Newsticker Archiv Dezember 2003
30.12.2003
Weißwasser: Schule wird abgerissen
Das seit Jahren nicht mehr genutzte ehemalige
Schulgebäude an der Heinrich-Heine-Straße in Weißwasser wird in der nächsten
Zeit abgerissen. In ihm befand sich einst die 5. Grundschule von Weißwasser.
Gegenwärtig wird die Ausschreibung der Abbrucharbeiten vorbereitet. Die Angebote
dazu werden Mitte Januar vorliegen, verlautet aus dem Rathaus. Die Entscheidung
für die Abrissbirne traf der Stadtrat von Weißwasser bereits vor knapp vier
Jahren. Jetzt liegen für die Stadt die entsprechenden finanziellen Zuschüsse
bereit. 50 000 Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost wurden dazu bewilligt. Das
sind zwei Drittel der Gesamtkosten. Der genaue Termin für den Abriss steht noch
nicht fest.
Der Stadtrat hat Oberbürgermeister Hartwig Rauh ermächtigt, die Vergabe
vorzunehmen, denn im Januar finden weder Stadtratssitzungen noch Beratungen des
Bau- und Wirtschaftsausschusses statt. Doch eine spätere Vergabe würde den zur
Verfügung stehenden Zeitrahmen für die Verwendung der Fördergelder sprengen.
www.sz-online.de
29.12.2003
Thüringen: "Für Landwirtschaft brauche
ich keine Dörfer"
"Um die aufgegebenen Flächen als halboffene
Landschaften kostengünstig zu erhalten, könnte man sie etwa Rehen und
Wildrindern überlassen Prof. Peter Sedlacek, Schiller-Universität Jena"Politik
wird sich daran messen müssen, ob sie bereit ist, Siedlungen aufzulösen" Herwig
Birg, Bevölkerungsforscher"Dorfsterben hatten wir schon zu DDR-Zeiten"
Fritz Bräunlich, Deutsche LandseniorenIm Jahr 2020 sind fast eine halbe Million
Thüringer im Rentenalter - Städte und Gemeinden stehen vor einem bislang nie
gekannten radikalen Umbruch - Ein Zukunftsszenario Von Frank Kalla Kein Mensch
ist auf der Straße zu sehen. Eine rotgetigerte Katze lugt aus einem Loch eines
alten Scheunentores hervor, nimmt Anlauf, huscht über die Straße zum
Nachbargrundstück mit dem verwitterten Zaun. Zerborstene Dachziegel auf dem
ungepflegten Gehsteig mit halb in der Erde versunkenen Bordsteinen künden von
Verfall und Preisgabe. In der Abenddämmerung ist die Gestalt eines alten Mannes
auszumachen. Er geht zum Hoftor, Scharniere knarren, ein Schlüsselbund klappert.
Vorn, am Anfang der Straße, geht ein Licht in einem Zimmer eines Hauses an. Die
meisten Fensterhöhlen der übrigen Häuser versinken im Schwarz der Nacht. Hinter
ihnen ist seit Jahren kein Leben mehr.
Das Szenario ist für Regionalwissenschaftler Prof. Peter Sedlacek von der
Friedrich-Schiller-Universität Jena gedanklich in einigen Thüringer Regionen in
zwanzig oder dreißig Jahren bittere Realität. Denn: "An der Überalterung in den
Städten und den dörflichen Gemeinden Thüringens bei gleichzeitig anhaltender
Abwanderung kommt keiner vorbei."
Die jetzigen und künftigen Senioren sind schon jetzt eine stetig anwachsende
Generationengemeinschaft und werden zunehmend auch zu einer
Schicksalsgemeinschaft.
24,2 Prozent aller Thüringer werden im Jahr 2020 laut einer Prognose des
Thüringer Landesamtes für Statistik 65 Jahre und älter sein. Das wäre dann ein
Viertel des rund 2,2 Millionen Einwohner zählenden Freistaates. Unter den
künftigen Senioren werden sich viele Frauen und Männer befinden, die derzeit
noch in der Wirtschaft, der Politik oder in anderen Bereichen grundsätzliche
Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die einmal ihren eigenen Lebensabend
betreffen werden.
Sedlacek fasst diese Weichenstellungen aus raumordnungspolitischer Sicht in
einer provokanten Frage zusammen: "Wo ist die Verteidigungslinie?" Für den
Wissenschaftler, der seit über zehn Jahren die Entwicklung Thüringens aus
demografischer, wirtschaftlicher und sozialer Sicht untersucht, steht inzwischen
fest, dass die weitere Entwicklung von kleinen Dörfern, von
Verwaltungsgemeinschaften, Klein- und Großstädten jetzt auf den Prüfstand
gehört.
"Um es nüchtern auf den Punkt zu bringen: Für die Landwirtschaft brauche ich
nicht unbedingt ein Dorf." Dass im kleinstrukturierten Thüringen in zehn oder
zwanzig Jahren nach Sedlaceks These abgelegene Orte mit wenig Einwohnern
aufgegeben und zu Wüstungen werden, stößt auf wenig Gegenliebe.
Beispielsweise bei Jürgen Gnauck, Geschäftsführer des Thüringer Städte- und
Gemeindebundes, und vor wenigen Monaten noch Staatskanzlei-Minister unter
Ex-Regierungschef Bernhard Vogel (CDU).
Gottseidank könne von einer Verödung von Landstrichen und einem Dorfsterben wie
in Mecklenburg-Vorpommern in Thüringen keine Rede sein, meint Gnauck. Die
Zukunft von abgelegenen Dörfern mit 50 oder weniger Einwohnern? Für Gnauck kein
Thema zur Beunruhigung. "Aus meiner Sicht gilt die Verfassung überall", wischt
er das düstere Szenario des Wissenschaftlers vom Tisch.
Einfach übersetzt: Egal, wo Menschen sich in dieser Bundesrepublik häuslich
niedergelassen haben, haben sie nach der Gnauckschen Überzeugung ein Recht auf
gleichartige Lebensverhältnisse. Müllbeseitigung, die Versorgung mit Trinkwasser
oder die Abwasserbeseitigung, der Bezug von Strom: Entziehen kann sich der
Pflicht kein Ver- oder Entsorger. Egal, was es kostet.
Sollte sich Sedlaceks These bewahrheiten, so drohen in zwei oder drei
Jahrzehnten in einigen Regionen Thüringens Zustände, wie man sie bisher nur von
halbverlassenen Dörfern in den Braunkohlerevieren kennt. Auf der einen Seite die
Streiter um die heimische Scholle, auf der anderen Seite der Braunkohlebagger in
Wartestellung. Nur, dass beim Szenario des Jenaer Professors keine
Ausgleichszahlungen, keine Umsiedlungsverträge, kein energiepolitisches und
wirtschaftliches Interesse hinter dem Sterben von Dörfern stehen. Wer in seinem
solchen Ort seine Bastion sieht, die es zu verteidigen gilt, für den heißt die
Zukunft ein "Einsiedlerkrebs-Leben" mit Einschränkungen und Zusatzkosten.
Gleichwohl, so meint Gnauck, wisse er um die Verantwortung, die auf die Kommunen
in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung zukommen werde.
Alle Funktionen - also auch ärztliche Versorgung, Einkaufen und dergleichen -
werde man nicht in jedem Ort vorhalten können. Die kommunalen Vertreter in
Thüringen seien sich ihrer Verantwortung voll bewusst. Nach Gnaucks Meinung
setzt hier genau der Entwurf des Landesentwicklungsplanes (LEP) an. Geklärt
werden müsse, wer für wen die komplexe Versorgung entwickle und vorhalte, sieht
er einen Lösungsweg, um auch bei einer wachsenden Schar älterer Mitbürger in
kleineren Kommunen diese als lebenswerte Orte zu erhalten. Letztlich weiß man
aber auch beim Thüringer Städte- und Gemeindebund, dass ohne eine
wirtschaftliche Stabilität in den Regionen diese Aufgabe nur schwerlich zu
meistern sein wird. "Die Menschen müssen wieder wissen, wo es langgeht", fordert
Gnauck deshalb klare Linien bei der Bundespolitik ein.
Für die meist jungen Thüringer ist indes seit Jahren die Linie klar: Weg von den
Unsicherheiten, einem Leben mit Sozialhilfe, und hin zu einer sicheren
Lehrausbildung oder einer Arbeitsstelle; meist in Hessen, Bayern oder
Baden-Württemberg.
Genau hier sieht Sedlacek das Problem: "Die Kinder der jetzigen Generation, die
auswandern und in wirtschaftsstarken Regionen Fuß fassen, wird ein altes Gehöft
nicht nach Thüringen zurückbringen."
Bernhard Waldert , Bürgermeister der 3444 Einwohner zählenden Einheitsgemeinde
Harth-Pöllnitz im Landkreis Greiz, kennt das Problem. 80 Einwohner hat die
Großgemeinde seit dem Jahr 2000 verloren. Die leicht steigende Geburtenrate von
20 auf 26 in den letzten zwei, drei Jahren konnte den Verlust bei weitem nicht
wettmachen. Drei seiner vier Kinder arbeiten in den alten Bundesländern.
Trotzdem ist er sicher, dass der seit 500 Jahren in Familienbesitz befindliche
Hof in Wetzdorf nicht verwaist. "Das Interesse der Kinder ist da."
Von einer gewaltigen Ahnungslosigkeit und einem enormen Desinteresse an
Demografie-Prognosen im Osten spricht Bevölkerungsforscher Herwig Birg, Direktor
des Instituts für Bevölkerungsforschung an der Universität Bielefeld. Die
Landflucht schaffe im Osten einen Prozess, wie er zuletzt im 30-jährigen Krieg
stattgefunden habe, so Birg in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel".
"Die Politik wird sich daran messen lassen müssen, ob sie bereit ist, Siedlungen
aufzulösen", untermauerte der Wissenschaftler in einem OTZ-Gespräch die Brisanz
der demografischen Entwicklung im Osten. Seit 1972 habe man in Deutschland mehr
Sterbefälle als Geburtszugänge zu verzeichnen. "Es ist mir unbegreiflich, dass
man nicht verstehen will, dass ungeborene Menschen auch keine Kinder bekommen
können", so Birg. Auf zehn Millionen Menschen werde der Anteil der über
60-Jährigen in Deutschland bis 2050 anwachsen. Gleichzeitig werde die Zahl der
Menschen in der für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wichtigen
Altersgruppe von 20 bis 60 Jahren um 16 Millionen abnehmen, warnt der Professor.
Birg und Sedlacek begreifen den demografischen Wandel, der auch in den anderen
Bundesländern mit Verzögerungen eintreten wird, aber nicht als ein
Untergangsszenario, sondern als Chance. "Aufhalten werden wir die Entwicklung
nicht, bestenfalls bei einer Zunahme der Geburten eine Verlangsamung erreichen.
Deshalb muss man sich schon heute die Frage stellen, wo es sich jetzt und
künftig lohnt, Geld und Ressourcen einzusetzen", meint beispielsweise Sedlacek.
Er warnt vor einer flächendeckenden Erosion bei den Gemeinden, wenn in jedem
kleinen Ort weiter kräftig investiert wird. "Früher oder später fehlt einfach
die finanzielle Kraft, um die Strukturen aufrecht zu erhalten." Gnauck spricht
da lieber allgemein von Fehlinvestitionen, die es zu vermeiden gelte.
Gerade den ostdeutschen Bundesländer droht nach Ansicht des Bielefelder
Wissenschaftlers Birg eine weitere Verschärfung der Situation. "Die Abwanderung
von jungen Menschen in wirtschaftsstarke Regionen wird weitergehen", meint er.
So wie Bayern und Baden-Würrtemberg seit Jahrzehnten von Zuwanderungen aus den
nördlichen Bundesländern profitiert hätten, werde sich dieser Prozess dauerhaft
von Ost nach West einpegeln. Den demografischen Wettbewerb würden immer die
wirtschaftsstarken Regionen zu ihren Gunsten entscheiden, so Birg.
Die künftigen Probleme, die in Thüringen und anderen Bundesländern gelöst werden
müssen, sind vielfältig. Verschont von der Entwicklung bleibt kein
Siedlungskern: große Städte, Kleinstädte und Dörfer sind betroffen. Die gesamte
Infrastruktur - Straßen, Kanalisation, Energieversorgung, Wasserversorgung,
Einkaufen und Freizeit - muss nicht nur neu überdacht, sondern an neue
Bedürfnisse angepasst werden.
Zwar greift in Harth-Pöllnitz das Dorferneuerungsprogramm, werden auch die
kleinen Ortsteile mit einem warmen Geldregen aus Erfurter Fördertöpfen
aufpoliert. Beim 40 Kilometer langen Straßennetz der Gemeinde sieht es da schon
düsterer aus. "Ob wir künftig alle vier Ortsverbindungsstraßen nach Wetzdorf
aufrechterhalten können, bezweifle ich", meint Waldert. Zumindest eine der
Straßen sieht er bald als reinen Landwirtschaftsweg.
Eine marode Landesstraße, ein geschlossenes Kinderheim in Zweitschen und
geschlossene Sparkassen-Filialen in Altkirchen und Dobitschen: In der
Verwaltungsgemeinschaft (VG) "Altenburger Land" ist man sich seit längerem klar,
wohin die Reise geht. 431 Einwohner verlor die VG mit elf Mitgliedsgemeinden
seit 1998. Aufgrund des zunehmenden Altersdurchschnittes steht man hier an einem
Scheideweg: Baut man das Betreuungsangebot für Kinder kurzfristig für einen
eventuellen Geburtenanstieg aus oder investiert man die knappen Mittel lieber in
Angebote für die älteren Bevölkerungsschichten? VG-Chef Peter Bugar will
jedenfalls nicht weiter tatenlos zusehen, dass der ländliche Raum weiter
ausgedünnt und von der Entwicklung abgekoppelt wird.
Beeinflussen können die Gemeinden raumpolitische Entscheidungen aber nur in
geringem Maße. In Niederpöllnitz wurde trotz vieler Proteste die dortige
Regelschule geschlossen.
Fritz Bräunlich aus dem kleinen Dorf Kauern bei Ronneburg, seit diesem Jahr
Vize-Vorsitzender der bundesweiten Vereinigung der Deutschen Landsenioren, gibt
sich keinen Illusionen hin. "Dorfsterben hatten wir schon zu DDR-Zeiten, wo
entlang der Spree Dörfer zu puren Bungalowsiedlungen geschrumpft sind", erinnert
sich der agile Senior. In Dörfern, wo traditionelle Familienbeziehungen durch
den Wegzug der Jungen nur noch andeutungsweise vorhanden sind, wird zunehmend
die Eigeninitiative der Daheimgebliebenen gefragt sein, ist sich Bräunlich
sicher. Er kämpft seit über zehn Jahren um dauerhafte Versorgungsstrukturen auf
dem Lande. Und ärgert sich über die vielen kleinen Aktivitäten der über 50
Wohlfahrtsverbände. "Besser wäre es, man würde die Kräfte bündeln und den
Älteren mehr Entscheidungsspielraum geben", so Bräunlich, der von Kindheit an
auf dem Lande groß geworden ist.
"Man wird nicht in jedem Dorf eine ambulante Rundumversorgung aufrechterhalten
können", meint auch Sedlacek. Das notwendige Personal und die Kosten würden
jeden Rahmen sprengen. "Wir müssen uns auch verdeutlichen, dass immer weniger
Erwerbsfähige diese Leistungen finanzieren müssen". Näher zusammenrücken,
Nachbarschaftshilfe oder gar gemeinsame Wohngemeinschaften von Menschen
unterschiedlichsten Alters seien unausweichliche Alternativen. "Junge Alte
pflegen alte Alte", lautet das Credo des Professors. In alten holländischen
Städten wie Amsterdam habe es im 14. Jahrhundert so genannte "Beguinenhöfe"
gegeben. "Das Modell beruhte auf diesem Prinzip. Wohnformen dieser Art könnten
als Modell dienen."
Die Gewinner und Verlierer im Kampf um Menschen und Zukunftsperspektiven stehen
jetzt schon fest. Neben den boomenden Wirtschaftsregionen im Westen räumen die
Wissenschaftler im Osten nur den größeren Städten mit den Gemeinden an deren
Peripherien eine Zukunft ein. Die bisherige Entwicklung gibt den Forschern dabei
Recht. So profitieren beispielsweise auch kleinere Gemeinden mit guter
Infrastrukturanbindung im Saale-Holzland-Kreis von Zuwanderern aus den größeren
Städten und wirtschaftsschwachen Regionen. "Die Umlandgemeinden von Erfurt,
Jena, Weimar und Gera, wenn die Städte eine wirtschaftliche Konsolidierung
erfahren, zählen in Ost- und Mittelthüringen zu den Gewinnern", so Sedlacek.
In den Regionalwissenschaften sehe man eine Entwicklung, bei der das Wachstum
der Städte ringförmig in ihrem Umland erfolge, wo sich die Wohnbevölkerung
ebenso wie Handel, Dienstleistungen und gewerbliche Wirtschaft ansiedeln,
während sich die Kernstadt entleere. So könnte die Zukunft der neuen Stadt
aussehen. Im ländlichen Raum werde es dann noch punktuelle Mittelzentren geben.
Der Rest? "Den könnte sich zum Beispiel die Natur zurückerobern. Um die
aufgegebenen Flächen als halboffene Landschaften kostengünstig zu erhalten,
könnte man sie etwa Rehen und Wildrindern überlassen", so Sedlacek.
Hoffnungen und Ängste verbinden sich derzeit in Thüringen mit dem
Landesentwicklungsplan. Nachdem dieser verschämt den Gemeinden in Anschreiben
mit Bitte um Stellungnahme im vergangenen Jahr zugesandt worden war, brach ein
Sturm der Entrüstung los. Die geplante strenge Regelung nach einem
Zentrale-Orte-Prinzip in Ober-, Mittel- und Grundzentren ließ bei vielen
Bürgermeistern die Alarmglocken schrillen: Geringer Status, weniger Geld, so
ihre Angst. Das seien doch nur wenige gewesen, wiegelt Jürgen Gnauck ab. Dass
der LEP in einer für alle Beteiligten tragbaren Form kommen muss, steht für ihn
jedoch außer Frage.
Die Fortschreibung des LEP sei ein guter Ansatz, rechtzeitig auf die künftigen
strukturellen Probleme die richtigen Anworten zu finden, meint auch
Regionalwissenschaftler Sedlacek.
www.otz.de
28.12.2003
Hunderttausende verlassen Osten
Eine neue Studie belegt dramatische
Bevölkerungsverluste in Ostdeutschland. Wie FOCUS berichtet, zeigt der Demograf
Ralf Mai in seiner Dissertation an der Universität Bamberg, dass seit der Wende
etwa 820 000 Ostdeutsche in den Westen zogen. Zu den Verlierern gehören der
Kreis Leipziger Land (mit einem Minus von 35 Prozent), Hoyerswerda (21,9 Prozent
Minus), Schwerin (19,6 Prozent Minus), Halle/Saale (18,2 Prozent Minus) oder
Rostock (minus 18 Prozent).
Auch innerhalb Ostdeutschlands zogen die Menschen um, meist aus
strukturschwachen Städten ins Umland. Ein Einwohnerplus verzeichnen Delitzsch
(31,1 Prozent), der Saalkreis (28,2 Prozent), Bad Doberan (27,5 Prozent),
Potsdam-Mittelmark (23,1 Prozent) oder der Muldentalkreis (19,9 Prozent Plus).
Wie die Studie weiter zeigt, verlassen vor allem junge, gut ausgebildete
Menschen ihre Heimat, weil sie keine Arbeit finden.
www.focus.de
27.12.2003
Sebnitz: Lösung für Knöchelhäuser nicht vor 2006
Am 22. Januar sollen die Wohnblöcke auf der
Pestalozzistraße 45 bis 67 in Sebnitz erneut versteigert werden.
Zum wiederholten Male. Denn schon im Frühjahr 2002 brachte eine Versteigerung
keinen Erfolg. Der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh glaubt, einer
Lösung ziemlich nahe zu sein. Die Sebnitzer Stadtverwaltung wird bei der
Versteigerung mit anwesend sein, „um sich mal umzuhören, wie hoch der Preis
ist.“
Geplant ist, die Häuser zu erwerben, um sie dann abzureißen. Mehr sei nicht
möglich. Die Flächen würden dann erst mal Grünland werden und für weitere
Investitionen zur Verfügung stehen. Ob die Pläne tatsächlich so aufgehen, ist
fraglich. Für das Knöchelwohngebiet wäre es sicher ein Gewinn. Die Häuser wieder
neu zu vermieten, ist illusorisch.
Seit Frühjahr 2000 werden sie zwangsverwaltet. Eigentlich sollte aber alles ganz
anders laufen. Im Rahmen der Altschuldentilgung wurden die einstigen kommunalen
Häuser an eine Cottbuser Immobilienfirma verkauft. Den Käufern war das Schicksal
der Wohnblöcke aber völlig egal. Rechnungen wurden nicht bezahlt, Reparaturen in
den Wohnungen nicht erledigt. Letztlich ging es so weit, dass den Mietern das
Wasser abgedreht werden und der Müll vor ihren Haustüren liegen bleiben sollte,
weil sich die Schulden des Vermieters bei den Ver- und Entsorgungsunternehmen
häuften. Die Mieter hatten die Nase voll, suchten sich nach und nach andere
Wohnungen.
Die Chancen, nach fast vier Jahren wieder neue Investoren zu finden, stehen
denkbar schlecht, auch angesichts der hohen Zahl leer stehender Wohnungen in
Sebnitz. Mit Hilfe des Programms zum Stadtumbau Ost will man im Sebnitzer
Rathaus nun endlich einen Schlussstrich unter die unsägliche Geschichte auf der
Pestalozzistraße ziehen. Läuft alles nach Plan, so ist aber nicht vor 2006 mit
dem Abriss zu rechnen.
www.sz-online.de
27.12.2003
Eisenach: Zwei weitere sollen fallen
Die Mitglieder der Allgemeinen
Wohnungsgesellschaft Eisenach (AWG) scheinen mit ihrem Vorstand sichtlich
zufrieden und die wiederum mit ihnen auch. Selbstverständlich ist das nicht,
denn immerhin geht es um 3174 Wohnungen und entsprechend groß ist auch die Zahl
der Meinungen.
Diese Wohnungen stehen in Eisenach-Nord, an der Thälmannstraße, in der
Innenstadt, am Petersberg, in Mihla und Ifta oder in Creuzburg. So genau weiß es
Ines Hartung vom Vorstand der AWG, die für dem kaufmännischen Bereich
verantwortlich zeichnet, während sich Edgar Lautenbach mehr um die technische
Seite kümmert. Alle Entscheidungen werden aber gemeinsam getroffen.
Allerdings hat auch die AWG mit der Wohnungsmisere hierzulande zu kämpfen, denn
etwas mehr als zehn Prozent der Wohnungen stehen leer. Aber auch dafür fallen
Betriebskosten an und so fehlen der AWG bei einem Umsatz von acht Millionen Euro
jährlich fast 900 000 Euro für Investitionen. Dennoch, so betont Ines Hartung,
"es gibt kein Haus, wo wir nicht angefangen haben". Zwei Drittel der Wohnungen
seien vollständig oder wenigstens teilsaniert.
Man will aber auch keine Augenwischerei betreiben und ist sich klar, dass nur
der Stadtumbau Ost hier Hilfe schaffen kann. Eigentlich, so die Planung, habe
man in jedem Jahr einen 40-er-Block abreißen wollen. Zwei seien schon weg und
demnächst folgen die Stedtfelder Straße 1 - 4 und 13 - 16. Genau 60 Euro
Fördermittel gibt es für jeden Quadratmeter Rückbau. So ein Block hat 2100
Quadratmeter und die gleiche Summe wie die Fördermittel muss die AWG nochmals
drauflegen. Da seien Abfindungen zu zahlen, Renovierungen, Umzüge und anderes.
Bislang, so Hartung, sei man sich aber immer einig geworden. Für sehr erfreulich
hielt sie es, das trotz des fast zwangsweisen Umzuges eigentlich alle der AWG
treu geblieben seien. Insgesamt sollen zehn Blocks fallen, um wirtschaftlich
mittelfristig auf gesunde Beine zu kommen.
Eigentlich gibt es schon seit etlichen Jahren Pläne auch andere Wohnungen
umzugestalten. So sollten Erdgeschosse in Garagen und kleine Zwei-Raum-Wohnungen
in Maissonette-Wohnungen verwandelt werden. Diese Umbau seien aber derzeit nicht
finanzierbar.
Geplant war auch, die durch den Blockabriss freiwerdenden Flächen als
Stellplätze zu vermarkten. Das geht aber nun doch nicht, denn die
Förderrichtlinien verbieten das - und ohne Fördermittel wäre der Abriss nicht
machbar.
www.tlz.de
27.12.2003
Städte sollen ihr Tafelsilber halten
Städte in Not, die Kassen sind leer - was
liegt da näher als der Gedanke, auch städtisches Tafelsilber zu verkaufen. Und
beim Blick auf das, was die Kommunen vielleicht noch erfolgversprechend an den
Mann bringen könnten, springen die Beteiligungen an den kommunalen
Wohnungsgesellschaften natürlich sofort ins Auge. Mancher Bürgermeister in
Thüringen wird da in Versuchung geführt - von den eigenen Kassenwarten, aber
auch von verlockenden Offerten privater Investoren.
"Der Druck auf die Bürgermeister, ihre kommunalen Unternehmen zu verkaufen,
wächst", weiß auch Norbert Nareyke. Er ist der Hauptgeschäftsführer des
Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft. Aber er warnt auch nachdrücklich vor
solchen Kurzschlusshandlungen. Denn die Städte verlieren um eines scheinbaren
finanziellen Vorteils willen den Einfluss auf die eigene Entwicklung. Private
Investoren schauen auf das, was unterm Strich herauskommt. Sie kümmern sich
wenig um städtebauliche Konzeptionen. Und, so fürchtet Nareyke, auch nicht um
die immer größer werdenden Nöte der Mieter.
"Gerade bei den Mietern, die unverschuldet in Not geraten sind, müssen wir jetzt
Flagge zeigen", empfiehlt Nareyke den Unternehmen, eine neue soziale
Verantwortung zu entwickeln, eine "neue Gemeinnützigkeit" zu etablieren, wie er
das nennt. Die kommunalen Unternehmen nimmt er in die Pflicht, auch kulturelle
und wohnungspolitische Zusammenhänge im Auge zu haben, ohne den wirtschaftlichen
Aspekt zu vernachlässigen.
Die Städte, das ist seine feste Überzeugung, sind auf die Kooperation der
Wohnungsunternehmen angewiesen, wenn es darum geht, städtebauliche Konzeptionen
zu entwickeln, die zukunftstauglich sind, die den neuen Herausforderungen
entsprechen. Und ein Blick über die wohnungspolitische Landkarte in Thüringen
zeigt Nareyke: "Wenn es um den Stadtumbau Ost geht, dann sind wir die einzigen,
die hier aktiv sind."
Darauf hält er sich auch einiges zu Gute. Denn was hier in den vergangenen
Jahren geschaffen wurde, ist beachtenswert. Ein totaler Kurswechsel in der
Städtebaupolitik ist fast völlig reibungslos vollzogen worden. Dabei geht es
nicht nur um den puren Abriss von Wohnraum. Es geht vor allem um die
Neugestaltung und Weiterentwicklung von Stadtteilen, um die Nutzung der
Möglichkeiten, die der Stadtumbau Ost, der aus der Not zurückgehender
Bevölkerungszahlen geboren wurde, möglich macht.
Stadtumbau heißt nämlich nicht nur das Anrücken mit der Abrissbirne, das
Plattmachen von Plattenbauten. Jedes Jahr werden in Thüringen zwischen 6000 und
7000 Wohnungen abgerissen. Für 2004 stehen wieder Gelder für 7000 Wohnungen
bereit. Aber Stadtumbau heißt auch die Weiterentwicklung von Stadtteilen, den
Bau von Grünflächen, bedeutet aber auch, die Mieter in den Bauten, die für den
Abriss vorgesehen sind, behutsam umzusetzen. Bis auf wenige Ausnahmen hat es
hier in Thüringen kaum Probleme gegeben.
Nareyke ist davon überzeugt: "Für den Standort Thüringen ist eine attraktive
Stadtkulisse dringend notwendig." Das gilt aber nicht nur für die peripheren
Stadtbereiche, sondern auch für die Innenstädte. Deshalb hat die Landesregierung
jetzt ein Innenstadt-Stabilisierungsprogramm aufgelegt. Ziel ist es, Baulücken
in City-Lagen zu schließen oder Brachflächen zu erschließen. 100 Wohnungen
sollen damit in ganz Thüringen gefördert werden, nicht gerade üppig, aber
immerhin ein Anfang.
Neue Ideen sind gefragt. Jungen Leuten soll das Wohnen auch in der Platte
schmackhaft gemacht werden, durch Angebote der Kinderbetreuung beispielsweise.
Aber auch ältere Menschen will man durch Umgestalten von Wohnungen halten -
immerhin hat das Thüringen im ablaufenden Jahr drei Bauherrenpreise eingebracht.
Neue Herausforderungen warten auf die Gesellschaften. Finanzielle Kraftakte sind
zu bewältigen, der sozialen Verantwortung muss man in Zeiten wirtschaftlicher
Krisen gerecht werden, Nareyke spricht gerne von "Unternehmen mit sozialem
Augenmaß." Und die Wohnungsleerstände dürfen nicht übermäßig zunehmen, damit die
Unternehmen nicht finanziell in die Schieflage geraten. Thüringen hat die Krise
auf dem Wohnungsmarkt bisher im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ gut
gemeistert: Es gab nur eine Insolvenz einer Genossenschaft. Auch wenn es einer
Reihe von Unternehmen nicht richtig gut geht, bleiben sie aber handlungsfähig.
Und die Leerstandsproblematik hat man auch halbwegs im Griff. Während in allen
anderen neuen Ländern die Zahl der leerstehenden Wohnungen wächst, verzeichnet
man in Thüringen mit 15,7 Prozent keine Verschlechterung. In Sachsen stehen 22
Prozent der Wohnungen leer, in Sachsen-Anhalt sind es 22,5 Prozent.
Neue Herausforderungen, die die Gesellschaften gemeinsam mit den Städten
meistern wollen. Deshalb hofft Nareyke, dass die Bürgermeister im Freistaat
standhaft bleiben und ihr Tafelsilber Wohnungsgesellschaften nicht verkaufen
werden.
www.tlz.de
24.12.2003
Stadtumbau West verlangt nach eigener Strategie
Nicht nur in den neuen Bundesländern gibt es
Wohnungsbestände, die zum Problem werden. Bevölkerungsverluste und die damit
einhergehenden schwierigen Folgen für die öffentlichen Kassen und die Sozial-
und Infrastruktur gehören mittlerweile auch zum Alltag westdeutscher Städte.
Betroffen sind das Ruhrgebiet, aber auch Stadtgebiete von München,
Frankfurt/Main oder Hannover.
In älteren Stadtquartieren oder in Hochhaussiedlungen, insbesondere in solchen
mit technischen oder infrastrukturellen Mängeln, steigen die Leerstände merklich
an. Soziale Spannungen sind eine unerwünschte Folge. Einzelne Häuser und
Wohnungen nur technisch zu modernisieren, reicht in so einer Situation nicht
aus. Was nützen neue Stromleitungen und eine hübsche Fassade, wenn Probleme im
Wohnumfeld und in der Sozialstruktur bleiben?
In Essen haben jetzt drei Wohnungsanbieter Kooperationen zur
Quartiersentwicklung auf Stadtteilebene vereinbart, das kommunale
Wohnungsunternehmen Allbau, die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten (THS)
und die Wohnbau Westfalen, ein Unternehmen im Verbund der RAG Immobilien AG. Das
gemeinsam erarbeitete Entwicklungskonzept für den Problem-Stadtteil
Essen-Vogelheim sieht dabei zum einen die Modernisierung von Wohnungen vor,
wobei kleine Einheiten zusammengelegt, unattraktive Grundrisse verändert werden.
Einzelne Gebäude verschwinden komplett. Auf den freigewordenen Grundstücken ist
der Bau von Einfamilienhäusern und neuen Mietwohnungen geplant, die den heutigen
und künftigen Raumansprüchen entsprechen. Ein solches Konzept funktioniert aber
nur mit kommunaler Beteiligung.
"Hier ist auch die Stadt Essen in der Pflicht. Investitionssicherheit ist nur
gegeben, sofern die Kommune ihren Teil zur Verbesserung des Wohnumfeldes
beiträgt", appelliert Hermann Marth, Vorstandsvorsitzender der RAG Immobilien
AG. Sein Argument: Durch den Neubau von Einfamilienhäusern wird die soziale
Struktur des Stadtteils aufgewertet. Bei weiteren Bevölkerungsverlusten wäre das
Versorgungsniveau mit Schulen, Kindergärten, Nahverkehr, Sportstätten und
Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr zu erhalten.
Ihr Vorgehen begründen die drei Wohnungsunternehmen mit dem Argument, dass sich
die Konzepte des Stadtumbaus Ost nicht eins zu eins auf die alten Bundesländer
übertragen ließen. So gäbe es in westdeutschen Städten nur relativ wenige, den
Plattenbaugebieten vergleichbare Siedlungen, deren Abriss das Leerstandsproblem
lösen könnte. "Zudem sind die Eigentümerstruktur und die Leerstandsverteilung in
den alten Bundesländern weitaus heterogener. Selbst große Anbieter besitzen in
einer Stadt selten mehr als fünf Prozent des Wohnungsbestandes", weiß Jörg-Achim
Schwenzfeier, Geschäftsführer der THS, Gelsenkirchen. Neben den architektonisch
schwierigen Siedlungen der frühen siebziger Jahre bestehen erhebliche technische
und infrastrukturelle Probleme in den Beständen aus den fünfziger Jahre und den
Gartenstädten der zwanziger Jahre. Diese Bestände zeichnen sich jedoch in der
Regel durch ein attraktives Wohnumfeld und eine attraktive Lage aus.
www.welt.de
23.12.2003
Frauenmangel bedroht Zukunft in
Ostdeutschland
Für Ostdeutschlands Männer stehen die Chancen auf Partnerschaft und Eheglück in
ihrer Heimat immer schlechter. Akuter Frauenmangel bedroht nach Einschätzung
einiger Wissenschaftler sogar die Zukunft der ganzen Region. Schon heute kommen
in den fünf ostdeutschen Bundesländern auf 120 Männer durchschnittlich nur 100
Frauen. Die Schere wird sich weiter öffnen, prognostizieren Demographen.
Auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft verlassen immer mehr junge, gut
ausgebildete Frauen den Osten Deutschlands und kehren seltener zurück als ihre
männlichen Altersgenossen. Forscher warnen vor sinkenden Bildungsstandards,
wachsender Frustration bei den männlichen Zwangs-Singles sowie einer zunehmenden
Entvölkerung besonders ländlicher Landstriche. Nach Zahlen des Statistischen
Bundesamtes leben in den fünf Bundesländern 279.626 mehr Männer als Frauen im
Alter zwischen 15 und 50 Jahren. Besonders groß ist der Männerüberhang in der
Alterklasse zwischen 20 und 25 Jahren: Allein in diesen Jahrgängen "fehlen" im
Osten 69.605 Frauen.
"Ostdeutsche Frauen scheinen mobiler zu sein", sagt Harald Michel, Leiter des
Instituts für angewandte Demographie in Berlin. Sie seien oft besser ausgebildet
und offenbar erfolgreicher bei der Jobsuche. Zwar sehen sich auch viele
ostdeutsche Männer im Westen nach einem Arbeitsplatz um. Doch im Vergleich zu
den Frauen gingen sie dort seltener eine Partnerschaft ein und kehrten öfter in
ihre Heimat zurück, sagt Michel. Insgesamt verlassen pro Jahr etwas 300.000
Ostdeutsche die Region, nur rund 200.000 kommen wieder zurück.
In einigen ländlichen Gegenden kämen schon heute auf 100 Frauen mehr als 130
Männer, sagt Michel. Die Folgen der statistisch für fast ein Drittel der Männer
erfolglosen Partnersuche seien leicht vorstellbar, warnt der Forscher. Wachsende
Frustration unter den partnerlosen Männern lasse die Gefahr von
Alkoholproblemen, sozialem Abstieg und Gewalt steigen.
Die Abwanderung von gebildeten Frauen könnte nach Ansicht von Ulf Matthiesen,
Forscher am Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner,
nicht nur zu einem Sinken der Geburtenrate und einer zunehmenden Entvölkerung
bestimmter Regionen führen, sondern auch das Bildungsniveau sinken lassen.
Besonders ländliche Regionen der neuen Bundesländer könnten einst einen hohen
Anteil von schlecht ausgebildeten Männern aufweisen, für die eine Partnerin oder
Familie nahezu unerreichbar wären, warnt Matthiesen.
www.mz-web.de
23.12.2003
Gera: Stadt zahlt aus Verkauf der Gewo 775 000 Euro zurück
Die Stadt muss 755 000 Euro an die DKB
Immobilien AG zahlen. Dem hat der Stadtrat letztlich zugestimmt, auch wenn es
vorab einige Debatten um die Zahlung gegeben hatte.
Die DKB Immobilien AG ist seit Juni 2002 Mehrheitseigentümerin der einstigen
kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Gewo mbH. 80 Mitarbeiter wollte der neue
Eigentümer übernehmen. Damit hatte die Gewo 15 Mitarbeiter zu viel in ihren
Reihen. Mutig, so erinnern sich Kommunalpolitiker, sagte Oberbürgermeister Ralf
Rauch (parteilos) damals zu, für die 15 einen neuen Job in städtischen
Unternehmen zu finden. Das garantierte die Stadt sogar mit dem Versprechen,
andernfalls 650 000 Euro zu zahlen.
So griff die Stadt schließlich zum Mittel der finanziellen Abfindung für jene,
die freiwillig gehen würden. Doch darauf ließ sich kaum einer der
Gewo-Mitarbeiter ein. Am Ende bekam die DKB Immobilien AG noch zehn Mitarbeiter
mehr als gewollt. Und nahm nun die Garantiezusage wörtlich; hinzu kommen
"sonstige Forderungen" in Höhe von 105 000 Euro.
Nur mit knapper Mehrheit hat der Geraer Stadtrat in den Ablassbeschluss
eingewilligt. PDS-Fraktionsvorsitzender Bernd Leithold erinnerte daran, dass der
Gewo-Verkaufserlös in den städtischen Vermögenshaushalt fließen sollte. Die
Verwaltung lege Vergesslichkeit an den Tag, kritisierte Leithold.
Doch der einst gefeierte Kaufvertrag zwischen der Stadt und der DKB soll noch
mehr vakante Klauseln beinhalten. So gibt es eine Investitionsverpflichtung der
DKB über einen dreistelligen Millionenbetrag. Allerdings sei die daran gebunden,
dass bis 2010 Fördermittel des Landes für den Stadtumbau fließen. Eine solche
Planungssicherheit ist Augenwischerei. So viel zum Verhandlungsgeschick der
Stadt, kommentiert ein Stadtrat lakonisch. Und verweist im gleichen Atemzug auf
"den noch immer nicht runden Verkauf des Klinikums". Von den einst versprochenen
36 Millionen Euro sind bislang nur 18 Millionen geflossen. Die zweite Rate hängt
von der Bewertung des Anlagevermögens und dem Jahresabschluss zum Stichtag 30.
September ab. Der neue Eigentümer hat für die zweite Rate bislang 11 Millionen
Euro geboten. Die Differenz von sieben Millionen Euro steht derzeit auf
wackligen Füßen.
www.otz.de
23.12.2003
Wittenberge: Leitfaden für Bauwillige in der
Innenstadt
Wer in der Innenstadt bauen und damit künftig
auch dort wohnen will, dem wollen die Kommune und die BIG Städtebau als
Sanierungsträger mit einer jetzt erschienenen Broschüre hilfreich zur Seite
stehen. "Stadtumbau Wittenberge: Leitfaden für den Eigenheimbau in der
Innenstadt", so ist das blaue Heft betitelt, das schon auf den ersten Seiten
Entscheidungshilfe gibt, warum man sich für einen Standort in der Innenstadt
entscheiden sollte und wo sich dieser Standort befinden könnte. Kurz und knapp
sind die Gebiete benannt: Blumensiedlung, Packhofviertel, erweiterte Altstadt,
die sogenannten Eisgärten zwischen Tivolistraße und Wilsnacker Straße sowie der
Wohnpark Ölmühle.
Dann werden drei Bauvorhaben näher vorgestellt: In der Burgstraße können und
sollen neue Reihenhäuser entstehen und so die Straßenlücke zum Hafen hin
schließen.
In der Rathausstraße sind aus zwei Miethäusern bereits zwei Eigenheime geworden.
Zwei weitere Häuser könnten noch entsprechend umgebaut werden. Dieses
Modellprojekt gibt es bereits seit Jahren. Für Interessenten ist es ein
langwieriger und nicht unkomplizierter Weg. Eine Familie, die den Schritt gewagt
hat, ist glücklich, hat es bis heute keinesfalls bereut, so die Aussage
gegenüber dem "Prignitzer".
Das dritte Beispiel in der Broschüre weist auf das Areal zwischen Zoll- und
Müllerstraße hin. Zwischen intakten Häusern stehen Abrisskandidaten. Damit
eröffnen sich Chancen auch für unkonventionelle Neubauten.
Angerissen werden in dem Bauherren-Leitfaden auch Zuschuss-, Darlehn und
Steuervergünstigungsmöglichkeiten. Es gibt einen Gutschein für eine erste
kostenlose Beratung mit einem Baulotsen und Adressen, die Bauwilligen nützlich
sein können.
www.svz.de
23.12.2003
Bremen: Die Abrissbirne ist schon bestellt
Die Vorbereitungen haben mehr als drei Jahre
in Anspruch genommen. Nun tritt das Projekt in die entscheidende Phase: Im März
wird das erste Hochhaus im berühmt-berüchtigten Hochhaus-Stadtteil
Osterholz-Tenever am östlichen Stadtrand Bremens abgerissen. Die Arbeiten wurden
gestern öffentlich ausgeschrieben.
Etwa jede vierte der 2650 Wohnungen, die in dem seinerzeit mit Bundesmitteln zum
Test verdichteter Wohnformen konzipierten Stadtteil entstanden waren, soll vom
Markt verschwinden. Der verbleibende Bestand wird modernisiert. Die kalkulierten
Kosten belaufen sich auf 72 Millionen Euro. Davon übernimmt der Senat 31
Millionen Euro. Auch der Bund beteiligt sich am Rückbau – wieder im Rahmen eines
Modellprojektes. Dafür werden drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Das neue Konzept war wegen der hohen Leerstände bereits im Sommer 2000
beschlossen worden. Es dauerte allerdings bis zum Frühjahr 2003, ehe rund 1300
Wohnungen eines privaten Immobilienbesitzers im Wege der Zwangsversteigerung zu
einem akzeptablen Preis erworben werden konnten. Der Stadtumbau wird von einer
Projektgesellschaft gemanagt, an der die landeseigene Bremer
Investitionsgesellschaft (BIG) und die mehrheitlich in öffentlicher Hand
befindliche Wohnungsgesellschaft Gewoba zu gleichen Teilen beteiligt sind. Bis
2007 sollen die wesentlichen Arbeiten erledigt sein.
Komplett der Abrissbirne zum Opfer fällt zunächst der so genannte Kessler-Block
an der Neuwieder Straße. Alle 231 Wohnungen sind bis zum Jahresende geräumt. Bei
der Umzugsplanung stellte sich heraus, dass das Image des Hochhaus-Stadtteils
offenbar schlechter ist als die Realität. Rund 70 Prozent der Bewohner des
Kessler-Blocks, die sich ein neues Zuhause suchen mussten, wollen weiterhin in
Osterholz-Tenever leben.
Nach dem Kessler-Block werden auch Altenwohnungen ganz in der Nähe sowie Teile
der Fußgängerebene abgerissen, die sich etwa fünf Meter über Straßenniveau
befindet. Dieser Abbruch ist Voraussetzung für die Modernisierung weiterer
Wohnanlagen, die ab Sommer 2004 geplant ist. Neben umfangreichen
Fassadenarbeiten können sich die Bewohner auch über neue Hauseingänge,
Heizungen, Treppenhäuser und Aufzüge freuen. Für soziale Einrichtungen wie ein
alkoholfreies Jugendcafé und ein Horthaus, deren bisherigen Domizile abgerissen
werden, sind bereits Ausweichquartiere gefunden worden. Mit diesem Programm
schließt sich die Hansestadt der Quartierentwicklung in Bremerhaven an. Im
dortigen Stadtteil Bürgerpark-Süd sind in den letzten Monaten bereits 110
Wohnungen abgerissen worden. 70 weitere Abrisse sollen in den nächsten Wochen
folgen.
Im Kessler-Block sind alle 231 Wohnungen bis zum Jahresende geräumt
www.nwz-online.de
22.12.2003
Fahrkarte in den Ruin
Das Milliardenprojekt des Stadtumbaus in
Ostdeutschland bekommt ein völlig anderes Gesicht, wenn man die Städte von
"unten" betrachtet. Denn als bezahlbar, sozial- und gesundheitsverträglich,
ökonomisch und ökologisch sinnvoll werden sich nur solche Stadtumbaustrategien
erweisen, die den Umbau der technischen Infrastruktur in die Kalkulation
einbeziehen. Wie dies geschehen kann, zeigt die Brandenburger Studie "Anpassung
der technischen Infrastruktur beim Stadtumbau".
Die Autoren präsentieren eine fatale Rechnung. Danach müssen auf die ohnehin
horrenden Abrisskosten zusätzlich auch noch Kosten für den Rückbau der
Leitungsnetze aufgeschlagen werden, da diese sonst kollabieren würden. Diese
Zusatzkosten beziffert die Studie auf im Mittel 800 bis 1500 Euro je Wohneinheit
oder 15 bis 25 Euro pro Quadratmeter abgerissene Wohnfläche. Bei einem Leerstand
von jetzt schon rund 1,3 Millionen ostdeutscher Wohnungen ergibt sich daraus
rein rechnerisch ein Umbauaufwand für die Leitungsnetze in Höhe von 1,5 Mrd.
Euro nur allein für die technische Infrastruktur im Osten.
Dabei muss beachtet werden, dass ein Teil dieser Summe auch dann aufgebracht
werden muss, wenn es gar nicht zum Abriss von Wohnungen kommt, weil schon allein
die Unternutzung der Anlagen zum Handeln zwingt. Trotzdem taucht eine
entsprechende finanzielle Rückstellung in den bisherigen Stadtumbaumodellen
überhaupt nicht auf. Das Problem wird verdrängt.
Hinzu kommt, dass die realen Kosten sogar noch deutlich höher liegen. Erfasst
sind mit den genannten Summen zwar die Kosten für den Rückbau von Leitungen,
Umschluss oder Neuverlegung, Anpassung von Pumpwerken und Verteilerstationen.
Nicht erfasst sind aber alle sich folgenotwenig anschließenden Maßnahmen an
zentralen Anlagen wie Hauptsammlern außerhalb der unmittelbar betroffenen
Umbaugebiete, Kläranlagen, Heizkraftwerken sowie die in Rechnung zu stellenden
"Restbuchwerte". Erst recht nicht ist der unkalkulierbare und zugleich höchste
denkbare Risikoposten erfasst: Die Kostenlawine, die unweigerlich dann
losbricht, wenn sich der Wohnungs- und Gebäudeabriss nicht an den
Funktionszusammenhängen der Leitungsnetze orientiert.
Aber gerade dies ist offensichtlich derzeit vielerorts in vollem Gange. Wenn die
Studie an den verschiedensten Stadtbautypen detailliert in einer Feinanalyse
nachweist, welche Rückbaumaßnahmen allenfalls noch systemverträglich sind, so
ergibt sich die erschreckende Bilanz, dass die bisher favorisierten
Stadtumbaukonzepte die Anforderungen der technischen Infrastruktur weitgehend
ignorieren.
Unterscheidet die Studie kompakte und perforierte Altbaugebiete, alte Wohn- und
Werkssiedlungen sowie Plattenbausiedlungen mit Zeilen und/oder mit Höfen, so
gilt für alle diese Stadtbautypen letztlich ein übergeordneter Grundsatz: Im
Hinblick auf die technische Infrastruktur ist nur der flächenhafte Abriss in
solchen Gebieten sinnvoll (und das heißt: ökonomisch, ökologisch und sozial
tragbar), die nicht von verbleibender Bebauung umgeben sind. Andernfalls müsste
unverzüglich an gleicher Stelle in vergleichbarer Dichte neu gebaut werden - was
in Zeiten der Schrumpfung und Überschuldung ausscheidet.
Auch wenn sich die Studie jeder politischen Wertung und Empfehlung peinlichst
enthält, lässt sie doch Schlüsse auf die gängigen Stadtumbaupraktiken und ihre
Seriosität zu. Danach muss befürchtet werden, dass die gegenwärtigen Praktiken
des Stadtumbaus viele Gemeinden in eine gigantische Kostenfalle führen. Legt man
nämlich die Erkenntnisse der Studie zu Grunde, so bringen die gebietsweise
verfolgten Konzepte der "perforierten" Stadt, der "Zwischenstadt", der
autogerechten Stadt, der "Durchgrünung" usw. (also der sukzessiven Ausdünnung
der Bebauung) über kurz oder lang die Funktionstüchtigkeit, die Sicherheit und
Umweltverträglichkeit der Anlagen aus dem Gleichgewicht. Sie lösen damit
Kostenexplosionen der Um- und Nachrüstung aus, die von einer schrumpfenden
Bevölkerung nicht mehr finanziert werden können.
www.welt.de
22.12.2003
Gefahren aus dem Untergrund
Wissenschaftler warnen: Nicht ausgelastete
Kanalsysteme werden zur Seuchenfalle
Berlin - Im Untergrund unserer Städte lauert eine nicht messbare Bedrohung. Denn
die Leitungssysteme für Trinkwasser und Abwässer werden in Zeiten des
Bevölkerungsschwundes, der Leerstände und des Rückbaus zu Gefahrenquellen. In
ihnen wuchern bei abnehmender Fließgeschwindigkeit Keime und Fäulnis. Bei
verfehlter Rückbaustrategie können Vergiftungen, Infektionen und Seuchen
entstehen.
Doch obwohl es im Osten Deutschlands bereits zu millionenfachem Leerstand von
Wohnungen und damit gebietsweise zu einer dramatischen Unterauslastung der
Leitungen gekommen ist und obwohl sich vergleichbare Entwicklungen in weiten
Regionen Westdeutschlands ankündigen (Deutschlands fünftgrößte Stadt Essen
erwartet in den nächsten zwölf Jahren einen Bevölkerungsrückgang um 13 Prozent),
wird die Problematik bisher kaum beachtet. In kommunalen Haushaltsrechnungen
kommt sie nicht vor. Landes- und Kommunalbehörden, Wohnungsgesellschaften und
Eigenheimlobby streiten um Fördermittel und Stadtumbaustrategien. Aber fast alle
diese Konzepte sind ohne den "Wirt", sprich: ohne Berücksichtigung der
Versorgungssysteme gemacht. Jetzt lenkt eine Brandenburger Studie erstmals den
Blick auf diesen Komplex.
Es "stinkt" buchstäblich und im übertragenen Sinne im Untergrund, denn hier
kumulieren und potenzieren sich plötzlich Probleme, von denen sich noch vor zehn
Jahren keine Kommune etwas träumen ließ:
- Die meisten Leitungssysteme sind auf Zuwachs geplant und daher
überdimensioniert;
- sie sind vielfach für die Durchleitung von Löschwasser ausgelegt und deshalb
notorisch unterausgelastet;
- sie sind gebietsweise überaltert und dringend reparaturbedürftig;
- der Wasserverbrauch ist durch Preissteigerungen, Spartechnologien und
ökologische Konzepte in zehn Jahren pauschal um 30 Prozent gesunken - und damit
auch das Abwasseraufkommen.
Zu all diesen Faktoren, die schon ohne Leerstand kritische Grenzsituationen für
die Funktionsfähigkeit und Sicherheit der technischen Infrastruktur herauf
beschwören, tritt als dramatische, explosive Komponente die Ausdünnung und der
Wegzug der Bevölkerung. Die dadurch bedingten Leerstände führen regional zum
regelrechten Wegbrechen des Verbrauchs. Damit kommen physikalische und chemische
Prozesse in Gang, die die Versorgungssicherheit, die Hygiene, das ökologische
Gleichgewicht und letztlich die Bewohnbarkeit ganzer Quartiere bedrohen.
So fließen bei einem Leerstand von 50 Prozent auf Grund der zahlreichen
wirksamen Faktoren durchschnittlich nur noch 20 bis 25 Prozent der
Bemessungswassermenge in Trinkwassernetzen und Abwasserleitungen. Die mittlere
Aufenthaltszeit des Trinkwassers in den Leitungen erhöht sich dadurch um das
Vier- bis Fünffache. Dabei kann es zur Wiederverkeimung des Wassers kommen, das
über den Wasserhahn in Tassen und Töpfen der Bewohner landet.
Für die Abwasserleitungen gilt laut Studie: "Die Unterschreitung der
Mindestfließgeschwindigkeiten führt zu Ablagerungen sowie bei Fließzeiten größer
als zehn Stunden und niedrigem Sauerstoffgehalt zur Bildung von gefährlichen
Schwefelverbindungen. Bei einsetzender Desulfurikation entsteht
Schwefelwasserstoff und in Anwesenheit von kondensierendem Wasserdampf an kalten
Stellen im Abwasserkanal biogene Schwefelsäure ... Bei ständiger Anwesenheit von
Sulfiden erfolgt eine vollständige Zerstörung von Betonrohren innerhalb von fünf
bis zehn Jahren."
Falsch angepackt, können Kostenlawinen losgetreten werden, die die finanzielle
Leistungsfähigkeit der Kommunen sowie der Eigentümer und Mieter überfordern und
die den Zusammenbruch der städtischen Infrastruktur und damit die flächenhafte
Vernichtung des Wohn- und Gebäudeeigentums einleiten.
www.welt.de
21.12.2003
Land Brandenburg: Gemeinden kämpfen mit
Wohnungsleerstand
Es ist nicht allein das Problem der Städte in
Brandenburg. Auch die Dörfer in den ländlichen Regionen haben mit dem
Wohnungsleerstand zu kämpfen. Die Gemeinden von Barnim-Oderbruch machen da keine
Ausnahme. Dort steigt die Zahl der leer stehenden Wohnungen. Ein Fakt, der sich
negativ auf die Mieteinnahmen auswirkt. Die Gemeinden von Barnim-Oderbruch und
die Wohnungsbaugesellschaft des Amtes wollen jetzt die Ursachen analysieren und
nach Lösungen suchen, wie dem negativen Trend entgegengewirkt werden kann.
Gähnende Leere durch die Fensterscheibe - in verschiedenen Dörfern des Amtes
Barnim-Oderbruch keine Seltenheit mehr. Etliche Wohnungen sind es, für die sich
inzwischen kein Mieter mehr finden lässt. Im Jahr 2002 waren es laut Statistik
50. In diesem Jahr sind weitere hinzugekommen. Während Neurüdnitz zum Beispiel
noch vor Jahren damit glänzte, den 24-WE-Block ständig vermietet zu haben, will
das dem heutigen Ortsteil von Oderaue nicht mehr gelingen. Ähnlich sieht es in
Neureetz aus. Der Mehr-Familienblock an der Landesstraße, der wohl zu DDR-Zeiten
das letzte Mal Farbe gesehen hat, ist nur zum Teil vermietet. Selbst im
Zentrumsdorf Altreetz stehen im Durchschnitt bis zu sieben vermietbare Wohnungen
leer.
Ein unhaltbarer Zustand, wie Bürgermeisterin HeikeDoreen Ehling während der
jüngsten Gemeindevertretersitzung betonte. Denn leer stehende Wohnungen bedeuten
Mietausfall. Im Altreetzer Fall sind dies 18 000 Euro, die später zur
Modernisierung fehlen. "Wir müssen aktiv gegen die Mietausfälle arbeiten",
appellierte sie an alle zwölf Gemeindevertreter.
Denn Fakt ist: Die Abwanderung aus den ländlichen Orten hält unvermindert an.
Vor allem jüngere Menschen kehren der Region den Rücken. Die Ursachen sind
unterschiedlicher Natur. Aber oft entscheidet die Arbeitsplatz- über die
Wohnortfrage. Und wenn sich keine Arbeitsmöglichkeiten hierzulande bieten,
packen vor allem Jugendliche ihre Koffer.
Diesem Trend soll entgegengewirkt werden. Denn es gibt, wie Amtsdirektor Frank
Ehling jüngst vor den Bürgermeistern des Amtes sagte, durchaus Gründe, sich in
der ländlichen Region niederzulassen bzw. dort zu bleiben.
"Die Gemeinden verfügen u. a. über gewachsene Strukturen im baulichen Bereich,
über Kleingewerbe und eine Handwerkerschaft und nicht zuletzt über eine
Familienbande, die in den Dörfern oftmals enger geknüpft ist als in größeren
Städten", nannte der Amtschef Gründe, sich für lebenswerte Dörfer mit
attraktivem Wohnraum stark zu machen.
Gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft des Amtes, die den Großteil der zirka
400 Wohnungen im Amtsbereich verwaltet, soll jetzt nach Ursachen geforscht und
Lösungen gefunden werden.
www.moz.de
21.12.2003
Land Brandenburg: Die Mark soll von Finnland lernen
209 Regionen hat Europa. Zu den zehn mit dem
größten Bevölkerungsrückgang gehören die Prignitz und die Uckermark. Der
Wissenschaftler Thomas Thrun sagt, eine Umkehr des Trends sei Träumerei.
Stattdessen gelte es, Rezepte für den Umgang mit dünner Besiedlung zu finden.
Ein Lausitzdorf im Jahr 2020: Mandy K., 45, ist morgens Kindergärtnerin und
arbeitet nachmittags in der Bibliothek. Kita und Bücherei sind in der alten
Dorfschule untergebracht, die 15 Jahre zuvor geschlossen worden war und zu
verfallen drohte. Aber als die Lausitz-Bank dort einen Geldautomaten aufstellte,
wurde das Gebäude saniert. Seit im kleinen Touristenbüro in der alten Schule
auch ein Ableger der Verwaltung der 15 Kilometer entfernten Großgemeinde
eingerichtet worden ist, kann Mandy selbst ihre Behördengänge mit ein paar
Schritten erledigen. Letztens hat sogar ein Friseur vorbeigeschaut, der im alten
Lehrerzimmer einen neuen Salon eröffnen wollte. Morgens kommt Mandy mit dem
Schulbus, der die Dorfkinder abholt, nachmittags ruft sie "call-a-bus" an, der
sie pünktlich abholt und bis vor ihre Haustür bringt.
So könnte der Erhalt staatlicher Infrastruktur in immer dünner besiedelten
Gegenden zumindest als Fiktion aussehen. "Wir müssen uns damit abfinden, dass
die Abwanderung unumkehrbar ist", sagt Thomas Thrun, Wissenschaftler am Berliner
Institut für Stadtforschung und Kulturpolitik. Die Lage ist dramatisch. Nach
Prognosen des Instituts wird ganz Ostdeutschland von der Wende 1990 bis zum Jahr
2020 ein Fünftel der Bevölkerung verloren haben. Schon jetzt zählen unter den
209 EU-Regionen sechs ostdeutsche zu den zehn Gebieten, deren
Bevölkerungsrückgang am höchsten ist. Als dünn besiedelt gelten nach
EU-Einschätzung Gegenden mit weniger als 150 Einwohnern pro Quadratkilometer. In
der Uckermark beträgt diese Kennzahl 50, in der Prignitz 45.
"Selbst wenn es hier und da gelingt, durch größere Investitionen Arbeitsplätze
zu schaffen und man die Jüngeren zum Bleiben veranlasst, nimmt die Bevölkerung
ab", sagt Thrun. Denn es sterben mehr Menschen, als geboren werden. Die
Konsequenz sei eine krasse Überalterung in einem Gebiet, dessen Infrastruktur
mit Schulen, Kitas, Nahverkehr, der medizinischen Versorgung, aber auch mit
Einzelhandel und öffentlichem Dienst an den Rand des Zusammenbruchs gerät. In
drei Modellregionen Ostdeutschlands, der Lausitz, Ostthüringen und der
Mecklenburgischen Seenplatte, untersucht das Institut, wie dieses Problem in den
Griff zu bekommen ist.
Thrun sagt: "Die beste Lösung ist die Zusammenarbeit - und zwar im Großen wie im
Kleinen und möglicherweise auch mit Partnern, an die man bisher noch überhaupt
nicht gedacht hat." Etwa so, dass zwei Landkreise gemeinsam eine Berufsschule
betrieben, wo es sinnvoll sei. Bisher scheitert so etwas gern am
Konkurrenzdenken. Oder dass sich die Kassenärztliche Vereinigung bei neuen
Niederlassungen von Ärzten mit Regionalplanern abspricht, welcher Ort aus deren
Sicht der geeignete sei.
Thrun: "Bei dem schon jetzt sehr niedrigen Niveau gehen bei Konkurrenzverhalten
möglicherweise alle Beteiligten als Verlierer aus dem Rennen". Beispiele aus
Schweden, Finnland und Österreich zeigten, dass Versorgungsniveau auch bei
dünner Besiedelung und weiten Wegen in die nächste größere Stadt zu halten sei.
Eine Möglichkeit ist nach Ansicht des Wissenschaftlers die Einrichtung von
Dorfzentren, in denen Dienstleistungen gebündelt werden und die einfach und
schnell auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.
Bei den Fachleuten sei längst angekommen, dass das Wachstum vorbei sei und dass
sich die Bewohner auf die neue Entwicklung einstellen müssten, sagt Thrun. Bei
den Politikern sei das aber erst in Ansätzen gelandet: "Für einen Landrat ist es
natürlich schöner, eine neue Schule zu eröffnen, als einen Schulschließungsplan
vorzulegen."
www.morgenpost.berlin1.de
20.12.2003
Chemnitz: WCH offenbar kurz vor der Rettung
Die Sächsische Aufbaubank (SAB) sowie die
Landeskreditbank Baden-Würtemberg haben entschieden, das Sanierungskonzept der
in wirtschaftliche Not geratenen
Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf (WCH) mitzutragen. „Dies ist ein
positives Zeichen“, so SAB-Vorstand Stefan Weber am Freitag zu „Freie Presse“.
Die beiden Kreditinstitute sind jene Gläubiger, die die mit Abstand größten
finanziellen Sanierungsbeiträge zur Rettung der WCH leisten müssen.
Ob nun die anderen Gläubiger diesem Zeichen folgen, wollte Weber aber nicht
beurteilen. Die WCH-Vorstände Klaus-Dieter Lemke und Manfred Börngen waren am
Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Erste Erleichterung dagegen
bei Stadtumbau-Chef Claus Peter: „Eine Rettung der WCH würde den Stadtumbau in
Chemnitz erleichtern, denn durch eine Insolvenz wären mehrere tausend Wohnungen
billigst auf den Markt gekommen, und hätten so auch andere Genossenschaften
gefährdet.“
Bis zum Jahresende muss es aber nun endgültige Klarheit darüber geben, ob das
Sanierungskonzept der WCH umgesetzt wird. Nur so sei eine Insolvenz zu
vermeiden, sind sich die Beteiligten sicher. Die Rettungspläne sehen vor, 2768
Wohnungen aus dem WCH-Bestand – das ist etwa jede dritte – abzureißen. Dies soll
in den nächsten drei Jahren erfolgen. Unter anderem kann die WCH durch den
Abriss seitens der SAB auf den Erlass von etwa 11 Millionen Euro Altschulden
hoffen. Damit wäre die WCH finanziell wieder handlungsfähig. „Das Konzept ist
kein Persilschein für eine sichere Zukunft“, sagt Weber. Aber es sei Basis für
eine Weiterexistenz.
www.freiepresse.de
19.12.2003
Sachsen-Anhalt: Die Abwanderung verlangsamt sich
Der Bevölkerungsschwund in Sachsen-Anhalt
hält zwar an, verlangsamt sich aber. Das geht aus dem neuen Statistischen
Jahrbuch für das Jahr 2002 hervor, das gestern in Halle vorgestellt wurde.
Demnach verlor das Land im Vergleich zu 2001 im vergangenen Jahr insgesamt 31715
Bürger, sagte der Direktor des Statistischen Landesamtes, Manfred Scherschinski.
Das entspreche dem Verlust von einer Stadt wie Bernburg. Er machte aber auch
"Licht am Ende des Tunnels" aus: Die Bevölkerungszahl sei im ersten Halbjahr
2003 nur noch um 8000 gesunken, verglichen mit 11000 im ersten Halbjahr 2002.
Die Ursachen für den Bevölkerungsrückgang sind die Abwanderung in andere
Bundesländer, die niedrige Geburtenrate und die Zahl der sterbenden Menschen. So
wurden im letzten Jahr 465 Babys weniger geboren als 2001, über 500 Menschen
starben mehr, jeder zweite an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der
Abwanderungsverlust betrug 2002 absolut 19173 Menschen - im Jahr 2001 waren es
noch 23201 Wegziehende (siehe Grafik).
"Vor allem die jungen Menschen gehen weg, verstärkt auch die jungen Frauen",
erläuterte Scherschinski und prognostiziert wachsenden Altersdurchschnitt und
Fachkräftemangel im Land. Insgesamt lebten Ende 2002 rund 2,55 Millionen
Menschen in Sachsen-Anhalt. Laut Jahrbuch stieg das monatliche
Haushaltseinkommen der Privathaushalte weiter an. Nur noch rund 131000 Haushalte
verfügen über ein monatliches Einkommen von weniger als 700 Euro, im Jahr 1991
waren es noch 442000 Haushalte. Hingegen hatten 347000 Haushalte im Jahr 2002
ein monatliches Nettoeinkommen von 2000 Euro und mehr.
www.mz-web.de
19.12.2003
Wittenberge: Plane am Hausgiebel als Provisorium
Vorbei ist es mit den Einblicken in das
Innenleben des großen Eckhauses Bahnstraße/Schillerstraße. Eine Plane, die an
einem Lattengerüst befestigt ist, verschließt die Giebelwand wenigstens
provisorisch.
Die Giebelwand, die eigentlich zu einem schon abgerissenen Nachbarhaus gehörte,
war vor Wochen in die Tiefe gerauscht. Der Anblick, der sich damit bot, war
vielleicht interessant, auf jeden Fall aber kein gutes Aushängeschild, und das
dann auch noch in direkter Bahnhofsnähe.
Nun endlich handelt die Wohnungsbaugesellschaft (WGW), hat an der offenen
Giebelwand eine Art Lattenrost befestigten lassen. Eine Plane wird darüber
gespannt. "Es sieht ordentlicher aus und schützt auch, damit bei Wind nicht doch
noch mehr passiert", so gestern WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn. Einen
Vorwurf, zu spät gehandelt zu haben, akzeptiert er nicht. Sein Unternehmen sei
nur zu einem Teil Eigentümer. Die anderen Eigentümer wohnen nicht am Ort, einer
sei sogar in Kanada ansässig. Sie müssten gefragt werden, müssen ihre Zustimmung
geben, bevor Geld ausgegeben wird.
Andererseits war da das Drängen, wenigstens einen einigermaßen akzeptablen
Zustand herzustellen. Eine endgültige Lösung könne das natürlich nicht sein,
sagt Diehn und erklärt, wie diese aussehen soll: Das seit Jahren leerstehende
Haus wird abgebrochen. Aber auch damit müssen die anderen Eigentümer
einverstanden sein.
"Seit Jahren befassen wir uns mit dem Haus. Ich rechne damit, dass wir zur
Klärung wegen des Abrisses noch mindestens ein halbes Jahr benötigen", schätzt
der WGW-Chef. Er wartet auf eine Antwort aus Kanada und von jenen staatlichen
Stellen, die für einen nicht mehr handlungsfähigen Eigentümer entscheiden
müssten.
Die WGW will das Haus unter der Bedingung abreißen, dass die Miteigentümer ihre
Anteile der Wohnungsbaugesellschaft schenken. "Mit unserem Geld und der
Förderung im Stadtumbau Ost wäre der Abbruch des Hauses möglich."
www.svz.de
19.12.2003
Löbau: Alten Hinterhäusern geht’s an den Kragen
Rund 1 500 Wohnungen stehen gegenwärtig in
Löbau leer, fast jede zweite allein in der Innenstadt. Deshalb beginnt jetzt in
der Stadt ein großer Umbauprozess.
Zuerst sind die beiden leer stehenden Blöcke an der Löbauer Ziegenwiese dran.
Die ehemaligen Armee-Wohnheime, die nach der Wende noch von der Awo und dem BGS
genutzt wurden, sollen nächstes Jahr abgerissen werden. Die Fördermittel sind
bereits bewilligt, sagt Löbaus Baudezernent Wolfgang Winkler. Auch die nötigen
Eigenmittel der Stadt seien gesichert.
Mit dem Abriss der beiden Blöcke verschwinden zwei Schandflecke aus dem
Stadtbild – auch das ist Ziel des Umbauprogramms. „Eine Sanierung der Häuser
lohnt sich nicht, denn neue Wohnungen werden in Löbau keine mehr gebraucht. Im
Gegenteil“, erklärt Wolfgang Winkler.
Bei dem auch für die kommenden Jahre prognostizierten Einwohnerrückgang von 1,4
Prozent werde der Leerstand immer größer – und zwar nur in der Stadt Löbau
selbst, betont der Baudezernent, nicht in den Ortsteilen und den umliegenden
Gemeinden.
Deshalb geht es im Umbauprogramm auch einigen alten Hinterhäusern an den Kragen.
Auf einem Stadtplan hat Winkler rund zwei Dutzend Objekte eingezeichnet, die
seit Jahren leer stehen und auch bei schönster Sanierung wohl keine neuen Mieter
mehr finden werden. „Wer zieht schon in ein schmalesHinterhaus, ohne
Nachmittagssonne, ohne Garten und mit dem Ausblick auf Häuserrückfronten“,
erklärt der Stadtbauchef. Auf dem Abrissplan für 2004 stehen Hinterhäuser an der
Äußeren Bautzner und der Äußeren Zittauer Straße.
So lange die Gebäude im Eigentum der Stadt sind, gibt es mit dem Abriss keine
Probleme. Schwieriger wird es mit Häusern im Privateigentum. An Abriss denkt
Winkler beispielsweise auch bei den drei seit Jahren leer stehenden
Plattenbauten hinter dem City Center. Die hatte jüngst ein privater Investor vom
Bundesvermögensamt gekauft. Wolfgang Winkler ist überzeugt, dass hier kein
Mensch mehr einzieht, und davon muss er jetzt den Eigentümer überzeugen. Mit 70
Euro pro Quadratmeter Wohnfläche „sponsert“ das Bundesförderprogramm den Rückbau
– auch bei Häusern im Privateigentum. Das, hofft der Stadtbauchef, werde ihm
helfen bei der Argumentation.
Stadtumbau heißt für Wolfgang Winkler auch „Stadtumzug“ – und zwar von außen
nach innen. „Wir können doch nicht die Innenstadt abreißen“, sagt er. „Wir
müssen sie vielmehr beleben.“
Doch daran haben großen Vermieter der Stadt momentan noch kein gesteigertes
Interesse. „Für uns steht das Problem Rückbau noch nicht“, sagt René Koch,
Vorstand der Löbauer Wohnungsgenossenschaft. Der gegenwärtige Leerstand in den
Blöcken in Löbau Ost, Süd und Nord liege nur bei fünf bis sechs Prozent. Von
„ausgezeichneter Auslastung“ spricht auch Wobau-Geschäftsführer Matthias
Urbansky. Dennoch sind sich die großen Vermieter einig, das Problem in den
nächsten Jahren anzugehen. Das Rück- und Umbauprogramm ist schließlich bis 2008
geplant.
www.sz-online.de
17.12.2003
Doppelschlag gegen Ost-Wohnungsfirmen
Der von Leerständen und Einnahmeausfällen
gebeutelten Ost-Wohnungswirtschaft droht ein weiterer Schlag ins Kontor. Im
Reformpoker fiel nicht nur das Aufstocken des Etats zur Altschuldenbefreiung
existenzgefährdeter Unternehmen unter den Tisch. Zusätzlich streicht der Bund im
Förderetat.
Das Fax erreichte Finanzministerin Sigrid Keler in höchster Not: An die
Landesvertreterin im Berliner Vermittlungsausschuss ging über das Schweriner
Bauministerium die dringende Bitte, "alles zu versuchen", dass der Etat zum
Schuldenerlass für gefährdete Unternehmen doch noch aufgestockt wird. "Ansonsten
droht die Insolvenz zahlreicher Wohnungsunternehmen auch in
Mecklenburg-Vorpommern", lautete der gen Berlin geschickte Tenor der Branche.
Der Schweriner Bauminister Helmut Holter sieht sogar die Gefahr, "dass der
gesamte Stadtumbauprozess nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in ganz
Ostdeutschland zum Erliegen kommt."
Die dramatischen Schilderungen drehen sich um den Paragraphen 6a des
Altschuldenhilfegesetzes. Mit dieser Regelung können Ost-Unternehmen, die durch
Wohnungsleerstände von mindestens 15 Prozent ihres Bestandes in Existenznot
geraten sind, für abgerissene Gebäude eine Befreiung von den DDR-Altschulden
beantragen.
Die im Rahmen des milliardenschweren Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost dafür
bis 2009 bereitgestellten 658 Millionen Euro reichen für die Flut der Anträge
allerdings bei weitem nicht aus. Allein in MV würden von den 28
Wohnungsunternehmen mit insgesamt 53 Millionen Euro DDR-Verbindlichkeiten 21
Firmen samt ihrer 32 Millionen Schulden leer ausgehen, sagte der Bauminister.
Deshalb hätte der Bund weitere 315 Millionen Euro im Rahmen der Steuerreform aus
eingesparten Geldern bei der Eigenheimförderung für die Entschuldung bereit
stellen wollen.
Jetzt habe die rot-grüne Koalition nicht nur diese Zusage gebrochen, kritisierte
Holter. Zu allem Überfluss würde auch der 658-Millionen-Euro-Topf angezapft.
Allein in den Jahren 2004 bis 2006 streicht der Bund mehr als 24 Millionen Euro
auf Kosten der Ost-Wohnungsgesellschaften - und letztlich der Mieter. Denn ohne
die Altschuldenbefreiung ließe sich selbst mit dem Rückbauzuschuss von 60 Euro
je Quadratmeter aus dem Stadtumbau-Programm keine tragfähige Finanzierung
absichern - zumindest nicht mit einem Berg von Verbindlichkeiten, sagte der
Minister und schimpfte: "Das kann einfach nicht sein, die Politik hat doch nicht
nur eine Verantwortung für die Wohnungsunternehmen, sondern auch für die
Mieter."
Entscheidende Korrekturen bei der Detailarbeit des Vermittlungsausschusses bis
zur Verabschiedung des Bundeshaushalts erwartete jedoch auch Holter nicht: "Frau
Keler hat mir heute im Kabinett wenig Hoffnung gemacht - aber unsere Forderung
bleibt dennoch bestehen."
www.svz.de
16.12.2003
Oer-Erkenschwick: Asbest-Fund sorgt für Aufregung
Asbest wurde beim Bau der Hochhäuser in der
Halluinstraße verwendet. Das war schon lange bekannt.
Aber in dem Maße, wie es sich jetzt heraus stellte, damit hatte bei der
Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft niemand gerechnet.
Gestern wurde umgehend gehandelt. In 98 Wohnungen wird innerhalb der nächsten
drei Tage die Raumluft untersucht. "Bislang," so VMW-Geschäftsführer Jörg
Schwenzfeier gestern, "gehen wir davon aus, dass keine Gefahr für die Gesundheit
der Bewohner besteht."
Asbest ist ein Baustoff, der bis 1979 im Wohnungsbau erlaubt und ein gängiges
Material war. In den Wohnungen wurde Asbest unter anderem benutzt, um Fugen in
Wänden und auf Böden zu schließen.
In der Halluinstraße, wo 1973 mit dem Bau begonnen wurde, hat man allerdings
gleich ganze Wände mit Asbest zugespachtelt. "Im festen Zustand," sagt
Ingenieur, "ist das Material unbedenklich." Nur wenn es gelöst wird, bestehen
Gesundheitsgefahren. Zum Beispiel in dem Fall, wenn ein Loch in die Wand gebohrt
wird. Messungen in den bereits leer gezogenen Komplexen haben minimale
Asbestbelastungen in der Raumluft ergeben. Die Ergebnisse der Untersuchungen in
den bewohnten Komplex werden den Wohnungsmietern umgehend mitgeteilt. Beauftragt
mit den Messungen ist das Hygieneinstitut Ruhrgebiet sowie das Essener
Ingenieurbüro Wissbau.
Ans Tageslicht kam das Asbest durch die Routineuntersuchungen. Der
Hochhauskomplex soll im Zuge des Stadtumbau West teilweise abgerissen werden.
Dabei musste auch untersucht werden welche Stoffe beim Bau verwendet wurden, um
Deponierungsfragen zu klären. Außerdem wurde eine geringfügige PCB-Belastung der
Böden festgestellt.
Der rund 18 Millionen Euro teure Rückbau des Hochhauskomplexes wird aber wie
geplant weitergehen. Nur, sagt Schwenzfeier, werde er deutlich teurer. "Ich
rechne mit vier bis fünf Millionen Euro Mehrkosten."
Die 98 Mieter sollten ohnehin in den nächsten beiden Jahren vorübergehend
umziehen, damit ihre Wohnungen im Zuge des Umbaus modernisiert werden können.
www.waz.de
16.12.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Wohnungs-Leerstand erfasst
Altstädte
Schwerin Zwiespältige Zwischenbilanz beim
Stadtumbau Ost: Für den bis 2010 geplanten Abriss von landesweit mehr als 30 000
Wohnungen ist bereits ein Drittel der Fördergelder gebunden. Gleichzeitig spitzt
sich in den Altstädten das Leerstandsproblem zu.
"Der Ansturm auf die Fördermittel ist unheimlich groß", bilanzierte Bauminister
Helmut Holter gestern in Schwerin. Landesweit sei 2002 und 2003 für
insgesamt 11 000 Wohnungen die Aufnahme in das Milliardenprogramm besiegelt
worden. "Damit ist gewährleistet, dass unser Ziel, bis 2010 etwa 32 000
Wohnungen vom Markt verschwinden zu lassen, realisiert werden kann", sagte
Holter bei der Vorlage einer Studie zu den im Rahmen des Programms angefertigten
44 Stadtentwicklungskonzepten.
Bisher sind nach Angaben des Ministers in MV rund 2800 Wohneinheiten abgerissen
worden - 1600 davon über das 2002 aufgelegte Stadtumbaukonzept.
Der derzeit im Ost-Vergleich noch relativ niedrige Leerstand von gut 80 000
Wohnungen (10 Prozent) klettert laut Studie bis 2010 infolge des
Einwohnerschwunds auf rund 100 000.
Insgesamt liegen zwar 90 bis 95 Prozent der für die Abrissbirne oder den Rückbau
einiger Etagen freigegebenen Wohnungen in Plattenbausiedlungen. Dennoch, so
Holter, ginge es in dem Programm auch um die Umfeldaufwertung einstiger
"DDR-Schlafstädte" und vor allem um das Aufpolieren und Wiederbeleben der
Innenstädte.
Gerade hier gebe es eine kritische Entwicklung, mahnte der Berliner Architekt
und Stadtplaner Wulf Eichstädt. In etlichen Altstädten größerer Kommunen stünden
"jenseits der Schönheit sanierter Marktplätze" bedenklich viele Häuser leer. Zu
den "Sorgenkindern" zählte er Güstrow, Bützow und Boizenburg. "Die einfachen
Aufgaben in den historischen Innen- und Vorstädten sind abgearbeitet", sagte
Eichstädt, "was bleibt, sind die wirklich schwierigen Fälle, bei denen die
Erneuerung teuer ist und die erreichbare Wohnqualität nicht immer heutigen
Maßstäben entspricht".
Das Kernproblem sah Schwerins OB Norbert Claussen in der leidigen Geldfrage "Das
beste Konzept nützt nichts, wenn es finanziell nicht umzusetzen ist, sagte er.
Wegen des kaum noch vorhandenen Spielraums im Vermögenshaushalt, müsse die
Kommune sich auf Projekte konzentrieren, die mit hohen Förderquoten - möglichst
um die 90 Prozent - unterstützt würden. "Deshalb steht bei uns der Städtebau
leider nicht mehr an erster Stelle", bekannte Claussen. Für
Wohnungsgesellschaften käme erschwerend das DDR-Altschuldendilemma hinzu.
Sollte ein Unternehmen im Rahmen des Stadtumbaus Häuser abreißen, dann hebele es
die eigene Bilanz aus, sagte der OB. Denn dann seien die Schulden durch
keinerlei Gegenwert mehr gedeckt. Claussens Fazit: "Die bittere Wahrheit ist -
das Eine geht ohne das Andere nicht."
Immerhin haben 28 Wohnungsfirmen aus MV die Befreiung von alles in allem 53
Millionen Euro DDR-Verbindlichkeiten beantragt. Voraussetzung ist allerdings,
dass mindestens 15 Prozent des Firmenbestandes leer stehen, erklärte Holter.
"Aber damit steht eine Wohnungsgesellschaft kurz vor dem Gang zum
Insolvenzrichter."
Stadt Leerstand dav. Altbau*, Rostock 8,4% k. A.%, Schwerin 14,0% 11,0%, Wismar
10,8% 18,6%, Güstrow 12,2% 43,0%, Parchim 13,0% 26,0%, Ludwigslust 9,5% k.A%,
Hagenow 12,3% 14,0%, Goldberg 12,8% 30,0%, Bützow 11,0% 45,0%, Boizenburg 11,6%
36,0%
www.svz.de
15.12.2003
Erfurt: Signale aus Nord
Morgen stehen keine Abrissbagger vor der Tür,
die Diskussion über das Gebiet ist eröffnet, jetzt geht´s an den Runden Tisch
mit OB, KoWo und Anwohnern. Mit diesen drei Zusagen verließen rund 30 Anwohner
der Teichstraße eine Podiumsdiskussion über die Zukunft ihrer Wohnanlage im
Erfurter Norden. Titel der Veranstaltung: "Kommunaler Wohnungsbau kontra
Denkmalschutz" - und die Geschichte begann so:
Architekt Joachim Deckert, der im sanierten Teil der Teichstraße lebt und
arbeitet, las auf der Webseite der KoWo, dass die kommunale
Wohnungsbaugenossenschaft plane, im bis 2005 fortgeschriebenen Masterplan neben
den Plattenbauten auch Häuser in der Teich-, Zellendorf- und Hohenwindenstraße
abzureißen. Die Häuser gehören teils zu einer seit 1995 denkmalgeschützten
Wohnanlage aus den 20er Jahren im Stil des neuen Bauens. Während die
Nicht-KoWo-Gebäude topsaniert und zu 97 Prozent vermietet sind, gibt´s hohen
Leerstand in den Abrisskandidaten, die Wohnungen haben teilweise kein Bad. Der
Leerstand verschlechtere zum einen das Image des Gebietes, Abriss zerstöre ein
Baudenkmal zum anderen, meint Deckert. Würde die KoWo sanieren, müssten sich
diese hohen Kosten rechnen, müssten Mietinteressenten da sein. Ob des negativen
Images von Erfurt-Nord erwarte man dieses Interesse nicht. "Doch 94 Prozent der
von uns befragten Anwohner sagten: Wir leben gerne hier", so Deckert.
Auch Sabine Ortmann, Landesamt für Denkmalpflege, attestiert der Siedlung "hohe
architektonische Qualität und mit viel Grün und Spielfläche eine gute soziale
Komponente". Dass der Denkmalwert unbestritten sei, bestätigt Winfried Kiermeier,
Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Denkmalpflege. Doch es müsse genau
geprüft werden, ob sich Sanierung lohne, ob das Gebiet Zukunftschancen habe.
Dann nämlich könnten Fördermittel aus dem Bundeswettbewerb "Stadtumbau Ost"
genutzt werden. Für den erarbeite Erfurt derzeit ein Konzept, das ausbau- und
zukunftsfähige Gebiete der Stadt nennt. - Da komme die jetzt gestartete
Diskussion um den Norden Erfurts gerade recht, sagt SPD-Stadtrat Wolfgang Metz,
der ebendort lange Zeit gelebt hat. Die Diskussion sende ein optimistisches und
zufriedenes Signal der Einwohner aus Nord in die Stadt. Metz: "Wir müssen
Stellung beziehen: Was soll mit dem Norden passieren? Aufgeben oder stärken?"
www.tlz.de
15.12.2003
Görlitz: Mehr Luft und Platz für die Gründerzeit?
Die Stadtplaner setzen sich neue Ziele für
die Sanierungsgebiete. Die schlechten wirtschaftlichen Daten machen es aus ihrer
Sicht fast unmöglich, einige Quartiere wirklich zu beleben. So wird auch in der
Rauschwalder Straße offen über Abriss nachgedacht.
Das Gründerzeitviertel zwischen Brautwiesenplatz und Bautzener Straße altert
langsamer als die meisten anderen Stadtquartiere. Das ist eine der
Feststellungen, an denen Stadtplaner Hartmut Wilke den Erfolg der Förderpolitik
von Stadt und Freistaat festmacht. In den vergangenen sechs Jahren sei der
Altersdurchschnitt nur unwesentlich von 38 auf 38,7 Jahre gestiegen. Wilke sieht
darin einen Beleg dafür, dass die Politik der Innenstadt-Sanierung ein
wesentliches Ziel erfüllt hat. Möglichst vielfältig und vielschichtig soll die
Bevölkerung dort sein; Junge und Alte, Ärmere und Reichere Tür an Tür.
Andererseits ist das Projekt nur teilweise geglückt, müssen die Stadtplaner
einräumen. Als sie Mitte der 90er Jahre ein Konzept zur Stadtentwicklung und zur
Sanierung der Gründerzeitgebiete ausgearbeitet hatten, sahen die Perspektiven
noch rosiger aus: Weniger Abwanderung, weniger Arbeitslose – man glaubte an eine
gute Perspektive für die Stadt. Deshalb musste das Neuordnungskonzept nun
überarbeitet werden. Vor allem die gewerblichen Grundstücke sind davon
betroffen.
Einige konkrete Planungsziele in den Sanierungsgebieten Innenstadt-Nord und
Gründerzeitviertel erläuterte Architekt Volker Augustin. So sollen mehrere
Hallen vom Werk I des ehemaligen Waggonbau Görlitz erhalten bleiben, auch wenn
ihre zukünftige Nutzung noch ungeklärt ist.
Das gleiche gilt für die Grundstücksmauer zur Hilgerstraße und die alte
Industrieanlage Hefefabrik. Geplant sei eine Westradiale, die Stadtteile
miteinander vernetzt und auch für die Fahrradfahrer durchgängig passierbar
macht. Da der Schlachthof in der Cottbuser Straße kaum noch revitalisierbar
erscheint, stellt Volker Augustin hier einen Rückbau in Aussicht, um mehr
Freiflächen zu schaffen. Gedacht ist auch an eine Ausformung von
Christoph-Lüders-Straße und Cottbuser Straße, besonders im Kreuzungsbereich, für
einen besseren Verkehrsfluss.
Die Rauschwalder Straße soll ebenfalls mehr Freiraum erhalten. Dazu habe es
Gespräche mit Hauseigentümern gegeben, die über den Abriss ihrer unbewohnten
Grundstücke mit sich reden lassen wollen, wenn die Abrisskosten zu 100 Prozent
gefördert werden.
Zur Sprache kam auch der Sonnenhof. Obwohl in die Sanierung dieser Freifläche
viel Geld investiert wurde, ist das Spiel- und Erholungsterrain immer öfter
geschlossen. Anwohner hätten sich über die Lärmbelästigung beschwert. Da es aber
auch viele Proteste von Bürgern gibt, die den Sonnenhof weiterhin als Spazier-
und Aufenthaltszone erhalten möchten, will Hartmut Wilke das Thema im Rathaus
noch mal zur Sprache bringen.
www.sz-online.de
13.12.2003
Sachsen: Einen Geldkoffer für jeden
Geschäftsführer
Gastgeschenk: ein Geldkoffer für jeden
Geschäftsführer. Leider nur klein und mit Schokoladengeld. Die sechzig Geschäftsführer sächsischer
Wohnungsunternehmen, die zwei Tage in Grimma tagten, verstanden den Wink der
Grimmaer Gastgeberin Jutta Vetterlein gut. Der Weg zum Wohnen von Morgen führt
über den Berg der Altschulden aus DDR-Zeiten.
Stadtumbau Ost hieß das Thema. Die Mittel, die Bund und Land dafür
bereitstellen, öffnen den großen Wohnungsunternehmen den Weg, mit dem Leerstand
fertig zu werden und dabei die Schuldenlast zu verringern. Wurzens
WGW-Geschäftsführerin Heike Pönicke sitzt auf 35 Prozent Leerstand bei
Wohnungen, in der Platte auf rund sechs. In Grimma sind 15 Prozent der Wohnungen
nicht belegt. Auch hier weniger in den Plattenbaugebieten als in der Innenstadt.
Aus diesen Gründen komme der Stadtumbau Ost zunächst als Abriss daher, die
Aufwertung der Wohngebiete sei der zweite Schritt, begründet Reinhold Ostendorf
vom Verband sächsischer Wohnungsunternehmen das Vorherrschen der Abrissbirne.
Staatssekretär Albrecht Buttolo zeigte sich zufrieden. In Sachsen seien 2003 wie
vorgesehen 9000 Wohnungen abgerissen worden. Für Wurzen brachte er eine frohe
Botschaft mit. Die Stadt wird Modell für Sachsen, wie Stadtumbau Ost und
Denkmalschutz Hand in Hand gehen sollen. "Für uns ist das eine Chance", freut
sich Heike Pönicke, die wegen des Leerstandes in der Altstadt von 70 Prozent
vielen Gründerzeithäusern den Abriss verordnen müsste. Ein Problem, vor dem
Görlitz genauso steht wie Leipzig.
Jutta Vetterlein von GWB in Grimma fühlt sich nach dem Erfahrungsaustausch in
einer zweiten Not verstanden. Bei der Umgestaltung großer Wohngebiete gehören
die Ver- und Entsorgungsunternehmen mit an den Planungstisch. Wenn ganze
Wohnblöcke verschwinden, habe das Auswirkungen auf die Versorgung mit Gas,
Wasser und Strom. Abriss heißt für diese Unternehmen Verringerung der Kapazität.
Rückbau dürfe hier nicht zu steigenden Kosten führen.
www.lvz-online.de
12.12.2003
Wismar: Imagegewinn durch Beispielhaftes
Für das Jahr 2008 wird in Wismar eine
Internationale Bauausstellung vorbereitet. Das Arbeitsthema lautet „Historische
Stadt und neues Wohnen“. Die Organisatoren planen dazu einen Hauptstandort mit
drei Satelliten mit jeweils unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Aufgaben
zum Thema Wohnungsbau.
Hauptstandort ist die Revisionsfläche an der Lübschen Burg hinter dem geplanten
Standort des Technischen Landesmuseums und gegenüber dem Parkplatz der
Landesgartenschau. Hinter den Satelliten verbergen sich der Theaterplatz in der
Mecklenburger Straße (innerstädtischer Neubau), der Bereich der jetzigen
Brecht-/Weigelschule am Friedenshof (Sanierung/Rückbau) sowie die Umnutzung und
Gestaltung des ehemaligen „Kontrollpunktes Lübsche Burg“. „Alle Standorte sind
typische ,Problemkinder' nicht nur unserer Region, die innerhalb der
Vorbereitungszeit der Bauausstellung mit Hilfe internationaler Kompetenz gelöst
werden sollen“, so Prof. Hannsjörg Ahrens vom Fachbereich Architektur der
Hochschule. Am Montagabend hatten er und einige Mitstreiter das Vorhaben dem
Bauausschuss vorgestellt. Das Projekt wird seit Ende 2002 durch die
Arbeitsgruppe „IBA Wismar 2008“ im Architekturinstitut Wismar vorbereitet und
wird unterstützt durch den Regionalen Planungsverband Westmecklenburg, die
Hansestadt Wismar und die Hochschule.
Das Jahr 2008 ist bewusst gewählt. Dann feiert die Hochschule ihr 100-jähriges
Jubiläum. Als Effekte versprechen sich die Organisatoren u. a. einen Imagegewinn
für die Region, Arbeitsplätze während der Vorbereitung und Durchführung und
Architekturtourismus. Denn nach städtebaulichen und Realisierungswettbewerben
sollen die Häuser im Jahr 2008 begehbar sein.
Bauausstellungen, die immer dann veranstaltet wurden, wenn städtebauliche
Probleme auftraten, haben eine lange Tradition: 1901 Künsterkolonie
Mathildenhöhe Darmstadt, später u. a. die Weißenhofsiedlung in Stuttgart (1927).
Noch heute werden die Orte aufgesucht, sodass auch von einer nachhaltigen
Bedeutung gesprochen werden kann. Derzeit gibt es zwei Bauausstellungen: Fürst
Pückler Land in der Region Lausitz und Stadtumbau in Sachsen-Anhalt
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
12.12.2003
Wittenberge: Bildungszentrum kann gebaut werden
Nun ist es amtlich: In Wittenberge wird ein
IT-Bildungszentrum errichtet. Die Stadt kauft am 18. Dezember das Gebäude des
ehemaligen Amtsgerichts in der Perleberger Straße und am 1. September 2005
sollen dort 92 Ausbildungsplätze bereit stehen.
Der Weg dazu wurde gestern mit der Übergabe des Zuwendungsbescheides in Höhe von
1,4 Millionen Euro endgültig frei. Klaus Eichler, Abteilungsleiter im
Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, überreichte dieses
Weihnachtsgeschenk an Bürgermeister Klaus Petry, am Rande einer Sitzung des
Arbeitskreises Stadtumbau im Rathaus der Elbestadt.
Klaus Eichler meinte, damit werde schon im nächsten Jahr für alle in der Stadt
deutlich, dass sich in Wittenberge etwas tue. Für das Bildungszentrum sollen
2004 rund 960 000 Euro und 2005 nochmals etwa 460 000 Euro fließen. Die Stadt
bringt von den Gesamtkosten in Höhe von 1,77 Millionen Euro 20 Prozent als
Eigenanteil auf.
Klaus Petry verwies darauf, dass damit auf der einen Seite Arbeitsplätze
geschaffen werden und zum anderen auch ein städtebauliches Vorhaben verwirklicht
werde. Denn das Gebäude, das als Amtsgericht erbaut und später als Förderschule
genutzt wurde, liege derzeit brach. Allein in die bauliche Instandsetzung des
denkmalgeschützten Gebäudes fließen 1,14 Millionen Euro. Für die
Datenverarbeitungstechnik werden 382 000 Euro aufgewendet.
Wirtschaftsdezernent Werner Labus erklärte, dass es ein gutes Stück Arbeit
gewesen sei, dieses Vorhaben im Rahmen des Programms "Zukunft im Stadtteil" (ZiS)
förderfähig zu machen. Es entstehe keine Stätte der Erstausbildung,
verdeutlichte er das Ziel der neuen Einrichtung. Hier sollen vielmehr Betriebe
ihr Personal auf den neuesten Stand bringen. Das Berufliche Bildungszentrum (BBZ)
fungiert als Betreiber.
www.MaerkischeAllgemeine.de
11.12.2003
Wismar: Wohngebiet verliert 39 Blöcke
Von 39 Blöcke im Wismarer Wohngebiet
Friedenshof fallen bis zum Jahr 2006 bereits 29 Häuser der Abrissbirne zum
Opfer. Weitere zehn Blöcke sollen als Option bis zum Jahr 2009 folgen. Das sind
1450 Wohnungen. Ganze Karrees müssen weichen. Ursache für den Abriss ist der
Bevölkerungsrückgang und der damit verbundene hohe Leerstand. Innerhalb nur
eines Jahres nahm dieser im Wohngebiet von 30,7 auf 42,1 Prozent zu, teilten
Stadtverwaltung und Wohnungsunternehmen mit.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
11.12.2003
Steuerbefreiung für ostdeutsche Wohnungsfirmen
Der Finanzausschuss des Bundestages hat
beschlossen, dass die Grunderwerbsteuer bei Fusionen von Wohnungsunternehmen in
den neuen Ländern und Berlin für zweieinhalb Jahre ausgesetzt wird. So soll das
Überleben der Firmen gesichert werden.
Die Regelung wird am 1. Januar 2004 in Kraft treten und bis Mitte 2006 gelten.
Vertreter des Finanzministeriums argumentierten vehement, aber ohne Erfolg gegen
den Plan. Sie gaben zu Bedenken, dass die EU zuerst um Erlaubnis gefragt werden
müsse. Zudem gebe es Verfassungsbedenken, weil die Regelung nur für den Osten
und nicht für den Westen gelte.
Für den ostdeutsche SPD-Finanzpolitiker Stephan Hilsberg zählt hingegen vor
allem das Argument, mit der neuen Regelung Ostfirmen retten zu können: "Das ist
ein großer Erfolg. Die Aussetzung ermöglicht die Fusion und damit die Rettung
der Wohnungsunternehmen im Osten, " sagte er der FTD.
Die Initiative zu dem Gesetz ging ursprünglich von den Bundesländern aus. Es
wird nach dem Beschluss des Bundestags-Finanzausschusses noch in diesem Jahr vom
Bundestag verabschiedet.
"Die vielen leerstehenden Wohnungen und der große Sanierungsbedarf im Osten
rechtfertigen diese Maßnahme", sagte Hilsberg. Ohne eine solche Sonderregelung
drohe "der Bankrott vieler kleinerer Wohnungsgesellschaften und die Verelendung
ganzer Stadtviertel im Osten." Auch viele Abgeordnete der Grünen und der Union
stimmten für die Ausnahmeregelung.
Der Abstimmung lag ein Gesetzentwurf des Bundesrates (15/1407) zugrunde. Das
Gesetz soll morgen in zweiter und dritter Lesung vom Bundestag verabschiedet
werden.
Die SPD-Fraktion stellte die Vorlage in den Zusammenhang des Stadtumbaus Ost und
der Altschuldenhilfe und wies auf die großen Wohnungsleerstände in den
ostdeutschen Städten hin. In einigen Städten gebe es eine ganze Reihe von
Wohnungsunternehmen mit zum Teil hohem Wohnungsbestand.
Aufgrund der Leerstände sei es erforderlich, dass es zu Fusionen zwischen diesen
Unternehmen kommt, um Insolvenzen und Zwangsvollstreckungen zu verhindern. Die
Grunderwerbsteuer stehe solchen Fusionen bislang entgegen.
Die CDU/CSU sah dies genauso und unterstützte das Anliegen einer befristeten
Grunderwerbsteuerbefreiung. Von 7,3 Millionen Wohnungen dieser Unternehmen in
Ostdeutschland stünden über eine Million leer, was einer Quote von 15 bis 17
Prozent entspreche.
Die 1.217 Wohnungsgesellschaften im Osten befänden sich in einer "schwierigen
bis dramatischen" Situation, die sich aufgrund des Bevölkerungsrückgangs weiter
verschärfen werde. Ziel müsse es sein, sinnvolle Fusionen zu fördern.
Die Bundesregierung erklärte, sie habe gegenüber dem Bundesrat zunächst
verfassungsrechtliche Bedenken gegen eine solche Lösung vorgebracht, diese dann
aber wieder zurückgezogen. Andererseits hätten sich die Länder dagegen gewehrt,
im Falle von Umstrukturierungen generell eine Grunderwerbsteuerbefreiung zu
gewähren.
Die Koalitionsfraktionen zogen während der Beratungen einen Änderungsantrag
zurück, indem sie das Inkrafttreten der Grunderwerbsteuerbefreiung von der
beihilferechtlichen Genehmigung der Europäischen Kommission abhängig gemacht
hatten.
Aus den Reihen der Abgeordneten wurde argumentiert, das Gesetz sei im
Zusammenhang mit der Altschuldenhilfe für ostdeutsche Wohnungsgesellschaften zu
sehen, die von Brüssel bereits genehmigt worden sei.
www.ftd.de
www.iwr-magazin.de
10.12.2003
Brüel: Leerstand durch Rückbau mindern
Die Wohnungen in der Brüeler Feldstraße 1 bis
3 und 5 bis 9 sind seit Anfang des Jahres endgültig leer gezogen. Für den
geplanten Rückbau der Häuser liegt der Stadt nun auch ein Fördermittelbescheid
des Landes auf dem Tisch.
Schon seit Beginn der 90er-Jahre wird in der Stadt Brüel über die
Stadtentwicklung und Städtebausanierung diskutiert, erinnert Bürgermeister Dr.
Ernst Repp im SVZ-Gespräch. Wobei eine Tendenz nicht zu übersehen ist: Hatten in
Brüel 1989 noch 3435 Einwohner ihren Hauptwohnsitz, so sind es derzeit 3272.
Geändert hat sich auch der territoriale Wohnungsmarkt, wie Regina Nienkarn,
Geschäftsführerin der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (STEWO) ergänzt. Nicht
mehr mieten, sondern Wohneigentum war plötzlich gefragt. Ein Überhang an
Wohnungen, beispielsweise an nicht sanierten Häusern in der Innenstadt, aber vor
allem auch in Neubaugebieten wurde sichtbar.
"Ende 1997/98 war erkennbar, dass es ein deutliches Überangebot an Wohnungen
geben wird. Als eine Konsequenz fiel auch in Brüel die politische Entscheidung,
bei der Stadtsanierung den Stadtkern zu bevorzugen, was sich natürlich auf
Randgebiete wie die Feldstraße und den Mühlenberg nachteilig auswirkt ", so Frau
Nienkarn. Ab 2000 bestand schließlich akuter Handlungsbedarf für die STEWO, die
auch in Brüel kommunale Häuser verwaltet. Denn Leerstand bedeutet Verlust.
Übereinstimmung mit den Brüeler Stadtvertretern gab es schließlich darin, dass
das Problem langfristig nur über den Rückbau des dauerhaft leer stehenden
Wohnungsbestandes gelöst werden kann. Um dabei auf Fördermittel zurückgreifen zu
können, hatte die Stadtvertretung nicht nur die Beteiligung am Programm
"Stadtumbau Ost" beschlossen, sondern auch ein Grobkonzept für die
Stadtentwicklung beim Sanierungsträger in Auftrag gegeben. "Dies liegt seit
Mitte des Jahres vor. Hier wird übrigens auch nachgewiesen, dass in Brüel
mittelfristig der Bürgerschwund anhält", weiß Repp. Eingeschätzt wird, dass um
die 40 Wohnungen in Brüel nicht mehr benötigt werden. Einbezogen in das
genanntes Konzept wurden aber auch die Gemeinden Weitendorf und Zahrensdorf.
"Wir sind uns aber auch einig, dass der Rückbau von Wohnungen nur dann erfolgt,
wenn sie tatsächlich nicht mehr benötigt werden" versichert Dr. Ernst Repp und
Regina Nienkarn betont, "dass es sich um ein Konzept für die Zukunft handelt".
Auf der Grundlage des Konzeptes konnten dann Landes- und Bundesmittel
eingeworben werden. Die ersten 250000 Euro wurden bewilligt und können abgerufen
werden, wenn der Abriss der Wohnungen beginnt. Parallel hatte die STEWO den
Rückbau der Wohnblöcke in der Brüeler Feldstraße 1 bis 3 und 5 bis 9 beantragt,
die Abrissgenehmigung liegt ebenfalls vor.
Regina Nienkarn: "Wir nehmen an, dass wir den Rückbau der beiden Wohnblöcke im
nächsten Jahr realisieren können." Das Grundstück in der Feldstraße, das der
STEWO gehört, soll anschließend begrünt werden.
www.svz.de
10.12.2003
Freital: Wohnungs-Abriss: Antrag auf Förderung eingereicht
Bis zum kommenden Montag muss die
Stadtverwaltung Freital die Anträge auf Förderung von Stadterneuerungs-Maßnahmen
für das Jahr 2005 eingereicht haben. Die Sächsische Aufbaubank, die die
entsprechenden Gelder im Rahmen des Programms „Stadtumbau Ost“ vergibt, wird im
nächsten Dreivierteljahr über eine Förderung entscheiden.
Wie Stadtsprecherin Inge Nestler informiert, wurden insgesamt 15 Anträge von den
Wohnungsgesellschaften und auch von privaten Hauseigentümern vorbereitet.
Darunter auch ein Antrag der Freitaler Wohnungsgenossenschaft (GEWO) zum
umstrittenen Teilabriss von zwei Neubaublocks in der Straße der Stahlwerker und
der Oppelstraße in Freital-Zauckerode.
Welche Chancen auf Förderung der Antrag tatsächlich hat, ließe sich jetzt noch
nicht sagen, so Nestler. Die Aufbaubank erstattet den Wohnungseigentümern bis zu
70 Prozent der Kosten für Umbau oder Abriss, wenn die entsprechende Maßnahme in
das jeweilige Stadtentwicklungskonzept passt.
Das Freitaler Konzept wurde vor etwa zwei Jahren erarbeitet und sieht für das
Plattenbau-Gebiet Zauckerode eine Auflockerung der dichten Wohnbebauung vor. Es
legt jedoch keine verbindlichen Maßnahmen fest. Wie die Wohnungsunternehmen das
Gebiet lichter gestalten, ist ihnen selbst überlassen. Auch, welche Gebäude sie
umbauen oder abreißen.
Die Mieter der vom Abriss bedrohten Häuser in der Straße der Stahlwerker 5a-c
sowie Oppelstraße 10a und 12c treffen sich am Donnerstag, dem 18. Dezember, zu
einer Mieterversammlung. Mathias Wagner vom Mieterverein Dresden wird auf der
Veranstaltung allgemeine Rechtshinweise den geplanten Abriss betreffend geben.
Beginn ist um 18.30 Uhr in der Straße der Stahlwerker 5a.
www.sz-online.de
09.12.2003
Gelder aus Eigenheimzulage für Altschulden
Eingesparte Gelder aus der vorgesehenen
Kürzung der Eigenheimzulage sollen zur Altschuldentilgung von Ost-
Wohnungsunternehmen genutzt werden. Darauf hätten sich Bund und Länder geeinigt,
teilte Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre am Montag mit.
Zugleich beschlossen die Länderbauminister eine Fortsetzung des gemeinsamen
Programms «Stadtumbau Ost».
Das voraussichtliche Finanzvolumen für die Tilgung von Altschulden wird laut
Daehre bei insgesamt rund 375 Millionen Euro liegen. Die Mittel sollen an
Wohnungsunternehmen fließen, die bis Ende 2004 einen Antrag auf Entlastung von
DDR-Altschulden gestellt haben. Den Unternehmen soll zugleich eine Nachfrist zur
Vervollständigung der eingereichten Anträge eingeräumt werden.
Das Programm «Stadtumbau Ost» wird auch im kommenden Jahr auf unverändert hohem
Nivau fortgeführt, hieß es. Damit stehen den neuen Bundesländern Daehre zufolge
153,4 Millionen Euro zur Verfügung. Sachsen-Anhalt erhält so 26 Millionen Euro
vom Bund. Hinzu kommen der Landesanteil in gleicher Höhe sowie die kommunale
Kofinanzierung von rund 13 Millionen Euro.
www.mz-web.de
05.12.2003
Großenhain: Fast doppelt so hohe
Abwanderungshilfen
Der Großenhainer Marco Anders arbeitete in
Medingen bei einer Werkzeugfirma. Doch in letzter Zeit war er nur noch auf
Kurzarbeit. Die Auftragslage sei schwierig, hörte er immer wieder von seinem
Chef. Er könne nicht sagen, wann es wieder besser wird. Marco Anders gewann
irgendwann den Eindruck, dass er in seiner Firma nicht mehr gebraucht wird. Und
man lieber sähe, wenn er kündigt. Doch Marco hat eine sechsköpfige Familie zu
versorgen und ist auf das Geld angewiesen.
Dennoch setzte sich der Großenhainer Maschinenbediener im Arbeitsamt an den
Computer und fand sogar eine Stelle, die ihm zusagte. Sie hat nur einen
Nachteil: Sie ist im Westen. Marco Anders bewarb sich und wurde sofort genommen.
Und damit war klar: Die Familie muss umziehen. „Meine Freundin wäre mit den
Kindern und ohne Auto hier nicht alleine klar gekommen“, ist sich Marco Anders
sicher. Die Großfamilie ist einer der jüngsten Fälle, die sich zum Weggehen
entschieden haben.
Glaubt man den Prognosen des Statistischen Landesamtes in Kamenz, dann sinkt die
Bevölkerungszahl bis 2020 um mindestens 20 Prozent. Das heißt, nicht einmal 100
000 Einwohner leben 2020 noch in Riesa-Großenhain. Das entspräche einem
Bevölkerungsschwund von 18,1 Prozent.
Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Altersfalle heißt das
Problem. Ab 2005 kommen die geburtenschwachen Jahrgänge aus der Schule. Viele
Stellen werden sich dann nicht mehr besetzten lassen, so die Prognose. Doch
selbst wenn es so kommt: Familie Anders aus Großenhain musste jetzt entscheiden,
wie es weitergehen soll.
Arbeitsamtsdirektor Wolfgang Heyn erklärt die Schieflage des Marktes: Zwar gibt
es deutlich weniger Arbeitslose über 55 Jahren, weil viele Arbeitnehmer von
vorzeitigen Ruhestandsregelungen noch Gebrauch machen. Zwar ist die
Jugendarbeitslosigkeit etwas gesunken. Dafür gibt es derzeit weit weniger ABM
als im Vorjahr, weil die Kommunen ihre Eigenanteile nicht mehr aufbringen
können. Und auch die jungen Leute, die immer öfter keinen Ausbildungsplatz
finden, sind hier nicht unterzubringen. Erschreckende 45 Prozent der
Registrierten sind langzeitarbeitslos. „Wir sind darauf angewiesen, dass es
Stellen gibt. Wachstum schaffen können wir nicht, das muss die Politik tun“,
sagt der Arbeitsamtschef. Weil es nicht genug Stellen gibt, hat das Arbeitsamt
seine Strategie geändert und fördert die Abwanderung mehr denn je.
Über drei Millionen Euro hat das Arbeitsamt Riesa-Meißen-Großenhain in diesem
Jahr als Mobilitätshilfen ausgegeben. Vier Millionen stehen insgesamt für 2003
zur Verfügung. Reisekosten, Bewerbungserstattung oder Umzugsgelder — vieles
gehört dazu. Damit hat sich Abwanderungshilfe fast verdoppelt. Rund 5 000
Familien sind allein in diesem Jahr im Amtsbezirk mit finanzieller Hilfe der
Bundesanstalt für Arbeit in die alten Bundesländern übergesiedelt. Das sind 1
500 Fälle mehr als im Vorjahr, Tendenz steigend. „Wir müssen wieder hin zum
ersten ersten Arbeitsmarkt“, begründet Heyn des Strategiewechsel. ABM werde
künftig nur noch für bestimmte Personengruppen in Frage kommen und nicht mehr
als eine praktische Trainingsmaßnahme für ein halbes Jahr sein.
www.sz-online.de
05.12.2003
Zittau: Drei weitere Schandflecke in Zittau
verschwinden
Zittau reißt ab: Gleich drei marode Bauwerke
im Stadtgebiet werden in den nächsten Wochen und Monaten verschwinden. Das
bestätigt jetzt OB Arnd Voigt . Unter den betroffenen Gebäuden befindet sich das
frühere Haus der Rechten an der Südstraße 8.
Bis Weihnachten soll das Haus in der Südstraße für den Abriss vorbereitet sein.
Entkernt, wie es so schön heißt. Die entsprechenden Arbeiten laufen bereits.
„Wahrscheinlich im Januar wird das Gebäude dann eingerüstet und abgetragen“, so
der Oberbürgermeister.
Das Bauwerk Südstraße 8 ist eines der letzten Bauernhäuser in der Böhmischen
Vorstadt. Es steht unter Denkmalschutz, ist aber nicht mehr zu retten. Deshalb
bekam die Stadt auch die Abrissgenehmigung. Allerdings bleiben Teile erhalten –
die Holzbalkendecke zum Beispiel. „Sie wird eingelagert“, sagt Arnd Voigt. Viel
Handarbeit sei daher im Inneren vonnöten.
Das Gebäude in der Südstraße ist die erste Immobilie, auf die die Abrissbirne
wartet. Das Arbeitsamt bewilligte per 1. Dezember eine ABM. Damit soll das leere
Stadtsäckel geschont werden. „Deshalb dauert der Abriss aber auch etwas länger“,
so Arnd Voigt. Insgesamt 22 ABM kommen zum Einsatz, die Aktion läuft ein Jahr.
Zweiter Abrisskandidat ist die Industriebrache an der
Friedrich-Schneider-Straße. Das Grundbuch bezeichnete sie als „herrenlos“. Die
Stadt hat das Gelände inzwischen gekauft, die städtischen Abgeordneten gaben
dafür zuvor grünes Licht.
Das Areal soll nach dem Abriss zu einer Grünfläche werden – zunächst, bis sich
ein Nutzer findet. Die Brache gehörte zur Elektromechanik Pethau. Eine akute
Gefahr für Leib und Leben war von dem Grundstück nicht ausgegangen. Anwohner
hatten sich jedoch schon länger für den Abriss stark gemacht. Schlagzeilen
machte auch der Standort der Elektromechanik an der Pethauer Hauptstraße – die
Nummer drei auf der aktuellen Abriss-Liste. In Pethau wurden zunächst
umweltgefährdende Stoffe, später Personalakten aus DDR-Zeiten entdeckt.
Übrigens: Die Abrissbirne bleibt in Zittau. Wahrscheinlich im Frühjahr wird ihr
als Nächstes ein leerer Wohnblock an der Gerhart-Hauptmann-Straße zum Opfer
fallen, so der Oberbürgermeister.
www.sz-online.de
05.12.2003
Wittenberge: 2400 Wohnungen bis 2015 abreißen
Auch die Kommune Wittenberge ist mit ihren
Mitteln an dieser Förderung beteiligt. Neben dem Wohnungsrückbau ist die
Aufwertung von innerstädtischen Gebieten das wichtigste Ziel des
Stadtumbauprozesses, mit dem die Elbestadt auf die stetig zurückgehenden
Einwohnerzahlen reagiert. Bis zum Ende des nächsten Jahres sollen 900 Wohnungen
rückgebaut sein, 2400 Quartiere werden bis 2015 abgerissen.
Jürgen Schweinberger vom Brandenburger Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen
und Verkehr drängte auf einem Stadtumbauforum, zu dem die Kommune und als
Sanierungsträger die BIG Städtebau eingeladen hatten, den Abbruch zügig
anzugehen. Das Land befördert den Abbruch von überschüssigem Wohnraum mit 60
Euro pro Quadratmeter. Neu ist, darüber informierte der Referatsleiter aus dem
Stadtentwicklungsministerium, dass jetzt auch der Rückbau von Gewerbeflächen in
Wohngebäuden förderungsfähig ist, wenn mehr als 50 Prozent der Fläche auf
Wohnungen entfallen. Damit dürfte auch in Wittenberge der Abriss einiger Gebäude
deutlich unkomplizierter werden.
Das Stadtumbauforum war als Standortbestimmung und als Diskussionspodium mit
Elbestädtern angelegt.
Bürgermeister Klaus Petry hatte zum Einstieg in das Forum formuliert, der
Stadtumbau sei die Chance für ein zukunftsfähiges Wittenberge. Und dafür bedarf
es kreativer Akteure. Ein Lob hatte es vom Vertreter der Landesregierung
gegeben, weil der Stadtumbau in Wittenberge im Gegensatz zu anderen Städten
Brandenburgs nicht die Sache von Wohnungsunternehmen allein sei, weil es hier
viele Akteure gebe, der Bürgermeister an der Spitze stehe.
Als ein Zukunftsthema charakterisierte das Forum den Familien-Eigenheimbau mit
kurzen Wegen ins Stadtzentrum. Damit könnten Gebiete mit ehemals dichter
Bebauung aufgewertet werden; vorstellbar beispielsweise im Packhof. Das
Jahnschul-Viertel mit seiner gründerzeitlichen Bebauung soll sich langfristig
zum anspruchsvollen Wohngebiet entwickeln. Auch die Plattenbauten außerhalb des
Zentrums kamen zur Sprache. Sie sollten dort zurückgebaut werden, wo sie nicht
mehr benötigt werden, vertrat der Referatsleiter aus Potsdam die Landesposition.
Das Stadtumbauforum war auch als Podium für Wittenberger angelegt, sich mit
Ideen, Fragen und Anregungen in den Stadtumbau einzubringen. Bernd Stübner
gehörte zu jenen, die die Gelegenheit nutzten. Vehement forderte er von der
Stadt und dem Land, es mögen sich grundlegende Lösungen finden, um
Abbruchflächen in Ordnung halten zu können. Wolf Kaufmann von der BIG Städtebau
stimmte ihm zu, aber bisher sei es nicht gelungen, ein Förderprogramm für
mittelfristige Nutzungen beim Land durchzusetzen.
www.svz.de
05.12.2003
Schkeuditz: Abrissbirne löst Schandfleck-Problem
Das Problem randalierender Jugendlicher in
der Ruine des Einfamilienhauses in der Weststraße 27 in Schkeuditz ist gelöst:
Der Abrissbagger ebnete den Treffpunkt und Schandfleck am Schkeuditzer
Neubaugebiet ein. Möglich wurde dies nach der kürzlichen Bewilligung der
beantragten Fördermittel aus dem Bundesprogramm Stadtumbau-Ost.
"Wir haben dem Abbruch des Gebäudes Weststraße besonderen Vorrang eingeräumt",
weiß Carola Büttner, kommissarische Geschäftsführerin der Schkeuditzer
Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (SWV), die Eigentümerin des
Grundstückes. Nachdem vor einigen Tagen in der Kreiszeitung über das
verwahrloste Grundstück berichtet worden war, hatte es die SWV zunächst
einzäunen lassen und eine baldige "Klärung" angekündigt. "Wir freuen uns, dass
wir so noch in diesem Jahr wieder zu mehr Ruhe, Ordnung und Sicherheit im
Neubaugebiet beitragen können", so Büttner. Die Bäume auf dem Grundstück bleiben
stehen. Nun wird Mutterboden aufgetragen und Rasen angesät.
Und: Der durch Fördermittel finanzierte Abriss in der Schkeuditzer Kernstadt
geht weiter. Auch die Gebäude Altes Dorf 18 und Schillerstraße 47
(Stadtumbau-Ost) sowie die Häuser auf dem Grundstück Hallesche Straße 65
(Sächsisches Landesrückbauprogramm) werden derzeit "entsorgt". Die nun frei
werdenden Grundstücke in Schkeuditz werden begrünt.
"Insgesamt werden mit dem Haus in der Weststraße noch bis Ende Dezember 17 leer
stehende Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 940 Quadratmetern
zurückgebaut", weiß Carola Büttner. Seit Beginn der Bundes- beziehungsweise
Ländesrückbauprogramme im Jahr 2002 habe die Schkeuditzer Wohnungsbau- und
Verwaltungsgesellschaft insgesamt 47 Wohnungen mit einer Wohnfläche von rund
2500 Quadratmetern abgebrochen. Dabei seien - ohne Planungskosten - sämtliche
Abbrüche ohne Eigenmittel realisiert worden.
www.lvz-online.de
05.12.2003
Großenhain: Die Einreißer
Harald Jäckel ist mit seinem Tagewerk
zufrieden, als er gestern Abend nach Hause fährt. Der Chef einer erzgebirgischen
Abbruch- und Sprengfirma ist seit drei Jahren der große Einreißer in Sachsen.
Meist im Chemnitzer Raum, wo der Stadtumbau Ost schon seit Jahren im Gange ist.
Seit gestern ist er in Großenhain am unvermeidlichen Werk. Bis Januar 2004 soll
von den Blöcken Külz-Straße 49 bis 65 und Semmelweisstraße 1 bis 7 nichts mehr
zu sehen sein. Schon am Montag Nachmittag sammeln sich die ersten Zaungäste, die
sich das Spektakel ansehen, meist Kinder. Für einen Wohnblock brauchen die
Männer etwa sechs Tage. Auch die Keller werden komplett abgebrochen, aufgefüllt
und mit Rasen angesät, als wäre nichts gewesen. Tückisch ist die Mineralwolle,
mit der die Außenplatten gedämmt sind. Die sind gesundheitsschädlich, ähnlich
wie Asbest, und dürfen beim Abbruch möglichst nicht frei werden. Eine
Spezialfirma entsorgt die Mineralwolle. Der Betonschutt wird vor Ort recycelt
und dann für den Straßenbau verwendet.
www.sz-online.de
04.12.2003
Wittenberge: Abrisskandidaten in der
Stein-Hardenberg-Straße
Als städtebaulich wertvollstes Areal im
Zentrum kennzeichnete Stadtbauamtsleiter Ulrich Siodla am Dienstagabend auf dem
mit rund 250 Interessierten gut besuchten Forum zum Stadtumbau das
Jahnschul-Viertel.
Entsprechend ist das Konzept im Umgang mit diesem Areal, in dem sich an die 2000
Wohnungen befinden. Es gehe um die grundsätzliche Aufwertung in der Wohnqualität
und den Erhalt der Gebietsstruktur. Prägende Eckgebäude werden deshalb auch
erhalten, saniert und modernisiert: Das gilt für die Perleberger Straße 129, die
Nedwigstraße 4 und die Goethestraße 7. Um diesem großen Haus an der Ecke zur
Stein-Hardenberg-Straße ein stimmigeres Umfeld - sprich mehr Raum ringsherum und
mehr Grün zu geben - werden die direkt angrenzenden Häuser 25 bis 27 abgerissen.
Gestern begann die Firma Eggers mit dem Abbruch. Heute tritt der große Bagger in
Aktion. In wenigen Wochen sei alles vergessen, so gestern die Abrissfirma mit
Blick auch auf die Mieter in den Nachbarhäusern. Und der spätere Vorteil liege
auf der Hand: Es werde lichter.
Derzeit stehen im Jahnschul-Areal etwa 900 Wohnungen leer. Vorgesehen ist mit
dem Stadtumbau der Abbruch von 245 Quartieren.
www.svz.de
04.12.2003
Städtebauförderung soll gekürzt werden
Bauminister Helmut Holter befürchtet,
dass MV künftig rund 75 Millionen Euro weniger Städtebauförderung erhält.
"Nordrhein-Westfalen will die Verteilung der Bundesmittel in den kommenden fünf
Jahren schrittweise zwischen Ost und West angleichen. Bisher wurde nach alten
und neuen Ländern getrennt", sagte der Minister gestern vor der
Bauministerkonferenz in Kassel. Dort übernimmt er für zwei Jahre den Vorsitz der
Konferenz.
Modellrechnungen hätten ergeben, dass Mecklenburg-Vorpommern dann rund 50
Millionen Euro bei den Programmen "Städtebaulicher Denkmalschutz" und
"Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" fehlen würden. Zudem würde das Land etwa
25 Millionen Euro weniger für den Stadtumbau Ost bekommen, sagte Holter. Eine
solche Umschichtung der Mittel sei unzumutbar. Bundesbauminister Stolpe habe
zudem erklärt, bei einer Anhebung der Städtebauförderung West bleibe die
Förderung im Osten unberührt.
Auf der Bauministerkonferenz soll auch die umstrittene Eigenheimzulage zur
Sprache kommen. Besonders in den neuen Ländern sei die Eigenheimzulage für
Bauherren und Bauwirtschaft wichtig. Der Minister will, dass der Neubau nicht
mehr bevorzugt gefördert wird, sondern auf gleichem Niveau wie der vorhandene
Wohnungsbestand.
www.svz.de
03.12.2003
Frankfurt: Beratungsstelle zum Abriss
Vom Stadtumbau, also dem Abriss von
Wohnhäusern, der Verkleinerung von Plattenbauten und der Neugestaltung von
Flächen, sind in den kommenden Jahren alle Frankfurter betroffen. Denn die Stadt
wird ihr Gesicht verändern. Um diesen Prozess öffentlicher zu machen, den
Bürgern Ansprechpartner zu bieten, Planungen zu präsentieren und Vorschläge
aufzunehmen - dafür wurde gestern in der Großen Scharrnstraße 18 das Forum
Stadtumbau eröffnet.
Die Büroräume hat die Wohnungswirtschaft zur Verfügung gestellt, die Möbel
stammen von der Wohnbau und die Stadt bezahlt die Personal- bzw. Honorarkosten
für das neue Forum mitten in der Großen Scharrnstraße. Dort werden vor allem die
Berater Petra Bergemann und Jörg Faulhaber sowie Stadtumbaumanager Frank
Stroh-ecker versuchen, den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "Dieses
Forum bietet den Frankfurtern die Möglichkeit, sich zu informieren ob und in
welchem Ausmaße sie möglicherweise vom Abriss betroffen sind. Sie können aber
auch hierherkommen und Vorschläge machen, wie Frankfurt umgestaltet werden
sollte. Solche Vorschläge werden wir an den Stadtumbaumanager weiterreichen,
aber auch mit den Wohnungsunternehmen diskutieren", umriss Petra Bergemann, die
viele Jahre im Sozialamt gearbeitet hat, ihr Aufgabenfeld. Jörg Faulhaber, der
vor allem die Nachmittagssprechstunde absichert, will vor allem
sozialpädagogisch tätig werden und sich um soziostrukturelle Fragen kümmern.
"Wir bieten diese Räume deshalb nicht nur einzelnen Bürgern an, sondern sie
können beispielsweise auch von Stadtteilkonferenzen genutzt werden, die sich
über ihr Wohngebiet genau informieren wollen", so Jörg Faulhaber.
Für Kerstin Kircheis, Vorsitzende des Mieterbundes des Landes Brandenburg, ist
das Forum "ein Schritt in die richtige Richtung. Denn viele Mieter haben Scheu
davor, ihren Vermieter, mit dem sie ein Vertragsverhältnis haben, direkt zu
befragen, ob der Abriss droht. Im Hintergrund schwebt da häufig das Misstrauen,
er könne nicht die Wahrheit sagen. Deshalb finde ich einen solch neutralen Ort
zu Beratung gut", lobte sie.
Stadt-Sprecher Heinz Dieter Walter betonte, dass die Stadtverwaltung gemeinsam
mit den Großvermietern "Akzente setzen wolle". Baudezernent Peter Edelmann
versprach, dass die Berater Anregungen auf alle Fälle aufnehmen und an die
richtigen Stellen weiterleiten. Wolfgang Müller, Geschäftsführer der
Wohnungswirtschaft (Wowi), verspricht sich vom Forum "Lebenshilfe, denn die
Berater müssen den Mietern erklären können, warum was wo abgerissen wird". Bernd
Windscheffeln von der Wohnbau hofft, dass die neue Beratungsstelle, die aber
auch Ort der Diskussionen sein sollte, hilft, die "Öffentlichkeitsarbeit zu
verbessern und so Misstrauen zu nehmen."
Dass das Forum im Zentrum und nicht direkt beispielsweise in Neuberesinchen, dem
größten Plattenbau- und Leerstandsgebiet angesiedelt wurde, hält Dietmar
Bartusch, der bei der Wowi den Stadtumbau managt, für sinnvoll. "Der Stadtumbau
wird uns in den kommenden zehn Jahren beschäftigen. Mit der Wahl des Ortes
wollen wir auch zeigen, dass wir das Zentrum stärken und stabilisieren wollen."
www.moz.de
03.12.2003
Stollberg: Rückbau im Dürergebiet
Mit dem Abriss von einmal insgesamt über 300
Wohnungen im Albrecht-Dürer-Neubaugebiet hat eine Chemnitzer Baufirma am Montag
begonnen. An den Häusern 41 bis 52 werden derzeit die obersten zwei Etagen
zurückgebaut. Um die Bebauung aufzulockern, ist obendrein der Abriss einzelner
Häuser geplant.
Von den bislang an diesem Standort bestehenden 120 fünfgeschossigen Wohnungen
der Wohnungsbaugenossenschaft Wismut Stollberg werden 44 übrig bleiben, erklärte
der Geschäftsführer des Mieterunternehmens, Claus Peters.
Das Vorhaben nimmt einen vorrangigen Platz im Stadtentwicklungsplan der
Kreisstadt ein. Die Gebäudeeinheiten sollen mit modernen Wohnungen und
großzügigen Außenanlagen ausgestattet werden. Das Projekt ist Bestandteil des
Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost. Nach Beendigung des rund drei Millionen
Euro teuren ersten Bauabschnitts im Juli 2004 können die Mieter einziehen. Das
Interesse an den 45 bis gut 120 Quadratmeter großen Wohnungen sei schon jetzt
groß. „Sie sind bereits alle belegt“, sagte Peters, der den künftigen Mietpreis
mit 4,80 bis 5 Euro bezifferte.
Am Rückbau der Plattenwohnungen beteiligt sich auch die städtische
Wohnungsgesellschaft. Den Bauherren stehen für die Modernisierung 27
verschiedene Grundrisse zur Verfügung. Von der Single- bis zur
Maisonettenwohnung reicht die Palette.
Den Erdgeschosswohnungen werden neben Terrassen auch Gartenanteile zugeordnet.
Mit vergrößerten Fensteröffnungen, dem Einbau zusätzlicher Fenster in Küche und
Bad sowie geräumigeren Balkonen sollen die Wohnungen insgesamt aufgewertet
werden und für höhere Wohnqualität sorgen.
www.freiepresse.de
03.12.2003
Die Anarchie der Bagger
Bundesbauminister Manfred Stolpe mußte
seine Teilnahme kurzfristig absagen – wegen eines Termins in Sachen LKW-Maut in
Brüssel. Rund 400 Politiker, Wissenschaftler, Kommunalverwalter und Praktiker
hatten sich Ende letzter Woche in Stolpes Ministerium in der Berliner
Invalidenstraße versammelt. Auf einem ganztägigen Kongreß zogen sie eine Bilanz
von zwei Jahren Stadtumbau Ost. Es ging höflich zu. Die Referenten beschränkten
sich im wesentlichen auf Andeutungen, wenn es um Kritik an den Geburtsfehlern
des Programms ging. Dennoch meinte Stolpes parlamentarische Staatssekretärin
Iris Gleicke, in die Offensive gehen zu müssen: Der Aufbau Ost dürfe nicht als
Abriß Ost diffamiert werden, verlangte sie.
Dabei liegt auf der Hand, woran die Umsetzung des Programms krankt, das von der
Bundesregierung mit Jahren Verspätung vor allem deshalb verabschiedet wurde,
weil die meisten kommunalen Wohnungsbaugesellschaften im Osten aufgrund des
horrenden Leerstands reihenweise vor dem wirtschaftlichen Aus standen. Die vor
einem Jahr von 268 Kommunen in einem Wettbewerb vorgelegten Integrierten
Stadtentwicklungskonzepte (InSEK) werden möglicherweise durch realitätsferne
Förderpolitik von Bund und Ländern zur Makulatur. Ulrich Pfeiffer vom
sozialwissenschaftlichen Institut empirica Bonn brachte einige der Probleme auf
den Punkt: »Subventionsprogramme sind gefährlich, weil sie die Neigung haben,
den Kontakt zur Nachfrage zu verlieren.« Er erinnerte daran, daß Anfang der
neunziger Jahre vom Bund im Rahmen des Aufbaus Ost massenhaft Subventionen in
den Ausbau von Wohnungen flossen, die heute zum Teil zum Abriß stehen.
Mit dem Extremwert des Freistaates Sachsen, der fern der Empfehlungen des Bundes
die Fördergelder in Landeshoheit aktuell zu 77 Prozent in den Abriß und nur zu
23 Prozent in die Aufwertung der Bausubstanz lenkt, setzte sich auf der
Konferenz niemand auseinander. Der Bundesdurchschnitt liegt bei einem Verhältnis
von 56 zu 44, bei Einbeziehung kommunaler Eigenmittel gar bei 46 zu 54. Auf
einer Pressekonferenz damit konfrontiert, war der zuständige sächsische
Staatssekretär Albrecht Buttolo nicht zu verführen, eine plausible Erklärung
dafür zu geben.
Die Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Suhl, Karin
Hollandt, machte ihr Dilemma deutlich: »Wer die Zeit der Wohnungsnot miterlebt
hat, meinen Bürger in Suhl, für den ist die Vernichtung von Wohnraum das Gleiche
wie die Vernichtung von Lebensmitteln.« Eine auch für sie zentrale Frage sei die
nach dem Altschuldenerlaß. 160 Millionen Euro, klagte auch der Präsident des
Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen, Lutz Freitag, müßten seine
Unternehmen jährlich aufwenden, um Altschulden für 400 000 leere Wohnungen zu
bedienen. Ein solcher Erlaß, meinte dazu Peter Runkel vom Bundesministerium,
würde den Bund eine Milliarde Euro kosten.
Hellfried Unglaub, Chef der Plauener WbG und »Herr« über 12000 kommunale
Wohnungen, forderte vom Bund die Auflage eines Bürgschaftsprogramms, mit dem
Kredite, die Wohnungsunternehmen und Kommunen aufgenommen haben, gestundet
werden können. Dies sei eine Existenzfrage für sein Unternehmen. Unglaub
bemängelte vor allem, daß Kommunen die Aufwertungsmaßnahmen im Stadtumbau, im
Gegensatz zum Abriß, zu einem Drittel aus Eigenmitteln finanzieren müssen. Seine
Kommune habe im Haushaltplan 2004 lediglich 30 000 Euro an Eigenmitteln für die
Aufwertung von Bausubstanz eingestellt. Unglaub forderte von Bund und Land, auf
diese Kofinanzierungsregelung zu verzichten. Weiter regte er einen
Bürokratieabbau im Vergabeprozeß der Fördermittel an. Durch ein Übermaß an
Bürokratie fließe viel Geld, ohne daß die Bürger vor Ort etwas davon sehen, so
Unglaub gegenüber jW.
Als Sachsens Staatssekretär Buttolo in der Abschlußrunde den Bund dazu
aufforderte, den im Abriß von Wohnraum erfolgreichsten Kommunen zu gestatten,
Gelder für die Wohnraumaufwertung in sogenannte Zielwohnungen umzuleiten, verlor
Peter Runkel vom Bundesbauministerium fast die Fassung. Der Freistaat Sachsen,
hielt er Buttolo entgegen, habe in den Jahren 2002 und 2003 die diesem Zweck
zugeordneten Fördergelder für sozialen Wohnungsbau vom Bund nicht abgerufen.
Festzustellen bleibt: Die Reduzierung vorhandener Bausubstanz aufgrund des
Bevölkerungsschwundes ist eine Aufgabe, der sich deutsche Kommunen in der
Geschichte des Städtebaus nie zuvor stellen mußten. Eine Entwicklung, sind sich
Experten einig, die mittelfristig auch den Westen erreichen wird. Der »Rückbau«
ganzer Städte ist, betrachtet man die demographische Entwicklung, künftig sogar
eine Aufgabe von europäischer Dimension. Stadtumbau Ost ist, wie es Michael
Bräuer von einer Rostocker Architektengemeinschaft formulierte, ein »lernendes
Programm«. Diese Lernprozesse beträfen alle Akteure und Betroffenen, sehr direkt
aber auch die Entscheidungsträger auf den Ebenen Bund, Land und Kommune.
Unterdessen schaffen die Abrißbagger in Ostdeutschland vollendete Tatsachen;
ältere Bürger fühlen sich dabei nicht selten an die Ruinen nach dem letzten
Krieg erinnert.
www.jungewelt.de
02.12.2003
Greifswald: Abriss soll im nächsten Jahr endlich
losgehen
Dem „Stadtumbau Ost“ steht nichts mehr im
Wege: „Das Land hat jetzt die ersten Fördermittel bewilligt“, berichtete der
Chef des Stadtplanungsamtes im Rathaus, Volker Bouché, während der jüngsten
Sitzung des Bauauschusses. Insgesamt 2,1 Millionen Euro stehen den beiden
Wohnungsgesellschaften, WVG und WGG, im ersten Bauabschnitt zur Verfügung.
Mit etwa drei Vierteln der Summe sollen auf der Parkseite des Ostseeviertels
zunächst der Innenquartierblock Riemser Weg 5-6 abgerissen (OZ berichtete) und
Etagen weiterer Häuser abgetragen werden. Etwa 500 000 Euro seien eingeplant, um
das Wohnumfeld nach dem Abriss zu verschönern, verdeutlichte Bouché. Anfang
2004, spätestens aber im Frühjahr des nächsten Jahres, könnten die Arbeiten
beginnen, so der Amtsleiter weiter.
„Der genaue Termin hängt auch davon ab, wann die letzten Mieter aus den Häusern
ausgezogen sind“, sagte er. Die Planungen für den Rückbau seien jedenfalls
längst fertig. Bis mindestens 2010 soll der Umbau des Viertels dauern. Stadt und
Wohnungsunternehmen hoffen bis dahin jährlich auf weitere Förder-Millionen aus
dem Förderprogramm Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek). Insgesamt ist
vorgesehen, auf der Parkseite des Wohngebietes drei ganze Blöcke sowie ein
Blocksegment abzureißen und durchschnittlich zwei Etagen pro Haus abzutragen.
Termine für einen Baubeginn wurden in der Vergangenheit mehrfach genannt. Bleibt
zu hoffen, dass es Anfang 2004 nun endlich losgeht, denn die Bürger im
Ostseeviertel warten darauf. Viele haben die Wohngegend wegen dieser
Unsicherheit bereits verlassen und sich andere Woh