Newsticker Archiv August 2003
31.08.2003
Perleberg: Hässliche Entlein wurden Schwäne
Insgesamt wurden 56 Wohnungen und 18 Gewerberäume, sprich Verkaufsläden und
Büros, von 1990 bis 2003 saniert. Investiert wurden sechs Millionen Euro, davon
kommen zwei Millionen aus der Städtebauförderung. Ohne diesen Zuschuss wären die
Sanierungen nicht möglich gewesen.
"Für diese Kosten hätte man schon neu bauen können", betont Klaus Neumann,
Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt (GWG).
Hinzu komme, dass die Sanierung alter Häuser ohnehin problematisch ist. "Man
fängt irgendwo an, gleichzeitig fällt irgendwo anders eine Wand ein", beschreibt
Neumann die Bauarbeiten.
Dennoch entstanden außergewöhnliche Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen, die zum
Quadratmeterpreis von drei bis vier Euro vermietet werden. Bevor die Mieter
jedoch einziehen konnten, standen sie vor vielen wichtigen Entscheidungen. So
konnten sie die Raumgrößen und die Zimmeraufteilung mitbestimmen. Aber auch für
individuelle Wünsche, wie zum Beispiel rosafarbene Fliesen im neuen Bad, war die
GWG offen. "Wir sind auf alle Wünsche eingegangen. Die Mieter hatten einen
bestimmten preislichen Rahmen. Alles, was darüber hinaus ging, mussten sie
selbst zahlen", so Neumann. Mit den kreativen Einflüssen beider Seiten
entstanden topp sanierte Häuser und Wohnungen, wie zum Beispiel Puschkinstraße
4, Schuhmarkt 3 oder auch Parchimer Straße 13. Letzteres ist das älteste
Gebäude, das die GWG sanierte. "Die Wohnungen sind sehr gefragt und vermieten
sich gut", ergänzt der Geschäftsführer. Das liegt zum einen am Flair und Charme
der alten Häuser, zum anderen aber auch daran, dass die Mieter hier mit wenig
Parteien in einem Haus wohnen und immer Stellplätze für ihre Autos haben.
www.svz.de
29.08.2003
Brandenburg: Krombholz zieht sich aus Stadtumbau
zurück
Baubeigeordneter Ralf Krombholz zieht sich offensichtlich zumindest teilweise
aus dem Stadtumbau zurück. Der Politiker lehnt nach eigenen Aussagen die
Verantwortung für die Regelung der finanziellen Ausgleiche ab, die den
Unternehmen die geplanten Abrisse erleichtern sollen. "Da geht es um städtisches
Vermögen", erklärte er. Und dafür sei der Kämmerer zuständig. Er, Krombholz,
wolle sich künftig nur noch um die konzeptionelle Arbeit kümmern.
Bürgermeister Norbert Langerwisch, der die kommunalen Finanzen verwaltet, zeigte
sich sichtlich zerknirscht über Krombholz Rückzieher, wollte den Schritt gestern
allerdings nicht kommentieren. "Das erwarte ich auch nicht mehr von ihm", sagte
er lediglich. Krombholz habe schon vorher signalisiert, dass er keine Lösung für
das Problem des Lastenausgleichs habe. "Die Fronten zwischen dem
Baubeigeordneten und den Wohnungsgesellschaften sind ohnehin völlig verhärtet",
räumte der Bürgermeister ein.
Krombholz kommissarischer Vorgänger, der jetzige Projektgruppenleiter Kurosh
Arastéh, soll nun gemeinsam mit Norbert Langerwisch die Verhandlungen zwischen
den Wohnungsgesellschaften und der Verwaltung führen.
Hauptakteure des Stadtumbaus sind Norbert Langerwisch zufolge weiterhin die
kommunale Wobra sowie die WBG. Letztere hat sich laut Krombholz jetzt dazu
bereit erklärt, den Abriss von rund 800 Wohnungen "ins Auge zu fassen". Die
Wobra möchte nach Aussagen von Geschäftsführerin Stephanie Heinrichs in den
kommenden zehn Jahren ungefähr 1200 Wohnungen vom Markt nehmen. Nach
Informationen des Stadtplanungsamtes sind in Brandenburg derzeit mindestens 4000
Wohnungen überzählig.
Die Gesellschaften bekommen einen abgerissenen Quadratmeter mit 60 Euro bezahlt.
Eine Summe, die die Kosten durchaus deckt, wie Wobra-Chefin Heinrichs sagt.
Dennoch stehen die Quartiere immer noch hoch bewertet in den Büchern. Obgleich
der Leerstand längerfristig ebenso zu einem Buchverlust führt, fürchten die
Gesellschaften vor allem die Einbußen durch die Abrisse. "Eine Angst, die ich
durchaus verstehen kann", erklärte Bürgermeister Langerwisch. "Das ist
nachvollziehbar." Deshalb werde er nun gemeinsam mit Arastéh nach möglichen
Lösungen suchen.
Wie die aussehen könnten, wollte Langerwisch gestern noch nicht sagen. "Da bitte
ich um Verständnis." Überweisungen schloss er jedoch aus. Immerhin gebe es auch
viele andere Möglichkeiten, die jetzt ausgelotet werden müssten. Laut
Baubeigeordnetem Krombholz ist die gegenseitige Zahlung von finanziellen
Ausgleichen unter den Wohnungsgesellschaften nicht mehr zu erwarten. "Das ist
eher ein theoretisches Konstrukt."
www.maerkischeallgemeine.de
29.08.2003
Die Laubuscher Wohnungsgenossenschaft (LWG) balanciert vorerst weiter am Rande
der Zahlungsunfähigkeit. Das ist die Quintessenz der Jahreshauptversammlung, die
am Donnerstagabend stattfand. Das Thema, bei dem die Wellen der Aufregung am
höchsten schlugen, war aber ein anderes . . .
Angesichts des im Jahresabschluss 2002 ausgewiesenen Fehlbetrages von rund 1,8
Millionen Euro und des inzwischen auf knapp 5 Millionen Euro angewachsenen
Bilanzverlustes hat der LWG-Vorstand den Genossenschaftern erneut einen
Beschluss vorgelegt, der im vergangenen Jahr erstmals gefasst worden war, für
Empörung und im Nachhinein für Klagen gesorgt hatte. Dennoch stimmte die
übergroße Mehrheit der 120 erschienenen Genossenschafter dafür, die
Genossenschaftsanteile derjenigen, die bis zum 31. Dezember 2002 aus der
Genossenschaft ausgeschieden sind, nicht auszuzahlen, sondern zur Deckung des
Bilanzverlustes zu verwenden. Die Anteile der verbliebenen Genossenschafter
bleiben unangetastet. In Summe geht es um rund 250 000 Euro, etwa so viel wie
auch im Jahr zuvor, als erstmals ausgeschiedene Genossenschafter auf die von
ihnen einst eingezahlten Anteile verzichten mussten.
Es ist kein Geld da, um Anteile auszuzahlen.“ Und um seinen Worten den nötigen
Nachdruck zu verleihen, fügte er an die Genossenschafter gewandt hinzu: „Sie
sind zahlungsunfähig plus überschuldet.“ Dann könne doch auch gleich Insolvenz
angemeldet werden, verlautete daraufhin aus den Reihen der Genossenschafter. Was
der SAB-Vertreter so aber nicht stehen lassen wollte. „Wir suchen eine Lösung,
um die Genossenschaft am Leben zu erhalten. Eine Insolvenz aber beseitigt Ihre
Anteile nachhaltig, die sind weg. Und wir als SAB könnten uns von unsereren
Krediten verabschieden.“ Es sei also im beiderseitigen Interesse, dass die
Genossenschaft am Leben bleibt. Die Anteile der Mitglieder gehen nicht verloren,
die SAB bewahrt die Chance, ihr Geld zurückzubekommen. „Sie können im Prinzip
nur noch entscheiden zwischen Not und Elend.“ Not wäre, sich gegen die
Auszahlung der Genossenschaftsanteile zu entscheiden. Bei einer Entscheidung für
Elend träfe es die gesamte Genossenschaft.
www.sz-online.de
28.08.2003
Land Brandenburg: Polnische Mieter in deutsche „Platten“
Frankfurt (Oder) will Wohnungsleerstand mit polnischen Mietern begegnen / Andere
Grenzstädte wie Guben sind skeptisch
Vom 1. Mai 2004 an gehört Polen zur EU. Deutsche Grenzstädte wie Frankfurt
(Oder), Guben, Forst oder Görlitz könnten ihrem massiven Wohnungsleerstand durch
polnische Mieter entgegenwirken.
Allerdings ist die Angelegenheit bisher lediglich in Frankfurt (Oder) zur
Chefsache gemacht worden.
Der Oberbürgermeister der Grenzstadt, Martin Patzel möchte die polnischen
Nachbarn am liebsten schon jetzt in seine Stadt holen, bevor sie ihren Wohnsitz
frei wählen können: „Jedem der kommt, würde ich eine Wohnung geben.“ Polnische
Bürger aus Slubice, jenseits der Oder gelegen, sollen in leer stehende Wohnungen
in Frankfurt ziehen können. Über Ausnahmegenehmigungen und klare Bedingungen
will Patzelt dies regeln. Mit Arbeit in Frankfurt oder deutschen
Sozialleistungen sei der Einzug nicht gekoppelt, betont er. 6500 leere
Plattenbau-Wohnungen warten in der Oderstadt auf Abriss, in Slubice fehlen
dagegen bis zu 800 Wohnungen. „Ich finde die Idee ganz prima, das ist super“,
sagt Wanda Szram aus Slubice. Mit ihrer Familie würde sie über die Oder ziehen,
wenn die Miete bezahlbar ist. Derzeit zahlt die vierköpfige Familie 500 Zloty
(120 Euro) für 60 Quadratmeter. Wenn die Miete wie in Slubice wäre, ginge das,
meint die Geschäftsfrau.
Auch für Patzelt ist wichtig, dass die Polen die Miete verkraften können.
Deshalb sollten die Vermieter die Selbstkosten überprüfen, die sie mit leeren
Wohnungen haben, sagt er und bemüht das Bild vom „guten Kaufmann“, der kurz vor
Ladenschluss Nachlässe gewährt. Sonst müsse abgerissen werden. Ginge es nach dem
Stadtoberhaupt, würde noch 2003 der erste Möbelwagen aus Slubice über die Brücke
rollen. Derzeit dürfen Polen nur in Deutschland wohnen, wenn sie zum Beispiel
eine Arbeitserlaubnis oder eingeheiratet haben.
Auch in der sächsischen Grenzkommune Görlitz wird überlegt, polnische Mieter in
die Stadtmauern zu holen. Allerdings ist man sich im Rathaus der schwierigen
Rechtslage bewusst. „Momentan steht das Thema nicht auf der Tagesordnung“, heißt
es. Auch in anderen grenznahen Städten stehen Hunderte Wohnungen leer.
In der Neißestadt Guben, wo in den 70er-Jahren mehr als 1000 polnische Frauen im
Chemiefaserwerk arbeiteten, wird in absehbarer Zeit nicht mit dem Zuzug von
polnischen Nachbarn gerechnet. „Für polnische Bürger sind unsere Wohnungsmieten
zu hoch, und im polnischen Gubin suchen nur wenige Leute Sozialwohnungen“, sagt
Sandra Kositz von der Stadtverwaltung. Das liege auch daran, dass im kleineren
Gubin in leeren Kasernen Wohnungen entstanden.
Im weiter südlich gelegenen Forst an der Neiße ist auch keine Einwanderungswelle
zu erwarten. „Wir können derzeit keinen Bedarf erkennen“, meint Baudezernent
Jürgen Goldschmidt. Viele Polen wechselten aus dem Grenzgebiet ins Landesinnere.
„Mit dem EU-Beitritt werden sicher mehr Polen nach Deutschland ziehen, aber wohl
eher in den Westen als zu uns“, vermutet Goldschmidt.
www.lr-online.de
28.08.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Millionen
für den Städtebau
Das Land will 2003 eine Fördersumme von 110,5 Millionen Euro für den Städtebau
ausreichen. Für den verspäteten Start der Programme von Bund und Land macht das
Bauministerium die "Blockadehaltung" der alten Länder verantwortlich. Sie
fordern eine Umverteilung der Förderung.
Ein neues Parkhaus, eine Halle für Freizeitsport, ein Schönheitspflaster für den
Weg an der Stadtmauer: rund sechs Millionen Euro beträgt die Bewilligungssumme,
mit der das Zentrum von Rostock herausgeputzt werden soll. Gefördert werden die
Baumaßnahmen durch mehrere Programme vom städtbaulichen Denkmalschutz bis hin
zum Stadtumbau Ost. Von der landeseigenen Städtebauförderung soll unter anderem
die Schweriner Werdervorstadt profitieren, die wegen "erheblicher baulicher
Missstände" mit 570000 Euro neu in die Förderliste aufgenommen wurde. Insgesamt
will das Land nach Angaben des Bauministeriums für 143 Projekte in 101 Orten
110,5 Millionen Euro ausreichen - zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr.
Ziel ist es, die Innenstädte zu beleben.
Da das Geld für 2003 erst jetzt fließt, kommt es bei den Bauvorhaben jedoch
teilweise zu erheblichen Verzögerungen. Als Grund nennt das Ministerium die
"Blockadehaltung" westdeutscher Länder. So habe Bayern erst vor wenigen Tagen
die Vereinbarung von Bund und Ländern zu den Programmen unterschrieben,
kritisierte Arbeitsminister Helmut Holter. Hintergrund: Angesichts maroder
Stadtteile auch in westdeutschen Kommunen häufen sich in letzter Zeit
Beschwerden von Alt-Bundesländern über den Verteilerschlüssel. Zurzeit fließen
etwa 80 Prozent der Fördergelder in den Osten.
In Mecklenburg-Vorpommern sei allerdings erst die Hälfte der Missstände
beseitigt, hält Holter dagegen: "Allein für das Programmjahr 2003 war von den
Gemeinden das Doppelte dessen beantragt worden, was bewilligt werden konnte."
Der Bedarf sei weiter sehr hoch. Seit 1991 wurden in MV rund zwei Milliarden
Euro Fördermittel für den Städtebau gewährt. Das Geld kam etwa zur Hälfte vom
Land und zu je einem Viertel von Bund und Kommunen.
www.svz.de
28.08.2003
Cottbus: Versorger warnen: Stadtumbau
heißt nicht nur Abriss
Die drohende Kürzung der Förder-Millionen für den Wohnungsabriss im Rahmen des
Stadtumbaus ist nach Ansicht von Fachleuten nur die eine Seite der Medaille. Die
zweite sind völlig ungeklärte Finanzierungs-Fragen rund um den Abbau von Ver-
und Entsorgungsleitungen sowie von Straßen. Dafür fehlen Millionen. Brandenburgs
Landesregierung entscheidet heute über die drohende Kürzung der
Städtebau-Förderung um zehn Prozent. "Der große Knackpunkt" komme dabei jedoch
gar nicht erst zur Sprache, sagt der SPD-Stadtverordnete Reinhard Beer,
beruflich tätig bei der Lausitzer Wasser-Gesellschaft (LWG). Aus Sicht der
Versorger – Zweiter im Bunde sind die Stadtwerke – reiche schon die bislang in
Aussicht gestellte Förderung nicht aus. "Dass gekürzt werden soll, ist fachlich
überhaupt nicht nachzuvollziehen. Wenn wir Wohnungen nicht abreißen können, dann
werden die Vermieter den Wohnungsmarkt nicht in den Griff bekommen" , so der
Politiker Beer. LWG und Stadtwerke aber arbeiten in einem Bereich, wo bislang
nichts gekürzt werden kann – weil gar kein Geld für den Abbau von
überdimensionierten oder nicht mehr gebrauchten Leitungen in Sachsendorf und
künftig auch Schmellwitz vorhanden ist. Beer: "Brandenburg hat diesen Aspekt des
Stadtumbaus schlichtweg vergessen." Die beiden Versorger haben ihren
Investitionsbedarf errechnet: Zwölf Millionen Euro wären nötig, um im Zuge des
geplanten Wohnungs-Abrisses auch den "Unterbau" auf aktuellen Stand zu bringen.
Allein rund um die Herderstraße in Sachsendorf müssten gut 1,5 Kilometer
Regenwasser-Leitungen aus dem Boden geholt oder zumindest verfüllt werden.
Andere müssten auf die schrumpfende Bevölkerungszahl in den großen Wohngebieten
angepasst werden. Beer, der Wasser-Fachmann: "Fließt das Wasser zu langsam durch
zu große Leitungen oder steht gar darin, dann ist das Trinkwasser kaum mehr zu
gebrauchen. Beim Abwasser drohen uns Gestank aus den Leitungen und Korrosion der
Betonkanäle." Ohne Umbau könne es passieren, dass die Unterwegs-Verluste größer
sind als das, was beim Kunden ankommt – auch bei den Fernwärmeleitungen der
Stadtwerke. Welche Probleme liegengebliebene Leitungen verursachen können,
erlebten Bauleute vor gut zwei Jahren am Stadtring. Dort tauchte plötzlich ein
alter unterirdischer Kanal auf, dessen Abriss den Bau immens verteuerte. Ähnlich
ungelöst seien die Probleme mit den Straßen, die derzeit noch durch die
Wohngebiete am Cottbuser Stadtrand führen. "Niemand weiß, was damit geschehen
wird"
www.lr-online.de
28.08.2003
Greifswald:
Erster Block soll in Bälde fallen
Wenn alles klappt, könnten noch 2003 die
Abrissbagger anrollen. Ursula Bierkandt sitzt auf gepackten Koffern. Denn am 18.
September wird sie in eine Übergangswohnung ziehen. In den Kooser Weg. Ihr
jetziger Block, der Riemser Weg 5/6, ist nämlich jener, der als erster
abgerissen werden soll. Der Block Riemser Weg 5/6 gehört zum sogenannten
Quartier A4, sagt Nils Christiansen von der Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald
(WGG). Hier werden die Umbaumaßnahmen im Ostseeviertel-Parkseite gestartet.
Während dieser Block komplett entfernt wird, sollen bei angrenzenden nur
einzelne Geschosse abgenommen werden. Zurzeit wohnen im Riemser Weg 5/6 noch
drei Mieter. Andere sind schon ausgezogen. Christiansen hofft, dass der Abriss
noch dieses Jahr begonnen werden kann. Denn 2004, so wurde auf der jüngsten
Sitzung des Ortsrates verkündet, soll es endlich mit den lange geplanten
Umbaumaßnahmen im Ostseeviertel-Parkseite losgehen. Auch bei der Wohnungsbau-
und Verwaltungsgesellschaft, wie Dirk Bauer aus deren Aufsichtsrat bestätigte.
„Wir haben immer wieder gesagt, dass die Arbeiten einvernehmlich und gemeinsam
mit beiden beteiligten Wohnungsunternehmen und der Stadt laufen müssen. Sonst
gehe gar nichts. Das wird auch so sein“, sagte Stadtplanungsamtsleiter Volker
Bouché, der noch einmal erläuterte, dass Abriss/Umbau und nachfolgende
Umgestaltungsarbeiten des Viertels zwei verschiedene Paar Schuhe sind, was sich
in erster Linie natürlich auf die Fördertöpfe bezieht. Was die lange Zeit
ungeklärte Finanzierung der Vorhaben betrifft, gibt es offensichtlich positive
Signale, weshalb der Start jetzt konkret ins Auge gefasst werden kann. Was
allerdings nicht bedeutet, dass die Wohnungsunternehmen kein Risiko eingehen,
wie Bauer sagte. Denn bis 2008/09 sind die Maßnahmen geplant. Heute könne keiner
sagen, ob dann auch noch Förderungen fließen. „Aber wir können die Bürger nicht
länger auf die Folter spannen.“ Darin sind sich alle Partner einig. Ebenso
darin, dass im Ostseeviertel dringend etwas geschehen muss. Schade, dass kein
Vertreter der WVG anwesend war, denn es gab Fragen, die Montag leider
unbeantwortet blieben. Ursula Bierkandt tangierte das wenig, weil sie sich an
ihre WGG hält. Die Genossenschaft war mit zwei Männern gekommen, um auf der gut
besuchten Ortsratssitzung Rede und Antwort stehen zu können. „Etwa 45 Prozent
unserer Mitglieder“, so Christiansen, „wollen im Ostseeviertel bleiben.“ Damit
sie ihre Meinung nicht ändern, will die WGG ihnen überall helfen.
www.ostsee-zeitung.de
28.08.2003
Eilenburg: Städte werden für Senioren attraktiver
Welchen Einfluss hat die Bevölkerungsentwicklung auf die innerstädtische
Planung?
"Nicht nur Eilenburg steht vor dem Dilemma, dass die Bevölkerung abnimmt. Wenn
im Jahr 1990 noch über 21.000 Einwohner in der Muldestadt wohnten, so sind es im
Jahr 2020 maximal 16.000 Bürger", mahnte Walter Christian Steinbach an. Dem
müssen die Kommunen entgegenwirken. Bei einem Wohnungsleerstand von 12,9 Prozent
(Juni 2002) sollten die Alarmglocken bei der Eilenburger Verwaltung schrillen.
Wohnungsabrisse seien unvermeidbar. Axel Müller plädierte eher dafür,
Arbeitsplätze zu schaffen, um die Abwanderung zu stoppen. Walter Christian
Steinbach erläuterte aber, dass die Hauptursache nicht darin läge, dass die
Bürger gen Westen abwandern, sondern, dass zu wenig Kinder geboren würden.
Umzüge fänden vorrangig ins Umland statt. Aus diesem Grunde müsse Eilenburg
alles tun, um attraktive Wohnungen anzubieten. "Die Stadtflucht wird nicht
anhalten. Für Senioren besitzen die Städte immer mehr Anziehungskräfte. Wir
brauchen altersgerechtes Wohnen," so der Regierungspräsident.
Der 76-jährige Georg Friedrich konnte das bestätigen. "Seit meiner Geburt wohne
ich im Zentrum. Es muss gelingen, die Städte zum Wohnen schmackhafter zu
machen." Birgit Bendix von der Eilenburger Wohnungsverwaltung will dem Rechung
tragen. "In den nächsten Jahren stecken wir unsere ganze Kraft in die
Zentrumswohnungen. Jetzt sind die Karl- und die Rollenstraße an der Reihe."
www.lvz-online.de
28.08.2003
Görlitz: wächst jetzt nach innen
In Görlitz steht zurzeit jede vierte von insgesamt 40 000 Wohnungen leer.
Sorgenkind sind nicht die Plattenbauten in Königshufen, sondern die
Gründerzeitgebäude. Zu Themen wie Stadtumbau und Innenstadtrevitalisierung stand
Stadtplaner Lutz Penske vergangene Woche in einer öffentlichen Diskussionsrunde
auf Einladung des Gesprächskreises „Christen in politischer Verantwortung“ Rede
und Antwort.
„Königshufen war in seiner Dimension ein Fehler“, räumt Penske unumwunden ein.
Andererseits habe die Neubausiedlung seinerzeit einen entscheidenden Beitrag
dazu geleistet, dass die Altstadt aus ihrer Randlage geholt werden konnte. Gut
150 Jahre lang habe sich Görlitz nach Süden entwickelt, erinnert der
Stadtplaner. Erst wuchs die Stadt in der Gründerzeit auf den Mitte des 19.
Jahrhunderts weit vor den Toren der Stadt angelegten Bahnhof zu, dann rasch über
die Gleise hinweg. Dazu kamen Eingemeindungen.
In Folge dieser Entwicklung geriet die Altstadt in eine nördliche Randlage und
das neue städtische Zentrum bildete sich am Bahnhof. Als Mitte der 70er Jahre
festgelegt wurde, dass in Görlitz 6 000 neue Wohnungen errichtet werden, konnte
der Stadtrat den Standort bestimmen. Man entschied sich auf Anraten der
Stadtplaner für die grüne Wiese im Norden. Mit dem neuen Stadtteil Königshufen,
in dem immerhin 20 000 Menschen Wohnungen fanden, konnte die Altstadt zurück ins
Zentrum geholt werden.
Der Nachteil der Neubausiedlung sei die folgende Vernachlässigung der Altstadt
gewesen, sagt Penske. Die Menschen seien mit fliegenden Fahnen aus der Altstadt
in die Komfort bietenden Plattenbauten gezogen. „Königshufen war in der
Dimension ein Fehler“, sagt Penske heute. Gab es Mitte der 70er Jahre in der
Innenstadt 4 000 Wohnungssuchende, so verzeichnet die Statistik für 1989 4 000
freie Wohnungen. Zurzeit stehen 10 000 Wohnungen leer.
„Die Stadt muss nach innen wachsen“, konstatiert Penske. Theoretisch müsste die
DDR-Platte als erstes der Abrissbirne zum Opfer fallen. Praktisch ist das nicht
so einfach. Flächenmäßiger Abriss in Königshufen? Penske schüttelt den Kopf. Das
sei zurzeit völlig unmöglich. Zum einen sei der Leerstand mit 20 Prozent noch
längst nicht so beunruhigend wie in den Gründerzeitvierteln mit 40 Prozent, zum
anderen sei Königshufen ein in sich geschlossener, begrünter, innenstadtnaher
und verkehrsmäßig gut erschlossener Standort, der relativ intakt ist. Natürlich
werde es auch hier einen Rückbau von Wohnungen geben, sagt Penske. Wie der
vonstatten gehe, sei vor allem die Sache der Eigentümer der Gebäude. Kein
Vermieter werde ein Haus abreißen, was noch Einnahmen bringt, vermutet der
Stadtplaner.
Im Amt macht man sich trotzdem Gedanken. Strategien werden entworfen, Pläne
gezeichnet, Varianten erarbeitet. Was sieht städtebaulich besser aus: Das
Abtragen von Blöcken? Oder das von Etagen? Oder sollten die langen
Gebäudefronten aufgebrochen werden? Stadtplaner Penske hat es nicht eilig.
Statistisch wandern jährlich 500 bis 700 Einwohner aus Königshufen ab. Fast die
Hälfe der Einwohner ist über 60 Jahre alt. Altersmäßig wird der Stadtteil nur
noch von Weinhübel übertroffen, wo 75 Prozent der Einwohner 60 Jahre und älter
sind. Bis 2015 wird sich die Einwohnerzahl von Königshufen halbieren, sagt die
Statistik. „Wir müssen abwarten, wie dieser Prozess verläuft, ihn begleiten und
mit Einwohnern und Eigentümern im Gespräch bleiben“, sagt Penske.
Das strategische Ziel bleibt der Rückbau von Plattenbauten in Königshufen,
Weinhübel und Rauschwalde/Südstadt. Allerdings würde selbst der Abriss aller
DDR-Neubauten nicht ausreichen, um den Leerstand zu beseitigen. „Wir müssen auch
über Innenstadt nachdenken“, sagt Penske. War es früher untersagt, Wohnraum
durch Gewerbe zweckzuentfremden, sind jetzt Arzt- und Anwaltspraxen in den bis
zu 210 Quadratmeter großen Wohnungen willkommen. „Die historische Altstadt ist
unverzichtbar für die Zukunft der Stadt“, betont Penske. Platzfolgen wie der
Demianiplatz und der Wilhelmsplatz gehören für ihn zum Weltkulturerbe, einen
Status, um den sich Görlitz bewirbt.
Problem Nummer eins bleibt aber die Abwanderung. Parallel zum baulichen
Aufschwung ging die Zahl der Einwohner rapide zurück. Im vergangenen Jahr musste
Görlitz noch einmal einen Wegzug in einer ähnlichen Größenordnung wie 1990/91
hinnehmen. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Hochrechnungen gehen gegenwärtig
davon aus, dass Görlitz 2015 lediglich noch 50 000 Bürger hat.
Der Bevölkerungsverlust sei auch langfristig nicht zu stoppen, sagt Penske.
Bereits jetzt überschreitet die Einwohnerzahl nur noch die Zahl von 60 000, wenn
auch all jene dazu gezählt werden, die in Görlitz lediglich einen Zweitwohnsitz
haben.
www.sz-online.de
27.08.2003
Neubrandenburg: Banken mauern - Wohnungsabriss stockt
Trotz des Milliarden schweren Stadtumbauprogramms Ost der Bundesregierung gerät
der Abriss von Wohnungen in Mecklenburg-Vorpommern ins Stocken. "In
Neubrandenburg müssten jährlich 400 Wohnungen abgerissen werden. Derzeit sind
wir bei 100", sagte Frank Benischke, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft
Neuwoges GmbH, gestern in Neubrandenburg bei einem Treffen mit Arbeits- und
Bauminister Helmut Holter (PDS). Das Hauptproblem sei das fehlende
Entgegenkommen der Banken bei der Finanzierung des Abrisses.
Das 2002 gestartete Stadtumbauprogramm hat ein Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden
Euro. Die Gelder kommen von Bund, Ländern und Kommunen. Davon sollen der Abriss
leer stehender Wohnungen und die städtebaulichen Aufwertung vor allem von
Plattenbausiedlungen finanziert werden.
"Wir reden hier nicht über den Spezialfall Neubrandenburg", räumte Holter ein.
Das gut gemeinte Programm drohe ins Leere zu laufen, weil die Finanzierung
problematisch ist. "Die Privatbanken sind auf dem Selbstfindungs- und
Kostenspartrip", sagte Benischke. Aus dem Stadtumbauprogramm gibt es für den
Abriss pro Quadratmeter 60 Euro. Das sei ein Drittel der Kosten, berichtete der
Geschäftsführer.
Die Neuwoges verwaltet in Neubrandenburg 15 000 Wohnungen, davon stehen derzeit
1200 leer. Im Stadtviertel mit der größten Leerstandsquote, dem Monckeshof, ist
jede vierte Wohnung nicht vermietet.
www.svz.de
27.08.2003
Neustadt: Gegen Abriss nichts zu machen
"Stadtumbau Ost" heißt ein Programm, hinter dem sich der staatlich geförderte
Abriss von nicht mehr genutztem Wohnraum verbirgt. In Neustadt wird es
wahrscheinlich 2005 den Block Am Vogelsang 16 treffen. "Ja, dürfen die denn
das?", fragte ein Mieter aus diesem Haus bei der MAZ nach. Gemeint ist die
Wohnungsbaugesellschaft Neustadt. Eine Antwort gibt Rechtsanwalt Hans Liefert
aus Kyritz. Das Mietrecht ist einer seiner Tätigkeitsschwerpunkte.
Im Hinblick auf den geplanten Abriss von vermieteten Wohngebäuden auch im
Territorium des Altkreises Kyritz stellt sich die Frage für Vermieter und Mieter
nach der gesetzlichen Grundlage. Diese befindet sich im Paragraf 573 Abs. 2,
Ziffer 3 BGB. Danach kann der Vermieter das Mietverhältnis ordentlich kündigen,
wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: dass die beabsichtigte
wirtschaftliche Verwertung angemessen ist; dass durch die Hinderung der
Verwertung ein erheblicher Nachteil eintreten wird.
Verwertungsmöglichkeiten sind neben Veräußerung sowie Umbau oder Sanierung des
Hauses auch der Abriss des ganzen Hauses, z. B. um dort ein neues Gebäude zu
errichten oder wegen permanentem Leerstand des vermieteten Gebäudes. Die
letztgenannte Problematik gehört in den neuen Bundesländern zu den
rechtspolitisch umstrittensten Fragen. Ursache dafür ist der im Gesetz
enthaltene auslegungsfähige Rechtsbegriff "wirtschaftliche Verwertung". Es fehlt
ganz einfach eine höchstrichterliche Entscheidung. Dennoch kann aber dem
Vermieter nicht zugemutet werden, auf den Abriss eines vermieteten Gebäudes zu
verzichten, nur weil z. B. ein Mieter aus einem großen Mehrfamilienhaus nicht
ausziehen will. In derartigen Fällen haben das Amtsgericht Halle-Saalkreis und
das Amtgericht Jena leerstandsbedingte Kündigungen des Vermieters für zulässig
erachtet (veröffentlicht in NZM 2002, 782; NZM 2003, 351).
Eine weitere, nur in den neuen Bundesländern geltende Vorschrift enthält das
Verbot der Verwertungskündigung für den Vermieter und gewährleistet einen
besonderen Bestandsschutz für Wohnraummietverträge, die vor dem 3. Oktober 1990
abgeschlossen worden sind (Art. 232 Paragraf 2 Abs. 2 EGBGB).
Für den juristischen Laien ist im Ergebnis schwer zu beurteilen, ob der
Vermieter in den neuen Bundesländern nun das vermietete Haus wegen Leerstand
abreißen kann oder nicht. Hier hilft nur die Beachtung der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichtes zu Art. 14 des Grundgesetzes. Danach gewährt das
grundrechtlich geschützte Eigentum seinem Inhaber das Recht, die Sache zur
Grundlage eigenverantwortlicher Lebensgestaltung zu machen und sie zu nutzen,
wie er dies nach seinen Plänen für zweckmäßig hält.
Im Klartext: Einzelne Mieter in großen Mehrfamilienhäusern können eine
ordentliche Kündigung wegen Leerstand des vermieteten Gebäudes nicht verhindern.
Wenn also ein vermietetes Haus leer steht oder überwiegend leer steht, ist das
Recht des Eigentümers auf Abbruch in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz
durchsetzbar. Voraussetzung ist auch, dass ein Überangebot an vermietbarem
Wohnraum im näheren Territorium des Mieters vorliegt.
Diese genannten Aspekte sind zu berücksichtigen, weil jede Abrisskündigung der
gerichtlichen Überprüfung standhalten muss. Schließlich erfolgt vor dem
angerufenen Gericht eine Einzelfallprüfung. Bei allen Für und Wider auf Seiten
der betroffenen Mietvertragsparteien darf der wirtschaftliche Hintergrund nicht
vergessen werden. Schließlich kann dem Vermieter nicht zugemutet werden, Kosten
für Heizung im Winter, Straßenreinigung, Wasser, Abwasser, Steuern und
Versicherungen aufzubringen, wenn möglicherweise dieser Wohnblock seit Jahren
nur noch von wenigen Mietern bewohnt wird.
www.maerkischeallgemeine.de
27.08.2003
Zeulenroda: Förderanträge gestellt für Stadtumbau Ost
2004
Eine lange Liste an Maßnahmen der öffentlichen Hand und im privaten Bereich
hatten die Mitglieder des Zeulenrodaer Hauptausschusses in ihrer Sitzung am
Montag auf dem Tisch. Eine Art Wunschliste für das kommende Jahr, welche
Vorhaben Hausbesitzer und Stadt gerne 2004 innerhalb des Förderprogramms
Stadtumbau Ost in Angriff nehmen würden.
Zur Aufwertung der Innenstadt von Zeulenroda beantragt die Stadt zum einen
Fördermittel für den Kauf von Gebäuden bzw. Grund und Boden, für Entkernung und
bauliche Veränderungen in der Schleizer Straße zwischen Unterer Neustadt und
Lindenstraße sowie für die Fortsetzung der Maßnahme am Städtischen Museum bzw.
für die Fassade der Dreieinigkeitskirche und diverse private Sanierungsvorhaben.
Insgesamt umfasst dieser Jahresantrag Fördermittel in Höhe von 864 000 Euro.
Dabei orientiere man sich an der mittelfristigen Haushaltsplanung, wie die
Bauamtsleiterin betont.
Ein weiterer Antrag befasst sich mit fürs kommende Jahr gewünschten
Abbruchmaßnahmen - neudeutsch: Rückbau. Darin enthalten sind ebenfalls sowohl
private als auch städtische Vorhaben, die von Teilabbrüchen von Wohnflächen bis
hin zu Komplettabriss reichen, wie etwa im Stadtbachring, worüber OTZ bereits
berichtete. Weiterer Abriss-Schwerpunkt im Innenstadtgebiet stellt 2004 nach
dieser Wunschliste die Aumaische Straße dar, wo komplette und Teilabrisse
gewollt sind.
Insgesamt stecken in dieser Liste geschätzte Rückbaukosten von rund 1,09
Millionen Euro. Dabei liege der Fördersatz fest. Maximal 60 Euro pro
Quadratmeter abzureißender Wohnfläche werden bezuschusst, erläuterte Zeulenrodas
Bauamtsleiterin auf Nachfrage im Hauptausschuss.
www.otz.de
27.08.2003
Schwerin: Grundstein gelegt für neue Kita
Neben der vor drei Jahren neu gegründeten Kita gGmbH entstand gleichzeitig auch
"KiGeb", ein Eigenbetrieb für die Verwaltung der Kita-gGmbH-Immobilien. Der
Betrieb wird den Bau von zwei neuen Kindertagesstätten zügig voranbringen. Neben
dem Neubau in der Joseph-Haydn-Straße wird das
Kindertagesstättengebäudemanagment (KiGeb) auch die Sanierung und Umgestaltung
der Kita in der Ziolkowski-Straße durchführen. Gestern wurde dafür feierlich der
Grundstein gelegt.
"Das Zusammenwirken von KiGeb und Kita gGmbH hat sich als überaus erfolgreich
gezeigt", sagt Kita-Geschäftsführerin Anke Preuß. "In der Ziolkowski-Straße wird
durch Rückbau und Sanierung eine schöne neue Kita im Mueßer Holz entstehen", so
Anke Preuß. 200 000 Euro kommen dafür aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost".
Drei Fünf-Raum-Wohnungen in der Newton-Straße 16 dienen zurzeit als
Ausweichquartier. Die Kinder nutzen aber weiter den Spielplatz hinter ihrer
"alten" Kita und bekommen so den Ablauf der Bauarbeiten ganz aktuell mit. Im
nächsten Mai werden sie in die neue Kita einziehen können.
www.svz.de
27.08.2003
Cottbus: Amputieren, ohne dass es
weh tut
78660 Menschen haben Cottbus seit der Wende verlassen, weil die geschlossenen
Kohlegruben, die Textilbuden und all die sonstigen Betriebe keine Arbeit mehr
überflüssig haben. Die Abwanderung war bis 1993 besonders stark, dann beruhigte
sich die Situation. Als den Leuten wenige Jahre später klar wurde, dass der
große Investor ausbleibt, setzte die Flucht erneut ein und hat inzwischen wieder
die Gewalt der Wendezeit erreicht. Selbst Kommunalgrößen sagen hinter
vorgehaltener Hand, dass sie ihren Kindern empfehlen würden, das Weite zu
suchen. In Cottbus zeigt sich das Ende des Industriezeitalters besonders
drastisch, weil es auch die angenehmen Seiten zeigt.
Plötzlich werden hinter den abgerissenen Fabriken Parks sichtbar, darf beim
Joggen wieder durchgeatmet werden, strahlt die Proletarierstadt intellektuelle
Heiterkeit aus, mit der die Politiker sich erst arrangieren müssen. Die
Oberbürgermeisterin tastet sich zögernd an das neue Lebensgefühl heran: »Wir
wollen alle Dinge zulassen, die sich entwickeln wollen. Die Jugend soll einfach
probieren, experimentieren.« Und hat schon die Parkflächen zum Betreten
freigegeben.
Die Lockerung wird vor allem von den Studenten genossen. Jetzt allerdings, in
den Semesterferien, spürt Cottbus, was es an seinen beiden Hochschulen hat. Die
Straßen sind nur halb so voll. Das Fehlen der Kinderwagen wird dadurch doppelt
schmerzhaft sichtbar. Mit den Frauen, gehen auch die Kinder. »Es sind die
mobilen Frauen, die gehen«, sagt Heinz Nagler, der einen Lehrstuhl für Städtebau
und Entwerfen an der Technischen Universität hat. Das ist neu in der Geschichte
der Arbeitswelt, denn bisher zogen nur die Männer der Arbeit nach.
Ebenfalls neu ist, dass »jetzt auch die Alten den Kindern folgen«. Inzwischen
starrt alles auf die magische Grenze von 100000. Wenn die unterschritten wird,
fürchten die Leute, ist Cottbus keine Großstadt mehr, verliert Zuwendungen vom
Land, kann die überraschende Vielfalt seiner Kultur nicht mehr halten. Und dann
gehen die Menschen noch schneller fort.
Darum wohl auch der Streit mit den drei Nachbardörfern, die im Oktober mit ihren
insgesamt 5500 Einwohnern zwangsweise eingemeindet werden. Professor Nagler
drängt auf den zügigen Stadtumbau. »Die erweiterte Innenstadt muss verdichtet
werden, damit dann, wenn die Randbereiche verschwinden, der städtische Kern
erhalten bleibt.« Dramatisch ist der Umbau der Plattensiedlung Sachsendorf. Dort
waren Bauten für 30000 Menschen hingeklotzt worden, eine Stadt neben der Stadt,
ohne Identität, ohne Zentrum. Dort ist die Flucht am größten, dort sind aber
auch erste Erfolge zu sehen: die Stadtvillen aus Abrissplatten auf altem
Hochhausfundament waren schon vor dem Umbau restlos vermietet. Jetzt geht der
Abriss weiter, Durchbrüche schaffen, Licht machen, menschlicher, bis die Hälfte
der Arbeiterschließfächer recycelt ist. Das Jahr 2015 wird mit Sicherheit keine
hunderttausend Cottbuser mehr sehen. »Der Trend geht«, so Nagler nüchtern, »eher
gegen 85- oder 80000«. Obwohl seit 1990 schon 50000 Menschen neu in die Stadt
gezogen sind und noch weitere folgen werden.
Das Rathaus stemmt sich gegen den Trend. Immerhin hat sich die Bundesknappschaft
für Cottbus entschieden, und auch Vattenfall zieht es in den alten
Energiebezirk. Doch Karin Rätzel will das »produzierende Gewerbe« nach Cottbus
holen, setzt Hoffnung in polnisch-amerikanische Investoren, die Cottbus als
Sprungbrett gen Osten brauchen. Randlage als Glücksfall. Doch Namen werden nicht
genannt. Derweil laviert die Oberbürgermeisterin inmitten der notwendigen
Sanierung des Haushaltes, der bereits ein Defizit von 81,5 Millionen € erreicht
hat, und der Erkenntnis, das jede Rationalisierung wieder neue Arbeitslose
schafft.
www.nd-online.de
26.08.2003
Wilthen:
Balkone und Dachgarten laden zum Sonnen ein
In vielen Plattenbaugebieten des Landkreises werden derzeit Blocks abgerissen.
So auch in Wilthen. Dort blieben jedoch zwei Stockwerke stehen. Daraus entstand
ein attraktives Stadthaus.
An der Südseite wurde gestern gerade die Terrasse der Erdgeschosswohnung
betoniert. Im Treppenhaus waren zwei Frauen damit beschäftigt, den während der
Bauarbeiten entstandenen Schmutz zu beseitigen. Im Keller erledigte ein Monteur
letzte Handgriffe an den Entwässerungsrohren. – Das Haus Nummer 56 an der
Karl-Marx-Straße im Wilthener Plattenbaugebiet glich einem Ameisenhaufen.
In den vergangenen Monaten ist aus dem ehemals sechs Etagen hohen Wohnblock ein
attraktives Stadthaus entstanden, nachdem die oberen vier Stockwerke abgerissen
worden waren. Jetzt befinden sich in dem Gebäude, das der Wilthener
Wohnungsbaugesellschaft gehört, eine Vier-, eine Zwei- und zwei
Drei-Raum-Wohnungen sowie etliche Zimmer, die künftig vom Fernsehsender „Regio-TV
Oberland“ genutzt werden. „Die Gewerberäume können bei Bedarf ganz problemlos in
eine Drei- und eine Zwei-Raum-Wohnung aufgeteilt werden“, erklärt Lutz Gräfe,
Geschäftsführer der Wilthener Wohnungsbaugesell-schaft. Alle Räume im
Erdgeschoss sind übrigens behindertenfreund-lich gestaltet.
Das I-Tüpfelchen des in warmem Apricot leuchtenden Hauses bildet ein großer
Dachgarten, der künftig allen Bewohnern offen steht. Neben begrünten Bereichen
gibt es eine befestigte Fläche, auf der Liegestühle oder Sitzgruppen aufgestellt
werden können. Für etwas Schatten wird eine kleine Pergola sorgen. Sie ist aus
dem gleichen dunkelbraunen Holz gebaut, wie die Balkone, die dieser Tage an
allen Wohnungen angebracht werden.
Der Umbau des bislang auch als „Berliner Eck“ bezeichneten Blockes wurde
natürlich auch gleich genutzt, um das Innere der Wohnungen zu modernisieren. Die
Versorgungsstränge, in denen zum Beispiel Wasser- und Abwasserleitungen
untergebracht sind, wurden saniert und den aktuellen Brandschutzvorschriften
angepasst. Die komplett gefliesten Bäder bekamen eine Zwangsentlüftung.
www.sz-online.de
26.08.2003
Die schrumpfende Stadt
Es ist schon erstaunlich, dass ökonomische, soziale oder auch ökologische
Krisenerscheinungen erst dann ins Bewusstsein der Politik rücken und der Neugier
der Medien ausgesetzt sind, wenn die schmerzhaften Nebeneffekte so weh tun, dass
man sie politisch, ökonomisch und sozial nicht mehr ignorieren kann. Das Projekt
"Schrumpfende Städte" der Bundeskulturstiftung profitiert von dieser neuen
Aufmerksamkeit. Der Projektleiter Philipp Oswalt, Autor des Buches "Berlin -
Stadt ohne Form", Architekt und Publizist, hat ein interessantes Konsortium von
Wissenschaftlern, Künstlern und Architekten zusammengestellt, das sich der
Thematik der schrumpfenden Städte auf eine neue Weise nähert. Weitere
Kooperationspartner sind die Architekturzeitung Arch+, die Stiftung Bauhaus
Dessau und die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Das Projekt ist Teil
des Programms "Kunst und Stadt", und in diesem Sinne ist auch sein innovativer
Ansatz zu verstehen. Wie alle Projekte, die auch einen wissenschaftlichen Ansatz
verfolgen, hat es das Interesse, Erkenntnisse und Analysen zum Phänomen
"Schrumpfende Städte" zu vertiefen.
Dabei steht jedoch weniger die Erhebung der vielfältigen Erscheinungsformen und
Ursachenanalysen im Vordergrund als die Dokumentation dieses neuen
zivilisatorischen Musters. Die gebaute und gelebte Stadt ist sicher eine der
komplexesten kulturellen Manifestationen von Gesellschaft und Gemeinschaft.
Wandelt sich die Stadt, so wandeln sich auch kulturelle Ausdrucksformen.
Schrumpfung ist also kein Problem, das mit dem Abbau von Wohnungsleerstand
geklärt wäre. Wenn sich Stadtbrachen ausbreiten und sich als Muster von
potenziellen Freiräumen über den Stadtraum ziehen, öffnen sich neue
Gestaltungsräume. Wenn sich die Stadt fragmentiert, soziale Sicherungssysteme
versagen, die Stadt als Integrationsmaschine versagt, bauen sich Polaritäten
auf. Die Menschen suchen sich alternative Versorgungssysteme, bilden
Solidargemeinschaften, bauen informelle Kooperationsnetze jenseits von Markt und
Staat auf. Andererseits fallen sie auch aus sozialen Netzen heraus, gleiten in
Armut ab, und der Zugang zu gesellschaftlicher Teilnahme verschließt sich. Der
Bauraum Stadt ist schließlich nur noch erstarrte, Stein gewordene Erinnerung an
vergangene Funktionen und Anforderungen.
www.taz.de
24.08.2003
Chemnitz: Wohnungsgesellschaft reduziert Bestand um
ein Viertel
Der größte Chemnitzer Vermieter will bis zum Jahr 2010 jede vierte Wohnung
aufgeben. Insgesamt sollen rund 10 700 Wohnungen «vom Markt genommen werden»,
wie der Geschäftsführer der Grundstücks- und Gebäudewirtschaftgesellschaft mbH (GGG),
Peter Naujokat, am Freitag in Chemnitz sagte. Das strategische Ziel des
Unternehmens sei eine Reduzierung des derzeitigen Bestandes von rund 43 000 auf
30 000 Wohnungen.
Die Leerstandsquote bei der GGG beträgt nach Naujokats Angaben 35 Prozent. Dabei
sei der vermietbare Bestand mit 17 Prozent relativ gering betroffen, während
unsanierte Restitutionsobjekte zu 80 Prozent leer stünden. Allein in diesem Jahr
sei der Abriss von 1300 bis 1500 Wohnungen vorgesehen. Außerdem werde durch
Rückbau und Veränderung von Grundrissen bei Modernisierung von Plattenbauten die
Zahl der Wohnungen verringert.
Nach Naujokats Auffassung ist ein wirtschaftlicher Stadtumbau aufgrund der
sinkenden Bevölkerungszahlen nur durch Abriss ganzer Stadtquartiere möglich. Auf
Dauer sei die vor allem in großen Plattenbaugebieten vorhandene Ver- und
Entsorgungsinfrastruktur nicht zu halten. Die Herausnahme einzelner Blöcke
bedeute eine höhere Kostenbelastung für die Kommune und letztlich steigende
Gebühren für die Bürger, sagte Naujokat.
Die GGG ist nach eigenen Angaben die drittgrößte ostdeutsche
Wohnungsgesellschaft außerhalb Berlins. Entgegen dem Branchentrend habe das
Unternehmen in den letzten beiden Jahren schwarze Zahlen unterhalb des
siebenstelligen Bereiches geschrieben, sagte Naujokat. Um diese Entwicklung zu
halten, werde ab 1. November erstmals seit 1997 eine Mietanhebung um 3 Prozent
für rund 17 500 Haushalte vorgenommen. Die Mehrbelastung liege zwischen 1,24 und
13,05 Euro pro Monat.
www.freiepresse.de
23.08.2003
Weißwasser: Reaktionen auf Stadt-Umbau
Die Studie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) zu den
Themenbereichen Wohnen und Stadtumbau in Weißwasser-Süd ist fertig und wird am
1. September vorgestellt. Im Frühjahr des vergangenen Jahres wurden von den
Mitarbeitern des UFZ insgesamt 600 Haushalte befragt und zahlreiche vertiefende
Gespräche geführt.
Ein wesentliches Ziel der Untersuchung war es, zu erfahren, wie sich die
Bewohner von Weißwasser-Süd zum geplanten Abriss verhalten, denn die Akzeptanz
und Mitwirkungsbereitschaft der Mieter ist ein wichtiges Kriterium für die
Durchführbarkeit des Stadtumbaus. Dabei gibt es Unterschiede: Allgemein
betrachtet, findet eine Mehrheit der Bewohner die bereits getätigten und noch
anstehenden Abrisse prinzipiell, mit oder ohne Einschränkungen, in Ordnung. Das
Thema Stadtumbau ist also bei den Bewohnern angekommen.
Nur eine Minderheit stellt die Abrisse komplett in Frage. Zwischen direkt und
nicht direkt betroffenen Bewohnern gibt es hinsichtlich der Akzeptanz große
Unterschiede. Gerade bei den Mietern, die ihre Wohnung verlassen müssen, ist sie
erheblich niedriger.
Die Mieter setzen sich sehr intensiv mit diesem Thema auseinander. In der
Befragung wurde ein breites Spektrum an Positionen wiedergegeben. Hauptgrund der
Ablehnung ist die Wahrnehmung des Stadtumbaus als Belastung, Verlust und
Entwertung. Die Mehrheit der betroffenen Bewohner verbindet mit dem Stadtumbau
keine Verbesserung der Lebenssituation.
Die aus gesamtstädtischen Erwägungen rational erscheinende Konzentration des
Stadtumbaus auf das Wohngebiet Am Südpark wird von den dortigen Bewohnern als
angedrohter Verlust an Wohn- und Umfeldqualität wahrgenommen. Die Bewohner
schätzen an ihrem Quartier ganz besonders die überdurchschnittliche
Grünausstattung und die Ruhe. Zudem zeigt sich, dass nicht die
Ausstattungsmerkmale der Wohngebiete das Kernproblem für die Bewohner sind,
sondern eher soziale Bedingungen resultierend aus dem wirtschaftlichen
Niedergang und der Abwanderung.
www.sz-online.de
22.08.2003
Erfolgreiches Herabzonen
Was Berlin noch vor sich hat, haben andere Städte in Ost-Deutschland längst
begonnen: Abriss und Verkleinerung von Plattenbausiedlungen stehen auf dem
Programm in Schwerin, Halle, Zwickau, Rostock, Magdeburg, Jena . Sie leiden wie
viele andere Städte im Osten unter rückläufigen Einwohnerzahlen und
wirtschaftlicher Misere. Schwerin etwa hatte 1989 noch 130 000 Einwohner, jetzt
sind es noch 98 000. Zwickau schrumpfte von 130 000 auf 100 000 Einwohner. "Die
Leute ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt", berichtet Wulf Werner, Baudezernent
der Stadt. Als Folge stehen immer mehr der Betonburgen aus DDR-Zeiten leer. "Wir
haben deshalb schon 2001 angefangen, Häuser abzureißen. Da waren viele noch
erschrocken und wollten nicht wahrhaben, dass es dafür keinen Markt mehr gibt",
sagt Werner. Er macht sich und den Zwickauern nichts vor. Bis zu 20 Prozent des
Bestandes müssen verschwinden. Das sind 12 000 Wohnungen.
Als Erfolg hat sich das "Herabzonen" von Häusern gezeigt. Aus Fünfgeschossern
wurden Dreigeschosser, durch das Entfernen von Treppenhäusern verloren die
Riegelbauten ihre Massivität. So entstanden mehrere hundert attraktive
Wohnungen, die zum Teil als Maisonettes ausgebaut wurden. "Das wird von den
Mietern sehr gut angenommen", sagt Werner. Sogar Arbeitsplätze entstanden beim
Rückbau-Programm. Mitarbeiter der früheren Plattenbaukombinate nutzen ihre
Erfahrung. "Die wissen genau, wo man die Platten durchsägen kann, wenn man zum
Beispiel eine Wendeltreppe einbauen will."
Auch in Jena stoßen die umgebauten Wohnungen auf gute Akzeptanz. Die Häuser sind
mit ihren Dachgeschosswohnungen, schicken Fassaden und außen angebauten Aufzügen
nicht mehr als ehemalige DDR-Massenware zu erkennen. Dort wohnt man gern. Doch
solcher Umbau ist teuer und keine Alternative zum Abriss. Der sei auch aus einem
anderen Grund notwendig, sagt Werner: "Das Umfeld für die rückgebauten Häuser
muss stimmen. Im Schatten eines leer stehenden Hochhausblocks wird sich kein
hochwertiges Wohnen entwickeln."
www.berlinonline.de
22.08.2003
Berlin: Es stehen 160 000 Wohnungen leer
Stadtentwicklungssenator Peter Strieder will in Berlin erheblich mehr leer
stehende Wohnungen abreißen lassen als bisher geplant. Vor allem in den
Plattenbau-Quartieren müssten Gebäude rückgebaut werden, sagte Strieder am
Mittwochabend. Denn der Leerstand sei auf einen Rekordwert gestiegen.
Nach Erhebungen der Behörde stehen laut Strieder in Plattenbauten, unsanierten
Altbauten sowie im "höherpreisigen Segment" nicht wie bisher kalkuliert 130 000,
sondern sogar 160 000 Wohnungen leer. "Darum müssen wir deutlicher über
Stadtumbau und -rückbau nachdenken, als es gegenwärtig noch erlaubt ist", sagte
der Senator, der auch SPD-Landeschef ist. Von 2004 an wird das Land auch keine
Sanierung von Plattenbauten mehr subventionieren.
Wie viele Wohnungen genau in Berlin der Abrissbirne zum Opfer fallen sollen,
wollte Strieders Behörde gestern noch nicht sagen. Der Bauexperte der SPD im
Abgeordnetenhaus, Bernd Schimmler, rechnet jedoch mit "Zahlen jenseits der
5000". Schimmlers PDS-Kollege Gernot Klemm hält nichts von einer Abrissdebatte
um Quoten und Zahlen: "Das ist total falsch." Folge sei eine Verunsicherung, die
zu noch mehr Auszügen führe. Rückbau sei punktuell notwendig, aber nicht nur in
Plattenbauten, sondern auch in Altbauten der Innenstadt.
In Marzahn-Hellersdorf, wo nach Angaben von Baustadtrat Svend Simdorn 13
Prozent der etwa 100 000 zu DDR-Zeiten errichteten Plattenbau-Wohnungen
ungenutzt sind, sieht man das genauso. "Aber die Altbauten gehören meist
Privatleuten, also hat Strieder darauf keinen Zugriff", sagte Simdorn. Dem
Senator gehe es nur darum, Bundesmittel aus dem Programm Stadtumbau Ost zu
bekommen. Und dafür müsse er eine bestimmte Abrissquote nachweisen.
Auch Heinrich Niemann, Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung in
Marzahn-Hellersdorf, warnt vor klischeehaften Betrachtungen: "Der deutliche
Zuwachs beim Wohnungsleerstand ist entgegen anders lautenden Behauptungen nicht
auf Entwicklungen in den Plattenbaugebieten zurückzuführen." Vielmehr gebe es
wachsende Probleme bei der Altbausubstanz etwa in Neukölln oder am Ostkreuz oder
in nach der Wende gestarteten Neubauprojekten wie in Karow. Da dort die Mieten
vergleichsweise hoch sind, würden viele Berliner wieder ausziehen. "Mit Abriss
nur an einer Stelle in der Stadt wird das Problem des Wohnungsleerstands
keinesfalls gelöst", ist sich Niemann sicher.
Punktuell wird der Abriss von maroden Plattenbauten jedoch auch im Berliner
Osten als sinnvoll angesehen. So verschwand in der ersten Jahreshälfte bereits
das Doppelhochhaus an der Marchwitzastraße. Die 18 und 21 Geschosse hohen
Gebäude wurden Etage für Etage abgetragen. An ihre Stelle entsteht nun ein Park.
Als nächstes wird die Abrissbirne in Marzahn-Nord zuschlagen. Das Wohngebiet
gehörte zu den Neubauprojekten aus der Endzeit der DDR. Die Qualität der Häuser
war aus Geldmangel besonders schlecht. Nach Plänen der landeseigenen
Wohnungsbaugesellschaft Marzahn soll noch in diesem Jahr mit dem Abriss von 1670
Wohnungen begonnen werden. 409 Quartiere sollen zu modernen Wohnungen umgebaut
werden. Etwa 10 Millionen Euro will der Senat dafür aus dem Programm Stadtumbau
Ost dafür bereitstellen.
www.welt.de
22.08.2003
Thüringen: Stadtumbau
Die „schrumpfenden Städte“ sind ein zentrales Thema insbesondere der
ostdeutschen Kommunen. Der gravierende Bevölkerungsrückgang bedarf neuer
Konzepte und Lösungsansätze.
„Stadtumbau“ ist das Schlagwort für Rückbau, Aufwertung vorhandener
Stadtquartiere, Neubau mit deutlich geringerer Dichte und Maßnahmen zur
Anpassung der Infrastruktur.
Mit der Fachtagung „Stadtumbau in Thüringen“, die am 17. September 2003 in
Weimar stattfindet, soll ein Überblick über die Situation in Thüringen gegeben
und neue Ideen und Konzepte vorgestellt werden.
Prognosen gehen davon aus, dass die deutsche Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von
jetzt 82 Millionen auf deutlich unter 60 Millionen zurückgehen wird.
Demographische Schätzungen für den Freistaat Thüringen rechnen mit einem
Bevölkerungsrückgang um 5 % in den nächsten 10 Jahren, um 12 % in den nächsten
20 und um 30 % in den nächsten 50 Jahren aus.
Gleichzeitig wird sich die Altersstruktur der Bevölkerung grundsätzlich wandeln.
Im Jahr 2020 wird ungefähr ein Viertel aller Thüringer 65 Jahre und älter sein.
Stadtumbau und „Neues Bauen“ sollte deshalb auch aus diesem Blickwinkel
betrachtet werden.
Der Freistaat Thüringen hat die Initiative „genial zentral: Unser Haus in der
Stadt“ ins Leben gerufen, die zur Stabilisierung der Wohnfunktionen in den
Städten beitragen soll. Ziel ist es u.a. innerstädtische Brachflächen zu
revitalisieren, um sie für individuelle Wohnformen zu nutzen.
Im Rahmen der Fachtagung „genial zentral – Stadtumbau in Thüringen“ werden
gelungene Projekte vorgestellt, die das „Neue Bauen“ charakterisieren:
www.technikwissen.de
21.08.2003
Cottbus: An der Hegelstraße könnte eine
Geisterstadt entstehen
Geisterstadt statt Umbau von Wohngebieten – dieses Szenario droht Cottbus, wenn
die Fördermittel für den Stadtumbau gekürzt werden. «Wenn das Land die Mittel
kürzt, dann können wir nicht wie geplant ab September in der Hegelstraße in
Sachsendorf abreißen» , sagt Rüdiger Kießlich, Chef der Cottbuser
Wohnungsbaugenossenschaft (GWG). Die Folge wäre eine Geisterstadt im Südosten
Sachsendorfs aus stillgelegten Wohnungen, zugemauerten Hauseingängen,
geborstenen Fenstern. "Ein Investorenschreck ersten Ranges" , sagt die
Vorsitzende des Mieterbundes, Kerstin Kircheis. Aber auch ein Schrecken für die
Sachsendorfer. "Wohnen soll schließlich Spaß machen in angenehmer Umgebung." Die
Schuldige an der drohenden Misere ist schnell ausgemacht: Brandenburgs
Landesregierung plant, die Fördermittel für den Stadtumbau um zehn Prozent zu
kürzen. Das Land will die vom Bund bereitgestellten Mittel nicht mitfinanzieren
– eine Entscheidung darüber will das Potsdamer Kabinett am 26. August fällen.
Der Leerstand hat nach Kießlichs Angaben bei der GWG die 20-Prozent-Marke
überschritten, bei der Gebäudewirtschaft (GWC) wird sie demnächst erreicht. "Der
Leerstand sowie die Altschulden sind der Tod für die Wohnungsunternehmen" , sagt
der GWG-Chef. Genossenschaft und kommunales Unternehmen haben Sanierungskonzepte
erarbeitet, wonach insgesamt 9.000 Wohnungen in Cottbus abgerissen werden
sollen. Für jeden abgebauten Quadratmeter Wohnfläche werden die Altschulden
erlassen. "Wenn wir also nicht abreißen können, weil dafür das Geld fehlt,
werden wir auf der anderen Seite zusätzlich belastet, weil auch die Altschulden
nicht verschwinden" , erklärt Kießlich. Allein die GWG muss aufgrund des
Leerstandes jährlich Einnahmeausfälle in Höhe von neun Millionen Euro
verkraften. Neben dem drohenden "finanziellen Ruin" befürchtet Kießlich auch ein
"moralisches Desaster" : Die GWG habe wie andere Vermieter auch das
Umzugs-Management forciert. «Wir haben über 400 Mietern eine neue Wohnung geben
können, den Umzug finanziert. Das hat bislang etwa eine Million Euro gekostet.»
Kommt es jetzt zum Stillstand, "greifen sich die Mieter doch an den Kopf" .
Derzeit fehlen noch etwa zwei Millionen Euro in den Abriss-Kassen. Laut Plan
sollen ab September etwa 700 Wohnungen im Bereich Hegelstraße abgerissen werden.
Insgesamt müssten in diesem Jahr noch 1.400 Wohnungen in Cottbus vom Markt
verschwinden. Langsam aber werde die Zeit knapp.
www.lr-online.de,
21.08.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Schule zu verkaufen
Unkraut wuchert durch den rostigen Maschendrahtzaun. Aus einem grünen Container
quillt Sperrmüll. Kein Leben mehr hinter den riesigen Fenstern der DDR-Platte.
Eine Schule ohne Schüler. Per Zeitungsannonce sucht die Hansestadt Rostock
potenzielle Käufer für die Gebäude der ehemaligen Beruflichen Schule im
Stadtteil Rostock-Lütten Klein. Bis zum 31. August läuft die Ausschreibung.
Andreas Adler, Abteilungsleiter im Rostocker Liegenschaftsamt ist optimistisch,
was die Vermarktung angeht. „Wir haben schon massenweise Schulen verkauft.“
Natürlich gebe es begehrte Standorte und solche, in denen der Verkauf dieser
großen Objekte sich schwieriger gestaltet. „Wo wir merken, dass die Vermarktung
keinen Erfolg hat, wird abgerissen“, sagt Adler. Das sei auf lange Sicht
billiger, als die Gebäude vor Vandalismus zu schützen.
Allerdings ist die Hansestadt nicht über jede Vermarktung glücklich. Im
Stadtteil Groß-Klein in Sichtweite der Internationalen Gartenbauaustellung nagt
an einer alten Grundschule der Zahn der Zeit. „Der bayerische Investor hat
offenbar Schwierigkeiten“, erklärt Adler.
Abgerissen werden in den meisten Fällen auch die verkauften Objekte. Die
Investoren sind häufig an den Grundstücken interessiert. „Schulen sind
Zweckbauten. Eine Nachnutzung funktioniert nur, wenn wieder eine Schule, eine
private zum Beispiel, einzieht“, weiß Adler. In Rostock stehen derzeit zwei
Objekte leer. Die Liste der Schulen, die laut Schulentwicklungsplanung bis 2010
in Rostock geschlossen werden, ist lang. 1991 gab es 104 Schulen in der
Hansestadt, derzeit sind es 70. 2010 werden es voraussichtlich nur noch 54
Schulen sein.
„Es wäre schön, wenn die Gebäude, gerade in den Plattenbaugebieten, für die
Jugendarbeit genutzt würden“, schlägt Annett Lindner, Landesvorsitzende der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, vor. Leer gezogene Schulen – als
Freizeittreffs. Eine gute Alternative. Nur leider in Zeiten leerer Kassen kaum
zu verwirklichen.
In der Hansestadt Greifswald stehen drei Schulen leer. Zwei Schulen in
DDR-Plattenbauweise sollen abgerissen werden. Ein weiteres Gebäude, eine alte
Villa, will die Stadt verkaufen und das möglichst schnell. „Die Sicherung der
Gebäude ist kostspielig“, erklärt Sabine Strack, Pressereferentin der
Stadtverwaltung.
Wismar hat die Probleme frühzeitig angepackt, damit die leerstehenden Schulen
nicht auf ewig das Stadtbild verschandeln. „Eine Schule wurde bereits
zurückgebaut. 2006 sind weitere Teilabrisse geplant“, informiert Pressesprecher
Frank Junge. In den Städten sind die Nutzungsalternativen leerstehender Schulen
größer und Grundstücke attraktiver für Privatinvestoren. Auf dem Land dagegen,
werden die Schulen ohne Schüler zum ernsthaften Problem.
„Im ländlichen Raum ist es schlicht so, dass die Kommunen die Schulen nicht
loswerden. Die Gemeinden können sie nicht nutzen, haben aber auch kein Geld für
den Rückbau“, schildert Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag das Dilemma.
Deshalb versucht der Gemeindetag das Land davon zu überzeugen, dass auch der
geförderte Abriss von Schulgebäuden im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost
möglich wird. „Vom Bund her ist das durchaus machbar, nur die Landesregierung
hat sich dagegen entschieden.“ Der Städte- und Gemeindetag habe das Land
mehrfach auf das Problem hingewiesen. Das ganze potenziere sich, wenn es um
Schulstandorte gehe, die vor nicht allzu langer Zeit mit Fördermitteln saniert
wurden. „Es gibt eine so genannte Mittelbindung. Die Kommune muss sicherstellen,
dass das sanierte Gebäude in den nächsten 15 Jahren zweckgebunden genutzt wird.
Passiert das nicht nicht, müssen die Fördergelder zurückgezahlt werden“, erklärt
Fittschen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
21.08.2003
Cottbus: wird unter die Großstadtgrenze schrumpfen
Einst waren sie Schmuckstücke der sozialistischen Planwirtschaft. Heute stehen
viele Wohnungen in den einst begehrten Plattenbauten der Cottbuser Betonsiedlung
Sachsendorf-Madlow leer. Dutzende verwaiste Briefkästen und unbeschriftete
Klingelschilder zeugen davon.
An einer der Betonfassaden ist nur ein einziges Fenster geöffnet. Eine
84-Jährige schaut hinaus, die sonnengegerbten Arme auf ein Kissen gestützt. Wen
wir denn suchen, fragt sie freundlich. Sie könne Geschichten erzählen von
Familien, die auszogen, um Arbeit im Westen zu suchen oder weil sie sich nicht
mehr wohl fühlten in dem leeren Haus.
Im Raum Lausitz-Spreewald wird der ostdeutsche Bevölkerungsrückgang besonders
deutlich. Die Zahlen einer Prognose des Landesbetriebs für Datenverarbeitung und
Statistik in Potsdam sind alarmierend: Cottbus schrumpft demnach von derzeit
mehr als 103 000 Einwohnern auf etwa 87 500 im Jahr 2020. Damit verliert die
Lausitzstadt den Status als Großstadt. Das gesamte Land Brandenburg wird von
derzeit knapp 2,6 Mio. Einwohnern rund 182 000 verlieren. Knapp die Hälfte davon
entfällt auf die Region Lausitz-Spreewald.
Ein Grund für den Bevölkerungsrückgang ist, dass mehr Menschen sterben als
geboren werden. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung nimmt in den kommenden
Jahren weiter zu. 2020 sind die Cottbuser im Schnitt 47,3 Jahre alt, derzeit
liegt der Durchschnittswert etwa bei 42 Jahren. Die jungen Menschen ziehen wegen
mangelnder beruflicher Perspektiven in westliche Bundesländer oder in den
Speckgürtel rund um Berlin. Unter denen, die wegziehen, sind auffällig viele
Menschen zwischen 15 und 65 Jahren. "Das bedeutet für uns auch, dass die Kinder
ehemaliger Cottbuser in anderen Regionen geboren werden und dort die Statistiken
füllen", sagt die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel.
Gründe genug für die Cottbuser Städteplaner, sich Gedanken um die Zukunft der
Stadt zu machen. "Wer dafür jetzt noch kein Konzept hat, ist in der Tat schlecht
dran", meint Rätzel. Viele Probleme gilt es zu klären: Wie sollen die alten
Menschen leben? Was kann jungen Menschen geboten werden? Wie muss die städtische
Infrastruktur umgestaltet werden? Was tun mit halbleeren Schulen, Kindergärten
oder Krankenhäusern? Wie viele Menschen werden zurückkommen?
www.welt.de
21.08.2003
Halle: kämpft um seine Einwohner
Wer nach Halle zieht, wird ab sofort mit einer Begrüßungsmappe empfangen. Wie
die Saale-Stadt mitteilte, soll das Info-Paket Neu-Hallensern die Eingewöhnung
in dem noch unbekannte Umfeld erleichtern. Die Zuzügler erhalten zahlreiche
Ratschläge und Tipps unter anderem zu Behörden und Institutionen, aber auch
Fahrpläne, Broschüren über Sehenswürdigkeiten und den Kulturfalter. Daneben
enthält das Paket einen Gutschein für einen Besuch der Theater.
Mit dem PR-Vorstoß will Halle seinem gravierenden Einwohnerschwund entgegen
wirken. Die Händel-Stadt hat von allen Kommunen Sachsen-Anhalts in den
vergangenen Jahren die meisten Einwohner verloren. Ursache war neben dem
Geburtenrückgang vor allem der Wegzug vieler Hallenser ins Umland bzw. in andere
Bundesländer. Hatte die Stadt 1990 noch mehr als 300.000 Einwohner, liegt die
Zahl nunmehr bei nur noch 237.000.
www.mdr.de
20.08.2003
Leipzig: Lößniger Wohnungsgenossenschaft ist nach der
Pleite wieder auf Kurs
Die Pleite im Januar 2001 war ein Paukenschlag. Erstmals in
Sachsen ging einer Wohnungsgenossenschaft (WG) mit nennenswerten Beständen die
Luft aus. Anderthalb Jahre später hat nun das Amtsgericht Leipzig das
Insolvenzverfahren für die WG Lößnig wieder aufgehoben - dies aber bereits im
Juli und mehr in aller Stille.
Der Neustart des rechtlich wieder völlig selbstständigen Unternehmens verlaufe
sehr verheißungsvoll, sagt Rainer Löhnert. Er ist Chef der Leipziger WG Kontakt,
die eine Patronatserklärung für die WG Lößnig abgegeben hat. "Natürlich haben
wir noch nicht alle Probleme gelöst. Die Jahresabschlüsse seit 2000 müssen
fertig gestellt und geprüft werden, die Auflagen des Insolvenzplans sind zu
erfüllen." Dank der Hilfe von Sächsischer Aufbaubank (SAB), des Freistaats sowie
der beteiligten Städte habe man jetzt aber "die Chance zu zeigen, dass
Genossenschaften auch schwierige Phasen erfolgreich überwinden können."
Insgesamt waren es 1700 Wohnungen, die mit weiteren SAB-Darlehen zügig saniert
wurden. Bei einem Leerstand von zuletzt 33,6 Prozent war der Schuldenberg auf 32
Millionen Euro angewachsen. Die SAB hatte zuvor weitere Darlehen abgelehnt. Vor
allem die Leipziger Baufirma Megaron wartete auf die Bezahlung offener
Handwerksrechnungen.
Auch zu den Ursachen für die Pleite verweist der Manager auf das Bankgeheimnis.
Entscheidend für die Rettungsanstrengungen sei gewesen, dass der Fortbestand der
Genossenschaft unterm Strich billiger wird als eine Zerschlagung. "Sonst hätten
wir das nicht gemacht." Zugleich garantiere das Engagement der WG Kontakt, dass
negative Rückwirkungen auf den Wohnungsmarkt insgesamt vermieden werden. "Ich
wünsche mir, dass dieses Modell der Risiko-Übernahme mehr Raum greift. Gerade
der genossenschaftliche Bereich ist dafür prädestiniert", so Weber.
Konkret bürgt die Kontakt jetzt gegenüber der SAB für die Restschulden der
Lößniger, erklärt Löhnert. "Das ist vertretbar, weil einerseits die SAB schon
erhebliche Unterstützung geleistet hat. Andererseits ergeben die
wirtschaftlichen Prognosen für die nächsten sechs Jahre, dass eine Gefährdung
nicht eintreten kann."
Zur Konsolidierung wurden in den vergangenen Wochen 187 leere Wohnungen in
Böhlen und Zwenkau abgerissen. Die etwa 950 Mitglieder der WG Lößnig dürften
ihrem großen Bruder ohnehin zugetan sein. Schließlich konnten sie durch das
Engagement der Genossenschaft ihre Einlagen von durchschnittlich 3500 Euro
retten.
www.lvz-online.de
20.08.2003
Hoyerswerda: Wohnkomplex nach der großen Abwanderung
Die Wäsche flattert im Wind, doch niemand kommt, um sie abzunehmen: Der
fünfstöckige Plattenbau hinter den Wäschestangen ist verwaist, die meisten
Fenster sind von Brettern verdeckt. Die Wäsche hat ein Teilnehmer des Projektes
"Superumbau" aufgehängt, das bis Ende September in Hoyerswerda läuft. 30
Künstler setzen sich in der von Plattenbauten geprägten Neustadt mit dem Thema
Stadtumbau auseinander.
Hoyerswerda leidet wie andere Städte im Osten unter starker Abwanderung. Vor
allem fehlende Arbeitsplätze lassen rund 2000 Menschen jährlich ihr Glück
anderswo suchen. Zurück bleiben leere Wohnungen und die Frage, was damit
geschieht. 8 000 bis 10 000 Wohnungen stehen nach Angaben der Stadt in
Hoyerswerda leer, nach und nach werden die Plattenbauten abgerissen.
"Die Menschen, die hier bleiben, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen",
sagt "Superumbau"-Projektleiterin Dorit Baumeister. Die eingeladenen Künstler
sollen Denkanstöße geben, was aus der Stadt werden und wie sie eine neue
Identität bekommen könnte. Angekündigt ist auch der Berliner Theaterregisseur
und Aktionskünstler Christoph Schlingensief.
Die Beiträge reichen von Inszenierungen, Lesungen und Filmvorführungen bis hin
zu Installationen. Die zwölfköpfige Künstlergruppe "Stadt im Regal" etwa
begleitet in Film, Ton, Bildern und Texten den parallel zum "Superumbau"
stattfindenden Abriss eines fünfgeschossigen Plattenbaus. Der steht wenige Meter
neben dem zentralen Veranstaltungsort, einer ehemaligen Kindertagesstätte im WK,
im Wohnkomplex, Nummer VIII. Ein Bauzaun um die Platte kündet bereits von den
demnächst anrückenden Abbruchmaschinen. Ein großes Schild verspricht den
Passanten: "Hier entsteht eine Wiese."
Die Organisatoren - ein örtlicher Verein - wollen die Bewohner in einzelne
Projekte einbinden. Ziel aller Projekte, sagt "Superumbau "-Mit-Kurator Harald
Müller sei der Dialog zwischen Künstlern und Publikum. Deshalb gebe es auch
"keine Kunst als schönen Schein, sondern Kunst, die sich einlässt auf die Tücken
und Phobien vor Ort" .
Der Dialog mit den Bürgern in Hoyerswerda scheint, zu gelingen. Die
Schauspielerin Bibiana Beglau ("Die Stille nach dem Schuss") und zwei Fotografen
haben sich einen ehemaligen Obstladen in der Einkaufspassage vorgenommen. Dort
zeigen sie eine für die "Platte " typische Durchreiche. An der Wand hängt zudem
das Porträt eines Mannes. Das Arrangement soll zum Nachdenken anregen, was den
Mensch "in einer genormten Wohnung als Individuum" ausmache, so Beglau.
Als sie das Ganze vorstellt, bleibt eine Frau stehen und macht ihrem Ärger über
Vandalismus in der Plattenbausiedlung Luft. "Die werden auch bald eingeworfen
sein", prophezeit sie und zeigt auf die Scheiben des Ladens.
www.newswelt.stimme.de
19.08.2003
Güstrow: Steigender Leerstand zwingt WGG zum kompletten
Abriss
Noch diese Woche sollen die Entkernungsarbeiten im zum Abriss bestimmten
Wohnblock der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) in der Straße der DSF 19 d-g
beginnen, informierte Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der WGG. Gestern wurde das
zukünftige Baugebiet eingezäunt.
"Die Notwendigkeit der Rückbaumaßnahme ergibt sich aus dem derzeitigen
Überangebot an Wohnraum und dem daraus resultierenden Leerstand", so Schmidt.
"Die Einwohnerzahlen Güstrows sind nach wie vor rückläufig. Ein Ende dieser
Tendenz ist nicht in Sicht." Vor diesem Hintergrund ist unter Federführung der
Stadt mit der WGG ein integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet worden,
in dem der Umfang des erforderlichen Rückbaus festgeschrieben ist. Die WGG hat
im Rahmen des "Stadtumbau Ost" bereits Gebäude in der Hollstraße 27, 28 und
29/30 abgerissen.
Das Wohnhaus in der Straße der DSF wurde in den 80er-Jahren in der Südstadt
errichtet. "Sowohl aufgrund seiner Größe und Geschossigkeit als auch durch die
Dachkonstruktion passte dieses Objekt eigentlich nicht in die vorhandene
Bebauung aus den 60er- und 70er-Jahren", sagt Schmidt. Neben dem steigenden
Leerstand sei das einer Hauptgründe, warum sich die WGG-Geschäftsführung für
einen vollständigen Rückbau entschieden habe. Nach dem Abriss im September wird
im Oktober die Baugrube mit Mutterboden gefüllt. Auf der Fläche wird Rasen
ausgesät und die Bepflanzung ergänzt.
www.svz.de
18.08.2003
Ebersbach: Sechs Millionen Euro zum Verschönern der Stadt
Die Oberlandstadt ist reich an Denkmälern. Über 600 Gebäude zählen darunter,
über 500 davon sind Umgebindehäuser. Möglichst alle zu erhalten und wieder in
altem Glanz erstrahlen zu lassen, hat sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt.
„Wir geben in Ebersbach keinen Euro für den Abriss eines Umgebindehauses aus“,
sagt Bauamtsleiter Bernd Noack.
Gemeinsam mit Stadtplanerin Dolores Weidner hat er sich zum Ziel gesetzt, auch
schon lange Zeit nicht mehr bewohnte Umgebindehäuser vor dem Verfall zu retten.
Jüngstes Beispiel hierfür ist ein leer stehendes Umgebindehaus mit Hof am Oberen
Kirchweg. Um die Bausubstanz zu erhalten, werden das Dach repariert und Risse im
Fundament ausgebessert.
Insgesamt sechs Fördermittelprogramme nutzt Ebersbach gegenwärtig. Das jüngste
ist das Programm „Stadtumbau Ost“, bei dem fast die gesamte Stadt einbezogen
worden ist. Nach der Stadtplanung soll hiermit allein bis zum Jahr 2007 an über
200 Gebäuden die Fassade saniert werden. „So wie es aussieht, könnten es sogar
wesentlich mehr werden“, sagt Bernd Noack. Ein Jahr nach Programmbeginn liegen
im Rathaus bereits 70 Anträge von Häusl-Besitzern, die mit Hilfe dieser
Fördermöglichkeit gern die Fassade ihres Hauses verschönern möchten.
Durch Abriss soll sich dagegen das Wohnumfeld im Stadtteil Oberland verbessern.
190 Wohnungen stehen im Moment zum Abbruch bereit. Im nächsten Jahr soll bereits
der fünfte Block abgebaut werden. Geplant ist, bis 2007 die Wohnungen um 30
Prozent zu verringern, so Bernd Noack.
www.sz-online
18.08.2003
Sebnitz: Zu viele Häuser
Sebnitz plant, bis 2006 rund 170 Wohnungen abzureißen. Dafür gibt es das „Stadtumbau-Ost“-Förderprogramm.
Im Gegenzug sollen verschiedene Flächen schöner werden. Grundlage für diese
Pläne ist das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept.“ Vorwärts ist allerdings
noch nichts gegangen. Es fehlen die Fördermittel.
Die Sebnitzer werden immer weniger. Bereits seit dem zweiten Weltkrieg ist der
Rückgang stetig zu verzeichnen. 1947 lebten in Sebnitz noch 16 729 Personen,
1990 waren es nur noch 10 894. Neun Jahre später 10 000 Einwohner und 2002 nur
noch 9 675.
Die Folge: Viel Wohnungen stehen leer, die Häuser werden nicht mehr gebraucht.
Eine Tendenz, der sich derzeit kaum eine Stadt entziehen kann. Experten schätzen
ein, dass der Schrumpfungsprozess nicht zu stoppen, aber auf einem gewissen Maß
zu sichern ist. Diesem Fakt stellt sich die Sebnitzer Stadtverwaltung schon seit
längerem.
Mit dem Konzept „Grünes Sebnitz“ wurde 2001 erstmals der Abriss von Häusern
beschlossen. Mit dem Stadtumbau-Ost-Programm soll es weiter gehen. „Wer die
Situation nicht erkennt, macht sich zum einen etwas vor und verbaut sich zum
anderen auch den Weg für positive Dinge“, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh.
Aus städtebaulicher Sicht sieht er in dem Förderprogramm durchaus Chancen, auch
Fehler aus der Vergangenheit wieder wettzumachen. „Sehen wir in das Jahr 1920
zurück, das Jahr als die Wirtschaft in Sebnitz besonders geblüht haben soll. Da
sehen wir, dass es kaum grüne Flächen in der Stadt gegeben hat“, so Mike Ruckh.
Die Hinterhöfe wurden mit Fabrikgebäuden zugebaut.
Diese stehen jetzt, wenn sie nicht saniert wurden, meist leer. Aus Sicht der
Planer zerreißen sie das Stadtbild. Und so setzt die Verwaltung mit dem Programm
auch darauf, wieder mehr Grün in die Stadt zu bekommen, kleinere Anlagen oder
Parks anzulegen, Spielplätze zu sanieren. Der Trend ist aber dennoch klar: Die
Wohnungen, die zu viel sind, werden dem Erdboden gleich gemacht. Eine ganze
Reihe von Anträgen, die die Verwaltung schon für 2003 bestätigte, hat den Abriss
zum Ziel. Einige Privathäusern sind dabei, der größte Teil allerdings gehört der
städtischen Wohnungsbaugesellschaft.
Die trifft der Einwohnerrückgang besonders hart. Ende letzten Jahres standen
dort bis zu 30 Prozent der Wohnungen leer. Und so stapelten sich auch für 2004
die Anträge im Rathaus, ebenfalls wieder ein Großteil kommunale Vorhaben sowie
weitere private Projekte. „Wir haben auch Hauseigentümer angeschrieben, ob sie
das Programm nutzen wollen. Die Reaktion darauf war positiv“, weiß der
Oberbürgermeister. Die Vorlagen sind von den Stadträten abgesegnet. Aber
passiert ist bislang noch nichts.
www.sz-online.de
18.08.2003
Chemnitz: Stadtumbau geht in heiße Phase
Die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft (GGG) will in diesem Jahr
noch mindestens 800 leerstehende Wohnungen im Heckertgebiet abreißen. Nachdem
das städtische Wohnungsunternehmen vor zwei Wochen bereits mit dem Abriss der
Blöcke an der Wolgograder Allee 176 bis 180 begonnen hat, soll ab der nächsten
Woche der Rückbau des Elfgeschossers an der Wolgograder Allee 5 losgehen.
www.freiepresse.de
17.08.2003
Vesper fordert Ende der Städtebau-Förderung im Osten
Die staatliche Förderung des Städtebaus in Ostdeutschland sollte nach Ansicht
des nordrhein-westfälischen Bauministers Michael Vesper stufenweise auslaufen.
Die Mittel sollten nicht mehr nach regionalen Gesichtspunkten, sondern nach
Bedürftigkeit verteilt werden, schlug der Grünen-Politiker nach einem Bericht
des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» vor. 13 Jahre nach der Wiedervereinigung
müssten noch immer vier Fünfte der gesamten Mittel in den Osten, obwohl dort nur
ein Fünftel der Deutschen lebten.
Seit 1990 habe der Staat pro Kopf im Osten 322 Euro für die Städtebauförderung
ausgegeben, sagte Vesper. Im Westen dagegen seien seit Beginn der Förderung 1971
gerade einmal 70 Euro pro Einwohner verbaut worden. Inzwischen seien manche
Stadtteile im Westen in einem ähnlich maroden Zustand wie die ostdeutschen
Städte Anfang der 90er Jahre. «In Gladbeck oder Gelsenkirchen drohen uns ganze
Stadtteile wegzubrechen», beklagte der Bauminister.
www.yahoo.com
16.08.2003
Eisenberg: Häuser leer: Sanieren oder Abriss?
Von den derzeit 1 149 Wohnungen der Eisenberger Wohnungsgesellschaft (EWG) sind
56 Wohneinheiten (WE) - vorwiegend im Sanierungsgebiet der Innenstadt - so
genannte strukturelle Leerstände. Geschäftsführer Norbert Heinz verweist darauf,
dass die EWG hier "vor zwingenden ökonomischen Überlegungen steht, ob Sanierung
oder Abriss" angesagt sind.
Um eine eindeutige Antwort darauf zu finden, gebe es Gespräche mit der Stadt zu
Entwicklungstendenzen und Bedarfsanalysen. Stadt und Landkreis unterstützen beim
Beantragen von Fördermitteln. Dennoch solle das eine oder andere Haus weichen
und so Platz schaffen für infrastrukturelle Maßnahmen, aber auch Licht und Luft
für andere Gebäude. "Ein vernünftiges städtebauliches Entwicklungskonzept würde
uns und andere Vermieter in die Lage versetzen, Zukunft zu gestalten", wünscht
sich Norbert Heinz.
Einiges ist schon abgerissen worden.
Weitere 54 WE stehen derzeit leer, weil sie modernisiert werden und dann
kurzfristig wieder vermietbar sind. Besonders hoch sei die Nachfrage nach
kleineren Wohnungen. Solchen Wünschen kann die EWG bei vierteljährlichen
Wartezeiten nachkommen.
Bei den Sanierungen hat die EWG laut Geschäftsführer bereits ein Großteil des
Jahresplanes realisiert.
Nun steht für 2003 nur noch die Fassade in der Mühlenstraße 29 an; die fünf WE
sind bereits fertig modernisiert. In dem 1908 gebauten Haus Klosterstraße 14
entstehen sechs moderne Wohnungen, eine ist schon fertig. Die Arbeiten werden
sich aber bis nächstes Jahr hin ziehen. Die Gesamtinvestitionen 2003 werden 400
000 Euro übersteigen, gibt Norbert Heinz an.
Durch den Abriss, das Zusammenlegen von Wohnungen und Grundrissänderungen - z.
B. in Altbauten in der Klosterstraße und in der Mühlenstraße - sowie durch den
Verkauf von Gebäuden im Rahmen des Altschuldenhilfegesetzes hat sich der
Wohnungsbestand der EWG im Vergleich zum Jahr 2000 um etwa fünf Prozent
verringert.
www.otz.de
16.08.2003
Völklingen: Welche Zukunft für den Alten Brühl?
Wie kann, wie soll nach Ansicht des Völklinger Oberbürgermeisters Klaus Lorig
die Zukunft aussehen für die Reste der mittelalterlichen Martinskirche,
Völklingens steinerne "Geburtsurkunde" am Alten Brühl? Fürs nächste Jahr hat
Lorig einen städtischen Beitrag im Sinn, um der Grabung zum Abschluss zu
verhelfen und zugleich die Gestaltung des Geländes voranzubringen: Er will - in
Kooperation mit dem Arbeitsamt und einem noch zu findenden privaten Träger -
eine Beschäftigungs- und Qualifizierungs-Maßnahme ins Leben rufen. Dort könnten
arbeitslose Jugendliche Job und Ausbildung erhalten, indem sie den Archäologen
zur Hand gehen und mit dem Aufräumen der heruntergekommenen Fläche beginnen.
Lorigs Ziel-Idee ist, "den Alten Brühl in ein städtebauliches Gesamtkonzept
einzuordnen". Dabei müsse der Alte Brühl eng angebunden werden an die
Innenstadt, dürfe nicht ausgegrenzt "draußen" liegen. Das Konzept-Stichwort
heißt "Stadt am Fluss": Radler und Bootswanderer sollen von der Saar aus über
einen Grünstreifen Zugang erhalten zum Martinskirchen-Denkmal und zum
Weltkulturerbe. Dass die Fläche zwischen Fluss und Altem Brühl Saarstahl gehört,
sieht Lorig nicht als Problem. Er hofft, dass Saarstahl der Stadt etwas Gelände
für den Grünstreifen verkauft oder ihr ein Wegerecht gewährt. Für die
Grabungsstätte, den "wilden" Parkplatz daneben und den Parkplatz auf der
Straßenseite gegenüber sei ein neuer Bebauungsplan in Arbeit, der das Ganze als
Grünfläche, das Denkmal-Gelände als Grabungsschutzgebiet ausweise. Einen
Schutzbau fürs Denkmal - dafür hatte er 2001 einen Entwurf vorgelegt -, hält
Lorig nach wie vor für wichtig; 2004 will er mit dem Land bereden, wie dies zu
finanzieren wäre.
Und die heikle Geld-Frage? Lorig sucht neue Zuschüsse einzuwerben. Gerade werde
im Rathaus der Antrag formuliert, das bisher aufs City-Dreieck begrenzte Projekt
Stadtumbau West auszudehnen auf Karl-Janssen-Straße (bis zum Kreisel am
Amtgericht) und Alte Schulstraße; das werde im Erfolgsfall auch helfen, den
Alten Brühl, "Völklingens Altstadt", an die City anzubinden.
www.sol.de
16.08.2003
Empörung über Äußerungen von Bankvorstand
Die Leipziger PDS-Stadtratsfraktion fordert die Entlassung von Stefan Weber, dem
stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Sächsischen Aufbaubank (SAB).
Begründet wird dies mit Äußerungen Webers in der LVZ zur künftigen Förderpolitik
beim Stadtumbau. "Wenn Herr Weber davon spricht, nur noch Marktbereinigungen zu
unterstützen, bedeutet dies den Ruin für viele kommunale Wohnungsunternehmen und
Genossenschaften", so die Linkssozialisten.
Es sei vielmehr dringend erforderlich, die Unternehmen auch bei der Sanierung
von Zielwohnungen zu unterstützen. In solche Quartiere, meist im selben Viertel
gelegen, könnten dann vom Abriss betroffene Mieter umziehen. Wenn es dafür keine
Zuschüsse gibt, müssten hingegen viele Familien zwangsläufig zu privaten
Vermietern wechseln. "So stabilisiert man keine Wohnungsunternehmen, die
Schuldner der SAB sind", warnte der Bauexperte der PDS-Fraktion, Siegfried
Schlegel. Außerdem würden durch höhere Mieten langfristig höhere
Wohngeld-Zahlungen fällig. "Das alles heißt nichts anderes, als dass die
Verluste von der Allgemeinheit getragen werden sollen, während man die Gewinne
privatisiert."
www.lvz-online.de
16.08.2003
Greifswald: 200 neue Wohnungen vorgesehen
Zwischen 180 und 220 Miet- und Eigentumswohnungen können nach dem gegenwärtigen
Stand innerhalb des Bebauungsplanes Nr. 42, Schönwalde I West, entstehen.
Zugleich entstünden größere und zusammen hängende Grünflächen zur Erholung im
Stadtteil.
Günstigstenfalls rücken 2005 die Bauleute an, schätzt Volker Bouche, der Leiter
des Greifswalder Stadtplanungsamtes, ein. Er informierte gemeinsam mit Rita Dux
und Siegfried Wieland über die Planungen für das rund zwölf Hektar große Gelände
hinter der Beimlerstraße. Es umfasst auch die Kasernen an der Straße, die schon
ein neues Leben erhielten wie die Medizinische Fachschule und die Freie
Waldorfschule.
„Wir haben zunächst eine historische Recherche bei der Firma URST in Auftrag
gegeben“, so Siegfried Wieland. Die Firma URST fand bei der Recherche acht
sogenannte Altlastenflächenkomplexe mit 15 Teilflächen, die gezielt untersucht
werden müssen. Kontaminationen stammen zum Teil noch aus Armeezeiten. Die nötige
Entsorgung wird nur möglich sein, wenn Fördermittel fließen. Überhaupt
entscheidet die Bereitstellung von Steuergeldern letztendlich darüber, ob und in
welcher Form, in welchem Umfang durch wen hier investiert wird. Speziell hofft
man auf den Nachfolger des Programms zur Wohnumfeldverbesserung, den Stadtumbau
Ost.
Die Idee, das Gelände von gewerblicher Nutzung zu befreien, stammt schon aus
DDR-Zeiten. Ein Vorentwurf vom November 2000 sah noch rund 600 Wohnungen in
Mehrgeschossern vor. Jetzt soll weniger dicht, höchstens zweigeschossig, gebaut
werden. Vorstellbar sind Reihen- und Doppelhäuser aber auch Stadtvillen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
16.08.2003
Neulingen: Junge Leute verlassen
Altmark-Dorf
Wohl kaum ein Phänomen der heutigen Zeit geht schleichender voran
und hat gleichzeitig so viele böse Folgen wie die Abwanderung: In Neulingen,
einem kleinen Dorf in der Altmark, werden die Spuren besonders deutlich. Nichts
kann den Wegzug der Jugend aus
Allein im vorletzten Kalenderjahr verlor Neulingen fast zehn Prozent seiner
Einwohner durch Fortzug - eine der höchsten Abwanderungsraten in Sachsen-Anhalt.
Gestorben ist zwar niemand; in dem (noch) eigenständigen 100-Seelen-Dorf konnte
aber auch kein neuer Erdenbürger begrüßt werden. Laut Meldeamt gibt es keinen
einzigen Einwohner zwischen 18 und 25 Jahren.
Es gibt auch keine Kneipe, keine Kindertagesstätte, einen Konsum schon lange
nicht mehr, nicht mal einen Zigarettenautomaten. Dafür aber eine Bank. Auf der
sitzt Kerstin Groß öfter als ihr lieb ist. "Von der Zeitung sind Sie?", fragt
sie erst zweifelnd und erzählt alsbald von ihrer langen Arbeitslosigkeit, von
Geldnöten und Zukunftsängsten. Wird auch sie gehen, muss sie vielleicht sogar?
Neulingen ist überall. Im gesamten Land Sachsen-Anhalt wanderten seit der Wende
mehr als 300000 Menschen ab. Das ist eine ganze Großstadt wie Halle oder
Magdeburg. 1945 lebten gar noch mehr als vier Millionen Menschen innerhalb der
heutigen Landesgrenzen. Heute sind es nur noch zweieinhalb. Von dreien, die
fortgehen, sind zwei jünger als 30 Jahre.
Jemand, der etwas gegen Abwanderung und die Umkehrung der Bevölkerungspyramide
tut, findet sich ausgerechnet in Neulingen. Nach der Wende zog Sabine Müller mit
ihrem Mann von Lüneburg in das Altmarkdorf. Auf einem Gehöft gründete das
Seniorenpaar eine Wohngemeinschaft, in der mehrere Familien in mehreren
Generationen nach gesundheitlichen Aspekten zusammen leben sollten. Anfangs war
das ruhige Dorf wie ein kleines Paradies: Die Luft war rein, der Garten üppig.
Doch heute ist das Projekt gefährdet. Alle anderen Familien außer den Müllers
wollen wieder weg. "Für junge Familien ist es hier einfach zu schwer, eine
eigene Existenz aufzubauen", sagt Sabine Müller.
Abwanderung ist aufs Engste mit dem Faktor Arbeit verknüpft. Fast ausschließlich
siedeln Sachsen-Anhalter in die alten Bundesländer über. Potenziell
abwanderungsgefährdet sind auch die etwa 80000 Berufspendler im Lande, die
zwischen Wohnort und Arbeitsplatz jeden Tag die Landesgrenzen passieren.
Mit den jungen Menschen wandert gleichsam die Zukunft, die Fähigkeit, Neues zu
gestalten, ab. "Brain drain", heißt das in der Fachsprache - und übersetzt so
viel wie "Gehirnabfluss". Durch die Überalterung der Bevölkerung steigen
gleichzeitig noch die Sozialausgaben der Kommunen. Auch der zunehmende
Wohnungsleerstand verursacht immense Kosten.
Abwanderung ist ein sehr langfristiges Phänomen, das sich nicht von heute auf
morgen beheben lässt. In der armen süditalienischen Provinz Mezzogiorno konnten
alle erdenklichen Maßnahmen den Wegzug der Bevölkerung gen Norden nicht stoppen.
Herwig Birk, Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung der Uni Bielefeld,
rät, in Ostdeutschland alles auf die Karte (Aus-) Bildung zu setzen. "Wenn die
Schulen und Universitäten hier besser wären als im Westen, könnte dies Menschen
und Arbeit anziehen."
www.volksstimme.de
15.08.2003
Halle:
Erste Wohnungsgenossenschaft ist Pleite
Die Wohnungsgenossenschaft "Am Südpark" in Halle-Neustadt ist Pleite. Wie die "Bild"-Zeitung
berichtet, hat der Vorstand ein Insolvenzverfahren beantragt. Hauptgrund ist den
Angaben zufolge der massive Wohnungsleerstand. Mehr als 15 Prozent der insgesamt
knapp 1500 Wohnungen könnten nicht vermietet werden. Bereits Anfang des Monats
habe die Hausbank alle Kredite gekündigt.
Wie das Blatt weiter schreibt, soll sich für die Mieter durch die Insolvenz
nichts ändern. Nach Einschätzung des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften
droht ihnen jedoch der Verlust ihrer Anteile. Die Mieter von
Wohnungsgenossenschaften sind zugleich Miteigentümer ihrer Wohnungen. Die Höhe
der Anteile liegt im Osten je nach Wohnungsgröße und Genossenschaft zwischen
1000 und 6000 Euro.
Die Wohnungsgenossenschaften in den neuen Bundesländern stecken insgesamt in der
Krise. Gründe sind sinkende Bevölkerungszahlen und ein Überangebot an Wohnungen.
Die Stadt Halle hat seit Anfang der 90er Jahre durch Wegzüge und
Geburtenrückgang etwa 90.000 Einwohner verloren. In Magdeburg sind es 50.000.
Auch hier hat bereits die erste Wohnungsgenossenschaft aufgeben müssen.
Insgesamt stehen in Sachsen-Anhalt stehen derzeit etwa 130.000 Wohnungen leer.
90.000 davon gehören genossenschaftlichen oder kommunalen
Wohnungsgesellschaften. Die Mietausfälle beliefen sich im vergangenen Jahr aus
rund 220 Millionen Euro.
Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e.V. geht davon aus, dass von den
rund 750 ostdeutschen Wohnungsgenossenschaften in den kommenden Jahren jede
fünfte Insolvenz beantragen muss.
In mindestens 500 Fällen haben Wohnungsgenossenschaften in Sachsen ehemaligen
Mitgliedern die Rückzahlung von Geschäftsguthaben verweigert. Betroffen sind
ehemalige Mitglieder der Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf eG
(7.000 Wohnungen), der Wohnungsgenossenschaft Laubusch eG (1.100 Wohnungen)
sowie der Gröditzer Wohnbau eG (1.100 Wohnungen).
www.mdr.de
15.08.2003
Sachsen-Anhalt: Vor allem junge Frauen gehen
Die Abwanderung der Ostdeutschen in Richtung Westen hält an. Prognosen besagen,
dass die Bevölkerungszahl allein in Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2050 auf unter
zwei Millionen schrumpft. Das würde aus heutiger Sicht einen Verlust von noch
einmal mehr als 570000 Menschen bedeuten. Die Hochschule Magdeburg-Stendal
erstellt zurzeit eine Studie, die Gründe für die Abwanderung untersucht und
politische Antworten entwickeln soll.
Der Bevölkerungsschwund ist hier zu Lande stärker als in jedem anderen
Bundesland. Seit 1966 hat Sachsen-Anhalt rund 680000 Einwohner verloren. Lebten
damals noch 3,23 Millionen Menschen auf dem Territorium des heutigen
Bundeslandes, waren es im Jahr 2002 nur noch 2,55 Millionen.
Allein im vorigen Jahr verlor das Land 31715 Einwohner; das entspricht der
Größenordnung einer Stadt wie Weißenfels. Der Rückgang war zu 60 Prozent dem
Wanderungsverlust geschuldet, der übrige Teil ist auf das Geburtendefizit
zurückzuführen.
Zwei Millionen Ostdeutsche zogen bereits seit 1991 gen Westen. Besserung ist
nicht in Sicht: "Wir gehen davon aus, dass in den neuen Bundesländern 15
Millionen Einwohner übrig bleiben", sagt Folkert Kiepe vom Deutschen Städtetag.
Derzeit leben in Ostdeutschland rund 17 Millionen Menschen.
Etwa 60 Prozent der Wegzügler sind jünger als 30 Jahre. Dabei wandern
überproportional viele junge Frauen ab. "Sie haben unter der Krise des
Arbeitsmarktes mehr zu leiden als Männer", heißt es in der Zwischenbilanz einer
Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal. Und weiter: "Ihre
Wiedereinstellungschancen sind erheblich schlechter als bei Männern, ihre
Arbeitslosenraten, die Dauer der Arbeitslosigkeit und der Anteil an
Langzeitarbeitslosen liegen um 40 bis 100 Prozent über den entsprechenden Daten
für Männer."
Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass die Bevölkerungszahl in
Sachsen-Anhalt bis 2050 unter die Zwei-Millionen-Marke rutscht. Modellrechnungen
zufolge wird dann ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Derzeit
liegt der Anteil der über 65-Jährigen bei etwa 18 Prozent.
Besonders hart wird es den Süden des Landes treffen. Die Stadt Dessau und der
Kreis Bitterfeld werden allein bis 2015 voraussichtlich 21,4 Prozent
beziehungsweise 18,4 Prozent ihrer Einwohner einbüßen, prognostiziert das
Statistische Landesamt. Am besten kommen der Ohrekreis sowie die Landkreise
Köthen und Halberstadt davon. Dort soll sich der Bevölkerungsschwund unter zehn
Prozent einpegeln.
www.volksstimme.de
14.08.2003
Bremen: Pilotprojekt für den "Stadtumbau West"
Das Klingelbrett des Hauses Wormser Straße 13 sieht aus wie bei einem Neubau:
Von den rund 70 Namensschildern für 14 Etagen sind nur acht beschriftet. Doch
der Zustand des Gebäudes mit seinen weißgrauen, hoch in den Himmel ragenden
Fassaden spricht eine andere Sprache: Die Asbestplattenverkleidung ist
marmoriert von grauen Verwitterungsspuren und grünen Flechten.
Und Joachim Barloschky, der agile Quartiersmanager mit Lederjacke und Rucksack
und dem Sticker mit der Friedenstaube am Revers, verkündet optimistisch: "Das
wird alles wieder restauriert".
Einst war die zwischen 1967 und 1975 erbaute Großsiedlung von
Bremen-Osterholz-Tenever "Demonstrationsobjekt für einen "neuen Städtebau".
Großspurig hatten die Planer erklärt, hier solle eine "Alternative für die Stadt
von morgen aufgezeigt und erprobt werden" - heute ist Tenever Pilotprojekt für
den "Stadtumbau West". Denn der Siedlung laufen die Bewohner weg. Von den 2653
Wohnungen stehen 800 leer. Und immer mehr wird sie zum sozialen Problemfall:
25,1 Prozent Arbeitslose, 28,4 Prozent Sozialhilfeempfänger, 70 Prozent Bewohner
mit "Integrationsbedarf" (Ausländer und Aussiedler).
Mit zehn weiteren Standorten in Westdeutschland wird dem Stadtteil deshalb die
zweifelhafte Ehre zuteil, Vorreiter für eine Entwicklung zu sein, die nach
Meinung von Experten alsbald zahlreichen Städten in Westdeutschland droht:
Schrumpfung bis zur "Schließung ganzer Stadtteile" (Prof. Dietrich Henckel,
Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin). Norddeutschland ist mit Bremen,
Wilhelmshaven, Bremerhaven und Lübeck-Buntekuh allein viermal "Pilotregion" für
den neuen Förderschwerpunkt der Bundesregierung unter dem Namen "Stadtumbau
West" - eine bedenkliche Vorzugsstellung.
Unermüdlich preist Joachim Barloschky die Vorzüge "seines" Stadtteils - und doch
kann er nicht verhehlen, dass er ein Quartier "am Tropf" ist. Um die zehn Bremer
"Problemstadtteile" überhaupt am Leben zu erhalten, müssen jährlich 2,7 Mrd.
Euro hineingepumpt werden. Nach Barloschkys Schätzung kommt zu dem auf Tenever
entfallenden Anteil noch einmal ein sechs- bis siebenfacher Betrag aus den
verschiedensten Töpfen hinzu, sein eigenes Gehalt nicht eingerechnet. Aber weder
Deutsch- und Computerkurse, Kinderbetreuung und Mütterzentrum, Kinderbauernhof
und Internetcafe, Partyräume und Saunen, noch das Einkaufszentrum, das
Schwimmbad und die eingesetzten ABM-Kräfte haben die Abwanderung stoppen können.
Nun sollen 75 Mio. Euro in den Abbruch von 765 Wohnungen und in die Sanierung
gesteckt werden. Der Sozialarbeiter sieht keine Alternative: "Diese Bevölkerung
hat keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt." Aber ob der gebeutelte Stadtteil
mit dieser Radikalkur tatsächlich gesundet, oder ob er am Ende doch zum
Pilotprojekt für den Totalrückbau wird, kann erst die Zukunft zeigen.
www.welt.de
14.08.2003
Leipzig: Stadt stellt 15 Siedlungen unter besonderen
Schutz
Für 15 Leipziger Siedlungen hat die Stadt so genannte Erhaltungssatzungen
beschlossen, die mit der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft getreten sind.
Die Viertel gelten als städtebaulich besonders wertvoll und stehen ab sofort
unter besonderem Schutz.
Die Folge: Für Bauvorhaben, die anderswo genehmigungsfrei sind, müssen Anträge
gestellt werden. Vorhaben, die die Struktur des Gebietes infrage stellen, können
versagt werden. "Beabsichtigter Nebeneffekt" sei, dass Eigentümer in
Erhaltungsgebieten öffentliche Zuschüsse bei Investitionen erhalten können, sagt
Beigeordneter Engelbert Lütke Daldrup. Das eröffne beispielsweise der LWB
bessere Rahmenbedingungen bei der Sanierung. Aber auch private Eigentümer
könnten Investitionszulagen aus dem Programm "Stadtumbau Ost" erhalten.
Betroffen sind die Siedlungsgebiete Stötteritz, Äußere Südvorstadt, Linkelstraße,
Sellerhausen-Bülowstraße, Probstheida, Schönefeld-Südwest, Gohlis-Mitte und
Gohlis-Süd, Großzschocher/Windorf, Eutritzsch-Südost, Leutzsch und
Hildebrandstraße sowie die Baumesse-Siedlung, die Siedlung Mariental und die
Nibelungensiedlung. Genaue Angaben zu den Grenzen der Erhaltungsgebiete sind den
amtlichen Karten zu entnehmen, die ebenfalls in den Amtsblättern abgedruckt
wurden
www.lvz-online.de
14.08.2003
Pirna: Dohnaische Straße soll überdacht werden
Viele werden ihn für verrückt erklären. Das ist Baubürgermeister Eckhard Lang
schon klar. Dennoch will er sich eine Vision nicht vermiesen lassen. Nämlich ein
Kaufhaus mitten in Pirnas Zentrum. Nein, ein Konsumtempel im herkömmlichen Sinne
soll es eben nicht sein. Lang denkt eher daran, die vorhandene Substanz auf dem
Fußgängerboulevard Dohnaische Straße zu nutzen. Geschäfte gebe es genug. Damit
die Leute dort auch ungestört von Regen oder Schnee der Kauflust frönen können,
soll über die gesamte Dohnaische Straße ein Dach aus Glas und Stahl gebaut
werden, schlägt Lang vor. Er denkt dabei an die Dresdner Altmarktgalerie, die ja
auch nichts anderes als eine Ladenstraße auf verschiedenen Ebenen sei.
„Warum muss ich aber in ein steriles Kaufhaus fahren, wenn wir ein
Einkaufserlebnis in der Altstadt haben?“, fragt der Baubürgermeister. Die Idee
gelte es nun weiter zu entwickeln. Es gehe darum, zu prüfen, wie so etwas
baulich und rechtlich umgesetzt werden könnte. Lang stellt sich vor, dass das
große Dach über Städtebauförderung finanziert werden könnte.
Wenn die Stadt so ein attraktives Angebot nicht schaffe, würde früher oder
später ein Konsumtempel am Scheunenhof oder anderswo entstehen, der noch mehr
Kaufkraft aus der Altstadt abzieht.
Langs Idee stößt bei einigen Pirnaern spontan auf Ablehnung, darunter Marita
Thinius: „Ich hoffe, dass dies nicht gemacht wird. Der Anblick der schön
sanierten Häuser würde verloren gehen. Das Geld sollte man für Besseres
ausgeben.“
www.sz-online
14.08.2003
Städte müssen Wirtschaftszentren bilden
Ostdeutsche Städte sollten sich nach Auffassung des Jenaer Wissenschaftlers
Peter Sedlacek über Ländergrenzen hinaus zu Wirtschaftszentren
zusammenschließen. Als Beispiel nannte der Wissenschaftler ein Städtesystem von
Magdeburg über Erfurt und Chemnitz - um den Kern Leipzig. «Bei
Infrastrukturinvestitionen ist eine stärkere Konzentration notwendig. Man muss
den Menschen auch sagen, wo sind demnächst die Entwicklungsschwerpunkte im
Land», sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und
Regionalentwicklung an der Jenaer Schiller-Universität.
Seiner Ansicht nach sollte nicht in Projekte investiert werden, die
mittelfristig wegen des regional sehr unterschiedlichen Bevölkerungsschwunds
nicht tragfähig sind. «Wir können das Geld besser ausgeben», sagte Sedlacek. Als
Konsequenz aus der Abwanderung der Menschen müsse alles getan werden, um das
wirtschaftliche Potenzial in Ostdeutschland zu stärken.
Nach Einschätzung von Sedlacek wird die Entvölkerung einzelner Regionen durch
Abwanderung und zu geringe Geburtenzahlen um das Jahr 2030 ihren Höhepunkt
erreichen. «Es gehen vor allem die 20- bis 40-Jährigen. Die Wanderung von Ost
nach West ist ausgesprochen arbeitsplatzbezogen», sagte der Wissenschaftler.
Überproportional vertreten seien Frauen und Menschen mit Hochschulabschluss. Das
habe langfristig negative Folgen für die Bevölkerungsentwicklung. «Die heutigen
Abwanderungen forcieren den Geburtenrückgang.»
«Es besteht die Gefahr, das Teile des ländlichen Raums erodieren.» Innerhalb der
verbliebenen Bevölkerung steige der Anteil der älteren Menschen. «Das heißt
Vergreisung.» In Thüringen gingen Modellrechnungen davon aus, dass ein Drittel
der Bevölkerung im Jahr 2050 älter als 65 Jahre ist. Derzeit liege der Anteil
der über 65-Jährigen bei 16 Prozent. Die Thüringer Bevölkerung werde in diesem
Zeitraum von derzeit rund 2,4 auf 1,7 Millionen schrumpfen
www.mz-web.de
14.08.2003
Provisionsfrei zu vermieten
Provisionsfrei zu vermieten« heißt es auf den Schildern an leeren Wohnungen im
sächsischen Görlitz. Die Makler müssen den potenziellen Mietern finanziell
entgegenkommen, denn in der deutsch-polnischen Grenzstadt gibt es zu viele
Wohnungen für zu wenige Menschen. Rund ein Fünftel seiner damals 72 000
Einwohner hat Görlitz seit der Wiedervereinigung verloren. Waren 1990 noch 15
Prozent der Einwohner zwischen 21 und 30 Jahren alt, so lag ihr Anteil im
vergangenen Jahr bei 10,6 Prozent. Tendenz weiter fallend. Die Kneipen, die es
noch gibt, sind Abend für Abend ziemlich leer.
Leere Wohnungen in großer Zahl gibt es auch im Neubaugebiet Halle- Neustadt.
Etliche Wohnblöcke an der Hauptverkehrsader »Magistrale« sind Geisterhäuser. Im
einstigen DDR-Vorzeigegebiet Halle-Neustadt haben 30 000 Menschen der »Platte«
den Rücken gekehrt. Bis 2010 sollen in der Stadt 20 000 Wohnungen abgerissen
werden. Zur Wende hatte Halle rund 309 000 Einwohner, jetzt sind es noch 237
000. Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als eine halbe
Million Einwohner verloren.
Aus dem ehemaligen Ackerbürgerstädtchen Schwedt an der Oder zauberten die
DDR-Oberen eine große Industriestadt. Die meisten der einstmals 52 000 Einwohner
arbeiteten im Petrolchemischen Kombinat. Eigens für die Chemie-Arbeiter wurden
Wohnblöcke, Kulturhäuser und Kindergärten aus dem Boden gestampft. Mit der Wende
fielen die Arbeitsplätze weg - und Monat für Monat kehren 100 Schwedter der
Stadt den Rücken. 38 000 Einwohner leben derzeit noch dort, 30 000 werden es
nach Expertenschätzungen im Jahr 2015 sein. Mehr als 1000 Plattenwohnungen sind
schon abgerissen worden.
»Von meinen 33 Bekannten sind 30 in den Westen abgewandert«, berichtet Ingo
Metzler. Der junge Mann aus der vorpommerschen Hansestadt Demmin ist geblieben:
Er hat einen Job im Eiscremewerk. Doch nach der Arbeit kommt der Frust. Die
meisten Kneipen sind zu, Kultur gibt es so gut wie nicht, einzige Abwechslung
bietet das Kino. »Am Wochenende ist die Stadt ausgestorben«, sagt Metzler.
Demmin, das auf dem platten Land zwischen Berlin und Schwerin liegt, hat seit
der Wende ein Fünftel der Einwohner verloren. Der Kreis Demmin hat mit 27,6
Prozent die bundesweit höchste Arbeitslosenquote.
Die Bevölkerungsforscher sind sich einig, dass nur eine gezielte
Wirtschaftspolitik das Ausbluten des Ostens stoppen kann. »Vor einigen Jahren
hatten die Menschen noch Hoffnung auf einen schnellen Aufholprozess. Jetzt
verlieren sie die Geduld«, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Demographie an
der Universität Rostock. Sein Kollege Rembrandt Scholz vom Rostocker
Max-Planck-Institut warnt vor einer Verschärfung der Situation: »Fehlen junge
Menschen, gehen auch die Geburten zurück. Die Tendenz setzt sich unweigerlich
negativ fort.«
Vereinzelt gibt es große Städte, die nicht über Abwanderung klagen - etwa
Weimar, Eisenach, Leipzig und Dresden. Andernorts sank die Einwohnerzahl binnen
zehn Jahren um ein Viertel. Unterdessen hat Mecklenburg-Vorpommern eigens eine
Agentur gegründet, die junge Leute zurückholen soll. Seit November 2001 hat
»mv4you« mehr als 70 Wegzüglern bei der Heimkehr geholfen. Eine andere Strategie
verfolgen die Sachsen: Einige Städte senken die Baulandpreise um bis zu 60
Prozent, um die Abwanderung junger Familien zu stoppen.
www.otz.de
14.08.2003
Ein Ende der Abwanderung ist nicht in Sicht
Ein Ende der Abwanderung der Deutschen aus dem Osten des Landes in den Westen
ist nicht in Sicht. «Wir gehen davon aus, dass in den neuen Bundesländern 15
Millionen Einwohner übrig bleiben», sagte der Stadtentwicklungsdezernent des
Deutschen Städtetages, Folkert Kiepe, der dpa. Derzeit leben laut Statistischem
Bundesamt in Ostdeutschland rund 17 Millionen Menschen.
Laut Kiepe zieht es die Ostdeutschen vor allem in den Südwesten. «Die jungen
Leute aus dem Osten suchen einen Arbeitsplatz. Den finden sie meist zwischen der
Rhein-Main-Region und Freiburg und im Raum München», sagte der Experte des
Städtetages.
Rund 60 Prozent der Ost-West-Migranten sind nach Angaben von Steffen Kröhnert
vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung an der
Humboldt-Universität Berlin jünger als 30 Jahre. «Die Ost-West-Wanderung ist
zumeist eine Arbeits- oder Ausbildungsplatz-Wanderung, die die jungen,
erwerbsfähigen, gut ausgebildeten Jahrgänge in stärkerem Maße betrifft», sagt
Kröhnert.
Nach Auffassung des Jenaer Wissenschaftlers Peter Sedlacek sollten sich
ostdeutsche Städte als Konsequenz aus der Abwanderung der Menschen über
Ländergrenzen hinaus zu Wirtschaftszentren zusammenschließen. Als Beispiel
nannte der Wissenschaftler ein Städtesystem von Magdeburg über Erfurt und
Chemnitz - um den Kern Leipzig. «Bei Infrastrukturinvestitionen ist eine
stärkere Konzentration notwendig», sagte der Inhaber des Lehrstuhls für
Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung an der Jenaer Schiller-
Universität. Man müsse den Menschen auch sagen, «wo sind demnächst die
Entwicklungsschwerpunkte im Land».
Zwischen 1991 und 2002 haben 2 247 633 Menschen dem Osten den Rücken gekehrt -
in Richtung Westdeutschland. Im Gegenzug kamen 1 545 899 Einwohner westdeutscher
Städte in den Osten. Unterm Strich bleibt für die neuen Bundesländer ein Verlust
von 701 734 Einwohnern binnen eines Jahrzehnts.
Ein Blick auf die Abwanderungszahlen des Statistischen Bundesamtes zeigt auch:
Zwischen 1992 und 1997 sanken sie von Jahr zu Jahr. 1991 verließen 249 743
Menschen den Osten, 1997 waren es 167 789. 1999 stieg der Wert dann wieder - auf
182 478.
Im vorigen Jahr ging die Abwanderung erneut leicht zurück. 176 700 Menschen
zogen 2002 aus den neuen in die alten Bundesländer.
www.mz-web.de
13.08.2003
Leipzig: Abriss in Grünau, Mockau und Schönefeld
kann nun beginnen
Nach monatelangen Querelen kommt das Leipziger Stadtumbauprogramm für
Neubaugebiete aus DDR-Zeiten endlich in Fahrt. Vier Großprojekte starten in
diesen Tagen in Grünau, Schönefeld und Mockau. Der Bund hat gestern Milliarden
für die neuen Länder freigegeben, mit denen auch an der Pleiße weitere Abrisse
bezahlt werden können.
Bis heute haben die Unternehmen jedoch nicht einen Cent bekommen. Die LWB warte
nach wie vor auf 1,7 Millionen Euro von 2002 und auf 1,6 Millionen Euro
Zuschüsse für dieses Jahr, erklärte dort Sprecher Gregor Hofmann. "Wir haben
unsere Hausaufgaben gemacht und viele Gebäude leer geräumt. Es ist äußerst
wichtig, dass umgehend die Finanzierungssicherheit kommt, die bisher leider
fehlt."
In ihrer Not bastelten einzelne Unternehmen und die Kommune komplizierte
Vorfinanzierungs-Modelle. Das Risiko, ob die Abriss-Fördermittel tatsächlich
irgendwann fließen, trägt dabei der Hauseigentümer. Die Stadt verpflichtete sich
nur, das Geld weiterzureichen, falls sie was bekommt.
Mit der Unitas und Lipsia machen erstmals auch die Genossenschaften mit. Die
Unitas startet diese Woche den Abriss eines Achtgeschossers An der Lautsche 16
in Grünau, der seit zwei Jahren leer stand. "Wir haben die Zusage, dass das Geld
kommt, wenn die Hälfte der Leistung erbracht ist", so Vorstand Hans-Dieter
Thomas.
Auch die Lipsia wollte schon vor Monaten mit einem Projekt loslegen, das im
Wohnkomplex (WK) 8 angesiedelt ist. Aus einem riesigen Karree sollen dabei drei
Blöcke verschwinden. Ein vierter Gebäudeteil (An der Lautsche 1-11) wird seit
einigen Tagen saniert.
Laut Stefan Weber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sächsischen
Aufbaubank (SAB), hatten alle Verzögerungen nur einen Grund. "Das Milliarden
schwere Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost konnte nicht beginnen, weil noch
nicht alle 16 Bundesländer unterschrieben hatten. Anfangs dachten wir, das
passiert gleich im Mai - als die Vereinbarung fertig war. Dann haben wir auf
zwei fehlende Unterschriften gewartet und gewartet. Das hat leider viel
blockiert."
Beim Bundes-Bau-Ministerium bestätigte dies Sprecher Jürgen Frank: "Gerade hat
Bayern als allerletztes Land unterzeichnet." Damit stehe der Auszahlung nichts
mehr im Wege. Tatsächlich verschickte die SAB gestern die ersten Bewilligungen
für Abrisse an die Stadt Leipzig, die sie heute den Unternehmen zustellt.
www.lvz-online.de
13.08.2003
Magdeburg: Wohnungsgenossenschaft entscheidet nach
Fördermittelvergabe
Leipziger Straße - Heute ist es unter anderem eines der drei nördlich der
Bertolt-Brecht-Straße befindlichen Hochhäuser. Zwei wurden saniert, eines
komplett leer gezogen. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Magdeburg von 1954"
sah bis vor kurzem einen Abriss für unumgänglich an. Doch jetzt soll aus dem
leeren 16-Geschosser ein "Power Tower" werden. Mit Solaranlagen verkleidet,
könnte das Hochhaus Stromlieferant für die Mieter der anderen Häuser werden.
Rolf Opitz, Vorstand der Wohnungbaugenossenschaft 1954, hat eine Idee: Der seit
Jahren leer stehende 16-Geschosser an der Leipziger Chaussee/ Salbker Straße
muss möglicherweise doch nicht abgerissen werden. Aus dem alten Kachel-Hochhaus
könnte ein "Power-Tower" werden, erklärt er. Was dahinter steckt, lässt sich
nach seiner Meinung einfach erklären. "Wir wollen das leere Haus nicht wieder
beziehen und die komplette Fassade mit Solarplatten anhängen. So hat der Turm
wenigstens noch eine Funktion und der Schandfleck ist außerdem verschwunden",
meint Rolf Opitz. Erzeugt werden sollen Warmwasser und Elektroenergie.
"Das Gute ist, wenn nach 20 Jahren wieder Bedarf für preiswerten und guten
Wohnraum besteht, können wir die Solaranlage abbauen und das Haus dann
sanieren", erklärt der Vorstand. Da die Idee nicht nur mit erneuerbaren Energien
zu tun hat, sondern auch sehr innovativ klingt, habe sich auch die Hochschule
Magdeburg-Stendal gemeldet und Interesse bekundet, das Projekt zu begleiten. "
Sollte das Konzept tatsächlich aufgehen, dann hätten auch die Hochhäuser in der
Erzbergerstraße eine echte Alternative. Zumal die Studenten mit ihrem Projekt
"Lichtkunst" auch stets Strom zur Verfügung haben müssen. Uni-Studenten wollen
die Hochhäuser nachts mit farbigem Licht anstrahlen, um der Fassade einen ganz
besonderen Ausdruck zu verleihen.
Egal, welches Schicksal den 16-Geschosser in der Leipziger Chaussee auch ereilt,
Fördergelder müssten vermutlich so oder so fließen. Denn, wenn das Projekt
Solarenergie nicht gefördert wird, will die Wohnungsbaugenossenschaft den Turm
wie vorgesehen 2004 abreißen. "Wir haben keine andere Möglichkeit", sagte der
Vorstand und verwies auf die allgemein schlechte Finanzsituation.
www.volksstimme.de
13.08.2003
Wusterhausen: Abriss kann sich keiner leisten
Stadtumbau Ost, gleichbedeutend mit Abriss von nicht mehr genutztem Wohnraum,
ist in Wusterhausen kein Thema. Aus Kyritz war in der vergangenen Woche bekannt
geworden, dass mit der Robestraße 8 der erste Block der dortigen
Wohnungsbaugesellschaft weichen soll. Auch Neustadt muss perspektivisch auf
einen Mehrgeschosser verzichten. Hier soll sogar ein saniertes Haus zu Schutt
werden.
"Wir zählen zum weiteren ländlichen Entwicklungsraum, unterstehen nicht Minister
Meyer, sondern seinem Kollegen Birthler. Der verfügt nicht über jene
Fördermittel, mit deren Hilfe in größeren Städten abgerissen werden kann", sagt
Rolf Eggeling, Geschäftsführer der Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft. Sie
verwaltet etwa 800 Wohnungen. Abriss kann sich an der Dosse keiner leisten.
Dabei ist der Leerstand beträchtlich. In den Ortsteilen liegt er bei etwa 18
Prozent. Das stellt die acht Prozent in der Stadt deutlich in den Schatten. In
Wusterhausen setzt man auf eine andere Methode als das Entfernen. "Wir legen ein
Sonderprogramm ,Junges Wohnen' auf, wollen mit verbilligten Mieten erreichen,
dass junge Leute wieder in die Dörfer ziehen oder dort bleiben", erklärt Rolf
Eggeling. Mit dem Vorhaben soll Anfang des nächsten Jahres begonnen werden.
Gewinn ist damit nicht zu machen. Kostendeckend arbeiten, heißt stattdessen die
Devise.
www.MaerkischeAllgemeine.de
12.08.2003
Land Brandenburg: Kommunen wollen Kürzungen beim Städtebau
verhindern
Bei der Sanierung der Städte habe man erst die halbe Wegstrecke bewältigt,
betont Rainer Baatz von Stadtkontor, der „Arbeitsgemeinschaft der
Sanierungsträger in Brandenburg“. Der Rückstand gegenüber westdeutschen Städten
betrage durchweg zehn bis 15 Jahre, erklärt Klaus Eichler, Abteilungsleiter
Stadtentwicklung im Bauministerium. So besteht in Potsdam-Babelsberg nach
Angaben des dortigen Sanierungsträgers noch für ein Drittel der Häuser und die
Hälfte der Straßen mittlerer bis hoher Sanierungsbedarf. In Nauen müssen trotz
Berlin-Nähe noch 35 Prozent der Häuser und 64 Prozent der Straßen saniert
werden. In den Randregionen sieht es oft noch schlimmer aus.
Städte und Sanierungsträger befürchten, dass sich die Pläne auch auf die private
Investitionsbereitschaft auswirken werden. In Babelsberg seien bereits 14
Förderanträge abgelehnt oder „auf Eis“ gelegt worden, so Baatz, der warnt: Komme
es zur Kürzung der Fördermittel, werde weniger privates Geld in die Städte und
Gemeinden fließen. Eichler spricht von einem „politisch falschen Signal“. Der
Verfall in den Städten werde wieder zunehmen, die Abwanderung besonders aus den
Randgebieten beschleunigt.
Konkret soll nach seinen Angaben das Landesprogramm „Städtebauliche Erneuerung“
mit einem Volumen von 16 Millionen Euro gestrichen werden. Projekte wie die
Sanierung der Fenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder) oder auch des
Kaiserbahnhof in Potsdam könnten dann nicht mehr gefördert werden. Außerdem
sollen Eichler zufolge fünf Bund-Landes-Programme „Städtebauförderung“ um zehn
Prozent gekürzt werden. Darunter das für den Stadtumbau, aus dem der Abriss leer
stehender DDR-Plattenbauten finanziert wird. 42 Städte, in denen der Leerstand
mehr als 15 Prozent beträgt, profitieren davon. Besonders pikant: Brandenburg
gilt als Vorreiter des Programms.
Was nicht nur Eichler dabei besonders ärgert – Bundesmittel für den Stadtumbau
sollen nicht mehr voll in Anspruch genommen werden. Auch im
Bundes-Bauministerium reagiert man leicht verwundert. Denn dies wäre erstmals
der Fall.
Für den Brandenburger Städte- und Gemeindebund dürfe es zu diesen Einschnitten
nicht kommen. Das Land werde beim Bund unglaubwürdig, heißt es in einem
Schreiben an alle Landtagsabgeordneten. Immerhin habe sich der Bund erst nach
erheblichen Kraftanstrengungen der Länder und Kommunen nach dem Besuch von
Bundeskanzler Gerhard Schröder in Schwedt zum Programm „Stadtumbau Ost“
bereiterklärt. Sich jetzt aus der Kofinanzierung dieses Politikfeldes
zurückzuziehen, hätte verheerende Folgen. „Mit einer Rückgabe von Mitteln würde
der Eindruck erweckt, die Strukturprobleme des Landes seien gelöst“, heißt es in
dem Schreiben.
www.lr-online.de
10.08.2003
Hoyerswerda: Superumbau: die verkunstete Platte -
Kulturprojekt in Hoyerswerda gegen die Tristesse
"Brüder Grimm" steht über dem Eingang des zweigeschossigen Gebäudes im
nordsächsischen Hoyerswerda. Der Anblick ist allerdings alles andere als
märchenhaft: Die ehemalige Kindertagesstätte in den Plattenbauschluchten der
Neustadt scheint eher abrissreif und doch regt sich etwas in dem Bau. Vom 15.
August bis zum 27. September ist hier eine künstlerische Auseinandersetzung mit
Plattenbauten geplant. Für das Projekt "Superumbau - die verkunstete Platte"
haben rund 30 Künstler zugesagt, darunter so prominente wie der Aktionskünstler
Christoph Schlingensief.
Jetzt hält in der Buchwalder Straße im WK (Wohnkomplex) VIII die Kunst Einzug,
unterstützt vor allem von der Kulturstiftung des Bundes, die 75 000 Euro
beisteuert. "Der Rückbau von Städten und dessen soziologische Folgen sind ein
großes Thema", sagt die Produktionsleiterin von Superumbau, Anja Nioduschewski.
Das werde auch in der Kulturszene so gesehen, entsprechend positiv sei die
Resonanz gewesen.
Das grobe Konzept für die Projekte steht, auch wenn Nioduschewski betont, es sei
keine "fertige Kunst" eingeladen worden. "Viele Positionen werden sich erst in
den sechs Wochen herausbilden", sagt sie. Sicher ist: Schlingensief wird seinen
Film "Chance 2000" zeigen und sich einer Diskussion mit dem Publikum stellen.
Der Dramatiker und Theaterregisseur Armin Petras plant eine szenische Urlesung
eines Textes aus dem Nachlass von Einar Schleef. Dazu kommen Theaterstücke,
Installationen, ein Dokumentarfilm und andere Projekte.
Parallel zum Superumbau wird nur wenige Meter entfernt ein fünfgeschossiger
Plattenbau dem Erdboden gleich gemacht. Der Abriss soll in das Projekt
einbezogen werden. In der Projektbeschreibung zu "Superumbau" heißt es: "Ziel
ist es herauszufinden, welchen Identitätsverlust die Neustädter erleben und
welche Potenziale für ein neues Stadtimage es gibt."
www.tlz.de
10.08.2003
Wolgast : Wohnungswirtschafts GmbH wartet auf finanzielle
Sicherheit für ersten Abriss
Der größte Vermieter der Stadt, die Wolgaster Wohnungswirtschafts GmbH, treibt
die Vorbereitungen für den ersten Abriss eines Plattenbaus im Stadtteil Nord
weiter voran. Im Block Gorkistraße 21 bis 24 wurde und wird in persönlichen
Gesprächen mit allen Mietern eine Wohnungsalternative besprochen, bevor der
Umzug erfolgt. Etwa 50 Prozent der Mietparteien haben das Haus bereits
verlassen. Wann es richtig los geht mit dem Rückbau, weiß allerdings noch
niemand, denn die klamme Finanzsituation von Bund und Land ist bekannt.
WoWi-Prokurist Jan Koplin: „Wir warten erst die Bund-Länder-vereinbarung ab,
brauchen eine gewisse Sicherheit“. Dennoch könne im Herbst die Abrissbirne zum
Einsatz kommen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
09.08.2003
Herford:
Abriss nicht ausgeschlossen
Die Wohnbau will sich ändern. Sie will nicht mehr Behörde sein. Das
Wohnungsangebot möchte sie den Wünschen der Mieter anpassen. Den Mietern soll
geholfen werden, sobald sie in Schwierigkeiten stecken. Und: Der größte
Herforder Vermieter will Wohnungen aufgeben, falls sie sich nicht mehr rechnen.
Mehrere Beispiele für die neue Ausrichtung der Wohnbau führten die
Geschäftsführer Hans-Jörg Gast und Heinz-Dieter Klein bei einem Pressegespräch
an. So sei das Unternehmen neu strukturiert worden.
Die Wohnbau hat das nötig. "Wir haben zurzeit einen Mietermarkt", sagte Gast.
Die Mieter können sich aussuchen, mit welchem Vermieter sie einen Vertrag
abschließen.
Um Investitionen wirtschaftlich einsetzten zu können, lässt die Wohnbau ihren
Bestand analysieren. Dabei wird geprüft, in welcher Lage das Haus steht, welche
Ausstattung die Wohnungen in welcher Qualität haben. "Wir wollen so investieren,
dass es Mieten auch für Leute mit weniger Einkommen gibt", sagte Gast. Dabei ist
es nicht ausgeschlossen in guten Lagen, dort wo zahlungskräftige Mieter zu
erwarten sind, ordentlich Geld in die Hand zu nehmen. Ebenfalls denkbar ist