Newsticker Archiv Februar 2005
28.02.2005
Lübeck: Ein Hochhaus wird abgerissen
171 Wohnungen, sechs Hauseingänge, rund 700 Menschen, bis
zu 24 Nationen: Das ist das Hochhaus im Lübecker Stadtteil Bunte Kuh, einer
Neubausiedlung, die nach dem Krieg in der Hansestadt entstanden ist. Der
Plattenbau im Pinassenweg war das letzte große Bauprojekt dort, es ist das
erste, das abgerissen wird - nach nur 35 Jahren.Gründe dafür gibt es viele: Seit
Jahren hat die stadteigene Grundstückgesellschaft Trave nicht genügend Mieter
gefunden. Immer mehr Wohnungen standen leer, die Konflikte unter den Bewohnern
häuften sich, das Haus bekam immer mehr das Image eines Ghettos. Eine dringende
Sanierung hätte zwölf Millionen Euro gekostet. Deshalb entschied die Trave 2001,
das Haus im Zuge des vom Bund geförderten Programms "Stadtumbau West"
abzureißen. Für alle Mieter, die zum Teil von Beginn an dort lebten, bedeutete
dies: Sie mussten unfreiwillig umziehen. Umzugsmanager standen vor der
Mammutaufgabe, für alle Mieter neue Wohnungen zu organisieren. Das Ende des
Pinassenhochhauses bedeutete auch das Ende einer Idee: Die Architektur der
großen Wohnsiedlungen war gescheitert.
www.spiegel.de
24.02.2005
Wittenberge: Städtische Leere wohnlich gestalten
Im Jahr 2020 werden in der Stadt noch 16570 Wittenberger leben. Schon jetzt ist
die Anzahl derer, die hier eine Hauptwohnung haben, auf unter 20000 gesunken.
Nur wenn man die mit einem Zweitwohnsitz angemeldeten mitzählt, kommt die
Elbestadt noch auf über 20000 Einwohner. In den letzten Jahren hat Wittenberge
in zwölf Monaten jeweils rund 500 Einwohner verloren. Hält dieser Trend an, dann
erreicht Wittenberge die für 2020 vom Landesbetrieb für Datenverarbeitung und
Statistik Land Brandenburg prognostizierte Bevölkerungszahl schon früher.
Das Interesse am Thema ist groß, denn an die 250 Wittenberger waren der
Kulturbundeinladung gefolgt. Außerdem natürlich diejenigen, die zum Thema gehört
werden sollten. Bürgermeister Klaus Petry und Brandenburgs Sozialministerin
Dagmar Ziegler saßen ebenso in der von Kulturbundchef Dietrich Nehrenberg
moderierten Runde wie Stadtbauamtsleiter Ulrich Siodla und der Chef des
kommunalen Eigenbetriebes Dr. Oliver Hermann. Als dieser, so formulierte es Dr.
Hermann, stehe er den freiwilligen Aufgaben vor, die trotz Ebbe in den
kommunalen Kassen zur Daseinsvorsorge in der Stadt gehören. Mit der Bildung des
Kultur- und Tourismusbetriebes könne man aber zunehmend auch unternehmerische
Bereiche erschließen.
Begonnen hatte der Kulturbundabend mit einem halbstündigen Exkurs von
Bürgermeister Klaus Petry in das Land Brandenburg, bei dem die Zuhörer erfuhren,
dass der Bevölkerungsrückgang kein hausgemachtes Problem von Wittenberge sei:
Rückläufige Geburtenzahlen im Bund und im Land (1989 noch 33000 Geburten, heute
rund 18000 im Jahr), höhere Lebenserwartungen damit ein größerer Anteil von
älteren Menschen. 2003 waren 28,5 Prozent der Elbestädter über 65 Jahre alt,
2020 werden es voraussichtlich 34,7 Prozent sein. 2003 waren 7,4 Prozent der
Wittenberger unter 15 Jahre alt, 2020 sollen es wieder 9,5 Prozent sein. Nur
acht von 28 Städten im Land haben wachsende Bevökerungszahlen. Wittenberge muss
mit seinem Schrumpfungsprozess fertig werden. Kurz und knapp der Erläuterungen
des Bauamtsleiters zum Stadtumbau in Einheit von Abriss (bis 2015 sollen es 2400
Wohnungen sein) und Aufwertung, ein Stichwort dazu: "Die Leere wohnlich
gestalten." Sorgen bereitet die Magdeburger Seite des Bahnhofs. Drei Millionen
Euro waren für den Umbau dank des Förderprogramms ZiS vorgesehen. Allenfalls
sind 500000 Euro sicher.
www.svz.de
24.02.2005
Magdeburg: Großflächiger Wohnungsabriss in
Magdeburg begann
Wegen der dramatischen Abwanderung wird ein Fünftel der Magdeburger
Plattenbausiedlung Neu Olvenstedt abgerissen. In diesem und im kommenden Jahr
will die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH (Wobau) dort für rund fünf
Millionen Euro fast 2300 leer stehende Wohnungen abtragen. Am Mittwoch begannen
die Arbeiten offiziell. Durch den Abriss ganzer Quartiere erhalte Neu Olvenstedt
ein völlig neues Gesicht, erklärten Vertreter der Stadt und der
Wohnungsgesellschaft.
In Sachsen-Anhalt stehen derzeit rund 200 000 Wohnungen leer.
Für das Plattenbaugebiet Neu Olvenstedt war am 13. Februar 1981 im Zuge des
Wohnungsbauprogramms der SED der Grundstein gelegt worden. Vor rund 15 Jahren
wurden die letzten Gebäude erbaut. Derzeit leben in dem Stadtteil rund 16 000
Menschen, 1998 waren es noch etwa 28 000. Laut Wobau sind viele leere Wohnungen
selbst für null Euro nicht mehr vermietbar und stellen deshalb ein großes
wirtschaftliches Problem dar. 2005 und 2006 stehen in Sachsen-Anhalt für das
Programm 48 Millionen Euro zur Verfügung, die Bund und Land zu gleichen Teilen
beisteuern. 2004 waren rund 44,4 Millionen Euro für den Abriss von Wohnungen und
rund 3,5 Millionen Euro für die so genannte Aufwertung von Stadtteilen
bereitgestellt worden. Insgesamt sind für das Stadtumbau-Programm in
Sachsen-Anhalt in der Zeit von 2002 bis 2009 rund 356 Millionen Euro an Bundes-
und Landesmitteln eingeplant.
www.mz-web.de
21.02.2005
Hof: Den Wandel als eine Chance begreifen
300 000 Euro wurden der Stadt Hof für das Programmjahr
2004 zugesprochen. Die besondere Aufgabe des Stadtumbaus sieht den Wandel als
Chance; neue Beteiligungsformen sind angestrebt, so sollen Bürger, private
Investoren und die örtliche Wirtschaft motiviert werden, aktiv am
Stadtumbauprozess mitzuwirken. Grundsätzlich beträfe der Stadtumbau das gesamte
Stadtgebiet. Für die Bewerbung waren jedoch Teilräume zu nennen. Die Stadt Hof
hatte sich deshalb für die Teilgebiete Bereich Güterbahnhof und Industriebrache
Textilgruppe an der Fabrikzeile ausgesprochen. Die oberste Baubehörde hat jedoch
auf eine Beschränkung auf ein Teilgebiet – die Industriebrache am Saaleufer –
gebeten. Das Jahresprogramm 2005 wurde vom Sanierungsträger bereits aufgestellt
und im Rathaus vorberaten. Es sieht einen Finanzbedarf von 525 000 Euro vor,
wozu Fördermittel in Höhe von 80 Prozent aus dem Förderprogramm erwartet werden,
immerhin 420 000 Euro. Das Programm soll zudem in den Jahren 2006 bis 2008
fortgeschrieben werden. Das Gremium fasste damit den Grundsatzbeschluss, den
Schrumpfungsprozess im Stadtgebiet als Zukunftsaufgabe offensiv anzugehen und
dabei eine innovative Stadtumbaustrategie zu verfolgen. „Der Stadtrat sieht es
als Verpflichtung, im Rahmen der Erarbeitung eines integrativen
Stadtentwicklungskonzeptes die Bürgerschaft, die örtliche Wirtschaft, Vereine
und Verbände aktiv und innovativ zu beteiligen“, heißt es im Beschluss.
www.frankenpost.de
20.02.2005
Rathenow: Und wo sollen wir parken?
Etwa 1 500 Wohnungen sollen bis 2015 beim großen
Stadtumbau allein in Rathenow Ost verschwinden. Was genau passieren soll mit dem
Stadtteil, ist in der Rahmenplanung Rathenow Ost nachzulesen. Enthalten im
Umbauprogramm ist auch der Abriss von Garagenkomplexen. Dass es nach der
Verkündung der Abrisspläne für die Garagenkomplexe fast keinen Protest gab,
überraschte auch Schirrmacher. Dies insbesondere deshalb, da die Garagen
Privateigentum auf städtischem Grund und Boden sind, die laut
Schuldrechtsanpassungsgesetz ab 2007 entschädigungslos abgerissen werden können.
Und obgleich über 90 Prozent der rund 390 Garagen noch genutzt werden, hätten
sich vielleicht zehn Leute für den geplanten Abriss interessiert. Von Aufregung
weit und breit keine Spur.
Zuerst fallen sollen die beiden Garagenkomplexe an der Bammer Landstraße und an
der Bahn mit 94 und 56 Garagen. Im Bereich der Klara-Zimmermann-Straße sollen
noch in diesem Jahr die ersten Wohnblöcke fallen. Mit den Blöcken verschwinden
am östlichen Stadtrand Rathenows die Mieter und mit ihnen der Bedarf an Garagen.
In der Nord-Süd-Linie auf der Rückseite des Lidl-Supermarktes machen die
Stadtplaner einen Schnitt. Ist der Bereich östlich davon abgerissen, wird
naturiert. Geplant ist kein Park, sondern Wald. Aus Sicht der Stadtplaner mache
es keinen Sinn, die Garagenkomplexe im Grünen zu erhalten. Zudem:
Garagenkomplexen weit weg von Wohnbebauung würden schnell Zustände wie am
Komplex Fauler See II drohen. Der verwahrloste Komplex wird abgerissen.
Verschwinden soll auch der Garagenkomplex am Heizhaus mit 79 Garagen.
Entscheidend hierfür sind gestalterische Gründe. Die Garagen stören den
Gesamteindruck in dem Kietz, in dem die Wohnungsgesellschaften bereits gute
Sanierungsfortschritte erzielt haben. Anders als am östlichen Stadtrand soll die
Abrissfläche aber nicht begrünt werden, sondern zum Parken dienen. Da nicht
jeder Mieter vor seinem Wohnblock einen Parkplatz haben kann, sieht die
Stadtplanung in dem Bereich des Garagenkomplexes Gehrmannstraße einen
zusätzlichen Bedarf an Parkraum. Ansonsten wird die Zahl der im öffentlichen
Bereich befindlichen Stellplätze in Rathenow Ost als ausreichend angesehen.
www.maerkischeallgemeine.de
20.02.2005
Magdeburg: Stadtumbau in Neu-Olvensted
Zum einen sei Neu-Olvenstedt „ein selbstbewusster
Stadtteil, in dem sich viele Bürger engagieren, damit er lebens- und liebenswert
ist“. Zum anderen nannte er Zahlen und Fakten: „Die Stadt hat zwischen 1994 und
2004 über verschiedene Programme mit Anteilen von Bund und Land rund 12
Millionen Euro in Olvenstedt investiert.“ Auch in diesem Jahr solle die
Attraktivität Olvenstedts weiter gesteigert werden. Kaleschky nannte zum
Beispiel die Vollendung der Außenanlagen am Freibad, die weitere Umgestaltung
des Parkweges im Bereich des Gorki-Denkmals, die Fortsetzung des Gehund Radweges
am Bruno-Taut-Ring. Zum „Stadtumbau Ost“: Bislang seien in Olvenstedt rund 400
Wohnungen und zwei Kindergartengebäude abgerissen worden. Ein Anfang. 2005
stünden für Abriss in Olvenstedt 5, 2 Millionen Euro Fördermittel bereit. Mehr
als 1600 Wohnungen sollen zurückgebaut werden, vornehmlich am Rennebogen. „Dabei
wollen wir die Infrastruktur erhalten, keine Leitungen zurückbauen, um die
spätere Bebauung mit Einfamilienund Reihenhäusern zu ermöglichen. Zunächst wird
aber nichts übrig bleiben, als die Flächen zu begrünen.“
Willi Plater brachte auf den Punkt, was viele Olvenstedter bewegt: „Wir fühlen
uns hier wohl, möchten hier wohnen bleiben. Aber wie lange dürfen wir noch
bleiben?“ Ein anderer Olvenstedter sagte, der Stadtteil habe den Stempel
„Abrissgebiet“ aufgedrückt bekommen. Die Folge: ein schlechtes Image. Trümper
führte das gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen ausgewiesene Kerngebiet an.
Hier werde nur punktuell abgerissen, grundsätzlich solle das Gebiet erhalten und
aufgewertet werden. Im Außenbereich, wo lediglich Abrisse gefördert werden,
müsste jeder Vermieter selbst festlegen, was er will. Trümper riet zur
Gelassenheit angesichts dessen, dass heute nicht für jeden Block vorausgesagt
werden könne, was die Zukunft bringt. Sicher sei, dass das Leerstandsproblem auf
absehbare Zeit bestehen bleibt. Und auch das: „Wer gern in Neu-Olvenstedt im
Plattenbau wohnen bleiben möchte, kann das auf jeden Fall.“
www.volksstimme.de
18.02.2005
Schwerin: Zum Lüften bleibt das Fenster geschlossen
Mit dem Pilotprojekt Niedrigenergie-Haus läutet die
Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) eine neue Runde im Stadtumbau Ost
ein. Aus dem Wohnblock Tallinner Straße 20 bis 26 wird eine Stadtvilla, deren
Energieverbrauch strengsten Umweltschutzkriterien gerecht werden soll. "Wir
setzen in der Planung auf bewährte Schweriner Büros", sagt Gabriele Szymanski
von der SWG.
Wenn das Haus im Herbst bezugsfertig ist, sind von den 60 Wohnungen noch 19
übrig geblieben. Szymanski: "Die Aufgänge verschwinden komplett, das oberste
Geschoss wird zurückgebaut und direkt unterm neuen Dach entstehen große
Zweiraumwohnungen." Zwischen 47 und 97 Quadratmeter groß werden die anderen
Zwei-, Drei- und die familienfreundlichen Vierraumwohnungen sein.
"Die Haustechnik gewährleistet ständig frische, gefilterte Luft, ohne dass
anderweitig gelüftet werden muss – ideal für Allergiker", erläutert Szymanski.
Fenster in fast allen Bädern, Balkone, große Wohnzimmer und Küchen – das sind
Vorzüge, mit denen die SWG bei zukünftigen Mietern punkten will. Mehr
Informationen gibt es im Baubüro Vidiner Straße 1.
www.svz.de
18.02.2005
Abriss löst Leerstands-Problem nicht
Volkswirt Dr. Kristof Dascher (37), der an der
Europa-Universität arbeitet, hat sich in einer Arbeit mit dem Thema
auseinandergesetzt.
In dem Arbeitspapier, das den Titel "Zum Abriss des Wohnungsleerstands, oder:
Schilda in ostdeutschen Städten" trägt, kommen Sie zu der Aussage, dass die
Wohnungsunternehmen zum Teil selbst schuld sind an ihrer Situation.
Ostdeutsche Wohnungsunternehmen haben hohe Marktanteile und bestimmen effektiv
die Preise. In einer Untersuchung des Dachverbands deutscher Wohnungsunternehmen
ist nachzulesen, dass in Brandenburg im Durchschnitt 3,78 Euro Nettokaltmiete
verlangt werden. In Bayern sind es nur wenig höhere 3,90 Euro. Aber wenn die
Mieten im Osten und Westen auf gleichem Niveau sind und ich hier im Osten eine
deutlich schlechtere Perspektive auf einen Job habe, ist doch klar, dass ich
einen Umzug ins Auge fasse. Kurz: Die Mieten in Ostdeutschland sind einfach zu
hoch. Einen zweiten Eindruck geben übrigens Zahlen, die aus einer
Mieterbefragung durch das Ministerium für Städtebau in Potsdam stammen. Danach
wurden 2001 für eine voll ausgestattete Wohnung 4,19 Euro verlangt, bei
Teilausstattung 2,66 Euro. Die Vergleichszahlen für 2004 sind 4,27 Euro bzw.
3,27 Euro. Der Preisnachlass bei einer nicht-modernisierten Wohnung ist nicht
nur gering. Er ist sogar noch kleiner geworden. Im Grunde subventionieren Mieter
in nicht-modernisierten Wohnungen diejenigen Mieter, die in modernisierten
Wohnungen leben. Und alle gemeinsam zahlen zuviel.
Was wäre Ihr Vorschlag?
Die Kommunen sollten ihren Wohnungsunternehmen vorgeben, die Mieten drastisch zu
senken. Das würde die Nachfrage nach Wohnfläche stabilisieren. Der Leerstand
würde kleiner. Die Abwanderung würde gebremst. Und sogar eine mäßige Zuwanderung
wäre denkbar.
Glauben Sie tatsächlich, dass man auf diese Weise mehrere tausend Wohnungen in
Frankfurt wieder füllen kann?
Sicher nicht alle, die jetzt leer stehen. Aber die Mieter reagieren ohne Zweifel
auf Mietunterschiede. Warum sollten die 120 bis 150 Euro, die man bei z. B.
einer Halbierung der Mieten erlassen bekäme, kein Argument für das Bleiben (oder
sogar Kommen) sein? Jeder Pendler, der aus Berlin kommt und in Frankfurt
arbeitet oder studiert, wird sich bei einer billigen Miete überlegen, ob er
nicht doch eine Zweitwohnung hier vor Ort nutzt. Oder Mietern könnte die
benachbarte leer stehende Wohnung zu einem Rabatt angeboten werden. Mit einem
Durchbruch würden beide anschließend verbunden. Es ist doch so: Wegzüge sind
eine Summe von Motiven. Eines dieser Motive ist günstiger Wohnraum.
Die Wohnungsunternehmen betonen, dass sie gar keine Wahl haben, weil sie die
Altschulden tilgen müssen. Die bekommen sie nur erlassen, wenn sie abreißen.
Das Argument ist bekannt und leider sogar richtig. Aber warum belohnt die
Bundesregierung mit ihrem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" die
Wohnungsunternehmen in Milliardenhöhe dafür, dass diese ihre Wohnungen abreißen?
Warum unterstützt sie die Rückzahlung der Altschulden nicht einfach so, ohne
dass abgerissen wird? Und warum sind die Wohnungsunternehmen mit dieser Form der
Unterstützung so zufrieden? Es ist wirklich absurd. Stellen Sie sich vor, Sie
kaufen sich ein neues Auto, nehmen dafür einen Kredit auf, fahren das Auto an
den Baum und gehen zur Bank und sagen: So, das Auto ist weg, jetzt muss auch der
Kredit gelöscht werden.
www.moz.de
17.02.2005
Apolda: soll nach innen schrumpfen
Für jeden Quadratmeter abgerissene Wohnfläche erhalten die
Stadt Apolda bzw. Wohnungsunternehmen 60 Euro an Förderung aus dem
Bundesprogramm "Stadtumbau Ost". Hauptsächlich betrifft das in diesem Jahr
Apolda-Nord.
Für den Herbst rechnet Baudezernent Konrad Heinemann mit dem Beginn der
Abrissarbeiten an fünf Blöcken im Neubaugebiet Apolda Nord. In der
Paul-Schneider Straße betrifft der Aderlass insgesamt 240 Wohnungen. Die Blöcke
der beiden Wohnungsbauunternehmen WGA und AWG sind längst leergezogen und ein
gemeinsamer Planer arbeitet an den Abbruch-Konzepten. Der Rahmenplan hierzu
wurde auch mit den Versorgungsunternehmen abgesprochen.
Der "Stadtumbau Ost" soll einen Aufschwung der Innenstadt bewirken. "Nach innen
schrumpfen" nennt das der Dezernent. Der Umzug der Mieter von den Randgebieten
in das Zentrum ist beabsichtigt, um hier leer stehende Gebäude zu sanieren und
später mit Mietern wiederzubeleben. "Oft sind uns aber die Hände gebunden", so
Baudezernent Heinemann. Wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse oder
uninteressierter Eigentümer, die im Ausland oder anderen Bundesländern wohnen.
Der fortschreitende Verfall deren Häuser nötigt die Stadt zu Absperrmaßnahmen,
um die Sicherung der öffentlichen Flächen zu gewährleisten. Geschehen ist das
bereits in der Reuschelstraße und an der Ecke Dr. Külz-Straße / Eduard-Straße.
Dabei versuche die Stadt, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen.
Insbesondere der Initiativkreis Stadtplanung im Wirtschaftsförderverein
bespricht Quartierveränderungen im Einvernehmen mit den Eigentümern.
Dem Programm "Stadtumbau Ost" haben sich in Thüringen knapp 50 Städte
verschrieben. Sie bilden einen Monitoring-Verein, der gerade dabei ist, soziale
Strukturen statistisch zu erfassen. Hierzu hatte die Stadt Anfang des Jahres mit
den Bescheiden zur Grundsteuer und Straßenreinigung auch Fragebögen den
Haushalten zugestellt. Die gewünschten Daten über Wohnungsgrößen und -belegungen
dienen den Stadtplanern zur Entwicklung der einzelnen Stadtquartiere. Im Rahmen
des Städteumbau Ost erfolgt zugleich eine statistische Erhebung für ganz
Thüringen damit. Daher bittet Heinemann die Hauseigentümer, diese Fragebögen
auszufüllen und auch zurück zu senden.
www.thueringer-allgemeine.de
17.02.2005
Ruhla: Die ersten Blockabrisse auf dem Liesenberg
stehen kurz bevor
Seit gestern ist das Schicksal der beiden Blocks
besiegelt. Endgültig. Ruhlas Bürgermeister und der kaufmännische Chef der
Genossenschaft "Erbstromtal" unterzeichneten einen Vertrag, wonach die Gebäude
Südweg 2 bis 6 und Friedrich-Lux-Straße 8 bis 12 fallen.
Damit hat sich die in Seebach ansässige Wohnungsgenossenschaft "Erbstromtal" als
erste zu Abrissen auf dem Liesenberg entschlossen. Die stadteigene Wohnbau Ruhla
GmbH plane dies - zumindest bisher - noch nicht ernsthaft, erklärte
Bürgermeister Gerald Pietsch . Allerdings: Alle Abrisse in Ruhla und in Seebach
folgen einer für beide Orte geltenden Strategie, genannt
Stadtentwicklungskonzept (SEK), in der auch Wohnbau-Blocks rot markiert sind.
Rot steht für potenzielle Abrisskandidaten. Das SEK versuche eine Vorausschau um
etwa 15 Jahre. "Alle drei Jahre werden wir prüfen, ob Entwicklungen eingetreten
sind, die wir erwartet haben." Dann werde über weitere Abrisse entschieden. Am
Ende könnten von den derzeit 14 Liesenberg-Blocks gerade fünf übrig bleiben.
Die Genossenschaft verfügt nach Angaben ihres kaufmännischen Vorstands Andreas
Güsmer zurzeit über 1431 Wohnungen in Seebach, Ruhla, Thal und Wutha-Farnroda.
Mehr als jede vierte sei unbewohnt. So sind es finanzielle Gründe, weshalb die
beiden Liesenberg-Gebäude "vom Markt genommen werden", wie es gerne nebulös
formuliert wird. Das spart Unterhaltungskosten. Außerdem wird die Genossenschaft
mit dem Erlass von rund 140 000 Euro Altschulden für den Abriss belohnt. Güsmer:
"Das ist viel Geld, das wir nicht mehr an die Bank zurück zahlen müssen."
www.thueringer-allgemeine.de
17.02.2005
Land Brandenburg: Abriss allein reicht nicht
Brandenburgs Bauminister Frank Szymanski hat weitere
Anstrengungen beim Stadtumbau angemahnt. Seit 2002 seien in 26 Städten
Brandenburgs rund 15000 Plattenbauwohnungen abgerissen. Das ist Teil des
Wohnungsumbauprogramms Ost bis 2009. Bedingt durch die wirtschaftliche Situation
werden bis 2020, so Prognosen, 200000 Brandenburger ihre Heimat verlassen. Das
wurde am Mittwoch auf einer wissenschaftlichen Tagung an der
Brandenburgisch-Technischen Universität in Cottbus deutlich. Auf ihr berieten
Experten, wie Plattenbauten mit neuen Grundrissen und neuem Aussehen Attraktiver
werden können. Von der Bundesregierung forderte Szymanski das Umbauprogramm über
2009 fortzuführen und finanzielle Mittel für die betroffene Infrastruktur bereit
zu stellen.
Schwedt, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Cottbus und Guben stehen beispielhaft für
schrumpfende Städte in Brandenburg. Der damit verbundene Stadtumbau rückt
zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der hohe Wohnungsleerstand
bei gleichzeitiger Zersiedlung stellt für Politiker, Stadtplaner, Architekten
und nicht zuletzt für die Wohnungswirtschaft eine völlig neue Herausforderung
dar.
Seit dem Jahr 2000 beschäftigt sich mit dieser Problematik eine
Wissenschaftlergruppe um Angelika Mettke von der BTU. An über zehn Standorten,
vornehmlich in Brandenburg und Berlin, untersucht ihr Team Möglichkeiten, wie
besonders Innenstädte in der Region durch einen Teilrückbau von Plattenbauten
attraktiver gestaltet werden können und dabei die Wohnungsgesellschaften aus den
roten Zahlen herauskommen.
www.moz.de
16.02.2005
Plädoyer für sanften Stadtumbau
Die Initiatorin der Fachtagung, Dr. Angelika
Mettke, ist oft belächelt worden, als sie sich schon frühzeitig dafür einsetzte,
die Plattenbausiedlungen im Osten schonend zurückzubauen und wiedergewonnene
Bauteile für andere Zwecke zu nutzen. Heute sind ihre Erfahrungen aus
jahrelanger interdisziplinärer Forschung begehrt. Selbst aus dem Westen kommen
Anfragen zum Rückbau, sagt die Leiterin der Fachgruppe Bauliches Recycling des
Lehrstuhls Altlasten der BTU.
Dabei sei Rückbau überhaupt nichts Neues. «Rückbau gibt es immer dann, wenn es
einen Mangel gibt.» In den 80er-Jahren der DDR beispielsweise, als Baumaterial
knapp war, wurden Tagesanlagen in Tagebauen umgesetzt, bevor sich die Abraum-
und Kohlebagger weiter durch die Landschaft fraßen. Angelika Mettke hatte die
Machbarkeit im Tagebau Bärwalde nachgewiesen und 1994 an der BTU promoviert zum
Thema «Wiederverwendung von Bauelementen des Fertigteilbaus» .
Ihre Doktorarbeit ist abgegriffen als würde sie täglich auf Baustellen
gebraucht. «Stimmt fast» , schmunzelt Mettke, «auf die Erfahrungen greifen wir
auch heute beim Rückbau der Platte zurück.» Dass das ein wichtiges Thema werden
würde, habe sie erkannt, als die ersten Wohnungen in ihrem Achtgeschosser leer
blieben.
Der grassierende Mangel an Mietern im Osten und der Mangel an Attraktivität der
Platte hat zu vielfältigen Reaktionen geführt, von der Sanierung der Wohnungen
über das Abtragen einzelner Geschosse bis zum kompletten Rückbau. Seit 2002
greifen Bund und Länder der ostdeutschen Wohnungswirtschaft dabei kräftig unter
die Arme. Mit dem Programm Stadtumbau Ost wurde ein milliardenschwerer
Fördertopf geöffnet. Er soll es ermöglichen, bis 2009 etwa ein Drittel des
Leerstands vom Markt zu nehmen.
Die Wohnungswirtschaft spricht von 1,3 Millionen leer stehenden Wohnungen. Rund
60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bekommt sie geschenkt, wenn sie Leerstand
beseitigt. Damit lasse sich am einfachsten ein kompletter Abriss finanzieren,
erklärt Mettke. «Für einen sanften Teilrückbau reicht das nicht» , bedauert sie.
So würden oft «riesige Lücken in Wohngebiete gerissen, es bleiben Freiflächen
zurück, für deren Gestaltung später womöglich kein Geld mehr da ist» , schildert
die Bauingenieuren und warnt davor, einen neuen Mangel an Attraktivität zu
schaffen. Sie fordert deshalb eine differenziertere Förderung, «die den
Teilrückbau stärker belohnt» .
In all den Jahren ihrer Forschung habe sie immer wieder beobachten müssen, «wie
starre Förderrichtlinien mieterfreundlichen Stadtumbau bremsen» . So habe
beispielsweise Sachsen zwar mal Fördermittel für das Abtragen ganzer Etagen von
Hochhäusern und Elfgeschossern ausgereicht, sei damit aber schon in der achten
Etage ausgestiegen. «Die Frage ist, ob die künftigen Mieter – in 20 Jahren
werden das überwiegend 60-jährige Senioren sein – noch in einem Achtgeschosser
wohnen wollen» , sagt Mettke, «oder aber in Fünfgeschossern ohne Fahrstuhl.» Sie
plädiert für eine stärkere Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung und
Mieterwünsche.
«Der Druck muss raus aus dem Stadtumbau» , fordert die Fachfrau. «Das Jahr 2009
als Schlussjahr des Stadtumbau-Ost-Programms hängt wie ein Damoklesschwert über
der Platte. Das bringt eine gefährliche Hast in den Rückbauprozess. Es besteht
die Gefahr, am Bedarf vorbei zu agieren.»
Mettke hat in ihre seit dem Jahr 2000 vom Bundesforschungsministerium
geförderten Untersuchungen zum «Rückbau industrieller Bausubstanz –
großformatige Betonelemente im ökologischen Kreislauf» die BTU-Lehrstühle
Sozialwissenschaftliche Umweltfragen, Stadtplanung und Raumgestaltung, Bauen und
Erhalten sowie Landschaftsplanung und Freiraumgestaltung integriert. Die
Förderung wurde für weitere zwei Jahre verlängert.
www.lr-online.de
13.02.2005
Lobenstein: Sanierter Block steht
jetzt auf der Abrissliste
Im Lobensteiner Wohnungsbestand werden auf
absehbare Zeit die Reihen gelichtet. Voraussichtlich Ende nächsten Jahres
beginnt der Abriss des komplexen Wohnblockes Unterlemnitzer Weg Nr. 1 bis 7.
Damit setzt die Wohnbau GmbH Lobenstein das Programm "Stadtumbau Ost" um.
Von insgesamt 56 Wohnungen in diesem Anfang der 90er Jahre grundhaft sanierten
Block sind derzeit nur noch 20 bewohnt, informierte Wohnbau-Chef Dr. Bernd
Müller. Bis Monatsende sollen daher alle Mieter mit einem Schreiben vom
beabsichtigten Freizug informiert werden, um den Weg für die Abrissbirne frei zu
machen. Zwei der Wohnungen befinden sich in Privateigentum. "Ein Rückkauf wird
nicht angeboten", stellte Dr. Müller klar. Stattdessen würden den Eigentümern
gleichwertige Wohnungen im Bestand der Wohnbau GmbH für einen Umzug angeboten.
Noch seien klärende Gespräche u. a. mit den Banken erforderlich, betonte Dr.
Müller. Das Wohnungsunternehmen sehe sich zum Abriss von Wohnungen aufgrund des
hohen Leerstandes gezwungen. "Die Wohnbau GmbH muss den Kapitaldienst für die
Altschulden leisten, die auch auf den leerstehenden Wohnungen lasten",
erläuterte Dr. Müller, "andererseits fehlen beim Leerstand die Mieteinnahmen."
Beim Abriss würde dem Unternehmen dieser Kapitaldienst erlassen und stattdessen
vom Bund übernommen. Laut Stadtentwicklungskonzept würde der Wohnbau GmbH
Lobenstein derzeit bis zum Jahr 2010 ein Leerstand von rund 420 Wohnungen
prognostiziert. Aktuell seien zurzeit 200 Wohnungen ohne Mieter.
www.otz.de
13.02.2005
Stadtabriss oder Stadtumbau?
Stadtumbau Ost darf nicht zum Stadtabriss verkommen. - Stiftung Bauhaus Dessau
und Hochschule Anhalt sehen die neuen Freiflächen, die Weitläufigkeit inmitten
von Städten als willkommenes Betätigungsfeld. Was hier an neuen
Stadtlandschaften entworfen wird, soll Bürgern, Politikern, Ämtern,
Unternehmen... in den Kommunen Fundament sein für ihre Stadt der Zukunft.
Wie sieht die Stadt aus, in der junge Menschen leben wollen, deren Einwohner
aber überwiegend ältere Bürger sein werden? Wie kann man eine Stadt attraktiv
gestalten, wenn sie das Attribut "schrumpfend" trägt? "Schrumpfung" initiiert
ein Negativ-Szenario: Weniger Einwohner auf einer Fläche vergrößert deren
(soziale) Entfernung zueinander. Auch der "Abriss" ruft Unwohlsein bei den
Menschen hervor. Wird doch der Bevölkerung ein Teil ihrer persönlichen
Lebensgeschichte weggerissen. So entstehen freie Flächen, die aus emotionalen
Gründen kaum einer haben will. "Warum wird ,schrumpfen' nicht als geordneter
Rückzug aus den nicht zur Stadt gehörenden, von ihr unberechtigt besetzten,
fälschlich angeeigneten Gegenden verstanden?", fragt Manfred Sundermann von der
Hochschule Anhalt.
An Halles Stadtrand wurde der Landschaft Ackerfläche zurückgegeben. Auch in
Leipzig sind Verträge mit Land- und Forstwirtschaft geschlossen worden, damit
die frei gewordenen Flächen gepflegt und bearbeitet werden können. "Heißt ,Stadt
bauen' nicht auch, sie zu ordnen?", fragt Sundermann weiter. Wenn man die
Brachen als neuen "Frei-Raum" betrachtet, in dem man sich ausprobieren, mit dem
man experimentieren kann, helfe dies der Bevölkerung, den Abriss-Prozess besser
zu verarbeiten, meint Engelbert Lötke-Daldrup, Vorstandsmitglied des Bau- und
Verkehrsausschusses Ost.
Inge Kunath, Leiterin des Grünflächenamtes Leipzig, kann mit Beispielen
aufwarten. "Weniger Dichte ist mehr Raum für Individualität." Leipzig hat eine
funktionierende Management-Strategie, um bürgerliches Engagement zu aktivieren.
Das füllt die neuen "Erholungs-Räume" unter anderem mit Gärten zwischen den
Häusern, mit Sand für Volleyballplätze.
"Der Prozess der Beschleunigung hat zum großen Verlangen der Bevölkerung nach
Entspannung geführt", sagt die Amtsleiterin und dass man einfach zuschauen
solle, welche Entwicklung solche Freiflächen nehmen. Die werden auch an Bürger
vermietet zur individuellen Nutzung. Seit etwa drei Jahren verzeichnet Leipzig
einen Trend "zurück in die Stadt".
"Menschen können ihre Lebensstile in kürzester Zeit verändern", sagt Elisabeth
Kremer von der Stiftung Bauhaus. Innerhalb von nur zehn Jahren vollzog sich eine
massive Abwanderung von der "Platte" raus auf die Eigenheim-Teppiche. Gründe
sieht sie in der Umwertung von Wohnverhältnissen. Bedeutete zur DDR-Zeit die
Neubauwohnung eine Statusanhebung, war nach der Wende das Eigenheim auf der
grünen Wiese eine Prestigesache.
Im subventionierten Eigenheimbau sieht Kremer auch ideologische Gründe: "Die
Förderung des Eigenheims wurde gleichgesetzt mit der Förderung westlicher
Werte." Eine Rückorientierung auf innerstädtische Freiflächen hält sie für
möglich. Doch müssten damit wiederum Prestige- und Statusgewinn verbunden sein.
Und die Befriedigung unterschiedlicher Lebensstile. Das Bauen im Bestand, so
Kremer, müsse eine gleichwertige Unterstützung erfahren wie der Eigenheimbau.
Ein Segen ist's für jeden Stadtplaner, über Freifläche in der Innenstadt
verfügen zu können. Doch fällt dieser Architekten-Traum in die Zeit knapper
Finanzen. Die Stadtplaner haben sich auf einen schweren Kommunikations-Weg
begeben. Man muss viel reden in den Ämtern, bis man dort begriffen hat: Der
Bürger selber soll seine Stadt bauen, dann will er auch drin wohnen.
Bürgerbeteiligung also wird von den Planern eingefordert und eine Vision. Der
Strukturwandel verlange, dass jede Stadt ehrlich in den Spiegel schaut und ihr
neues Gesicht wahrnimmt. Von einer Mobilisierung der gesellschaftlichen
Intelligenz ist die Rede. Die Bürger selber sollen entscheiden, welches Profil
sie ihrer Stadt geben. Da werden die ihre Vorstellungen haben, die ihre Kinder
über weite Wege zur Schule und zu Freizeitaktivitäten transportieren müssen.
Auch jene, die keine Arbeit haben, sich trotzdem sozial aufgehoben fühlen wollen
in ihrer Stadt.
www.volksstimme.de
08.02.2005
Cottbus: Mehr als 700 Wohnungen in Sandow vor
Abriss
In Sandow sollen bis 2010 mehr als 700 Wohnungen abgerissen werden. Das geht aus
dem Entwurf des Stadtumbaukonzeptes für den östlichen Stadtteil hervor. Der
bereits angekündigte Abriss des Hauses Bodelschwinghstraße 18 bis 25 ist eine
von sechs größeren Abbruch-Vorhaben bei Wohnungen.
Die weiteren fünf Vorschläge zum Wohnungsabriss betreffen die
Hans-Beimler-Straße 24 bis 26, die Bodelschwinghstraße 1 bis 5, die
Albert-Förster-Straße 1 bis 8 sowie die bereits bekannten Adressen Lindenplatz 1
bis 12 und Hainstraße 29 bis 31 – allesamt aus dem Bestand der Gebäudewirtschaft
Cottbus (GWC). Kurz vor dem Abriss steht bereits das Haus Muskauer Straße 7/8.
Dort wurde gestern Nachmittag begonnen, Bauzäune um das leere Gebäude
aufzustellen. Abgerissen sind schon zwei frühere Kinder-Einrichtungen in der
Bodelschwingh-Straße sowie in der Elisabeth-Wolf-Straße. Flächenabriss wie in
der Sachsendorfer Hegelstraße ist für Sandow laut Konzept bis 2010 nicht
vorgesehen. Die Wohnungsbaugenossenschaft GWG sieht derzeit gar keinen
Handlungsbedarf. In deren Bestand wird kurzfristig nicht abgerissen, bestätigt
das Konzept frühere Aussagen des GWG-Vorstands Rüdiger Kießlich. Allerdings
vermerken die Verfasser, dass sich die Probleme künftig auch in Sandow
verstärken könnten: «Das Problem liegt in der zu erwartenden Überalterung (der
Bevölkerung/d. A.) und in fehlenden Zuziehern. Damit kann es mittelfristig auch
in Sandow eine Leerstandsproblematik geben.» Laut Konzept hat die GWC bis 2010
etwa 750 Wohnungen für den Abriss vorgesehen. Darunter befinden sich etwa 150
Wohnungen die bereits leer sind. Mehr als 1.100 Sandowern müssten demnächst neue
Wohnungen angeboten werden. Insgesamt plane die Gebäudewirtschaft Abrisskosten
von 3,4 Millionen Euro, die zu 90 Prozent aus Fördermitteln bezahlt werden
sollen. Große Teile Sandows sind als «Abwartegebiet» gekennzeichnet. Hier gebe
es «im Moment» keinen Handlungsbedarf. Entscheidungen über Abriss, Umbau oder
Erhalt müssten später fallen. Zeitlich ist das im Konzept nicht konkret benannt.
Nach einer weiter reichenden Prognose sollen jedoch bis 2015 nochmals mehr als
300 Wohnungen abgerissen werden. Nach 2015 sind nach derzeitigem Stand erneut
fast 1.500 Wohnungen zu viel vorhanden. Gleichzeitig steht im Konzept eine
«Neubau-Empfehlung»: Auf fünf Jahre gerechnet im Durchschnitt 200 Wohnungen, die
dem Bedarf angepasst errichtet werden könnten. Dabei gehe es vor allem um
Wünsche privater Bauherren – so unter anderem zwischen Spree und Fährgasse –
sowie um die Einstellung auf die Bedürfnisse älterer Menschen. Nach heutigen
Prognosen entstehe in Sandow ein «strukturelles Wohnungsüberangebot» von bis zu
2.000 Wohnungen. Überzählig seien 3- und 4-Raum-Wohnungen vom Typ P 2. Darüber
hinaus fehlen die für ältere Bürger nötigen Gebäude mit Fahrstuhl bzw.
Fahrstuhl-Halt in jeder Etage. Ein Szenario zur Bevölkerungsentwicklung sagt,
dass Sandow 2015 noch etwa 12.000 Einwohner haben wird. Derzeit sind es noch
knapp 16.000. Doch nicht nur der Bevölkerungsschwund an sich schafft die
Probleme: 54 Prozent der Sandower werden laut Prognose 2015 älter als 50 Jahre
sein, 27 Prozent davon 70 Jahre und älter.
www.lr-online.de
08.02.2005
Weißwasser: Stippvisite in einer Problemregion
Abriss dürfte das Wort sein, das Bundeskanzler Gerhard
Schröder am Dienstag bei seinem Besuch im ostsächsischen Weißwasser am meisten
zu hören bekommt. Dabei wagte sich der Kanzler in eine Region, die fernab
wirtschaftlicher Wachstumskerne und Leuchttürme liegt. Die Arbeitslosigkeit ist
hier mit mehr als 25 Prozent so hoch wie kaum irgendwo anders in Sachsen,
Weißwasser verliert rapide an Einwohnern. Die Probleme sind groß, und doch hört
der Kanzler kaum Kritik an diesem Tag. Schröder nennt Weißwasser eine
„interessante, wenn auch nicht einfache Stadt“. Oberbürgermeister Hartwig Rauh
(parteilos) schildert dem Kanzler bei einer Rundfahrt durch das
Plattenbauviertel Weißwasser-Süd vor allem, welche Häuser hier bald nicht mehr
stehen werden. „Wir müssen hier in Weißwasser fünf Kilometer fünfgeschossige
Wohnblöcke abreißen.“ Aber auch frisch sanierte Plattenbauten in freundlichen
Farben und mit verglasten Balkonen kann er dem Gast aus Berlin präsentieren.
Schröder ist von den Anstrengungen Weißwassers beim Stadtumbau angetan.
„Weißwasser ist auf dem richtigen Weg“, lautet sein Fazit. Schröder bekennt sich
zum Stadtumbau Ost, und das bedeute nun einmal auch den Abriss von Wohnungen.
Mehr als 15.000 Einwohner hat Weißwasser seit der Wende verloren. Von den gut
22.000, die geblieben sind, sind zumindest einige hundert auf der Straße, um
einen Blick auf den Kanzler zu werfen.
www.
sz-online.de
08.02.2005
Land Brandenburg: Angst vor der
"Bedarfsgemeinschaft"
Ob es durch Hartz IV, dem neuen Arbeitslosengeld II, zu
großen Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt kommt, das können die Experten noch
nicht abschließend einschätzen. Vor allem ist noch nicht klar, ob und zu wieviel
Umzügen es kommen wird. Ein Trend zeichnet sich allerdings jetzt schon ab: Die
Nachfrage nach kleineren Wohnungen, vor allem Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen,
steigt. Ein Grund: Paare trennen sich räumlich, um nicht als Bedarfsgemeinschaft
gerechnet zu werden.
Um fundierte Aussagen zu machen, sei es noch zu früh, sagt Siegfried Unger,
Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht. Er macht
allerdings einen Trend aus, den große Wohnungsvermieter vor allem in
Fürstenwalde bestätigen: Paare ziehen räumlich auseinander, um nicht als
Bedarfsgemeinschaft gerechnet zu werden. "Kleinere Wohnungen werden auch aus
diesem Grund gesucht." Bei räumlicher Trennung bekommen beide Arbeitslosengeld
II und die Miete gezahlt.
Karin Röpke, Geschäftsführerin der Allgemeinen Wohnungs- und
Industriebaugesellschaft (AWI), bestätigt die Beobachtungen von Siegfried Unger.
Es gebe Anfragen nach Wohnungen mit der Begründung der räumlichen Trennung.
Darüber hinaus seien kleinere Wohnungen schon zuvor gefragt gewesen. Aus ihrer
Sicht nicht so sehr Ein-Raum-Wohnungen. Deswegen die großen Leerstehenden
umzubauen, rechne sich aber nicht. Kleine Wohnungen könnte man mehr vermieten,
sagt auch Thomas Buhl, Geschäftsführer der städtischen Wohnungswirtschaft (Wowi),
dem größten Fürstenwalder Vermieter. "Die Nachfrage nimmt zu." Neuvermietungen
und Auszüge zur Teilung von Bedarfsgemeinschaften beobachtet er auch.
Weitergehende Auswirkungen von Hartz IV können beide Vermieter - noch - nicht
feststellen.
Auswirkungen durch Hartz IV - Fehlanzeige, meldet der Geschäftsführer der
Wohnungsgesellschaft Erkner, bei der mehr als die Hälfte der Bürger Kunden sind.
Auch einen Trend zur Teilung von Bedarfsgemeinschaften kann Achim Wegeleben
nicht ausmachen. Ein-Raum-Wohnungen, die dadurch verstärkte Nachfrage bekämen,
seien ohnehin Mangelware.
Wegeleben rechnet auch künftig nicht mit großen Verwerfungen. Nach längeren
Beratungen, zu denen zu seinem Bedauern die Wohnungsunternehmen nicht
hinzugezogen worden seien, sei die angemessene Kaltmiete bei 4,70 Euro pro
Quadratmeter fixiert worden. Bei sanierten Plattenbauten in Erkner liege der
Durchschnitt bei 4,20 Euro. Bei Umzügen kämen zusätzliche Kosten für den
Wohnungswechsel und die Kaution hinzu. "Wir arbeiten mit Steuergeld, müssen da
genau abwägen", so Zalenga. Viel größere Sorgen machten ihm die Nebenkosten.
Einer relativ moderaten Kaltmiete stünden oft Nebenkosten gegenüber, die
"relativ eigenartig zustande kommen."
www.moz.de
08.02.2005
Sachsen: bisher Abriss von 34000 Wohnungen
In Sachsen wurden nach Angaben des Innenministeriums in
den vergangenen fünf Jahren knapp 34 000 Wohnungen abgerissen. Spitzenreiter war
dabei bislang Chemnitz vor Zwickau, Leipzig, Hoyerswerda und Weißwasser.Beispiel
Hoyerswerda: Anfang 2000 gab es in der Stadt noch 27 418 Wohnungen. 2 457 davon
wurden bis Anfang 2004 abgerissen. Seitdem läuft der Abriss weiterer 5 673
Wohnungen. Bis 2020 soll Hoyerswerda insgesamt 12 719 Wohnungen verlieren.
Gleichzeitig entstehen 210 neue – in modernen, kleinen Stadtvillen.Beispiel
Weißwasser: Von 12 576 Wohnungen in der Glasmacherstadt stehen derzeit 2 271
leer. Bis 2010 sollen in Weißwasser insgesamt 4 392 Wohnungen abgerissen werden,
etwa die Hälfte davon gibt es bereits nicht mehr.Beispiel Görlitz: In der
Neißestadt sollen nicht, wie in Hoyerswerda und Weißwasser, ganze Straßenzüge
dem Erdboden gleichgemacht werden. Der Abriss erfolgt eher punktuell – zum
Beispiel im Plattenbaugebiet Königshufen, wo jede vierte Wohnung leersteht.
www.sz-online.de
06.02.2005
Sachsen: Land will Druck bei Stadtumbau erhöhen
Kommunen, die keine ausreichenden Konzepte für den
Stadtumbau vorlegen können, sollen ab 2006 weniger Geld aus der Landeskasse
erhalten. Dies schreibt die "Sächsische Zeitung". Demnach habe die
Staatsregierung aufgrund der angespannten Haushaltslage die Förderkriterien
verschärft. Die Stadtumbaukonzepte müssten härter am anhaltenden Rückgang der
Bevölkerung ausgerichtet sein, heißt es. Wenn nötig, solle der Abriss von
Wohnungen weiter beschleunigt werden. Der Stadtumbau wird auch Thema beim Besuch
von Bundeskanzler Schröder am Dienstag in Weißwasser sein.
www.mdr.de
05.02.2005
Bischofferode: Fünf Blöcke kommen weg
Nach der Schließung des Kaliwerks zum
Jahresende 1993 bis jetzt hat die Gemeinde Bischofferode etwa 600 Einwohner
verloren. Am Jahresende 2004 waren es noch 2069. Die Wegzüge führten auch zu
einem erheblichen Wohnungsleerstand, dem Gemeinde und Wohnungsgenossenschaft
Bischofferode nun mit dem Abriss von insgesamt fünf Blöcken mit 128 Wohnungen
begegnen wollen. Die Maßnahme sollte schon 2004 erfolgen, musste aber wegen der
verspäteten Zusage der Fördermittel verschoben werden.
Gemeinde und Genossenschaft arbeiten bei ihren Rückbauvorhaben zusammen, da die
Umbau-Ost-Fördermittel nur über Gemeinden ausgereicht werden. "Wir rechnen mit
einem relativ hohen Förderanteil", so der stellvertretende Bürgermeister Manfred
Kellner. Die Genossenschaft erhält zusätzlich ihre entsprechenden Altschulden in
Höhe (121 000 Euro) erlassen. Das ist bei der Gemeinde nicht so, da ihre
gesamten Altschulden bereits vor Jahren nach der 25-prozentigen
Teilprivatisierung halbiert worden waren.
www.tlz.de
03.02.2005
Frankfurt (Oder): schrumpft bis 2015 auf 54 000
Die Einwohnerzahl droht bis zum Jahr 2015 auf 54 000 zu
sinken. Allein 4219 Menschen haben im vergangenen Jahr ihrer Stadt den Rücken
gekehrt. 2778 sind hierher gezogen - das und noch viel mehr statistisches
Material liegt den Stadtverordneten jetzt als Datenreport vor.
Zwei Szenarien der Bevölkerungsprognose wurden 2002 vom kommunalen Statistikamt
entwickelt. Eines - A02 genannt - ging davon aus, dass die Chipfabrik gebaut
wird und dadurch die Stadt wächst. 60 000 Einwohner wurden deshalb für das Jahr
2015 prognostiziert. Doch die Chipfabrik kam bekanntlich nicht. Auch diesen
"Fall" haben die Statistiker damals beachtet und zeitgleich das Szenario B02
entwickelt. Es geht davon aus, dass 2015 noch 54 000 Menschen in Frankfurt
leben. Den Stadtverordneten und der Verwaltung wird nunmehr bei Planungen
empfohlen, B02 und damit ein stärkeres Schrumpfen zugrunde zu legen. "Wir
beobachten sehr genau, was in der Stadt passiert. Der Stadtumbau hält die
Menschen in Bewegung, auch der Beitritt Polens zur EU hat gewisse Einflüsse.
Nicht zu vergessen die Problematik mit Hartz IV", erklärt Harro Marx von der
kommunalen Statistikstelle. Den Abgeordneten wurde jetzt ein Report vorgelegt,
der sowohl Daten der Statistikstelle, aber auch von Ämtern der Verwaltung
enthält.
Dem Datenreport ist zu entnehmen, dass zwischen Januar 2003 und Dezember 2004
die Einwohnerzahl um rund 2800 Menschen gesunken ist. Im Dezember 2004 lebten in
Frankfurt noch 64 890 Männer, Frauen und Kinder. Zu sehen ist dort, dass es die
meisten Todesfälle - 66 -im November vergangenen Jahres gab. Die meisten Babys
wurden 2004 im August und Dezember - jeweils 47 - geboren. 476 Neugeborene waren
es 2004 insgesamt. Denen gegenüber stehen 617 Verstorbene.
www.moz.de
01.02.2005
Arnstadt: Leerstand und Wartelisten
Ein Brennpunkt ist die ehemalige Garnison in Rudisleben,
deren Häuser in den 90-er Jahren mit Riesenaufwand saniert worden sind. Trotzdem
gähnen leere Fensterhöhlen. So erklärte WBG-Geschäftsführer Andreas Adolf,
dass nicht nur 15 Millionen Euro Schulden für dieses Quartier auf der Stadt
lasten, sondern derzeit auch 80 der 270 Wohnungen leer stehen. Tendenz steigend.
Der Abriss sei unumgänglich. "Das ist keine Sache für heute oder morgen, aber
mittelfristig hat das Quartier keine Chance", ist sich Adolf sicher. Ein sehr
schwieriges Problem insbesondere wegen der Kredite. Ganz anders die Situation in
der Sondershäuser Straße, der nächsten Station. Es gibt sogar Wartelisten für
die sanierten Wohnblocks mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Hier zeige sich,
dass sich Stadtentwicklung auch auf diesem Gebiet für die Anforderungen der
Zukunft öffnet, betonte Jürgen Ludwig. Auch der Fasanengarten wurde als Quartier
vorgestellt, in dem die Menschen nach dem Umbau wieder gern leben. Als Beispiel
für gelungene Sanierung, verbunden mit echtem Rückbau, gelten die
altersgerechten Wohnungen der VWG in der Goethestraße 33. Kleinere Wohnungen
wurden zusammen gelegt, in der fünften Etage ist Nebengelass für die Mieter
entstanden. so informierte Siegfried Oppenhäuser von der VWG. Wenn man heute
baue, dann mit Blick auf die nächsten 20 bis 25 Jahre. Auf dem Rabenhold denkt
die VWG wegen des massiven Leerstands an Abriss, die WBG erwartet hier wegen der
günstigen Mietpreise in nächster Zeit eine größere Nachfrage. Aber eine
Ghettoisierung dürfe nicht passieren, betonte Adolf in diesem Zusammenhang. Auch
in Arnstadt Ost wird voraussichtlich 2006 ein großer Wohnblock mit 110 Wohnungen
abgerissen und macht Platz für neue Grünflächen.
www.thueringer-allgemeine.de