Newsticker Archiv August 2003

zurück NEWS

31.08.2003
Perleberg: Hässliche Entlein wurden Schwäne
Insgesamt wurden 56 Wohnungen und 18 Gewerberäume, sprich Verkaufsläden und Büros, von 1990 bis 2003 saniert. Investiert wurden sechs Millionen Euro, davon kommen zwei Millionen aus der Städtebauförderung. Ohne diesen Zuschuss wären die Sanierungen nicht möglich gewesen.
"Für diese Kosten hätte man schon neu bauen können", betont Klaus Neumann, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt (GWG). Hinzu komme, dass die Sanierung alter Häuser ohnehin problematisch ist. "Man fängt irgendwo an, gleichzeitig fällt irgendwo anders eine Wand ein", beschreibt Neumann die Bauarbeiten.
Dennoch entstanden außergewöhnliche Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen, die zum Quadratmeterpreis von drei bis vier Euro vermietet werden. Bevor die Mieter jedoch einziehen konnten, standen sie vor vielen wichtigen Entscheidungen. So konnten sie die Raumgrößen und die Zimmeraufteilung mitbestimmen. Aber auch für individuelle Wünsche, wie zum Beispiel rosafarbene Fliesen im neuen Bad, war die GWG offen. "Wir sind auf alle Wünsche eingegangen. Die Mieter hatten einen bestimmten preislichen Rahmen. Alles, was darüber hinaus ging, mussten sie selbst zahlen", so Neumann. Mit den kreativen Einflüssen beider Seiten entstanden topp sanierte Häuser und Wohnungen, wie zum Beispiel Puschkinstraße 4, Schuhmarkt 3 oder auch Parchimer Straße 13. Letzteres ist das älteste Gebäude, das die GWG sanierte. "Die Wohnungen sind sehr gefragt und vermieten sich gut", ergänzt der Geschäftsführer. Das liegt zum einen am Flair und Charme der alten Häuser, zum anderen aber auch daran, dass die Mieter hier mit wenig Parteien in einem Haus wohnen und immer Stellplätze für ihre Autos haben.

www.svz.de

29.08.2003
Brandenburg: Krombholz zieht sich aus Stadtumbau zurück
Baubeigeordneter Ralf Krombholz zieht sich offensichtlich zumindest teilweise aus dem Stadtumbau zurück. Der Politiker lehnt nach eigenen Aussagen die Verantwortung für die Regelung der finanziellen Ausgleiche ab, die den Unternehmen die geplanten Abrisse erleichtern sollen. "Da geht es um städtisches Vermögen", erklärte er. Und dafür sei der Kämmerer zuständig. Er, Krombholz, wolle sich künftig nur noch um die konzeptionelle Arbeit kümmern.
Bürgermeister Norbert Langerwisch, der die kommunalen Finanzen verwaltet, zeigte sich sichtlich zerknirscht über Krombholz Rückzieher, wollte den Schritt gestern allerdings nicht kommentieren. "Das erwarte ich auch nicht mehr von ihm", sagte er lediglich. Krombholz habe schon vorher signalisiert, dass er keine Lösung für das Problem des Lastenausgleichs habe. "Die Fronten zwischen dem Baubeigeordneten und den Wohnungsgesellschaften sind ohnehin völlig verhärtet", räumte der Bürgermeister ein.
Krombholz kommissarischer Vorgänger, der jetzige Projektgruppenleiter Kurosh Arastéh, soll nun gemeinsam mit Norbert Langerwisch die Verhandlungen zwischen den Wohnungsgesellschaften und der Verwaltung führen.
Hauptakteure des Stadtumbaus sind Norbert Langerwisch zufolge weiterhin die kommunale Wobra sowie die WBG. Letztere hat sich laut Krombholz jetzt dazu bereit erklärt, den Abriss von rund 800 Wohnungen "ins Auge zu fassen". Die Wobra möchte nach Aussagen von Geschäftsführerin Stephanie Heinrichs in den kommenden zehn Jahren ungefähr 1200 Wohnungen vom Markt nehmen. Nach Informationen des Stadtplanungsamtes sind in Brandenburg derzeit mindestens 4000 Wohnungen überzählig.
Die Gesellschaften bekommen einen abgerissenen Quadratmeter mit 60 Euro bezahlt. Eine Summe, die die Kosten durchaus deckt, wie Wobra-Chefin Heinrichs sagt. Dennoch stehen die Quartiere immer noch hoch bewertet in den Büchern. Obgleich der Leerstand längerfristig ebenso zu einem Buchverlust führt, fürchten die Gesellschaften vor allem die Einbußen durch die Abrisse. "Eine Angst, die ich durchaus verstehen kann", erklärte Bürgermeister Langerwisch. "Das ist nachvollziehbar." Deshalb werde er nun gemeinsam mit Arastéh nach möglichen Lösungen suchen.
Wie die aussehen könnten, wollte Langerwisch gestern noch nicht sagen. "Da bitte ich um Verständnis." Überweisungen schloss er jedoch aus. Immerhin gebe es auch viele andere Möglichkeiten, die jetzt ausgelotet werden müssten. Laut Baubeigeordnetem Krombholz ist die gegenseitige Zahlung von finanziellen Ausgleichen unter den Wohnungsgesellschaften nicht mehr zu erwarten. "Das ist eher ein theoretisches Konstrukt."

www.maerkischeallgemeine.de

29.08.2003

Die Laubuscher Wohnungsgenossenschaft (LWG) balanciert vorerst weiter am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Das ist die Quintessenz der Jahreshauptversammlung, die am Donnerstagabend stattfand. Das Thema, bei dem die Wellen der Aufregung am höchsten schlugen, war aber ein anderes . . .
Angesichts des im Jahresabschluss 2002 ausgewiesenen Fehlbetrages von rund 1,8 Millionen Euro und des inzwischen auf knapp 5 Millionen Euro angewachsenen Bilanzverlustes hat der LWG-Vorstand den Genossenschaftern erneut einen Beschluss vorgelegt, der im vergangenen Jahr erstmals gefasst worden war, für Empörung und im Nachhinein für Klagen gesorgt hatte. Dennoch stimmte die übergroße Mehrheit der 120 erschienenen Genossenschafter dafür, die Genossenschaftsanteile derjenigen, die bis zum 31. Dezember 2002 aus der Genossenschaft ausgeschieden sind, nicht auszuzahlen, sondern zur Deckung des Bilanzverlustes zu verwenden. Die Anteile der verbliebenen Genossenschafter bleiben unangetastet. In Summe geht es um rund 250 000 Euro, etwa so viel wie auch im Jahr zuvor, als erstmals ausgeschiedene Genossenschafter auf die von ihnen einst eingezahlten Anteile verzichten mussten.
Es ist kein Geld da, um Anteile auszuzahlen.“ Und um seinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen, fügte er an die Genossenschafter gewandt hinzu: „Sie sind zahlungsunfähig plus überschuldet.“ Dann könne doch auch gleich Insolvenz angemeldet werden, verlautete daraufhin aus den Reihen der Genossenschafter. Was der SAB-Vertreter so aber nicht stehen lassen wollte. „Wir suchen eine Lösung, um die Genossenschaft am Leben zu erhalten. Eine Insolvenz aber beseitigt Ihre Anteile nachhaltig, die sind weg. Und wir als SAB könnten uns von unsereren Krediten verabschieden.“ Es sei also im beiderseitigen Interesse, dass die Genossenschaft am Leben bleibt. Die Anteile der Mitglieder gehen nicht verloren, die SAB bewahrt die Chance, ihr Geld zurückzubekommen. „Sie können im Prinzip nur noch entscheiden zwischen Not und Elend.“ Not wäre, sich gegen die Auszahlung der Genossenschaftsanteile zu entscheiden. Bei einer Entscheidung für Elend träfe es die gesamte Genossenschaft.

www.sz-online.de

28.08.2003
Land Brandenburg: Polnische Mieter in deutsche „Platten“

Frankfurt (Oder) will Wohnungsleerstand mit polnischen Mietern begegnen / Andere Grenzstädte wie Guben sind skeptisch
Vom 1. Mai 2004 an gehört Polen zur EU. Deutsche Grenzstädte wie Frankfurt (Oder), Guben, Forst oder Görlitz könnten ihrem massiven Wohnungsleerstand durch polnische Mieter entgegenwirken.
Allerdings ist die Angelegenheit bisher lediglich in Frankfurt (Oder) zur Chefsache gemacht worden.
Der Oberbürgermeister der Grenzstadt, Martin Patzel möchte die polnischen Nachbarn am liebsten schon jetzt in seine Stadt holen, bevor sie ihren Wohnsitz frei wählen können: „Jedem der kommt, würde ich eine Wohnung geben.“ Polnische Bürger aus Slubice, jenseits der Oder gelegen, sollen in leer stehende Wohnungen in Frankfurt ziehen können. Über Ausnahmegenehmigungen und klare Bedingungen will Patzelt dies regeln. Mit Arbeit in Frankfurt oder deutschen Sozialleistungen sei der Einzug nicht gekoppelt, betont er. 6500 leere Plattenbau-Wohnungen warten in der Oderstadt auf Abriss, in Slubice fehlen dagegen bis zu 800 Wohnungen. „Ich finde die Idee ganz prima, das ist super“, sagt Wanda Szram aus Slubice. Mit ihrer Familie würde sie über die Oder ziehen, wenn die Miete bezahlbar ist. Derzeit zahlt die vierköpfige Familie 500 Zloty (120 Euro) für 60 Quadratmeter. Wenn die Miete wie in Slubice wäre, ginge das, meint die Geschäftsfrau.
Auch für Patzelt ist wichtig, dass die Polen die Miete verkraften können. Deshalb sollten die Vermieter die Selbstkosten überprüfen, die sie mit leeren Wohnungen haben, sagt er und bemüht das Bild vom „guten Kaufmann“, der kurz vor Ladenschluss Nachlässe gewährt. Sonst müsse abgerissen werden. Ginge es nach dem Stadtoberhaupt, würde noch 2003 der erste Möbelwagen aus Slubice über die Brücke rollen. Derzeit dürfen Polen nur in Deutschland wohnen, wenn sie zum Beispiel eine Arbeitserlaubnis oder eingeheiratet haben.
Auch in der sächsischen Grenzkommune Görlitz wird überlegt, polnische Mieter in die Stadtmauern zu holen. Allerdings ist man sich im Rathaus der schwierigen Rechtslage bewusst. „Momentan steht das Thema nicht auf der Tagesordnung“, heißt es. Auch in anderen grenznahen Städten stehen Hunderte Wohnungen leer.
In der Neißestadt Guben, wo in den 70er-Jahren mehr als 1000 polnische Frauen im Chemiefaserwerk arbeiteten, wird in absehbarer Zeit nicht mit dem Zuzug von polnischen Nachbarn gerechnet. „Für polnische Bürger sind unsere Wohnungsmieten zu hoch, und im polnischen Gubin suchen nur wenige Leute Sozialwohnungen“, sagt Sandra Kositz von der Stadtverwaltung. Das liege auch daran, dass im kleineren Gubin in leeren Kasernen Wohnungen entstanden.
Im weiter südlich gelegenen Forst an der Neiße ist auch keine Einwanderungswelle zu erwarten. „Wir können derzeit keinen Bedarf erkennen“, meint Baudezernent Jürgen Goldschmidt. Viele Polen wechselten aus dem Grenzgebiet ins Landesinnere. „Mit dem EU-Beitritt werden sicher mehr Polen nach Deutschland ziehen, aber wohl eher in den Westen als zu uns“, vermutet Goldschmidt.
www.lr-online.de

28.08.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Millionen  für den Städtebau
Das Land will 2003 eine Fördersumme von 110,5 Millionen Euro für den Städtebau ausreichen. Für den verspäteten Start der Programme von Bund und Land macht das Bauministerium die "Blockadehaltung" der alten Länder verantwortlich. Sie fordern eine Umverteilung der Förderung.
Ein neues Parkhaus, eine Halle für Freizeitsport, ein Schönheitspflaster für den Weg an der Stadtmauer: rund sechs Millionen Euro beträgt die Bewilligungssumme, mit der das Zentrum von Rostock herausgeputzt werden soll. Gefördert werden die Baumaßnahmen durch mehrere Programme vom städtbaulichen Denkmalschutz bis hin zum Stadtumbau Ost. Von der landeseigenen Städtebauförderung soll unter anderem die Schweriner Werdervorstadt profitieren, die wegen "erheblicher baulicher Missstände" mit 570000 Euro neu in die Förderliste aufgenommen wurde. Insgesamt will das Land nach Angaben des Bauministeriums für 143 Projekte in 101 Orten 110,5 Millionen Euro ausreichen - zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Ziel ist es, die Innenstädte zu beleben.
Da das Geld für 2003 erst jetzt fließt, kommt es bei den Bauvorhaben jedoch teilweise zu erheblichen Verzögerungen. Als Grund nennt das Ministerium die "Blockadehaltung" westdeutscher Länder. So habe Bayern erst vor wenigen Tagen die Vereinbarung von Bund und Ländern zu den Programmen unterschrieben, kritisierte Arbeitsminister Helmut Holter. Hintergrund: Angesichts maroder Stadtteile auch in westdeutschen Kommunen häufen sich in letzter Zeit Beschwerden von Alt-Bundesländern über den Verteilerschlüssel. Zurzeit fließen etwa 80 Prozent der Fördergelder in den Osten.
In Mecklenburg-Vorpommern sei allerdings erst die Hälfte der Missstände beseitigt, hält Holter dagegen: "Allein für das Programmjahr 2003 war von den Gemeinden das Doppelte dessen beantragt worden, was bewilligt werden konnte." Der Bedarf sei weiter sehr hoch. Seit 1991 wurden in MV rund zwei Milliarden Euro Fördermittel für den Städtebau gewährt. Das Geld kam etwa zur Hälfte vom Land und zu je einem Viertel von Bund und Kommunen.

www.svz.de

28.08.2003
Cottbus: Versorger warnen: Stadtumbau heißt nicht nur Abriss
Die drohende Kürzung der Förder-Millionen für den Wohnungsabriss im Rahmen des Stadtumbaus ist nach Ansicht von Fachleuten nur die eine Seite der Medaille. Die zweite sind völlig ungeklärte Finanzierungs-Fragen rund um den Abbau von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie von Straßen. Dafür fehlen Millionen. Brandenburgs Landesregierung entscheidet heute über die drohende Kürzung der Städtebau-Förderung um zehn Prozent. "Der große Knackpunkt" komme dabei jedoch gar nicht erst zur Sprache, sagt der SPD-Stadtverordnete Reinhard Beer, beruflich tätig bei der Lausitzer Wasser-Gesellschaft (LWG). Aus Sicht der Versorger – Zweiter im Bunde sind die Stadtwerke – reiche schon die bislang in Aussicht gestellte Förderung nicht aus. "Dass gekürzt werden soll, ist fachlich überhaupt nicht nachzuvollziehen. Wenn wir Wohnungen nicht abreißen können, dann werden die Vermieter den Wohnungsmarkt nicht in den Griff bekommen" , so der Politiker Beer. LWG und Stadtwerke aber arbeiten in einem Bereich, wo bislang nichts gekürzt werden kann – weil gar kein Geld für den Abbau von überdimensionierten oder nicht mehr gebrauchten Leitungen in Sachsendorf und künftig auch Schmellwitz vorhanden ist. Beer: "Brandenburg hat diesen Aspekt des Stadtumbaus schlichtweg vergessen." Die beiden Versorger haben ihren Investitionsbedarf errechnet: Zwölf Millionen Euro wären nötig, um im Zuge des geplanten Wohnungs-Abrisses auch den "Unterbau" auf aktuellen Stand zu bringen. Allein rund um die Herderstraße in Sachsendorf müssten gut 1,5 Kilometer Regenwasser-Leitungen aus dem Boden geholt oder zumindest verfüllt werden. Andere müssten auf die schrumpfende Bevölkerungszahl in den großen Wohngebieten angepasst werden. Beer, der Wasser-Fachmann: "Fließt das Wasser zu langsam durch zu große Leitungen oder steht gar darin, dann ist das Trinkwasser kaum mehr zu gebrauchen. Beim Abwasser drohen uns Gestank aus den Leitungen und Korrosion der Betonkanäle." Ohne Umbau könne es passieren, dass die Unterwegs-Verluste größer sind als das, was beim Kunden ankommt – auch bei den Fernwärmeleitungen der Stadtwerke. Welche Probleme liegengebliebene Leitungen verursachen können, erlebten Bauleute vor gut zwei Jahren am Stadtring. Dort tauchte plötzlich ein alter unterirdischer Kanal auf, dessen Abriss den Bau immens verteuerte. Ähnlich ungelöst seien die Probleme mit den Straßen, die derzeit noch durch die Wohngebiete am Cottbuser Stadtrand führen. "Niemand weiß, was damit geschehen wird"
www.lr-online.de

28.08.2003
Greifswald
:
Erster Block soll in Bälde fallen
Wenn alles klappt, könnten noch 2003 die Abrissbagger anrollen. Ursula Bierkandt sitzt auf gepackten Koffern. Denn am 18. September wird sie in eine Übergangswohnung ziehen. In den Kooser Weg. Ihr jetziger Block, der Riemser Weg 5/6, ist nämlich jener, der als erster abgerissen werden soll. Der Block Riemser Weg 5/6 gehört zum sogenannten Quartier A4, sagt Nils Christiansen von der Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald (WGG). Hier werden die Umbaumaßnahmen im Ostseeviertel-Parkseite gestartet. Während dieser Block komplett entfernt wird, sollen bei angrenzenden nur einzelne Geschosse abgenommen werden. Zurzeit wohnen im Riemser Weg 5/6 noch drei Mieter. Andere sind schon ausgezogen. Christiansen hofft, dass der Abriss noch dieses Jahr begonnen werden kann. Denn 2004, so wurde auf der jüngsten Sitzung des Ortsrates verkündet, soll es endlich mit den lange geplanten Umbaumaßnahmen im Ostseeviertel-Parkseite losgehen. Auch bei der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, wie Dirk Bauer aus deren Aufsichtsrat bestätigte. „Wir haben immer wieder gesagt, dass die Arbeiten einvernehmlich und gemeinsam mit beiden beteiligten Wohnungsunternehmen und der Stadt laufen müssen. Sonst gehe gar nichts. Das wird auch so sein“, sagte Stadtplanungsamtsleiter Volker Bouché, der noch einmal erläuterte, dass Abriss/Umbau und nachfolgende Umgestaltungsarbeiten des Viertels zwei verschiedene Paar Schuhe sind, was sich in erster Linie natürlich auf die Fördertöpfe bezieht. Was die lange Zeit ungeklärte Finanzierung der Vorhaben betrifft, gibt es offensichtlich positive Signale, weshalb der Start jetzt konkret ins Auge gefasst werden kann. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Wohnungsunternehmen kein Risiko eingehen, wie Bauer sagte. Denn bis 2008/09 sind die Maßnahmen geplant. Heute könne keiner sagen, ob dann auch noch Förderungen fließen. „Aber wir können die Bürger nicht länger auf die Folter spannen.“ Darin sind sich alle Partner einig. Ebenso darin, dass im Ostseeviertel dringend etwas geschehen muss. Schade, dass kein Vertreter der WVG anwesend war, denn es gab Fragen, die Montag leider unbeantwortet blieben. Ursula Bierkandt tangierte das wenig, weil sie sich an ihre WGG hält. Die Genossenschaft war mit zwei Männern gekommen, um auf der gut besuchten Ortsratssitzung Rede und Antwort stehen zu können. „Etwa 45 Prozent unserer Mitglieder“, so Christiansen, „wollen im Ostseeviertel bleiben.“ Damit sie ihre Meinung nicht ändern, will die WGG ihnen überall helfen.
www.ostsee-zeitung.de

28.08.2003
Eilenburg: Städte werden für Senioren attraktiver
Welchen Einfluss hat die Bevölkerungsentwicklung auf die innerstädtische Planung?
"Nicht nur Eilenburg steht vor dem Dilemma, dass die Bevölkerung abnimmt. Wenn im Jahr 1990 noch über 21.000 Einwohner in der Muldestadt wohnten, so sind es im Jahr 2020 maximal 16.000 Bürger", mahnte Walter Christian Steinbach an. Dem müssen die Kommunen entgegenwirken. Bei einem Wohnungsleerstand von 12,9 Prozent (Juni 2002) sollten die Alarmglocken bei der Eilenburger Verwaltung schrillen. Wohnungsabrisse seien unvermeidbar. Axel Müller plädierte eher dafür, Arbeitsplätze zu schaffen, um die Abwanderung zu stoppen. Walter Christian Steinbach erläuterte aber, dass die Hauptursache nicht darin läge, dass die Bürger gen Westen abwandern, sondern, dass zu wenig Kinder geboren würden. Umzüge fänden vorrangig ins Umland statt. Aus diesem Grunde müsse Eilenburg alles tun, um attraktive Wohnungen anzubieten. "Die Stadtflucht wird nicht anhalten. Für Senioren besitzen die Städte immer mehr Anziehungskräfte. Wir brauchen altersgerechtes Wohnen," so der Regierungspräsident.
Der 76-jährige Georg Friedrich konnte das bestätigen. "Seit meiner Geburt wohne ich im Zentrum. Es muss gelingen, die Städte zum Wohnen schmackhafter zu machen." Birgit Bendix von der Eilenburger Wohnungsverwaltung will dem Rechung tragen. "In den nächsten Jahren stecken wir unsere ganze Kraft in die Zentrumswohnungen. Jetzt sind die Karl- und die Rollenstraße an der Reihe."

www.lvz-online.de

28.08.2003
Görlitz: wächst jetzt nach innen
In Görlitz steht zurzeit jede vierte von insgesamt 40 000 Wohnungen leer. Sorgenkind sind nicht die Plattenbauten in Königshufen, sondern die Gründerzeitgebäude. Zu Themen wie Stadtumbau und Innenstadtrevitalisierung stand Stadtplaner Lutz Penske vergangene Woche in einer öffentlichen Diskussionsrunde auf Einladung des Gesprächskreises „Christen in politischer Verantwortung“ Rede und Antwort.
„Königshufen war in seiner Dimension ein Fehler“, räumt Penske unumwunden ein. Andererseits habe die Neubausiedlung seinerzeit einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die Altstadt aus ihrer Randlage geholt werden konnte. Gut 150 Jahre lang habe sich Görlitz nach Süden entwickelt, erinnert der Stadtplaner. Erst wuchs die Stadt in der Gründerzeit auf den Mitte des 19. Jahrhunderts weit vor den Toren der Stadt angelegten Bahnhof zu, dann rasch über die Gleise hinweg. Dazu kamen Eingemeindungen.
In Folge dieser Entwicklung geriet die Altstadt in eine nördliche Randlage und das neue städtische Zentrum bildete sich am Bahnhof. Als Mitte der 70er Jahre festgelegt wurde, dass in Görlitz 6 000 neue Wohnungen errichtet werden, konnte der Stadtrat den Standort bestimmen. Man entschied sich auf Anraten der Stadtplaner für die grüne Wiese im Norden. Mit dem neuen Stadtteil Königshufen, in dem immerhin 20 000 Menschen Wohnungen fanden, konnte die Altstadt zurück ins Zentrum geholt werden.
Der Nachteil der Neubausiedlung sei die folgende Vernachlässigung der Altstadt gewesen, sagt Penske. Die Menschen seien mit fliegenden Fahnen aus der Altstadt in die Komfort bietenden Plattenbauten gezogen. „Königshufen war in der Dimension ein Fehler“, sagt Penske heute. Gab es Mitte der 70er Jahre in der Innenstadt 4 000 Wohnungssuchende, so verzeichnet die Statistik für 1989 4 000 freie Wohnungen. Zurzeit stehen 10 000 Wohnungen leer.
„Die Stadt muss nach innen wachsen“, konstatiert Penske. Theoretisch müsste die DDR-Platte als erstes der Abrissbirne zum Opfer fallen. Praktisch ist das nicht so einfach. Flächenmäßiger Abriss in Königshufen? Penske schüttelt den Kopf. Das sei zurzeit völlig unmöglich. Zum einen sei der Leerstand mit 20 Prozent noch längst nicht so beunruhigend wie in den Gründerzeitvierteln mit 40 Prozent, zum anderen sei Königshufen ein in sich geschlossener, begrünter, innenstadtnaher und verkehrsmäßig gut erschlossener Standort, der relativ intakt ist. Natürlich werde es auch hier einen Rückbau von Wohnungen geben, sagt Penske. Wie der vonstatten gehe, sei vor allem die Sache der Eigentümer der Gebäude. Kein Vermieter werde ein Haus abreißen, was noch Einnahmen bringt, vermutet der Stadtplaner.
Im Amt macht man sich trotzdem Gedanken. Strategien werden entworfen, Pläne gezeichnet, Varianten erarbeitet. Was sieht städtebaulich besser aus: Das Abtragen von Blöcken? Oder das von Etagen? Oder sollten die langen Gebäudefronten aufgebrochen werden? Stadtplaner Penske hat es nicht eilig. Statistisch wandern jährlich 500 bis 700 Einwohner aus Königshufen ab. Fast die Hälfe der Einwohner ist über 60 Jahre alt. Altersmäßig wird der Stadtteil nur noch von Weinhübel übertroffen, wo 75 Prozent der Einwohner 60 Jahre und älter sind. Bis 2015 wird sich die Einwohnerzahl von Königshufen halbieren, sagt die Statistik. „Wir müssen abwarten, wie dieser Prozess verläuft, ihn begleiten und mit Einwohnern und Eigentümern im Gespräch bleiben“, sagt Penske.
Das strategische Ziel bleibt der Rückbau von Plattenbauten in Königshufen, Weinhübel und Rauschwalde/Südstadt. Allerdings würde selbst der Abriss aller DDR-Neubauten nicht ausreichen, um den Leerstand zu beseitigen. „Wir müssen auch über Innenstadt nachdenken“, sagt Penske. War es früher untersagt, Wohnraum durch Gewerbe zweckzuentfremden, sind jetzt Arzt- und Anwaltspraxen in den bis zu 210 Quadratmeter großen Wohnungen willkommen. „Die historische Altstadt ist unverzichtbar für die Zukunft der Stadt“, betont Penske. Platzfolgen wie der Demianiplatz und der Wilhelmsplatz gehören für ihn zum Weltkulturerbe, einen Status, um den sich Görlitz bewirbt.
Problem Nummer eins bleibt aber die Abwanderung. Parallel zum baulichen Aufschwung ging die Zahl der Einwohner rapide zurück. Im vergangenen Jahr musste Görlitz noch einmal einen Wegzug in einer ähnlichen Größenordnung wie 1990/91 hinnehmen. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Hochrechnungen gehen gegenwärtig davon aus, dass Görlitz 2015 lediglich noch 50 000 Bürger hat.
Der Bevölkerungsverlust sei auch langfristig nicht zu stoppen, sagt Penske. Bereits jetzt überschreitet die Einwohnerzahl nur noch die Zahl von 60 000, wenn auch all jene dazu gezählt werden, die in Görlitz lediglich einen Zweitwohnsitz haben.
www.sz-online.de

27.08.2003
Neubrandenburg: Banken mauern - Wohnungsabriss stockt
Trotz des Milliarden schweren Stadtumbauprogramms Ost der Bundesregierung gerät der Abriss von Wohnungen in Mecklenburg-Vorpommern ins Stocken. "In Neubrandenburg müssten jährlich 400 Wohnungen abgerissen werden. Derzeit sind wir bei 100", sagte Frank Benischke, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Neuwoges GmbH, gestern in Neubrandenburg bei einem Treffen mit Arbeits- und Bauminister Helmut Holter (PDS). Das Hauptproblem sei das fehlende Entgegenkommen der Banken bei der Finanzierung des Abrisses.
Das 2002 gestartete Stadtumbauprogramm hat ein Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro. Die Gelder kommen von Bund, Ländern und Kommunen. Davon sollen der Abriss leer stehender Wohnungen und die städtebaulichen Aufwertung vor allem von Plattenbausiedlungen finanziert werden.
"Wir reden hier nicht über den Spezialfall Neubrandenburg", räumte Holter ein. Das gut gemeinte Programm drohe ins Leere zu laufen, weil die Finanzierung problematisch ist. "Die Privatbanken sind auf dem Selbstfindungs- und Kostenspartrip", sagte Benischke. Aus dem Stadtumbauprogramm gibt es für den Abriss pro Quadratmeter 60 Euro. Das sei ein Drittel der Kosten, berichtete der Geschäftsführer.
Die Neuwoges verwaltet in Neubrandenburg 15 000 Wohnungen, davon stehen derzeit 1200 leer. Im Stadtviertel mit der größten Leerstandsquote, dem Monckeshof, ist jede vierte Wohnung nicht vermietet.
www.svz.de

27.08.2003
Neustadt: Gegen Abriss nichts zu machen
"Stadtumbau Ost" heißt ein Programm, hinter dem sich der staatlich geförderte Abriss von nicht mehr genutztem Wohnraum verbirgt. In Neustadt wird es wahrscheinlich 2005 den Block Am Vogelsang 16 treffen. "Ja, dürfen die denn das?", fragte ein Mieter aus diesem Haus bei der MAZ nach. Gemeint ist die Wohnungsbaugesellschaft Neustadt. Eine Antwort gibt Rechtsanwalt Hans Liefert aus Kyritz. Das Mietrecht ist einer seiner Tätigkeitsschwerpunkte.
Im Hinblick auf den geplanten Abriss von vermieteten Wohngebäuden auch im Territorium des Altkreises Kyritz stellt sich die Frage für Vermieter und Mieter nach der gesetzlichen Grundlage. Diese befindet sich im Paragraf 573 Abs. 2, Ziffer 3 BGB. Danach kann der Vermieter das Mietverhältnis ordentlich kündigen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: dass die beabsichtigte wirtschaftliche Verwertung angemessen ist; dass durch die Hinderung der Verwertung ein erheblicher Nachteil eintreten wird.
Verwertungsmöglichkeiten sind neben Veräußerung sowie Umbau oder Sanierung des Hauses auch der Abriss des ganzen Hauses, z. B. um dort ein neues Gebäude zu errichten oder wegen permanentem Leerstand des vermieteten Gebäudes. Die letztgenannte Problematik gehört in den neuen Bundesländern zu den rechtspolitisch umstrittensten Fragen. Ursache dafür ist der im Gesetz enthaltene auslegungsfähige Rechtsbegriff "wirtschaftliche Verwertung". Es fehlt ganz einfach eine höchstrichterliche Entscheidung. Dennoch kann aber dem Vermieter nicht zugemutet werden, auf den Abriss eines vermieteten Gebäudes zu verzichten, nur weil z. B. ein Mieter aus einem großen Mehrfamilienhaus nicht ausziehen will. In derartigen Fällen haben das Amtsgericht Halle-Saalkreis und das Amtgericht Jena leerstandsbedingte Kündigungen des Vermieters für zulässig erachtet (veröffentlicht in NZM 2002, 782; NZM 2003, 351).
Eine weitere, nur in den neuen Bundesländern geltende Vorschrift enthält das Verbot der Verwertungskündigung für den Vermieter und gewährleistet einen besonderen Bestandsschutz für Wohnraummietverträge, die vor dem 3. Oktober 1990 abgeschlossen worden sind (Art. 232 Paragraf 2 Abs. 2 EGBGB).
Für den juristischen Laien ist im Ergebnis schwer zu beurteilen, ob der Vermieter in den neuen Bundesländern nun das vermietete Haus wegen Leerstand abreißen kann oder nicht. Hier hilft nur die Beachtung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zu Art. 14 des Grundgesetzes. Danach gewährt das grundrechtlich geschützte Eigentum seinem Inhaber das Recht, die Sache zur Grundlage eigenverantwortlicher Lebensgestaltung zu machen und sie zu nutzen, wie er dies nach seinen Plänen für zweckmäßig hält.
Im Klartext: Einzelne Mieter in großen Mehrfamilienhäusern können eine ordentliche Kündigung wegen Leerstand des vermieteten Gebäudes nicht verhindern. Wenn also ein vermietetes Haus leer steht oder überwiegend leer steht, ist das Recht des Eigentümers auf Abbruch in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz durchsetzbar. Voraussetzung ist auch, dass ein Überangebot an vermietbarem Wohnraum im näheren Territorium des Mieters vorliegt.
Diese genannten Aspekte sind zu berücksichtigen, weil jede Abrisskündigung der gerichtlichen Überprüfung standhalten muss. Schließlich erfolgt vor dem angerufenen Gericht eine Einzelfallprüfung. Bei allen Für und Wider auf Seiten der betroffenen Mietvertragsparteien darf der wirtschaftliche Hintergrund nicht vergessen werden. Schließlich kann dem Vermieter nicht zugemutet werden, Kosten für Heizung im Winter, Straßenreinigung, Wasser, Abwasser, Steuern und Versicherungen aufzubringen, wenn möglicherweise dieser Wohnblock seit Jahren nur noch von wenigen Mietern bewohnt wird.

www.maerkischeallgemeine.de

27.08.2003
Zeulenroda: Förderanträge gestellt für Stadtumbau Ost 2004
Eine lange Liste an Maßnahmen der öffentlichen Hand und im privaten Bereich hatten die Mitglieder des Zeulenrodaer Hauptausschusses in ihrer Sitzung am Montag auf dem Tisch. Eine Art Wunschliste für das kommende Jahr, welche Vorhaben Hausbesitzer und Stadt gerne 2004 innerhalb des Förderprogramms Stadtumbau Ost in Angriff nehmen würden.
Zur Aufwertung der Innenstadt von Zeulenroda beantragt die Stadt zum einen Fördermittel für den Kauf von Gebäuden bzw. Grund und Boden, für Entkernung und bauliche Veränderungen in der Schleizer Straße zwischen Unterer Neustadt und Lindenstraße sowie für die Fortsetzung der Maßnahme am Städtischen Museum bzw. für die Fassade der Dreieinigkeitskirche und diverse private Sanierungsvorhaben. Insgesamt umfasst dieser Jahresantrag Fördermittel in Höhe von 864 000 Euro. Dabei orientiere man sich an der mittelfristigen Haushaltsplanung, wie die Bauamtsleiterin betont.
Ein weiterer Antrag befasst sich mit fürs kommende Jahr gewünschten Abbruchmaßnahmen - neudeutsch: Rückbau. Darin enthalten sind ebenfalls sowohl private als auch städtische Vorhaben, die von Teilabbrüchen von Wohnflächen bis hin zu Komplettabriss reichen, wie etwa im Stadtbachring, worüber OTZ bereits berichtete. Weiterer Abriss-Schwerpunkt im Innenstadtgebiet stellt 2004 nach dieser Wunschliste die Aumaische Straße dar, wo komplette und Teilabrisse gewollt sind.
Insgesamt stecken in dieser Liste geschätzte Rückbaukosten von rund 1,09 Millionen Euro. Dabei liege der Fördersatz fest. Maximal 60 Euro pro Quadratmeter abzureißender Wohnfläche werden bezuschusst, erläuterte Zeulenrodas Bauamtsleiterin auf Nachfrage im Hauptausschuss.

www.otz.de

27.08.2003
Schwerin: Grundstein gelegt für neue Kita
Neben der vor drei Jahren neu gegründeten Kita gGmbH entstand gleichzeitig auch "KiGeb", ein Eigenbetrieb für die Verwaltung der Kita-gGmbH-Immobilien. Der Betrieb wird den Bau von zwei neuen Kindertagesstätten zügig voranbringen. Neben dem Neubau in der Joseph-Haydn-Straße wird das Kindertagesstättengebäudemanagment (KiGeb) auch die Sanierung und Umgestaltung der Kita in der Ziolkowski-Straße durchführen. Gestern wurde dafür feierlich der Grundstein gelegt.
"Das Zusammenwirken von KiGeb und Kita gGmbH hat sich als überaus erfolgreich gezeigt", sagt Kita-Geschäftsführerin Anke Preuß. "In der Ziolkowski-Straße wird durch Rückbau und Sanierung eine schöne neue Kita im Mueßer Holz entstehen", so Anke Preuß. 200 000 Euro kommen dafür aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost". Drei Fünf-Raum-Wohnungen in der Newton-Straße 16 dienen zurzeit als Ausweichquartier. Die Kinder nutzen aber weiter den Spielplatz hinter ihrer "alten" Kita und bekommen so den Ablauf der Bauarbeiten ganz aktuell mit. Im nächsten Mai werden sie in die neue Kita einziehen können.

www.svz.de

27.08.2003
Cottbus: Amputieren, ohne dass es weh tut
78660 Menschen haben Cottbus seit der Wende verlassen, weil die geschlossenen Kohlegruben, die Textilbuden und all die sonstigen Betriebe keine Arbeit mehr überflüssig haben. Die Abwanderung war bis 1993 besonders stark, dann beruhigte sich die Situation. Als den Leuten wenige Jahre später klar wurde, dass der große Investor ausbleibt, setzte die Flucht erneut ein und hat inzwischen wieder die Gewalt der Wendezeit erreicht. Selbst Kommunalgrößen sagen hinter vorgehaltener Hand, dass sie ihren Kindern empfehlen würden, das Weite zu suchen. In Cottbus zeigt sich das Ende des Industriezeitalters besonders drastisch, weil es auch die angenehmen Seiten zeigt.
Plötzlich werden hinter den abgerissenen Fabriken Parks sichtbar, darf beim Joggen wieder durchgeatmet werden, strahlt die Proletarierstadt intellektuelle Heiterkeit aus, mit der die Politiker sich erst arrangieren müssen. Die Oberbürgermeisterin tastet sich zögernd an das neue Lebensgefühl heran: »Wir wollen alle Dinge zulassen, die sich entwickeln wollen. Die Jugend soll einfach probieren, experimentieren.« Und hat schon die Parkflächen zum Betreten freigegeben.
Die Lockerung wird vor allem von den Studenten genossen. Jetzt allerdings, in den Semesterferien, spürt Cottbus, was es an seinen beiden Hochschulen hat. Die Straßen sind nur halb so voll. Das Fehlen der Kinderwagen wird dadurch doppelt schmerzhaft sichtbar. Mit den Frauen, gehen auch die Kinder. »Es sind die mobilen Frauen, die gehen«, sagt Heinz Nagler, der einen Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen an der Technischen Universität hat. Das ist neu in der Geschichte der Arbeitswelt, denn bisher zogen nur die Männer der Arbeit nach.
Ebenfalls neu ist, dass »jetzt auch die Alten den Kindern folgen«. Inzwischen starrt alles auf die magische Grenze von 100000. Wenn die unterschritten wird, fürchten die Leute, ist Cottbus keine Großstadt mehr, verliert Zuwendungen vom Land, kann die überraschende Vielfalt seiner Kultur nicht mehr halten. Und dann gehen die Menschen noch schneller fort.
Darum wohl auch der Streit mit den drei Nachbardörfern, die im Oktober mit ihren insgesamt 5500 Einwohnern zwangsweise eingemeindet werden. Professor Nagler drängt auf den zügigen Stadtumbau. »Die erweiterte Innenstadt muss verdichtet werden, damit dann, wenn die Randbereiche verschwinden, der städtische Kern erhalten bleibt.« Dramatisch ist der Umbau der Plattensiedlung Sachsendorf. Dort waren Bauten für 30000 Menschen hingeklotzt worden, eine Stadt neben der Stadt, ohne Identität, ohne Zentrum. Dort ist die Flucht am größten, dort sind aber auch erste Erfolge zu sehen: die Stadtvillen aus Abrissplatten auf altem Hochhausfundament waren schon vor dem Umbau restlos vermietet. Jetzt geht der Abriss weiter, Durchbrüche schaffen, Licht machen, menschlicher, bis die Hälfte der Arbeiterschließfächer recycelt ist. Das Jahr 2015 wird mit Sicherheit keine hunderttausend Cottbuser mehr sehen. »Der Trend geht«, so Nagler nüchtern, »eher gegen 85- oder 80000«. Obwohl seit 1990 schon 50000 Menschen neu in die Stadt gezogen sind und noch weitere folgen werden.
Das Rathaus stemmt sich gegen den Trend. Immerhin hat sich die Bundesknappschaft für Cottbus entschieden, und auch Vattenfall zieht es in den alten Energiebezirk. Doch Karin Rätzel will das »produzierende Gewerbe« nach Cottbus holen, setzt Hoffnung in polnisch-amerikanische Investoren, die Cottbus als Sprungbrett gen Osten brauchen. Randlage als Glücksfall. Doch Namen werden nicht genannt. Derweil laviert die Oberbürgermeisterin inmitten der notwendigen Sanierung des Haushaltes, der bereits ein Defizit von 81,5 Millionen € erreicht hat, und der Erkenntnis, das jede Rationalisierung wieder neue Arbeitslose schafft.
www.nd-online.de

26.08.2003
Wilthen: Balkone und Dachgarten laden zum Sonnen ein
In vielen Plattenbaugebieten des Landkreises werden derzeit Blocks abgerissen. So auch in Wilthen. Dort blieben jedoch zwei Stockwerke stehen. Daraus entstand ein attraktives Stadthaus.
An der Südseite wurde gestern gerade die Terrasse der Erdgeschosswohnung betoniert. Im Treppenhaus waren zwei Frauen damit beschäftigt, den während der Bauarbeiten entstandenen Schmutz zu beseitigen. Im Keller erledigte ein Monteur letzte Handgriffe an den Entwässerungsrohren. – Das Haus Nummer 56 an der Karl-Marx-Straße im Wilthener Plattenbaugebiet glich einem Ameisenhaufen.
In den vergangenen Monaten ist aus dem ehemals sechs Etagen hohen Wohnblock ein attraktives Stadthaus entstanden, nachdem die oberen vier Stockwerke abgerissen worden waren. Jetzt befinden sich in dem Gebäude, das der Wilthener Wohnungsbaugesellschaft gehört, eine Vier-, eine Zwei- und zwei Drei-Raum-Wohnungen sowie etliche Zimmer, die künftig vom Fernsehsender „Regio-TV Oberland“ genutzt werden. „Die Gewerberäume können bei Bedarf ganz problemlos in eine Drei- und eine Zwei-Raum-Wohnung aufgeteilt werden“, erklärt Lutz Gräfe, Geschäftsführer der Wilthener Wohnungsbaugesell-schaft. Alle Räume im Erdgeschoss sind übrigens behindertenfreund-lich gestaltet.
Das I-Tüpfelchen des in warmem Apricot leuchtenden Hauses bildet ein großer Dachgarten, der künftig allen Bewohnern offen steht. Neben begrünten Bereichen gibt es eine befestigte Fläche, auf der Liegestühle oder Sitzgruppen aufgestellt werden können. Für etwas Schatten wird eine kleine Pergola sorgen. Sie ist aus dem gleichen dunkelbraunen Holz gebaut, wie die Balkone, die dieser Tage an allen Wohnungen angebracht werden.
Der Umbau des bislang auch als „Berliner Eck“ bezeichneten Blockes wurde natürlich auch gleich genutzt, um das Innere der Wohnungen zu modernisieren. Die Versorgungsstränge, in denen zum Beispiel Wasser- und Abwasserleitungen untergebracht sind, wurden saniert und den aktuellen Brandschutzvorschriften angepasst. Die komplett gefliesten Bäder bekamen eine Zwangsentlüftung.

www.sz-online.de

26.08.2003
Die schrumpfende Stadt
Es ist schon erstaunlich, dass ökonomische, soziale oder auch ökologische Krisenerscheinungen erst dann ins Bewusstsein der Politik rücken und der Neugier der Medien ausgesetzt sind, wenn die schmerzhaften Nebeneffekte so weh tun, dass man sie politisch, ökonomisch und sozial nicht mehr ignorieren kann. Das Projekt "Schrumpfende Städte" der Bundeskulturstiftung profitiert von dieser neuen Aufmerksamkeit. Der Projektleiter Philipp Oswalt, Autor des Buches "Berlin - Stadt ohne Form", Architekt und Publizist, hat ein interessantes Konsortium von Wissenschaftlern, Künstlern und Architekten zusammengestellt, das sich der Thematik der schrumpfenden Städte auf eine neue Weise nähert. Weitere Kooperationspartner sind die Architekturzeitung Arch+, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Das Projekt ist Teil des Programms "Kunst und Stadt", und in diesem Sinne ist auch sein innovativer Ansatz zu verstehen. Wie alle Projekte, die auch einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgen, hat es das Interesse, Erkenntnisse und Analysen zum Phänomen "Schrumpfende Städte" zu vertiefen.
Dabei steht jedoch weniger die Erhebung der vielfältigen Erscheinungsformen und Ursachenanalysen im Vordergrund als die Dokumentation dieses neuen zivilisatorischen Musters. Die gebaute und gelebte Stadt ist sicher eine der komplexesten kulturellen Manifestationen von Gesellschaft und Gemeinschaft. Wandelt sich die Stadt, so wandeln sich auch kulturelle Ausdrucksformen. Schrumpfung ist also kein Problem, das mit dem Abbau von Wohnungsleerstand geklärt wäre. Wenn sich Stadtbrachen ausbreiten und sich als Muster von potenziellen Freiräumen über den Stadtraum ziehen, öffnen sich neue Gestaltungsräume. Wenn sich die Stadt fragmentiert, soziale Sicherungssysteme versagen, die Stadt als Integrationsmaschine versagt, bauen sich Polaritäten auf. Die Menschen suchen sich alternative Versorgungssysteme, bilden Solidargemeinschaften, bauen informelle Kooperationsnetze jenseits von Markt und Staat auf. Andererseits fallen sie auch aus sozialen Netzen heraus, gleiten in Armut ab, und der Zugang zu gesellschaftlicher Teilnahme verschließt sich. Der Bauraum Stadt ist schließlich nur noch erstarrte, Stein gewordene Erinnerung an vergangene Funktionen und Anforderungen.

www.taz.de

24.08.2003
Chemnitz: Wohnungsgesellschaft reduziert Bestand um ein Viertel
Der größte Chemnitzer Vermieter will bis zum Jahr 2010 jede vierte Wohnung aufgeben. Insgesamt sollen rund 10 700 Wohnungen «vom Markt genommen werden», wie der Geschäftsführer der Grundstücks- und Gebäudewirtschaftgesellschaft mbH (GGG), Peter Naujokat, am Freitag in Chemnitz sagte. Das strategische Ziel des Unternehmens sei eine Reduzierung des derzeitigen Bestandes von rund 43 000 auf 30 000 Wohnungen.
Die Leerstandsquote bei der GGG beträgt nach Naujokats Angaben 35 Prozent. Dabei sei der vermietbare Bestand mit 17 Prozent relativ gering betroffen, während unsanierte Restitutionsobjekte zu 80 Prozent leer stünden. Allein in diesem Jahr sei der Abriss von 1300 bis 1500 Wohnungen vorgesehen. Außerdem werde durch Rückbau und Veränderung von Grundrissen bei Modernisierung von Plattenbauten die Zahl der Wohnungen verringert.
Nach Naujokats Auffassung ist ein wirtschaftlicher Stadtumbau aufgrund der sinkenden Bevölkerungszahlen nur durch Abriss ganzer Stadtquartiere möglich. Auf Dauer sei die vor allem in großen Plattenbaugebieten vorhandene Ver- und Entsorgungsinfrastruktur nicht zu halten. Die Herausnahme einzelner Blöcke bedeute eine höhere Kostenbelastung für die Kommune und letztlich steigende Gebühren für die Bürger, sagte Naujokat.
Die GGG ist nach eigenen Angaben die drittgrößte ostdeutsche Wohnungsgesellschaft außerhalb Berlins. Entgegen dem Branchentrend habe das Unternehmen in den letzten beiden Jahren schwarze Zahlen unterhalb des siebenstelligen Bereiches geschrieben, sagte Naujokat. Um diese Entwicklung zu halten, werde ab 1. November erstmals seit 1997 eine Mietanhebung um 3 Prozent für rund 17 500 Haushalte vorgenommen. Die Mehrbelastung liege zwischen 1,24 und 13,05 Euro pro Monat.

www.freiepresse.de

23.08.2003
Weißwasser: Reaktionen auf Stadt-Umbau
Die Studie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) zu den Themenbereichen Wohnen und Stadtumbau in Weißwasser-Süd ist fertig und wird am 1. September vorgestellt. Im Frühjahr des vergangenen Jahres wurden von den Mitarbeitern des UFZ insgesamt 600 Haushalte befragt und zahlreiche vertiefende Gespräche geführt.
Ein wesentliches Ziel der Untersuchung war es, zu erfahren, wie sich die Bewohner von Weißwasser-Süd zum geplanten Abriss verhalten, denn die Akzeptanz und Mitwirkungsbereitschaft der Mieter ist ein wichtiges Kriterium für die Durchführbarkeit des Stadtumbaus. Dabei gibt es Unterschiede: Allgemein betrachtet, findet eine Mehrheit der Bewohner die bereits getätigten und noch anstehenden Abrisse prinzipiell, mit oder ohne Einschränkungen, in Ordnung. Das Thema Stadtumbau ist also bei den Bewohnern angekommen.
Nur eine Minderheit stellt die Abrisse komplett in Frage. Zwischen direkt und nicht direkt betroffenen Bewohnern gibt es hinsichtlich der Akzeptanz große Unterschiede. Gerade bei den Mietern, die ihre Wohnung verlassen müssen, ist sie erheblich niedriger.
Die Mieter setzen sich sehr intensiv mit diesem Thema auseinander. In der Befragung wurde ein breites Spektrum an Positionen wiedergegeben. Hauptgrund der Ablehnung ist die Wahrnehmung des Stadtumbaus als Belastung, Verlust und Entwertung. Die Mehrheit der betroffenen Bewohner verbindet mit dem Stadtumbau keine Verbesserung der Lebenssituation.
Die aus gesamtstädtischen Erwägungen rational erscheinende Konzentration des Stadtumbaus auf das Wohngebiet Am Südpark wird von den dortigen Bewohnern als angedrohter Verlust an Wohn- und Umfeldqualität wahrgenommen. Die Bewohner schätzen an ihrem Quartier ganz besonders die überdurchschnittliche Grünausstattung und die Ruhe. Zudem zeigt sich, dass nicht die Ausstattungsmerkmale der Wohngebiete das Kernproblem für die Bewohner sind, sondern eher soziale Bedingungen resultierend aus dem wirtschaftlichen Niedergang und der Abwanderung.

www.sz-online.de

22.08.2003
Erfolgreiches Herabzonen
Was Berlin noch vor sich hat, haben andere Städte in Ost-Deutschland längst begonnen: Abriss und Verkleinerung von Plattenbausiedlungen stehen auf dem Programm in Schwerin, Halle, Zwickau, Rostock, Magdeburg, Jena . Sie leiden wie viele andere Städte im Osten unter rückläufigen Einwohnerzahlen und wirtschaftlicher Misere. Schwerin etwa hatte 1989 noch 130 000 Einwohner, jetzt sind es noch 98 000. Zwickau schrumpfte von 130 000 auf 100 000 Einwohner. "Die Leute ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt", berichtet Wulf Werner, Baudezernent der Stadt. Als Folge stehen immer mehr der Betonburgen aus DDR-Zeiten leer. "Wir haben deshalb schon 2001 angefangen, Häuser abzureißen. Da waren viele noch erschrocken und wollten nicht wahrhaben, dass es dafür keinen Markt mehr gibt", sagt Werner. Er macht sich und den Zwickauern nichts vor. Bis zu 20 Prozent des Bestandes müssen verschwinden. Das sind 12 000 Wohnungen.
Als Erfolg hat sich das "Herabzonen" von Häusern gezeigt. Aus Fünfgeschossern wurden Dreigeschosser, durch das Entfernen von Treppenhäusern verloren die Riegelbauten ihre Massivität. So entstanden mehrere hundert attraktive Wohnungen, die zum Teil als Maisonettes ausgebaut wurden. "Das wird von den Mietern sehr gut angenommen", sagt Werner. Sogar Arbeitsplätze entstanden beim Rückbau-Programm. Mitarbeiter der früheren Plattenbaukombinate nutzen ihre Erfahrung. "Die wissen genau, wo man die Platten durchsägen kann, wenn man zum Beispiel eine Wendeltreppe einbauen will."
Auch in Jena stoßen die umgebauten Wohnungen auf gute Akzeptanz. Die Häuser sind mit ihren Dachgeschosswohnungen, schicken Fassaden und außen angebauten Aufzügen nicht mehr als ehemalige DDR-Massenware zu erkennen. Dort wohnt man gern. Doch solcher Umbau ist teuer und keine Alternative zum Abriss. Der sei auch aus einem anderen Grund notwendig, sagt Werner: "Das Umfeld für die rückgebauten Häuser muss stimmen. Im Schatten eines leer stehenden Hochhausblocks wird sich kein hochwertiges Wohnen entwickeln."

www.berlinonline.de

22.08.2003
Berlin: Es stehen 160 000 Wohnungen leer
Stadtentwicklungssenator Peter Strieder will in Berlin erheblich mehr leer stehende Wohnungen abreißen lassen als bisher geplant. Vor allem in den Plattenbau-Quartieren müssten Gebäude rückgebaut werden, sagte Strieder am Mittwochabend. Denn der Leerstand sei auf einen Rekordwert gestiegen.
Nach Erhebungen der Behörde stehen laut Strieder in Plattenbauten, unsanierten Altbauten sowie im "höherpreisigen Segment" nicht wie bisher kalkuliert 130 000, sondern sogar 160 000 Wohnungen leer. "Darum müssen wir deutlicher über Stadtumbau und -rückbau nachdenken, als es gegenwärtig noch erlaubt ist", sagte der Senator, der auch SPD-Landeschef ist. Von 2004 an wird das Land auch keine Sanierung von Plattenbauten mehr subventionieren.
Wie viele Wohnungen genau in Berlin der Abrissbirne zum Opfer fallen sollen, wollte Strieders Behörde gestern noch nicht sagen. Der Bauexperte der SPD im Abgeordnetenhaus, Bernd Schimmler, rechnet jedoch mit "Zahlen jenseits der 5000". Schimmlers PDS-Kollege Gernot Klemm hält nichts von einer Abrissdebatte um Quoten und Zahlen: "Das ist total falsch." Folge sei eine Verunsicherung, die zu noch mehr Auszügen führe. Rückbau sei punktuell notwendig, aber nicht nur in Plattenbauten, sondern auch in Altbauten der Innenstadt.
In Marzahn-Hellersdorf, wo nach Angaben von Baustadtrat Svend Simdorn  13 Prozent der etwa 100 000 zu DDR-Zeiten errichteten Plattenbau-Wohnungen ungenutzt sind, sieht man das genauso. "Aber die Altbauten gehören meist Privatleuten, also hat Strieder darauf keinen Zugriff", sagte Simdorn. Dem Senator gehe es nur darum, Bundesmittel aus dem Programm Stadtumbau Ost zu bekommen. Und dafür müsse er eine bestimmte Abrissquote nachweisen.
Auch Heinrich Niemann, Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf, warnt vor klischeehaften Betrachtungen: "Der deutliche Zuwachs beim Wohnungsleerstand ist entgegen anders lautenden Behauptungen nicht auf Entwicklungen in den Plattenbaugebieten zurückzuführen." Vielmehr gebe es wachsende Probleme bei der Altbausubstanz etwa in Neukölln oder am Ostkreuz oder in nach der Wende gestarteten Neubauprojekten wie in Karow. Da dort die Mieten vergleichsweise hoch sind, würden viele Berliner wieder ausziehen. "Mit Abriss nur an einer Stelle in der Stadt wird das Problem des Wohnungsleerstands keinesfalls gelöst", ist sich Niemann sicher.
Punktuell wird der Abriss von maroden Plattenbauten jedoch auch im Berliner Osten als sinnvoll angesehen. So verschwand in der ersten Jahreshälfte bereits das Doppelhochhaus an der Marchwitzastraße. Die 18 und 21 Geschosse hohen Gebäude wurden Etage für Etage abgetragen. An ihre Stelle entsteht nun ein Park.
Als nächstes wird die Abrissbirne in Marzahn-Nord zuschlagen. Das Wohngebiet gehörte zu den Neubauprojekten aus der Endzeit der DDR. Die Qualität der Häuser war aus Geldmangel besonders schlecht. Nach Plänen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Marzahn soll noch in diesem Jahr mit dem Abriss von 1670 Wohnungen begonnen werden. 409 Quartiere sollen zu modernen Wohnungen umgebaut werden. Etwa 10 Millionen Euro will der Senat dafür aus dem Programm Stadtumbau Ost dafür bereitstellen.

www.welt.de

22.08.2003
Thüringen: Stadtumbau 
Die „schrumpfenden Städte“ sind ein zentrales Thema insbesondere der ostdeutschen Kommunen. Der gravierende Bevölkerungsrückgang bedarf neuer Konzepte und Lösungsansätze.
„Stadtumbau“ ist das Schlagwort für Rückbau, Aufwertung vorhandener Stadtquartiere, Neubau mit deutlich geringerer Dichte und Maßnahmen zur Anpassung der Infrastruktur.
Mit der Fachtagung „Stadtumbau in Thüringen“, die am 17. September 2003 in Weimar stattfindet, soll ein Überblick über die Situation in Thüringen gegeben und neue Ideen und Konzepte vorgestellt werden.
Prognosen gehen davon aus, dass die deutsche Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von jetzt 82 Millionen auf deutlich unter 60 Millionen zurückgehen wird. Demographische Schätzungen für den Freistaat Thüringen rechnen mit einem Bevölkerungsrückgang um 5 % in den nächsten 10 Jahren, um 12 % in den nächsten 20 und um 30 % in den nächsten 50 Jahren aus.
Gleichzeitig wird sich die Altersstruktur der Bevölkerung grundsätzlich wandeln. Im Jahr 2020 wird ungefähr ein Viertel aller Thüringer 65 Jahre und älter sein. Stadtumbau und „Neues Bauen“ sollte deshalb auch aus diesem Blickwinkel betrachtet werden.
Der Freistaat Thüringen hat die Initiative „genial zentral: Unser Haus in der Stadt“ ins Leben gerufen, die zur Stabilisierung der Wohnfunktionen in den Städten beitragen soll. Ziel ist es u.a. innerstädtische Brachflächen zu revitalisieren, um sie für individuelle Wohnformen zu nutzen.
Im Rahmen der Fachtagung „genial zentral – Stadtumbau in Thüringen“ werden gelungene Projekte vorgestellt, die das „Neue Bauen“ charakterisieren:

www.technikwissen.de

21.08.2003
Cottbus: An der Hegelstraße könnte eine Geisterstadt entstehen
Geisterstadt statt Umbau von Wohngebieten – dieses Szenario droht Cottbus, wenn die Fördermittel für den Stadtumbau gekürzt werden. «Wenn das Land die Mittel kürzt, dann können wir nicht wie geplant ab September in der Hegelstraße in Sachsendorf abreißen» , sagt Rüdiger Kießlich, Chef der Cottbuser Wohnungsbaugenossenschaft (GWG). Die Folge wäre eine Geisterstadt im Südosten Sachsendorfs aus stillgelegten Wohnungen, zugemauerten Hauseingängen, geborstenen Fenstern. "Ein Investorenschreck ersten Ranges" , sagt die Vorsitzende des Mieterbundes, Kerstin Kircheis. Aber auch ein Schrecken für die Sachsendorfer. "Wohnen soll schließlich Spaß machen in angenehmer Umgebung." Die Schuldige an der drohenden Misere ist schnell ausgemacht: Brandenburgs Landesregierung plant, die Fördermittel für den Stadtumbau um zehn Prozent zu kürzen. Das Land will die vom Bund bereitgestellten Mittel nicht mitfinanzieren – eine Entscheidung darüber will das Potsdamer Kabinett am 26. August fällen. Der Leerstand hat nach Kießlichs Angaben bei der GWG die 20-Prozent-Marke überschritten, bei der Gebäudewirtschaft (GWC) wird sie demnächst erreicht. "Der Leerstand sowie die Altschulden sind der Tod für die Wohnungsunternehmen" , sagt der GWG-Chef. Genossenschaft und kommunales Unternehmen haben Sanierungskonzepte erarbeitet, wonach insgesamt 9.000 Wohnungen in Cottbus abgerissen werden sollen. Für jeden abgebauten Quadratmeter Wohnfläche werden die Altschulden erlassen. "Wenn wir also nicht abreißen können, weil dafür das Geld fehlt, werden wir auf der anderen Seite zusätzlich belastet, weil auch die Altschulden nicht verschwinden" , erklärt Kießlich. Allein die GWG muss aufgrund des Leerstandes jährlich Einnahmeausfälle in Höhe von neun Millionen Euro verkraften. Neben dem drohenden "finanziellen Ruin" befürchtet Kießlich auch ein "moralisches Desaster" : Die GWG habe wie andere Vermieter auch das Umzugs-Management forciert. «Wir haben über 400 Mietern eine neue Wohnung geben können, den Umzug finanziert. Das hat bislang etwa eine Million Euro gekostet.» Kommt es jetzt zum Stillstand, "greifen sich die Mieter doch an den Kopf" . Derzeit fehlen noch etwa zwei Millionen Euro in den Abriss-Kassen. Laut Plan sollen ab September etwa 700 Wohnungen im Bereich Hegelstraße abgerissen werden. Insgesamt müssten in diesem Jahr noch 1.400 Wohnungen in Cottbus vom Markt verschwinden. Langsam aber werde die Zeit knapp.
www.lr-online.de,

21.08.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Schule zu verkaufen
Unkraut wuchert durch den rostigen Maschendrahtzaun. Aus einem grünen Container quillt Sperrmüll. Kein Leben mehr hinter den riesigen Fenstern der DDR-Platte. Eine Schule ohne Schüler. Per Zeitungsannonce sucht die Hansestadt Rostock potenzielle Käufer für die Gebäude der ehemaligen Beruflichen Schule im Stadtteil Rostock-Lütten Klein. Bis zum 31. August läuft die Ausschreibung.
Andreas Adler, Abteilungsleiter im Rostocker Liegenschaftsamt ist optimistisch, was die Vermarktung angeht. „Wir haben schon massenweise Schulen verkauft.“ Natürlich gebe es begehrte Standorte und solche, in denen der Verkauf dieser großen Objekte sich schwieriger gestaltet. „Wo wir merken, dass die Vermarktung keinen Erfolg hat, wird abgerissen“, sagt Adler. Das sei auf lange Sicht billiger, als die Gebäude vor Vandalismus zu schützen.
Allerdings ist die Hansestadt nicht über jede Vermarktung glücklich. Im Stadtteil Groß-Klein in Sichtweite der Internationalen Gartenbauaustellung nagt an einer alten Grundschule der Zahn der Zeit. „Der bayerische Investor hat offenbar Schwierigkeiten“, erklärt Adler.
Abgerissen werden in den meisten Fällen auch die verkauften Objekte. Die Investoren sind häufig an den Grundstücken interessiert. „Schulen sind Zweckbauten. Eine Nachnutzung funktioniert nur, wenn wieder eine Schule, eine private zum Beispiel, einzieht“, weiß Adler. In Rostock stehen derzeit zwei Objekte leer. Die Liste der Schulen, die laut Schulentwicklungsplanung bis 2010 in Rostock geschlossen werden, ist lang. 1991 gab es 104 Schulen in der Hansestadt, derzeit sind es 70. 2010 werden es voraussichtlich nur noch 54 Schulen sein.
„Es wäre schön, wenn die Gebäude, gerade in den Plattenbaugebieten, für die Jugendarbeit genutzt würden“, schlägt Annett Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, vor. Leer gezogene Schulen – als Freizeittreffs. Eine gute Alternative. Nur leider in Zeiten leerer Kassen kaum zu verwirklichen.
In der Hansestadt Greifswald stehen drei Schulen leer. Zwei Schulen in DDR-Plattenbauweise sollen abgerissen werden. Ein weiteres Gebäude, eine alte Villa, will die Stadt verkaufen und das möglichst schnell. „Die Sicherung der Gebäude ist kostspielig“, erklärt Sabine Strack, Pressereferentin der Stadtverwaltung.
Wismar hat die Probleme frühzeitig angepackt, damit die leerstehenden Schulen nicht auf ewig das Stadtbild verschandeln. „Eine Schule wurde bereits zurückgebaut. 2006 sind weitere Teilabrisse geplant“, informiert Pressesprecher Frank Junge. In den Städten sind die Nutzungsalternativen leerstehender Schulen größer und Grundstücke attraktiver für Privatinvestoren. Auf dem Land dagegen, werden die Schulen ohne Schüler zum ernsthaften Problem.
„Im ländlichen Raum ist es schlicht so, dass die Kommunen die Schulen nicht loswerden. Die Gemeinden können sie nicht nutzen, haben aber auch kein Geld für den Rückbau“, schildert Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag das Dilemma. Deshalb versucht der Gemeindetag das Land davon zu überzeugen, dass auch der geförderte Abriss von Schulgebäuden im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost möglich wird. „Vom Bund her ist das durchaus machbar, nur die Landesregierung hat sich dagegen entschieden.“ Der Städte- und Gemeindetag habe das Land mehrfach auf das Problem hingewiesen. Das ganze potenziere sich, wenn es um Schulstandorte gehe, die vor nicht allzu langer Zeit mit Fördermitteln saniert wurden. „Es gibt eine so genannte Mittelbindung. Die Kommune muss sicherstellen, dass das sanierte Gebäude in den nächsten 15 Jahren zweckgebunden genutzt wird. Passiert das nicht nicht, müssen die Fördergelder zurückgezahlt werden“, erklärt Fittschen.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

21.08.2003
Cottbus: wird unter die Großstadtgrenze schrumpfen
Einst waren sie Schmuckstücke der sozialistischen Planwirtschaft. Heute stehen viele Wohnungen in den einst begehrten Plattenbauten der Cottbuser Betonsiedlung Sachsendorf-Madlow leer. Dutzende verwaiste Briefkästen und unbeschriftete Klingelschilder zeugen davon.
An einer der Betonfassaden ist nur ein einziges Fenster geöffnet. Eine 84-Jährige schaut hinaus, die sonnengegerbten Arme auf ein Kissen gestützt. Wen wir denn suchen, fragt sie freundlich. Sie könne Geschichten erzählen von Familien, die auszogen, um Arbeit im Westen zu suchen oder weil sie sich nicht mehr wohl fühlten in dem leeren Haus.
Im Raum Lausitz-Spreewald wird der ostdeutsche Bevölkerungsrückgang besonders deutlich. Die Zahlen einer Prognose des Landesbetriebs für Datenverarbeitung und Statistik in Potsdam sind alarmierend: Cottbus schrumpft demnach von derzeit mehr als 103 000 Einwohnern auf etwa 87 500 im Jahr 2020. Damit verliert die Lausitzstadt den Status als Großstadt. Das gesamte Land Brandenburg wird von derzeit knapp 2,6 Mio. Einwohnern rund 182 000 verlieren. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die Region Lausitz-Spreewald.
Ein Grund für den Bevölkerungsrückgang ist, dass mehr Menschen sterben als geboren werden. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung nimmt in den kommenden Jahren weiter zu. 2020 sind die Cottbuser im Schnitt 47,3 Jahre alt, derzeit liegt der Durchschnittswert etwa bei 42 Jahren. Die jungen Menschen ziehen wegen mangelnder beruflicher Perspektiven in westliche Bundesländer oder in den Speckgürtel rund um Berlin. Unter denen, die wegziehen, sind auffällig viele Menschen zwischen 15 und 65 Jahren. "Das bedeutet für uns auch, dass die Kinder ehemaliger Cottbuser in anderen Regionen geboren werden und dort die Statistiken füllen", sagt die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel.
Gründe genug für die Cottbuser Städteplaner, sich Gedanken um die Zukunft der Stadt zu machen. "Wer dafür jetzt noch kein Konzept hat, ist in der Tat schlecht dran", meint Rätzel. Viele Probleme gilt es zu klären: Wie sollen die alten Menschen leben? Was kann jungen Menschen geboten werden? Wie muss die städtische Infrastruktur umgestaltet werden? Was tun mit halbleeren Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern? Wie viele Menschen werden zurückkommen?

www.welt.de

21.08.2003
Halle: kämpft um seine Einwohner
Wer nach Halle zieht, wird ab sofort mit einer Begrüßungsmappe empfangen. Wie die Saale-Stadt mitteilte, soll das Info-Paket Neu-Hallensern die Eingewöhnung in dem noch unbekannte Umfeld erleichtern. Die Zuzügler erhalten zahlreiche Ratschläge und Tipps unter anderem zu Behörden und Institutionen, aber auch Fahrpläne, Broschüren über Sehenswürdigkeiten und den Kulturfalter. Daneben enthält das Paket einen Gutschein für einen Besuch der Theater.
Mit dem PR-Vorstoß will Halle seinem gravierenden Einwohnerschwund entgegen wirken. Die Händel-Stadt hat von allen Kommunen Sachsen-Anhalts in den vergangenen Jahren die meisten Einwohner verloren. Ursache war neben dem Geburtenrückgang vor allem der Wegzug vieler Hallenser ins Umland bzw. in andere Bundesländer. Hatte die Stadt 1990 noch mehr als 300.000 Einwohner, liegt die Zahl nunmehr bei nur noch 237.000.

www.mdr.de

20.08.2003
Leipzig: Lößniger Wohnungsgenossenschaft ist nach der Pleite wieder auf Kurs
Die Pleite im Januar 2001 war ein Paukenschlag. Erstmals in Sachsen ging einer Wohnungsgenossenschaft (WG) mit nennenswerten Beständen die Luft aus. Anderthalb Jahre später hat nun das Amtsgericht Leipzig das Insolvenzverfahren für die WG Lößnig wieder aufgehoben - dies aber bereits im Juli und mehr in aller Stille.
Der Neustart des rechtlich wieder völlig selbstständigen Unternehmens verlaufe sehr verheißungsvoll, sagt Rainer Löhnert. Er ist Chef der Leipziger WG Kontakt, die eine Patronatserklärung für die WG Lößnig abgegeben hat. "Natürlich haben wir noch nicht alle Probleme gelöst. Die Jahresabschlüsse seit 2000 müssen fertig gestellt und geprüft werden, die Auflagen des Insolvenzplans sind zu erfüllen." Dank der Hilfe von Sächsischer Aufbaubank (SAB), des Freistaats sowie der beteiligten Städte habe man jetzt aber "die Chance zu zeigen, dass Genossenschaften auch schwierige Phasen erfolgreich überwinden können."
Insgesamt waren es 1700 Wohnungen, die mit weiteren SAB-Darlehen zügig saniert wurden. Bei einem Leerstand von zuletzt 33,6 Prozent war der Schuldenberg auf 32 Millionen Euro angewachsen. Die SAB hatte zuvor weitere Darlehen abgelehnt. Vor allem die Leipziger Baufirma Megaron wartete auf die Bezahlung offener Handwerksrechnungen.
Auch zu den Ursachen für die Pleite verweist der Manager auf das Bankgeheimnis. Entscheidend für die Rettungsanstrengungen sei gewesen, dass der Fortbestand der Genossenschaft unterm Strich billiger wird als eine Zerschlagung. "Sonst hätten wir das nicht gemacht." Zugleich garantiere das Engagement der WG Kontakt, dass negative Rückwirkungen auf den Wohnungsmarkt insgesamt vermieden werden. "Ich wünsche mir, dass dieses Modell der Risiko-Übernahme mehr Raum greift. Gerade der genossenschaftliche Bereich ist dafür prädestiniert", so Weber.
Konkret bürgt die Kontakt jetzt gegenüber der SAB für die Restschulden der Lößniger, erklärt Löhnert. "Das ist vertretbar, weil einerseits die SAB schon erhebliche Unterstützung geleistet hat. Andererseits ergeben die wirtschaftlichen Prognosen für die nächsten sechs Jahre, dass eine Gefährdung nicht eintreten kann."
Zur Konsolidierung wurden in den vergangenen Wochen 187 leere Wohnungen in Böhlen und Zwenkau abgerissen. Die etwa 950 Mitglieder der WG Lößnig dürften ihrem großen Bruder ohnehin zugetan sein. Schließlich konnten sie durch das Engagement der Genossenschaft ihre Einlagen von durchschnittlich 3500 Euro retten.

www.lvz-online.de

20.08.2003
Hoyerswerda: Wohnkomplex nach der großen Abwanderung
Die Wäsche flattert im Wind, doch niemand kommt, um sie abzunehmen: Der fünfstöckige Plattenbau hinter den Wäschestangen ist verwaist, die meisten Fenster sind von Brettern verdeckt. Die Wäsche hat ein Teilnehmer des Projektes "Superumbau" aufgehängt, das bis Ende September in Hoyerswerda läuft. 30 Künstler setzen sich in der von Plattenbauten geprägten Neustadt mit dem Thema Stadtumbau auseinander.
Hoyerswerda leidet wie andere Städte im Osten unter starker Abwanderung. Vor allem fehlende Arbeitsplätze lassen rund 2000 Menschen jährlich ihr Glück anderswo suchen. Zurück bleiben leere Wohnungen und die Frage, was damit geschieht. 8 000 bis 10 000 Wohnungen stehen nach Angaben der Stadt in Hoyerswerda leer, nach und nach werden die Plattenbauten abgerissen.
"Die Menschen, die hier bleiben, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen", sagt "Superumbau"-Projektleiterin Dorit Baumeister. Die eingeladenen Künstler sollen Denkanstöße geben, was aus der Stadt werden und wie sie eine neue Identität bekommen könnte. Angekündigt ist auch der Berliner Theaterregisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief.
Die Beiträge reichen von Inszenierungen, Lesungen und Filmvorführungen bis hin zu Installationen. Die zwölfköpfige Künstlergruppe "Stadt im Regal" etwa begleitet in Film, Ton, Bildern und Texten den parallel zum "Superumbau" stattfindenden Abriss eines fünfgeschossigen Plattenbaus. Der steht wenige Meter neben dem zentralen Veranstaltungsort, einer ehemaligen Kindertagesstätte im WK, im Wohnkomplex, Nummer VIII. Ein Bauzaun um die Platte kündet bereits von den demnächst anrückenden Abbruchmaschinen. Ein großes Schild verspricht den Passanten: "Hier entsteht eine Wiese."
Die Organisatoren - ein örtlicher Verein - wollen die Bewohner in einzelne Projekte einbinden. Ziel aller Projekte, sagt "Superumbau "-Mit-Kurator Harald Müller sei der Dialog zwischen Künstlern und Publikum. Deshalb gebe es auch "keine Kunst als schönen Schein, sondern Kunst, die sich einlässt auf die Tücken und Phobien vor Ort" .
Der Dialog mit den Bürgern in Hoyerswerda scheint, zu gelingen. Die Schauspielerin Bibiana Beglau ("Die Stille nach dem Schuss") und zwei Fotografen haben sich einen ehemaligen Obstladen in der Einkaufspassage vorgenommen. Dort zeigen sie eine für die "Platte " typische Durchreiche. An der Wand hängt zudem das Porträt eines Mannes. Das Arrangement soll zum Nachdenken anregen, was den Mensch "in einer genormten Wohnung als Individuum" ausmache, so Beglau.
Als sie das Ganze vorstellt, bleibt eine Frau stehen und macht ihrem Ärger über Vandalismus in der Plattenbausiedlung Luft. "Die werden auch bald eingeworfen sein", prophezeit sie und zeigt auf die Scheiben des Ladens.

www.newswelt.stimme.de

19.08.2003
Güstrow: Steigender Leerstand zwingt WGG zum kompletten Abriss
Noch diese Woche sollen die Entkernungsarbeiten im zum Abriss bestimmten Wohnblock der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) in der Straße der DSF 19 d-g beginnen, informierte Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der WGG. Gestern wurde das zukünftige Baugebiet eingezäunt.
"Die Notwendigkeit der Rückbaumaßnahme ergibt sich aus dem derzeitigen Überangebot an Wohnraum und dem daraus resultierenden Leerstand", so Schmidt. "Die Einwohnerzahlen Güstrows sind nach wie vor rückläufig. Ein Ende dieser Tendenz ist nicht in Sicht." Vor diesem Hintergrund ist unter Federführung der Stadt mit der WGG ein integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet worden, in dem der Umfang des erforderlichen Rückbaus festgeschrieben ist. Die WGG hat im Rahmen des "Stadtumbau Ost" bereits Gebäude in der Hollstraße 27, 28 und 29/30 abgerissen.
Das Wohnhaus in der Straße der DSF wurde in den 80er-Jahren in der Südstadt errichtet. "Sowohl aufgrund seiner Größe und Geschossigkeit als auch durch die Dachkonstruktion passte dieses Objekt eigentlich nicht in die vorhandene Bebauung aus den 60er- und 70er-Jahren", sagt Schmidt. Neben dem steigenden Leerstand sei das einer Hauptgründe, warum sich die WGG-Geschäftsführung für einen vollständigen Rückbau entschieden habe. Nach dem Abriss im September wird im Oktober die Baugrube mit Mutterboden gefüllt. Auf der Fläche wird Rasen ausgesät und die Bepflanzung ergänzt.

www.svz.de

18.08.2003
Ebersbach: Sechs Millionen Euro zum Verschönern der Stadt
Die Oberlandstadt ist reich an Denkmälern. Über 600 Gebäude zählen darunter, über 500 davon sind Umgebindehäuser. Möglichst alle zu erhalten und wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen, hat sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt. „Wir geben in Ebersbach keinen Euro für den Abriss eines Umgebindehauses aus“, sagt Bauamtsleiter Bernd Noack.
Gemeinsam mit Stadtplanerin Dolores Weidner hat er sich zum Ziel gesetzt, auch schon lange Zeit nicht mehr bewohnte Umgebindehäuser vor dem Verfall zu retten. Jüngstes Beispiel hierfür ist ein leer stehendes Umgebindehaus mit Hof am Oberen Kirchweg. Um die Bausubstanz zu erhalten, werden das Dach repariert und Risse im Fundament ausgebessert.
Insgesamt sechs Fördermittelprogramme nutzt Ebersbach gegenwärtig. Das jüngste ist das Programm „Stadtumbau Ost“, bei dem fast die gesamte Stadt einbezogen worden ist. Nach der Stadtplanung soll hiermit allein bis zum Jahr 2007 an über 200 Gebäuden die Fassade saniert werden. „So wie es aussieht, könnten es sogar wesentlich mehr werden“, sagt Bernd Noack. Ein Jahr nach Programmbeginn liegen im Rathaus bereits 70 Anträge von Häusl-Besitzern, die mit Hilfe dieser Fördermöglichkeit gern die Fassade ihres Hauses verschönern möchten.
Durch Abriss soll sich dagegen das Wohnumfeld im Stadtteil Oberland verbessern. 190 Wohnungen stehen im Moment zum Abbruch bereit. Im nächsten Jahr soll bereits der fünfte Block abgebaut werden. Geplant ist, bis 2007 die Wohnungen um 30 Prozent zu verringern, so Bernd Noack.

www.sz-online

18.08.2003
Sebnitz: Zu viele Häuser
Sebnitz plant, bis 2006 rund 170 Wohnungen abzureißen. Dafür gibt es das „Stadtumbau-Ost“-Förderprogramm. Im Gegenzug sollen verschiedene Flächen schöner werden. Grundlage für diese Pläne ist das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept.“ Vorwärts ist allerdings noch nichts gegangen. Es fehlen die Fördermittel.
Die Sebnitzer werden immer weniger. Bereits seit dem zweiten Weltkrieg ist der Rückgang stetig zu verzeichnen. 1947 lebten in Sebnitz noch 16 729 Personen, 1990 waren es nur noch 10 894. Neun Jahre später 10 000 Einwohner und 2002 nur noch 9 675.
Die Folge: Viel Wohnungen stehen leer, die Häuser werden nicht mehr gebraucht. Eine Tendenz, der sich derzeit kaum eine Stadt entziehen kann. Experten schätzen ein, dass der Schrumpfungsprozess nicht zu stoppen, aber auf einem gewissen Maß zu sichern ist. Diesem Fakt stellt sich die Sebnitzer Stadtverwaltung schon seit längerem.
Mit dem Konzept „Grünes Sebnitz“ wurde 2001 erstmals der Abriss von Häusern beschlossen. Mit dem Stadtumbau-Ost-Programm soll es weiter gehen. „Wer die Situation nicht erkennt, macht sich zum einen etwas vor und verbaut sich zum anderen auch den Weg für positive Dinge“, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh.
Aus städtebaulicher Sicht sieht er in dem Förderprogramm durchaus Chancen, auch Fehler aus der Vergangenheit wieder wettzumachen. „Sehen wir in das Jahr 1920 zurück, das Jahr als die Wirtschaft in Sebnitz besonders geblüht haben soll. Da sehen wir, dass es kaum grüne Flächen in der Stadt gegeben hat“, so Mike Ruckh. Die Hinterhöfe wurden mit Fabrikgebäuden zugebaut.
Diese stehen jetzt, wenn sie nicht saniert wurden, meist leer. Aus Sicht der Planer zerreißen sie das Stadtbild. Und so setzt die Verwaltung mit dem Programm auch darauf, wieder mehr Grün in die Stadt zu bekommen, kleinere Anlagen oder Parks anzulegen, Spielplätze zu sanieren. Der Trend ist aber dennoch klar: Die Wohnungen, die zu viel sind, werden dem Erdboden gleich gemacht. Eine ganze Reihe von Anträgen, die die Verwaltung schon für 2003 bestätigte, hat den Abriss zum Ziel. Einige Privathäusern sind dabei, der größte Teil allerdings gehört der städtischen Wohnungsbaugesellschaft.
Die trifft der Einwohnerrückgang besonders hart. Ende letzten Jahres standen dort bis zu 30 Prozent der Wohnungen leer. Und so stapelten sich auch für 2004 die Anträge im Rathaus, ebenfalls wieder ein Großteil kommunale Vorhaben sowie weitere private Projekte. „Wir haben auch Hauseigentümer angeschrieben, ob sie das Programm nutzen wollen. Die Reaktion darauf war positiv“, weiß der Oberbürgermeister. Die Vorlagen sind von den Stadträten abgesegnet. Aber passiert ist bislang noch nichts.

www.sz-online.de

18.08.2003
Chemnitz: Stadtumbau geht in heiße Phase
Die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft (GGG) will in diesem Jahr noch mindestens 800 leerstehende Wohnungen im Heckertgebiet abreißen. Nachdem das städtische Wohnungsunternehmen vor zwei Wochen bereits mit dem Abriss der Blöcke an der Wolgograder Allee 176 bis 180 begonnen hat, soll ab der nächsten Woche der Rückbau des Elfgeschossers an der Wolgograder Allee 5 losgehen.
www.freiepresse.de

17.08.2003
Vesper fordert Ende der Städtebau-Förderung im Osten
Die staatliche Förderung des Städtebaus in Ostdeutschland sollte nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Bauministers Michael Vesper stufenweise auslaufen. Die Mittel sollten nicht mehr nach regionalen Gesichtspunkten, sondern nach Bedürftigkeit verteilt werden, schlug der Grünen-Politiker nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» vor. 13 Jahre nach der Wiedervereinigung müssten noch immer vier Fünfte der gesamten Mittel in den Osten, obwohl dort nur ein Fünftel der Deutschen lebten.
Seit 1990 habe der Staat pro Kopf im Osten 322 Euro für die Städtebauförderung ausgegeben, sagte Vesper. Im Westen dagegen seien seit Beginn der Förderung 1971 gerade einmal 70 Euro pro Einwohner verbaut worden. Inzwischen seien manche Stadtteile im Westen in einem ähnlich maroden Zustand wie die ostdeutschen Städte Anfang der 90er Jahre. «In Gladbeck oder Gelsenkirchen drohen uns ganze Stadtteile wegzubrechen», beklagte der Bauminister.

www.yahoo.com

16.08.2003
Eisenberg: Häuser leer: Sanieren oder Abriss?
Von den derzeit 1 149 Wohnungen der Eisenberger Wohnungsgesellschaft (EWG) sind 56 Wohneinheiten (WE) - vorwiegend im Sanierungsgebiet der Innenstadt - so genannte strukturelle Leerstände. Geschäftsführer Norbert Heinz verweist darauf, dass die EWG hier "vor zwingenden ökonomischen Überlegungen steht, ob Sanierung oder Abriss" angesagt sind.
Um eine eindeutige Antwort darauf zu finden, gebe es Gespräche mit der Stadt zu Entwicklungstendenzen und Bedarfsanalysen. Stadt und Landkreis unterstützen beim Beantragen von Fördermitteln. Dennoch solle das eine oder andere Haus weichen und so Platz schaffen für infrastrukturelle Maßnahmen, aber auch Licht und Luft für andere Gebäude. "Ein vernünftiges städtebauliches Entwicklungskonzept würde uns und andere Vermieter in die Lage versetzen, Zukunft zu gestalten", wünscht sich Norbert Heinz.
Einiges ist schon abgerissen worden.
Weitere 54 WE stehen derzeit leer, weil sie modernisiert werden und dann kurzfristig wieder vermietbar sind. Besonders hoch sei die Nachfrage nach kleineren Wohnungen. Solchen Wünschen kann die EWG bei vierteljährlichen Wartezeiten nachkommen.
Bei den Sanierungen hat die EWG laut Geschäftsführer bereits ein Großteil des Jahresplanes realisiert.
Nun steht für 2003 nur noch die Fassade in der Mühlenstraße 29 an; die fünf WE sind bereits fertig modernisiert. In dem 1908 gebauten Haus Klosterstraße 14 entstehen sechs moderne Wohnungen, eine ist schon fertig. Die Arbeiten werden sich aber bis nächstes Jahr hin ziehen. Die Gesamtinvestitionen 2003 werden 400 000 Euro übersteigen, gibt Norbert Heinz an.
Durch den Abriss, das Zusammenlegen von Wohnungen und Grundrissänderungen - z. B. in Altbauten in der Klosterstraße und in der Mühlenstraße - sowie durch den Verkauf von Gebäuden im Rahmen des Altschuldenhilfegesetzes hat sich der Wohnungsbestand der EWG im Vergleich zum Jahr 2000 um etwa fünf Prozent verringert.

www.otz.de

16.08.2003
Völklingen: Welche Zukunft für den Alten Brühl?
Wie kann, wie soll nach Ansicht des Völklinger Oberbürgermeisters Klaus Lorig die Zukunft aussehen für die Reste der mittelalterlichen Martinskirche, Völklingens steinerne "Geburtsurkunde" am Alten Brühl? Fürs nächste Jahr hat Lorig einen städtischen Beitrag im Sinn, um der Grabung zum Abschluss zu verhelfen und zugleich die Gestaltung des Geländes voranzubringen: Er will - in Kooperation mit dem Arbeitsamt und einem noch zu findenden privaten Träger - eine Beschäftigungs- und Qualifizierungs-Maßnahme ins Leben rufen. Dort könnten arbeitslose Jugendliche Job und Ausbildung erhalten, indem sie den Archäologen zur Hand gehen und mit dem Aufräumen der heruntergekommenen Fläche beginnen.
Lorigs Ziel-Idee ist, "den Alten Brühl in ein städtebauliches Gesamtkonzept einzuordnen". Dabei müsse der Alte Brühl eng angebunden werden an die Innenstadt, dürfe nicht ausgegrenzt "draußen" liegen. Das Konzept-Stichwort heißt "Stadt am Fluss": Radler und Bootswanderer sollen von der Saar aus über einen Grünstreifen Zugang erhalten zum Martinskirchen-Denkmal und zum Weltkulturerbe. Dass die Fläche zwischen Fluss und Altem Brühl Saarstahl gehört, sieht Lorig nicht als Problem. Er hofft, dass Saarstahl der Stadt etwas Gelände für den Grünstreifen verkauft oder ihr ein Wegerecht gewährt. Für die Grabungsstätte, den "wilden" Parkplatz daneben und den Parkplatz auf der Straßenseite gegenüber sei ein neuer Bebauungsplan in Arbeit, der das Ganze als Grünfläche, das Denkmal-Gelände als Grabungsschutzgebiet ausweise. Einen Schutzbau fürs Denkmal - dafür hatte er 2001 einen Entwurf vorgelegt -, hält Lorig nach wie vor für wichtig; 2004 will er mit dem Land bereden, wie dies zu finanzieren wäre.
Und die heikle Geld-Frage? Lorig sucht neue Zuschüsse einzuwerben. Gerade werde im Rathaus der Antrag formuliert, das bisher aufs City-Dreieck begrenzte Projekt Stadtumbau West auszudehnen auf Karl-Janssen-Straße (bis zum Kreisel am Amtgericht) und Alte Schulstraße; das werde im Erfolgsfall auch helfen, den Alten Brühl, "Völklingens Altstadt", an die City anzubinden.

www.sol.de

16.08.2003
Empörung über Äußerungen von Bankvorstand
Die Leipziger PDS-Stadtratsfraktion fordert die Entlassung von Stefan Weber, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Begründet wird dies mit Äußerungen Webers in der LVZ zur künftigen Förderpolitik beim Stadtumbau. "Wenn Herr Weber davon spricht, nur noch Marktbereinigungen zu unterstützen, bedeutet dies den Ruin für viele kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften", so die Linkssozialisten.
Es sei vielmehr dringend erforderlich, die Unternehmen auch bei der Sanierung von Zielwohnungen zu unterstützen. In solche Quartiere, meist im selben Viertel gelegen, könnten dann vom Abriss betroffene Mieter umziehen. Wenn es dafür keine Zuschüsse gibt, müssten hingegen viele Familien zwangsläufig zu privaten Vermietern wechseln. "So stabilisiert man keine Wohnungsunternehmen, die Schuldner der SAB sind", warnte der Bauexperte der PDS-Fraktion, Siegfried Schlegel. Außerdem würden durch höhere Mieten langfristig höhere Wohngeld-Zahlungen fällig. "Das alles heißt nichts anderes, als dass die Verluste von der Allgemeinheit getragen werden sollen, während man die Gewinne privatisiert."

www.lvz-online.de

16.08.2003
Greifswald: 200 neue Wohnungen vorgesehen
Zwischen 180 und 220 Miet- und Eigentumswohnungen können nach dem gegenwärtigen Stand innerhalb des Bebauungsplanes Nr. 42, Schönwalde I West, entstehen. Zugleich entstünden größere und zusammen hängende Grünflächen zur Erholung im Stadtteil.
Günstigstenfalls rücken 2005 die Bauleute an, schätzt Volker Bouche, der Leiter des Greifswalder Stadtplanungsamtes, ein. Er informierte gemeinsam mit Rita Dux und Siegfried Wieland über die Planungen für das rund zwölf Hektar große Gelände hinter der Beimlerstraße. Es umfasst auch die Kasernen an der Straße, die schon ein neues Leben erhielten wie die Medizinische Fachschule und die Freie Waldorfschule.
„Wir haben zunächst eine historische Recherche bei der Firma URST in Auftrag gegeben“, so Siegfried Wieland.  Die Firma URST fand bei der Recherche acht sogenannte Altlastenflächenkomplexe mit 15 Teilflächen, die gezielt untersucht werden müssen. Kontaminationen stammen zum Teil noch aus Armeezeiten. Die nötige Entsorgung wird nur möglich sein, wenn Fördermittel fließen. Überhaupt entscheidet die Bereitstellung von Steuergeldern letztendlich darüber, ob und in welcher Form, in welchem Umfang durch wen hier investiert wird. Speziell hofft man auf den Nachfolger des Programms zur Wohnumfeldverbesserung, den Stadtumbau Ost.
Die Idee, das Gelände von gewerblicher Nutzung zu befreien, stammt schon aus DDR-Zeiten. Ein Vorentwurf vom November 2000 sah noch rund 600 Wohnungen in Mehrgeschossern vor. Jetzt soll weniger dicht, höchstens zweigeschossig, gebaut werden. Vorstellbar sind Reihen- und Doppelhäuser aber auch Stadtvillen.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

16.08.2003
Neulingen: Junge Leute verlassen Altmark-Dorf
Wohl kaum ein Phänomen der heutigen Zeit geht schleichender voran und hat gleichzeitig so viele böse Folgen wie die Abwanderung: In Neulingen, einem kleinen Dorf in der Altmark, werden die Spuren besonders deutlich. Nichts kann den Wegzug der Jugend aus
Allein im vorletzten Kalenderjahr verlor Neulingen fast zehn Prozent seiner Einwohner durch Fortzug - eine der höchsten Abwanderungsraten in Sachsen-Anhalt. Gestorben ist zwar niemand; in dem (noch) eigenständigen 100-Seelen-Dorf konnte aber auch kein neuer Erdenbürger begrüßt werden. Laut Meldeamt gibt es keinen einzigen Einwohner zwischen 18 und 25 Jahren.
Es gibt auch keine Kneipe, keine Kindertagesstätte, einen Konsum schon lange nicht mehr, nicht mal einen Zigarettenautomaten. Dafür aber eine Bank. Auf der sitzt Kerstin Groß öfter als ihr lieb ist. "Von der Zeitung sind Sie?", fragt sie erst zweifelnd und erzählt alsbald von ihrer langen Arbeitslosigkeit, von Geldnöten und Zukunftsängsten. Wird auch sie gehen, muss sie vielleicht sogar?
Neulingen ist überall. Im gesamten Land Sachsen-Anhalt wanderten seit der Wende mehr als 300000 Menschen ab. Das ist eine ganze Großstadt wie Halle oder Magdeburg. 1945 lebten gar noch mehr als vier Millionen Menschen innerhalb der heutigen Landesgrenzen. Heute sind es nur noch zweieinhalb. Von dreien, die fortgehen, sind zwei jünger als 30 Jahre.
Jemand, der etwas gegen Abwanderung und die Umkehrung der Bevölkerungspyramide tut, findet sich ausgerechnet in Neulingen. Nach der Wende zog Sabine Müller mit ihrem Mann von Lüneburg in das Altmarkdorf. Auf einem Gehöft gründete das Seniorenpaar eine Wohngemeinschaft, in der mehrere Familien in mehreren Generationen nach gesundheitlichen Aspekten zusammen leben sollten. Anfangs war das ruhige Dorf wie ein kleines Paradies: Die Luft war rein, der Garten üppig. Doch heute ist das Projekt gefährdet. Alle anderen Familien außer den Müllers wollen wieder weg. "Für junge Familien ist es hier einfach zu schwer, eine eigene Existenz aufzubauen", sagt Sabine Müller.
Abwanderung ist aufs Engste mit dem Faktor Arbeit verknüpft. Fast ausschließlich siedeln Sachsen-Anhalter in die alten Bundesländer über. Potenziell abwanderungsgefährdet sind auch die etwa 80000 Berufspendler im Lande, die zwischen Wohnort und Arbeitsplatz jeden Tag die Landesgrenzen passieren.
Mit den jungen Menschen wandert gleichsam die Zukunft, die Fähigkeit, Neues zu gestalten, ab. "Brain drain", heißt das in der Fachsprache - und übersetzt so viel wie "Gehirnabfluss". Durch die Überalterung der Bevölkerung steigen gleichzeitig noch die Sozialausgaben der Kommunen. Auch der zunehmende Wohnungsleerstand verursacht immense Kosten.
Abwanderung ist ein sehr langfristiges Phänomen, das sich nicht von heute auf morgen beheben lässt. In der armen süditalienischen Provinz Mezzogiorno konnten alle erdenklichen Maßnahmen den Wegzug der Bevölkerung gen Norden nicht stoppen. Herwig Birk, Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung der Uni Bielefeld, rät, in Ostdeutschland alles auf die Karte (Aus-) Bildung zu setzen. "Wenn die Schulen und Universitäten hier besser wären als im Westen, könnte dies Menschen und Arbeit anziehen."

www.volksstimme.de

15.08.2003
Halle: Erste Wohnungsgenossenschaft ist Pleite
Die Wohnungsgenossenschaft "Am Südpark" in Halle-Neustadt ist Pleite. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hat der Vorstand ein Insolvenzverfahren beantragt. Hauptgrund ist den Angaben zufolge der massive Wohnungsleerstand. Mehr als 15 Prozent der insgesamt knapp 1500 Wohnungen könnten nicht vermietet werden. Bereits Anfang des Monats habe die Hausbank alle Kredite gekündigt.
Wie das Blatt weiter schreibt, soll sich für die Mieter durch die Insolvenz nichts ändern. Nach Einschätzung des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften droht ihnen jedoch der Verlust ihrer Anteile. Die Mieter von Wohnungsgenossenschaften sind zugleich Miteigentümer ihrer Wohnungen. Die Höhe der Anteile liegt im Osten je nach Wohnungsgröße und Genossenschaft zwischen 1000 und 6000 Euro.
Die Wohnungsgenossenschaften in den neuen Bundesländern stecken insgesamt in der Krise. Gründe sind sinkende Bevölkerungszahlen und ein Überangebot an Wohnungen. Die Stadt Halle hat seit Anfang der 90er Jahre durch Wegzüge und Geburtenrückgang etwa 90.000 Einwohner verloren. In Magdeburg sind es 50.000. Auch hier hat bereits die erste Wohnungsgenossenschaft aufgeben müssen.
Insgesamt stehen in Sachsen-Anhalt stehen derzeit etwa 130.000 Wohnungen leer. 90.000 davon gehören genossenschaftlichen oder kommunalen Wohnungsgesellschaften. Die Mietausfälle beliefen sich im vergangenen Jahr aus rund 220 Millionen Euro.
Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e.V. geht davon aus, dass von den rund 750 ostdeutschen Wohnungsgenossenschaften in den kommenden Jahren jede fünfte Insolvenz beantragen muss.
In mindestens 500 Fällen haben Wohnungsgenossenschaften in Sachsen ehemaligen Mitgliedern die Rückzahlung von Geschäftsguthaben verweigert. Betroffen sind ehemalige Mitglieder der Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf eG (7.000 Wohnungen), der Wohnungsgenossenschaft Laubusch eG (1.100 Wohnungen) sowie der Gröditzer Wohnbau eG (1.100 Wohnungen).
www.mdr.de

15.08.2003
Sachsen-Anhalt: Vor allem junge Frauen gehen
Die Abwanderung der Ostdeutschen in Richtung Westen hält an. Prognosen besagen, dass die Bevölkerungszahl allein in Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2050 auf unter zwei Millionen schrumpft. Das würde aus heutiger Sicht einen Verlust von noch einmal mehr als 570000 Menschen bedeuten. Die Hochschule Magdeburg-Stendal erstellt zurzeit eine Studie, die Gründe für die Abwanderung untersucht und politische Antworten entwickeln soll.
Der Bevölkerungsschwund ist hier zu Lande stärker als in jedem anderen Bundesland. Seit 1966 hat Sachsen-Anhalt rund 680000 Einwohner verloren. Lebten damals noch 3,23 Millionen Menschen auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes, waren es im Jahr 2002 nur noch 2,55 Millionen.
Allein im vorigen Jahr verlor das Land 31715 Einwohner; das entspricht der Größenordnung einer Stadt wie Weißenfels. Der Rückgang war zu 60 Prozent dem Wanderungsverlust geschuldet, der übrige Teil ist auf das Geburtendefizit zurückzuführen.
Zwei Millionen Ostdeutsche zogen bereits seit 1991 gen Westen. Besserung ist nicht in Sicht: "Wir gehen davon aus, dass in den neuen Bundesländern 15 Millionen Einwohner übrig bleiben", sagt Folkert Kiepe vom Deutschen Städtetag. Derzeit leben in Ostdeutschland rund 17 Millionen Menschen.
Etwa 60 Prozent der Wegzügler sind jünger als 30 Jahre. Dabei wandern überproportional viele junge Frauen ab. "Sie haben unter der Krise des Arbeitsmarktes mehr zu leiden als Männer", heißt es in der Zwischenbilanz einer Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal. Und weiter: "Ihre Wiedereinstellungschancen sind erheblich schlechter als bei Männern, ihre Arbeitslosenraten, die Dauer der Arbeitslosigkeit und der Anteil an Langzeitarbeitslosen liegen um 40 bis 100 Prozent über den entsprechenden Daten für Männer."
Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass die Bevölkerungszahl in Sachsen-Anhalt bis 2050 unter die Zwei-Millionen-Marke rutscht. Modellrechnungen zufolge wird dann ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Derzeit liegt der Anteil der über 65-Jährigen bei etwa 18 Prozent.
Besonders hart wird es den Süden des Landes treffen. Die Stadt Dessau und der Kreis Bitterfeld werden allein bis 2015 voraussichtlich 21,4 Prozent beziehungsweise 18,4 Prozent ihrer Einwohner einbüßen, prognostiziert das Statistische Landesamt. Am besten kommen der Ohrekreis sowie die Landkreise Köthen und Halberstadt davon. Dort soll sich der Bevölkerungsschwund unter zehn Prozent einpegeln.

www.volksstimme.de

14.08.2003
Bremen: Pilotprojekt für den "Stadtumbau West"
Das Klingelbrett des Hauses Wormser Straße 13 sieht aus wie bei einem Neubau: Von den rund 70 Namensschildern für 14 Etagen sind nur acht beschriftet. Doch der Zustand des Gebäudes mit seinen weißgrauen, hoch in den Himmel ragenden Fassaden spricht eine andere Sprache: Die Asbestplattenverkleidung ist marmoriert von grauen Verwitterungsspuren und grünen Flechten.
Und Joachim Barloschky, der agile Quartiersmanager mit Lederjacke und Rucksack und dem Sticker mit der Friedenstaube am Revers, verkündet optimistisch: "Das wird alles wieder restauriert".
Einst war die zwischen 1967 und 1975 erbaute Großsiedlung von Bremen-Osterholz-Tenever "Demonstrationsobjekt für einen "neuen Städtebau". Großspurig hatten die Planer erklärt, hier solle eine "Alternative für die Stadt von morgen aufgezeigt und erprobt werden" - heute ist Tenever Pilotprojekt für den "Stadtumbau West". Denn der Siedlung laufen die Bewohner weg. Von den 2653 Wohnungen stehen 800 leer. Und immer mehr wird sie zum sozialen Problemfall: 25,1 Prozent Arbeitslose, 28,4 Prozent Sozialhilfeempfänger, 70 Prozent Bewohner mit "Integrationsbedarf" (Ausländer und Aussiedler).
Mit zehn weiteren Standorten in Westdeutschland wird dem Stadtteil deshalb die zweifelhafte Ehre zuteil, Vorreiter für eine Entwicklung zu sein, die nach Meinung von Experten alsbald zahlreichen Städten in Westdeutschland droht: Schrumpfung bis zur "Schließung ganzer Stadtteile" (Prof. Dietrich Henckel, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin). Norddeutschland ist mit Bremen, Wilhelmshaven, Bremerhaven und Lübeck-Buntekuh allein viermal "Pilotregion" für den neuen Förderschwerpunkt der Bundesregierung unter dem Namen "Stadtumbau West" - eine bedenkliche Vorzugsstellung.
Unermüdlich preist Joachim Barloschky die Vorzüge "seines" Stadtteils - und doch kann er nicht verhehlen, dass er ein Quartier "am Tropf" ist. Um die zehn Bremer "Problemstadtteile" überhaupt am Leben zu erhalten, müssen jährlich 2,7 Mrd. Euro hineingepumpt werden. Nach Barloschkys Schätzung kommt zu dem auf Tenever entfallenden Anteil noch einmal ein sechs- bis siebenfacher Betrag aus den verschiedensten Töpfen hinzu, sein eigenes Gehalt nicht eingerechnet. Aber weder Deutsch- und Computerkurse, Kinderbetreuung und Mütterzentrum, Kinderbauernhof und Internetcafe, Partyräume und Saunen, noch das Einkaufszentrum, das Schwimmbad und die eingesetzten ABM-Kräfte haben die Abwanderung stoppen können.
Nun sollen 75 Mio. Euro in den Abbruch von 765 Wohnungen und in die Sanierung gesteckt werden. Der Sozialarbeiter sieht keine Alternative: "Diese Bevölkerung hat keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt." Aber ob der gebeutelte Stadtteil mit dieser Radikalkur tatsächlich gesundet, oder ob er am Ende doch zum Pilotprojekt für den Totalrückbau wird, kann erst die Zukunft zeigen.

www.welt.de

14.08.2003
Leipzig: Stadt stellt 15 Siedlungen unter besonderen Schutz
Für 15 Leipziger Siedlungen hat die Stadt so genannte Erhaltungssatzungen beschlossen, die mit der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft getreten sind. Die Viertel gelten als städtebaulich besonders wertvoll und stehen ab sofort unter besonderem Schutz.
Die Folge: Für Bauvorhaben, die anderswo genehmigungsfrei sind, müssen Anträge gestellt werden. Vorhaben, die die Struktur des Gebietes infrage stellen, können versagt werden. "Beabsichtigter Nebeneffekt" sei, dass Eigentümer in Erhaltungsgebieten öffentliche Zuschüsse bei Investitionen erhalten können, sagt Beigeordneter Engelbert Lütke Daldrup. Das eröffne beispielsweise der LWB bessere Rahmenbedingungen bei der Sanierung. Aber auch private Eigentümer könnten Investitionszulagen aus dem Programm "Stadtumbau Ost" erhalten.
Betroffen sind die Siedlungsgebiete Stötteritz, Äußere Südvorstadt, Linkelstraße, Sellerhausen-Bülowstraße, Probstheida, Schönefeld-Südwest, Gohlis-Mitte und Gohlis-Süd, Großzschocher/Windorf, Eutritzsch-Südost, Leutzsch und Hildebrandstraße sowie die Baumesse-Siedlung, die Siedlung Mariental und die Nibelungensiedlung. Genaue Angaben zu den Grenzen der Erhaltungsgebiete sind den amtlichen Karten zu entnehmen, die ebenfalls in den Amtsblättern abgedruckt wurden

www.lvz-online.de

14.08.2003
Pirna: Dohnaische Straße soll überdacht werden
Viele werden ihn für verrückt erklären. Das ist Baubürgermeister Eckhard Lang  schon klar. Dennoch will er sich eine Vision nicht vermiesen lassen. Nämlich ein Kaufhaus mitten in Pirnas Zentrum. Nein, ein Konsumtempel im herkömmlichen Sinne soll es eben nicht sein. Lang denkt eher daran, die vorhandene Substanz auf dem Fußgängerboulevard Dohnaische Straße zu nutzen. Geschäfte gebe es genug. Damit die Leute dort auch ungestört von Regen oder Schnee der Kauflust frönen können, soll über die gesamte Dohnaische Straße ein Dach aus Glas und Stahl gebaut werden, schlägt Lang vor. Er denkt dabei an die Dresdner Altmarktgalerie, die ja auch nichts anderes als eine Ladenstraße auf verschiedenen Ebenen sei.
„Warum muss ich aber in ein steriles Kaufhaus fahren, wenn wir ein Einkaufserlebnis in der Altstadt haben?“, fragt der Baubürgermeister. Die Idee gelte es nun weiter zu entwickeln. Es gehe darum, zu prüfen, wie so etwas baulich und rechtlich umgesetzt werden könnte. Lang stellt sich vor, dass das große Dach über Städtebauförderung finanziert werden könnte.
Wenn die Stadt so ein attraktives Angebot nicht schaffe, würde früher oder später ein Konsumtempel am Scheunenhof oder anderswo entstehen, der noch mehr Kaufkraft aus der Altstadt abzieht.
Langs Idee stößt bei einigen Pirnaern spontan auf Ablehnung, darunter Marita Thinius: „Ich hoffe, dass dies nicht gemacht wird. Der Anblick der schön sanierten Häuser würde verloren gehen. Das Geld sollte man für Besseres ausgeben.“

www.sz-online

14.08.2003
Städte müssen Wirtschaftszentren bilden
Ostdeutsche Städte sollten sich nach Auffassung des Jenaer Wissenschaftlers Peter Sedlacek über Ländergrenzen hinaus zu Wirtschaftszentren zusammenschließen. Als Beispiel nannte der Wissenschaftler ein Städtesystem von Magdeburg über Erfurt und Chemnitz - um den Kern Leipzig. «Bei Infrastrukturinvestitionen ist eine stärkere Konzentration notwendig. Man muss den Menschen auch sagen, wo sind demnächst die Entwicklungsschwerpunkte im Land», sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung an der Jenaer Schiller-Universität.
Seiner Ansicht nach sollte nicht in Projekte investiert werden, die mittelfristig wegen des regional sehr unterschiedlichen Bevölkerungsschwunds nicht tragfähig sind. «Wir können das Geld besser ausgeben», sagte Sedlacek. Als Konsequenz aus der Abwanderung der Menschen müsse alles getan werden, um das wirtschaftliche Potenzial in Ostdeutschland zu stärken.
Nach Einschätzung von Sedlacek wird die Entvölkerung einzelner Regionen durch Abwanderung und zu geringe Geburtenzahlen um das Jahr 2030 ihren Höhepunkt erreichen. «Es gehen vor allem die 20- bis 40-Jährigen. Die Wanderung von Ost nach West ist ausgesprochen arbeitsplatzbezogen», sagte der Wissenschaftler. Überproportional vertreten seien Frauen und Menschen mit Hochschulabschluss. Das habe langfristig negative Folgen für die Bevölkerungsentwicklung. «Die heutigen Abwanderungen forcieren den Geburtenrückgang.»
«Es besteht die Gefahr, das Teile des ländlichen Raums erodieren.» Innerhalb der verbliebenen Bevölkerung steige der Anteil der älteren Menschen. «Das heißt Vergreisung.» In Thüringen gingen Modellrechnungen davon aus, dass ein Drittel der Bevölkerung im Jahr 2050 älter als 65 Jahre ist. Derzeit liege der Anteil der über 65-Jährigen bei 16 Prozent. Die Thüringer Bevölkerung werde in diesem Zeitraum von derzeit rund 2,4 auf 1,7 Millionen schrumpfen

www.mz-web.de

14.08.2003
Provisionsfrei zu vermieten
Provisionsfrei zu vermieten« heißt es auf den Schildern an leeren Wohnungen im sächsischen Görlitz. Die Makler müssen den potenziellen Mietern finanziell entgegenkommen, denn in der deutsch-polnischen Grenzstadt gibt es zu viele Wohnungen für zu wenige Menschen. Rund ein Fünftel seiner damals 72 000 Einwohner hat Görlitz seit der Wiedervereinigung verloren. Waren 1990 noch 15 Prozent der Einwohner zwischen 21 und 30 Jahren alt, so lag ihr Anteil im vergangenen Jahr bei 10,6 Prozent. Tendenz weiter fallend. Die Kneipen, die es noch gibt, sind Abend für Abend ziemlich leer.
Leere Wohnungen in großer Zahl gibt es auch im Neubaugebiet Halle- Neustadt. Etliche Wohnblöcke an der Hauptverkehrsader »Magistrale« sind Geisterhäuser. Im einstigen DDR-Vorzeigegebiet Halle-Neustadt haben 30 000 Menschen der »Platte« den Rücken gekehrt. Bis 2010 sollen in der Stadt 20 000 Wohnungen abgerissen werden. Zur Wende hatte Halle rund 309 000 Einwohner, jetzt sind es noch 237 000. Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als eine halbe Million Einwohner verloren.
Aus dem ehemaligen Ackerbürgerstädtchen Schwedt an der Oder zauberten die DDR-Oberen eine große Industriestadt. Die meisten der einstmals 52 000 Einwohner arbeiteten im Petrolchemischen Kombinat. Eigens für die Chemie-Arbeiter wurden Wohnblöcke, Kulturhäuser und Kindergärten aus dem Boden gestampft. Mit der Wende fielen die Arbeitsplätze weg - und Monat für Monat kehren 100 Schwedter der Stadt den Rücken. 38 000 Einwohner leben derzeit noch dort, 30 000 werden es nach Expertenschätzungen im Jahr 2015 sein. Mehr als 1000 Plattenwohnungen sind schon abgerissen worden.
»Von meinen 33 Bekannten sind 30 in den Westen abgewandert«, berichtet Ingo Metzler. Der junge Mann aus der vorpommerschen Hansestadt Demmin ist geblieben: Er hat einen Job im Eiscremewerk. Doch nach der Arbeit kommt der Frust. Die meisten Kneipen sind zu, Kultur gibt es so gut wie nicht, einzige Abwechslung bietet das Kino. »Am Wochenende ist die Stadt ausgestorben«, sagt Metzler. Demmin, das auf dem platten Land zwischen Berlin und Schwerin liegt, hat seit der Wende ein Fünftel der Einwohner verloren. Der Kreis Demmin hat mit 27,6 Prozent die bundesweit höchste Arbeitslosenquote.
Die Bevölkerungsforscher sind sich einig, dass nur eine gezielte Wirtschaftspolitik das Ausbluten des Ostens stoppen kann. »Vor einigen Jahren hatten die Menschen noch Hoffnung auf einen schnellen Aufholprozess. Jetzt verlieren sie die Geduld«, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Demographie an der Universität Rostock. Sein Kollege Rembrandt Scholz vom Rostocker Max-Planck-Institut warnt vor einer Verschärfung der Situation: »Fehlen junge Menschen, gehen auch die Geburten zurück. Die Tendenz setzt sich unweigerlich negativ fort.«
Vereinzelt gibt es große Städte, die nicht über Abwanderung klagen - etwa Weimar, Eisenach, Leipzig und Dresden. Andernorts sank die Einwohnerzahl binnen zehn Jahren um ein Viertel. Unterdessen hat Mecklenburg-Vorpommern eigens eine Agentur gegründet, die junge Leute zurückholen soll. Seit November 2001 hat »mv4you« mehr als 70 Wegzüglern bei der Heimkehr geholfen. Eine andere Strategie verfolgen die Sachsen: Einige Städte senken die Baulandpreise um bis zu 60 Prozent, um die Abwanderung junger Familien zu stoppen.

www.otz.de

14.08.2003
Ein Ende der Abwanderung ist nicht in Sicht
Ein Ende der Abwanderung der Deutschen aus dem Osten des Landes in den Westen ist nicht in Sicht. «Wir gehen davon aus, dass in den neuen Bundesländern 15 Millionen Einwohner übrig bleiben», sagte der Stadtentwicklungsdezernent des Deutschen Städtetages, Folkert Kiepe, der dpa. Derzeit leben laut Statistischem Bundesamt in Ostdeutschland rund 17 Millionen Menschen.
Laut Kiepe zieht es die Ostdeutschen vor allem in den Südwesten. «Die jungen Leute aus dem Osten suchen einen Arbeitsplatz. Den finden sie meist zwischen der Rhein-Main-Region und Freiburg und im Raum München», sagte der Experte des Städtetages.
Rund 60 Prozent der Ost-West-Migranten sind nach Angaben von Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung an der Humboldt-Universität Berlin jünger als 30 Jahre. «Die Ost-West-Wanderung ist zumeist eine Arbeits- oder Ausbildungsplatz-Wanderung, die die jungen, erwerbsfähigen, gut ausgebildeten Jahrgänge in stärkerem Maße betrifft», sagt Kröhnert.
Nach Auffassung des Jenaer Wissenschaftlers Peter Sedlacek sollten sich ostdeutsche Städte als Konsequenz aus der Abwanderung der Menschen über Ländergrenzen hinaus zu Wirtschaftszentren zusammenschließen. Als Beispiel nannte der Wissenschaftler ein Städtesystem von Magdeburg über Erfurt und Chemnitz - um den Kern Leipzig. «Bei Infrastrukturinvestitionen ist eine stärkere Konzentration notwendig», sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung an der Jenaer Schiller- Universität. Man müsse den Menschen auch sagen, «wo sind demnächst die Entwicklungsschwerpunkte im Land».
Zwischen 1991 und 2002 haben 2 247 633 Menschen dem Osten den Rücken gekehrt - in Richtung Westdeutschland. Im Gegenzug kamen 1 545 899 Einwohner westdeutscher Städte in den Osten. Unterm Strich bleibt für die neuen Bundesländer ein Verlust von 701 734 Einwohnern binnen eines Jahrzehnts.
Ein Blick auf die Abwanderungszahlen des Statistischen Bundesamtes zeigt auch: Zwischen 1992 und 1997 sanken sie von Jahr zu Jahr. 1991 verließen 249 743 Menschen den Osten, 1997 waren es 167 789. 1999 stieg der Wert dann wieder - auf 182 478.
Im vorigen Jahr ging die Abwanderung erneut leicht zurück. 176 700 Menschen zogen 2002 aus den neuen in die alten Bundesländer.

www.mz-web.de

13.08.2003
Leipzig:  Abriss in Grünau, Mockau und Schönefeld kann nun beginnen
Nach monatelangen Querelen kommt das Leipziger Stadtumbauprogramm für Neubaugebiete aus DDR-Zeiten endlich in Fahrt. Vier Großprojekte starten in diesen Tagen in Grünau, Schönefeld und Mockau. Der Bund hat gestern Milliarden für die neuen Länder freigegeben, mit denen auch an der Pleiße weitere Abrisse bezahlt werden können.
Bis heute haben die Unternehmen jedoch nicht einen Cent bekommen. Die LWB warte nach wie vor auf 1,7 Millionen Euro von 2002 und auf 1,6 Millionen Euro Zuschüsse für dieses Jahr, erklärte dort Sprecher Gregor Hofmann. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und viele Gebäude leer geräumt. Es ist äußerst wichtig, dass umgehend die Finanzierungssicherheit kommt, die bisher leider fehlt."
In ihrer Not bastelten einzelne Unternehmen und die Kommune komplizierte Vorfinanzierungs-Modelle. Das Risiko, ob die Abriss-Fördermittel tatsächlich irgendwann fließen, trägt dabei der Hauseigentümer. Die Stadt verpflichtete sich nur, das Geld weiterzureichen, falls sie was bekommt.
Mit der Unitas und Lipsia machen erstmals auch die Genossenschaften mit. Die Unitas startet diese Woche den Abriss eines Achtgeschossers An der Lautsche 16 in Grünau, der seit zwei Jahren leer stand. "Wir haben die Zusage, dass das Geld kommt, wenn die Hälfte der Leistung erbracht ist", so Vorstand Hans-Dieter Thomas.
Auch die Lipsia wollte schon vor Monaten mit einem Projekt loslegen, das im Wohnkomplex (WK) 8 angesiedelt ist. Aus einem riesigen Karree sollen dabei drei Blöcke verschwinden. Ein vierter Gebäudeteil (An der Lautsche 1-11) wird seit einigen Tagen saniert.
Laut Stefan Weber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sächsischen Aufbaubank (SAB), hatten alle Verzögerungen nur einen Grund. "Das Milliarden schwere Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost konnte nicht beginnen, weil noch nicht alle 16 Bundesländer unterschrieben hatten. Anfangs dachten wir, das passiert gleich im Mai - als die Vereinbarung fertig war. Dann haben wir auf zwei fehlende Unterschriften gewartet und gewartet. Das hat leider viel blockiert."
Beim Bundes-Bau-Ministerium bestätigte dies Sprecher Jürgen Frank: "Gerade hat Bayern als allerletztes Land unterzeichnet." Damit stehe der Auszahlung nichts mehr im Wege. Tatsächlich verschickte die SAB gestern die ersten Bewilligungen für Abrisse an die Stadt Leipzig, die sie heute den Unternehmen zustellt.

www.lvz-online.de

13.08.2003
Magdeburg: Wohnungsgenossenschaft entscheidet nach Fördermittelvergabe
Leipziger Straße - Heute ist es unter anderem eines der drei nördlich der Bertolt-Brecht-Straße befindlichen Hochhäuser. Zwei wurden saniert, eines komplett leer gezogen. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Magdeburg von 1954" sah bis vor kurzem einen Abriss für unumgänglich an. Doch jetzt soll aus dem leeren 16-Geschosser ein "Power Tower" werden. Mit Solaranlagen verkleidet, könnte das Hochhaus Stromlieferant für die Mieter der anderen Häuser werden.
Rolf Opitz, Vorstand der Wohnungbaugenossenschaft 1954, hat eine Idee: Der seit Jahren leer stehende 16-Geschosser an der Leipziger Chaussee/ Salbker Straße muss möglicherweise doch nicht abgerissen werden. Aus dem alten Kachel-Hochhaus könnte ein "Power-Tower" werden, erklärt er. Was dahinter steckt, lässt sich nach seiner Meinung einfach erklären. "Wir wollen das leere Haus nicht wieder beziehen und die komplette Fassade mit Solarplatten anhängen. So hat der Turm wenigstens noch eine Funktion und der Schandfleck ist außerdem verschwunden", meint Rolf Opitz. Erzeugt werden sollen Warmwasser und Elektroenergie.
"Das Gute ist, wenn nach 20 Jahren wieder Bedarf für preiswerten und guten Wohnraum besteht, können wir die Solaranlage abbauen und das Haus dann sanieren", erklärt der Vorstand. Da die Idee nicht nur mit erneuerbaren Energien zu tun hat, sondern auch sehr innovativ klingt, habe sich auch die Hochschule Magdeburg-Stendal gemeldet und Interesse bekundet, das Projekt zu begleiten. "
Sollte das Konzept tatsächlich aufgehen, dann hätten auch die Hochhäuser in der Erzbergerstraße eine echte Alternative. Zumal die Studenten mit ihrem Projekt "Lichtkunst" auch stets Strom zur Verfügung haben müssen. Uni-Studenten wollen die Hochhäuser nachts mit farbigem Licht anstrahlen, um der Fassade einen ganz besonderen Ausdruck zu verleihen.
Egal, welches Schicksal den 16-Geschosser in der Leipziger Chaussee auch ereilt, Fördergelder müssten vermutlich so oder so fließen. Denn, wenn das Projekt Solarenergie nicht gefördert wird, will die Wohnungsbaugenossenschaft den Turm wie vorgesehen 2004 abreißen. "Wir haben keine andere Möglichkeit", sagte der Vorstand und verwies auf die allgemein schlechte Finanzsituation.

www.volksstimme.de

13.08.2003
Wusterhausen: Abriss kann sich keiner leisten
Stadtumbau Ost, gleichbedeutend mit Abriss von nicht mehr genutztem Wohnraum, ist in Wusterhausen kein Thema. Aus Kyritz war in der vergangenen Woche bekannt geworden, dass mit der Robestraße 8 der erste Block der dortigen Wohnungsbaugesellschaft weichen soll. Auch Neustadt muss perspektivisch auf einen Mehrgeschosser verzichten. Hier soll sogar ein saniertes Haus zu Schutt werden.
"Wir zählen zum weiteren ländlichen Entwicklungsraum, unterstehen nicht Minister Meyer, sondern seinem Kollegen Birthler. Der verfügt nicht über jene Fördermittel, mit deren Hilfe in größeren Städten abgerissen werden kann", sagt Rolf Eggeling, Geschäftsführer der Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft. Sie verwaltet etwa 800 Wohnungen. Abriss kann sich an der Dosse keiner leisten. Dabei ist der Leerstand beträchtlich. In den Ortsteilen liegt er bei etwa 18 Prozent. Das stellt die acht Prozent in der Stadt deutlich in den Schatten. In Wusterhausen setzt man auf eine andere Methode als das Entfernen. "Wir legen ein Sonderprogramm ,Junges Wohnen' auf, wollen mit verbilligten Mieten erreichen, dass junge Leute wieder in die Dörfer ziehen oder dort bleiben", erklärt Rolf Eggeling. Mit dem Vorhaben soll Anfang des nächsten Jahres begonnen werden. Gewinn ist damit nicht zu machen. Kostendeckend arbeiten, heißt stattdessen die Devise.

www.MaerkischeAllgemeine.de

12.08.2003
Land Brandenburg: Kommunen wollen Kürzungen beim Städtebau verhindern
Bei der Sanierung der Städte habe man erst die halbe Wegstrecke bewältigt, betont Rainer Baatz von Stadtkontor, der „Arbeitsgemeinschaft der Sanierungsträger in Brandenburg“. Der Rückstand gegenüber westdeutschen Städten betrage durchweg zehn bis 15 Jahre, erklärt Klaus Eichler, Abteilungsleiter Stadtentwicklung im Bauministerium. So besteht in Potsdam-Babelsberg nach Angaben des dortigen Sanierungsträgers noch für ein Drittel der Häuser und die Hälfte der Straßen mittlerer bis hoher Sanierungsbedarf. In Nauen müssen trotz Berlin-Nähe noch 35 Prozent der Häuser und 64 Prozent der Straßen saniert werden. In den Randregionen sieht es oft noch schlimmer aus.
Städte und Sanierungsträger befürchten, dass sich die Pläne auch auf die private Investitionsbereitschaft auswirken werden. In Babelsberg seien bereits 14 Förderanträge abgelehnt oder „auf Eis“ gelegt worden, so Baatz, der warnt: Komme es zur Kürzung der Fördermittel, werde weniger privates Geld in die Städte und Gemeinden fließen. Eichler spricht von einem „politisch falschen Signal“. Der Verfall in den Städten werde wieder zunehmen, die Abwanderung besonders aus den Randgebieten beschleunigt.
Konkret soll nach seinen Angaben das Landesprogramm „Städtebauliche Erneuerung“ mit einem Volumen von 16 Millionen Euro gestrichen werden. Projekte wie die Sanierung der Fenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder) oder auch des Kaiserbahnhof in Potsdam könnten dann nicht mehr gefördert werden. Außerdem sollen Eichler zufolge fünf Bund-Landes-Programme „Städtebauförderung“ um zehn Prozent gekürzt werden. Darunter das für den Stadtumbau, aus dem der Abriss leer stehender DDR-Plattenbauten finanziert wird. 42 Städte, in denen der Leerstand mehr als 15 Prozent beträgt, profitieren davon. Besonders pikant: Brandenburg gilt als Vorreiter des Programms.
Was nicht nur Eichler dabei besonders ärgert – Bundesmittel für den Stadtumbau sollen nicht mehr voll in Anspruch genommen werden. Auch im Bundes-Bauministerium reagiert man leicht verwundert. Denn dies wäre erstmals der Fall.
Für den Brandenburger Städte- und Gemeindebund dürfe es zu diesen Einschnitten nicht kommen. Das Land werde beim Bund unglaubwürdig, heißt es in einem Schreiben an alle Landtagsabgeordneten. Immerhin habe sich der Bund erst nach erheblichen Kraftanstrengungen der Länder und Kommunen nach dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Schwedt zum Programm „Stadtumbau Ost“ bereiterklärt. Sich jetzt aus der Kofinanzierung dieses Politikfeldes zurückzuziehen, hätte verheerende Folgen. „Mit einer Rückgabe von Mitteln würde der Eindruck erweckt, die Strukturprobleme des Landes seien gelöst“, heißt es in dem Schreiben.

www.lr-online.de

10.08.2003
Hoyerswerda: Superumbau: die verkunstete Platte - Kulturprojekt in Hoyerswerda gegen die Tristesse
"Brüder Grimm" steht über dem Eingang des zweigeschossigen Gebäudes im nordsächsischen Hoyerswerda. Der Anblick ist allerdings alles andere als märchenhaft: Die ehemalige Kindertagesstätte in den Plattenbauschluchten der Neustadt scheint eher abrissreif und doch regt sich etwas in dem Bau. Vom 15. August bis zum 27. September ist hier eine künstlerische Auseinandersetzung mit Plattenbauten geplant. Für das Projekt "Superumbau - die verkunstete Platte" haben rund 30 Künstler zugesagt, darunter so prominente wie der Aktionskünstler Christoph Schlingensief.
Jetzt hält in der Buchwalder Straße im WK (Wohnkomplex) VIII die Kunst Einzug, unterstützt vor allem von der Kulturstiftung des Bundes, die 75 000 Euro beisteuert. "Der Rückbau von Städten und dessen soziologische Folgen sind ein großes Thema", sagt die Produktionsleiterin von Superumbau, Anja Nioduschewski. Das werde auch in der Kulturszene so gesehen, entsprechend positiv sei die Resonanz gewesen.
Das grobe Konzept für die Projekte steht, auch wenn Nioduschewski betont, es sei keine "fertige Kunst" eingeladen worden. "Viele Positionen werden sich erst in den sechs Wochen herausbilden", sagt sie. Sicher ist: Schlingensief wird seinen Film "Chance 2000" zeigen und sich einer Diskussion mit dem Publikum stellen. Der Dramatiker und Theaterregisseur Armin Petras plant eine szenische Urlesung eines Textes aus dem Nachlass von Einar Schleef. Dazu kommen Theaterstücke, Installationen, ein Dokumentarfilm und andere Projekte.
Parallel zum Superumbau wird nur wenige Meter entfernt ein fünfgeschossiger Plattenbau dem Erdboden gleich gemacht. Der Abriss soll in das Projekt einbezogen werden. In der Projektbeschreibung zu "Superumbau" heißt es: "Ziel ist es herauszufinden, welchen Identitätsverlust die Neustädter erleben und welche Potenziale für ein neues Stadtimage es gibt."

www.tlz.de

10.08.2003
Wolgast : Wohnungswirtschafts GmbH wartet auf finanzielle Sicherheit für ersten Abriss
Der größte Vermieter der Stadt, die Wolgaster Wohnungswirtschafts GmbH, treibt die Vorbereitungen für den ersten Abriss eines Plattenbaus im Stadtteil Nord weiter voran. Im Block Gorkistraße 21 bis 24 wurde und wird in persönlichen Gesprächen mit allen Mietern eine Wohnungsalternative besprochen, bevor der Umzug erfolgt. Etwa 50 Prozent der Mietparteien haben das Haus bereits verlassen. Wann es richtig los geht mit dem Rückbau, weiß allerdings noch niemand, denn die klamme Finanzsituation von Bund und Land ist bekannt. WoWi-Prokurist Jan Koplin: „Wir warten erst die Bund-Länder-vereinbarung ab, brauchen eine gewisse Sicherheit“. Dennoch könne im Herbst die Abrissbirne zum Einsatz kommen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

09.08.2003
Herford: Abriss nicht ausgeschlossen
Die Wohnbau will sich ändern. Sie will nicht mehr Behörde sein. Das Wohnungsangebot möchte sie den Wünschen der Mieter anpassen. Den Mietern soll geholfen werden, sobald sie in Schwierigkeiten stecken. Und: Der größte Herforder Vermieter will Wohnungen aufgeben, falls sie sich nicht mehr rechnen.
Mehrere Beispiele für die neue Ausrichtung der Wohnbau führten die Geschäftsführer Hans-Jörg Gast und Heinz-Dieter Klein bei einem Pressegespräch an. So sei das Unternehmen neu strukturiert worden.
Die Wohnbau hat das nötig. "Wir haben zurzeit einen Mietermarkt", sagte Gast. Die Mieter können sich aussuchen, mit welchem Vermieter sie einen Vertrag abschließen.
Um Investitionen wirtschaftlich einsetzten zu können, lässt die Wohnbau ihren Bestand analysieren. Dabei wird geprüft, in welcher Lage das Haus steht, welche Ausstattung die Wohnungen in welcher Qualität haben. "Wir wollen so investieren, dass es Mieten auch für Leute mit weniger Einkommen gibt", sagte Gast. Dabei ist es nicht ausgeschlossen in guten Lagen, dort wo zahlungskräftige Mieter zu erwarten sind, ordentlich Geld in die Hand zu nehmen. Ebenfalls denkbar ist