Newsticker Archiv Juli 2003
31.07.2003
Apolda: Fenster finden noch Verwendung
Die Schule am Apoldaer Nussberg wird heute endgültig in den Ruhestand geschickt.
Ein Jahr, nachdem die Stadt dort den Regelschulbetrieb beendet hatte, gibt nun
auch das Weimarer Land als Zwischenmieter das Gebäude zurück. Ein Jahr lang
hatte der Landkreis das Haus als Übergangsquartier für sein Förderschulzentrum
genutzt. Nach der Sanierung kann der Unterricht mit Beginn des neuen Schuljahres
aber wieder im angestammten Komplex vonstatten gehen.
Obwohl zurzeit noch ein gutes Dutzend Ausbaugewerke in der Förderschule auf dem
Angespanne arbeiten, schlossen die Hausmeister aus kommunalen Kinder- und
Bildungseinrichtungen der Region Apolda den Auszug vom Nussberg in dieser Woche
ab. "Bis auf Unterrichtsmittel und einige Schränke wurde jedoch nichts
mitgenommen. Schließlich stammte das alte Mobiliar aus den 70er Jahren und war
verschlissen", sagte Roland Ludwig vom Schulverwaltungsamt des Landkreises. Die
meisten Räume des sanierten und umgebauten Plattenbaus werden deshalb neu
eingerichtet. Seit Montag rollen die Möbelwagen dort an. Die Fachkabinette für
Physik, Chemie und Biologie sind bereits eingeräumt, außerdem die Tafeln
montiert. Die Hauptlieferung des neuen Mobiliars steht in der nächsten und
übernächsten Woche an.
Die alte Plattenbauschule auf dem Nussberg sieht derweil dem Abriss entgegen.
Dass er kommt, scheint sicher. Wann, ist angesichts der Finanzlage noch vage. So
sucht die Stadt nach Möglichkeiten, für den Abriss des nicht mehr benötigten
Gebäudes Zuschüsse zu erhalten. Eine Chance biete möglicherweise das
Förderprogramm "Stadtumbau Ost".
Ein völlig nutzloses Dasein ist der Nussbergschule allerdings noch nicht
beschieden. Die neueren Fenster, die erst vor wenigen Jahren einbaut wurden,
lässt die Stadt im kommenden Monat wieder herausnehmen. Damit sollen die
älteren, typgleichen Fenster an der Werner-Seelenbinder-Schule ersetzt werden.
In diesen Fenstertausch investiert die Stadt rund 18 000 Euro. Das Gebäude der
Nussbergschule muss dann freilich entsprechend gesichert werden. Die Lücken in
der Fassade würden voraussichtlich fürs Erste mit Spanplatten geschlossen.
www.thueringer-allgemeine.de
30.07.2003
Löbau: In den Abrissblöcken toben sich Vandalen aus
Noch vor dem Abrissbagger waltet rohe Gewalt an den Abrissblöcken im Wohngebiet
Oberland. „Die Blöcke sind nicht zugänglich. Aber es ist schwer, den Vandalismus
zu verhindern“, erklärt der Geschäftsführer des Ebersbacher Wohnungsunternehmens
Jürgen Wurm.
Fensterscheiben sind eingeschmissen und Türen aufgebrochen. Es werden Bauteile
zerstört, die noch verwendet werden können, betont er. Zurückzubauen ist die
noch verbliebene Ecke der so genannten „Stadtmauer“ in der Sachsenstraße. Der
Abriss soll im September beginnen. Interessierte Bürger können sich Fenster,
Türen, Sanitärkeramik und andere Baumaterialien ausbauen. Das Unternehmen gibt
sie kostenlos ab. Anfragen sollten bis spätestens Mitte August gestellt werden.
In diesem Zusammenhang macht Geschäftsführer Wurm auch noch einmal auf die
getroffenen Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam. Das Gelände ist weiträumig
abgesperrt. Es ist als Baustelle ausreichend gekennzeichnet, so dass Unbefugte
sie auch nicht zu betreten haben. Um Zerstörungen zu vermeiden, bittet Jürgen
Wurm auch die Anwohner, über Verstöße zu informieren. Zurzeit wird der Bauschutt
des zweiten Bauabschnitts aufgearbeitet und abtransportiert. Im September soll
dann der dritte und letzte Teil folgen und der Rest des von den Bewohnern auch
als „Stadtmauer“ bezeichneten Gebäudekomplexes zurückgebaut werden.
Dieser Abschnitt mit noch 80 Wohnungseinheiten war ursprünglich erst für 2004
vorgesehen. Die Fördermittel sind jedoch bereits für dieses Jahr bewilligt.
Dadurch brauchen die Arbeiten nicht unterbrochen werden. Insgesamt entledigt
sich das Ebersbacher Wohnungsunternehmen durch den Abriss in der Sachsenstraße
190 nicht mehr benötigter Wohnungen.
www.sz-online.de
30.07.2003
Dessau: Häuser aus ehemaligen DWG-Bestand werden
gerade geschleift
In Dessau-West ist der Stadtumbau-Ost angekommen. 126 Wohnungen entlang der
Altener Straße, fast alle seit Jahren leerstehend, sollen geschleift werden.
Unübersehbar ist der Verfall in diesem Viertel südlich der Altener Straße:
Hauseingänge versteckten sich hinter aus der Form gewucherten Hecken. Fenster
sind eingeworfen, Putzschollen sind von Mauern geplatzt. Nur jenseits der Straße
wurden ähnliche Häuser gerettet. Man mag streiten über die Farbgebung, über
architektonische Details - die sanierten Junkerswohnungen haben ihre Mieter
gefunden.
Dass diese Wohngebäude stehen bleiben, jene aber eingeebnet werden, sei Teil des
Stadtentwicklungskonzepts, sagt Christiane Jahn, Leiterin des
Stadtplanungsamtes. Das Konzept soll helfen, tausende Wohnungen möglichst
koordiniert vom Markt zu nehmen, die überflüssig sind, weil Dessau stetig
Einwohner verliert. Die Häuser, die jetzt von Baggern demoliert werden, haben
einst der DWG gehört.
Doch nicht sie selbst betreibt den Abriss. Vielmehr sind zuvor die Grundstücke
verkauft worden an die Göttinger Immobilienfirma Jünemann & Kreitz, die, wenn
die Phase des Einebnens beendet sein wird, eine Kaufhalle für den Discounter
Plus errichten wird. Für Jens Kreitz, Mitinhaber des Unternehmens, gehört ein
Abriss dieser Größenordnung nicht unbedingt zum Alltagsgeschäft. Wirtschaftlich
darstellbar wird das Ganze ohnehin erst, weil es für das Programm Stadtumbau
Geld vom Bund gibt. Um davon zu profitieren, bedarf es erheblichen Papierkrams
und einiger Geduld.
Nach dem Abriss beginnt sofort der Aufbau. Auf 700 Quadratmetern, eine Größe,
für die eine Baugenehmigung im Prinzip erteilt werden muss, wird der Plusmarkt 1
900 Artikel anbieten. Den Standort hält das zur Tengelmann-Gruppe gehörende
Unternehmen für günstig, denn der nächste Supermarkt ist erst in Alten zu
finden. "Zur Zeit", lässt die Pressestelle von Plus wissen, "sehen wir dort eine
Versorgungslücke für die Verbraucher."
www.mz-web.de
29.07.2003
Chemnitz: Beschlossen: WCH reist 2768 Wohnungen ab
„Wir haben einen entscheidenden Schritt in die Zukunft gemacht.“ So fasste es
Klaus-Dieter Lemke, Chef der krisengeschüttelten Wohnungsbaugenossenschaft
Chemnitz Helbersdorf (WCH) am Mittwoch gegenüber „Freie Presse“ zusammen. Nach
mehrstündiger Debatte hinter verschlossenen Türen hat die Ende letzten Jahres
neu gewählte WCH-Vertreterversammlung am Dienstagabend mehrheitlich für das
Sanierungskonzept des Unternehmens gestimmt. Von 41 Anwesenden votierten 30
dafür, elf dagegen.
Bis etwa 2007 sollen nach dem Konzept 2768 der derzeit 6800 WCH-Wohnungen
abgerissen werden: 965 an der Morgenleite, 944 am Helbersdorfer Hang sowie 859
auf dem Gebiet Am Flughafen. Bereits ab Anfang September, so Lemke, ist der
Abriss der ersten 265 Wohnungen an der Salvador-Allende-Straße 194 bis 204 sowie
an der Max-Türpe-Straße 1 bis 9 vorgesehen.
Mit dem Votum der Vertreter ist die WCH zwar noch nicht gerettet, aber die
Zukunft sieht schon wieder positiver aus. Jetzt müssen die Kreditausschüsse der
Gläubigerbanken das Konzept mittragen, der Wirtschaftsprüfer sein Testat über
die künftige neue Situation der WCH erarbeiten und die Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) eine Entscheidung hinsichtlich der Altschulden treffen, die
auf den abzureißenden Häusern liegen. Ein Erlass dieser Verbindlichkeiten würde
den Schuldenberg um etwa zehn Millionen Euro – etwa ein Drittel aller
Altschulden der WCH – reduzieren.
Hasso Barth ist einer der Vertreter, die bei der entscheidenden Sitzung dabei
waren – und er hat gegen das Sanierungskonzept gestimmt. „Nicht, weil ich es
grundsätzlich ablehne, sondern weil es zu flächendeckend ist. Denn nun werden
wir den Effekt haben, dass viele Menschen nicht in ihrem Wohngebiet bleiben
können.“ Beispiel: Wenzel-Verner-Straße. Hier sollen allein acht von 17
Sechsgeschossern verschwinden. Nicht alle Mieter, so Barth, werden in den
verbleibenden Häusern unterkommen können. „Wenn ich auch darunter bin, dann
kündige ich bei der WCH“, so Barth.
Ein Problem, das Lemke nicht ignoriert. „Es wäre eine Milchmädchenrechnung, wenn
wir glauben, dass 100 Prozent der vom Sanierungskonzept betroffenen Mieter bei
uns bleiben.“ Ziel sei es, etwa 70 Prozent zu halten. Dann käme die WCH nach
Lemkes Rechnung – Wegzüge, Zuzüge plus Rückbau – in einigen Jahren auf eine
Leerstandsquote von etwa fünf Prozent. Derzeit beträgt sie 34 Prozent.
Was Barth und die anderen zehn WCH-Vertreter, die gegen Lemkes Sanierungskonzept
stimmten, aufstößt: Dass in vielen Fällen genau die Häuser nun mit Fördergeldern
wieder weggerissen werden müssen, die vorher mit Fördergeldern saniert wurden.
„Das ist natürlich schwer zu vermitteln, aber diese Häuser sind nun mal die mit
den höchsten Leerständen.“
www.freiepresse.de
29.07.2003
Pirna: Copitz soll ein neues Zentrum bekommen
Das Rathaus will in Copitz deutliche Zeichen setzen, um den Bevölkerungsschwund
einzudämmen. Deshalb sollen die Infrastruktur verbessert und die Wirtschaft
gestärkt werden. Der Stadtumbau, sprich der Abriss von Häusern mit hohem
Leerstand, ist nur eine Seite der Medaille. Allein bis 2010 wird es ein
Überangebot von mehr als 1 100 Wohnungen gegeben, 2015 sollen es 1 400 sein.
Durch den Abbruch sollen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Stadtteil
noch mehr begrünen zu können.
Das Gebiet um den Parkplatz an der Copitzer REWE-Kaufhalle soll als
Stadtteilzentrum ausgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem Grünflächen
hinter dem Penny-Markt, eine Gestaltung des Platzes mit Bäumen und Sträuchern
und Sitzgruppen sowie der weitere Ausbau des Treffs zum Vereins- und
Kulturzentrum. Außerdem ist daran gedacht, den Handelsmix durch Ansiedlung
weiterer Geschäfte zu komplettieren. Auch die Schillerstraße soll weiter
ausgebaut werden. Geplant sind unter anderem Querungshilfen für Fußgänger. Ab
nächstem Jahr soll die Hauptstraße ausgebaut werden. Voraussetzung dafür ist,
dass die Westumgehung bis Hinterjessen fertiggestellt ist.
www.sz-online.de
29.07.2003
Rostock: Abrissbagger fährt bald in Schröder- und
Karlstraße vor
Für die alten Gründerzeithäuser an der Spitze zwischen Karlstraße und
Schröderstraße sind die Tage gezählt. Spätestens bis November sollen sie
abgerissen werden. Die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) hat den
Auftrag gerade ausgeschrieben. Und auch der Hauptausschuss der Bürgerschaft
beschäftigt sich heute mit dem Thema.
"Eine wichtige Ecke im Rostocker Stadtbild", so kommentiert RGS-Stadtplaner Leo
Dainat. Die maroden Häuser, die heute dort stehen, sollen weg, um einer modernen
Bebauung in vergleichbarer Höhe Platz zu machen. Bislang gäbe es zwar noch keine
Investoren für die 8000 Quadratmeter umbauten Raum. Doch sind die Flächen erst
geräumt, sollen sie zum Verkauf ausgeschrieben werden. Wer das beste Konzept
vorlegt, bekomme den Zuschlag.
Insgesamt 60 000 Euro soll die Stadt Rostock zunächst für die Abrissarbeiten
vorstrecken, denn ihr gehören die Gebäude. Doch diese Kosten werden den Haushalt
nicht dauerhaft belasten. Das Land übernimmt sie in voller Höhe und zahlt die
Summe aus dem Topf fürs Förderprogramm Stadtumbau.
Abgesehen von der Schröderstraße 15, 16 und 16a sowie Karlstraße 1 und 2, die im
Herbst abgerissen werden, steht auch ein Bau am Fischerbruch 21 mit auf der
Liste. Dort ist der Bagger bereits vorgefahren. Die Pläne für die Zukunft? Leo
Dainat wehrt ab: "Östlich der Stadtmauer kann man nicht das einzelne Grundstück
betrachten, da wird es eine umfangreiche neue Entwicklung geben." Wo bisher vor
allem Gewerbe angesiedelt war, soll langfristig ein neuer Wohnstandort wachsen.
Bis es dazu kommt, ist allerdings noch einiges zu tun. Leitungen müssen verlegt,
eine Straße gebaut werden. Und ein Gedanke ist es auch, alte Gräben wieder zu
öffnen und den speziellen Charme des Areals mit diesen Wasserläufen zu
unterstreichen.
www.svz.de
28.07.2003
Brandenburg: Stadtumbau geht mühsam voran
Mühselig ist der Stadtumbau, nur schleppend kommt er voran. Mehrfach stellen sie
klar: Die städtische Wohnungsgesellschaft Wobra ist überhaupt nicht in der Lage,
Motor des Stadtumbaus zu sein und damit die ihr von der Stadtführung zugedachte
Rolle zu übernehmen. Bestenfalls könne sie ein "Transportband" sein, "auf das
die Stadt ihre Werte legt, die direkt in der kaum gedeckten Bilanz der Wobra
verschwinden", heißt es in dem ernüchternden Bericht.
"Der Stadtumbau in der Stadt Brandenburg: Einer will, einer kann und alles ist
anders", überschreiben die Autoren ihren Eindruck. Der Baubeigeordnete Ralf
Krombholz will den Stadtumbau mit der Wobra vorantreiben. Doch das sei
"Quatsch", urteilt Moderator Hagenau freimütig.
"Das Maß des Handelns der Wobra wird ausschließlich davon bestimmt, wie viel an
städtischem Eigentum zur Verfügung steht, um die Verluste der Wobra
auszugleichen", schreibt er. Die Stadt zahle einen hohen Preis. Sie "vernichtet
damit Werte, ihr mögliches Pfund, mit dem sie für den Stadtumbau und für ein
zukunftsträchtiges Brandenburg wuchern könnte."
Die Schlüsselrolle im Umbauprozess komme der Wohnungsgenossenschaft WBG zu. Die
WBG könnte zwar zum Stadtumbau beitragen, könne und werde dies aber nicht nach
den Wünschen der Stadt tun. Denn das Unternehmen handele nach wirtschaftlichen
Grundsätzen.
Für den Moderator ist eindeutig, dass das Verhältnis zwischen Stadt und WBG
entscheidend ist: "Wer es belastet, gefährdet den Fortschritt im Stadtumbau."
Die Stadt müsse die WBG als Verbündeten gewinnen, doch mehrfach habe sie Chancen
vertan. Als "richtig blöd" bezeichnet Hagenau, dass die Berliner BGAG Immobilien
Ost mit städtischer Förderung 600 Wohnungen am Zentrumsring saniert und neu auf
den Brandenburger Wohnungsmarkt wirft.
Hagenau plädiert für einen Stadtumbau mit Lastenausgleich für die betroffenen
Wohnungsgesellschaften. Mit einem solchen Lastenausgleich könnten 2500 bis 3000
Wohnungen verschwinden und den Markt entlasten." Ohne diesen Ausgleich wären es
1500 Wohnungen, "die Wobra wäre aber genauso am Ende, wie sie es jetzt ist".
www.MaerkischeAllgemeine.de
28.07.2003
Halle: Häuschen im Grünen und mitten in der Stadt
Stadtumbau, was ist das? Gegenwärtig werden die Rezepte hin und her gewendet.
Jeder meint etwas anderes. Die Wohnungsgesellschaften die Stabilisierung ihres
Bestandes, die Stadtplaner die Suche nach Lösungen für leere Flächen und
punktuellen Verfall. In Wirklichkeit gibt es keine Rezepte. Niemand weiß, wie
die Stadt aussieht, die schrumpft, wie sie Qualitäten schafft für die, die noch
darin leben.
Alle wissen aber, dass die Wohnungsgesellschaften in der Problematik eine
wesentliche Rolle spielen. Sie sind eine strategische Macht und Ohnmacht
zugleich. An ihnen manifestiert sich das ganze Dilemma einer Steuerungspolitik,
die angesichts des Bevölkerungsrückgangs jetzt eine Kehrtwende macht, die
eigentlich schon lange vorher absehbar war.
Während in den Neubauquartieren ganze Straßenzüge zum Abriss anstehen, die
womöglich gerade erst saniert wurden, sehen sich die Wohnungsgesellschaften in
den Stadtkernen nicht selten einem Streubesitz gegenüber, den sie nicht lieben.
Und deren jahrelange Vernachlässigung darauf deutet, dass sie ihn nie geliebt
haben. Ginge es nur um das Wohl der Innenstädte, würden so viele Neubaubewohner
wie möglich zum Umzug in die alten Viertel motiviert.
Die Erfahrung lehrt aber, dass den Wohnungsgesellschaften der Altbaubesitz
weiterhin nur lästig ist. Die Mittel aus dem Stadtumbauprogramm fließen
zusehends in Abrisse, die in gewachsenen Städten regelrechte Bombentrichter
schaffen. In Städten von bedeutendem historischen Profil hängt ein Fragezeichen
über Häuser selbst der Renaissance und de Barock.
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft HWG bemüht sich schon seit langem darum,
große Teile ihres innerstädtischen Besitzes zu verkaufen. Doch die Grenzen sind
da gesetzt, wo die Problematik des Stadtumbaus andere, neue Antworten
einfordert.
Die Große Brunnenstraße in Halle ist eine jener Durchgangsstraßen, deren extreme
Verkehrsbelastung auf absehbare Zeit nicht aus der Welt zu schaffen ist. Deshalb
sieht es dort so aus wie in vielen ähnlich betroffenen Straßen der Städte
überall. Der Leerstand erreicht weit überdurchschnittliche Werte. Die Häuser
verkommen und finden keine Mieter, geschweige denn Käufer. In Aschersleben ist
zu besichtigen, wie die Radikallösung aussieht, wenn Abrisse Lücken in die
Bauflucht reißen.
Die HWG tritt nicht sonderlich mit brillantem Nachdenken in Erscheinung, aber
sie hat ein Projekt in der Großen Brunnenstraße vorzuweisen, das in Grenzen
modellhaft wirken könnte. Der in Kleinkorbetha bei Weißenfels ansässige
Architekt Werner Ehrich will auf einem unvermarktbaren Grundstück die
gründerzeitliche Bausituation aufgreifen und dahin umkehren, wovon
Stadtumbaupolitiker träumen: eine grüne, familienfreundliche Oase mitten in der
Stadt.
Dazu schlägt er vor, die Werkstattbauten im Hof so auszubauen, dass zwei teils
unabhängige, teils gemeinsam genutzte Wohnambiente entstehen: durch einen
verglasten Windfang erschlossen und nach hinten auf einen Hausgarten öffnend.
Der städtebauliche Clou liegt im Umgang mit dem vormaligen Wohnhaus zur Straße,
das nicht nur wegen der Verkehrsbelastung, sondern auch wegen statischer Schäden
kaum noch zu nutzen ist.
Während die Fassade stehen bleibt, bricht der Architekt auf der Hofseite die
Außenwände heraus und baut die Etagen als "hängende Gärten" und Spielplatz um.
So bleibt zur Straße der Häuserverbund in geschlossener Formation intakt,
während zwei Familien im Schutz der Fassade in den urban umformulierten Genuss
von Gartenstadt-Qualität kommen.
www.mz-web.de
27.07.2003
Bevölkerung schrumpft um 30 000
Das Leipziger Land wird im Jahr 2020 voraussichtlich fast ein Fünftel weniger
Einwohner haben als heute, so eine Prognose des Statistischen Landesamts. Der
Bevölkerungsschwund hat bereits Folgen. Schulen werden geschlossen und Wohnungen
abgerissen.
In der Kreishauptstadt Borna schrumpft die Bevölkerung seit der
Wiedervereinigung mit am stärksten im Leipziger Land. 19 616 Menschen lebten dem
Statistischen Landesamt zufolge 2001 in Borna. Am 3. Oktober 1990 waren es in
den heutigen Stadtgrenzen noch 24 244 gewesen: ein Rückgang um 19,1 Prozent.
Neukieritzsch hat in diesem Zeitraum sogar mehr als ein Viertel seiner Einwohner
verloren. Um ebenfalls mehr als 20 Prozent ist die Bevölkerung in Kitzscher und
Deutzen zurückgegangen. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, wurden die
Eingemeindungen seit 1990 überall eingerechnet.
Geringer waren die Einwohnerverluste im Geithainer Umland. In Geithain selbst
sank die Einwohnerzahl von 7752 (in 1990) auf nunmehr 6821. Das ist ein Minus um
12 Prozent. Kohren-Sahlis verlor 6,5 Prozent seiner Einwohnerschaft (Rückgang
von 3410 auf 3187 Menschen). Die Zahl der Narsdorfer sank um 0,8 Prozent auf
1998 Menschen (1990: 2010). Zuwachs erlebt indessen Frohburg:Die Bevölkerung
wuchs inklusive der Eingemeindungen um 3,3 Prozent von 8146 auf jetzt 8418. In
Eulatal ging es um 4,7 Prozent aufwärts auf 3716 Einwohner (1990: 3550). Leicht
verstärken konnte sich auch Bad Lausick im benachbarten Muldentalkreis (um 0,6
Prozent). Die Kurstadt wuchs damit von 9040 auf 9096 Einwohner.
Lediglich den Gemeinden, die unmittelbar vor den Stadttoren Leipzigs liegen, ist
es zu verdanken, dass der Verlust auf den gesamten Landkreis gerechnet
vergleichsweise niedrig ausfällt. Markkleeberg, Markranstädt und Großpösna etwa
erlebten von 1990 bis 2001 Zuwächse zwischen 17 und 33 Prozent. Im kreisweiten
Durchschnitt beträgt der Rückgang an Einwohnern aufgrund dieses Korrektivs nur
1,7 Prozent. Für die Zukunft jedoch prognostizieren Wissenschaftler eine sehr
viel stärkere Entvölkerung in den 25 Kreisgemeinden.
Das Statistische Landesamt hat im pessimistischeren zweier Szenarien errechnet,
dass die Einwohnerzahl um 19,1 Prozent von 152 700 Menschen 2001 auf 123 500 im
Jahr 2020 absinkt. Aber auch in einem optimistischeren Rechenmodell, in dem die
Forscher annehmen, dass die Lebenserwartung stark ansteigt und dass weniger
Menschen als derzeit wegziehen - beträgt der Verlust noch immer 17 Prozent. 2020
hätte der Kreis in diesem Fall 126 700 Einwohner.
Die Hauptursache des Bevölkerungsschwunds sind nämlich nicht die Abwanderungen.
Vielmehr sind seit der Wende die Geburten in Ostdeutschland stark zurückgegangen
- im heutigen Sachsen und Sachsen-Anhalt von 91 000 Geburten 1989 auf 38 000 im
Jahr 1993. In den heutigen Kreisgrenzen des Leipziger Lands kamen 1989 noch 1700
Kinder auf die Welt, 1993 waren es gerade einmal 830. Seither steigt die Rate
zwar wieder - aber nur langsam.
Die Vergreisung der Gesellschaft, die in den sinkenden Schülerzahlen zum
Ausdruck kommt, macht sich auch dadurch bemerkbar, dass das Durchschnittsalter
der Kreisbewohner zwischen 1990 und 2001 um 3,5 Jahre gestiegen ist. In 17
Jahren werden die Menschen im Leipziger Land voraussichtlich sogar um weitere
6,3 Jahre älter sein. Eine Entwicklung zu Lasten der Sozialsysteme: 1990 waren
15,4 Prozent der Bevölkerung im Rentenalter. 2001 betrug der Anteil der Menschen
über 65 Jahren 18,5 Prozent. 2020 werden es voraussichtlich 29 Prozent sein. Der
Bevölkerungsrückgang führt zudem zu einem massiven Wohnungsleerstand. Um diesem
Problem zu begegnen, verwirklicht Borna derzeit ein "integriertes
Stadtentwicklungskonzept". Allein bis 2005 sollen 769 Wohnungen abgerissen
werden. "Die Stadt ist allerdings nur selten der Eigentümer", sagt Bürgermeister
Eberhard Kupfer. Das heißt: Die letzte Entscheidung obliegt der jeweiligen
Wohnungsgesellschaft. 1300 Quadratmeter Wohnfläche wurden Kupfer zufolge bislang
zerstört. Noch dieses Jahr sollen 416 Quadratmeter im Besitz der Stadt und 6200
Quadratmeter der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft folgen.
Vom Bevölkerungsschwund sind fast alle Kreise in Sachsen betroffen. Der
Freistaat hat in 17 Jahren voraussichtlich 696 000 weniger Einwohner - ein
Rückgang um 15,9 Prozent. Lediglich für die Städte Dresden und Leipzig
prognostiziert das Statistische Landesamt einen schwachen Verlust oder sogar
einen Zuwachs. Sachsen nimmt einen Trend vorweg, den das Statistische Bundesamt
für ganz Deutschland erst später einsetzen sieht. Im Bundesgebiet soll die
Bevölkerung - selbst bei ungünstigen Bedingungen - bis 2020 lediglich von 82
Millionen auf 80 Millionen schrumpfen. Dagegen leben im Jahr 2050 möglicherweise
nur noch 67 Millionen Menschen in Deutschland. Diese Entwicklung tritt den
Experten zufolge dann nicht ein, wenn sich zwei Dinge ändern: Die Zahl der
Geburten müsste ansteigen, mehr Menschen müssten aus dem Ausland nach
Deutschland einwandern.
www.lvz-online.de
27.07.2003
Ebersbach: Wohnungsunternehmen vollzieht für
2004 geplanten Rückbau im Wohngebiet Oberland
Im Wohngebiet Ebersbach-Oberland geht der Rückbau von nicht mehr benötigtem
Wohnraum schneller weiter, als für dieses Jahr vorgesehen. Das Ebersbacher
Wohnungsunternehmen (EWU) kann noch 2003 den Rückbau der so genannten
„Stadtmauer“ in der Sachsenstraße abschließen.
Der Abrissbagger verrichtet jetzt wieder täglich seine Arbeit. In der
Sachsenstraße ist bereits der zweite von insgesamt vier vorgesehenen Wohnblöcken
abgerissen. Termingemäß wurde im Mai der Rückbau der ersten 60 Wohnungen
abgeschlossen. Nun folgen bis Mitte August 50 weitere. Damit und mit der
anschließenden Geländeplanierung und Begrünung wäre eigentlich die Arbeit für
dieses Jahr getan.
Der Geschäftsführer der EWU, Jürgen Wurm, hat jedoch eine erfreuliche
Mitteilung: „Die für 2004 erwarteten Fördermittel sind jetzt schon zugesagt.
Damit können wir uns den dritten Bauabschnitt noch in diesem Jahr vornehmen.
Mit der Zusage der Fördermittel kann jetzt im Juli die Ausschreibung für den
dritten Bauabschnitt erfolgen. Er umfasst den dritten und vierten Wohnblock des
im Volksmund auch als „Stadtmauer“ bezeichneten Gebäudekomplexes. Jeder
der beiden Blöcke hat 40 Wohnungen. Der Rückbau der drei Blöcke kann von jetzt
an gleichsam „in einem Ruck“ vor sich gehen. Das ist auch für den Fortgang der
Arbeiten günstig.
Parallel zum Abriss geht die Modernisierung im Wohngebiet Oberland einher. So
bekommen seit Mai 75 Wohnungen in der Oberlausitzer Straße neue Türen und
Fenster, werden Briefkastenanlagen und Hausflure erneuert. Nach dem Abriss der
190 Wohnungen in der Sachsenstraße unterhält die EWU dann immer noch 880 frühere
Neubauwohnungen im Wohngebiet Oberland. Auch in der Altstadt von Ebersbach ist
das Betätigungsfeld keinesfalls klein und die Erneuerungen von Wohnraum oberstes
Gebot. Hier hat die EWU rund 500 Wohnungen.
www.sz-online.de
26.07.2003
Pirna: Abrisskolonnen rücken bald an
Würden alle geplanten Haus-Abrisse in Pirna auf einen Schlag erfolgen, würden
manche Gebiete der Kreisstadt einem Trümmerfeld gleichen. Der so genannte
Rückbau soll aber erst Stück für Stück erfolgen. Ein Brennpunkt ist dabei die
Südvorstadt.
Eine Geisterstadt. Dieser Anblick bietet sich in Teilen der Pirnaer Südvorstadt.
Ob an der Viehleite oder an der Rottwerndorfer Straße, in manchen Wohnblocks
stehen über die Hälfte der Wohnungen leer.
In der gesamten Stadt stehen rund zehn Prozent der Wohnungen leer. Beim
Stichwort Abriss rückten bisher meist die Plattenbau-Gebiete Sonnenstein (15
Prozent Leerstand) und Copitz-West (16 Prozent) in den Blickpunkt. Doch in den
unsanierten Altneubauten in der Südvorstadt zwischen Bach- und Mozartstraße
sowie der Rottwerndorfer regt sich in über 50 Prozent der Wohnungen nichts mehr,
umreißt Stadtplanungschef Steffen Möhrs das Problem. Von 250 Wohnungen stehen
132 leer. Die Lage ist dort allerdings besonders verzwickt. Die Berliner
BIOS-Siedlungsgesellschaft hat einen Rückübertragungsanspruch auf diese Häuser
gestellt, die die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) verwaltet. Deshalb
sieht WGP-Geschäftsführer Matthias Armbruster derzeit keine Möglichkeit, mit den
Abrissplänen für dieses Gebiet auch nur einen Fingerbreit voran zu kommen.
In den ehemaligen Kasernengebäuden an der Rottwerndorfer Straße ist die Lage
noch prekärer. Dort geht in mehr als zwei Dritteln der Wohnungen kein Licht mehr
an.
Die Kosten für die Abbrucharbeiten in der Südvorstadt schätzt die Stadt auf rund
2,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für die Abrisskandidaten auf dem Sonnenstein
werden 3,4 Millionen Euro veranschlagt und für Copitz 2,3 Millionen.
So sollen in der Südvorstadt in den nächsten Jahren 330 Wohnungen, bis zu 580
sollen es längerfristig sein, um das Problem zu lösen.
Derzeit prüft das Rathaus darüber hinaus noch, ob Gebäude so desolat sind, dass
sie abgebrochen werden müssen. Der Bund fördert den Abbruch von Wohnhäusern mit
70 Euro pro Quadratmeter. Eigentümer solcher Objekte haben bis 15. August die
Möglichkeit, die Zuschüsse beim Stadtplanungsamt zu beantragen. Dann könnten die
Arbeiten im kommenden Jahr beginnen. Bedingung für die Abrissförderung ist
jedoch, dass in den nächsten zehn Jahren kein Neubau an diesem Standort
entstehen darf.
www.sz-online.de
26.07.2003
Ohne Stadtumbau fällt der Aufschwung Ost aus
Sehr viel wurde schon über den Stadtumbau in Ostdeutschland geschrieben.
Zahlreiche Einzelmaßnahmen wurden bereits umgesetzt oder begonnen. Trotzdem
haben offenbar immer noch einige Beteiligte und Betroffene nicht das Ausmaß und
die Dringlichkeit der Stadtumbauproblematik erkannt.
Auch im Jahr 2003 zeigen noch so unverständliche Meinungsäußerungen wie z B. von
Chefvolkswirt Norbert Walter (Volksstimme vom 9. Juli 2003) oder von Bürgern in
Leserbriefen, dass bestimmte Fakten für Sachsen-Anhalt einfach nicht
wahrgenommen werden: Seit 1990 ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 325000
Menschen zurückgegangen, rund 240000 Wohnungen stehen leer, allein bei den 250
Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften beläuft sich der Mietausfall wegen
Leerstand auf fast 200 Millionen Euro und die Betriebskosten für den Leerstand
kommen noch hinzu. Deshalb ist jetzt der zügige Abriss von Wohnungen
unvermeidlich, da auch in Zukunft nicht damit zu rechnen ist, dass der
Bevölkerungsrückgang gestoppt wird.
Seit 1998 haben beide wohnungswirtschaftlichen Verbände auf diese bedrohliche
Entwicklung aufmerksam gemacht. Die Unternehmensleitungen der
Wohnungsunternehmen haben mit hohem Engagement im Bereich Vermietung und
Kostenreduzierung alles unternommen, um der Lage Herr zu werden. Die Politik hat
mit ihrem Stadtumbauprogramm erst vor einem Jahr reagiert.
Viel zu spät, denn jetzt sind viele Wohnungsunternehmen aufgrund der fehlenden
Zahl der Mieter und ihrer inzwischen entstandenen finanziellen Situation nicht
mehr in der Lage, aus eigener Kraft die Leerstandsbeseitigung vorzunehmen. Im
Übrigen ist der Stadtumbau kein Problem der Wohnungsunternehmen allein, sondern
betrifft ebenso Bund, Land, die Kommunen, Banken, Versorger und Bürger.
Der Wohnungsbestand muss nach Umfang und Qualität an die Nachfrage angepasst
werden. Dies bedeutet eine Reduzierung des Wohnungsbestandes im
Landesdurchschnitt auf 70 bis 75 Prozent durch Abriss von Wohnungen bei
gleichzeitiger Aufwertung der Wohnquartiere.
Wegen ihrer zögerlichen Haltung muss die Politik diese gesamtgesellschaftliche
Aufgabe mit finanziellen Mitteln für die Hauptakteure, nämlich die
Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften zeitnah unterstützen. Geschieht
dies nicht, ist die Politik in Bund, Land und Kommunen für die sinkende
Attraktivität der Städte durch zunehmende Verwahrlosung von Wohnquartieren und
die damit verbundene weitere Abwanderung verantwortlich.
Die Wohnungswirtschaft erwartet im Lichte der Erkenntnis, dass uns vielerorts
die Zeit davon läuft, von allen Beteiligten realitätsnahe schnelle
Entscheidungen und das klare Bekenntnis zum Stadtumbau. Dazu gehört auch der
Wille der Beteiligten, mit der Wohnungswirtschaft am richtigen Strang in die
richtige Richtung zu ziehen. Wenn allerdings weiterhin Beamte
Grundsatzdiskussionen führen wollen, während rasche pragmatische Lösungen
erforderlich sind, werden wir das Ziel vielerorts nicht erreichen.
Man muss den Eindruck gewinnen, dass wir uns mit einem viel zu komplizierten
Vorschriftendschungel, der mit kostenträchtigem und unnötigem Zeit- und
Personalaufwand verbunden ist, oftmals selbst im Wege stehen.
Dazu kommt eine durch Bund und Land selbst verursachte Investitionsblockade.
Wenn investitionsauslösende Programme erst verspätet oder wie am Beispiel der
Wohnungsbauförderung überhaupt noch nicht zur Verfügung stehen, kann auch nicht
erwartet werden, dass schnell Abriss- und Aufwertungsmaßnahmen umgesetzt werden.
Stadtumbau ist Aufschwung Ost und ohne Stadtumbau wird es keinen sinnvollen
wirtschaftlichen Aufschwung geben, da niemand in maroden Städten und in marode
Städte investieren wird.
www.Volksstimme.de
26.07.2003
Rathenow: Modernisierung und Abriss laufen parallel
Die Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft e. G. (RWG e. G.) arbeitet intensiv an
den Bauvorlagen zur Modernisierung/Instandsetzung sowie an der Umsetzung der
Umzugs- und Rückbaukonzepte zum Stadtumbau.
In der Ferdinand-Lassalle-Straße sind die Arbeiten zur Modernisierung von zwölf
Wohnungen teilweise schon abgeschlossen. Hier werden nicht nur die Wohnflächen
und die Wohnungszuschnitte verändert, sondern auch moderne Bäder mit wahlweise
Badewanne oder Dusche installiert. Die Wohnungen werden dringend für die Mieter
benötigt, die noch in diesem Jahr vom Rückbau betroffen sein werden. Aber auch
Objekte, die Bestandteil der zweiten Phase der Stadtumbau- und Rückbauplanung
sind, werden nicht vernachlässigt. Hier werden weiterhin
Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt, wie die zurzeit laufenden
Dacherneuerungsarbeiten an zwei 90-Wohneinheiten-Häusern zeigen.
Der Vorstand der RWG e. G. informierte, dass die Modernisierung von insgesamt
acht Wohnhäusern in das Landesprogramm 2003, 2. Halbjahr, aufgenommen wurde.
Leider hat das nicht automatisch den Zugriff auf entsprechende Fördermittel zur
Folge. Bei einer Kürzung der Landesförderung könnten allerdings auch diese
Maßnahmen eingeschränkt werden. Von der Investitionsbank des Landes Brandenburg
konnte die Bereitstellung von Krediten für diesen Zeitraum noch nicht bestätigt
werden.
www.MaerkischeAllgemeine.de
26.07.2003
54 000 Wohnungen stehen im Land leer
In Thüringen stehen derzeit 54 000 Wohnungen leer - das sind nur 500 weniger als
im Vorjahr. Und das, obwohl im gleichen Zeitraum 4800 Wohnungen abgerissen
wurden. Für den Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft sind diese Zahlen Grund
genug, auf eine weitere Forcierung des Stadtumbaus Ost zu drängen. Denn die mit
dem Leerstand verbundenen Probleme sind gewaltig: 128 Millionen Euro fehlen an
Mieteinnahmen in den Kassen, dazu kommen noch die übrigen durch den Leerstand
verursachten Kosten, die pro Wohnung auf 1550 Euro veranschlagt werden - macht
unterm Strich noch einmal 84 Millionen Euro.
In diesem Jahr sollen nach den bisherigen Planungen in Thüringen ebenfalls
wieder 4800 Wohnungen verschwinden. Die so gewonnenen Flächen wollen die
Unternehmen mit Hilfe staatlicher Förderprogramme zur Verbesserung der Lebens-
und Wohnumfeldqualität nutzen.
In einem Schreiben appelliert der Verband an die Thüringer
Bundestagsabgeordneten, dem Gesetz über die Möglichkeit von
Verwertungskündigungen in den neuen Ländern zuzustimmen. Die waren bisher nicht
möglich. Durch die Änderung könne vermieden werden, dass durch den Widerstand
einzelner Mieter - wie jetzt in Jena - der Stadtumbau insgesamt ins Stocken
gerate.
www.tlz.de
26.07.2003
Sorge um den Stadtumbau
Die geplante Streichung von Landesgeldern für den Stadtumbau sorgt für Unruhe
bei Kommunen und in der Wohnungswirtschaft. "Wir stecken in einer doppelten
Zange", sagt der erste Beigeordnete von Schwedt (Uckermark), Jürgen Polzehl. Zum
einen würden Fördergelder gekürzt, zum anderen die Schlüsselzuweisungen des
Landes. "Wir brauchen aber beides für den Stadtumbau."
Bisher galt die Aufmöbelung der ostdeutschen Städte bei allen Streichrunden als
tabu. Jetzt soll es auch ans Eingemachte gehen. Staatskanzleichef Rainer Speer,
der alle 198 Förderprogramme des Landes durchforstet hat, will ab 2004 zehn
Prozent bei der Städtebauförderung einsparen, zu der der Stadtumbau gehört.
Bisher hatte das Bauministerium 2004 in fünf Bund-Länder-Programmen 130
Millionen Euro vorgesehen. Das Bauministerium solle eine Vorlage erarbeiten, "wo
zukünftig Stadtentwicklung noch betrieben werden soll", heißt es in der
Streichliste.
Ganz wegfallen sollen die Weiterentwicklung von Neubaugebieten (7,9 Millionen
Euro) und ein Topf für Einzelvorhaben (15,8 Millionen). Zusammengestrichen
werden soll auch die Förderung von Wohneigentum in Altbauhäusern (2,6 Millionen
Euro). Vor allem jedoch sollen 54 Millionen Euro Kreditförderung für
Modernisierung und Instandhaltung wegfallen - ursprünglich ein Programm des
sozialen Wohnungsbaus, das nun eine wesentliche Säule des Stadtumbaus werden
sollte. Laut dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU)
werden von den bis 2009 eingeplanten 445 Millionen Euro des Stadtumbaus nur noch
200 Millionen übrig bleiben.
Es bestehe die Gefahr, dass der Stadtumbau ins Stocken gerate, sagt Polzehl.
Schwedt will bis Jahresende 2500 Wohnungen abgerissen haben. In Rathenow
(Havelland) fürchtet Sachgebietsleiter Jörg Kasprzyk schon um das
Erscheinungsbild bei der Landesgartenschau 2006. Es sei ein falsches Signal,
Geld zu sparen, mit dem man gegen die Probleme der demografischen Entwicklung
angehen wollte. In Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) gibt die stellvertretende
Bauamtsleiterin Inge Olbrecht zu bedenken, dass immer mehr Häuser verfallen - am
Ende könnte die Stadt aussehen "wie ein Gebiss mit vielen Lücken". 15 Prozent
der Wohnungen in Kyritz stehen leer.
Ein bisschen weniger dramatisch sieht man die Kürzung in Luckenwalde
(Teltow-Fläming), wo bisher zehn leerstehende Altstadt-Häuser abgerissen worden
sind. "Das sind Mittel, die wir vorher nicht in Aussicht hatten", sagt
Bürgermeisterin Elisabeth Herzog. Doch auch in Luckenwalde würde sich der
Stadtumbau verzögern, so Herzog.
Wegen genau dieser Verzögerung schlagen die Wohnungsunternehmen Alarm. Ihnen
läuft die Zeit davon. Die 245 Mitglieder des BBU können 14,8 Prozent ihrer
Wohnungen nicht mehr vermieten. Acht Gesellschaften haben Konkurs angemeldet, 53
gelten wegen eines Leerstands von über 15 Prozent als hilfsbedürftig. "Wenn die
Kürzungen greifen, bricht ab 2006 die Städtebau- und Abrissförderung des Landes
zusammen", sagt Landesgeschäftsstellenleiter Wolfgang Schönfelder.
www.maerkischeallgemeine.de
25.07.2003
Dresden: Wohnbau Nordwest reißt Plattenbauten am
Straßburger Platz ab
Vor 25 Jahren ist Gertraude Nitzschner in ihre
Wohnung in der Marschnerstraße eingezogen. Der Zehngeschosser am Straßburger
Platz war damals modern und komfortabel. Heute bröckeln die Fassaden. Die
Hauseingänge haben lange keine Farbe mehr gesehen.
„Trotzdem ist es eine Schande, die Häuser abzureißen“, sagt die Rentnerin. Und
wenn das schon sein muss, würde sie gern in die Nachbarhäuser ziehen. Doch da
diese nahezu zeitgleich zum Abriss saniert werden, hieße das doppelter Umzug.
„Ich ziehe mit Tränen aus“, sagt eine über 80-jährige Dame aus der Nummer 13.
Dass es so weit kommt, sei ihr schon klar gewesen, als die gläserne Fabrik
gegenüber gebaut und an ihren Häusern nichts getan wurde. „Die brauchen wohl das
Grundstück für etwas Besseres“, vermutet sie. Das weist jedoch Wohnbau-Sprecher
Bernd Felgentreff zurück. „Der Leerstand ist auf Dauer nicht bezahlbar“, sagt
er. Zudem verschlechtere sich der Bauzustand der Häuser immer mehr. Nach
gründlichen Planungen habe sich die Wohnbau entschieden, den u-förmigen
Gebäudeteil – dabei handelt es sich um die Marschnerstraße 15 bis 27 – zu
erhalten. Die Zehngeschosser mit bisher 292 Wohnungen erhalten eine neue
Fassade, zusätzliche Balkons. In den Innenhöfen werden die Grünanlagen
umgestaltet und zugleich mehr Parkflächen angelegt. „Auch im Inneren wird alles
erneuert und Grundrisse verändert. So entstehen zwölf Wohnungen mehr “, sagt
Felgentreff. Im Sommer 2004 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis zum
Jahresende abgeschlossen sein. Rund elf Millionen Euro kostet die Sanierung.
Danach steigen die Kaltmieten im Durchschnitt von 2,80 auf 5,50 Euro je
Quadratmeter.
Weitere 1,9 Millionen Euro plant die Wohnbau für den Abriss der Häuser
Marschnerstraße 3 bis 13 direkt am Straßburger Platz ein. Gut die Hälfte der
Summe soll aus Fördertöpfen fließen. Derzeit stehen etwa 50 Prozent der 243
Wohnungen bereits leer.
Das Aus für die 243 Wohnungen am Straßburger Platz ist ein Anfang. Schon
deutlich weiter ist die Südost Woba. „Wir haben die Baugenehmigung für den
Abriss von 144 Wohnungen an der Reicker Straße bereits in der Tasche. Im Oktober
geht es los“, sagt Geschäftsführer Reiner Kuklinski. „Für den Abriss von fast 6
000 Wohnungen stellen wir Förderanträge“, sagt Stadtentwicklungsbürgermeister
Herbert Feßenmayr. Je Quadratmeter weniger Wohnfläche gibt es 70 Euro
Fördermittel. Weitere 90 Euro zahlen zu je einem Drittel Bund, Land und Stadt
für die anschließende Verbesserung des Umfeldes.
www.sz-online.de
25.07.2003
Preiswerter Wohnraum wird im Land knapp
Von der Wohnungsnot zum Leerstand: Spätestens ab 2010 werde der Wohnungsbestand
massiv verkleinert, weil die Mieter fehlen, sagte Jürgen Fischer, Chef des
Landesmieterbundes gestern in Schwerin. Bisherige Stadtentwicklungskonzepte von
30 Kommunen sehen den Rückbau von fast vier Prozent der 800 000 Wohnungen im
Land vor. Und das nicht nur in den Plattenbausiedlungen. Noch hielten sich
private Hausbesitzer in den Innenstädten mit dem Abbruch zurück, so Fischer.
Doch auch dort dränge das Problem. In einigen Innenstädten gebe es bereits hohe
Leerstände. "Mit dem Abriss stehen wir erst am Anfang."
In den kommenden Jahren könne der Einwohnerschwund nicht mehr mit dem bisherigen
Trend einer steigenden Zahl an Haushalten und nach größeren Wohnungen
kompensiert werden. "Diese Nachfragereserven auf dem Wohnungsmarkt sind bald
verbraucht", meinte Fischer. Laut Bevölkerungsprognosen sinkt die Zahl der
Einwohner in MV bis 2009 von derzeit 1,7 Millionen um weitere 140 000. "Ab 2010
bedeutet jeder Wegzug eine leere Wohnung."
Der Abriss und die fortschreitende Modernisierung in den nächsten Jahren werde
allerdings zu einer Verknappung von preiswertem Wohnraum führen. Angesichts der
Wirtschaftsschwäche nehme die Zahl derer, die auf eine günstige Miete angewiesen
sind, aber weiter zu, erklärte Fischer und forderte eine Preisbindung für einen
Teil des Bestandes. Für sanierte Plattenbauten müssten bereits sechs Euro je
Quadratmeter bezahlt werden. "Wer kann sich das noch leisten?", so der
Verbandschef. Gebraucht werden zudem Wohnungen, die den differenzierten
Ansprüchen einer immer älter werdenden Bevölkerung entsprechen, erklärte
Landesvorsitzende Doris Hildebrandt. Obwohl inzwischen jede zehnte Wohnung leer
steht, könne der Bedarf nach betreutem Wohnen z. B. nicht gedeckt werden.
www.svz.de
25.07.2003
Apolda: Bahnhofsvorstadt winkt die Abrissbirne
Erste Überlegungen zur langfristigen Umgestaltung des so genannten
Aufwertungsgebietes nördliche Bahnhofstraße stellte gestern die
Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) im Stadthaus vor. Andreas Jaeger,
Projektleiter bei der LEG gab vor interessierten Bürgern zunächst einen Abriss
zur Geschichte des Areals zwischen Lessing- und Bernhardstraße, zwischen
Dornburger Straße und Bahnhof, das er als "Bahnhofsvorstadt" bezeichnete. Das
Gebiet sei hervorragend geeignet, mit Mitteln des Stadtumbaus Ost überzähligen
Wohnungsbestand zurückzubauen. Dafür spricht beispielsweise ein Leerstand von
160 Häusern - das sind 28 Prozent. Im übrigen Stadtgebiet liegt er bei 13
Prozent. Eine Bürgerbefragung bestätigte dabei das Urteil der Planer. So
bescheinigte die Mehrzahl der Befragten, mit dem Angebot an Dienstleistungen, an
Kultur und an Einkaufsmöglichkeiten zufrieden zu sein. Gemurrt wird hingegen
beim baulichen Zustand der Gebäude. Und viele wünschten sich die Sanierung bzw.
den Abriss schlimmer Ecken. Das soll nun auch geplant werden. So denken LEG und
Stadt an den Teilabriss des alten Krankenhauses und die Entkernung des
Wohnquartiers zwischen Bahnhofstraße und Lessingstraße. In einem so genannten
zweiten Maßnahmebereich soll eine P+R-Fläche am Bahnhof entstehen. Zudem will
man ein Konzept zur Umsiedlung des Unternehmens RST und späterem Abriss des
alten Weimar-Werkes aufstellen.
www.thueringer-allgemeine.de
24.07.2003
Crimmitschau: 1500 Quadratmeter Wohnfläche bis
Jahresende abgerissen
Das in diesem Jahr beschlossene Unternehmenskonzept der kommunalen
Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) sieht bis zum Jahr 2010 den Abriss von
annähernd 450 Wohnungseinheiten vor, war vom Geschäftsführer des Unternehmens,
Reinhard Zill zu erfahren. Bereits in diesem Jahr trennt sich die CWG auf diese
Weise von 1500 Quadratmetern Wohnfläche.
Dabei gehe es um solche Gebäude, deren Bausubstanz nicht mehr sanierungsfähig
sei.
Vor allem durch die anhaltende Abwanderung von Bürgern aus der Stadt bleibt
freilich auch die CWG vom Wohnungsleerstand, der derzeit mehr als ein Viertel
des Bestandes beträgt, nicht verschont. Dieser Aspekt ist ebenso in die
Waagschale zu werfen, wenn man zwischen Sanierung oder Abriss zu entscheiden
hat. Der Aufwand für das Herrichten der Gebäude muss schließlich erwarten
lassen, dass sich die Investitionen durch Mieteinnahmen auch irgendwann
amortisieren. Deshalb wird die CWG noch über Jahre hinweg mit diesem Problem –
im offiziellen Sprachgebrauch verharmlosend Rückbau genannt – konfrontiert sein.
Die Abrissmaßnahmen werden ergänzt durch die der Gemeinnützige
Wohnungsgesellschaft, einem mit der CWG fusionierten Unternehmen. Fördermittel
für den Abbruch der Flachbauten Glauchauer Landstraße 71/73 und 77 seien
ausgereicht worden. Dennoch gestalte sich der Abriss von zwei der drei Gebäude
mit je fünf Wohnungseinheiten schwierig. In ihnen wohne nämlich jeweils nur noch
ein Mieter und mit beiden konnte bislang noch keine Einigung über einen Auszug
erreicht werden.
Ursprünglich gab es an diesem Standort etwas abseits der Glauchauer Landstraße
einen kleinen Komplex aus Flachbauten mit insgesamt 36 Wohnungen. Schon im
vorigen Jahr sind mehr als die Hälfte davon abgebrochen worden. Die Wohnungen
dort entsprächen in keiner Weise mehr den heutigen Normen, konstatierte Zill.
Die Abrissmaßnahmen der CWG werden durch Fördergeld von der Sächsischen
Aufbaubank und eine so genannte Vergabe-ABM des Arbeitsamtes Zwickau
unterstützt. Insgesamt 15 ABM-Kräfte sind daran beteiligt.
www.freiepresse.de
23.07.2003
Schrumpfende Städte
Wie wäre es mit einem Hirschgehege hinter dem Leipziger Hauptbahnhof? Platz
genug, finden die Stadtväter, gebe es ja. Man nutzt einfach die Brache neben dem
frisch renovierten Prunkbau des Bahnhofs, platziert auf einer neu angelegten
Wiese sechs Hirsche und dazu einen Hochsitz. Zwischen einfahrenden Schnellzügen
und dem Autolärm der Hauptstraße könnte so der öffentliche Raum genutzt werden,
den sonst niemand braucht.
Der Plan mit den Hirschen im Stadtzentrum ist bezeichnend für die städtebauliche
Situation in Leipzig. Allein im Stadtteil Volkmarsdorf, direkt hinter dem
Bahnhof, steht jedes zweite Haus leer - viele davon sind Altbauten. Aus manchen
Häuserdächern wachsen Birken, auf rissigen Plakaten werben Immobilienmakler um
Käufer, die nicht kommen werden. "Unser Plan, hier ein Hirschgehege
einzurichten, ist natürlich eine Art Groteske", sagt Wolfgang Kunz, der Leiter
des Leipziger Stadtplanungsamtes "Aber wir brauchen prägnante Beispiele, die auf
den dramatischen Wohnungsleerstand in der Stadt hinweisen."
Fast 60 000 Wohnungen stehen in Leipzig leer. Die Sachsenmetropole hat von 1989
bis 1998 fast hunderttausend Einwohner verloren, von 530 000 Bürgern schmolz die
Einwohnerschaft auf 438 000. Dann gab es eine Gebietsreform, Randbezirke wurden
eingemeindet.
Viele Leipziger sind ins Umland oder in den Westen gezogen, der Geburtenrückgang
kommt hinzu. Unterm Strich stieg im vergangenen Jahr die Einwohnerzahl durch
Zuzug zwar leicht um 1800. Doch die Stadtplaner müssen langfristig denken. Ihnen
ist klar: Leipzig droht zu veröden, und die Stadt reagiert mit drastischen
Programmen, deren Namen seltsam idyllisch klingen.
"Dunkler Wald", "Wandel auf der Parzelle" oder "Lichter Hain" nennt die Behörde
blumig ihre radikalen Pläne für das "Grüne Rietzschkeband", welches das Gesicht
des ausblutenden Leipziger Ostens von Grund auf verändern soll. Wo sich heute
zerfallende Häuser aneinander reihen, soll nach und nach eine Schneise aus
Parks, Wäldchen und Veranstaltungsplätzen entstehen. "Wir wollen keine hässliche
Brache in der Stadt, sondern eine positive Identifikation mit dem Prozess, gegen
den wir nichts tun können. Die 60 000 Wohnungen sind ja so oder so leer", sagt
Kunz.
Die Leipziger gehören zu den ersten, die sich mit Plänen einem Problem stellen,
das hierzulande bald überall auf der Tagesordnung stehen wird: Deutschlands
Städte und Dörfer schrumpfen. Schon heute gibt es allein in Ostdeutschland 1,2
Millionen leer stehende Wohnungen. Im Jahr 2030 werden es voraussichtlich
doppelt so viele sein.
Weil hierzulande immer weniger Kinder zur Welt kommen, werden viele Hochhäuser
und Gründerzeit-Schmuckstücke nicht mehr gebraucht. Ganze Stadtteile und Dörfer
wandeln sich zu Ghettos, in denen nur noch die Alten und Arbeitslosen bleiben.
Fenster und Türen werden vernagelt, der Niedergang der Städte ist hier schon
Realität. Nur die Seniorenheime sind hübsch heraus geputzt.
Zum ersten Mal seit dem Dreißigjährigen Krieg droht Deutschland wieder die
Verödung ganzer Landstriche. Das gilt auch für westdeutsche Regionen wie das
Ruhrgebiet. Nach Berechnungen des Düsseldorfer Landesamtes für Datenverarbeitung
verlor beispielsweise Essen seit 1990 37 000 Einwohner. Selbst florierenden
Städten wie München wird der Rückgang prognostiziert: Spätestens ab dem Jahr
2030 soll auch dort die Bevölkerungszahl zurückgehen, schätzt das Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung.
Die Leipziger Stadtväter raten den Hauseigentümern zum Abriss, weil sich weit
und breit eh keine Mieter mehr finden lassen. Grundbesitzern schlagen die
Beamten vor, ihr Gelände der Kommune zu überlassen, auf denen sie dann
Freiflächen einrichtet. Wer will, erhält nach fünf Jahren sein Eigentum zurück.
Der Hintergedanke von Stadtplaner Wolfgang Kunz und seinen Leuten: Nach und nach
soll sich so das Gelände leeren, und auch widerspenstige Hauseigentümer werden
dann einsehen, dass ihre Immobilie mitten im Nirgendwo keinen Wert hat. Dann, so
hofft Kunz, steht einem spottbilligen Ankauf durch die Stadt und der Schaffung
von Grünflächen nichts mehr im Wege.
Leipzig hofft, durch die geplanten Abrisse die Entstehung eines städtischen
Flickenteppichs aus sanierten Häusern, leer stehenden Ruinen und Brachen zu
verhindern. Sie bewegen sich dabei auf einem schmalen Grat. Niemand kann ihnen
garantieren, dass sie das Richtige tun. Was, wenn sich die Vorhersagen über die
Bevölkerungsentwicklungen als falsch herausstellen? Oder die Stadtviertel, denen
sie heute keine Zukunft mehr einräumen, wieder attraktiv werden? Der Abriss von
je 10 000 Platten- und Altbauten könnte dann als verheerendes Kapitel in die
Stadt-Geschichte eingehen.
Noch weiß niemand genau, wie das gewaltige Erbe der deutschen Städte bewahrt
werden kann. Wie in den 50er Jahren schaffen Abrissbirnen heute wieder
Tatsachen, die Jahrzehnte später als Bausünden am Pranger stehen. Was dabei
unwiederbringlich verloren geht, kann heute niemand abschätzen.
www.spiegel.de
23.07.2003
Zschopau: Zweiter Block fällt im September
Spätestens Mitte September soll der zweite Wohnblock im Zschopauer
August-Bebel-Gebiet fallen. Auf die Ausschreibung der Grundstücks- und
Gebäudewirtschafts GmbH Zschopau haben sich Geschäftsführerin Kerstin Rümmler
zufolge 20 Unternehmen gemeldet.
In den vergangenen Jahren stand etwa die Hälfte der 80 Wohnungen des
Plattenbaues am Launer Ring leer. Zurzeit bewohnt noch eine Familie das für den
Abriss vorgesehene Gebäude. Doch Anfang/Mitte nächsten Monats werden auch die
letzten Mieter in eine andere Wohnung umziehen, weiß Rümmler.
Für den Abbruch erwartet sie über das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“ von
der Sächsischen Aufbaubank einen Zuschuss von 70 Euro pro Quadratmeter
Wohnfläche. Das macht bei einer Fläche von 4894 Quadratmetern 342.580 Euro.
Kerstin Rümmler ist indes skeptisch, dass das Geld auch pünktlich fließen wird:
„Die Wohnungsgenossenschaft hat nach dem Abriss des Blockes Meixnerweg bis heute
noch nichts bekommen.“ Doch auch, wenn die Mittel auf sich warten lassen, ist
der Abrisstermin nicht gefährdet, da die Gebäudewirtschaft das Projekt
vorfinanziert. „Wir haben in den vergangenen Monaten etwas beiseite gelegt.“ Der
Antrag auf vorfristigen förderunschädlichen Baubeginn ist genehmigt worden.
Schon umverlegt sind Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom, Heizung und Telekom,
um die Versorgung der angrenzenden Gebäude zu sichern. Wo einst der Plattenbau stand, ist jetzt Rasen gesät. Daran wird sich wohl auch
so schnell nichts ändern. Die Freiräume bleiben auf absehbare Zeit Grünflächen, vielleicht
ergänzt durch zwei bis drei Strauchgruppen.“ Während der Rückbau komplett aus
Bundesmitteln finanziert wird, müssen sich an den Kosten für anschließende
Verschönerungsarbeiten Freistaat und Kommune zu je einem Drittel beteiligen.
www.freiepresse.de
23.07.2003
Parchim: Sanierte Platte bei Mietern beliebt
Die Wobau GmbH setzt als größter Vermieter in der Kreisstadt weiter auf Rückbau
und Sanierung der Plattenbauwohnungen in der Weststadt. Neben dem erheblichen
Leerstand belasten auch die wachsenden Mietrückstände das Betriebsergebnis des
Unternehmens.
Im Herbst rollen in der Weststadt wieder die Umzugswagen. In der
Hans-Beimler-Straße und in der Leninstraße werden dann 90 Mieter eine frisch
sanierte Wohnung beziehen, in der sie zum Teil schon früher gelebt hatten. "Das
Interesse für die rückgebauten Neubauwohnungen ist erfreulich groß. Nicht nur
langjährige Mieter, sondern auch Parchimer, die bislang im Stadtteil wohnten,
bleiben uns treu. Bis auf vier sind hier bereits alle Wohnungen wieder
vermietet", freut sich Gerd Beyer als Geschäftsführer der Wobau.
Diese erfreuliche Tatsache kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass
auch das größte Wohnungsunternehmen der Kreisstadt mit der wirtschaftlichen
Gesamtsituation schwer zu kämpfen hat. Vor allem der steigende Leerstand - zum
Jahreswechsel waren davon 615 Wohnungen (davon 250 baubedingt freigezogen),
betroffen, führen zu finanziellen Verlusten in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro.
Der Mietausfall wird im Jahresabschluss 2002 auf rund 1,4 Millionen Euro
beziffert.
Der Geschäftsführer legt Wert auf die Feststellung, dass bei einer
Eigenkapitalquote von etwa 30 Prozent trotz eines Rückgangs gegenüber dem
Geschäftsjahr 2001 um 2,2 Prozent, die Zahlungsfähigkeit der Wobau GmbH
weiterhin gewährleistet ist.
Dabei spielt der 2001 begonnene Rückbau in der Weststadt die Schlüsselrolle. Das
Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) geht von sinkenden
Bevölkerungszahlen aus, die in Parchim das Niveau der 70er Jahre erreichen
könnten. Bis 2008 soll sich die Anzahl der Wobei-eigenen Wohnungen von derzeit
3400 auf etwa 2800 verringern. 32000 Quadratmeter Wohnfläche sind dann
verschwunden. Dies wird zu einer Schuldenentlastung von fast drei Millionen Euro
führen.
Gigantische Ausmaße erreicht mittlerweise das Niveau der Mietschulden. Die
Ausstände hatten sich bis zum Jahresbeginn bei der Wobau auf 439000 Euro
summiert. "
www.svz.de
23.07.2003
Greiz: Rückbau dauert noch
"In spätestens zwei Jahren werden wir mit dem Abbruch fertig sein", sagt Gerd
Grüner als Chef des städtischen Wohnungsunternehmens. Der von ihm geleitete
Greizer Eigenbetrieb ging 1997 mit rund 250 Häusern an den Start. Hat davon
inzwischen fast 30 saniert, einige verkauft, aber auch zahlreiche zurück gebaut,
wie es Neu-Deutsch heißt. Bis heute wurde der Bestand fast halbiert. Bei rund
100 Objekten soll er sich einmal einpegeln, vermutlich bis Ende 2005.
Bis dahin sollen noch einige Häuserwände fallen. Zu dem umstrittenen Abbruch von
Wohnraum wird der Eigenbetrieb aus Kostengründen gezwungen. Und gleichzeitig
durch Fördermittel animiert. 75 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gibt es für den
Stadtumbau Ost. "Die nutzen wir natürlich rigoros", betont Grüner. Wenngleich
man die Entscheidung über das Platt-Machen eines Gebäudes keineswegs voreilig
fälle, sondern erstmal umfassend im Werksausschuss diskutiere. Ob ein Haus
sanierungswürdig ist, wird unter mehreren Prämissen geprüft - was sagt das
Entwicklungskonzept der Stadt, wie sieht es mit der tatsächlichen Vermietbarkeit
aus, wie viel Wohnraum ließe sich durch Rekonstruktion schaffen und wie teuer
wird der Spaß...
"Im Wesentlichen werden wir beim Abbruch immer an die Straßenränder gehen, wo
eine Entnahme nicht allzu sehr auffällt", erläutert der Werkleiter und nennt die
Heinrich-Fritz-Straße 3, die Zeulenrodaer Straße 24 oder die Siebenhitze 32 als
aktuelle Beispiele. Alle verwaisten Objekte kann man ohnehin nicht vom Markt
nehmen. Das wäre zu viel des Guten. Denn die Leerstandsquote im Eigenbetrieb
liegt momentan bei satten 55 Prozent.
www.otz.de
19.07.2003
Erfurt: Plattenbau soll für Rasen weichen
Es brodelt mächtig zwischen der Wohnungsbaugenossenschaft "Zukunft" und den
verbliebenen Mietern des Jakob-Kaiser-Rings 13. Für Mitte nächsten Jahres plant
die WbG den Abriss des Plattenbaus. Die von der WbG angesetzte Versammlung mit
der Vorstellung des Umzugsmanagments endete dieser Tage damit, dass die empörten
Mieter vorzeitig den Raum verließen. Die 64 Hausbewohner sind überzeugt, die WbG
habe den Leerstand von 50 Prozent bewusst herbei geführt, auch durch Mietstopp.
Außerdem gab es in 23 Jahren kaum Sanierungsmaßnahmen, nicht mal neue Fenster
für Jeden.Falk Stock, Vorstand der WbG "Zukunft", begründet: "Keine Bank der
Welt gibt Kredite für die Sanierung eines zur Hälfte leer stehenden Hauses.
Außerdem gab es keinen Mietstopp, nur keine neuen Anfragen mehr."Das sehen die
Bewohner anders. Sie kennen genügend Leute, die versucht haben in dieses
Hochhaus einzuziehen. Am meisten verärgert sind die Mieter jedoch darüber, dass
man sie seit zwei Jahren im Ungewissen gelassen habe. Auf eine 2001 gestellte
Anfrage der Bewohner antwortete die WbG ausweichend, dass Entscheidungen nicht
vor 2004 getroffen werden könnten. Nun ist das der Abrisstermin. "Mir ist
bewusst, dass dies ein Einschnitt in das Leben der Betroffenen ist. Aber die
Entscheidung ist erst dieses Jahr gefallen", so Falk Stock. Nach dem Abriss soll
das Gebiet mit Rasen bepflanzt werden. Die Mieter allerdings bringen deutlich
zum Ausdruck, dass Nummer 13 nicht erst den Widerstand übt, sondern bereits
weiß, wie er funktioniert.
www.thueringer-allgemeine.de
19.07.2003
Wohnungsmarkt droht Pleitewelle
Auf die Wohnungsunternehmen des Landes rollt eine Insolvenzwelle zu. 53
Unternehmen werden als bedroht eingestuft. Acht haben bereits Insolvenz
angemeldet. Den Kommunen als Gesellschaftern drohen Forderungen bis zu einer
Milliarde Euro, die als Bürgschaften für Altschulden eingegangen wurden.
Der Wohnungsleerstand in Brandenburg wird in den kommenden Jahren immer mehr
Wohnungsunternehmen in Brandenburg gefährden. Zu dieser Einschätzung kommt ein
interner Bericht der Ministerien des Innern und für Bauen, der gemeinsam mit dem
Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) erarbeitet worden
ist. 53 Unternehmen mit einem Wohnungsbestand von 207 000 Wohnungen sind demnach
existenzgefährdet. Weitere 14 Unternehmen könnten dieses Stadium demnächst
erreichen, heißt es in dem Bericht. 38 Städte sind direkt, weitere 22 indirekt
betroffen.
Der Vorstandsvorsitzende der BBU, Ludwig Burkhardt, sagte der Märkischen
Oderzeitung, dass vor allem Städte im berlinfernen Raum betroffen sind. Obwohl
mit dem Stadtumbauprogramm in 22 Städten des Landes bis 2007 rund 49 000
Wohnungen abgerissen werden, steige der Leerstand schneller als der Abriss
hinterherkomme. Zur Zeit, schätzt Burkhardt, stehen 150 000 Wohnungen leer.
Als wichtigste Antwort auf die Situation fordert der BBU, dass keine Abstriche
am Stadtumbauprogramm gemacht werden dürfen. In den kommenden Wochen will die
Landesregierung entscheiden, ob sie aus Haushaltsgründen die Förderprogramme
Stadtsanierung und Stadtumbau abschmilzt.
www.moz.de
19.07.2003
Gotha: Schuldentilgung für WBG am wichtigsten
Seit dem 1. Juli hat die Gothaer Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) - mit 2891
Mitgliedern das größte derartige Wohnungsbauunternehmen auf genossenschaftlicher
Basis in der Residenzstadt - einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Dr. Udo Bender.
Der 58-Jährige löste Inge Hoffmann ab, die zwölf Jahre lang an der Spitze der
WBG stand und in den Ruhestand ging. Udo Bender war vorher Chef einer
Wohnungsbaugesellschaft in Luckenwalde. Ein weiteres neues Vorstandsmitglied ist
Steffen Priebe: Der 35-Jährige kommt aus dem eigenen Hause und ist zum
kaufmännischen Vorstand bestellt worden. TA sprach mit den beiden.
Wie haben Sie als neuer Vorstandsvorsitzender die Genossenschaft bei ihrem
Einritt vorgefunden? Bender: Ich bin mit dem Stand sehr zufrieden. Das Feld ist
gut bestellt. Nun kommt es darauf an, die WBG weiter zu entwickeln und die
Probleme, die trotzdem vor uns stehen, im Sinne der Genossenschaftler zu lösen.
Was meinen Sie damit? Priebe: Das Wichtigste ist die Schuldentilgung. Die
Genossenschaft sitzt auf rund 19 Millionen Euro Altschulden. Allein deren
Zinstilgung kostet uns pro Jahr 1,3 Millionen Euro. Dazu gehört auch der hohe
Wohnungs-Leerstand. Von unseren 3048 Wohnungen stehen immerhin 925 leer. Und das
kostet auch sehr viel Geld.
Bender: Deshalb wurde ja nun schon mit der Entkernung der Häuser An der Goth 1
bis 7 und Eschleber Straße 50 bis 56 begonnen. Nach der Entkernung folgt der
Abriss. Wir müssen weg vom Leerstand. Nur mit belegten Wohnungen können wir die
Schulden abbauen.
Was geschieht außer dem Abriss noch in der WBG? Bender: Wir beginnen noch in
diesem Jahr mit einem großen Projekt: Ein Prestigeprojekt der Genossenschaft und
auch der Stadt Gotha im Rahmen der Aktion Stadtumbau Ost. An der Fritzelsgasse
wird ein großer Plattenbau nicht nur einfach saniert, sondern vollkommen
umgebaut.
Priebe: Eine Investition von rund sechs Millionen Euro, die zum größten Teil aus
Fördertöpfen stammen.
Bender: Wir werden uns mehr als bisher in den Stadtumbau einbringen müssen, das
ist nämlich eine der zentralen Aufgaben aller Wohnungsbauunternehmen im Osten
Deutschlands. Demnächst wollen wir auch darüber beraten, wie es mit der
Sanierung unserer Häuser weitergeht. Einig sind wir uns darin, dass das
Wohnungsangebot attraktiver werden muss. In unseren Häusern stehen meist die
oberen Geschosse leer. Das sollte zu denken geben. Was machen wir aus diesen
Etagen, bauen wir vielleicht einen Fahrstuhl an? Viele Fragen gibt es in der
Perspektive noch zu lösen.
www.thueringer-allgemeine.de
19.07.2003
Wittenberge: Einer Stadt laufen die Menschen weg
Eine Stille liegt über der Stadt. Die Straßen sind leer. Hinter den Fenstern der
Altbau-Wohnungen hängen keine Gardinen, spielt keine Musik. An der Kreuzung zur
Röhlstraße schiebt eine Seniorin ihren Gehwagen über den Weg. Es sind nicht mehr
genug Menschen in Wittenberge. Die einst reiche Industriestadt in der Prignitz
ist wie eine alte Dame, die für ihre schönen Kleider zu arm und zu schmal
geworden ist.
Fast ein Drittel aller Einwohner, meist junge, zogen seit der Wende aus
Wittenberge weg. Keine andere Stadt Deutschlands schrumpfte und alterte seit dem
Mauerfall mehr. Es ist ein trauriger Rekord. Doch Wittenberge hat sich auf den
Schwund und die Überalterung eingestellt - und näht die Kleider um.
Die Jugend geht und kommt nicht zurück, so war die Einsicht in der Stadt im
Nordwesten von Brandenburg. Fast 40 000 Menschen fanden nach dem Zweiten
Weltkrieg hier Platz. Ende der 80er-Jahre lebten noch mehr als 30 000 Einwohner
hier. Das ist vorbei: Etwa 21 000 Menschen sind jetzt noch da. Und für die soll
der Ort möglichst praktisch und schön sein, so war der Ansatz.
"Wir haben etwa 3300 Wohnungen zu viel", hat Ulrich Siodla, Leiter des Bauamtes
Wittenberg, als zentrales Problem festgestellt. Die Lösung heißt Abrissbirne -
oder vornehmer: "Rückbau". Von 13 300 Einheiten sollen bis 2015 mindestens 2400
Wohnungen weg - kein Plattenbau, den gab es hier kaum, sondern meist Altbauten
im historischen Stadtkern. Mit ihrem drastischen Konzept gewann Wittenberge im
vergangenen Jahr einen ersten Platz im Bundeswettbewerb "Stadtumbau Ost".
Die Konsequenz: 300 Wohnungen kommen allein in diesem Jahr "vom Markt". Je 250
bis 300 folgen dann jährlich. Lieber Freifläche statt Ruine, heißt die Devise.
Was ansonsten droht, ist der Verfall, der ganze Viertel hinunterzieht: Erst
fehlt das Briefkastenschild, dann wackeln die die Jalousien. Bald sind die
Scheiben eingeworfen, Plakate verrotten an den Fassaden. Das Argument
"historisch wertvoll" zieht nicht mehr, wenn keiner einziehen will: zu marode
die Substanz, zu unpraktisch der Grundriss. "Das kriegen wir nicht mehr
vermietet", weiß Siodla vom Jahnschulviertel. In der Stein-Hardenberg-Straße
rollt bald der Bagger an.
Was aus den Freiflächen wird? Das ist noch unklar, das Konzept ist noch zu neu.
Ein "Zwischengesicht", nennt ein Stadtverordneter den Zustand, wenn die
Altbauten abgerissen sind. Bislang entstanden Kinder-Spielflächen, Parkplätze,
Raum für Einfamilienhäuser oder "Nachbarschaftsgärten", die Anwohner in
Patenschaft pflegen. Hauptsache, die Ruinen sind weg. "Wir müssen abwarten",
sagt Bauamtsleiter Siodla, "wie sich die Zukunft für uns entwickeln wird."
Heute ist etwa jeder Fünfte in Wittenberge ohne Job. Nur noch zwölf Prozent der
Einwohner sind jünger als 18. Jeder dritte Wittenberger hat seinen 60.
Geburtstag schon hinter sich. Nicht, weil sie die Stadt nicht mögen, ziehen die
Jugendlichen weg. "Wir haben hier eigentlich alles", sagen sie. Der Elbstrand
ist schön, ein Kino hat eröffnet, im vergangenen Jahr noch eine
Großraumdiskothek. Doch gibt es keine Arbeit, ist selbst die ortsübliche Miete
von 4,50 Euro pro Quadratmeter zu viel. "Ich warte nur, bis mein Kleiner größer
ist", sagt Ronny Gohn, der seinen Sohn Robin (1) über die Straße schiebt. "Dann
ziehe ich weg. Nach Berlin vielleicht."
Die Wegzug der Jungen hat Folgen: Der Bewohner von Wittenberge ist im
Durchschnitt 47 Jahre alt - statt 39 wie im Rest der Republik. Eine ältere
Bevölkerung braucht eine andere Stadt: Zwei Grundschulen wurden in Wittenberge
in den vergangenen Jahren geschlossen, ein Seniorenheim ist in Bau, ein neuer
Park geplant. Kleinigkeiten wie der Shuttle-Service zum Theater sollen das Leben
für ältere Menschen angenehm machen. "Wir reagieren ständig auf Wünsche der
Bevölkerung", erklärt Christiane Schomaker.
www.abendblatt.de
19.07.2003
Rostock: Vorbereitungen für Stadtumbau
Ost/Wohnumfeld in Dierkow wird weiter verbessert
Aufwertung von Wohngebieten heißt neben Rückbau die zweite Säule des
Bundesprogramms Stadtumbau Ost. Davon profitieren auch Dierkow und Toitenwinkel,
sagt Thorsten Gebhards, Projektplaner bei der Rostocker Gesellschaft für
Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS). Für zwei Vorhaben
laufen die Planungen an.
"Wir haben den Auftrag der Stadt, den Abriss der Schule an der Tessenowstraße
vorzubereiten." Dabei gehe es zunächst nur um die Räumung des Grundstücks der
ehemaligen Dierkower Gutenberg-Schule. Auf der Liste für das kommende Jahr steht
ebenfalls die Instandsetzung der Brücke in der Gutenbergstraße, berichtet
Gebhards. Dort wurde das Umfeld bereits gestaltet, der Weg unter der Brücke kann
allerdings aufgrund des Bauzustands nicht genutzt werden. Ob sich das Vorhaben
2004 umsetzen lasse, hängt aber wie so vieles an der Finanzierung.
Die steht bei drei Maßnahmen in Dierkow längst, die noch wesentlich aus dem
Wohnumfeldprogramm bezahlt werden und in Kürze beginnen, berichtet Thorsten
Gebhards. So gibt es am Mittwoch die "Bauanlaufberatung" für die Gestaltung der
Innenhöfe Kurt-Schumacher-Ring 11 bis 38. Ein halbe Million Euro steht bereit -
aus Fördermitteln und aus den Kassen der Wohnungsunternehmen Wiro, WG Warnow und
Fides, die sich beteiligen. Mehr Grün, Schaffung von Stellplätzen und Gestaltung
der Wege und Flächen vor den Häusern sind vorgesehen.
Eine Förderung 170 000 Euro akquirierte die RGS für die Instandsetzung von
Gehwegen am Kurt-Schumacher-Ring und der Heinrich-Tessenow-Straße. "Wir haben
das Umfeld gestaltet, aber die Wege sind in desolatem Zustand", sagt der
RGS-Planer. Dort lägen zum Teil noch alte Betonplatten, die inzwischen zu
Stolperfallen geworden sind. Beginn der etwa zweimonatigen Bauarbeiten: Ende
August. Dabei entstehen entlang des Schumacherrings auch neue öffentliche
Parkplätze, um die katastrophale Lage etwas zu entspannen.
In Zusammenhang mit diesen Arbeiten steht das dritte Vorhaben, das für knapp 700
000 Euro zwischen September und Mai 2004 umgesetzt wird. So wird der Weg von der
Haltestelle Lorenzstraße bis zum Hannes-Meyer-Platz attraktiver gemacht und der
zum Teil illegale Verkehr dort rausgenommen, so Thorsten Gebhards. Auch mit
Blick auf die steigenden Schülerzahlen, wenn in einigen Jahren auch die
Toitenwinkler zum Kollwitz-Gymnasium müssen. Mehr Grün, neue Laternen und eine
Neuordnung des Parkens heißen die zentralen Vorhaben. Erneuert wird auch die
Rampe am Ärztehaus, um sie für Behinderte dann wirklich nutzbar zu machen
www.svz.de
17.07.2003
Thüringen verliert pro Tag 53 Bewohner
Thüringen verliert pro Tag 53 Einwohner. Die Gründe: Wenige Geburten und hoher
Wanderungsverlust. Das Land reiht sich damit nahtlos in die Reihe der anderen
neuen Bundesländer ein. Auch sie verlieren an Einwohnern.
Im vergangenen Jahr zogen 96 865 Einwohner neu nach Thüringen. Gleichzeitig
verlor das Land aber 107 164 Menschen. Das ergibt - so das Statistische
Landesamt - einen Wanderungsverlust von 10279 Personen. Damit trägt die
Abwanderung zu 53 Prozent zur negativen Bevölkerungsentwicklung in Thüringen
bei. Außerdem sank die Geburtenrate weiter auf 17007, 344 weniger als im
Vorjahr. Mit 26 000 Gestorbenen gab es im vergangenen Jahr 8993 mehr Sterbefälle
als Geburten.
Alarmierend findet der Rostocker Bevölkerungsexperte Rembrandt Scholz diese
Entwicklung für die neuen Länder. Seine Prognose: Ohne Wirtschaftsaufschwung im
Osten wird die Abwanderung vor allem junger Menschen in den Westen weitergehen.
Da vor allem junge Menschen abwanderten, beschleunige sich der
Bevölkerungsschwund unweigerlich selbst, erklärte Scholz.
www.tlz.de
17.07.2003
Ausländer gleichen Bevölkerungsrückgang aus
Die Erosion der Bevölkerungsstruktur in Deutschland hält weiter an. Nach neuen
statistischen Erhebungen schrumpfte auch 2002 die Zahl der Deutschen auf Grund
einer schwachen Geburtenrate. Unverändert blieb damit das Hauptproblem der
sozialen Sicherungssysteme: die Alterung der Bevölkerung. Eine wachsende Zahl
von Rentnern und Kranken stünde einer sinkenden Zahl von Beitragszahlern
gegenüber, sagte Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in
Wiesbaden.
Die Zuwanderung konnte das Problem immerhin "abfedern", fügte Dorbritz hinzu.
Tatsächlich blieb dank des so genannten Zuwanderungsüberschusses die
Bevölkerungszahl im Jahr 2002 relativ konstant, wie das Statistische Bundesamt
mitteilte. Rund 219 000 Menschen zogen mehr ins Bundesgebiet als ausreisten,
davon waren 152 000 Ausländer. Unter dem Strich wuchs die Bevölkerung insgesamt
sogar um ,1 Prozent auf rund 82,53 Millionen. "Aber die Frage ist nicht, ob die
Bevölkerung wächst oder schrumpft", erläuterte Dorbritz. Entscheidend sei die
Altersstruktur: Seit 1991 werden in der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr weniger
Kinder geboren, als parallel dazu Alte sterben. Allein 2002 gab es 122 000 mehr
Todesfälle als Geburten.
Nach Ansicht von Martin Werding vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo)
hätten viele in Politik und Gesellschaft noch nicht begriffen, dass diese
Entwicklung nicht mehr zurückzudrehen ist. "Das Schrumpfen der deutschen
Bevölkerung ist längst gesetzmäßig", sagte der Leiter des Bereiches
Sozialpolitik und Arbeitsmarkt der WELT. Wie Dorbritz ist Werding der Meinung,
dass die wirklichen Probleme beginnen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins
Rentenalter kommen - das dürfte zwischen 2025 und 2035 sein.
Ein Ausweg aus der Falle wären mehr Kinder. "Damit die Bevölkerung nicht altert,
bräuchten wir aber 2,1 Kinder pro Frau", hat Dorbritz errechnet. Der
Durchschnitt liegt bei 1,4. Eine Familienpolitik, die den Durchschnitt anheben
würde, sei aber nicht bezahlbar. Werding sieht das anders. "Eine bessere
Familienpolitik bewegt schon etwas - allerdings nur sehr langfristig gesehen."
Skeptisch betrachtet er die Auffassung einiger Bevölkerungsforscher, Zuwanderung
sei der einzig gangbare Ausweg. "Mit mehr Zuwanderung werden die
Finanzierungsprobleme in der Alterssicherung nur minimal reduziert", ist sich
Werding sicher. Deutschland könne sich "seine Zuwanderer nicht
zurechtschnitzen". Eine passgenaue Zuwanderung mit günstiger Altersstruktur und
Geburtenrate sei schlecht steuerbar. Ähnlich denkt auch Dorbritz. Um den
Alterungsprozess zu stoppen, müssten jährlich über eine Million Menschen nach
Deutschland kommen. Eine Größenordnung, die das Land wohl nicht verkraften
könnte, glaubt der Wissenschaftler. Werding hält es daher für ratsam, die
Situation als gegeben hinzunehmen und in der Politik zu überlegen, wie man damit
umgeht.
Anhaltend hoch ist die Abwanderung innerhalb Deutschlands von Ost nach West. Die
Bevölkerungszahl in den neuen Ländern schrumpfte 2002 um ,8 Prozent, während sie
in den alten Ländern - mit Ausnahme des Saarlands - um 0,3 Prozent wuchs. Ohne
Wirtschaftsaufschwung im Osten wird die Abwanderung vor allem junger Menschen in
den Westen nach Ansicht des Bevölkerungsexperten Rembrandt Scholz weitergehen.
Im Westen gäbe es noch immer mehr Jobs und Ausbildungsplätze, sagte der Experte
vom Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock. Da vor allem
junge Menschen abwanderten, beschleunige sich der Bevölkerungsschwund
unweigerlich selbst, sagte Scholz weiter. Fehlten jedoch junge Menschen, gingen
auch die Geburtenzahlen zurück. Ein Teufelskreis ohne Ende. Scholz: "Die erste
Wanderung können Sie steuern, die Folgen nicht mehr."
www.welt.de
16.07.2003
Delitzsch: Wohnungsgenossenschaft reißt in West
alle ihre Häuser weg
Die Delitzscher Wohnungsgenossenschaft zieht sich mit dem Abriss von 150
Wohnungen in Delitzsch-West in diesem Viertel aus der "Platte" total zurück.
Nach dem Abriss der Straße der Freundschaft 4 bis 10 wird in diesem Monat die
Loberaue 30 bis 36 beseitigt. Im August folgt die Monheimer Straße 19 bis 27.
Dort, wo zu DDR-Zeiten vor der Wende noch die letzten WBS 70-Neubauten errichtet
wurden, sorgen künftig Rasenflächen für mehr freie Sicht in West, aber auch
bessere Bilanzen in Vermieterkassen. Ein Überangebot an nicht mehr gefragten
Wohnungen könnte dank 100-prozentiger Landesfördermittel auf diese Weise
abgebaut werden, äußerte sich Anette Pittschaft, Leiterin der Buchhaltung bei
der Wohnungsgenossenschaft, froh. "Die Stadt hat es geschafft, mit einem guten
Entwicklungskonzept für den Städteumbau zu überzeugen. In Rackwitz gibt es
solche Konzepte nicht und damit dort leider keine Förderung."
Auch die Delitzscher Wohnungsgesellschaft nutzt die Abrissförderung zwischen
Securiusstraße und Westumfahrung. Die Wohnungsgenossenschaft bewirtschaftet in
der Stadt über 2000 Wohnungen.
www.lvz-online.de
16.07.2003
Bevölkerung schrumpft am Tag um fast einen Kopf
In Nordvorpommern schrumpft seit einigen Jahren die Bevölkerung. Eine Statistik
vom Einwohnermeldeamt macht deutlich: Es gibt immer weniger Grimmener. 14 242
Leute wohnten 1990 noch in der Kreisstadt, im Juli dieses Jahres sind es nur
noch 10 924. Unterm Strich macht das einen Verlust von rund 255 im Jahr, 21 im
Monat und knapp einem dreiviertel Bürger am Tag. Ähnlich sieht es in den
umliegenden Ämtern und Gemeinden aus. Mit einer Abwanderung von 6,4 Prozent
führt Glewitz die lange Liste an. Insgesamt verließen im vergangenen Jahr 113
Einwohner das Trebeltal. 68 gingen aus Miltzow, 17 aus Kronskamp weg. Einzig die
Gemeinde Süderholz kann mit elf neuen Bürgern auftrumpfen.
Wenig Hoffnung gibt es auch in anderen Teilen Nordvorpommerns. Arbeit ist rar im
Land an der Ostsee. Und auch in der Urlaubssaison sinken die Arbeitslosenzahlen
nur unerheblich. Da suchen gerade junge Leute nach Perspektiven in anderen
Bundesländern. Insgesamt muss der Landkreis so einen Bevölkerungsverlust von 949
Personen – davon 575 Frauen – wegstecken.
Seitens der Kreisverwaltung weiß man aber, dass die schrumpfenden
Bevölkerungszahlen auch auf immer weniger Geburten zurückzuführen sind. 107
Kinder wurden 1990 in Grimmen geboren. Danach rutschten die Zahlen rapide in den
Keller. Absoluter Tiefpunkt war das Jahr 1994 für die Kreisstadt. Damals
erblickten lediglich 48 Babys das Licht der Welt. Und auch geheiratet wird immer
seltener. Gab es 1990 noch 163 Eheschließungen, waren es im Vorjahr nur noch 40.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
15.07.2003
Langenweißbach: Sechsgeschossern geht’s ans
Oberstübchen
Wie eine unüberwindliche Wand, gut 250 Meter lang, schmucklos, wuchtig und alles
andere als in ein Dorfbild passend, so stehen sie in der Landschaft: die
Viergeschosser im Langenbacher Neubaugebiet „An der alten Schäferei“. Ein
Großteil der Wohnungen ist leer, verursacht der kommunalen Wohnungsverwaltungs-
und Sanierungsgesellschaft Langenweißbach (WVS) lediglich Kosten. Das soll sich
in absehbarer Zukunft ändern.
Gemeinderat und WVS-Gesellschafterversammlung gaben in den vergangenen Monaten
grünes Licht für ein Rückbau- und Sanierungsprojekt, das im ländlichen Raum für
Sachsen Pilotcharakter hat. Im Herbst wird mit den Arbeiten am ersten von zwei
Wohnblöcken begonnen. An den Gebäuden „An der alten Schäferei“ 32 bis 39 werden
jeweils zwei Geschosse abgetragen und die verbleibenden Quartiere saniert. Pro
Block verschwinden auf diese Weise 16 nicht mehr benötigte Wohnungen vom Markt.
Die mit der Planung beauftragten Büros stellten jetzt vor rund 70 Zuhörern das
neue Konzept vor. Kleine, schmucke Häuser mit Reihenhauscharakter lösen die
klobigen Blöcke aus den 80ern ab. Damit kommt ausgerechnet die Variante zur
Ausführung, die seinerzeit in der Diskussion um die Machbarkeit aus
Kostengründen beiseite gelegt werden musste. Neue Sonderförderungen ermöglichen
einen „sanften“ Rückbau.
Einer vorläufigen Ermittlung zufolge belaufen sich Gesamtkosten für Abriss und
Sanierung auf insgesamt 1,76 Millionen Euro. Der überwiegende Teil dieser Summe
fließt den Langenweißbachern aus verschiedensten Fördermitteltöpfen zu. Unter
anderem auch vom Amt für Ländliche Neuordnung und der Bundesanstalt für Arbeit.
www.freiepresse.de
15.07.2003
Weimar: Die Platten haben Geburtstag
Aufbruchzeiten, damals vor 25 Jahren: Am 20. Juli 1978 waren die ersten
Baggerschaufeln in die Erde gestoßen worden mit dem Ziel, innerhalb von fünf
Jahren 3700 Wohnungen zu bauen: Einer bis fünf Räume, für jeden Bedarf die
richtige Wohnung. Glücklich sei er gewesen, als seine Ehefrau ihn mit dem
Zuweisungsschein überraschte, erinnert sich Frank Ziegler, damals junger
Familienvater, heute SPD-Stadtrat und Ortsbürgermeister in Weimar-West.
Aufbruchstimmung auch heute: Stadt, Ortschaftsrat und Städtebauförderung konnten
sie ankurbeln, und so war gestern die sogenannte Fußgängerachse eröffnet worden,
jener Platz am Bürgerzentrum zwischen den Elfgeschossern der Prager und der
Warschauer Straße. Bäume und Sträucher geben ihm ein freundliches Gesicht,
treppenfreie Wege und ebene Gehwegplatten machen ihn nutzbar sowohl für
Rollstuhlfahrer wie auch für Kinder mit Tretrollern und dergleichen. Es ist
dieses Projekt beispielhaft für die Beteiligung Behinderter an der Bauplanung.
Betroffene aus der AG "Menschen mit Handicap" waren es, die bei der Umgestaltung
der Fläche wertvolle Verbesserungsvorschläge machen konnten. Die hätten Wirkung
gezeigt, lobt Sylvia Engel, eine junge Frau im Rollstuhl. Mit der Einweihung des
Platzes begann gestern die Festwoche zum 25. Jahrestag der Platte in
Weimar-West.
Es lebt noch ein Zehntel der Weimarer Stadtbevölkerung in der Siedlung jenseits
des Wimariastadions. Die halbe Million Euro, die Bund, Land und Stadt in die
"Wohnumfeldverbesserung" gesteckt haben, sind also gut angelegtes Geld, gab der
Oberbürgermeister gestern zu verstehen.
"Wir haben Prioritäten gesetzt", erklärte Volkhardt Germer - und ein Phänomen
abgewendet, an dem bereits das Projekt "Soziale Stadt" arbeitet: die Abwanderung
junger Generationen aus der Platte. Es seien, sagt Germer, die geblieben, die
vor einem Vierteljahrhundert hier einzogen. Die Platte für deren Kinder und
Enkel attraktiv zu machen, bleibe als große Aufgabe bestehen, so der OB.
www.tlz.de
12.07.2003
Crimmitschau: Riskantes Wohnen neben zerfallendem
Gebäude
Das große Eckgebäude an der Leipziger Straße – es hat die Hausnummer
Gutenbergstraße 14 – steht schon so lange leer, dass bereits kleine Bäume aus
Fensteröffnungen und Dachrinnen wachsen. Putz- , Ziegel- und Blechteile fallen
in regelmäßigen Abständen von der Ruine ab. In der Vergangenheit gefährdete dies
so manchen Passanten und parkende Autos wurden beschädigt. Jetzt gebietet
wenigstens ein Bauzaun, Abstand zu halten.
Doch die einen geradezu jämmerlichen Eindruck hinterlassende Wohn-und
Geschäftshausruine an einer der Hauptdurchfahrtsstraße der Stadt wird wohl noch
einige Zeit Stein des Anstoßes bleiben. Denn: „Freie Presse“ fragte beim
Eigentümer der Immobilie – Strasskirchener Immobilien-, Marketing- und
Vermögenstreuhandgesellschaft (Freistaat Bayern) – nach, was aus dem Schandfleck
und Sicherheitsrisiko werden soll und erfuhr nur wenig Tröstliches.
Geschäftsführer Josef Doblinger sagte, dass das Gebäude nun nicht mehr zu
sanieren sei und folglich nur noch der Abriss übrig bleiben würde. Dafür bekäme
er jedoch keinen Kredit. Das Abreißen verursache immerhin Kosten in Höhe von
etwa 27.000 Euro.
Dies alles ist für Angelika Strauß nur ein winziger Hoffnungsschimmer. Solche
oder ähnliche Antworten hat sich nämlich von Josef Doblinger schon öfter gehört,
ohne dass sich etwas änderte. Sie wandte sich deshalb an die Redaktion und
berichtete: Wir bewohnen seit 20 Jahren das Nachbargebäude in der
Gutenbergstraße 12, ein mit viel Geld saniertes Reihenhaus. Das Eckgebäude
Gutenbergstraße 14 war schon immer Stein des Anstoßes und das änderte sich auch
nicht, nachdem die Strasskirchener Gesellschaft dieses Objekt gekauft hatte.
Angelika Strauß weiter: „Seit Jahren stehen wir im Schriftverkehr mit besagter
Firma, aber immer wieder heißt es, wir haben kein Geld für den Abriss. Dass er
dringend notwendig ist wissen die Stadt und auch der Eigentümer. Aber es wird
nichts unternommen. Täglich fallen auf die Straße und unser Haus – das Dach
wurde 2002 neu gedeckt – Fassadenteile.“
Und: Nach jahrelangem Schriftverkehr mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde und dem
städtischen Ordnungsamt sei nun eine Absperrverfügung an den Eigentümer
gegangen. Daher besagter Bauzaun.
Angelika Strauß abschließend: „Ansonsten seien der Kommune, so sagte man uns,
die Hände gebunden, man könne nichts weiter tun. Beschädigen abstürzende Teile
unser Haus, so müssen wir das zivilrechtlich klären und uns einen Anwalt
nehmen.“
www.freiepresse.de
12.07.2003
Erschreckender Strukturwandel in der Mark Brandenburg
Der sogenannte Speckgürtel um Berlin besteht nach Ansicht von Ulf Matthiesen nur
aus »einigen Speckwürfeln mit viel märkischem Sand dazwischen«. Zwar gebe es
Gemeinden wie Falkensee oder Kleinmachnow, die sich schnell entwickelten, sagte
der Wissenschaftler vom Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung
Erkner (IRS) am Freitag in Potsdam. Andere Orte und Regionen dagegen hätten mit
ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die in den Berlin-fernen Regionen.
Die »Disparitäten zwischen den Gewinner- und Verliererräumen« werden sich nach
Auffassung von Matthiesen in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Angesichts
des Strukturwandels seien realistische Bestandsaufnahmen nötig. Häufig würden
dazu noch »besänftigende Formeln« verwandt. Doch bereits in den vergangenen
Jahren sei die Politik von falschen Prognosen ausgegangen. Jetzt seien völlig
neue Konzepte erforderlich.
Die größten Probleme haben Matthiesen zufolge nicht die rein ländlich geprägten
Gebiete der Mark, sondern die »industrialisierten Mittelstädte«. Ursachen sieht
der Wissenschaftler unter anderem in der Politik zu DDR-Zeiten. Diese habe
damals die Strukturdifferenzen zwischen Stadt und Land aufheben wollen und
deshalb die Industrialisierung kleiner und mittlerer Städte vorangetrieben.
Dabei seien unter anderem in Schwedt (Oder), Guben und Eisenhüttenstadt
Monostrukturen geschaffen worden. Diese Strukturen kollabierten jetzt. Gegen
diese »brutale Bereinigung« scheine kein Kraut gewachsen. Sie wirke sich in
verheerenden Wegzugsraten aus. Die Einwohnerzahl werde sich in den betroffenen
Städten bis 2020 halbieren. Zugleich überlagerten sich verschiedene negative
Dynamiken: Die Arbeitslosigkeit steigt, und es ziehen immer mehr junge, gut
ausgebildete Menschen weg.
Zurück blieben »nicht immer die Hellsten«, betonte Matthiesen. Kraß ausgedrückt,
ergebe sich ein Bild, wonach die Städte in den Randregionen hauptsächlich von
»arbeitslosen Stadtdeppen« bevölkert würden. Zumal es schon jetzt einen »Frauenunterschuß«
von 20 Prozent und damit auch kaum Chancen auf nachwachsende Generationen gebe.
Um aus dieser »Schrumpfungskrise« herauszukommen, müsse die Politik Schwerpunkte
setzen. Wenn das Land nicht »verblöden« solle, müsse in Bildung, Ausbildung und
Wissenschaft investiert werden. Daraus könnten sich neue wirtschaftliche
Potentiale entwickeln. Auch die Kultur sei von großer Bedeutung. Künftig müßten
kulturelle Leuchttürme ebenso vorhanden sein wie eine Alltagskultur. Kultur
müsse als regionaler Entwicklungsfaktor begriffen werden. Insofern kritisierte
Matthiesen die Entscheidung der Bundesregierung, die Kulturförderung der
ostdeutschen Länder aufzugeben.
Weitere Reserven sieht Matthiesen in der Entwicklung des Tourismus. Es müßten
mehr Attraktionen geschaffen werden. In diesem Zusammenhang konstatierte der
Wissenschaftler auch Nachholbedarf bei der gastronomischen Versorgung. Bislang
gebe es nur »Inseln im Meer von Soljanka«.
IRS-Referatsleiter Manfred Kühn sprach sich für eine stärkere Verzahnung der
Politikressorts aus. Das Stadtumbau-Programm des Bauministeriums beispielsweise
könne nicht allein die Strukturprobleme lösen. Dazu seien enge Abstimmungen
unter anderem mit dem Wirtschaftsministerium nötig. Die noch vorhandenen
Fördermittel müßten zudem »gezielt in wenigen, aber Erfolg versprechenden
städtischen Zentren« gebündelt werden. Dem »Gießkannenprinzip« erteilte Kühn
dagegen ein Absage.
Nach Ansicht von Matthiesen sprechen sowohl der Wegzug aus den Randregionen und
der Zuzug im Speckgürtel für eine Fusion Brandenburgs mit Berlin. Die
Wanderungsbewegung bezeichnet der Wissenschaftler als »Abstimmung mit den
Füßen«. Es könne so interpretiert werden, daß Brandenburg bald nicht mehr als
»allein operierendes Flächenland« bestehe und auf die Metropole Berlin
angewiesen sei.
www.welt.de
10.07.2003
Lobenstein: AWG schreibt seit dem Jahr 2000 wieder
schwarze Zahlen
Trotz zunehmender Schwierigkeiten auf dem Wohnraumsektor in Thüringen schreibe
die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft eG (AWG) in Lobenstein seit dem Jahr 2000
wieder schwarze Zahlen. Das betonte der Geschäftsführende Vorstand der AWG Rolf
Dreßler unlängst zur ordentlichen Mitgliederversammlung im Neuen Schloss
Lobenstein.
Im vorigen Jahr sei ein weiteres Anwachsen des Leerstandes verhindert worden,
obwohl sich der Wohnungsbestand infolge des Neubaus in Lehesten vergrößert habe.
Gegenwärtig stünden in der AWG 75 Wohnungen leer, davon in Lobenstein 36, in
Blankenstein 28, in Harra 7 und in Wurzbach 4. Dem gegenüber seien in
Blankenberg, Oßla und Lehesten alle Wohnungen belegt. An den Abriss von Wohnraum
wird in der AWG nicht gedacht. "Allerdings laufen zurzeit Verhandlungen mit der
Stadtverwaltung Lobenstein über die Vorbereitung des Abbruchs des Wohnblocks mit
24 Wohnungen im Rosenweg, ehemals Feingusswerk- Block. Der Block ist Eigentum
der Stadt. Wir haben Interesse am Erwerb der Fläche und könnten dort ein
Parkhaus bauen", teilt Rolf Dreßler den anwesenden Mitgliedern mit.
Verstärkte Anstrengungen habe man im vorigen Jahr unternommen, um Wohnungen noch
mehr den Wünschen der Nutzer anzupassen. "Nach Sanierung aller Wohnungen 1997
werden seit 2002 verstärkt Eigenmittel eingesetzt und somit die Attraktivität
der Wohnungen verbessert. Das führte zur Erhöhung der Instandhaltungskosten.
Lagen diese von 1996 bis 1999 bei unter 60 000 Euro, so stiegen sie im Jahr 2002
auf mehr als 236 000 Euro an. Das zeigt, wenn es der Genossenschaft gut geht,
können diese Leistungen, die nicht zu den Pflichtaufgaben eines Vermieters
zählen, realisiert werden", führt Rolf Dreßler in seinem Bericht aus. Seit
Januar dieses Jahres verwaltet die AWG auch 27 Eigentumswohnungen im
Franz-Höhne-Weg in Lobenstein.
Dreßler wies aber auch darauf hin, dass die Entwicklung des Leerstandes den
Spielraum für eine weitere Verbesserung der Wohnverhältnisse und des
Wohnumfeldes beeinflusse. Das Anlagenvermögen der Genossenschaft habe einen Wert
von mehr als 20 Millionen Euro, und das Geschäftsguthaben der Mitglieder sei
nach Rückgängen in den Vorjahren im Jahr 2002 um 2,5 Prozent auf 689 598 Euro
gestiegen.
Kredite wurden im vorigen Jahr keine aufgenommen. Rolf Dreßler beklagte aber,
dass für die Gestaltung des Wohnumfeldes 2002 beantragte Fördermittel nicht
genehmigt wurden.
www.otz.de
10.07.2003
Prenzlau: Unbequeme Wahrheiten für Kreisstadt
Wohnungsunternehmen, Verwaltung und Politik werden in der uckermärkischen
Kreisstadt vor eine große Herausforderung gestellt. Über das Jahr 2020 hinaus
sagt eine Studie des Landesumweltamtes einen nahezu "ungebremsten" Rückgang der
Einwohnerzahlen voraus. Wurden im Jahr 2002 noch 21 972 Prenzlauer gezählt,
werden es nach einem "Negativszenario" 2020 noch 19 283, im Jahr 2040 sogar nur
noch 13 068 sein. Christine Preuß von der Potsdamer Domus Consult
Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbH sprach am Mittwochabend im Fachausschuss
weitere wohnungswirtschaftliche und wohnungspolitische Tendenzen in der Stadt
Prenzlau an. Die Überalterung der Prenzlauer wird zu einer Verringerung der
durchschnittlichen Haushaltsgrößen (mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte)
führen. Bis zum Jahr 2015 werden demnach in der Kreisstadt mit den dazugehörigen
Ortsteilen 470 Haushalte weniger benötigt. Gegenwärtig liegt die Zahl der
Haushalte bei 10 505. Im negativsten Fall würde das im Jahr 2015 bedeuten, dass
es in Prenzlau und dazugehörigen Ortsteilen einen Überhang von insgesamt 1766
Wohnungen auf dem Markt gibt, im "Positivszenario" wären es "nur" 710.
Allein im Ortsteil Dedelow, in dem sich zahlreiche "Plattenbauten" befinden,
wird im Jahr 2015 ein Leerstand von 42,4 Prozent vorausgesagt.
Bei diesen Angaben, so Christine Preuß, sind bereits Neubauten gegengerechnet,
die notwendig sind, um dem tatsächlichen Bedarf auf dem Wohnungsmarkt Rechnung
zu tragen. Gegenwärtig stehen bereits 1271 der insgesamt 11 776 Wohnungen in der
uckermärkischen Kreisstadt leer, was einem Durchschnitt von 10,8 Prozent
entspricht. Besonders betroffen sind davon Wohnungen im Bestand des
Bundesvermögensamtes und unsanierte Altbauwohnungen, überwiegend im privaten
Eigentum.
Vor diesem Hintergund müssten bisher geplante Baulandausweisungen, die
Umstrukturierung der Innenstadt, der Um- und Rückbau des Wohnungsbestandes und
die Entwicklung des ländlichen Raumes neu durchdacht werden, stellte Juliane
Schonauer aus dem Berliner Städtebau-Büro "Machleidt + Partner" bei der
Vorstellung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes heraus. Schon heute gebe
es Probleme bei der Vermietung frei finanzierter Mietwohnungen im
Geschosswohnungsbau, was ebenfalls auf Eigentumswohnungen zutreffe. Während es
bei der Vermietung sanierter Altbauwohnungen in guter Lage so gut wie keine
Schwierigkeiten gibt, sei ein zunehmender Nachfragerückgang bei industriell
gefertigten Wohngebäuden zu erkennen. Gering sei gegenwärtig auch die Nachfrage
nach Eigenheimstandorten. Um die bauliche Entwicklung in eine zukunftsfähige
Richtung zu steuern, empfiehlt das von Juliane Schonauer erläuterte Konzept im
Wesentlichen die Konzentration auf das innere Stadtgebiet. So bestehe die
Chance, auch bei einem weiteren Rückgang der Bevölkerung "eine stabile und
stadtwirtschaftlich tragfähige Siedlungsgröße zu halten." Vize-Bürgermeister
Helaman Krause (parteilos) bewertete beide Konzeptentwürfe als "sehr gescheite
Papiere mit einer Reihe von unbequemen Wahrheiten für die Stadt Prenzlau".
Dennoch sollten diese jetzt nicht Mutlosigkeit und Pessimismus auslösen: "Es
gilt in intensiven Gesprächen tragfähige Lösungsmöglichkeiten zu finden, die
Zukunft Prenzlaus mit Optimismus und Waghalsigkeit anzugehen." In den Fokus
rückte Krause dabei die überfällige Entwicklung einer attraktiven Innenstadt,
die Voraussetzung für ein florierendes Geschäftsleben sei: "Es wird niemand nach
Prenzlau kommen, weil wir teuer entwickelte Neubaugebiete zu fabelhaften
Mietpreisen haben."
Nachhaltigkeit statt Kurzatmigkeit seien nicht zuletzt bei Entscheidungen der
Kommunalpolitik gefragt: "Die Zeiten sind vorbei, zu jeder Förderung
bedingungslos Ja zu sagen. Prenzlaus Zukunft liegt in der Entwicklung des
Zentrums und der Komprimierung der Stadt. Wenn wir diese Haltung beziehen, die
finanziellen Möglichkeiten bündeln, können wir Schritt für Schritt etwas
bewegen."
www.nordkurier.de
10.07.2003
Leerstand im Osten nimmt kaum ab
In Ostdeutschland sollen in diesem Jahr 34 000 Wohnungen abgerissen werden. Die
Leerstände steigen weiter. Auch im Westen soll nun ein Programm zum Stadtumbau
aufgelegt werden, das die Regierung aus der Streichung der geplanten
Eigenheimzulage finanzieren will. Aus Sicht des Bundesverbands deutscher
Wohnungsunternehmen (GdW), der mit 3200 Mitgliedern mächtigsten
Branchenvertretung, gibt es vor allem in den neuen Ländern noch große Probleme.
Bei den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen standen zum
Jahreswechsel 406 000 Immobilien leer, insgesamt sind es in Ostdeutschland rund
1,3 Millionen. Die Leerstandsquote kletterte von 15,5 auf 16,2 Prozent, im
Westen liegt sie bei nur drei Prozent. "Der Stadtumbau Ost muss daher als einer
der wichtigsten Bestandteile des Aufbaus Ost oberste Priorität haben", fordert
GdW-Präsident Lutz Freitag. Ohne Abrisse läge die Leerstandsquote bei 18
Prozent. Pro Jahr fließen laut GdW 160 Millionen Euro öffentliche Mittel in den
Stadtumbau.
Bisher allerdings kommt die Marktbereinigung nur schleppend voran. Voriges Jahr
wurden statt geplanter 45 000 nur etwa 15 000 Wohnungen zumeist in
Plattenbaubezirken dem Erdboden gleich gemacht. Bis 2009 sollen insgesamt rund
350 000 Quartiere der Abrissbirne zum Opfer fallen. Allein seit dem Start des
Programms vor zweieinhalb Jahren sei jedoch genau diese Zahl an Wohnungen in
Ostdeutschland neu errichtet worden, kritisiert Freitag.
Zunehmend geraten ostdeutsche Wohnungsfirmen dadurch in die Existenzkrise. Die
Mietausfälle wegen Leerstands veranschlagt der Verband allein im Osten
inzwischen auf 920 Millionen Euro pro Jahr, bundesweit auf 1,5 Milliarden Euro.
Hinzu kommen die Altschulden aus DDR-Zeiten, die auf dem Wohnungsbestand liegen.
Aus Steuergeldern wurden zwar 658 Millionen Euro zur Entlastung bereit gestellt.
Die Finanztöpfe seien mit den bisher 137 Anträgen, von denen bislang 46
genehmigt wurden, aber bereits ausgeschöpft, klagt Freitag. "Oberstes Ziel der
Wohnungspolitik" müsse es daher sein, sämtliche leer stehende und zum Abriss
bestimmte Immobilien von den Altschulden zu entlasten, verlangt der Lobbyist.
Bei den Wohnungsinvestitionen erwartet der GdW mittelfristig einen weiteren
Rückgang. Die Belebung im Eigenheimbau sei nur ein Strohfeuer, weil wegen der
Streichung der Subvention Bauherren ihre Pläne früher verwirklichten. Die
GdW-Mitglieder investierten im vorigen Jahr 9,3 Milliarden Euro und damit fast
13 Prozent weniger als 2001.
www.fr-aktuell.de
10.07.2003
Nicht mal der Abriss klappt
Beim Stadtumbau Ost wurden bislang 90 000 weniger Wohnungen abgerissen als
geplant. Das beanstandete gestern Lutz Freitag, Präsident des Bundesverbandes
der deutschen Wohnungsunternehmen, als mangelnde Dynamik. Bis 2009 sollen in
Ostdeutschland 350 000 Wohnungen verschwinden, bisher wurden 50 000 geschafft,
was die steil ansteigende Leerstandskurve nur ein wenig abschwächen konnte.
Gegenwärtig haben 16,2 Prozent aller Wohnungen im Osten keinen Mieter. Im Westen
Deutschlands liegt diese Quote stabil bei etwa drei Prozent.
Die Leerstandskosten in Ostdeutschland summierten sich Ende 2002 auf 628
Millionen Euro, 1548 pro Wohnung. Der Verbandschef fordert einen Erlass der
Altschulden wenigstens für beseitigte Gebäude. Die vom Bund zur Verfügung
stehenden 658 Millionen Euro seien weitgehend ausgeschöpft. Hier müsse ebenso
eine Lösung geschaffen werden wie bei der Reform der Gewerbesteuer. Die würde im
Osten zur "Insolvenzfördersteuer", weil Wohnungsunternehmen trotz fehlenden
Gewinns horrende Abgaben leisten müssten.
Auch die geplante Abschaffung der Eigenheimzulage hätte für den Osten
gravierende Folgen, obwohl diese für einen spürbaren Vorzieheffekt sorgt. Die
Zahl der Baugenehmigungen stieg für Ein- und Zweifamilienhäuser im I. Quartal um
etwa fünfzig Prozent. Dies sei ein Strohfeuer ohne nachhaltige Wirkung auf Bau-
und Wohnungswirtschaft. Zudem hätten die Wohnungsfirmen 2002 etwa 800 Million
Euro oder ein Viertel weniger als im Vorjahr in ihren Bestand investiert.
www.thueringer-allgemeine.de
09.07.2003
Hannover: GBH-Chef will Häuser abreißen lassen
Es ist nicht die beste Adresse der GBH: Über ein Drittel der Hochhauswohnungen
stehen leer, und es ist wie überall in diesen Siedlungen: Wo Menschen in
Wohnungen übereinandergestapelt werden, kommt es meist zu zwischenmenschlichen
Problemen. Wo sich Bewohner kaum verantwortlich fühlen, verkommen Treppenhäuser,
Fahrstühle, Eingänge und Keller. Straßenzüge drohen zu verwahrlosen, Versuche
scheiterten, Wohnungen an Mieter zu verkaufen, sanieren käme teuer.
Cordes will diesen Prozess jetzt stoppen und ins Gegenteil verkehren. Noch ist
offen, mit welchen Mitteln – aber zum ersten Mal spricht ein Geschäftsführer der
GBH davon, Wohnblöcke im Roderbruch vielleicht abzureißen oder Stockwerke zu
demontieren. In der Sprache des Wohnungsexperten Cordes heißt das, „Bauformen zu
verändern, die unangemessen sind für Mieter mit sozialen Problemen“. Statt
Hochhäuser könnte es Reihenhäuser geben, wie es in Klingenthal nach dem Abriss
der Wohntürme in 2004 geplant ist.
Die GBH will aus dem Roderbruch ein Viertel machen, das sich der guten Umgebung
anpasst. Auffallend viele leerstehende Wohnungen stören da, weshalb sich Cordes
vorstellen kann, sie „stillzulegen, um sie als günstige Büroflächen an
Kleinunternehmen zu vermieten.“ In der Theorie gibt es viele Varianten, aber
nach Ansicht des neuen Geschäftsführers muss dringend etwas passieren, denn:
„Wohnungen wie im Roderbruch sind nicht mehr zu füllen.“
Die GBH hat sich nun beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen
um die Beteiligung an einem Pilotprojekt beworben. Zwei Millionen Euro kostet
eine Vorstudie, die Alternativen im Gross-Buchholzer Wohnviertel prüfen würde,
Bund und Land sollen je 800.000 Euro übernehmen und wegen der Bedeutung des
Vorhabens würde sogar Kämmerer Stephan Weil 400.000 Euro bereit stellen. Berlin
will untersuchen, wie sozialem und wirtschaftlichem Wandel mit „Stadtumbau“
begegnet werden kann. Eine Lösung für den Roderbruch lehnt Cordes jedoch auch
ohne Studie ab: ganze Blöcke billig zu verkaufen. „Der Eigentümer vermietet dann
jahrelang günstig, kümmert sich um nichts und hinterlässt der Stadt ungelöste
soziale Probleme.“
www.haz.de
09.07.2003
Greiz: Arbeitsgruppe "Stadtumbau" am Montag
konstituiert
Am Montagnachmittag konstituierte sich im Greizer Rathaus eine Arbeitsgruppe
"Stadtumbau" unter Regie des Stadtbauamtes. Ihr gehören an die
Wohnungsgesellschaften, die Fraktionen, Vertreter der Privateigentümer, der
Makler, der Kirche, des Denkmalschutzes und des Innenministeriums.
Der Sitzung am Montag ging voraus am 25. Juni eine Diskussion in der
Stadtratssitzung zum Greizer Stadtentwicklungskonzept. Angesichts der noch
vorhandenen offenen Fragen hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Jatho die
Gründung genannter Arbeitsgruppe gefordert, in der das Konzept der
Stadtentwicklung weiter bearbeitet werden sollte.
In der konstituierenden Sitzung erteilte Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann dem
in Dresden ansässigen Dipl-Ing, Architekt und Planer Hermann Sträb das Wort, der
am Entwurf des Stadtentwicklungskonzeptes für die Kreisstadt großen Anteil
hatte. Er begrüßte die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Stadtentwicklung. Trotz
einiger Schwierigkeiten habe seiner Ansicht nach Greiz einen vergleichsweise
hohen Standard bei der Ausarbeitung des Stadtentwicklungsplanes erreicht.
Ihm legten die Fraktionsvorsitzenden nochmals ihre Standpunkte dar. Harald Jatho
wollte u. a. konkretere Ausführungen, was mit den Flächen geschehe, auf denen
die Häuser abgerissen wurden, Reiner Vogel (PDS) monierte, dass in die bisherige
Ausarbeitung zu wenig Bürger einbezogen bzw. deren Hinweise zu wenig
berücksichtigt wurden. Jürgen Frantz (CDU) unterstrich, dass für die
Überarbeitung des Konzeptes nicht allzu viel Zeit vergehen sollte und setzte
sich dafür ein, aus diesem Thema keinen Wahlkampf zu machen. Jens Geißler (IWA)
verlangte u. a. mit in die Konzeption aufzunehmen, wie die
Wohnungsmarkt-Schwierigkeiten in Greiz bewältigt werden sollen mit konkreten
Festlegungen. Der Bürgermeister entgegnete dem PDS-Fraktionschef, dass es zur
Entwicklungskonzeption bereits sechs Bürgerversammlungen gegeben habe.
www.otz.de
08.07.2003
Die schrumpfende Stadt
"Die Platte wird platt gemacht." So lautete die saloppe Formulierung, unter der
der komplette Umbau vieler Städte in der ehemaligen DDR ab Ende der 90er-Jahre
zusammengefasst wurde: Tief greifende Strukturveränderungen, rückläufige
Bevölkerungszahlen und verstärkte Stadt-Umland-Wanderungen hatten vielerorts zu
enormen Leerständen geführt, insbesondere in den Plattenbausiedlungen, von denen
daraufhin einige großflächig abgerissen wurden und werden.
Aber auch im Westen der Republik werden Anzeichen eines langfristigen Wandels
der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur deutlich. Verluste an Unternehmen,
Arbeitsplätzen und Einwohnern stellen viele Kommunen ebenfalls vor die
Herausforderung, Konzepte für die schrumpfende Stadt zu entwickeln. Die
Bundesregierung hat dazu Anfang des Jahres im Rahmen des Forschungsprogramms
Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) das Forschungsfeld "Stadtumbau
West" initiiert. Pilotvorhaben in elf Projektstädten sollen klären helfen, wie
den negativen Entwicklungen in nicht mehr durch Wachstum geprägten Stadtregionen
entgegengewirkt werden kann. 15 Millionen Euro Bundesmittel stehen dazu zur
Verfügung, die von den Gemeinden bzw. Ländern kofinanziert werden müssen.
Beteiligt sind die Städte Albstadt, Bremen, Bremerhaven, Lübeck,
Oer-Erkenschwick, Pirmasens, Salzgitter, Selb, Völklingen, Wildflecken und
Wilhelmshaven.
"
www.taz.de
08.07.2003
Weniger Wohnungen
Der hohe Wohnungsleerstand in Thüringen hat Konsequenzen. Im vergangenen Jahr
wurden im Freistaat mehr als 6000 Wohnungen abgerissen, berichtete das
Statistische Landesamt. Insgesamt wurden durch Abriss, Zusammenlegung sowie
gewerbliche Nutzung 6292 Wohnungen mit einer Fläche von 361 900 Quadratmetern
vom Markt genommen. Das waren erstmals 153 Wohnungen mehr als neu gebaut wurden.
Es war gleichzeitig die deutlichste Marktbereinigung innerhalb eines Jahres seit
1991. Insgesamt fielen im vergangenen Jahr 674 komplette Wohngebäude, darunter
viele Plattenbaublocks, der Abrissbirne zum Opfer. Nur knapp ein Viertel wurde
für Neubauvorhaben abgerissen.
Die steigende Zahl hängt mit dem Programm "Stadtumbau Ost" zusammen, mit dem
versucht wird, die Zahl der leer stehenden Wohnungen zu verringern. Das für
Wohnungs- und Städtebau zuständige Innenministerium rechnet in diesem Jahr mit
dem Abriss von bis zu 7000 Wohnungen im Freistaat. Bund und Land stellen dafür
allein 2003 etwa 24 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zum Ende des Jahrzehnts
sollen noch mehr als 40 000 Wohnungen abgerissen werden.
www.tlz.de
08.07.2003
Finanznot bremst Stadtumbau Ost
Bis 2009 erhält Mecklenburg-Vorpommern rund 311 Millionen Euro aus dem
Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“. 2002 ist das Rückbauprogramm laut
Landesbauministerium zügig realisiert worden. 31 Fördergebiete in 25 Kommunen
mit insgesamt 5100 Wohnungen bekamen Mittel aus dem Fördertopf Stadtumbau Ost.
Bundesweit wurde 2002 der Abriss von rund 45 000 Wohnungen gefördert. 197
Gemeinden sind in das Stadtumbauprogramm aufgenommen worden. „Die Anträge
konnten in voller Höhe und innerhalb weniger Wochen bewilligt werden“, sagte
Michael Gäbert vom Schweriner Bauministerium.
Trotzdem auch in diesem Jahr die Nachfrage im Land groß ist, stockt der
Mittelfluss. „Länder wie Nordrhein-Westfalen und Bayern zögern ihre Unterschrift
unter die Verwaltungsvereinbarung hinaus. Es gibt Unmut darüber, dass soviel
Geld in den Osten fließt“, erklärt Gäbert. Er hofft auf eine gütliche Einigung
bis Ende Juli. Allein für den Rückbau von leer stehenden Wohnungen stehen
landesweit 117 Millionen Euro zur Verfügung. „Hier ist das Interesse bislang am
größten“, so Gäbert.
Der Städte- und Gemeindetag schätzt das Programm weniger positiv ein. „Für
einzelne Kommunen kommt es in Frage. Generell ist das aber nicht der richtige
Weg. Der Stadtumbau Ost hilft im Zweifel auch nur den Kommunen, die noch Geld
haben. Und das sind bekanntlich wenige im Land“, kritisiert Michael Thomalla vom
Städte- und Gemeindetag M-V.
Sigfried Wieland vom Stadtplanungsamt Greifswald hält das Programm dagegen für
ein wichtiges Förderinstrument zur Aufwertung von Stadtquartieren. Die
Hansestadt hat für den Rückbau von knapp 500 Wohnungen Zuschüsse in Höhe von 1,6
Millionen Euro beantragt.
Auch in Wismar wird ungeduldig auf die Bewilligung der Fördermittel gewartet.
„Wir sind mit der Förderpraxis nicht einverstanden. Die Antragsbearbeitung läuft
schleppend“, kritisiert Michael Berkhahn (CDU), Senator für Bauwesen und
kommunale Betriebe. Für 2003 beantragte die Kommune aus dem Programm Gelder in
Höhe von insgesamt acht Millionen Euro.
Die Boddenstadt Ribnitz-Damgarten hat hingegen keine Fördermittel aus dem
Programm abgerufen. „Bei uns ist Wohnungsleerstand noch kein großes Problem“,
erklärt Heiko Werth vom Ribnitzer Stadtplanungsamt
www.ostsee-zeitung.de
08.07.2003
Torgau: Wohnungsabriss ist unumgänglich
Unter Berücksichtigung der schwieriger gewordenen Marktlage steht auch die
Torgauer Wohnstätten GmbH vor einer großen Herausforderung. Ein in den letzten
Jahren wachsender Wohnungsleerstand bei gleichzeitigem Rückgang der
Bevölkerungszahl zwingen zum Handeln.
"Die wirtschaftliche Lage und die hohe Arbeitslosigkeit führen zu einer
verstärkten Abwanderung, vor allem von jungen Leuten", nannte Andreas Huth,
Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten GmbH, einen wesentlichen Grund für die
Misere. Im Rahmen der integrierten Stadtentwicklung wurde gemeinsam mit der
Stadtverwaltung daher ein Konzept abgestimmt.
Das sieht in den Jahren bis einschließlich 2007 den Rückbau (Abriss) von
insgesamt 470 Wohnungen vor. Bei einem derzeitigen Bestand der Gesellschaft von
3523 Wohnungen ist das schon eine beachtliche Zahl. Noch in diesem Jahr geht man
an die Umsetzung. 61 Wohnungen, die bereits ohne Mieter sind, sollen rückgebaut
werden. Das sind konkret die Objekte "Am Fort Zinna" 9/10, die Dommitzscher
Straße 45 a/b/c, das Hinterhaus in der Dommitzscher Straße 23 und möglicherweise
das Haus Dorfstraße 14 in Graditz.
Im kommenden Jahr stehen zwei Wohnblöcke im Strandbadweg (109-115 und 117-123)
zur Disposition. "Die weiteren Entscheidungen wird die Zeit bringen. Wir wollen
in Jahresscheiben vorgehen", so Huth. Voraussetzung für die Realisierung des
Konzeptes ist jedoch die Bereitstellung entsprechender Fördermittel. Über das
Programm "Stadtumbau Ost" wäre dies möglich. Die Stadt hat auch die
erforderlichen Anträge gestellt. Da in Sachsen eine Haushaltssperre verhängt
wurde, ist wieder völlig offen, ob ausreichend Kassenmittel durch die SAB
bereitgestellt werden können.
Nach dem jeweiligen Abriss werden zunächst Grünflächen entstehen. Eine spätere
Bebaubarkeit ist nicht ausgeschlossen.
www.hier-leben.de
07.07.2003
Bauminister entdeckt den Stadtumbau
Bundesbauminister Manfred Stolpe will den Stadtumbau Ost zu einem
Schwerpunktthema seiner Politik machen. Offenbar in Reaktion auf Kritiker, die
über schleppende Fortschritte und Anlaufprobleme des Stadtumbauprogramms der
Bundesregierung angesichts von 1,3 Mio. leerstehenden Wohnungen in den neuen
Ländern klagen, sicherte Stolpe jetzt zu: "Ich werde sorgfältig prüfen, ob es
Hemmnisse gibt. Mit den erreichten Verbesserungen gebe ich mich nicht zufrieden.
In den nächsten Tagen will ich mir deshalb selbst ein Bild machen und mehrere
Städte besuchen."
Auf dem Terminkalender für Juli stehen Stippvisiten in Zwickau und Döbeln in
Sachsen, Guben an der polnischen Grenze, Wismar in Mecklenburg sowie der Süden
Thüringens. Problemfälle wie Wittenberge, wo Teile der Altstadt abgerissen
werden, weil vorschnell Plattenbauten saniert wurden, gehören nicht zum
Reiseprogramm. Dagegen ließ es sich der Minister nicht nehmen, zum Auftakt der
Städtetournee seine Aufwartung in Halle/Saale zu machen, der Stadt mit dem
größten Bestand an Plattenbauten nach Berlin.
Als theoretisches Rüstzeug führt Stolpe die Ergebnisse eines Workshops im
Bundesbauministerium am 1. Juli im Gepäck. Dort seien Verbesserungen des
Stadtumbau-Instrumentariums durch die Verwaltungsvereinbarung 2003, die
Verankerung des Stadtumbaus im Haushalt 2004 sowie die Ergebnisse der Auswertung
von 270 Stadtentwicklungskonzepten erörtert worden, die die Kommunen 2002 im
Rahmen eines Wettbewerbs zum Stadtumbau Ost erarbeitet haben, referierte der
Minister vor den Zuhörern in Halle. Auf die Problematik des Stadtumbaus West,
der angesichts des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs allein im Ruhrgebiet
um eine Million Menschen ebenfalls bereits in greifbare Nähe rückt, ging er
dagegen nicht ein. Ebenso sparte er auch diesmal raumordnungspolitische und
planungstheoretische Überlegungen aus.
Die Hallenser als erste Gastgeber der Stadtumbautournee durften sich im
Wohlwollen des Ministers sonnen. Ihren (eher noch zaghaften) Stadtumbaumaßnahmen
zollte er Lob. Mit dem Abriss von 900 Wohnungen in Halle-Neustadt und Silberhöhe
(Gesamtbestand an Plattenbauwohnungen in beiden Stadtteilen: 66 000) sei "ein
erster Schritt zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes" getan. Besondere
Anerkennung verdiene, dass der Stadtumbau in Halle mit einer massiven Aufwertung
der Innenstadt einhergehe.
www.welt.de
06.07.2003
Neubrandenburg: Gästewohnung - Ein Ausweg für den
Leerstand?
An diesem Wochenende dürfte es schwer werden, eine Gästewohnung in
Neubrandenburg zu bekommen. Zwar bieten mittlerweile Tochtergesellschaften der
beiden großen Wohnungsunternehmen günstige Übernachtungsplätze für Besucher der
Stadt an. "Doch durch die norddeutschen Meisterschaften der
Nachwuchs-Triathleten ist bei uns alles ausgebucht", weiß Siegfried Scheffler.
Der Geschäftsführer der Wohnheimbetriebgesellschaft beschäftigt sich schon seit
vielen Jahren mit dem Gedanken, wie Gäste der Stadt komfortabel und dennoch
erschwinglich unterkommen. Angefangen hatte es mit einem ehemaligen Wohnheim in
Monckeshof. Im Haus "Burgwald" gab es eine möbelierte Gästewohnung, die durch
Mundpropaganda weiter empfohlen wurde und "nicht so richtig lief".
"Als wir vor fünf Jahren das Haus des Sports übernahmen, zeigte sich die
Nachfrage nach Ein- bis Zweiraumwohnungen, die befristet vermietet werden",
berichtet Scheffler. Inzwischen gibt es solche Wohnungen auch in Fritscheshof.
Derzeit werden gerade 16 Unterbringungsmöglichkeiten am Markscheiderweg von
Handwerkern hergerichtet. Bauleute und Dienstreisende nutzen für ein viertel-
oder halbes Jahr solche Übernachtungsmöglichkeiten mit kleiner Küche und Bad.
Stehen sie leer, können sie auch für ein Wochenende vermietet werden. Scheffler
registrierte vor allem Fahrradfahrer, seitdem das Angebot im Internet publiziert
wird. Zwischen 40 und 60 Euro kostet das für ein Wochenende.
Ein gutes Angebot, vergleicht man Angebote in Leipzig, wo die Nacht für zwei
Personen 25 Euro kostet, oder Dresden: Hier nimmt eine Genossenschaft für eine
Person und Nacht 16 Euro, für jede weitere Person 8 Euro. Ob Gästewohnungen wie
in den beiden Großstädten eine Alternative für leerstehende Plattenbauten in
Neubrandenburg werden könnten, weiß Erhard Prestin von der Neuwoba nicht. Das
Neubrandenburger Unternehmen habe zunächst die Erfahrungen einer Greifswalder
Genossenschaft aufgegriffen und bietet seit ein paar Wochen auf dem Lindenberg
und in der Oststadt vier solcher Gästewohnungen an. Jene mit nur einem Zimmer
kosten 15 Euro pro Übernachtung. Eine fünfte Wohnung sei in Arbeit. Die Neuwoba
bemüht sich um solche Angebote in jedem Stadtviertel. Das Problem: Am Wochenende
sind sie ausgebucht, dazwischen stehen sie meist leer.
www.nordkurier.de
06.07.2003
Prenzlau: Mietausfälle belaufen sich auf 311 000
Euro
Säumige Mieter machen der Wohnbau GmbH Prenzlau bereits seit Jahren das Leben
schwer. Mittlerweile scheint das Unternehmen in punkto Erlösschmälerung aber
fast an der Schmerzgrenze angelangt zu sein. Im ersten Quartal wurden Ausfälle
in Höhe von 311 000 Euro verbucht.
"Das macht über zehn Prozent der Gesamteinnahmen aus", verdeutlicht Mitarbeiter
Lothar Blank die Brisanz der Zahlen. Sicher spielten auch Ausfälle durch
Leerstand in diese Statistik mit hinein, relativierte er die Erhebung. Aber bei
ungenutztem Bestand stehe man im Vergleich zu anderen Vermietern noch recht gut
da.
Von den insgesamt 4279 Wohnungen der GmbH seien zwar 528 nicht vermietet, 89
habe man allerdings wegen baldigen Verkaufs freigezogen. "Weitere 119 gelten als
unbewohnbar und 144 stehen vorm Abriss", stellte Blank klar. "Über die Hälfte
der Ausfälle geht wirklich auf das Konto von Mietern, die nicht zahlen wollen
beziehungsweise können".
Seit Jahresbeginn habe man schon wieder 39 Kündigungen ausgesprochen. "In 12
Fällen erfolgte daraufhin eine Begleichung der Schulden, in 17 weiteren wurde
eine Abzahlung vereinbart. Der Rest allerdings ist uns weiter sämtliche
Außenstände schuldig", legt Blank den Finger auf die Wunde. Hier werde und dürfe
man nicht lockerlassen. "Wir können wirklich behaupten, uns im Interesse der
Mieter auf fast jede Vereinbarung einzulassen. Aber wenn einer partout nicht
will und auch nicht die Hilfen des Sozialamtes in Anspruch nimmt, dann kämpfen
wir das aus", verweist Blank auf Hartnäckigkeit und führt mit Blick auf die über
60 Haushalte, bei denen man schon wieder mit Zahlungsbefehlen um die Miete
kämpfe, die Räumungszahlen an.
Seit 1999 sei die Wohnbau GmbH 22-mal den Weg bis zum bitteren Ende gegangen,
sprich habe aufgrund von Rückständen gekündigt, dann einen Zahlungsbefehl
erwirkt, Klage auf Räumung eingereicht, sechs bis sieben Monate bis zum
Gerichtstermin abgewartet, dann den Titel bekommen und letztlich den
Vollstrecker bestellt. "Das hat uns jedesmal unheimlich viel Geld gekostet.
Meist blieben wir sogar auf den Kosten für den Vollstrecker - alles in allem
jedesmal über 2000 Euro - sitzen. Aber im Interesse der Glaubwürdigkeit können
wir nicht akzeptieren, dass unsere berechtigten Forderungen ignoriert werden.
Sonst fragt sich irgendwann jeder: Warum soll ich zahlen, wenn andere trotz
Schulden wohnen bleiben?"
Dass die Mehrzahl der geräumten Wohnungen danach nicht mehr bezogen wurde, sei
den sinkenden Bevölkerungszahlen geschuldet. Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen
gingen zwar noch immer weg wie warme Semmeln, bei größeren Einheiten ab 100
Quadratmetern sehe es allerdings schlecht aus. Obwohl der Quadratmeterpreis mit
drei Euro vergleichsweise niedrig und der Bestand zu 70 Prozent saniert sei.
"Wenn nicht bald der Abwanderung Einhalt geboten wird, sehen auch wir schwarz".
www.nordkurier.de
05.07.2003
Bleicherode:
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