Newsticker Archiv April 2004
30.04.2004
Lübbenau:
Obere Etagen werden schrittweise abgebaut
Der Umbau des Viergeschosser in der August-Bebel-Straße ist in vollem Gange. Bis
November entstehen in der Innenstadt aus einem alten Plattenbau zehn
Reihenhäuser. Dabei wird nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten
gebaut. "Mit dieser Sanierungsvariante, die viel Detailarbeit erfordert,
betreten wir technologisches Neuland", sagt der Geschäftsführer der
WiS-Wohnungsbaugesellschaft, Michael Jakobs. "Damit trägt der Stadtumbau weitere
Früchte, auch wenn das Ganze nicht ohne Lärm abgeht." Beim Rückbau werden die
vierte und dritte Etage des Hauses Platte für Platte mit einem Kran demontiert.
Als nächster Schritt wird der Dachstuhl errichtet. Die Reihenhäuser bekommen ein
neues Dach aus Titanzink, einem Material mit besonders hoher Lebensdauer. Und im
Mai soll Richtfest gefeiert werden. Erst dann beginnen die Innenarbeiten. Jedes
Haus werde individuell gestaltet, entsprechend den Vorstellungen der Besitzer.
Sechs der zehn Reihenhäuser sind schon vor Baubeginn verkauft. Die Eigenheime
haben eine Wohnfläche zwischen 103 m² und 127 m² groß und kosten je nach Größe
zwischen 139.000 Euro und 169.000 Euro. Verschiedene Grundrissvarianten werden
verwirklicht. Vier Zimmer, Bad und Gäste-WC, eine große Küche sowie ein
Abstellraum sind auf zwei Etagen verteilt. Das Wohnzimmer führt direkt in den
Garten. Außerdem hat jedes Haus einen Keller - zwischen 48 m² und 58 m² groß.
"Vor allem Familien haben sich für ein Eigenheim mitten in der Stadt
entschieden. Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Kita, das alles liegt in
unmittelbarer Nähe", sagt Michael Jakobs.
www.lr-online.de
30.04.2004
Calau:
Die nächsten Häuser müssen weichen
Wie geht es weiter mit dem Stadtumbau in
Calau? Peter Ullrich von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und
Modernisierung (BBSM/BSM) stellte die aktuellen Arbeitsergebnisse der Calauer
Arbeitsgruppe Stadtumbau in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend
vor. Regelmäßig kommt die Arbeitsgruppe Stadtumbau zusammen, in der die großen
Vermieter WBC und Wohnungsgenossenschaft wie auch die Stadtverwaltung mitwirken.
Peter Ullrich gab den Stadtverordneten einen Zwischenbericht zu den speziellen
Problemen, die Calau zu bewältigen hat. Seit 1989 gehen die Einwohnerzahlen
kontinuierlich zurück, die Prognose geht gegenwärtig von 5.400 bis 5.800
Einwohnern im Jahr 2015 aus. Bis dahin werden voraussichtlich 545 Wohnungen leer
stehen. Die Leitlinie sehe den Rückbau von 370 Einheiten vor, so Ullrich." Der
Calauer Wohnungsmarkt ist vom Geschosswohnungsbau aus DDR-Zeit geprägt, davon
sind 95 Prozent saniert und modernisiert" , erläuterte Ullrich. Gegenwärtig
stünden 300 Wohneinheiten leer, 43 wurden bereits abgerissen. "Es verdient hohe
Anerkennung, dass der Rückbau in Gang gekommen ist", meinte der Planer. Dazu sei
auch die Zustimmung der Banken notwendig gewesen, da u. a. teilsanierte Objekte
darunter seien. Auch über die Nachnutzung der frei gewordenen Flächen gebe es
Vorstellungen. So entsteht in der Mühlenstraße ein Eigenheim, in der
Jahn-/Urnenstraße beginnt in der nächsten Zeit die Vermarktung von sechs
Eigenheimflächen. Die nächsten Wohnungen, die dem Abrissbagger zum Opfer fallen
werden, sind in der Otto-Nuschke-Straße 39 bis 43. Hier haben die Planer
ebenfalls Eigenheimbebauung auf drei Parzellen vorgesehen. Außerdem soll das
Wohnumfeld einschließlich Stellplätze gestaltet werden. "Ab 2005 könnte an die
Umsetzung gegangen werden", sagte Ullrich. Zu den Maßnahmen, die das Wohnen in
Calau aufwerten sollen, gehören auch Modernisierungen in der Cottbuser Straße.
Die WBC habe vor, pro Jahr ein Objekt zu realisieren, in diesem Jahr sind die
Eingänge 14 bis 17 vorgesehen. Da Calau eines der elf Modellprojekte zum
Stadtumbau im Land Brandenburg ist, gibt es weitere Vorhaben, die mit
Fördermitteln über mehrere Jahre umgesetzt werden sollen. Ein Vorhaben ist die
Hüllensanierung der Gesamtschule (mehr dazu auf Seite 15). Begonnen wird in
diesem Jahr mit dem Neubau einer Turnhalle, weitere Projekte sind u. a. die
Schulhofgestaltung an der Gesamtschule und die Einrichtung einer Busspur am
zentralen Schulstandort. Die sachliche und anschauliche Darstellung fand den
Zuspruch der Calauer Abgeordneten, Fragen ergaben sich für die Stadtverordneten
nicht aus dem Bericht von Peter Ullrich.
www.lr-online.de
30.04.2004
Eisleben: Zeitplan gerät ins Stocken
Keine guten Nachrichten hat Bürgermeister Peter Pfützner
jetzt für die Eisleber Stadtplaner aus Magdeburg mitgebracht. So ist gegenwärtig
noch völlig offen, wann und in welcher Höhe die Stadt Eisleben Fördermittel für
den begonnenen Stadtumbau erhält.
Nach Angaben aus dem Landesbauministerium betrifft diese ungeklärte Frage nicht
nur Eisleben, sondern alle Kommunen in Sachsen-Anhalt, die durch den Rückbau von
leer stehenden Wohnungen und die Neugestaltung der frei gewordenen Flächen das
Erscheinungsbild ihrer Städte aufwerten wollen. "Der Bund hat sich noch nicht
geäußert, welche Gelder an die einzelnen Länder verteilt werden", so Gisela
Kirchner, Eislebens Stadtplanerin, zum Hintergrund.
Die Landesregierung genehmigt ihr zufolge derzeit nicht einmal "den vorzeitigen
Maßnahmebeginn" von bereits bewilligten Vorhaben. Die unklare Situation trübt
nach den Worten von Kirchner die Freude über gerade erhaltene Fördermittel für
Sanierungsprojekte wie das Katharinenstift. Wann der Bund eine Entscheidung über
die Fördermittel für den Stadtumbau trifft, weiß niemand. "Wir warten täglich
auf eine Nachricht", so Kirchner.
Ein Zeitverzug im Stadtumbau scheint unausweichlich. Eisleben gehört zu den
wenigen Städten in Sachsen-Anhalt, die mit dem Land eine so genannte
Zielvereinbarung für die Rückbau von Wohnungen in den nächsten fünf Jahren
abgeschlossen haben. Im vergangenen Jahr waren mit Hilfe von Fördermitteln rund
4000 Quadratmeter Wohnfläche im gesamten Stadtgebiet abgerissen worden.
Kirchner: "Dieses Jahr sollten es noch einmal rund 8000 Quadratmeter sein."
Eislebens Stadtplaner können in diesem Jahr bislang nur mit rund 90 000 Euro
operieren. Dieses Geld war ihnen bereits im Vorjahr für Aufwertungsmaßnahmen
nach dem Abriss von Häusern zur Verfügung gestellt worden. "Damit können wir
längst nicht alle Lücken schließen", so Kirchner.
Priorität hat das Pilotprojekt Lutherstraße / Badergasse. In diesem Jahr soll
mit den Eigentümern begonnen werden, durch Mauern und Einfriedungen die Häuser
miteinander zu verbinden. Für die Freifläche, wo früher die Häuser der
Lutherstraße 6 und 7 standen, können sich die Planer auch eine neue Bebauung
vorstellen. "Ausreichend Platz wäre dort für ein Wohnhaus", meint Kirchner. Das
rund 1000 Quadratmeter große Gelände sei kostengünstig abzugeben.
An anderer Stelle soll der Abriss von Häusern fortgesetzt werden. Konkret in der
Rammtorstraße - die Nummer 16. An dieser Stelle wollen die Stadtplaner den
Grünbereich vom Stadtgraben terrassenförmig mit Sitzsteinen zur Rammtorstraße
fortführen. Kirchner: "Das ist aus unserer Sicht auch die kostengünstigste
Variante."
www.mz-web.de
29.04.2004
Frankfurt (Oder): So lange es geht in vertrauten
Wänden
Schon 25 Prozent aller Frankfurter sind 60 Jahre und
älter. Das stellt auch an die Frankfurter Vermieter besondere Anforderungen.
Denn viele Senioren wollen möglichst lange in ihren angestammten vier Wänden und
der vertrauten Umgebung bleiben. Beratung dazu, wie das gehen kann, wollte der
Wowi-Seniorenbeirat gemeinsam mit einem Sanitätshaus in dieser Woche geben. Zum
Treff in den Sieben Raben kamen viele.
"Wenn ich aus meiner Wohnung mal ausziehe, dann nur noch auf den Friedhof", sagt
Ingetraud Krüger und spricht damit aus, was viele der Frauen und Männer denken,
die an diesem Dienstagnachmittag ins Bürgerforum Innenstadt kommen. Die
75-Jährige, die in der Baumgartenstraße wohnt, will sich lieber, wenn es mal
nicht mehr so geht, jemanden holen, der ihr zu Hause bei den täglichen
Verrichtungen hilft.
So sieht das auch Brigitte van Bosch. Auch diese 75-Jährige will aus ihrer
Wohnung oder zumindest der Gegend um Zille- und Rathenaustraße nicht weg. Denn
da wohnen in der Nähe auch Sohn, Tochter und Bekannte, die ihr im Notfall helfen
können. Doch Brigitte van Bosch hat ein Problem: Wegen gesundheitlicher
Probleme, vor allem Arthrose in den Knien, würde ihr ein Sitz in der Wanne das
Baden erleichtern. Aber ihre Wanne ist mit 1,60 Meter zu kurz. Bei einem derzeit
handelsüblichen Einsatz könnte sie die Beine nicht mehr ausstrecken.
Trotzdem kommt sie noch einmal zur Beratung, redet mit Doris Kühl und Wolfgang
Müller von der Wohnungswirtschaft und lässt sich bei Reha-Techniker Sven
Strohwald und Außendienstmitarbeiter Karl-Heinz Reinhardt vom Sanitätshaus
Laußmann mögliche Hilfseinrichtungen zeigen. Wowi-Geschäftsführer Müller will
einen Mitarbeiter bei der Frankfurterin erkunden lassen, ob eventuell durch den
Einbau einer Falttür das Badzimmer eine größere Wanne aufnehmen kann. Doch auch
nach einer passenden Wohnung in der Nähe der jetzigen Bleibe von Brigitte van
Bosch soll gesucht werden.
Kein konkretes Anliegen haben Eva und Werner Richter aus der Hohenwalder Straße.
Die 76-Jährige und ihr 70-jähriger Mann wohnen im eigenen Häuschen und hoffen
dort ebenfalls noch lange bleiben zu können. Doch sie haben sich auch schon mal
im betreuten Wohnen umgesehen. "Man weiß ja nicht, wie schnell man vielleicht
doch mal auf mehr Hilfe angewiesen ist. Da wollen wir einfach mal sehen, was es
so für Möglichkeiten in der Stadt gibt", sagt Eva Richter.
Auch die beiden gehen wie viele andere nicht, ohne sich am Stand des
Sanitätshauses über die diversen Angebote zur Erleichterung des Lebens in der
eigenen Wohnung zu informieren. Das Angebot reicht von den Standardgriffen zum
bequemeren Einsteigen in die Wanne über Duschhocker, Badewannensitze und -lifte,
WC-Beckenerhöhungen - wichtig für Patienten mit Hüfterkrankungen - bis hin zu
Gehhilfen und Geräten zur Erleichterung des Treppensteigens. Für viele dieser
Hilfsgeräte übernehmen die Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die
Finanzierung. Die Kassen und das Sanitätshaus informieren darüber.
Wie man zu Plätzen im Seniorenheim oder im betreuten Wohnen kommt, wollen andere
Besucher wissen. Oder: Wo es altersgerechte Wohnungen, also möglichst mit
Fahrstuhl, im Zentrum gibt? Und natürlich bewegt nach wie vor der Stadtumbau.
2009 z. B. soll das Wohnhaus Winzerring 13 abgerissen werden. Mehrere Bewohner
finden das gar nicht schön. Doch noch wollen sie bleiben. Dass nun nicht mehr in
das Haus investiert wird, verstehen sie, aber wenigstens Reparaturen an den
Fenstern sollten möglich sein, meinen sie. Auch dieses Problem wird notiert und
soll geklärt werden.
www.moz.de
29.04.2004
Leipzig: Baugenossenschaft und Lipsia gehen
zusammen
Zwei der größten Leipziger Wohnungsgenossenschaften haben
gestern einen Vertrag geschlossen, der sie für die nächsten Jahre auf eine enge
Zusammenarbeit verpflichtet. "Die Baugenossenschaft und die Lipsia verfügen
gemeinsam über 22 000 Wohnungen. Und sie ergänzen sich sehr gut", erklärte
Vorstandschef Michael Voigt von der 106 Jahre alten Baugenossenschaft aus der
Dörrienstraße. Zum Beispiel verfüge sein Unternehmen über viele hochwertig
sanierte Gründerzeit-Bestände, das Connewitzer Gerd-Klingner-Haus für Betreutes
Wohnen und einen sehr aktiven Nachbarschaftshilfe-Verein.
Die 50 Jahre alte WG Lipsia aus der Brünner Straße sowie der Ableger WG
Elsteraue konnten bereits 85 Prozent ihrer Bestände, die aus DDR-Zeiten stammen,
modernisieren. "Obendrein haben wir das Altschuldenhilfegesetz erfüllt und über
unsere Spareinrichtung mehr als 15 Millionen Euro zusätzliche Liquidität
erlangt", erläuterte Lipsia-Vorstand Wilhelm Grewatsch. Die Erfahrungen seines
Unternehmens beim Stadtumbau inGrünau könnten auch dem neuen Partner nutzen.
"Vor allem bündeln wir unsere Kräfte, um auf dem Markt aggressiver auftreten zu
können. Wir wollen den Leipzigern zeigen, dass für sie die Genossenschaften die
beste Adresse sind."
Konkret erstrecke sich die Kooperation zunächst auf einen einheitlichen
Marketing-Auftritt und auf die gemeinsame Vermittlung sämtlicher Wohnungen.
"Unsere Mitarbeiter werden also ab Mai unter doppelt so vielen Angeboten nach
dem Passenden für jeden Interessenten suchen. Entlassungen sind absolut nicht
geplant", sagte Voigt. Auch starte eine größere Werbeaktion, für die man sich
nun die Kosten teilen kann. "Das alles ist nur ein Anfang, dem viele weitere
gemeinsame Angebote für unsere Mitglieder und neue Mieter folgen sollen", so der
Vorstand. Selbst eine spätere Heirat des frisch verbundenen Paares sei nicht
völlig ausgeschlossen. "Im Moment ist das aber ganz weit weg."
www.lvz-online.de
29.04.2004
Dorsten: Schöner Wohnen mit
der Abrissbirne
Das Bundesprogramm Stadtumbau West soll auch Wulfen-Barkenberg nach vorne
bringen. Das NRW-Bauministerium hat nun eine Förderung des Abrisses von
Hochhäusern mit rund 300 Wohnungen signalisiert, die sich im Besitz der
Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) befinden.
Die Dimker Allee im Dorstener Stadtteil Barkenberg ist keine feine Adresse: eine
achtstöckige Hochhauszeile im vierten Jahrzehnt nach dem Bau. Wer sich in die
Treppenhäuser traut, braucht einen gefestigten Charakter. Graffiti, Müll und
zerschlagene Fenster, die durch eine Sperrholzplatte ersetzt wurden, bestimmen
das Bild. Der bröckelnde Beton der Balkone gibt den Blick auf Stahlträger frei.
Hier leben fast nur jene, die keine andere Wahl haben. Auf bis zu 40 Prozent
beziffert die LEG die Leerstände.
Offiziell, wohlgemerkt. Insider gehen von höheren Zahlen aus. Im benachbarten
"Sternbau" einem weiteren Hochhaus, sind viele Balkone mit grünen Netzen
verkleidet. Heimisch werden hier nur noch Tauben. "Laufend fallen Vogelleichen
auf Kinder, die hier spielen", schimpft Daniel Eickmann-Gerland über "unhaltbare
hygienische Zustände".
Der evangelische Pfarrer hat vor einigen Monaten mit vielen Ehrenamtlichen den "Dorstener
Laden" initiiert. Günstige Lebensmittel werden hier an sozial schwache Menschen
verkauft. Schon 600 Kunden zählt der Laden, im Mai soll eine Tafel auch eine
täglichen Mittagsmahlzeit anbieten.
Die LEG erwarb vor 20 Jahren in Barkenberg insgesamt 875 Wohnungen von der
Treuhandstelle von Bergmannswohnstätten (THS). Darunter attraktive Objekte, aber
eben auch andere wie die Dimker Allee. Dass sie vor einigen Jahren ihre Versuche
einstellte, die Häuser attraktiver zu gestalten, gesteht die
Wohnungsgesellschaft nicht ein. Aber das ist nicht nur äußerlich deutlich genug
sichtbar. Weil wegzieht, wer kann, ist die Fluktuation enorm, ohne stabile
Mieterstruktur kann Integration von Flüchtlingen, Ausländern und Spätaussiedlern
kaum gelingen.
Eine "Wulfen-Konferenz" versucht seit Jahren, der Probleme Herr zu werden.
Vertreter von Jugend- und Sozialamt, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und
Initiativen bilden da Netzwerke, doch letztlich kuriert das eifrige Engagement
nur die Symptome. "Es gibt viele Angebote, aber es gibt Jugendliche, die damit
nicht erreicht werden", bescheinigte die Barkenbergerin Angela Polodzek in der
vergangenen Woche der Konferenz. Die 24-Jährige hat für ihre Diplomarbeit junge
Barkenberger befragt.
Längst ist die Erkenntnis gereift, dass sich grundlegende Verbesserung nur mit
der Abrissbirne erreichen läßt. Doch erste Vorstöße stießen bei der
landeseigenen LEG und dem Ministerium auf taube Ohren. Im Dorstener Rathaus
fürchtet man, die LEG werde sich durch Verkauf der Probleme entledigen. Die
Versicherung von Geschäftsführerin Barbara Clemens, dabei nur einen Investor in
Betracht zu ziehen, der sich "dem Standort in gleicher Weise wie die LEG
verpflichtet fühlt", wird dabei eher als Drohung verstanden. "Ein Verkauf würde
sämtliche Bemühungen um strukturelle Verbesserungen zunichte machen", sagt
Bürgermeister Lambert Lütkenhorst.
Doch seit der Bund Mittel für die Stadtsanierung-West in Aussicht gestellt hat,
deutet sich eine Wende an. Die geschätzten Abrisskosten von vier Millionen Euro
könnten zu 80 Prozent übernommen werden, deuteten Vertreter des
Landesministeriums an. In einem Gesamtkonzept sollen andere Häuser modernisiert,
und die Strukturen durch Mieter-Privatisierung gefestigt werden. Zahlen für ein
solches Konzept will die LEG kurzfristig erarbeiten.
Die Wahl zwischen Abriss und Verkauf wird der LEG-Aufsichtsrat möglicherweise am
12. Mai treffen. Und einiges deutet darauf hin, dass sich das Gremium, dem der
Bau-Staatssekretär Manfred Morgenstern vorsitzt, für die Sanierungs-Variante
entscheidet.
Barkenberg, in den 60er Jahren auf dem Reißbrett geplant für 50 000 Menschen und
die Nordwanderung des Bergbaus, könnte dann endlich seinen schlechten Ruf
ablegen. Der ärgert viele, die sich am Rande der Hohen Mark schmucke Eigenheime
bauten. Wie Frank Gläßner, den Dorstener Stadtbaurat, für den sich ein
beruflicher Kreis schließt.
Als junger Student kam er in die Entwicklungsgesellschaft für die "Neue Stadt
Wulfen". Jetzt hofft der 59-jährige Planer, dass er in seiner Amtszeit noch die
zweite Baugenehmigung für die Dimker Allee unterschreiben kann.
www.waz.de
29.04.2004
Dresden: Kaum noch Hoffnung für die "Platte"
Noch vor fünf Jahren wehrte der Stadtsprecher von Dresden
vehement ab: "Nein, Leerstandsprobleme in der 'Platte' haben wir nicht!" Heute
befindet sich die Großsiedlung Gorbitz am nördlichen Stadtrand vor dem Kollaps.
Helga Gantz von SAS Regional-, Verkehrs- und Umweltforschung sieht den Stadtteil
gar schon "in sich zusammenfallen", wenn die Einwohnerzahl noch weiter absinkt.
Gorbitz teilt damit das Schicksal der Monstersiedlungen des "sozialistischen
Städtebaus", die nach dem Krieg in Ost und West nach städtebaulichen Leitideen
der 20-er Jahre errichtet worden sind: Den Großsiedlungen der
"Massenmenschhaltung" laufen die Bewohner weg. Und das, obwohl seit der
Wiedervereinigung bereits Milliarden in diese Siedlungen hineingepumpt wurden,
um sie zu erhalten. Wie zahllose Beispiele belegen, völlig umsonst. Im Osten wie
jetzt auch im Westen sieht man sich nun mit der bitteren Wahrheit konfrontiert,
dass die Wohnungswirtschaft nur überleben kann, wenn sie sich mit dem
flächenhaften Abriss ganzer Siedlungen befreundet.
Am Beispiel Gorbitz: 1990 zählte der Stadtteil noch 35 236 Einwohner. Doch 2003
waren es gerade noch 20 668. Bei 18 725 sieht Helga Gantz das Ende der
Fahnenstange erreicht. Dabei hat die Wissenschaftlerin für Dresden sogar noch
Tröstliches parat. "Wir rechnen damit, dass die Lage stabil bleibt, seit zwei
Jahren gibt es keinen Rückgang mehr", erläuterte sie vor Teilnehmern der
Konferenz "Perspektiven von Stadtumbaugebieten - Musterstandort Gorbitz" in der
Elbmetropole.
Aber die Hoffnung auf eine Wende in den Großsiedlungen kann trügen. Denn selbst
wenn sich Sachsens Hauptstadt dem allgemeinen Trend der Entvölkerung noch
erfolgreich entgegenstemmt, so muss das noch längst nicht heißen, dass die
"Platte" eine Zukunft hat. Bisher sind mehr als 13 Mio. Euro in die Rettung der
Arbeiterschließfächer geflossen - mit kaum messbarem Erfolg. Seit 1990 hat der
Stadtteil 42 Prozent der Einwohner verloren, der Wohnungsleerstand kletterte auf
24 Prozent. Und die Zukunftsperspektive sieht rabenschwarz aus. Als die
"Dresdner Neuesten Nachrichten" nach der Konferenz auf der Straße zehn Gorbitzer
fragten, ob sie im Stadtteil bleiben wollen, fiel das Ergebnis niederschmetternd
aus: sechs zu vier für den Wegzug.
Auch die inzwischen (zaghaft) angelaufenen Rückbauprogramme ("Stadtumbau Ost")
konnten die Lage für die Großsiedlungen noch kaum entspannen. Denn mit
kosmetischen Eingriffen, wie sie etwa die Eisenbahnerwohnungsgesellschaft in
Gorbitz plante, ist es nicht getan. Den Eisenbahnern gehören 8200 der 14 200
Gorbitzer Wohnungen. Von diesem Bestand will die Genossenschaft bis 2010
insgesamt 1700 abreißen. Allein 700 werden es in der Kräutersiedlung sein.
Eigentlich, so die Zeitung, wollte die Genossenschaft in dem
Vorzeige-Umbauprojekt mehr Wohnungen erhalten. Aber wegen Geldmangels werden im
Bauabschnitt 3 und 4 alle Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer fallen.
Staatssekretär Albrecht Buttolo hält die finanziellen Mittel des Freistaats
schon jetzt für ausgeschöpft: Förderanträgen für Wohnungsabriss in Sachsen von
mehr als 147 Mio. Euro standen 2003 verfügbare Mittel von nur 85,7 Mio.
gegenüber.
Nun würde Oberbürgermeister Ingolf Roßberg den Stadtteil am liebsten in
das Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen sehen. Doch die Medaille hat zwei
Seiten. Sollte man vorhandene Förder-Gelder nicht besser in die wieder begehrten
Altbaugebiete stecken, an denen Identität und "Image" des einstigen Elbflorenz
hängt?
www.welt.de
27.04.2004
Ludwigslust: Schönheitskur für die "Platte"
Mit dem Programm "Stadtumbau Ost" verändert sich
Ludwigslusts Parkviertel
Ludwigslust Das Parkviertel, Plattenbaugebiet in der Kreisstadt, soll sich
verändern. Die Stadt nutzt dazu Fördermittel, die aus dem Programm "Stadtumbau
Ost" des Bundes und der Ländern zur Verfügung gestellt werden. Projektleiter
Norbert Thiele von der Gesellschaft für Ortsentwicklung und Stadterneuerung (GOS)
betont die Behutsamkeit des Vorgehens. In Kürze gibt es dazu eine
Informationsveranstaltung.
Am 4. Mai um 18 Uhr können sich alle Interessenten im Rathaussaal mit den Plänen
vertraut machen. Die Ursprünge für das jetzige Vorhaben resultieren bereits aus
dem seinerzeit erarbeiteten Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), mit
dem sich Ludwigslust schon mal in das zukünftige Stadtbild denkt.
Die Bevölkerung in diesem Teil der Stadt werde sich in den nächsten 20 Jahren
nicht drastisch verringern, gibt Thiele die Resultate von Erhebungen wieder. Die
Umgestaltung des Wohnareals könne also behutsam erfolgen; der Schwerpunkt liege
in der Aufwertung des Areals. Außer Frage stehe, dass das Wohngebiet eine
Zukunft habe. Die ersten Schritte werden in diesem Jahr unternommen. Das
Parkviertel soll seinem Namen gerechter werden, indem sich vom Schlossgarten
ausgehend einmal ein grünes Band durch das Gebiet bis hinein in die angrenzende
Landschaft zieht. Begonnen wird in diesem Jahr auf einer Fläche schräg gegenüber
dem Schlossgartenausgang an der B5 sowie auf einer weiteren hinter dem
Gerätehaus der Feuerwehr an der Bauernallee.
Als Zeitraum für die Planung sind erstmal die nächsten fünf Jahre vorgesehen.
Eines der Highlights ist gewiss der um das gesamte Gebiet herum geplante Rad-
und Skaterweg. Er soll nach Aussage des städtischen Bauamtsleiters
Paul-Friedrich Leopold asphaltiert werden. Als Zeitraum für die Anlage des
Bandes ist die Frühjahrssaison 2005 ins Auge gefasst.
Das Plattenbaugebiet Parkviertel ist Ende der siebziger Jahre entstanden. Obwohl
vor allem der preiswerte Wohnungsbau im Vordergrund stand, folgt die Anlage der
Blocks nach Ansicht von Norbert Thiele durchaus sinnvollen planerischen
Gesichtspunkten.
www.svz.de
27.04.2004
Warin: Abrissbirne unvermeidlich
In Warin und Umgebung stehen derzeit mit 196 Wohnungen
entschieden zu viele Wohnungen aller Eigentumsformen leer. Ein Rückbau wird in
den nächsten zehn Jahren unvermeidlich sein.
Mindestens 98 Wohnungen im Bereich des mehrgeschossigen Wohnungsbaus müssen in
Warin und den Gemeinden in den nächsten zehn Jahren zurückgebaut werden.
Der Hauptausschuss in Warin hatte auf seiner jüngsten Beratung als wichtigsten
Punkt ein Handlungskonzept zum Stadtumbau Ost beraten.
Inhalt dieses Konzeptes ist zum einen die Forderung nach Rückbau von
Geschosswohnungen und zum anderen die den Kommunen eingeräumte Möglichkeit,
dafür Fördermittel zu beantragen, erläuterte der Leitende Verwaltungsbeamte
Dieter Habl.
Für Warin ist dieses Grobkonzept zwölf Seiten lang und zeigt zunächst einmal
auf, wie sich die Wohnungssituation in der Stadt und den Gemeinden von 1990 bis
2003 entwickelt hat. Daran schließt sich die aktuelle Situation der
Wohnungsbelegungen in Stadt und Gemeinden an.
"Nach diesem Bericht ist man sich im Hauptausschuss einig, dass in Warin der
Wohnungsrückbau in den nächsten zehn Jahren auf die Tagesordnung gesetzt werden
muss", so Dieter Habl weiter.
Zu den Schwerpunkten des notwenigen Rückbaus gehört der Geschosswohnungsbau am
Fritz-Reuter-Platz in Warin, in Waldeck und auch in Mankmoos. "Der Rückbau ist
allerdings nur dann möglich, wenn die gewerblichen Vermieter das auch
unterstützen. Die Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (STEWO) beispielsweise ist
bereits einverstanden", erklärte Dieter Habl.
www.svz.de
27.04.2004
Seebach: Planung für die Zukunft der Orte
"Wir werden bestaunt wie Exoten, wenn wir mit
unseren Plänen nach Erfurt kommen", diese Erfahrung hat zumindest Seebachs
Bürgermeister Kurt Kästner gemacht, wenn es um die Zusammenarbeit der drei
Erbstromtal-Kommunen geht. "Andere sehen einen Städteverbund mit einer
gemeinsamen Bürobedarf-Bestellung schon als großen Erfolg, wir dagegen planen
gemeinsam für die Zukunft", ergänzt Ruhlas Bürgermeister Gerald Pietsch.
Und um genau diese gemeinsame Planung nun auf eine noch höhere Ebene zu stellen,
unterzeichneten die beiden Rathauschefs gemeinsam mit ihrem Kollegen Torsten
Gieß aus Wutha-Farnroda die Vereinbarung zur Erstellung eines gemeinsamen
Flächennutzungsplanes für die drei Kommunen. In solch einem Plan werden die
Weichen für die Zukunft gestellt, dort ist dann nach zu lesen, welches Gebiet
sich wie und wohin entwickeln soll, wo welche Schwerpunkte gesetzt werden. Ist
ein solcher Plan erst einmal von den drei Gemeinderäten in Kraft gesetzt, kann
er auch nur von allen dreien gemeinsam wieder geändert werden.
Doch bis dahin gehen bestimmt noch 1,5 Jahre ins Land. Wenn auch alle drei
Kommunen bereits einen solchen Flächennutzungsplan im Entwurf haben, gibt es
jetzt noch viel zu planen und zu reden, bevor das gemeinsame Werk verabschiedet
werden kann. Die Kosten für die Planerstellung werden etwa 50 000 Euro betragen
und von allen gemeinsam getragen. "Würde jeder seinen eigenen Plan erstellen,
wäre es um etwa ein Drittel teurer geworden", so Torsten Gieß. Die Erstellung
des Planes ist eines des Schlüsselprojekte im Regionalen Entwicklungskonzept (REK).
Und die Arbeit hat bereits Früchte getragen. "Ohne die enge Kooperation der drei
Gemeinden wäre Seebach sicher nicht in das Stadtumbau-Programm gekommen, und bei
Wutha-Farnroda und Ruhla sind Fragezeichen erlaubt", so Pietsch. So sind alle
drei drin.
www.tlz.de
25.04.2004
Thüringen: Demographische Entwicklung als zentrale
Herausforderung
"Die künftige Entwicklung unserer Bevölkerung ist die
zentrale Herausforderung für unser Gemeinwesen, nicht nur in Thüringen, sondern
in ganz Deutschland. Sie beeinflusst die Rahmenbedingungen und
Handlungsspielräume von Politik und Gesellschaft.? Das erklärte Innenminister
Andreas Trautvetter vor dem Hintergrund des Bevölkerungsrückgangs von rund
330.000 Einwohnern zwischen 1989 und 2002 im Freistaat.
"Diese Entwicklung entspricht einem landesweiten Rückgang von insgesamt 12
Prozent", sagte er gestern (23. April) auf der 10. Thüringer
Regionalplanertagung vor über 200 Teilnehmern in Arnstadt.
Die Lebenserwartung der Menschen", führte Trautvetter weiter aus, "ist in den
letzten Jahren deutlich gestiegen. Insbesondere der medizinische Fortschritt,
die bessere medizinische Versorgung, die hygienischen Verhältnissen und der
allgemeine Wohlstand bewirken, dass die Menschen heute älter werden als vor 100
Jahren. Jungen, die heute in Thüringen geboren werden, haben eine
Lebenserwartung von 74 Jahren, Mädchen können darauf hoffen, sogar fast 81 Jahre
alt zu werden."
Isoliert betrachtet, müsste diese Entwicklung eigentlich dafür sorgen, dass die
Thüringer Bevölkerung wächst, doch wie eingangs erörtert, ist das Gegenteil der
Fall. Die Einwohnerzahlen in unseren Städten und Gemeinden gehen zurück.
Hauptursachen für den demographischen Wandel sind der drastische Rückgang der
Geburtenzahlen und die Abwanderung, vor allem in die alten Bundesländer. Aber
auch die wirtschaftliche Globalisierung oder die höhere Flexibilität und
Mobilität in Bezug auf den Arbeitsort beeinflussen den rückläufigen
Bevölkerungs-Trend.
Neben der Demographie hat sich auch die Siedlungsstruktur verändert. Die
Menschen wandern verstärkt aus den Städten ab und ziehen ins Umland. Damit
verlieren viele Städte an Wirtschaftskraft. Die kreisfreien Städte Erfurt, Gera,
Jena, Weimar, Eisenach und Suhl haben im Ergebnis am stärksten mit
Wohnungsleerstand zu kämpfen. Initiativen wie "Genial zentral ? Unser Haus in
der Stadt" sind Antworten auf diese Entwicklung. Mit diesem Projekt des
Thüringer Innenministeriums, an dem sich bereits 15 Städte beteiligen, wird die
Schaffung von Wohneigentum zu akzeptablen Preisen in den Städten gefördert.
Die Auswirkungen des demographischen Wandels bedingen, so Trautvetter weiter,
den forcierten Aufbau eines Netzes von leistungsfähigen Ober- und Mittelzentren
sowie wirtschaftlich tragfähigen Grundzentren. Angesichts mangelnder
Auslastungen einerseits sowie steigender Kosten andererseits wird die
Zusammenarbeit der Kommunen untereinander weiter an Bedeutung gewinnen. Denn die
Aufrechterhaltung der Infrastrukturen und der Dienstleistungszentren sei sehr
kostenintensiv. Die regionalen Entwicklungskonzepte in Thüringen nannte
trautvetter "kluge Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung freiwilliger
Kooperationsprozesse".
Auf den Punkt gebracht: Die Raumordnung und Landesplanung müsse die
Zusammenarbeit der Kommunen fördern. Das Ziel der Landesregierung bestehte
darin, für die Bürger in allen Teilen des Freistaats gleichwertige
Lebensbedingungen zu schaffen.
Der Innenminister erläuterte abschließend, dass über 1300 Gemeinden,
Institutionen und Privatpersonen sich im Rahmen der Anhörung am Entwurf des
Landesentwicklungsplans 2004 beteiligt haben, der die demografischen
Perspektiven schwerpunktmäßig fokussiere. Insgesamt gab es über 700
Stellungnahmen zum Entwicklungsplan, der am 1. Juni 2004 - unmittelbar vor den
Landtagswahlen - als Rechtsverordnung vom Kabinett verabschiedet werden soll.
www.RegioWeb.de
25.04.2004
Erfurt: Lebensräume auch für Shi-Take
Plattenbauten zu vertikalen Lebensräumen aufzupeppen oder
ihnen ungewohntes Leben einzuhauchen. Aus diesen Ansätzen entwickelten junge
Tüftler preiswürdige Konzepte für einen Ideenwettbewerb gegen den
Wohnungsleerstand.
Schon einige Wohnscheiben verschwanden aus dem Stadtbild. Doch die
Wohnungsunternehmen hadern zunehmend über die Vernichtung des eigenen Bestandes
an Immobilien. Die Kommunale Wohnungsgesellschaft (Kowo) und die Thüringer
Existenzgründer Initiative Get Up prämierten gestern junge Ingenieure und
Studenten für ihre unkonventionellen Entwürfe, mit denen die Bausubstanz
erhalten werden könnte.
"Vertikale Urbanität" lautet der Titel des Konzeptes von Diplom-Ingenieur Ralph
Mallach, das die Jury mit Kowo-Gechäftsführer Hubert Peter am meisten
überzeugte. Anlehnend an den französischen Architekten Le Corbusier entwarf
Mallach Skizzen für einen vertikalen "Lebensraum" als neuartiges Stadtquartier.
Generationen wohnen unter einem Dach, zugleich entwickelt sich ein gegenseitig
nützliches Angebot an verschiedensten Dienstleistungen. "Anders als Le Corbusier
hat es Ralph Mallach Verstanden, Visionen und ökonomische Macharkeit zu
vereinen", lobt die Jury. Behutsame Umgestaltung und der Anspruch, qualitativ
hochwertigen Lebensraum zu schaffen seien eindeutiges Indiz dafür.
Aber nicht nur die Arbeit des 1. Preisträgers würdigt die Kowo. "Wir wollen alle
Beiträge noch einmal ansehen, was für uns vielleicht zu verwirklichen ist", sagt
Cornelia Mörstedt, Marketing-Chefin des Unternehmens. Während beim dritten
Preis, dem "Noteingang" von Evelyn Ermisch die Hinwendung zu Menschen in
sozialer Notlage herausgehoben wurde, punkteten die jungen Architekten David
Seidl und Lars Bucki mit einer unkonventionellen und zugleich schmackhaften
Lösung. Delikate japanische Speisepilze (Shi-Take) könnten ihrer Meinung nach
ohne großen Umbauaufwand in leeren Wohnungen gezüchtet werden. Der Clou der
Geschäftsidee bestehe nicht nur in der Nutzung unvermietbarer Wohnungsflächen,
sondern der Verwertung von unternehmenseigenen Abfälle der Kowo. Nämlich der
Kaffee- und Teeabfälle als stofflichen Nährboden für die Pilzzucht. Die
Möglichkeit dazu sei wissenschaftlich nachgewiesen.
www.thueringer-allgemeine.de
25.04.2004
Apolda: Drei Monate lang ohne Miete wohnen
Mit einer nicht gerade alltäglichen Aktion will die
Wohnungsgesellschaft Apolda (WGA) ab Mai neue Mieter gewinnen. So können diese
in ausgewählten Wohnblöcken drei Monate lang mietfrei starten. Diese Aktion soll
vorerst bis zum Jahresende laufen.
"Wir machen jedes Jahr eine neue Aktion", berichtete Katharina Sorge,
Marketingbeauftragte der WGA, im TA-Gespräch. Im September 2002 führte WGA-Chef
Hartmut Kirsten als Begrüßungsgeschenk für neue Mieter ein gesponsertes
Halbjahres-Abo der "Thüringer Allgemeine" ein, einen Monat später erblickte ein
"Baby-Begrüßungsgeld" in Form eines Gutscheins das Licht der Welt. Einen solchen
Gutschein der Baby-Boutique Walther in Höhe von 50 Euro haben bisher 15 Babys
von WGA-Mietern erhalten. "Ursprünglich war diese Aktion auf ein Jahr befristet,
wir wollen diese schöne Tradition aber weiterführen", machte Katharina Sorge
deutlich.
Für dieses Jahr ließ sich die WGA etwas anders einfallen: "Wir bieten neuen
Mietern ab Mai in ausgewählten Häusern an, drei Monate lang mietfrei zu wohnen",
so die Marketingbeauftragte. Mietfrei beziehe sich allerdings natürlich nicht
auf die Nebenkosten, die selbstverständlich bezahlt werden müssten. Die drei
dafür zur Verfügung stehenden Wohnblöcke sind Ernst-Thälmann-Ring 64-70,
Werner-Seelenbinder-Straße 24-38 und Christian-Zimmermann-Straße 16-30. Die
insgesamt 32 freien Wohnungen befänden sich in einem jeweils unterschiedlichen
Sanierungs-Zustand, erläuterte Katharina Sorge. "Auf Wunsch des neuen Mieters
investieren wir aber auch noch darin."
Darüber hinaus bietet die Wohnungsgesellschaft ihren neuen Mietern auch noch
einen Umzugsservice an. Zwei Leute und ein Transporter stehen ihnen kostenlos
für einen Tag zur Verfügung.
"Das Ganze ist natürlich ein Versuch, wohnungssuchende Mieter für die WGA zu
gewinnen", machte sie deutlich. Bei 15 Prozent Wohnungsleerstand muss man sich
einfach etwas einfallen lassen.
Ein anderer wesentlicher Service-Baustein ist seit einem knappen Jahr die
Mieterkarte (TA berichtete). Elf Geschäfte bzw. Unternehmen gewähren inzwischen
den Besitzern einer solchen Karte Rabatte auf Waren oder Dienstleistungen. Als
jüngste Unternehmen sind die beiden Apoldaer Hotels "2 Länder" und "Hotel am
Schloss" sowie eine Sömmerdaer Einbauküchen-Firma mit Apoldaer Außenstelle an
Bord.
www.thueringer-allgemeine.de
25.04.2004
Leeres Land, leere Kassen, leere Kanäle
Die Politik im Osten nimmt zunehmend die Folgen des
Bevölkerungsschwunds wahr. Nach dem Wohnungsleerstand werden jetzt auch Folgen
für Etats und Landesentwicklung erörtert. Die Devise lautet: kontrolliertes
Schrumpfen.
Die Sächsische Semmeringbahn wird aufgegeben. Auf der Bahnstrecke in
Südostsachsen, deren Abschnitt nach Sebnitz erst kürzlich saniert wurde, werden
bald nur noch wenige Züge fahren. 500 Fahrgäste am Tag, sagen die Betreiber,
sind für regulären Verkehr zu wenig.
Solche Nachrichten dürften sich in Ostdeutschland häufen. Die Region ist vom
Bevölkerungsrückgang gezeichnet. Allein in Sachsen wird die Einwohnerzahl von
fünf Millionen im Jahr 1989 auf 3,6 Millionen im Jahr 2020 sinken. Prognosen für
die anderen Länder sind nicht optimistischer.
Die Folgen der Entwicklung, die der Abwanderung, noch mehr aber der niedrigen
Geburtenrate geschuldet ist, wurden lange nur widerstrebend zur Kenntnis
genommen. Begriffe wie Wohnungsabriss wurden erst salonfähig, als der Leerstand
dramatische Ausmaße erreicht hatte. Inzwischen werden auch Konsequenzen für
öffentliche Kassen und Infrastruktur angesprochen. Der SPD-Politiker Jens
Bullerjahn aus Sachsen-Anhalt forderte unlängst, die Landesentwicklung auf
Kerngebiete zu konzentrieren. Sachsens Landesregierung hat nun sogar zu einem
Demografiegipfel geladen.
Die Herausforderungen, die Gutachter dabei für Staatsfinanzen, Raumentwicklung
und Wirtschaft aufzeigen, sind gewaltig. Sachsens Einnahmen werden wegen
sinkender Einwohnerzahlen bis 2020 um 23 Prozent sinken, sagt Helmut Seitz von
der Viadrina-Universität Frankfurt (Oder): »Mit jedem nicht geborenen Sachsen
verliert das Land 2400 Euro Zuweisungen im Jahr.« Zwar sei das Land im Vorteil
gegenüber Sachsen-Anhalt, wo weniger Menschen mit extrem hohen Staatsschulden
fertig werden müssen. Doch auch für Sachsen fordert er Personalabbau bei
Verwaltung, Bildung und innerer Sicherheit. Er rechnet mit einem Abbau von jetzt
104000 auf 80000 Stellen.
Schwinden wird auch die Erwerbsbevölkerung, so Marcel Thum, Chef des
ifo-Instituts Dresden. Qualifizierte Fachkräfte würden zur knappen Ressource. Er
plädiert für eine »selektive Zuwanderung« aus Osteuropa, vor allem aber für
längere Lebensarbeitszeiten. Zudem befürwortet er die Konzentration auf
universitäre Forschung, um »neues Humankapital zu bilden«. Damit die
qualifizierten Fachkräfte indes auch zum Bevölkerungswachstum beitragen, hält
Charlotte Höhn vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung drei Dinge für
notwendig. Gestützt auf Umfragen, nennt sie eine gute Kinderbetreuung sowie
Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten.
Für erhebliches Konfliktpotenzial dürfte die Frage sorgen, wie die Infrastruktur
entwickelt wird und ob manche Regionen quasi abgekoppelt werden. »Gegenden, wo
kaum noch jemand wohnt, brauchen keine 30 Meter breite Straßen«, sagt Seitz.
Bernhard Müller vom Institut für Ökologische Raumentwicklung verlangt, Wohnungen
und Gewerbestandorte nur noch auf früher bereits genutzten Flächen anzusiedeln
und den Verbrauch neuer Flächen auf Null zu reduzieren. Probleme sieht er für
den öffentlichen Nahverkehr, besonders aber auch für Ver- und Entsorgungssysteme
bei Wasser oder Strom. Dort seien dezentrale Lösungen nötig und höhere Gebühren
zwangsläufig. Müller hält sogar eine »Aufgabe des Prinzips gleichwertiger
Versorgung« für denkbar.
Wie lange die Erkenntnisse der Fachleute brauchen, bis sie aus Gutachten in
praktische Politik umgesetzt werden, ist offen. Stanislaw Tillich, Chef der
sächsischen Staatskanzlei, lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Devise des
kontrollierten Schrumpfens im nächsten Landesetat niederschlagen wird. In vielen
Kommunen, konstatieren Fachleute, werde die Entwicklung dagegen »zum Teil
einfach ignoriert«. Wie kostspielig das sein kann, weiß man in Dresden
inzwischen gut. Jahrelang wurden große Abwasseranlagen gefördert. Bald, räumt
Tillich ein, müsse Geld investiert werden, um überdimensionierte Kanäle wieder
abzureißen.
www.nd-online.de
25.04.2004
Sachsen-Anhalt: 15-Jährige: "Wir sehen hier keine
Perspektive"
Eine Zukunft in Sachsen-Anhalt scheinen Schüler nicht zu sehen.
In zwei neunten Klassen des Salzwedeler Käthe-Kollwitz-Gymnasiums wollen 90
Prozent der Jugendlichen das Bundesland verlassen. Fehlende Ausbildungsplätze
und der Rückbau der sozial-kulturellen Infrastruktur führen sie als Gründe an.
Ab morgen wird sich eine Landes-Bevölkerungskonferenz in Stendal mit dem Thema
auseinander setzen.
"Wir sehen hier keine Perspektive. Deswegen wollen wir gehen", meint die
15-jährige Kristi. Keine spontane Idee, sondern durchaus ernsthafte
Lebensplanung. Die Jugendlichen sind enttäuscht von der gegenwärtigen Politik.
Nicht nur, weil ihr Gymnasium auf Grund sinkender Schülerzahlen geschlossen
wird. Ausbildungsplätze und gut bezahlte Jobs fehlen ebenso wie Jugendklubs,
Streetworker oder ein ansprechendes kulturelles Leben. Und natürlich eine
Autobahn. "Die bringt Arbeitsplätze", ist sich Johanna sicher.
In den vergangenen Wochen hat sie sich wie die anderen 51 Schüler der 9b und 9c
des Kollwitz-Gymnasiums ausführlich mit dem Thema Abwanderung und
Geburtenrückgang beschäftigt. Fazit der Schüler: "Deutschland stirbt aus, wenn
sich die Politik nicht ändert", formuliert es Johanna. Erst vor zwei Wochen
haben sie darüber mit Finanzminister Karl-Heinz Paqué diskutiert. Zwei Stunden
lang. Aus ihrer Sicht hätten sie aber keine zufrieden stellenden Antworten
erhalten. "Das war alles so glatt", schätzt Kristi rückblickend ein. Ihr
Lebensplan steht fest: Abitur und dann nach Möglichkeit in Süddeutschland Jura
studieren und dort ein eigenes Leben aufbauen. Nicht untypisch für altmärkische
Jugendliche.
Die Altmark ist eine aussterbende Region. Sie wird bis zum Jahr 2020
voraussichtlich mehr als 41000 Einwohner verlieren. Das wären etwa ein Fünftel
weniger. So die aktuelle Prognose des Statistischen Landesamtes. Vor allem bei
der Altersgruppe der unter 20-Jährigen würde es einen kräftigen Aderlass geben.
Bis zu sechs Prozent weniger wird prognostiziert.
Jedoch ist die Altmark längst nicht der am schlimmsten betroffene Landstrich in
Sachsen-Anhalt. Für Dessau, das Mansfelder Land, Bitterfeld und
Aschersleben-Staßfurt wird ein Bevölkerungsschwund von mehr als 23 Prozent
prognostiziert. Eine Entwicklung, die auf der morgen in Stendal beginnenden
Landeskonferenz zur Demografie eine gewichtige Rolle spielen wird.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer wird über Notwendigkeiten der Landespolitik
sprechen. Landes-Bauminister Karl-Heinz Daehre will "Handlungsansätze für eine
zukunftsfähige Strukturpolitik" vorstellen.
Der Konferenzort ist gut gewählt. Stendal gilt als die Stadt mit dem
dritthöchsten Wohnungsleerstand in Ostdeutschland.
www.volksstimme.de
25.04.2004
Frankfurt (Oder): Abriss im Baumschulenweg beginnt
Am Mittwoch beginnen die Entkernungsarbeiten im Wohnblock
Baumschulenweg 1 bis 4. Das Haus soll ab dem 3. Mai abgerissen werden. Darüber
hat die Wowi am Dienstag informiert. Weitere Abrissarbeiten der Wohnhäuser
Baumschulenweg 12 bis 14, 5 bis 8, 19 bis 22 und 65 bis 70 folgen und sollen bis
September abgeschlossen sein. Damit werden in diesem Bereich insgesamt 252
Wohnungen abgerissen. Auf den entstehenden Freiflächen wird vorerst Rasen
ausgesät. Nach Aussage der Wowi haben die Mieter, die ihre Wohnungen wegen der
Abriss-Maßnahmen verlassen mussten, hauptsächlich im gleichen Wohngebiet ein
neues Zuhause gefunden.
Die Gesamtzahl der Wohnungen, die in Frankfurt bis zum Jahr 2015 abgerissen
werden, wird sich mit der Fortschreibung des Stadtumbaukonzepts wahrscheinlich
weiter erhöhen. Wie Baudezernent Peter Edelmann auf einem Workshop des
Stadtentwicklungsausschusses erklärte, gehen Verwaltung und Stadtplaner
mittlerweile davon aus, dass bis 2010 rund 7500 Wohungen abgerissen werden,
weitere 2000 in den folgenden fünf Jahren. Dennoch wird es weiter
Wohnungsleerstand geben, wenn der Bevölkerungsrückgang anhält. Zum Jahresende
2003 lebten 66 300 Menschen in Frankfurt. Diese Zahl war in einer Landesprognose
aus dem Jahr 2001 erst für 2008 erwartet worden.
www.moz.de
25.04.2004
Waltershausen: Rückbau mit Komplikationen
Einige Mühen hat sich und einem Teil ihrer Mieter die
Baugesellschaft Waltershausen aufgehalst. Anfang Juni soll in der
Clara-Zetkin-Straße im Rahmen des Stadtumbaus mit Rückbaumaßnahmen in der
Clara-Zetkin-Straße begonnen werden.
Die Besonderheit: Während die Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (WSG) in der
Clara-Zetkin-Straße 5 - 8 Tabula rasa macht, bereitet die Baugesellschaft in den
Aufgängen einen Teilrückbau unter bewohnten Bedingungen vor. Ein bislang
einmaliges Vorhaben, so Geschäftsführer Jürgen Zwätz. Denn: Die beiden oberen
Geschosse der Clara-Zetkin-Straße 9 bis 12 sollen abgetragen werden.
Sicherheitshalber wurde das darunter liegende Geschoss geräumt, für die
bisherigen Bewohner gab es alternative Wohnungsangebote. Die Mieter der ersten
drei Etagen der Aufgänge bleiben im Haus.
Ihnen steht nun jeweils eine zehntägige Phase vor, in denen die Mieter zwischen
7 Uhr morgens und 18 Uhr abends ihre Treppenaufgänge nicht benutzen können. "Wir
unternehmen alles, um uns um die Betreuung der Bewohner zu kümmern", verspricht
Zwätz.
Für zwei ältere Mieter stehen Ein-Raum-Wohnungen zur Verfügung. In der
Heinrich-Heine-Straße richtet die Baugesellschaft einen Aufenthaltsraum ein, in
dem beispielsweise Schulkinder ihre Hausaufgaben erledigen und sich die
betroffenen Mieter tagsüber aufhalten können. Nur an den Wochenenden können sie
uneingeschränkt ihre Zeit im Haus verbringen.
Pro Aufgang soll diese Belastung etwa zehn Tage dauern. Begonnen wird in der
Nummer zwölf, dann folgen die Aufgänge elf, zehn und neun.
Sobald der Abriss in einem Teil erledigt ist, beginnen die Dacharbeiten - dann
allerdings ohne Einschränkungen für die Mieter. Angebracht werden auch neue
Balkons. Bis September sollen so die vier Aufgänge erledigt sein.
Geschäftsführer Jürgen Zwätz ist sicher: "Das wird einer der schönsten Blöcke
von Ibenhain."
www.tlz.de
25.04.2004
Berlin: Verlierer: Zahlungskräftige Mieter
verlassen Kiez um die Havemannstraße
Im Problemkiez um die Havemannstraße im Marzahner Norden
ist derzeit Berlins größtes Stadtumbau-Ost-Projekt "Ahrensfelder Terrassen" im
Gange. Kräne drehen sich, Bagger laden zermalmte Platten von Elfgeschossern auf
Transporter. Ob der soziale Abstieg ursächlich mit dem Rückbau oder Abriss der
entvölkerten Plattenhäuser zu tun hat, ist umstritten.
Torsten Preussing vom Bewohnerbeirat Nordost findet es bedauerlich, dass sein
Kiez "jetzt so abqualifiziert wird". Er gibt dem Stadtumbau Ost, der ja eine
gute Sache sei, aber Mitschuld an der Misere. Das Projekt sei viel zu spät in
Gang gekommen. "Viele Leute, die Geld und Arbeit hatten, sind aus den 1670
Wohnungen in den Blocks, die zurückgebaut werden, in Marzahn-Hellersdorf
umgezogen oder ganz aus dem Bezirk verschwunden", sagt Preussing.
Doch er sieht Land: Wenn die drei- bis sechsgeschossigen Terrassenhäuser mit 409
Zwei- bis Vierraum-Wohnungen und Quadratmetermieten von rund fünf Euro (kalt) am
Jahresende fertig seien, werde sich die Situation entschärfen. Dass da begüterte
Leute einziehen wollen, zeige sich daran, dass kleinere Wohnungen nicht ganz so
gefragt wie große sind.
Erika Kröber, Sprecherin der WBG Marzahn/Degewo, rechnet nicht damit, dass die
aktuelle soziale Schieflage zu spürbaren Rücktritten von den knapp 250
Mietvorverträgen führt. Allein für die 45 reservierten Dachterrassen-Apartments
stünden 135 Familien aus ganz Berlin auf einer Warteliste. Auch die Altersgruppe
50 plus sei stark an der ruhigen Wohnlage interessiert. Anwohner Hans Fischer
sieht trotzdem Gefahren: "Hoffentlich ziehen nun nicht viele Interessenten ihre
Bewerbungen zurück." Gerda Mahler deutet auf den Osten der Havemannstraße:
"Hinter der Straßenbahnlinie wohnen sehr viele Übersiedler und Vietnamesen",
sagt die 50-Jährige. Die belasteten das soziale Gefüge. Paul Wendt sagt: "Hier
geblieben sind viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger." Die Einkaufspassage,
die das Glanzstück im Kiez sein sollte, werde jetzt von Ramschläden erobert.
www.welt.de
24.04.2004
Aderlass an Einwohnern
Die neuen Bundesländer werden weiter dramatisch Bewohner
verlieren.
„Nach unser neuesten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nimmt die Zahl
im Jahr 2020 auf zwölf Millionen ab“, sagte der Präsident des Statistischen
Bundesamtes in Wiesbaden, Johann Hahlen, zu FOCUS.
Ende 2001 hatten die fünf neuen Länder ohne Berlin noch 13,7 Millionen
Einwohner. Nach den bisher unveröffentlichten Zahlen verliert der Osten allein
eine Million Einwohner durch Abwanderung, den Rest, weil mehr Menschen dort
sterben als geboren werden. Dem Osten bricht gleichzeitig die Jugend weg. Die
Zahl der unter 20-Jährigen sinke bis 2020 um 28 Prozent, so Hahlen, im Westen
aber nur um 14 Prozent.
„Der Ost-West-Unterschied hat sich in den letzten Jahren immer weiter
zugespitzt. Ostdeutschland zeigt uns im Zeitraffer, was auch in Teilen
Westdeutschlands ablaufen wird“, erklärte Ralf Ulrich, der auf dem bekannten
Bielefelder Demographie-Lehrstuhl die Nachfolge von Herwig Birg antreten soll.
„Die Länder, die viele junge Leute verlieren, könnten von Bayern und
Baden-Württemberg vielleicht zukünftig eine Kompensation fordern – zum Beispiel
im Länderfinanzausgleich“, meint Ulrich. Vielleicht müsse sogar das Grundgesetz
geändert werden: „Es ist nicht klar, wie lange die Gleichheit der
Lebensverhältnisse für
aktuell.focus.msn.de
24.04.2004
Die demographische Zeitbombe tickt
immer schneller
Das Schlimmste an der Entwicklung ist, dass man so gut wie nichts mehr daran
ändern kann. Wenn nicht ein Wunder geschieht und jedes Pärchen in Deutschland
demnächst mindestens zwei Kinder in die Welt setzt, drohen langfristig
gesellschaftliche Konflikte unbekannten Ausmaßes. Das erwarten jedenfalls
Demographen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler angesichts der
unaufhaltsamen Alterung der Bundesbürger.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Montag ist das Geburtendefizit
2003 erneut um 23.000 auf 143.000 Menschen angewachsen. Das ist Teil einer
Entwicklung, die bereits seit 33 Jahren anhält. 1971 war das letzte Jahr, in dem
in Gesamtdeutschland ein Geburtenüberschuss verzeichnet wurde. Nach den
Vorausberechnungen der Wiesbadener Behörde werden im Jahr 2050 in Deutschland
knapp 600.000 Menschen mehr sterben als geboren.
Martin Textor vom Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik hat zahlreiche
Gründe hierfür zusammengetragen. Zum einen verführt der wachsende Wohlstand die
Menschen zunehmend zu Egoismus. Statt Kinder für teures Geld zu erziehen, behält
man das Geld und konsumiert. Hinzu kommen zahlreiche soziokulturelle Ursachen:
Single-Dasein und bewusster Verzicht auf Kinder werden gesellschaftlich
akzeptiert, an jeder Ecke sind Verhütungsmittel zu haben, und man beschränkt die
Kinderzahl, «damit die Ich-Entfaltung nicht zu sehr durch die Erziehungsaufgabe
behindert wird», heißt es bei Textor.
Aber auch wenn das Wunder geschähe, wieder mehr Kinder geboren würden und
jährlich noch 150.000 junge Leute aus dem Ausland einwanderten, ließe sich das
Problem nur auf lange Sicht ausräumen. Weil nämlich die in den vergangenen 33
Jahren nicht Geborenen heute als potenzielle Eltern fehlen, «könnte auch die
beste Familienpolitik mangels Adressaten das Blatt nicht wenden», schrieb der
Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg kürzlich im Online-Dienst
FAZ.NET.
Die Folge der Überalterung wird somit ein hoher Bedarf an Sozialkosten sein,
insbesondere zur Versorgung der Alten. Denn die Experten rechnen damit, das
bereits 2030 die Hälfte der Bürger in Deutschland älter als 55 Jahre sein und
noch 25 bis 30 Lebensjahre vor sich haben wird. Bezahlen müssen das die Jungen
mit hohen Renten- und Kassenbeiträgen. Der Wirtschaftswissenschaftler Meinhard
Miegel befürchtet sogar eine Gefährdung der Demokratie, weil er mit dem
Widerstand der Arbeitenden gegen allzu hohe Belastungen rechnet. Der Soziologe
Reimer Gronemeyer warnt gar vor einem «Generationenkrieg».
Birg sieht darüber hinaus weitere Konfliktlinien, die auf die Menschen zukommen:
- Die Abwanderung junger Leute von Ost- nach Westdeutschland bedroht die
demographische Substanz in den neuen Ländern.
- Die nichtdeutsche Bevölkerung wird in vielen Großstädten einen Anteil von 50
und mehr Prozent erreichen.
- Es droht eine Spaltung der Gesellschaft in Kinderlose und Familien mit
Kindern, weil letztere neben dem finanziellen den viel wichtigeren «generativen
Beitrag» zur sozialen Sicherung in Form der Erziehung künftiger Beitragszahler
leisten.
Und nicht zuletzt warnt Birg vor einem globalen Alterungsproblem. Weil die
Menschen auch in China und Amerika demnächst immer länger leben und mit
wachsendem Wohlstand auch in den Schwellenländern die Geburtenrate zurückgehen
wird, könnte die kapitalgedeckte Vorsorge für das Alter - der einzige Ausweg aus
der Versorgungsfalle - weltweit knapp werden. Da die internationale Konkurrenz
um renditeträchtige Kapitalanlagen sich zu verschärfen drohe, wird laut Birg
«demographisch bedingter Verteilungsstress die Welt von morgen in kaum gekannter
Weise prägen».
de.news.yahoo.com
24.04.2004
Wilhelmshaven: In der City soll wieder das Leben
toben
Mit einem bereits eingeleiteten „Stadtumbau“ reagiert
Wilhelmshaven auf den starken wirtschaftlichen Strukturwandel und die
rückläufige Bevölkerungsentwicklung: „Wir wollen die Menschen wieder in die
Innenstadt holen und die City insbesondere durch junge Familien mit Kindern
wieder lebendig machen“, sagte Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) gestern
am Rande einer Fachtagung im Forschungsgebiet „Stadtumbau West“, die vom
Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen und vom Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung veranstaltet wurde. Wilhelmshaven gehört zu den
bundesweit 16 Städten, in denen Lösungsmöglichkeiten für den Stadtumbau erprobt
werden.
Eines der Ziele in Wilhelmshaven ist es nach den Worten Menzels, „die Innenstadt
noch näher an das Wasser zu ziehen“. Dazu wird ein Konzept für die
Anschlussnutzung von Grundstücken und Gebäuden entwickelt, die beispielsweise
von der Marine oder von Unternehmen nicht mehr genutzt werden. Auch Abriss kann
dabei eine Lösung sein, wobei Menzel generell auf Anreize für private Investoren
setzt: „Wir können uns keine Billig-Lösungen leisten. Nur durch Qualität kann
man Aufmerksamkeit für die Stadt erzeugen und sie für die Menschen attraktiv
machen.“
Die Stadt hat eine Marketing-Kampagne zur Vermarktung zukünftiger Neubaugebiete
begonnen. Zielgruppe sind u. a. die täglich rund 9000 „Einpendler“ aus dem
Umland, die in Wilhelmshaven arbeiten. Darüber hinaus werden externe Studenten
an der Fachhochschule mit speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen
Wohnungsangeboten gelockt; es gibt auch Wohnungsangebote für allein erziehende
Mütter. Unter dem Motto „Service im Alter“ ist in einem Stadtteil ein Projekt
aufgelegt worden, das Senioren so lange wie möglich das Wohnen in vertrauter
Umgebung ermöglichen soll.
Der vorsichtig eingeleitete städtebauliche Umbruch eröffne „große Chancen zur
Steigerung der Lebensqualität“, sagte Dr. Wolfgang Preibisch vom
Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen. Notwendig sei breite
Bürgerbeteiligung.
www.nwz-online.de
24.04.2004
Freital: Guten Morgen, Herr Zille
Der Ballsaal des Goldenen Löwen in Freital wurde vor
kurzem abgerissen. Nun soll auch das Gebäude, in dem einst Heinrich Zille zur
Schule ging, dem Erdboden gleich gemacht werden. Dazu schreibt Günter Siebert
aus Freital:
Einen guten Morgen wünscht der Goldene Löwe der Heinrich-Zille-Schule in Freital.
Aufgewacht, du FREIES TAL der großen Kulturgeschichte! 300 Meter flussaufwärts
schließt sich das Wilhelmine-Reichard-Haus den guten Wünschen an. 1997 war das
Reichard-Haus eine schlimme Ruine. Ihre Eigentümerin hatte eine
Abrissgenehmigung mit dem „grünen Stempel“ – und eine eigene Abrissfirma. Heute
strahlt das Reichard-Haus als vermutlich weltältestes Haus der
Luftfahrtgeschichte weit über Deutschlands Grenzen. Es ist eine Zierde für
unsere Stadt.
Und das Zille-Haus? Es soll abgerissen werden. Warum? Ist es baufällig oder
gefährlich? Keineswegs, es ist kerngesund, aber alt. Um es für kommende
Generationen zu bewahren und zu konservieren, würden nur geringe Mittel
gebraucht, viel weniger als für den Abriss. Für einen Abriss, der aus dem
Bundesprogramm „Stadtumbau Ost“ bezahlt werden soll. Die Bundesregierung hat
diesen Fonds aufgelegt, um mit ihm die Städte aufzubauen, nicht abzureißen.
Durch dieses Programm sollen die Städte an Wert gewinnen, nicht blindlings
abgerissen werden und ihrer Geschichte beraubt werden. Das Geld ist
zweckgebunden! Wie könnte es besser angelegt werden als für die Erhaltung von
Zilles Schulhaus, eines stolzen Baus aus Freitals früher Industriegeschichte.
Weit und breit sucht es seinesgleichen, in Dresden steht kein Zille-Haus mehr.
Ein weiterer buchstäblicher Anziehungspunkt in unserer Stadt könnte das Haus
sein, in dem Zille zur Schule ging. Es hätte nicht nur Geschichte, sondern auch
Charakter, Flair, Ausstrahlung. Vielleicht als Wohnanlage „Zilleblick“, im
Grünen, mitten in der Stadt und sogar hochwassersicher.
Die untere Denkmalschutzbehörde hat genehmigt, Zilles Schulhaus abzureißen (SZ
31.3. und 13.4.2004). Schade, dass Herrn Greifs Landratsamt in Dippoldiswalde
mit einem Zille-Haus in der Großen Kreisstadt Freital nichts anzufangen weiß.
Hat die Stadt Freital dem privaten Eigentümer genehmigt, Zilles Schule
abzureißen? Wenn ja, warum nur? Haben wir zu viele attraktive Zeugnisse unserer
überregionalen Kulturgeschichte? Oder wusste keiner der Spitzenbeamten und
städtischen Fachleute, was er genehmigt? Das soll schon mal vorgekommen sein,
damals, als 1994 das Zille-Wohnhaus in Freital abgerissen wurde. Warum will die
Stadt „… für den Abriss (des) ehemaligen Schulgebäudes … keine Verantwortung
übernehmen“ (SZ 31.3.), wo sie die doch gemäß Sächs. Bauordnung hat?
www.sz-online.de
23.04.2004
Magdeburg: Im "Feld" fällt jetzt der dritte
16-Geschosser
Nächste Woche beginnt Wobau mit dem Abriss des leer
stehenden Hochhauses im Milchweg
Der Kran ist das untrügliche Zeichen: Jetzt wird es ernst im Milchweg 30. In der
kommenden Woche beginnt der Abriss des zum Jahreswechsel entkernten Hochhauses.
Während der zweite der "beiden Gleichen", der 16-Geschosser der Genossenschaft
"Otto von Guericke", frisch saniert wurde, nimmt die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau)
ihren einstigen Wohnturm vom Markt. 132 Wohnungen beherbergte der Plattenbau.
Es ist der dritte 16-Geschosser, den die Wobau im Neustädter Feld abreißen
lässt. Verschwunden sind bereits zwei baugleiche Typen in der Resewitz- sowie in
der Othrichstraße. Der Abriss erfolgt im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms und
wird mit Geld von Bund und Land gefördert.
Das Hochhaus kann aber nicht von heute auf morgen in Bauschutt verwandelt
werden. Bis zur 7. Etage wird der Wohnturm stufenförmig Platte für Platte
abgetragen. Erst dann geht es mit der so genannten Abriss-Zange vergleichsweise
zügig voran: Die Abriss-Zange "knabbert" sich durch den verbleibenden Rumpf. Das
Ganze wird nach Auskunft der Wobau bis zum 30. September dauern.
Nach dem Gebäudeabriss wird der Keller verfüllt. Am Ende wächst buchstäblich
Gras darüber. Die Fläche soll begrünt werden, erklärte gestern die Wobau auf
Volksstimme-Nachfrage.
www.volksstimme.de
23.04.2004
Finsterwalde: "Wir wollen die Leute in die City
locken"
"Beseitigung städtebaulicher Sünden der
Vergangenheit". So charmant umschrieben hören sich Abriss und
Altstadtsanierungen sehr verträglich an. Dahinter verbirgt sich das Programm
Stadtumbau Ost der Bundesregierung, mit dessen Hilfe Städte in den neuen Ländern
wieder lebenswert und attraktiv gestaltet werden sollen. Mit 2,7 Milliarden Euro
von Bund, Ländern und Kommunen werden in den Jahren 2002 bis 2009 Gemeinden,
Wohnungswirtschaft und potenzielle Wohnungseigentümer unterstützt, die ihre
Stadt verschönern wollen. "Rückbau" heißt eines der Zauberwörter, gemeint ist
damit schlichtweg das Entfernen von überflüssigen Plattenbauten. Eine Millionen
Wohnungen stehen zurzeit im Osten Deutschlands leer, bis 2010 sollen 350 000 von
ihnen abgerissen werden.
Im brandenburgischen Finsterwalde setzt Bürgermeister Johannes Wohmann
darauf, die Bevölkerung von der Platte ins Stadtzentrum zu locken. "Wir wollen
die Leute in der Stadtmitte, hier soll es brodeln." Wohmann befürchtet einen
Verfall und eine Auflösung der Innenstadt. "Das ist wie, wenn man abnimmt: Wer
Kilos verliert, braucht eine engere Hose. Wir verlieren Bewohner, müssen also
unsere Stadt verdichten." Wer privaten Wohnungsbesitz mitten in der Stadt
fördert, bekommt ebenfalls Mittel aus dem Topf vom Stadtumbau Ost. Auch für die
"Revitalisierung städtebaulich wertvoller Quartiere" ist Geld eingeplant.
Hierfür wurden die Zulagen für Modernisierungen von Mietwohnungen in Altbauten
und denkmalgeschützten Gebäuden vom Staat erhöht.
In der Stadtverwaltung Finsterwalde scheint es den Verantwortlichen mit dem
Stadtumbau nicht schnell genug zu gehen. Bauamtsleiter Zimmermann klagt: "Die
Wohnungsunternehmen sehen das Problem noch nicht so dringend. Leider haben wir
wohl noch nicht genug Leerstand, um endlich mit dem Abriss beginnen zu können."
Perspektivisch sei es aber klar, dass Platten in bestimmten Gebieten in
Finsterwalde der Abrissbirne zum Opfer fallen. Wohmann und Zimmermann sind sich
einig: 120 Wohnungen sollen insgesamt 2004 und 2005 verschwinden.
Davon ist Ullrich Witt, kaufmännischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft
Finsterwalde, nicht überzeugt. Gemeinsam mit der städtischen
Wohnungsgesellschaft sträubt er sich gegen die Rückbau-Pläne. "Uns kann niemand
zum Abriss zwingen. Wir entscheiden allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten
und da macht es jetzt überhaupt keinen Sinn." 2 862 Wohnungen gehören der
Wohnungsgenossenschaft, alle vollsaniert. Etwa 13,5 Prozent stehen davon derzeit
leer. 60 Millionen Euro steckte die Genossenschaft in den vergangenen Jahren in
die Modernisierung ihrer Wohnungen. Grünanlagen wurden gebaut, Fahrstühle und
Balkone instaliert. "Das ist unser Beitrag zum Aufbau Ost", sagt Witt.
Laut dem Verband der deutschen Wohnungsunternehmen flossen von 1992 bis 2002
knapp 60 Milliarden Euro in die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden
in den neuen Ländern. Mit dem Stadtumbaukonzept wird den Wohnungsunternehmen nun
mit einer doppelten Belastung gedankt. In Finsterwalde müsste die
Wohnungsgenossenschaft nach den Kosten für die Instandsetzung nun auch noch die
Kosten eines Abrisses tragen. Ein Rückbau von ganzen Blöcken würde das
Unternehmen in den finanziellen Ruin stürzen. "Wir wollen nicht die Existenz der
Wohnungsunternehmen gefährden", hat Bürgermeister Wohmann Verständnis für die
Situation. "Aber die Zeit drängt." Vorerst ist das Programm Stadtumbau Ost bis
2009 festgelegt. Bis dahin sind die Fördergelder sicher. Was danach kommt, weiß
heute noch niemand.
www.berlinonline.de
24.04.2004
Landflucht und Bankrott
Die ostdeutschen Städte und Gemeinden steuern in den
nächsten Jahren auf eine finanzielle Katastrophe zu. "Die Situation ist
dramatisch", sagte der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Klaus Jeziorsky (CDU),
der Berliner Zeitung. "Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geht immer
weiter auseinander." Die Lücke in ihren Haushalten schließen die Kommunen durch
Schulden. Das ist zwar rechtswidrig, denn für laufende Ausgaben dürfen sie keine
Kredite aufnehmen. Doch die Kommunalaufsicht in den zuständigen Innenministerien
drückt beide Augen zu: Schließlich weiß niemand, wo das fehlende Geld herkommen
soll.
Jeziorsky zufolge wird die Entwicklung durch den Bevölkerungsrückgang im Osten
noch beschleunigt. "Die Einwohnerverluste führen automatisch zu geringeren
Einnahmen", sagte der Minister. "Die Belastung auf der Ausgabenseite aber
bleibt."
Schon 2004 geben die Kommunen in den neuen Ländern eine Milliarde Euro mehr aus,
als sie einnehmen. Dies schätzt die Bundesvereinigung der kommunalen
Spitzenverbände. In den nächsten zehn Jahren wird sich das Defizit noch deutlich
vergrößern. "Eine Verdreifachung ist sicher nicht zu hoch gegriffen", sagte der
Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher,
dieser Zeitung.
Der Grund für das immer größer werdende Minus: Wegen der Abwanderung und der
Überalterung der Bevölkerung zahlen immer weniger Bürger Einkommen- und
Umsatzsteuer. Schon heute beziehen die Ost-Kommunen nur 16,6 Prozent ihrer
Einnahmen aus Steuern. Zum Vergleich: Im Westen sind es 38,2 Prozent. "Den
Kommunen im Osten fehlt die wirtschaftliche Basis", erklärt Martin Rosenfeld,
Regionalforscher am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. "Sie sind
deshalb extrem abhängig von Finanzzuweisungen."
Doch auch diese Gelder werden immer weniger. Denn die Transferleistungen
bemessen sich an der Zahl der Einwohner - je weniger Menschen, desto weniger
Zuweisungen. Der Effekt ist dramatisch: Schließlich stammen von den geschätzten
Gesamteinnahmen der Ost-Kommunen in Höhe von 25 Milliarden Euro in diesem Jahr
knapp 15 Milliarden Euro vom Bund oder von den Ländern. Selbst wenn nur ein Teil
dieser Mittel fehlt, geraten die kommunalen Haushalte in arge Bedrängnis.
Verschärft wird das Problem dadurch, dass die Städte und Gemeinden im Osten
immer mehr Geld ausgeben müssen. Allein in diesem Jahr steigen die Ausgaben um
2,5 Prozent, im Westen sind es dagegen nur 1,0 Prozent. Besonders teuer sind für
die Kommunen die Sozialleistungen: Hier beträgt der Kostenzuwachs in den neuen
Ländern sogar sechs Prozent - im Gegensatz zu 4,4 Prozent in Westdeutschland.
"Sozialhilfe, Wohngeld, die gesamte Unterstützung für sozial Schwache - das
müssen alles die Kommunen bezahlen", sagt Böttcher.
Beispiel Dresden: Die Stadt muss Jahr für Jahr sieben Prozent mehr Mittel für
Soziales aufwänden - während die Einnahmen heute auf demselben Niveau liegen wie
1998. "Das mathematische System ist noch nicht erfunden, das da nicht
zusammenbricht", sagte der Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP). Wegen der
fehlenden Mittel sieht er für die Kommunalpolitik kaum noch
Gestaltungsspielräume. "Ich bin in weiten Teilen handlungsunfähig geworden",
sagte Roßberg. Der Grund für die Misere liege vor allem in den Bundesgesetzen:
"Wir müssen die Sozialhilfe auszahlen, aber wir haben keinen Einfluss darauf,
wie hoch sie ist", empört er sich. "Es kann doch nicht angehen, dass uns deshalb
das Geld fehlt und wir eine öffentliche Einrichtung nach der anderen zumachen
müssen."
Dabei geht es Dresden noch verhältnismäßig gut. Andere Regionen mit sinkenden
Einwohnerzahlen haben noch ganz andere Probleme. So führt die Abwanderung der
meist jungen Menschen dazu, dass der Bevölkerungsanteil der Rentner stärker als
im Westen steigt. Alte Menschen nehmen jedoch mehr öffentliche Dienstleistungen
in Anspruch, zum Beispiel für Pflege und Gesundheit.
Darüber hinaus sorgt die Abwanderung für so genannte Rückinvestitionskosten -
zum Beispiel beim Abriss von leer stehenden Plattenbauten. Dennoch müssen die
Kommunen die öffentliche Infrastruktur weiter aufrecht erhalten. "Ob ein
Schulbus voll oder halb leer fährt: Die Kosten bleiben die gleichen", sagte
Verbandsfunktionär Böttcher.
Wirtschaftsexperte Rosenfeld sieht das ähnlich: "Die Infrastruktur kann man
nicht von heute auf morgen zurückbauen, vor allem nicht im ländlichen Raum." Auf
längere Sicht hingegen würden ganze Landstriche verlassen. "Manche kleinere
Siedlung wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben."
www.berlinonline.de
23.04.2004
Tendenzen zur Verödung
"Kinder kriegen die Leute immer", hat Konrad Adenauer
gesagt. Das ist lange her. Heute wissen wir, dass der erste deutsche
Bundeskanzler irrte. In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren - statistisch
1,37 pro Frau. Ohne Zuwanderung liegt das so genannte Ersatzniveau aber bei 2,1
Kindern pro Frau.
Immerhin einen Landkreis gibt es in Deutschland, wo diese Zahl fast erreicht
wird: Cloppenburg in Westniedersachsen. Dort bringt jede Frau im statistischen
Schnitt 1,92 Kinder zur Welt. Eine schlüssige Erklärung hatte Reiner Klingholz
vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, das diese
Zahlen gestern in der Demografiestudie "Deutschland 2020" vorlegte, nicht. Er
konnte nur Ansätze nennen: Die Bevölkerung im Kreis Cloppenburg sei überwiegend
konservativ, viele Menschen seien katholisch, es gebe einen hohen Anteil an
Auslandsdeutschen.
An der viel beschworenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann der
Kinderreichtum jedenfalls nicht liegen. In Cloppenburg ist nur gut jede dritte
Frau berufstätig; das Angebot an Kindergartenplätzen liegt mit 43 pro 100 Kinder
unter dem deutschen Durchschnitt. Zum Vergleich: Im thüringischen Gera, wo als
einziger Stadt in Deutschland rein rechnerisch für jedes Kind ein
Betreuungsplatz zur Verfügung steht, bringen die Frauen im Mittel nur 1,12
Kinder zur Welt. Im Landkreis Cloppenburg fiel den Statistikern auch auf, dass
der Bildungsstand der erwerbstätigen Frauen besonders niedrig ist. Lediglich 2,6
Prozent von ihnen verfügen über einen Fach- oder Hochschulabschluss. Der
häufigste Weg in die Kinderlosigkeit führe in Deutschland über die Universität,
formuliert eine Expertin.
Das Zahlenwerk der Wissenschaftler macht klar: Die Hoffnung der Republik liegt
im Süden. Von den 20 zukunftsfähigsten Kreisen gehören 13 zu Bayern und sechs zu
Baden-Württemberg. Hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen
Wirtschaftskraft und Bevölkerungsentwicklung. Der Spitzenreiter, der Landkreis
Eichstätt, liegt vor den Toren der Audi-Metropole Ingolstadt. Auch in Stuttgart
hat, wie die Wissenschaftler formulieren, "die Zukunft ein Zuhause". Die
florierende Wirtschaft hat sehr viele Migranten angelockt. Inzwischen sitzen
Türken, Russen und Kroaten auch in den Behörden.
Die fünf Schlusslichter unter den Landkreisen sind allesamt Leidtragende des
Zusammenbruchs traditioneller Industrien. Am Schlimmsten hat es den
thüringischen Landkreis Altenburger Land erwischt, wo viele Menschen Jahrzehnte
lang vom Braunkohleabbau lebten. Aber auch Gelsenkirchen im Ruhrgebiet muss
gewaltig bluten. Dort werden nun die Erfahrungen beim "Stadtumbau Ost" - also
dem Abbau von Wohnblöcken - genutzt.
Das Ruhrgebiet ist insgesamt die größte Abstiegsregion in Westdeutschland. Im
Jahr 2020 werden dort voraussichtlich nur noch 4,8 Millionen Menschen leben -
fast eine halbe Million weniger als im Jahr 2000. Institutsdirektor Klingholz
sieht als einen Grund für die deprimierende Entwicklung die enormen
Subventionen, die der Staat in den 80er Jahren in die Steinkohleindustrie
gesteckt hat. So sei verhindert worden, dass sich innovative Industrien
ansiedeln. "Der Versuch, die langfristig sterbende Kohlebranche mit viel Geld am
Leben zu erhalten, musste aus den gleichen Gründen scheitern wie in vielen
Regionen der Aufbau Ost."
Auch andere Gebiete in Westdeutschland müssen Federn lassen. Seit es die so
genannte Zonenrandförderung nicht mehr gibt, befinden sich Südostniedersachsen,
Oberfranken und andere Regionen an der einstigen Ost-West-Grenze auf Talfahrt.
Ihre Lage ist fast vergleichbar mit den Randregionen Brandenburgs. Während die
Bevölkerungzahl in Potsdam-Mittelmark kräftig steigt und seit 1995 kaum noch
Arbeitsplätze verloren gingen, leiden die Uckermark und andere Kreise unter
Entleerung und Überalterung. Vor allem Frauen zieht es weg - und damit
potenzielle Mütter. Im vorpommerschen Landkreis Randow-Uecker kommen auf 100
Männer zwischen 18 und 30 Jahren nur noch 76 Frauen. Eine Folge der Abwanderung
ist die Erosion der Grundversorgung: Keine Schulen, keine Ärzte, keine
Schwimmbäder und Diskos. Zum Schluss, so Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur der
Zeitschrift "Geo", die sich in ihrer Mai-Ausgabe dem Thema widmet, blieben nur
leere Zigarettenautomaten übrig.
Wenigstens einen Vorteil habe die Enleerung, meint Institutsdirektor Klingholz
sarkastisch: "Die Natur bekommt ungeahnte Chancen. In der Lausitz haben sich
schon zwei Rudel Wölfe angesiedelt."
www.MaerkischeAllgemeine.de
23.04.2004
Sachsen-Anhalt: Optimistische Landesregierung:
"Aus Abwanderung wird Zuwanderung"
Die Fakten sind bekannt: Sachsen-Anhalt wird bis zum Jahr
2020 voraussichtlich rund eine halbe Million Einwohner verlieren - Zugleich
steigt der Altersdurchschnitt von derzeit 43 Jahren auf 49 Jahre. Ohne neue
Weichenstellungen könnte das Bundesland sich in ein gigantisches Altenpflegeheim
verwandeln, warnten gestern Experten während einer Landes-Bevölkerungskonferenz
in Stendal.
Eine nachhaltige Bevölkerungspolitik will die Landesregierung angesichts der
trüben Zukunftsaussichten betreiben. Dazu zählt Ministerpräsident Wolfgang
Böhmer die Einführung eines "Familienpasses", der Familien mit Kindern
finanziell entlasten soll. Zudem sind Gespräche zwischen Landesregierung und
Wirtschaft über eine "Familienallianz" geplant, um flexible
Kinderbetreuungsangebote zu schaffen. Auch soll sich die Wirtschaftsförderung
künftig noch stärker auf die Zentren konzentrieren. Mit dem Förderprogramm
"Stadtumbau Ost" aber auch mit der für 2010 geplanten Internationalen
Bauausstellung Sachsen-Anhalt sollen Wege für den Erhalt der Städte angesichts
massiven Einwohnerschwunds und Überalterung der Bevölkerung aufgezeigt werden.
Böhmer gewann der sich abzeichnenden dramatischen Lage auch noch Gutes ab: Ab
2007 würde es keinen Lehrstellenmangel mehr in Sachsen-Anhalt geben, ab 2010
sogar einen verstärkten Bedarf an spezialisierten Fachkräften. "Dann wird aus
Abwanderung Zuwanderung", hieß es gestern während der Bevölkerungskonferenz der
Landesregierung. Rund 140 Experten - auch aus Wales, Finnland und den USA
angereist - diskutierten in Stendal über "Wirtschaftspolitik im Zeichen des
demografischen Wandels".
Den Einspruch von Experten wie vom Volkswirtschaftler Ulrich Pfeifer hörten
Böhmer und seine Minister Karl-Heinz Daehre und Horst Rehberger nicht mehr. Sie
waren bereits wieder in Richtung Magdeburg entschwunden. Mit ihnen auch der
Stendaler Storch, der zunächst tapfer über dem Tagungsort seine Runden gedreht
hatte.
"Es ist blanke Illusion, dass es nach 2012 Zuwanderung in Sachsen-Anhalt geben
wird", erklärte Pfeiffer während eines Workshops. Das Bundesland müsse sich dem
Wettbewerb mit Boom-Regionen wie der von München stellen. "Diese Regionen werden
um Zuwanderung kämpfen, auch mit dem Lockmittel höherer Löhne", ist sich der
Experte sicher. Er warnte davor, die demografischen Probleme auf die lange Bank
zu schieben. "Wir haben ein Zeitfenster von höchstens zehn Jahren, dann ist kaum
noch was zu retten", so Pfeiffer.
Was ist zu tun? Nach Ansicht von Professor Gunter Steinmann von der
Martin-Luther-Universität Halle ist aktive Bevölkerungspolitik notwendig. Kurz
gesagt: Eltern mit Kindern werden finanziell belohnt. Familiensplitting wie in
Frankreich, finanzielle Freistellung von der Kinderbetreuung bis zum 18.
Lebensjahr, Gesamtschulen und von den Studenten zu tragende Studiengebühren
listete Professor Steinmann auf.
Der Hallenser lief damit bei Jens Bullerjahn, finanzpolitischer Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion, offene Türen ein. "Vieles deckt sich mit dem, was ich
selber in meiner Studie ,Sachsen-Anhalt 2020 - Einsichten und Perspektiven'
festgestellt habe", erklärte Bullerjahn. Für ihn steht fest, dass die
Landesregierung noch in diesem Jahr Strategien erarbeiten muss. "Die Zeit läuft
uns weg. Ende des Jahres sollten Opposition und Regierung in einen
Ideenwettstreit gehen", mahnte Bullerjahn gestern an.
www.volksstimme.de
22.04.2004
Investitionen gegen die Altschulden
Die Erinnerung ist noch da. "Bis vor zwei Jahren war das
Wort Abriss unter Strafe gestellt." Doch längst ist aus Sachsen-Anhalts
Bauminister Karl-Heinz Daehre auch ein Abrissminister geworden. "Es geht
nicht anders. Wir müssen das machen."
Die Ausgangslage ist klar. 200 000 Wohnungen stehen in Sachsen-Anhalt leer, 100
000 davon sollen abgerissen werden. "Geld", sagt Minister Daehre auf einem Forum
der CDU in Dessau, "haben wir für 60 000." Der Wettlauf hat begonnen. "Wer jetzt
nicht mit der Glocke anfängt, kriegt irgendwann kein Geld mehr."
Doch der Stadtumbau bringt Probleme: "Es gab selten ein Programm, das von der
Systematik her weiter weg war von der Realität", kritisiert Stefan Weber,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der sächsischen Aufbaubank. Das Geld für
den Stadtumbau gibt es über fünf Jahre verteilt, mit geringen Anfangsraten, die
die Wohnungsunternehmen zwingen, den Abriss vorzufinanzieren. Mancherorts stockt
deshalb der Stadtumbau.
Stefan Weber, ganz Banker, warnt die Wohnungsunternehmen vor dem Warten auf
Zuschüsse. "Es wird abgerissen, weil die Wohnungen nicht mehr gebraucht werden."
Und: "Der Stadtumbau macht die Städte nicht schöner, nur kleiner", sagt der
Sachse und macht sich stark für den flächendeckenden Abriss. "Die fünfte Etage
irgendwo rausnehmen, das ist ökonomischer Wahnsinn." Widerspruch kommt sofort:
Stadtumbau ist Stadtgestaltung, sagt Jürgen Leindecker vom Städte- und
Gemeindebund. In Dessau sieht der Dessauer vor allem ein Problem: die
Weitläufigkeit der Stadt. "Es muss eine funktionsfähige Infrastruktur bleiben."
Hans-Georg Otto, Dessaus Oberbürgermeister, nimmt zwei Anregungen mit. Fast 1
000 Wohnungen will Dessau 2004 noch abreißen. Wenn rechtzeitig das Geld fließt.
Dessau kann, wenn es will, 2004 den Abriss bis zu 500 weiterer Wohnungen
beantragen.
Daehre sichert die Finanzierung des Landes zu. Der Bauminister bietet auch Hilfe
bei der Zwischenfinanzierung an - über die neue Investitionsbank des Landes. Und
Daehre hat noch eine weitere Idee. Investitionen will der Minister gegen
Altschulden gegenrechnen. "Das habe ich mir am Wochenende überlegt." Die
Wohnungsgesellschaften würden Schulden abbauen, die Investitionen könnten die
Wirtschaft ankurbeln. Oberbürgermeister Otto lobt. "Das wäre ein Ausweg."
www.mz-web.de
22.04.2004
Premnitz: Kegelbahnblock kommt weg
In Rathenow sind bereits einige Wohnhäuser abgerissen
worden. Nun beginnt dieser weniger geliebte Teil des Stadtumbaus auch in
Premnitz. Die Wohnungsbaugenossenschaft Premnitz (WBG) lässt das Gebäude
Bunsenstraße 26 bis 29, bekannt als Kegelbahnblock, abreißen. Am Montag war die
erste Baubegehung, der Bauzaun wurde errichtet und gestern lief die Entkernung
an. Wie Henry Ketter, Technischer Vorstand der WBG, berichtet, wird zunächst die
Haustechnik ausgebaut. Fenster, Türen, Rohre, Isoliermaterial und ähnliches
kommen heraus, Dachpappe wird entfernt, alles in sortenreine Fraktionen getrennt
und abtransportiert.
Spätestens Mitte Mai rückt die schwere Technik an, um den Kegelbahnblock zu
beseitigen. Schon nach wenigen Tagen soll das Gebäude dem Erdboden gleich
gemacht sein. Ab 24. Mai wird laut Plan die Baugrube gefüllt und anschließend
Rasen gesät. "Wir haben uns einen engen Zeitrahmen gesetzt", sagt Henry Ketter,
"doch wir bemühen uns, noch schneller zu sein, denn ein leeres Gebäude kostet
nur Geld." Erst vor gut 20 Jahren, 1983, ist dieses Gebäude fertig geworden. Es
enthält 45 Wohnungen.
Henry Ketter betrachtet den Auftakt für den Abriss in Premnitz mit gemischten
Gefühlen. "Das ist schon ein Kuriosum", erklärt er, "wenn wir unser Vermögen
vernichten, um dadurch die weitere Existenz des Unternehmens zu sichern." Das
sei ganz gewiss nichts, was man feiern könne. Doch es gehe nicht anders.
Premnitz wurde in das Stadtumbauprogramm des Landes aufgenommen und bekommt
deshalb speziell für den Abriss 60 Euro für jeden Quadratmeter Wohnraum, der
beseitigt wird. "Das ist nicht kostendeckend", erklärt Henry Ketter, "es reicht
nur für den rein technischen Abriss." Die WBG hat 1584 Wohnungen in ihrem
Bestand und plant, insgesamt 210 Wohneinheiten abzureißen. Theoretisch wäre es
möglich, in diesem Jahr alles zu schaffen. Doch die Fördermittel vom Land
fließen nicht üppig. So sieht es derzeit danach aus, dass der Kegelbahnblock das
erste und einzige Gebäude in der Stadt ist, das in diesem Jahr abgerissen wird.
In der Arbeitsgruppe Stadtumbau, die es in Premnitz gibt, wurde festgelegt, dass
die WBG die ersten Abrissfördermittel erhält. Hier waren die Blöcke leer und die
Genossenschaft stand seit Monaten Gewehr bei Fuß. Wenn das nächste Mal
Fördermittel kommen, erhält sie der größte Vermieter der Stadt, die Premnitzer
Wohnungsbaugesellschaft (PWG). Wie deren Geschäftsführer Dietmar Kästner sagt,
wird damit ein Gebäude abgerissen, das im gleichen Gebiet wie der Kegelbahnblock
liegt. Der Block Bunsenstraße 46 bis 49 mit 40 Wohnungen wird der zweite sein,
der in Premnitz abgerissen wird.
www.MaerkischeAllgemeine.de
21.04.2004
Brandenburg: will Wohnungs-Abrisse forcieren
Der Abriss leer stehender Plattenbauten in Brandenburg soll
weiter forciert werden. Nach den in seinem Ressort eingegangenen Anträgen aus
den Kommunen sei der Abriss von schätzungsweise 55.000 Wohnungen vorgesehen,
sagte Bauminister Frank Szymanski auf eine parlamentarische Anfrage. Der dafür
erforderliche Finanzbedarf belaufe sich auf mehr als 197 Mio. Euro. Landesweit
stehen gegenwärtig über 165 000 Wohnungen vor allem in Plattenbauvierteln leer.
Durch die anhaltende Abwanderung wird hier ein weiterer Anstieg befürchtet. Bis
Ende 2003 wurden laut Szymanski rund 9000 Wohnungen abgerissen; in diesem Jahr
könnten weitere 6000 folgen. Am Stadtumbau Ost beteiligen sich den Angaben
zufolge gegenwärtig 24 brandenburgische Städte
www.welt.de
20.04.2004
Braunschweig: Treffen der Wohnungswirtschaft
Was wird eigentlich aus unserer Stadt, wenn doch
angeblich alle von einem Häuschen im Grünen träumen? Während des
Niedersächsischen Eigentümertages von Haus & Grund suchten Experten nach
Lösungen.
Im Gewandhaus am Altstadtmarkt herrschte prächtige Stimmung. Alles was Rang und
Namen in der Wohnungswirtschaft hat traf sich dort. 200 Gäste waren erwartet
worden, "doch ein Mehrfaches davon", so Braunschweigs Haus & Grund-Vorsitzender
Klaus Müller, füllte Foyer und Vortragssäle.
Und dennoch: Für die Wohnungswirtschaft hängt zurzeit der Himmel nicht voller
Geigen. Müller berichtet für Braunschweig von einem Wohnungsleerstand "von etwa
zehn Prozent". Die Kaltmieten bewegen sich seit Jahren nicht mehr. Das freut
zwar die Mieter, bremst jedoch die Investitionsbereitschaft der Vermieter.
Dies sei jedoch nur die Spitze des Eisbergs, berichtet Rüdiger Dorn. Der
Präsident von Haus & Grund-Deutschland wird zwar nicht müde zu fordern, "dass
sich jeder eine Immobilie zulegen sollte, um im Alter mietfrei zu wohnen". Doch
auch er weiß: "Die Banken verleihen Kapital im Grunde nur, wenn sie es morgen
zurück erhalten." Das sind keine guten Rahmenbedingungen für den Immobilienkauf.
Zumal die Wirtschaftskrise dafür gesorgt habe, so Dorn weiter, "dass jeder
zwanzigste Mieter seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann". Das bringe
die Eigentümer in Schwierigkeiten. Die Miete ist schließlich Bestandteil des
Finanzierungsplans bei einem Immobilienkauf. Größtes Problem jedoch: Der Umzug
von der Stadt aufs Land. Dorn meint: "Spätestens an der Stadtgrenze endet die
gute Infrastruktur." Junge Familien seien zwar mobil genug, "doch im Alter
werden lange Wege und Gartenpflege überaus beschwerlich". Er fordert darum: "Was
wir brauchen, ist die altengerechte Stadt." Es reiche nicht, "ausschließlich
Neubaugebiete in den Stadtteilen auszuweisen. Auch in Braunschweig muss man
Rückkehrwilligen in der Stadt selbst Angebote machen".
www.newsclick.de
20.04.2004
Nordhausen: Deutliche Aufwertung in Nordhäuser
Siedlung
Der Abriss in der Jakob-Plaut-Straße ist abgeschlossen. Das
Ergebnis könne sich sehen lassen, meinte gestern die Nordhäuser
Wohnungsbaugenossenschaft.
In den vergangenen Jahren sind in Nordhausen einige Wohnblocks abgerissen
worden. Zu den ersten Standorten der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG)
gehörte die Jakob-Plaut-Straße 2 bis 10. Der WBG gehe es bei diesen Abrissen
nicht nur darum, den Leerstand zu vermindern, sondern vor allem um eine
attraktive Aufwertung der Standorte, teilte sie gestern mit.
Der Wohnblock mit 42 Wohnungen in der Jakob-Plaut-Straße war bereits 2002
abgerissen worden. Im Jahr darauf wurde mit der Herrichtung der
Grundstücksfläche begonnen. Und jetzt, im Frühjahr 2004, könne sich das Ergebnis
sehen lassen. Noch in diesem Monat sollen die letzten Bäume und Büsche gepflanzt
werden. Gleichzeitig entstehen für die Mieter in der Jakob-Plaut-Straße 1 bis 9
und 12 bis 18 zusätzliche Stellplätze für ihre Autos. Damit sei der Standort
entlang der Halleschen Straße insgesamt aufgewertet worden.
Der Rückbau des Wohnblocks sowie die Neugestaltung des Wohnumfeldes wurden unter
anderem aus Mitteln des Programms "Stadtumbau Ost" von Bund und Ländern
finanziert. Insgesamt wurden 208 000 Euro für das Vorhaben veranschlagt. Dazu
wurden Fördermittel in Höhe von 170 000 Euro ausgereicht. In diesem Jahr soll
der Abriss von Wohnungen der Genossenschaft fortgesetzt werden. Geplant ist
dabei der Standort in der Karl-Meyer-Straße 8 bis 14 im Stadtteil Ost.
www.thueringer-allgemeine.de
17.04.2004
Extreme Preisspannen
Der Markt für Wohnimmobilien zerfällt. Einige Regionen
Deutschlands leiden unter einem Bewohnerrückgang, der die Preise unter Druck
setzt. In anderen Gegenden können Immobilieneigentümer dagegen durchaus auf
Wertzuwachs hoffen.
So ein Angebot mag mancher nicht abschlagen: Mit kostenlosem Probewohnen für
zwei oder drei Monate locken Wohnungsgesellschaften in den neuen Bundesländern
potenzielle Mieter in ihre Apartments. Die Offerte stößt auf Resonanz, aber
anders als gedacht. Einige Leute ziehen bereits von Wohnung zu Wohnung - immer
probeweise. "Miettourismus nennt man das", berichtet Peter Rohland,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Wohneigentum und Stadtentwicklung.
Das Phänomen ist symptomatisch für die Märkte in einigen Teilen Ostdeutschlands.
Abwanderung und Überalterung machen den Immobilienanbietern zu schaffen. Liegt
der Preis für ein Reihenhaus in der Stadt München bei etwa 700.000 Euro, zahlt
ein Käufer in Dresden ungefähr 200.000 Euro (Popup).
Jahrzehntelang galten Häuser und Wohnungen als sichere Geldanlage. So steckte
2002 rund 45 Prozent des Vermögens der Deutschen in Immobilien. Von 1975 bis
2003 sind die Preise nach den Statistiken des Analysehauses Bulwien in 49
ausgewählten deutschen Städten jährlich im Schnitt um 2,8 Prozent gestiegen. Ein
sicherer Wertzuwachs.
Mittlerweile mehren sich jedoch die Hiobsbotschaften. Von fast 2,5 Millionen
leer stehenden Wohnungen in Deutschland ist die Rede. Mit gezielten Abrissen
stemmen sich Politiker gegen den Trend. Einzelne Wohnungsmärkte drohten jedoch
angesichts eines Bevölkerungsschwundes einzubrechen, heißt es. Wissenschaftler,
Analysten und Immobilienexperten sprechen vom "Patchwork-Wohnungsmarkt".
"Für den deutschen Immobilienmarkt lässt sich keine allgemein gültige Aussage
mehr treffen. Wohnungsleerstand und Wohnungsmangel treten gleichzeitig auf",
meint Hermann Adam, Immobilienexperte bei der Bundesgeschäftsstelle
Landesbausparkassen.
Im schlimmsten Fall könnten vor allem in den neuen Bundesländern in 20 Jahren
Dörfer leer stehen, sagt Thorsten Schilling, Leiter der Immobilienanalyse bei
Feri Research. Manche Eigentümer mussten bereits Preisabschläge im zweistelligen
Prozentbereich hinnehmen. "Wie hoch der Wertverlust ausfällt, kommt auf das
einzelne Objekt an", sagt Tobias Just, Immobilienanalyst bei der Deutschen Bank.
Unsanierte Bauten aus den 70er Jahren hätten es beispielsweise schwer.
Auch im Westen stehen die Preise in einigen Gegenden unter Druck. So zeigt das
Szenario für Niedersachsen von Gewos, einem Institut für Stadt-, Regional- und
Wohnforschung, ebenfalls einen zerklüfteten Markt. Während in und um
Wilhelmshaven innerhalb der nächsten elf Jahre mit einem Bevölkerungsschwund zu
rechnen ist, wachsen andere Landkreise wie etwa Vechta überdurchschnittlich
stark.
Alles, was im direkten Einzugsbereich Hamburgs liege, sei auch künftig
wertbeständig, prognostiziert Verbandschef Rohland. In einigen Teilen des
Ruhrgebiets schlagen sich Anbieter schon jetzt mit zweistelligen
Leerstandsquoten herum.
Um Leipzig herum könnte der Wohnungsmarkt dagegen irgendwann wieder anziehen,
sagt Tobias Just, Immobilienexperte bei der Deutschen Bank. "Dort werden immer
mehr Automobilfirmen ansässig", berichtet er. Und in Thüringen gebe es bei Jena
eine vielversprechende Biotech-Szene.
Ein gesamtdeutscher Trend dürfte die Märkte in den kommenden Jahren noch
stützen: Die Zahl der Haushalte nimmt zu. Zwar leben immer weniger Menschen
hierzulande, aber sie brauchen tendenziell mehr Wohnraum. Belegte 1990 eine
Person etwa 35 Quadratmeter, waren es im vergangenen Jahr schon mehr als 40.
Steigende Haushaltszahlen und größerer Flächenverbrauch je Haushalt würden die
Gesamtnachfrage nach Wohnraum noch bis zum Jahr 2030 ansteigen lassen, sagt
Just.
Wer sein Geld in die eigenen vier Wände oder in ein Objekt zum Vermieten
investiert, wird auch in den kommenden Jahren noch moderate Wertzuwächse
erhalten, sagen die Experten. Voraussetzung ist aber, dass die Immobilie am
richtigen Platz steht. Vor der Anschaffung sollte man die Umgebung genau unter
die Lupe nehmen, so der Rat.
"Vor 20 Jahren konnte man ein Haus oder eine Wohnung kaufen, ohne sich großartig
Sorgen über die Wertentwicklung zu machen. Das ist jetzt anders", sagt Just.
"Die Menschen zieht es in wirtschaftlich starke Gegenden. Schwächelt die
Wirtschaft, wirkt sich das zwangsläufig auf den Immobilienmarkt aus", sagt auch
Rohland. Die Region, in der man baue oder kaufe, sollte deswegen nicht nur von
einem oder zwei Unternehmen abhängig sein, sagt Immobilienexperte Just.
"Verlegt eine Firma ihren Standort ins Ausland, hat das ansonsten gravierende
Folgen für den regionalen Immobilienmarkt." Und ein weiterer Trend scheint für
die Experten sicher: Der Bedarf an seniorengerechten Objekten wird steigen.
Wohnungen mit Fahrstuhl, Häuser ohne riesigen Garten würden in einigen Jahren
mehr Chancen auf dem Markt haben, sagen sie.
www.sueddeutsche.de
16.04.2004
Sachsen: Erstmals seit 1994 weniger Leerstand /
Neue Pläne
Im Freistaat sind bisher über 21 000 leere Wohnungen
mangels Bedarf abgerissen worden. Exakt ein Drittel davon stammt aus dem Bestand
der 267 sächsischen Wohnungsgenossenschaften, teilte Verbandsdirektor Axel
Viehweger gestern in Dresden mit. Damit habe man die Leerstandsquote bei den
noch rund 332 000 Genossenschaftswohnungen erstmals seit dem Jahr 1994 von 13,5
auf 13,2 Prozent senken können.
Viehweger sagte, angesichts der immer noch rund 44 000 leer stehenden
Genossenschaftswohnungen sei auch in den nächsten Jahren ein massiver Rückbau
notwendig. Als regionale Schwerpunkte nannte er Weißwasser, Hoyerswerda,
Zwickau, Chemnitz sowie zum Teil Leipzig und Dresden. Für die Verwaltung und
Sicherung jeder nicht genutzten Wohnung würden pro Jahr etwa 1 500 Euro an
Kosten anfallen. Viehweger forderte deshalb den Bund auf, die Abriss-Förderung
auszubauen. Vor allem sei die Streichung von DDR-Altschulden für Abrisshäuser
zwingend nötig.
Insgesamt stehen in Sachsen aktuell etwa 414 000 Wohnungen leer. Knapp jede
vierte davon – ungefähr 100 000 – befindet sich im Eigentum von Städten und
Gemeinden, der überwiegende Rest in Privatbesitz. Die kommunalen
Wohnungsunternehmen haben im vergangenen Jahr 8 300 Wohnungen abgerissen, sagte
Verbandssprecherin Gitta Waller der SZ. Für dieses Jahr sei der Rückbau von
weiteren 9 000 Wohnungen geplant. Gegenüber den Wohnungsgenossenschaften liegt
die aktuelle Leerstandsquote bei den kommunalen Unternehmen mit 24,5 Prozent
jedoch noch fast doppelt so hoch. Geplant sei deshalb, bis zum Jahr 2010
insgesamt mindestens 55 000 Wohnungen durch Abriss vom Markt zu nehmen.
www.sz-online.de
16.04.2004
Rostock: Weitere Millionen
Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens legt die Rostocker
Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) wieder ein positives Geschäftsergebnis
vor. Mit 91 600 Euro ist dies trotz der angespannten Wirtschaftssituation noch
etwas besser als 2002. Und Reinhard Wolfgramm, der Chef im Hause, verriet
gestern, was die RGS sich für 2004 vorgenommen hat.
Zunächst allerdings blickte der Geschäftsführer kurz zurück. So sei die RGS auch
2003 vor allem als treuhänderischer Sanierungsträger aufgetreten, das
Umsatzvolumen allein in diesem Bereich betrug 9,4 Millionen Euro. Langfristig
jedoch könne es passieren, dass geringer werdende Fördermittel zu verstärkten
Aktivitäten in anderen Bereichen führen. Betreuungsleistungen für
Wohnumfeldverbesserungen in Dierkow, Toitenwinkel, Groß Klein, Evershagen und
Schmarl schlugen mit 6,7 Millionen Euro zu Buche, das Programm "Soziale Stadt"
in Groß Klein und Schmarl mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Und schließlich trat
die Gesellschaft in Brinckmanshöhe auch selber als Bauträger auf, ein weiteres
Baufeld am Hang Alt Bartelsdorf ist vorbereitet.
Im Jahr 2004 sollen weitere 4,14 Millionen Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost
nach Toitenwinkel, Dierkow, Evershagen, Groß Klein und Schmarl fließen. Die
beiden letztgenannten Stadtteile bekommen außerdem 1,8 Millionen Euro aus dem
Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt".
Im Stadtzentrum besteht die Arbeit der RGS auch 2004 wieder zu 44 Prozent aus
Erschließungsmaßnahmen. Darüber hinaus, so freut sich Thomas Burzan, der Leiter
der Planungsabteilung, können diesmal 1,2 Millionen Euro in die Sanierung
privater Gebäude gesteckt werden. Auf diesem Wege wird beispielsweise der seit
langem dem Verfall preisgegebene Hornsche Hof nach einem Eigentümerwechsel
endlich herausgeputzt. Am Katharinenstift Nummer 8 wird ebenso saniert wie das
Nikolaieck und der Speicher in der Wollenweberstraße 62.
Im Stadtzentrum wird außerdem die Umgestaltung des Neuen Marktes weitergehen,
die im letzten Jahr mit Blick auf die IGA ausgesetzt wurde. In der Folge soll
die Steinstraße zur Anliegerstraße umgewandelt werden.
In der Östlichen Altstadt widmet sich die RGS 2004 dem Nordabschnitt der Kleinen
Wasserstraße und dem westlichen Teil der Fischbank. Die Molkenstraße wird
erneuert, Pümperstraße und Beginenberg saniert.
In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt sollen Zochstraße und Justizquartier bis Ende
April vollendet sein. Bis Juli wird der Nordabschnitt der Stampfmüllerstraße
vollendet, danach folgen bis Oktober die Südabschnitte Feld- und
Stampfmüllerstraße sowie die Wiesenstraße.
Eine Arbeit, mit deren Fertigstellung die Planer eigentlich schon im vergangenen
Jahr gerechnet hatten, ist die Sanierung von Augusten- und Karlstraße. Nachdem
die Witterung und etliche unerwartete unterirdische Hohlräume dem einen Strich
durch die Rechnung machten, ist nun der Juli als Endtermin gesetzt.
Und schließlich drehen sich etliche Gespräche im Hause der Rostocker
Gesellschaft schon seit langem um die Zukunft des Doberaner Platzes. Nachdem im
vergangenen Jahr eine Verkehrsstudie für das Areal entstanden ist, läuft derzeit
gerade der Realisierungswettbewerb. Thomas Burzan betont mit Blick auf das
gesamte Verkehrskonzept der Stadt: "Man kann den Doberaner Platz nicht isoliert
betrachten."
www.svz.de
16.04.2004
Wurzen: aktualisiert mit professioneller Hilfe
sein Stadtentwicklungskonzept
Die Muldestadt wird ihr Integriertes
Stadtentwicklungskonzept (INSEK) überarbeiten. Das war das Fazit der Begegnung
einer Wurzener Delegation mit Oberbürgermeister (OB) Jürgen Schmidt an der
Spitze und dem Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, Albrecht Buttolo.
Zum Jahresende soll das Dokument, in das dann die aktuellen
Entwicklungstendenzen beim Stadtumbau Ost eingearbeitet sind, dem neuen Stadtrat
vorgelegt werden. Das bisherige Konzept hatte die Stadt vor vier Jahren
entwickelt.
Albrecht Buttolo bot Wurzen, das bekanntlich als Modellstadt für den Stadtumbau
Ost in Sachsen gilt, seine Hilfe an. "Er will Fachabteilungen seines Hauses für
unser neues Entwicklungskonzept aktivieren und Kontakte zur Universität Leipzig
herstellen. Dort gibt es einen neuen Lehrstuhl Stadtentwicklung, der sich
ebenfalls unserer konkreten Wurzener Probleme annehmen soll", berichtet OB
Jürgen Schmidt. "In den nächsten Tagen werde ich mit dem Lehrstuhlinhaber einen
Termin vereinbaren, um die Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen."
Im Gespräch mit dem Dresdener Staatssekretär habe Einigkeit geherrscht, den
Abriss leer stehender Wohnungen in Wurzen mit aller Kraft voran zu bringen",
sagte Jürgen Schmidt weiter. "Dazu gibt es keine Alternative."
Eine zentrale Aufgabe, die mit ministerieller und universitärer Unterstützung
geleistet werden müsse, bestehe darin, den Stadtumbau unter städtebaulichen,
wirtschaftlichen und sozialen Aspekten mit der Konsequenz des zügigen Abrisses
leer stehender Wohnsubstanz auch gegenüber den Wohnungsunternehmen neu zu
definieren.
"Welchen Stellenwert das Wurzener Modellprojekt besitzt, hat Staatssekretär
Albrecht Buttolo noch einmal klar heraus gestellt, als er uns sagte: ,Wir sind
uns sicher, dass die Situation in Wurzen durchaus beispielhaft für heutige und
künftige Problemlagen in sächsischen Mittelstädten ist'", erklärte Jürgen
Schmidt.
www.lvz-online.de
15.04.2004
Brandenburg: Schlechte Noten für die
Stadtverwaltung
Einen grundlegenden Richtungswechsel in Sachen Stadtumbau in Brandenburg hat
Carsten Hagenau in seinem Abschlussbericht gefordert. Hagenau, der vom Land und
von der Stadt eingesetzt worden war, den Prozess des Stadtumbaus zwischen der
Verwaltung, den Wohnungsgesellschaften und privaten Immobilienbesitzern zu
moderieren, hat in seinem noch unveröffentlichten Bericht Wahrheiten in Worte
gefasst, die für Aufregung im politischen Geschäft sorgen werden. Er kommt zum
Schluss: Es geht nicht mehr um die Zukunft der Stadt, sondern um ihre
Überlebensfähigkeit. Bei 8000 leeren Wohnungen und sinkenden Einwohnerzahlen sei
klar: Die Stadt "ist heute und in der Zukunft zu groß", sie hat "zu viele
Wohnungen, zu viele Kitas und Schulen, ihre Infrastruktur ist
überdimensioniert". Das hat zur Folge, dass Stadtteile an den Rand ihrer
Funktionstüchtigkeit geraten. Wo ungenügend Menschen leben, lohnen sich Handel
und Gewerbe nicht, werden Verkehrsmittel nicht ausgelastet, finden Kneipen und
Kulturträger keine Nutzer. Hagenau: "Gelingt es nicht, den baulichen Überhang
bedarfsgerecht zu reduzieren, wird die Verödung der Stadtteile um sich greifen";
Unternehmen und Investoren bleiben fern oder ziehen sich zurück, was zu neuen
Wegzügen und zum Arbeitsplatzverlust führt.
Schonungslos analysieren Hagenau und seine Mitarbeiterin Nicole Kirschbaum den
wirkungslosen Versuch, den Stadtumbau zu beleben und kommen zum Schluss: "Die
Stadt hat beim Stadtumbau mindestens zwei wertvolle Jahre verloren." Das führen
sie zurück auf ein Stadtumbaukonzept, das sich ohne Masterplan auf punktuelle
städtbauliche Planungen stütze und "das nicht wirtschaftlich untersetzt ist".
Harsche Kritik muss sich die Verwaltung gefallen lassen. Namen werden nicht
genannt. Doch deutlich wird, dass Hagenau der früheren Stadtführung und dem
Beigeordneten Ralf Krombholz eine maßgebliche Mitschuld daran gibt, dass der
Stadtumbau nicht in die Gänge kommt. Hagenau beklagt eine "weitgehende Ignoranz"
gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Wohnungsunternehmen. Die
Verwaltung habe nur die "Rolle eines Fordernden eingenommen". Die Verwaltung
"hat sich eine Rolle angemaßt, die ihr nicht zukommt und hat sich zumeist als
kooperations- und kommunikationsunfähig erwiesen. Fehlende Bereitschaft zum
Gespräch wurde nicht einmal bemäntelt, sondern als Entschlossenheit ausgegeben."
Eine Zukunft gibt Hagenau der Stadt nur dann, wenn sie "vom Gießkannenprinzip
zur gerichteten Aktivität" umsteuert. Dafür sei es notwendig, die
Stadtumbaumaßnahmen ausdrücklich auf die Innenstadt und Hohenstücken zu
konzentrieren und alle Anstrengungen dort zu bündeln.
Zu Hohenstücken bekennt sich Hagenau, fordert aber dort neben einer Aufwertung
den massiven Abriss von Wohnungen. Die Zukunft der Stadt wird in der Innenstadt
und in Hohenstücken entschieden, glaubt er. Deshalb sei eine "Fokussierung
jedweden Einsatzes von Fördermitteln" in diesen Bereichen nötig. In anderen
Stadtteilen solle vorerst nur der Abriss unterstützt werden. Auf die Förderung
von Neubau und Modernisierung an anderen Stellen sollte verzichtet werden.
Hagenau schlägt der SVV in seinem Abschlussbericht vor, die Grundlagen des
Stadtumbaus und seine Organisation auf völlig neue Füße zu stellen und hat der
SVV dafür ein Thesenpapier zur Verfügung gestellt, das als Grundlage für einen
Masterplan für die Umgestaltung der Stadt dienen könnte.
www.MaerkischeAllgemeine.de
15.04.2004
Leipzig: Trotz Leerstand: LWB hebt Mieten in guten
Lagen an
Der städtische Großvermieter LWB will seine Einnahmen
erhöhen: Hunderte Leipziger haben bereits Mieterhöhungsbescheide bekommen,
weitere werden ähnliche Briefe in den nächsten Wochen erhalten. Betroffen sind
vor allem so genannte Bestandsmieter, die seit der Wende nicht umgezogen sind
und derzeit noch zu vergleichsweise günstigen Konditionen wohnen. Ernst Sobania
erhielt zu Monatsbeginn das Erhöhungsschreiben für seine 55 Quadratmeter große
Drei-Raum-Wohnung in der Spohrstraße 5. Er muss künftig monatlich 16,65 Euro
Kaltmiete mehr einplanen. "Alles wird teurer", schimpft der 70-Jährige. "Ich
muss schon für meine Gesundheit mehr zahlen, obwohl die Rente nicht steigt. Die
Mietanhebung kann ich nur verkraften, wenn ich jetzt an anderen Stellen noch
stärker spare."
Wie Ernst Sobania geht es derzeit rund 2000 Leipzigern, die ihre Wohnung bei der
Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) schon zu DDR-Zeiten gemietet
haben: Weil der Gesetzgeber sie lange Zeit vor Anhebungen geschützt hat, zahlen
sie heute meist weniger als jene, die sich nach der Wende zu deutlich höheren
Konditionen einmieten mussten. "Wir wollen diese Differenzen jetzt ausgleichen",
bestätigte LWB-Sprecher Gregor Hoffmann die Großaktion. "Die Mieten werden
allerdings nicht flächendeckend angehoben, sondern nur in Lagen, wo die
Nachfrage groß ist."
Zu spüren bekommen dies unter anderem 135 Haushalte in der Gerberstraße, deren
Kaltmiete die LWB nach eigenen Angaben durchschnittlich von 4,30 auf 4,65 Euro
je Quadratmeter erhöht. Im Kolonnadenviertel wurden sogar 555 Erhöhungsschreiben
verschickt und die Kaltmiete meist von 3,83 auf 4,09 Euro erhöht, in Alt-Lößnig
erhielten 90 Familien Post von der LWB und müssen statt 4,86 künftig 5,37 Euro
pro Quadratmeter Wohnfläche überweisen. Auch in Reudnitz, in der
Windmühlenstraße, am Roßplatz und in der Straße des 18. Oktober gibt es Anhebung
von rund 10 Prozent. "Dabei schauen wir uns die Lage jedes Hauses und jeder
Wohnung genau an", betont Hoffmann. "Auch die Mieten, die andere Anbieter in der
Nachbarschaft für ähnliche Objekte verlangen, spielen eine Rolle."
Die LWB räumt auch ein, dass die neuen Forderungen nicht mit Modernisierungen
oder anderen Wohnwertverbesserungen begründet werden. "Auch ohne solche
Investitionen dürfen Vermieter alle drei Jahre 20 Prozent mehr verlangen",
umreißt Hoffmann die Gesetzeslage. "Dass dies in Leipzig bislang kaum gemacht
wurde, hängt mit dem hohen Leerstand zusammen, der das nicht zuließ. Inzwischen
ist die Lage in einigen Stadtteilen anders."
Die LWB will künftig überall die Miete "nachziehen", wo die Nachfrage größer ist
als das Wohnungsangebot. "Das ist ein laufender Prozeß", meint Gregor Hoffmann.
"Wir wollen nicht, dass die Leute ausziehen. Aber wir können auch nicht auf die
Einnahmen verzichten." Der in einigen Lagen noch immer sehr hohe Leerstand und
der Stadtumbau würden jährlich Kosten in zweistelliger Millionenhöhe
verursachen, die durch Einnahmen an anderer Stelle gedeckt werden müssten.
www.lvz-online.de
14.04.2004
Aschersleben: 167 Plattenbau-Quartiere der AGW
müssen nun weichen
Der Bagger mit dem langen Ausleger erinnert an einen Langhals-Dinosaurier. Mit
endlosem Appetit frisst sich der Kopf durch Stahl und Beton. Es sieht nur so
aus, als würden die "Zähne" vorsichtig nach der nächsten Beute schnappen. In
Wahrheit wirken hier malmende Kräfte, die ein Wohnzimmer unaufhaltsam in einen
Haufen Bauschutt zerlegen. Tapetenbeklebte Steinbrocken fallen nach unten, es
kracht und staubt - trotz der Düse, die das Ganze beregnet und damit noch
größere Staubwolken verhindert.
Es sind viele Wohnzimmer, denen der kettenrasselnde Dino nach und nach den
Garaus macht. Dazu Bäder, Küchen und Kinderzimmer. Der Abriss im Wohngebiet
Welzstraße in Aschersleben hat am Dienstag begonnen. 167 Plattenbauwohnungen
werden "vom Markt genommen", wie es in der Stadtumbau-Sprache heißt. "Vor ein
paar Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können", so Wolfgang Adam,
Geschäftsführer der Ascherslebener Wohnungsgesellschaft (AGW), während er
beobachtet, wie wieder ein Stück Zimmer zu Boden kracht.
Die Gesellschaft gehört zu den größten Eigentümern von Wohnungen in der
Welzstraße. Zunehmender Leerstand bei immer weniger Einwohnern zwingt dazu,
"andersherum" zu denken. Abriss statt Neubau, schrumpfen statt ausdehnen. Ein
Zuschuss von 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ist der AGW bewilligt worden,
so dass am Dienstag mit dem Abriss begonnen werden konnte. Auch die Stadt und
die Wohnungsgenossenschaft warten auf die Bewilligungsbescheide - weitere
Wohnungen werden also folgen in die ewigen Jagdgründe.
Welche Blöcke dem Dino der Erfurter Firma SAT zum Opfer fallen werden, ist schon
von weitem zu erkennen. Wo einst Fensterscheiben in der Sonne blinkten, starren
jetzt leere Höhlen. Ein gespenstisches Bild. 20 ABM-Leute haben in den
vergangenen Monaten alles aus den Häusern entfernt, was nicht niet- und
nagelfest war .
Inzwischen hat sich Publikum eingefunden. Jungen und Mädchen der benachbarten
Grundschule schauen durch den Zaun und staunen den Bagger an, der sich aus 18
Metern langsam tiefer arbeitet. "Für Kinder sind wir immer ein Erlebnis", weiß
Mario Schliefke, Geschäftsführer der Abbruchfirma. Er hofft, dass der Abriss
insgesamt "verträglich für die Anwohner" vonstatten gehen wird - zumal ein Teil
des Bauschutts vor Ort geschreddert werden soll. "Alle Anwohner sind informiert
darüber. Und das Schreddern vor Ort ist immer noch besser, als 20 000 Tonnen
Schutt durchs Wohngebiet und durch die ganze Stadt zu karren", ist er überzeugt.
Außerdem soll ein Teil des zerkleinerten Materials sofort wiederverwendet
werden: als Füllgut für die Baugruben.
www.mz-web.de
14.04.2004
Rostock: Hochhaus ist fast wieder am Boden
angekommen
Evershagen Knirschend frisst sich der Greifarm in den
Beton, beißt sich fest und reißt schließlich große Brocken aus der Wand, die
staubend und grummelnd zur Erde prasseln. Das Ende ist absehbar. Von dem einst
18-geschossigen Hochhaus in der Fridtjof-Nansen-Straße 6 stehen nur noch sieben
Etagen und die auch nur noch als Rudiment.
Am 17. November 2003 begann mit einem Turmdrehkran die Demontage des Hochhauses.
Rund eine Woche war ursprünglich für jeweils eine Etage vorgesehen. Doch der
Beton ist besser und härter als die Experten vermutet haben. „Er hätte noch
viele Jahre gehalten, der war von wirklich guter Qualität“, bestätigt
Baustellenleiter Bernd Amelang von der Firma Thyssen Flächenrecycling, die im
Auftrag der Wohnungsgesellschaft Wiro das Hochhaus abträgt. Nach den
anfänglichen Verzögerungen liegt das Abrissunternehmen nun im Plan, sagte
gestern Bernd Amelang.
Nach Abschluss aller Arbeiten wird auf dem Areal eine Grünfläche angelegt. Die
Wiro verliert durch diesen Rückbau 161 Wohnungen aus ihrem Bestand, die keiner
mehr wollte. Das schon lange leer stehende Haus war zu einem Schandfleck
geworden. Wiro-Bauleiterin Astrid Engel beziffert die Abrisskosten auf 800 000
Euro. Aufgebracht wird diese Summe aus Förderprogrammen des Bundes „Stadtumbau
Ost“, des Landes, aus einem Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau und aus
Wiro-Eigenmitteln.
In den nächsten Jahren soll der gesamte Rostocker Wohnungsbestand durch Abriss
oder durch Geschossrückbau um 2600 Wohnungen reduziert werden.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
13.04.2004
Land Brandenburg: 50 Wohnungsunternehmen durch
Leerstand vor dem Aus
Der Wohnungsleerstand in Brandenburg gefährdet die
Existenz von fast 50 Unternehmen. Damit ist nach einem Bericht der
Landesregierung rund ein Viertel der über 220 märkischen Wohnungsunternehmen
bedroht. Vor allem in berlinfernen Regionen steige die Insolvenzgefahr weiter
an. Wenn 15 Prozent des Wohnungsbestandes eines Unternehmens leer stünden,
gerate der jeweilige Betrieb in eine finanzielle Schieflage. Die Regierung
strebt an, den für die Konsolidierung der Wohnungsmärkte notwendigen Abriss zu
beschleunigen und sinnvolle Fusionen von Betrieben zu forcieren.
Um Insolvenzen zu vermeiden, dringt Brandenburg inzwischen auf die Freigabe
weiterer Mittel für die Altschuldenhilfe durch den Bund. Bauminister Frank
Szymanski bezeichnete die Lage der märkischen Wohnungswirtschaft als
"schwierig". Diese werde durch Leerstände "erheblich" belastet. Altschuldenhilfe
sei deshalb "unverzichtbar". 220 Millionen Euro fehlten ostdeutschen
Wohnungsunternehmen noch, sagte der Minister. Diese Lücke müsse 2005 und 2006
geschlossen werden.
In Brandenburg sind nach Angaben des Ressortchefs bisher 70 Millionen Euro
Altschuldenhilfe für Wohnungsunternehmen gesichert. Weitere Gelder seien aber
notwendig, um die Unternehmen beim Abriss leer stehender Wohnungen zu
unterstützen.
Von den heute schon in Brandenburg leer stehenden 165 000 Wohnungen (laut
Zählung 2002) befinden sich dem Bericht zufolge 59 000 (35 Prozent) in den 22 so
genannten Stadtumbaustädten. Das sind Kommunen, die sich auf einen radikalen
Bevölkerungsschwund einstellen müssen. 66 000 leere Wohnungen gibt es in
sonstigen Städten und 40 000 in Orten bis zu 5000 Einwohnern. Gut ein Drittel
der leerstehenden Wohnungen befinden sich in Plattenbauten, die meisten anderen
in unsanierten Altbauten.
Vor diesem Hintergrund müssten Maßnahmen gefunden werden, um die
Wanderungsbewegungen von den Kleinstädten ins Umland einzudämmen, heißt es in
dem Report weiter. Szymanski verwies auf eine Entscheidung des
Haushaltsausschuss des Bundestages. Zusätzlich zu den bereits bewilligten 658
Millionen Euro stünden jetzt noch einmal rund 270 Millionen Euro für die
Altschuldenentlastung bei Abrissen zur Verfügung. Insgesamt seien in Brandenburg
bislang 10 000 Wohnungen abgerissen worden, Ende 2004 sollten es 15 000 sein,
unterstrich er. Brandenburg fördert Abriss derzeit mit 60 Euro pro Quadratmeter.
Auch Wolfgang Schönfelder vom Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen sieht keine Alternativen zum Abriss. "Auf dem Markt", sagt
er, "sind zu viele Wohnungen. Diese Überkapazitäten müssen erst mal weg."
www.morgenpost.berlin1.de
13.04.2004
Halle: Kletterturm aus Plattenbauten
Halle-Neustadt soll noch in diesem Jahr ein neues, 25
Meter hohes Wahrzeichen bekommen. Nordwestlich des Bruchsees wollen die IG
Klettern und der Alpenverein den höchsten Kletterturm Mitteldeutschlands
errichten. Der Clou an diesem Projekt: Der künstliche Felsen soll Schicht für
Schicht aus den Beton-Überresten abgerissener Plattenbauten entstehen.
"In Neustadt wird ja viel abgerissen. Durch unser Projekt kann aus den Platten
etwas Neues entstehen", erklärt Carmen Hartmann vom Vorstand der IG Klettern
Halle / Löbejün die ungewöhnliche Idee. Sie zeige, dass Stadtumbau mehr als nur
Abriss sei. Etwa die Betonmasse eines 16-Geschossers wird für den künstlichen
Felsen benötigt. Mit der GWG habe man bereits geredet, die
Wohnungsgenossenschaft will die Platten sponsern. Und auch die Form des
Kletterturms steht fest: Er soll mit seinen drei Ausläufern, die im oberen Teil
noch versetzt und überhängend sind, einem Salzkristall nachempfunden sein und
damit auf Halles Saline-Traditionen anspielen. Eine Spezialfirma wird den Turm
errichten.
"Eine Skulptur in dieser Kristallform wurde noch nie gebaut", weiß Hartmann, die
wie ihr Sohn seit sechs Jahren eine begeisterte Kletterin ist. Vorbilder
allerdings gibt es schon für diesen Blickfang in der geografischen Mitte des
Stadtteils: in Leipzig-Grünau und in Magdeburg stehen ähnliche Türme. Doch 25
Meter hoch ist keiner von ihnen. Auch in Halle gibt es bereits einen künstlichen
Kletterturm - in der Thüringer Straße. Allerdings reicht er mit seinen zwölf
Metern Höhe für den halleschen Kletterboom längst nicht mehr aus. "Vor allem
junge Leute werden derzeit von diesem Sport angezogen", weiß Hartmann.
www.naumburger-tageblatt.de
13.04.2004
NRW: Dem Ruhrgebiet droht eine «Entvölkerung»
Dem Ruhrgebiet droht in den kommenden Jahren eine mit
Ostdeutschland vergleichbare «Entvölkerung». Dies geht aus einer neuen Prognose
des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Statistik hervor, die dem in
Düsseldorf erscheinenden «Handelsblatt» vorliegt.
Danach werden die meisten Städte des Ruhrgebiets und angrenzender Regionen bis
zum Jahr 2020 um rund zehn Prozent schrumpfen. An der Spitze liegt Hagen, das
16,3 Prozent seiner Einwohner verliert. In Wuppertal sind es 14,3 Prozent, in
Gelsenkirchen 13,2 Prozent. Krefeld schrumpft um 11,4 Prozent, Essen um 10,8
Prozent und Duisburg um 10,2 Prozent. Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf muss
sich auf einen Einwohnerrückgang von 5,3 Prozent einstellen.
NRW-Bauminister Michael Vesper (Grüne) nannte die demographische Entwicklung
gegenüber dem Handelsblatt eine «Zeitbombe». In den betroffenen Stadtvierteln
drohe ein «räumlicher Entmischungsprozess» zwischen «arm und reich, mobil und
immobil sowie deutsch und nicht-deutsch». Auch wirtschaftlich seien jetzt schon
dramatische Folgen zu beobachten: «Die Städte kämpfen nicht nur in den
Randlagen, sondern auch in den 1A-Lagen mit Leerständen, zum Teil von bis zu 30
Prozent. Die Existenz von Nebenzentren in den Großstädten ist schon jetzt
bedroht», sagte Vesper.
de.news.yahoo.com
08.04.2004
Das Tabu Bevölkerungspolitik
Nach Angaben der Statstiker ging 2003 die Zahl der
Lebendgeburten im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 715.000 zurück,
während die Sterbefälle um 1,6 Prozent auf 858.000 zunahmen. Im vergangenen Jahr
starben also rund 143.000 Menschen mehr als Kinder geboren wurden. Zuletzt gab
es 1971 einen Geburtenüberschuss.
Das Schlimmste an der Entwicklung ist, dass man so gut wie nichts mehr daran
ändern kann. Wenn nicht ein Wunder geschieht und jedes Pärchen in Deutschland
demnächst mindestens zwei Kinder in die Welt setzt, drohen langfristig
gesellschaftliche Konflikte unbekannten Ausmaßes.
Aber auch wenn das Wunder geschähe, wieder mehr Kinder geboren würden und
jährlich noch 150.000 junge Leute aus dem Ausland einwanderten, ließe sich das
Problem nur auf lange Sicht ausräumen. Weil nämlich die in den vergangenen 33
Jahren nicht Geborenen heute als