Newsticker Archiv August 2004

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31.08.2004
Stadtumbau Ost treibt Wasserpreise hoch
Den Wasserwerken laufen die Kunden weg: Das Leitungsnetz für Trinkwasser und die Abwasseranlagen in den neuen Ländern waren in den vergangenen Jahren erst für 50 Milliarden Euro auf Vordermann gebracht worden, teilte der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwerke (BGW) mit. Nach dem Zusammenbruch der Industrie, dem Wegzug zehntausender Einwohner und dem Spardrang der Verbraucher stelle sich nun ein Teil der Anlagen als überdimensioniert heraus. Zapfte jeder Einwohner zu DDR-Zeiten noch 250 Liter Trinkwasser am Tag, sind es inzwischen nur noch 80 bis 100 Liter. Jetzt treibt auch noch der bis 2009 vorgesehene Abriss von 135000 Wohnungen im Stadtumbauprogramm Ost die bestehenden Überkapazitäten in die Höhe. Bund, Länder und Kommunen stellen dafür 2,7 Milliarden Euro zur Verfügungg. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sollen 30000 Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer fallen. "Damit stehen die Unternehmen vor einem millionenteuren Rückbau eines Teils des Versorgungsnetzes", sagte BGW-Sprecher Marian Rappl. Bislang sei aber nicht geklärt, wer die Kosten trage. Während für den Abriss der leerstehenden Häuser Beihilfen gezahlt werden, gingen die Versorgungsunternehmen leer aus. Auch der Netz-Rückbau müsse gefördert werden, forderte Arp Fittschen von Städte- und Gemeindetag MV.
Damit ist kaum zu rechnen. Das Rückbauprogramm für leerstehende Wohnungen sei schon jetzt überzeichnet, teilte das Bauministerium mit. Es könne nicht Aufgabe des Stadtumbaus sein, frühere Planungsfehler bei Ver- und Entsorgungsanlagen zu korrigieren. Der Bund müsse andere Finanzquellen anzapfen. Ohne Förderung drohen indes die Trinkwasserpreise zu explodieren. Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent seien nicht auszuschließen, erklärte BGW-Vorstand Rainer Otto. Zwar rechnen auch die Städte und Gemeinden mit "stetig steigenden Gebühren", meinte Arp Fittschen. Allerdings würden vornehmlich höhere Umweltauflagen und weitere Einsparungen beim Verbrauch die Kosten in die Höhe treiben. "Je mehr Wasser gespart wird, je teurer wird der einzelne Liter." Das Ausmaß der Kostensteigerung durch den Rückbau von Anlagen sei noch nicht abschätzbar. Die vom BGW prognostizierte 50-prozentige Teuerung sei aber auf jeden Fall zu hoch angesetzt, sagte Fittschen.

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29.08.2004
Kitscher: Finanzielle Anreize für Neumieter
289 Wohnungen in zwei- und dreigeschossigen Gebäuden besitzt die TLG Immobilien in Kitzscher. Zehn Prozent der Wohnungen sind nicht vermietet. Im Frühjahr 2004 startete das Unternehmen ein neues Marketingkonzept, um dem Wohnungsleerstand den Kampf anzusagen.
"95 Prozent der Wohnungen in Kitzscher sind saniert. Doch schöne Wohnungen allein locken keine Mieter", weiß die Pressesprecherin der Niederlassung Süd der TGL, Edith Grether. "Das Wohnungsangebot im Südraum Leipzig ist groß. Wer seine Mieter langfristig halten und Neumieter gewinnen will, muss mehr bieten: Service, Flexibilität und individuelle Angebote", erörtert Grether.
Das Motto des neuen Auftritts ist schlicht: "Unser Zuhause." Als optisches Signal fungiert ein Wabenkreis. "Die Bienenwabe haben wir gewählt, weil sie für eine gute Nachbarschaft und ein gewinnbringendes Miteinander steht", wirbt die Presseprecherin für das Konzept.
Um den Leerstand weiter zu verringern, gibt es spezielle Angebote. Sie heißen "Sorgenfrei", "Füreinander", "Spielraum", "Friends" oder "Grünraum". Und sie sind mit Rabatten kombiniert. So richtet sich zum Beispiel das Angebot "Sorgenfrei" speziell an ältere Menschen, die unabhängig wohnen und trotzdem gut betreut sein wollen. Ihnen werden komfortable Wohnungen in solchen Lagen angeboten, die kurze Wege zu Einkaufsstätten, Ärzten, Apotheken und Dienstleistern aufweisen. Damit verknüpft ist ein Bonus: Je nach Wunsch erstattet der Vermieter die Telefongrundgebühren oder stellt ein Hausnotrufsystem gratis zur Verfügung. Näheres ist übrigens am Donnerstag im Seniorenclub im Haus des Kindes ab 14 Uhr zu erfahren. Auch das Angebot "Spielraum" sei nicht zu verachten. Für ein Jahr bezahlen die Mieter keine Grundmiete für das Kinderzimmer.
Beate Pescht von der Zweigstelle Leipzig der TGL, die Kitzscher betreut, ist mit der Resonanz der Angebote zufrieden. So gab es mehrere Zuzüge. Exakt konnte sie es jedoch nicht benennen. Konkret steht nur fest, dass allein das Angebot "Spielraum" sieben Familien in Anspruch nahmen.
Neben Kitzscher umfasst der Bestand der TLG in Sachsen 3000 Wohnungen, davon im Leipziger Land 850. Weitere Ankäufe, auch in Leipzig, sind ins Auge gefasst.

www.lvz-online.de

29.08.2004
Mecklenburg-Vorpommern: Wachsende Wohnungszahl und hoher Leerstand im Nordosten
Durch den Schub beim Eigenheimbau ist der Wohnungsbestand in Mecklenburg-Vorpommern angewachsen. Ende 2003 gab es im Nordosten fast 874 480 Wohnungen, knapp 5160 mehr als im Jahr davor, wie das Statistische Landesamt am Dienstag in Schwerin mitteilte. Bedingt durch die angekündigte Streichung der Eigenheimzulage stieg die Zahl der Einfamilienhäuser mit 1,7 Prozent auf mehr als 239 800 am stärksten, gefolgt von den 89 250 Wohnungen in Zweifamilienhäusern (+ 0,9 Prozent). Die Zahl der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entsprach mit rund 527 500 etwa dem Vorjahresergebnis.
Seit der Gebäude- und Wohnungszählung 1995 hat sich die verfügbare Wohnfläche je Einwohner von 29,8 Quadratmetern auf 36,4 Quadratmeter vergrößert. Im Landesdurchschnitt betrug die Wohnfläche pro Wohnung 72,1 Quadratmeter. Den größten Anteil am Wohnungsbestand hatten mit 35,3 Prozent die Vierraumwohnungen mit Küche, gefolgt von den Dreiraumwohnungen mit 25,1 Prozent.
Mit fast zwölf Prozent fällt der Wohnungsleerstand in Mecklenburg-Vorpommern deutlich höher aus als im früheren Bundesgebiet (6,7 Prozent). Der Anteil der Ferienwohnungen im nordostdeutschen Urlaubsland liegt ebenfalls über dem Durchschnitt der alten Länder.
de.news.yahoo.com

29.08.2004
Geithain: 26 Prozent Wohnungen leer: 650.000 Euro Mietausfall
Rund 650.000 Euro Mieteinnahmen fehlen der Stadt 2004 durch Wohnungsleerstand. Den Umbau der Kindereinrichtung in Geithain-West muss die Kommune komplett aus eigener Tasche bezahlen. Das sind zwei wesentliche Änderungen, über die Kämmerin Jutta Eichler auf der vorgestrigen Ratssitzung informierte.
Von den 600 kommunalen Wohnungen standen per 31. Juli 2004 insgesamt 155 leer. Das sind 26 Prozent des Bestandes. Schwerpunkt ist das Wohngebiet Geithain-West mit 126 leeren Wohnungen. Der Einnahmeausfall für die Stadt dürfte sich in diesem Jahr auf rund 650.000 Euro belaufen, so die Kämmerin. Das sind 100.000 Euro mehr als im Vorjahr. Jutta Eichler: "Diese Mietausfälle sind Geld, das nicht für Investitionen zur Verfügung steht."
Diese Entwicklung wird sich im Nachtragshaushalt der Stadt niederschlagen. Die Verwaltung hat den Entwurf erstellt. Er liegt vom 1. bis 9. September zur Einsichtnahme im Rathaus aus. Im September wird der Stadtrat über ihn befinden.
Weitere Einnahmeausfälle werden sich in dem Papier niederschlagen. So hat der Kulturraum die Förderung für das Bürgerhaus um 8000 Euro reduziert. Die Stadt wird ihren Zuschuss erhöhen müssen. 6200 Euro gehen an Narsdorf zurück nach Abrechnung der Verwaltungsgeschäfte, die die Stadt für den Partner der Verwaltungsgemeinschaft erledigt hat.
435.000 Euro für geplante Maßnahmen zur Beseitigung von Hochwasserschäden wurden vom Aufbaustab nicht bestätigt. Was sehr weh tue, sei, dass die geplanten Fördermittel zum Umbau der Kindereinrichtung Lessingstraße nicht kommen, erklärte die Kämmerin.

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28.08.2004
Das große Schulsterben in Ostdeutschland
Hatten Sie schon einmal den Wunsch, Eigentümer einer Schule zu sein? Dann schlagen Sie zu: Das Mindestgebot für die Grundschule im thüringischen Teichel beträgt bei einem renommierten Berliner Auktionshaus 15 000 Euro. Ein Spottpreis! 2003 schloss der Landkreis die Pforten dieser Schule: zu wenig Kinder - der Betrieb könne deshalb nicht aufrechterhalten werden, lautete die Begründung. Der Protest der Bürger blieb erfolglos. Jetzt werden die Grundschüler mit einem Bus in den Nachbarort kutschiert.
Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, dass Schulen in Ostdeutschland unter den Hammer kommen, auch nicht, dass sie weit unter Wert verkauft werden. Denn sowohl die niedrige Geburtenrate als auch die große Zahl von Arbeitskräften, die aus wirtschaftlichen Gründen gen Westen abwandern, zwingen immer mehr Kommunen, ihre Schulen zu schließen: Seit dem Fall der Mauer sind mehr als 3000 Schulen allein aus der ostdeutschen Bildungslandschaft verschwunden. Die Lage ist alarmierend, denn vielerorts steht inzwischen die Unterrichtsversorgung auf dem Spiel.
Beispiel Brandenburg: "Wir verzeichnen die dramatischsten Bevölkerungseinschnitte seit dem 30-Jährigen Krieg", sagt Bildungsminister Steffen Reiche. Und: Der dramatische Geburtenrückgang nach der Wende sei nun in den weiterführenden Schulen Brandenburgs angekommen - und treffe sie "mit voller Wucht". Am Ende des vergangenen Schuljahrs schloss man in der Sekundarstufe I 29 Schulen, im Schuljahr 2004/05 werden an 76 Schulen erstmals keine 7. Klassen mehr eingerichtet. An den weiterführenden Schulen des Landes verzeichnet man einen Einbruch der Schülerzahlen von bis zu 60 Prozent. Um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten und die Unterrichtsqualität zu sichern, hat das Land eine Mindestgröße für diese Schulen festgelegt: Die Regelung besagt, dass zwei Klassen mit je mindestens 20 Schüler erforderlich sind, um eine Jahrgangsstufe aufrechtzuerhalten. An einigen Schulen ist die Schülerzahl jedoch schon jetzt zu niedrig - trotzdem kann man sie nicht schließen, weil den Schülern sonst mehr als eine Stunde Fahrtzeit mit dem Bus zugemutet werden müsste.
Überall im Osten werden Schulen geschlossen, in Thüringen wie in Sachsen. In Sachsen-Anhalt ist die Lage am dramatischsten: Dort verschwand zwischen 1992 und 2002 fast jede zweite Schule. Bis zum Jahr 2010 erwartet man einen Rückgang der Schülerzahl an den Gymnasien von 66 000 auf knapp 34 000. In Mecklenburg-Vorpommern kündigte Bildungsminister Hans-Robert Metelmann (parteilos) soeben an, Kinder in den ländlichen Räumen würden künftig vorwiegend in großen Schulzentren und Gesamtschulen unterrichtet. Kleine Schulen seien "pädagogisch problematisch, demografisch ohne Zukunft und teuer", so Metelmann anlässlich der Vorstellung neuer Grundsätze zur Schulentwicklung des Landes. Konsequenz solcher Entscheidungen ist jedoch, dass die Wege zur Schule erheblich länger werden: Nach Berechnungen des Deutschen Philologenverbandes mutet Brandenburg seinen Schülern die längsten in ganz Deutschland zu. Der durchschnittliche Einzugsbereich für die märkische Grundschule betrage 65 Quadratkilometer. In Schleswig-Holstein sind es nur 32 Quadratkilometer.
Das Phänomen des Schulsterbens entwickelt sich analog zu den Prognosen für die demografische Entwicklung in Deutschland, die kürzlich vom "Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung" veröffentlicht wurden. Kernaussage der Experten war, dass wirtschaftliches Wachstum nur noch dort stattfinden wird, wo Menschen hinzuziehen. Für das Jahr 2020 fiel die Prognose insgesamt sehr düster aus: Deutschland wird danach in weiten Teilen veröden, die Menschen ziehen in die Ballungszentren, insbesondere in deren Speckgürtel, insgesamt aber geht die Bevölkerungszahl deutlich zurück.
Längst weiß man also, dass die Folgen der demografischen Entwicklung auch im Westen der Republik spürbar sein werden. Schulschließungen gibt es dort zwar bislang nur wenige, die Anzahl der Schüler nimmt noch zu. Doch ab 2008 wird sie drastisch sinken. "Das wird Schulschließungen nach sich ziehen", warnt Heinz-Peter Meidinger, der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Vor allem dürften die dünn besiedelten Regionen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen davon betroffen sein. Meidinger sieht die "soziale Chancengleichheit" gefährdet: "Wir dürfen unseren Kindern keine Schulwege von zum Teil vierzig Kilometern und mehr zumuten."
Dem Vernehmen nach hat man in einigen Kultusministerien der alten Bundesländer bereits Arbeitsgruppen eingerichtet, um Lösungsmodelle zu erarbeiten: Die Länder stehen in der Pflicht, eine flächendeckende Unterrichtsversorgung zu garantieren.

morgenpost.berlin1.de

28.08.2004
Die Geburtenrate im Osten hat sich halbiert
Deutsche Frauen gehören zu den am wenigsten gebärfreudigen im internationalen Vergleich. Die durchschnittliche Zahl liegt bundesweit bei 1,37 - was bei weitem nicht ausreicht, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten: Dafür wären 2,1 Kinder nötig. Deutlich sichtbar ist der Unterschied zwischen den alten und den neuen Ländern. Während die Geburtenentwicklung bis zum so genannten "Pillenknick" in den siebziger Jahren praktisch parallel verlief, pendelte sich die Geburtenrate danach im Westen bei rund 1,4 ein. Im Osten stieg sie dagegen vorübergehend durch eine auf Familienförderung ausgelegte Politik auf höhere Werte an, die sich aber nach der Maueröffnung praktisch über Nacht halbierten. 2001 lag die Kinderzahl je Frau in den östlichen Bundesländern mit 1,20 deutlich unter dem Wert im Westen (1,41).
morgenpost.berlin1.de

26.08.2004
Apolda: Eine Straße verschwindet

Zwei große Blocks, acht Aufgänge, fünf Stockwerke, 135 Wohnungen. - Wenn im nächsten Jahr die ersten Plattenbauten an der Paul-Schneider-Straße abgerissen werden, ist das der Anfang vom Ende eines ganzen Straßenzugs.
Zuerst werden die Blöcke an der Paul-Schneider-Straße 112 bis 132 abgerissen. Das sind die nebeneinander liegenden Bauten, die parallel zur Bundesstraße 87 den nördlichen Abschluss der Stadt Apolda bilden. 135 Wohnungen werden dabei "zurückgebaut", wie der Fachmann sagt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine künstliche Verknappung von Wohnraum. Immerhin: Allein bei der Wohnungsgesellschaft Apolda, denen die Blöcke gehören, stehen bald 600 Wohnungen leer. Und das kostet richtig Geld, bestätigte WGA-Geschäftsführer Hartmut Kirsten. Die Häuser wurden nach und nach leergezogen - die Mieter erhielten verschiedene Angebote in anderen Objekten. Und nicht nur besonders gut sanierte, wie Kirsten betonte. Selbst ein Umzugsservice wurde den Mietern dabei geboten, um ihnen den Umzug schmackhaft zu machen.
So will es die WGA auch weiter handhaben. Denn den ersten Blöcken wird bald die zweite Reihe folgen. Nach dem bisherigen Stand der Planungen bleiben nur das Seniorenheim, der gegenüberliegende Block und die Blöcke stehen, die den ganzen Komplex Paul-Schneider-Straße im Osten und im Süden begrenzen.
Damit nicht genug: Auch im zweiten Neubaugebiet, dem Areal zwischen Buttstädter Straße, Stegmannstraße und Ernst-Thälmann-Ring soll aufgeräumt werden. So wird ein kompletter Block in der Leutloffstraße quasi herausgenommen werden, um die Bebauungsdichte zu verringern und so die Lebensqualität in Apolda-Nord zu erhöhen. Insgesamt werden so 355 Wohnungen abgerissen. Grund zur Panik besteht allerdings nicht. Die Zeitschiene, in der gebaut wird, erstreckt sich über fünf Jahre. Kirsten sicherte zu, die betreffenden Mieter ausreichend vorher zu informieren und ihnen auch ausreichend Alternativen anzubieten.
Die Kosten für den Abriss bleiben nicht bei der Wohnungsgesellschaft hängen. Sie erhofft sich dabei eine Menge Fördermittel durch das Programm "Stadtumbau Ost", das solche und ähnliche Maßnahmen zur Erhöhung der Lebensqualität unterstützt. Zudem hilft ihnen der Rückbau beim Abtragen der Altschulden für die Plattenbauten.
Mit dem Abriss der Paul-Schneider-Straße ergeben sich auch völlig neue Möglichkeiten für die Stadtplaner in diesem Areal. Die mit dem Abriss verbundene Verkleinerung der Stadt von außen nach innen ist gewollt. Gleichzeitig wird die so genannte Bahnhofsvorstadt als neues Sanierungsgebiet aufgewertet . Auch dort will die Wohnungsgesellschaft punktuell Gebäude "herausnehmen", beispielsweise an der Bernhardstraße.

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26.08.2004
Eberswalde: Stadtumbau als Gratwanderung
Auch Eberswalde muss sich entscheiden. Im Rathaus brüten Baudezernent Gunther Prüger und der Amtsleiter Stadtplanung, Ulf Gerlach, über Karten mit vielen farbigen Markierungen. "Diese Häuser sollen weg", kommentiert Prüger. Im Zentrum liegen sie verstreut über das ganze Gebiet, auch Eckhäuser sind dabei, aber fast immer nur Einzelgebäude. "Wenn der Rekonstruktionsaufwand zu hoch ist, müssen wir abreißen", meint der Baupolitiker. "Oft können die Eigentümer die Maßnahmen nicht stemmen." Und doch wird die Perforation Löcher reißen, die mit ähnlich qualitätvoller Architektur nie wieder zu stopfen sind. Eine qualvolle, immer wieder neu zu überdenkende Abwägung. Denn auch das gilt: "Wo saniert wird," so Prüger, "da ziehen die Leute hin."
Anders sieht die Planung für das "Brandenburgische Viertel" aus. In dem Plattenbaugebiet sind ganze Blocks markiert. "Da haben wir Leerstand. Die ersten Blöcke sind schon weg. Nur die ältesten Bauabschnitte funktionieren."
Es geht um die Entscheidungsfrage: Schrumpfen von außen nach innen oder "Perforation". Von außen nach innen heißt: Rückbau der Plattenbauten. Perforation bedeutet: Ausdünnung der Innenstadt. Für Eberswalde eine Gratwanderung. Denn die exakt 750 Jahre alte Industriestadt eine Autostunde vor den Toren Berlins, zu Kaisers Zeiten "Neustadt-Eberswalde" geheißen und wichtigster Forststandort Preußens, hat dieselben Probleme wie fast alle Städte im Osten: Nach dem Wegbrechen der Industrie wandern auch die Bewohner ab.
Die beiden Alternativen stellen die brandenburgische Stadt mit jetzt noch 44 000 Einwohnern (1989: 53 000) vor ein Dilemma. Eberswalde ist 14 Kilometer lang, gewachsen entlang dem schon im 17. Jahrhundert vorausschauend angelegten Finowkanal, eine Bandstadt mit vielen städtebaulichen Eigenheiten.

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24.08.2004
Eisenhüttenstadt: Denkmal kratzt an der Substanz
Die Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft steht an einem Scheidepunkt. Nach Aussagen ihrer Geschäftsführerin Simone Irmer kann die bisherige Praxis bei der Denkmalsanierung nicht fortgesetzt werden. Nicht ein saniertes Denkmal-Objekt der Gewi arbeitet wirtschaftlich. Der Vermieter muss aus anderen Mieten für Zins- und Tilgung zuschießen. "Damit muss Schluss sein, sonst geht das Unternehmen unter", sagt Simone Irmer. Der Denkmalschutz bleibt stur.
Die Begeisterung für das größte zusammenhängende Flächendenkmal in Deutschland hält sich bei Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer in Grenzen. Sie ist mittendrin statt nur dabei und genau das ist das Problem. Während sich der Mitbewerber auf dem Wohnungsmarkt, die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG), in der Tatsache sonnt, fast die Hälfte des Bestandes modernisiert zu haben, droht der Gewi der Untergang durch die Sanierung ihrer denkmalgeschützten Objekte.
Bis zu 45 Prozent Mehrkosten im Vergleich zu "normalen" Bauten im V. oder VI. Wohnkomplex muss die Gewi für die Bauten im stalinistischen Stil aufbringen. "Der Baukörper der 50er Jahre ist sehr groß und die Wohnflächen sind im Vergleich der Räume um 15 bis 30 Prozent größer. Dies betrifft auch die Größe der Hauseingangsbereiche, der Treppenflure, die Fensteranzahl, die Länge der Leitungsführungen, die Fassadenfläche... Im Vergleich entstehen hier Mehrkosten von bis zu 30 Prozent", rechnet Simone Irmer vor.
Die Mehrkosten für die Denkmalpflege allein beziffert Simone Irmer auf etwa 15 Prozent. Nur wenige Faktoren sind da zu beeinflussen, und wenn, dann nur mit dem Segen der Denkmalschützer. Doch die verschanzen sich hinter ihren Gesetzen. Um aber Darlehen für die Sanierung zu bekommen, sind eine Baukostenoptimierung und vor allem die Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit nach der Sanierung erforderlich. Aber keine freie Bank finanziert nach Aussage von Simone Irmer in die Denkmalsanierung. Ohne die bisherige Unterstützung des Ministeriums und der Landesinvestitionsbank (ILB) mit Förderdarlehen wäre noch nicht ein Gebäude fertig gestellt. Die bisherige Sanierung von 2300 Wohnungen erfolgte fast ausschließlich über Förderdarlehen. Diese sind zinsverbilligt, die Zinsverbilligung wird durch eine niedrigere Miete an die Mieter weitergereicht. Die Baukosten liegen wegen des Baukörpers an sich und vor allem wegen der Mehrkosten für die Denkmalsanierung weit über denen der restlichen Wohnkomplexe.

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24.08.2004
Schwedt: Der i-Punkt fürs Wohngebiet
Das Bild vom erneuerten Külzviertel rundet sich mehr und mehr. Die Bewohner haben die Baustrapazen überstanden und fühlen sich wohl in sanierten Wohnungen. Doch für manche Mieter hat die Lärmbelästigung noch kein Ende, weil in diesen Tagen die Innenhofgestaltung Formen annimmt. Pflastersteine werden geschnitten und verlegt, Bagger nehmen Kies und Erde auf und transportieren sie an Ort und Stelle. Die Herbstbepflanzung wird vorbereitet. Schon werfen neue Baumaßnahmen ihre Schatten voraus: Ab nächstem Jahr soll die Straße Dr.-Wilhelm-Külz-Viertel rekonstruiert werden.
Die Straßenerneuerung ist bitter notwendig. Schlaglöcher entlang der Sportplatzfront sind schon seit Jahren eine Gefahr für den Fahrzeugverkehr. Auch die Gehwege weisen durchgängig Schäden auf und sind eine Stolperfalle. Eine Neugestaltung der Verkehrsanlagen wäre für die fast abgeschlossene Sanierung des Wohngebietes der i-Punkt. Die Schwedter Stadtverordneten wollen dazu demnächst einen Baubeschluss fassen.
Dass das Külzviertel vorzeigbar ist und die Erfahrungen im Stadtumbau es wert sind, weiter gegeben zu werden, hat sich deutschlandweit herumgesprochen. Nicht nur Architekten, Staatssekretäre und Minister haben sich dort informiert. Am Mittwoch besichtigen Vertreter der Wohnungswirtschaft Fürstenwalde den erneuerten Wohnkomplex. Geführt werden sie dabei von Bürgermeister Peter Schauer und den Geschäftsführern der Wohnbauten GmbH.
Das Geschaffene kann sich sehen und hören lassen. Die erste Informationsveranstaltung für die Mieter über das geplante Großbau-Vorhaben hat im Dezember 2001 stattgefunden. Im Juni 2004 hat die Wohnbauten GmbH gemeinsam mit den Mietern ein Einweihungsfest gefeiert.
Von 507 einstmals bestehenden Wohnungen haben vorwiegend regionale Bauunternehmen 240 saniert und 78 weitere komplett umgebaut. 178 Wohnungen sind abgerissen und 22 Wohnungen neu gebaut worden.

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21.08.2004
Sondershausen: Trotz Hartz IV: Wohnungsabriss geht weiter
Trotz der Diskussion über Hartz IV und angemessenen Wohnraum für Betroffene wird in Sondershausen am Rückbau leer stehender Wohnungen festgehalten.
So geht die Wohnungsbaugenossenschaft "Fortschritt" in der nächsten Woche dem Wohnblock Straße der Freundschaft 23 bis 26 im Sondershäuser Wohngebiet Hasenholz/Östertal zu Leibe. Wie Vorstandsvorsitzender Heinz Nöll gegenüber TA sagte, steht der Sechsgeschosser ohne Fahrstuhl seit 1. April leer, werden mit dem Abriss 48 Wohnungen mit einer Fläche von zusammen 3000 Quadratmeter verschwinden.Nach dem Stadtentwicklungskonzept sollen allein im Hasenholz/Östertal 674 leer stehende Wohnungen rückgebaut werden, in ganz Sondershausen bis zum Jahre 2010 über 1000 Wohnungen. Bereits im Januar wurden im Hasenholz zwei Plattenbauten mit insgesamt 80 Wohnungen abgerissen (TA berichtete). Nöll sieht zum Abriss der Straße der Freundschaft 23 bis 26 auch keine Alternative: Der zunehmende Leerstand bescherte seiner Genossenschaft allein in diesem Fall fast 80 000 Euro Mietausfall im Jahr, zudem 22 400 Euro Betriebskosten. Denn auch verwaiste Wohnungen kosten den Vermietern Geld. Laut Eckhard Wehmeier von der Wippertal-Wohnungsbaugesellschaft müssen Versicherungen, Heizkosten im Winter und Grundsteuer weiter gezahlt werden. Der Geschäftsführer gibt allein für sein Unternehmen einen Wohnungsleerstand von 14 Prozent an. Deshalb sollte der Rückbau in Sondershausen nach seiner Meinung auch nicht gestoppt werden. Auch nicht angesichts der Befürchtung, künftige Bezieher von Arbeitslosengeld II müssten wegen unangemessenen Wohnraums womöglich in unsanierte Plattenbauten umziehen: "Das kann nicht die Zukunft sein", so Wehmeier, die Betroffenen in Ofenheizungs-Wohnungen einzuquartieren. Wolfgang Menzel, der Vorsitzende der Wohnungsbaugenossenschaft "Glückauf", hält ebenfalls nichts von einem Stopp der Rückbau-Pläne in Sondershausen wegen Hartz IV. Die dienten dazu, den Markt zu bereinigen.

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21.08.2004
Rostock: Wohnungsleerstand ist in Groß Klein am höchsten
Hinsichtlich des Wohnungsleerstandes führt Groß Klein im Nordwesten: "24,6 Prozent der Wohnungen sind ungenutzt", weiß Hartmut Felske, Sachgebietsleiter Wohnungsaufsicht. Diese grundsätzlichen Entwicklungen gehen nicht spurlos an den verschiedenen Unternehmen vorbei: "Im Dezember 2002 standen im Blockmacherring 43 bis 49 insgesamt 43 Prozent der Wohnungen leer", sagt Unions-Pressesprecherin Ulla Münch. Im Dezember 2003 kletterte die Zahl auf 57, inzwischen sind es 68 Prozent. Das Wohnungsunternehmen plant, das Haus komplett leerzuziehen. Die Mieter wurden auf einer Versammlung und per Brief über die Maßnahme informiert.
"Wirtschaftliche Gründe haben uns veranlasst. Die umlagefähigen Betriebskosten wie Heizung, Warm- und Kaltwasser, Pflege der Außenanlagen, Versicherung, Grundsteuer von den Leerwohnungen tragen wir als Unternehmen", so Ulla Münch. Für die betroffenen Bewohner wurde nach Alternativen gesucht. Wenn sie innerhalb der Union wechseln, schafft die Union Anreize wie die Übernahme der Umzugskosten bis zu 1000 Euro. Damit soll dieser Schritt erleichtert werden. Für den Blockmacherring 43 bis 49 hat die WG Union eine Abrissgenehmigung. "Ob und wann der Rückbau erfolgt, kann noch nicht gesagt werden. Das ist auch eine Frage der Kosten."

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19.08.2004
Dessau: Gesundschrumpfen oder Durchlöchern
Es ist die Gretchenfrage der Stadtplanung im Jahr 2004 schlechthin: Schrumpfen - aber wie? Im Poker um die Zukunft der Städte in Zeiten dramatischen Bevölkerungsrückgangs, millionenfachen Wohnungsleerstands, überalterter technischer Infrastrukturnetze und unübersichtlicher, uneinheitlicher Wohnwünsche entscheiden Stadtverordnetenbeschlüsse über Abriss und Weiterbau nicht mehr nur über die Zukunft von Standorten, sondern des Städtischen überhaupt. Es ist ein Poker um Immobilien im Wert von Milliarden.
Eine Grundeinsicht der Planung für die schrumpfende Gesellschaft lautet: Die Bewohner können nicht zweimal verteilt werden. Jeder sanierte Plattenbau kostet fünf bis zehn Altstadthäuser das Leben, denn Mieter können von nirgend woher mehr abgeworben werden. Umgekehrt besiegelt die Sanierung der Altstädte das Schicksal der Großsiedlungen. Viele Stadtväter vertrauen noch auf einen Mittelweg. Aber Kompromisse sind fragwürdig, weil sie die im Standortwettbewerb existenzwichtigen Qualitäten des Städtischen verunklaren und nivellieren.
Ein Beispiel auf der Grenze zwischen "kontrollierter Schrumpfung" und faulem Kompromiss bildet die Stadt Dessau. Das Dessauer Bauhaus, einst weltweit beachtete Ausbildungswerkstatt der städtebaulichen Avantgarde, kann sich von seinen 80 Jahre alten Denkmustern nicht lösen. Jetzt propagiert es die "fragmentierte Stadt" - in Opposition zu der bis in die Planungsstäbe der Uno vorgedrungene Städtebauphilosophie der "kompakten europäischen Stadt", also eines Siedlungsmusters, das als "nachhaltig" und "zukunftsweisend" gilt.
Während deutsche Architekten und Planer wie Albert Speer (Frankfurt/Main) und Meinhard v. Gerkan (Hamburg) in China Siedlungen dieses Typs entwerfen, lädt das Bauhaus 18 Studierende der Tongij Universität Shanghai zu einer Gegenveranstaltung ein. Vom 23. August bis zum 10.September sollen sie in einem internationalen "summer lab" unter dem Titel "Freilegungen/Excavations" lernen, wie sich "durch die alleinige Anwendung des Stadtumbauwerkzeugs Subtraktion neue räumliche Qualitäten herausarbeiten lassen".
Ganz so neu ist das alles gar nicht, denn es wurde bereits vor 80 Jahren von den Bauhausmeistern praktiziert und als Strategie nicht etwa des Städtebaus, sondern der Stadtauflösung eingesetzt. Heute gilt diese Planungsweise als anachronistisch, weil sie unbezahlbare Siedlungsstrukturen hervorbringt. Nicht zuletzt aus diesem Grund lautet die Leitidee für den Stadtumbau: "Schrumpfung von außen nach innen". Das Bauhaus, das zugleich die IBA-Stadtumbau 2010 Sachsen-Anhalt berät, setzt demgegenüber auf einen vermeintlich "neuen Typ des Städtischen: eine fragmentierte Stadt, deren Elemente wie Inseln in heterogene Brachflächen eingebettet sind".
Die Frage ist freilich, ob es dazu noch eines Seminars bedarf, denn dieser Siedlungstyp heißt andernorts "Sprawl", "Suburbia", "Zwischenstadt" oder - auf gut Deutsch - Siedlungsbrei und existiert bereits. Er hat zu hemmungslosem Landschaftsverbrauch, Ressourcenvergeudung, ausufernden Netzen von technischer Infrastruktur und horrenden Verkehrslasten geführt. Deshalb soll er nach verbreiteter Ansicht im Zuge des Stadtumbaus nicht noch ausgeweitet, sondern systematisch "eingedampft" werden. Diesen Prozess planerisch zu begleiten, könnte in der Tat die Aufgabe von Seminaren und im Sinne einer IBA zukunftsweisend sein.

www.welt.de

18.08.2004
Halle: HWG will neue Mieter auf die Silberhöhe locken
Zuerst hatte die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) selbst einen Umzugswagen bestellt - nicht für sich, sondern für künftige neue Mieter. Mitten auf dem Hallmarkt stand am Dienstagmittag das Gefährt: als Werbeträger für eine neue Aktion des Großvermieters. Geht es nach dem, werden schon bald viele Umzugswagen zur Silberhöhe rollen.
"Ende August beginnt dort unsere Aktion, Umzug inklusive'", so Geschäftsführer Heinrich Wahlen. Neumietern, die sich für eine HWG-Wohnung auf der Silberhöhe entscheiden, will die HWG künftig entweder eine Umzugsfirma bezahlen oder ihnen einen Teil der Umzugskosten erstatten. Ziel sei es, den Wohnungsleerstand in dem Plattenbaugebiet zu senken. "Die HWG hat auf der Silberhöhe derzeit 3 500 Wohnungen, von denen 25 Prozent leer stehen", so Wahlen. Zur Kampagne für die Silberhöhe gehört auch die Eröffnung eines "Mieterladens" in der Jessener Straße 36 am 27. August - dort sollen künftig Wohnungsinteressenten und Altmieter beraten werden.
Vorbild für die Werbeaktion sind die Bemühungen um die Wiederbelebung des halleschen Plattenbauviertels Heide-Nord. "Dort konnten wir mit Marketing und neuem Vermietungskonzept den Leerstand in den letzten Monaten von 23 auf 13 Prozent senken", sagte Wahlen. Auch für den HWG-Wohnungsbestand in der Südstadt plane man nun Ähnliches wie auf der Silberhöhe: Dort sollen die neuen Umzugsanreize ab Jahresende gelten.

www.mz-web.de

18.08.2004
Leipzig: Haus & Grund fordert mehr Stadtumbau
Der Verband Haus & Grund hat an die Verantwortlichen im Rathaus appelliert, "alle Kraft und Mittel auf die Umsetzung des Stadtumbauprogrammes und die Reduzierung des Leerstandes zu richten". In jüngster Zeit habe die Kommune dieses Thema aus dem Blick verloren, warnte Verbandschefin Ingrid Winter. "So wird durch die LWB als Tochtergesellschaft der Stadt verkündet, dass unsanierte Plattenbauten nicht wie vorgesehen abgerissen, sondern preiswert vermietet werden sollen. Sollte der LWB entgangen sein, dass der größte Teil der Wohnungen bereits auf oder sogar unterhalb des Preisniveaus von Sozialmieten liegt?", fragt sie in einer Erklärung rhetorisch.
Bedenklich seien auch die Pläne der Kommune für den Lindenauer Hafen. "Durch Neubauten an diesem lukrativen Standort würden nur wieder Mieter aus anderen Teilen der Stadt abwandern, was dort zur Verschärfung der Problemlage führt", so Ingrid Winter. In ihrem Verband gebe es etliche Eigentümer von Mietshäusern, die wegen hoher Leerstände um ihre wirtschaftliche Existenz ringen müssen. "Ist es bei knapper Kasse, Haushaltssperre, Personalabbau in der Stadtverwaltung, Schließungen von Schwimmhallen, Bibliotheken und Kindergärten überhaupt wirtschaftlich und moralisch vertretbar, erhebliche Finanzmittel für ein solches Projekt wie in Lindenau auszugeben?", so die Chefin des Verbandes mir rund 1000 Mitgliedern.

www.lvz-online.de

16.08.2004
Chemnitz: Rückbau von Wohnungen macht Heckert platt
Das Heckertgebiet wird ausgedünnt. Schon wieder sind zwei Platten platt. Die Abrissbagger haben ganze Arbeit ge- leistet. Von den Elfgeschossern in der Wolgograder Allee blieb nur ein Haufen Bauschutt übrig. „Wir haben in diesem Jahr 500 Wohnungen durch Rückbau vom Markt genommen“, sagt Klaus Peter, Chef der 2001 gegründeten Stadtumbau GmbH, in der die GGG und fünf weitere Wohnungsgenossenschaften vertreten sind. Weitere 1000 Wohnungen sollen bis Anfang 2005 unter die Abrissbirne. Peter: „Betroffen sind vor allem die Stadtteile Hutholz, Markersdorf und Am Flughafen. Hier haben wir bis zu 70 Prozent Leerstand.“Doch Alternativen für preiswertes Wohnen bleiben: In der Scheffelstraße wurden von den Sechsgeschossern drei Stockwerke abgetragen, der Rest modernisiert. In der Wilhelm-Firl-Straße entstand durch Grundrissänderungen eine richtige Edelplatte - mit 292 statt 425 Wohnungen. Auch in der Johannes-Dick-Straße wird derzeit saniert. Pro rückgebauten Quadratmeter gibt es 70 Euro Fördermittel aus dem Bund-Land-Programm für den Stadtumbau Ost. Sachsenweit stehen 106 Millionen Euro bereit.
www.sz-online.de

15.08.2004
Weniger wird mehr
Die Prognosen sind niederschmetternd. Bleibt die bisherige Abwanderungstendenz konstant, werden die neuen Bundesländer bis 2050 die Hälfte ihrer derzeitigen Bevölkerung verlieren. Als noch dramatischer erweist sich dieses Globalszenario beim Blick auf einzelne Städte und Gemeinden. Da werden vielfach bereits bis 2010 Verluste von einem Viertel der Bevölkerung hochgerechnet – nach den bereits eingetretenen Rückgängen seit der Wiedervereinigung. Auf De-Industrialisierung folgt De-Urbanisierung. „Schrumpfende Städte“, lautet das griffige Schlagwort. Noch verbreitet es Angst, statt als Ansporn zu städtebaulichem Aufschwung verstanden zu werden.
Über eine Million Wohnungen im Osten stehen leer. Bis einschließlich 2009 wollen Bund, Länder und Gemeinden 2,7 Milliarden Euro für das Förderprogramm „Stadtumbau Ost“ bereitstellen. Die paritätische Verteilung der Mittel auf Instandsetzung und Abriss lässt sich schon jetzt nicht mehr einhalten: Die Beseitigung von jährlich 45 000 Wohneinheiten kommt teurer als gedacht. Und dieser unumgängliche Abriss beschränkt sich durchaus nicht auf unsanierte Altsubstanz. Mittlerweile müssen selbst aufwändig auf West-Standard gebrachte Plattenbauten abgestoßen werden.
Doch über das deprimierende Abrissprogramm hinaus mehren sich Zeichen des Umsteuerns. Stadtväter beginnen, das Schrumpfen ihrer Kommunen als Chance zu begreifen. Das rasante Wachstum im Zuge der Industrialisierung hat vormals lebendige Zentren urbaner Kultur zu monofunktionalen Produktionsstätten verschandelt. Allerorten kündeten normierte Plattenbauten vom Sieg der industriellen Fertigbauweise – über den Wunsch nach individueller Lebensweise, aber auch über gestaltete Architektur. Hier liegt die Chance des Schrumpfens: dass die Städte und Gemeinden ihr unverwechselbares Gepräge zurückgewinnen. Sie können mit anspruchsvollen Neubauten – vor allem der öffentlichen Hand – beweisen, dass ihre Zukunft nicht bloß in nostalgisch verklärter Rückschau auf eine schöne Vergangenheit liegt. Sondern dass eine lebenswerte Gegenwart – eine, die Menschen Perspektiven fürs Dableiben eröffnet – aus der Verbindung der Bewahrung von historischem Erbe mit den besten Leistungen des Heute besteht.
Gute Architektur allein kann die Probleme der schrumpfenden Stadt nicht lösen. Sie taugt noch nicht einmal als Wundpflaster für politische Ratlosigkeit. Doch eingebettet in eine realistische Perspektive angesichts der abnehmenden Bevölkerung Deutschlands kann gute Architektur enorm viel für ein positives Selbstbild der Kommunen leisten. Im Osten ist’s zu sehen – wenn man nur genau hinschaut.
www.tagesspiegel.de

14.08.2004
Dessau: Auf dem Weg zu neuen Strategien - Ziel: Hohe Qualität für wenig Geld

Die Forderung kommt der Quadratur des Kreises nahe: "Wir wollen eine hohe Qualität, die nicht allzu viel kosten darf und in der Unterhaltung gegen Null geht." Dieser Satz, formuliert von Dessaus Baudezernent Karl Gröger, gilt als neue Maxime des Dessauer Stadtumbaus, wie sie jetzt auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.
Sie ist - auch wenn das offiziell bestritten wird - eine Abkehr von bisherigen Strategien. Die bestanden darin, aufwendig zu illustrieren, wie hübsch Dessau dort aussehen wird, wo die Stadt allmählich verschwindet, weil Häuser abgerissen werden: Sportparks, Haine, Skatestrecken, sanfte Hügel, Spielplätze - die neue Stadt wäre eine heitere geworden.
Inzwischen ist klar: so wird das nichts. Statt modellierter Schuttgärten gibt es in den bisherigen Abrissgebieten lediglich platte Erde. Von den Geldern für den Stadtumbau müsse mehr bereitgestellt werden für die Neugestaltung, hatte Gröger gefordert. Magdeburg reagierte auf seine Weise - und stockte den Anteil für Abriss weiter auf.
Inzwischen weiß man, dass mit Geld allein nicht alles zu richten sein wird. Nicht mehr der große Wurf wird angestrebt, sondern die Möglichkeit, flexibel zu reagieren. Dazu gehört für Gröger, sich auf die Potenziale der Stadt zu besinnen.
Wie das gehen können, darauf haben sich Stadt und Bauhaus im Mai verständigt. Eine "Planungswerkstatt Heidestraße Nord" soll helfen zu koordinieren, was Bauhausdirektor Omar Akbar radikale Eingriffe nennt. Gröger und Akbar geben sich euphorisch, reden von einem Modell für Deutschland, gar für die Welt.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nicht nur mit bisher meist ausgeblendeten Fragen wie sozialer und kultureller Infrastruktur will man sich beschäftigen, ein Umzugs- und Flächenmanagement entwickeln, man will auch gerne Einzelpersonen, Vereinen, Firmen Flächen überlassen, damit sie die neu nutzen. Ein Apothekergarten gehört bisher ebenso zu den Ideen wie ein Solarkraftwerk oder Landwirtschaft zwischen den Stadtinseln. Gesammelt, bewertet, auf die Machbarkeit überprüft werden sollen solche Ideen in der "Arbeitsgruppe 3 - Paten".
Völlig irreal sind solche Projekte nicht - in New York kennt man die "community gardens", Gemeinschaftsgärten, die Bewohner von Slums selbst hergerichtet haben. Allerdings haben die sich in vielen Jahren und langsam entwickelt. In Dessau soll das Agenda-Büro das notwendige Management übernehmen. Ein paar Mal hat man sich schon im Schwabehaus getroffen. Im September sollen erste Ergebnisse vorgelegt werden. Wozu New York Jahre brauchte, will Dessau in einigen Monaten erledigt haben.

www.mz-web.de

14.08.2004
Nordrhein-Westfahlen: Abrissbirne kommt im Westen an
Wie ein Christo-Kunstwerk sieht die Oer-Erkenschwicker Innenstadt aus: In der 30.000-Einwohner-Kommune im nördlichen Ruhrgebiet sind die Hochhäuser im Zentrum verhüllt. Ihre oberen Stockwerke sollen abgerissen werden, die Planen Staubwirbel verhindern. Solche Aktionen gibt es bisher nur im Osten, in Plattenbausiedlungen. Oer-Erkenschwick nimmt als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen am Programm "Stadtumbau West" teil.
Von Abriss und dem Osten der Republik will in der Stadt aber niemand etwas hören. "Nein, nein, wir bauen zurück", sagt Sprecher Peter Raudszus. Schließlich würde ja keine Abrissbirne gebraucht, sondern schön sachte Etage für Etage abgetragen, unter der Folie, so dass es niemand bemerke. Darauf könne die Stadt stolz sein. "Aus abgewirtschafteten Hochhäusern werden schicke Wohnungen", sagt Raudszus. In den 60er Jahren habe man Hochhäuser für schick gehalten, jetzt müsse umgedacht werden.
Die Abrissbirne ist im Westen angekommen. "Das ist etwas sehr Neues", sagt Mirjam Grothjahn vom nordrhein-westfälischen Städtebauministerium. Im Rahmen des Städteumbaus West seien erstmalig Mittel für den Wohnungs-Rückbau eingeplant. "Vor allem im nördlichen Ruhrgebiet ist das eine notwendige Maßnahme geworden", sagt Grothjahn. Die Häuser an der Halluinstraße in Oer-Erkenschwick waren schon kurz nach ihrer Fertigstellung Anfang der 70erJahre ein Flop. Sie sollten den Bergarbeitern der Zeche Ewald dienen, aber mit deren Schließung verschwanden die MieterInnen wieder. Seitdem wurden sie zu Sozialwohnungen, die zunehmend verwahrlosten und leer standen. Seit Anfang August reißt die "Vestisch-Märkische Wohnungsbaugesellschaft" die Stockwerke ab, 20 Millionen Euro kostet der Rückbau. Von zwölf Geschossen in 36 Meter Höhe werden die Häuser auf sechs und an anderen Stellen von acht auf drei Geschossen dezimiert. Bis Ende 2006 werden 34.000 Kubikmeter Raum abgetragen, 12.400 Quadratmeter Wohnfläche verschwinden.
Dorsten wird ein ähnliches Programm starten: Im Stadtteil Wulfen sollen 300 Wohnungen platt gemacht werden. Die "Neue Stadt Wulfen" war einst ein städtebauliches Vorzeigeobjekt im Ruhrgebiet. Anfang der 60er Jahre sollte für die Beschäftigten einer geplanten Schachtanlage und ihre Familien eine Siedlung mit 60.000 BewohnerInnen entstehen. Doch die Krise des Bergbaus riss auch diese Siedlung mit: Der Schacht wurde nicht gebaut, nur 20.000 Menschen lebten in der Vorstadt, die Bevölkerung verarmte.Auch in Gelsenkirchen und Essen soll die Abrrissbirne schwingen: Am Hauptbahnhof der Schalkestadt stehen Wohnungen seit Jahren leer, Essen prüft gerade den Abriss von "problematischen Stadtteilen".
www.taz.de

13.08.2004
Wittenberge: Jeden dritten Einwohner hat die Kommune an der Elbe verloren

Lars Erfert öffnet seine Bäckerei nur, um den letzten verbliebenen Anwohnern einen Gefallen zu tun. „Die alten Leutchen müssten ja sonst für ihre Brötchen bis in die Innenstadt laufen.“ Also hat die Bäckerei Erfert in der Wittenberger Bergstraße jeden Morgen von sechs bis elf Uhr geöffnet. Dann sind die Angestellten ohnehin im Laden, weil hinten die Backöfen heiß laufen und sie die Ware für die Filialen in der Innenstadt abpacken. Kein großer Aufwand, den Nachbarn ein paar Schrippen zu verkaufen.
In den Straßen rund um die Bäckerei herrscht Totenstille. Fensterhöhlen starren schwarz, aus einigen Öffnungen wehen zerfledderte Gardinen. Die drei- und vierstöckigen Backsteinhäuser bergen kein Leben mehr. Türen sind mit Vorhängeschlössern gesichert, Fenster im Parterre mit Brettern vernagelt. Auf dem Gehweg schießen Wildkräuter in die Höhe.
„Früher kamen hier jeden Morgen zehntausend Menschen vorbei“, erinnert sich Lars Erfert. Der 35-Jährige weist über die Straßenkreuzung zu einer ehemaligen Fabrik, in der ein Country-Club residiert. Wittenberge war eine Arbeiterstadt mit Nähmaschinenwerk, Ölmühle, Zellstofffabrik und einem Reichsbahnausbesserungswerk. Das Packhofviertel mit seinen Backsteinhäusern war errichtet worden, als die Industrialisierung der Stadt an der Elbe zu Wohlstand verhalf.
Heute sind alle Industrieanlagen stillgelegt. Die Arbeiter wurden frühverrentet, entlassen. Die Arbeitslosen zogen nach Berlin oder in den Westen auf der Suche nach Job und Einkommen. Die Jugendlichen gingen in die nächstgrößeren Städte auf der Suche nach Ausbildungsplätzen. Deshalb hat Wittenberge jeden dritten Einwohner verloren.
„Wenn man mit berechnet, dass die Stadtgrenzen neu zugeschnitten und Dörfer eingemeindet wurden, hat die Stadt sogar jeden zweiten Einwohner verloren“, rechnet Bäckermeister Lars Erfert vor. Die offizielle Statistik wird an dieser Stelle ungenau. Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hatte Wittenberge Ende 1989 genau 29 780 Einwohner, jetzt sind es noch 21 000. Wegen des Neuzuschnitts der Gemeindegrenzen sind die Zahlen jedoch nicht vergleichbar. Immerhin weiß das Bundesamt, dass Wittenberge mit einem Bevölkerungsschwund von 21,3 Prozent zwischen 1990 und 2000 doppelt so schlecht dasteht wie der Durchschnitt Ostdeutschlands.
Eine schrumpfende Stadt, das bedeutet: Den Kindergärten fehlt es an Kindern. Den Läden fehlt es an Käufern. Den Kinos an Besuchern. 3500 Wohnungen stehen leer. „Mieter sind das Kostbarste, was es in den neuen Ländern gibt“, erklärt Stadtplaner Wulf Eichstädt, der Wittenberge als eine der „größten Verliererstädte“ sieht. Der Berliner Eichstädt hat ein Haus in der Innenstadt von Wittenberge gekauft und für die vorbildliche Restaurierung einen Preis bekommen. Der Kauf war ein Verlustgeschäft. Damit sich die Renovierungskosten amortisieren, müsste Eichstädt pro Quadratmeter 8,50 Euro Miete bekommen. Verlangen kann er sechs, Tendenz fallend.
Auch Frührentner Ralf Fritzsche machte ein schlechtes Geschäft. Im Packhofviertel kaufte er 1999 ein Haus. Heute wäre die Immobilie preiswerter. Rund um Fritzsches Wohnung stehen ganze Straßenzüge leer. Den 62-Jährigen ficht das nicht an. „Wenn ich mich eine halbe Stunde vor die Tür setze, kann ich immer jemand grüßen, wir kennen uns ja alle“, sagt der ehemalige Lokführer.
Doch die meisten Wohnungen sind verlassen. Wer in einem der maroden Altbauten lebt, bleibt nur wegen der sehr günstigen Miete. Rund 22 Prozent der Wittenberger sind arbeitslos, für sie zählt jeder Euro. Untypisch ist die Verteilung der Leerstände. „Der Leerstand ist nicht in der Platte, sondern im Altbau“, bedauert Stadtplaner Wulf Eichstädt. Die Plattenbauten in Wittenberge wurden nach der Wende als erste renoviert. Die Mieter dort, das ergab eine Umfrage des Berliner Sozialplanungsbüros Topos, sind mit ihren Wohnungen zufrieden. Sie möchten nicht umziehen. Deshalb muss Eichstädt empfehlen, was ihm nicht gefällt: den Abriss der stilvollen Gründerzeitbauten. Er riet dazu, das Packhofviertel, „ein eher schlichtes Arbeiterviertel“, rigoros abzureißen sowie im Jahnschulviertel, dem größten zusammenhängenden Gründerzeitviertel im nördlichen Brandenburg, behutsam einige Bauten herauszunehmen.
Die Stadt Wittenberge will bis spätestens 2015 etwa 2400 Wohnungen abreißen. Die ersten 200 sind schon „rückgebaut“. Bagger haben sich in die Wände gefressen und sie Stück für Stück abgehoben, vorsichtig, damit die Nachbargebäude nicht einstürzen. „Es gibt keine andere Lösung als den Abriss“, ist sich Lutz Eichler von der IG Bau in Neuruppin sicher, zu dessen Bezirk auch Wittenberge zählt. Der Gewerkschafter ist dankbar für jede Bautätigkeit. Ob Aufbau oder Abriss, ist da egal. Er ärgert sich nur, dass Bauarbeiter aus Mecklenburg-Vorpommern, wo die Beschäftigungslage noch schlechter ist, nach Brandenburg kommen und die Löhne drücken: „Die arbeiten für den Mindestlohn von acht Stunden zehn Stunden am Stück“, klagt Eichler.
Zwischen den heruntergekommenen Gründerzeithäusern klaffen jetzt Lücken. „Die Stadt sollte mit den Anwohnern intelligente Konzepte entwickeln, wie sie sich die Fläche aneignen können“, sagt Wulf Eichstädt. Rentner Ralf Fritzsche wollte eine solche Fläche pachten, um einen Abstellplatz für sein Auto hinzustellen. Doch die Stadt, erzählt er, habe abgelehnt. Begründung: Auf den Freiflächen sollten Grünanlagen entstehen. „Du lieber Himmel, Grünanlagen, schauen Sie sich das Unkraut doch mal an“, sagt Fritzsche und zeigt auf verwuchertes Brachland.
Auch Bäcker Lars Erfert wollte das Nachbargrundstück kaufen, um seine Produktionsanlage zu erweitern. Er schimpft über die Bürokratie. „Ehe hier was passiert, fließt viel Wasser den Berg runter.“
Die Wohnungsgesellschaft, Eigentümerin der meisten Häuser, muss den Abriss bezahlen und tut sich schwer damit. Ihre Finanzlage sieht nicht rosig aus. Die Kosten für den Abriss von einem Quadratmeter Wohnfläche liegen zwischen 110 und 230 Euro. Für die Wohnungsgesellschaft ist dies nur bezahlbar, wenn zu den Eigenmitteln Städtebaufördermittel und Gelder aus dem Fonds vom „Stadtumbau Ost“ hinzukommen. Dafür wurden bundesweit für die Zeitspanne zwischen 2001 bis 2009 von Bund, Ländern und Kommunen 2,7 Milliarden Euro bereitgestellt.
Bei der Frage nach den Kosten des Abrisses sind auch die so genannten „Altschulden“ mit zu berechnen. Mit dem deutsch-deutschen Einigungsvertrag übernahmen die ostdeutschen Wohnungsgesellschaften pauschal 150 Mark „Altschulden“ pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei vermieteten Wohnungen wäre diese Zinslast tragbar. In Zeiten des Leerstands aber frisst der Schuldendienst die Rücklagen auf. Mit dem Abriss von Wohnraum verringern sich auch die DDR-Altschulden.
Für Torsten Diehn, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Wittenberge, stellt sich die Frage, ob „es gelingt, den Wohnungsmarkt so zu gestalten, dass ein Überleben der Vermieter mittel- bis langfristig gesichert ist“. Diesem Problem werden sich indes nicht nur Vermieter in Wittenberge stellen müssen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im schlimmsten Fall im Jahr 2050 in Ostdeutschland nur noch halb so viele Menschen leben wie 1998. Schlimmstenfalls: wenn weiterhin wenig Kinder geboren werden, die Abwanderung anhält und keine Westdeutschen oder Ausländer zuziehen. Als Verlierer dieser Entwicklung macht das „Institut für Länderkunde“ in Leipzig die Klein- und Mittelstädte aus. Großstädte bleiben attraktiv als Arbeitsräume, kleine Orte als Oasen der Ruhe.
Das Phänomen der schrumpfenden Städte wird aber nicht auf Ostdeutschland beschränkt bleiben. Die gleiche demografische Entwicklung, die auch der Rentenkasse Probleme bereitet, wird die Stadtbevölkerung in ganz Deutschland zurückgehen lassen.
Manchmal aber regt sich auch im Packhofviertel etwas. In Häuser werden dann neue Fenster eingebaut. Oder eine Bushaltestelle in den leeren Straßenzügen errichtet. Wittenberges verbliebene Einwohner kennen das: Filmgesellschaften haben den Ort als „Location“ für den Dreh mit Nachkriegsatmosphäre entdeckt.

www.merkur.de

13.08.2004
Oschatz: Sanierung nach historischem Vorbild
Am Glanz eines historischen Schmuckstücks wird weiter kräftig poliert. Die Innensanierung der Gottesackerkirche geht in die Endphase. Bei den Arbeiten legen die Stadt Oschatz als Bauherr und die Landesdenkmalbehörde großen Wert auf den Erhalt historischer Elemente. Sorge bereitet der Altar. Für die dringend notwendige Sanierung stehen keine Mittel bereit. Eine S
Die über das Stadtumbau-Programm zu zwei Drittel geförderte und insgesamt 340.000 Euro teure Sanierung der Gottesackerkirche soll mit der Erneuerung des Fußbodens im Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein. Jubisch: "Damit wird die Nutzung der Kirche in den Wintermonaten wieder möglich sein. Das provisorische Zelt, das bislang als Ausweich-Variante genutzt wurde, kann dann abgebaut werden."
Ungewissheit besteht noch darüber, wie die Restaurierung des Altars finanziert wird. "50.000 Euro werden dafür in etwa benötigt. Fördermittel gibt es nicht. Vielleicht bringt uns ein Spendenaufruf weiter. Jeder Cent kann helfen", so Jubisch.
www.lvz-online.de

12.08.2004
Inseln der Stabilität
Günter Herfert vom Leipziger Institut für Länderkunde hat die Wanderungsbewegungen in Ostdeutschland wissenschaftlich unter die Lupe genommen. In den ersten zehn Jahren nach der Wiedervereinigung von Ost und West sah das Bild einfach aus: Bewohner der Großstädte wanderten in das ländliche Umland ab.
Ende der 1990er Jahre änderte sich das Bild: Jetzt verloren auch die kleineren Gemeinden Einwohner. Wohnen in der Großstadt hingegen wird wieder attraktiv, weil viele Wohnungen modernisiert sind und die Mieten in den ostdeutschen Großstädten ähnlich niedrig liegen wie im Umland.
Als Verlierer der Bevölkerungsentwicklung sieht der Leipziger Forscher die deutschen Klein- und Mittelstädte mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern. Sie bieten weder die Vorteile einer Großstadt noch die Abgeschiedenheit des idyllischen „Wohnens auf dem Land“. Überlagert werden alle Wanderungsbewegungen von der Migration von Ost nach West. Die Ostdeutschen gehen naturgemäß dorthin, wo es Arbeitsplätze gibt. Stadtforscher Herfert kann nur einige „Inseln der Stabilität“ erkennen: Lediglich Leipzig, Dresden, Erfurt und Jena verlieren nur sehr wenige Einwohner in Richtung Westdeutschland.

www.merkur.de

12.08.2004
Lobenstein: Wohnungsleerstand erfordert Maßnahmen
Hoher Leerstand von Wohnungen und damit verbundene Mietausfälle belasten auch die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft eG Lobenstein (AWG). Wie der Vorsitzende der AWG, Reinhold Kuchler, unlängst berichtete, liege das nicht an unzufriedenen Mietern, sondern am Wegzug dieser in Altbundesländer, weil dort eher eine Arbeit zu finden ist und an dem demographischen Wandel.
In Zusammenwirken mit den Genossenschaftsmitgliedern sucht die AWG nach Wegen, Verlusten entgegen zu wirken. So wurde mit Hausgemeinschaften ein Beschluss über materielle Zuwendungen bei kleineren Verbesserungen und Verschönerungen gefasst, die diese eigenverantwortlich treffen und auch ausführen. Inzwischen besitzen 70 Prozent der Häuser bzw. Hauseingänge besitzen inzwischen derartige Vereinbarungen. Über 12 000 Euro wurden auf diese Weise schon bereit gestellt.
So wurden in der Karl-Marx-Straße Lobenstein Keller geputzt, im Langen Weg Kellerfußböden gestrichen, in Wurzbach ein Gartenzaun errichtet, in Blankenstein in der Straße des Friedens ein Wäschegerüst gebaut, Außenanlagen bepflanzt, Malerarbeiten im Treppenhaus, Keller und Waschhaus im Neuen Weg ausgeführt. In Blankenberg kam es zu Fliesenarbeiten in einem Waschhaus. "Nicht in allen Häusern geht es ohne fremde Hilfe, aber wir wünschen uns Hausgemeinschaften, die das Zusammenleben eigenverantwortlich organisieren und deren Handeln von Zusammengehörigkeit und Mietverantwortung für die Genossenschaft geprägt ist", betont Reinhold Kuchler diesen wichtigen Aspekt.  Größere Vorhaben, wie z. B. der Abriss eines Wohnblocks im Rosenweg Lobenstein, Balkonsanierungen (Lobenstein), neue Eingangsbereiche in Wurzbach und sanierte Treppen und Zuwege in Oßla, Geländer- und Briefkastenanlagen zählten zu den Investitionen im Jahr 2003.Guten Zuspruch hätten die Partywohnungen in Lobenstein, wo Mieter und Interessierte Räumlichkeiten für Stunden und Tage nutzen können. Anfang dieses Monats übergab die AWG in Lehesten Gewerberäume in einem neu gebauten Haus zur Miete. In dem Gebäude in der Straße der Jugend sind außerdem alle neun Wohneinheiten vergeben. Das sei ein weiterer Schritt zur Stabilisierung der Genossenschaft und zur Stärkung des Standortes Lehesten, so der geschäftsführende Vorstand, Rolf Dreßler, der sich mit dieser Tendenz im Trend eines Ergebnisberichtes der Expertenkommission Wohnungsgenossenschaften sieht, den Dr. Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, auch der AWG in Lobenstein übergeben hat.Das Fazit in dem Bericht: "Um eine Verschlechterung der sozialen Situation in Deutschland zu verhindern, müssen neue Wege gefunden werden, die zu einer erheblichen Verringerung der staatlichen Hilfen führen und auf mehr privatem Engagement aufbauen soll."

www.otz.de

12.08.2004
Schwerin: Dreesch gewinnt an Attraktivität
Der Stadtteil Großer Dreesch gewinnt an Attraktivität unter den Schwerinern. Nach Angaben des Dreescher Stadtvertreters Daniel Meslien stieg die Einwohnerzahl in dem Stadtteil seit Jahresbeginn leicht auf exakt 8847 an.„Nicht nur die sanierten Straßen und Häuser, die vielen Einkaufsmöglichkeiten am Dreescher Markt, im Köpmarkt und in den Dreescher Arkaden machen diesen Stadtteil so lebenswert. Auch die guten Bus- und Bahnanbindungen, die kostenlosen Parkplätze, viel Grün und die Nähe zum Faulen See sorgen für ein attraktives Wohnumfeld“, so Meslien. Dass der Dreesch bald wieder mehr als 9000 Bewohner hat, erscheine nicht unrealistisch. Die Vollsanierung der Häuser in der Friedrich-Engels-Straße 3 bis 5 solle noch im August abgeschlossen sein. Im Spätherbst folgten dann die Aufgänge 6 bis 8. „Hier entstehen Wohnungen mit vergrößerten Balkonen und Wohnzimmern“, berichtet Meslien. Im Anschluss daran werde die SWG weitere Häuser in der Schulenburg-Straße sanieren und einen Innenhofblock vollständig zurückbauen. Die WGS wolle Ende des Jahres mit dem von vielen Anwohnern gewünschten Abriss des Obdachlosenheims in der Anne-Frank-Straße beginnen.„Von vielen mit Neugier beobachtet wird das ebenfalls noch in diesem Jahr startende Projekt ,Eigenheime im Baugebiet Gartenstadt-Ost˜ an der Straßenbahnhaltestelle Ludwigsluster Chaussee“, so Meslien. Dem ehemaligen Möbelhaus stehe der Abriss bevor. Schon im nächsten Jahr solle an dieser Stelle ein Fachmarktzentrum mit Supermarkt, Discounter und vielen kleineren Geschäften eröffnen. Meslien: „Die Verwandlung des Dreesch zu einem anziehenden Stadtteil erreicht 2004 seinen Höhepunkt. Der Leerstand verringert sich. Immer mehr Menschen nutzen die Vorteile günstiger Mieten in attraktiver Umgebung.“
www.svz.de

11.08.2004
Hartz IV macht kleine Mietwohnungen teurer
Besonders im Osten Deutschlands regt sich weiterhin Kritik an "Hartz IV". Während Maklerverbände einen Anstieg der Mieten im Osten befürchtet, kritisiert der Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft vor allem, dass bei den Hartz-Reformen schwere handwerkliche Fehler gemacht worden seien.
"Das ist stümperhaft gemacht", sagte der Thüringer Verbandsvorsitzende Norbert Nareyke: So sei bei der Sechsmonats-Übergangsfrist für weitere Zahlungen in zu großen Wohnungen übersehen worden, dass viele Mieter Verträge mit erheblich längeren Kündigungsfristen hätten. Wohnungsgesellschaften würden sie aber nur aus dem Vertrag entlassen, wenn es Nachmieter gebe. Das aber sei sehr unwahrscheinlich.
Betroffene erhielten in diesem Fall nur noch Unterstützung für eine "angemessene" Wohnung und müssten die Differenz zur tatsächlichen Miete selbst zahlen. "Was angemessen ist, liegt aber wie so vieles noch im Nebel", sagte Nareyke. Bisher sei unklar, wie die örtlichen Behörden solche Vorgaben praktisch umsetzten. "Es darf aber nicht zu Willkür und Problemen führen."
In einem Pilotprojekt wollen sich Unternehmen und Verwaltung deshalb Ende August in Erfurt treffen, um über die praktische Umsetzung zu beraten. Gleichzeitig würden Gesellschaften künftig auch beraten, wie sie ihr Recht durchsetzen könnten. "Es kann nicht sein, dass die Ämter den Hahn so zudrehen, dass die Wohnungsunternehmen nicht mehr rentierlich arbeiten können", sagte Nareyke.
Er warnte davor, bisherige intakte Mieterstrukturen in Wohngebieten zu zerstören, wenn die Gebiete nach zahlungskräftigen und nicht zahlungskräftigen Mietern getrennt würden. Die Unternehmen würden bereits verstärkt Sozialarbeiter einsetzen, um ein weiteres Abrutschen sozial auffälliger Mieter zu verhindern.
Die Auswirkungen der Hartz-Reformen auf den Wohnungsmarkt seien offen. Schätzungen, wie viele Menschen tatsächlich umziehen müssten, sieht Nareyke als reine Spekulation. Auf jeden Fall werde es schwieriger, sanierte Wohnungen zu vermieten. Er rechnete damit, dass unter den Mietern der Gesellschaften bis zu 30 Prozent öffentliche Hilfen erhalten werden - bisher sind es etwa 25 Prozent.
Eine Auswirkung sieht der Vorsitzende des Verbands Deutscher Makler Sachsen, Jürgen Poschmann, schon deutlich - einen Anstieg der Mieten. "Die Nachfrage nach Wohnungen wird steigen." Einkommenseinbußen, Veräußerungen von Eigenheimen und die geforderte Arbeitnehmer-Mobilität werden seiner Ansicht nach zu Engpässen auf dem Wohnungsmarkt führen. "Schon jetzt sind in Sachsen kleine Wohnungen knapp", sagte Poschmann und prophezeit: "Hartz IV wird zu einem Chaos auf dem Mietmarkt führen." Zwar liege der reale Leerstand von vermietbaren Wohnungen in Sachsen derzeit bei 10,5 Prozent, allerdings gebe es schon jetzt zu wenige kleine. Künftig sollen arbeitslose Alleinstehende Wohngeld nur für Wohnungen bis zu 45 Quadratmetern erhalten. Für Paare gelte ein Wohnraum von 55 Quadratmeter als angemessen. "Hartz wird hier das Angebot nochmals knapper machen, steigende Mieten sind dann die logische Konsequenz", sagte Poschmann. Einen Einbruch auf dem Immobilienmarkt durch Zwangsveräußerungen von Eigenheimen sieht der Ring Deutscher Makler nicht. "Viele Menschen werden durch Hartz IV feststellen, dass Wohneigentum eine sichere Anlageform ist. Das eigene Haus soll bei der Anrechnung von Vermögen geschont werden", sagte RDM-Sprecherin Carolin Hegenbarth.

www.vtw.de

10.08.2004
Sachsen-Anhalt: streckt 22 Millionen Euro für geplante Wohnungsabrisse vor
Für einen zügigen Abriss leer stehender Wohnungen in Sachsen-Anhalt streckt das Land in diesem Jahr 22 Mio. Euro vor. Das Geld wird den Kommunen vorzeitig zur Verfügung gestellt, damit die Abrissunternehmen nicht erst noch auf die ausstehende Überweisung von Bundesmitteln warten müssen, sagte Bauminister Karl-Heinz Daehre . Mit dem Tempo des Abrisses zeigte sich Daehre - anders als früher - mittlerweile zufrieden: "Der Abriss ist richtig in Gang gekommen."
Wie schon im Vorjahr streckt das Land 2004 seine Abriss-Mittel vor, weil die zusätzlichen Bundesmittel erst nach entsprechenden Verwaltungsvereinbarungen fließen können. Diese Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern verzögern sich allerdings erneut. "Wir geben die Landesmittel vorher frei, damit die Abrissunternehmen Sicherheiten haben", sagte Daehre. Im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost", mit dem der strukturelle Wohnungsleerstand in Ostdeutschland beseitigt werden soll, wurden seit 2002 mittlerweile 13 000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt abgerissen. Bis Ende 2004 sollen die Mittel für den Abriss von dann insgesamt 30 000 Wohnungen bewilligt worden sein. Bevor 2005 wieder frisches Geld fließt, will Daehre aber prüfen, ob die Kommunen ihre Hausaufgaben gemacht haben - also die beantragten Abrissprojekte auch umgesetzt haben. "Die leeren Wohnungen müssen zügig und in einem überschaubaren Zeitraum abgerissen sein", forderte Daehre. Aus Sicht des Ministers muss der Abriss von Wohnungen bis 2005 absoluter Schwerpunkt des "Stadtumbaus Ost" sein. Danach würden sich Abriss und Aufwertung der Wohnquartiere zunächst die Waage halten, bis schließlich die Aufwertung dominiert. Bei der Sanierung von Gebäuden will Daehre künftig die Gelder vorrangig für Kindergärten und Schulen einsetzen. "Das knappe Geld muss für solche nachhaltigen Projekte eingesetzt werden", sagte Daehre.
www.welt.de

09.08.2004
Niedersachsen: "Bei uns bestimmt der Mieter den Markt"
In den niedersächsichen Städten gibt es weniger leer stehende Wohnungen als noch vor ein paar Jahren. Marktbedingt ziehen die Mieten an. Das hat die Landestreuhandstelle in Hannover in ihrem aktuellen "Wohnungsmarkt-Barometer" ermittelt. Für den ländlichen Raum mit hoher Bevölkerungsdichte – ein Beispiel: der Landkreis Gifhorn – haben die Forscher einen gegenläufigen Trend ausgemacht. Dort stehen mehr Wohnungen leer als bisher, der Mietpreis sinkt entsprechend. Werner Wedekin, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft "Wiederaufbau" in Braunschweig, möchte die "pauschalen Aussagen" der Studie nicht bestätigen. "Es gibt nicht d e n einen Wohnungsmarkt. Das ist zu global gedacht. Ein Beispiel: Das östliche Ringgebiet in Braunschweig ist so begehrt, dass es nahezu keine Leerstände gibt. Im Stadtteil Heidberg hingegen bereitet es Mühe, Mieter zu finden." Zu einer generellen Aussage lässt sich Wedekin dann aber doch hinreißen: "Bei uns in der Region bestimmt nach wie vor der Mieter den Markt." Ob in Salzgitter, Braunschweig oder Goslar: Überall sei das Angebot größer als die Nachfrage.Ein ständiges Auf und Ab bestimme den Wohnungsmarkt. "Nach der Wiedervereinigung war der Markt sehr unruhig. In Braunschweig gab es lange Wartelisten für Wohnungssuchende", erinnert sich der Immobilienexperte. Ein paar Jahre später hatte sich komplett gewandelt: Wohnungen standen leer, Mieter hatten freie Auswahl. "In solchen Situationen müssen Vermieter reagieren und in ihren Bestand investieren, ihn attraktiver gestalten", bestätigt Hartmut Breitenbach von "Haus und Grund". Die sanierten Wohnungen seien besser zu vermitteln – allerdings zu meist höheren Preisen. Durch diesen Effekt seien die Mieten in Braunschweig leicht nach oben geklettert. Die Kaltmiete für eine 65 Quadratmeter große Wohnung liegt zwischen 4,73 und 5,97 Euro pro Quadratmeter.
Die wohl beste Auslastung in der Region hat die Stadt Wolfsburg. In den vergangenen fünf Jahren wurden hier rund 18 000 neue Arbeitsplätze geschaffen – das hat der Stadt mehr Einpendler, aber auch mehr Einwohner beschert. "Hier sind nahezu 100 Prozent der Mietwohnungen belegt", sagt Thomas Krause, zuständig für die strategische Stadtentwicklung in Wolfsburg. Die Kaltmiete für 65 Quadratmeter liege zwischen 4 und 6,9 Euro pro Quadratmeter. Eine Wohnungsnot gebe es nicht, "aber wir haben Bedarf an kleinen Wohnungen für Senioren und Singles". Ein Ziel für die nähere Zukunft sei es, mehr der rund 2000 Fachhochschul-Studenten nach Wolfsburg zu locken: "Die meisten wohnen bisher außerhalb." In den kreisfreien Städten Niedersachsens stehen laut Wohnungsmarkt-Barometer nur zwei Prozent der Wohnungen leer. Salzgitter ist eine Ausnahme. Dort wird die Leerstandsquote auf etwa zehn Prozent geschätzt. Die Stadt versucht gegenzusteuern, mit Konzepten wie dem "Stadtumbau West" und dem Projekt "soziale Stadt". Pressesprecher Norbert Ude: "Wir versuchen, Wohngebiete durch Grüngürtel, Kommunikations- und Einkaufszentren wieder attraktiver zu gestalten und fördern gleichzeitig den Rückbau von Wohnungen." Zurzeit stünden in Salzgitter mindestens 2000 Wohnungen leer.In der Harzregion ist die Lage gespalten: Während Wohnungen im Nordharz gefragt sind, stehen im Süden viele leer. In Goslar beschränken sich die Leerstände der größten Wohnungsbaugesellschaft vor Ort auf etwa zwei Prozent. Die Mieten dort bewegen sich zwischen 4,30 und 5,20 Euro pro Quadratmeter bei einer 65 Quadratmeter großen Wohnung.

www.newsclick.de

09.08.2004
Halle: ist das Salz in der Suppe
Halle macht aus der Not eine Tugend: Die Saalestadt, von Wohnungsleerstand und Bevölkerungsschwund arg gebeutelt, setzt bei ihrer Kulturhauptstadt-Bewerbung auf das Thema Stadtumbau. Denn: „In Halle wird Veränderung als Antrieb für das Entstehen von Kultur begriffen“, heißt es in der Bewerbungsschrift. Frei nach dem griechischen Philosophen Heraklit nimmt sich Halle dessen „panta rhei“ – alles fließt – zum Motto.
Halle ist – wie viele andere europäische Städte auch – in einer fundamentalen Umbruchphase. Die Stadt schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt, rund 20 Prozent der Wohnungen – nicht nur in der riesigen Plattenbausiedlung – stehen leer. Für die Sachsen-Anhalter ist das aber kein Grund, sich nicht als Kulturhauptstadt zu bewerben: Mit Veränderungen in der Urbanität ändert sich auch Kultur, lautet das Credo.Erste Ideen, was man mit den oft grauen Neubaublocks Kulturelles machen kann, gibt es schon: Eine Riesenrutsche durch alle Etagen eines Hochhauses ist geplant, ebenso Kultur-Erlebniszentren und Hotels mit besonderem Flair. Bei den Plänen setzt Halle besonders auf die Nachhaltigkeit der Projekte – so wie es auch ihre Nachbarn in Leipzig bei der inzwischen gescheiterten Olympia-Bewerbung getan haben.Halle hat kulturell allerdings weit mehr zu bieten als nur Stadtumbau und Platten-Architektur: Fast 1 200 Jahre alt ist die Stadt, die einst durch den Salzabbau reich geworden ist. Berühmte Zeitgenossen haben Halle seither geprägt.
www.sz-online.de

08.08.2004
Kassel: Internet-Auktion von Mietwohnungen stiftet Unfrieden in Kassel
Seinen Nachbarn will der neue Mieter erst mal nicht erzählen, was er für die Wohnung in der Kasseler Nordstadt zahlt. Einen Euro Kaltmiete pro Quadratmeter überweist der Verwaltungsangestellte an die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Kassel (GWG) und ihm schwant: "Da würde schon schnell Neid aufkommen." Acht Wohnungen hat die GWG im strukturschwachen Nordhessen bislang über das Internet-Auktionshaus ebay losgeschlagen und dabei neben jeder Menge wohlwollender Publicity auch einiges an Kritik eingesteckt.
Gerade mal 17,50 Euro Kaltmiete im Monat muss der erste Nutznießer des Verfahrens im Monat für seine Studentenbude zahlen, mit den Nebenausgaben kostet die Dreizimmerwohnung in Uni-Nähe 125 Euro. GWG-Chef Peter Ley sieht seine Strategie als erfolgreich an: "Die Ersteigerungspreise nähern sich schrittweise dem regulären Mietpreis." 88 Prozent der regulären Miete seien schon erzielt worden, die Tendenz stimme. Seit etwa fünf Jahren, erzählt Sven Göbel, Chef einer großen Hausverwaltung, ist Kassel ein absoluter Mietermarkt. Mehr als 3000 Wohnungen stünden leer, die großen Wohnungsgesellschaften bekommen ihre Blöcke aus den 50er- und 60er Jahren nicht mehr voll. Daher locken sie mit mietfreien Anfangsmonaten oder Premiere-Abos. Manche Wohnungen seien nicht einmal mehr für drei Euro den Quadratmeter zu vermieten, sagt Göbel. "Wir arbeiten am unteren Limit und haben eigentlich schon das Niveau der östlichen Bundesländer erreicht."
In dieser Situation, sagt die Kasseler Maklerin Gabriele Velke, sei die Auktionsidee der GWG "ein Super-Werbegag" gewesen. Dass sich mit den Internet-Schnäppchen langfristig am Leerstand etwas ändern könnte, erwartet sie nicht. Die Unternehmen würden in Zukunft bevorzugt ihre "Ladenhüter" ins Netz stellen, ein bedeutender Vertriebsweg werde daraus aber wohl nicht. Der Kasseler Mieterbund fürchtet um den sozialen Frieden, wenn die Alteingesessenen deutlich mehr für die gleiche Wohnung zahlen müssen als die ebay-Kundigen. Erste Mieter hätten sich erkundigt, ob sie ihrerseits die Miete senken könnten, sagt Vize-Vorsitzender Eberhard Fischer. Wenn dies nicht möglich sei, zögen mit den neuen Mietern gleich Neid und Missgunst ein. "Das kann eine Mieterfeindschaft in Gang setzen."
Die wichtigen Verbände der Wohnungsindustrie bezweifeln, dass sich das GWG-Modell auch in anderen Regionen abseits der Ballungsräume durchsetzt. "Das ist kein Mittel gegen Leerstände, wenn es strukturelle Probleme gibt", sagt Alexander Rychter vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Berlin. Mit einer gewissen Verzögerung erreichten die aus ostdeutschen Plattenbausiedlungen bekannten Probleme auch westdeutsche Großsiedlungen, für die sich ebenfalls immer weniger Mieter fänden. "Ohne Zukunft nützen auch günstige Mieten nichts."
Dann helfe nur städtebaulich und planungsrechtlich verträglicher Rückbau, sprich Abriss. Dumping-Aktionen könnten hingegen "gesunde Bestände ins Rutschen bringen", die dann nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben wären, warnt Rychter.
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08.08.2004
Hagenow: Quo vadis „Kiez“?
Ausgeschlachtete Autos, zerschlagene Fensterscheiben, zerfetzte Klingelkästen — der „Kietz“ wird zum größten Sorgenkind der Stadt. Ein Drittel der 1000 Wohnungen steht inzwischen leer. Das Bauamt macht Druck: Noch dieses Jahr sollen die ersten Blöcke abgerissen werden.
„Ach wissen Sie“, sagt Mieter Werner H. aus dem Plantagenweg. „Hier steht jede Woche ein Umzugswagen vor der Tür. Die Leute kommen und gehen, wir wissen gar nicht, ob sie ein- oder ausziehen.“ In seinem Block stehen zurzeit zwei Wohnungen leer. Damit ist der Neubau vergleichsweise gut belegt. In anderen Straßen sind ganze Aufzüge unbewohnt. An einigen Klingelkästen kleben nur noch zwei oder drei Namen. Der Trend ist eindeutig: „Die Mieter ziehen vom ,Kietz ins Neubauviertel ,Neue Heimat und von dort in die Innenstadt“, sagt Bauamtsleiter Reiner Näth. „Wenn es uns nicht gelingt, die Infrastruktur zu schaffen und den Wohnungsrückbau voranzutreiben, geht der Standort ,Kietz den Bach herunter.“ Die Lösung liegt vor ihm auf dem Schreibtisch: Ein farbiger Lageplan, der aufzeigt, welche Neubaublöcke auf dem „Kietz“ abgerissen oder rückgebaut werden müssten, damit das Wohnumfeld attraktiver wird. Auf den frei werdenden Flächen sieht das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ Grünanlagen und Spielwiesen vor. Die Wohnungsgesellschaften, die sich nach den Vorgaben des Stadtentwicklungskonzeptes richten, bekommen für Abriss oder Rückbau Fördermittel. „Wir können niemanden zwingen abzureißen“, sagt Näth. „Aber es ist die einzige Chance für den ,Kietz". Zwei Blöcke im Kießender Ring und in der Spielstraße sollen noch in diesem Jahr abgerissen werden. Nach langen Verhandlungen hätte sich die zuständige Möllner Wohnungsbaugesellschaft dazu entschlossen, so Reiner Näth.
Für Mieter Werner H. sind das nur leere Versprechungen. „Die Blöcke sollten schon im vergangenen Jahr weg“, sagt er. Das sei genauso wie mit dem Autowrack vor seiner Haustür. Der ausgeschlachtete Wagen stand schon dort, als er vor einem Jahr einzog. Trotzdem — so ohne weiteres will der Arbeitslose nicht vom Kietz wegziehen. Für seine 2-Zimmer-Wohnung zahlt er 296 Euro warm. „Ich würde hier nur ausziehen, wenn ich woanders langfristig gesicherte Arbeit hätte, aber das ist wohl utopisch.“ In seinem Block hätten hochgerechnet nur zwanzig Prozent der Mieter Arbeit. Viele seien aus Boizenburg oder aus den Blöcken am Sudenhof hierhergezogen. „Eigentlich lebe ich hier ganz gern“, sagt Werner H. „Inzwischen habe ich Bekannte gefunden, mit denen man auch mal feiern kann. Was sonst auch sollen wir hier den ganzen Tag tun.“

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08.08.2004
Land Brandenburg: Wohnungsgesellschaften in Not
Wohnungsleerstand und Missmanagement in kommunalen Wohnungsgesellschaften gefährden den Landeshaushalt. Wenn das Land kein Geld zuschießt, schreibt das Wohnungsbauvermögen des Landes rote Zahlen. Unklar bleibt, welches Ressort einspringen soll.
Es sah fast wie eine geheime Kommandosache aus: die Kreisstadt Belzig (Potsdam-Mittelmark) wird vom Innenministerium in Potsdam 750000 Euro erhalten. Später soll noch einmal die gleiche Summe folgen. Normalerweise, wenn das Ressort wieder einmal eine vom finanziellen Ruin bedrohte Kommune aus einem eigens dafür geschaffenen Hilfsfonds gerettet hat, erfährt das auch die Öffentlichkeit. Dieses Mal hat das Innenministerium kein Interesse - aus gutem Grund.
Das Geld ist nicht wirklich für die Stadt vorgesehen, sondern soll die zahlungsunfähige Wohnungsgesellschaft von Belzig vor dem Aus bewahren, nachdem die Banken, einschließlich der Landesinvestitionsbank abgewunken hatten. Weniger Wohnungsleerstand als vielmehr Missmanagement hat die Gesellschaft in die Situation gebracht. Das Innenministerium machte denn auch die Auflage, das Management auszuwechseln und sich einen wirtschaftlich potenten Partner zu suchen. Politische Brisanz erhält der Vorgang, weil in mehr als 40 Städten des Landes Wohnungsgesellschaften als bedroht angesehen werden - trotz des Abrissprogrammes für leere Plattenbauten. Acht Gesellschaften sind bereits in Insolvenz gegangen. Das Problem ist seit langem auf Landesebene bekannt. Eine Arbeitsgruppe aus dem Bauressort, dem Innen- und dem Wirtschaftsministerium sollte Lösungsansätze diskutieren. Herausgekommen ist nichts.
In der nächsten Legislaturperiode soll das Thema noch einmal aufgegriffen werden, heißt es im Bauministerium. Der Städte- und Gemeindebund ist über die Belziger Lösung entsetzt. Denn der Hilfsfonds des Innenministers war dafür nicht vorgesehen. Das Geld, das eine Wohnungsgesellschaft retten soll, wird allen anderen Kommunen weggenommen. Das sieht auch der innenpolitische Sprecher der CDU, Sven Petke so. Er fordert das SPD-geführte Bauministerium auf, einen Hilfsfonds speziell für Wohnungsgesellschaften aufzulegen. Im Hause von Bauminister Frank Szymanski schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen: Bloß nicht! Dann würden alle Kommunen Schlange stehen und die Banken, die all die vielen Wohnungsbauten mitfinanziert haben, sich aus den Folgekosten heraushalten. Der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen schlägt vor, dass das Wirtschaftsministerium seinen Topf für illiquide Unternehmen öffnen solle. "Warum werden Wohnungsgesellschaften nicht wie mittelständische Firmen betrachtet?", fragt Wolfgang Schönfelder.
Eigentlich heißt es überall: Man müsste schlecht geführte Gesellschaften in die Insolvenz schicken, damit neue, größere, gesunde Strukturen entstehen. Das jedoch kann sich die Landesregierung nicht leisten. Ginge die Belziger Gesellschaft pleite, würde die Stadt fünf Millionen Euro verlieren, das Land jedoch 38 Millionen. Der Wohnungsbau im Lande wurde in den vergangenen Jahren über das so genannte Wohnungsbauvermögen (rund fünf Milliarden Euro) finanziert. Die Kreditnehmer, vor allem die Wohnungsgesellschaften, sollten die langfristigen Kredite bis 2020 zurückzahlen. Auf Grund der Mietsituation mussten Ende vergangenen Jahres bereits fünf Millionen Euro aus dem Wohnungsbauvermögen abgeschrieben werden. Im jüngsten Bericht der Landesinvestitionsbank werden 257 Millionen Euro aus dem Wohnungsbauvermögen als ausfallgefährdet eingestuft. Unklar ist, wieviel das Land in Belzig zuschießen muss, damit das Wohnungsbauvermögen etwas von 38 Millionen an Krediten wiedersieht.

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08.08.2004
Immobilienmarkt weiter auf Talfahrt
Die Hypothekenzinsen sind so günstig wie noch nie, preiswerte Einfamilienhäuser stehen in vielen Ecken Thüringens zum Verkauf und doch ist die Lage auf dem Immobilienmarkt alles andere als rosig.
"Die Immobilie steht etwas auf dem toten Gleis", konstatierte gestern Joh.-Peter Henningsen, Präsident des Bundesverbandes Ring Deutscher Makler, bei der Vorstellung des RDM-Immobilienpreisspiegels 2004. "Hauptursache ist die Verunsicherung durch die Politik", sagte Henningsen. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, hohe Steuerbelastungen und unsichere Rahmenbedingungen würden viele Menschen von Kauf oder Bau eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung abhalten.
Dabei sind Immobilien teilweise so günstig wie noch nie zu haben. Einen Preisverfall von bis zu 30 Prozent haben die Makler in einigen Regionen festgestellt. Bei ihrer Untersuchung in 270 deutschen Städten rangiert beispielsweise Rudolstadt in der Kategorie "Freistehende Eigenheime mit gutem Wohnwert" mit 80 000 Euro im untersten Bereich der Skala. Am ostdeutschen Wirtschaftswunder-Standort Jena können potentielle Käufer davon nur träumen: Hier liegt der Preis bei durchschnittlich 180 000 Euro, für Eigenheime in Top-Lagen sind über 330 000 Euro zu berappen, und ein Neubau kann um die 450 000 Euro kosten. Unschlagbar auch die Preise für Baugrundstücke: Mit bis zu 250 Euro je Quadratmeter ist Jena neben Erfurt eines der teuersten Pflaster im Freistaat.
Trotzdem haben die Preise nachgegeben: 2002 mussten Bauherren in Erfurt noch 280 Euro für den Quadratmeter Bauland hinlegen. Nachgegeben haben auch die Preise in Gera: Konnte man 2002 noch davon ausgehen, dass ein freistehendes Eigenheim mit sehr gutem Wohnwert inklusive Garage und Grundstück im Durchschnitt nur für 300 000 Euro zu haben war, steht diese Kategorie jetzt für den Preis von 225 000 Euro im Angebot.
Henningsen rechnet damit, dass der Immobilienmarkt in ganz Deutschland noch nicht im Tal angelangt ist. "Es wird noch ein bis zwei Jahre dauern, ehe es wieder bergauf geht", sagte er. Als ein Problem für die Immobilienbranche habe sich die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung erwiesen. Teilweise seien Banken sogar nicht mehr bereit, auslaufende Kreditvereinbarungen zu verlängern.
Für die Zukunft sieht der RDM-Präsident den deutschen Immobilienmarkt einem grundlegenden Wandel unterzogen. "Es wird einen Rückzug in die Städte geben", sagte er. Entscheidend seien zunehmend die Lage und die Qualität der Immobilie.
Dass der Markt in Ostdeutschland angesichts stetiger Abwanderung und des gigantischen Überangebotes von 1,1 Millionen leerstehender Wohnungen kollabieren könnte, glauben die Makler allerdings nicht. "Der Wohnungsleerstand hat keine Relevanz, weil es für diese Wohnungen keinen Markt gibt", sagte Peter-Georg Wagner, zuständiger Chef für Marktforschung und Organisation beim RDM.

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07.08.2004
Preisexplosion bei Trinkwasser
Dieser Sommer könnte der letzte mit noch relativ moderaten Wasserpreisen sein. Fehlplanungen der Kommune, vor allem in den neuen Bundesländern, treiben die Versorgungskosten in die Höhe.
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent in den nächsten Jahren schließt ein Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) nicht mehr aus, wie das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO in seiner nächsten Ausgabe am Montag den 9. August berichtet.
Nach dem Fall der Mauer musste die deutsche Wasserwirtschaft auf Druck der Kommunen für mehr als 50 Milliarden Euro neue Leitungsnetze für Trinkwasser und Kläranlagen bauen, die sich jetzt als überdimensioniert herausstellen. Durch den Zusammenbruch der Industrie, den Einbruch in der Landwirtschaft und den Wegzug der Menschen hat sich der Trinkwasserverbrauch pro Kopf und Tag von über 250 Liter zu DDR-Zeiten auf 80 bis 100 Liter mehr als halbiert.
Wasser, das nicht fließt, verkeimt und stellt eine Gesundheitsgefahr dar. Im schlimmsten Fall kann das sogar tödliche Folgen haben, wie Prof. Dr. Dirk Schoenen vom Hygiene-Institut der Universität Bonn in der WISO-Sendung ausführt. Um das zu vermeiden, muss die Wasserwirtschaft die vor wenigen Jahren neu errichteten Anlagen wieder zurückbauen.
Auf Bundesmittel kann die Wasserwirtschaft nicht bauen, wie aus einer Stellungnahme des Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen gegenüber WISO hervorgeht: Steuermittel verteile man im Rahmen des Förderprogramms "Stadtumbau Ost" nur für den Abriss der Plattenbauten, nicht aber für den Rückbau der Wasserversorgung, so die Berliner Behörde. Dabei entfallen auf den Rückbau rund die Hälfte der Abrisskosten, wie der Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) betont. Wenn die Fördergelder nicht auch für die Anpassung der Infrastruktur verwendet werden, sieht der Sprecher des BGW und Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Erfurt, Rainer Otto, auf die Branche eine Kostenlawine zurollen: "Dies bedeutet für die Bürger eine Preissteigerung von bis zu fünfzig Prozent."

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07.08.2004
Gera:  Elfgeschosser mit 176 Wohnungen vorm Abriss
176 Wohnungen im Elfgeschosser-Karree zwischen Berliner Straße, Straße des Bergmanns und Gagarinstraße sollen abgerissen werden. Der gesamte Block entlang der Gagarinstraße steht damit vor dem Abbruch. Mit der IOS GmbH plant erstmals ein rein privater Wohnungseigentümer den Abbriss von Wohnquartieren. Das Unternehmen hat Fördermittel im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programmes beantragt. Bislang hatten Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften den Rückbau überschüssiger Wohnungen in der Stadt voran getrieben.
Das Karree wechselte zwei Mal den Eigentümer. Mitte der 90er verkaufte die Wohnungsbaugesellschaft GWB Elstertal die Häuser an Privat. Der neue Besitzer tat genauso wenig an den Elfgeschossern wie zuvor das städtische Unternehmen. Die Zahl der Mieter sank, dem Käufer ging die Luft aus. Seit einem Jahr hat die ISO GmbH die Blöcke in der Regie und mit ersten Sanierungsarbeiten begonnen. Seither gibt es einen Hausmeister, hat die Hausverwaltung ein Büro vor Ort.Der Elfgeschosser entlang der Gagarinstraße sei nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, sagt Harald Lehnert von ISO. Hier ist bislang am wenigsten geschehen. Jede zweite Wohnung stand zuletzt leer. Vom geplanten Abriss erfuhren die Mieter Anfang des Jahres. "Der Leerzug hat unerwartet gut geklappt", sagt Kirsten Pölitz von der Hausverwalterin Jengrund Immobilien GmbH. Der Eigentümer kommt für die Umzugskosten auf. 31 der Bewohner entschieden sich dafür, in dem Karree zu bleiben und zogen in Wohnungen an der Straße des Bergmanns und der Berliner Straße um. Derzeit wohnen noch 15 Familien in den Abrisshäusern. "Die warten nur noch auf den Umzugswagen", sagt Pölitz.
Bis Mitte kommenden Jahres sollen die 176 Wohnungen weggerissen sein. An ihrer Stelle soll erst einmal Grün wuchern. In den verbliebenen Blöcken sind nun über 90 Prozent der 220 Wohungen vermietet. "Die Bausubstanz ist 30 Jahre alt, aber gut", kämpft Lehnert gegen den schlechten Ruf der Platte. Die Hälfte der Mieter wohnt schon von Anfang an hier. Neuinteressenten kommen wegen der zentralen Lage und des Mietpreises. Schritt für Schritt werde das Quartier hergerichtet, kündigt Lehnert an. Die Platte soll hier Zukunft haben. Privat klinkt sich in Stadtumbau Ost ein

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05.08.2004
Oer-Erkenschwick: Häuser werden filetiert
Abwärts geht es auf Oer-Erkenschwicks größter Baustelle. Nach und nach werden die Geschosse der Hochhäuser an der Halluinstraße abgetragen. Statt zwölf werden es künftig nur noch sechs und weniger sein.Fein säuberlich werden die Betonplatten zersägt und zu Boden gebracht.Arbeiten zusammen: Katrin Nöbel von der Firma Müsssmann Umweltschutz, Hans Weber, von der Essener Baufirma Schmitz und Bauleiter Mario Bannasch von der THS-Consulting.
Doch mit dem Rückbau der Hochhäuser auf der größten Baustelle in Oer-Erkenschwick hat dieser Lärmpegel nichts zu tun. Es sind Landschaftspflegearbeiten, die an anderer Stelle der Halluinstraße derzeit rund um die Häuser durchgeführt werden. Von der Großbaustelle ist lediglich das helle Surren der Betonsäge zu hören. Hin und wieder mischen sich Hammerschläge darunter. Erstaunlich wenig Lärm für einen Abriss, der über 20 Millionen Euro kosten wird.
Die Zahl der Geschosse veringert sich von Woche zu Woche. Von zwölf (cirka 36 Meter Höhe) werden die Häuser auf sechs und an anderen Stellen von acht auf drei Geschosse abgetragen. Das quasi in Handarbeit und ohne Bagger und Abrissbirne. Der Hochhausbau aus den Anfängen der 70er-Jahre wird regelrecht zersägt. Bis zu 40 Leute arbeiten auf der Baustelle. Bauarbeiter schneiden Betonwände in etwa fünf mal fünf Meter große Stücke, befestigen sie an einem über 40 Meter hohen Kran, dessen mächtiger Teleskoparm die tonnenschwere Last zu Boden bringt. Dort werden die Betonblöcke teilweise zerkleinert und abtransportiert. Bis Ende 2006 werden 34 200 Kubikmeter umbauter Raum abgetragen.
Rund 22 Millionen Euro lässt sich die VMW den Rückbau kosten, der das Herzstück der Stadterneuerung ist. 6,8 Millionen Euro steuern Bund und Land dazu. Das Gebäude aus den 70er-Jahren war so etwas, was man eine klassische Fehlplanung bezeichnen kann. Höher, weiter und größer hieß seinerzeit die Devise. Hochhäuser galten als chic. Doch die Realität war eine andere, wie sich herausstellte Der Hochhausbau ging an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen in der Stimbergstadt vorbei. Zwar werden die Zuschnitte der 50 bis 100 qm großen Wohnungen unverändert bleiben.

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04.08.2004
Neues Arbeitslosengeld kann zu Umzügen führen
Nach der Einführung des Arbeitslosengeldes II im kommenden Januar sind gravierende Auswirkungen am Wohnungsmarkt nach Ansicht der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Deutschland nicht ausgeschlossen, weil möglicherweise Leistungsempfänger umziehen müssten. Vor allem in den östlichen Bundesländern sei nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe eine Umzugsbewegung in kleinere und billigere Wohnungen nicht auszuschließen. Auch Mietervereine befürchten, dass Arbeitslose, zumindest nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist, oft aus ihren alten Wohnungen ausziehen müssen, falls diese zu groß oder zu teuer seien. Einige befragte Behörden oder auch der Verband Deutscher Makler hingegen halten solche Szenarien derzeit für unverantwortliche Panikmache. Zum Teil, berichtet Haus & Grund, seien die Kommunen bereits dabei, ihre Kriterien für angemessenen Wohnraum zu überarbeiten. Der Verband fordert die Behörden bereits auf, mit Augenmaß vorzugehen und unbillige Härten zu vermeiden. Unklar sei indes die Frage, ob die Behörden einen Ortswechsel verlangen können, um Wohnkosten zu senken. Die privaten Eigentümer bei Haus & Grund befürchteten zudem, dass die Kommunen versuchen könnten, diese Mieter in die Wohnungen der eigenen kommunalen Wohnungsgesellschaften zu drängen. Einer der Haus & Grund-Kritikpunkte: Im Hartz-IV-Gesetz ist bislang nicht eindeutig geregelt, welche Wohnungsgröße für die Bezieher des neuen Arbeitslosengeldes II noch als angemessen gilt. Auch müsse bedacht werden, dass der Staat für die Kosten eines Zwangsumzugs aufzukommen habe. Relevant seien ebenfalls die auszugsbedingten Kosten für Schönheitsreparaturen oder die Renovierung nach einem Auszug. Das von Wolfgang Clement geführte Bundeswirtschaftsministerium argumentiert in dieser Frage so: Nach der Wohngeldstatistik 2002 liegt die durchschnittliche Miete von Arbeitslosengeld- und Arbeitslosenhilfeempfängern nicht über der durchschnittlichen Miete von Sozialhilfeempfängern. Sie bekämen danach auch künftig die Unterkunftskosten erstattet. "Es wird deshalb keine Zwangsumzüge in billigere oder kleinere Wohnungen in nennenswertem Ausmaß geben", heißt es dazu in Berlin. Ob eine Wohnung angemessen ist, richtet sich nach vielen Faktoren wie der Größe der Familie, Alter, Geschlecht und Gesundheit. Das Ministerium überlässt dabei den Sozialbehörden vor Ort die Entscheidung, wie viel Geld für Miete und Heizung ausgegeben werden darf.
Dies sieht etwa der Leiter des Frankfurter Jugend- und Sozialamts, Ingo Staymann, als "absolut richtige Entscheidung". Die Mieten seien bundesweit so unterschiedlich, dass die Sozialämter wegen ihrer Erfahrung bei der Sozialhilfe die Angemessenheit am besten einschätzen könnten. Wie in vielen Städten sollen in Frankfurt am Main die bisherigen Maßstäbe für die Sozialhilfe angelegt werden. Der angemessene Mietpreis, sagt Staymann, hänge zum Beispiel von Lage, Alter und Ausstattung der Wohnung ab.
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04.08.2004
Dessau: Reihenhäuser statt Kaserenen

Was von den Häusern blieb, ist Erinnerung und eine große freie Fläche: Vor einem Jahr verschwanden die ehemaligen Kasernen und späteren Wohnhäuser an der Elballee. In den kommenden Monaten sollen an dieser Stelle wieder neue Häuser entstehen - Reihen- und Doppelhäuser.
Die DWG, Eigentümerin des Geländes, wird die Grundstücke verkaufen. Der Preis liegt bei 116 Euro je Quadratmeter. Eine Verpflichtung muss der Käufer jedoch eingehen: Er verzichtet darauf, eigene Wünsche beim Bau umzusetzen, denn sein Haus wird von einem Bauträger errichtet, der Ring Projektentwicklungsgesellschaft Dessau. Die Doppelhaushälfte mit ihren 149 Quadratmetern Wohnfläche bezahlt er mit 160 000 Euro - ein für diesen Stadtteil nicht unüblicher Preis.
Entworfen hat die Häuser das Büro ASP. Architektonisch bieten sie wohl das, was heute vielfach gefragt ist und errichtet wird: ein Obergeschoss, ausgebauter Dachboden mit Gauben, Terrasse zum Garten, Balkon zur Straße. Während die schräg gegenüber liegende, zu DDR-Zeiten entstandene Siedlung eine eigene Interpretation der Bauhaustraditionen probierte, die nahe Knarrbergsiedlung ein ganz eigener Versuch des Siedlungsbaus in den 20er Jahren darstellte und beide unter Stadtplanern erheblich Beachtung fanden, ist dies bei der neuen Bebauung nicht zu erwarten.
Horst Donath glaubt dennoch an den Erfolg des Projekts. Bereits jetzt lägen erste Anfragen vor, auch Mitarbeiter des Umweltbundesamts zeigten Interesse, sagt der Geschäftsführer der Ring Projektentwicklungsgesellschaft. Er ist davon überzeugt, in diesem Jahr noch zehn Häuser bezugsfertig übergeben zu können.
Damit wäre zum ersten Mal in Dessau das Thema Stadtumbau nicht nur mit großflächigem Abriss verbunden, wie er etwa seit anderthalb Jahren praktiziert wird. In dieses Programm, das helfen soll, den Leerstand zu verringern, fielen auch die Häuser an der Elballee. Von der Arithmetik geht die Rechnung auf: 90 Wohnungen werden ersetzt durch insgesamt 26 Häuser

www.mz-web.de

04.08.2004
EU hemmt Wohnungswirtschaft Ost»
Anhaltender Leerstand, Abriss und Stadtumbau belasten die Wohnungsunternehmen in den neun Ländern enorm. Einige suchen Stärkung durch Fusionen. Lange Zeit bereiteten sich auch die beiden Großvermieter in der Neißestadt Forst auf eine solche Bündelung ihrer Kräfte vor. Vor knapp zwei Wochen jedoch nahmen sie Abstand von ihrem Vorhaben. Der Grund: Die EU blockiert eine vom Bundesrat genehmigte befristete Steuerbefreiung für fusionierende Wohnungsunternehmen. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Kathrin Mölneck vom Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU).
Frau Mölneck, die EU lässt sich Zeit mit wichtigen Entscheidungen. Lässt das das Fusionsfieber in der Wohnungswirtschaft abklingen«
Genau genommen, ist die Fieberkurve in der Region Brandenburg recht flach. Die Unternehmen sind von sich aus überhaupt nicht scharf auf Ver-schmelzungen. Vielmehr zwingt sie die wirtschaftliche Gesamtsituation mit all ihren Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, diese Überlegung anzustellen. Mit dauerhaft sinkenden Bevölkerungszahlen und damit wachsendem Leerstand und gleichzeitig zu bewältigendem Abriss geraten die Unternehmen an Wirtschaftlichkeitsgrenzen. Eine Fusion kann natürlich das positive Ergebnis haben, dass die Angebotspalette verbreitert werden kann. Wenn beispielsweise ein Unternehmen nur Neubaubestände, ein anderes nur Altbaubestände hat, macht ein Zusammengehen durchaus Sinn.
Wie viele Fusionen gab es bisher in der brandenburgischen Wohnungswirtschaft»
Unter den rund 400 Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes gab es in den vergangenen zehn Jahren elf Fusionen. Darunter die Verschmelzung der Wohnungsgenossenschaft Schwarzheide mit den Genossenschaften in Plessa und in Ruhland, sowie die Verschmelzung der Wohnungsgenossenschaft Lübben mit der Wohnungsgenossenschaft in Golßen.
Welche Erfahrungen haben die Unternehmen gemacht«
Fusionen haben vor allem dann Sinn, wenn sie betriebswirtschaftlich zu besseren Ergebnissen führen. Das heißt, wenn das neue Unternehmen betriebswirtschaftlich besser dasteht, für den Wettbewerb in der Region besser aufgestellt ist, das Wohnungsangebot differenzierter und die Perspektive somit für die nächsten Jahre sicherer wird. Ganz wichtig ist, dass zwischen den Unternehmen die Chemie stimmt und gegenseitiges Vertrauen entwickelt wird, um den schwierigen Prozess bewältigen zu können.
Wer ist fusionsfreudiger, Genossenschaften oder Gesellschaften»
In unserem Verbandsgebiet hat es bisher keine Verschmelzung von kommunalen Wohnungsgesellschaften gegeben. Derartige Fusionen setzen voraus, dass sich die Gesellschafter, also die Kommunen, für eine solche Aufgabe engagieren und eine Verschmelzung wollen. Fusionen von kommunalen Gesellschaften und Genossenschaften sind schon aufgrund der unterschiedlichen Rechtsformen wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen.
Der Bundesrat hat befristet Steuererleichterungen genehmigt. Kann das den Verschmelzungsprozess beschleunigen«
Wir hoffen, dass das in dem relativ kurzen Zeitraum gelingen wird. Beachtet werden muss jedoch, dass das Zusammengehen von wohnungswirtschaftlichen Unternehmen einer guten Vorbereitung bedarf. Nach unseren Erfahrungen erstreckt sich das über einen Zeitraum von wenigstens anderthalb bis zwei Jahren.
In Forst waren die Vorbereitungen für die ungewöhnliche Verschmelzung einer Genossenschaft mit einer städtischen Gesellschaft so weit gediehen, dass die Akteure von der befristeten Steuerbefreiung profitieren könnten. Nun bremst die EU. Wie geht das»
Die Europäischen Union prüft den Tatbestand einer unerlaubten Beihilfe und damit der Wettbewerbsverzerrung. Eine entsprechende Entscheidung steht noch immer aus.
Was nun«
Noch hat die EU nicht gegen die befristete Sonderregelung entschieden. Das heißt, die Unternehmen müssen die Hoffnung auf Steuererleichterungen im Fusionsfall nicht aufgeben.
Wie hoch wäre die Entlastung durch die noch von der EU blockierte Befreiung von der Grunderwerbssteuer»
Das hängt immer vom konkreten Fall ab. Die Grunderwerbssteuer bemisst sich nach dem Wert der Grundstücke, die in das neue Unternehmen eingebracht werden. Das kann in die Millionen gehen.

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03.08.2004
Magdeburg: Die Wobau hält Unsaniertes vor
Die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft machte unlängst Schlagzeilen mit einem Abrissstopp in Großsiedlungen: Die Blöcke sollen stehen bleiben für Hartz-IV-Betroffene, potenzielle Arbeitslosengeld-II-Empfänger also. "Blödsinn", nennt das der Magdeburger Wobau-Chef Heinrich Sonsalla. "Volkswirtschaftliche Schizophrenie", fällt Dr. Martin Schmidt, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft MWG, ein ähnlich hartes Urteil. Dennoch: Auch Magdeburgs große Vermieter richten sich auf wachsenden Bedarf an preiswertem Wohnraum ein. Nicht mit Abriss-Stopp, aber mit der gezielten Bewahrung teil- oder unsanierter Wohnungsbestände.
Knapp 10000 Magdeburger (Kinder eingeschlossen) beziehen aktuell Sozialhilfe. Für die rund 4000 Haushalte, in denen sie leben, ist schon Normalität, was auf die potenziellen, neuen Empfänger des Arbeitslosengeldes II zukommt: Sie müssen sich gefallen lassen, dass das Sozialamt prüft, ob sie in "angemessenen" Verhältnissen wohnen. Schließlich zahlt die Stadt ihnen Miete und Heizkosten komplett.
Ab Januar 2005 wird sich die Zahl jener Magdeburger Haushalte, für deren Miete die Stadt (bei Zugaben vom Bund) aufkommen muss, enorm erhöhen - weit mehr als vervierfachen. Nach der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe werden - so schätzen Sozialdezernat und Arbeitsagentur aktuell - mindestens 18000 Magdeburger Haushalte mit etwa 35000 Menschen vom Arbeitslosengeld II leben. "Tendenz stark steigend", so die Sozialbeigeordnete Beate Bröcker. Aber sie verspricht: "Wir werden die Menschen nicht aus ihren Wohnungen vertreiben. Wir wollen keine Ghettoisierung und werden die Menschen nicht in Größenordnungen in unsanierten Plattenbauwohnungen unterbringen."
Doch den beruhigenden Willensbekundungen der Sozialbeigeordneten fehlt die Basis, nämlich die klare Antwort auf die Frage: Was ist angemessener Wohnraum für einen Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Magdeburg? Die Kommunen sollen selber regeln, was sie für angemessen erachten. Magdeburg hat noch nicht geregelt. Die Sozialbeigeordnete kündigte gestern an: "Bis Mitte August."
An den bereits gängigen Bemessungskriterien für Soziahilfeempfänger wolle sich die Stadt orientieren, aber Bröcker kündigt an: "Diese Richtlinien werden wir anpassen, die Ermessensspielräume vergrößern." Ihr Ziel: Eine Umzugswelle verhindern. Die Grenzen der städtischen Verhinderungskraft sind aber gesetzt: vom Haushaltsloch. Und: Sicherheitshalber hat das Sozialamt große Vermieter - Wobau und Genossenschaften - schon befragt, wie viel preiswerten Wohnraum sie in welchen Größen zu bieten haben.
Die Wobau hat 1000 leere Wohnungen in un- oder teilsanierten Häusern gemeldet. Sie stehen u. a. in den Gebieten Neustädter See, Neue Neustadt, Neu-Olvenstedt, Neustädter Feld, Kannenstieg, aber auch im Domviertel. Wobau-Chef Heinrich Sonsalla: "Genug preiswerten Wohnraum haben wir zu bieten. Wir halten bewusst teil- und unsanierte Bestände vor. Ein klassischer Fall sind zum Beispiel Wohnungen in 5. oder 6. Etagen, zu denen der Fahrstuhl fehlt. Aber das ist ansonsten vernünftiger Wohnraum Das sind ja keine Drecklöcher."
Die Wobau sehe sich "vor neue Herausforderungen in der Daseinsvorsorge" gestellt. Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum sei bereits im Vorgriff auf die Sozialreformen und in der Erwartung von Einkommensverlusten merklich gestiegen. "Wir haben es schon jetzt mit verunsicherten Mietern zu tun, die fragen, ob ihre Wohnung künftig angemessen sei oder nicht. Wir können die Frage nicht beantworten, weil die Bemessungsgrundlagen fehlen."
Im Angesicht der noch ungeregelten Wohnraumfrage für tausende potenziell Betroffene wird der Wobau-Chef ungehalten: "Die Politik hat vergessen, das Kleingedruckte zu regeln. Das ist schändlich." Und das stelle auch die Wobau vor Probleme: "Unsere Wohnungen liegen in ihrer Größe oft oberhalb der Bemessungsgrenze, die jetzt für Sozialhilfeempfänger gilt. Hier wollen wir Kompromisse aushandeln." Eine Ghettoisierung befürchtet Wobau-Chef Sonsalla nicht, wenngleich die Masse preiswerten Magdeburger Wohnraums in Großsiedlungen liege: "Aber da hat die soziale Entmischung bereits stattgefunden. Wer wollte die Siedlungen im Ergebnis als ,Ghettos' bezeichnen? Ich nicht." Neue sozialen Härten in der Mieterschaft hat die Wobau allerdings im Blick, und sie will Spannungen begegnen. Sonsalla: "Wir werden unser Betreuungspersonal aufstocken."

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03.08.2004
Wurzen: Grüne Lücken nach Stadtumbau Ost
Blühende Landschaften versprach Helmut Kohl, blühende Lücken verspricht Heike Pönicke, Geschäftsführerin der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft WGW. Für alle Flächen, auf denen Abrissbagger leerstehende Häuser entfernen, gäbe es Nachnutzungspläne.
"Es gibt schriftlich fixierte Vorstellungen, was mit den entstanden Lücken passieren soll", erklärt die Geschäftsführerin. Rasen sprießen lassen, mit Pflanzungen zum Entspannen locken, aber auch ein Verkauf der Flächen seien Optionen. Nach und nach würden die verschiedenen Zukunftspläne verwirklicht. "Das geht aber nur so, wie es die Mittel unseres Betriebshaushaltes zulassen", machtHeike Pönicke deutlich. Denn für die Neugestaltung fließe - im Gegensatz zum Abriss der Häuser - keine Förderung. Diese Gelder bezahle die Wohnungsgesellschaft. Teilweise könne der Wurzener die Erfolge jedoch schon sehen. Der mit Pflanzungen neu gestaltete Sperlingsberg und die Barbaragasse 9 wären positive Beispiele. Hier locken attraktive Pflanzungen und auch Bänke dazu, Rast zu halten. Mehr Grün wird es künftig auch in der Theodor-Uhlig-Straße geben. Auf der hier jüngst entstandenen Lücke soll Rasen wachsen. Dass einige Wurzener monieren, dass in manchen Lücken Unkraut wuchert, weiß die Geschäftsführerin. Doch sie versichert, dass die Bemühungen enorm sind, diesen Wildwuchs so gering wie möglich zu halten. "Richtig gestaltet werden die Baulücken in der Goethestraße aber erst, wenn wir hier mit dem Abriss fertig sind", macht Heike Pönicke klar, dass erst noch mehrere Häuser schwinden werden, ehe das Auge frohlockt. Doch nicht nur mit Grün ändert die Wohnungsgesellschaft das Wurzener Stadtbild. Denn dort, wo in der Marienstraße einst ein Haus stand, sollen künftig Autos parken. Der Platz komme vor allem dem Wurzener Sportverein ATSV zugute. Bis zum Jahresende soll diese Maßnahme beendet sein.

www.lvz-online.de

03.08.2004
Waltershausen: Plattenbau in moderne Einzelhäuser umgebaut
Am und im Plattenbau Clara-Zetkin-Straße 1-12, die von der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft Waltershausen sowie der Verwaltungs- und Baugesellschaft betrieben werden, ist in den letzten Tagen so richtig was los.
Unter bewohnten Bedingungen erfolgt hier ein Umbau des Plattenbaus. Im Segment der Baugesellschaft mit 48 Wohneinheiten werden seit einiger Zeit die zwei oberen Geschosse demontiert, während die unteren Wohnungen weiter belegt sind. Das mittlere Haussegment der Siedlungsgenossenschaft mit 48 Wohneinheiten wurde in der vergangenen Woche komplett abgerissen. Die Mieter hatten zuvor innerhalb eines Jahres eine neue und nach ihren Wünschen ausgestattete Wohnung erhalten. In den Hauseingängen 1-4 gehen zur Zeit die Sanierungsarbeiten weiter. Die Wohnungen in den unteren vier Etagen erhalten neue Fenster und Heizungen eingebaut.
Im Anschluss erfolgt auch hier der Rückbau der beiden oberen Etagen unter gleichzeitiger Nutzung der darunter liegenden Wohnungen. Der zweite Sanierungsabschnitt sieht dann die Erneuerung des Daches und der Fassade vor. Gleichzeitig werden große Balkone angebaut.Aus einer massiven sechsgeschossigen Hauszeile mit 144 Wohnungen gestalten die beiden Waltershäuser Wohnungsunternehmen zwei moderne Einzelhäuser mit jeweils 32 Wohnungen für ein niveauvolles Wohnen in Waltershausen-Ibenhain.

www.tlz.de

03.08.2004
Nordhausen: Kein Stopp für Abriss
Als Panikmache bezeichnete der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) gestern die Äußerungen, den begonnenen Stadtumbau zu überdenken. Die Verunsicherung hinsichtlich des künftigen Arbeitslosengeldes II sei so schon hoch genug bei den Betroffenen. Natürlich werde sich auch die WBG den neuen Bedingungen stellen, die Hartz IV mit sich bringt. Dies geschehe aber gemeinsam mit den Verantwortlichen im Landratsamt und in der Agentur für Arbeit, betonte die WBG.
Die Genossenschaft distanzierte sich eindeutig von der Meinung, das begonnene Rückbauprogramm in Nordhausen zu überdenken oder gar zu stoppen. Es werde mit der WGB keine "Ghettoisierung" in Nordhausen-Ost oder anderen Stadtteilen geben. Eher das Gegenteil werde der Fall sein. Besonders in "Ost" würden die Sanierungen weitergehen. Für das kommende Jahr seien erhebliche Mittel eingeplant, um den Standort attraktiver zu machen. Dazu gehöre aber neben der Sanierung der Conrad-Fromann-Straße 5 bis 10 auch der Abriss leer stehender Blöcke Am Roßmannsbach. "Gerade diese Symbiose tritt einer so genannten Ghetto-Bildung entgegen", so der Vorstand.
Weiterhin biete die WBG allen Stadträten und Kreistagsmitgliedern Gespräche an. Hier könne dargelegt werden, welche Ursachen für den Wohnungsleerstand in Nordhausen verantwortlich sind und dass die Lösung nicht in der Erhaltung von Wohnungsbeständen liegt, die nicht zukunftsträchtig sind. Der WBG-Vorstand gehe davon aus, dass es auch nach dem Auslaufen einer Übergangsregelung bei der Miet-Unterstützung Mitte 2005 keine Umzugswelle in Nordhausen geben wird. Es würden sich immer Kompromisse finden lassen. Hierzu hoffe man auf die schon seit einigen Jahren sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und der Agentur für Arbeit.
"Durch den besonnenen Umgang mit diesem schwierigen Thema und die Zusammenarbeit zwischen den Ämtern und der WBG soll sich auch in Zukunft an den guten Wohnbedingungen aller Genossenschaftsmitglieder nichts ändern", betonte der Vorstand.

www.thueringer-allgemeine.de