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Januar 2004zurück NEWS
31.01.2004
Altenburg: Was jetzt geschieht, ist nur
ein Vorspiel
Als 2001 das Programm "Stadtumbau Ost"
beschlossen wurde, gab es viele gute Vorsätze. Die ostdeutschen Städte sollten
attraktiver gemacht werden, damit sie mehr Investoren und Bürger anlocken
können, sollten Plattenbauten loswerden und historischen Bestand zurückgewinnen.
Doch in der Praxis sieht manches anders aus. Ein Beispiel ist die Stadt
Altenburg im Osten Thüringens.
Wer noch vor wenigen Jahren Altenburg besuchte, kam aus dem Staunen nicht mehr
heraus. Eine Welt aus reizvollen Straßen und Stiegen erschloß sich, an denen
sich reichverzierte Bürgerhäuser, glanzvolle Gründerzeitvillen und imposante
Gerichtspaläste aneinanderreihten. Daneben gab es ein prächtiges Theater, das
nach einem Entwurf Gottfried Sempers errichtet worden war, und Museen mit
bemerkenswerten Beständen, von denen das bedeutendste, das Lindenau-Museum, über
eine wertvolle Sammlung frühitalienischer Tafelbilder verfügte.
An jeder Ecke taten sich neue Schätze auf: der italienisch anmutende Marktplatz
mit seinem prächtigen Renaissance-Rathaus aus dem sechzehnten Jahrhundert, der
Brühl mit seinen reich dekorierten Barockpalästen des Altenburger Baumeisters
Johann Georg Hellbrunn - und schließlich die Teichstraße mit ihrer einzigartigen
Ansammlung von Bürgerhäusern aus den Zeiten der Renaissance, des Barock, des
Klassizismus und des späten neunzehnten Jahrhunderts. Über allem thronte das
mächtige Barockschloß, das mit dem Schloßpark, der Orangerie und dem Marstall
einen eigenen Bezirk bildete. Hier residierten einst die Herzöge des bis 1920
währenden Kleinstaates Sachsen-Altenburg, ohne die der bauliche und kulturelle
Reichtum der Residenzstadt Altenburg kaum möglich gewesen wäre.
All diese Vielfalt, die auch den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden
hatte, war noch vor wenigen Jahren fast vollständig vorhanden. Zwar waren viele
Gebäude sanierungsbedürftig, aber damals schien es nur noch eine Frage der Zeit
zu sein, bis auch sie wieder intakt sein würden. Um so schmerzlicher ist der
Niedergang, den Altenburg in den letzten Jahren erleiden mußte. Die Bevölkerung,
ursprünglich vierzigtausend, hat sich seit 1990 um ein Fünftel verringert, die
Arbeitslosenquote liegt bei über zwanzig Prozent, das Theater, die Museen und
die Stadterneuerung müssen Jahr für Jahr mit sinkenden Zuschüssen auskommen, es
mangelt an Investoren und an Nutzern. Die Instandsetzung der
sanierungsbedürftigen Gebäude, die rund sechzig Prozent der 1500 Altstadthäuser
ausmachen, ist unter diesen Bedingungen eine Illusion. Statt dessen rücken immer
öfter Abrißbagger an, um denkmalgeschützte Gebäude dem Erdboden gleichzumachen.
In besonders drastischer Form kann diese Tragödie in der Teichstraße besichtigt
werden, die noch 1990 ein geschlossenes Straßenbild bot. Heute zeugen zahlreiche
Brachen von den Abrissen, die sich in einem immer schnelleren Tempo vollziehen.
Verschwunden sind das opulente spätbarocke Bürgerhaus Teichstraße 2 und weitere
Wohnhäuser aus der Ära des Barock und des Klassizismus. Ihren vorläufigen
Höhepunkt erreichte die Vernichtung im vorigen Jahr mit dem Abbruch von vier
denkmalgeschützten barocken und klassizistischen Gebäuden sowie einem
stattlichen Renaissancehaus von 1576.
Von den Häusern, die noch stehen, laufen viele Gefahr, das gleiche Schicksal zu
erleiden: Ein wuchtiges Renaissancewohnhaus aus der Zeit um 1600 etwa rottet
schon seit Jahren ungenutzt vor sich hin. Seine Fassaden sind mittlerweile von
bedenklichen Rissen und bröckelnden Putzornamenten gezeichnet. Aber auch in
anderen Straßen der Stadt, wie der Schmöllnschen Straße, der Johannisstraße oder
der Pauritzer Straße, üben der Verfall und die Abrißbirne ihre zerstörerische
Doppelherrschaft aus.
Wer glaubt, daß diese Abrisse Folge von Gleichgültigkeit seien, der irrt. Die
Stadt kämpft durchaus für die Rettung ihres Stadtbildes und macht dabei auch vor
ungewöhnlichen Aktionen nicht halt. Beispielsweise hat die städtische
Wohnungsgesellschaft 2003 leerstehende Gebäude an sanierungswillige Nutzer für
einen Euro verkauft. Zudem versucht Altenburg, mit seinen knappen
Sanierungsgeldern wenigstens besonders markante Gebäude, wie das Schloß, das
Theater, den Brühl, zu pflegen. Doch das ist eine Sisyphusarbeit, da die ohnehin
schon niedrigen städtischen Einnahmen Jahr für Jahr zurückgehen und zu alledem
auch noch die Fördermittel für die Stadtsanierung reduziert werden.
Wann das Ende des Niederganges erreicht sein wird, weiß niemand. Zwar behaupten
die beruhigenden Stimmen zum Stadtumbau Ost oft, daß die Städte nur auf eine
"gesunde", rentable Größe zurückschrumpfen würden. Doch was ist eine rentable
Größe für eine Stadt, die ihren Aufstieg vor allem ihrer Funktion als
repräsentative Residenzstadt samt umfangreichem Beamtenapparat und
subventioniertem Kulturbetrieb verdankte? Nach den Prognosen der
Bevölkerungswissenschaftler jedenfalls könnte der jetzige Niedergang nur ein
harmloses Vorspiel auf die Zeit nach 2015 sein, wenn aufgrund der
demographischen Entwicklung die wirklich dramatischen Einbrüche bei den
Haushaltszahlen zu erwarten sind.
Was dann von all dem Reichtum Altenburgs noch übrigbleiben wird, möchte man sich
besser nicht vorstellen. Was etwa wird aus dem prächtigen Theater, wenn es immer
weniger Bürger gibt, die es besuchen können? Welche Museen wird sich die Stadt
dann noch leisten können? Und wie viele der wertvollen Gebäude werden dann noch
Nutzer finden?
Das Stadtumbau-Ost-Programm gibt auf diese Fragen keine Antworten. Zwar
beinhaltet es auch Aufwertungsmittel. Doch diese werden nur gewährt, wenn
gleichzeitig abgerissen wird. Zudem muß die finanziell klamme Stadt diese Gelder
auch noch kofinanzieren. Doch das, was in vielen Städten der neuen Länder nötig
wäre - Konzepte etwa zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und zur Sicherung
des Kulturangebotes oder wenigstens die Umwandlung der Abwanderungsprämien für
die Abwanderer in Bleibeprämien für die Seßhaften - wird nicht geleistet.
Deshalb wird die Politik wohl auch in Zukunft die Abrißzahlen wie
Erfolgsmeldungen verkünden - und könnten jahrhundertealte Kulturlandschaften
eines Tages verschwunden sein. faz
31.01.2004
Annaberg-Buchholz: Wegen Restitution teilweise 80 Prozent
Leerstand
Mit der Reduzierung von ehemals 50 auf nur noch zwölf
Beschäftigte will die Städtische Wohnungsgesellschaft Annaberg (SWA) die Kurve
kriegen. Bis Mitte des Jahres soll der Personalabbau abgeschlossen sein. „Nicht
alle werden entlassen, es gibt Umstrukturierungen und Ausgliederungen“, erklärt
SWA-Geschäftsführer Peter Horler.
Die wirtschaftliche Situation verlange es, nach neuen Wegen zu suchen. „Die
Abwanderung, also den Bevölkerungsverlust, merken wir zuerst“, meint Horler
angesichts der jetzt 18 Prozent Leerstand in den 2148 SWA-Wohnungen. Der
Großteil sei auf den hohen Altbaubestand zurückzuführen, denn die sanierten
Neubau-Wohnungen seien überdurchschnittlich gut ausgelastet. Mit 95 Prozent sei
eine stattliche Quote zu verzeichnen.
„Die Planungen und Prognosen sagten früher aber etwas anderes als das, was
eingetreten ist. Wir haben deshalb viel investiert. Und darum stehen wir jetzt
vor dem Problem, einen hohen Kapitaldienst leisten zu müssen“, zieht der
Geschäftsführer eine Zwischenbilanz.
Ganz schwer zu schaffen machen der SWA die Gebäude, auf denen
Restitutionsansprüche liegen. „Dort verzeichnen wir einen Leerstand von über 80
Prozent. Das belastet uns enorm. Denn einerseits nehmen wir keine Miete ein,
andererseits aber bleiben die Kosten für Grundsteuern, Frostschutz, Versicherung
oder Beräumung an uns kleben“, macht Horler deutlich. Ein Beispiel sei das große
Haus am Theaterplatz 1. „Solange die Vermögensverhältnisse nicht geklärt sind,
können wir nichts tun.“
Dies betreffe viele Häuser, obwohl die fristgerechte Einreichung der
Eigentumsansprüche bis zum 31. Dezember 1992 erfolgen musste. Mehr als elf Jahre
später seien aber viele nicht entschieden, gebe es viele Einsprüche. Und:
„Manchmal auch von uns“, meint Horler.
www.freiepresse.de
31.01.2004
Schleiz: Einwohnerschwund in der Kreisstadt hält
an
Auch im vergangenen Jahr ging die
Einwohnerzahl in Schleiz weiter zurück: Die jetzt aktuelle Zahl von 9056 ist um
115 niedriger als die Zahl des Jahres 2002. Der Rückgang hält seit 1990, als
Schleiz noch 9978 Einwohner hatte, stetig an.
Von den 9056 Schleizern sind 4709 Frauen oder Mädchen und 4347 Männer bzw.
Jungen. 131 Ausländer sind gegenwärtig Schleizer Einwohner; das entspricht einem
Anteil von 1,4 Prozent. 60 Geburten in Schleizer Familien standen im vergangenen
Jahr 121 Sterbefälle gegenüber, bei 333 Zuzügen gab es 385 Wegzüge. Das heißt,
dass der Rückgang der Einwohnerzahl in einem größeren Maße in den Sterbefällen
als der Abwanderung begründet ist. Auch diese Tendenz ist seit Jahren zu
beobachten. 2002 ergab das Verhältnis Geburten - Sterbefälle sogar ein Manko von
60 Einwohnern, das Verhältnis Zuzüge - Wegzüge dagegen nur einen Verlust von
zwölf Einwohnern. Auch für die Geburtenzahl markiert das Jahr 1990 in Schleiz
einen deutlichen Einschnitt: Wurden bis dahin immer über 100 Schleizer Kinder
geboren, ging die Zahl danach sprunghaft zurück und pegelte sich auf ungefähr 60
ein.
Die Tendenz zum Zusammenleben ohne Heiratsurkunde und gleichzeitig der Weggang
vor allem junger Leute aus der Region spiegelt sich in der Heiratsstatistik von
Schleiz wider. Sowohl im Jahre 2002 als auch 2003 wurden im Schleizer Standesamt
lediglich 37 Ehen geschlossen. In den Jahren 1989 und 1990 waren es noch 118
bzw. 115.
www.otz.de
31.01.2004
Erfurt: Brachflächen zu Landschaften
Eine Minigolfanlage für die Freifläche hinter
den Stadtwerken, eine Grünanlage mit aus Abrissschutt gebildeten Steinelementen,
in Parks verwandelte Brachflächen, eine Rollschuhbahn für den Steigerwald, ein
neu gestalteter Südpark - auf den Entwürfen der Studierenden des Fachbereichs
Landschaftsarchitektur der Erfurter FH lässt sich träumen, wie Erfurt einmal
aussehen könnte. Zwölf derartige Arbeiten können dort noch werktags von 9 Uhr
bis 12 Uhr im Foyer der Gewächshäuser in der Leipziger Straße bestaunt werden.
Alle Arbeiten zum Thema "Brachflächen und Grüngürtel in Erfurt" entstanden in
Abstimmung mit Stadtentwicklungsamt, dem Amt für Stadterneuerung, Umwelt- und
Naturschutzamt, Tiefbauamt und dem Amt für Verkehrswesen - womit realistische
Vorlagen zur Verfügung standen und den Studenten ein extrem praxisnahes Arbeiten
ermöglichten. Und dies war laut Professor Horst Schumacher, Fachbereichsleiter
Landschaftsarchitektur, auch Sinn und Zweck des Projektes: "Wir erfüllen damit
den Lehrplan, fördern das selbstständige Arbeiten und liefern Stoff für
öffentliche Diskussionen. Denn für uns ist es wichtig zu wissen, was gefragt
ist, was auf Ablehnung stößt."
Die Ergebnisse der "Ideenschmiede" in der Leipziger Straße dürften für reichlich
Gesprächsstoff sorgen - auch wenn sie vermutlich nie realisiert werden. Anders
sieht es bei Entwürfen aus, die von den angehenden Landschaftsarchitekten
(kostenpflichtig) für konkrete Projekte erarbeitet werden. Viel wurde für den
Wettbewerb "Entente Florale" im vergangenen Jahr gemacht, Zu den
interessantesten "Bestellungen" die derzeit auf den Zeichentischen der Studenten
liegen, zählt Professor Schumacher u.a. den "Energiegarten Stotternheim", der im
Rahmen des Entwicklungskonzeptes "Erfurter Seen" irgendwann das Freizeit- und
Erholungsangebot im Norden der Landeshauptstadt ergänzen soll. Und vielleicht
war gestern ja Erfurts Beigeordneter für Stadtentwicklung, Ingo Mlejnek von der
einen oder anderen Idee zu begeistern. Vielleicht wird eine der Visionen doch
noch Wirklichkeit.
www.tlz.de
31.01.2004
Stadtumbau Ost kämpft mit Leerstand
Nach zwei Jahren Laufzeit des Programms Stadtumbau Ost hatte das
Bundesbauministerium rund 300 Praktiker aus Kommunen und Wohnungswirtschaft zum
Erfahrungsaustausch diese Woche nach Potsdam geladen.
Vor zwei Jahren brachten Bund und Ländern ein Stadtumbau-Programm Ost auf den
Weg. Es sieht den Abriss von 350000 Wohnungen und die Sanierung der
erhaltenswerten Quartiere vor und soll bis 2009 abgeschlossen sein. Nach dem
Bau-Boom nach der Wende machte sich Ernüchterung breit. Über eine Million leer
stehende Wohnungen, verfallende Häuser, überflüssige Straßen und Stadtquartiere
machten eine völligen Wechsel in der Stadtentwicklungspolitik unumgänglich. Der
Erfahrungsaustausch der Praktiker zeigte: Der Weg ist richtig, das Ziel jedoch
noch fern. Maren Kern, Geschäftsführerin von DOMUS Consult, einem
Tochterunternehmen des Verbandes der Berlin-Brandenburgischen
Wohnungsunternehmen drückte in Potsdam es aus: Die Wirklichkeit des Leerstandes
hat die Prognosen des Jahres 2000 überholt. Im Land Brandenburg sei der
Wohnungs-Leerstand auf 18,7Prozent angestiegen.
Mit dem im letzten Jahr in Gang gekommenen Prozess – rund 35000 Wohnungen vor
allem bei kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen wurden »vom
Markt genommen« – konnte die Leerstandsentwicklung zwar gedämpft, jedoch nicht
gänzlich gestoppt werden. Jede weitere Verzögerung beim Abriss, so der
einhellige Tenor, vergrößert die Kosten und die Probleme der Städte. Das
Stadtumbauprogramm und auch die Stadtentwicklungskonzepte müssten angepasst und
fortgeschrieben werden.
Für die Wohnungsunternehmen verursachen dauerhaft leer stehende Wohnungen hohe
Verluste durch Mietausfall, Erhalt und Sicherung dieser Gebäude. Die Stilllegung
allein ist deshalb keine Lösung. Denn die auf den leer stehenden Wohnungen
lastenden Altschulden müssten trotz allem bedient werden. Erst nach Abriss ist
durch eine Härtefallregelung im Altschuldenhilfegesetz der Schuldenerlass
möglich. Doch die Antragsfrist ist Ende 2003 ausgelaufen und eine Reihe von
Wohnungsunternehmen konnten die notwendigen Kriterien für den Erlass bisher
nicht erfüllen. Hier ist ein weitergehender Erlass, wie ihn die PDS seit Jahren
in Bund und Ländern fordert, unverzichtbar.
Manfred Wilke von der Wohnbauten mbH aus Schwedt erläuterte die bisherigen
Ergebnisse des langfristig angelegten Stadtumbaukonzeptes. In der Modellstadt
sei es gelungen, durch umfangreiche Rückbaumaßnahmen und Sanierungen, den Anbau
von Fahrstühlen und Terrassen aus Plattenbauten des Tys P 2 attraktive Wohnungen
herzustellen.
Die Umbauten werden in drei Preiskategorien angeboten: Standard, mit Fahrstuhl
oder Grundrissänderung mit Terrasse. Für diese Wohnungen Mieter zu finden, sei
kein Problem. Dank der Landesfördermittel konnten die Mietpreise für
Umsetzmieter auf maximal 4,67 Euro pro Quadratmeter gekappt werden. Die
Wohnungsgesellschaft übernimmt zudem die Umzugskosten und garantiert den Mietern
die Fortführung ihres langjährigen Mietvertrages zu bestehenden Konditionen.
Margitta Faßl, Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda
berichtete, dass ihr Wohnungs-Unternehmen durch den Abriss von 3000 leer
stehenden Wohnungen eine jährliche Entlastung allein von Altschulden in Höhe von
625000 Euro erzielt. Diese Mittel würden jetzt in die Aufwertung und den Umbau
der erhaltenswerten Quartiere gesteckt.
Fazit: Für den Stadtumbau ist ein langer Atem erforderlich. Das bis zum Jahre
2009 ausgelegte Stadtumbau-Programm Ost muss weitergeführt, von bürokratischen
Hürden entschlackt und finanziell solide ausgestattet werden.
Die Härtefallregelung und die Entlastung von Altschulden sind – gerade nach der
jüngsten Sperrung der Haushaltsmittel in Bundes- und Landeshaushalten
unzureichend. Der Ruf nach Landes- und Bundesbürgschaften wird immer lauter.
Denn der langfristige, der demographischen Entwicklung angepasste Stadtumbau ist
nicht allein den Wohnungsunternehmen aufzubürden, sondern eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Vertreter der Wohnungsunternehmen wiesen
zur Recht darauf hin, dass sie sich im letzten Jahrzehnt mit rund 17 Milliarden
Euro als zuverlässige Investoren vor Ort erwiesen hätten. Die soziale Funktion
in Städten und Regionen dürfe nicht durch die in den Haushalten angekündigten
pauschalen Kürzungen von Bundes- und Landesmitteln aufs Spiel gesetzt werden,
zumal die Kommunen meist nicht mehr in der Lage wären, ihren Beitrag zu leisten.
www.nd-online.de
31.01.2004
Geithain: "Wir sind kurz vor dem Ziel noch
gescheitert"
Ein Insolvenzverfahren gegen die
Wohnungsgenossenschaft Geithain/Bad Lausick e. G. ist beantragt. LVZ sprach
gestern mit Vorstand Peter Reinbach.
Frage: Was ist aus Ihrer Sicht Ursache der Insolvenz?
Peter Reinbach: Ein hoher Wohnungsleerstand bei einem hohen Verschuldungsstand
des Unternehmens.
Was wird jetzt passieren?
Eine gute Frage. Unsere Angelegenheiten sind geordnet. Es ist nicht so, dass
sich dem Insolvenzverwalter nun ein Chaos auftut. Rechtsanwalt Rüdiger Bauch
wird ein Gutachten anfertigen. Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren
frühestens am 1. März eröffnet wird. Dann müssen wir sehen, wohin die
Entwicklung geht, ob so saniert werden kann, dass die Genossenschaft
weiterbesteht.
Sind die Genossenschaftsanteile der Mitglieder in Gefahr?
Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Das hängt davon ab, wie sich
die Situation weiter entwickelt.
Wie geht es für die Mieter weiter?
Für sie ändert sich nichts. Wie vermieten auch weiterhin neu. Ein großes Problem
ist hier der Reparaturstau. Wir hätten im Januar deutlich mehr vermieten können,
wenn es möglich gewesen wäre, die Wohnungen zu renovieren. In Bad Lausick hatten
wir im Januar erstmals sieben Zuzüge mehr als Wegzüge. Das stellt die
Entwicklung der letzten zwei Jahre auf den Kopf.
Ist das eine Trendwende?
Nein, das denke ich nicht. Es wird auch künftig sehr, sehr schwer werden,
Wohnungen zu vermieten. Ich denke nicht, dass Geithain um die Reduzierung von
Wohnraum herumkommen wird. Auch deshalb halte ich es für so wichtig, die
Eigenverwaltung der Genossenschaft zu bewahren. Das ist aus meiner Sicht die
Voraussetzung für konstruktive Lösungen wie sie für einen Stadtumbau
erforderlich sind.
Wir hatten uns im Sommer 2002 über Probleme wie Leerstand, Rückstände bei der
Bezahlung von Energielieferungen und der zögerlichen Auszahlung von
Genossenschaftsanteilen an ausgeschiedene Mitglieder unterhalten. Sie hatten
damals betont, dass der Konsolidierungsprozess noch nicht abgeschlossen sei und
in einem Konsolidierungsprogramm münden soll. Was ist seitdem geschehen?
Wir befinden uns nun schon seit mehreren Jahren in Konsolidierungsverhandlungen.
Bei den Gläubigern handelt es es sich hauptsächlich um Banken und vier
Versorger. Sie haben seit über einem Jahr Sanierungsbeiträge geleistet. Banken
haben auf Sanierungsteile verzichtet - unter der Maßgabe, dass ein tragfähiges
Sanierungskonzept längerfristig den Fortbestand der Genossenschaft sichert. Seit
über zwei Jahren wirkt die Wohnungsbaugenossenschaft Kontakt Leipzig betreuend
an der Konsolidierung. Ziel war die Sanierung der Wohnungsgenossenschaft
Geithain/Bad Lausick um ihren Fortbestand zu sichern. Ermöglicht werden sollte
damit auch, dass in den vergangenen Jahren unterlassene Instandhaltungen und
Instandsetzungen wieder planmäßig erfolgen können. Auch eine Fusion zwischen der
Leipziger und der Geithain/Bad Lausicker Genossenschaft wäre möglich gewesen.
Dazu ist es nicht gekommen. Warum?
Am 18. Dezember hat in den Räumen der Leipziger Gesellschaft eine
Sanierungsrunde stattgefunden. Dort wurde das Sanierungskonzept vorgestellt.
Grundsätzlich waren alle Gläubiger bereit, einen Sanierungsanteil zu leisten.
Das kam klar zum Ausdruck. Eine der Grundbedingungen war, dass alle einheitlich
zustimmen. Die formelle Zustimmungsfrist endete am 5. Januar. Zu diesem
Zeitpunkt waren nicht alle vorbehaltlosen Zustimmungen bei uns eingegangen.
Wenige Tage vor Ablauf der Frist unterbreitete die Leipziger Genossenschaft ein
Fusionsangebot. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hauptgläubigerbank die
Zwangsverwaltung jedoch schon beantragt. Das ist dann einfach ein Formalismus
der abläuft.
Sind Sie enttäuscht?
Da grundsätzlich alle Gläubiger die Insolvenz der Genossenschaft verhindern
wollten, konnten wir schon davon ausgehen, dass ein gemeinsames Konzept auf den
Weg gebracht wird. So kurz vor dem Ziel noch zu scheitern, war eine schreckliche
Erfahrung. Wir haben bis zum letzten Tag daran gearbeitet, die einheitlichen
Zustimmungen zu erreichen. Am 23. Januar musste der Vorstand den Antrag auf
Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen.
www.lvz-online.de
30.01.2004
Rostock: Vom Grundstück bis zum Reihenhaus
Die Wohnungsgesellschaft Wohnen in Rostock (Wiro)
bietet seit zehn Jahren nicht nur Grundstücke für Eigenheime, sondern auch
bezugsfertige Reiheneigenheime innerhalb der Stadtgrenzen von Rostock an. Obwohl
am Stadtrand gelegen, kann man von hier aus doch alle Vorzüge einer Großstadt
genießen. In den neuen Wohngebieten Evershagen-Süd, Kassebohm, Hang Alt
Bartelsdorf, Brinckmanshöhe und im Wohnpark Tannenweg erwarten schlüsselfertige
Reiheneigenheime ihre neuen Besitzer. Zu dem "Wiro-Klassiker", dem
Multifunktionshaus in Kassebohm haben sich mittlerweile drei weitere
Reihenhaustypen hinzugesellt. In zwei Varianten biete das Atrium-Haus mit einem
offenen bzw. geschlossenen Hof hohen Wohnkomfort auf einer Ebene in Evershagen-
Süd, so ein Wiro-Sprecher. Das Reiheneigenheim mit der größten Wohnfläche - ca.
156 m2 - ist das Panorama-Haus mit seinem unverwechselbaren Design am Hang von
Alt Bartelsdorf. Wer nicht so viel Platz benötige, finde im Medi-Haus in
Evershagen-Süd oder im Tannenweg das Passende.
www.svz.de
30.01.2004
Greifswald: Genossenschaft schließt Sanierung in
der Altstadt ab
Die Wohnungsgenossenschaft Greifswald wird in
diesem Jahr ihre Sanierungsarbeiten in der Altstadt abschließen. 14 Wohnungen in
der Franz-Mehring-Straße 19/20, die unter Denkmalschutz stehen, werden derzeit
umgestaltet. „Das ist nicht einfach, vor allem wegen der Auflagen zum
Denkmalschutz. So mussten wir Dachgauben mit so genannten Dohlenfenstern
versehen, um den Tieren entsprechenden Schutz zu geben“, berichtet Dr. Gudrun
Jäger, Geschäftsführerin der WGG.
Die Wohnungen selbst erhalten alle einen neuen Grundriss, werden so moderner und
sind den Wünschen der Mieter angepasst. „Der Komfort dieser
Genossenschaftswohnungen ist dann auf dem neuesten Stand. Glücklicherweise gibt
es genügend Interessenten“, so Dr. Jäger und fügt hinzu, dass man wegen der
großen Nachfrage bereits eine Warteliste anlegen musste. Geplant ist auch, in
diesem Umfeld in der Mehringstraße die Grünanlagen neu zu gestalten und 20
Pkw-Stellflächen zu errichten. Dazu wurde eine grundsätzliche Einigung zur
Gestaltung des Straßenraumes mit der Stadtverwaltung und der WVG erzielt. Die
Umgestaltung des Außenbereiches soll noch in diesem Jahr begonnen werden, wird
aber bis ins kommende Jahr andauern.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
30.01.2004
Delitzsch: Die Platte weicht der Pflanzenwelt
Die Reste alter Plattenbauten in
Delitzsch-West sind weg, bald soll an dieser Stelle Grün sprießen. Abrissflächen
der Wohnungsgenossenschaft werden wieder städtisches Eigentum, da ist sich Jörg
Fischer "so gut wie sicher". Der Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft
Aufbau, der die Grundstücke bis jetzt gehören: "Kurz nach der Wende wurden uns
diese Flächen kostenlos übertragen und in absehbarer Zeit sollen sie zu gleichen
Konditionen an die Stadt zurückgegeben werden." Stadtplanungschef Karl-Heinz
Koch ergänzt: "Die Übergabe muss nur noch durch den Stadtrat bestätigt werden."
Er denkt, dass das noch im Frühjahr dieses Jahres entschieden wird.
Eine Grobplanung über die Aufwertung des Gebiets existiert bereits. "Wir haben
vor, die Flächen mit Wildblumenwiesen zu begrünen, die bereits vorhandene
Baumallee zu ergänzen und einen Bolzplatz zu schaffen", sagt Koch. Er meint
damit nicht nur die Flächen, wo einst Genossenschaftsbauten standen. Denn außer
der Straße der Freundschaft 4 bis 10, Loberaue 30 bis 36 und Monheimer Straße 19
bis 27 (150 Genossenschaftswohnungen), hat auch der zweite und nunmehr einzige
Großvermieter in West, die Wohnungsgesellschaft, etliche Wohnungen
"ausgelichtet". Damit verschwanden in West insgesamt acht Blöcke mit zusammen
300 Wohnungen, so Koch. 400 Wohnungen bewirtschaftet damit künftig die
Delitzscher Wohnungsgesellschaft noch als einziger Großvermieter in diesem
Wohngebiet.
Wie der Abriss wird auch die Wohnumfeldgestaltung durch Fördermittel finanziert.
Laut Koch "muss die Wiederaufwertung des Geländes zu je einem Drittel die
Gemeinde, der Bund und das Land tragen". Weil Gelder aber nur begrenzt zur
Verfügung stehen, werden die Pläne in den kommenden Jahren schrittweise
angegangen. In diesem Jahr soll für 40000 Euro im Bereich Securiusstraße die
Begrünung voraussichtlich im Herbst starten.
www.lvz-online.de
30.01.2004
Olbersdorf: Der Block 18 wird aus der Mitte
herausgenommen
Über die Vorhaben dieses Jahres und die
wirtschaftlichen Ergebnisse 2002 informierte kürzlich der Geschäftsführer der
kommunalen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Olbersdorf die Gemeinderäte.
Der Leerstand von über 200 Wohnungen kostete die KWV Olbersdorf im Jahr 2002
eine Menge Geld. Neben fehlenden Mieteinnahmen von über 400.000 Euro musste die
Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft zusätzliche Abschreibungen vornehmen
lassen und schloss mit einem erheblichen Jahresfehlbetrag ab. Einen solchen
Einschnitt wie den durch die buchmäßige Abwertung der betroffenen Häuser wird es
so schnell nicht wieder geben. Im vergangenen Jahr konnte die Leerstandsquote
auf 15,5 Prozent gesenkt werden. Einen gewissen Leerstand kalkuliert das
Unternehmen schon mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung weiter ein. Dennoch
möchte man den finanziellen Schaden mindern, den zum Beispiel weiter laufende
Heiz- und Betriebskosten in leeren Wohnungen verursachen. Bei den in diesem Jahr
geplanten Modernisierungs- und Instandhaltungsvorhaben werden zum Beispiel die
ohnehin zu erneuernden Heizungsstränge in einigen Blöcken anders gelegt. So wäre
es möglich, die jeweils obere Etage abzuklemmen und die Wohnungen umzunutzen,
wenn keine Mieter mehr in den Wohnungen sind. Sogar ein späterer Rückbau wäre
dann einmal möglich. Insgesamt werden im laufenden Jahr knapp eine Million Euro
für Sanierung und Erhaltung der Bausubstanz investiert. Einen Block, die Nummer
18, will die KWV sogar komplett abreißen. „Dieser Block ist nachträglich mitten
in die Neubausiedlung gesetzt worden“, sagt KWV-Geschäftsführer Wolfgang Horn.
Ursprünglich war der Abriss erst für das Jahr 2006 geplant, aber vor allem mit
Rücksicht auf die überwiegend betagten Mieter wolle man nicht so lange warten.
Im Block wohnen Menschen, die zwischen 60 und 90 Jahre alt sind. Mit ihnen
gemeinsam sind bereits Gespräche zur Auswahl einer neuen Wohnung geführt worden.
Bei der Gemeinde erbat sich der KWV-Geschäftsführer Unterstützung bei der
Beschaffung von Pflegeheimplätzen im Olbersdorfer Alten- und Pflegeheim für
einige Hausbewohner, die sich nicht mehr in einer Mietwohnung behelfen könnten.
www.sz-online.de
30.01.2004
Ebersbach: Zwei weitere Blöcke sollen abgerissen
werden
Die Wohnungsbaugenossenschaft Oberland setzt
in diesem Jahr den Rückbau von Wohnungen fort. In dem gleichnamigen Ebersbacher
Wohngebiet soll der Bestand um insgesamt 90 Wohnungen verringert werden. Es
handelt sich dabei um zwei Blöcke in der Oswald-Schmidt-Straße mit 36 bzw. 54
Wohnungen. Ursprünglich war der Abriss eines der beiden Blöcke erst für das Jahr
2005 vorgesehen. Die Vorbereitungen für den Abbau sind jedoch günstiger
verlaufen als geplant war. Wie der Vorstand der Genossenschaft informiert, sind
bereits 95 Prozent der Mieter in andere Wohnungen umgezogen. Auch liegen die
Abbruchgenehmigungen bereits vor. Wichtigste Voraussetzung, heißt es, ist jedoch
der Bescheid der Aufbaubank über die Bereitstellung finanzieller Mittel. Erst
dann könnte der Rückbau der beiden Objekte beginnen. Die
Wohnungsbaugenossenschaft hat bereits im Jahr 2002 beim Rückbau auf dem Hofeweg
64 Wohnungen „vom Markt genommen“. Im vergangenen Jahr wurden dort die
Freiflächen fertig gestellt. Damit, so der Vorstand, konnte die „bisher
aufwendigste Baumaßnahme der Genossenschaft in den letzten Jahren erfolgreich
abgeschlossen werden“. Trotz wiederum gestiegenen Wohnungsleerstandes und
geringerer Einnahmen wurden im vergangenen Jahr auch alle anderen geplanten
Vorhaben realisiert, so der Vorstand. Die Genossenschaft erhofft sich nun durch
den weiteren Rückbau finanzielle Entlastungen. Die Mittel könnten dann für
andere Zwecke verwendet werden. So hat die Genossenschaft in Neugersdorf 40
bislang städtische Wohnungen gekauft. Die Wohnungen sollen in den nächsten zwei,
drei Jahren modernisiert werden. Die Genossenschaft will damit ihren Bestand um
Wohnungen erweitern, für die sichtliche Nachfrage vorhanden ist. Im Ebersbacher
Wohngebiet Oberland selbst, so der Vorstand, komme mit dem Rückbau der einstigen
Neubaublöcke der „Stadtumbau Ost“ gut voran. Auch der Mitbewerber, das
Ebersbacher Wohnungsunternehmen, führt den Abriss und die Freiflächengestaltung
weiter. An der Sachsenstraße soll nun bald die so genannte „Stadtmauer“ mit 190
Wohnungen gänzlich von der Bildfläche verschwinden. Danach werden ebenfalls in
der Sachsenstraße an einem Block noch einmal 30 Wohnungen abgetragen. Die drei
Eingänge, die es betrifft, sind bereits leer gezogen. Doch damit ist auch noch
nicht Schluss. Weitere Vorstellungen des Ebersbacher Wohnungsunternehmens
reichen bis 2007 und sollen so, wie die Fördermittel fließen, umgesetzt werden.
www.sz-online.de
30.01.2004
Spremberg: Mieterbund kritisiert
Wohnungsunternehmen
Nach Ansicht von Albrecht Papenroth, dem
Vorsitzenden des Mieterbundes Niederlausitz, werden die Mieter bei den örtlichen
Wohnungsunternehmen nicht genügend über ihre Rechte im Zuge der notwendigen
Maßnahmen beim Stadtumbau Ost informiert. Bis 2010 werden etwa 2.000 Wohnungen
in Spremberg abgerissen. Papenroth behauptet, dass die Mieter "ausgetrickst"
würden. "Viele Mieter müssen in eine neue Wohnung umziehen" , sagt Albrecht
Papenroth. Jedoch würden die Wohnungsunternehmen die Mieter durch eine
langfristige Bekanntgabe eines Abrisstermines dazu veranlassen, dass die Mieter
frühzeitig und ohne Kündigung seitens des Wohnungsunternehmens umziehen würden.
Dadurch würden diese Mieter auf Ansprüche wie Umzugskosten und anderweitige
Entschädigungen verzichten. "Nach unserer Erkenntnis ziehen viele Mieter in
Unkenntnis über die ihnen zustehenden Ansprüche viel zu früh aus ihren Wohnungen
aus und haben durch diesen Umzug finanzielle Einbußen" , sagt Mieterlobbyist
Albrecht Papenroth. Es könne nicht sein, dass die betroffenen Mieter indirekt
noch finanziell am Stadtumbau Ost beteiligt würden. "Wir sind nicht für die
Rechtsaufklärung der Mieter zuständig" , sagt Ronald Fratzscher, der
Geschäftsführer der Gesellschaft für Wohnungsbau Spremberg (Gewoba). Allein bei
der Gewoba werden etwa 1.000 Wohnungen in den nächsten sechs Jahren abgerissen.
Es gebe einen fairen Umgang mit den Mietern, sagt Fratzscher. "Wir reden mit den
Leuten." Es sei jedoch richtig, dass Gelder wie Umzugskosten vermieden werden
sollen. "Da müssen wir wirtschaftlich denken" , so der Gewoba-Geschäftsführer.
Die Mieter werden etwa zwei Jahre im voraus über den Abriss eines Hauses
informiert. Das sei ein "vernünftiger" Zeitrahmen, sagt Fratzscher. Derzeit
bestehe beispielsweise noch keine Notwendigkeit die Mieter auf dem Schomberg
massiv umziehen zu lassen, da dort erst in einigen Jahren Häuser abgerissen
werden. "Es geht darum, die Häuser zu einem richtigen Zeitpunkt leer zu haben" ,
so Fratzscher. Die Gewoba sei darauf eingestellt, den Mietern unter die Arme zu
greifen. "Wir sind auf einen materiellen Aufwand eingestellt" , sagt Ronald
Fratzscher. Nur die derzeitige Devise sei es, Kündigungen zu vermeiden und im
Gespräch mit den Mietern Lösungen zu finden. "Wir wollen unsere Mieter halten" ,
sagt der Gewoba-Geschäftsführer. Man werde den Mietern keine pauschalen
Entschädigungen versprechen. Das müsse individuell abgeklärt werden. "Warum
sollen wir jemandem die Gardinen bezahlen, wenn er gar keine hat" , so
Fratzscher. Man sei bei der Gewoba auch darauf eingestellt, notfalls die Mieter
herauszuklagen, wenn deren Forderungen zu hoch sind. Ronald Fratzscher
unterstützt die Forderung des Mieterbundes, in die Arbeitsgemeinschaft
"Wohnungsleerstand" aufgenommen zu werden. Die AG koordiniert den Stadtumbau Ost
in Spremberg. Es gehe um eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die
Vorbereitungen und die Information der Mieter sei bisher in Spremberg
vorbildlich gelaufen, sagt Hildegard Kretschmann vom Vorstand der Lausitzer
Berarbeiterwonungsgenossenschaft (Bewoge). Bei der Bewoge bestehe momentan kein
Handlungsbedarf, da kein akuter Abriss eines Gebäudes bevorstehe. Kretschmann
wirft dem Mieterbund vor, Politik zu betreiben, wenn er behauptet, das Mieter
ausgetrickst würden. Frank Petraus von der Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft
(SWG) sagt klipp und klar, dass die Mieter Umzugskosten erstattet bekommen.
Frühestens Ende diesen Jahres würden die ersten Wohnungen bei der SWG
abgerissen. Im Februar und März werde es Gespräche mit den entsprechenden
Mietern geben. Es seien bei der Genossenschaft Gelder für Sachleistungen
eingestellt worden.
www.lr-online.de
28.01.2004
Sachsen-Anhalt: Abwanderung
nach Westen verlangsamt sich
Der Bevölkerungsschwund in Sachsen-Anhalt hält zwar an, verlangsamt sich aber.
Das geht aus dem neuen Statistischen Jahrbuch für das Jahr 2002 hervor, das am
Dienstag in Halle vorgestellt wurde. Demnach verlor das Land im Vergleich zu
2001 im vergangenen Jahr insgesamt 31715 Bürger, sagte der Direktor des
Statistischen Landesamtes, Manfred Scherschinski.
Das entspreche dem Verlust von einer Stadt wie Bernburg. Er machte aber auch
"Licht am Ende des Tunnels" aus: Die Bevölkerungszahl sei im ersten Halbjahr
2003 nur noch um 8000 gesunken, verglichen mit 11000 im ersten Halbjahr 2002.
Die Ursachen für den Bevölkerungsrückgang sind die Abwanderung in andere
Bundesländer, die niedrige Geburtenrate und die Zahl der sterbenden Menschen. So
wurden im letzten Jahr 465 Babys weniger geboren als 2001, über 500 Menschen
starben mehr, jeder zweite an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der
Abwanderungsverlust betrug 2002 absolut 19173 Menschen - im Jahr 2001 waren es
noch 23201 Wegziehende.
"Vor allem die jungen Menschen gehen weg, verstärkt auch die jungen Frauen",
erläuterte Scherschinski und prognostiziert wachsenden Altersdurchschnitt und
Fachkräftemangel im Land. Insgesamt lebten Ende 2002 rund 2,55 Millionen
Menschen in Sachsen-Anhalt.
www.mz-web.de
28.01.2004
Sachsen: verliert weniger Einwohner
Der Rückgang der Bevölkerung in Sachsen hat
sich weiter abgeschwächt. Zum 30. September 2003 lebten 4,327 Millionen Menschen
im Freistaat, 21 585 weniger als noch zum Jahresende 2002, teilte das
Statistische Landesamt in Kamenz gestern mit.
Im gleichen Zeitraum des Vorjahres sank die Zahl der in Sachsen lebenden noch um
knapp 30 000 Menschen. Hauptursache für den Rückgang ist weiterhin das
anhaltende Geburtendefizit. So starben 38 043 Menschen, während nur 23 754
Kinder geboren wurden.
Die Kluft zwischen zugezogenen und abgewanderten Menschen ist ebenfalls kleiner
geworden. So hat sich der Wanderungsverlust von 35 auf 17 je 10 000 Einwohnern
reduziert. Insgesamt verließen 7255 Menschen mehr das Land, als sich
ansiedelten. Nur Dresden und Leipzig konnten ihre Einwohnerzahlen im Vergleich
zum Dezember 2002 leicht steigern (plus 0,4 Prozent). Besonders empfindlich traf
der Bevölkerungsrückgang erneut die kreisfreie Stadt Hoyerswerda (minus 2,2
Prozent).
www.lr-online.de
28.01.2004
Wittenberge: Städtenetz steht auf der Kippe
Das Städtenetz Prignitz steht auf der Kippe.
Kyritz hat sich zum Jahresende aus dem Verbund verabschiedet. Die gemeinsame
Internetseite ist abgeschaltet, die Geschäftsstelle in Pritzwalk geschlossen.
Der Grund: Geldmangel. Eine Vollzeitkraft in der Geschäftsstelle und externe
Beratung durch die Potsdamer Gesellschaft für Kommunalberatung (Complan) können
die sieben Prignitzstädte nicht mehr finanzieren. Beim Treffen des
Bürgermeisterrats und der Lenkungsgruppe Anfang Februar in Pritzwalk soll nun
die Zukunft des Verbunds geklärt werden.
Das Netz der sieben Prignitzstädte Wittstock, Wittenberge, Pritzwalk, Bad
Wilsnack, Kyritz, Lenzen und Perleberg war ein freiwilliger Zusammenschluss. Er
wurde 1996 gegründet, die gemeinsame Vereinbarung zur Zusammenarbeit in Kyritz
unterzeichnet. Es folgten zahlreiche eigene Projekte. So ging es um
"Regionalmarketing", es gab eine gemeinsame Internetpräsentation, der
Sanierungswettbewerb "Beispielhaft saniert" wurde ins Leben gerufen. Es entstand
ein Werbefilm über die Prignitz, der hundertfach verkauft wurde. Es gab
Prignitzer Unternehmertreffen. Neu dazu kam das Projekt "Gesunde Stadt", und das
Bauministerium unterstützte Untersuchungen über die Bevölkerungsentwicklung in
der Prignitz. Doch das alles kostete Geld. Zweifel kamen auch an der
Effektivität des Verbunds auf.
So bemängelte der Kyritzer Hauptausschuss schon im Juni 2002, dass es nur eine
Zusammenarbeit der Verwaltungen gebe, nicht aber der Kommunalpolitik. Der
Stadtanteil von 6660 Euro für die Koordinierungsstelle sei in Kyritz besser
aufgehoben, hieß es. Zum Jahresende 2003 trat Kyritz aus dem Verbund aus.
"Es muss eine andere Form der Zusammenarbeit gefunden werden", sagt Rainer Greve,
stellvertretender Pritzwalker Bürgermeister und Mitglied der Lenkungsgruppe des
Städtenetzes. Und ein Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch: Das Städtenetz soll
erhalten bleiben, aber ohne Budget auskommen. Aufgaben und Projekte werden
einfach auf die Mitgliedsstädte verteilt, Geld für die Arbeit zahlt keiner mehr.
Auch Wittstocks Bürgermeister Lutz Scheidemann wirbt für Erhalt von Verbund und
Geschäftsstelle. Über Finanzierungsengpässe könne geredet werden. Aber von einer
beabsichtigten "Rotation der Geschäftsstelle" mit jährlich wechselndem Standort
hält er beispielsweise nichts.
"Die Prignitz braucht eine gemeinsame Stimme", sagt Rainer Greve von der
Lenkungsgruppe. So soll der Landesentwicklungsplan in Potsdam wieder auf die
Tagesordnung. Dann geht es auch um die Einteilung in Ober-, Mittel- und
Unterzentren. Und bewährte Projekte des Städtenetzes wie "Beispielhaft saniert"
sollten in jedem Fall fortgeführt werden.
Trotz allem gibt es kritische Stimmen enttäuschter Bürgermeister. Weil sie
keinen Wirtschaftsaufschwung in der Prignitz erkennen können, stellen sie auch
das Städtenetz in Frage. Dazu komme Futterneid auf vermeintlich bevorzugt
geförderte Städteprojekte, wie den Wittstocker Stadtumbau, vermutet Scheidemann.
Beim Treffen am 4. Februar in Pritzwalk will er nochmals deutlich für den
Zusammenhalt werben und Fragen "offen ansprechen", die bisher vermieden worden
seien. Auch der Kyritzer Bürgermeister ist dazu eingeladen.
www.MaerkischeAllgemeine.de
28.01.2004
Frankfurt: Die Küche ist im Kinderzimmer
Stadtumbau - wer ihn bislang erlebte und sich
informierte, musste fast ausschließlich feststellen, dass er in Frankfurt bisher
aus dem Abriss von Wohnhäusern besteht. Doch Stadtumbau ist mehr. Er umfasst
auch die Gestaltung von Freiflächen, die Neubebauung beispielsweise mit
kleineren Wohnhäusern, die Reduzierung von Gebäuden um einige Etagen und die
Sanierung vorhandener Plattenbauten. Die Wohnbau gab im Herbst den Startschuss
für die aufwändige Sanierung von Häusern im Spartakusring.
Die Wohnbau Frankfurt drückt wie auch die Wohnungswirtschaft das Problem, dass
mehrere tausend Wohnungen leer stehen, die dennoch Geld kosten. Also wird auch
im Auftrag der Wohnbau abgerissen. Aber: Die Genossenschaft geht auch einen
anderen Weg und hat ein Pilotprojekt im Spartakusring gestartet. Und dort zeigt
sich deutlich der Spagat, der hinter dem Begriff Stadtumbau steckt.
Denn verschwunden sind im Spartakusring die Blocks 37 bis 43 und 34 bis 36. Eine
riesige Fläche ist entstanden. "Dieses Areal wollen wir im Frühjahr gestalten.
Ein kleiner Spielplatz wird entstehen, Grünanlagen für unsere Mieter", erzählt
Wohnbau-Sprecherin Martina Mucker. Direkt gegenüber dieser Noch-Brache ist der
Block Spartakusring 1 bis 10 eingerüstet und erkennt auch der Laie: Hier wird
von grundauf saniert, also Dach, Fassade, Fenster, Türen, Fußböden,
Elektroanlagen und Loggien.
"Die Wohnungen in den fünften Etagen zu vermieten ist deshalb so schwierig, weil
es keine Aufzüge in den Häusern gibt", erzählt Martina Mucker. Deshalb habe sich
die Wohnbau entschlossen, in die so genannten Treppenaugen Aufzüge einzubauen
und auf diese Weise auch die fünfte Etage an den Mann oder die Frau zu bringen.
Derzeit sind die Bauarbeiter dabei, die letzten alten Fensterrahmen rauszutragen.
Neue Heizungen sind bereits installiert, Fußböden teilweise drin, die Bäder
gefliest, die Stränge für die Sanitärbereiche ausgetauscht. Kurz vor der
Übergabe des Wohnblocks im Frühsommer dieses Jahres werden die Aufzüge
eingebaut.
Damit nicht genug, startet am 1. März die Sanierung des Nachbarblocks
Spartakusring 11 bis 18 und am 8. März die des Würfelhauses mit der Nummer 19.
Und das unter bewohnten Bedingungen. 83 Wohnungen von 193 in den Blocks 1 bis 18
sind bewohnt. Im Würfelhaus leben 24 Familien, insgesamt gibt es dort 28
Wohnungen. "Wir wollen den Mietern, die aus ihren Blocks wegen des
bevorstehenden Abrisses ausziehen müssen, eine Alternative bieten können",
erklärt Martina Mucker. Etwas besonderes ist auch, dass in einigen Wohnungen die
Grundrisse verändert und so aus Drei-Zimmer-Wohnungen Zwei-Zimmer-Wohnungen
werden. Das ehemalige Kinderzimmer wird zur Küche mit Fenster. Die ehemalige
Küche verkleinert und zum Gäste WC und dadurch die Wohnstube größer, weil die
Durchreiche verschwunden ist.
Ende April will die Wohnbau zwei weitere Objekte nach umfassender Modernisierung
und Instandsetzung übergeben. Zum einen die Bergstraße 176 bis 180. Dort werden
in den 64 Wohnungen vergleichbare Arbeiten wie im Spartakusring ausgeführt. Am
Werkeln sind die Fachleute auch bereits im Thomas-Müntzer-Hof 1 mit 43 Wohnungen
und in der Franz-Mehring-Straße 15 bis 17 mit 129 Wohnungen.
Insgesamt investiert die Wohnbau in diesem Jahr rund 12,5 Millionen Euro in etwa
450 Wohnungen. Der Einbau der Aufzüge wird übrigens vom brandenburgischen
Bauministerium mit öffentlichen Geldern gefördert. Denn dort will man wissen, ob
sich die Vermietungschancen für Wohnungen in den fünften Etagen erhöhen.
www.moz.de
28.01.2004
Zittau: Idee: „Dreistadt“ über Grenzen
Kritisch hat sich jetzt Zittaus
Wirtschaftsförderer Holger Knüpfer zu Fragen des Stadtumbaus und der
Gemeindegebietsreform geäußert. „Da ist manches schief gelaufen“, sagte er
während der ersten Gesprächsrunde der neuen SZ-Talk-Reihe im Hotel
„Dreiländereck“.
Manchmal kann der Wirtschaftsförderer regelrecht traurig werden. Zum Beispiel,
wenn er an die Mandaukaserne denkt. „Schade, da hätte eine Einrichtung wie das
Landratsamt prima hineingepasst“, sagt Holger Knüpfer. „Oder auch in das alte
Finanzamt direkt am Markt.“ Traurig sei es, dass die Landkreisverwaltung nicht
direkt in der Stadt zu finden sei. Beifall gibt es für diese Worte von
Mitgliedern der hiesigen Werbegemeinschaft.
Eine „Fehlentwicklung“ sei das Ganze, setzt der Wirtschaftsförderer noch eins
drauf. „Wozu“, so fragt er, „braucht Zittau ein nagelneues Arbeitsamt? Das ist
einfach nicht nachvollziehbar!“ Bedauerlich finde er, dass die Stadt keinerlei
Einflussmöglichkeiten auf derartige Entscheidungen habe.
„Noch nicht ganz gelungen, aber auf gutem Weg“, sieht Holger Knüpfer den
Stadtumbau. „4 000 leer stehende Wohnungen sind nicht gerade ein
Aushängeschild“, sagt er. Bis 2009 müsse der Stadtumbau wesentlich vorankommen.
Später gebe es dafür keine Gelder mehr. Von außen nach innen laufe der Umbau in
Zittau. „Die Innenstadt ist leer, weil das Umfeld nicht stimmt“, so der
Wirtschaftsförderer. Das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ habe sich negativ
ausgewirkt. „Ein Haus ist saniert, daneben das nicht. So etwas wirkt nicht
gerade anziehend“, sagt Holger Knüpfer. Attraktiv werde die Stadt, wenn man
ganze Quartiere saniere. Der erste Schritt zum Stadtumbau, der Abriss des Blocks
an der Gerhart-Hauptmann-Straße sei nicht überzubewerten – aber ein Schritt in
die richtige Richtung. Eines sieht Holger Knüpfer schon kommen: „Es werden nicht
alle Denkmale zu erhalten sein.“
Ähnlich kritisch sieht er die Problematik der Gemeindegebietsreform. „Wir hatten
ein Konzept mit drei Varianten ausgearbeitet“, erzählt er. Vom Innenministerium
habe es dafür jedoch keinerlei Unterstützung gegeben. „Zittau ist umgeben von
einem Speckgürtel. Es gibt keinen Bewegungsspielraum. Das ist fast ein
Todesstoß“, so der Wirtschaftsförderer. So habe er große Probleme, bei
Ansiedlungswünschen von Unternehmen, Grundstücke bereitzustellen. „Es wäre
besser, wenn die Umlandgemeinden gemeinsam mit der Stadt entsprechende Flächen
entwickeln würden“, sagt Holger Knüpfer.
Ihm schwebe zudem die Idee einer „Dreistadt“ mit gemeinsamer Verwaltung vor:
Bogatynia, Hradek, Zittau. Pläne, erste Ansätze gebe es bereits, etwa einen
abgestimmten Investitionsplan. „Schwieriger, als die Polen und Tschechen ist es
wohl“, so Holger Knüpfer, „die deutschen Nachbargemeinden mit ins Boot zu
holen“.
www.sz-online.de
27.01.2004
Schwedt: reißt "Schloss" ab
Der Bagger hat schon ganze Arbeit geleistet:
Zu drei Vierteln ist das Amtshaus des Schwedter Ortsteils Heinersdorf bereits
eingerissen. Am Montagvormittag steht nur noch der einstige Gartensaal des
denkmalgeschützten Gebäudes, das die rund 700 Einwohner des Dorfes "Schloss"
nennen. Der Baggerfahrer ist zuversichtlich: Am Abend wird seine Arbeit erledigt
sein - und das gut 200 Jahre alte Amtshaus nur noch Schutt.
Entsetzt verfolgt Sibylle Badstübner-Gröger, was in Schwedt passiert. Die
Berliner Kunsthistorikerin ist Vorsitzende des Freundeskreises "Schlösser und
Gärten der Mark". Dessen knapp 200 Mitglieder setzen sich seit Jahren für den
Erhalt bedrohter Adelssitze in Brandenburg ein, auch für das Heinersdorfer
Amtshaus wurden mit einem Benefizkonzert 5 000 Euro gesammelt. "Wir können nicht
verstehen, dass auch im Jahr 2004 Baudenkmale so chancenlos, wie vergleichsweise
in unseligen DDR-Zeiten, geopfert werden", sagt die Kunsthistorikerin.
Ministerium: "Bislang beispiellos"
Zwischen 1945 und 1989 sollen in Brandenburg rund 700 der einst gut 1 600
Schlösser, Guts- und Herrenhäuser abgerissen worden sein - darunter das im Krieg
schwer beschädigte Schwedter Stadtschloss.
Die Vorsitzende des Freundeskreises wirft der Stadt "mangelndes historisches
Bewusstsein" vor. Und befürchtet, dass der Abriss des Amtshauses - den
Kulturministerin Johanna Wanka genehmigt hat - eine Lawine auslöst, der
noch weitere Denkmale zum Opfer fallen. Schließlich seien viele Kommunen, die
nach der Wiedervereinigung Besitzer von Schlössern und Herrenhäusern wurden, mit
deren Erhalt überfordert. Laut Landesdenkmalamt sind allein 300 der 500
bedeutenden Adelssitze in ihrem Bestand bedroht.
"Bislang beispiellos" ist der Fall des Heinersdorfer Amtshauses auch für Uwe
Koch, den zuständigen Referatsleiter im Kulturministerium. Jahrelang habe es
intensive Bemühungen gegeben, das Baudenkmal zu erhalten. "Aber die Stadt hat
alle unsere Angebote ausgeschlagen." Die Kommune sei nicht bereit gewesen, Geld
als Eigenanteil für Notsicherung des Gebäudes aufzubringen. Parallel dazu
schlugen die Privatisierungsversuche der Stadt fehl: Immer wieder bekam sie das
Gebäude von den einstigen Käufern zurück - und immer in einem schlechteren
Zustand. Zum Schluss war das "Schloss" eine Ruine, die für Anwohner eine Gefahr
darstellte und die einzustürzen drohte. Mindestens 500 000 Euro wären notwendig
gewesen, nur um es baulich zu sichern, sagt Uwe Koch. Geld, das keiner
aufbringen konnte. "Da blieb uns nichts Anderes übrig, als dem Abbruchantrag
zuzustimmen. Auch wenn es ein Jammer ist", sagt Koch, der für Denkmalschutz
zuständige Referatsleiter.
"Es tränt mir das Herz, dass ein einst so wunderschönes Gebäude eingerissen
wird", sagt Irmgard Schulz-Oqueka. Die Heinersdorfer Ortsbürgermeisterin wohnt
im Pfarrhaus, das Teil des denkmalgeschützten Ensembles ist, zu dem neben dem
Amtshaus noch die Kirche gehört. "Aber es gab keine Alternative zu dem Abriss",
beteuert die Frau, die für die SPD auch in der Schwedter
Stadtverordnetenversammlung sitzt. "Wir haben in gutem Glauben auf Investoren
gesetzt und sind jedes Mal bitter enttäuscht worden", sagt die
Ortsbürgermeisterin. Schon 1990 sei das Amtshaus in einem schlechten Zustand
gewesen: "Die Sünden sind im Sozialismus passiert", sagt sie.
Der Schwedter Bürgermeister Peter Schauer gibt der "katastrophalen
Finanzausstattung der Kommunen" die Schuld daran, dass das Amtshaus nicht zu
halten war. "Unser Geld reicht eben nicht für alles." Der Stadtumbau - die
Umgestaltung von Schwedts großen Plattenbausiedlungen - verschlinge große
Summen. Diese Investitionen würden aber den Menschen, die dort leben, zugute
kommen. "Es wäre niemandem zu erklären gewesen, wenn wir in das Heinersdorfer
Amtshaus viel Geld gesteckt hätten, ohne dass es anschließend genutzt werden
kann", sagt Schauer. "Wir mussten Prioritäten setzen."
www.berlinonline.de
27.01.2004
Wittenberge: Genossenschaft reißt 130 Wohnungen ab
Bis 2015 sollen in der Stadt insgesamt 2400
Wohnungen abgerissen werden. Allein für dieses Jahr ist der Rückbau von 900
Wohnungen geplant. So sieht es das Stadtumbaukonzept vor, an dessen Erarbeitung
auch Vermieter beteiligt waren.
Die Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom" gehört mit 3345 Wohnungen zu den großen
Vermietern in der Stadt, ist aber mit vergleichsweise wenig Quartieren am
Rückbauprozess beteiligt. Der "Prignitzer" sprach darüber mit Karsten Korup vom
Geschäftsführenden Vorstand der Genossenschaft.
Wo und in welchem Umfang wird die Genossenschaft Wohnungen rückbauen?
Unsere ursprüngliche Planung sah vor, in diesem Jahr 100 Wohnungen vom Markt zu
nehmen und im nächsten Jahr dann noch einmal 30. Aus wirtschaftlichen Erwägungen
heraus hat sich die Genossenschaft aber entschlossen, in diesem Jahr die
gesamten 130 Wohnungen herunter zu nehmen. Das geschieht im Horning und betrifft
die Häuser mit den Eingängen 45 bis 47 und die Eingänge 48 bis 53. Die Häuser
sind bis auf 14 Wohnungen leer und warten quasi auf den Abbruch.
Gemessen an der Anzahl der Wohnungen, die die Wohnungsbaugesellschaft als der
andere große Vermieter in der Stadt abbricht - in Perleberger Straße, in der
Stein-Hardenberg-Straße, in der Zollstraße - erscheint das wenig ...
Ja, sicher ist das so. Aber dafür gibt es natürlich auch handfeste Gründe. Wir
als Genossenschaftsvorstand sind unseren Mitgliedern verpflichtet. Jeder Abriss
vernichtet deren Eigentum. Das muss man bei jeder Entscheidung bedenken. Deshalb
sieht der Vorstand seine Aufgabe auch darin, das Eigentum zusammen zu halten, so
lange das wirtschaftlich ist.
Wohnungen, die leer stehen, sind doch aber nicht wirtschaftlich?
Wir haben derzeit weniger als 15 Prozent Leerstand. Das bedeutet, dass die
Genossenschaft beim Rückbau von Wohnungen nicht von den Altschulden, die auf
diesen Wohnungen liegen, entlastet wird. Sie werden vielmehr auf den Bestand
verteilt. Das Altschuldenhilfegesetz hat diese Grenze von 15 Prozent gesetzt und
somit den Handlungsspielraum stark eingeschränkt.
Was geschieht im nächsten und in den folgenden Jahren in Sachen Stadtumbau und
da konkret beim Rückbau?
Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge werden wir bis 2008 keine weiteren
Wohnungen herunter nehmen können bis dahin werden wir anhand der Situation
weitere Entscheidungen treffen. Diese werden sich, das will ich ausdrücklich
unterstreichen, an den Wohnbedürfnissen unserer Mitglieder und der
Leerstandsentwicklung orientieren.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass die Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom"
mit der Errichtung der Theaterarkaden im Stadtzentrum bereits einen großen
Beitrag zum Stadtumbau und zur Stärkung der City geleistet.
www.svz.de
27.01.2004
Thüringen: Gesicht der Innenstädte nicht dem
Abriss opfern
Unsere Innenstädte sollen durch
unkontrollierten Abbruch nicht ihr Gesicht verlieren. Vor dem Hintergrund
steigender Antragszahlen auf Abbruch von denkmalgeschützten Gebäuden im
Landkreis Greiz - 37 davon sind 2003 in Greiz, Weida und Zeulenroda von der
Unteren Denkmalbehörde genehmigt worden - und drastisch reduzierter Fördermittel
im Denkmalschutzbereich sowie besserer Förderung aus dem Städtebautopf auf
Landesebene kam vergangenen Donnerstag im Greizer Landratsamt eine
Gesprächsrunde der Landkreisbehörden mit Vertretern des Landesamtes für
Denkmalpflege sowie des Innenministeriums mit den Bürgermeistern von Greiz,
Ronneburg, Weida und Zeulenroda zusammen, um das Spannungsfeld zwischen
Stadtentwicklung und Denkmalpflege näher zu beleuchten.
"In einer offenen Problemdiskussion", so Dr. Horst Gerber, Abteilungsleiter im
Landratsamt, sei man sich darüber einig gewesen, dass die Situation Kompromisse
erfordere. "Denkmalschutz muss sich integrieren in Stadtumbau und
Wirtschaftsförderung, wirtschaftliche Erhaltung von Kulturdenkmalen und die
Zumutbarkeit für den Eigentümer müssen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht
werden. Nur so sind unkontrollierte Abbrüche auch zu vermeiden".
Die Nutzungsnachfrage in denkmalgeschützter Substanz, davon können die
Bürgermeister ein Lied singen, geht drastisch zurück. Allein in Ronneburg
erreicht der Leerstand im Zentrum fast 75 Prozent.
Vor allem die Stadtentwicklungskonzepte sollen hier Klarheit bringen darüber,
was man sich künftig leisten kann und will. Ronneburgs Bürgermeister Manfred
Böhme hatte klar gemacht, dass man sich auf das Areal innerhalb der Stadtmauer
konzentrieren werde, auch der Greizer Bürgermeister verwies auf die
Vorrangstellung von Alt- und Neustadt in Greiz. "Alternative Vorgehensweisen zur
Nutzung von Denkmalen werden gebraucht", fasst Dr. Gerber die Erkenntnisse des
Gedankenaustauschs zusammen. Nicht die Frage Komplettsanierung oder Abriss stehe
zur Entscheidung, sondern vielmehr Kompromisse zur Erhaltung des Denkmals unter
Beachtung der Rentierlichkeit. Solch ein Kompromiss sei beispielsweise am
Weidaer Markt 9 gefunden worden. Die Stadt habe die Außenhaut des Gebäudes
saniert, während der Nutzer das Innenleben seinen Bedürfnissen anpasste.
In den Innenstädten, so eine weitere Überlegung, sollten sich die
Wohnungsunternehmen stärker engagieren, für sich ein weiteres Standbein
schaffen.
Einerseits sei die "Inflation" von Denkmalbestimmungen kritisch zu hinterfragen,
andererseits sollten Zeitzeugen nicht der Abrissbirne geopfert werden, weil
kurzfristig keine Nutzung in Aussicht stehe.
www.otz.de
24.01.2004
Annaberg: Bevölkerung sinkt dramatisch
Bis 2020 muss der Kreis Annaberg mit einem
Einwohnerrückgang von weiteren 14.000 Personen rechnen. Seit 1990 verlor er
bereits 13.000 Menschen, die Kreisstadt im gleichen Zeitraum 5000. „Nackte
Tatsachen, die überall in Sachsen so ähnlich zu registrieren sind. Im Freistaat
gab es 1990 bis 2002 einen Bevölkerungsschwund von 563.000 Menschen“, erklärte
Gabriele Köster vom Statistischen Landesamt Kamenz am Donnerstagabend bei einem
Forum in der Annaberger „Goldenen Sonne“. Drei Fünftel sind auf das
Geburtendefizit zurückzuführen, zwei Fünftel auf die Abwanderung.
„Wie weiter?“ So lautete deshalb die Frage. Denn die „Abmagerung“ wird sich auf
alle Lebensbereiche dramatisch auswirken. „Die Gründe wegzugehen sind exakt die
gleichen, um nicht wiederzukommen“, meinte Landtagsabgeordneter Karl Nolle. Er
fordert eine Mittelstandsoffensive, beispielsweise um die 130.000
Ost-West-Berufspendler „einzufangen“. Und er appelliert, dass Firmen unbedingt
Arbeitskräfte aquirieren müssen: „Wer glaubt, dass er nichts in die Menschen
investieren muss, wird scheitern.“ Nolle zieht seine Erkenntnis daraus, dass bis
2020 die erwerbsfähige Bevölkerung in Sachsen um ein Viertel sinkt, weil die
demografische Alterung dramatisch zunimmt.
Zudem sei alarmierend, dass Sachsen zwar von der Industrie lebe, aber sich nur
neun Prozent der Schulabgänger für eine Ausbildung in diesen Gewerbebranchen
interessieren. „Die Abschaffung des Zweiges ,Beruf mit Abitur‘ war ein schwerer
Fehler“, meint Nolle.
www.freiepresse.de
23.01.2004
Zeitz: URBAN 21 und Stadtumbau Ost
Über den Stand der Umsetzung der
Landesinitiative URBAN 21 und des Stadtumbaus Ost informierte
Stadtplanungsamtsleiter Christian Villiers. Zunächst einmal stellte er voran,
dass URBAN 21 bis 2006 zu Ende geführt wird, es werden nur keine neuen Maßnahmen
mehr vom Land bewilligt.
Für Zeitz betrifft das zwei kleinere Projekte, die noch nicht bewilligt waren:
Ein Pavillon am Abschlagsgraben zur Weißen Elster und eine
Rendezvous-Haltestelle für Busse an der Fischstraße. Alle anderen investiven
Maßnahmen aus dem Zeitzer URBAN-Konzept sind finanziell abgesichert und werden
umgesetzt. Einzige Ausnahme ist das Franziskanerkloster. Es wird zwar saniert,
aber auf Einbauten für die ursprünglich geplante Nutzung durch das Theater
verzichtet man solange die künftige Nutzung ungeklärt ist. Die Bushaltestelle am
Altmarkt soll nun umgesetzt werden, wenn der Altmarkt mittelfristig saniert
wird.
Abgeschlossen ist die Sanierung der Kindertagesstätte „Kleine Strolche“ und der
Auebrücke. In diesem Jahr folgen die URBAN-Projekte historische Klinkerhallen
(am Freitag übergeben), Nikolaistraße 6 und Kalkstraße 32. Am Albrechtschen
Palais wird mit Hochdruck gearbeitet, um bis zur Landesgartenschau zumindest die
Außenansicht und Teile des Gebäudekomplexes fertig zu stellen. Im hinteren Anbau
wird das Bauministerium des Landes seine Ausstellung präsentieren. Für rund 70 %
der übrigen Flächen wurden bereits Mieter für die langfristige Nutzung gefunden.
In bezug auf die Vermietung der restlichen Flächen ist man auch für eine
geeignete gewerbliche Nutzung offen.
Für die 10 Zeitzer URBAN-Projekte URBAN 21 sollen insgesamt rund 6,6 Millionen
Euro an Fördermitteln der Europäischen Union nach Zeitz fließen. Nach Angaben
der zuständigen Bearbeiterin Steffi Pinkert sind über 50 % davon bereits
abgerufen.
Auch im Programm Stadtumbau Ost gibt es erste sichtbare Schritte. So wurde der
erste Block in Zeitz-Ost abgerissen. Der umstrittene Abenteuerspielplatz soll
allerdings nun an anderer Stelle entstehen, wo keine Anwohner gestört werden.
Für die freie Fläche in der Sebald-Waldstein-Straße will man nach verträglichen
Lösungen suchen. Ohnehin hat sich beim Abriss des Blocks herausgestellt, dass
die hallesche Monolith-Bauweise es nicht zuließ, das Kellergeschoss zu erhalten.
Weitere Blöcke sollen im Rahmen des Programms bis 2006 abgerissen werden:
zunächst die Geußnitzer Straße 34a und die Käthe-Niederkirchner-Straße 58.
Christian Villiers verwies nicht ohne Stolz darauf, dass es gelungen sei, mit
nur 24.000 Euro Eigenmitteln rund 300.000 Euro Fördergelder für den Stadtumbau
nach Zeitz zu holen. Sicher sei nicht alles ohne Probleme gelaufen, aber
Stadtumbau sei neu für die Stadtplaner in der Bundesrepublik. Bisher hat man
immer aufgebaut, nun muss auch rückgebaut werden. Dazu liegen noch keinerlei
Erfahrungen vor. Immerhin habe man mit Erfolg versucht, Kinder und Jugendliche
als die künftigen Bewohner der Stadt mit einzubeziehen und will das auch weiter
tun.
www.supersonntag-web.de
22.01.2004
Dessau: Suche nach den Stellschrauben
Es war der zweite gemeinsame Neujahrsempfang, zu dem die drei großen
Wohnungsunternehmen - Dessauer Wohnungsbaugesellschaft, Wohnungsgenossenschaft
und Wohnungsverein - am Donnerstagabend in das nh-Hotel eingeladen hatten, und
schon sprachen Gastgeber und Gäste von einer guten Tradition.
Als "moderne Dienstleister der Wohnungswirtschaft" haben sich die drei
Unternehmen aktiv in den Prozess des Stadtumbaus Ost, dem tragenden Thema der
Wohnungswirtschaft, eingebracht und als Partner der Stadt an der Erarbeitung des
Stadtentwicklungskonzeptes mitgearbeitet. "Stadtentwicklung ist nicht nur
Abriss, sondern die Chance für einen Umbau in neuer Qualität", betonte
DWG-Geschäftsführer Joachim Schlichter, in seiner Ansprache. Er machte
gleichzeitig darauf aufmerksam, dass sein Unternehmen die Hauptlast beim Rückbau
zu tragen habe. Im Jahr 2002 habe die DWG den ersten Block abgerissen, weitere
seien inzwischen gefolgt. "Wir haben hier eine große Verantwortung den Bürgern
gegenüber, der wir mit größtmöglicher Transparenz gerecht werden wollen."
23 000 Wohnungen werden von den drei Unternehmen verwaltet. "Auch dafür gebührt
ihnen Dank, denn ihre Arbeit steht für sozialen Frieden", anerkennt Ronald
Meißner, Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften. Vieles in Dessau
habe sich zum Guten gewendet, und da habe die Wohnungswirtschaft mit ihren nicht
unerheblichen Investitionen zu beigetragen. Für Instandsetzung und
Modernisierung wurden seit 1990 von den drei Unternehmen mehr als 500 Millionen
Euro investiert, 309 Millionen davon stehen bei der DWG zu Buche. "Der
Stadtumbau hat noch nicht die nötige Fahrt angenommen", stellte Joachim
Gottschalk, Staatssekretär im Ministerium für Städtebau, Wohnungswesen und
Verkehr, in seiner Rede fest und sagte damit den Anwesenden wohl nichts Neues.
Die Gründe für den Verzug sieht der Magdeburger Politiker auf "allen
Ebenen"."Wir sollten uns aber darauf konzentrieren, was wir gemeinsam bewegen
können." In diesem Punkt erntete er vollste Zustimmung von Ronald Meißner. Nicht
öffentliche Schuldzuweisungen brächten die Sache voran, sondern die Suche nach
den Stellschrauben. "Wir sollten über das reden, was uns hemmt."
Beim Vorhaben "Stadtumbau" scheint vieles noch nicht in dem richtigen Topf. "Es
ist nicht einfach", beschreibt Hans Tschammer, Vorstandsvorsitzender der
Wohnungsgenossenschaft e.G. am Rande der offiziellen Reden beim Neujahrsempfang
die Situation. "Die Landesregierung forciert den flächendeckenden Abriss, damit
hat Dessau aber ein Problem, weil der Bedarf hier nicht da ist", nennt er einen
strittigen Punkt. Die größten Differenzen gebe es aber bei den Finanzen.
Fördermittel stünden nämlich nur anspruchsberechtigten Unternehmen zur
Verfügung. Die Kriterien habe bisher in Dessau nur die DWG erfüllt, der
Wohnungsverein stellte im vorigen Jahr einen Antrag. "Der Abriss muss
vorfinanziert werden, wir brauchen also Banken als Kreditgeber." Für die
Anträge, die 2003 gestellt wurden, seien erst im November die
Fördermittelbescheide ausgereicht worden. "Da war nichts mehr zu realisieren."
Hinzu komme, dass das von Bund und Land zur Verfügung gestellte Geld "hinten und
vorne" nicht reiche
www.mz-web.de
22.01.2004
Werdau: Es gibt nichts anderes als Rückbau
„Ein anderes Ergebnis als den
teilweisen Rückbau des Wohngebietes Sorge gibt es nicht“, betonte
Oberbürgermeister Volkmar Dittrich am Dienstagnachmittag vor den Stadträten des
Verwaltungsausschusses. Dort hatte der Werdauer Werner Häupl nochmals den Erhalt
des Wohngebietes gefordert, nachdem er im Februar vorigen Jahres die geplanten
Abrissmaßnahmen kritisierte. „Um den Rückbau nicht mehr benötigter Wohnhäuser
kommt keine Stadt herum“, unterstrich Dittrich seine Aussage.
Seinerzeit forderte Häupl, die DDR-Neubauten „umgehend den Großbetrieben in
unserer Region Werdau-Zwickau als Werkswohnungen kostenlos anzubieten“.
Unternehmen wie VW oder Kögel würden dadurch in die Lage versetzt, die „besten
Arbeitskräfte und Lehrlinge aus ganz Deutschland kostengünstig unterzubringen“.
„Die Stadt Werdau könnte hier Pionierarbeit leisten“, hatte Häupl betont und
regte ein Bündnis mit Städten, Gemeinden, ansässigen Unternehmen und dem
Arbeitsamt zur Steigerung der Ausbildung und Beschäftigung junger Leute an.
Nachdem Ende letzten Monats die ersten beiden Blöcke des Wohngebietes an der
Alexander-Lincke-Straße dem Erdboden gleich gemacht worden waren, wandte sich
Werner Häupl abermals an den Werdauer OB. Schließlich könne der aufgrund seiner
Stellung in der Region entscheiden, „wie es in Zukunft mit der Ausbildung der
Jugend in Deutschland weitergehen könnte“. Zudem hätte Dittrich in seiner
bisherigen Amtszeit gute Projekte auf den Weg gebracht – mit Ausnahme des
Sorge-Abrisses. Aber noch seien die Voraussetzungen gegeben, den Abriss zu
stoppen und das Wohngebiet entsprechend seines Vorschlages zu nutzen. Häupl
unterbreitete Dittrich sogar detaillierte Aspekte unter anderem für den Umbau
und die Nutzung der Wohnblöcke. Hier lag auch eine Aufstellung des von ihm
errechneten „volkswirtschaftlichen Schadens“ allein schon durch den erfolgten
Abriss der beiden Blöcke, der sich in zehn Jahren um die 400.000 Euro belaufen
würde. „Dieser Schaden ist bereits entstanden, weil die Wohnungen nicht
ordnungsgemäß ausgeschrieben und zum Verkauf angeboten wurden“, meinte Häupl.
Und da Werner Häupl seine Unterlagen mit einer kurzen ablehnenden Bemerkung aus
dem Rathaus zurückbekam, suchte er das Landratsamt auf. Dort sprach er beim
zuständigen Fachbereichsleiter Thomas Haller vor, der die Problematik zum
Leerstand von Wohnungen sowie den Stadtbauprogramme und die Ursachen für den
Rückbau umfangreich erklärte. Trotzdem bestand Werner Häupl auf eine
Weiterleitung seiner Vorstellungen an das Chemnitzer Regierungspräsidium, wo
über die Fördergelder zum Rückbau entschieden wurde.
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22.01.2004
Eisleben: Neues Leben hinter Mauern
Auch Eisleben will bei der "Internationalen Bauausstellung" mit einem Projekt
dabei sein. Ob mit Erfolg, wird sich nach einem Jahr zeigen, wenn es wie die in
elf weiteren Städten begonnenen auf seine Vorzeigbarkeit geprüft wird. Das ist
kein bloßer Ideenwettbewerb - es geht auch um Fördermittel, die erst mit dem
Segen der IBA fließen. Somit wird gerade in diesen Tagen im tiefsten Kern der
historischen Altstadt, in der Lutherstraße nahe beim Geburtshaus des
Reformators, ein Exempel statuiert. Und der Schock bleibt nicht aus, angesichts
einschneidender Abrisse mitten im dichtesten Geflecht der mittelalterlich
geprägten Häuserstruktur. Zu besichtigen ist im Augenblick der Umbau in seiner
härtesten Phase.
Soll in Eisleben etwas beschönigt werden, wenn diese Zerstörung unter dem Motto
"K3: Kleiner, klüger, kooperativ" läuft? So etwas ist Marketingdeutsch für das,
was Leipzig offensiv die "Perforierte Stadt" genannt hat: Ausdünnen, dass die
verbleibenden Bewohner mehr Fläche, mehr Grün, mehr Licht haben. Einige glauben,
dass damit die Eigenschaften des Wohnens auf der Grünen Wiese auf die Altstädte
übertragen werden können. Genau besehen ist es aber der Wortschatz der Moderne,
der auf die historische Stadt angewendet wird. Doch der Veränderungsdruck ist
real, und Eisleben macht keine untypische Erfahrung. Höchster Leerstand bei
zugleich schlechtestem Bauzustand: Darunter leidet die Altstadt. Ihre Hoffnung
ruht auf Individuen und Institutionen, die sie neu beleben wollen. Im Fall des
Quartiers zwischen Lutherstraße und Badergasse wächst das IBA-Projekt aus dem
Zusammenspiel eben solcher Akteure.
Die IBA spricht vornehm vom "Labor": Hauseigentümer, Mieter und die mittelbar
betroffene Stiftung Luthergedenkstätten sitzen an einem Tisch mit Planern,
Architekten, Denkmalpflegern und dem IBA-Büro vom Dessauer Bauhaus. Es geht um
Grundstückstausch und Interessensabgleich. Das Ziel aber ist der Abbruch
kleiner, immer schon bescheidener und durch langen Leerstand verfallener
Handwerkerhäuser, um damit den Nachbarn bessere Bedingungen zu ermöglichen.
Betroffen sind zwar keine bedeutende kulturhistorischen Werte, wohl aber
maßstäbliche Gegenpole zu den Patrizierhäusern in besser situierten
Nachbarstraßen.
So kann jetzt auf einem Grundstück altersgerechtes Wohnen, auf einem anderen der
Freisitz für eine Gaststätte entstehen. Ein anderes Haus kann zur Giebelseite
Balkone bekommen und sanitäre Anlagen verbessern. Das Lutherhaus will sein
Grundstück zu einem benachbarten, derzeit ungenutzten Gasthof aufschließen. Und
natürlich: Es wird auch Parkplätze geben.
Damit aber die Freiflächen nicht als Brachen wahrgenommen werden und die
Altstadt ein zusammenhängendes Gefüge bewahrt, setzen jetzt lokale Büros
gestalterischen Ehrgeiz in die Einfriedungen - die "neue Stadtmauer", wie sie
die Planer nennen. Durch diese verbindenden Elemente anstelle der einstigen
Häuser hofft man durch Material, Leuchtkörper und Grün ebenso wie durch
Gliederung dem Viertel altstädtische Struktur einpflanzen zu können.
Die ersten Entwürfe reichen von strengem Minimalismus zu einer Komposition
kleinstädtischer, modernistisch angehauchter Motive. Künftige Nachahmer werden
neugierig auf dieses Experiment einer in der Not geborenen neuen Art von
Städtebau schauen. Ob mehr als schmückendes Beiwerk dabei herauskommt, bleibt am
konkreten Ergebnis zu beurteilen.
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22.01.2004
Staßfurt: füllt die Leere Mitte
Auf Leerstand in jedem Wortsinn blicken die Architekten, Stadt- und
Landschaftsplaner aus Sachsen-Anhalt, die in zwölf Dreier-Teams im Laufe dieser
Woche die alte Bergstadt zur "Internationalen Bauausstellung (IBA)" hinführen
wollen. Sie tagen öffentlich in einem stillgelegten Kaufhaus: Symptom eines
Einwohnerschwunds von 20 Prozent seit 1989 sowie der durchschnittlichen
Arbeitslosigkeit von 25 Prozent.
Leerstand auch in anderer Hinsicht macht die vormalige Kreisstadt zum
ungewöhnlichsten der elf IBA-Projekte aus zwölf Städten in Sachsen-Anhalt. Lange
bevor das Land die IBA als erprobtes Instrument kreativer Stadtgestaltung für
das Zieljahr 2010 aufgegriffen hatte, gab es in Staßfurt schon mal Stadtumbau.
Der allerdings hatte den Charakter einer Naturkatastrophe. Das Ergebnis ist die
"Leere Mitte".
Dort, wo einst die Altstadt stand und um 1900 der Kalibergbau tief darunter zu
Ende gegangen war, taten sich Schlünde auf. Ein Labyrinth von Stollen war zu 25
Millionen Kubikmeter Hohlräumen ausgewachsen. Zum Vergleich: Die Talsperre
Kelbra fasst 35 Millionen Kubikmeter. War der allmählichen Senkung des Bodens
schon Ende des 19. Jahrhunderts die Burg, 1948 das Schiff der Stadtkirche zum
Opfer gefallen, so brach das Niveau in den 60er Jahren bis zu siebeneinhalb
Meter ein. Das bedeutete den Kahlschlag einer im Sinne ihres Erscheinungsbildes
musterhaft "europäischen Stadt". Abgerissen wurden das Rathaus, der schiefe Turm
der Stadtkirche - damals ein Wahrzeichen Staßfurts - und obendrein 850
Wohnhäuser. Heute noch blickt man auf das versunkene Areal, das kein Haus mehr
trägt außer ein paar, die gleichmäßig mit dem Untergrund absackten.
Staßfurt steht aber nicht nur leer, es ist auch zerrissen: dreigeteilt durch die
Bode und die Bahnlinie in die Vorstadt, in Leopoldshall und die Rumpf-Altstadt.
Dennoch ist dies keine Stadt, die die Frage aufwirft, ob sie noch zu retten ist.
Immer noch identifizieren sich Bürger mit dem, was Staßfurt bewahrt hat, vor
allem von seinem Kern.
Das Interesse an den Gedankenspielen am Planertisch ist rege. Man schaut durch
die Schaufenster und diskutiert mit, wenn abends die Ideen in gemeinsamer Runde
besprochen werden. Eine Schulklasse hat sich angemeldet. Die Medien sind
präsent.
So ist es auch für die Beteiligten des IBA-Projekts - die angereisten ebenso wie
die städtischen Planer - zunächst einmal der Prozess, der den Kopf frei macht
für Lösungen jenseits von Wachstum und Neubau. Es heißt, Staßfurt müsse die
Brüche seiner Entwicklung akzeptieren. Vom Herausschälen der prä-industriellen
Baugeschichte ist die Rede. Von neuer Wertschätzung des Bestandes und
qualitätvoller Gestaltung von Brachen.
Und die "Leere Mitte"? Dazu erhofft sich die Stadt wohl am meisten einen Impuls
aus der Planerwerkstatt. Ist schon die Altstadt unwiederbringlich verloren, so
soll ihr Areal nicht zur Ödnis verkommen. Keine Idee ist tabu. Auffüllen zur
"Wasserwelt" schlagen einige vor und sprechen davon, das Element auch anderswo
in die Stadt hereinzuholen. Andere wollen die "Erlebniswelt" schaffen und einen
Geschichtsparcours einrichten. Die ganze Fülle der Geistesblitze soll morgen
Abend zum Abschluss des Workshops präsentiert werden. Die überarbeiteten
Entwürfe sind dann in einer Ausstellung zu sehen, die am 13. Februar am selben
Ort, im leeren Kaufhaus in der Steinstraße 21, eröffnet wird.
www.mz-web.de
21.01.2004
Weimar: Abriss mit Zubrot
Durch einen Zuwendungsbescheid aus dem
städtebaulichen Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" kann in diesem und im
kommenden Jahr der Abriss im Landfried beginnen. Der Rückbau ist eine von drei
geförderten Maßnahmen in Weimar. Im ersten Bauabschnitt sollen zwischen
Buttelstedter, Kromsdorfer und Karl-Borchert-Straße Gebäude mit 99 Wohnungen
verschwinden. Sie entstanden nach dem Ersten Weltkrieg als Notwohnungen und
befinden sich inzwischen in desolatem Zustand.
Für die Wohnstätte als Eigentümer wäre eine Rekonstruktion mit einem
wirtschaftlich nicht mehr vertretbaren Aufwand verbunden, hieß es gestern im
Rathaus. Die Wohnsubstanz entspreche nicht heutigem Standard. Konkrete Planungen
für die Neubebauung (TA berichtete) befänden sich jedoch noch in der Abstimmung
zwischen der Wohnstätte und Stadtverwaltung.
Mit der Musäusstraße 2 und der Warschauer 30a/b liegen für zwei weitere
Standorte Zuwendungsbescheide aus dem Förderprogramm vor. Es will damit auf
Veränderungen in der Wohnungswirtschaft, der Bevölkerungsentwicklung und der
Wirtschaft in den ostdeutschen Kommunen reagieren. Ziel ist ein vorsichtiger
Rückbau von Gebäuden und Wohngebieten, um die Entwicklung der Städte zu
stabilisieren. Voraussetzung ist in jedem Fall ein Stadtentwicklungskonzept.
Die Musäusstraße 2 wurde bereits 2003 abgerissen und soll durch ein
Mehrfamilienhaus nach heutigem Standard ersetzt werden. Der Abriß der Warschauer
Straße 30a/b mit ihren 260 Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen läuft. Mit der
entstehenden Fläche sollen das Wohnumfeld attraktiver und Probleme des ruhenden
Verkehrs geklärt werden. Aus Rathaussicht hilft die Förderung der Abrissmaßnahme
so, den Stadtteil Weimar West wieder etwas aufzuwerten.
www.theringer-allgemeine.de
20.01.2004
Freital: Viel Futter für den Abrissbagger
Unverhoffter Geldregen über der
Wohnungsgesellschaft Freital. Die Stadttochter hatte ihre Abrisspläne für 2003
bereits begraben, doch zum Nikolaustag flatterte ihr ein Fördermittelbescheid in
die Post. Jetzt rollen die Abrissbagger.
Die Freitaler werden immer weniger – das macht dem größten Vermieter der Stadt,
der Wohnungsgesellschaft Freital (WGF), zu schaffen. Denn Leerstand kostet Geld
und belastet damit die Kasse des Unternehmens. Die Lösung liegt auf der Hand:
Die Abrissbirne soll es richten.Doch die WGF musste ihren Plan, noch im vergangenen Jahr 17 Häuser abzureißen,
zunächst begraben. Obwohl der Fördermittelantrag bereits im September 2002 und
damit rechtzeitig gestellt wurde, ging das Rathausunternehmen leer aus.
Umso größer war die Überraschung, als die Post Anfang Dezember doch noch einen
Bewilligungsbescheid brachte. Somit kann die WGF zur Tat schreiten. In diesen
Tagen verschwinden zum Beispiel die Gebäude Dresdner Straße 254, Rabenauer
Straße 4 und August-Bebel-Straße 4.
Nach den Worten von Freitals Baubürgermeister Ulrich Kretzschmar ( flossen
bisher rund 642 000 Euro Fördermittel in den Abriss. „Das Geld kommt aus dem
Topf Stadtumbau Ost sowie aus dem Sanierungsprogramm für Potschappel und Deuben.“
Zusätzlich zu den 17 WGF-Gebäuden wurden sieben private Häuser platt gemacht und
damit insgesamt 170 Wohnungen beseitigt. In diesem Jahr sollen es etwas weniger
sein .
Doch Stück für Stück soll es mit dem Abbruch-Programm bis Ende 2008 weitergehen.
Auf der Abschussliste der Stadtplaner stehen noch 715 Wohnungen. Nicht selten
stößt das bei den Mietern auf Unverständnis. Sie müssen ihre vertrauten vier
Wände aufgeben und umziehen, weil das im wirtschaftlichen Interesse ihres
Vermieters steht.
Durchaus zumutbar, findet die sächsische Regierung und bringt jetzt in den
Bundesrat eine Gesetzesinitiative ein, die Abriss-Kündigungen ermöglichen soll.
Danach kann der Hauseigentümer kündigen, wenn ein Wohngebäude überwiegend leer
steht und nach einem städtebaulichen Konzept der Gemeinde vollständig oder
teilweise beseitigt werden soll.
Im Gegenzug muss er dem Mieter „verfügbaren Wohnraum vergleichbarer Art, Größe
und Ausstattung“ anbieten. Betroffen wären davon allein in Freital Hunderte
Mieter.
So bangen zum Beispiel in der Straße der Stahlwerker in Zauckerode 38 Familien
um die Zukunft ihrer Plattenbau-Wohnungen.
www.sz-online.de
20.01.2004
Crimmitschau: Häuser abgerissen, 30 Wohnungen weniger
Aufgrund des hohen Leerstandes bei Wohnungen
durch Abwanderung – etwa 200 Bürger zogen voriges Jahr aus Crimmitschau weg –
und des Geburtendefizites wurde die Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) in
den zurückliegenden Jahren mit dem Rückbau von Häusern konfrontiert. Deshalb hat
sich die Tätigkeit auch auf den gezielten Abriss von nicht mehr
sanierungswürdigen Wohnraum verlagert. Das im vergangenen Jahr beschlossene
Unternehmenskonzept sah vor allem vor, im Jahre 2003 insgesamt weitere 30
Wohnungseinheiten (WE) rückzubauen. Das gesteckte Ziel wurde mit den Abbrüchen
der Häuser Unter den Weiden 25/26, Kantstraße 6, Annenstraße 14, Leipziger
Straße 95, Breitscheidstraße 9, Carthäuser Straße 30 und im Bereich der
Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft mit der Glauchauer Landstraße 71 bis 75
erreicht. Damit verschwanden gleichzeitig etliche Schandflecke aus dem
Stadtbild.
Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren bereits 150 WE mit 7500 Quadratmetern
vom Markt genommen, wie sich der Geschäftsführer der CWG, Reinhard Zill,
ausdrückte. Da jedoch die Fördergelder erst sehr spät überwiesen wurden, musste
die CWG mit 400.000 € Euro in Vorleistung gehen. Zill bedankte sich ausdrücklich
bei den Mietern, welche durch ihre Bereitwilligkeit zum Umzug die Maßnahmen
unterstützten. Bisher wurden auch 53 WE mit einer Wohnfläche von etwa 3500
Quadratmetern an verschiedenen Einzelstandorten im unsanierten Zustand verkauft.
Durch Privatinitiative seien diese Häuser aufgewertet worden. Und: Erfreulich
sei, dass das Stadtentwicklungskonzept identisch mit dem Unternehmenskonzept der
CWG ist. Damit habe die CWG eine Vorreiterrolle übernommen.
In diesem Jahr beschränkt sich das kommunale Unternehmen vor allem auf die
Werterhaltung seiner Gebäude. Entsprechend der Bereitstellung von Fördermitteln
geht auch der Rückbau von Gebäuden weiter.
Außerdem seien weitere Wohnraumprivatisierungen und damit eine
Liquiditätssteigerung der CWG vorgesehen, sagte Zill. Zu diesem Zweck wurden für
die Herrengasse 1 bis 9 sowie Mühlgasse/Parkgasse 2 und 4 bzw. 13 und 15 zwei
Wohneigentümergemeinschaften gegründet. Im innerstädtischen Bereich werden Ein-
bis Vierraumwohnungen zwischen 32 und 80 Quadratmetern Fläche angeboten, zu
erfragen bei der CWG.
Als problematisch bezeichnete Zill die Erhöhung der Anschlussgebühren seitens
der Wasserwerke Zwickau, die die CWG unvorbereitet trafen. Nunmehr würden mit
den Wasserwerken die Anschlusswerte vor allem in den großen Wohnhäusern
überprüft, um sie eventuell auf das richtige Maß zu reduzieren. Dies soll die
Gebühren für die Mieter und Eigentümer in einem erträglichen Rahmen halten.
www.freiepresse.de
20.01.2004
Gera: Abriss von weiteren Plattenbauten geplant
Im Geraer Stadtteil Lusan sollen in den
kommenden Monaten mehrere Plattenbauten ganz oder teilweise abgerissen werden.
Die Wohnungsbaugesellschaft Gewo will ihren Bestand um rund 100 Wohnungen
verringern.
Das Projekt ist nach Angaben von Geschäftsführer Richter vom Montag Bestandteil
des Stadtumbau-Programms der ostthüringischen Kommune. Gemeinsam mit mehreren
Genossenschaften will die Gewo zwei Wohnquartiere in dem Neubaugebiet
umgestalten. Dabei sollen Wohnhäuser beispielsweise durch den Einbau von
Fahrstühlen komfortabler gemacht werden, außerdem sind Verbesserungen des
Wohnumfeldes vorgesehen.
In den vergangenen zwei Jahren hat die Gewo in Lusan fast 400 Wohnungen
abgerissen sowie fast 600 modernisiert und saniert. Mit den derzeit laufenden
Maßnahmen sind nach Richters Worten bald 52 Prozent des Wohnungsbestandes des
Unternehmens teil- oder vollsaniert.
www.mdr.de
20.01.2004
Görlitz: Altstädte ziehen vor allem
junge Bewohner an
Wie lässt sich der Stadtumbau Ost mit den Wohnwünschen der Stadtbewohner
in Einklang bringen? Die Frage hat der Soziologin Gisela Thiele keine Ruhe
gelassen - und siehe da: Was bei der Befragung von 1500 Einwohnern der deutschen
Grenzstadt Görlitz herauskam, das setzte dann doch die Planer in Staunen. Die
Professorin hat die Ergebnisse in einer Studie unter dem Namen "Sozialstruktur,
Wohnzufriedenheit, urbane Lebensqualität" zusammengefasst, die weit über Görlitz
hinaus für Aufsehen sorgen wird. Vor allem aber erhitzt sie erst einmal die
Gemüter der Görlitzer. Und das aus gutem Grund. Denn die Ergebnisse decken sich
nicht mit landläufigen Meinungen.
Der erste und Aufsehen erregendste Befund: Die Innenstadt von Görlitz, eine der
besterhaltenen Altstädte Deutschlands, wird immer "jünger". Denn hier in den
Häusern aus allen Bauepochen bis zurück in die Renaissance und Gotik siedeln
sich bevorzugt jüngere Einwohner an, während sich der Rentneranteil in
Plattenbausiedlungen wie Königshufen seit 1999 von 25 auf 40 Prozent erhöht hat.
Noch ein zweiter Befund zeichnet die Altstadt aus: Zuzügler aus anderen Regionen
wählen bevorzugt den Altstadtkern als Wohnort. Düster dagegen sieht die
Entwicklung in den Plattenbaugebieten aus. Hier konzentriert sich mehr und mehr
die Bevölkerung, die in Bezug auf Schulbildung, Tätigkeit und Einkommen den
geringsten sozialen Status aufweist.
So sind es auch vor allem Bewohner der "Platte", die sich von der Studie der
Sozialwissenschaftlerin brüskiert fühlen. Dagegen sieht sich die Stadtverwaltung
in ihrer Strategie bestätigt, die Quartiere der Innenstadt zu beleben, die
Plattenbauviertel aber für den Rückbau vorzusehen. Der Görlitzer
Baubürgermeister Stefan Holthaus : "Wir haben keine Probleme mit den Daten und
arbeiten in der Lenkungsgruppe Stadtumbau mit ihnen."
Die "Abstimmung mit dem Möbelwagen" liefert für diese Einschätzung
unmissverständliche Daten. Danach steigt die Einwohnerzahl der historischen
Altstadt seit 1995 kontinuierlich an. Betrug sie 1999 noch 1857 Einwohner, so
waren es 2001 1969 und im September 2003 bereits 2132. Mit beschleunigter
Tendenz. In einem einzigen Jahr ist sie um 5,9 Prozent gestiegen. In den
Plattenbauvierteln dagegen ging sie im gleichen Zeitraum um 5,3 Prozent zurück.
Eine Mittelstellung nimmt die Innenstadt mit ihrem breiten Gürtel qualitätvoller
Gründerzeithäuser ein. Hier nahm die Bevölkerung zwar seit 1999 noch von 14201
auf 13704 Einwohner ab. Doch der Rückgang verlangsamt sich. Im letzten Jahr lag
er nur noch bei 0,1 Prozent.
Genau dies hat die Studie vorausgesagt. Auf die Frage nach den
"Wohlfühl-Wohnwünschen" gaben viele Bewohner aus Königshufen an, dass sie in
andere Stadtteile wegziehen wollen, während umgekehrt kaum noch einer erklärte,
dass er in die "Platte" will. Franz Josef Keul vom Görlitzer Stadtplanungsamt:
"Das deckt sich mit unserer Strategie für den Stadtumbau. Wir wollen Görlitz von
außen nach innen zurückbauen - und die Innenstadt erhalten."
www.welt.de
17.01.2004
Land Brandenburg: Millionen-Risiko beim
Wohnungsbauvermögen
Die Darlehnspolitik des Landes zugunsten von
Wohnungsgesellschaften führt zu einem Millionenrisiko. Wie Städtebauminister
Frank Szymanski auf eine parlamentarische Anfrage mitteilte, stuft die
Landes-Investitionsbank Kredite mit einer Gesamthöhe von
165 Millionen Euro als "ausfallgefährdet" ein.
Dies entspreche bei einem Gesamtdarlehn von 5,5 Milliarden Euro rund 3,5
Prozent. Laut Minister wird durch die zu erwartende weitere Abwanderung und den
Wohnungsleerstand das Ausfallrisiko beim Landeswohnungsbauvermögen steigen. "Der
Umfang der mittel- und langfristig zu erwartenden Ausfälle kann nicht
abgeschätzt werden."
Durch den weiteren Rück- und Umbau von Städten soll Szymansik zufolge dieser
Tendenz entgegen gewirkt werden. Ein koordinierter Einsatz der Mittel des Bundes
und aus der Wohnungbauförderung unterstütze dieses Anliegen nachhaltig. Der
Wirtschaftsplan 2004 sieht laut Szymanski für das Wohnungsbauvermögen eine
maximale Nettokreditaufnahme von 7 Millionen Euro vor. Die Zinsen für die
zwischen 1997 und 2002 ausgereichten Kredite lägen durchschnittlich bei knapp
5,5 Prozent.
Laut Bauministerium existiert die Gefahr, dass Rückzahlungen ausfallen, wenn
Wohnungsgesellschaften Konkurs anmelden. In diesem Falle würden jedoch Einnahmen
fehlen, mit denen das Land gerechnet hatte.
Ein Viertel dieser Unternehmen ist laut Ministeriumsangaben in wirtschaftlichen
Schwierigkeiten. Das betreffe von 221 Unternehmen, die im Brandenburgischen
Verband der Wohnungsunternehmen zusammengeschlossen sind, immerhin 53. Bei
diesen Unternehmen liege der Leerstand inzwischen bei mehr als 15 Prozent, was
in Deutschland als Signal für drohende Zahlungsunfähigkeit gelte. 25 der
bedrohten Unternehmen haben diesen Angaben zufolge sogar mit einem Leerstand
über 20 Prozent zu kämpfen und "in Einzelfällen sogar über 30 Prozent".
Landesweit stehen derzeit etwa 150 000 Wohnungen leer, was den Unternehmen vor
allem in berlinfernen Regionen 58 Millionen Euro entzieht und einer
durchschnittlichen Leerstandsquote von 12 Prozent entspricht.
Fachleute befürchten, dass Insolvenzen kommunaler oder genossenschaftlicher
Wohnungsunternehmen das Problem verschärfen werden, denn die dann folgenden
Billig-Aufkäufe würden den Mietmarkt weiter unter Druck bringen.
Das Verhalten von Banken hat in der Vergangenheit nach den Worten von Szymanskis
Vorgänger Hartmut Meyer den notwendigen Abriss von leerstehenden Wohngebäuden
behindert. Doch seien solche Maßnahmen flächendeckend erforderlich, um die
Wohnungsunternehmen zu sanieren. "Die Banken versuchen, die Erbringung eines
eigenständigen Sanierungsbeitrags zu umgehen", hatte er geklagt.
www.svz.de
17.01.2004
Land Brandenburg: Stadtumbau nützt den Architekten
Die brandenburgischen Architekten profitieren
vom Stadtumbau. "Es ist kein tradiertes Thema, mit dem sich die Kollegen aus dem
Westen seit 20 Jahren befassen", sagte gestern der Präsident der
brandenburgischen Architektenkammer, Bernd Schuster - in Anspielung auf die Zeit
nach der Wende, als viele Ost-Architekten einen schweren Stand hatten. Wie viele
der 1200 märkischen Architekten sich konkret an Stadtumbau-Projekten beteiligen,
konnte der Kammerpräsident indes nicht beziffern.
Mit einem Positionspapier will die Architektenkammer in dem seit drei Jahren
laufenden Prozess Farbe bekennen. Bauminister Frank Szymanski betonte, dass die
Planungen in hoher Qualität ausgeführt werden müssten. "Nur mit einem hohen
baukulturellen Niveau wird es gelingen, die Städte attraktiv und lebenswert zu
erhalten", forderte der Minister. Zugleich betonte er, dass Qualität keine Frage
des Geldes sei, sondern auch vom Wissen und der Kreativität der Beteiligten
abhänge.
Dabei haben Bund, Land und Kommunen in Brandenburg im Jahr 2002 mit 38,1
Millionen Euro mehr Geld für die Aufwertung ausgegeben als für den Abriss von
Wohnungen (25,4 Millionen Euro). Ein großflächiger Abriss sei aber künftig
nötig, sagte Schuster. Bislang sind 7000 Wohnungen zu Schutt zerlegt worden, in
diesem Jahr sollen weitere 7000 hinzu kommen.
www.MaerkischeAllgemeine.de
17.01.2004
Görlitz: Wohnungen in Polen als Konkurrenz
Der Görlitzer Wohnungsbaugesellschaft (WBG)
erwächst mit dem polnischen EU-Beitritt neue Konkurrenz durch den Zgorzelecer
Wohnungsmarkt. Darauf hat WBG-Geschäftsführer Gerd Kolley hingewiesen.
„In Görlitz stehen 10 000 Wohnungen leer“, sagte Kolley am Rande eines Forums
zum Stadtumbau. Da es aber auch in Zgorzelec viele freie Wohnungen gibt, rechnet
der WBG-Chef damit, dass seinem Unternehmen mit dem polnischen EU-Beitritt neue
Konkurrenz von jenseits der Neiße erwächst.
Dies liegt auch daran, dass die Einwohnerzahl in Zgorzelec stetig abnimmt. Habe
die Einwohnerzahl 1996 bei 39 000 gelegen, so seien es derzeit laut Kolley nur
noch 36 000. Bis 2020 sinke die Zahl auf unter 30 000. Dies gehe aus einer
Prognose von Wissenschaftlern eines polnischen Demoskopie-Instituts hervor.
Für Görlitz selbst erwartet das Statistische Landesamt in Kamenz bis 2020 einen
Rückgang der Einwohnerzahl auf 44 000 bis 46 000, teilte dessen Mitarbeiterin
Ines Espe auf Anfrage mit.
Gisela Thiele, Soziologie-Professorin an der Hochschule Zittau/Görlitz, hat
derweil von einer Erhebung gehört, nach der im Zuge des EU-Beitritts ab Mai
dieses Jahres 5 000 polnische Bürger nach Görlitz ziehen möchten.
www.sz-online.de
16.01.2004
Wolfen: Auf 1140 Wohnungen wartet die Abrissbirne
In Wolfen-Nord sollen in diesem Jahr weitere
1 140 Wohnungen abgerissen werden. Das Land finanziert die Arbeiten mit 3,75
Millionen Euro. Der Bewilligungsbescheid liege mittlerweile vor, sagte Harald
Rupprecht, Geschäftsführer der Erneuerungsgesellschaft Wolfen-Nord (EWN), am
Donnerstag bei einem Besuch von Vertretern der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt.
In der Paracelsusstraße 1-23 informierten sich Präsident Klaus Hoppe und weitere
Kammer-Mitglieder über den Fortgang der Arbeiten. Der Block, den sie
besichtigten, ist einer der nächsten, die wegkommen. Zurzeit wird das Haus,
dessen Eigentümer die Wohnungs- und Baugesellschaft Wolfen (WBG) ist, entkernt.
26 Erwerbslose haben über eine Vergabe-ABM für ein Dreivierteljahr Arbeit
gefunden.
"Ende des zweiten Quartals soll der Block weg sein", sagte Rupprecht, ebenso
diejenigen Häuser aus der Jeßnitzer Wende, die auf der Abbruchliste stehen
(Übersicht siehe Infokasten). Allerdings müssten die Arbeiten von den beiden
Wohnungsgesellschaften, der WBG und der Wohnungsbaugenossenschaft Wolfen,
teilweise mit Krediten vorfinanziert werden. Der Bewilligungsbescheid des Landes
erstrecke sich nämlich über fünf Jahre.
Rupprecht erklärte, der Abriss müsse als Aufwertung des gesamten Quartiers
begriffen werden. Die Wohnungsunternehmen erhielten so finanziellen Spielraum,
um ihren Bestand attraktiver zu machen. Kammer-Präsident Hoppe sagte, Wolfen
nehme beim Stadtumbau in Sachsen-Anhalt eine Vorreiterrolle ein. Die hier
gesammelten Erfahrungen könnten auch in schrumpfenden Städten im Westen genutzt
werden. Laut EWN standen 20 Prozent der im Land bisher abgebrochenen 7 500
Wohnungen in Wolfen-Nord. Das sei neben Halberstadt und Wernigerode der höchste
Anteil.
www.mz-web.de
15.01.2004
Land Brandenburg: Konzepte für die Schrumpfung
Angesichts des anhaltenden
Bevölkerungsrückgangs in der Region Berlin-Brandenburg müssen die Zentren auf
den Prüfstand gestellt werden. Das fordert Gerd Gebhardt, Chef der Gemeinsamen
Landesplanungsbehörde von Berlin und Brandenburg. Der inzwischen acht Jahre alte
Landesentwicklungsplan für die zentralörtliche Gliederung Brandenburgs muss laut
Gebhardt in der kommenden Legislaturperiode dringend überarbeitet werden.
Vorrangiges Ziel sei es, die Schrumpfung der Städte im äußeren Verflechtungsraum
zu berücksichtigen. Dabei werden Einschnitte vor allem auf die Städte in den
Berlin-fernen Regionen zukommen. "Im Leitbild der dezentralen Konzentration
müssen wir in Zukunft mehr Wert auf die Konzentration legen" sagte Gebhardt.
Jedes einzelne Angebot der Zentren, wie Krankenhäuser, Schulen und
Gewerbegebiete werde zur Debatte stehen. Es gehe künftig nicht mehr um
"Etiketten", wie Mittelzentren oder Entwicklungszentren, sondern um konkrete
Einrichtungen. Auch bei der Fördermittel-Vergabe sollte umgedacht werden,
forderte Gebhardt. "In den vergangenen Jahren haben wir Strukturen aufgebaut, In
Zukunft müssen wir sehen, was von dem Aufgebauten noch zu halten sein wird."
Berlin-Brandenburg übernehme hier eine bundesweite Vorreiterrolle: Bisher haben
sich die Landesplaner fast ausschließlich mit Wachstum beschäftigt, jetzt gehe
es erstmals darum, die Schrumpfung zu planen.
Die Probleme der Speckgürtel-Gemeinden um Berlin, in denen weiterhin der Zuzug
dominiert, wollen die Planer dabei nicht vernachlässigen. Aber Gebhardt stellt
klar: "Der Auftrag, mit der Schrumpfung fertig zu werden, hat Priorität."
www.MaerkischeAllgemeine.de
15.01.2004
Templin: Fünfgeschosser werden gekappt
Leer stehende Wohnungen, sinkende Einkommen,
Wegzug von Menschen - Probleme, mit denen vor allem die Wohnungsunternehmen in
Ostdeutschland zu kämpfen haben. Alle reden zumeist über den spektakulären
Abriss von DDR-Plattenbauten in Eisenhüttenstadt oder Schwedt. Dass es aber auch
ganz anders, und zudem ohne Fördermittel und Sonderprogramme geht, beweist zum
wiederholten Mal die Wohnungsbaugenossenschaft "Uckermark" e. G. in Templin.
Geschäftsführerin Anke Füchsel ist stolz, dass ihr Konzept, den Stadtumbau mit
einem Teilrückbau von leer stehenden Wohnungen zu kombinieren, inzwischen auf
ein immenses Echo bei Fachleuten in ganz Deutschland stößt. Fachleute aus
Hamburg, Dresden und Berlin, Studenten des Bauwesens oder auch das
Bauministerium in Potsdam sind interessiert. Fast täglich gibt es neue Anfragen.
"Auch wir mussten uns den harten Realitäten stellen", so Füchsel. "Von 994
eigenen Wohnungen in unserem Bestand sind 866 in Großplattenbauten. Der
Leerstand ist von 7,5 Prozent im Jahr 1997 auf 15 Prozent im Jahr 2003
gestiegen. Insgesamt stehen 150 Wohnungen leer, vor allem in Boitzenburg sowie
in Templin. Deshalb werden wir auch künftig, falls es finanziell machbar ist,
weiter Wohnungen vom Markt nehmen müssen. Wer es sich leisten konnte, hat sich
seit der Wende ein Haus gebaut oder anderweitig Wohneigentum erworben. Wir
merken das an der gestiegenen Nachfrage nach kleinen Wohnungen, dem Wunsch nach
kleinen Mieten sowie an einem gestiegenen Beratungsbedarf für Mietschuldner."
In der einstigen Plattenbau-Siedlung Lychener Straße in Templin hat sich in den
letzten Monaten bereits ein zweiter trister WBS 70-Wohnblock zu einem schmucken
Mehrfamilienhaus gemausert. Der einstige Fünfgeschosser ist kaum wieder zu
erkennen. Auf drei Etagen und im Mansardendach haben Architekt Wolfgang Grieger,
die Wohnungsbaugenossenschaft und die beteiligten Baufirmen nach individueller
Planung mit den Mietern aus einst 44 nunmehr 35 Wohnungen in
"ländlich-romantischem Stil" entwickelt. Dabei erfolge der Rückbau äußerst
geordnet, Platte für Platte werde abgetragen und sofort auf Container verladen,
sagte Füchsel. "Hinsichtlich Komfort und Wohnungsquerschnitt sind kaum Wünsche
offen geblieben. Da wurden einstige Kinderzimmer zu Bädern mit WC oder Küchen
mit Fenstern. In vielen Wohnungen sind die einstigen Standard-Querschnitte nicht
mehr zu erkennen. Jede hat einen, manche gar zwei Balkone. Es gibt Abstellräume
und Speisekammern." Auch die Außenanlagen sollen sich ins Stadtbild einfügen.
Finanziert wurde die beiden Teilrückbau-Projekte über den freien Geldmarkt, zum
Teil über KfW-Kredite, zum Teil über die Investitionszulage, aber zu 40 Prozent
auch über Eigenkapital der Wohnungsbaugenossenschaft. Die
Gesamtinvestitionssumme für den jetzt fertig gestellten zweiten Block bezifferte
Anke Füchsel auf rund 1,3 Millionen Euro. Davon machten die Rückbaukosten 57 600
Euro aus. "Pro Quadratmeter Wohnfläche kamen Baukosten in Höhe von 623 Euro
zusammen. Jeder Quadratmeter rückgebaute Wohnfläche hat rund 122 Euro gekostet.
Vor der Sanierung mussten monatlich 2,93 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gezahlt
werden. Mit dem erhöhten Wohnkomfort werden jetzt 4,86 Euro fällig", rechnet
Füchsel vor.
Und die Wohnungsbaugenossenschaft will in der Nachbarschaft weitermachen mit dem
Teilrückbau. "Für den nächsten Block haben wir mit den Planungen begonnen, die
ersten Gespräche mit den Mietern laufen. Aus 53 Wohnungen sollen 35 werden."
Dazu werde der vorhandene Fünfgeschosser ebenfalls um zwei Stockwerke gekappt.
www.maerkischeallgemeine.de
14.01.2004
Hoyerswerda: Vertreiben wir das Schlossgespenst!
Ein Gespenst geht um in Europa. Nein, nicht
(mehr) das Marx’sche des Kommunismus, sondern „das von statistik-gestützten
Agenturen errechnete des endgültigen Untergangs von Hoyerswerda“. Mit diesem
ironischen Seitenhieb konterte Hoyerswerdas Oberbürgermeister Horst-Dieter
Brähmig gestern bei seinem Neujahrsempfang auf dem Schloss die mancherseitigen
Versuche, zu prognostizieren, wann der letzte Hoyerswerdaer das Licht ausmachen
würde – und den Wunsch derselben Kreise, solche unseriösen Vorhersagen in den
Rang einer öffentlichen, also zutreffenden Meinung zu erheben. „Das ist wie mit
dem Schlossgespenst: Keiner hat es gesehen – aber alle lassen sich davon
terrorisieren.“ Solchem Unfug müsse man eine klare, an den Realitäten
orientierte Absage erteilen. Auch zum Versuch der Bundesregierung („Zumutung“),
die Langzeitarbeitslosigkeit „finanziell zu kommunalisieren“, fand Brähmig
spitze und treffende Worte: Es könne dies nur der „Ausdruck des grenzenlosen
Vertrauens des Bundes in seine Kommunen“ sein...
Doch gebe es 2003 auch viele Stichpunkte, die gerade Hoyerswerda zu Optimismus
berechtigten: Investitionen, die schon Gestalt angenommen hätten oder auf dem
besten Wege seien – wie die Zentrale Abfahrtsstelle der Omnibusse am Lausitzer
Platz, der Untersuchungs- und Behandlungs-Trakt des Klinikums, die Baumaßnahmen
an der Körperbehindertenschule, das Sozialgebäude am Jahnsportplatz; Ereignisse
wie die Brigitte-Reimann-Ausstellung oder die Lausitzer Gewerbemesse; das
ehrenamtliche Engagement vieler Hoyerswerdaer; der Einsatz junger Leute gegen
Rechts, und gegen den Irak-Krieg sowie (am Beispiel des „populario“-Vereins) für
mehr Kultur in der Stadt; da war die Verleihung der Konrad-Zuse-Plakette an
Altbundespräsidenten Roman Herzog, da war der Start der
Scheibe-Entwicklungsgesellschaft...
Man könne und (müsse!) sagen, dass Hoyerswerda „als soziales Gesamtwesen stabil“
geblieben sei. Dennoch dürfe man nicht die Augen davor verschließen, dass es
enorme Probleme zu schultern gebe: „Der Wohnungsleerstand ist eine konstante
Größe von brisanter Dimension geworden.“ Um eine unvermietete Wohnung finanziell
aushalten zu können, müsse man die Einnahmen vierer vermieteter Wohnungen zu
Rate ziehen... Darum sei der Stadtumbau Notwendigkeit, Herausforderung – und
Chance. Und, das betonte Brähmig sehr deutlich: „Er darf keine penetrante
Pädagogik werden, bei der uns «Oberhirten» etwas vorgeben, was keiner will; er
darf keine Kanalisierung des Geistes im Gefolge haben.“ Sondern müsse dafür
sorgen, dass Hoyerswerda eine lebens- und liebenswerte Stadt für alle ihre
Bürger sei – und werde.
www.sz-online.de
13.01.2004
Wildflecken: Chancen für die Zukunft
Die bundesdeutschen Kommunen leiden zunehmend
unter wirtschaftlichem und demografischem Wandel. Vor diesem Hintergrund wurde
2002 das Forschungsprogramm „Stadtumbau West“ mit dem Ziel initiiert, durch
Auswertung von Veränderungen neue Chancen zur Verbesserung der Lage in den
Städten und Gemeinden zu gewinnen. Die Arbeiten der ersten elf Pilotstädte,
darunter auch die Marktgemeinde Wildflecken, werden bis Ende 2006 andauern.
Wildflecken erhält zusammengerechnet zwei Millionen Euro Fördermittel,
muss aber auch 500000 Euro Eigenmittel beisteuern. Durch den Abzug der
Amerikaner 1994 kam die Entwicklung der Marktgemeinde zu einem jähen Stillstand,
830 zivile Arbeitsplätze gingen verloren. 1995 schloss dann die Rhönkaserne in
Oberwildflecken und hinterließ eine Konversionsfläche von etwa 30 Hektar.
Nach dem Abzug großer Teile des Militärs stecken die Infrastruktur und das
Wohnraumangebot von Wildflecken für die verbleibenden Einwohner in viel zu
großen Schuhen. 30 Prozent der Wohnungen stehen leer, die teilweise noch aus den
40er Jahren stammen, teilweise aber auch für Angehörige der amerikanischen
Soldaten erst in den 60er und 70er Jahren erbaut wurden. Die in den 90er Jahren
zugewanderten Aussiedler haben den Leerstand zwar etwas reduziert, aber auch zu
sozialen Veränderungen beigetragen.
Die zweite Projektwerkstatt fand vor kurzem mit Vertretern der Pilotstädte aus
Verwaltung, Politik, Wohnungswirtschaft und Planerschaft statt. Die 2002 in das
Forschungsprojekt aufgenommenen elf und die im Jahr 2003 ausgewählten weiteren
fünf Städte sind über alle Bundesländer Westdeutschlands verteilt. Ein Blick auf
die Karte offenbart, dass ein gemeinsames Merkmal nahezu aller Pilotstädte oder
ihrer Projektgebiete ihre Randlage in Westdeutschland fernab von wachsenden
Ballungsräumen darstellt. Die Größe der Kommunen und Gemeinden variiert zwischen
Großstädten wie Essen mit 600000 oder Gelsenkirchen mit mehr als 270000
Einwohnern und Wildflecken mit einer Einwohnerzahl von rund 3500 Einwohnern.
Schwerpunkte in der bayrischen Marktgemeinde sind neben der Umgestaltung von
Fleischhauerstraße und Schlesierstraße auch die Entwicklung der ehemaligen
Rhönkaserne zu einem Gewerbegebiet. Die Projektwerkstätten haben bereits
begonnen, konkrete Projekte sind aber noch nicht an den Start gegangen.
Bürgermeister Alfred Schrenk hofft laut „Main Post“ darauf, dass die Einwohner
durch aktive Beteiligung den „Stadtumbau West“ in Wildflecken voranbringen, so
dass Entscheidungen im Einvernehmen mit der Bevölkerung getroffen werden.
Zunächst hatte sich Widerstand gebildet, weil viele davon ausgegangen waren,
dass das Projekt nur zum Abriss von Gebäuden dienen solle. Diese Ansicht hat
sich in den vergangenen Monaten gewandelt. Gleichwohl wird das Programm noch
kritisch begleitet. Noch ist unklar, für welche Vorhaben die Fördermittel
eingesetzt werden und ob das Geld für große Projekte reichen kann.
www.fuldaerzeitung.de
13.01.2004
Cottbus: Für Stadtumbau mehr Privatinitiative gefragt
Gegenstand der Beratung von Minister,
Ministerialbeamten, Oberbürgermeisterin, Bauexperten der Stadtverwaltung, den
Chefs der großen Wohnungsunternehmen und Sanierungsträgern war die
Stadtentwicklung in den Jahren bis 2009. Wie Minister Szymanski sagte, sollen
bis Februar diesen Jahres rund 2000 Wohneinheiten abgerissen werden, in den
Folgejahren je 1000. Es sei "vernünftig bei dieser Planung zu bleiben", so
Szymanski, auch wenn sich bis 2009 während des laufenden Abrisses weitere
Leerstände ergäben. Insgesamt sei von 9000 Eohneinheiten auszugehen, die
abgerissen werden müssten.
Daneben werde Wert darauf gelegt, parallel zum Rückbau mit den
Aufwertungsmaßnahmen für die bestehende Bausubstanz voran zu kommen. Geplant ist
laut Szymanski eine "modellhafte Eigentumsstrategie für die Innenstadt". Bei
entsprechenden Investitionen sei mit einer Förderung durch Zuschüsse oder
Darlehen zu rechnen. Szymanski: "Die Mittel sind vorhanden." Ziel sei es
letztlich, "attraktive Städte als Anker im ländlichen Raum" zu sichern. Das
setze voraus, dass ihre Attraktivität als Wohnungs- und Arbeitsschwerpunkte mit
entsprechender sozialer Infrastruktur, Bildung und Kultur gesichert würden. In
Cottbus zeige sich
folgerichtig, dass gerade im Innenstadtbereich in den zurückliegenden Jahren
Bewohnerzuwachs zu verzeichnen sei.
Seit 1991, so der Minister, seien über 94 Millionen Euro in den Cottbuser
Stadtumbau geflossen. Das Geld für Rückbau, Instandsetzung und Aufwertung fließe
aus verschiedenen Töpfen. Man könne bis 2009 mit weiteren rund 40 bis 50
Millionen rechnen. Oberbürgermeisterin Karin Rätzel unterstrich, dass 2004 das
Thema Stadtumbau in Cottbus Priorität habe: "Nummer eins für die Bürger ist,
dass sie sich in der Stadt wohlfühlen. Das wird harte Arbeit, denn die
öffentlichen Kassen sind überall leer." Die Stadt Cottbus werde dennoch ihren
Beitrag zur Mitfinanzierung des Stadtumbaus leisten. Der kommunale Anteil liege
etwa bei einem Drittel der von Szymanski genannten Kosten. In Zukunft müsse aber
auch verstärkt privates Engagement hinzu
kommen. So sollten Eigentümer von Brachflächen dazu bewegt werden, ihre
Grundstücke zu verwerten. Oberbürgermeisterin Rätzel: "Es gibt den Bedarf an
anspruchsvollen privaten Eigentumswohnungen in der Innenstadt. Der Kreis, der
sich das leisten kann, ist gar nicht so klein."
Zu den Kosten des Stadtumbaus unter der Erde – zum Beispiel des Rückbaus
überdimensionierter Kanäle und Zersorgungsleitungen – sagte Bauminister
Szymanski, eine Lösung sei nur mit Hilfe des Bundes vorstellbar. Auch die Ver-
und Entsorgungsunternehmen müssten zu einer Mitfinanzierung bereit sein. Die
Oberbürgermeisterin fügte hinzu, die Stadt habe in Cottbus kaum Gewinne aus
ihren Ver- und Entsorgungsbetrieben gezogen, sondern diese den Unternehmen
belassen. "Auf keinen Fall" dürften die Bürger zusätzlich belastet werden.
Allerdings, so Karin Rätzel, "hat die Stadt noch kein Konzept, was man tun oder
lassen soll. Möglicherweise müssen neue Leitungen neben die alten gelegt werden.
Erst müssen die Fachleute angehört werden."
www.lr-online.de
12.01.2004
Sachsen-Anhalt: Wohnungsgesellschaften sollten
mehr tun
Bauminister Karl-Heinz Daehre fordert mehr
Tempo beim Abriss leer stehender Wohnungen: "In diesem Jahr muss beim Abriss der
große Durchbruch kommen", sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur (dpa) in Magdeburg. "Am Geld scheitert es nicht, es ist genug
da."
Vor allem in den größeren Städten müssten die Wohnungsgesellschaften mehr tun
und nicht nur punktuell, sondern ganze Quartiere abreißen, sagte Daehre. "Zudem
müssen die Kommunen Fördergelder schneller an die Unternehmen weiterleiten."
In Sachsen-Anhalt stehen mehr als 200000 Wohnungen leer. Bis 2010 sollen mehr
als 100000 abgerissen werden. Seit 2002 wurden laut Daehre erst rund 7000
Wohnungen vom Markt genommen. "Das ist nicht befriedigend, es ist für diesen
Zeitraum Geld für 15000 da." Recht gut läuft es nach Einschätzung des Ministers
etwa in Wolfen, Halberstadt oder Wernigerode, Nachholbedarf hätten etwa Halle,
Magdeburg oder Stendal. In diesem Jahr kann mit den bereitstehenden Mitteln der
Abriss von weiteren 12000 Wohnungen gefördert werden.
Daehre forderte von den Wohnungsunternehmen mehr Engagement in dieser Frage.
"Sie können nicht davon ausgehen, dass der Abriss jeder Wohnung gefördert werden
kann. Sie müssen auch auf eigene Kosten abreißen und dürfen nicht nur nach Vater
Staat rufen." Dies sei in ihrem eigenen Interesse, fielen doch dadurch
Unterhaltungskosten und Altschulden weg. Hier sei marktwirtschaftliches Denken
gefragt. "Das Land wird das sehr genau beobachten und bei der
Fördermittelvergabe berücksichtigen."
Kritik übte der Minister auch an manchen der 44 Kommunen, die vom Programm
Stadtumbau Ost profitieren. Mancherorts dauere es sehr lange, bis das von Bund
und Land überwiesene Geld tatsächlich an die Wohnungsgesellschaften
weitergereicht werde. "Ich habe den Eindruck, dass bei manchen Stadtverordneten
noch nicht angekommen ist, dass der Stadtumbau ein wichtiges Thema ist."
In Sachsen-Anhalt stehen im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost seit 2002 jedes
Jahr 52 Millionen Euro zur Verfügung. Der Anteil der Gelder, die davon in den
Abriss gehen, ist von 24,4 Millionen Euro (2002) über 32 Millionen Euro (2003)
auf 42 Millionen in 2004 gestiegen. Der Rest wird etwa für die Aufwertung von
Quartieren genutzt. "Wir zeigen mit dieser Gewichtung, dass der Abriss jetzt
absolute Priorität hat", sagte Daehre.
Ergänzend wies er darauf hin, dass das Land auch kleineren Kommunen helfen
wolle, die nicht im Programm Stadtumbau Ost seien. "Die dürfen wir nicht im
Regen stehen lassen, ausgewählte Orte bekommen eine einmalige Unterstützung." In
den Genuss der Hilfe sollen in diesem Jahr zunächst etwa zwölf Orte kommen.
Betroffen sind zum Beispiel grenznahe Kommunen wie Wefensleben, wo leere
Wohnblocks stehen, in denen früher die Familien der Grenztruppen wohnten
www.volksstimme.de
11.01.2004
Ebersbach: Leerstand nimmt weiter zu
Das vergangene Jahr brachte im Wohngebiet
Ebersbach-Oberland den bisher umfangreichsten Wohnungsrückbau. In der
Sachsenstraße sind zwei Blöcke mit insgesamt 110 Wohnungen verschwunden. Die
beiden anderen Häuser der so genannten „Stadtmauer“ sind oder werden zurzeit
entkernt. Das sind noch einmal 80 Wohnungen. Der Abriss sollte im November
beginnen. Die Anweisung des Geldes allerdings lässt noch auf sich warten.
So kann auch Geschäftsführerin Ingrid Lauermann vom Ebersbacher
Wohnungsunternehmen (EWU) zurzeit nicht sagen, wann es weitergeht. Die Wohnungen
des schon seit Anfang dieses Jahres leer gezogenen Blocks sind nicht mehr im
Bestand des Unternehmens und haben damit auch schon längere Zeit keine
Mieteinnahmen gebracht.
„Wenn die Fördermittel geflossen sind, geht es los. Die Firmen warten schon auf
das Startsignal“, sagt die Geschäftsführerin.
Auch im nächsten Jahr rechnet die EWU mit einer Abnahme der Mieteinnahmen um
vier Prozent. Die rückläufige Entwicklung resultiert aus dem weiteren Abriss und
der Zunahme des Leerstandes. Letzterer betrifft nicht nur das Neubaugebiet
Oberland, sondern auch die Altstadt von Ebersbach. Das geht aus einem Bericht
der Geschäftsführung hervor. Auch die dort durch die Sanierung von Wohnungen
begründeten höheren Mieteinnahmen könnten den Verlust aus dem Leerstand nicht
ausgleichen.
Dagegen wiegt die Abnahme der Betriebskosten durch den Abriss in der
Sachsenstraße um rund 75 000 Euro die an anderer Stelle anfallenden Kosten nicht
auf. Für die nächstes Jahr „mieterlosen“ Wohnungen muss die EWU höhere Betriebs-
und Heizkosten einplanen.
Auch der Abriss verursacht Kosten, ohne dass überhaupt eine Platte abgehoben
ist. So sollen im kommenden Jahr weitere 30 Wohnungen in der Sachsenstraße
abgetragen werden. Die drei Eingänge, die es betrifft, sind bereits weitgehend
leer gezogen. Geld, was nicht für andere Zwecke eingesetzt werden kann, muss für
die Vorbereitung der Abrissarbeiten veranschlagt werden: Für die Umsetzung der
Mieter, die Stilllegung und den Abbau von Leitungen und nicht zuletzt für die
Abrissanträge. Ein kleiner Trost sind die zirka 100 000 Euro an Zuschüssen, die
für den Rückbau in Aussicht gestellt sind.
Ansonsten muss das Ebersbacher Wohnungsunternehmen vor allem auf seine eigenen
Mittel setzen, betont Ingrid Lauermann. Sämtliche Maßnahmen sollen ohne
Kreditaufnahme finanziert werden. Für den jetzt schon bis 2007 ins Auge
gefassten Abriss kann auch noch auf Fördermittel gehofft werden. Modernisierung
und Sanierung vom Wohnraum müssen jedoch aus eigener Kraft bestritten werden.
Die Möglichkeiten dafür sind sehr begrenzt. In diesem Jahr wurde die Erneuerung
von Türen, Fenstern, von Treppenaufgängen, Hauseingängen und Briefkästenanlagen
in der Oberlausitzer Straße planmäßig abgeschlossen. Im kommenden Jahr
konzentrieren sich die Arbeiten wieder auf die Altstadt. In der
Camillo-Gocht-Straße sollen zwei Mehrfamilienhäuser saniert werden.
www.sz-online.de
11.01.2004
Görlitz: Stadtwerke drohen mit Notbremse
Karin Krüger liebt ihre Wohnung auf der
Lutherstraße – das große Schlafzimmer, den Balkon, den Blick auf die Bäume im
Hof. Hier kann sie die schwere Last, die sie trägt, an manchen Tagen vergessen.
Frau Krüger ist Diabetikerin, hat einen Herzschrittmacher und muss jeden Tag
Unmengen an Medikamenten schlucken. Von ihrer Invalidenrente kann sie sich keine
großen Sprünge leisten – und einen Umzug mitten im Winter schon gar nicht.
Doch umziehen hätte sie beinahe müssen, denn für gestern Abend hatten die
Stadtwerke dem Haus auf der Lutherstraße ein letztes Ultimatum gestellt. Bis 18
Uhr sollte ein Teil jener Summe für Heizung und Wasser beglichen werden, die das
Unternehmen seit Monaten vom Hauseigentümer vergeblich fordert. Weil den Mietern
sonst am Montag endgültig der Hahn zugedreht worden wäre, kam es gestern
buchstäblich in letzter Sekunde zu einer Einigung, wie die Stadtwerke
mitteilten.
Die Hausbewohner sollen ihre gesamte Miete künftig nicht mehr wie bisher an den
Eigentümer, sondern direkt an das Versorgerunternehmen zahlen. Die
Immobilienfirma mit Sitz in den Alten Bundesländern hatte dafür gegenüber den
Stadtwerken ihr schriftliches Einverständnis erklärt.
Doch wie lange diese Regelung die Versorgung sichern wird, ist äußerst ungewiss.
„Die Mieter gewinnen Zeit“, meint Marita Körner, Leiterin der Kundenbetreuung
bei den Stadtwerken. Wie hoch die Schulden des Eigentümers sind, will sie nicht
sagen. Der indessen stritt am Mittwoch jede Verantwortung für die festgefahrene
Situation ab.
„Sollen sich doch andere mit den Mietern herumärgern“, zürnt eine gereizte
Frauenstimme aus dem Telefon. Seit mehr als einem Jahr seien aus Görlitz keine
Mietzahlungen mehr bei ihr eingegangen. Nur deshalb habe man die Rechnungen der
Stadtwerke nicht bezahlen können.
Wer hier wem den schwarzen Peter zuschiebt, belegen indessen ihre Kontoauszüge:
Die Mieten sind bezahlt worden. Darin enthalten – die anteiligen Vorauszahlungen
auf die Betriebskosten, zu deutsch: für Heizung und Wasser.
Wo also ist das Geld geblieben? Hat der Eigentümer den Altbau erst te