Newsticker Archiv Dezember 2005

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29.12.2005
Stadtumbau kostet Versorger Millionen
Wenn leer stehende Häuser abgerissen werden, kommen auf die Lieferanten von Strom, Wärme und Wasser Folgekosten zu. Leitungen müssen neu verlegt werden, der Unterhaltungsaufwand steigt.
Die Versorgungsunternehmen in den Städten Sachsen-Anhalts schlagen Alarm. Sie werden im Zuge des Abrisses vor allem von Plattenbauten mit erheblichen Kosten für die Anpassung der Infrastruktur belastet. Anders als die Wohnungsunternehmen, die aus einem Bund-Länder-Programm beim Rückbau von Wohnungen finanziell unterstützt werden, erhalten sie keine öffentliche Hilfe. Sie bleiben auf Kosten in Millionenhöhe sitzen oder müssen sie auf die Preise umlegen.
Matthias Krause, Vorsitzender des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft in Sachsen-Anhalt (VDEW), geht seit Jahren mit den Nöten der Stadtwerke in politischen Gremien und Ministerien hausieren. "Bereits 1999 haben wir insbesondere auf die Folgen für die Fernwärme-, Trinkwasser-und Abwassernetze hingewiesen", sagt der Technische Geschäftsführer der Energieversorgung Halle. Es sei durchaus Verständnis geäußert worden. Hilfe habe es aber nur in einigen Ausnahmefällen gegeben.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Horst Rehberger ( und der für den Stadtumbau zuständige Bauminister Karl-Heinz Daehre (zeigen unterdessen Verständnis. Rehberger: "Das ist ein gravierendes Problem. Entlastung ist dringend geboten." Eine konkrete Lösung aber können sie nicht bieten. Diese sei nur in Verhandlungen zwischen den Ländern und der Bundesregierung zu finden, meint Daehre. Er schränkt jedoch zugleich ein: "Eine Förderung von Versorgungsunternehmen aus Städtebau-oder Stadtumbaumitteln führt zu einem Weniger an städtebaulichen Maßnahmen."
Dabei werden die zumeist in kommunaler Hand liegenden Versorger mehrfach belastet, wie Krause verdeutlicht. Sie hätten ohnehin mit dem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen, durch den Versorgungsnetze unzureichend ausgelastet werden. Dies verursacht höhere Betriebskosten. Bei der Fernwärme beispielsweise führen geringere Umlaufgeschwindigkeiten zu höheren Energieverlusten im Netz. In den Trinkwassernetzen müsse mehr umgewälzt werden, weil zu lange stehendes Wasser mit Keimen belastet würde. Und die Abwasserkanäle müssten zusätzlich gespült werden, um Verstopfungen und Korrosion zu vermeiden. "Durch den Abriss von Häusern müssen zudem bestehende Leitungen, die bislang in Installationsgängen unter den Häusern verlaufen, an anderer Stelle neu verlegt werden", sagt Krause.
Deshalb erheben die im VDEW organisierten 19 Versorger Forderungen, um die Kosten zu dämpfen. So sollten eher komplexe Abschnitte vom Netz genommen werden, statt selektiv einzelne Häuser abzureißen. Auch wünschen sie mehr Mitsprache bei Abrissplanungen.

www.mz-web.de

23.12.2005
Wismar: Einwohnerzahl wird extrem sinken
Es ist nur eine Frage der Zeit bis der demografische Wandel in diesen Breiten spürbar wird. Die Stadtväter der Hansestadt Wismar haben die damit einhergehenden Veränderungen im Blick. Jüngst hatte die Bürgerschaft die erste Fortschreibung des so genannten Integrativen Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) beschlossen. Für Wismar bedeutet das unter anderem Folgendes: Die Innenstädte sollen durch Sanierungsmaßnahmen gestärkt werden. Weiterhin sollen solche Wohngebiete durch Investitionen attraktiver gestaltet werden, in denen leer stehende Wohnungen abgerissen worden sind. Insbesondere das Wohngebiet Friedenshof ist davon betroffen.
Die Prognose in Sachen Einwohnerzahlentwicklung lässt ahnen, dass in Wismar künftig wohl noch weitere leer stehende Plattenbauten - um es weniger brutal auszudrücken - zurückgebaut werden. Allein zwischen 1992 und 2001, so heißt es in einem von der Stadtverwaltung erarbeiteten Papier, ist die Einwohnerzahl um 8656 auf 44 884 geschrumpft. Die meisten dieser "Stadtflüchter" kehrten dem Stadtteil Friedenshof den Rücken. In puncto Einwohnerzahl belegt der Stadtteil Wendorf seit 1999 vor dem Friedenshof den ersten Platz auf der Größenrangliste.
Bis zum Jahre 1997 musste in der Altstadt ein Bevölkerungsrückgang von 35 Prozent verbucht werden - jeder dritte Einwohner zog von hier in eines der neuen Wohngebiete am Stadtrand, in den Speckgürtel oder noch weiter weg. Seit wenigen Jahren ist die Altstadt jedoch wieder Zuzuggebiet.
Doch der Trend in der Altstadt bewegt sich gegen den Strom. In verschiedenen Szenarien wird die Einwohnerzahl von Wismar innerhalb der nächsten 15 Jahre auf prognostizierte 33 300 Bürger extrem sinken - in der optimistischen Variante. Im schlechtesten Fall sinkt sie unter 32 000.

www.ln-online.de

23.12.2005
Duisburg: Land fördert Projekte zum Stadtumbau West
Im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West trafen jetzt die Förderbescheide des Landes NRW ein. Trotz der vielen Meldungen über Mittelkürzungen im Bereich der Stadterneuerung wurden für 2006/2007 die Mittel bereitgestellt. Damit können jetzt kurzfristig zwei wichtige Projekte starten: Die Erstellung eines gesamtstädtischen städtebaulichen Entwicklungskonzepts und das Quartiermanagement für das Dichterviertel in Duisburg-Hamborn.
Das zu erstellende gesamtstädtische städtebauliche Entwicklungskonzept bildet die Grundlage für alle Projekte zum Stadtumbau West. Ziel ist es, auf der Grundlage der demographischen Entwicklung Handlungsfelder für den Stadtumbau zu identifizieren und nachhaltige Entwicklungskonzepte für einzelne Stadtgebiete zu erarbeiten. Besonderes Augenmerk liegt auf Stadtteilen, die besonders vom Einwohnerrückgang gekennzeichnet sind. Die hier zu ermittelnden Daten bilden die planerischen Grundlagen zur Einleitung weiterer Maßnahmen.
Mit dem Förderbescheid kann im Januar 2006 im Dichterviertel in Duisburg-Hamborn das geplante Quartiermanagement eingerichtet werden. Aus der Kooperation der Stadt Duisburg mit der Wohnungsbaugesellschaft Rhein-Lippe, die Ende 2004 durch eine Vereinbarung geschlossen wurde, wird jetzt das gemeinsam entwickelte Konzept des Quartiermanagement umgesetzt. Dazu wird die Rhein-Lippe Räumlichkeiten am Goetheplatz 1 zur Verfügung stellen. Das Büro Basta/Planungsgruppe Stadtbüro wird hier Anfang Januar die Arbeit aufnehmen. Ziel ist es, die denkmalgeschützte und aufwändig restaurierte Siedlung im Duisburger Norden nachhaltig zu stabilisieren.

www.presse-service.de

23.12.2005
Wurzen: Stadtumbau ohne Strategie
Wo bleiben die Altstadtwärter? Der Stadtumbau in Wurzen weckt mediales Interesse - weit über die Kirchturmspitze hinaus. Mitte der Woche widmete nämlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrem Feuilleton den Abrissplänen der Muldestadt nahezu eine halbe Seite mit der Schlagzeile: Wo bleiben die Altstadtwärter?
Mehr noch als die Überschrift verweist die Unterzeile des Beitrages auf die Stoßrichtung der Berichterstattung - "Versinkendes Erbe: Unsere soziale und bauliche Zukunft beginnt im schrumpfenden Wurzen". Dass Wurzen in vielerlei Hinsicht beim Stadtumbau Exempel statuiert, dürfte den Einwohnern mittlerweile bekannt sein. Immerhin verlor die Stadt seit der Wende fast ein Viertel der Bevölkerung, ein Viertel der Bürger ist älter als sechzig Jahre und sollte es so weiter gehen, steht bald ein Viertel der Häuser leer. Wie heute schon in der Altstadt.
Den Schrumpfungsprozess vor Augen führten zuletzt die Experten während des Stadtumbau-Forums am 21. Oktober im Kulturhaus Schweizergarten. Wer bis dahin den Verfall lediglich dann wahrnahm, wenn wieder einmal Karfril-Bagger Löcher in Gebäudezeilen rissen, wusste spätestens nach dem Statistik-Resümee vom Oktober, wo die urbane Entwicklung hinführt. Dank FAZ wissen jetzt Leser im gesamten Bundesgebiet, dass "Wurzen als Menetekel der Zukunft vieler deutscher Städte" gilt. Aber eben ohne Erfolgsrezept, wie der Autor zugleich schreibt. Zitat: "Strategien für eine Rettung der reichen Wurzener Denkmallandschaft sind nicht in Sicht." Ein Standpunkt, den hier vor Ort viele Einwohner nach jüngsten und öffentlichen Debatten um den Erhalt historischer Bauwerke wie Schladebachs Hof teilen.
Zumal der kommunale Stadtumbau-Schuh keineswegs nur an der Ferse, sondern gleichfalls an den Zehen drückt. Vor Jahren erlebte die Stadt eine Renaissance der Großvermieter, die den Norden Wurzens und damit die Altneubauten aus DDR-Zeiten belebten. Davon profitierte die Wohnungsgenossenschaft, die Wohnungsgesellschaft indes ist mit über 20 Mio. Euro (Stand 2004) verschuldet und muss den Minusberg abtragen. Das Fazit der FAZ fällt übrigens offen aus: "Am Ende bringt das Modell Wurzen nur eine Erkenntnis: dass es schlecht bestellt ist um das baukulturelle Erbe in Zeiten der Schrumpfung."

www.lvz-online.de

23.12.2005
Salzgitter: In der Kattowitzer Straße wird ein zweites Haus abgerissen – Altersgerechtes Wohnen geplant
Kaum ist das erste Haus von der Bildfläche verschwunden, schon geht es dem nächsten an den Kragen: Nachdem von dem Betonklotz in der Kattowitzer Straße 249 nur noch der Keller steht, will die Firma Munte Immobilien nun auch die Hausnummer 217 abreißen.
Dies allerdings ist kein Zeichen von Verfall, sondern ein Aufbruchsignal für das Seeviertel: Munte lässt nicht mehr benötigten Wohnraum verschwinden, um ihn durch attraktivere Gebäude zu ersetzen. "Bei unserer schrumpfenden Einwohnerzahl in Salzgitter muss unbedingt was getan werden", sagt Oberbürgermeister Helmut Knebel.
Sven-Thomas Munte beschreibt eines der deutschen Grundprobleme am Beispiel dieses Hauses in nur drei Sätzen: "Das Gebäude ist in einer Zeit entstanden, in der ganz schnell ganz viele Wohnungen gebaut werden mussten – mit staatlicher Unterstützung. Dann wurden Familien durch die staatliche Unterstützung der Eigenheimförderung aus dem Haus herausgelockt. Jetzt sind wir froh, dass wir staatliche Unterstützung für den Abriss kriegen."
Insgesamt 1,6 Millionen Euro – 800 000 vom Bund sowie je 400 000 von Land und Stadt – aus dem Programm Stadtumbau West bekomme Munte für dieses "Impulsprojekt", so Günter Klatt, Chef des städtischen Referates für Stadtentwicklung. Dieses Projekt umfasst allerdings mehr als den Abriss zweier hässlicher Häuser: den Ausbau des Seeviertel-Treffs zu einem "Marktplatz der Kommunikation" mit einer riesigen Zeltplane als Dach sowie die Sanierung des Fußweges zum Salzgittersee.
"Wir haben uns als zeitliches Ziel gesetzt", sagt Klatt, "dass man sich die Fußballweltmeisterschaft unter dem Membrandach des Marktplatzes anschauen kann." Das komplette Impulsprojekt solle 2007 fertig sein. Was an die Stelle des Achtstöckers in der Kattowitzer Straße 249 kommt, will Munte noch nicht verraten. Es sei noch nicht jeder nötige Vertrag unterschrieben. Nur so viel: Der alte Betonklotz weicht einem Gebäude zum altersgerechten Wohnen mit wenigen Stockwerken. Das Haus 217 hatte Munte eigens für den Abriss von einem Privateigentümer gekauft. Es soll verschwinden, um den Eingang des Seeviertels aufzuwerten.
In dem Haus Kattowitzer Straße 217, so Munte, seien derzeit noch 15 der 48 Wohnungen belegt. "Wir unterstützen die Umzüge. Nächsten Sommer soll der Bagger anrücken." Munte-Geschäftsführer Martin Streppel ergänzt: "Wir werden für jeden Mieter eine individuelle Lösung finden."
"Unser Traum ist", sagt Sven-Thomas Munte, "dass hier ins Seeviertel wieder so viel Leben kommt, dass sich ein Restaurant oder wenigstens ein Kiosk ansiedelt." Die Fehler, die bei der Planung des Wohnquartiers in den 60er- und 70er-Jahren gemacht worden seien, so Munte, könnten von einem privaten Unternehmen allein nicht ausgebügelt werden. "Für uns wäre der Abriss eines Hauses ohne öffentliche Förderung wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen", betont Munte.

www.newsclick.de

21.12.2005
Elmshorn: Die Potenziale im Osten aktivieren
Die Krückaustadt zeigt sich seit Bestehen der Bahnlinie, die sie durchquert, zweigeteilt. Über viele Jahre hinweg — beispielsweise in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 60er Jahren — machte sich diese Teilung in West- und Ostteil für die Bewohner Elmshorns kaum bemerkbar. Hüben wie drüben pulsierte das städtische Leben mit einem breit gefächtem Angebot an Gewerbe, Handel, Gastronomie und Wohnbebauung. Doch in den vergangenen Jahrzehnten änderte sich die Situation spürbar. Im Ostteil der Stadt verschwanden nach und nach immer mehr, teilweise alteingesessene Geschäfte und Betriebe. Trotz zentraler Lage scheint die Stadt östlich der Bahn bis heute immer mehr zu veröden. So sieht es zumindest der Stadtverband der Mittelstandsgesellschaft (MIT) Elmshorn, der in seinem Arbeitspapier „Vier Bausteine zum Erfolg“ auf diese Sitution hinweist und dringend dazu rät, gegensteuernde Maßnahmen zu ergreifen.
Vor allem drängt die MIT darauf, das im Zuge des Programms „Stadtumbau West“ von der Stadt in Auftrag gegebene „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) konsequent anzuwenden. Darin werde insbesondere auch für den Stadtteil Ost eine Chance gesehen, die dortigen Potenziale endlich zu aktivieren. „Die MIT hat recht, wenn sie schreibt, dass der Ostteil der Stadt in der jüngeren Vergangenheit fast völlig aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit geriet. Das muss sich natürlich bald und konsequent ändern“, erklärt Thomas Becken, zuständig für den Bereich Wirtschaftsförderung im Elmshorner Rathaus. Seiner Meinung nach ist es aber nicht verwunderlich, dass es zu dieser Situation kam. „Es gab viele Dinge im Westteil der Stadt, die in den vergangenen Monaten vorrangig die Aufmerksamkeit auf sich zogen — beispielsweise die Sanierung der Königstraße, die vielfach diskutierte Ansiedlung eines Designer-Outlet-Centers am Nordufer oder die Hafenspange“, so Becken. Der Wirtschaftsföderer setzt wie die MIT ebenfalls große Hoffnungen auf das kommende ISEK und dessen Umsetzung: „Dieses Konzept umfasst ja die gesamte Stadt. Insofern wird der Ostteil auch wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit kommen.“
Bereits jetzt sei aber, was den Ort insgesamt betrifft, eine starke Bewegung zu spüren, die auch andauern werde. „Der Umzug von Teppich-Kibek zum Ortsausgang bleibt nicht die einzige Veränderung, die 2006 auf uns zukommt. Unter anderem wird geklärt werden müssen, was zukünftig an der Reichenstraße, am Nordufer, in Bahnhofsnähe oder, sobald Eisen-Kremer zum Ramskamp zieht, in dem Quartier beim Buttermarkt passieren soll“, so Becken. Die Stadt werde viele, auch wirtschaftliche Änderungen erfahren, die aber nicht unbedingt als negativ zu bewerten seien. „Elmshorns wirtschaftliche Zukunft würde ich insgesamt als durchaus positiv bewerten. Und die Umsetzung des ISEK wird auch den Ostteil der Stadt mit Sicherheit voranbringen“, so Becken.
Ähnlich bewertet auch Ewald Müller vom Amt für Stadtentwicklung die Situation. „Das Stadtentwicklungskonzept wird die Lage im Ostteil mit Sicherheit berücksichtigen und Möglichkeiten zur Belebung aufzeigen.“
www.quickborner-tageblatt.de

21.12.2005
Halle: Spatenstich für automatisches Parkhaus
Walter Lühmann, Geschäftsführer der KL Bau- und VerwaltungsGmbH, der Architekt Dieter Lehmann und Vertreter der Hall City Bau GmbH, werden am Mittwoch, dem 21. Dezember 2005, um 13 Uhr, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler und dem Staatssekretär im Ministerium für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt; Dr. Hans-Joachim Gottschalk, den ersten Spatenstich für ein neues Parkhaus in der Franz-Andres-Straße vornehmen.Das neue automatische Parkhaus der Hall City Bau GmbH mit 125 Stellplätzen wird mit Mitteln des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt
www.halleanzeiger.de

18.12.2005
Die Kunst des Leerstands
In den deutschen Großstädten sind die bunten Schilder der Makler an den Häuserfassaden allgegenwärtig: "Zu vermieten, Günstige Gewerbeflächen, Ladenlokal frei." "Das ist das Dümmste, was man machen kann", sagt Volker Linneweber, Professor am Institut für Psychologie der Universität Magdeburg. "Der Hinweis auf Leerstand bringt weiteren Leerstand", mahnt Linneweber, "diese Schilder symbolisieren nur das Übel."
Gemeint ist der massenhafte Leerstand teilweiser hochwertiger Büro und Gewerbeflächen. Leerstände sind das Barometer für die schlechte Konjunktur. Bei Mitarbeitern wecken ausgeräumte Bürofluchten die Angst vor dem eigenen Arbeitsplatzverlust, drücken auf die Stimmung, senken die Motivation. Gleichzeitig steigern sie jedoch die Bereitschaft zur weiteren Qualifizierung, fanden die Magdeburger Sozialpsychologen heraus. Und ungenutzte Quadratmeter gibt es zuhauf. In der Finanzhochburg Frankfurt am Main steht nach neuesten Zahlen nahezu ein Fünftel aller Bürotürme leer. In München, Berlin und Düsseldorf kletterte die Leerstandsrate auf deutlich über zehn Prozent. In den Metropolen warten jeweils bis zu zwei Millionen Quadratmeter auf den Einzug von Anwälten, Designstudios, Callcenter oder Softwareexperten. "Bedrückend, schwierig, angespannt", beurteilt der Düsseldorfer Immobilienunternehmer Wulff Aengevelt die Baisse. Und für den Sprecher des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, hat der Niedergang der New Economy vor einigen Jahren "voll ins Kontor geschlagen". Die Branche reagiert mit kreativen Lösungen um den Leerstand zu kaschieren. "Zwischennutzung" heißt der verzweifelte Versuch für die Investoren, wenigstens die Betriebskosten der verwaisten Läden und Büropaläste hereinzuholen. An der Universität Trier entwickelten Kunststudenten ein Konzept ladengerechter Ausstellungen. Gleich gegenüber der Porta Nigra in der Innenstadt füllten die großformatigen Objekte die Schaufensterscheiben eines ehemaligen Möbelgeschäfts. Kommunikationsdesigner Stephan Zender hat schon Anfragen von Maklern und Investoren, weiter Einzelhandelsruinen wie Lampen- oder Schuhgeschäfte mit Leben zu füllen.
In Berlin-Mitte soll nach New Yorker Vorbild gar ein "Wanderzirkus" von Kunstschaffende, Galerien und Szene-Cafés die Leerstände füllen. "Jeder belebte Laden ist uns heilig", sagt Kristina Laduch, Leiterin des Stadtplanungsamtes Mitte. Im Berliner Stadtteil Pankow formierte sich vor eineinhalb Jahren bereits eine Initiative unter dem Namen "Leerstand kunstvoll".Ebenfalls in Berlin hat der Liegenschaftsfonds für landeseigene Immobilien ein Programm "zur Zwischennutzung schwer vermarktbarer Häusern" aufgelegt. Zu "extrem günstigen Konditionen" können Musik-Bands sich in den Leerstands-Objekten in Proberäumen austoben. Im historischen Hamburger Chilehaus, ein teilweise leer stehendes Schmuckstück der norddeutschen Backsteinarchitektur, bieten die Inhaber ganze Großetagen für Produktpräsentationen oder Partys an.Experten wie IVD-Fachmann Schick glauben jedoch, dass die Republik mit ein "Sockel-Leerstand" von "rund sieben bis acht Prozent" aller Gewerbeimmobilien dauerhaft zurecht kommen muss. Die Zuversicht, dass der Markt es demnächst richtet, haben die befragten Akteure der Magdeburger Leerstands-Studie jedenfalls nicht: Eine Mehrheit rechnet erst nach 2006 mit einer "Belebung" des Immobilienmarkts.

www.spiegel.de

18.12.2005
Landau: Abriss in der Altstadt möglich
Perspektiven für die künftige Entwicklung von Landau entwickeln interessierte Bürger, Studenten und Dozenten der Uni Kassel im Rahmen eines Studenten-Projektes "Landliebe Landau". Auch nach Abschluss der Arbeit der Studierenden im Frühjahr will der Projektgruppenleiter Prof. Alexander Eichenlaub mit zwei Kollegen das weitere Vorgehen begleiten.
Studenten umrissen in der jüngsten Bürgerversammlung im Rathaussaal zusammen mit etwa 20 Landauern die mögliche Entwicklung der Bergstadt. Drei Arbeitsgruppen wurden gebildet. Eine befasst sich unter anderem mit einem möglichen Auftritt Landaus im Internet und dem Problem leer stehender Gebäude.
Eine weitere Gruppe widmet sich dem Thema Leben im Alter und der Umgestaltung nicht mehr in der bisherigen Funktion oder Größe benötigter Gebäude. Schließlich geht es um die Gestaltung des Schulhofes und Marktplatzes, des Spielplatzes Hintere Heidestraße und die Anlage eines Bolzplatzes.
Für die voraussichtlich im Februar stattfindende Abschlussveranstaltung erarbeiten die Studenten Vorschläge für die Finanzierung und das Beantragen von Zuschüssen. Hoffnungen würden hierbei auf das Förderprogramm "Stadtumbau" gesetzt, wie Ortsvorsteher Dirk Heinemann dazu erklärte. Die Großgemeinden Bad Arolsen, Diemelstadt, Twistetal und Volkmarsen sind in diesem Jahr in dieses von Land und Bund finanzierte Programm aufgenommen worden (wir berichteten).
Die Studenten werden Vorschläge für ausgewählte Objekte unterbreiten und haben bereits in der vergangenen Sitzung Ideen vorgestellt. Im Frühjahr sollen auch Kostenkalkulationen präsentiert werden. Das Projekt "Landliebe Landau" soll der Entwicklung Landaus unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes dienen. Der Abriss von Gebäudeteilen ist trotz der engen Vorschriften der Denkmalpflege möglich. So könnten nach Auskunft von Heinemann Anbauten aus den 30er und 40er Jahren, die nicht das Ortsbild prägen, abgebrochen werden. Hierüber ist nach Auskunft des Ortsvorstehers ebenfalls mit dem Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab gesprochen worden.
Manches sei utopisch, finanziell nicht machbar, fasste Heinemann seine Eindrücke von der Präsentation in der jüngsten Versammlung zusammen. Die Anwesenden bekamen weiten Raum für ihre Anregungen. Die Ideen reichten daher sogar bis zu einem Abbruch eines Fachwerkhauses in der Stadtmitte. Diese Gedanken wurden jedoch verworfen. Das geht heimatbewussten Landauern denn doch zu weit.

www.wlz-fz.de

18.12.2005
Heilbronn: Kauf ehemaliger Bahnflächen perfekt
Der Kauf von 27 Hektar ehemaliger Bahnflächen für knapp 15 Millionen Euro ist perfekt: Am Freitag unterschrieben Vertreter der Stadt Heilbronn und der Firma Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG im Heilbronner Rathaus das umfangreiche Vertragspaket.
Jetzt haben wir die Basis dafür geschaffen, dass auf diesen großen brachliegenden Flächen einmal eine Bundesgartenschau stattfinden und in den nächsten Jahrzehnten ein neuer Stadtteil, die Neckarvorstadt, auf dem Fruchtschuppen-Areal entstehen kann, freute sich Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach.
In das Eigentum der Stadt Heilbronn gehen neben dem Fruchtschuppen-Gelände (25 Hektar) weitere 1,4 Hektar am Sonnenbrunnen in Böckingen, 0,4 Hektar am künftigen Stadtbahn-Haltepunkt ;Böckingen-Seestraße; und der 0,3 Hektar große Parkplatz am Neckar beim Gelände des Regionalverkehrs Stuttgart (RBS) über. Das Eisenbahn-Bundesamt hat bis Ende 2009 Zeit, die Grundstücke formal freizugeben und zu entwidmen.
Der Kaufpreis wird mit vier Millionen Euro aus dem Bund-Länderprogramm ;Stadtumbau West;und Geld aus der Zeag-Rücklage finanziert. Unterzeichnet wurden neben dem Kaufvertrag ein öffentlich-rechtlicher Vertrag über die Altlastenregelung sowie ein städtebaulicher Vertrag über die Entwicklung des Südbahnhofs, der von der Firma Aurelis selbst als neues Wohngebiet im Süden der Stadt vermarktet wird.
www.stimme.de

18.12.2005
Visitenkarte des Bauministers
In Leipzig realisierte Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee sein Konzept des Stadtumbaus. Es könnte zur neuen Leitlinie im deutschen Städtebau werden
Was ändert sich im Städtebau nach dem Amtswechsel im Bundesbauministerium? Mit Wolfgang Tiefensee , dem neuen Bundesbauminister, und seinem Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup gehen Politiker an den Start, die in Leipzig ein eigenes Modell für den Stadtumbau entwickelt haben. Der frühere Oberbürgermeister und sein damaliger Planungsdezernent stehen für das Konzept der "perforierten Stadt". Werden sie es zur offiziellen Leitlinie für den Stadtumbau erheben?
Perforierte Stadt bedeutet: Hausabbrüche nicht nur in den Plattenbaugebieten am Stadtrand, sondern auch in den Altbaugebieten, wo es noch viele marode Häuser gibt, an denen die Förderprogramme für die Sanierung bisher vorbeigegangen sind. In der Praxis bedeutet es die Aushöhlung des Leitsatzes bisheriger Stadtumbauprogramme, nach denen die Städte "von außen nach innen" zurückgebaut werden sollten.
In Leipzig hat das neue Konzept Unruhe ausgelöst. Erstmals seit 1989, als Menschenketten vor bedrohten Altstadtquartieren standen und der Kampf um den Erhalt der Innenstädte zu einem Auslöser revolutionärer Ereignisse wurde, trieb es wieder Protestgruppen auf die Straße, angeführt von Prominenten wie dem Schriftsteller Erich Loest, dem Maler Neo Rauch, Uni-Professoren und Leipzigs erstem Nachwende-Planungsdezernenten Nils Gormsen. Inzwischen hat der Protest breite Kreise der Bevölkerung erfaßt. Rechtsanwalt E. H. Knigge und Architekt Khorrami gründeten das "Stadtforum Leipzig" - und viele Bürgervereine schlossen sich an.
Einer davon, der Bürgerverein Waldstraßenviertel, verklagte die Stadt vor dem Bundesverwaltungsgericht. Denkmalpfleger Alberto Schwarz nannte die Probleme und Auswirkungen des Stadtumbaus in Leipzig in den "Sächsischen Heimatblättern" beim Namen, doch die Rathauspolitiker "juckte" das nicht. Unter Polizeischutz schlagen Bagger Verkehrs- und Bracheschneisen in den Altbaubestand - und die Zuschauer am Straßenrand sehen auf den Fotos so hilflos aus wie einst bei der Sprengung der Universitätskirche durch Walter Ulbricht.
Der Konflikt berührt Grundsatzfragen des Stadtumbaus und kann nach dem Stabwechsel im Bauressort auch auf andere Städte übergreifen. 1,3 Millionen Wohnungen im Osten stehen leer, allein in Leipzig wird die Zahl auf 60 000 geschätzt. In den anfangs noch zu Schwerpunktgebieten des Rückbaus "von außen nach innen" erklärten Großsiedlungen aber kommt der Rückbau zum Stehen.
Als das Stadtentwicklungsdezernat 2004 in einem Zwischenbericht Bilanz zog, waren in Grünau, dem mit 50 000 Wohnungen größten Plattenbaugebiet Leipzigs, erst 2700 Wohnungen abgebrochen. Noch einmal so viele sollen bis 2007 folgen. Gleichzeitig steckten kommunale Wohnungsbaugesellschaften 27 Millionen Euro in Stadterneuerung, Wohnumfeldverbesserung und Quartiersmanagement. Damit war das Umbaukonzept "von außen nach innen" de facto zur Makulatur geworden.
Mit fatalen Folgen für die Altbaugebiete in der Stadt. Denn seitdem forciert das Planungsressort die "Perforation" der großteils erhaltenen Gründerzeitquartiere, die der Krieg verschont hatte. 2500 unsanierte Gebäude, viele davon in privatem Streubesitz, versprechen den anrückenden Kolonnen der Abraumbagger reiche Ernte. Beinahe wöchentlich publiziert das Leipziger Stadtforum neue Kandidaten auf der "Todesliste". Auch vor Baudenkmalen macht die Abbruchwalze nicht halt
Jenseits kulturpolitischer Fragen sind es die volkswirtschaftlichen Folgen, die Widerspruch herausfordern. Schon im Zwischenbericht 2004 mußte die Stadt eingestehen: Der Trend zum Innenstadtwohnen hält auch in Leipzig unvermindert an, während sich in Grünau "die Einwohnerzahlen trotz der Aufwertungsmaßnahmen nicht stabilisiert" haben. Schon jetzt hat Grünau 40 Prozent seiner Einwohner verloren, die Innenstadt von Leipzig dagegen 30 000 hinzugewonnen.

www.wams.de

17.12.2005
Frankfurt:  Abrisslisten sind unvollständig
Bis zum Jahr 2010 sollen in Frankfurt 7500, möglicherweise insgesamt sogar 9000 Wohnungen abgerissen werden. Zählt man die Wohnblocks hinzu, an denen derzeit gearbeitet wird, sind bis Ende dieses Jahren 3360 Wohnungen schon vernichtet. Viele Frankfurter sind von den Stadtumbau-Plänen direkt betroffen und wollen sich möglichst rechtzeitig auf einen Umzug einstellen. Doch die Stadtverwaltung informiert ihre Bürger nicht. Lediglich die Wohnungen, die im kommenden Jahr beseitigt werden sollen, hat sie in einer Liste aufgezählt. Die Objekte für 2007 und 2008 hält sie zurück.
Bis zum Jahr 2010 sollen in Frankfurt 7500, möglicherweise insgesamt sogar 9000 Wohnungen abgerissen werden. Zählt man die Wohnblocks hinzu, an denen derzeit gearbeitet wird, sind bis Ende dieses Jahren 3360 Wohnungen schon vernichtet. Viele Frankfurter sind von den Stadtumbau-Plänen direkt betroffen und wollen sich möglichst rechtzeitig auf einen Umzug einstellen. Doch die Stadtverwaltung informiert ihre Bürger nicht. Lediglich die Wohnungen, die im kommenden Jahr beseitigt werden sollen, hat sie in einer Liste aufgezählt. Die Objekte für 2007 und 2008 hält sie zurück.
Es geht wie immer ums Geld. Wird der Abriss von Wohnungen gefördert und gibt es auch Zuwendungen für die so genannte Aufwertung der dann freien Flächen, hat das Land bei der Anpassung von Versorgungsleitungen u. ä. den Geldhahn fast zugedreht. Lediglich 170 000 Euro im Jahr, so Baudezernent Peter Edelmann  im Stadtentwicklungsausschuss, könne Frankfurt noch aus dem Aufwertungstopf in die Infrastrukturanpassung umleiten. Aber nur dann, wenn es sich um Leitungen handelt, die auf öffentlichen Flächen liegen. "Und da liegt unser Problem. Wohnungsunternehmen und Versorger sind derzeit nicht in der Lage, verbindliche Absprachen zu treffen", erklärt der Baudezernent seine Hilflosigkeit.
Diplomingenieur Stefan Kunigam informiert über den derzeitigen Stand. Der Mann hat sich gut vorbereitet, spricht jedoch in großer Eile und legt noch schneller Folie um Folie auf. Um den Abgeordneten und einigen Gästen zu erklären, was alles nicht geht. 921 Wohnungen standen auf der Abrissliste für 2007 ursprünglich. Doch die Planer haben nachgerechnet Rund 400 000 Euro kostet die Anpassung der Infrastruktur. Keiner hat dieses Geld.
Ein nächstes Problem: Auf der Abrissliste für 2007 stand die Moskauer Straße 1-6 - die Abgeordneten selbst haben beschlossen, dass dieser Block doch stehen bleiben darf. Auch die Tereschkowastraße 1-15 sowie der Juri-Gagarin-Ring 15-19, 80-84 und 63-69 sollten laut der Planer lieber noch stehen bleiben, da sie in enger Beziehung zum Südringcenter als zentralem Bereich stehen. Als städtebaulich bedenklich wird jetzt auf einmal der Abriss des Blocks Langer Grund 43-45/Leipziger Straße 87-90. Bleiben von der ursprünglichen Abrissliste für 2007 noch 357 Wohnungen übrig, dazu gehören die Hamburger Straße 5-7 und die Stralsunder Straße 1-3. Hinzu kommen sollen möglicherweise Wohnblocks aus der Konrad-Wachsmann-Straße, die neu in die Abrissliste aufgenommen werden sollen.So also sieht in Frankfurt das Gläserne Rathaus aus. Wenn der Bürger Papiere nachlesen will, die in öffentlicher Ausschussitzung vorgestellt wurden, ist das nicht möglich. Schon die öffentliche Debatte sei ein Fehler gewesen, heißt es.

www.moz.de

17.12.2005
Wolfen: Die Hälfte ist weg
Vor einigen Wochen hingen noch T-Shirts und Unterhosen an den Wäscheleinen auf den Balkonen. Sonnenschirme standen dort, Blumen blühten in den Kästen. Da lebten noch Menschen in dem Plattenbaublock an der Bobbauer Straße, in der einstigen DDR-Neubausiedlung Wolfen-Nord. Jetzt sind alle raus, Arbeiter werfen Waschbecken und Türen von den Balkonen. Der Block wird abgerissen, so wie etliche vor ihm, und er wird nicht der letzte sein. Wolfen schrumpft.
Der Grundstein für Wolfen-Nord wurde in den 60er Jahren gelegt. Lange Plattenbauriegel wuchsen aus dem Boden, fünf, sechs oder sieben Stockwerke, grauer Beton, bunte Balkone. Die letzten Blöcke wurden zur Wendezeit hoch gezogen - eine hochmoderne Schlafstadt für viele der rund 45 000 Chemiearbeiter aus den umliegenden Industriekombinaten. Ausgestattet mit höchstem DDR-Standard -Einbauküchen und Fernwärme zum Beispiel - waren die Wohnungen beliebt und komplett vermietet, an 34 000 Menschen. Heute wohnen auf dem weitläufigen Areal noch 14 000. Jeder Vierte in Wolfen-Nord ist arbeitslos.
Wie die Stadt in Sachsen-Anhalt leiden viele. Mehr als 1,3 Millionen Menschen sind nach der Wende aus der früheren DDR abgewandert, besonders aus den Industrie-Regionen. Ähnlich wie Wolfen blutet Halle aus, ebenso Städte in Sachsen und Brandenburg. Allein in Sachsen-Anhalt sind deswegen bisher 22 000 leer stehende Wohnungen vom Markt genommen worden, wie es die Behörden nennen. Viele sind dem Abriss geweiht, dem «Rückbau». Bund und Land geben den Kommunen nach Informationen des Landesbauministeriums dafür etwa 127 Millionen Euro aus dem Stadtumbau-Programm.
Früher war Wolfen als Wohnort beliebt, erinnert sich Harald Rupprecht. Er ist Geschäftsführer der Erneuerungsgesellschaft Wolfen-Nord (EWN). Doch Erneuern heißt dort nicht neu Bauen, Ruprecht koordiniert den groß angelegten Abriss. «Und das mit einer Geschwindigkeit, dass es einem das manchmal schon selbst Angst und Schrecken einjagen könnte», sagt Rupprecht.
Aber Wolfen habe sich dem Problem schon gestellt, als das Thema Schrumpfen in vielen Stadtverwaltungen noch tabu war. «Die Bewohner müssen umziehen, das ist unbequem und sorgt für Unruhe in der Stadt -das wollte man nicht.» In Wolfen aber entwickelten die Städtebauer ein Leitbild, das andere Städte übernahmen. Es wurde klar: Wenn der Wegzug so weitergeht, müssen ganze Stadtviertel aufgelöst werden.
Und das ging im Sommer 2000 los: Zuerst schlugen die Presslufthämmer in die Komplexe, die zuletzt fertig gestellt worden waren. «Dort wohnten die jüngsten und flexibelsten Leute, die sind als erste weggezogen», sagt Rupprecht. Mit einem Mal standen bis zu 80 Prozent leer. Immer öfter zogen Abriss-Trupps durch die leeren Flure. 4300 Wohnungen verschwanden in den vergangenen fünf Jahren, laut Stadtumbauplan werden es 6000 sein.
Die Umsetzung wird jedoch schwieriger, denn beim Rückbau wird scharf gerechnet: Zwar gibt es derzeit für jeden abgerissenen Quadratmeter im Rahmen des Programms «Stadtumbau Ost-Abriss» von Bund und Land. Doch im Gegenzug müssen für die Mieter sanierte Wohnungen bereitgestellt werden. Das ist teuer und lohnt sich nach Berechnungen der Wohnungsunternehmen erst, wenn mindestens die Hälfte der Bewohner aus einem Plattenbau ausgezogen ist. Wolfens Oberbürgermeisterin Petra Wust weiß, welche Folgen das Schrumpfen der Städte mit sich bringt. «Die gesamte Infrastruktur muss angepasst werden.» Von ehemals elf Grundschulen gibt es heute noch zwei, von 30 Kindereinrichtungen sind sieben übrig geblieben. Die Gebäude bleiben leer. «Was wollen sie damit machen? Wer will schon in eine Turnhalle ziehen?» Für Wust ist nicht nur der Abriss unausweichlich. Gegen den Willen vieler Wolfener hat sie sich auch für eine Fusion der Stadt mit Bitterfeld und weiteren Gemeinden stark gemacht, nicht zuletzt um Kosten in der Verwaltung zu sparen. Zum 1. Juli 2007 wird das Vorhaben Wirklichkeit: Wolfen-Bitterfeld wird dann mit 50 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts.
www.mz-web.de

17.12.2005
Premnitz: Aufwertung als Chance
Beim Stadtumbau seien im Laufe des Jahres 1,2 Millionen Euro umgesetzt worden, berichtete der Bürgermeister. Einerseits hätten die Wohnungsbaugesellschaft und die -genossenschaft zusammen 250 Wohnungen aus dem Bestand genommen (also abgerissen). Das sei im Rückgang der Einwohnerzahlen begründet. Premnitz habe nach neuestem Stand 9984 Einwohner. Erstmals unter 10 000, und dabei seien die Ortsteile Döberitz und Mögelin mitgezählt. Andererseits ging Roy Wallenta beim Thema Stadtumbau dann zum positiven Gegenstück vom Abriss über, zur baulichen Aufwertung. "In der Aufwertung liegt unsere große Chance", betonte er. In diesem Zusammenhang habe er in der Bevölkerung sehr große Anteilnahme feststellen können. Ein Drittel der Kosten müsse die Stadt selbst aufbringen, "das fällt uns schwer genug". Die größte Aufwertungsmaßnahme 2005 ist die Sanierung der alten Pumpstation (500 000 Euro). Dann folgt die umfassende Neugestaltung des Parks im Stadtzentrum (125 000 Euro). Gestern Vormittag ist dieser Park zur Nutzung freigegeben worden. Die 4000 Quadratmeter große Fläche erhielt in der Mitte einen Platz mit Pergola und Sitzgelegenheiten. Insgesamt wurden im Park zwölf Bänke aufgestellt. Zwei Wege mit Beleuchtung führen diagonal über die Fläche und an einer Ecke steht eine neue Litfaßsäule, die die Stadt gestalten wird. Nahe der B 102 wurde in zwei Teilen das Schwungrad einer alten Kältemaschine aufgestellt - ein Symbol der Industriegeschichte.
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15.12.2005
Delmenhorst: Land verweigert sich: Sozialbrennpunkt Wollepark vertraut nun auf GISS-Mittel
I
n der Abfederung des sozialen Brennpunktes Wollepark mit baulichen Mitteln muss die Stadt 2006 auf Finanzhilfen aus dem Programm Stadtumbau West verzichten. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern beteiligt sich Niedersachsen nicht an diesem Bundesprogramm, das Bausünden der 70er Jahre mit Folgen der Ghettoisierung erträglicher gestaltet.
Nach einem Besuch im niedersächsischen Sozialministerium macht Stadtbaurat Gerd Linderkamp deutlich, Hannover werde im Haushaltsjahr 2006 kein Geld für den Rückbau oder Abriss von Wohnsilos wie dem Wollepark, der zur Hälfte leerstehe, bereitstellen. Linderkamp bedauerte dies zwar auf Nachfrage, verwies aber auf die Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (GISS). Für einen Gesamtförderzeitraum (10 Jahre) stehen GISS-Mittel von 5,1 Mio. Euro zur Verfügung. Davon sind bisher rund 1,7 Mio Euro ausgegeben worden. 2006 liegen die GISS-Schwerpunkte auf der Förderung von Maßnahmen an Gebäuden und dem Aufbau des Nachbarschaftszentrums. Ferner soll ein Radweg gebaut werden. Als einen zentralen Punkt sieht Linderkamp den Kontakt zum Besitzer Lone Star. Dessen Investitionen im Wollepark müssten begleitet werden. Dies gelte für die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts und die Betreuung von Bewohnern. Aus dem Europäischen Sozialfonds flössen Fördermittel in die Integration von Migranten, in Beschäftigung und Qualifizierung sowie Förderung der Gleichstellung Für 2006 seien 100 000 Euro bestätigt worden. Linderkamp betonte, die Resonanz der Bewohner sei positiv. Die Spannweite reiche von der Sprachförderung über den Nachbarschaftsgarten und Nähkurse bis hin zu kunsthandwerklichen Programmen etwa mit dem Künstler Knapp auf der Nordwolle.
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14.12.2005
Brandenburg: Hauptausschuss diskutiert Transfer der Wofü-Anteile an die Wobra
Das hat Detlef Reckow, Chef des Amtes für kommunale Beteiligungen, vor dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung offen zugegeben. "Ich sage es ganz unverhohlen, dieser Transfer dient der Stärkung der Wobra." Das Unternehmen sei durch den Abriss vieler leer stehender Wohnungen stark belastet, nun solle es im Prozess des Stadtumbaus auch Aufgaben in der so genannten Aufwertung übernehmen. Gemeint ist die Entwicklung des Areals rings um die St.-Annen-Straße mit 307 Wohnungen zwischen Melcher-Haus und "Bermuda-Dreieck". "Für diesen Stadtumbau in Größenordnungen brauchen wir einfach die Kreditfähigkeit der Wobra", argumentiert Reckow. Wie berichtet, sollen die Wofü-Anteile der Technischen Werke in Höhe von knapp 11,3 Millionen Euro in die Wobra gesteckt werden.
Reckow entgegnete lediglich, dass eine Fusion der beiden Unternehmen vorerst nicht geplant sei. Gleichzeitig sagte er, dass "zwei Unternehmen mit dem gleichen Gesellschaftszweck nicht tragbar" seien; die Stadt habe seit Jahren versucht, diesen Parallel-Lauf zu beheben. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann milderte die Aussage etwas ab; sie betont, "beide Unternehmen haben Stärken und Schwächen, glücklicherweise gleichen sie die einander aus". Allerdings benannte sie die Stärken und Schwächen nicht.
"Ich bitte sie zudem, unsere Aktivitäten nicht als Verwirklichen der persönlichen Wünsche des Herrn Deschner zu betrachten." Gleichzeitig wiederholte sie die Argumente, die der Wobra-Geschäftsführer immer gebetsmühlenartig vorträgt. "Noch steht die Wofü ja ganz gut da. Doch wehe, es verändert sich etwas beim Leerstand. Dann wird sie überhaupt keinen Gewinn mehr ausweisen. Wegen der hohen Kapitalverbindlichkeiten steht auch dieses Unternehmen dann wacklig da."
Allerdings kalkuliert die Wofü schon seit Jahren mit einer höheren Leerstandsquote als der tatsächlichen - fünf, sechs statt drei Prozent.Nicht zuletzt sollten die Stadtverordneten nicht aus den Augen verlieren, dass es auch darum gehe, "die Braut Wobra hübsch zu machen". Das städtische Wohnungsunternehmen stehe nach wie vor zum Verkauf, wenn sich ein Investor findet, der Mieter, Wohnungen und Schulden übernimmt und städtische Bedingungen erfüllt.

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13.12.2005
Sternberg : Durch Abriss weniger Altschulden
Auf der kürzlichen Gesellschafterversammlung der STEWO, an der neun von zwölf Gesellschaftern teilnahmen, wurden der Jahresabschluss 2004 bestätigt und die Ziele für 2006 sowie mittelfristig bis 2010 abgesteckt.
Der Leerstand ist 2004 gestiegen und stagniert derzeit, erklärte STEWO-Geschäftsführerin Regina Nienkarn. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Bestand voraussichtlich um 333 Wohnungen reduziert werden.
Im letzten Jahr wurden 39 Wohnungen in Brüel abgerissen. In diesem Jahr folgten zwei Blocks mit zehn Wohnungen in Weitendorf und ein Block mit zwölf Wohnungen in Jülchendorf. Für 2006 ist der Abriss von 15 leerstehenden Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten in Müsselmow geplant.
In Sternberg hat die STEWO derzeit keine Leerstandsprobleme, erklärte die Geschäftsführerin.
Trotz des Gesamtleerstands von 16,7 Prozent war der Jahresabschluss 2004 positiv. Und auch für dieses und für kommendes Jahr gibt es entsprechend gute Prognosen, erfuhr SVZ. Eine große Hilfe sei, dass die Wohnungsgesellschaft für abgerissenen Häuser von den Altschulden befreit wird, sagte Regina Nienkarn. Der Abriss selbst wird mit Geldern aus dem Programm Stadtumbau Ost finanziert.
Bisher hat die STEWO Blocks abgerissen, in die nach der Wende nicht neu investiert wurde und wo folglich auch keine neuen Krediten aufgenommen wurden. Im Fall Müsselmow ist das anders. Hier bleiben nach dem Abriss noch Schulden für die Gesellschaft. Aber auch wenn ein Haus leer steht, kostet es Geld, sagt Regina Nienkarn.
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13.12.2005
Wurzen: Abriss rund: Wurzen geht es an die Ecken
Der Muldestadt geht's an die Ecken: Und deswegen haben die Bagger selbst im Dezember keine Ruhepause. Während am Wochenende der Abriss der Mützenfabrik im Amtsweg für viel Publikum vor Ort sorgte, fressen sich Steinsägen derzeit ins Mauerwerk des grünen Blockes an der Friedrich-Ebert-Straße.
Bereits gefallen ist das Eckgebäude Theodor-Körner-/Lessing-Straße. Allesamt - bis auf die alte Industriebrache am Amtsweg - standen schon seit längerem auf der Abrissliste der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH (WGW). Das bestätigte gestern auf Nachfrage Oberbürgermeister (OB) Jürgen Schmidt, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des kommunalen Großvermieters ist.
Dass zum Ende des Jahres hin noch einmal für Luft in den Häuserzeilen gesorgt wird, begründet Schmidt mit Fördergeldern des Landes, die unlängst flossen. Letztlich, so der OB, sei dies nur eine Folge des notwendigen Stadtumbaus in Wurzen. Mit Freude indes wertet Schmidt die Initiative der Nahrungsmittel GmbH im Amtsweg. Dort verschwindet die alte Mützenfabrik. "Ein Teil des Schuttgutes wird planiert, später grenzt ein Zaun das Betriebsgelände ab." Für den Stadthauschef ist das Verschwinden des "Schandfleckes" zugleich ein positives Zeichen - "sozusagen ein Weihnachtsgeschenk". Drei Jahre hatten sich Stadt und Unternehmen schließlich darum bemüht. Ohne Wehmut sieht der OB ebenso in Richtung Theodor-Körner-Straße. "Hier begrünt die WGW später das freie Areal." Autofahrer und Fußgänger hätten zudem ihre Vorteile an der neuen Rund-um-Sicht.
Fürs Auge werde außerdem gerade in der Friedrich-Ebert-Straße/Dr.-Külz-Straße gebaggert und gesägt. Lediglich das Eckhaus fällt, berichtet Schmidt, die Längstseite bis hin zur Stadtsporthalle bleibe stehen. Rasen und Buschwerk sollen in naher Zukunft auch an dieser Stelle das Wohngebiet samt der Hinterhöfe aufwerten. Jedoch müssen die aktuellen Stadtumbau-Karrees nicht ewig Grün-Oasen bleiben. Auf jenen Flächen, lockt Schmidt, bestünde keinerlei Bauverbot. Vielmehr hoffe die Stadtverwaltung auf Privatinvestoren. "Nicht für Mietwohnungen, sondern ausschließlich für Eigenheime." Demnächst übrigens ebenso in der Goethestraße. Denn momentan laufen intensive Gespräche über weitere Abrissvorhaben in diesem Gebiet. Wo genau? "Stadtauswärts links", verrät Schmidt.

www.lvz-online.de

13.12.2005
Berlin: Trendsportanlage mit Skaterrampen übergeben
Eine Trendsportanlage ist gestern an der Darßer Straße übergeben worden. Auf 9000 Quadratmetern entstanden acht Skaterrampen, ein ovaler Asphalt-Rundkurs für Skater, ein Ballspielfeld, Klettergerüst aus Edelstahl und ein Pavillon. Die Anlage wurde mit 340 000 Euro aus den Senatsprogrammen Stadtumbau Ost und Wohnumfeldverbesserung finanziert. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Neues Berlin" setzte fünf Skaterelemente von ihrem Wohnkarree Ahrenshooper Straße an die Darßer Straße um.
morgenpostberlin1.de

07.12.2005
Wenn aus Stadtumbau Stadtabbruch wird
Was ändert sich im Städtebau nach dem Amtswechsel im Bundesbauministerium? Mit Wolfgang Tiefensee, dem neuen Bundesbauminister, und seinem Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup gehen Politiker an den Start, die in Leipzig ein eigenes Modell für den Stadtumbau entwickelt hatten. Der frühere Oberbürgermeister und sein damaliger Planungsdezernent stehen für das Konzept der "perforierten Stadt". Werden sie es zur offiziellen Leitlinie für den Stadtumbau erheben?
"Perforierte Stadt", das heißt: Hausabbrüche nicht nur in den Plattenbaugebieten am Stadtrand, sondern auch in den Altbaugebieten, wo es noch viele marode Häuser gibt, an denen die Förderprogramme für die Sanierung bisher vorbeigegangen sind. In der Praxis bedeutet es die Aushöhlung des Leitsatzes bisheriger Stadtumbauprogramme, nach denen die Städte "von außen nach innen" zurückgebaut werden sollten.
Der Konflikt berührt Grundsatzfragen des Stadtumbaus und kann nach dem Stabwechsel im Bauressort auch auf andere Städte übergreifen. 1,3 Mio. Wohnungen im Osten stehen leer, allein in Leipzig wird die Zahl auf bis zu 60 000 geschätzt - aber in den anfangs noch zu Schwerpunktgebieten des Rückbaus "von außen nach innen" erklärten Großsiedlungen kommt der Rückbau zum Stehen. Als das Stadtentwicklungsdezernat Ende 2004 in einem "Zwischenbericht" Bilanz zog, waren in Grünau, dem mit 50 000 Wohnungen größten Plattenbaugebiet Leipzigs, erst 2700 Wohnungen abgebrochen. Nur noch einmal ebensoviel soll bis 2007 folgen. Gleichzeitig steckten die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften 27 Mio. Euro in Stadterneuerung, Wohnumfeldverbesserung und Quartiersmanagement. Damit war das Stadtumbaukonzept "von außen nach innen" de facto Makulatur. Mit fatalen Folgen für die Altbaugebiete in der Stadt.
www.welt.de

05.12.2005
Altenburg: Schrumpfung in Nord steuern
Rund 150 Bürger folgten der Einladung von Oberbürgermeister Michael Wolf. Neben dem Stadtoberhaupt standen unter anderen die Baudezernentin Kristin Knitt und die Geschäftsführer der drei großen Wohnungsunternehmen Rede und Antwort. Ziel der Stadt ist es, den Schrumpfungsprozess in Altenburg-Nord zu steuern. Wo nötig werden Blöcke abgerissen, wo möglich Flächen aufgewertet, so zwei zentrale Aussagen des Abends.Dass es zum Rückbau keine Alternativen gibt, machen zwei Zahlen deutlich: Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl in Nord nahezu halbiert und der Wohnungleerstand liegt mittlerweile bei rund 25 Prozent.
Die konkrete Entscheidung, wann welcher Block abgerissen wird, obliegt den Unternehmen. Die Verwaltung bemüht sich aber, den Prozess sinnvoll zu beeinflussen und hat dabei eine positive Entwicklung des gesamten Stadtgebietes vor Augen. Die Baudezernentin erläuterte Grundzüge des aktuellen Stadtentwicklungskonzeptes, das eine Stärkung des Stadtzentrums zum Ziel hat. Der Stadtumbau in Nord folge demgegenüber der Maxime: Eine Nummer kleiner. Das bedeute aber nicht, dass in Nord nicht mehr investiert werde. Kristin Knitt stellte klar: Die Abrissflächen sollen ansprechend gestaltet werden. Das gelte insbesondere für den Nordplatz und das Areal der „Ernst-Kirste-Schule“.
Oberbürgermeister Wolf nutzte das Forum um darzulegen, was die Stadt in der Vergangenheit für die Gestaltung des Stadtteils getan hat. Seit 2000 summieren sich die Investitionen allein im Bereich Tiefbau auf rund 1,2 Millionen Euro. So wurden der Sportplatz Bonhoefferstraße grundhaft ausgebaut sowie die Barlachstraße, Stauffenbergstraße und Feldstraße erneuert. Außerdem wurden Gehwege erneuert beziehungsweise ausgebaut und in der Poststraße die Garagenzufahrt befestigt. Zur Leistungsbilanz gehören zudem der Ausbau des Feldscheunenweges (ländlicher Wegebau) und der Deckenschluss in der Oberzetschaer Straße. Von den in den vergangenen fünf Jahren umgesetzten Maßnahmen im Stadtteil Nord profitierte eine Fläche von mehr als 30.000 Quadratmetern.
Eindrucksvoll auch, was im Bereich Hochbau geleistet wurde: Hier summieren sich die Investitionen der Stadt auf rund 4,2 Millionen Euro. Das Gros der Gelder wurde in die Sporthallen und die Schulen gesteckt, darüber hinaus finanzierte die Stadt Baumaßnahmen in der Kita Knirpsenland, dem Seniorentreff und dem Kinder- und Jugendtreff Abstellgleis. Zur Begrünung des Stadtteils trugen die Pflanzungen von 5000 Gehölzen und 100 Bäumen bei.
Nicht unerwähnt blieben die Anstrengungen des Landkreises, der ebenfalls hohe Summen in Nord investierte. Herausragend dabei: Rund 8,4 Millionen Euro kostete der Aufbau eines modernen Beruflichen Schulzentrums für Gewerbe und Technik (Johann-Friedrich-Pierer-Schule). Bedeutsam zudem das aktuelle Projekt des Kreises: Für 3,2 Millionen Euro wird bis 2007 ein Jugendwohnheim gebaut.
Die wesentlichen Investitionen in den Aufbau beziehungsweise in die Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Fernwärme fanden schon vor dem Jahr 2000 statt. Die Ausgaben der vergangenen fünf Jahre summieren sich – ohne Kosten für Wartung und Instandhaltung – dennoch auf stolze rund 1,3 Millionen Euro.
www.abg-net.de

05.12.2005
Berlin: 1256 Wohnungen sollen abgerissen werden
Die Plattenbau-Großsiedlung Marzahn soll Berlins größter Abriß-Schauplatz werden. Aktuelle Pläne sehen vor, bis 2008 in drei Wohngebieten mit erheblichem Leerstand von 1630 unsanierten Wohnungen 1256 abzureißen und nur 374 zu modernisieren. Betroffen sind die Kieze um die Ringkolonnaden, Cecilien- und Schorfheidestraße. Für das neue Stadtumbau-Ost-Vorhaben der Degewo/WBG Marzahn hat der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses 22,6 Millionen Euro bewilligt, darunter 14 Millionen Euro ausschließlich für Abriß. Vorbild sind eigentlich die "Ahrensfelder Terrassen" in Marzahn-Nord, wo im Jahr 2004 Elfgeschosser zu Stadtvillen mit drei bis sechs Etagen geschrumpft waren.
Doch im Gegensatz zu diesem Vorzeigeprojekt sollen jetzt nach dem Willen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ganze Wohnblöcke dem Erdboden gleichgemacht werden. Dagegen formiert sich Widerstand. Eine Mieterinitiative wendet sich gegen den geplanten Totalabriß der Komplexe Mehrower Allee 38-48 und Ludwig-Renn-Straße 46-62. In einem Schreiben warnte sie jetzt Senatorin Ingeborg Junge-Reyer davor, daß "mitten in Marzahn unter der irreführenden Bezeichnung Stadtumbau Ost eine riesige Brache entsteht". Das Ensemble des Zentrums von Marzahn-Mitte dürfe nicht zerstört werden. Auch der BVV-Stadtentwicklungsausschuß fordert Lösungen, die in Marzahn städtebaulich verträglich sind. Stadtrat Heinrich Niemann (Linkspartei.PDS): "Das Bezirksamt wurde zu den Plänen nicht mal angehört." Er spricht von "Tonnenideologie, um auf gewünschte Abrißzahlen zu kommen".
Senatsbaudirektor Hans Stimmann macht für den Abriß-Schwerpunkt Marzahn Prognosen geltend, wonach bis 2020 die Einwohnerzahl um mehr als 18 000 zurückgehe.
morgenpost.berlin1.de

05.12.2005
NRW kürzt bei der Stadterneuerung
Der Sparkurs der  Landesregierung in NRW bedroht zahlreiche Stadtentwicklungsprojekte im Land. Weil 32 Millionen Euro gesperrt wurden, sind im laufenden Stadterneuerungsprogramm 69 Projekte in Frage gestellt. 39 neue Maßnahmen können nicht begonnen werden. Für 2006 plant das Landeskabinett, die Mittel für Städtebau von 121 auf 115 Millionen Euro zu kürzen und die Verpflichtungsermächtigungen von 137 auf 90 Millionen Euro herunter zu fahren. Die Landesregierung in Düsseldorf macht ihrem Städtebauminister Oliver Wittke das Leben schwer. Denn dem abgewählten Gelsenkirchener OB gab Finanzminister Helmut Linssen  32 Millionen Euro bereits geplanter Städtebaufördermittel nicht frei. Damit können 69 Maßnahmen im laufenden Stadterneuerungsprogramm nicht fortgesetzt werden. 39 Maßnahmen können gar nicht erst begonnen werden.Und im nächsten Jahr droht Wittke noch größeres Ungemach: Dann will die Landesregierung die Städtebaufördermittel von 121 auf 115 Millionen und die Verpflichtungsermächtigungen von 137 auf nur noch 90 Millionen Euro kürzen. Damit würden viele Projekte des sog. Stadtumbau West - von der Bochumer Innenstadt West bis zum Dortmunder Phönix-See - gefährdet. Auch die Großprojekte an der Route der Industriekultur stehen in Frage. Das grüne MdL Horst Becker sieht darin auch ökonomisch nichts Gutes: "Jeder Euro, der über die Städtebauförderung investiert wird, löst acht Euro in der Wirtschaft aus."
Betroffen wäre am Ende wohl auch Wittkes eigene frühere Stadt Gelsenkirchen, bei der z.B. für den Nordsternpark Fördermittel fest eingeplant sind. Vertreter von Ruhrstädten zeigen wenig Verständnis: Die Stadterneuerung sei gerade aus demographischen Gründen zwingend notwendig, hieß es dort.

www.vorwärts.de

02.12.2005
Brandenburg: Der "Häuserkampf" ist neu entbrannt
Ihr Schicksal schien schon besiegelt als Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann  im Mai gegenüber dem Stadtkurier verkündete, beide Häuser sollten abgerissen werden. Im Herbst trat die Rathenower Firma Consys-Immobilien auf den Plan und verkündete öffentlich, die Häuser erwerben und sanieren zu wollen. Parallel dazu bewarb sich der Brandenburger Immobilienentwickler Bernd Jansen um den Kauf. Im jüngsten Bauausschuss gab es eine Mehrheit für die Meinung, der Mühlentorturm solle solitär stehen, zudem könne man ohne die Häuser den geplanten Uferweg und die künftige Packhoferschließung besser planen. Dem schloss sich Baubeigeordneter Michael Brandt an, bis zur Stadtverordnetenversammlung am 21. Dezember will er eine entsprechende Vorlage erarbeiten, alle Verkaufsverhandlungen wurden durch die Eigentümer Stadt und Wobra gestoppt. Derselbe Brandt hatte als Aufsichtsratsvorsitzender der Wobra den Abriss schon einmal durchgewinkt.
Unterdessen eskaliert der Streit. Die Architektin Hannelore Palm, die als Vertreterin der Architektenkammer in die Arbeitsgruppe "Stadtumbau" entsandt wurde, beklagt, von keinem der Pläne offiziell informiert worden zu sein. Die Architektin Martina Marx hatte vor neun Monaten erfolgreich die Architektenkammer alarmiert, als die Wobra das Haus Kurstraße 5 abreißen wollte, um freie Zufahrt zu ihrem Geschäftsgrundstück zu bekommen.
Ihr Ehemann, der Ex-Baubeigeordnete und Denkmalpfleger Ralf Krombholz, wendet sich ebenfalls gegen den Abriss: "Wenn wir einen Eingang zur Neustadt haben wollen, brauchen wir ein Gegenstück zum Turm, sonst ist es kein Eingang, sondern eine Brache. Zudem verliert die Neustädtische Fischerstraße ihren Abschluss." Im Übrigen reiße man in der Innenstadt keine Häuser ab, weil sonst der Stadtgrundriss verloren gehe.

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