Newsticker Archiv August 2004
31.08.2004
Stadtumbau Ost treibt Wasserpreise hoch
Den Wasserwerken laufen die Kunden weg: Das Leitungsnetz
für Trinkwasser und die Abwasseranlagen in den neuen Ländern waren in den
vergangenen Jahren erst für 50 Milliarden Euro auf Vordermann gebracht worden,
teilte der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwerke (BGW) mit. Nach dem
Zusammenbruch der Industrie, dem Wegzug zehntausender Einwohner und dem
Spardrang der Verbraucher stelle sich nun ein Teil der Anlagen als
überdimensioniert heraus. Zapfte jeder Einwohner zu DDR-Zeiten noch 250 Liter
Trinkwasser am Tag, sind es inzwischen nur noch 80 bis 100 Liter. Jetzt treibt
auch noch der bis 2009 vorgesehene Abriss von 135000 Wohnungen im
Stadtumbauprogramm Ost die bestehenden Überkapazitäten in die Höhe. Bund, Länder
und Kommunen stellen dafür 2,7 Milliarden Euro zur Verfügungg. Allein in
Mecklenburg-Vorpommern sollen 30000 Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer fallen.
"Damit stehen die Unternehmen vor einem millionenteuren Rückbau eines Teils des
Versorgungsnetzes", sagte BGW-Sprecher Marian Rappl. Bislang sei aber nicht
geklärt, wer die Kosten trage. Während für den Abriss der leerstehenden Häuser
Beihilfen gezahlt werden, gingen die Versorgungsunternehmen leer aus. Auch der
Netz-Rückbau müsse gefördert werden, forderte Arp Fittschen von Städte- und
Gemeindetag MV.
Damit ist kaum zu rechnen. Das Rückbauprogramm für leerstehende Wohnungen sei
schon jetzt überzeichnet, teilte das Bauministerium mit. Es könne nicht Aufgabe
des Stadtumbaus sein, frühere Planungsfehler bei Ver- und Entsorgungsanlagen zu
korrigieren. Der Bund müsse andere Finanzquellen anzapfen. Ohne Förderung drohen
indes die Trinkwasserpreise zu explodieren. Preissteigerungen von bis zu 50
Prozent seien nicht auszuschließen, erklärte BGW-Vorstand Rainer Otto. Zwar
rechnen auch die Städte und Gemeinden mit "stetig steigenden Gebühren", meinte
Arp Fittschen. Allerdings würden vornehmlich höhere Umweltauflagen und weitere
Einsparungen beim Verbrauch die Kosten in die Höhe treiben. "Je mehr Wasser
gespart wird, je teurer wird der einzelne Liter." Das Ausmaß der
Kostensteigerung durch den Rückbau von Anlagen sei noch nicht abschätzbar. Die
vom BGW prognostizierte 50-prozentige Teuerung sei aber auf jeden Fall zu hoch
angesetzt, sagte Fittschen.
www.svz.de
29.08.2004
Kitscher: Finanzielle Anreize für Neumieter
289 Wohnungen in zwei- und dreigeschossigen Gebäuden
besitzt die TLG Immobilien in Kitzscher. Zehn Prozent der Wohnungen sind nicht
vermietet. Im Frühjahr 2004 startete das Unternehmen ein neues Marketingkonzept,
um dem Wohnungsleerstand den Kampf anzusagen.
"95 Prozent der Wohnungen in Kitzscher sind saniert. Doch schöne Wohnungen
allein locken keine Mieter", weiß die Pressesprecherin der Niederlassung Süd der
TGL, Edith Grether. "Das Wohnungsangebot im Südraum Leipzig ist groß. Wer seine
Mieter langfristig halten und Neumieter gewinnen will, muss mehr bieten:
Service, Flexibilität und individuelle Angebote", erörtert Grether.
Das Motto des neuen Auftritts ist schlicht: "Unser Zuhause." Als optisches
Signal fungiert ein Wabenkreis. "Die Bienenwabe haben wir gewählt, weil sie für
eine gute Nachbarschaft und ein gewinnbringendes Miteinander steht", wirbt die
Presseprecherin für das Konzept.
Um den Leerstand weiter zu verringern, gibt es spezielle Angebote. Sie heißen
"Sorgenfrei", "Füreinander", "Spielraum", "Friends" oder "Grünraum". Und sie
sind mit Rabatten kombiniert. So richtet sich zum Beispiel das Angebot
"Sorgenfrei" speziell an ältere Menschen, die unabhängig wohnen und trotzdem gut
betreut sein wollen. Ihnen werden komfortable Wohnungen in solchen Lagen
angeboten, die kurze Wege zu Einkaufsstätten, Ärzten, Apotheken und
Dienstleistern aufweisen. Damit verknüpft ist ein Bonus: Je nach Wunsch
erstattet der Vermieter die Telefongrundgebühren oder stellt ein
Hausnotrufsystem gratis zur Verfügung. Näheres ist übrigens am Donnerstag im
Seniorenclub im Haus des Kindes ab 14 Uhr zu erfahren. Auch das Angebot
"Spielraum" sei nicht zu verachten. Für ein Jahr bezahlen die Mieter keine
Grundmiete für das Kinderzimmer.
Beate Pescht von der Zweigstelle Leipzig der TGL, die Kitzscher betreut, ist mit
der Resonanz der Angebote zufrieden. So gab es mehrere Zuzüge. Exakt konnte sie
es jedoch nicht benennen. Konkret steht nur fest, dass allein das Angebot
"Spielraum" sieben Familien in Anspruch nahmen.
Neben Kitzscher umfasst der Bestand der TLG in Sachsen 3000 Wohnungen, davon im
Leipziger Land 850. Weitere Ankäufe, auch in Leipzig, sind ins Auge gefasst.
www.lvz-online.de
29.08.2004
Mecklenburg-Vorpommern: Wachsende Wohnungszahl und
hoher Leerstand im Nordosten
Durch den Schub beim Eigenheimbau ist der Wohnungsbestand
in Mecklenburg-Vorpommern angewachsen. Ende 2003 gab es im Nordosten fast 874
480 Wohnungen, knapp 5160 mehr als im Jahr davor, wie das Statistische Landesamt
am Dienstag in Schwerin mitteilte. Bedingt durch die angekündigte Streichung der
Eigenheimzulage stieg die Zahl der Einfamilienhäuser mit 1,7 Prozent auf mehr
als 239 800 am stärksten, gefolgt von den 89 250 Wohnungen in
Zweifamilienhäusern (+ 0,9 Prozent). Die Zahl der Wohnungen in
Mehrfamilienhäusern entsprach mit rund 527 500 etwa dem Vorjahresergebnis.
Seit der Gebäude- und Wohnungszählung 1995 hat sich die verfügbare Wohnfläche je
Einwohner von 29,8 Quadratmetern auf 36,4 Quadratmeter vergrößert. Im
Landesdurchschnitt betrug die Wohnfläche pro Wohnung 72,1 Quadratmeter. Den
größten Anteil am Wohnungsbestand hatten mit 35,3 Prozent die Vierraumwohnungen
mit Küche, gefolgt von den Dreiraumwohnungen mit 25,1 Prozent.
Mit fast zwölf Prozent fällt der Wohnungsleerstand in Mecklenburg-Vorpommern
deutlich höher aus als im früheren Bundesgebiet (6,7 Prozent). Der Anteil der
Ferienwohnungen im nordostdeutschen Urlaubsland liegt ebenfalls über dem
Durchschnitt der alten Länder.
de.news.yahoo.com
29.08.2004
Geithain: 26 Prozent Wohnungen leer: 650.000 Euro
Mietausfall
Rund 650.000 Euro Mieteinnahmen fehlen der Stadt 2004
durch Wohnungsleerstand. Den Umbau der Kindereinrichtung in Geithain-West muss
die Kommune komplett aus eigener Tasche bezahlen. Das sind zwei wesentliche
Änderungen, über die Kämmerin Jutta Eichler auf der vorgestrigen Ratssitzung
informierte.
Von den 600 kommunalen Wohnungen standen per 31. Juli 2004 insgesamt 155 leer.
Das sind 26 Prozent des Bestandes. Schwerpunkt ist das Wohngebiet Geithain-West
mit 126 leeren Wohnungen. Der Einnahmeausfall für die Stadt dürfte sich in
diesem Jahr auf rund 650.000 Euro belaufen, so die Kämmerin. Das sind 100.000
Euro mehr als im Vorjahr. Jutta Eichler: "Diese Mietausfälle sind Geld, das
nicht für Investitionen zur Verfügung steht."
Diese Entwicklung wird sich im Nachtragshaushalt der Stadt niederschlagen. Die
Verwaltung hat den Entwurf erstellt. Er liegt vom 1. bis 9. September zur
Einsichtnahme im Rathaus aus. Im September wird der Stadtrat über ihn befinden.
Weitere Einnahmeausfälle werden sich in dem Papier niederschlagen. So hat der
Kulturraum die Förderung für das Bürgerhaus um 8000 Euro reduziert. Die Stadt
wird ihren Zuschuss erhöhen müssen. 6200 Euro gehen an Narsdorf zurück nach
Abrechnung der Verwaltungsgeschäfte, die die Stadt für den Partner der
Verwaltungsgemeinschaft erledigt hat.
435.000 Euro für geplante Maßnahmen zur Beseitigung von Hochwasserschäden wurden
vom Aufbaustab nicht bestätigt. Was sehr weh tue, sei, dass die geplanten
Fördermittel zum Umbau der Kindereinrichtung Lessingstraße nicht kommen,
erklärte die Kämmerin.
www.lvz-online.de
28.08.2004
Das große Schulsterben in Ostdeutschland
Hatten Sie schon einmal den Wunsch, Eigentümer einer
Schule zu sein? Dann schlagen Sie zu: Das Mindestgebot für die Grundschule im
thüringischen Teichel beträgt bei einem renommierten Berliner Auktionshaus 15
000 Euro. Ein Spottpreis! 2003 schloss der Landkreis die Pforten dieser Schule:
zu wenig Kinder - der Betrieb könne deshalb nicht aufrechterhalten werden,
lautete die Begründung. Der Protest der Bürger blieb erfolglos. Jetzt werden die
Grundschüler mit einem Bus in den Nachbarort kutschiert.
Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, dass Schulen in Ostdeutschland unter den
Hammer kommen, auch nicht, dass sie weit unter Wert verkauft werden. Denn sowohl
die niedrige Geburtenrate als auch die große Zahl von Arbeitskräften, die aus
wirtschaftlichen Gründen gen Westen abwandern, zwingen immer mehr Kommunen, ihre
Schulen zu schließen: Seit dem Fall der Mauer sind mehr als 3000 Schulen allein
aus der ostdeutschen Bildungslandschaft verschwunden. Die Lage ist alarmierend,
denn vielerorts steht inzwischen die Unterrichtsversorgung auf dem Spiel.
Beispiel Brandenburg: "Wir verzeichnen die dramatischsten
Bevölkerungseinschnitte seit dem 30-Jährigen Krieg", sagt Bildungsminister
Steffen Reiche. Und: Der dramatische Geburtenrückgang nach der Wende sei nun in
den weiterführenden Schulen Brandenburgs angekommen - und treffe sie "mit voller
Wucht". Am Ende des vergangenen Schuljahrs schloss man in der Sekundarstufe I 29
Schulen, im Schuljahr 2004/05 werden an 76 Schulen erstmals keine 7. Klassen
mehr eingerichtet. An den weiterführenden Schulen des Landes verzeichnet man
einen Einbruch der Schülerzahlen von bis zu 60 Prozent. Um den Schulbetrieb
aufrechtzuerhalten und die Unterrichtsqualität zu sichern, hat das Land eine
Mindestgröße für diese Schulen festgelegt: Die Regelung besagt, dass zwei
Klassen mit je mindestens 20 Schüler erforderlich sind, um eine Jahrgangsstufe
aufrechtzuerhalten. An einigen Schulen ist die Schülerzahl jedoch schon jetzt zu
niedrig - trotzdem kann man sie nicht schließen, weil den Schülern sonst mehr
als eine Stunde Fahrtzeit mit dem Bus zugemutet werden müsste.
Überall im Osten werden Schulen geschlossen, in Thüringen wie in Sachsen. In
Sachsen-Anhalt ist die Lage am dramatischsten: Dort verschwand zwischen 1992 und
2002 fast jede zweite Schule. Bis zum Jahr 2010 erwartet man einen Rückgang der
Schülerzahl an den Gymnasien von 66 000 auf knapp 34 000. In
Mecklenburg-Vorpommern kündigte Bildungsminister Hans-Robert Metelmann
(parteilos) soeben an, Kinder in den ländlichen Räumen würden künftig vorwiegend
in großen Schulzentren und Gesamtschulen unterrichtet. Kleine Schulen seien
"pädagogisch problematisch, demografisch ohne Zukunft und teuer", so Metelmann
anlässlich der Vorstellung neuer Grundsätze zur Schulentwicklung des Landes.
Konsequenz solcher Entscheidungen ist jedoch, dass die Wege zur Schule erheblich
länger werden: Nach Berechnungen des Deutschen Philologenverbandes mutet
Brandenburg seinen Schülern die längsten in ganz Deutschland zu. Der
durchschnittliche Einzugsbereich für die märkische Grundschule betrage 65
Quadratkilometer. In Schleswig-Holstein sind es nur 32 Quadratkilometer.
Das Phänomen des Schulsterbens entwickelt sich analog zu den Prognosen für die
demografische Entwicklung in Deutschland, die kürzlich vom "Berlin-Institut für
Weltbevölkerung und globale Entwicklung" veröffentlicht wurden. Kernaussage der
Experten war, dass wirtschaftliches Wachstum nur noch dort stattfinden wird, wo
Menschen hinzuziehen. Für das Jahr 2020 fiel die Prognose insgesamt sehr düster
aus: Deutschland wird danach in weiten Teilen veröden, die Menschen ziehen in
die Ballungszentren, insbesondere in deren Speckgürtel, insgesamt aber geht die
Bevölkerungszahl deutlich zurück.
Längst weiß man also, dass die Folgen der demografischen Entwicklung auch im
Westen der Republik spürbar sein werden. Schulschließungen gibt es dort zwar
bislang nur wenige, die Anzahl der Schüler nimmt noch zu. Doch ab 2008 wird sie
drastisch sinken. "Das wird Schulschließungen nach sich ziehen", warnt
Heinz-Peter Meidinger, der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands.
Vor allem dürften die dünn besiedelten Regionen in Niedersachsen,
Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen davon betroffen sein. Meidinger sieht
die "soziale Chancengleichheit" gefährdet: "Wir dürfen unseren Kindern keine
Schulwege von zum Teil vierzig Kilometern und mehr zumuten."
Dem Vernehmen nach hat man in einigen Kultusministerien der alten Bundesländer
bereits Arbeitsgruppen eingerichtet, um Lösungsmodelle zu erarbeiten: Die Länder
stehen in der Pflicht, eine flächendeckende Unterrichtsversorgung zu
garantieren.
morgenpost.berlin1.de
28.08.2004
Die Geburtenrate im Osten hat sich halbiert
Deutsche Frauen gehören zu den am wenigsten
gebärfreudigen im internationalen Vergleich. Die durchschnittliche Zahl liegt
bundesweit bei 1,37 - was bei weitem nicht ausreicht, um die Bevölkerungszahl
stabil zu halten: Dafür wären 2,1 Kinder nötig. Deutlich sichtbar ist der
Unterschied zwischen den alten und den neuen Ländern. Während die
Geburtenentwicklung bis zum so genannten "Pillenknick" in den siebziger Jahren
praktisch parallel verlief, pendelte sich die Geburtenrate danach im Westen bei
rund 1,4 ein. Im Osten stieg sie dagegen vorübergehend durch eine auf
Familienförderung ausgelegte Politik auf höhere Werte an, die sich aber nach der
Maueröffnung praktisch über Nacht halbierten. 2001 lag die Kinderzahl je Frau in
den östlichen Bundesländern mit 1,20 deutlich unter dem Wert im Westen (1,41).
morgenpost.berlin1.de
26.08.2004
Apolda: Eine Straße verschwindet
Zwei große Blocks, acht Aufgänge, fünf Stockwerke, 135 Wohnungen.
- Wenn im nächsten Jahr die ersten Plattenbauten an der Paul-Schneider-Straße
abgerissen werden, ist das der Anfang vom Ende eines ganzen Straßenzugs.
Zuerst werden die Blöcke an der Paul-Schneider-Straße 112 bis 132 abgerissen.
Das sind die nebeneinander liegenden Bauten, die parallel zur Bundesstraße 87
den nördlichen Abschluss der Stadt Apolda bilden. 135 Wohnungen werden dabei
"zurückgebaut", wie der Fachmann sagt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine
künstliche Verknappung von Wohnraum. Immerhin: Allein bei der
Wohnungsgesellschaft Apolda, denen die Blöcke gehören, stehen bald 600 Wohnungen
leer. Und das kostet richtig Geld, bestätigte WGA-Geschäftsführer Hartmut
Kirsten. Die Häuser wurden nach und nach leergezogen - die Mieter erhielten
verschiedene Angebote in anderen Objekten. Und nicht nur besonders gut sanierte,
wie Kirsten betonte. Selbst ein Umzugsservice wurde den Mietern dabei geboten,
um ihnen den Umzug schmackhaft zu machen.
So will es die WGA auch weiter handhaben. Denn den ersten Blöcken wird bald die
zweite Reihe folgen. Nach dem bisherigen Stand der Planungen bleiben nur das
Seniorenheim, der gegenüberliegende Block und die Blöcke stehen, die den ganzen
Komplex Paul-Schneider-Straße im Osten und im Süden begrenzen.
Damit nicht genug: Auch im zweiten Neubaugebiet, dem Areal zwischen Buttstädter
Straße, Stegmannstraße und Ernst-Thälmann-Ring soll aufgeräumt werden. So wird
ein kompletter Block in der Leutloffstraße quasi herausgenommen werden, um die
Bebauungsdichte zu verringern und so die Lebensqualität in Apolda-Nord zu
erhöhen. Insgesamt werden so 355 Wohnungen abgerissen. Grund zur Panik besteht
allerdings nicht. Die Zeitschiene, in der gebaut wird, erstreckt sich über fünf
Jahre. Kirsten sicherte zu, die betreffenden Mieter ausreichend vorher zu
informieren und ihnen auch ausreichend Alternativen anzubieten.
Die Kosten für den Abriss bleiben nicht bei der Wohnungsgesellschaft hängen. Sie
erhofft sich dabei eine Menge Fördermittel durch das Programm "Stadtumbau Ost",
das solche und ähnliche Maßnahmen zur Erhöhung der Lebensqualität unterstützt.
Zudem hilft ihnen der Rückbau beim Abtragen der Altschulden für die
Plattenbauten.
Mit dem Abriss der Paul-Schneider-Straße ergeben sich auch völlig neue
Möglichkeiten für die Stadtplaner in diesem Areal. Die mit dem Abriss verbundene
Verkleinerung der Stadt von außen nach innen ist gewollt. Gleichzeitig wird die
so genannte Bahnhofsvorstadt als neues Sanierungsgebiet aufgewertet . Auch dort
will die Wohnungsgesellschaft punktuell Gebäude "herausnehmen", beispielsweise
an der Bernhardstraße.
www.thueringer-allgemeine.de
26.08.2004
Eberswalde: Stadtumbau als Gratwanderung
Auch Eberswalde muss sich entscheiden. Im Rathaus brüten
Baudezernent Gunther Prüger und der Amtsleiter Stadtplanung, Ulf Gerlach, über
Karten mit vielen farbigen Markierungen. "Diese Häuser sollen weg", kommentiert
Prüger. Im Zentrum liegen sie verstreut über das ganze Gebiet, auch Eckhäuser
sind dabei, aber fast immer nur Einzelgebäude. "Wenn der Rekonstruktionsaufwand
zu hoch ist, müssen wir abreißen", meint der Baupolitiker. "Oft können die
Eigentümer die Maßnahmen nicht stemmen." Und doch wird die Perforation Löcher
reißen, die mit ähnlich qualitätvoller Architektur nie wieder zu stopfen sind.
Eine qualvolle, immer wieder neu zu überdenkende Abwägung. Denn auch das gilt:
"Wo saniert wird," so Prüger, "da ziehen die Leute hin."
Anders sieht die Planung für das "Brandenburgische Viertel" aus. In dem
Plattenbaugebiet sind ganze Blocks markiert. "Da haben wir Leerstand. Die ersten
Blöcke sind schon weg. Nur die ältesten Bauabschnitte funktionieren."
Es geht um die Entscheidungsfrage: Schrumpfen von außen nach innen oder
"Perforation". Von außen nach innen heißt: Rückbau der Plattenbauten.
Perforation bedeutet: Ausdünnung der Innenstadt. Für Eberswalde eine
Gratwanderung. Denn die exakt 750 Jahre alte Industriestadt eine Autostunde vor
den Toren Berlins, zu Kaisers Zeiten "Neustadt-Eberswalde" geheißen und
wichtigster Forststandort Preußens, hat dieselben Probleme wie fast alle Städte
im Osten: Nach dem Wegbrechen der Industrie wandern auch die Bewohner ab.
Die beiden Alternativen stellen die brandenburgische Stadt mit jetzt noch 44 000
Einwohnern (1989: 53 000) vor ein Dilemma. Eberswalde ist 14 Kilometer lang,
gewachsen entlang dem schon im 17. Jahrhundert vorausschauend angelegten
Finowkanal, eine Bandstadt mit vielen städtebaulichen Eigenheiten.
www.welt.de
24.08.2004
Eisenhüttenstadt: Denkmal kratzt an der Substanz
Die Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft steht an einem
Scheidepunkt. Nach Aussagen ihrer Geschäftsführerin Simone Irmer kann die
bisherige Praxis bei der Denkmalsanierung nicht fortgesetzt werden. Nicht ein
saniertes Denkmal-Objekt der Gewi arbeitet wirtschaftlich. Der Vermieter muss
aus anderen Mieten für Zins- und Tilgung zuschießen. "Damit muss Schluss sein,
sonst geht das Unternehmen unter", sagt Simone Irmer. Der Denkmalschutz bleibt
stur.
Die Begeisterung für das größte zusammenhängende Flächendenkmal in Deutschland
hält sich bei Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer in Grenzen. Sie ist mittendrin
statt nur dabei und genau das ist das Problem. Während sich der Mitbewerber auf
dem Wohnungsmarkt, die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG), in
der Tatsache sonnt, fast die Hälfte des Bestandes modernisiert zu haben, droht
der Gewi der Untergang durch die Sanierung ihrer denkmalgeschützten Objekte.
Bis zu 45 Prozent Mehrkosten im Vergleich zu "normalen" Bauten im V. oder VI.
Wohnkomplex muss die Gewi für die Bauten im stalinistischen Stil aufbringen.
"Der Baukörper der 50er Jahre ist sehr groß und die Wohnflächen sind im
Vergleich der Räume um 15 bis 30 Prozent größer. Dies betrifft auch die Größe
der Hauseingangsbereiche, der Treppenflure, die Fensteranzahl, die Länge der
Leitungsführungen, die Fassadenfläche... Im Vergleich entstehen hier Mehrkosten
von bis zu 30 Prozent", rechnet Simone Irmer vor.
Die Mehrkosten für die Denkmalpflege allein beziffert Simone Irmer auf etwa 15
Prozent. Nur wenige Faktoren sind da zu beeinflussen, und wenn, dann nur mit dem
Segen der Denkmalschützer. Doch die verschanzen sich hinter ihren Gesetzen. Um
aber Darlehen für die Sanierung zu bekommen, sind eine Baukostenoptimierung und
vor allem die Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit nach der Sanierung
erforderlich. Aber keine freie Bank finanziert nach Aussage von Simone Irmer in
die Denkmalsanierung. Ohne die bisherige Unterstützung des Ministeriums und der
Landesinvestitionsbank (ILB) mit Förderdarlehen wäre noch nicht ein Gebäude
fertig gestellt. Die bisherige Sanierung von 2300 Wohnungen erfolgte fast
ausschließlich über Förderdarlehen. Diese sind zinsverbilligt, die
Zinsverbilligung wird durch eine niedrigere Miete an die Mieter weitergereicht.
Die Baukosten liegen wegen des Baukörpers an sich und vor allem wegen der
Mehrkosten für die Denkmalsanierung weit über denen der restlichen Wohnkomplexe.
www.moz.de
24.08.2004
Schwedt: Der i-Punkt fürs Wohngebiet
Das Bild vom erneuerten Külzviertel rundet sich mehr und
mehr. Die Bewohner haben die Baustrapazen überstanden und fühlen sich wohl in
sanierten Wohnungen. Doch für manche Mieter hat die Lärmbelästigung noch kein
Ende, weil in diesen Tagen die Innenhofgestaltung Formen annimmt. Pflastersteine
werden geschnitten und verlegt, Bagger nehmen Kies und Erde auf und
transportieren sie an Ort und Stelle. Die Herbstbepflanzung wird vorbereitet.
Schon werfen neue Baumaßnahmen ihre Schatten voraus: Ab nächstem Jahr soll die
Straße Dr.-Wilhelm-Külz-Viertel rekonstruiert werden.
Die Straßenerneuerung ist bitter notwendig. Schlaglöcher entlang der
Sportplatzfront sind schon seit Jahren eine Gefahr für den Fahrzeugverkehr. Auch
die Gehwege weisen durchgängig Schäden auf und sind eine Stolperfalle. Eine
Neugestaltung der Verkehrsanlagen wäre für die fast abgeschlossene Sanierung des
Wohngebietes der i-Punkt. Die Schwedter Stadtverordneten wollen dazu demnächst
einen Baubeschluss fassen.
Dass das Külzviertel vorzeigbar ist und die Erfahrungen im Stadtumbau es wert
sind, weiter gegeben zu werden, hat sich deutschlandweit herumgesprochen. Nicht
nur Architekten, Staatssekretäre und Minister haben sich dort informiert. Am
Mittwoch besichtigen Vertreter der Wohnungswirtschaft Fürstenwalde den
erneuerten Wohnkomplex. Geführt werden sie dabei von Bürgermeister Peter Schauer
und den Geschäftsführern der Wohnbauten GmbH.
Das Geschaffene kann sich sehen und hören lassen. Die erste
Informationsveranstaltung für die Mieter über das geplante Großbau-Vorhaben hat
im Dezember 2001 stattgefunden. Im Juni 2004 hat die Wohnbauten GmbH gemeinsam
mit den Mietern ein Einweihungsfest gefeiert.
Von 507 einstmals bestehenden Wohnungen haben vorwiegend regionale
Bauunternehmen 240 saniert und 78 weitere komplett umgebaut. 178 Wohnungen sind
abgerissen und 22 Wohnungen neu gebaut worden.
www.moz.de
21.08.2004
Sondershausen: Trotz Hartz IV: Wohnungsabriss geht
weiter
Trotz der Diskussion über Hartz IV und angemessenen
Wohnraum für Betroffene wird in Sondershausen am Rückbau leer stehender
Wohnungen festgehalten.
So geht die Wohnungsbaugenossenschaft "Fortschritt" in der nächsten Woche dem
Wohnblock Straße der Freundschaft 23 bis 26 im Sondershäuser Wohngebiet
Hasenholz/Östertal zu Leibe. Wie Vorstandsvorsitzender Heinz Nöll gegenüber TA
sagte, steht der Sechsgeschosser ohne Fahrstuhl seit 1. April leer, werden mit
dem Abriss 48 Wohnungen mit einer Fläche von zusammen 3000 Quadratmeter
verschwinden.Nach dem Stadtentwicklungskonzept sollen allein im Hasenholz/Östertal
674 leer stehende Wohnungen rückgebaut werden, in ganz Sondershausen bis zum
Jahre 2010 über 1000 Wohnungen. Bereits im Januar wurden im Hasenholz zwei
Plattenbauten mit insgesamt 80 Wohnungen abgerissen (TA berichtete). Nöll sieht
zum Abriss der Straße der Freundschaft 23 bis 26 auch keine Alternative: Der
zunehmende Leerstand bescherte seiner Genossenschaft allein in diesem Fall fast
80 000 Euro Mietausfall im Jahr, zudem 22 400 Euro Betriebskosten. Denn auch
verwaiste Wohnungen kosten den Vermietern Geld. Laut Eckhard Wehmeier von der
Wippertal-Wohnungsbaugesellschaft müssen Versicherungen, Heizkosten im Winter
und Grundsteuer weiter gezahlt werden. Der Geschäftsführer gibt allein für sein
Unternehmen einen Wohnungsleerstand von 14 Prozent an. Deshalb sollte der
Rückbau in Sondershausen nach seiner Meinung auch nicht gestoppt werden. Auch
nicht angesichts der Befürchtung, künftige Bezieher von Arbeitslosengeld II
müssten wegen unangemessenen Wohnraums womöglich in unsanierte Plattenbauten
umziehen: "Das kann nicht die Zukunft sein", so Wehmeier, die Betroffenen in
Ofenheizungs-Wohnungen einzuquartieren. Wolfgang Menzel, der Vorsitzende der
Wohnungsbaugenossenschaft "Glückauf", hält ebenfalls nichts von einem Stopp der
Rückbau-Pläne in Sondershausen wegen Hartz IV. Die dienten dazu, den Markt zu
bereinigen.
www.thueringer-allgemeine.de
21.08.2004
Rostock: Wohnungsleerstand ist in Groß Klein am
höchsten
Hinsichtlich des Wohnungsleerstandes führt Groß Klein im
Nordwesten: "24,6 Prozent der Wohnungen sind ungenutzt", weiß Hartmut Felske,
Sachgebietsleiter Wohnungsaufsicht. Diese grundsätzlichen Entwicklungen gehen
nicht spurlos an den verschiedenen Unternehmen vorbei: "Im Dezember 2002 standen
im Blockmacherring 43 bis 49 insgesamt 43 Prozent der Wohnungen leer", sagt
Unions-Pressesprecherin Ulla Münch. Im Dezember 2003 kletterte die Zahl auf 57,
inzwischen sind es 68 Prozent. Das Wohnungsunternehmen plant, das Haus komplett
leerzuziehen. Die Mieter wurden auf einer Versammlung und per Brief über die
Maßnahme informiert.
"Wirtschaftliche Gründe haben uns veranlasst. Die umlagefähigen Betriebskosten
wie Heizung, Warm- und Kaltwasser, Pflege der Außenanlagen, Versicherung,
Grundsteuer von den Leerwohnungen tragen wir als Unternehmen", so Ulla Münch.
Für die betroffenen Bewohner wurde nach Alternativen gesucht. Wenn sie innerhalb
der Union wechseln, schafft die Union Anreize wie die Übernahme der Umzugskosten
bis zu 1000 Euro. Damit soll dieser Schritt erleichtert werden. Für den
Blockmacherring 43 bis 49 hat die WG Union eine Abrissgenehmigung. "Ob und wann
der Rückbau erfolgt, kann noch nicht gesagt werden. Das ist auch eine Frage der
Kosten."
www.svz.de
19.08.2004
Dessau: Gesundschrumpfen oder Durchlöchern
Es ist die Gretchenfrage der Stadtplanung im Jahr 2004
schlechthin: Schrumpfen - aber wie? Im Poker um die Zukunft der Städte in Zeiten
dramatischen Bevölkerungsrückgangs, millionenfachen Wohnungsleerstands,
überalterter technischer Infrastrukturnetze und unübersichtlicher,
uneinheitlicher Wohnwünsche entscheiden Stadtverordnetenbeschlüsse über Abriss
und Weiterbau nicht mehr nur über die Zukunft von Standorten, sondern des
Städtischen überhaupt. Es ist ein Poker um Immobilien im Wert von Milliarden.
Eine Grundeinsicht der Planung für die schrumpfende Gesellschaft lautet: Die
Bewohner können nicht zweimal verteilt werden. Jeder sanierte Plattenbau kostet
fünf bis zehn Altstadthäuser das Leben, denn Mieter können von nirgend woher
mehr abgeworben werden. Umgekehrt besiegelt die Sanierung der Altstädte das
Schicksal der Großsiedlungen. Viele Stadtväter vertrauen noch auf einen
Mittelweg. Aber Kompromisse sind fragwürdig, weil sie die im Standortwettbewerb
existenzwichtigen Qualitäten des Städtischen verunklaren und nivellieren.
Ein Beispiel auf der Grenze zwischen "kontrollierter Schrumpfung" und faulem
Kompromiss bildet die Stadt Dessau. Das Dessauer Bauhaus, einst weltweit
beachtete Ausbildungswerkstatt der städtebaulichen Avantgarde, kann sich von
seinen 80 Jahre alten Denkmustern nicht lösen. Jetzt propagiert es die "fragmentierte
Stadt" - in Opposition zu der bis in die Planungsstäbe der Uno vorgedrungene
Städtebauphilosophie der "kompakten europäischen Stadt", also eines
Siedlungsmusters, das als "nachhaltig" und "zukunftsweisend" gilt.
Während deutsche Architekten und Planer wie Albert Speer (Frankfurt/Main) und
Meinhard v. Gerkan (Hamburg) in China Siedlungen dieses Typs entwerfen, lädt das
Bauhaus 18 Studierende der Tongij Universität Shanghai zu einer
Gegenveranstaltung ein. Vom 23. August bis zum 10.September sollen sie in einem
internationalen "summer lab" unter dem Titel "Freilegungen/Excavations" lernen,
wie sich "durch die alleinige Anwendung des Stadtumbauwerkzeugs Subtraktion neue
räumliche Qualitäten herausarbeiten lassen".
Ganz so neu ist das alles gar nicht, denn es wurde bereits vor 80 Jahren von den
Bauhausmeistern praktiziert und als Strategie nicht etwa des Städtebaus, sondern
der Stadtauflösung eingesetzt. Heute gilt diese Planungsweise als
anachronistisch, weil sie unbezahlbare Siedlungsstrukturen hervorbringt. Nicht
zuletzt aus diesem Grund lautet die Leitidee für den Stadtumbau: "Schrumpfung
von außen nach innen". Das Bauhaus, das zugleich die IBA-Stadtumbau 2010
Sachsen-Anhalt berät, setzt demgegenüber auf einen vermeintlich "neuen Typ des
Städtischen: eine fragmentierte Stadt, deren Elemente wie Inseln in heterogene
Brachflächen eingebettet sind".
Die Frage ist freilich, ob es dazu noch eines Seminars bedarf, denn dieser
Siedlungstyp heißt andernorts "Sprawl", "Suburbia", "Zwischenstadt" oder - auf
gut Deutsch - Siedlungsbrei und existiert bereits. Er hat zu hemmungslosem
Landschaftsverbrauch, Ressourcenvergeudung, ausufernden Netzen von technischer
Infrastruktur und horrenden Verkehrslasten geführt. Deshalb soll er nach
verbreiteter Ansicht im Zuge des Stadtumbaus nicht noch ausgeweitet, sondern
systematisch "eingedampft" werden. Diesen Prozess planerisch zu begleiten,
könnte in der Tat die Aufgabe von Seminaren und im Sinne einer IBA
zukunftsweisend sein.
www.welt.de
18.08.2004
Halle: HWG will neue Mieter auf die Silberhöhe
locken
Zuerst hatte die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) selbst
einen Umzugswagen bestellt - nicht für sich, sondern für künftige neue Mieter.
Mitten auf dem Hallmarkt stand am Dienstagmittag das Gefährt: als Werbeträger
für eine neue Aktion des Großvermieters. Geht es nach dem, werden schon bald
viele Umzugswagen zur Silberhöhe rollen.
"Ende August beginnt dort unsere Aktion, Umzug inklusive'", so Geschäftsführer
Heinrich Wahlen. Neumietern, die sich für eine HWG-Wohnung auf der Silberhöhe
entscheiden, will die HWG künftig entweder eine Umzugsfirma bezahlen oder ihnen
einen Teil der Umzugskosten erstatten. Ziel sei es, den Wohnungsleerstand in dem
Plattenbaugebiet zu senken. "Die HWG hat auf der Silberhöhe derzeit 3 500
Wohnungen, von denen 25 Prozent leer stehen", so Wahlen. Zur Kampagne für die
Silberhöhe gehört auch die Eröffnung eines "Mieterladens" in der Jessener Straße
36 am 27. August - dort sollen künftig Wohnungsinteressenten und Altmieter
beraten werden.
Vorbild für die Werbeaktion sind die Bemühungen um die Wiederbelebung des
halleschen Plattenbauviertels Heide-Nord. "Dort konnten wir mit Marketing und
neuem Vermietungskonzept den Leerstand in den letzten Monaten von 23 auf 13
Prozent senken", sagte Wahlen. Auch für den HWG-Wohnungsbestand in der Südstadt
plane man nun Ähnliches wie auf der Silberhöhe: Dort sollen die neuen
Umzugsanreize ab Jahresende gelten.
www.mz-web.de
18.08.2004
Leipzig: Haus & Grund fordert mehr Stadtumbau
Der Verband Haus & Grund hat an die Verantwortlichen im
Rathaus appelliert, "alle Kraft und Mittel auf die Umsetzung des
Stadtumbauprogrammes und die Reduzierung des Leerstandes zu richten". In
jüngster Zeit habe die Kommune dieses Thema aus dem Blick verloren, warnte
Verbandschefin Ingrid Winter. "So wird durch die LWB als Tochtergesellschaft der
Stadt verkündet, dass unsanierte Plattenbauten nicht wie vorgesehen abgerissen,
sondern preiswert vermietet werden sollen. Sollte der LWB entgangen sein, dass
der größte Teil der Wohnungen bereits auf oder sogar unterhalb des Preisniveaus
von Sozialmieten liegt?", fragt sie in einer Erklärung rhetorisch.
Bedenklich seien auch die Pläne der Kommune für den Lindenauer Hafen. "Durch
Neubauten an diesem lukrativen Standort würden nur wieder Mieter aus anderen
Teilen der Stadt abwandern, was dort zur Verschärfung der Problemlage führt", so
Ingrid Winter. In ihrem Verband gebe es etliche Eigentümer von Mietshäusern, die
wegen hoher Leerstände um ihre wirtschaftliche Existenz ringen müssen. "Ist es
bei knapper Kasse, Haushaltssperre, Personalabbau in der Stadtverwaltung,
Schließungen von Schwimmhallen, Bibliotheken und Kindergärten überhaupt
wirtschaftlich und moralisch vertretbar, erhebliche Finanzmittel für ein solches
Projekt wie in Lindenau auszugeben?", so die Chefin des Verbandes mir rund 1000
Mitgliedern.
www.lvz-online.de
16.08.2004
Chemnitz: Rückbau von Wohnungen macht Heckert
platt
Das Heckertgebiet wird ausgedünnt. Schon wieder sind zwei
Platten platt. Die Abrissbagger haben ganze Arbeit ge- leistet. Von den
Elfgeschossern in der Wolgograder Allee blieb nur ein Haufen Bauschutt übrig.
„Wir haben in diesem Jahr 500 Wohnungen durch Rückbau vom Markt genommen“, sagt
Klaus Peter, Chef der 2001 gegründeten Stadtumbau GmbH, in der die GGG und fünf
weitere Wohnungsgenossenschaften vertreten sind. Weitere 1000 Wohnungen sollen
bis Anfang 2005 unter die Abrissbirne. Peter: „Betroffen sind vor allem die
Stadtteile Hutholz, Markersdorf und Am Flughafen. Hier haben wir bis zu 70
Prozent Leerstand.“Doch Alternativen für preiswertes Wohnen bleiben: In der
Scheffelstraße wurden von den Sechsgeschossern drei Stockwerke abgetragen, der
Rest modernisiert. In der Wilhelm-Firl-Straße entstand durch Grundrissänderungen
eine richtige Edelplatte - mit 292 statt 425 Wohnungen. Auch in der
Johannes-Dick-Straße wird derzeit saniert. Pro rückgebauten Quadratmeter gibt es
70 Euro Fördermittel aus dem Bund-Land-Programm für den Stadtumbau Ost.
Sachsenweit stehen 106 Millionen Euro bereit.
www.sz-online.de
15.08.2004
Weniger wird mehr
Die Prognosen sind niederschmetternd. Bleibt
die bisherige Abwanderungstendenz konstant, werden die neuen Bundesländer bis
2050 die Hälfte ihrer derzeitigen Bevölkerung verlieren. Als noch dramatischer
erweist sich dieses Globalszenario beim Blick auf einzelne Städte und Gemeinden.
Da werden vielfach bereits bis 2010 Verluste von einem Viertel der Bevölkerung
hochgerechnet – nach den bereits eingetretenen Rückgängen seit der
Wiedervereinigung. Auf De-Industrialisierung folgt De-Urbanisierung.
„Schrumpfende Städte“, lautet das griffige Schlagwort. Noch verbreitet es Angst,
statt als Ansporn zu städtebaulichem Aufschwung verstanden zu werden.
Über eine Million Wohnungen im Osten stehen leer. Bis einschließlich 2009 wollen
Bund, Länder und Gemeinden 2,7 Milliarden Euro für das Förderprogramm
„Stadtumbau Ost“ bereitstellen. Die paritätische Verteilung der Mittel auf
Instandsetzung und Abriss lässt sich schon jetzt nicht mehr einhalten: Die
Beseitigung von jährlich 45 000 Wohneinheiten kommt teurer als gedacht. Und
dieser unumgängliche Abriss beschränkt sich durchaus nicht auf unsanierte
Altsubstanz. Mittlerweile müssen selbst aufwändig auf West-Standard gebrachte
Plattenbauten abgestoßen werden.
Doch über das deprimierende Abrissprogramm hinaus mehren sich Zeichen des
Umsteuerns. Stadtväter beginnen, das Schrumpfen ihrer Kommunen als Chance zu
begreifen. Das rasante Wachstum im Zuge der Industrialisierung hat vormals
lebendige Zentren urbaner Kultur zu monofunktionalen Produktionsstätten
verschandelt. Allerorten kündeten normierte Plattenbauten vom Sieg der
industriellen Fertigbauweise – über den Wunsch nach individueller Lebensweise,
aber auch über gestaltete Architektur. Hier liegt die Chance des Schrumpfens:
dass die Städte und Gemeinden ihr unverwechselbares Gepräge zurückgewinnen. Sie
können mit anspruchsvollen Neubauten – vor allem der öffentlichen Hand –
beweisen, dass ihre Zukunft nicht bloß in nostalgisch verklärter Rückschau auf
eine schöne Vergangenheit liegt. Sondern dass eine lebenswerte Gegenwart – eine,
die Menschen Perspektiven fürs Dableiben eröffnet – aus der Verbindung der
Bewahrung von historischem Erbe mit den besten Leistungen des Heute besteht.
Gute Architektur allein kann die Probleme der schrumpfenden Stadt nicht lösen.
Sie taugt noch nicht einmal als Wundpflaster für politische Ratlosigkeit. Doch
eingebettet in eine realistische Perspektive angesichts der abnehmenden
Bevölkerung Deutschlands kann gute Architektur enorm viel für ein positives
Selbstbild der Kommunen leisten. Im Osten ist’s zu sehen – wenn man nur genau
hinschaut.
www.tagesspiegel.de
14.08.2004
Dessau: Auf dem Weg zu neuen Strategien - Ziel: Hohe Qualität für wenig Geld
Die Forderung kommt der Quadratur des Kreises nahe:
"Wir wollen eine hohe Qualität, die nicht allzu viel kosten darf und in der
Unterhaltung gegen Null geht." Dieser Satz, formuliert von Dessaus Baudezernent
Karl Gröger, gilt als neue Maxime des Dessauer Stadtumbaus, wie sie jetzt auf
einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.
Sie ist - auch wenn das offiziell bestritten wird - eine Abkehr von bisherigen
Strategien. Die bestanden darin, aufwendig zu illustrieren, wie hübsch Dessau
dort aussehen wird, wo die Stadt allmählich verschwindet, weil Häuser abgerissen
werden: Sportparks, Haine, Skatestrecken, sanfte Hügel, Spielplätze - die neue
Stadt wäre eine heitere geworden.
Inzwischen ist klar: so wird das nichts. Statt modellierter Schuttgärten gibt es
in den bisherigen Abrissgebieten lediglich platte Erde. Von den Geldern für den
Stadtumbau müsse mehr bereitgestellt werden für die Neugestaltung, hatte Gröger
gefordert. Magdeburg reagierte auf seine Weise - und stockte den Anteil für
Abriss weiter auf.
Inzwischen weiß man, dass mit Geld allein nicht alles zu richten sein wird.
Nicht mehr der große Wurf wird angestrebt, sondern die Möglichkeit, flexibel zu
reagieren. Dazu gehört für Gröger, sich auf die Potenziale der Stadt zu
besinnen.
Wie das gehen können, darauf haben sich Stadt und Bauhaus im Mai verständigt.
Eine "Planungswerkstatt Heidestraße Nord" soll helfen zu koordinieren, was
Bauhausdirektor Omar Akbar radikale Eingriffe nennt. Gröger und Akbar geben sich
euphorisch, reden von einem Modell für Deutschland, gar für die Welt.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nicht nur mit bisher meist
ausgeblendeten Fragen wie sozialer und kultureller Infrastruktur will man sich
beschäftigen, ein Umzugs- und Flächenmanagement entwickeln, man will auch gerne
Einzelpersonen, Vereinen, Firmen Flächen überlassen, damit sie die neu nutzen.
Ein Apothekergarten gehört bisher ebenso zu den Ideen wie ein Solarkraftwerk
oder Landwirtschaft zwischen den Stadtinseln. Gesammelt, bewertet, auf die
Machbarkeit überprüft werden sollen solche Ideen in der "Arbeitsgruppe 3 -
Paten".
Völlig irreal sind solche Projekte nicht - in New York kennt man die "community
gardens", Gemeinschaftsgärten, die Bewohner von Slums selbst hergerichtet haben.
Allerdings haben die sich in vielen Jahren und langsam entwickelt. In Dessau
soll das Agenda-Büro das notwendige Management übernehmen. Ein paar Mal hat man
sich schon im Schwabehaus getroffen. Im September sollen erste Ergebnisse
vorgelegt werden. Wozu New York Jahre brauchte, will Dessau in einigen Monaten
erledigt haben.
www.mz-web.de
14.08.2004
Nordrhein-Westfahlen: Abrissbirne kommt im Westen an
Wie ein Christo-Kunstwerk sieht die Oer-Erkenschwicker Innenstadt
aus: In der 30.000-Einwohner-Kommune im nördlichen Ruhrgebiet sind die
Hochhäuser im Zentrum verhüllt. Ihre oberen Stockwerke sollen abgerissen werden,
die Planen Staubwirbel verhindern. Solche Aktionen gibt es bisher nur im Osten,
in Plattenbausiedlungen. Oer-Erkenschwick nimmt als erste Kommune in
Nordrhein-Westfalen am Programm "Stadtumbau West" teil.
Von Abriss und dem Osten der Republik will in der Stadt aber niemand etwas
hören. "Nein, nein, wir bauen zurück", sagt Sprecher Peter Raudszus. Schließlich
würde ja keine Abrissbirne gebraucht, sondern schön sachte Etage für Etage
abgetragen, unter der Folie, so dass es niemand bemerke. Darauf könne die Stadt
stolz sein. "Aus abgewirtschafteten Hochhäusern werden schicke Wohnungen", sagt
Raudszus. In den 60er Jahren habe man Hochhäuser für schick gehalten, jetzt
müsse umgedacht werden.
Die Abrissbirne ist im Westen angekommen. "Das ist etwas sehr Neues", sagt
Mirjam Grothjahn vom nordrhein-westfälischen Städtebauministerium. Im Rahmen des
Städteumbaus West seien erstmalig Mittel für den Wohnungs-Rückbau eingeplant.
"Vor allem im nördlichen Ruhrgebiet ist das eine notwendige Maßnahme geworden",
sagt Grothjahn. Die Häuser an der Halluinstraße in Oer-Erkenschwick waren schon
kurz nach ihrer Fertigstellung Anfang der 70erJahre ein Flop. Sie sollten den
Bergarbeitern der Zeche Ewald dienen, aber mit deren Schließung verschwanden die
MieterInnen wieder. Seitdem wurden sie zu Sozialwohnungen, die zunehmend
verwahrlosten und leer standen. Seit Anfang August reißt die "Vestisch-Märkische
Wohnungsbaugesellschaft" die Stockwerke ab, 20 Millionen Euro kostet der
Rückbau. Von zwölf Geschossen in 36 Meter Höhe werden die Häuser auf sechs und
an anderen Stellen von acht auf drei Geschossen dezimiert. Bis Ende 2006 werden
34.000 Kubikmeter Raum abgetragen, 12.400 Quadratmeter Wohnfläche verschwinden.
Dorsten wird ein ähnliches Programm starten: Im Stadtteil Wulfen sollen 300
Wohnungen platt gemacht werden. Die "Neue Stadt Wulfen" war einst ein
städtebauliches Vorzeigeobjekt im Ruhrgebiet. Anfang der 60er Jahre sollte für
die Beschäftigten einer geplanten Schachtanlage und ihre Familien eine Siedlung
mit 60.000 BewohnerInnen entstehen. Doch die Krise des Bergbaus riss auch diese
Siedlung mit: Der Schacht wurde nicht gebaut, nur 20.000 Menschen lebten in der
Vorstadt, die Bevölkerung verarmte.Auch in Gelsenkirchen und Essen soll die
Abrrissbirne schwingen: Am Hauptbahnhof der Schalkestadt stehen Wohnungen seit
Jahren leer, Essen prüft gerade den Abriss von "problematischen Stadtteilen".
www.taz.de
13.08.2004
Wittenberge: Jeden dritten Einwohner hat die Kommune
an der Elbe verloren
Lars Erfert öffnet seine Bäckerei nur, um den
letzten verbliebenen Anwohnern einen Gefallen zu tun. „Die alten Leutchen
müssten ja sonst für ihre Brötchen bis in die Innenstadt laufen.“ Also hat die
Bäckerei Erfert in der Wittenberger Bergstraße jeden Morgen von sechs bis elf
Uhr geöffnet. Dann sind die Angestellten ohnehin im Laden, weil hinten die
Backöfen heiß laufen und sie die Ware für die Filialen in der Innenstadt
abpacken. Kein großer Aufwand, den Nachbarn ein paar Schrippen zu verkaufen.
In den Straßen rund um die Bäckerei herrscht Totenstille. Fensterhöhlen starren
schwarz, aus einigen Öffnungen wehen zerfledderte Gardinen. Die drei- und
vierstöckigen Backsteinhäuser bergen kein Leben mehr. Türen sind mit
Vorhängeschlössern gesichert, Fenster im Parterre mit Brettern vernagelt. Auf
dem Gehweg schießen Wildkräuter in die Höhe.
„Früher kamen hier jeden Morgen zehntausend Menschen vorbei“, erinnert sich Lars
Erfert. Der 35-Jährige weist über die Straßenkreuzung zu einer ehemaligen
Fabrik, in der ein Country-Club residiert. Wittenberge war eine Arbeiterstadt
mit Nähmaschinenwerk, Ölmühle, Zellstofffabrik und einem
Reichsbahnausbesserungswerk. Das Packhofviertel mit seinen Backsteinhäusern war
errichtet worden, als die Industrialisierung der Stadt an der Elbe zu Wohlstand
verhalf.
Heute sind alle Industrieanlagen stillgelegt. Die Arbeiter wurden frühverrentet,
entlassen. Die Arbeitslosen zogen nach Berlin oder in den Westen auf der Suche
nach Job und Einkommen. Die Jugendlichen gingen in die nächstgrößeren Städte auf
der Suche nach Ausbildungsplätzen. Deshalb hat Wittenberge jeden dritten
Einwohner verloren.
„Wenn man mit berechnet, dass die Stadtgrenzen neu zugeschnitten und Dörfer
eingemeindet wurden, hat die Stadt sogar jeden zweiten Einwohner verloren“,
rechnet Bäckermeister Lars Erfert vor. Die offizielle Statistik wird an dieser
Stelle ungenau. Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hatte Wittenberge
Ende 1989 genau 29 780 Einwohner, jetzt sind es noch 21 000. Wegen des
Neuzuschnitts der Gemeindegrenzen sind die Zahlen jedoch nicht vergleichbar.
Immerhin weiß das Bundesamt, dass Wittenberge mit einem Bevölkerungsschwund von
21,3 Prozent zwischen 1990 und 2000 doppelt so schlecht dasteht wie der
Durchschnitt Ostdeutschlands.
Eine schrumpfende Stadt, das bedeutet: Den Kindergärten fehlt es an Kindern. Den
Läden fehlt es an Käufern. Den Kinos an Besuchern. 3500 Wohnungen stehen leer.
„Mieter sind das Kostbarste, was es in den neuen Ländern gibt“, erklärt
Stadtplaner Wulf Eichstädt, der Wittenberge als eine der „größten
Verliererstädte“ sieht. Der Berliner Eichstädt hat ein Haus in der Innenstadt
von Wittenberge gekauft und für die vorbildliche Restaurierung einen Preis
bekommen. Der Kauf war ein Verlustgeschäft. Damit sich die Renovierungskosten
amortisieren, müsste Eichstädt pro Quadratmeter 8,50 Euro Miete bekommen.
Verlangen kann er sechs, Tendenz fallend.
Auch Frührentner Ralf Fritzsche machte ein schlechtes Geschäft. Im
Packhofviertel kaufte er 1999 ein Haus. Heute wäre die Immobilie preiswerter.
Rund um Fritzsches Wohnung stehen ganze Straßenzüge leer. Den 62-Jährigen ficht
das nicht an. „Wenn ich mich eine halbe Stunde vor die Tür setze, kann ich immer
jemand grüßen, wir kennen uns ja alle“, sagt der ehemalige Lokführer.
Doch die meisten Wohnungen sind verlassen. Wer in einem der maroden Altbauten
lebt, bleibt nur wegen der sehr günstigen Miete. Rund 22 Prozent der
Wittenberger sind arbeitslos, für sie zählt jeder Euro. Untypisch ist die
Verteilung der Leerstände. „Der Leerstand ist nicht in der Platte, sondern im
Altbau“, bedauert Stadtplaner Wulf Eichstädt. Die Plattenbauten in Wittenberge
wurden nach der Wende als erste renoviert. Die Mieter dort, das ergab eine
Umfrage des Berliner Sozialplanungsbüros Topos, sind mit ihren Wohnungen
zufrieden. Sie möchten nicht umziehen. Deshalb muss Eichstädt empfehlen, was ihm
nicht gefällt: den Abriss der stilvollen Gründerzeitbauten. Er riet dazu, das
Packhofviertel, „ein eher schlichtes Arbeiterviertel“, rigoros abzureißen sowie
im Jahnschulviertel, dem größten zusammenhängenden Gründerzeitviertel im
nördlichen Brandenburg, behutsam einige Bauten herauszunehmen.
Die Stadt Wittenberge will bis spätestens 2015 etwa 2400 Wohnungen abreißen. Die
ersten 200 sind schon „rückgebaut“. Bagger haben sich in die Wände gefressen und
sie Stück für Stück abgehoben, vorsichtig, damit die Nachbargebäude nicht
einstürzen. „Es gibt keine andere Lösung als den Abriss“, ist sich Lutz Eichler
von der IG Bau in Neuruppin sicher, zu dessen Bezirk auch Wittenberge zählt. Der
Gewerkschafter ist dankbar für jede Bautätigkeit. Ob Aufbau oder Abriss, ist da
egal. Er ärgert sich nur, dass Bauarbeiter aus Mecklenburg-Vorpommern, wo die
Beschäftigungslage noch schlechter ist, nach Brandenburg kommen und die Löhne
drücken: „Die arbeiten für den Mindestlohn von acht Stunden zehn Stunden am
Stück“, klagt Eichler.
Zwischen den heruntergekommenen Gründerzeithäusern klaffen jetzt Lücken. „Die
Stadt sollte mit den Anwohnern intelligente Konzepte entwickeln, wie sie sich
die Fläche aneignen können“, sagt Wulf Eichstädt. Rentner Ralf Fritzsche wollte
eine solche Fläche pachten, um einen Abstellplatz für sein Auto hinzustellen.
Doch die Stadt, erzählt er, habe abgelehnt. Begründung: Auf den Freiflächen
sollten Grünanlagen entstehen. „Du lieber Himmel, Grünanlagen, schauen Sie sich
das Unkraut doch mal an“, sagt Fritzsche und zeigt auf verwuchertes Brachland.
Auch Bäcker Lars Erfert wollte das Nachbargrundstück kaufen, um seine
Produktionsanlage zu erweitern. Er schimpft über die Bürokratie. „Ehe hier was
passiert, fließt viel Wasser den Berg runter.“
Die Wohnungsgesellschaft, Eigentümerin der meisten Häuser, muss den Abriss
bezahlen und tut sich schwer damit. Ihre Finanzlage sieht nicht rosig aus. Die
Kosten für den Abriss von einem Quadratmeter Wohnfläche liegen zwischen 110 und
230 Euro. Für die Wohnungsgesellschaft ist dies nur bezahlbar, wenn zu den
Eigenmitteln Städtebaufördermittel und Gelder aus dem Fonds vom „Stadtumbau Ost“
hinzukommen. Dafür wurden bundesweit für die Zeitspanne zwischen 2001 bis 2009
von Bund, Ländern und Kommunen 2,7 Milliarden Euro bereitgestellt.
Bei der Frage nach den Kosten des Abrisses sind auch die so genannten
„Altschulden“ mit zu berechnen. Mit dem deutsch-deutschen Einigungsvertrag
übernahmen die ostdeutschen Wohnungsgesellschaften pauschal 150 Mark
„Altschulden“ pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei vermieteten Wohnungen wäre diese
Zinslast tragbar. In Zeiten des Leerstands aber frisst der Schuldendienst die
Rücklagen auf. Mit dem Abriss von Wohnraum verringern sich auch die
DDR-Altschulden.
Für Torsten Diehn, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Wittenberge, stellt
sich die Frage, ob „es gelingt, den Wohnungsmarkt so zu gestalten, dass ein
Überleben der Vermieter mittel- bis langfristig gesichert ist“. Diesem Problem
werden sich indes nicht nur Vermieter in Wittenberge stellen müssen.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass im schlimmsten Fall im Jahr 2050 in
Ostdeutschland nur noch halb so viele Menschen leben wie 1998. Schlimmstenfalls:
wenn weiterhin wenig Kinder geboren werden, die Abwanderung anhält und keine
Westdeutschen oder Ausländer zuziehen. Als Verlierer dieser Entwicklung macht
das „Institut für Länderkunde“ in Leipzig die Klein- und Mittelstädte aus.
Großstädte bleiben attraktiv als Arbeitsräume, kleine Orte als Oasen der Ruhe.
Das Phänomen der schrumpfenden Städte wird aber nicht auf Ostdeutschland
beschränkt bleiben. Die gleiche demografische Entwicklung, die auch der
Rentenkasse Probleme bereitet, wird die Stadtbevölkerung in ganz Deutschland
zurückgehen lassen.
Manchmal aber regt sich auch im Packhofviertel etwas. In Häuser werden dann neue
Fenster eingebaut. Oder eine Bushaltestelle in den leeren Straßenzügen
errichtet. Wittenberges verbliebene Einwohner kennen das: Filmgesellschaften
haben den Ort als „Location“ für den Dreh mit Nachkriegsatmosphäre entdeckt.
www.merkur.de
13.08.2004
Oschatz: Sanierung nach historischem Vorbild
Am Glanz eines historischen Schmuckstücks wird weiter
kräftig poliert. Die Innensanierung der Gottesackerkirche geht in die Endphase.
Bei den Arbeiten legen die Stadt Oschatz als Bauherr und die
Landesdenkmalbehörde großen Wert auf den Erhalt historischer Elemente. Sorge
bereitet der Altar. Für die dringend notwendige Sanierung stehen keine Mittel
bereit. Eine S
Die über das Stadtumbau-Programm zu zwei Drittel geförderte und insgesamt
340.000 Euro teure Sanierung der Gottesackerkirche soll mit der Erneuerung des
Fußbodens im Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein. Jubisch: "Damit wird die
Nutzung der Kirche in den Wintermonaten wieder möglich sein. Das provisorische
Zelt, das bislang als Ausweich-Variante genutzt wurde, kann dann abgebaut
werden."
Ungewissheit besteht noch darüber, wie die Restaurierung des Altars finanziert
wird. "50.000 Euro werden dafür in etwa benötigt. Fördermittel gibt es nicht.
Vielleicht bringt uns ein Spendenaufruf weiter. Jeder Cent kann helfen", so
Jubisch.
www.lvz-online.de
12.08.2004
Inseln der Stabilität
Günter Herfert vom Leipziger Institut für Länderkunde hat
die Wanderungsbewegungen in Ostdeutschland wissenschaftlich unter die Lupe
genommen. In den ersten zehn Jahren nach der Wiedervereinigung von Ost und West
sah das Bild einfach aus: Bewohner der Großstädte wanderten in das ländliche
Umland ab.
Ende der 1990er Jahre änderte sich das Bild: Jetzt verloren auch die kleineren
Gemeinden Einwohner. Wohnen in der Großstadt hingegen wird wieder attraktiv,
weil viele Wohnungen modernisiert sind und die Mieten in den ostdeutschen
Großstädten ähnlich niedrig liegen wie im Umland.
Als Verlierer der Bevölkerungsentwicklung sieht der Leipziger Forscher die
deutschen Klein- und Mittelstädte mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern. Sie bieten
weder die Vorteile einer Großstadt noch die Abgeschiedenheit des idyllischen
„Wohnens auf dem Land“. Überlagert werden alle Wanderungsbewegungen von der
Migration von Ost nach West. Die Ostdeutschen gehen naturgemäß dorthin, wo es
Arbeitsplätze gibt. Stadtforscher Herfert kann nur einige „Inseln der
Stabilität“ erkennen: Lediglich Leipzig, Dresden, Erfurt und Jena verlieren nur
sehr wenige Einwohner in Richtung Westdeutschland.
www.merkur.de
12.08.2004
Lobenstein: Wohnungsleerstand erfordert Maßnahmen
Hoher Leerstand von Wohnungen und damit verbundene Mietausfälle
belasten auch die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft eG Lobenstein (AWG). Wie der
Vorsitzende der AWG, Reinhold Kuchler, unlängst berichtete, liege das nicht an
unzufriedenen Mietern, sondern am Wegzug dieser in Altbundesländer, weil dort
eher eine Arbeit zu finden ist und an dem demographischen Wandel.
In Zusammenwirken mit den Genossenschaftsmitgliedern sucht die AWG nach Wegen,
Verlusten entgegen zu wirken. So wurde mit Hausgemeinschaften ein Beschluss über
materielle Zuwendungen bei kleineren Verbesserungen und Verschönerungen gefasst,
die diese eigenverantwortlich treffen und auch ausführen. Inzwischen besitzen 70
Prozent der Häuser bzw. Hauseingänge besitzen inzwischen derartige
Vereinbarungen. Über 12 000 Euro wurden auf diese Weise schon bereit gestellt.
So wurden in der Karl-Marx-Straße Lobenstein Keller geputzt, im Langen Weg
Kellerfußböden gestrichen, in Wurzbach ein Gartenzaun errichtet, in Blankenstein
in der Straße des Friedens ein Wäschegerüst gebaut, Außenanlagen bepflanzt,
Malerarbeiten im Treppenhaus, Keller und Waschhaus im Neuen Weg ausgeführt. In
Blankenberg kam es zu Fliesenarbeiten in einem Waschhaus. "Nicht in allen
Häusern geht es ohne fremde Hilfe, aber wir wünschen uns Hausgemeinschaften, die
das Zusammenleben eigenverantwortlich organisieren und deren Handeln von
Zusammengehörigkeit und Mietverantwortung für die Genossenschaft geprägt ist",
betont Reinhold Kuchler diesen wichtigen Aspekt. Größere Vorhaben, wie z.
B. der Abriss eines Wohnblocks im Rosenweg Lobenstein, Balkonsanierungen
(Lobenstein), neue Eingangsbereiche in Wurzbach und sanierte Treppen und Zuwege
in Oßla, Geländer- und Briefkastenanlagen zählten zu den Investitionen im Jahr
2003.Guten Zuspruch hätten die Partywohnungen in Lobenstein, wo Mieter und
Interessierte Räumlichkeiten für Stunden und Tage nutzen können. Anfang dieses
Monats übergab die AWG in Lehesten Gewerberäume in einem neu gebauten Haus zur
Miete. In dem Gebäude in der Straße der Jugend sind außerdem alle neun
Wohneinheiten vergeben. Das sei ein weiterer Schritt zur Stabilisierung der
Genossenschaft und zur Stärkung des Standortes Lehesten, so der
geschäftsführende Vorstand, Rolf Dreßler, der sich mit dieser Tendenz im Trend
eines Ergebnisberichtes der Expertenkommission Wohnungsgenossenschaften sieht,
den Dr. Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, auch
der AWG in Lobenstein übergeben hat.Das Fazit in dem Bericht: "Um eine
Verschlechterung der sozialen Situation in Deutschland zu verhindern, müssen
neue Wege gefunden werden, die zu einer erheblichen Verringerung der staatlichen
Hilfen führen und auf mehr privatem Engagement aufbauen soll."
www.otz.de
12.08.2004
Schwerin: Dreesch gewinnt an Attraktivität
Der Stadtteil Großer Dreesch gewinnt an Attraktivität
unter den Schwerinern. Nach Angaben des Dreescher Stadtvertreters Daniel Meslien
stieg die Einwohnerzahl in dem Stadtteil seit Jahresbeginn leicht auf exakt 8847
an.„Nicht nur die sanierten Straßen und Häuser, die vielen Einkaufsmöglichkeiten
am Dreescher Markt, im Köpmarkt und in den Dreescher Arkaden machen diesen
Stadtteil so lebenswert. Auch die guten Bus- und Bahnanbindungen, die
kostenlosen Parkplätze, viel Grün und die Nähe zum Faulen See sorgen für ein
attraktives Wohnumfeld“, so Meslien. Dass der Dreesch bald wieder mehr als 9000
Bewohner hat, erscheine nicht unrealistisch. Die Vollsanierung der Häuser in der
Friedrich-Engels-Straße 3 bis 5 solle noch im August abgeschlossen sein. Im
Spätherbst folgten dann die Aufgänge 6 bis 8. „Hier entstehen Wohnungen mit
vergrößerten Balkonen und Wohnzimmern“, berichtet Meslien. Im Anschluss daran
werde die SWG weitere Häuser in der Schulenburg-Straße sanieren und einen
Innenhofblock vollständig zurückbauen. Die WGS wolle Ende des Jahres mit dem von
vielen Anwohnern gewünschten Abriss des Obdachlosenheims in der
Anne-Frank-Straße beginnen.„Von vielen mit Neugier beobachtet wird das ebenfalls
noch in diesem Jahr startende Projekt ,Eigenheime im Baugebiet Gartenstadt-Ost˜
an der Straßenbahnhaltestelle Ludwigsluster Chaussee“, so Meslien. Dem
ehemaligen Möbelhaus stehe der Abriss bevor. Schon im nächsten Jahr solle an
dieser Stelle ein Fachmarktzentrum mit Supermarkt, Discounter und vielen
kleineren Geschäften eröffnen. Meslien: „Die Verwandlung des Dreesch zu einem
anziehenden Stadtteil erreicht 2004 seinen Höhepunkt. Der Leerstand verringert
sich. Immer mehr Menschen nutzen die Vorteile günstiger Mieten in attraktiver
Umgebung.“
www.svz.de
11.08.2004
Hartz IV macht kleine Mietwohnungen teurer
Besonders im Osten Deutschlands regt sich weiterhin
Kritik an "Hartz IV". Während Maklerverbände einen Anstieg der Mieten im Osten
befürchtet, kritisiert der Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft vor allem,
dass bei den Hartz-Reformen schwere handwerkliche Fehler gemacht worden seien.
"Das ist stümperhaft gemacht", sagte der Thüringer Verbandsvorsitzende Norbert
Nareyke: So sei bei der Sechsmonats-Übergangsfrist für weitere Zahlungen in zu
großen Wohnungen übersehen worden, dass viele Mieter Verträge mit erheblich
längeren Kündigungsfristen hätten. Wohnungsgesellschaften würden sie aber nur
aus dem Vertrag entlassen, wenn es Nachmieter gebe. Das aber sei sehr
unwahrscheinlich.
Betroffene erhielten in diesem Fall nur noch Unterstützung für eine
"angemessene" Wohnung und müssten die Differenz zur tatsächlichen Miete selbst
zahlen. "Was angemessen ist, liegt aber wie so vieles noch im Nebel", sagte
Nareyke. Bisher sei unklar, wie die örtlichen Behörden solche Vorgaben praktisch
umsetzten. "Es darf aber nicht zu Willkür und Problemen führen."
In einem Pilotprojekt wollen sich Unternehmen und Verwaltung deshalb Ende August
in Erfurt treffen, um über die praktische Umsetzung zu beraten. Gleichzeitig
würden Gesellschaften künftig auch beraten, wie sie ihr Recht durchsetzen
könnten. "Es kann nicht sein, dass die Ämter den Hahn so zudrehen, dass die
Wohnungsunternehmen nicht mehr rentierlich arbeiten können", sagte Nareyke.
Er warnte davor, bisherige intakte Mieterstrukturen in Wohngebieten zu
zerstören, wenn die Gebiete nach zahlungskräftigen und nicht zahlungskräftigen
Mietern getrennt würden. Die Unternehmen würden bereits verstärkt Sozialarbeiter
einsetzen, um ein weiteres Abrutschen sozial auffälliger Mieter zu verhindern.
Die Auswirkungen der Hartz-Reformen auf den Wohnungsmarkt seien offen.
Schätzungen, wie viele Menschen tatsächlich umziehen müssten, sieht Nareyke als
reine Spekulation. Auf jeden Fall werde es schwieriger, sanierte Wohnungen zu
vermieten. Er rechnete damit, dass unter den Mietern der Gesellschaften bis zu
30 Prozent öffentliche Hilfen erhalten werden - bisher sind es etwa 25 Prozent.
Eine Auswirkung sieht der Vorsitzende des Verbands Deutscher Makler Sachsen,
Jürgen Poschmann, schon deutlich - einen Anstieg der Mieten. "Die Nachfrage nach
Wohnungen wird steigen." Einkommenseinbußen, Veräußerungen von Eigenheimen und
die geforderte Arbeitnehmer-Mobilität werden seiner Ansicht nach zu Engpässen
auf dem Wohnungsmarkt führen. "Schon jetzt sind in Sachsen kleine Wohnungen
knapp", sagte Poschmann und prophezeit: "Hartz IV wird zu einem Chaos auf dem
Mietmarkt führen." Zwar liege der reale Leerstand von vermietbaren Wohnungen in
Sachsen derzeit bei 10,5 Prozent, allerdings gebe es schon jetzt zu wenige
kleine. Künftig sollen arbeitslose Alleinstehende Wohngeld nur für Wohnungen bis
zu 45 Quadratmetern erhalten. Für Paare gelte ein Wohnraum von 55 Quadratmeter
als angemessen. "Hartz wird hier das Angebot nochmals knapper machen, steigende
Mieten sind dann die logische Konsequenz", sagte Poschmann. Einen Einbruch auf
dem Immobilienmarkt durch Zwangsveräußerungen von Eigenheimen sieht der Ring
Deutscher Makler nicht. "Viele Menschen werden durch Hartz IV feststellen, dass
Wohneigentum eine sichere Anlageform ist. Das eigene Haus soll bei der
Anrechnung von Vermögen geschont werden", sagte RDM-Sprecherin Carolin
Hegenbarth.
www.vtw.de
10.08.2004
Sachsen-Anhalt: streckt 22 Millionen Euro für
geplante Wohnungsabrisse vor
Für einen zügigen Abriss leer stehender Wohnungen in
Sachsen-Anhalt streckt das Land in diesem Jahr 22 Mio. Euro vor. Das Geld wird
den Kommunen vorzeitig zur Verfügung gestellt, damit die Abrissunternehmen nicht
erst noch auf die ausstehende Überweisung von Bundesmitteln warten müssen, sagte
Bauminister Karl-Heinz Daehre . Mit dem Tempo des Abrisses zeigte sich Daehre -
anders als früher - mittlerweile zufrieden: "Der Abriss ist richtig in Gang
gekommen."
Wie schon im Vorjahr streckt das Land 2004 seine Abriss-Mittel vor, weil die
zusätzlichen Bundesmittel erst nach entsprechenden Verwaltungsvereinbarungen
fließen können. Diese Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern verzögern sich
allerdings erneut. "Wir geben die Landesmittel vorher frei, damit die
Abrissunternehmen Sicherheiten haben", sagte Daehre. Im Rahmen des Programms
"Stadtumbau Ost", mit dem der strukturelle Wohnungsleerstand in Ostdeutschland
beseitigt werden soll, wurden seit 2002 mittlerweile 13 000 Wohnungen in
Sachsen-Anhalt abgerissen. Bis Ende 2004 sollen die Mittel für den Abriss von
dann insgesamt 30 000 Wohnungen bewilligt worden sein. Bevor 2005 wieder
frisches Geld fließt, will Daehre aber prüfen, ob die Kommunen ihre Hausaufgaben
gemacht haben - also die beantragten Abrissprojekte auch umgesetzt haben. "Die
leeren Wohnungen müssen zügig und in einem überschaubaren Zeitraum abgerissen
sein", forderte Daehre. Aus Sicht des Ministers muss der Abriss von Wohnungen
bis 2005 absoluter Schwerpunkt des "Stadtumbaus Ost" sein. Danach würden sich
Abriss und Aufwertung der Wohnquartiere zunächst die Waage halten, bis
schließlich die Aufwertung dominiert. Bei der Sanierung von Gebäuden will Daehre
künftig die Gelder vorrangig für Kindergärten und Schulen einsetzen. "Das knappe
Geld muss für solche nachhaltigen Projekte eingesetzt werden", sagte Daehre.
www.welt.de
09.08.2004
Niedersachsen: "Bei uns bestimmt der Mieter den
Markt"
In den niedersächsichen Städten gibt es weniger leer
stehende Wohnungen als noch vor ein paar Jahren. Marktbedingt ziehen die Mieten
an.
Das hat die Landestreuhandstelle in Hannover in ihrem aktuellen
"Wohnungsmarkt-Barometer" ermittelt. Für den ländlichen Raum mit hoher
Bevölkerungsdichte – ein Beispiel: der Landkreis Gifhorn – haben die Forscher
einen gegenläufigen Trend ausgemacht. Dort stehen mehr Wohnungen leer als
bisher, der Mietpreis sinkt entsprechend.
Werner Wedekin, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft "Wiederaufbau" in
Braunschweig, möchte die "pauschalen Aussagen" der Studie nicht bestätigen. "Es
gibt nicht d e n einen Wohnungsmarkt. Das ist zu global gedacht. Ein Beispiel:
Das östliche Ringgebiet in Braunschweig ist so begehrt, dass es nahezu keine
Leerstände gibt. Im Stadtteil Heidberg hingegen bereitet es Mühe, Mieter zu
finden." Zu einer generellen Aussage lässt sich Wedekin dann aber doch
hinreißen: "Bei uns in der Region bestimmt nach wie vor der Mieter den Markt."
Ob in Salzgitter, Braunschweig oder Goslar: Überall sei das Angebot größer als
die Nachfrage.Ein ständiges Auf und Ab bestimme den Wohnungsmarkt. "Nach der Wiedervereinigung
war der Markt sehr unruhig. In Braunschweig gab es lange Wartelisten für
Wohnungssuchende", erinnert sich der Immobilienexperte. Ein paar Jahre später
hatte sich komplett gewandelt: Wohnungen standen leer, Mieter hatten freie
Auswahl. "In solchen Situationen müssen Vermieter reagieren und in ihren Bestand
investieren, ihn attraktiver gestalten", bestätigt Hartmut Breitenbach von "Haus
und Grund". Die sanierten Wohnungen seien besser zu vermitteln – allerdings zu
meist höheren Preisen. Durch diesen Effekt seien die Mieten in Braunschweig
leicht nach oben geklettert. Die Kaltmiete für eine 65 Quadratmeter große
Wohnung liegt zwischen 4,73 und 5,97 Euro pro Quadratmeter.
Die wohl beste Auslastung in der Region hat die Stadt Wolfsburg. In den
vergangenen fünf Jahren wurden hier rund 18 000 neue Arbeitsplätze geschaffen –
das hat der Stadt mehr Einpendler, aber auch mehr Einwohner beschert. "Hier sind
nahezu 100 Prozent der Mietwohnungen belegt", sagt Thomas Krause, zuständig für
die strategische Stadtentwicklung in Wolfsburg. Die Kaltmiete für 65
Quadratmeter liege zwischen 4 und 6,9 Euro pro Quadratmeter. Eine Wohnungsnot
gebe es nicht, "aber wir haben Bedarf an kleinen Wohnungen für Senioren und
Singles". Ein Ziel für die nähere Zukunft sei es, mehr der rund 2000
Fachhochschul-Studenten nach Wolfsburg zu locken: "Die meisten wohnen bisher
außerhalb."
In den kreisfreien Städten Niedersachsens stehen laut Wohnungsmarkt-Barometer
nur zwei Prozent der Wohnungen leer. Salzgitter ist eine Ausnahme. Dort wird die
Leerstandsquote auf etwa zehn Prozent geschätzt. Die Stadt versucht
gegenzusteuern, mit Konzepten wie dem "Stadtumbau West" und dem Projekt "soziale
Stadt". Pressesprecher Norbert Ude: "Wir versuchen, Wohngebiete durch
Grüngürtel, Kommunikations- und Einkaufszentren wieder attraktiver zu gestalten
und fördern gleichzeitig den Rückbau von Wohnungen." Zurzeit stünden in
Salzgitter mindestens 2000 Wohnungen leer.In der Harzregion ist die Lage gespalten: Während Wohnungen im Nordharz gefragt
sind, stehen im Süden viele leer. In Goslar beschränken sich die Leerstände der
größten Wohnungsbaugesellschaft vor Ort auf etwa zwei Prozent. Die Mieten dort
bewegen sich zwischen 4,30 und 5,20 Euro pro Quadratmeter bei einer 65
Quadratmeter großen Wohnung.
www.newsclick.de
09.08.2004
Halle: ist das Salz in der Suppe
Halle macht aus der Not eine Tugend: Die Saalestadt, von
Wohnungsleerstand und Bevölkerungsschwund arg gebeutelt, setzt bei ihrer
Kulturhauptstadt-Bewerbung auf das Thema Stadtumbau. Denn: „In Halle wird
Veränderung als Antrieb für das Entstehen von Kultur begriffen“, heißt es in der
Bewerbungsschrift. Frei nach dem griechischen Philosophen Heraklit nimmt sich
Halle dessen „panta rhei“ – alles fließt – zum Motto.
Halle ist – wie viele andere europäische Städte auch – in einer fundamentalen
Umbruchphase. Die Stadt schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt, rund 20 Prozent
der Wohnungen – nicht nur in der riesigen Plattenbausiedlung – stehen leer. Für
die Sachsen-Anhalter ist das aber kein Grund, sich nicht als Kulturhauptstadt zu
bewerben: Mit Veränderungen in der Urbanität ändert sich auch Kultur, lautet das
Credo.Erste Ideen, was man mit den oft grauen Neubaublocks Kulturelles machen
kann, gibt es schon: Eine Riesenrutsche durch alle Etagen eines Hochhauses ist
geplant, ebenso Kultur-Erlebniszentren und Hotels mit besonderem Flair. Bei den
Plänen setzt Halle besonders auf die Nachhaltigkeit der Projekte – so wie es
auch ihre Nachbarn in Leipzig bei der inzwischen gescheiterten Olympia-Bewerbung
getan haben.Halle hat kulturell allerdings weit mehr zu bieten als nur
Stadtumbau und Platten-Architektur: Fast 1 200 Jahre alt ist die Stadt, die
einst durch den Salzabbau reich geworden ist. Berühmte Zeitgenossen haben Halle
seither geprägt.
www.sz-online.de
08.08.2004
Kassel: Internet-Auktion von Mietwohnungen stiftet
Unfrieden in Kassel
Seinen Nachbarn will der neue Mieter erst mal nicht
erzählen, was er für die Wohnung in der Kasseler Nordstadt zahlt. Einen Euro
Kaltmiete pro Quadratmeter überweist der Verwaltungsangestellte an die
Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Kassel (GWG) und ihm schwant: "Da
würde schon schnell Neid aufkommen." Acht Wohnungen hat die GWG im
strukturschwachen Nordhessen bislang über das Internet-Auktionshaus ebay
losgeschlagen und dabei neben jeder Menge wohlwollender Publicity auch einiges
an Kritik eingesteckt.
Gerade mal 17,50 Euro Kaltmiete im Monat muss der erste Nutznießer des
Verfahrens im Monat für seine Studentenbude zahlen, mit den Nebenausgaben kostet
die Dreizimmerwohnung in Uni-Nähe 125 Euro. GWG-Chef Peter Ley sieht seine
Strategie als erfolgreich an: "Die Ersteigerungspreise nähern sich schrittweise
dem regulären Mietpreis." 88 Prozent der regulären Miete seien schon erzielt
worden, die Tendenz stimme. Seit etwa fünf Jahren, erzählt Sven Göbel, Chef
einer großen Hausverwaltung, ist Kassel ein absoluter Mietermarkt. Mehr als 3000
Wohnungen stünden leer, die großen Wohnungsgesellschaften bekommen ihre Blöcke
aus den 50er- und 60er Jahren nicht mehr voll. Daher locken sie mit mietfreien
Anfangsmonaten oder Premiere-Abos. Manche Wohnungen seien nicht einmal mehr für
drei Euro den Quadratmeter zu vermieten, sagt Göbel. "Wir arbeiten am unteren
Limit und haben eigentlich schon das Niveau der östlichen Bundesländer
erreicht."
In dieser Situation, sagt die Kasseler Maklerin Gabriele Velke, sei die
Auktionsidee der GWG "ein Super-Werbegag" gewesen. Dass sich mit den
Internet-Schnäppchen langfristig am Leerstand etwas ändern könnte, erwartet sie
nicht. Die Unternehmen würden in Zukunft bevorzugt ihre "Ladenhüter" ins Netz
stellen, ein bedeutender Vertriebsweg werde daraus aber wohl nicht. Der Kasseler
Mieterbund fürchtet um den sozialen Frieden, wenn die Alteingesessenen deutlich
mehr für die gleiche Wohnung zahlen müssen als die ebay-Kundigen. Erste Mieter
hätten sich erkundigt, ob sie ihrerseits die Miete senken könnten, sagt
Vize-Vorsitzender Eberhard Fischer. Wenn dies nicht möglich sei, zögen mit den
neuen Mietern gleich Neid und Missgunst ein. "Das kann eine Mieterfeindschaft in
Gang setzen."
Die wichtigen Verbände der Wohnungsindustrie bezweifeln, dass sich das
GWG-Modell auch in anderen Regionen abseits der Ballungsräume durchsetzt. "Das
ist kein Mittel gegen Leerstände, wenn es strukturelle Probleme gibt", sagt
Alexander Rychter vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
in Berlin. Mit einer gewissen Verzögerung erreichten die aus ostdeutschen
Plattenbausiedlungen bekannten Probleme auch westdeutsche Großsiedlungen, für
die sich ebenfalls immer weniger Mieter fänden. "Ohne Zukunft nützen auch
günstige Mieten nichts."
Dann helfe nur städtebaulich und planungsrechtlich verträglicher Rückbau, sprich
Abriss. Dumping-Aktionen könnten hingegen "gesunde Bestände ins Rutschen
bringen", die dann nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben wären, warnt Rychter.
www.heute.t-online.de
08.08.2004
Hagenow: Quo vadis „Kiez“?
Ausgeschlachtete Autos, zerschlagene Fensterscheiben,
zerfetzte Klingelkästen — der „Kietz“ wird zum größten Sorgenkind der Stadt. Ein
Drittel der 1000 Wohnungen steht inzwischen leer. Das Bauamt macht Druck: Noch
dieses Jahr sollen die ersten Blöcke abgerissen werden.
„Ach wissen Sie“, sagt Mieter Werner H. aus dem Plantagenweg. „Hier steht jede
Woche ein Umzugswagen vor der Tür. Die Leute kommen und gehen, wir wissen gar
nicht, ob sie ein- oder ausziehen.“ In seinem Block stehen zurzeit zwei
Wohnungen leer. Damit ist der Neubau vergleichsweise gut belegt. In anderen
Straßen sind ganze Aufzüge unbewohnt. An einigen Klingelkästen kleben nur noch
zwei oder drei Namen.
Der Trend ist eindeutig: „Die Mieter ziehen vom ,Kietz ins Neubauviertel ,Neue
Heimat und von dort in die Innenstadt“, sagt Bauamtsleiter Reiner Näth. „Wenn es
uns nicht gelingt, die Infrastruktur zu schaffen und den Wohnungsrückbau
voranzutreiben, geht der Standort ,Kietz den Bach herunter.“ Die Lösung liegt
vor ihm auf dem Schreibtisch: Ein farbiger Lageplan, der aufzeigt, welche
Neubaublöcke auf dem „Kietz“ abgerissen oder rückgebaut werden müssten, damit
das Wohnumfeld attraktiver wird. Auf den frei werdenden Flächen sieht das
„Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ Grünanlagen und Spielwiesen vor. Die
Wohnungsgesellschaften, die sich nach den Vorgaben des
Stadtentwicklungskonzeptes richten, bekommen für Abriss oder Rückbau
Fördermittel. „Wir können niemanden zwingen abzureißen“, sagt Näth. „Aber es ist
die einzige Chance für den ,Kietz".
Zwei Blöcke im Kießender Ring und in der Spielstraße sollen noch in diesem Jahr
abgerissen werden. Nach langen Verhandlungen hätte sich die zuständige Möllner
Wohnungsbaugesellschaft dazu entschlossen, so Reiner Näth.
Für Mieter Werner H. sind das nur leere Versprechungen. „Die Blöcke sollten
schon im vergangenen Jahr weg“, sagt er. Das sei genauso wie mit dem Autowrack
vor seiner Haustür. Der ausgeschlachtete Wagen stand schon dort, als er vor
einem Jahr einzog.
Trotzdem — so ohne weiteres will der Arbeitslose nicht vom Kietz wegziehen. Für
seine 2-Zimmer-Wohnung zahlt er 296 Euro warm. „Ich würde hier nur ausziehen,
wenn ich woanders langfristig gesicherte Arbeit hätte, aber das ist wohl
utopisch.“
In seinem Block hätten hochgerechnet nur zwanzig Prozent der Mieter Arbeit.
Viele seien aus Boizenburg oder aus den Blöcken am Sudenhof hierhergezogen.
„Eigentlich lebe ich hier ganz gern“, sagt Werner H. „Inzwischen habe ich
Bekannte gefunden, mit denen man auch mal feiern kann. Was sonst auch sollen wir
hier den ganzen Tag tun.“
www.svz.de
08.08.2004
Land Brandenburg: Wohnungsgesellschaften in Not
Wohnungsleerstand und Missmanagement in kommunalen
Wohnungsgesellschaften gefährden den Landeshaushalt. Wenn das Land kein Geld
zuschießt, schreibt das Wohnungsbauvermögen des Landes rote Zahlen. Unklar
bleibt, welches Ressort einspringen soll.
Es sah fast wie eine geheime Kommandosache aus: die Kreisstadt Belzig
(Potsdam-Mittelmark) wird vom Innenministerium in Potsdam 750000 Euro erhalten.
Später soll noch einmal die gleiche Summe folgen. Normalerweise, wenn das
Ressort wieder einmal eine vom finanziellen Ruin bedrohte Kommune aus einem
eigens dafür geschaffenen Hilfsfonds gerettet hat, erfährt das auch die
Öffentlichkeit. Dieses Mal hat das Innenministerium kein Interesse - aus gutem
Grund.
Das Geld ist nicht wirklich für die Stadt vorgesehen, sondern soll die
zahlungsunfähige Wohnungsgesellschaft von Belzig vor dem Aus bewahren, nachdem
die Banken, einschließlich der Landesinvestitionsbank abgewunken hatten. Weniger
Wohnungsleerstand als vielmehr Missmanagement hat die Gesellschaft in die
Situation gebracht. Das Innenministerium machte denn auch die Auflage, das
Management auszuwechseln und sich einen wirtschaftlich potenten Partner zu
suchen. Politische Brisanz erhält der Vorgang, weil in mehr als 40 Städten des
Landes Wohnungsgesellschaften als bedroht angesehen werden - trotz des
Abrissprogrammes für leere Plattenbauten. Acht Gesellschaften sind bereits in
Insolvenz gegangen. Das Problem ist seit langem auf Landesebene bekannt. Eine
Arbeitsgruppe aus dem Bauressort, dem Innen- und dem Wirtschaftsministerium
sollte Lösungsansätze diskutieren. Herausgekommen ist nichts.
In der nächsten Legislaturperiode soll das Thema noch einmal aufgegriffen
werden, heißt es im Bauministerium. Der Städte- und Gemeindebund ist über die
Belziger Lösung entsetzt. Denn der Hilfsfonds des Innenministers war dafür nicht
vorgesehen. Das Geld, das eine Wohnungsgesellschaft retten soll, wird allen
anderen Kommunen weggenommen. Das sieht auch der innenpolitische Sprecher der
CDU, Sven Petke so. Er fordert das SPD-geführte Bauministerium auf, einen
Hilfsfonds speziell für Wohnungsgesellschaften aufzulegen. Im Hause von
Bauminister Frank Szymanski schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen: Bloß
nicht! Dann würden alle Kommunen Schlange stehen und die Banken, die all die
vielen Wohnungsbauten mitfinanziert haben, sich aus den Folgekosten
heraushalten. Der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen
schlägt vor, dass das Wirtschaftsministerium seinen Topf für illiquide
Unternehmen öffnen solle. "Warum werden Wohnungsgesellschaften nicht wie
mittelständische Firmen betrachtet?", fragt Wolfgang Schönfelder.
Eigentlich heißt es überall: Man müsste schlecht geführte Gesellschaften in die
Insolvenz schicken, damit neue, größere, gesunde Strukturen entstehen. Das
jedoch kann sich die Landesregierung nicht leisten. Ginge die Belziger
Gesellschaft pleite, würde die Stadt fünf Millionen Euro verlieren, das Land
jedoch 38 Millionen. Der Wohnungsbau im Lande wurde in den vergangenen Jahren
über das so genannte Wohnungsbauvermögen (rund fünf Milliarden Euro) finanziert.
Die Kreditnehmer, vor allem die Wohnungsgesellschaften, sollten die
langfristigen Kredite bis 2020 zurückzahlen. Auf Grund der Mietsituation mussten
Ende vergangenen Jahres bereits fünf Millionen Euro aus dem Wohnungsbauvermögen
abgeschrieben werden. Im jüngsten Bericht der Landesinvestitionsbank werden 257
Millionen Euro aus dem Wohnungsbauvermögen als ausfallgefährdet eingestuft.
Unklar ist, wieviel das Land in Belzig zuschießen muss, damit das
Wohnungsbauvermögen etwas von 38 Millionen an Krediten wiedersieht.
www.moz.de
08.08.2004
Immobilienmarkt weiter auf Talfahrt
Die Hypothekenzinsen sind so günstig wie noch nie,
preiswerte Einfamilienhäuser stehen in vielen Ecken Thüringens zum Verkauf und
doch ist die Lage auf dem Immobilienmarkt alles andere als rosig.
"Die Immobilie steht etwas auf dem toten Gleis", konstatierte gestern Joh.-Peter
Henningsen, Präsident des Bundesverbandes Ring Deutscher Makler, bei der
Vorstellung des RDM-Immobilienpreisspiegels 2004. "Hauptursache ist die
Verunsicherung durch die Politik", sagte Henningsen. Angst vor dem Verlust des
Arbeitsplatzes, hohe Steuerbelastungen und unsichere Rahmenbedingungen würden
viele Menschen von Kauf oder Bau eines Einfamilienhauses oder einer
Eigentumswohnung abhalten.
Dabei sind Immobilien teilweise so günstig wie noch nie zu haben. Einen
Preisverfall von bis zu 30 Prozent haben die Makler in einigen Regionen
festgestellt. Bei ihrer Untersuchung in 270 deutschen Städten rangiert
beispielsweise Rudolstadt in der Kategorie "Freistehende Eigenheime mit gutem
Wohnwert" mit 80 000 Euro im untersten Bereich der Skala. Am ostdeutschen
Wirtschaftswunder-Standort Jena können potentielle Käufer davon nur träumen:
Hier liegt der Preis bei durchschnittlich 180 000 Euro, für Eigenheime in
Top-Lagen sind über 330 000 Euro zu berappen, und ein Neubau kann um die 450 000
Euro kosten. Unschlagbar auch die Preise für Baugrundstücke: Mit bis zu 250 Euro
je Quadratmeter ist Jena neben Erfurt eines der teuersten Pflaster im Freistaat.
Trotzdem haben die Preise nachgegeben: 2002 mussten Bauherren in Erfurt noch 280
Euro für den Quadratmeter Bauland hinlegen. Nachgegeben haben auch die Preise in
Gera: Konnte man 2002 noch davon ausgehen, dass ein freistehendes Eigenheim mit
sehr gutem Wohnwert inklusive Garage und Grundstück im Durchschnitt nur für 300
000 Euro zu haben war, steht diese Kategorie jetzt für den Preis von 225 000
Euro im Angebot.
Henningsen rechnet damit, dass der Immobilienmarkt in ganz Deutschland noch
nicht im Tal angelangt ist. "Es wird noch ein bis zwei Jahre dauern, ehe es
wieder bergauf geht", sagte er. Als ein Problem für die Immobilienbranche habe
sich die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung erwiesen. Teilweise seien
Banken sogar nicht mehr bereit, auslaufende Kreditvereinbarungen zu verlängern.
Für die Zukunft sieht der RDM-Präsident den deutschen Immobilienmarkt einem
grundlegenden Wandel unterzogen. "Es wird einen Rückzug in die Städte geben",
sagte er. Entscheidend seien zunehmend die Lage und die Qualität der Immobilie.
Dass der Markt in Ostdeutschland angesichts stetiger Abwanderung und des
gigantischen Überangebotes von 1,1 Millionen leerstehender Wohnungen kollabieren
könnte, glauben die Makler allerdings nicht. "Der Wohnungsleerstand hat keine
Relevanz, weil es für diese Wohnungen keinen Markt gibt", sagte Peter-Georg
Wagner, zuständiger Chef für Marktforschung und Organisation beim RDM.
www.otz.de
07.08.2004
Preisexplosion bei Trinkwasser
Dieser Sommer könnte der letzte mit noch relativ
moderaten Wasserpreisen sein. Fehlplanungen der Kommune, vor allem in den neuen
Bundesländern, treiben die Versorgungskosten in die Höhe.
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent in den nächsten Jahren schließt ein
Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) nicht
mehr aus, wie das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO in seiner nächsten Ausgabe am
Montag den 9. August berichtet.
Nach dem Fall der Mauer musste die deutsche Wasserwirtschaft auf Druck der
Kommunen für mehr als 50 Milliarden Euro neue Leitungsnetze für Trinkwasser und
Kläranlagen bauen, die sich jetzt als überdimensioniert herausstellen. Durch den
Zusammenbruch der Industrie, den Einbruch in der Landwirtschaft und den Wegzug
der Menschen hat sich der Trinkwasserverbrauch pro Kopf und Tag von über 250
Liter zu DDR-Zeiten auf 80 bis 100 Liter mehr als halbiert.
Wasser, das nicht fließt, verkeimt und stellt eine Gesundheitsgefahr dar. Im
schlimmsten Fall kann das sogar tödliche Folgen haben, wie Prof. Dr. Dirk
Schoenen vom Hygiene-Institut der Universität Bonn in der WISO-Sendung ausführt.
Um das zu vermeiden, muss die Wasserwirtschaft die vor wenigen Jahren neu
errichteten Anlagen wieder zurückbauen.
Auf Bundesmittel kann die Wasserwirtschaft nicht bauen, wie aus einer
Stellungnahme des Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen
gegenüber WISO hervorgeht: Steuermittel verteile man im Rahmen des
Förderprogramms "Stadtumbau Ost" nur für den Abriss der Plattenbauten, nicht
aber für den Rückbau der Wasserversorgung, so die Berliner Behörde. Dabei
entfallen auf den Rückbau rund die Hälfte der Abrisskosten, wie der
Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) betont. Wenn die Fördergelder
nicht auch für die Anpassung der Infrastruktur verwendet werden, sieht der
Sprecher des BGW und Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Erfurt, Rainer Otto,
auf die Branche eine Kostenlawine zurollen: "Dies bedeutet für die Bürger eine
Preissteigerung von bis zu fünfzig Prozent."
www.heute.t-online.de
07.08.2004
Gera: Elfgeschosser mit 176 Wohnungen vorm
Abriss
176 Wohnungen im Elfgeschosser-Karree zwischen Berliner Straße, Straße des
Bergmanns und Gagarinstraße sollen abgerissen werden. Der gesamte Block entlang
der Gagarinstraße steht damit vor dem Abbruch. Mit der IOS GmbH plant erstmals
ein rein privater Wohnungseigentümer den Abbriss von Wohnquartieren. Das
Unternehmen hat Fördermittel im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programmes beantragt.
Bislang hatten Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften den Rückbau
überschüssiger Wohnungen in der Stadt voran getrieben.
Das Karree wechselte zwei Mal den Eigentümer. Mitte der 90er verkaufte die
Wohnungsbaugesellschaft GWB Elstertal die Häuser an Privat. Der neue Besitzer
tat genauso wenig an den Elfgeschossern wie zuvor das städtische Unternehmen.
Die Zahl der Mieter sank, dem Käufer ging die Luft aus. Seit einem Jahr hat die
ISO GmbH die Blöcke in der Regie und mit ersten Sanierungsarbeiten begonnen.
Seither gibt es einen Hausmeister, hat die Hausverwaltung ein Büro vor Ort.Der
Elfgeschosser entlang der Gagarinstraße sei nicht mehr wirtschaftlich zu
betreiben, sagt Harald Lehnert von ISO. Hier ist bislang am wenigsten geschehen.
Jede zweite Wohnung stand zuletzt leer. Vom geplanten Abriss erfuhren die Mieter
Anfang des Jahres. "Der Leerzug hat unerwartet gut geklappt", sagt Kirsten
Pölitz von der Hausverwalterin Jengrund Immobilien GmbH. Der Eigentümer kommt
für die Umzugskosten auf. 31 der Bewohner entschieden sich dafür, in dem Karree
zu bleiben und zogen in Wohnungen an der Straße des Bergmanns und der Berliner
Straße um. Derzeit wohnen noch 15 Familien in den Abrisshäusern. "Die warten nur
noch auf den Umzugswagen", sagt Pölitz.
Bis Mitte kommenden Jahres sollen die 176 Wohnungen weggerissen sein. An ihrer
Stelle soll erst einmal Grün wuchern. In den verbliebenen Blöcken sind nun über
90 Prozent der 220 Wohungen vermietet. "Die Bausubstanz ist 30 Jahre alt, aber
gut", kämpft Lehnert gegen den schlechten Ruf der Platte. Die Hälfte der Mieter
wohnt schon von Anfang an hier. Neuinteressenten kommen wegen der zentralen Lage
und des Mietpreises. Schritt für Schritt werde das Quartier hergerichtet,
kündigt Lehnert an. Die Platte soll hier Zukunft haben. Privat klinkt sich in
Stadtumbau Ost ein
www.otz.de
05.08.2004
Oer-Erkenschwick: Häuser werden filetiert
Abwärts geht es auf Oer-Erkenschwicks größter Baustelle.
Nach und nach werden die Geschosse der Hochhäuser an der Halluinstraße
abgetragen. Statt zwölf werden es künftig nur noch sechs und weniger sein.Fein
säuberlich werden die Betonplatten zersägt und zu Boden gebracht.Arbeiten
zusammen: Katrin Nöbel von der Firma Müsssmann Umweltschutz, Hans Weber, von der
Essener Baufirma Schmitz und Bauleiter Mario Bannasch von der THS-Consulting.
Doch mit dem Rückbau der Hochhäuser auf der größten Baustelle in
Oer-Erkenschwick hat dieser Lärmpegel nichts zu tun. Es sind
Landschaftspflegearbeiten, die an anderer Stelle der Halluinstraße derzeit rund
um die Häuser durchgeführt werden. Von der Großbaustelle ist lediglich das helle
Surren der Betonsäge zu hören. Hin und wieder mischen sich Hammerschläge
darunter. Erstaunlich wenig Lärm für einen Abriss, der über 20 Millionen Euro
kosten wird.
Die Zahl der Geschosse veringert sich von Woche zu Woche. Von zwölf (cirka 36
Meter Höhe) werden die Häuser auf sechs und an anderen Stellen von acht auf drei
Geschosse abgetragen. Das quasi in Handarbeit und ohne Bagger und Abrissbirne.
Der Hochhausbau aus den Anfängen der 70er-Jahre wird regelrecht zersägt. Bis zu
40 Leute arbeiten auf der Baustelle. Bauarbeiter schneiden Betonwände in etwa
fünf mal fünf Meter große Stücke, befestigen sie an einem über 40 Meter hohen
Kran, dessen mächtiger Teleskoparm die tonnenschwere Last zu Boden bringt. Dort
werden die Betonblöcke teilweise zerkleinert und abtransportiert. Bis Ende 2006
werden 34 200 Kubikmeter umbauter Raum abgetragen.
Rund 22 Millionen Euro lässt sich die VMW den Rückbau kosten, der das Herzstück
der Stadterneuerung ist. 6,8 Millionen Euro steuern Bund und Land dazu. Das
Gebäude aus den 70er-Jahren war so etwas, was man eine klassische Fehlplanung
bezeichnen kann. Höher, weiter und größer hieß seinerzeit die Devise. Hochhäuser
galten als chic. Doch die Realität war eine andere, wie sich herausstellte Der
Hochhausbau ging an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen in der
Stimbergstadt vorbei. Zwar werden die Zuschnitte der 50 bis 100 qm großen
Wohnungen unverändert bleiben.
www.waz.de
04.08.2004
Neues Arbeitslosengeld kann zu Umzügen führen
Nach der Einführung des Arbeitslosengeldes II im kommenden
Januar sind gravierende Auswirkungen am Wohnungsmarkt nach Ansicht der
Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Deutschland nicht ausgeschlossen,
weil möglicherweise Leistungsempfänger umziehen müssten. Vor allem in den
östlichen Bundesländern sei nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe eine Umzugsbewegung in kleinere und billigere Wohnungen nicht
auszuschließen. Auch Mietervereine befürchten, dass Arbeitslose, zumindest nach
einer sechsmonatigen Übergangsfrist, oft aus ihren alten Wohnungen ausziehen
müssen, falls diese zu groß oder zu teuer seien. Einige befragte Behörden oder
auch der Verband Deutscher Makler hingegen halten solche Szenarien derzeit für
unverantwortliche Panikmache. Zum Teil, berichtet Haus & Grund, seien die
Kommunen bereits dabei, ihre Kriterien für angemessenen Wohnraum zu
überarbeiten. Der Verband fordert die Behörden bereits auf, mit Augenmaß
vorzugehen und unbillige Härten zu vermeiden. Unklar sei indes die Frage, ob die
Behörden einen Ortswechsel verlangen können, um Wohnkosten zu senken. Die
privaten Eigentümer bei Haus & Grund befürchteten zudem, dass die Kommunen
versuchen könnten, diese Mieter in die Wohnungen der eigenen kommunalen
Wohnungsgesellschaften zu drängen. Einer der Haus & Grund-Kritikpunkte: Im
Hartz-IV-Gesetz ist bislang nicht eindeutig geregelt, welche Wohnungsgröße für
die Bezieher des neuen Arbeitslosengeldes II noch als angemessen gilt. Auch
müsse bedacht werden, dass der Staat für die Kosten eines Zwangsumzugs
aufzukommen habe. Relevant seien ebenfalls die auszugsbedingten Kosten für
Schönheitsreparaturen oder die Renovierung nach einem Auszug. Das von Wolfgang
Clement geführte Bundeswirtschaftsministerium argumentiert in dieser Frage so:
Nach der Wohngeldstatistik 2002 liegt die durchschnittliche Miete von
Arbeitslosengeld- und Arbeitslosenhilfeempfängern nicht über der
durchschnittlichen Miete von Sozialhilfeempfängern. Sie bekämen danach auch
künftig die Unterkunftskosten erstattet. "Es wird deshalb keine Zwangsumzüge in
billigere oder kleinere Wohnungen in nennenswertem Ausmaß geben", heißt es dazu
in Berlin. Ob eine Wohnung angemessen ist, richtet sich nach vielen Faktoren wie
der Größe der Familie, Alter, Geschlecht und Gesundheit. Das Ministerium
überlässt dabei den Sozialbehörden vor Ort die Entscheidung, wie viel Geld für
Miete und Heizung ausgegeben werden darf.
Dies sieht etwa der Leiter des Frankfurter Jugend- und Sozialamts, Ingo Staymann,
als "absolut richtige Entscheidung". Die Mieten seien bundesweit so
unterschiedlich, dass die Sozialämter wegen ihrer Erfahrung bei der Sozialhilfe
die Angemessenheit am besten einschätzen könnten. Wie in vielen Städten sollen
in Frankfurt am Main die bisherigen Maßstäbe für die Sozialhilfe angelegt
werden. Der angemessene Mietpreis, sagt Staymann, hänge zum Beispiel von Lage,
Alter und Ausstattung der Wohnung ab.
www.welt.de
04.08.2004
Dessau: Reihenhäuser statt Kaserenen
Was von den Häusern blieb, ist Erinnerung und eine große freie Fläche: Vor einem
Jahr verschwanden die ehemaligen Kasernen und späteren Wohnhäuser an der
Elballee. In den kommenden Monaten sollen an dieser Stelle wieder neue Häuser
entstehen - Reihen- und Doppelhäuser.
Die DWG, Eigentümerin des Geländes, wird die Grundstücke verkaufen. Der Preis
liegt bei 116 Euro je Quadratmeter. Eine Verpflichtung muss der Käufer jedoch
eingehen: Er verzichtet darauf, eigene Wünsche beim Bau umzusetzen, denn sein
Haus wird von einem Bauträger errichtet, der Ring
Projektentwicklungsgesellschaft Dessau. Die Doppelhaushälfte mit ihren 149
Quadratmetern Wohnfläche bezahlt er mit 160 000 Euro - ein für diesen Stadtteil
nicht unüblicher Preis.
Entworfen hat die Häuser das Büro ASP. Architektonisch bieten sie wohl das, was
heute vielfach gefragt ist und errichtet wird: ein Obergeschoss, ausgebauter
Dachboden mit Gauben, Terrasse zum Garten, Balkon zur Straße. Während die schräg
gegenüber liegende, zu DDR-Zeiten entstandene Siedlung eine eigene
Interpretation der Bauhaustraditionen probierte, die nahe Knarrbergsiedlung ein
ganz eigener Versuch des Siedlungsbaus in den 20er Jahren darstellte und beide
unter Stadtplanern erheblich Beachtung fanden, ist dies bei der neuen Bebauung
nicht zu erwarten.
Horst Donath glaubt dennoch an den Erfolg des Projekts. Bereits jetzt lägen
erste Anfragen vor, auch Mitarbeiter des Umweltbundesamts zeigten Interesse,
sagt der Geschäftsführer der Ring Projektentwicklungsgesellschaft. Er ist davon
überzeugt, in diesem Jahr noch zehn Häuser bezugsfertig übergeben zu können.
Damit wäre zum ersten Mal in Dessau das Thema Stadtumbau nicht nur mit
großflächigem Abriss verbunden, wie er etwa seit anderthalb Jahren praktiziert
wird. In dieses Programm, das helfen soll, den Leerstand zu verringern, fielen
auch die Häuser an der Elballee. Von der Arithmetik geht die Rechnung auf: 90
Wohnungen werden ersetzt durch insgesamt 26 Häuser
www.mz-web.de
04.08.2004
EU hemmt Wohnungswirtschaft Ost»
Anhaltender Leerstand, Abriss und Stadtumbau belasten die
Wohnungsunternehmen in den neun Ländern enorm. Einige suchen Stärkung durch
Fusionen. Lange Zeit bereiteten sich auch die beiden Großvermieter in der
Neißestadt Forst auf eine solche Bündelung ihrer Kräfte vor. Vor knapp zwei
Wochen jedoch nahmen sie Abstand von ihrem Vorhaben. Der Grund: Die EU blockiert
eine vom Bundesrat genehmigte befristete Steuerbefreiung für fusionierende
Wohnungsunternehmen. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Kathrin Mölneck vom
Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU).
Frau Mölneck, die EU lässt sich Zeit mit wichtigen Entscheidungen. Lässt das das
Fusionsfieber in der Wohnungswirtschaft abklingen«
Genau genommen, ist die Fieberkurve in der Region Brandenburg recht flach. Die
Unternehmen sind von sich aus überhaupt nicht scharf auf Ver-schmelzungen.
Vielmehr zwingt sie die wirtschaftliche Gesamtsituation mit all ihren
Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, diese Überlegung anzustellen. Mit dauerhaft
sinkenden Bevölkerungszahlen und damit wachsendem Leerstand und gleichzeitig zu
bewältigendem Abriss geraten die Unternehmen an Wirtschaftlichkeitsgrenzen. Eine
Fusion kann natürlich das positive Ergebnis haben, dass die Angebotspalette
verbreitert werden kann. Wenn beispielsweise ein Unternehmen nur Neubaubestände,
ein anderes nur Altbaubestände hat, macht ein Zusammengehen durchaus Sinn.
Wie viele Fusionen gab es bisher in der brandenburgischen Wohnungswirtschaft»
Unter den rund 400 Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes gab es in den
vergangenen zehn Jahren elf Fusionen. Darunter die Verschmelzung der
Wohnungsgenossenschaft Schwarzheide mit den Genossenschaften in Plessa und in
Ruhland, sowie die Verschmelzung der Wohnungsgenossenschaft Lübben mit der
Wohnungsgenossenschaft in Golßen.
Welche Erfahrungen haben die Unternehmen gemacht«
Fusionen haben vor allem dann Sinn, wenn sie betriebswirtschaftlich zu besseren
Ergebnissen führen. Das heißt, wenn das neue Unternehmen betriebswirtschaftlich
besser dasteht, für den Wettbewerb in der Region besser aufgestellt ist, das
Wohnungsangebot differenzierter und die Perspektive somit für die nächsten Jahre
sicherer wird. Ganz wichtig ist, dass zwischen den Unternehmen die Chemie stimmt
und gegenseitiges Vertrauen entwickelt wird, um den schwierigen Prozess
bewältigen zu können.
Wer ist fusionsfreudiger, Genossenschaften oder Gesellschaften»
In unserem Verbandsgebiet hat es bisher keine Verschmelzung von kommunalen
Wohnungsgesellschaften gegeben. Derartige Fusionen setzen voraus, dass sich die
Gesellschafter, also die Kommunen, für eine solche Aufgabe engagieren und eine
Verschmelzung wollen. Fusionen von kommunalen Gesellschaften und
Genossenschaften sind schon aufgrund der unterschiedlichen Rechtsformen
wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen.
Der Bundesrat hat befristet Steuererleichterungen genehmigt. Kann das den
Verschmelzungsprozess beschleunigen«
Wir hoffen, dass das in dem relativ kurzen Zeitraum gelingen wird. Beachtet
werden muss jedoch, dass das Zusammengehen von wohnungswirtschaftlichen
Unternehmen einer guten Vorbereitung bedarf. Nach unseren Erfahrungen erstreckt
sich das über einen Zeitraum von wenigstens anderthalb bis zwei Jahren.
In Forst waren die Vorbereitungen für die ungewöhnliche Verschmelzung einer
Genossenschaft mit einer städtischen Gesellschaft so weit gediehen, dass die
Akteure von der befristeten Steuerbefreiung profitieren könnten. Nun bremst die
EU. Wie geht das»
Die Europäischen Union prüft den Tatbestand einer unerlaubten Beihilfe und damit
der Wettbewerbsverzerrung. Eine entsprechende Entscheidung steht noch immer aus.
Was nun«
Noch hat die EU nicht gegen die befristete Sonderregelung entschieden. Das
heißt, die Unternehmen müssen die Hoffnung auf Steuererleichterungen im
Fusionsfall nicht aufgeben.
Wie hoch wäre die Entlastung durch die noch von der EU blockierte Befreiung von
der Grunderwerbssteuer»
Das hängt immer vom konkreten Fall ab. Die Grunderwerbssteuer bemisst sich nach
dem Wert der Grundstücke, die in das neue Unternehmen eingebracht werden. Das
kann in die Millionen gehen.
www.lr-online.de
03.08.2004
Magdeburg: Die Wobau hält Unsaniertes vor
Die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft machte unlängst
Schlagzeilen mit einem Abrissstopp in Großsiedlungen: Die Blöcke sollen stehen
bleiben für Hartz-IV-Betroffene, potenzielle Arbeitslosengeld-II-Empfänger also.
"Blödsinn", nennt das der Magdeburger Wobau-Chef Heinrich Sonsalla.
"Volkswirtschaftliche Schizophrenie", fällt Dr. Martin Schmidt, Vorstand der
Wohnungsgenossenschaft MWG, ein ähnlich hartes Urteil. Dennoch: Auch Magdeburgs
große Vermieter richten sich auf wachsenden Bedarf an preiswertem Wohnraum ein.
Nicht mit Abriss-Stopp, aber mit der gezielten Bewahrung teil- oder unsanierter
Wohnungsbestände.
Knapp 10000 Magdeburger (Kinder eingeschlossen) beziehen aktuell Sozialhilfe.
Für die rund 4000 Haushalte, in denen sie leben, ist schon Normalität, was auf
die potenziellen, neuen Empfänger des Arbeitslosengeldes II zukommt: Sie müssen
sich gefallen lassen, dass das Sozialamt prüft, ob sie in "angemessenen"
Verhältnissen wohnen. Schließlich zahlt die Stadt ihnen Miete und Heizkosten
komplett.
Ab Januar 2005 wird sich die Zahl jener Magdeburger Haushalte, für deren Miete
die Stadt (bei Zugaben vom Bund) aufkommen muss, enorm erhöhen - weit mehr als
vervierfachen. Nach der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe werden
- so schätzen Sozialdezernat und Arbeitsagentur aktuell - mindestens 18000
Magdeburger Haushalte mit etwa 35000 Menschen vom Arbeitslosengeld II leben.
"Tendenz stark steigend", so die Sozialbeigeordnete Beate Bröcker. Aber sie
verspricht: "Wir werden die Menschen nicht aus ihren Wohnungen vertreiben. Wir
wollen keine Ghettoisierung und werden die Menschen nicht in Größenordnungen in
unsanierten Plattenbauwohnungen unterbringen."
Doch den beruhigenden Willensbekundungen der Sozialbeigeordneten fehlt die
Basis, nämlich die klare Antwort auf die Frage: Was ist angemessener Wohnraum
für einen Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Magdeburg? Die Kommunen sollen selber
regeln, was sie für angemessen erachten. Magdeburg hat noch nicht geregelt. Die
Sozialbeigeordnete kündigte gestern an: "Bis Mitte August."
An den bereits gängigen Bemessungskriterien für Soziahilfeempfänger wolle sich
die Stadt orientieren, aber Bröcker kündigt an: "Diese Richtlinien werden wir
anpassen, die Ermessensspielräume vergrößern." Ihr Ziel: Eine Umzugswelle
verhindern. Die Grenzen der städtischen Verhinderungskraft sind aber gesetzt:
vom Haushaltsloch. Und: Sicherheitshalber hat das Sozialamt große Vermieter -
Wobau und Genossenschaften - schon befragt, wie viel preiswerten Wohnraum sie in
welchen Größen zu bieten haben.
Die Wobau hat 1000 leere Wohnungen in un- oder teilsanierten Häusern gemeldet.
Sie stehen u. a. in den Gebieten Neustädter See, Neue Neustadt, Neu-Olvenstedt,
Neustädter Feld, Kannenstieg, aber auch im Domviertel. Wobau-Chef Heinrich
Sonsalla: "Genug preiswerten Wohnraum haben wir zu bieten. Wir halten bewusst
teil- und unsanierte Bestände vor. Ein klassischer Fall sind zum Beispiel
Wohnungen in 5. oder 6. Etagen, zu denen der Fahrstuhl fehlt. Aber das ist
ansonsten vernünftiger Wohnraum Das sind ja keine Drecklöcher."
Die Wobau sehe sich "vor neue Herausforderungen in der Daseinsvorsorge"
gestellt. Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum sei bereits im Vorgriff auf
die Sozialreformen und in der Erwartung von Einkommensverlusten merklich
gestiegen. "Wir haben es schon jetzt mit verunsicherten Mietern zu tun, die
fragen, ob ihre Wohnung künftig angemessen sei oder nicht. Wir können die Frage
nicht beantworten, weil die Bemessungsgrundlagen fehlen."
Im Angesicht der noch ungeregelten Wohnraumfrage für tausende potenziell
Betroffene wird der Wobau-Chef ungehalten: "Die Politik hat vergessen, das
Kleingedruckte zu regeln. Das ist schändlich." Und das stelle auch die Wobau vor
Probleme: "Unsere Wohnungen liegen in ihrer Größe oft oberhalb der
Bemessungsgrenze, die jetzt für Sozialhilfeempfänger gilt. Hier wollen wir
Kompromisse aushandeln." Eine Ghettoisierung befürchtet Wobau-Chef Sonsalla
nicht, wenngleich die Masse preiswerten Magdeburger Wohnraums in Großsiedlungen
liege: "Aber da hat die soziale Entmischung bereits stattgefunden. Wer wollte
die Siedlungen im Ergebnis als ,Ghettos' bezeichnen? Ich nicht." Neue sozialen
Härten in der Mieterschaft hat die Wobau allerdings im Blick, und sie will
Spannungen begegnen. Sonsalla: "Wir werden unser Betreuungspersonal aufstocken."
www.volksstimme.de
03.08.2004
Wurzen: Grüne Lücken nach Stadtumbau Ost
Blühende Landschaften versprach Helmut Kohl, blühende
Lücken verspricht Heike Pönicke, Geschäftsführerin der Wurzener Gebäude- und
Wohnungsgesellschaft WGW. Für alle Flächen, auf denen Abrissbagger leerstehende
Häuser entfernen, gäbe es Nachnutzungspläne.
"Es gibt schriftlich fixierte Vorstellungen, was mit den entstanden Lücken
passieren soll", erklärt die Geschäftsführerin. Rasen sprießen lassen, mit
Pflanzungen zum Entspannen locken, aber auch ein Verkauf der Flächen seien
Optionen. Nach und nach würden die verschiedenen Zukunftspläne verwirklicht.
"Das geht aber nur so, wie es die Mittel unseres Betriebshaushaltes zulassen",
machtHeike Pönicke deutlich. Denn für die Neugestaltung fließe - im Gegensatz
zum Abriss der Häuser - keine Förderung. Diese Gelder bezahle die
Wohnungsgesellschaft. Teilweise könne der Wurzener die Erfolge jedoch schon
sehen. Der mit Pflanzungen neu gestaltete Sperlingsberg und die Barbaragasse 9
wären positive Beispiele. Hier locken attraktive Pflanzungen und auch Bänke
dazu, Rast zu halten. Mehr Grün wird es künftig auch in der Theodor-Uhlig-Straße
geben. Auf der hier jüngst entstandenen Lücke soll Rasen wachsen. Dass einige
Wurzener monieren, dass in manchen Lücken Unkraut wuchert, weiß die
Geschäftsführerin. Doch sie versichert, dass die Bemühungen enorm sind, diesen
Wildwuchs so gering wie möglich zu halten. "Richtig gestaltet werden die
Baulücken in der Goethestraße aber erst, wenn wir hier mit dem Abriss fertig
sind", macht Heike Pönicke klar, dass erst noch mehrere Häuser schwinden werden,
ehe das Auge frohlockt. Doch nicht nur mit Grün ändert die Wohnungsgesellschaft
das Wurzener Stadtbild. Denn dort, wo in der Marienstraße einst ein Haus stand,
sollen künftig Autos parken. Der Platz komme vor allem dem Wurzener Sportverein
ATSV zugute. Bis zum Jahresende soll diese Maßnahme beendet sein.
www.lvz-online.de
03.08.2004
Waltershausen: Plattenbau in moderne Einzelhäuser
umgebaut
Am und im Plattenbau Clara-Zetkin-Straße 1-12, die von der
Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft Waltershausen sowie der Verwaltungs-
und Baugesellschaft betrieben werden, ist in den letzten Tagen so richtig was
los.
Unter bewohnten Bedingungen erfolgt hier ein Umbau des Plattenbaus. Im Segment
der Baugesellschaft mit 48 Wohneinheiten werden seit einiger Zeit die zwei
oberen Geschosse demontiert, während die unteren Wohnungen weiter belegt sind.
Das mittlere Haussegment der Siedlungsgenossenschaft mit 48 Wohneinheiten wurde
in der vergangenen Woche komplett abgerissen. Die Mieter hatten zuvor innerhalb
eines Jahres eine neue und nach ihren Wünschen ausgestattete Wohnung erhalten.
In den Hauseingängen 1-4 gehen zur Zeit die Sanierungsarbeiten weiter. Die
Wohnungen in den unteren vier Etagen erhalten neue Fenster und Heizungen
eingebaut.
Im Anschluss erfolgt auch hier der Rückbau der beiden oberen Etagen unter
gleichzeitiger Nutzung der darunter liegenden Wohnungen. Der zweite
Sanierungsabschnitt sieht dann die Erneuerung des Daches und der Fassade vor.
Gleichzeitig werden große Balkone angebaut.Aus einer massiven sechsgeschossigen
Hauszeile mit 144 Wohnungen gestalten die beiden Waltershäuser
Wohnungsunternehmen zwei moderne Einzelhäuser mit jeweils 32 Wohnungen für ein
niveauvolles Wohnen in Waltershausen-Ibenhain.
www.tlz.de
03.08.2004
Nordhausen: Kein Stopp für Abriss
Als Panikmache bezeichnete der Vorstand der
Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) gestern die Äußerungen, den
begonnenen Stadtumbau zu überdenken. Die Verunsicherung hinsichtlich des
künftigen Arbeitslosengeldes II sei so schon hoch genug bei den Betroffenen.
Natürlich werde sich auch die WBG den neuen Bedingungen stellen, die Hartz IV
mit sich bringt. Dies geschehe aber gemeinsam mit den Verantwortlichen im
Landratsamt und in der Agentur für Arbeit, betonte die WBG.
Die Genossenschaft distanzierte sich eindeutig von der Meinung, das begonnene
Rückbauprogramm in Nordhausen zu überdenken oder gar zu stoppen. Es werde mit
der WGB keine "Ghettoisierung" in Nordhausen-Ost oder anderen Stadtteilen geben.
Eher das Gegenteil werde der Fall sein. Besonders in "Ost" würden die
Sanierungen weitergehen. Für das kommende Jahr seien erhebliche Mittel
eingeplant, um den Standort attraktiver zu machen. Dazu gehöre aber neben der
Sanierung der Conrad-Fromann-Straße 5 bis 10 auch der Abriss leer stehender
Blöcke Am Roßmannsbach. "Gerade diese Symbiose tritt einer so genannten
Ghetto-Bildung entgegen", so der Vorstand.
Weiterhin biete die WBG allen Stadträten und Kreistagsmitgliedern Gespräche an.
Hier könne dargelegt werden, welche Ursachen für den Wohnungsleerstand in
Nordhausen verantwortlich sind und dass die Lösung nicht in der Erhaltung von
Wohnungsbeständen liegt, die nicht zukunftsträchtig sind. Der WBG-Vorstand gehe
davon aus, dass es auch nach dem Auslaufen einer Übergangsregelung bei der
Miet-Unterstützung Mitte 2005 keine Umzugswelle in Nordhausen geben wird. Es
würden sich immer Kompromisse finden lassen. Hierzu hoffe man auf die schon seit
einigen Jahren sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und der
Agentur für Arbeit.
"Durch den besonnenen Umgang mit diesem schwierigen Thema und die Zusammenarbeit
zwischen den Ämtern und der WBG soll sich auch in Zukunft an den guten
Wohnbedingungen aller Genossenschaftsmitglieder nichts ändern", betonte der
Vorstand.
www.thueringer-allgemeine.de