Newsticker Archiv Dezember 2005
29.12.2005
Stadtumbau kostet Versorger Millionen
Wenn leer stehende Häuser abgerissen werden, kommen auf
die Lieferanten von Strom, Wärme und Wasser Folgekosten zu. Leitungen müssen neu
verlegt werden, der Unterhaltungsaufwand steigt.
Die Versorgungsunternehmen in den Städten Sachsen-Anhalts schlagen Alarm. Sie
werden im Zuge des Abrisses vor allem von Plattenbauten mit erheblichen Kosten
für die Anpassung der Infrastruktur belastet. Anders als die
Wohnungsunternehmen, die aus einem Bund-Länder-Programm beim Rückbau von
Wohnungen finanziell unterstützt werden, erhalten sie keine öffentliche Hilfe.
Sie bleiben auf Kosten in Millionenhöhe sitzen oder müssen sie auf die Preise
umlegen.
Matthias Krause, Vorsitzender des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft in
Sachsen-Anhalt (VDEW), geht seit Jahren mit den Nöten der Stadtwerke in
politischen Gremien und Ministerien hausieren. "Bereits 1999 haben wir
insbesondere auf die Folgen für die Fernwärme-, Trinkwasser-und Abwassernetze
hingewiesen", sagt der Technische Geschäftsführer der Energieversorgung Halle.
Es sei durchaus Verständnis geäußert worden. Hilfe habe es aber nur in einigen
Ausnahmefällen gegeben.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Horst Rehberger ( und der für den Stadtumbau
zuständige Bauminister Karl-Heinz Daehre (zeigen unterdessen Verständnis.
Rehberger: "Das ist ein gravierendes Problem. Entlastung ist dringend geboten."
Eine konkrete Lösung aber können sie nicht bieten. Diese sei nur in
Verhandlungen zwischen den Ländern und der Bundesregierung zu finden, meint
Daehre. Er schränkt jedoch zugleich ein: "Eine Förderung von
Versorgungsunternehmen aus Städtebau-oder Stadtumbaumitteln führt zu einem
Weniger an städtebaulichen Maßnahmen."
Dabei werden die zumeist in kommunaler Hand liegenden Versorger mehrfach
belastet, wie Krause verdeutlicht. Sie hätten ohnehin mit dem
Bevölkerungsrückgang zu kämpfen, durch den Versorgungsnetze unzureichend
ausgelastet werden. Dies verursacht höhere Betriebskosten. Bei der Fernwärme
beispielsweise führen geringere Umlaufgeschwindigkeiten zu höheren
Energieverlusten im Netz. In den Trinkwassernetzen müsse mehr umgewälzt werden,
weil zu lange stehendes Wasser mit Keimen belastet würde. Und die Abwasserkanäle
müssten zusätzlich gespült werden, um Verstopfungen und Korrosion zu vermeiden.
"Durch den Abriss von Häusern müssen zudem bestehende Leitungen, die bislang in
Installationsgängen unter den Häusern verlaufen, an anderer Stelle neu verlegt
werden", sagt Krause.
Deshalb erheben die im VDEW organisierten 19 Versorger Forderungen, um die
Kosten zu dämpfen. So sollten eher komplexe Abschnitte vom Netz genommen werden,
statt selektiv einzelne Häuser abzureißen. Auch wünschen sie mehr Mitsprache bei
Abrissplanungen.
www.mz-web.de
23.12.2005
Wismar: Einwohnerzahl wird extrem sinken
Es ist nur eine Frage der Zeit bis der demografische
Wandel in diesen Breiten spürbar wird. Die Stadtväter der Hansestadt Wismar
haben die damit einhergehenden Veränderungen im Blick. Jüngst hatte die
Bürgerschaft die erste Fortschreibung des so genannten Integrativen
Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) beschlossen. Für Wismar bedeutet das unter
anderem Folgendes: Die Innenstädte sollen durch Sanierungsmaßnahmen gestärkt
werden. Weiterhin sollen solche Wohngebiete durch Investitionen attraktiver
gestaltet werden, in denen leer stehende Wohnungen abgerissen worden sind.
Insbesondere das Wohngebiet Friedenshof ist davon betroffen.
Die Prognose in Sachen Einwohnerzahlentwicklung lässt ahnen, dass in Wismar
künftig wohl noch weitere leer stehende Plattenbauten - um es weniger brutal
auszudrücken - zurückgebaut werden. Allein zwischen 1992 und 2001, so heißt es
in einem von der Stadtverwaltung erarbeiteten Papier, ist die Einwohnerzahl um
8656 auf 44 884 geschrumpft. Die meisten dieser "Stadtflüchter" kehrten dem
Stadtteil Friedenshof den Rücken. In puncto Einwohnerzahl belegt der Stadtteil
Wendorf seit 1999 vor dem Friedenshof den ersten Platz auf der Größenrangliste.
Bis zum Jahre 1997 musste in der Altstadt ein Bevölkerungsrückgang von 35
Prozent verbucht werden - jeder dritte Einwohner zog von hier in eines der neuen
Wohngebiete am Stadtrand, in den Speckgürtel oder noch weiter weg. Seit wenigen
Jahren ist die Altstadt jedoch wieder Zuzuggebiet.
Doch der Trend in der Altstadt bewegt sich gegen den Strom. In verschiedenen
Szenarien wird die Einwohnerzahl von Wismar innerhalb der nächsten 15 Jahre auf
prognostizierte 33 300 Bürger extrem sinken - in der optimistischen Variante. Im
schlechtesten Fall sinkt sie unter 32 000.
www.ln-online.de
23.12.2005
Duisburg: Land fördert Projekte zum Stadtumbau West
Im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West trafen jetzt
die Förderbescheide des Landes NRW ein. Trotz der vielen Meldungen über
Mittelkürzungen im Bereich der Stadterneuerung wurden für 2006/2007 die Mittel
bereitgestellt. Damit können jetzt kurzfristig zwei wichtige Projekte starten:
Die Erstellung eines gesamtstädtischen städtebaulichen Entwicklungskonzepts und
das Quartiermanagement für das Dichterviertel in Duisburg-Hamborn.
Das zu erstellende gesamtstädtische städtebauliche Entwicklungskonzept bildet
die Grundlage für alle Projekte zum Stadtumbau West. Ziel ist es, auf der
Grundlage der demographischen Entwicklung Handlungsfelder für den Stadtumbau zu
identifizieren und nachhaltige Entwicklungskonzepte für einzelne Stadtgebiete zu
erarbeiten. Besonderes Augenmerk liegt auf Stadtteilen, die besonders vom
Einwohnerrückgang gekennzeichnet sind. Die hier zu ermittelnden Daten bilden die
planerischen Grundlagen zur Einleitung weiterer Maßnahmen.
Mit dem Förderbescheid kann im Januar 2006 im Dichterviertel in Duisburg-Hamborn
das geplante Quartiermanagement eingerichtet werden. Aus der Kooperation der
Stadt Duisburg mit der Wohnungsbaugesellschaft Rhein-Lippe, die Ende 2004 durch
eine Vereinbarung geschlossen wurde, wird jetzt das gemeinsam entwickelte
Konzept des Quartiermanagement umgesetzt. Dazu wird die Rhein-Lippe
Räumlichkeiten am Goetheplatz 1 zur Verfügung stellen. Das Büro
Basta/Planungsgruppe Stadtbüro wird hier Anfang Januar die Arbeit aufnehmen.
Ziel ist es, die denkmalgeschützte und aufwändig restaurierte Siedlung im
Duisburger Norden nachhaltig zu stabilisieren.
www.presse-service.de
23.12.2005
Wurzen: Stadtumbau ohne Strategie
Wo bleiben die Altstadtwärter? Der Stadtumbau in Wurzen
weckt mediales Interesse - weit über die Kirchturmspitze hinaus. Mitte der Woche
widmete nämlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrem Feuilleton den
Abrissplänen der Muldestadt nahezu eine halbe Seite mit der Schlagzeile: Wo
bleiben die Altstadtwärter?
Mehr noch als die Überschrift verweist die Unterzeile des Beitrages auf die
Stoßrichtung der Berichterstattung - "Versinkendes Erbe: Unsere soziale und
bauliche Zukunft beginnt im schrumpfenden Wurzen". Dass Wurzen in vielerlei
Hinsicht beim Stadtumbau Exempel statuiert, dürfte den Einwohnern mittlerweile
bekannt sein. Immerhin verlor die Stadt seit der Wende fast ein Viertel der
Bevölkerung, ein Viertel der Bürger ist älter als sechzig Jahre und sollte es so
weiter gehen, steht bald ein Viertel der Häuser leer. Wie heute schon in der
Altstadt.
Den Schrumpfungsprozess vor Augen führten zuletzt die Experten während des
Stadtumbau-Forums am 21. Oktober im Kulturhaus Schweizergarten. Wer bis dahin
den Verfall lediglich dann wahrnahm, wenn wieder einmal Karfril-Bagger Löcher in
Gebäudezeilen rissen, wusste spätestens nach dem Statistik-Resümee vom Oktober,
wo die urbane Entwicklung hinführt. Dank FAZ wissen jetzt Leser im gesamten
Bundesgebiet, dass "Wurzen als Menetekel der Zukunft vieler deutscher Städte"
gilt. Aber eben ohne Erfolgsrezept, wie der Autor zugleich schreibt. Zitat:
"Strategien für eine Rettung der reichen Wurzener Denkmallandschaft sind nicht
in Sicht." Ein Standpunkt, den hier vor Ort viele Einwohner nach jüngsten und
öffentlichen Debatten um den Erhalt historischer Bauwerke wie Schladebachs Hof
teilen.
Zumal der kommunale Stadtumbau-Schuh keineswegs nur an der Ferse, sondern
gleichfalls an den Zehen drückt. Vor Jahren erlebte die Stadt eine Renaissance
der Großvermieter, die den Norden Wurzens und damit die Altneubauten aus
DDR-Zeiten belebten. Davon profitierte die Wohnungsgenossenschaft, die
Wohnungsgesellschaft indes ist mit über 20 Mio. Euro (Stand 2004) verschuldet
und muss den Minusberg abtragen. Das Fazit der FAZ fällt übrigens offen aus: "Am
Ende bringt das Modell Wurzen nur eine Erkenntnis: dass es schlecht bestellt ist
um das baukulturelle Erbe in Zeiten der Schrumpfung."
www.lvz-online.de
23.12.2005
Salzgitter: In der Kattowitzer Straße wird ein
zweites Haus abgerissen – Altersgerechtes Wohnen geplant
Kaum ist das erste Haus von der Bildfläche verschwunden,
schon geht es dem nächsten an den Kragen: Nachdem von dem Betonklotz in der
Kattowitzer Straße 249 nur noch der Keller steht, will die Firma Munte
Immobilien nun auch die Hausnummer 217 abreißen.
Dies allerdings ist kein Zeichen von Verfall, sondern ein Aufbruchsignal für das
Seeviertel: Munte lässt nicht mehr benötigten Wohnraum verschwinden, um ihn
durch attraktivere Gebäude zu ersetzen. "Bei unserer schrumpfenden Einwohnerzahl
in Salzgitter muss unbedingt was getan werden", sagt Oberbürgermeister Helmut
Knebel.
Sven-Thomas Munte beschreibt eines der deutschen Grundprobleme am Beispiel
dieses Hauses in nur drei Sätzen: "Das Gebäude ist in einer Zeit entstanden, in
der ganz schnell ganz viele Wohnungen gebaut werden mussten – mit staatlicher
Unterstützung. Dann wurden Familien durch die staatliche Unterstützung der
Eigenheimförderung aus dem Haus herausgelockt. Jetzt sind wir froh, dass wir
staatliche Unterstützung für den Abriss kriegen."
Insgesamt 1,6 Millionen Euro – 800 000 vom Bund sowie je 400 000 von Land und
Stadt – aus dem Programm Stadtumbau West bekomme Munte für dieses
"Impulsprojekt", so Günter Klatt, Chef des städtischen Referates für
Stadtentwicklung. Dieses Projekt umfasst allerdings mehr als den Abriss zweier
hässlicher Häuser: den Ausbau des Seeviertel-Treffs zu einem "Marktplatz der
Kommunikation" mit einer riesigen Zeltplane als Dach sowie die Sanierung des
Fußweges zum Salzgittersee.
"Wir haben uns als zeitliches Ziel gesetzt", sagt Klatt, "dass man sich die
Fußballweltmeisterschaft unter dem Membrandach des Marktplatzes anschauen kann."
Das komplette Impulsprojekt solle 2007 fertig sein. Was an die Stelle des
Achtstöckers in der Kattowitzer Straße 249 kommt, will Munte noch nicht
verraten. Es sei noch nicht jeder nötige Vertrag unterschrieben. Nur so viel:
Der alte Betonklotz weicht einem Gebäude zum altersgerechten Wohnen mit wenigen
Stockwerken. Das Haus 217 hatte Munte eigens für den Abriss von einem
Privateigentümer gekauft. Es soll verschwinden, um den Eingang des Seeviertels
aufzuwerten.
In dem Haus Kattowitzer Straße 217, so Munte, seien derzeit noch 15 der 48
Wohnungen belegt. "Wir unterstützen die Umzüge. Nächsten Sommer soll der Bagger
anrücken." Munte-Geschäftsführer Martin Streppel ergänzt: "Wir werden für jeden
Mieter eine individuelle Lösung finden."
"Unser Traum ist", sagt Sven-Thomas Munte, "dass hier ins Seeviertel wieder so
viel Leben kommt, dass sich ein Restaurant oder wenigstens ein Kiosk ansiedelt."
Die Fehler, die bei der Planung des Wohnquartiers in den 60er- und 70er-Jahren
gemacht worden seien, so Munte, könnten von einem privaten Unternehmen allein
nicht ausgebügelt werden. "Für uns wäre der Abriss eines Hauses ohne öffentliche
Förderung wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen", betont Munte.
www.newsclick.de
21.12.2005
Elmshorn: Die Potenziale im Osten aktivieren
Die Krückaustadt zeigt sich seit Bestehen der Bahnlinie,
die sie durchquert, zweigeteilt. Über viele Jahre hinweg — beispielsweise in der
Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 60er Jahren — machte sich diese
Teilung in West- und Ostteil für die Bewohner Elmshorns kaum bemerkbar. Hüben
wie drüben pulsierte das städtische Leben mit einem breit gefächtem Angebot an
Gewerbe, Handel, Gastronomie und Wohnbebauung. Doch in den vergangenen
Jahrzehnten änderte sich die Situation spürbar. Im Ostteil der Stadt
verschwanden nach und nach immer mehr, teilweise alteingesessene Geschäfte und
Betriebe. Trotz zentraler Lage scheint die Stadt östlich der Bahn bis heute
immer mehr zu veröden. So sieht es zumindest der Stadtverband der
Mittelstandsgesellschaft (MIT) Elmshorn, der in seinem Arbeitspapier „Vier
Bausteine zum Erfolg“ auf diese Sitution hinweist und dringend dazu rät,
gegensteuernde Maßnahmen zu ergreifen.
Vor allem drängt die MIT darauf, das im Zuge des Programms „Stadtumbau West“ von
der Stadt in Auftrag gegebene „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK)
konsequent anzuwenden. Darin werde insbesondere auch für den Stadtteil Ost eine
Chance gesehen, die dortigen Potenziale endlich zu aktivieren. „Die MIT hat
recht, wenn sie schreibt, dass der Ostteil der Stadt in der jüngeren
Vergangenheit fast völlig aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit geriet. Das muss
sich natürlich bald und konsequent ändern“, erklärt Thomas Becken, zuständig für
den Bereich Wirtschaftsförderung im Elmshorner Rathaus. Seiner Meinung nach ist
es aber nicht verwunderlich, dass es zu dieser Situation kam. „Es gab viele
Dinge im Westteil der Stadt, die in den vergangenen Monaten vorrangig die
Aufmerksamkeit auf sich zogen — beispielsweise die Sanierung der Königstraße,
die vielfach diskutierte Ansiedlung eines Designer-Outlet-Centers am Nordufer
oder die Hafenspange“, so Becken. Der Wirtschaftsföderer setzt wie die MIT
ebenfalls große Hoffnungen auf das kommende ISEK und dessen Umsetzung: „Dieses
Konzept umfasst ja die gesamte Stadt. Insofern wird der Ostteil auch wieder in
den Fokus der Aufmerksamkeit kommen.“
Bereits jetzt sei aber, was den Ort insgesamt betrifft, eine starke Bewegung zu
spüren, die auch andauern werde. „Der Umzug von Teppich-Kibek zum Ortsausgang
bleibt nicht die einzige Veränderung, die 2006 auf uns zukommt. Unter anderem
wird geklärt werden müssen, was zukünftig an der Reichenstraße, am Nordufer, in
Bahnhofsnähe oder, sobald Eisen-Kremer zum Ramskamp zieht, in dem Quartier beim
Buttermarkt passieren soll“, so Becken. Die Stadt werde viele, auch
wirtschaftliche Änderungen erfahren, die aber nicht unbedingt als negativ zu
bewerten seien. „Elmshorns wirtschaftliche Zukunft würde ich insgesamt als
durchaus positiv bewerten. Und die Umsetzung des ISEK wird auch den Ostteil der
Stadt mit Sicherheit voranbringen“, so Becken.
Ähnlich bewertet auch Ewald Müller vom Amt für Stadtentwicklung die Situation.
„Das Stadtentwicklungskonzept wird die Lage im Ostteil mit Sicherheit
berücksichtigen und Möglichkeiten zur Belebung aufzeigen.“
www.quickborner-tageblatt.de
21.12.2005
Halle: Spatenstich für automatisches Parkhaus
Walter Lühmann, Geschäftsführer der KL Bau- und
VerwaltungsGmbH, der Architekt Dieter Lehmann und Vertreter der Hall City Bau
GmbH, werden am Mittwoch, dem 21. Dezember 2005, um 13 Uhr, gemeinsam mit
Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler und dem Staatssekretär im Ministerium für Bau
und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt; Dr. Hans-Joachim Gottschalk, den ersten
Spatenstich für ein neues Parkhaus in der Franz-Andres-Straße vornehmen.Das neue
automatische Parkhaus der Hall City Bau GmbH mit 125 Stellplätzen wird mit
Mitteln des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt
www.halleanzeiger.de
18.12.2005
Die Kunst des Leerstands
In den deutschen Großstädten sind die bunten Schilder der
Makler an den Häuserfassaden allgegenwärtig: "Zu vermieten, Günstige
Gewerbeflächen, Ladenlokal frei." "Das ist das Dümmste, was man machen kann",
sagt Volker Linneweber, Professor am Institut für Psychologie der Universität
Magdeburg. "Der Hinweis auf Leerstand bringt weiteren Leerstand", mahnt
Linneweber, "diese Schilder symbolisieren nur das Übel."
Gemeint ist der massenhafte Leerstand teilweiser hochwertiger Büro und
Gewerbeflächen. Leerstände sind das Barometer für die schlechte Konjunktur. Bei
Mitarbeitern wecken ausgeräumte Bürofluchten die Angst vor dem eigenen
Arbeitsplatzverlust, drücken auf die Stimmung, senken die Motivation.
Gleichzeitig steigern sie jedoch die Bereitschaft zur weiteren Qualifizierung,
fanden die Magdeburger Sozialpsychologen heraus. Und ungenutzte Quadratmeter
gibt es zuhauf. In der Finanzhochburg Frankfurt am Main steht nach neuesten
Zahlen nahezu ein Fünftel aller Bürotürme leer. In München, Berlin und
Düsseldorf kletterte die Leerstandsrate auf deutlich über zehn Prozent. In den
Metropolen warten jeweils bis zu zwei Millionen Quadratmeter auf den Einzug von
Anwälten, Designstudios, Callcenter oder Softwareexperten. "Bedrückend,
schwierig, angespannt", beurteilt der Düsseldorfer Immobilienunternehmer Wulff
Aengevelt die Baisse. Und für den Sprecher des Immobilienverbandes Deutschland (IVD),
Jürgen Michael Schick, hat der Niedergang der New Economy vor einigen Jahren
"voll ins Kontor geschlagen". Die Branche reagiert mit kreativen Lösungen um den
Leerstand zu kaschieren. "Zwischennutzung" heißt der verzweifelte Versuch für
die Investoren, wenigstens die Betriebskosten der verwaisten Läden und
Büropaläste hereinzuholen. An der Universität Trier entwickelten Kunststudenten
ein Konzept ladengerechter Ausstellungen. Gleich gegenüber der Porta Nigra in
der Innenstadt füllten die großformatigen Objekte die Schaufensterscheiben eines
ehemaligen Möbelgeschäfts. Kommunikationsdesigner Stephan Zender hat schon
Anfragen von Maklern und Investoren, weiter Einzelhandelsruinen wie Lampen- oder
Schuhgeschäfte mit Leben zu füllen.
In Berlin-Mitte soll nach New Yorker Vorbild gar ein "Wanderzirkus" von
Kunstschaffende, Galerien und Szene-Cafés die Leerstände füllen. "Jeder belebte
Laden ist uns heilig", sagt Kristina Laduch, Leiterin des Stadtplanungsamtes
Mitte. Im Berliner Stadtteil Pankow formierte sich vor eineinhalb Jahren bereits
eine Initiative unter dem Namen "Leerstand kunstvoll".Ebenfalls in Berlin hat
der Liegenschaftsfonds für landeseigene Immobilien ein Programm "zur
Zwischennutzung schwer vermarktbarer Häusern" aufgelegt. Zu "extrem günstigen
Konditionen" können Musik-Bands sich in den Leerstands-Objekten in Proberäumen
austoben. Im historischen Hamburger Chilehaus, ein teilweise leer stehendes
Schmuckstück der norddeutschen Backsteinarchitektur, bieten die Inhaber ganze
Großetagen für Produktpräsentationen oder Partys an.Experten wie IVD-Fachmann
Schick glauben jedoch, dass die Republik mit ein "Sockel-Leerstand" von "rund
sieben bis acht Prozent" aller Gewerbeimmobilien dauerhaft zurecht kommen muss.
Die Zuversicht, dass der Markt es demnächst richtet, haben die befragten Akteure
der Magdeburger Leerstands-Studie jedenfalls nicht: Eine Mehrheit rechnet erst
nach 2006 mit einer "Belebung" des Immobilienmarkts.
www.spiegel.de
18.12.2005
Landau: Abriss in der Altstadt möglich
Perspektiven für die künftige Entwicklung von Landau
entwickeln interessierte Bürger, Studenten und Dozenten der Uni Kassel im Rahmen
eines Studenten-Projektes "Landliebe Landau". Auch nach Abschluss der Arbeit der
Studierenden im Frühjahr will der Projektgruppenleiter Prof. Alexander
Eichenlaub mit zwei Kollegen das weitere Vorgehen begleiten.
Studenten umrissen in der jüngsten Bürgerversammlung im Rathaussaal zusammen mit
etwa 20 Landauern die mögliche Entwicklung der Bergstadt. Drei Arbeitsgruppen
wurden gebildet. Eine befasst sich unter anderem mit einem möglichen Auftritt
Landaus im Internet und dem Problem leer stehender Gebäude.
Eine weitere Gruppe widmet sich dem Thema Leben im Alter und der Umgestaltung
nicht mehr in der bisherigen Funktion oder Größe benötigter Gebäude. Schließlich
geht es um die Gestaltung des Schulhofes und Marktplatzes, des Spielplatzes
Hintere Heidestraße und die Anlage eines Bolzplatzes.
Für die voraussichtlich im Februar stattfindende Abschlussveranstaltung
erarbeiten die Studenten Vorschläge für die Finanzierung und das Beantragen von
Zuschüssen. Hoffnungen würden hierbei auf das Förderprogramm "Stadtumbau"
gesetzt, wie Ortsvorsteher Dirk Heinemann dazu erklärte. Die Großgemeinden Bad
Arolsen, Diemelstadt, Twistetal und Volkmarsen sind in diesem Jahr in dieses von
Land und Bund finanzierte Programm aufgenommen worden (wir berichteten).
Die Studenten werden Vorschläge für ausgewählte Objekte unterbreiten und haben
bereits in der vergangenen Sitzung Ideen vorgestellt. Im Frühjahr sollen auch
Kostenkalkulationen präsentiert werden. Das Projekt "Landliebe Landau" soll der
Entwicklung Landaus unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes dienen. Der
Abriss von Gebäudeteilen ist trotz der engen Vorschriften der Denkmalpflege
möglich. So könnten nach Auskunft von Heinemann Anbauten aus den 30er und 40er
Jahren, die nicht das Ortsbild prägen, abgebrochen werden. Hierüber ist nach
Auskunft des Ortsvorstehers ebenfalls mit dem Bezirkskonservator Dr. Bernhard
Buchstab gesprochen worden.
Manches sei utopisch, finanziell nicht machbar, fasste Heinemann seine Eindrücke
von der Präsentation in der jüngsten Versammlung zusammen. Die Anwesenden
bekamen weiten Raum für ihre Anregungen. Die Ideen reichten daher sogar bis zu
einem Abbruch eines Fachwerkhauses in der Stadtmitte. Diese Gedanken wurden
jedoch verworfen. Das geht heimatbewussten Landauern denn doch zu weit.
www.wlz-fz.de
18.12.2005
Heilbronn: Kauf ehemaliger Bahnflächen perfekt
Der Kauf von 27 Hektar ehemaliger Bahnflächen für
knapp 15 Millionen Euro ist perfekt: Am Freitag unterschrieben Vertreter der
Stadt Heilbronn und der Firma Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG im Heilbronner
Rathaus das umfangreiche Vertragspaket.
Jetzt haben wir die Basis dafür geschaffen, dass auf diesen großen
brachliegenden Flächen einmal eine Bundesgartenschau stattfinden und in den
nächsten Jahrzehnten ein neuer Stadtteil, die Neckarvorstadt, auf dem
Fruchtschuppen-Areal entstehen kann, freute sich Oberbürgermeister Helmut
Himmelsbach.
In das Eigentum der Stadt Heilbronn gehen neben dem Fruchtschuppen-Gelände (25
Hektar) weitere 1,4 Hektar am Sonnenbrunnen in Böckingen, 0,4 Hektar am
künftigen Stadtbahn-Haltepunkt ;Böckingen-Seestraße; und der 0,3 Hektar große
Parkplatz am Neckar beim Gelände des Regionalverkehrs Stuttgart (RBS) über. Das
Eisenbahn-Bundesamt hat bis Ende 2009 Zeit, die Grundstücke formal freizugeben
und zu entwidmen.
Der Kaufpreis wird mit vier Millionen Euro aus dem Bund-Länderprogramm
;Stadtumbau West;und Geld aus der Zeag-Rücklage finanziert. Unterzeichnet wurden
neben dem Kaufvertrag ein öffentlich-rechtlicher Vertrag über die
Altlastenregelung sowie ein städtebaulicher Vertrag über die Entwicklung des
Südbahnhofs, der von der Firma Aurelis selbst als neues Wohngebiet im Süden der
Stadt vermarktet wird.
www.stimme.de
18.12.2005
Visitenkarte des Bauministers
In Leipzig realisierte Oberbürgermeister Wolfgang
Tiefensee sein Konzept des Stadtumbaus. Es könnte zur neuen Leitlinie im
deutschen Städtebau werden
Was ändert sich im Städtebau nach dem Amtswechsel im Bundesbauministerium? Mit
Wolfgang Tiefensee , dem neuen Bundesbauminister, und seinem Staatssekretär
Engelbert Lütke Daldrup gehen Politiker an den Start, die in Leipzig ein eigenes
Modell für den Stadtumbau entwickelt haben. Der frühere Oberbürgermeister und
sein damaliger Planungsdezernent stehen für das Konzept der "perforierten
Stadt". Werden sie es zur offiziellen Leitlinie für den Stadtumbau erheben?
Perforierte Stadt bedeutet: Hausabbrüche nicht nur in den Plattenbaugebieten am
Stadtrand, sondern auch in den Altbaugebieten, wo es noch viele marode Häuser
gibt, an denen die Förderprogramme für die Sanierung bisher vorbeigegangen sind.
In der Praxis bedeutet es die Aushöhlung des Leitsatzes bisheriger
Stadtumbauprogramme, nach denen die Städte "von außen nach innen" zurückgebaut
werden sollten.
In Leipzig hat das neue Konzept Unruhe ausgelöst. Erstmals seit 1989, als
Menschenketten vor bedrohten Altstadtquartieren standen und der Kampf um den
Erhalt der Innenstädte zu einem Auslöser revolutionärer Ereignisse wurde, trieb
es wieder Protestgruppen auf die Straße, angeführt von Prominenten wie dem
Schriftsteller Erich Loest, dem Maler Neo Rauch, Uni-Professoren und Leipzigs
erstem Nachwende-Planungsdezernenten Nils Gormsen. Inzwischen hat der Protest
breite Kreise der Bevölkerung erfaßt. Rechtsanwalt E. H. Knigge und Architekt
Khorrami gründeten das "Stadtforum Leipzig" - und viele Bürgervereine schlossen
sich an.
Einer davon, der Bürgerverein Waldstraßenviertel, verklagte die Stadt vor dem
Bundesverwaltungsgericht. Denkmalpfleger Alberto Schwarz nannte die Probleme und
Auswirkungen des Stadtumbaus in Leipzig in den "Sächsischen Heimatblättern" beim
Namen, doch die Rathauspolitiker "juckte" das nicht. Unter Polizeischutz
schlagen Bagger Verkehrs- und Bracheschneisen in den Altbaubestand - und die
Zuschauer am Straßenrand sehen auf den Fotos so hilflos aus wie einst bei der
Sprengung der Universitätskirche durch Walter Ulbricht.
Der Konflikt berührt Grundsatzfragen des Stadtumbaus und kann nach dem
Stabwechsel im Bauressort auch auf andere Städte übergreifen. 1,3 Millionen
Wohnungen im Osten stehen leer, allein in Leipzig wird die Zahl auf 60 000
geschätzt. In den anfangs noch zu Schwerpunktgebieten des Rückbaus "von außen
nach innen" erklärten Großsiedlungen aber kommt der Rückbau zum Stehen.
Als das Stadtentwicklungsdezernat 2004 in einem Zwischenbericht Bilanz zog,
waren in Grünau, dem mit 50 000 Wohnungen größten Plattenbaugebiet Leipzigs,
erst 2700 Wohnungen abgebrochen. Noch einmal so viele sollen bis 2007 folgen.
Gleichzeitig steckten kommunale Wohnungsbaugesellschaften 27 Millionen Euro in
Stadterneuerung, Wohnumfeldverbesserung und Quartiersmanagement. Damit war das
Umbaukonzept "von außen nach innen" de facto zur Makulatur geworden.
Mit fatalen Folgen für die Altbaugebiete in der Stadt. Denn seitdem forciert das
Planungsressort die "Perforation" der großteils erhaltenen Gründerzeitquartiere,
die der Krieg verschont hatte. 2500 unsanierte Gebäude, viele davon in privatem
Streubesitz, versprechen den anrückenden Kolonnen der Abraumbagger reiche Ernte.
Beinahe wöchentlich publiziert das Leipziger Stadtforum neue Kandidaten auf der
"Todesliste". Auch vor Baudenkmalen macht die Abbruchwalze nicht halt
Jenseits kulturpolitischer Fragen sind es die volkswirtschaftlichen Folgen, die
Widerspruch herausfordern. Schon im Zwischenbericht 2004 mußte die Stadt
eingestehen: Der Trend zum Innenstadtwohnen hält auch in Leipzig unvermindert
an, während sich in Grünau "die Einwohnerzahlen trotz der Aufwertungsmaßnahmen
nicht stabilisiert" haben. Schon jetzt hat Grünau 40 Prozent seiner Einwohner
verloren, die Innenstadt von Leipzig dagegen 30 000 hinzugewonnen.
www.wams.de
17.12.2005
Frankfurt: Abrisslisten sind unvollständig
Bis zum Jahr 2010 sollen in Frankfurt 7500, möglicherweise
insgesamt sogar 9000 Wohnungen abgerissen werden. Zählt man die Wohnblocks
hinzu, an denen derzeit gearbeitet wird, sind bis Ende dieses Jahren 3360
Wohnungen schon vernichtet. Viele Frankfurter sind von den Stadtumbau-Plänen
direkt betroffen und wollen sich möglichst rechtzeitig auf einen Umzug
einstellen. Doch die Stadtverwaltung informiert ihre Bürger nicht. Lediglich die
Wohnungen, die im kommenden Jahr beseitigt werden sollen, hat sie in einer Liste
aufgezählt. Die Objekte für 2007 und 2008 hält sie zurück.
Bis zum Jahr 2010 sollen in Frankfurt 7500, möglicherweise insgesamt sogar 9000
Wohnungen abgerissen werden. Zählt man die Wohnblocks hinzu, an denen derzeit
gearbeitet wird, sind bis Ende dieses Jahren 3360 Wohnungen schon vernichtet.
Viele Frankfurter sind von den Stadtumbau-Plänen direkt betroffen und wollen
sich möglichst rechtzeitig auf einen Umzug einstellen. Doch die Stadtverwaltung
informiert ihre Bürger nicht. Lediglich die Wohnungen, die im kommenden Jahr
beseitigt werden sollen, hat sie in einer Liste aufgezählt. Die Objekte für 2007
und 2008 hält sie zurück.
Es geht wie immer ums Geld. Wird der Abriss von Wohnungen gefördert und gibt es
auch Zuwendungen für die so genannte Aufwertung der dann freien Flächen, hat das
Land bei der Anpassung von Versorgungsleitungen u. ä. den Geldhahn fast
zugedreht. Lediglich 170 000 Euro im Jahr, so Baudezernent Peter Edelmann
im Stadtentwicklungsausschuss, könne Frankfurt noch aus dem Aufwertungstopf in
die Infrastrukturanpassung umleiten. Aber nur dann, wenn es sich um Leitungen
handelt, die auf öffentlichen Flächen liegen. "Und da liegt unser Problem.
Wohnungsunternehmen und Versorger sind derzeit nicht in der Lage, verbindliche
Absprachen zu treffen", erklärt der Baudezernent seine Hilflosigkeit.
Diplomingenieur Stefan Kunigam informiert über den derzeitigen Stand. Der Mann
hat sich gut vorbereitet, spricht jedoch in großer Eile und legt noch schneller
Folie um Folie auf. Um den Abgeordneten und einigen Gästen zu erklären, was
alles nicht geht. 921 Wohnungen standen auf der Abrissliste für 2007
ursprünglich. Doch die Planer haben nachgerechnet Rund 400 000 Euro kostet die
Anpassung der Infrastruktur. Keiner hat dieses Geld.
Ein nächstes Problem: Auf der Abrissliste für 2007 stand die Moskauer Straße 1-6
- die Abgeordneten selbst haben beschlossen, dass dieser Block doch stehen
bleiben darf. Auch die Tereschkowastraße 1-15 sowie der Juri-Gagarin-Ring 15-19,
80-84 und 63-69 sollten laut der Planer lieber noch stehen bleiben, da sie in
enger Beziehung zum Südringcenter als zentralem Bereich stehen. Als
städtebaulich bedenklich wird jetzt auf einmal der Abriss des Blocks Langer
Grund 43-45/Leipziger Straße 87-90. Bleiben von der ursprünglichen Abrissliste
für 2007 noch 357 Wohnungen übrig, dazu gehören die Hamburger Straße 5-7 und die
Stralsunder Straße 1-3. Hinzu kommen sollen möglicherweise Wohnblocks aus der
Konrad-Wachsmann-Straße, die neu in die Abrissliste aufgenommen werden sollen.So
also sieht in Frankfurt das Gläserne Rathaus aus. Wenn der Bürger Papiere
nachlesen will, die in öffentlicher Ausschussitzung vorgestellt wurden, ist das
nicht möglich. Schon die öffentliche Debatte sei ein Fehler gewesen, heißt es.
www.moz.de
17.12.2005
Wolfen: Die Hälfte ist weg
Vor einigen Wochen hingen noch T-Shirts und Unterhosen an
den Wäscheleinen auf den Balkonen. Sonnenschirme standen dort, Blumen blühten in
den Kästen. Da lebten noch Menschen in dem Plattenbaublock an der Bobbauer
Straße, in der einstigen DDR-Neubausiedlung Wolfen-Nord. Jetzt sind alle raus,
Arbeiter werfen Waschbecken und Türen von den Balkonen. Der Block wird
abgerissen, so wie etliche vor ihm, und er wird nicht der letzte sein. Wolfen
schrumpft.
Der Grundstein für Wolfen-Nord wurde in den 60er Jahren gelegt. Lange
Plattenbauriegel wuchsen aus dem Boden, fünf, sechs oder sieben Stockwerke,
grauer Beton, bunte Balkone. Die letzten Blöcke wurden zur Wendezeit hoch
gezogen - eine hochmoderne Schlafstadt für viele der rund 45 000 Chemiearbeiter
aus den umliegenden Industriekombinaten. Ausgestattet mit höchstem DDR-Standard
-Einbauküchen und Fernwärme zum Beispiel - waren die Wohnungen beliebt und
komplett vermietet, an 34 000 Menschen. Heute wohnen auf dem weitläufigen Areal
noch 14 000. Jeder Vierte in Wolfen-Nord ist arbeitslos.
Wie die Stadt in Sachsen-Anhalt leiden viele. Mehr als 1,3 Millionen Menschen
sind nach der Wende aus der früheren DDR abgewandert, besonders aus den
Industrie-Regionen. Ähnlich wie Wolfen blutet Halle aus, ebenso Städte in
Sachsen und Brandenburg. Allein in Sachsen-Anhalt sind deswegen bisher 22 000
leer stehende Wohnungen vom Markt genommen worden, wie es die Behörden nennen.
Viele sind dem Abriss geweiht, dem «Rückbau». Bund und Land geben den Kommunen
nach Informationen des Landesbauministeriums dafür etwa 127 Millionen Euro aus
dem Stadtumbau-Programm.
Früher war Wolfen als Wohnort beliebt, erinnert sich Harald Rupprecht. Er ist
Geschäftsführer der Erneuerungsgesellschaft Wolfen-Nord (EWN). Doch Erneuern
heißt dort nicht neu Bauen, Ruprecht koordiniert den groß angelegten Abriss.
«Und das mit einer Geschwindigkeit, dass es einem das manchmal schon selbst
Angst und Schrecken einjagen könnte», sagt Rupprecht.
Aber Wolfen habe sich dem Problem schon gestellt, als das Thema Schrumpfen in
vielen Stadtverwaltungen noch tabu war. «Die Bewohner müssen umziehen, das ist
unbequem und sorgt für Unruhe in der Stadt -das wollte man nicht.» In Wolfen
aber entwickelten die Städtebauer ein Leitbild, das andere Städte übernahmen. Es
wurde klar: Wenn der Wegzug so weitergeht, müssen ganze Stadtviertel aufgelöst
werden.
Und das ging im Sommer 2000 los: Zuerst schlugen die Presslufthämmer in die
Komplexe, die zuletzt fertig gestellt worden waren. «Dort wohnten die jüngsten
und flexibelsten Leute, die sind als erste weggezogen», sagt Rupprecht. Mit
einem Mal standen bis zu 80 Prozent leer. Immer öfter zogen Abriss-Trupps durch
die leeren Flure. 4300 Wohnungen verschwanden in den vergangenen fünf Jahren,
laut Stadtumbauplan werden es 6000 sein.
Die Umsetzung wird jedoch schwieriger, denn beim Rückbau wird scharf gerechnet:
Zwar gibt es derzeit für jeden abgerissenen Quadratmeter im Rahmen des Programms
«Stadtumbau Ost-Abriss» von Bund und Land. Doch im Gegenzug müssen für die
Mieter sanierte Wohnungen bereitgestellt werden. Das ist teuer und lohnt sich
nach Berechnungen der Wohnungsunternehmen erst, wenn mindestens die Hälfte der
Bewohner aus einem Plattenbau ausgezogen ist.
Wolfens Oberbürgermeisterin Petra Wust weiß, welche Folgen das Schrumpfen der
Städte mit sich bringt. «Die gesamte Infrastruktur muss angepasst werden.» Von
ehemals elf Grundschulen gibt es heute noch zwei, von 30 Kindereinrichtungen
sind sieben übrig geblieben. Die Gebäude bleiben leer. «Was wollen sie damit
machen? Wer will schon in eine Turnhalle ziehen?» Für Wust ist nicht nur der
Abriss unausweichlich. Gegen den Willen vieler Wolfener hat sie sich auch für
eine Fusion der Stadt mit Bitterfeld und weiteren Gemeinden stark gemacht, nicht
zuletzt um Kosten in der Verwaltung zu sparen. Zum 1. Juli 2007 wird das
Vorhaben Wirklichkeit: Wolfen-Bitterfeld wird dann mit 50 000 Einwohnern die
viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts.
www.mz-web.de
17.12.2005
Premnitz: Aufwertung als Chance
Beim Stadtumbau seien im Laufe des Jahres 1,2 Millionen
Euro umgesetzt worden, berichtete der Bürgermeister. Einerseits hätten die
Wohnungsbaugesellschaft und die -genossenschaft zusammen 250 Wohnungen aus dem
Bestand genommen (also abgerissen). Das sei im Rückgang der Einwohnerzahlen
begründet. Premnitz habe nach neuestem Stand 9984 Einwohner. Erstmals unter 10
000, und dabei seien die Ortsteile Döberitz und Mögelin mitgezählt. Andererseits
ging Roy Wallenta beim Thema Stadtumbau dann zum positiven Gegenstück vom Abriss
über, zur baulichen Aufwertung. "In der Aufwertung liegt unsere große Chance",
betonte er. In diesem Zusammenhang habe er in der Bevölkerung sehr große
Anteilnahme feststellen können. Ein Drittel der Kosten müsse die Stadt selbst
aufbringen, "das fällt uns schwer genug". Die größte Aufwertungsmaßnahme 2005
ist die Sanierung der alten Pumpstation (500 000 Euro). Dann folgt die
umfassende Neugestaltung des Parks im Stadtzentrum (125 000 Euro). Gestern
Vormittag ist dieser Park zur Nutzung freigegeben worden. Die 4000 Quadratmeter
große Fläche erhielt in der Mitte einen Platz mit Pergola und Sitzgelegenheiten.
Insgesamt wurden im Park zwölf Bänke aufgestellt. Zwei Wege mit Beleuchtung
führen diagonal über die Fläche und an einer Ecke steht eine neue Litfaßsäule,
die die Stadt gestalten wird. Nahe der B 102 wurde in zwei Teilen das Schwungrad
einer alten Kältemaschine aufgestellt - ein Symbol der Industriegeschichte.
www.maerkischeallgemeine.de
15.12.2005
Delmenhorst: Land verweigert sich: Sozialbrennpunkt
Wollepark vertraut nun auf GISS-Mittel
In der
Abfederung des sozialen Brennpunktes Wollepark mit baulichen Mitteln muss die
Stadt 2006 auf Finanzhilfen aus dem Programm Stadtumbau West verzichten. Im
Gegensatz zu anderen Bundesländern beteiligt sich Niedersachsen nicht an diesem
Bundesprogramm, das Bausünden der 70er Jahre mit Folgen der Ghettoisierung
erträglicher gestaltet.
Nach einem Besuch im niedersächsischen Sozialministerium macht Stadtbaurat Gerd
Linderkamp deutlich, Hannover werde im Haushaltsjahr 2006 kein Geld für den
Rückbau oder Abriss von Wohnsilos wie dem Wollepark, der zur Hälfte leerstehe,
bereitstellen. Linderkamp bedauerte dies zwar auf Nachfrage, verwies aber auf
die Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (GISS). Für einen Gesamtförderzeitraum
(10 Jahre) stehen GISS-Mittel von 5,1 Mio. Euro zur Verfügung. Davon sind bisher
rund 1,7 Mio Euro ausgegeben worden. 2006 liegen die GISS-Schwerpunkte auf der
Förderung von Maßnahmen an Gebäuden und dem Aufbau des Nachbarschaftszentrums.
Ferner soll ein Radweg gebaut werden. Als einen zentralen Punkt sieht Linderkamp
den Kontakt zum Besitzer Lone Star. Dessen Investitionen im Wollepark müssten
begleitet werden. Dies gelte für die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts und
die Betreuung von Bewohnern. Aus dem Europäischen Sozialfonds flössen
Fördermittel in die Integration von Migranten, in Beschäftigung und
Qualifizierung sowie Förderung der Gleichstellung Für 2006 seien 100 000 Euro
bestätigt worden. Linderkamp betonte, die Resonanz der Bewohner sei positiv. Die
Spannweite reiche von der Sprachförderung über den Nachbarschaftsgarten und
Nähkurse bis hin zu kunsthandwerklichen Programmen etwa mit dem Künstler Knapp
auf der Nordwolle.
www.dk-online.de
14.12.2005
Brandenburg: Hauptausschuss diskutiert Transfer der
Wofü-Anteile an die Wobra
Das hat Detlef Reckow, Chef des Amtes für kommunale
Beteiligungen, vor dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung offen
zugegeben. "Ich sage es ganz unverhohlen, dieser Transfer dient der Stärkung der
Wobra." Das Unternehmen sei durch den Abriss vieler leer stehender Wohnungen
stark belastet, nun solle es im Prozess des Stadtumbaus auch Aufgaben in der so
genannten Aufwertung übernehmen. Gemeint ist die Entwicklung des Areals rings um
die St.-Annen-Straße mit 307 Wohnungen zwischen Melcher-Haus und
"Bermuda-Dreieck". "Für diesen Stadtumbau in Größenordnungen brauchen wir
einfach die Kreditfähigkeit der Wobra", argumentiert Reckow. Wie berichtet,
sollen die Wofü-Anteile der Technischen Werke in Höhe von knapp 11,3 Millionen
Euro in die Wobra gesteckt werden.
Reckow entgegnete lediglich, dass eine Fusion der beiden Unternehmen vorerst
nicht geplant sei. Gleichzeitig sagte er, dass "zwei Unternehmen mit dem
gleichen Gesellschaftszweck nicht tragbar" seien; die Stadt habe seit Jahren
versucht, diesen Parallel-Lauf zu beheben. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann
milderte die Aussage etwas ab; sie betont, "beide Unternehmen haben Stärken und
Schwächen, glücklicherweise gleichen sie die einander aus". Allerdings benannte
sie die Stärken und Schwächen nicht.
"Ich bitte sie zudem, unsere Aktivitäten nicht als Verwirklichen der
persönlichen Wünsche des Herrn Deschner zu betrachten." Gleichzeitig wiederholte
sie die Argumente, die der Wobra-Geschäftsführer immer gebetsmühlenartig
vorträgt. "Noch steht die Wofü ja ganz gut da. Doch wehe, es verändert sich
etwas beim Leerstand. Dann wird sie überhaupt keinen Gewinn mehr ausweisen.
Wegen der hohen Kapitalverbindlichkeiten steht auch dieses Unternehmen dann
wacklig da."
Allerdings kalkuliert die Wofü schon seit Jahren mit einer höheren
Leerstandsquote als der tatsächlichen - fünf, sechs statt drei Prozent.Nicht
zuletzt sollten die Stadtverordneten nicht aus den Augen verlieren, dass es auch
darum gehe, "die Braut Wobra hübsch zu machen". Das städtische
Wohnungsunternehmen stehe nach wie vor zum Verkauf, wenn sich ein Investor
findet, der Mieter, Wohnungen und Schulden übernimmt und städtische Bedingungen
erfüllt.
www.märkischeallgemeine.de
13.12.2005
Sternberg : Durch Abriss weniger Altschulden
Auf der kürzlichen Gesellschafterversammlung der STEWO, an
der neun von zwölf Gesellschaftern teilnahmen, wurden der Jahresabschluss 2004
bestätigt und die Ziele für 2006 sowie mittelfristig bis 2010 abgesteckt.
Der Leerstand ist 2004 gestiegen und stagniert derzeit, erklärte
STEWO-Geschäftsführerin Regina Nienkarn. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der
Bestand voraussichtlich um 333 Wohnungen reduziert werden.
Im letzten Jahr wurden 39 Wohnungen in Brüel abgerissen. In diesem Jahr folgten
zwei Blocks mit zehn Wohnungen in Weitendorf und ein Block mit zwölf Wohnungen
in Jülchendorf. Für 2006 ist der Abriss von 15 leerstehenden Wohnungen und vier
Gewerbeeinheiten in Müsselmow geplant.
In Sternberg hat die STEWO derzeit keine Leerstandsprobleme, erklärte die
Geschäftsführerin.
Trotz des Gesamtleerstands von 16,7 Prozent war der Jahresabschluss 2004
positiv. Und auch für dieses und für kommendes Jahr gibt es entsprechend gute
Prognosen, erfuhr SVZ. Eine große Hilfe sei, dass die Wohnungsgesellschaft für
abgerissenen Häuser von den Altschulden befreit wird, sagte Regina Nienkarn. Der
Abriss selbst wird mit Geldern aus dem Programm Stadtumbau Ost finanziert.
Bisher hat die STEWO Blocks abgerissen, in die nach der Wende nicht neu
investiert wurde und wo folglich auch keine neuen Krediten aufgenommen wurden.
Im Fall Müsselmow ist das anders. Hier bleiben nach dem Abriss noch Schulden für
die Gesellschaft. Aber auch wenn ein Haus leer steht, kostet es Geld, sagt
Regina Nienkarn.
www.svz.de
13.12.2005
Wurzen: Abriss rund: Wurzen geht es an die Ecken
Der Muldestadt geht's an die Ecken: Und deswegen haben die
Bagger selbst im Dezember keine Ruhepause. Während am Wochenende der Abriss der
Mützenfabrik im Amtsweg für viel Publikum vor Ort sorgte, fressen sich
Steinsägen derzeit ins Mauerwerk des grünen Blockes an der
Friedrich-Ebert-Straße.
Bereits gefallen ist das Eckgebäude Theodor-Körner-/Lessing-Straße. Allesamt -
bis auf die alte Industriebrache am Amtsweg - standen schon seit längerem auf
der Abrissliste der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH (WGW). Das
bestätigte gestern auf Nachfrage Oberbürgermeister (OB) Jürgen Schmidt, der
zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des kommunalen Großvermieters ist.
Dass zum Ende des Jahres hin noch einmal für Luft in den Häuserzeilen gesorgt
wird, begründet Schmidt mit Fördergeldern des Landes, die unlängst flossen.
Letztlich, so der OB, sei dies nur eine Folge des notwendigen Stadtumbaus in
Wurzen. Mit Freude indes wertet Schmidt die Initiative der Nahrungsmittel GmbH
im Amtsweg. Dort verschwindet die alte Mützenfabrik. "Ein Teil des Schuttgutes
wird planiert, später grenzt ein Zaun das Betriebsgelände ab." Für den
Stadthauschef ist das Verschwinden des "Schandfleckes" zugleich ein positives
Zeichen - "sozusagen ein Weihnachtsgeschenk". Drei Jahre hatten sich Stadt und
Unternehmen schließlich darum bemüht. Ohne Wehmut sieht der OB ebenso in
Richtung Theodor-Körner-Straße. "Hier begrünt die WGW später das freie Areal."
Autofahrer und Fußgänger hätten zudem ihre Vorteile an der neuen Rund-um-Sicht.
Fürs Auge werde außerdem gerade in der Friedrich-Ebert-Straße/Dr.-Külz-Straße
gebaggert und gesägt. Lediglich das Eckhaus fällt, berichtet Schmidt, die
Längstseite bis hin zur Stadtsporthalle bleibe stehen. Rasen und Buschwerk
sollen in naher Zukunft auch an dieser Stelle das Wohngebiet samt der Hinterhöfe
aufwerten. Jedoch müssen die aktuellen Stadtumbau-Karrees nicht ewig Grün-Oasen
bleiben. Auf jenen Flächen, lockt Schmidt, bestünde keinerlei Bauverbot.
Vielmehr hoffe die Stadtverwaltung auf Privatinvestoren. "Nicht für
Mietwohnungen, sondern ausschließlich für Eigenheime." Demnächst übrigens ebenso
in der Goethestraße. Denn momentan laufen intensive Gespräche über weitere
Abrissvorhaben in diesem Gebiet. Wo genau? "Stadtauswärts links", verrät
Schmidt.
www.lvz-online.de
13.12.2005
Berlin: Trendsportanlage mit Skaterrampen übergeben
Eine Trendsportanlage ist gestern an der Darßer Straße
übergeben worden. Auf 9000 Quadratmetern entstanden acht Skaterrampen, ein
ovaler Asphalt-Rundkurs für Skater, ein Ballspielfeld, Klettergerüst aus
Edelstahl und ein Pavillon. Die Anlage wurde mit 340 000 Euro aus den
Senatsprogrammen Stadtumbau Ost und Wohnumfeldverbesserung finanziert. Die
Wohnungsbaugenossenschaft "Neues Berlin" setzte fünf Skaterelemente von ihrem
Wohnkarree Ahrenshooper Straße an die Darßer Straße um.
morgenpostberlin1.de
07.12.2005
Wenn aus Stadtumbau Stadtabbruch wird
Was ändert sich im Städtebau nach dem Amtswechsel im
Bundesbauministerium? Mit Wolfgang Tiefensee, dem neuen Bundesbauminister, und
seinem Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup gehen Politiker an den Start, die
in Leipzig ein eigenes Modell für den Stadtumbau entwickelt hatten. Der frühere
Oberbürgermeister und sein damaliger Planungsdezernent stehen für das Konzept
der "perforierten Stadt". Werden sie es zur offiziellen Leitlinie für den
Stadtumbau erheben?
"Perforierte Stadt", das heißt: Hausabbrüche nicht nur in den Plattenbaugebieten
am Stadtrand, sondern auch in den Altbaugebieten, wo es noch viele marode Häuser
gibt, an denen die Förderprogramme für die Sanierung bisher vorbeigegangen sind.
In der Praxis bedeutet es die Aushöhlung des Leitsatzes bisheriger
Stadtumbauprogramme, nach denen die Städte "von außen nach innen" zurückgebaut
werden sollten.
Der Konflikt berührt Grundsatzfragen des Stadtumbaus und kann nach dem
Stabwechsel im Bauressort auch auf andere Städte übergreifen. 1,3 Mio. Wohnungen
im Osten stehen leer, allein in Leipzig wird die Zahl auf bis zu 60 000
geschätzt - aber in den anfangs noch zu Schwerpunktgebieten des Rückbaus "von
außen nach innen" erklärten Großsiedlungen kommt der Rückbau zum Stehen. Als das
Stadtentwicklungsdezernat Ende 2004 in einem "Zwischenbericht" Bilanz zog, waren
in Grünau, dem mit 50 000 Wohnungen größten Plattenbaugebiet Leipzigs, erst 2700
Wohnungen abgebrochen. Nur noch einmal ebensoviel soll bis 2007 folgen.
Gleichzeitig steckten die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften 27 Mio. Euro in
Stadterneuerung, Wohnumfeldverbesserung und Quartiersmanagement. Damit war das
Stadtumbaukonzept "von außen nach innen" de facto Makulatur. Mit fatalen Folgen
für die Altbaugebiete in der Stadt.
www.welt.de
05.12.2005
Altenburg: Schrumpfung in Nord steuern
Rund 150 Bürger folgten der Einladung von
Oberbürgermeister Michael Wolf. Neben dem Stadtoberhaupt standen unter anderen
die Baudezernentin Kristin Knitt und die Geschäftsführer der drei großen
Wohnungsunternehmen Rede und Antwort. Ziel der Stadt ist es, den
Schrumpfungsprozess in Altenburg-Nord zu steuern. Wo nötig werden Blöcke
abgerissen, wo möglich Flächen aufgewertet, so zwei zentrale Aussagen des
Abends.Dass es zum Rückbau keine Alternativen gibt, machen zwei Zahlen deutlich:
Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl in Nord nahezu halbiert und der
Wohnungleerstand liegt mittlerweile bei rund 25 Prozent.
Die konkrete Entscheidung, wann welcher Block abgerissen wird, obliegt den
Unternehmen. Die Verwaltung bemüht sich aber, den Prozess sinnvoll zu
beeinflussen und hat dabei eine positive Entwicklung des gesamten Stadtgebietes
vor Augen. Die Baudezernentin erläuterte Grundzüge des aktuellen
Stadtentwicklungskonzeptes, das eine Stärkung des Stadtzentrums zum Ziel hat.
Der Stadtumbau in Nord folge demgegenüber der Maxime: Eine Nummer kleiner. Das
bedeute aber nicht, dass in Nord nicht mehr investiert werde. Kristin Knitt
stellte klar: Die Abrissflächen sollen ansprechend gestaltet werden. Das gelte
insbesondere für den Nordplatz und das Areal der „Ernst-Kirste-Schule“.
Oberbürgermeister Wolf nutzte das Forum um darzulegen, was die Stadt in der
Vergangenheit für die Gestaltung des Stadtteils getan hat. Seit 2000 summieren
sich die Investitionen allein im Bereich Tiefbau auf rund 1,2 Millionen Euro. So
wurden der Sportplatz Bonhoefferstraße grundhaft ausgebaut sowie die
Barlachstraße, Stauffenbergstraße und Feldstraße erneuert. Außerdem wurden
Gehwege erneuert beziehungsweise ausgebaut und in der Poststraße die
Garagenzufahrt befestigt. Zur Leistungsbilanz gehören zudem der Ausbau des
Feldscheunenweges (ländlicher Wegebau) und der Deckenschluss in der
Oberzetschaer Straße. Von den in den vergangenen fünf Jahren umgesetzten
Maßnahmen im Stadtteil Nord profitierte eine Fläche von mehr als 30.000
Quadratmetern.
Eindrucksvoll auch, was im Bereich Hochbau geleistet wurde: Hier summieren sich
die Investitionen der Stadt auf rund 4,2 Millionen Euro. Das Gros der Gelder
wurde in die Sporthallen und die Schulen gesteckt, darüber hinaus finanzierte
die Stadt Baumaßnahmen in der Kita Knirpsenland, dem Seniorentreff und dem
Kinder- und Jugendtreff Abstellgleis. Zur Begrünung des Stadtteils trugen die
Pflanzungen von 5000 Gehölzen und 100 Bäumen bei.
Nicht unerwähnt blieben die Anstrengungen des Landkreises, der ebenfalls hohe
Summen in Nord investierte. Herausragend dabei: Rund 8,4 Millionen Euro kostete
der Aufbau eines modernen Beruflichen Schulzentrums für Gewerbe und Technik (Johann-Friedrich-Pierer-Schule).
Bedeutsam zudem das aktuelle Projekt des Kreises: Für 3,2 Millionen Euro wird
bis 2007 ein Jugendwohnheim gebaut.
Die wesentlichen Investitionen in den Aufbau beziehungsweise in die Erneuerung
der Ver- und Entsorgungsleitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Fernwärme
fanden schon vor dem Jahr 2000 statt. Die Ausgaben der vergangenen fünf Jahre
summieren sich – ohne Kosten für Wartung und Instandhaltung – dennoch auf stolze
rund 1,3 Millionen Euro.
www.abg-net.de
05.12.2005
Berlin: 1256 Wohnungen sollen abgerissen werden
Die Plattenbau-Großsiedlung Marzahn soll Berlins größter
Abriß-Schauplatz werden. Aktuelle Pläne sehen vor, bis 2008 in drei Wohngebieten
mit erheblichem Leerstand von 1630 unsanierten Wohnungen 1256 abzureißen und nur
374 zu modernisieren. Betroffen sind die Kieze um die Ringkolonnaden, Cecilien-
und Schorfheidestraße. Für das neue Stadtumbau-Ost-Vorhaben der Degewo/WBG
Marzahn hat der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses 22,6 Millionen Euro
bewilligt, darunter 14 Millionen Euro ausschließlich für Abriß. Vorbild sind
eigentlich die "Ahrensfelder Terrassen" in Marzahn-Nord, wo im Jahr 2004
Elfgeschosser zu Stadtvillen mit drei bis sechs Etagen geschrumpft waren.
Doch im Gegensatz zu diesem Vorzeigeprojekt sollen jetzt nach dem Willen der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ganze Wohnblöcke dem Erdboden
gleichgemacht werden. Dagegen formiert sich Widerstand. Eine Mieterinitiative
wendet sich gegen den geplanten Totalabriß der Komplexe Mehrower Allee 38-48 und
Ludwig-Renn-Straße 46-62. In einem Schreiben warnte sie jetzt Senatorin Ingeborg
Junge-Reyer davor, daß "mitten in Marzahn unter der irreführenden Bezeichnung
Stadtumbau Ost eine riesige Brache entsteht". Das Ensemble des Zentrums von
Marzahn-Mitte dürfe nicht zerstört werden. Auch der
BVV-Stadtentwicklungsausschuß fordert Lösungen, die in Marzahn städtebaulich
verträglich sind. Stadtrat Heinrich Niemann (Linkspartei.PDS): "Das Bezirksamt
wurde zu den Plänen nicht mal angehört." Er spricht von "Tonnenideologie, um auf
gewünschte Abrißzahlen zu kommen".
Senatsbaudirektor Hans Stimmann macht für den Abriß-Schwerpunkt Marzahn
Prognosen geltend, wonach bis 2020 die Einwohnerzahl um mehr als 18 000
zurückgehe.
morgenpost.berlin1.de
05.12.2005
NRW kürzt bei der Stadterneuerung
Der Sparkurs der Landesregierung in NRW bedroht
zahlreiche Stadtentwicklungsprojekte im Land. Weil 32 Millionen Euro gesperrt
wurden, sind im laufenden Stadterneuerungsprogramm 69 Projekte in Frage
gestellt. 39 neue Maßnahmen können nicht begonnen werden. Für 2006 plant das
Landeskabinett, die Mittel für Städtebau von 121 auf 115 Millionen Euro zu
kürzen und die Verpflichtungsermächtigungen von 137 auf 90 Millionen Euro
herunter zu fahren. Die Landesregierung in Düsseldorf macht ihrem
Städtebauminister Oliver Wittke das Leben schwer. Denn dem abgewählten
Gelsenkirchener OB gab Finanzminister Helmut Linssen 32 Millionen Euro
bereits geplanter Städtebaufördermittel nicht frei. Damit können 69 Maßnahmen im
laufenden Stadterneuerungsprogramm nicht fortgesetzt werden. 39 Maßnahmen können
gar nicht erst begonnen werden.Und im nächsten Jahr droht Wittke noch größeres
Ungemach: Dann will die Landesregierung die Städtebaufördermittel von 121 auf
115 Millionen und die Verpflichtungsermächtigungen von 137 auf nur noch 90
Millionen Euro kürzen. Damit würden viele Projekte des sog. Stadtumbau West -
von der Bochumer Innenstadt West bis zum Dortmunder Phönix-See - gefährdet. Auch
die Großprojekte an der Route der Industriekultur stehen in Frage. Das grüne MdL
Horst Becker sieht darin auch ökonomisch nichts Gutes: "Jeder Euro, der über die
Städtebauförderung investiert wird, löst acht Euro in der Wirtschaft aus."
Betroffen wäre am Ende wohl auch Wittkes eigene frühere Stadt Gelsenkirchen, bei
der z.B. für den Nordsternpark Fördermittel fest eingeplant sind. Vertreter von
Ruhrstädten zeigen wenig Verständnis: Die Stadterneuerung sei gerade aus
demographischen Gründen zwingend notwendig, hieß es dort.
www.vorwärts.de
02.12.2005
Brandenburg: Der "Häuserkampf" ist neu entbrannt
Ihr Schicksal schien schon besiegelt als
Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann im Mai gegenüber dem Stadtkurier
verkündete, beide Häuser sollten abgerissen werden. Im Herbst trat die
Rathenower Firma Consys-Immobilien auf den Plan und verkündete öffentlich, die
Häuser erwerben und sanieren zu wollen. Parallel dazu bewarb sich der
Brandenburger Immobilienentwickler Bernd Jansen um den Kauf. Im jüngsten
Bauausschuss gab es eine Mehrheit für die Meinung, der Mühlentorturm solle
solitär stehen, zudem könne man ohne die Häuser den geplanten Uferweg und die
künftige Packhoferschließung besser planen. Dem schloss sich Baubeigeordneter
Michael Brandt an, bis zur Stadtverordnetenversammlung am 21. Dezember will er
eine entsprechende Vorlage erarbeiten, alle Verkaufsverhandlungen wurden durch
die Eigentümer Stadt und Wobra gestoppt. Derselbe Brandt hatte als
Aufsichtsratsvorsitzender der Wobra den Abriss schon einmal durchgewinkt.
Unterdessen eskaliert der Streit. Die Architektin Hannelore Palm, die als
Vertreterin der Architektenkammer in die Arbeitsgruppe "Stadtumbau" entsandt
wurde, beklagt, von keinem der Pläne offiziell informiert worden zu sein. Die
Architektin Martina Marx hatte vor neun Monaten erfolgreich die
Architektenkammer alarmiert, als die Wobra das Haus Kurstraße 5 abreißen wollte,
um freie Zufahrt zu ihrem Geschäftsgrundstück zu bekommen.
Ihr Ehemann, der Ex-Baubeigeordnete und Denkmalpfleger Ralf Krombholz, wendet
sich ebenfalls gegen den Abriss: "Wenn wir einen Eingang zur Neustadt haben
wollen, brauchen wir ein Gegenstück zum Turm, sonst ist es kein Eingang, sondern
eine Brache. Zudem verliert die Neustädtische Fischerstraße ihren Abschluss." Im
Übrigen reiße man in der Innenstadt keine Häuser ab, weil sonst der
Stadtgrundriss verloren gehe.
www.maerkischeallgemeine.de