nur von einem oder zwei Unternehmen abhängig sein, sagt Immobilienexperte Just.
"Verlegt eine Firma ihren Standort ins Ausland, hat das ansonsten gravierende Folgen für den regionalen Immobilienmarkt." Und ein weiterer Trend scheint für die Experten sicher: Der Bedarf an seniorengerechten Objekten wird steigen. Wohnungen mit Fahrstuhl, Häuser ohne riesigen Garten würden in einigen Jahren mehr Chancen auf dem Markt haben, sagen sie.

www.sueddeutsche.de

16.04.2004
Sachsen: Erstmals seit 1994 weniger Leerstand / Neue Pläne
Im Freistaat sind bisher über 21 000 leere Wohnungen mangels Bedarf abgerissen worden. Exakt ein Drittel davon stammt aus dem Bestand der 267 sächsischen Wohnungsgenossenschaften, teilte Verbandsdirektor Axel Viehweger gestern in Dresden mit. Damit habe man die Leerstandsquote bei den noch rund 332 000 Genossenschaftswohnungen erstmals seit dem Jahr 1994 von 13,5 auf 13,2 Prozent senken können.
Viehweger sagte, angesichts der immer noch rund 44 000 leer stehenden Genossenschaftswohnungen sei auch in den nächsten Jahren ein massiver Rückbau notwendig. Als regionale Schwerpunkte nannte er Weißwasser, Hoyerswerda, Zwickau, Chemnitz sowie zum Teil Leipzig und Dresden. Für die Verwaltung und Sicherung jeder nicht genutzten Wohnung würden pro Jahr etwa 1 500 Euro an Kosten anfallen. Viehweger forderte deshalb den Bund auf, die Abriss-Förderung auszubauen. Vor allem sei die Streichung von DDR-Altschulden für Abrisshäuser zwingend nötig.
Insgesamt stehen in Sachsen aktuell etwa 414 000 Wohnungen leer. Knapp jede vierte davon – ungefähr 100 000 – befindet sich im Eigentum von Städten und Gemeinden, der überwiegende Rest in Privatbesitz. Die kommunalen Wohnungsunternehmen haben im vergangenen Jahr 8 300 Wohnungen abgerissen, sagte Verbandssprecherin Gitta Waller der SZ. Für dieses Jahr sei der Rückbau von weiteren 9 000 Wohnungen geplant. Gegenüber den Wohnungsgenossenschaften liegt die aktuelle Leerstandsquote bei den kommunalen Unternehmen mit 24,5 Prozent jedoch noch fast doppelt so hoch. Geplant sei deshalb, bis zum Jahr 2010 insgesamt mindestens 55 000 Wohnungen durch Abriss vom Markt zu nehmen.

www.sz-online.de

16.04.2004
Rostock: Weitere Millionen
Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens legt die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) wieder ein positives Geschäftsergebnis vor. Mit 91 600 Euro ist dies trotz der angespannten Wirtschaftssituation noch etwas besser als 2002. Und Reinhard Wolfgramm, der Chef im Hause, verriet gestern, was die RGS sich für 2004 vorgenommen hat.
Zunächst allerdings blickte der Geschäftsführer kurz zurück. So sei die RGS auch 2003 vor allem als treuhänderischer Sanierungsträger aufgetreten, das Umsatzvolumen allein in diesem Bereich betrug 9,4 Millionen Euro. Langfristig jedoch könne es passieren, dass geringer werdende Fördermittel zu verstärkten Aktivitäten in anderen Bereichen führen. Betreuungsleistungen für Wohnumfeldverbesserungen in Dierkow, Toitenwinkel, Groß Klein, Evershagen und Schmarl schlugen mit 6,7 Millionen Euro zu Buche, das Programm "Soziale Stadt" in Groß Klein und Schmarl mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Und schließlich trat die Gesellschaft in Brinckmanshöhe auch selber als Bauträger auf, ein weiteres Baufeld am Hang Alt Bartelsdorf ist vorbereitet.
Im Jahr 2004 sollen weitere 4,14 Millionen Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost nach Toitenwinkel, Dierkow, Evershagen, Groß Klein und Schmarl fließen. Die beiden letztgenannten Stadtteile bekommen außerdem 1,8 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt".
Im Stadtzentrum besteht die Arbeit der RGS auch 2004 wieder zu 44 Prozent aus Erschließungsmaßnahmen. Darüber hinaus, so freut sich Thomas Burzan, der Leiter der Planungsabteilung, können diesmal 1,2 Millionen Euro in die Sanierung privater Gebäude gesteckt werden. Auf diesem Wege wird beispielsweise der seit langem dem Verfall preisgegebene Hornsche Hof nach einem Eigentümerwechsel endlich herausgeputzt. Am Katharinenstift Nummer 8 wird ebenso saniert wie das Nikolaieck und der Speicher in der Wollenweberstraße 62.
Im Stadtzentrum wird außerdem die Umgestaltung des Neuen Marktes weitergehen, die im letzten Jahr mit Blick auf die IGA ausgesetzt wurde. In der Folge soll die Steinstraße zur Anliegerstraße umgewandelt werden.
In der Östlichen Altstadt widmet sich die RGS 2004 dem Nordabschnitt der Kleinen Wasserstraße und dem westlichen Teil der Fischbank. Die Molkenstraße wird erneuert, Pümperstraße und Beginenberg saniert.
In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt sollen Zochstraße und Justizquartier bis Ende April vollendet sein. Bis Juli wird der Nordabschnitt der Stampfmüllerstraße vollendet, danach folgen bis Oktober die Südabschnitte Feld- und Stampfmüllerstraße sowie die Wiesenstraße.
Eine Arbeit, mit deren Fertigstellung die Planer eigentlich schon im vergangenen Jahr gerechnet hatten, ist die Sanierung von Augusten- und Karlstraße. Nachdem die Witterung und etliche unerwartete unterirdische Hohlräume dem einen Strich durch die Rechnung machten, ist nun der Juli als Endtermin gesetzt.
Und schließlich drehen sich etliche Gespräche im Hause der Rostocker Gesellschaft schon seit langem um die Zukunft des Doberaner Platzes. Nachdem im vergangenen Jahr eine Verkehrsstudie für das Areal entstanden ist, läuft derzeit gerade der Realisierungswettbewerb. Thomas Burzan betont mit Blick auf das gesamte Verkehrskonzept der Stadt: "Man kann den Doberaner Platz nicht isoliert betrachten."

www.svz.de

16.04.2004
Wurzen: aktualisiert mit professioneller Hilfe sein Stadtentwicklungskonzept
Die Muldestadt wird ihr Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) überarbeiten. Das war das Fazit der Begegnung einer Wurzener Delegation mit Oberbürgermeister (OB) Jürgen Schmidt an der Spitze und dem Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, Albrecht Buttolo. Zum Jahresende soll das Dokument, in das dann die aktuellen Entwicklungstendenzen beim Stadtumbau Ost eingearbeitet sind, dem neuen Stadtrat vorgelegt werden. Das bisherige Konzept hatte die Stadt vor vier Jahren entwickelt.
Albrecht Buttolo bot Wurzen, das bekanntlich als Modellstadt für den Stadtumbau Ost in Sachsen gilt, seine Hilfe an. "Er will Fachabteilungen seines Hauses für unser neues Entwicklungskonzept aktivieren und Kontakte zur Universität Leipzig herstellen. Dort gibt es einen neuen Lehrstuhl Stadtentwicklung, der sich ebenfalls unserer konkreten Wurzener Probleme annehmen soll", berichtet OB Jürgen Schmidt. "In den nächsten Tagen werde ich mit dem Lehrstuhlinhaber einen Termin vereinbaren, um die Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen."
Im Gespräch mit dem Dresdener Staatssekretär habe Einigkeit geherrscht, den Abriss leer stehender Wohnungen in Wurzen mit aller Kraft voran zu bringen", sagte Jürgen Schmidt weiter. "Dazu gibt es keine Alternative."
Eine zentrale Aufgabe, die mit ministerieller und universitärer Unterstützung geleistet werden müsse, bestehe darin, den Stadtumbau unter städtebaulichen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten mit der Konsequenz des zügigen Abrisses leer stehender Wohnsubstanz auch gegenüber den Wohnungsunternehmen neu zu definieren.
"Welchen Stellenwert das Wurzener Modellprojekt besitzt, hat Staatssekretär Albrecht Buttolo noch einmal klar heraus gestellt, als er uns sagte: ,Wir sind uns sicher, dass die Situation in Wurzen durchaus beispielhaft für heutige und künftige Problemlagen in sächsischen Mittelstädten ist'", erklärte Jürgen Schmidt.

www.lvz-online.de

15.04.2004
Brandenburg: Schlechte Noten für die Stadtverwaltung
Einen grundlegenden Richtungswechsel in Sachen Stadtumbau in Brandenburg hat Carsten Hagenau in seinem Abschlussbericht gefordert. Hagenau, der vom Land und von der Stadt eingesetzt worden war, den Prozess des Stadtumbaus zwischen der Verwaltung, den Wohnungsgesellschaften und privaten Immobilienbesitzern zu moderieren, hat in seinem noch unveröffentlichten Bericht Wahrheiten in Worte gefasst, die für Aufregung im politischen Geschäft sorgen werden. Er kommt zum Schluss: Es geht nicht mehr um die Zukunft der Stadt, sondern um ihre Überlebensfähigkeit. Bei 8000 leeren Wohnungen und sinkenden Einwohnerzahlen sei klar: Die Stadt "ist heute und in der Zukunft zu groß", sie hat "zu viele Wohnungen, zu viele Kitas und Schulen, ihre Infrastruktur ist überdimensioniert". Das hat zur Folge, dass Stadtteile an den Rand ihrer Funktionstüchtigkeit geraten. Wo ungenügend Menschen leben, lohnen sich Handel und Gewerbe nicht, werden Verkehrsmittel nicht ausgelastet, finden Kneipen und Kulturträger keine Nutzer. Hagenau: "Gelingt es nicht, den baulichen Überhang bedarfsgerecht zu reduzieren, wird die Verödung der Stadtteile um sich greifen"; Unternehmen und Investoren bleiben fern oder ziehen sich zurück, was zu neuen Wegzügen und zum Arbeitsplatzverlust führt.
Schonungslos analysieren Hagenau und seine Mitarbeiterin Nicole Kirschbaum den wirkungslosen Versuch, den Stadtumbau zu beleben und kommen zum Schluss: "Die Stadt hat beim Stadtumbau mindestens zwei wertvolle Jahre verloren." Das führen sie zurück auf ein Stadtumbaukonzept, das sich ohne Masterplan auf punktuelle städtbauliche Planungen stütze und "das nicht wirtschaftlich untersetzt ist". Harsche Kritik muss sich die Verwaltung gefallen lassen. Namen werden nicht genannt. Doch deutlich wird, dass Hagenau der früheren Stadtführung und dem Beigeordneten Ralf Krombholz eine maßgebliche Mitschuld daran gibt, dass der Stadtumbau nicht in die Gänge kommt. Hagenau beklagt eine "weitgehende Ignoranz" gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Wohnungsunternehmen. Die Verwaltung habe nur die "Rolle eines Fordernden eingenommen". Die Verwaltung "hat sich eine Rolle angemaßt, die ihr nicht zukommt und hat sich zumeist als kooperations- und kommunikationsunfähig erwiesen. Fehlende Bereitschaft zum Gespräch wurde nicht einmal bemäntelt, sondern als Entschlossenheit ausgegeben."
Eine Zukunft gibt Hagenau der Stadt nur dann, wenn sie "vom Gießkannenprinzip zur gerichteten Aktivität" umsteuert. Dafür sei es notwendig, die Stadtumbaumaßnahmen ausdrücklich auf die Innenstadt und Hohenstücken zu konzentrieren und alle Anstrengungen dort zu bündeln.
Zu Hohenstücken bekennt sich Hagenau, fordert aber dort neben einer Aufwertung den massiven Abriss von Wohnungen. Die Zukunft der Stadt wird in der Innenstadt und in Hohenstücken entschieden, glaubt er. Deshalb sei eine "Fokussierung jedweden Einsatzes von Fördermitteln" in diesen Bereichen nötig. In anderen Stadtteilen solle vorerst nur der Abriss unterstützt werden. Auf die Förderung von Neubau und Modernisierung an anderen Stellen sollte verzichtet werden. Hagenau schlägt der SVV in seinem Abschlussbericht vor, die Grundlagen des Stadtumbaus und seine Organisation auf völlig neue Füße zu stellen und hat der SVV dafür ein Thesenpapier zur Verfügung gestellt, das als Grundlage für einen Masterplan für die Umgestaltung der Stadt dienen könnte.

www.MaerkischeAllgemeine.de

15.04.2004
Leipzig: Trotz Leerstand: LWB hebt Mieten in guten Lagen an
Der städtische Großvermieter LWB will seine Einnahmen erhöhen: Hunderte Leipziger haben bereits Mieterhöhungsbescheide bekommen, weitere werden ähnliche Briefe in den nächsten Wochen erhalten. Betroffen sind vor allem so genannte Bestandsmieter, die seit der Wende nicht umgezogen sind und derzeit noch zu vergleichsweise günstigen Konditionen wohnen. Ernst Sobania erhielt zu Monatsbeginn das Erhöhungsschreiben für seine 55 Quadratmeter große Drei-Raum-Wohnung in der Spohrstraße 5. Er muss künftig monatlich 16,65 Euro Kaltmiete mehr einplanen. "Alles wird teurer", schimpft der 70-Jährige. "Ich muss schon für meine Gesundheit mehr zahlen, obwohl die Rente nicht steigt. Die Mietanhebung kann ich nur verkraften, wenn ich jetzt an anderen Stellen noch stärker spare."
Wie Ernst Sobania geht es derzeit rund 2000 Leipzigern, die ihre Wohnung bei der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) schon zu DDR-Zeiten gemietet haben: Weil der Gesetzgeber sie lange Zeit vor Anhebungen geschützt hat, zahlen sie heute meist weniger als jene, die sich nach der Wende zu deutlich höheren Konditionen einmieten mussten. "Wir wollen diese Differenzen jetzt ausgleichen", bestätigte LWB-Sprecher Gregor Hoffmann die Großaktion. "Die Mieten werden allerdings nicht flächendeckend angehoben, sondern nur in Lagen, wo die Nachfrage groß ist."
Zu spüren bekommen dies unter anderem 135 Haushalte in der Gerberstraße, deren Kaltmiete die LWB nach eigenen Angaben durchschnittlich von 4,30 auf 4,65 Euro je Quadratmeter erhöht. Im Kolonnadenviertel wurden sogar 555 Erhöhungsschreiben verschickt und die Kaltmiete meist von 3,83 auf 4,09 Euro erhöht, in Alt-Lößnig erhielten 90 Familien Post von der LWB und müssen statt 4,86 künftig 5,37 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche überweisen. Auch in Reudnitz, in der Windmühlenstraße, am Roßplatz und in der Straße des 18. Oktober gibt es Anhebung von rund 10 Prozent. "Dabei schauen wir uns die Lage jedes Hauses und jeder Wohnung genau an", betont Hoffmann. "Auch die Mieten, die andere Anbieter in der Nachbarschaft für ähnliche Objekte verlangen, spielen eine Rolle."
Die LWB räumt auch ein, dass die neuen Forderungen nicht mit Modernisierungen oder anderen Wohnwertverbesserungen begründet werden. "Auch ohne solche Investitionen dürfen Vermieter alle drei Jahre 20 Prozent mehr verlangen", umreißt Hoffmann die Gesetzeslage. "Dass dies in Leipzig bislang kaum gemacht wurde, hängt mit dem hohen Leerstand zusammen, der das nicht zuließ. Inzwischen ist die Lage in einigen Stadtteilen anders."
Die LWB will künftig überall die Miete "nachziehen", wo die Nachfrage größer ist als das Wohnungsangebot. "Das ist ein laufender Prozeß", meint Gregor Hoffmann. "Wir wollen nicht, dass die Leute ausziehen. Aber wir können auch nicht auf die Einnahmen verzichten." Der in einigen Lagen noch immer sehr hohe Leerstand und der Stadtumbau würden jährlich Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachen, die durch Einnahmen an anderer Stelle gedeckt werden müssten.
www.lvz-online.de

14.04.2004
Aschersleben: 167 Plattenbau-Quartiere der AGW müssen nun weichen
Der Bagger mit dem langen Ausleger erinnert an einen Langhals-Dinosaurier. Mit endlosem Appetit frisst sich der Kopf durch Stahl und Beton. Es sieht nur so aus, als würden die "Zähne" vorsichtig nach der nächsten Beute schnappen. In Wahrheit wirken hier malmende Kräfte, die ein Wohnzimmer unaufhaltsam in einen Haufen Bauschutt zerlegen. Tapetenbeklebte Steinbrocken fallen nach unten, es kracht und staubt - trotz der Düse, die das Ganze beregnet und damit noch größere Staubwolken verhindert.
Es sind viele Wohnzimmer, denen der kettenrasselnde Dino nach und nach den Garaus macht. Dazu Bäder, Küchen und Kinderzimmer. Der Abriss im Wohngebiet Welzstraße in Aschersleben hat am Dienstag begonnen. 167 Plattenbauwohnungen werden "vom Markt genommen", wie es in der Stadtumbau-Sprache heißt. "Vor ein paar Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können", so Wolfgang Adam, Geschäftsführer der Ascherslebener Wohnungsgesellschaft (AGW), während er beobachtet, wie wieder ein Stück Zimmer zu Boden kracht.
Die Gesellschaft gehört zu den größten Eigentümern von Wohnungen in der Welzstraße. Zunehmender Leerstand bei immer weniger Einwohnern zwingt dazu, "andersherum" zu denken. Abriss statt Neubau, schrumpfen statt ausdehnen. Ein Zuschuss von 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ist der AGW bewilligt worden, so dass am Dienstag mit dem Abriss begonnen werden konnte. Auch die Stadt und die Wohnungsgenossenschaft warten auf die Bewilligungsbescheide - weitere Wohnungen werden also folgen in die ewigen Jagdgründe.
Welche Blöcke dem Dino der Erfurter Firma SAT zum Opfer fallen werden, ist schon von weitem zu erkennen. Wo einst Fensterscheiben in der Sonne blinkten, starren jetzt leere Höhlen. Ein gespenstisches Bild. 20 ABM-Leute haben in den vergangenen Monaten alles aus den Häusern entfernt, was nicht niet- und nagelfest war .
Inzwischen hat sich Publikum eingefunden. Jungen und Mädchen der benachbarten Grundschule schauen durch den Zaun und staunen den Bagger an, der sich aus 18 Metern langsam tiefer arbeitet. "Für Kinder sind wir immer ein Erlebnis", weiß Mario Schliefke, Geschäftsführer der Abbruchfirma. Er hofft, dass der Abriss insgesamt "verträglich für die Anwohner" vonstatten gehen wird - zumal ein Teil des Bauschutts vor Ort geschreddert werden soll. "Alle Anwohner sind informiert darüber. Und das Schreddern vor Ort ist immer noch besser, als 20 000 Tonnen Schutt durchs Wohngebiet und durch die ganze Stadt zu karren", ist er überzeugt. Außerdem soll ein Teil des zerkleinerten Materials sofort wiederverwendet werden: als Füllgut für die Baugruben.
www.mz-web.de

14.04.2004
Rostock: Hochhaus ist fast wieder am Boden angekommen
Evershagen Knirschend frisst sich der Greifarm in den Beton, beißt sich fest und reißt schließlich große Brocken aus der Wand, die staubend und grummelnd zur Erde prasseln. Das Ende ist absehbar. Von dem einst 18-geschossigen Hochhaus in der Fridtjof-Nansen-Straße 6 stehen nur noch sieben Etagen und die auch nur noch als Rudiment.
Am 17. November 2003 begann mit einem Turmdrehkran die Demontage des Hochhauses. Rund eine Woche war ursprünglich für jeweils eine Etage vorgesehen. Doch der Beton ist besser und härter als die Experten vermutet haben. „Er hätte noch viele Jahre gehalten, der war von wirklich guter Qualität“, bestätigt Baustellenleiter Bernd Amelang von der Firma Thyssen Flächenrecycling, die im Auftrag der Wohnungsgesellschaft Wiro das Hochhaus abträgt. Nach den anfänglichen Verzögerungen liegt das Abrissunternehmen nun im Plan, sagte gestern Bernd Amelang.
Nach Abschluss aller Arbeiten wird auf dem Areal eine Grünfläche angelegt. Die Wiro verliert durch diesen Rückbau 161 Wohnungen aus ihrem Bestand, die keiner mehr wollte. Das schon lange leer stehende Haus war zu einem Schandfleck geworden. Wiro-Bauleiterin Astrid Engel beziffert die Abrisskosten auf 800 000 Euro. Aufgebracht wird diese Summe aus Förderprogrammen des Bundes „Stadtumbau Ost“, des Landes, aus einem Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau und aus Wiro-Eigenmitteln.
In den nächsten Jahren soll der gesamte Rostocker Wohnungsbestand durch Abriss oder durch Geschossrückbau um 2600 Wohnungen reduziert werden.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

13.04.2004
Land Brandenburg: 50 Wohnungsunternehmen durch Leerstand vor dem Aus
Der Wohnungsleerstand in Brandenburg gefährdet die Existenz von fast 50 Unternehmen. Damit ist nach einem Bericht der Landesregierung rund ein Viertel der über 220 märkischen Wohnungsunternehmen bedroht. Vor allem in berlinfernen Regionen steige die Insolvenzgefahr weiter an. Wenn 15 Prozent des Wohnungsbestandes eines Unternehmens leer stünden, gerate der jeweilige Betrieb in eine finanzielle Schieflage. Die Regierung strebt an, den für die Konsolidierung der Wohnungsmärkte notwendigen Abriss zu beschleunigen und sinnvolle Fusionen von Betrieben zu forcieren.
Um Insolvenzen zu vermeiden, dringt Brandenburg inzwischen auf die Freigabe weiterer Mittel für die Altschuldenhilfe durch den Bund. Bauminister Frank Szymanski  bezeichnete die Lage der märkischen Wohnungswirtschaft als "schwierig". Diese werde durch Leerstände "erheblich" belastet. Altschuldenhilfe sei deshalb "unverzichtbar". 220 Millionen Euro fehlten ostdeutschen Wohnungsunternehmen noch, sagte der Minister. Diese Lücke müsse 2005 und 2006 geschlossen werden.
In Brandenburg sind nach Angaben des Ressortchefs bisher 70 Millionen Euro Altschuldenhilfe für Wohnungsunternehmen gesichert. Weitere Gelder seien aber notwendig, um die Unternehmen beim Abriss leer stehender Wohnungen zu unterstützen.
Von den heute schon in Brandenburg leer stehenden 165 000 Wohnungen (laut Zählung 2002) befinden sich dem Bericht zufolge 59 000 (35 Prozent) in den 22 so genannten Stadtumbaustädten. Das sind Kommunen, die sich auf einen radikalen Bevölkerungsschwund einstellen müssen. 66 000 leere Wohnungen gibt es in sonstigen Städten und 40 000 in Orten bis zu 5000 Einwohnern. Gut ein Drittel der leerstehenden Wohnungen befinden sich in Plattenbauten, die meisten anderen in unsanierten Altbauten.
Vor diesem Hintergrund müssten Maßnahmen gefunden werden, um die Wanderungsbewegungen von den Kleinstädten ins Umland einzudämmen, heißt es in dem Report weiter. Szymanski verwies auf eine Entscheidung des Haushaltsausschuss des Bundestages. Zusätzlich zu den bereits bewilligten 658 Millionen Euro stünden jetzt noch einmal rund 270 Millionen Euro für die Altschuldenentlastung bei Abrissen zur Verfügung. Insgesamt seien in Brandenburg bislang 10 000 Wohnungen abgerissen worden, Ende 2004 sollten es 15 000 sein, unterstrich er. Brandenburg fördert Abriss derzeit mit 60 Euro pro Quadratmeter. Auch Wolfgang Schönfelder vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen sieht keine Alternativen zum Abriss. "Auf dem Markt", sagt er, "sind zu viele Wohnungen. Diese Überkapazitäten müssen erst mal weg."

www.morgenpost.berlin1.de

13.04.2004
Halle: Kletterturm aus Plattenbauten
Halle-Neustadt soll noch in diesem Jahr ein neues, 25 Meter hohes Wahrzeichen bekommen. Nordwestlich des Bruchsees wollen die IG Klettern und der Alpenverein den höchsten Kletterturm Mitteldeutschlands errichten. Der Clou an diesem Projekt: Der künstliche Felsen soll Schicht für Schicht aus den Beton-Überresten abgerissener Plattenbauten entstehen.
"In Neustadt wird ja viel abgerissen. Durch unser Projekt kann aus den Platten etwas Neues entstehen", erklärt Carmen Hartmann vom Vorstand der IG Klettern Halle / Löbejün die ungewöhnliche Idee. Sie zeige, dass Stadtumbau mehr als nur Abriss sei. Etwa die Betonmasse eines 16-Geschossers wird für den künstlichen Felsen benötigt. Mit der GWG habe man bereits geredet, die Wohnungsgenossenschaft will die Platten sponsern. Und auch die Form des Kletterturms steht fest: Er soll mit seinen drei Ausläufern, die im oberen Teil noch versetzt und überhängend sind, einem Salzkristall nachempfunden sein und damit auf Halles Saline-Traditionen anspielen. Eine Spezialfirma wird den Turm errichten.
"Eine Skulptur in dieser Kristallform wurde noch nie gebaut", weiß Hartmann, die wie ihr Sohn seit sechs Jahren eine begeisterte Kletterin ist. Vorbilder allerdings gibt es schon für diesen Blickfang in der geografischen Mitte des Stadtteils: in Leipzig-Grünau und in Magdeburg stehen ähnliche Türme. Doch 25 Meter hoch ist keiner von ihnen. Auch in Halle gibt es bereits einen künstlichen Kletterturm - in der Thüringer Straße. Allerdings reicht er mit seinen zwölf Metern Höhe für den halleschen Kletterboom längst nicht mehr aus. "Vor allem junge Leute werden derzeit von diesem Sport angezogen", weiß Hartmann.

www.naumburger-tageblatt.de

13.04.2004
NRW: Dem Ruhrgebiet droht eine «Entvölkerung»
Dem Ruhrgebiet droht in den kommenden Jahren eine mit Ostdeutschland vergleichbare «Entvölkerung». Dies geht aus einer neuen Prognose des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Statistik hervor, die dem in Düsseldorf erscheinenden «Handelsblatt» vorliegt.
Danach werden die meisten Städte des Ruhrgebiets und angrenzender Regionen bis zum Jahr 2020 um rund zehn Prozent schrumpfen. An der Spitze liegt Hagen, das 16,3 Prozent seiner Einwohner verliert. In Wuppertal sind es 14,3 Prozent, in Gelsenkirchen 13,2 Prozent. Krefeld schrumpft um 11,4 Prozent, Essen um 10,8 Prozent und Duisburg um 10,2 Prozent. Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf muss sich auf einen Einwohnerrückgang von 5,3 Prozent einstellen.
NRW-Bauminister Michael Vesper (Grüne) nannte die demographische Entwicklung gegenüber dem Handelsblatt eine «Zeitbombe». In den betroffenen Stadtvierteln drohe ein «räumlicher Entmischungsprozess» zwischen «arm und reich, mobil und immobil sowie deutsch und nicht-deutsch». Auch wirtschaftlich seien jetzt schon dramatische Folgen zu beobachten: «Die Städte kämpfen nicht nur in den Randlagen, sondern auch in den 1A-Lagen mit Leerständen, zum Teil von bis zu 30 Prozent. Die Existenz von Nebenzentren in den Großstädten ist schon jetzt bedroht», sagte Vesper.

de.news.yahoo.com

08.04.2004
Das Tabu Bevölkerungspolitik
Nach Angaben der Statstiker ging 2003 die Zahl der Lebendgeburten im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 715.000 zurück, während die Sterbefälle um 1,6 Prozent auf 858.000 zunahmen. Im vergangenen Jahr starben also rund 143.000 Menschen mehr als Kinder geboren wurden. Zuletzt gab es 1971 einen Geburtenüberschuss.
Das Schlimmste an der Entwicklung ist, dass man so gut wie nichts mehr daran ändern kann. Wenn nicht ein Wunder geschieht und jedes Pärchen in Deutschland demnächst mindestens zwei Kinder in die Welt setzt, drohen langfristig gesellschaftliche Konflikte unbekannten Ausmaßes.
Aber auch wenn das Wunder geschähe, wieder mehr Kinder geboren würden und jährlich noch 150.000 junge Leute aus dem Ausland einwanderten, ließe sich das Problem nur auf lange Sicht ausräumen. Weil nämlich die in den vergangenen 33 Jahren nicht Geborenen heute als