Newsticker Archiv Februar 2004

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29.02.2004
Wolgast: Rückbau im Wohngebiet Nord soll sanft erfolgen
Spätestens aber im Mai werden im Stadtteil Wolgast-Nord die ersten Platten fallen. Soweit können die Verantwortlichen der Wohnungswirtschafts GmbH (WoWi) und der Wolgaster Wohnungsgenossenschaft (WGW) jetzt schon vorausschauen.
Sabine Lüdtke und Klaus Rehbein sind jedenfalls momentan für die beiden großen Vermietergesellschaften intensiv dabei, die Ausschreibungen für die umfangreichen Abrissarbeiten vorzubereiten. Denn: Da es sich um benachbarte Aufgänge beziehungsweise Häuser handelt, man den Aufwand überschaubar gestalten will und die im Umfeld wohnenden Wolgaster nicht über die Maßen strapazieren möchte, sollen die Arbeiten weitgehend parallel und abgestimmt erfolgen, soll zum Beispiel die Baustelleneinrichtung großflächig geschehen.
Während bei der WoWi – hier handelt es sich um die Gorkistraße 21 bis 24 – inzwischen alle 65 Wohnungen leer sind, müssen bei der WGW noch zwei Mietparteien ausziehen. Beide Gesellschaften eint die positive Erfahrung, dass man langfristig geplant und mit den Anwohnern sehr intensiv nach individuellen Lösungen gesucht hat. Mit Erfolg: Rund 95 Prozent der Bewohner in den zum Rückbau vorgesehenen Blöcken blieben den Vermietern erhalten.
Da inzwischen die Abrissgenehmigung vorliegt, müssen lediglich noch etwa vier Wochen nach Veröffentlichung der Ausschreibung abgewartet werden, um Angebote zu sondieren und sich zu entscheiden. Dann kann der Abriss beginnen. „Aber es soll ein sanfter werden“, versichert Sabine Lüdtke. Man werde nicht mit roher Gewalt vorgehen, sondern die Häuser erst entkernen und sie dann zerteilen. Das Schreddern der Platten müsse anderenorts – nicht aber mitten im Wohngebiet – geschehen. Anschließend werden dort, wo jetzt noch Blöcke mit inzwischen vielen „toten Augen“ stehen, Grünflächen angelegt. Und zwar über das Integrierte Stadtentwicklungsprogramm (ISEK) und gemeinsam mit der Stadt und dem Sanierungsträger
Die Wohnungsgenossenschaft hat sogar schon begonnen, ihre Abrisshäuser (Gorkistraße 25 bis 27 sowie Baustraße 38) zu entkernen. „Wir tun das mit eigenen Kräften“, berichtet Klaus Rehbein. Damit spare man nicht nur Geld und Zeit, sondern gewinne obendrein unter anderem noch intakte Wasseruhren oder Heizkörper, die man nötigenfalls später anderswo für Reparaturzwecke einsetzen könne.
Seiner Firma liegt inzwischen auch das unerlässliche Umweltgutachten für das Abbauvorhaben vor. Demzufolge sind die Dachpappe und eine Sperrung im Erdgeschoss der betroffenen Blöcke schadstoffbelastet und müssen deshalb als Sondermüll extra entsorgt werden.

www.ostseezeitung.de

29.02.2004
Hoyerwerda: Sag mir, wo die Menschen sind
Wenn man die Einwohnerentwicklung von Hoyerswerda betrachtet, fällt einem natürlich der Gesamt-Einwohnerverlust auf. Doch sieht es in den einzelnen Stadtgebieten dabei recht unterschiedlich aus, wie die aktuellen Strukturdaten der Stadtverwaltung zeigen. Beim ersten Silvester im wieder vereinten Deutschland ließen in Hoyerswerda 65.068 Einwohner das neue Jahr hochleben. Als die dann schon kreisfreie Stadt den Tag der Sachsen feierte, waren es am Jahreswechsel 1998 in der Kernstadt, also Alt- und Neustadt, noch 48.877 Menschen. Beim jüngsten Jahreswechsel lebten in der Kernstadt noch 39 425 Leute. 25 643 Personen haben ihr also von 1990 bis 2003 den Rücken gekehrt oder sind verstorben. Jährliche Zuzüge in der Größenordnung von 1.000 bis 1.500 Leuten konnten den Wegzug von jährlich 1.990 bis 4 580 Menschen nicht aufheben, die stetig sinkende Geburtenrate (2003: 224 Kinder) bei weitem nicht die Sterberate (2003: 507 Tote) auffangen. Immerhin sinkt die Zahl der Fortzüge seit drei Jahren. Sie war im vergangenen Jahr mit 2.050 Umzügen so klein wie seit zehn Jahren nicht mehr. Lediglich 1993 sagten noch weniger Hoyerswerdaer der Stadt an der Elster Lebewohl. Ob das tatsächlich eine länger anhaltende Tendenz ist, muss sich erst noch zeigen. Denn in den Jahren nach 1993 schnellten die Wegzug-Zahlen für lange Zeit gehörig nach oben. Wenngleich einige der Kernstädter den in den Neunzigerjahren angegliederten Ortsteilen zu Gute kamen. Zeißig konnte seine Einwohnerzahl von 1991 binnen zehn Jahren verdoppeln, Bröthen-Michalken legte um zwei Drittel zu, Schwarzkollm sogar noch etwas mehr. Insgesamt lebten am Jahresende 2003 in den fünf Ortsteilen rund 5.000 Menschen, das sind fast 11,1 Prozent der Hoyerswerdaer Gesamteinwohnerzahl. Und wenn die Hoyerswerdaer wegziehen, dann verlassen sie vor allem die Neustadt. Als Betrachtungszeitraum wählen die Statistiker für Hoyerswerda gern die Zeit ab 1994. Der immer schöner werdende Altstadtkern mit seinem sanierten Wohnraum legte in dieser Zeit bei der Bevölkerung um 48 Prozent zu. Die gesamte Altstadt (mit Neida und dem abgerissenen östlichen Elsterbogen) verlor dagegen insgesamt 7,2 Prozent der Bewohner. Doch das ist vergleichsweise wenig. In der Neustadt waren es sogar 37,6 Prozent. Das Stadtzentrum, wo bislang die meisten Hochhäuser abgerissen wurden, leerte sich um zwei Drittel, die Wohnkomplexe VIII und IX folgen mit jeweils rund 52 Prozent Einwohnerschwund. Der vor Ort sichtbare Unterschied ist, dass im WK VIII schon mehr abgerissen wurde als im Nachbarviertel. Von den absoluten Einwohnerzahlen her wohnen jetzt sogar im WK X mehr Menschen als in Wohnkomplex VIII oder IX. 1994 sah das ganz anders aus. Da lebten in den WK VIII und IX jeweils 2 000 Leute mehr als in Hoyerswerdas jüngstem Neubaukomplex, in dem noch nicht ein einziges Wohnhaus abgerissen wurde. Stark verloren (39,8 %) hat auch das WK III, wobei hier vor allem der später angebaute Bereich „IIIe“ blutete. Alle anderen Wohnkomplexe haben jeden vierten bis fünften Einwohner verloren. Allerdings sagen diese Angaben nichts über den stadtinternen Umzug aus, da ja viele Bewohner von Gebäuden, die dem Abriss geweiht sind oder bereits abgebrochen wurden, nicht unbedingt die Stadt verlassen (haben), sondern sich innerhalb Hoyerswerdas eine neue Bleibe such(t)en. Zur weiteren Entwicklung treffen die Strukturdaten freilich keine Aussage. Man kann nur schätzen, wie viele Menschen am 31. Dezember dieses Jahres oder eines der kommenden als Einwohner den Jahreswechsel in Hoyerswerda feiern.
www.sz-online.de

28.02.2004
Crimmitschau: Abriss oder nicht ist die Frage
Eine große Besucherresonanz herrschte am Donnerstag im Gartenheim „West“. Oberbürgermeister Holm Günther hatte zum Dialog mit den Bürgern, die vornehmlich aus dem westlichen Stadtteil und aus Rudelswalde kamen, eingeladen.
Besonders die Bewohner im hinteren Teil der Bebelstraße plagt die Ungewissheit, ob diese zum Teil noch unsanierten Wohnblöcke in naher Zukunft dem Erdboden gleich gemacht werden. Deshalb begann die Gesprächsrunde auch gleich mit der für diese Anwohner so wichtigen Thematik. „Es wäre wirklich schade, wenn diese Wohnblocks, die sehr schön gelegen sind, weggerissen werden. Wir haben einen Balkon und einen wunderbaren Ausblick. Viele derjenigen Mieter, die jetzt noch in den unsanierten Gebäuden wohnen, füllen mit Sicherheit auch nicht die fünften und sechsten Stockwerke anderer Häuser. Leider wurden unsere Blocks immer mehr zu Sozialwohnungen.“
„Trotz alledem muss die Lösung für uns eine andere sein als der Abriss“, forderte eine unmittelbar betroffene Anwohnerin. Viel Hoffnung machte das Stadtoberhaupt der Bürgerin allerdings nicht. Wurden bis 1989 auf Grund des großen Bedarfs viele Wohnungen errichtet und betrug die Einwohnerzahl der Stadt einmal um die 24.000, so muss gegenwärtig ein Schwund festgestellt werden. Günther offenbarte, dass es allein in der Kernstadt, wo ungefähr 18.000 Bürger zu Hause sind, etwa 1000 bis 1500 leer stehende Wohnungen gibt.
„Wir werden nach einer städteplanerischen Lösung suchen und uns dabei auch mit der CWG (Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft) und der WGC (Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau) zusammensetzen“, kündigte Günther an. Weiterhin verwies er auf große Wohngebiete in anderen Städten, wie beispielsweise Eckersbach und Planitz in Zwickau oder auch die Sorge in Werdau, wo unbewohnte Häuser bereits der Abrissbirne zum Opfer fielen.
„Wir müssen den Trend der leer stehenden Wohnungen entgegenwirken, denn das Netz der CWG und der WGC darf nicht zusammenbrechen. Wir haben im letzten Jahr begonnen, Wohnhäuser zurückzubauen und werden diesen Trend auch weiterhin fortsetzen“, verkündete er. Dabei will die Kommune aber verschiedene Gesichtspunkte mit in Betracht ziehen. So sollen zuerst Wohneinheiten mit den weitesten Ver- und Entsorgungssträngen abgerissen werden. Außerdem will man die leer stehenden Gebäude der Stadt von außen wegreißen, um im Stadtkern keine Narben zu hinterlassen.
Dabei könne es auch passieren, dass einmal ein sanierter Block aus ökonomischer Sicht mit abgerissen werden müsse, räumte Günther ein. Überprüfen wolle man in diesem Jahr außerdem, ob beispielsweise sechsgeschossige Wohnblocks unter bewohnten Bedingungen auf drei oder vier Geschosse zurückgebaut werden können und sich architektonisch der Umgebung anpassen. „Es ist heute schwierig eine schöpfende Auskunft zum Abriss zu geben. Eine Konzeption zum Rückbau ist auf jeden Fall vorgesehen, einen Beschluss gibt es definitiv aber noch nicht. Unsere Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten ist es, zu einer guten städtebaulichen und ökonomischen Lösung zu kommen, denn eine Stadt wie Crimmitschau verkraftet den Leerstand auf Dauer nicht.“ so der Oberbürgermeister.

www.freiepresse.de

27.02.2004
Finsterwalde: "Keine Baulücken in der Stadt"
Auch in Finsterwalde sollen Wohnungen insbesondere in den Plattenbausiedlungen zurückgebaut, das heißt abgerissen werden. Dazu habe die Gesellschafterversammlung der Wohnungsgesellschaft jetzt einen Beschluss gefasst, war von Bürgermeister Johannes Wohmann in dieser Woche bei einem Pressegespräch im Schloss zu erfahren. Danach sei die Wohnungsgesellschaft von der Stadt aufgefordert worden, in den nächsten zwei Monaten ein Konzept vorzulegen, welche Gebäude bzw. Gebäudeteile im Stadtgebiet abgerissen und wie dort Aufwertungsmaßnahmen erfolgen sollen. Wohmann betonte erneut: "Auch Finsterwalde kommt am Abriss von Plattenbauten nicht vorbei. Wenn wir dafür nicht endlich Konzepte auf den Tisch legen, können wir aus dem Stadtumbau-Programm aussteigen." Während die Gesellschafterversammlung den Beschluss hinter verschlossenen Türen fasste, wird das Thema Abriss von Häusern in zwei Wochen im Schloss öffentlich werden. Auf der Tagesordnung der Ausschüsse steht ein Papier der Koordinierungsgruppe Stadtumbau, das den scharfen Protest des Bürgermeisters hervorruft. Danach suche die Wohnungsgesellschaft die politische Zustimmung dafür, um mit Fördergeld 18 Gebäude in der Stadt abreißen zu können. "Nicht ein einziges Gebäude davon befindet sich in den Plattensiedlungen, die von der Koordinierungsgruppe selbst als Stadtumbaugebiet definiert wurde" , kritisiert Wohmann. Stattdessen stehe zum Beispiel das als Bäckerei Müller bekannte Gebäude mitten in der Stadt auf der Abbruchliste. "Mag sein, dass dieses Haus weg muss - aber nur, wenn an der Stelle ein neues gebaut und keine Baulücke hinterlassen wird" , erwartet der Bürgermeister. Er werde es nicht zulassen, dass in die historische Altstadt zunehmend Baulücken gerissen werden, während es für die Plattensiedlungen kein Abrisskonzept gäbe. Finsterwalde müsse vom Zentrum her verdichtet werden, verteidigt der Bürgermeister seine bekannte Position.
www.lr-online.de

27.02.2004
Land Brandenburg: Wegzug verteuert Lausitzer Fernwärme
Fernwärme ist im Osten durchschnittlich 20 Prozent teurer als im Westen. Die Lausitz und das Elbe-Elster-Land machen da keine Ausnahme. Doch es gibt erhebliche Preisunterschiede innerhalb der Region. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Anfang der 90er-Jahre galt die Stadt Forst in Sachen Fernwärme als besonders fortschrittlich. Weil eine alte Heißdampfanlage und marode Leitungen schnell ersetzt werden mussten, baute die Stadt ein mit Erdgas beheiztes Blockheizkraftwerk mit Kraftwärmekopplung. Geplante Wärmeabnahme: 40 Megawatt (MW). Verbraucht wird jetzt gerade mal die Hälfte. Anfang der 90er-Jahre galt die Stadt Forst in Sachen Fernwärme als besonders fortschrittlich. Weil eine alte Heißdampfanlage und marode Leitungen schnell ersetzt werden mussten, baute die Stadt ein mit Erdgas beheiztes Blockheizkraftwerk mit Kraftwärmekopplung. Geplante Wärmeabnahme: 40 Megawatt (MW). Verbraucht wird jetzt gerade mal die Hälfte. "Das Heizkraftwerk ist heute für uns viel zu groß", sagt Klaus-Dieter Krahl, Geschäftsführer der Stadtwerke Forst. "Wir sind durch die Entwicklung überrollt worden." Doch das Geld für die Anlage ist verbaut, die Kredite müssen bedient werden. Die Folge davon ist, dass die Neißestadt zu den teuersten Fernwärmestandorten der Region zählt. Das geht aus einem Vergleich des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer e.V. (VEA) hervor. Bei einem als Modell vorgegebenen bestimmten Jahresverbrauch kostet eine Megawattstunde (MWh) danach in Forst über 68 Euro, 13 Euro mehr, als im Durchschnitt in den neuen Bundesländern verlangt wird. Fast genauso teuer ist Fernwärme laut VEA-Statistik mit nur zwei Euro weniger pro Megawattstunde in Lübbenau. In Herzberg und Hoyerswerda werden dagegen nur rund 50 Euro dafür verlangt. Die Fernwärmeversorgung Cottbus liegt einen Euro unter dem Durchschnittswert der neuen Bundesländer, der 55 Euro beträgt. In den Altbundesländern zahlen Kunden für dieselbe Wärmemenge nur reichlich 46 Euro. Frank Steyer, Leiter der in Cottbus befindlichen Geschäftsstelle Ost der VEA, sieht keine Rechtfertigung für die seit Jahren gravierenden Differenzen zum Altbundesgebiet. Die Preise seien relativ subjektiv verhandelt worden, die Verträge hätten sehr lange Laufzeiten. Kommunen seien mit ihren Wohnungsunternehmen meist die größten Abnehmer am Ort, die Stadtwerke oder andere Wärmeversorger meist jedoch auch in kommunalem Besitz. Da würde nicht hart genug verhandelt, vermutet Steyer. "In unserer Kalkulation ist kein Spielraum mehr, das ist schon durch Einnahmen aus anderen Bereichen gestützt", hält der Forster Stadtwerke-Chef Klaus-Dieter Krahl dagegen. Besserung sieht er erst, wenn die neue Anlage abgeschrieben ist. "Nach 2005 liegt das Schlimmste hinter uns", hofft er. Als Beispiel dafür, dass hartnäckige Vertragsverhandlungen von Wohnungsunternehmen mit Versorgungsbetrieben doch zu günstigeren Konditionen führen können, nennt VEA-Geschäftsstellenleiter Steyer Guben. Dort wurde kürzlich ein neuer Wärmeliefervertrag mit der Wohnungsgenossenschaft geschlossen. Die anfängliche Forderung der kommunalen Energieversorgung Guben GmbH habe einen Preisanstieg von fast 20 Prozent vorgesehen. Dies sei nach langen Verhandlungen zurückgenommen worden, so Steyer. Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner versichert, er habe sich im Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens gegen die Preiserhöhung stark gemacht. Die Wärme werde aus einem neuen Heizwerk der Envia am Ort schon relativ teuer geliefert, hohe Verteilungsverluste durch marode Leitungen und Stadtumbau dürften nicht einfach auf die verbleibenden Kunden umgelegt werden. "Ich will den Preis stabil halten und dazu neue Wege gehen", verspricht Hübner. Erste Ideen dazu: Wärmegewinnung aus Sonnenenergie und Wärmepumpen. Auch in der Neustadt von Lübbenau, wo Fernwärme relativ teuer ist, wird ein neues Heizwerk nicht ausgelastet. Es musste 1996 gebaut werden, weil der frühere Wärmelieferant, das Kraftwerk Lübbenau, stillgelegt wurde. 1999 haben die Stadt- und Überlandwerke Luckau-Lübbenau die neue Anlage übernommen. Geschäftsführer Christoph Kalz schätzt die ungenutzte Kapazität heute auf etwa ein Drittel. Schon jetzt ist der Leerstand in den Lübbenauer Neubaublöcken groß. Wie viele davon abgerissen werden, steht noch nicht fest. Erst dann, so Kalz, könne auch das Leitungsnetz saniert werden und erst dann könnten vielleicht die Preise sinken. In Herzberg wurde das Heizwerk vor zehn Jahren rekonstruiert und umgebaut. Das ziemlich kompakte Leitungsnetz musste keine große Kundenabwanderung verkraften. Vermutlich deshalb gehören die Stadtwerke Herzberg, die im Herbst vorigen Jahres von der Envia übernommen wurden, zu den preiswertesten Fernwärmeanbietern der Region. Ebenso günstig wird Fernwärme trotz erheblichen Bevölkerungsschwundes in Hoyerswerda von den örtlichen Versorgungsbetrieben angeboten. Die verteilen Wärme, die sie aus dem neuen Kraftwerk im benachbarten Schwarze Pumpe beziehen. Doch der Wegzug vieler Einwohner hat auch hier schon Kosten und deshalb Preiserhöhungen ausgelöst. Die Hälfte der Verteilerstationen in Hoyerswerda musste abgebaut werden. Für den Cottbuser Stadtwerkechef Eberhard Walter war der Bau eines neuen Heizkraftwerkes in der Stadt trotz großer Anlaufprobleme die richtige Entscheidung. Dadurch verursachte Kosten seien jedoch bei den Stadtwerken "hängen geblieben" und nicht an das Tochterunternehmen Fernwärme weitergereicht worden. Fernwärmekunden sind jedoch meist auch Stadtwerkekunden in anderen Bereichen. Der Einwohnerschwund macht indes auch Cottbus zu schaffen. "Wenn wir später hätten investieren können, hätte das angepasster geschehen können", so Walter. Neben der selbst erzeugten Heizwärme wird in Cottbus noch Energie aus dem Kraftwerk Jänschwalde zugekauft. In Preisverhandlungen mit dem kommunalen Großvermieter der Stadt ginge es hart zur Sache: "Die wollen Nebenkosten senken, um ihre Wohnungen vermieten zu können." Neue Großkunden wie das Gefängnis in Cottbus-Dissenchen und die im Bau befindliche Vattenfall-Zentrale entspannen die Situation. Senftenberg hat vor vier Jahren ein neues mit Braunkohlestaub befeuertes Heizkraftwerk in Betrieb genommen. Der relativ stabile Kohlepreis ist nach Angaben von Stadtwerkechef Detlef Moschke trotz der hohen Investitionskosten eine Ursache dafür, dass auch der Wärmepreis stabil blieb. Der liege, so Moschke, in der Region "im guten Mittelfeld". Obwohl die Kapazität der Anlage knapp kalkuliert wurde, macht die Abwanderung auch Senftenberg zu schaffen. Seit fünf Jahren geht der Wärmeverbrauch zurück. Jetzt droht auch in der Bergarbeiterstadt eine Preiserhöhung. Leidtragende des Preisgefälles Ost-West bei den Heizkosten sind nach Einschätzung der VEA Privatkunden und Handwerksbetriebe. Als mögliches Investitionshemmnis für die Industrie spielten Wärmekosten im Osten keine Rolle, versichert Geschäftsstellenleiter Frank Steyer: "Bei Großabnehmern sind immer Sonderkonditionen möglich, da gibt es Verhandlungsspielraum."
www.lr-online.de,

27.02.2004
Land Brandenburg: Hoher Leerstand auf dem Land
Der Leerstand von Wohnungen in den brandenburgischen Dörfern ist größer als bisher angenommen. In Ortschaften mit weniger als 2000 Einwohnern können 22 600 Wohnungen nicht vermietet werden, berichtete gestern der Abteilungsleiter Wohnungsbau im Bauministerium, Gerhard Steintjes, auf einer Tagung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wohnungswirtschaft in Potsdam. In der nächstgrößeren Kategorie von Ortschaften zwischen 2000 und 5000 Einwohnern stehen noch einmal weitere 17 500 Wohnungen leer.
Damit rollt auf das Land ein Problem bislang unbekannter Dimension zu: Zuvor war man im Ministerium davon ausgegangen, dass in den Dorf-Plattenbauten nur 6000 Wohnungen leer stehen. Nicht zuletzt wegen des Leerstands musste bereits die Wohnungsbaugesellschaft Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) Insolvenz anmelden. Insgesamt sind in Brandenburg 164 000 Wohnungen nicht zu vermieten.
Das Geld aus dem Stadtumbau-Programm fließt jedoch erstmal nur in die 24 Städte Brandenburgs, in denen der Leerstand am drängendsten schien. Für das platte Land bleiben nur Töpfe wie der EU-Strukturfonds, der aber auch für andere Probleme wie die Denkmalpflege verwendet werden muss. "Die Mittel sind nicht ausreichend, das wissen wir auch", sagt der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Das Ressort ist zusammen mit dem Bauministerium für die Leerstandsprobleme auf dem Land zuständig. So sind in Haßleben (Uckermark) schon die ersten Blöcke gefallen.
In den Städten dagegen ist der Abriss in vollem Gange: 9000 Wohnungen sind bislang zerlegt worden, die meisten in Schwedt (Uckermark), Cottbus, Guben (Spree-Neiße) und Frankfurt (Oder). 2004 wollen die kommunalen Wohnungsunternehmen weitere 7000 bis 8000 Wohnungen vom Markt nehmen. Dementsprechend zufrieden äußerte sich Hans-Jörg Löther vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). "Der Start hat geklappt", sagte Löther. Wegen der großen Nachfrage hat das Ministerium schon die Mittel umgeschichtet und setzt die Stadtumbau-Gelder 2003 und 2004 ausschließlich für den Abriss ein. "Das heißt aber nicht, dass die Aufwertung nicht gefördert wird", sagt Abteilungsleiter Steintjes.
Insgesamt bezuschussen Bund und Land den Abriss von 48 000 Wohnungen bis 2009 mit 173 Millionen Euro. Für die Aufwertung der Städte stehen 260 Millionen Euro zur Verfügung. Bis 2010 wird der Leerstand in den äußeren Regionen des Landes deswegen laut BBU-Schätzung von zurzeit 18 Prozent auf zehn bis zwölf Prozent fallen.

www.MaerkischeAllgemeine.de

25.02.2004
Oer-Erkenschwick: Im April werden Hochhäuser in der Halluinstraße gekappt
Mit dem Rückbau beziehungsweise Teilabriss der Hochhäuser an der Halluinstraße soll nun Anfang April begonnen werden.
Der Baubeginn der rund 20 Millionen teuren Baumaßnahme hatte sich immer wieder verzögert. Zuletzt hatten Experten nicht unerhebliche Mengen an Asbest sowie PCB in den Hochbauten aus den 70er-Jahren entdeckt.
Umgehend eingeleitete Raumluft-Messungen in den noch bewohnten Teilen der Häuser ergaben aber keine gesundheitlichen Belastungen für die Mieter.
Belastet wird durch die Schadstoffe aber das Baubudget. "Die Baumaßnahme wird sich voraussichtlich um etwa zwei Millionen Euro verteuern," sagte gestern der Geschäftsführer der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft (VMW), Jörg Schwenzfeier gegenüber der WAZ. Dies haben die jüngsten Ausschreibungen ergeben. Die mussten noch einmal durchgeführt werden, weil bislang die Beseitigung des Asbest und des PCB nicht in den Aufträgen enthalten waren.
Die Ausschreibungen sind mittlerweile gelaufen. Die Angebote von drei Unternehmen liegen auf dem Tisch. Nun muss sich die VMW entscheiden wem sie den Zuschlag gibt. Schwenzfeier: "Ich rechne mit einer Entscheidung innerhalb der nächsten zwei Wochen.
Der Rückbau der Hochhäuser in der Innenstadt ist das Herzstück des Modellprojektes Stadtumbau-West, das mit rund sechs Millionen Euro bezuschusst wird. Mit dem Rückbau soll der Innenstadt nicht nur ein neues Gesicht sondern auch eine neue Struktur geben werden. In die Überlegungen mit einbezogen sind auch die Gestaltung der Zechenbrache, sowie das weitere Wohnumfeld.

www.waz.de

24.02.2004
Land Brandenburg: Weniger Brandenburger, mehr Schulden
Der Bevölkerungsrückgang in Brandenburg dürfte in den kommenden Jahren katastrophale Folgen für den Landeshaushalt haben. Das geht aus dem internen Bericht der Landesregierung über „Auswirkungen der demografischen Entwicklung“ hervor, die erstmals umfassend untersucht wurden. Die Ergebnisse übersteigen schlimmste Befürchtungen. So heißt es wörtlich: „Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Finanzlage Brandenburgs wären – ohne entsprechende Gegenmaßnahmen – dramatisch und würden in eine Haushaltsnotlage münden.“ Über Konsequenzen will die Landesregierung jedoch erst nach der Landtagswahl im Herbst 2004 entscheiden.
Dass Brandenburgs Bevölkerung von derzeit rund zwei Millionen Einwohnern bis 2020 um rund 181000 Menschen abnehmen wird, ist bereits länger bekannt. Das Land wird Jahr für Jahr rund 20000 Einwohner verlieren, der Bericht spricht von der „Größenordnung einer Kleinstadt“, weil mehr Menschen sterben als geboren werden. Im Jahr 2020 wird jeder vierte Brandenburger im Rentenalter sein.
Die Folgen für die Staatsfinanzen aber wurden jetzt erstmals detailliert berechnet: Denn weniger Einwohner bedeuten weniger Steuern und weniger Zuweisungen von Bund und Ländern. Für Brandenburg hieße das, dass das jährliche, schon jetzt nur über Kredite finanzierte Haushaltsdefizit von derzeit rund einer Milliarde Euro bis 2020 auf ganze 3,5 Milliarden Euro steigen würde. Jeder dritte Euro im Landeshaushalt wäre dann auf Pump finanziert – heute liegt dieser Anteil bei zwölf Prozent. Der Schuldenstand je Einwohner würde sich von derzeit 5886 Euro auf 20300 Euro mehr als verdreifachen, so der Bericht. Zum Vergleich: Berlins Pro-Kopf-Verschuldung liegt derzeit bei 14800 Euro. Werden bereits jetzt 16 Prozent der Steuereinnahmen Brandenburgs für Zinsen fällig, würden dies infolge des Bevölkerungsrückgangs im Jahr 2020 rund 40 Prozent sein. Für Investitionen blieben, so die Prognose, nur noch acht Prozent des Landeshaushaltes – jetzt sind es noch 21 Prozent.
Neben der Krise der Staatsfinanzen weist der Demographie-Bericht vor allem auf dramatische Folgen für die dünn besiedelten Randregionen hin, die schon seit Jahren am Bevölkerungsrückgang leiden: Bis zum Jahr 2020 werden sie 244000 Menschen verlieren – rund 15 Prozent der bisherigen Bevölkerung. Bis 2040 werden es sogar rund 350000 Einwohner weniger sein, da die natürliche Bevölkerungsentwicklung – also die Geburtenzahlen – fast nicht zu beeinflussen ist. Die Randregionen, so die Prognose des Berichtes, werden deshalb langfristig ein Drittel ihrer Bevölkerung verlieren. Dabei erwarten die Experten bei diesem Szenario sogar, dass sich die bislang hohe Abwanderung aus diesen strukturschwachen Regionen in den nächsten Jahren verringern wird – ganz einfach weil dort immer weniger junge und mobile Menschen leben werden.
Auch werden zahlreiche Einrichtungen und Dienste in den Randregionen an ihre „Tragfähigkeitsgrenze“ stoßen, so die Analyse: Kitas und Schulen schließen, die Ärztedichte sinkt weiter, Geschäfte machen dicht. Ein „vergleichender Blick in skandinavische Länder“ zeige jedoch, „dass auch in Zukunft eine ausreichende Infrastrukturversorgung für dünn besiedelte Landesteile Brandenburgs möglich ist“, heißt es. Doch welche Maßnahmen dafür und gegen den Haushaltsnotstand eingeleitet werden müssten, lässt der Bericht offen. Eine Arbeitsgruppe soll bis Herbst konkrete Vorschläge erarbeiten.
www.tagesspiegel.de

24.02.2004
Saarland: Sterben die Saarländer aus?
Die Einwohnerzahl schrumpft, zurück bleiben verwaiste Wohnblocks, geschlossene Bäder, leere Busse und Geschäfte ohne Kunden: Was in mancher ostdeutschen Kommune schon Wirklichkeit ist, wird nach Ansicht von Experten in den nächsten Jahrzehnten die meisten deutschen Städte prägen. "Der Club der wachsenden Gemeinden wird kleiner und kleiner werden", sagt der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Heinrich Mäding.
Im Westen steige die Bevölkerungsdichte noch, doch nach 2015 könnten auch hier nur wenige Städte mit einer stabilen Einwohnerzahl rechnen. "Am Ende wird sich nur eine Hand voll Städte halten", so Mäding. Über die Ursachen des Schrumpfens sind sich die Statistiker weitgehend einig: Es sind vor allem die geringen Geburtenzahlen. So sollen bis 2050 in Deutschland nur noch zwischen 60 und 70 Millionen Menschen leben statt heute 82 Millionen. Daneben spielen Wanderungen innerhalb Deutschlands und Umzüge in die Vororte eine Rolle. Die zu erwartenden Einwanderer gleichen diesen Trend in den Städten mittelfristig nicht mehr aus. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre Bewohner älter werden.
Im Saarland stellt sich das Problem noch in verschärfter Form dar. Es weist nämlich den höchsten "Altenquotienten" aller Bundesländer auf. Ende 2002 standen 100 Saarländern im Alter von 15 bis unter 65 Jahren im Schnitt 32 im Alter von über 65 Jahren gegenüber. Der Bundesdurchschnitt beträgt 28. Noch im Jahr 1999 hatte der Altenquotient im Saarland nach Angaben des Bielefelder Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) bei 27 gelegen, der Bundesdurchschnitt bei 24. Während der Altenquotient im Bundesdurchschnitt im Laufe der 90er Jahre um 9,4 Prozent gestiegen war, hatte diese Größe im Saarland im gleichen Zeitraum um 16 Prozent zugenommen. Der Trend wird sich künftig in dramatischer Weise fortsetzen: Waren nach Angaben des Statistischen Landesamts im Jahr 2001 noch 26,1 Prozent aller Saarländer älter als 60 Jahre alt, werden es im Jahr 2050 wohl über 36 Prozent sein.
Dieser Trend wird durch die stark rückläufige Zahl der Geburten im Saarland untermauert: Nachdem im Jahr 1990 noch 11210 Geborene im Land standesamtlich beurkundet worden waren, waren es 2002 nur noch 7879 und im ersten Halbjahr 2003 gerade noch 3638, was aufs Jahr hochgerechnet einer Zahl von 7276 entspräche. Dabei hatte das Saarland nach den Worten von Johannes Barth vom Statistischen Landesamt schon in den vorangangenen Jahren eine im Vergleich zu anderen alten Bundesländern "auffallend geringe Geburtenrate" aufgewiesen. Im Jahr 2002 lag die Geburtenziffer, also die Anzahl der Kinder, die von 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren geboren werden, bei 1,23, während der Bundesdurchschnitt bei 1,4 lag. Nachdem die Zahl der Sterbefälle im Jahr 1990 um 1632 höher lag als die Zahl der Geburten, erhöhte sich dieses so genannte Geburtendefizit im Jahr 2002 bei 4492. Johannes Barth rechnet sogar damit, dass diese Zahl im Jahr 2003 erstmals die 5000er-Marke erreichen wird.
Der bundesweit zu beobachtende Bevölkerungsrückgang werde das Saarland daher besonders stark treffen, prognostiziert Barth. Schon jetzt ist diese Entwicklung spürbar. Seit Ende 1995 - damals lebten noch 1084370 Menschen an der Saar - hat das Saarland Jahr für Jahr kontinuierlich Einwohner verloren. Am 30. Juni 2003 hatte das Saarland nur noch 1062756 Einwohner. Nach vorliegenden Modellrechnungen wird die Bevölkerungszahl des Landes bis zum Jahr 2050 auf 780000 zurückgehen, was einer Verringerung um über ein Viertel entspricht.
Auch die Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland - sie ist bei dieser Prognose bereits mitberücksichtigt - dürfte an diesem Trend nichts ändern. Nach Meinung von Barth könnte das Saarland damit unfreiwillig Modellregion in Deutschland werden. Denn an der Saar setzen die bundesweit zu beobachtenden Änderungen in der Altersstruktur schneller ein als in anderen Bundesländern. Mit dramatischen Konsequenzen für die Saar-Kommunen: "Schrumpfung und Alterung erlauben keine großen Sprünge", sagt Professor Mäding. Einerseits muss bei einem wachsenden Anteil von Senioren in Infrastruktur für Pflege und Betreuung investiert werden. Zudem bedeutet Schrumpfung leere Wohnungen und Läden, das Aus für viele Schulen und Schwimmbäder. Andererseits eröffnet die sinkende Einwohnerzahl aber auch Chancen - weniger Abgase und Lärm oder mehr Platz in Wohnungen und ganzen Vierteln sowie Möglichkeiten zum Abriss hässlicher Siedlungen.

www.sol.de

24.02.2004
Landkreis Meißen: Stirbt der Landkreis langsam aus?
Der Landkreis Meißen stirbt langsam aus. Aus Meißen und Coswig sind die Bürger tausendfach weggezogen. Die alten Leute bleiben, die jungen ziehen der Arbeit hinterher. Nur Radebeul und Weinböhla haben unterm Strich Zuwächse.
Im Landkreis Meißen ist die Bevölkerung seit 1991 von fast 155 000 auf heute 151 000 Bewohner geschrumpft. Eine Prognose des Statistischen Landesamtes besagt jetzt, dass 2020 nur noch knapp 124 000 Menschen im Landkreis leben. Für die Kommunen sind das finstere Aussichten. „Die Entwicklung ist ein Fass ohne Boden“, sagt Toralf Schmolny, Referent des OB in Coswig. Mit gravierenden Folgen: „Je stärker die Einwohnerzahl sinkt, desto weniger Geld bekommen wir von Bund und Freistaat“, so Schmolny. Der Nossener Hauptamtsleiter Gunter Händel, der in seiner Stadt ebenfalls starke Rückgänge verzeichnet, warnt: „Öffentliche Angebote wie Schulen und Kindergärten stehen auf der Streichliste, falls der Trend nicht gestoppt wird.“
In Meißen ist der Rückgang am dramatischsten: Die Bürger sind aus der Porzellanstadt in den 90er Jahren geflohen: Lebten 1991 noch an die 35 000 Menschen in der Porzellanstadt, ging die Einwohnerzahl seit der Wende auf unter 29 000 Bürger zurück. Kulturreferentin Renate Fiedler begründet den Einwohnerschwund mit der desaströsen Lage auf dem Meißner Arbeitsmarkt, der jahrelang schlechten Infrastruktur und dem hohen Anteil alter Menschen in der Stadt. „Es gab bis Ende der 90er Jahre viele Entlassungen, vor allem in der Keramikindustrie“, sagt sie. Außerdem seien viele Bürger in den 70er Jahren in die Coswiger Platten-Neubauten gezogen. Jetzt sieht die Kulturreferentin die Porzeallanstadt aber im Aufwind: Seit 2001 stabilisiere sich die Bevölkerungszahl.
Auch Coswig leidet unter dem Bevölkerungsrückgang. Toralf Schmollny: „Es sterben weit mehr Coswiger als neue geboren werden, und es gibt nur wenige Zuzügler, weil es keine Bebauungsflächen für moderne Wohngebiete gibt.“ Die Plattenwohnungen am Spitzgrund und an der Dresdner Straße seien trotz Sanierung bei jungen Leuten verpönt.
Bebauungsflächen gab es in Weinböhla nach der Wende ausreichend. Viele ehemalige Gärtnerei-Anlagen wurden in Wohngebiete umgewandelt. Mit Erfolg: Zusammen mit Radebeul ist die Gemeinde Weinböhla der Ort mit den kräftigsten Zuwächsen. Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts stieg die Bevölkerung um mehr als 2 500 Bürger. Auch den Radebeulern sind Probleme wie in Meißen und Coswig unbekannt. Dort hat sich die Einwohnerzahl wie in Weinböhla stetig vergrößert. Stadtsprecherin Ute Leder wehrt sich gegen Behauptungen, Radebeul profitiere ausschließlich durch seine Nähe zu Dresden. „Wir bieten hervorragende Wohnlagen, viele Arbeitsplätze und ein angenehmes Lebensgefühl“, sagt sie. Gleich nach der Wende seien Kita-Plätze geschaffen worden, was außerdem junge Familien angelockt habe.
In den kleineren Gemeinden und Städten im Landkreis, die von Dresden weiter entfernt sind, blieben die Einwohnerzahlen relativ stabil. In Nossen und Lommatzsch gehen sie jedoch deutlich zurück. Gunter Händel: „Es sieht dramatisch aus, wenn man in die Zukunft blickt.“ Vor allem fehlten Arbeitsplätze. Junge Leute kommen nicht. Wer noch da ist, muss wegziehen. Wie Weinböhla und andere Gemeinden im Kreis habe Nossen durch neue Wohngebiete versucht, Bürger anzulocken. Der Erfolg war nur kurzfristig. Ein zweites Bauprojekt am Augustusberg wurde mangels Nachfrage abgeblasen. „Wenn Nossen nur noch von Alten bewohnt wird, kommen überhaupt keine jungen Leute mehr“, sagt Händel.
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23.02.2004
Bundesregierung will Planungssicherheit für Stadtumbau Ost
Die Bundesregierung will sich weiter für Planungssicherheit beim Stadtumbau Ost einsetzen. Wie Iris Gleicke , Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium, am Montag in Chemnitz sagte, stehen bis 2009 insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro für das Stadtumbauprogramm zur Verfügung.
Die bislang erreichten Ergebnisse beim Umbau der einstigen DDR-Plattenbaugebiete bestätigten, dass das bisherige Vorgehen, Mittelbewilligungen unabhängig von der aktuellen Haushaltlage zu erteilen, richtig gewesen sei. «Damit haben wir den Kommunen und den Wohnungsbauunternehmen die Sicherheit für ihre Arbeit gegeben, die an diesem Punkt unbedingt notwendig ist», betonte Gleicke. Denn Stadtumbau sei nicht nur eine Frage von Abriss oder Rückbau von Wohnungsbeständen sondern betreffe immer auch das Versorgungsumfeld wie soziale Einrichtungen, Handel sowie Strom-, Wasser- und Wärmedienstleister mit. Daher müssten die Kommunen in die Lage versetzt werden, an ihrer Stadtentwicklung langfristig arbeiten zu können.
Allein im Chemnitzer Plattenbaugebiet «Fritz Heckert» sollen in den kommenden Jahren weitere 9000 Wohungen zurückgebaut werden. Gut 2400 Wohneinheiten wurden dort nach Angaben der Stadt in den vergangenen Jahren bereits zurückgebaut. Das Chemnitzer «Heckert-Gebiet» zählte zu DDR-Zeiten mit rund 32 000 Wohnungen zu den größten Plattenbaugebieten in Ostdeutschland.

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23.02.2004
Stadtumbau Ost gewinnt weiter an Fahrt
Landtagsabgeordnete Martina Gregor nahm stellvertretend für den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Alwin Ziel, an einer zweitägigen Konferenz der Städtebau- und Wohnungsbaupolitischen Sprecher in Dresden teil. "Der Stadtumbau Ost gewinnt weiter an Fahrt" , lautet das Fazit der Parlamentarierin. Nach dem Ende der Blockade des Bundeshaushalts durch den  Bundesrat würden die strukturellen Probleme der ostdeutschen Wohnungswirtschaft wieder mit voller Kraft angegangen werden. Verkündet wurde, dass für die so genannten Altschuldenhilfemittel, die der Bund den Not leidenden Wohnungsunternehmen zur Verfügung stellt, in diesem Jahr mindestens 280 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. "So gewinnen die Unternehmen wirtschaftliche Spielräume, um sich finanziell besser bewegen zu können" , stellt Martina Gregor fest. Die SPD-Politikerin will sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Stadtumbau Ost in Brandenburg kein reines Abrissprogramm, sondern zu einer beispielhaften Aufwertung des verbleibenden Wohnungsbestandes und -umfeldes wird. "Die Geltungsdauer der Verwaltungsvereinbarung für den Stadtumbau Ost sollte auf zwei Jahre erhöht werden" , so Martina Gregor. Die Besichtigung eines gelungenen Projektes mit Modellcharakter in der "Kräutersiedlung" Dresden-Gorbitz stand ebenso auf der Tagesordnung der Konferenz wie der Erfahrungsaustausch der Vertreter aus mehreren Bundesländern sowie Gespräche mit Vertretern der Wohnungsunternehmen.
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22.02.2004
Zwickau: Fliegerbauer will kreativen Modehof gründen
Mit einem Avantgarde-Modehof will Immobilien-Mogul Kurt Fliegerbauer junge Kreative aus den Bereichen Mode, Design und Kunsthandwerk ins Zwickauer Stadtzentrum locken. Das hat der bekennende Scientologe am Mittwoch im Rahmen eines Bau-Forums zum Thema Stadtumbau in der Industrie- und Handelskammer bekannt gegeben. Wie er erläuterte, wendet sich sein Angebot vor allen Dingen an Absolventen der Schneeberger Außenstelle Angewandte Kunst der Westsächsischen Hochschule. Dort weiß man nach Fliegerbauers Angaben allerdings noch nichts von seinem Ansinnen.
Über den genauen Standort des Modehofs, in dem er den jungen Existenzgründern nach eigenen Angaben Gewerberaum zu konkurrenzlos günstigen Mietkonditionen anbieten will, hüllt sich Fliegerbauer noch in Schweigen.
www.freiepresse.de

22.02.2004
Aschersleben: Wissens-Dorado Bestehornpark
Der Name ist neu, das Ziel nicht. Der veränderte Name des Optima-Projektes: Bestehornpark Aschersleben. Das alte Ziel: Die Stadt zu einem Bildungsstandort zu entwickeln. Die Aufgabe lässt Titanenarbeit erahnen. Doch bietet sie die Chance, auf einem 2,7 Hektar großen Gelände inmitten der Stadt echten Stadtumbau zu betreiben und das Stadtbild nachhaltig zu verbessern. In einer fast zweistündigen Präsentation haben städtische Mitarbeiter den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses die neuen Pläne für die innerstädtische Industriebrache vorgestellt. Nachdem das Forschungs- und Entwicklungszentrum an dieser Stelle gestorben ist (die MZ berichtete), mussten ein radikaler Schnitt und ein Neuanfang her.
Einige repräsentative Gebäude wie die Postvilla, die Villa Nummer 5 in der Bestehornstraße, das Hauptgebäude mit seiner Hecknerfassade und das eindrucksvolle Ensemble mit dem Dreibogentor und dem Turm sollen saniert werden, desolate Gebäude dagegen verschwinden und Platz schaffen für Neues. Das Vorhaben ist eingeteilt in acht Einzelprojekte. Bis 2010 soll sich der einstige Großbetrieb zu einem Standort für Bildung mausern, auf dem sich mindestens sechs Bildungsträger angesiedelt haben.
Ganz konkrete Vorstellungen gibt es zum Beispiel schon für das Gebäude Bestehornstraße 5: Es soll Teil eines innenstadtnahen Ganztagsschulkomplexes für Montessori- und Christliche Grundschule werden. Bereits im September 2006 sollen hier 140 Schüler einziehen können. Für das Hauptgebäude mit seiner imposanten Fassade gibt es zwei Optionen, die sich nicht ausschließen. Die Stadt hält der Fachhochschule der Polizei noch immer die Möglichkeit offen, hier einzuziehen. Außerdem soll eine weiterführende Schule in freier Trägerschaft hier oder in einem Neubau ihren Platz finden.
Die Stadträte reagierten positiv auf die Präsentation. "Das Tempo wird sicherlich bestimmt von den Finanzierungsmöglichkeiten", so Heinz Werner Rossa  mit Blick auf den Zeitplan. Bis spätestens zum Jahr 2010 sollen die einzelnen Projekte abgeschlossen sein. "Aber mit dem Wema Werk I haben wir gezeigt, dass es möglich ist", meinte er. In unserer Ausgabe am Sonnabend berichten wir ausführlich.

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22.02.2004
Die Beseitigung des Bauschutts
Freiburg, jenes sonnige im Breisgau ist gemeint, hat es schlau angestellt. Kaum waren die Amis weg mit ihrem ganzen Kriegsgerät, haben sie deren bauliche Hinterlassenschaften - nein, nicht weggeräumt - sondern sehr preiswert vermietet an Existenzgründer. Im Handumdrehen waren die Garagen vermietet.
Rolf Kyrein, Volkswirt mit Lehraufträgen an der TU München und der TU Berlin und mit Erfahrung auf dem Immobilienmarkt, ist von solchen Beispielen begeistert: Mehr Phantasie verlangt er, mehr Begeisterung. Im Osten stehen Abertausende Wohnungen leer und verfallen? Kein Problem: Wenn ab Mai die Polen EU-Angehörige sind, verschenke man die Häuser an sie.
"Wem gehört die Stadt? Eigentum versus Aneignung" war der nunmehr fünfte Diskurs im Bauhaus zum Thema "Schrumpfende Städte" überschrieben. Das Phänomen lässt sich fast überall im Osten (und in einzelnen Orten in den alten Bundesländern) beobachten. Und nicht alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, wollen an solche Lösungsansätze glauben.
Matthias Bernt vom Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig gehört dazu. Er ist überzeugt, dass sich das Problem nicht durch Einwanderung in strukturschwache Regionen beheben lässt. Die Dessauer Stadtplanerin Birgit Schmidt springt ihm bei, wirft Kyrein indirekt vor, die Situation zu verharmlosen.
Was aber die Runde vor allem spaltete, war die Frage, wie das Eigentum innerhalb des Stadtumbauprozesses zu bewerten ist. Man kann das ganz nüchtern tun wie Stefan Weber von der Sächsischen Aufbaubank, der das Stadtumbauprogramm schlicht als "bezahlte Bauschuttbeseitigung" bezeichnet. Wie die verlaufe, so seine Überzeugung, könnten Stadtplaner alleine nicht steuern, hier müsse die Stadt insgesamt ihren Willen bekunden - und städtische Immobiliengesellschaften vor allem Häuser vom Markt nehmen.
Genau mit dieser Perspektive will sich Matthias Bernt vom Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig nicht so leicht anfreunden. Damit würden einzelne Grundstückseigentümer bevorzugt - auf Kosten der Gesellschaft. Die Weitergabe von Verlusten, die Kyrein Vernichtung von Werten nennt, ließe sich nicht dialogisch lösen.
Jedenfalls nicht, wenn es beim eng gefassten Grundeigentumsbegriff bleibt. Dieser müsse weiterentwickelt werden, der Gedanke der Nachhaltigkeit, der Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft müsse stärker in den Vordergrund treten, so Wolfgang Kantzow (TU Berlin). Eine These, die auch der Architekt Philipp Oswalt stützt. Eigentum und Nutzung müssten entkoppelt werden, solle der Stadtumbau gelingen, so eine seiner Thesen, weshalb er eine stärkere Nutzung des Erbpachtrechts empfiehlt. Und als Druckmittel für Eigentümer empfiehlt er eine reformierte Grundsteuer: Wer sein Eigentum nicht bewirtschaftet, wird besonders kräftig zur Kasse gebeten

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21.02.2004
Luckenwalde: Pilotprojekt in der Diskussion
Die Neugestaltung des Luckenwalder Bahnhofs ist bei der Landesregierung als Pilotprojekt für den Stadtumbau angemeldet. Die Stadt will damit zusätzliche Mittel des Landes erwirken, um aus dem Schandfleck inmitten der Stadt eine neue öffentlich genutzte Stätte zu schaffen. Um die grundsätzliche Bereitschaft des Landes abzuklopfen, gab es einen Termin beim Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr. "Generell steht man dem Projekt wohlwollend gegenüber, wir müssen aber noch Hausaufgaben machen", fasste Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide das Ergebnis zusammen.
Mit anderen Worten: das Land will ein Nutzungskonzept und die Sicherheit, dass eine breite politische Mehrheit hinter dem Projekt steht. "Ziel ist es, dass die Stadtverordneten einen Grundsatzbeschluss darüber fassen, dass die Stadt den Bahnhof von der Bahn kauft und entwickelt", sagte Peter Mann, amtierender Planungsamtsleiter der Stadt, gestern gegenüber der MAZ.
Am 9. März um 18 Uhr wird es im Saal des Luckenwalder Rathauses einen öffentlichen Workshop der Stadtverordneten zum Thema Bahnhof geben. "Dort werden wir unsere Planungen vorstellen und am Modell präsentieren", kündigte Mann an. Ziel ist, noch in diesem Jahr die so genannte Fuge - einen externen Zugang zu den Bahnsteigen - zu schaffen und 2005 die Hüllensanierung in Angriff zu nehmen. "Die Planungen für den Innenraum sehen vor, ihn zum Großteil als Bibliothek zu nutzen", erläuterte Mann. Daneben gebe es eine Vielzahl anderer Nutzungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Serviceeinrichtungen für den Nahverkehr.
"Bis zum Workshop liegen auch die Kostenschätzungen vor", sagte der Planungsamtschef. Er geht derzeit von benötigten 500 000 Euro für die Fuge, 1,5 Millionen Euro für die Hüllensanierung und einer Million Euro für den Innenraum aus. Wie viel das Land noch locker machen wird, hänge vom Nutzungskonzept der Stadt ab. In der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 16. März soll das Thema Bahnhof auf der Tagesordnung stehen. Dort hofft die Bürgermeisterin auf Rückendeckung der Fraktionen und einen entsprechenden Beschluss.

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20.02.2004
Wittenberge:  Statt Plattenbauten Familienhäuser
Als im Frühjahr 2003 der erste Wohnblock in Nord abgerissen wurde, war das der Anfang vom Ende dieses Wohngebietes, auch wenn der WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn das damals noch nicht so formulierte.
Heute sagt der erste Mann in der Wohnungsbaugesellschaft - diese ist übrigens eine 100prozentige Tochter der Kommune - dass bis zum Jahresende, spätestens aber bis Mitte 2005 die letzten 96 Wohnungen in den Plattenneubauten abgerissen sein werden. Der Stadtumbau Ost macht es möglich, denn der Rückbau der insgesamt 358 Wohnungen wird mit 60 Euro pro Quadratmeter gefördert.
Die Kommune hat keine Wiederbebauungspläne für das Areal, auf dem dann als einziges das Altenpflegeheim "Willi Kupas" und die wenigen dazu gehörigen Wohnungen zurückbleiben.
Eine Vision könnte sein, so Stadtbauamtschef Ulrich Siodla, dort Eigenheime zu errichten. "Aber", so meinte er, "die Kommune wird dort nicht tätig werden." Statt der großen Plattenbauten wird es also künftig vor allem grüne Wiese geben.
"Nord ist ein sehr schönes Gebiet für Eigenheime", wenn die großen Wohnblocks abgerissen sind, ist sich Uwe Dinnebier sicher. Von der Stadt hatte er als Investor an der Lüneburger Straße Grundstücke erworben. Vier sind mittlerweile bebaut. Sechs sind noch frei, aber sämtlichst zu bebauen, wenn die Plattenbauten nicht mehr stehen, erklärt Dinnebier. Denn die direkte Nähe der letzten Bauflächen zu den großen Blöcken hätten diesen Standort nicht attraktiv gemacht. Jetzt, so ist sich der Investor sicher, wird es an Bauwilligen nicht fehlen. Zwei Gründe nennt Dinnebier: Er habe das Areal zu günstigen Konditionen von der Kommune erworben und wolle diese an Bauherren weitergeben. Außerdem biete sich der Standort für Eigenheime direkt an, da sich ja in unmittelbarer Nähe eine Siedlung befinde.
Während der Investor die Bauwilligen ermuntert, klärt und plant die Wohnungbaugesellschaft den Umzug ihrer noch verbliebenen Mieter in Nord. Sozial problematisch, daraus macht Diehn keinen Hehl, stellt sich in den letzten Jahren zunehmend das besagte Wohnhaus am Willi-Kupas-Pflegeheim mit seiner großen Zahl an Ein-Raum-Wohnungen dar. 60 Prozent der 96 Wohnungen sind noch belegt. Aber, so Diehn, von den Mietern hätten 20 Prozent Mietschulden. Die WGW wird ihnen kündigen. Den anderen Mietern werde in innerstädtischen Gebieten Wohnraum angeboten. Aber, das unterstreicht der WGW-Geschäftsführer, in verschiedenen Bereichen, so dass nicht alle Mieter aus diesem großen Block gemeinsam irgendwo wohnen.

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20.02.2004
Wurzen: Abrissbagger greift wieder zu
"Auch in der Goethestraße setzen wir den so genannten Rückbau fort", sagt Oberbürgermeister Jürgen Schmidt. Am Mittwoch war er mit einer Delegation in der Stadt unterwegs, um sich vor Ort mit eigenen Augen ein Bild zu machen. "Sachsens Innen-Staatssekretär Dr. Buttolo will Wurzen bekanntlich als Modellprojekt für den Stadtumbau Ost betreuen. In diesem Sinne gehörten der Gruppe am Mittwoch Vertreter des sächsischen Innenmisteriums, der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehörde sowie des Landesamtes für Denkmalschutz an. Gemeinsam haben wir die Abriss-Anträge der Wurzener Wohnungsgesellschaft beraten und die Objekte besichtigt."
So passierten die Fachleute unter anderem die Rathenau, Goethe-, Schiller-, Liebknecht- und Dresdener Straße.
"Schon in der unserer kleinen Exkursion voran gegangenen Beratung im Stadthaus ging es uns darum, Kompromisse zwischen dem notwendigen Rückbau lange leer stehender Wohnsubstanz und dem Erhalt ganzer Straßenzüge unter städteplanerischen Gesichtspunkten zu finden", erklärt Jürgen Schmidt. "Wir wollen Lösungen finden, um den unausweichlichen Abriss zu befördern, ohne aber das Stadtbild zu verunstalten."
Das Hauptproblem dabei sei, dass sich für durchaus erhaltenswerte Gebäude keine Mieter fänden. Und die Banken, auch außerhalb Wurzens, rückten derzeit keinen Euro für die Sanierung maroder Häuser heraus. "Wir haben uns als Stadtverwaltung intensiv, aber bisher ohne Erfolg um Kredite bemüht. So ist aus finanzieller Sicht leider noch keine Lösung für die Rekonstruktion erhaltenswürdiger Häuser in Sicht."

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20.02.2004
Görlitz: Die sterbende Stadt
Gleich am Bahnhof fängt es an. Das „Hotel des Handwerks“ steht leer, der Gründerzeit-Wohnungsblock gegenüber ebenfalls. Und wer von hier aus die Berliner Straße Richtung Zentrum entlanggeht, kommt am Problem der Stadt Görlitz buchstäblich vorbei. Das Plakat „Sanierungsobjekt in bester Innenstadtlage zu verkaufen“ hat sichtbar noch keinen Investor gelockt, die „Merkur-Drogerie“, noch mit DDR-Schriftzug, steht wohl schon länger „zu vermieten“, und im Görlitzer Hof gibt es längst keinen Frühschoppen mehr. Doch es gibt auch den neuen Hosenladen, die Pizzeria, die Apotheke – nur die Fenster der Wohnungen über den Geschäften sind leer.
In der Neiße-Stadt stehen von 40 000 Wohnungen derzeit 10 000 leer, im Jahr 2015 werden es 15 000 Wohnungen sein, wenn man nichts unternimmt. Besonders betroffen sind Gründerzeithäuser, von denen 40 Prozent ohne Mieter sind – und da zeigt das Etikett „vollständigstes erhaltenes Gründerzeit-Quartier in Deutschland“ seine Kehrseite. Zu DDR-Zeiten wohnten noch 82 000 Menschen in Görlitz, 1990 waren es noch 72 000. Heute zählt man zirka 60 000, die Prognose lautet 54 000 Einwohner im Jahr 2015. Solcher Schwund sei „bisher ja undenkbar gewesen, die Städte wuchsen immer“, stellt Bau-Bürgermeister Stefan Holthaus fest. Was in Görlitz derzeit passiere, treffe alle ostdeutschen Städte und „wird auch die westdeutschen Städte betreffen“. Und Stadtplaner Lutz Penske illustriert anschaulich: Bei einer Fachtagung hätten ein westdeutscher Kollege und er „die gleichen Folien gehabt, aber unterschiedliche Folgerungen“ gezogen: Sanieren (West), Rückbau (Ost).
Die Situation in Görlitz hat dabei einige Besonderheiten: So startete man zur Wende mit der Hypothek von 5000 leer stehenden Wohnungen, überwiegend in der historischen Altstadt. In der sanierten „nur ein paar Enthusiasten“ Häuser, der Rest verkam, die Menschen – vor allem junge, starke Familien – zogen in die Plattenbausiedlungen im Norden und Süden der Stadt. Zurück blieben die Alten und Schwachen, die sich „keine neue Wohnung in der Platte erkämpfen konnten“, so Penske. Und im „Tal der Ahnungslosen“ ohne Westfernsehen – Dresden-Görlitz-Zittau-Bautzen – wurden besonders viele Ausreiseanträge gestellt.
Mit der Wende kam dann der Wegfall von Arbeitsplätzen beim Kraftwerk, im Tagebau und bei der Textilindustrie hinzu, die Menschen zogen der Arbeit nach, und die Zahl der Geburten ging „ungebremst“ nach unten: Die Sterberate übertrifft die der Geburten um 35 Prozent, nur langsam steigen die Geburtenzahlen wieder an.
Heute sind größere Arbeitgeber in Görlitz Siemens, wo mittelgroße Turbinen gebaut werden, Bombardier (Waggonbau), eine Brauerei, Handwerk und Gewerbe. 1989 gab es in Görlitz noch 37 000 Beschäftigte, heute sind es gerade noch 21 000. Die Stadtverwaltung als einer der größten Arbeitgeber leistet es sich, weit über Bedarf Jugendliche auszubilden, die mit einer Abschlussnote von mindestens 1,9 einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen. So will man junge Leute in der östlichsten Stadt Deutschlands halten.
War die Altstadt, die heute komplett unter Denkmalschutz steht, früher „No-go-Area“, ist sie heute der beliebteste Stadtteil. Die historischen, sanierten Häuser sind wieder attraktiv, Grünflächen, Läden, Kneipen entstanden. Insgesamt wurden in vier Gebieten etwa 60 Prozent des Bestandes saniert, bis Ende 2003 mit 112 Millionen Euro aus der Städtebauförderung finanziert, 27 Millionen Euro brachte die Stadt selbst auf.
Doch die neue Attraktivität der Innenstadt wurde zum Problem der Platten- und Blockbausiedlungen Wiesehügel und Königshufen: Sie altern mit ihren Bewohnern von Jahr zu Jahr, es gibt keine Bewegung. Aber auch hier gibt es keine einfachen Antworten: Für alte Menschen kann eine Plattenbauwohnung mit Aufzug sehr viel besser geeignet sein als ein historisches Haus. „Und wenn jemand dort mit Apotheke, Bank, Lebensmittelladen alles auf kurzem Weg hat, was soll ihn dann in die Innenstadt ziehen?“, fragt Stefan Holthaus.
Zwischen beiden Polen stehen die Gründerzeithäuser, die entstanden, als weit vor der Altstadt der Bahnhof gebaut wurde und diese Häuser die Lücken schlossen. Hier stehen 40 Prozent der Wohnungen leer. „Das war der erste industrielle Wohnungsbau“, so Holthaus, „da hat eine Etage so viel Fläche wie ein Haus in der Altstadt.“ Das müsse man erst mal mit Leben füllen: „Lösungen hat noch niemand, da muss man quartierweise, Haus für Haus entscheiden, was das Richtige ist.“ Schließlich sei man auch sicher, dass nicht für jede leere Wohnung wieder Mieter zu finden seien. „Und wir sind auch so nicht blauäugig, dass die Aufwertung der Gründerzeitbauten so leicht wie in der Altstadt werden wird.“
Auch Grundsätzlicheres ist für Stadtplaner Lutz Penske zu bedenken: „Muss man Arbeiter-Schlichtwohnungen aus den dreißiger Jahren unbedingt erhalten, oder reicht es, sie zu dokumentieren und dann vom Markt zu nehmen?“ Kulturgut wolle man natürlich retten, aber nicht jedes Denkmal um jeden Preis: „Man muss Wertigkeiten setzen.“ Bürgermeister und Planer sind sich einig, dass Stadtumbau ein Riesenprozess von zehn bis 30 Jahren ist: „Abriss geht am schnellsten, aber damit ist die Stadt noch nicht umgebaut.“
Der Rückbau soll in Görlitz von außen nach innen, von den Plattensiedlungen Richtung Zentrum erfolgen. Dessen Planung sei „ein ständiger Prozess“, an dem auch Vermieter und Bürger beteiligt sein sollen. Keinesfalls aber will man ganze Stadtteile schleifen, sie sollen lebendig bleiben „in angepasster Größe“. Aber wenn etwa von 8500 Plattenwohnungen 6500 verschwinden sollen, muss auch bedacht werden, wie sich das auf die Versorgungs- und Abwasserleitungen auswirkt, die weniger frequentiert werden. Fährt die Straßenbahn womöglich nutzlose Strecken, und wie ist es mit der Sicherheit in solchen „Häuserinseln“ bestellt? Und wie steht es um die künftige wirtschaftliche Lage von Großvermietern, wenn die Stadt umgebaut wird?
In Görlitz gehören 8500 Wohneinheiten Wohnungsbaugesellschaften, 7000 zu Genossenschaften, 1000 Wohnungen sind Eigentum der Stadt, 23 500 Wohnungen (vor allem in der Innenstadt) gehören Privatleuten. Gesellschaften und Genossenschaften haben ihre Wohnungen fast ausschließlich in den Neubaugebieten.
Es gibt auch Überlegungen, anstelle der Plattenbauten und aus deren Resten „kleinteilige, individuelle Wohnmöglichkeiten“ zu schaffen, sodass etwa Enkel und Großeltern nahe beieinander leben können. Doch das weckt auch Vorbehalte, ob da etwa die Platte der kleinen Leute zugunsten von Villen der Betuchteren verschwinden soll. „Die Menschen sind aufgescheucht, wir müssen da Ruhe reinbringen“, sagt Stefan Holthaus. Man habe sich lange gewehrt, den Rückgang zu akzeptieren, so Penske: „Die Lebensrealität entspricht nicht der Planung.“ Und bis zum Ende der Sanierung, in zehn bis 15 Jahren, werden noch einmal 122 Millionen Euro nötig sein, aufgebracht von Stadt, Land und Bund.
Eine weitere Besonderheit und vielleicht einmal Teil der Problemlösung birgt das Stichwort Europastadt. Das 1071 erstmals erwähnte, ab 1220 zur Stadtsiedlung entwickelte Görlitz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt, die Stadtteile östlich der Neiße wurden zum polnischen Zgorzelec. Bereits 1998 wurde die „Europastadt Görlitz/Zgorzelec“ proklamiert, nun setzt man auf eine gemeinsame Entwicklung beider Städte, will ein gemeinsames Leitbild entwickeln, denn „auch in Zgorzelec beginnen langsam die Probleme“, so Holthaus. So will man sich 2010 gemeinsam als Kulturhauptstadt Europas bewerben. „Allein schon der Weg dahin macht beide Städte attraktiv und steigert den Bekanntheitsgrad.“
Der Tourismus in Görlitz hat sich seit 1997 verdoppelt, die Ausrufung zur Kulturstadt könnte die Aufmerksamkeit von Reisenden wie von Investoren steigern. Außerdem strebt man den Eintrag als Unesco-Weltkulturerbe an, wieder gemeinsam mit den polnischen Nachbarn, schließlich gab es bis 1945 eine gemeinsame Stadtentwicklung im früher sehr reichen Görlitz. Der Erbe-Eintrag bringt zwar auch Zwänge mit sich, man ist nicht mehr ganz so frei in der Stadtentwicklung, aber der Platz auf der Unesco-Liste bringt Image, Ruhm und Ehre. Man hat über eine gemeinsame Gartenschau nachgedacht, gemeinsames Grün über Grenzen hinweg sozusagen. Einen Stadtbus, der grenzüberschreitend verkehrt, gibt es schon – aber auch einen gemeinsamen Personennahverkehr hält man für sinnvoll, nicht nur touristisch, sondern als innerstädtisches Verkehrsmittel. Der Grenzübergang der Stadtbrücke ist schon heute überlastet, ein zweiter Grenzübergang soll noch in diesem Jahr öffnen.
In der Ferne schließlich, so um 2030, stehe dann das Projekt einer Stadt in zwei Ländern. Diese Doppelstadt könnte dann ein gemeinsames Zentrum haben, Kultur, Bildung, Freizeitangebote, Tourismus und Erholung hüben wie drüben bieten. Eine Trassenkreuzung über die Neiße hinweg könnte das Wahrzeichen einer solchen „Doppelstadt“ werden. Denn schließlich, warum sollte man nicht irgendwann einmal in Görlitz ins Kino gehen, zum Schwimmen aber nach Zgorzelec fahren?

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19.02.2004
Kyritz: Die Knatterstadt verändert langsam ihr Gesicht
 "Na, wie geht's, altes Haus?" Keiner käme wohl auf die Idee, dem bröckelnden Koloss in der Kyritzer Robestraße 8 diese Frage zu stellen. Und wenn doch, bekäme er keine Antwort. Denn das Haus ist mausetot. Nur sein Abriss kann ihn vom traurigen Anblick erlösen, den es schon seit Monaten bietet. Mieter hielt es sowieso schon lange nicht mehr im Zweigeschosser gegenüber dem Krankenhaus. Eigentlich wollte die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft bereits 2003 alles platt machen lassen, doch fehlte dafür schlichtweg das Geld. Geschäftsführerin Gabriele Schuster hofft nun, dass es die längste Zeit gedauert hat mit dem Schandfleck. Alle Anträge auf Förderung sind eingereicht. Auch die Voraussetzungen für eine zusätzliche Altschuldenhilfe - 60 Euro pro abzureißenden Quadratmeter Fläche - kann die Gesellschaft erfüllen. Etwa 15 Prozent der von ihr verwalteten Wohnungen (rund 200) stehen leer.
Die Situation befördert ein Projekt, das derzeit in Kommunen der neuen Bundesländer heftig diskutiert wird. Die Rede ist vom "Stadtumbau Ost". Planer Thomas Jansen sprach am Dienstagabend vor den Ausschüssen für Wirtschaft, Kultur, Umwelt und Fremdenverkehr sowie Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr von einem "geordneten städtebaulichen Rückbau". Gemeint ist Abriss, aber nicht nur. "Das ist eine Chance für Kyritz", beschwor Gabriele Schuster die Stadtverordneten. Denn Stadtumbau sei eben nicht nur die Abrissbirne. Kyritz könne sich ein verändertes Gesicht zulegen, mehr Grün gönnen, den Übergang von Altstadt zu Neubauten angenehmer gestalten.
Thomas Jansen hatte Folien dabei. Sie zeigten eine aufgelockerte Wohnbebauung, nicht nur in Kyritz West. Damit sollte allen klar gemacht werden: "Stadtumbau Ost" spielt sich auch außerhalb von Straße der Jugend, Friedensstraße und Pestalozzistraße ab. Aber eben dort verstärkt. Den größten Teil der derzeit in der Stadt (ohne Ortsteile) leer stehenden 550 Wohnungen gibt es jenseits der Bahnlinie Neustadt - Pritzwalk. Für ein Drittel ist die Wohnungsbaugesellschaft zuständig. Dort gibt es klare Vorstellungen: Danach werden bis 2007 die Häuser Robestraße 8, Pestalozzistraße 5, Am Bahnhof 8 und Poststraße 9 verschwinden. Hinzu kommen etwa 40 weitere Wohnungen, sodass insgesamt 122 "vom Markt genommen werden". Bis 2015 müssten unter Berücksichtigung aller Prognosen der Bevölkerungsentwicklung in Kyritz noch einmal 420 bis 430 Wohnungen weichen. Was an Geschossbauten übrig bleibt, sollte im Erdgeschoss mit Terrassen und kleinen Gärten ausgestattet sein. Das Überleben des Großvermieters am Winkel hängt von diesem Aderlass ab. Wo Betriebskosten keine Mieteinnahmen gegenüberstehen, regiert die Unwirtschaftlichkeit.
Der "Stadtumbau Ost" ist als Vorhaben nicht nur von der Gesellschaft diskutiert worden. In einer Arbeitsgruppe waren u. a. auch die Wohnungsbaugenossenschaft, die Stadtsanierungsgesellschaft EWS und das Bauamt der Stadt vertreten. Sie alle werden in den kommenden Jahren wesentlich dafür verantwortlich sein, wie sich die Silhouette von Kyritz präsentiert.
Gar nicht ins Bild passt lt. Thomas Jansen, was als letzte Neubauten in der Straße der Jugend entstanden ist. Die roten Klinkerbauten zwischen Tankstelle und Prignitz-Center seien aus städtebaulicher Sicht eigentlich nicht tragbar, da es am Wohnumfeld fehle, so der Mann aus Blumenthal. Der Investor dieser Häuser, die gegenwärtig einen Leerstand von 19 Prozent aufweisen sollen, war in der Arbeitsgruppe bisher nicht vertreten. Das gilt auch für den Verwalter, die Dosse-Immobilien GmbH.
Den ersten Spatenstich für die insgesamt 281 zum Teil vom Land finanzierten Wohnungen hatten der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe und die frühere Bürgermeisterin Margrit Fulde gemeinsam vollzogen. Damals lagen im Kyritzer Rathaus noch 500 Wohnungsanträge vor. Ein gutes Jahrzehnt danach scheint selbst der perspektivische Abriss dieser Bauten kein Tabuthema mehr zu sein. Man werde "die Situation beobachten", hieß es am Dienstag. Die Stadt Kyritz hat zwischen 1993 und 2002 etwa 11 Prozent seiner Bewohner verloren. Eine andere Entwicklung ist nicht absehbar.

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19.02.2004
Jüterbog: Für den Stadtumbau gibt es kein Geld
Jüterbog hat zwar leere Gemäuer in großer Zahl, aber für den Stadtumbau erhält die Kommune keine Fördermittel. Denn der Bund hat drei Bedingungen für die Förderung aufgestellt. Zwei werden nicht erfüllt. Der Wohnungsleerstand muss in der gesamten Stadt mindestens zehn Prozent betragen. 15 Prozent muss er in kommunalen Wohnungsbauunternehmen ausmachen, die außerdem altschuldenhilfeberechtigt sein müssen. In Massen stehen aber nur Kasernen leer, keine Wohnungen.
Ziel der Förderung ist es, "den Wohnungsmarkt zu stabilisieren und vor allem kommunale Wohnungsbauunternehmen vor dem Konkurs zu schützen", erklärt Maud Decker aus dem Bauamt Jüterbog.
Die Wohnungsbaugenossenschaft "hat zwischen fünf und sechs Prozent Leerstand", so Maud Decker. Die Wohnungsbaugesellschaft Jüterbog (Wobau) hat etwas mehr, aber keine 15 Prozent. Altschuldenhilfeberechtigt ist sie deshalb nicht mehr, weil sie sich am ersten Altschuldenhilfegesetz orientiert und die Auflagen erfüllt hat. 15 Prozent der Wohnungen waren zu privatisieren. Nur dann sollten die ostdeutschen Kredite (Altschulden) zum Teil erlassen werden. "Konkret ging es um Kreditsummen von mehr als 150 DM pro Quadratmeter Wohnfläche. Wir haben die geforderte Privatisierung 1997 als eine der ersten Gesellschaften abgeschlossen", erklärt Angelika Strogies, Geschäftsführerin der Wobau.
Die Wobau hat im Sommer 1994 begonnen, mit den Mietern zu reden. Schon damals hieß das Ziel, bis 1997 die 15 Prozent zu privatisieren. Vorrangig wurde in den Weinbergen und im Waldauer Weg an Mieter und Kapitalanleger verkauft. Im Waldauer Weg haben mehr Mieter gekauft als in den Weinbergen, wo nur 50 Prozent an Mieter gingen.
Andere kommunale Vermieter haben dies nicht geschafft. Um ihnen zu helfen, wurde das Gesetz geändert.
"In Jüterbog gibt es nur einen Wohnungsanbieter, der mehr als 15 Prozent Leerstand hat. Der ist aber nicht kommunal und nicht altschuldenhilfeberechtigt", so Maud Decker. Sie schätzt, dass in der Stadt etwa zehn Prozent der Wohnungen leer stehen. Ganz genau kann die Stadt das nur dort erfahren, wo sie Gesellschafter ist - bei der Wobau eben. Für die anderen Wohnungen wurden Angaben zusammengetragen. Geschaut wurde, wo Gardinen an den Fenstern hängen, wie viele Klingelknöpfe und Briefkästen mit einen Namen versehen sind. Daraus ergeben sich natürlich Ungenauigkeiten. Denn kein Mieter ist verpflichtet, Gardinen aufzuhängen. Eine Wohnung kann leer sein, auch wenn ein Name am Briefkasten steht.
Mieter wurden zwar befragt, "aber die Bereitschaft war nicht groß, Fragen zu beantworten. Manche haben nur Frust abgelassen", sagt Maud Decker.

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16.02.2004
Stralsund: Sechsgeschosser in Vogelsang wird gestutzt
Die Nachfrage ist gering, der Leerstand am größten. Wohnen will in Vogelsang anscheinend kaum jemand. Nun beginnt die Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft mit den Rückbau von zwei Etagen des Blocks Parkstraße 11 bis 19. 70 Wohnungen mussten für das Vorhaben im vergangenen Jahr leer gezogen werden.
Für den Umbau des Sechsgeschossers hat die WGB 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Das Land fördert die Maßnahme mit 80 000 Euro. Kostengünstiger wäre die Variante, den kompletten Block abzureißen. Dabei würde die anschließende Modernisierung der verbleibenden Wohnungen wegfallen. „Das müssen wir bei künftigen Vorhaben genau abwägen“, sagt Vorstandsmitglied Brigitte Unger. Zurzeit läuft die Ausschreibung für den Rückbau. Im Oktober sind die verbleibenden Wohnungen wieder bezugsfertig.

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16.02.2004
Zwickau: Bewohner wollen Hochhaus nicht verlassen
„Wenn sich so viele Leute bei der Wewobau wohl fühlen, spricht es doch für das Unternehmen. Weshalb stellen Sie diese Zufriedenheit gegen Ihre Verlustrechnung?“ Derartige Einwände musste sich Reinhard Feige, Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens, am Freitagabend mehrfach anhören.
Vor mehr als 80 Anwesenden informierte er über die Pläne der Westsächsischen Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau), den Elfgeschosser Neuplanitzer Straße 39 bis 43 in gut zwei Jahren abzureißen. 127 nicht mehr benötigte Wohnungen sollen so vom Markt verschwinden. Momentan verfügt das Unternehmen in Neuplanitz und Marienthal über 5986 Wohnungen. Davon stehen 884 leer. Allein in Neuplanitz 582. Wie Feige ausführte, hängen schon jetzt in rund einem Viertel der Wohneinheiten im Hochhaus keine Gardinen mehr an den Fenstern. Tendenz steigend. „Hinzu kommt, dass der Block jährlich mit 70.000 Euro Verlust zu Buche schlägt“, ergänzte er.
Die meisten der Betroffenen sahen das anders. Mehrfach betonten sie ausdrücklich, in „ihrem“ Block wohnen bleiben zu wollen. und warfen den Verantwortlichen vor, gezielt Leute daran gehindert zu haben, in den Block zu ziehen, um so einen künstlichen Leerstand zu erzeugen. Der Wewobau-Chef wies derartige Anschuldigungen zurück. Man wolle niemanden zumuten, in ein Haus zu ziehen, das auf der Abbruchliste stehe, betonte er. „Die Neuplanitzer Straße 39 bis 43 ist der einzige Block, der in den zurückliegenden Jahren noch nicht komplex saniert wurde. 1,2 Millionen Euro müssten wir dafür hinblättern. Das Geld haben wir einfach nicht“, stellte Feige klar. Außerdem könne niemand garantieren, dass sich nach dem Umbau genügend Mieter für die dann deutlich teureren Wohnungen fänden.
Auch dem Vorwurf, die Wewobau käme ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Genossenschaftsmitgliedern nicht nach, widersprach der Geschäftsführer. „Wir müssen handeln, solange wir finanziell dazu in der Lage sind. Soziale Verantwortung tragen wir nicht nur für die Bewohner des Hochhauses, sondern für alle Genossenschaftler.“ In den kommenden Wochen und Monaten werden die Mieter des Elfgeschossers zu Gesprächen eingeladen, um ihre Vorstellungen zum neuen Wohnraum zu erfassen. „Wir gehen die Sache in Ruhe an. Natürlich sind wir daran interessiert, unsere Mieter in der Genossenschaft zu halten“, betonte Feige. Trotzdem stehe für die Wohnungswahl auch der gemeinsame Pool zur Verfügung, den die Wewobau mit der Zwickauer Wohnungsbaugenossenschaft und der Wohnungsbaugenossenschaft Zwickau-Land gebildet hat.

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16.02.2004
Mittweida: Jetzt amtlich: Bagger reißen Volkshaus ab
Eigentlich war es nur eine kleine Randbemerkung des Bürgermeisters, aber Matthias Damm  hat damit das Ende eine Kapitels der Stadtgeschichte aufgeschlagen. „Die Genehmigung für den Abriss des Volkshauses liegt jetzt vor“, teilte er den Mitglieder des Technischen Ausschusses bei der jüngsten Sitzung mit. Weil die Stadt innerhalb des Stadtumbaus Ost jetzt Geld für Aufwertungsmaßnahmen bekommen hat und sich dabei auf die Neugestaltung des Schützenplatzes konzentriert, ist der Abriss überhaupt angesichts knapper Haushaltsmittel möglich. Vermutlich im Mai (nach einer größeren Gewerkschaftsveranstaltung zum Tag der Arbeit) sollen die Bagger anrücken.
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15.02.2004
Ebersbach: Im Plattenbau wird ein Personenaufzug eingebaut
Mit dem Einbau eines Personenaufzugs will jetzt die Wohnungsbaugenossenschaft „Oberland“ veränderten Ansprüchen vornehmlich älterer Mieter nachkommen. Vorgesehen ist das Vorhaben in einem Eingang des Wohnungsbautyps IW 64. Zum Einbau des Fahrstuhles bietet sich dort die Verwendung der Mittelwohnungen an. Der Aufzug selbst soll an der Hinterseite des Gebäudes angebaut werden.
Bad, Küche und Flur der Mittelwohnungen werden als Zugang zum Fahrstuhl benötigt. Die übrigen Räume dieser Wohnungen könnten entweder den angrenzenden Wohnungen als Zimmer zugeordnet werden oder wären gesondert nutzbar. Möglich ist es, sie als Gemeinschaftsräume für Pflegedienste oder zur Esseneinnahme zu nutzen.
Der Fahrstuhleinbau ist für 2005 vorgesehen. Bis dahin sind, nach den Aussagen des Vorstandes der Genossenschaft, noch viele Vorbereitungen zu treffen. Die Mehrzahl der Mieter stand dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. Gemeinsam mit den Mietern des ausgewählten Hauses in der Oswald-Richter-Straße sind nun Um- und Auszüge zu organisieren.
„Wir sind überzeugt, dass der Einbau dieses Aufzuges auch Auswirkungen auf andere Wohneingänge der Genossenschaft haben wird“, sagt Vorstand Jürgen Weise. Die beabsichtigte Baumaßnahme sei generell eine Herausforderung zur Lösung der Leerstandproblematik im Wohngebiet Oberland.
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15.02.2004
Stralsund: Platte wird immer attraktiver
Knieper Es ist Stralsunds größtes Stadtgebiet. Immerhin 27 630 Personen waren am 31. Dezember 2003 gemeldet. Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung der Hansestadt. Besonders dicht besiedelt ist Knieper West. Auf 233 Hektar wohnen 14 384 Frauen, Männer und Kinder – vor allem in den Plattenbauten.
Deshalb legt die Stadtverwaltung weiterhin den Schwerpunkt in der Umgestaltung auf diesen Teil des Stadtgebietes. Seit 1993 fließen nach Angaben von Michael Bielecke, Abteilungsleiter Planung und Denkmalpflege, Fördermittel von Bund und Land sowie kommunales Geld in die Verbesserung des Wohnumfeldes. 14,6 Millionen Euro bislang. Vewendet wurde das Geld unter anderem für die Gestaltung der Bereiche zwischen den Wohnblöcken, für die Anlage von Stellplätzen für Autos, für Freizeitflächen. Bieleckes Mitarbeiter Mario Hilbert nannte als Beispiel den Rodelberg oder den so genannten Teichhof. „Wir haben für die Bürger schon eine bessere Wohnqualität erreicht. Diesen Weg wollen wir weiter gehen“, sagte der Diplomingeneur, der für die Stadtentwicklung und den Stadtumbau zuständig ist. Sein Chef Bielecke verwies in diesem Zusammenhang aber auch auf die Verantwortung der Eigentümer, also der Großvermieter, die steigen müsse. „Fest steht“, so der Abteilungsleiter, „dass ein abruptes Ende unseres Engagements in Knieper West nicht in Sicht ist“.
Weniger Handlungsbedarf sehen die beiden Männer in der Knieper Vorstadt und in Knieper Nord. Beides seien beliebte Wohngebiete. Leerstand gebe es dort kaum. „Stadtplaner müssen reagieren, wenn neue Entwicklungen eingeleitet oder Probleme beseitigt werden müssen. Beides trifft nicht zu“, erläuterte Michael Bielecke die Position der Stadt.
Ausnahme in der Vorstadt ist der Knieperdamm zwischen Olof-Palme-Platz und Friedrich-Engels-Straße. Die Planungsphase für die Erneuerung dieses Abschnitts soll dieses Jahr abgeschlossen werden. Besonderen Wert legen die Fachleute dabei auf den Erhalt der Bäume an den Straßenrändern. „Wir müssen behutsam vorgehen“, betonte Bielecke. Nach Angaben der Abteilung Straßen und Stadtgrün werden im August die Bauleute anrücken. Bis 2005 stehen 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, um die Straße zu sanieren.
Natürlich hat Stralsunds Planungschef auch Visionen. Zum Beispiel, wenn es um die Schwedenschanze geht. Er könne sich vorstellen, die alte militärische Wallanlage für Besucher zu erschließen, das Bodendenkmal erlebbar zu machen. Es könnte attraktiver Endpunkt der Sundpromenade sein.

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14.02.2004
Frankfurt (Oder): Alles raus aus dem Haus
Der Stadtumbau, der sich an vielen Ecken von Frankfurt vollzieht, bringt immer wieder neue Phänomene mit sich. Kaum ist eines der zum Abriss vorgesehenen Häuser leer gezogen, wird es von Unbekannten nach brauchbaren Überbleibseln abgesucht. Die Diebe plündern alles, was nicht niet- und nagelfest ist, von der Mischbatterie bis zum Doppelglasfenster. Die Polizei geht zwar gegen die Plünderer vor, doch zur Anzeige kommt es selten. Denn die Eigentümer haben kein Interesse daran, dass die Vorfälle geahndet werden. Für sie sind die alten Einrichtungsgegenstände wertlos.
"Wasserhähne, Mischbatterien, Fensterrahmen, Gastermen", zählt Ulrich Jobst von der Frankfurter Hauptwache die Begehrlichkeiten auf, die Plünderer dazu treiben, in Abrisshäuser einzusteigen. Immer wenn irgendwo ein weiterer Block leer gezogen sei, kämen die Leute und nähmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. "Es gibt da kein bestimmtes Täterprofil", sagt der Frankfurter Polizeikommissar. Was die Leute mit dem Diebesgut machen, darüber kann Jobst nur spekulieren: "Manche brauchen die Sachen vielleicht für ihren eigenen Bungalow und manche verkaufen sie vielleicht weiter". Und richtig böse kann der Polizist den Dieben gar nicht sein. "Die Sachen will doch keiner mehr. Es ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn sie noch jemand verwerten kann", meint Jobst.
"Formal bleibt das Plündern von Abrisshäuser aber trotzdem eine Straftat", sagt Detlef Lüben, Sprecher des Schutzbereichs Oder-Spree. "Es handelt sich hier nicht um aufgegebenes Eigentum, also kann sich doch nicht jeder einfach nehmen, was er will", so Lüben. Die Polizei versuche schon, die Eigentümer dazu zu bewegen, "Flagge zu zeigen", und gegebenenfalls auch die Diebe anzuzeigen.
Doch zur Anzeige kommt es selten, denn auch die beiden großen Wohnungsgesellschaften, die derzeit Block um Block niederreißen lassen, haben kein Interesse an den Überbleibseln. "Das, was noch brauchbar ist und was geborgen werden kann, holen wir selber rechtzeitig heraus", sagt Sabine Heinrich von der Wohnungswirtschaft. (Wowi). Das seien unter anderem neuere Mischbatterien und vereinzelt Sanitärkeramik. "Wenn wir zum Beispiel einem Mieter kurz vor dem Leerzug noch eine neue Toilette eingebaut hatten, nehmen wir die auch wieder mit, denn die können wir noch gebrauchen", erklärt Sabine Heinrich. Der Rest interessiere die Wowi nicht. "Die Täter werden sowieso selten auf frischer Tat ertappt, meist sind die doch wenn die Polizei eintrifft schon über alle Berge", so die Wowi-Mitarbeiterin.
Die Wohnungsgesellschaften haben Hauswartsfirmen beauftragt, die Häuser zu sichern und zu kontrollieren. An dem zum Abriss bereiten Block an der Slubicer Straße macht Hausmeister Lothar Gutzmann regelmäßig mit Hammer und Nägeln bestückt seinen Rundgang. Alle zwei Tage vernagelt er die Holztüren der Hauseingänge von neuem. "Doch Türen werden immer wieder eingetreten", erzählt Gutzmann. "Ich weiß auch nicht, was die Leute hier noch finden wollen, es ist doch nichts mehr da, was man noch mitnehmen kann". Selbst die alten Backöfen seien schon entwendet worden.
Einer der Bauarbeiter vom Trupp, der den Block gegen-über abreißt, spricht aus, was viele denken: "Man soll die Leute doch ruhig die Sachen mitnehmen lassen, wenn sie sie noch gebrauchen können. Es wäre doch sonst schade drum".

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14.02.2004
Oschatz: Verjüngung: Abriss-Sanierung-Bau
Fünf Abbruchmaßnahmen, eine Sanierung und die Fassadengestaltung der neuen Blumenhalle - das waren die Themen zum Technischen Ausschuss am Donnerstagabend. Während die Ausschussmitglieder bezüglich der Abrisse schnell zu Stuhle kamen, gab es zur Sanierung der Gottesackerkirche auf dem Friedhof und zur Fassadengestaltung der Blumenhalle für die Landesgartenschau (Lago) angeregte Diskussion.
Einstimmig beschlossen wurde der Abriss folgender Gebäude: Bahnhofstraße 56, Freiherr-vom-Stein-Promenade 4 und 6, Ritterstraße 3 bis 9, Dresdener Straße 13 und Gutsscheune Altoschatz. Gefördert werden diese Maßnahmen unter anderem über das Programm "Stadtumbau Ost".
Schon lange überfällig ist die Sanierung der Gottesackerkirche auf dem Oschatzer Friedhof. Jetzt aber soll das Vorhaben in Angriff genommen werden, wenngleich es ein Kraftakt zu werden scheint. Vorgesehen ist die Sanierung in drei Abschnitten: Innen und außen. Dafür würden rund 550.000 Euro benötigt.
Den dritten und problematischeren Teil bilde der Altar. "Der Altar ist ein kulturhistorisch wertvolles Stück, das in dieser Form bundesweit kaum noch zu finden ist", erklärte Gert Jubisch vom Technischen Bauamt. Dazu gebe es noch keinen Kostenanschlag. Letztlich sei die Sanierung wahrscheinlich nur mit Hilfe von Spenden möglich.
Aber nicht nur die Finanzierung würde die Sanierung schwierig gestalten, die notwendigen Arbeiten am Altar seien "auf Grund der toxischen Belastung des Holzes nicht ganz ungefährlich", so Jubisch. Geplant ist, mit den Arbeiten nach dem Beschluss des Haushaltes Mitte April zu beginnen.

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14.02.2004
Thale: Neues Zentrum frisst die Fördermittel auf
Die 1992 begonnene Sanierung der Thalenser Innenstadt ist "bisher sehr gut gelaufen". Es sei "alles umgesetzt worden, was die Stadt an Wünschen hatte", bekräftigte Lothar Andert, verantwortlicher Projektleiter der Baubecon AG, in einem Gespräch mit der MZ.
"Die Fortschritte sind deutlich zu sehen, man muss nur genau hinschauen", ergänzte Bürgermeister Thomas Balcerowski. "Das Geld, das wir haben, geben wir zielgerichtet aus", fügte das Stadtoberhaupt hinzu. Allerdings habe Thale kaum noch Geld. "Weil die normalen Städtebau-Fördermittel nicht ausreichten, um ein neues Stadtzentrum zu erschließen, hat die Stadt ein Darlehen aufgenommen, das jetzt aus den jährlichen Zuweisungen abbezahlt werden muss", umreißt Andert das Problem. Es habe sich um fast 1,1 Millionen Euro gehandelt. Da aber die Zuweisungen des Landes inzwischen drastisch reduziert wurden, andererseits noch etliche Erschließungs- und Modernisierungsmaßnahmen geplant und erforderlich seien, "sind wir in ein tiefes Loch gefallen", gesteht Andert. Fazit: "Auf Grund der Geldknappheit können wir kaum etwas bewegen". Was an Fördermitteln komme, fließe größtenteils in die Kredittilgung. Im Vorjahr habe die Stadt vom Land nur 400 000 Euro erhalten, 2002 seien es gar nur 180 000 gewesen, "etwa 15 Prozent dessen, was wir beantragt und zuvor auch bekommen hatten", rechnet Andert vor. "Das ist für Thale eine ganz unglückliche Situation", räumt der Baubecon-Manager ein.
Ein Großteil der Städtebau-Fördermittel werde in den Stadtumbau Ost umgelenkt, von dieser Abrissförderung profitiere aber nicht Thales Innenstadt, weiß Balcerowski. Noch im Frühjahr beginne der Aufbau des Wohn- und Geschäftskomplexes, der den neuen Rathausplatz im Süden begrenzt. "Ende 2004 oder Anfang 2005" sollen die Bauarbeiten am Mittelbereich beginnen, Aldi wolle seine neue Filiale im Herbst 2005 eröffnen.

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13.02.2004
Torgau: Mit Strategien gegen den Leerstand
Ein Blick in die Altstadt aber auch nach Torgau Nordwest zeigt immer mehr Fenster ohne Gardinen oder Blumen. Leer stehende Wohnungen sind ein generelles Problem im Freistaat Sachsen. Das weiß Andreas Huth aus seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Ausschusses Stadtumbau Ost beim Verband Sächsischer Wohnungsunternehmen und Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten GmbH, einem der Großvermieter in der Kreisstadt. Und hier sind die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt deutlich zu spüren. Allein im vergangenen Jahr wurden durch das zu hundert Prozent städtische Unternehmen 135 Wohnungen vom Markt genommen. Was bedeutet das?
Unumgänglicher Rückbau
Einige wichtige Eckdaten machen die Situation deutlich. Zum Bestand der Torgauer Wohnstätten GmbH gehören gegenwärtig 3363 Wohnungseinheiten (WE). Einschließlich der Verkaufsobjekte und der zum Abbruch vorgesehenen Gebäude ist ein gegenwärtiger Lehrstand von 15 Prozent zu verzeichnen. Der Anteil des vermietbaren Wohnraumes beschränkt sich jedoch hinsichtlich der 3363 WE auf ganze 5,5 Prozent. Die Gesellschaft hat ein langfristiges Unternehmenskonzept entwickelt, das sich dieser Problematik und deren weiterer Entwicklung widmet. Wohnraum ist insbesondere als standortgebundenes Wirtschaftsgut zu betrachten.
Die anhaltend negative Entwicklung der Bevölkerungszahl und die negativen Tendenzen am lokalen Arbeitsmarkt lassen keine Besserung erkennen. Eine der folgerichtigen Entscheidungen lautete deshalb Rückbau. Mit Hilfe des Bund-Länder-Programms "Stadtumbau Ost" konnte in der zweiten Hälfte 2003 dieser Weg begonnen werden. Nicht mehr benötigte Wohnblöcke in der Dommitzscher Straße, Am Fort Zinna und im Strandbadweg wurden abgerissen. Freiflächen entstanden, die neue Möglichkeiten für die Aufwertung der Wohnqualität in den Quartieren eröffnen. Mittelfristig ist die Freilenkung einiger Häuser in der Schlachthofstraße angedacht. Andererseits kann die Nachfrage im Wohngebiet Eilenburger Straße nicht befriedigt werden.
Eine komplexe Sanierung von Großobjekten wie im vergangenen Jahr in der Bäckerstraße 17/19 ist nicht vorgesehen. Schwerpunkt bildet hingegen die laufende Instandsetzung, so auch Erneuerungen von haustechnischen Anlagen in verschiedenen Liegenschaften. "Wir konzentrieren uns voll auf die Bewirtschaftung des Bestandes, der langfristig im Unternehmen verbleibt", formulierte Geschäftsführer Huth. Dabei gilt es, die unterschiedlichsten Zielgruppen zu berücksichtigen. Im Klartext bedeutet dies: von der Sozialwohnung bis hin zum voll ausgestatteten Appartement oder einer Mehrraumwohnung mit gehobenem Ambiente ist alles zu bieten.

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12.02.2004
Bad Langensalza: Bürger stärker in weitere Sanierung einbinden
Neuordnung und geordneter Rückbau nicht benötigter Bausubstanz. Etwas hölzern kommt die Maßgabe im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" daher. Auf Bad Langensalza zugeschnitten, gibt es keine Probleme mit der Platte, sondern mit der Erhaltung der Innenstadt.
Nach viel Lob und Preisen für die in den letzten Jahren sichtlich aufgewertete Innenstadt rückt nun der Patient westliche Altstadt ins Blickfeld. Das Gebiet mit einem Wohnungsleerstand von 27,2 Prozent und einem Sanierungsgrad zwischen ca. 30 und 50 Prozent soll stabilisiert und gerettet werden. Um dieses erklärte Ziel zu erreichen, dürfte noch viel Wasser die Salza hinunter fließen.
Im Bauamt der Stadtverwaltung liegt nun ein umfangreiches Material zu der gesamten Problematik auf dem Tisch. Es ist das Ergebnis von monatelangen Untersuchungen, Recherchen und Befragungen der Eigentümer und Bewohner der Gebiete zwischen Lange Straße, Lange Brüdergasse und Kurze Brüdergasse dem Block zwischen Lange Straße, Steinweg, Milchgasse sowie dem 3. Schwerpunktgebiet zwischen Salzstraße, Bornklagengasse und Lange Straße durch Architekten und Stadtplaner der Planergruppe Hytrek, Thomas, Weyell und Weyell aus Erfurt.
Nach Meinung der befragten Bürger müssen drei wesentliche Bedingungen erfüllt werden, um Bewohner für die Altstadt zu gewinnen: Erneuerung unsanierter Quartiere, Erhöhung des Grünanteils und Verbesserung des Anliegerparkens. Eine wichtige Schlussfolgerung aus der Bestandsanalyse ist die Forderung nach verbesserten Rahmenbedingungen der Stadtsanierung. Demzufolge sollten durch Fördermittel gezielt und individuell Anreize geschaffen werden, damit der Gedanke zur Erhaltung in altstädtischem Innenbereich gegenüber dem Neubau im Außenbereich besser zum Tragen kommen kann. Außerdem sollte man sich von unrealistischen und sanierungshemmenden Auflagen, die sich als "Investitionskiller" erweisen, verabschieden.
In der Studie dick herausgestrichen wird die stärkere Einbindung der Bürger in den Sanierungsprozess. In den persönlichen Gesprächen hatte sich eine große Bereitschaft zum Mittun offenbart. Wie Bauamtsleiter Gerrit Haase TA informierte, sei man mit der Denkmalpflege unterwegs. Demnächst gibt es Gespräche mit den Eigentümern.

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12.02.2004
Bremerhaven: 3000 leere Wohnungen
Über den dramatischen Wohnungsleerstand in Bremerhaven hat sich Bausenator Jens Eckhoff besorgt geäußert. Bei einem Informationsbesuch machte er deutlich, dass die Seestadt in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt der Stadtsanierung sein müsse. Oberbürgermeister Jörg Schulz und Stadtbaurat Volker Holm hoffen dabei auf weitere Hilfe von Bund und Land.
Derzeit stehen in Bremerhaven rund 3000 Wohnungen leer. Bis 2015, so nehmen Experten an, wird diese Zahl wegen des anhaltenden Einwohnerrückgangs auf bis zu 10000 steigen. Schulz und Holm sprachen die Erwartung aus, dass Bremerhaven vom Senat wegen der Probleme überdurchschnittlich stark bei der Städtebauförderung berücksichtigt werde.

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10.02.2004
Sangerhausen: Abriss von 308 Wohnungen
Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) und die Wohnungsbaugenossenschaft (WGS) wollen in diesem Jahr insgesamt 308 Wohnungen in Sangerhausen abreißen. Diese Zahlen nannten SWG-Prokurist Herrmann Schaurich und Karina Kaiser, Vorstandssprecherin der WGS, am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Neuen Rathaus.
Zum Abriss vorgesehen sind bei der SWG die Blöcke Am Rosengarten 37-39, Darrweg 1-3 und 5-7, Luxemburgstraße 22-24, Straße der VS 17 sowie Liebknechtstraße 2-4 mit insgesamt 106 Wohnungen. Die WGS wird vier Blöcke in der Ringstraße, nämlich die Häuser mit den Hausnummern 13 bis 23, vom Markt nehmen. Ebenfalls verschwinden wird der Block Heßstraße 39-45 sowie die Häuser Genossenschaftsstraße 1-9 und Hüttenstraße 91-101. Damit vermindert das Unternehmen seinen Bestand um 202 Wohnungen. Darüber hinaus wollen beide Unternehmen viel Geld in Sanierungen stecken: Die SWG 1,2 Millionen und die WGS 5,2 Millionen. Schaurich betonte, dass es mit den bisher erfolgten Abrissmaßnahmen gelungen sei, die Leerstandsquote nicht weiter ansteigen zu lassen. Sie liegt derzeit bei der SWG bei 26 Prozent. "Wir sind sicher, die Talsohle durchschritten zu haben", sagte er. Bei der WGS ist die Leerstandsquote sogar von 24 auf 13,5 Prozent gesunken. Beide Unternehmen betonten jedoch, dass es durchaus nötig wäre, weitere Wohnungen abzureißen - auch um die Unternehmen von Altschulden zu befreien. "Allerdings ist die Finanzierung nicht geklärt", sagt Schaurich. Da die Fördermittel nicht nach Bedarf, sondern nach Kassenlage bei Bund und Land gezahlt würden, schiebe die SWG 2004 einen Berg von 150 abrissbereiten Wohnungen vor sich her.
Weitere Informationen zum Stadtumbau gibt es in einem Faltblatt, das die Stadt mit der SWG, der WGS, den Stadt- und den Wasserwerken herausgebracht hat. Es ist bei allen fünf Partnern erhältlich

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08.02.2004
Angermünde: Abrissbagger rollen Anfang April an
Für 700 000 Euro hat in Angermünde der Abriss von fünf Wohnblöcken begonnen. Die Plattenbauten aus DDR-Zeiten sollen in zwei Stufen verschwinden: Derzeit sorgen ABM-Kräfte für die so genannte Entkernung der Fünfgeschosser. Anfang April rücken die Abrissbagger an.
"Wir betrachten die Entwicklung in der Weststadt nicht mit Freude. Aber der Abriss ist notwendig", erklärt Baudezernent Lutz Köhler. Wie Schwedt oder Eberswalde standen auch in Angermünde zuletzt immer mehr Plattenwohnungen leer. Die Stadtoberen mussten handeln. Sie entschieden sich schließlich, in der Gustav-Bruhn-Straße fünf Blöcke dem Erdboden gleichzumachen. Die Hausnummern 17 bis 36 wird es bald nicht mehr geben. Zuletzt lebten in den mehr als 200 Wohnungen nur noch wenige Familien.
Seit einigen Tagen ist die Gustav-Bruhn-Straße nun eine Baustelle. Erst einmal reißen ABM-Kräfte aus den Plattenbauten Decken, Türen und Fenster heraus. Auch Fußböden, Balkonbrüstungen und Elektrokabel müssen dran glauben. Ehe die Abrissbagger anrollen, soll nur noch das Betongerippe stehen.
Während alles, was nicht mehr gebraucht wird, eher achtlos in große Container fliegt, versuchen die Bauarbeiter die Keramikplatten an den Fassaden besonders sorgfältig abzutragen. Die wertvollen Stücke sollen nämlich zwei Turnhallen in der Stadt ein neues Antlitz geben. "Da ist uns was Gutes eingefallen", freut sich Lutz Köhler. "Sonst wären auch die Keramikplatten nicht mehr zu gebrauchen gewesen."
Für den Abriss stehen Angermünde 700 000 Euro zur Verfügung. 80 Prozent der Summe steuert das Land Brandenburg bei. Ende vergangenen Jahres hatte es in der Stadt einige Irritationen geben, weil das avisierte Fördergeld plötzlich nicht in voller Höhe zu bekommen war. Inwischen scheint das Problem ausgeräumt. "Das ist alles geklärt", berichtet der Baudezernent.
Potsdam reicht das Fördergeld an Angermünde in Jahresscheiben aus. 2003 gab es 71 000 Euro. 2004 plant die Stadt mit 456 000 Euro und 2005 mit 135 000 Euro. Ob der Abriss in der Weststadt einmal weitergeht, ist noch nicht entschieden. Doch auch gegenüber der Baustelle gibt es Fenster, an denen keine Gardinen mehr hängen. "Die Wohnungen stehen leer", merkt Lutz Köhler an.
Durch den stetigen Einwohnerschwund wurde der Wohnungsleerstand in Angermünde immer mehr zum Problem. Die ehemals 11 300 Einwohner zählende Stadt verlor seit der Wende fast 2000 Bewohner. Setzt sich die Abwanderung aus der Stadt fort, kann sich der Leerstand nach Ansicht von Experten dramatisch erhöhen.
"Der Leerstand ist mittlerweile zu einem ernsthaften Problem für die Wirtschaftlichkeit der Wohnungsunternehmen und die soziale Struktur unserer Neubaugebiete geworden", sagt Lutz Köhler. Einerseits müsse jede Wohnung, die leer steht, mit beheizt werden. Das koste Geld. Andererseits gebe es mitt­lerweile bei den Mietern eine Überalterung.
"Wir dürfen nicht mit brachialer Gewalt in das Wohngebiet eingreifen", weiß der Baudezernent. Die Blöcke, die jetzt abgerissen werden, stehen am Stadtrand. Sie waren in den 80er Jahren als Letzte gebaut worden. Sie sind nun die Ersten, die einer unbefriedigenden demografischen Entwicklung geopfert werden.
Derweil laufen die Arbeiten auf dem Bau offenbar wie geschmiert. "Wir liegen gut im Zeitplan", versichert der stellvertretende Bauleiter Joachim Kühn. "Mit der Entkernung der Blöcke wollen wir Mitte März fertig sein." Dann sind noch einige Tage Puffer, ehe Anfang April die Abrissbagger anrollen. Die aussortierten Plattenbauen gehören der städtischen Bau- und Wohnungsgesellschaft und der Wohnungsgenossenschaft Uckermark. Die Stadt tritt derzeit als Dienstleister für die beiden Unternehmen auf. "Wir haben einen entsprechenden Vertrag", erklärt Lutz Köhler. "Wenn der Abriss fertig und Mutterboden angefahren ist, übergeben wir die Grundstücke wieder." Vielleicht werden dort irgendwann einmal Einfamilienhäuser gebaut.

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08.02.2004
Land Brandenburg: Schon 9000 Wohnungen abgerissen - Stadtumbau kommt gut voran
Im Land Brandenburg sind bis Ende vergangenen Jahres 9000 Wohnungen im Rahmen des Stadtumbaus-Ost abgerissen worden. Das sind rund 3000 mehr als noch im November 2003 geschätzt worden war, teilte das Bauministerium am Sonntag mit. Bauminister Frank Szymanski (SPD) erklärte dazu, der Stadtumbau komme gut voran. "Wir sind unserem Ziel wieder ein Stück näher gekommen, bis Ende dieses Jahres 15 000 Wohnungen vom Markt zu nehmen."
Spitzenreiter beim Abriss sei nach wie vor Schwedt (Uckermark), das bereits frühzeitig ein Stadtumbaukonzept erarbeitet habe. Dort wurden nach den Angaben bisher 2550 Wohnungen vom Markt genommen. In Cottbus waren es 2000 Wohnungen, in Frankfurt (Oder) 900 und in Guben 1100. Von den kleineren Städten hat Eberswalde (Barnim) bisher 250 Wohnungen abgerissen, Großräschen 220, Wittenberge 270, Senftenberg 200, Rathenow 240, Lauchhammer 280 und Lübbenau 170.
Szymanski forderte die Kommunen auf, auch weiterhin alle Anstrengungen zu unternehmen, um den schmerzhaften Stadtumbauprozess zügig durch Abriss und Aufwertung voranzutreiben. "Die Mittel für Abriss, Aufwertung und Eigentumsbildung im Bestand stehen auch in diesem Jahr in Höhe von rund 70 Millionen Euro bereit."
Im Rahmen des Stadtumbaus Ost werden im Land Brandenburg 24 Städte unterstützt. Bis 2009 stehen für den Rückbau von Wohnungen den Angaben zufolge 173 Millionen Euro zur Verfügung. Jeweils die Hälfte davon tragen Bund und Land. Die Abrisspauschale beträgt 60 Euro je Quadratmeter rückgebauter Wohnfläche. Das Fördervolumen ermöglicht den Abriss von rund 48 000 Wohnungen.
Für die Aufwertung der nach dem Abriss entstehenden Freiflächen stehen bis 2009 noch einmal 260 Millionen Euro bereit, die jeweils zu einem Drittel vom Bund, Land und von den Kommunen aufgebracht werden. Förderfähig seien die Aufwertung des Gebäudebestandes sowie Projekte zur Verbesserung des Wohnumfeldes und zur Anpassung der städtischen und technischen Infrastruktur. Für Eigentumsbildung im Bestand stehen zunächst bis 2004 rund 25 Millionen Euro bereit.

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08.02.2004
Halle: Blumenfeld statt Hochhaus?
 "Wenn man sich den Stadtumbau in fünf Schritten denkt, dann sind wir in Halle-Neustadt derzeit zwischen dem zweiten und dritten Schritt", sagt Stadtplaner Josef Weber. Gerade im westlichen Teil sind die erreichten Fortschritte offensichtlich.
In der Neustadt wurden bislang insgesamt fünf Elfgeschosser abgerissen, vier davon standen in der westlichen Neustadt: zwei an der Eselsmühle und je einer an Hettstedter- und Wolfgang-Borchert-Straße. Ziel der denkbar radikalen Stadtumbau-Maßnahmen ist stets die Steigerung der Wohnqualität. "Dadurch wird das Umfeld sanfter und freundlicher", erklärt Planer Weber.
Mittelpunkt der westlichen Neustadt ist indes der Komplex Gastronom, der - wie der Treff in der südlichen Neustadt - zum Beispiel die Nahversorgung übernimmt und als Treffpunkt für die Einwohner im Umfeld gedacht ist. Deswegen wird am Gastronom derzeit auch saniert, unter anderem werden die Grünflächen neu gestaltet. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Der Stadtumbau wird in der westlichen Neustadt aber nicht nur mit Bagger und Pinsel vorangetrieben, ebenso sind Ideen gefragt. Dabei setzt die Stadt auch verstärkt auf die Bürger - etwa was die Gestaltung der Freifläche am Niedersachsenplatz angeht.
Unter Beteiligung der Bürger wird ein Ideenwettbewerb stattfinden: Die Anwohner sollen Anregungen liefern und so mitentscheiden können, wie sich ihr direktes Wohnumfeld verändert. Laut Weber ist die Stadt für alle Vorschläge offen. "Ob Sonnenblumen-Felder, Mietergärten oder ein Rodelhügel - dort ist alles denkbar."

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07.02.2004
Rostock: Nach Abriss könnte ein neuer Bolzplatz entstehen
Ein großer Kran bestimmt derzeit das Bild in der Pablo-Neruda-Straße. Der Grund: Das einstige Humboldt-Gymnasium wird abgerissen. „Es gab eine Ausschreibung, aber in dieser Region ist eine Vermarktung aussichtslos“, bestätigt Sabine Kahle, Leiterin des Liegenschaftsamtes der Hansestadt, die Maßnahme.
Verantwortlich für den Rückbau zeichnet die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung. Noch ist ungewiss, was mit den freien Flächen geschieht. Wie wäre es mit einem Bolzplatz? „Das ist eine sehr gute Idee, über die nachgedacht werden sollte“, sagt Sabine Kahle, denn die benachbarte Hanseschule wird aller Voraussicht auch in diesem Jahr noch abgerissen. Was dann bleibt, sind die drei Turnhallen. Da würde ein Bolzplatz in das Gesamtkonzept passen. Zwei Turnhallen könnten von der Beruflichen Schule für Sonderpädagogische Aufgaben und der Grundschule Astrid Lindgreen genutzt werden. Für die dritte Halle wünscht sich der Ortsbeirat eine Nutzung für den Breitensport
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07.02.2004
Neustadt: Weniger Wegzüge aus Neustadt
Zahlen sind Zahlen. Unumstößlich. Doch so nüchtern sie auch sind, sie können doch Emotionen wecken. Zum Beispiel „leicht positive“. Wie bei Neustadts Bürgermeister Dieter Grützner (CDU). Zum ersten Mal seit längerem schaut er wieder optimistisch auf die Statistik vor sich.
Zwar verlassen immer noch Neustädter die Stadt, doch nicht mehr so viele wie noch vor zwei, drei Jahren. 172 Neustädter kehrten im vergangenen Jahr ihrer Heimat den Rücken. In den vorangegangenen waren es im Schnitt jährlich 200 bis 250. Nun gibt es noch 10 704 Neustädter, laut Statistik vom 31. Dezember 2003. „Und damit ist der Abwärtstrend gestoppt und entwickelt sich nun im Rahmen der Prognose“, sagt Grützner und freut sich.
Dass die Neustädter trotzdem immer noch immer weniger werden, hängt auch mit den Geburten zusammen. Obwohl auch die sich inzwischen bei um die 80 eingepegelt haben, reichen sie nicht, um die Sterbefälle rein zahlenmäßig auszugleichen. „Die sind mit 110 bis 120 jährlich immer noch deutlich höher“, bedauert Grützner.
Trotzdem ist das für ihn kein Grund für Pessimismus. Die Nachfrage bei den Wohngebieten lässt ihn weiter hoffen. Denn es ist erwiesen und auch logisch, dass Leute mit Wohneigentum nicht so schnell von hier nach da ziehen wie Mieter. Schließlich ist die Abwanderung aus neuen Wohngebieten sowie den dörflichen Lagen geringer als aus den klassischen Neubaugebieten. „Die Geburten wiederum zeigen, dass es doch noch junge Leute gibt, die anscheinend auch einen Job haben“, deutet Grützner die Statistik. Noch immer ist er nicht grenzenlos glücklich, langsam aber scheint es wieder bergauf zu gehen. Wenngleich eben Zahlen nur Zahlen sind. Wichtiger ist, was dahinter steckt. Und das sind im Falle von Neustadt konkrete Konzepte.
Eines heißt Stadtumbau Ost. Das klingt zwar etwas geschönt, weil sich dahinter der Abriss von Wohnungen verbirgt. Jedoch nur in der ersten Etappe, wie Grützner und die Wohnungsgenossenschaft immer wieder betonen. In der zweiten nämlich soll es tatsächlich darum gehen, die ehemaligen Neubaugebiete attraktiver zu gestalten. Damit die Neustädter einen Grund mehr haben, zu bleiben.

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06.02.2004
Schwerin: Erste Mieter ziehen im Herbst ein
Das Modellprojekt "Tallinner Straße" in Neu Zippendorf ist ein Gemeinschaftswerk der beiden großen Vermieter SWG und WGS und ist Teil des Förderprogramms "Stadtumbau-Ost". Das Umbauprogramm ist sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden. "Während die Genossenschaft schon seit einigen Wochen an der Umsetzung der prämierten Pläne arbeitet, ist an den Gebäuden der kommunalen WGS bisher noch kein einziger Bauzaun aufgestellt worden", kritisierte SPD-Ortsvorsitzender Daniel Meslien. "Der Startschuss war eigentlich noch für 2003 geplant."
Den Vorwurf der Untätigkeit richten die Sozialdemokraten direkt an Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU). Als Aufsichtsratsvorsitzender und Gesellschafter müsse er endlich die Rahmenbedingungen schaffen, damit unverzüglich gebaut werden könne. Ohne das Votum des Aufsichtsgremiums liege das Projekt auf Eis.
"Weitere Verzögerungen darf es nicht geben. Es geht hier um Aufbruchsignale und darum, eine bisher eher heruntergekommene Wohngegend in ein Filetstück für Neu Zippendorf zu verwandeln. Darüber hinaus beleben Investitionen die Konjunktur und schaffen Arbeitsplätze", sagte Meslien, der zugleich auch Stadtvertreter ist.
WGS-Chef Lemke kann ob dieser Kritik nur den Kopf schütteln. "Das Wohngebiet neu Zippendorf als ,heruntergekommene Wohngegend' zu bezeichnen, ist eine Schlag ins Gesicht aller dort gerne wohnenden Schweriner", sagt Lemke erzürnt. Schließlich habe die WGS ebenso wie die Genossenschaft in den vergangenen Jahren Millionen in die Modernisierung der Gebäude gesteckt und gemeinsam mit der Stadt sei auch das Wohnumfeld aufwändig neu gestaltet worden. "Das müsste Herr Meslien als Stadtvertreter eigentlich wissen."
Der unmittelbare Baubeginn der WGS in der Tallinner Straße hänge dagegen ausschließlich davon ab, wann die letzten Mieter in den umzubauenden Wohnhäusern ausziehen. Das wird laut Lemke voraussichtlich im April sein, so dass der Baubeginn der WGS für den Mai geplant ist. "Darüber ist der Aufsichtsrat informiert, in dem im übrigen natürlich auch SPD-Mitglieder arbeiten", sagt der WGS-Geschäftsführer.
Das Modellprojekt sieht vor, in den nächsten drei Jahren in der Tallinner und der Vidiner Straße sowohl ganze Hauseingänge, als auch ein bzw. zwei Obergeschosse zu entfernen. Auf die zukünftigen Mieter warten dann komfortable Stadtvillen mit Dachgeschoss. Sogar spezielle Niedrigenergiehäuser sind geplant. Den Wünschen vieler Bürger nach mehr Wohnkomfort und großzügigeren Zimmern wird Rechnung getragen, indem Grundrisse verändert werden. Bäder erhalten Fenster, es entstehen weiträumige Küchen, Essdielen, große Balkone und Terrassen. Die Wohnungen werden daher komplett neue Zuschnitte haben und zu einer Kaltmiete von knapp mehr als fünf Euro je Quadratmeter angeboten. Die ersten Mieter sollen schon im Herbst ihre Wohnungen beziehen können.
Laut Bauminister Helmut Holter (PDS) sind bereits mehr als 1000 der 4500 Wohnungen in Neu Zippendorf saniert. Das Land habe diese Arbeiten mit rund zehn Millionen Euro gefördert. Auch Mittel aus der Städtebauförderung seien geflossen. "Der Stadtteil Neu Zippendorf wurde seit 1998 jährlich in das Programm zur Förderung der städtebaulichen Weiterentwicklung großer Neubaugebiete aufgenommen. Seit 2002 gab es Geld für die Aufwertung. 8,7 Millionen Euro Städtebauförderungsmittel wurden bereitgestellt. Ich denke, das kann sich sehen lassen", sagt Holter.
Auch die WGS selbst habe das Programm "Stadtumbau Ost" bereits umfangreich angewendet: Laut WGS-Chef Lemke seien so bereits rund 470 Wohnungen der WGS abgerissen worden.

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03.02.2004
Weimar: "Keiner von uns will hier weg"
 "Ach, es ist schon ..." Christa Kluge zuckt mit den Schultern. Unvollendet bleibt ihr Seufzer. Frau Kluge gehört der Generation an, die das Klagen ver- und das Resignieren gar nicht erst erlernt hat. Und wie man sie so sitzen sieht, gesund, nur vom leidigen Hexenschuss geplagt, zufrieden in der hellen Stube mit dem Gärtchen vorm Fenster, so gäbe es kaum Anlass zur Sorge. Eigentlich. Christa und Klaus Kluge haben es sich schön gemacht in ihrem halben Häuschen im Kleinen Landfried. Sie bewohnen es seit mehr als fünfzig Jahren. Von seiner Gemütlichkeit verlöre das Haus wohl auch im Laufe der nächsten fünfzig Jahre nichts, schätzt Klaus Kluge. Doch soweit wird es nicht kommen. Die andere Haushälfte verwaist schon.
Für den Großen Landfried gleich hinter Kluges Gartentor ist die Zeit abgelaufen. Aus dem Bundesprogramm "Stadtumbau Ost" fließen Gelder für den Abriss der westlichen Häuser des Quartiers, das geringschätzig das Blechbüchsenviertel genannt wird, obwohl weit und breit kein Blech verbaut wurde. Nur Schindeln aus Holz.
Die 99 Wohnungen der großen Häuser sind ein Erbe, dessen sich die Weimarer Wohnstätte bis zum kommenden Jahr entledigt haben wird. Über kurz oder lang, vier oder fünf Jahre, wird die Abrissbirne wohl auch überm Kleinen Landfried baumeln, schätzen die Bewohner. Es lässt sich noch nicht mal jemandem ein Vorwurf daraus machen: Die Wohnstätte tut, was ein Unternehmen tun muss, das an seinen Bilanzen gemessen wird. Sie schlägt mit dem Abriss einen wirtschaftlich plausiblen Weg ein. Nur die Landfried-Bewohner, die wollen sich so leicht nicht einfügen lassen zwischen Soll und Haben.
"Das tut weh." Erich Rebel ist 70 Jahre alt. 52 davon hat er im Kleinen Landfried zugebracht, hinter den Holzschindeln, von denen er sagt, sie funktionierten wie eine Thermoskanne: "Im Winter bleibt das Haus warm, im Sommer halten sie es kühl." Zur Zeit ist sein Häuschen weiß gestrichen, wiewohl das Innere der Wohnung strahlend hell ist. Die Verwahrlosung, die im Zusammenhang mit dem Viertel oft erklärt wird, findet woanders statt. Nicht hier.
Investiert haben sie alle in ihre Mietwohungen, Geld, Kraft, Zeit. Und Beziehungen: Die Fenster, sagt Klaus Kluge, sind Ergebnis eines Tauschgeschäfts vor vielleicht zwanzig Jahren gewesen. Die Gasheizung: sein Eigentum. Die Schiebetüren: im Rahmen nachbarschaftlicher Hilfe selbst gebaut. Die Rechnungen über Arbeiten am Haus, die er selbst getan oder bezahlt hat, stapelten sich bei ihm mehrere Zentimeter hoch, zeigt Erich Rebel an. Das Bad, das Gästeklo, das Schlafzimmer, der Keller ... "Kommen Sie, schauen Sie". Pico bello.
"Ich helfe Dir", dürfte nach allem, was im Viertel berichtet wird, der Satz sein, der zwischen den Nachbarn am häufigsten fällt. Sie packen gegenseitig an, wo es was zu tun gibt. Und sie laden einander ein, wo immer sich Gelegenheit zum Feiern bietet. Es stehen nicht alle drei Dutzend Mietparteien in demselben engen Verhältnis zueiander. Aber das nachbarschaftliche Vertrauen ist sichtbar und hoch im Landfried. "Sie müssten mal dabei sein, wenn im Sommer der Rost brennt", sagt Rebel. Sein Gärtchen ist eingerahmt von kräftigen Büscheln Lavendel.
"Keiner will hier raus", sagt der Rentner stellvertretend für seine Nachbarn. "Keiner will hier weg", sagen zwei Häuser weiter die Kluges. "Warum auch, es ist doch alles in Ordnung." Die Mieten sind billig, seit Ewigkeiten. Dass sie sich werden fügen müssen, damit haben sich die Leute im Landfried abgefunden, irgendwie. Und dass ihnen etwas abhanden kommen wird mit dem Ende des Landfrieds, auch darüber sind sich alle einig. Es gebe, sagt Klaus Kluge, noch immer jede Menge Leute, die sich für das Blechbüchsenviertel interessieren. Sind die leeren Häuser noch zu mieten?, fragten sie. Den Bewohnern wäre es das Liebste, die Wohnstätte entschlösse sich doch noch, Dächer und Fassaden zu sanieren - mit Schindeln oder ohne - und den Innenausbau den Mietern zu überlassen.
Fremde werfen von außen Flaschen und allerhand Abfall über den Bauzaun um den Großen Landfried. An den Rändern, wo es "leergezogen" ist, franst das Viertel aus. Wohnte dort jemand, würden sich die Fremden nicht tummeln. Christa Kluge fürchtet, dass aus dem gelegentlichen Ärger mit zurück gelassenem Abfall der Halbstarken mehr werden könnte: "Viele von uns haben Angst vor einem ,heißen Ende´ des Großen Landfrieds."

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03.02.2004
Leinefelde:Freie Fläche für die "Grüne Achse"
Vom WVL-Gebäude am Bonifatiusplatz 2-8 mit 47 Wohneinheiten wird bis Ende dieser Woche nur ein Schutthaufen übrig sein. Derzeit reißt eine beauftragte Firma aus Gotha den Block vollständig ab. In der nächsten Woche werde der Abtransport des sortierten Materials erfolgen, so WVL-Geschäftsführer Heiko Reinhardt. Auch um die Wiederverwertung des zerkleinerten Betons, eventuell beim Bau der B 247-Ortsumgehung, kümmere sich das Bauunternehmen. Die frei werdende Fläche werde dann erst einmal grüne Wiese und solle später gestalterisch in die "Grüne Achse Leinefelde" einbezogen werden.
Bei der Vorbereitung dieses Abrisses hatte die Wohnungsbau- und Verwaltungs-GmbH Leinefelde mit der in Stadt ansässigen Caritas als Vertragspartnerin zusammengearbeitet. Etwa 15 von der Caritas beispielsweise im Tagestreff Betreute waren im Herbst bei der Beräumung u.a. von Küchen und Kellern eingesetzt. Während dieser Zeit hatten sie Beschäftigung und Einkommen.
"So lässt sich der Stadtumbau mit sozialen Belangen sinnvoll verbinden", freut sich Heiko Reinhardt über einen erfolgreichen Kooperationstest. Nach Abschluss der Entrümpelung im Oktober waren die Abbruchleistungen ausgeschrieben worden, die dann mit der Restentkernung im Dezember begann.
In diesem Jahr plant die WVL noch den Totalabriss weiterer Wohnblöcke. Das betrifft die bereits leer gezogene Schillerstraße 2-4 (Mai/Juni), die Herschelstraße 1-7 (zweites Halbjahr) und die Einsteinstraße 38-44 (Ende 2004).
Leer steht auch schon das Gebäude Büchnerstraße 2-16, von dem voraussichtlich im Juni zwei Etagen abgetragen werden sollen. "Nach diesem Teilabriss ist in der Büchnerstraße eine Wohnungsbau- und Sanierungsmaßnahme vorgesehen, zur Abrundung des Quartiers", so der Geschäftsführer. Unterdessen werde auch an den Stadtvillen weiter gebaut.
Entsprechend des Stadtentwicklungskonzepts der Expo 2000-Stadt Leinefelde reißt die WVL im Plattenbaugebiet Südstadt insgesamt über 1100 Wohnungen ab. Mit dem Bonifatiusplatz 2-8 sind davon derzeit bereits 541 vom Erdboden verschwunden. Bis zum Jahr 2010 sollen noch weitere 569 Wohneinheiten zurückgebaut werden.

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03.02.2004
Zwickau: Es tut sich etwas in der Hauptstraße
Stefan Friederich, Chef des Kaufhauses Joh, hatte sich schon längere Zeit Gedanken darüber gemacht, was Anlieger gegen den drohenden Niedergang der Hauptstraße tun könnten. Wenn schon Händler der Fußgängerzone den Rücken kehren und verwaiste Läden zurücklassen, sollten zumindest die gähnend leeren Schaufenster dekoriert werden, schlug er Ende vorigen Jahres der Stadtverwaltung vor und wollte mit gutem Beispiel vorangehen. Reaktion aus dem Rathaus – gleich null. Die gut gemeinte Idee verpuffte. Bis sie CDU-Fraktionschef Frank Seidel jetzt wieder aufgriff und die Stadtverwaltung mit einer Anfrage zu einer Antwort zwang. „Es ist sinnvoll, die Aktion gemeinsam weiterzuverfolgen“, sagte Pia Findeiß am Donnerstagabend im Stadtrat. Das Rathaus will nun die Fäden in die Hand nehmen und die Hauptstraße aufpäppeln.
Eben dazu gehören die Gestaltung und Beleuchtung leerer Schaufensterfronten. Künftig sollen sich dort Geschäfte, Vereine und sonstige Einrichtungen den Passanten präsentieren können, haben Stadtplaner, Vertreter des Stadtmanagement-Vereins und GGZ vereinbart. Darüberhinaus verwies die Bürgermeisterin auf das Stadtumbau-Programm.
Nach ihren Worten erarbeiten vier Zwickauer Planungsbüros Konzepte zur Belebung der Hauptstraße. Mehr Licht, mehr Grün heiße dabei die Devise. Die Pläne sollen demnächst in den Ausschüssen zur Debatte stehen. „Der Vorschlag des Zwickauer Künstlers Jo Harbort wurde aufgegriffen, vier Kunstwerke des Bildhauersymposiums von 2002 in der Hauptstraße aufzustellen“, verriet Findeiß. Zudem sollen neue Info- und Imbiss-Stände am Schumann- und Marienplatz Fußgänger in die einst bedeutendste Bummelmeile der Stadt locken.

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02.02.2004
Wurzen: Die Abrisslücken werden größer
Stadtumbau Ost: Ab- und Aufbruch in Wurzen. Jetzt einigten sich Stadtverwaltung und Denkmalpfleger über das Wie beim Lücken reißen. Wenn demnächst Häuser verschwinden, dann nicht im kleinen, dafür im großen Stil, bringt Oberbürgermeister Jürgen Schmidt das aktuelle Beratungsergebnis auf den Nenner.
Denkmalpfleger der Kreisbehörde und des Regierungspräsidiums Leipzig sowie Staatssekretär Albrecht Buttolo vom Sächsischen Innenministerium bejahten Ende voriger Woche die Pläne. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Doch Wurzens besondere Probleme zwingen zu anderen Wegen beim Stadtumbau Ost", klärt Schmidt auf und bezeichnet das Vorhaben zugleich als Modellprojekt.
Modellprojekt deswegen, weil in Wurzen weniger die Platte der Abrissbirne zum Opfer fallen wird, sondern vielmehr die "proletarischen Gründerzeitgebäude des mittleren Stadtgebietes". Und das übrigens nicht Haus für Haus. "Wir sind gezwungen, uns von leeren und nicht zu sanierenden Häuserzeilen zu verabschieden." Aus zweierlei Hinsicht, wie Schmidt betont. Erstens: DDR-Neubauten seien zu sehr ins Stadtbild integriert und stärker bewohnt. Zweitens: Etwa 2010 trifft Wurzen die nächste demoskopische Welle durch den Geburtenknick. "Der Bevölkerungsrückgang ist nicht zu stoppen." Sorgenkinder in diesem Fall: Dresdener Straße, Schiller-Straße und Rathenau-Straße.
Um allein 550 Wohnungen, also knapp einhundert Häuser, gehe es konkret, sagt Schmidt weiter. "Achtzig Prozent davon sind Gründerzeithäuser." Sie würden allerdings nicht nur durch kommunale Hand verwaltet. "Private Grundstückseigentümer müssen darüber hinaus ins Modellprojekt einbezogen werden." Denn sie leiden unter dem Wohnungsleerstand wie die Kommunen, zumal gar mancher Sanierungswille durch zurückhaltendere Kreditvergaben der Banken gebremst werde. "Es geht nur gemeinsam mit den Privaten." Dennoch steckt Schmidt klar Tabugrenzen für den Abriss. "Der historische Stadtkern ist unantastbar." Die ersten Begutachtungen von Abrisskandidaten beginnen in vier Wochen.

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