Newsticker Archiv Juli 2003

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31.07.2003
Apolda: Fenster finden noch Verwendung
Die Schule am Apoldaer Nussberg wird heute endgültig in den Ruhestand geschickt. Ein Jahr, nachdem die Stadt dort den Regelschulbetrieb beendet hatte, gibt nun auch das Weimarer Land als Zwischenmieter das Gebäude zurück. Ein Jahr lang hatte der Landkreis das Haus als Übergangsquartier für sein Förderschulzentrum genutzt. Nach der Sanierung kann der Unterricht mit Beginn des neuen Schuljahres aber wieder im angestammten Komplex vonstatten gehen.
Obwohl zurzeit noch ein gutes Dutzend Ausbaugewerke in der Förderschule auf dem Angespanne arbeiten, schlossen die Hausmeister aus kommunalen Kinder- und Bildungseinrichtungen der Region Apolda den Auszug vom Nussberg in dieser Woche ab. "Bis auf Unterrichtsmittel und einige Schränke wurde jedoch nichts mitgenommen. Schließlich stammte das alte Mobiliar aus den 70er Jahren und war verschlissen", sagte Roland Ludwig vom Schulverwaltungsamt des Landkreises. Die meisten Räume des sanierten und umgebauten Plattenbaus werden deshalb neu eingerichtet. Seit Montag rollen die Möbelwagen dort an. Die Fachkabinette für Physik, Chemie und Biologie sind bereits eingeräumt, außerdem die Tafeln montiert. Die Hauptlieferung des neuen Mobiliars steht in der nächsten und übernächsten Woche an.
Die alte Plattenbauschule auf dem Nussberg sieht derweil dem Abriss entgegen. Dass er kommt, scheint sicher. Wann, ist angesichts der Finanzlage noch vage. So sucht die Stadt nach Möglichkeiten, für den Abriss des nicht mehr benötigten Gebäudes Zuschüsse zu erhalten. Eine Chance biete möglicherweise das Förderprogramm "Stadtumbau Ost".
Ein völlig nutzloses Dasein ist der Nussbergschule allerdings noch nicht beschieden. Die neueren Fenster, die erst vor wenigen Jahren einbaut wurden, lässt die Stadt im kommenden Monat wieder herausnehmen. Damit sollen die älteren, typgleichen Fenster an der Werner-Seelenbinder-Schule ersetzt werden. In diesen Fenstertausch investiert die Stadt rund 18 000 Euro. Das Gebäude der Nussbergschule muss dann freilich entsprechend gesichert werden. Die Lücken in der Fassade würden voraussichtlich fürs Erste mit Spanplatten geschlossen.

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30.07.2003
Löbau: In den Abrissblöcken toben sich Vandalen aus
Noch vor dem Abrissbagger waltet rohe Gewalt an den Abrissblöcken im Wohngebiet Oberland. „Die Blöcke sind nicht zugänglich. Aber es ist schwer, den Vandalismus zu verhindern“, erklärt der Geschäftsführer des Ebersbacher Wohnungsunternehmens Jürgen Wurm.
Fensterscheiben sind eingeschmissen und Türen aufgebrochen. Es werden Bauteile zerstört, die noch verwendet werden können, betont er. Zurückzubauen ist die noch verbliebene Ecke der so genannten „Stadtmauer“ in der Sachsenstraße. Der Abriss soll im September beginnen. Interessierte Bürger können sich Fenster, Türen, Sanitärkeramik und andere Baumaterialien ausbauen. Das Unternehmen gibt sie kostenlos ab. Anfragen sollten bis spätestens Mitte August gestellt werden.
In diesem Zusammenhang macht Geschäftsführer Wurm auch noch einmal auf die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Es ist als Baustelle ausreichend gekennzeichnet, so dass Unbefugte sie auch nicht zu betreten haben. Um Zerstörungen zu vermeiden, bittet Jürgen Wurm auch die Anwohner, über Verstöße zu informieren. Zurzeit wird der Bauschutt des zweiten Bauabschnitts aufgearbeitet und abtransportiert. Im September soll dann der dritte und letzte Teil folgen und der Rest des von den Bewohnern auch als „Stadtmauer“ bezeichneten Gebäudekomplexes zurückgebaut werden.
Dieser Abschnitt mit noch 80 Wohnungseinheiten war ursprünglich erst für 2004 vorgesehen. Die Fördermittel sind jedoch bereits für dieses Jahr bewilligt. Dadurch brauchen die Arbeiten nicht unterbrochen werden. Insgesamt entledigt sich das Ebersbacher Wohnungsunternehmen durch den Abriss in der Sachsenstraße 190 nicht mehr benötigter Wohnungen.

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30.07.2003
Dessau: Häuser aus ehemaligen DWG-Bestand werden gerade geschleift
In Dessau-West ist der Stadtumbau-Ost angekommen. 126 Wohnungen entlang der Altener Straße, fast alle seit Jahren leerstehend, sollen geschleift werden. Unübersehbar ist der Verfall in diesem Viertel südlich der Altener Straße: Hauseingänge versteckten sich hinter aus der Form gewucherten Hecken. Fenster sind eingeworfen, Putzschollen sind von Mauern geplatzt. Nur jenseits der Straße wurden ähnliche Häuser gerettet. Man mag streiten über die Farbgebung, über architektonische Details - die sanierten Junkerswohnungen haben ihre Mieter gefunden.
Dass diese Wohngebäude stehen bleiben, jene aber eingeebnet werden, sei Teil des Stadtentwicklungskonzepts, sagt Christiane Jahn, Leiterin des Stadtplanungsamtes. Das Konzept soll helfen, tausende Wohnungen möglichst koordiniert vom Markt zu nehmen, die überflüssig sind, weil Dessau stetig Einwohner verliert. Die Häuser, die jetzt von Baggern demoliert werden, haben einst der DWG gehört.
Doch nicht sie selbst betreibt den Abriss. Vielmehr sind zuvor die Grundstücke verkauft worden an die Göttinger Immobilienfirma Jünemann & Kreitz, die, wenn die Phase des Einebnens beendet sein wird, eine Kaufhalle für den Discounter Plus errichten wird. Für Jens Kreitz, Mitinhaber des Unternehmens, gehört ein Abriss dieser Größenordnung nicht unbedingt zum Alltagsgeschäft. Wirtschaftlich darstellbar wird das Ganze ohnehin erst, weil es für das Programm Stadtumbau Geld vom Bund gibt. Um davon zu profitieren, bedarf es erheblichen Papierkrams und einiger Geduld.
Nach dem Abriss beginnt sofort der Aufbau. Auf 700 Quadratmetern, eine Größe, für die eine Baugenehmigung im Prinzip erteilt werden muss, wird der Plusmarkt 1 900 Artikel anbieten. Den Standort hält das zur Tengelmann-Gruppe gehörende Unternehmen für günstig, denn der nächste Supermarkt ist erst in Alten zu finden. "Zur Zeit", lässt die Pressestelle von Plus wissen, "sehen wir dort eine Versorgungslücke für die Verbraucher."

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29.07.2003
Chemnitz: Beschlossen: WCH reist 2768 Wohnungen ab
„Wir haben einen entscheidenden Schritt in die Zukunft gemacht.“ So fasste es Klaus-Dieter Lemke, Chef der krisengeschüttelten Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz Helbersdorf (WCH) am Mittwoch gegenüber „Freie Presse“ zusammen. Nach mehrstündiger Debatte hinter verschlossenen Türen hat die Ende letzten Jahres neu gewählte WCH-Vertreterversammlung am Dienstagabend mehrheitlich für das Sanierungskonzept des Unternehmens gestimmt. Von 41 Anwesenden votierten 30 dafür, elf dagegen.
Bis etwa 2007 sollen nach dem Konzept 2768 der derzeit 6800 WCH-Wohnungen abgerissen werden: 965 an der Morgenleite, 944 am Helbersdorfer Hang sowie 859 auf dem Gebiet Am Flughafen. Bereits ab Anfang September, so Lemke, ist der Abriss der ersten 265 Wohnungen an der Salvador-Allende-Straße 194 bis 204 sowie an der Max-Türpe-Straße 1 bis 9 vorgesehen.
Mit dem Votum der Vertreter ist die WCH zwar noch nicht gerettet, aber die Zukunft sieht schon wieder positiver aus. Jetzt müssen die Kreditausschüsse der Gläubigerbanken das Konzept mittragen, der Wirtschaftsprüfer sein Testat über die künftige neue Situation der WCH erarbeiten und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine Entscheidung hinsichtlich der Altschulden treffen, die auf den abzureißenden Häusern liegen. Ein Erlass dieser Verbindlichkeiten würde den Schuldenberg um etwa zehn Millionen Euro – etwa ein Drittel aller Altschulden der WCH – reduzieren.
Hasso Barth ist einer der Vertreter, die bei der entscheidenden Sitzung dabei waren – und er hat gegen das Sanierungskonzept gestimmt. „Nicht, weil ich es grundsätzlich ablehne, sondern weil es zu flächendeckend ist. Denn nun werden wir den Effekt haben, dass viele Menschen nicht in ihrem Wohngebiet bleiben können.“ Beispiel: Wenzel-Verner-Straße. Hier sollen allein acht von 17 Sechsgeschossern verschwinden. Nicht alle Mieter, so Barth, werden in den verbleibenden Häusern unterkommen können. „Wenn ich auch darunter bin, dann kündige ich bei der WCH“, so Barth.
Ein Problem, das Lemke nicht ignoriert. „Es wäre eine Milchmädchenrechnung, wenn wir glauben, dass 100 Prozent der vom Sanierungskonzept betroffenen Mieter bei uns bleiben.“ Ziel sei es, etwa 70 Prozent zu halten. Dann käme die WCH nach Lemkes Rechnung – Wegzüge, Zuzüge plus Rückbau – in einigen Jahren auf eine Leerstandsquote von etwa fünf Prozent. Derzeit beträgt sie 34 Prozent.
Was Barth und die anderen zehn WCH-Vertreter, die gegen Lemkes Sanierungskonzept stimmten, aufstößt: Dass in vielen Fällen genau die Häuser nun mit Fördergeldern wieder weggerissen werden müssen, die vorher mit Fördergeldern saniert wurden. „Das ist natürlich schwer zu vermitteln, aber diese Häuser sind nun mal die mit den höchsten Leerständen.“

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29.07.2003
Pirna: Copitz soll ein neues Zentrum bekommen

Das Rathaus will in Copitz deutliche Zeichen setzen, um den Bevölkerungsschwund einzudämmen. Deshalb sollen die Infrastruktur verbessert und die Wirtschaft gestärkt werden. Der Stadtumbau, sprich der Abriss von Häusern mit hohem Leerstand, ist nur eine Seite der Medaille. Allein bis 2010 wird es ein Überangebot von mehr als 1 100 Wohnungen gegeben, 2015 sollen es 1 400 sein. Durch den Abbruch sollen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Stadtteil noch mehr begrünen zu können.
Das Gebiet um den Parkplatz an der Copitzer REWE-Kaufhalle soll als Stadtteilzentrum ausgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem Grünflächen hinter dem Penny-Markt, eine Gestaltung des Platzes mit Bäumen und Sträuchern und Sitzgruppen sowie der weitere Ausbau des Treffs zum Vereins- und Kulturzentrum. Außerdem ist daran gedacht, den Handelsmix durch Ansiedlung weiterer Geschäfte zu komplettieren. Auch die Schillerstraße soll weiter ausgebaut werden. Geplant sind unter anderem Querungshilfen für Fußgänger. Ab nächstem Jahr soll die Hauptstraße ausgebaut werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Westumgehung bis Hinterjessen fertiggestellt ist.

www.sz-online.de

29.07.2003
Rostock: Abrissbagger fährt bald in Schröder- und Karlstraße vor
Für die alten Gründerzeithäuser an der Spitze zwischen Karlstraße und Schröderstraße sind die Tage gezählt. Spätestens bis November sollen sie abgerissen werden. Die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) hat den Auftrag gerade ausgeschrieben. Und auch der Hauptausschuss der Bürgerschaft beschäftigt sich heute mit dem Thema.
"Eine wichtige Ecke im Rostocker Stadtbild", so kommentiert RGS-Stadtplaner Leo Dainat. Die maroden Häuser, die heute dort stehen, sollen weg, um einer modernen Bebauung in vergleichbarer Höhe Platz zu machen. Bislang gäbe es zwar noch keine Investoren für die 8000 Quadratmeter umbauten Raum. Doch sind die Flächen erst geräumt, sollen sie zum Verkauf ausgeschrieben werden. Wer das beste Konzept vorlegt, bekomme den Zuschlag.
Insgesamt 60 000 Euro soll die Stadt Rostock zunächst für die Abrissarbeiten vorstrecken, denn ihr gehören die Gebäude. Doch diese Kosten werden den Haushalt nicht dauerhaft belasten. Das Land übernimmt sie in voller Höhe und zahlt die Summe aus dem Topf fürs Förderprogramm Stadtumbau.
Abgesehen von der Schröderstraße 15, 16 und 16a sowie Karlstraße 1 und 2, die im Herbst abgerissen werden, steht auch ein Bau am Fischerbruch 21 mit auf der Liste. Dort ist der Bagger bereits vorgefahren. Die Pläne für die Zukunft? Leo Dainat wehrt ab: "Östlich der Stadtmauer kann man nicht das einzelne Grundstück betrachten, da wird es eine umfangreiche neue Entwicklung geben." Wo bisher vor allem Gewerbe angesiedelt war, soll langfristig ein neuer Wohnstandort wachsen. Bis es dazu kommt, ist allerdings noch einiges zu tun. Leitungen müssen verlegt, eine Straße gebaut werden. Und ein Gedanke ist es auch, alte Gräben wieder zu öffnen und den speziellen Charme des Areals mit diesen Wasserläufen zu unterstreichen.

www.svz.de

28.07.2003
Brandenburg: Stadtumbau geht mühsam voran
Mühselig ist der Stadtumbau, nur schleppend kommt er voran. Mehrfach stellen sie klar: Die städtische Wohnungsgesellschaft Wobra ist überhaupt nicht in der Lage, Motor des Stadtumbaus zu sein und damit die ihr von der Stadtführung zugedachte Rolle zu übernehmen. Bestenfalls könne sie ein "Transportband" sein, "auf das die Stadt ihre Werte legt, die direkt in der kaum gedeckten Bilanz der Wobra verschwinden", heißt es in dem ernüchternden Bericht.
"Der Stadtumbau in der Stadt Brandenburg: Einer will, einer kann und alles ist anders", überschreiben die Autoren ihren Eindruck. Der Baubeigeordnete Ralf Krombholz will den Stadtumbau mit der Wobra vorantreiben. Doch das sei "Quatsch", urteilt Moderator Hagenau freimütig.
"Das Maß des Handelns der Wobra wird ausschließlich davon bestimmt, wie viel an städtischem Eigentum zur Verfügung steht, um die Verluste der Wobra auszugleichen", schreibt er. Die Stadt zahle einen hohen Preis. Sie "vernichtet damit Werte, ihr mögliches Pfund, mit dem sie für den Stadtumbau und für ein zukunftsträchtiges Brandenburg wuchern könnte."
Die Schlüsselrolle im Umbauprozess komme der Wohnungsgenossenschaft WBG zu. Die WBG könnte zwar zum Stadtumbau beitragen, könne und werde dies aber nicht nach den Wünschen der Stadt tun. Denn das Unternehmen handele nach wirtschaftlichen Grundsätzen.
Für den Moderator ist eindeutig, dass das Verhältnis zwischen Stadt und WBG entscheidend ist: "Wer es belastet, gefährdet den Fortschritt im Stadtumbau." Die Stadt müsse die WBG als Verbündeten gewinnen, doch mehrfach habe sie Chancen vertan. Als "richtig blöd" bezeichnet Hagenau, dass die Berliner BGAG Immobilien Ost mit städtischer Förderung 600 Wohnungen am Zentrumsring saniert und neu auf den Brandenburger Wohnungsmarkt wirft.
Hagenau plädiert für einen Stadtumbau mit Lastenausgleich für die betroffenen Wohnungsgesellschaften. Mit einem solchen Lastenausgleich könnten 2500 bis 3000 Wohnungen verschwinden und den Markt entlasten." Ohne diesen Ausgleich wären es 1500 Wohnungen, "die Wobra wäre aber genauso am Ende, wie sie es jetzt ist".

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28.07.2003
Halle: Häuschen im Grünen und mitten in der Stadt
Stadtumbau, was ist das? Gegenwärtig werden die Rezepte hin und her gewendet. Jeder meint etwas anderes. Die Wohnungsgesellschaften die Stabilisierung ihres Bestandes, die Stadtplaner die Suche nach Lösungen für leere Flächen und punktuellen Verfall. In Wirklichkeit gibt es keine Rezepte. Niemand weiß, wie die Stadt aussieht, die schrumpft, wie sie Qualitäten schafft für die, die noch darin leben.
Alle wissen aber, dass die Wohnungsgesellschaften in der Problematik eine wesentliche Rolle spielen. Sie sind eine strategische Macht und Ohnmacht zugleich. An ihnen manifestiert sich das ganze Dilemma einer Steuerungspolitik, die angesichts des Bevölkerungsrückgangs jetzt eine Kehrtwende macht, die eigentlich schon lange vorher absehbar war.
Während in den Neubauquartieren ganze Straßenzüge zum Abriss anstehen, die womöglich gerade erst saniert wurden, sehen sich die Wohnungsgesellschaften in den Stadtkernen nicht selten einem Streubesitz gegenüber, den sie nicht lieben. Und deren jahrelange Vernachlässigung darauf deutet, dass sie ihn nie geliebt haben. Ginge es nur um das Wohl der Innenstädte, würden so viele Neubaubewohner wie möglich zum Umzug in die alten Viertel motiviert.
Die Erfahrung lehrt aber, dass den Wohnungsgesellschaften der Altbaubesitz weiterhin nur lästig ist. Die Mittel aus dem Stadtumbauprogramm fließen zusehends in Abrisse, die in gewachsenen Städten regelrechte Bombentrichter schaffen. In Städten von bedeutendem historischen Profil hängt ein Fragezeichen über Häuser selbst der Renaissance und de Barock.
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft HWG bemüht sich schon seit langem darum, große Teile ihres innerstädtischen Besitzes zu verkaufen. Doch die Grenzen sind da gesetzt, wo die Problematik des Stadtumbaus andere, neue Antworten einfordert.
Die Große Brunnenstraße in Halle ist eine jener Durchgangsstraßen, deren extreme Verkehrsbelastung auf absehbare Zeit nicht aus der Welt zu schaffen ist. Deshalb sieht es dort so aus wie in vielen ähnlich betroffenen Straßen der Städte überall. Der Leerstand erreicht weit überdurchschnittliche Werte. Die Häuser verkommen und finden keine Mieter, geschweige denn Käufer. In Aschersleben ist zu besichtigen, wie die Radikallösung aussieht, wenn Abrisse Lücken in die Bauflucht reißen.
Die HWG tritt nicht sonderlich mit brillantem Nachdenken in Erscheinung, aber sie hat ein Projekt in der Großen Brunnenstraße vorzuweisen, das in Grenzen modellhaft wirken könnte. Der in Kleinkorbetha bei Weißenfels ansässige Architekt Werner Ehrich will auf einem unvermarktbaren Grundstück die gründerzeitliche Bausituation aufgreifen und dahin umkehren, wovon Stadtumbaupolitiker träumen: eine grüne, familienfreundliche Oase mitten in der Stadt.
Dazu schlägt er vor, die Werkstattbauten im Hof so auszubauen, dass zwei teils unabhängige, teils gemeinsam genutzte Wohnambiente entstehen: durch einen verglasten Windfang erschlossen und nach hinten auf einen Hausgarten öffnend. Der städtebauliche Clou liegt im Umgang mit dem vormaligen Wohnhaus zur Straße, das nicht nur wegen der Verkehrsbelastung, sondern auch wegen statischer Schäden kaum noch zu nutzen ist.
Während die Fassade stehen bleibt, bricht der Architekt auf der Hofseite die Außenwände heraus und baut die Etagen als "hängende Gärten" und Spielplatz um. So bleibt zur Straße der Häuserverbund in geschlossener Formation intakt, während zwei Familien im Schutz der Fassade in den urban umformulierten Genuss von Gartenstadt-Qualität kommen.

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27.07.2003
Bevölkerung schrumpft um 30 000
Das Leipziger Land wird im Jahr 2020 voraussichtlich fast ein Fünftel weniger Einwohner haben als heute, so eine Prognose des Statistischen Landesamts. Der Bevölkerungsschwund hat bereits Folgen. Schulen werden geschlossen und Wohnungen abgerissen.
In der Kreishauptstadt Borna schrumpft die Bevölkerung seit der Wiedervereinigung mit am stärksten im Leipziger Land. 19 616 Menschen lebten dem Statistischen Landesamt zufolge 2001 in Borna. Am 3. Oktober 1990 waren es in den heutigen Stadtgrenzen noch 24 244 gewesen: ein Rückgang um 19,1 Prozent. Neukieritzsch hat in diesem Zeitraum sogar mehr als ein Viertel seiner Einwohner verloren. Um ebenfalls mehr als 20 Prozent ist die Bevölkerung in Kitzscher und Deutzen zurückgegangen. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, wurden die Eingemeindungen seit 1990 überall eingerechnet.
Geringer waren die Einwohnerverluste im Geithainer Umland. In Geithain selbst sank die Einwohnerzahl von 7752 (in 1990) auf nunmehr 6821. Das ist ein Minus um 12 Prozent. Kohren-Sahlis verlor 6,5 Prozent seiner Einwohnerschaft (Rückgang von 3410 auf 3187 Menschen). Die Zahl der Narsdorfer sank um 0,8 Prozent auf 1998 Menschen (1990: 2010). Zuwachs erlebt indessen Frohburg:Die Bevölkerung wuchs inklusive der Eingemeindungen um 3,3 Prozent von 8146 auf jetzt 8418. In Eulatal ging es um 4,7 Prozent aufwärts auf 3716 Einwohner (1990: 3550). Leicht verstärken konnte sich auch Bad Lausick im benachbarten Muldentalkreis (um 0,6 Prozent). Die Kurstadt wuchs damit von 9040 auf 9096 Einwohner.
Lediglich den Gemeinden, die unmittelbar vor den Stadttoren Leipzigs liegen, ist es zu verdanken, dass der Verlust auf den gesamten Landkreis gerechnet vergleichsweise niedrig ausfällt. Markkleeberg, Markranstädt und Großpösna etwa erlebten von 1990 bis 2001 Zuwächse zwischen 17 und 33 Prozent. Im kreisweiten Durchschnitt beträgt der Rückgang an Einwohnern aufgrund dieses Korrektivs nur 1,7 Prozent. Für die Zukunft jedoch prognostizieren Wissenschaftler eine sehr viel stärkere Entvölkerung in den 25 Kreisgemeinden.
Das Statistische Landesamt hat im pessimistischeren zweier Szenarien errechnet, dass die Einwohnerzahl um 19,1 Prozent von 152 700 Menschen 2001 auf 123 500 im Jahr 2020 absinkt. Aber auch in einem optimistischeren Rechenmodell, in dem die Forscher annehmen, dass die Lebenserwartung stark ansteigt und dass weniger Menschen als derzeit wegziehen - beträgt der Verlust noch immer 17 Prozent. 2020 hätte der Kreis in diesem Fall 126 700 Einwohner.
Die Hauptursache des Bevölkerungsschwunds sind nämlich nicht die Abwanderungen. Vielmehr sind seit der Wende die Geburten in Ostdeutschland stark zurückgegangen - im heutigen Sachsen und Sachsen-Anhalt von 91 000 Geburten 1989 auf 38 000 im Jahr 1993. In den heutigen Kreisgrenzen des Leipziger Lands kamen 1989 noch 1700 Kinder auf die Welt, 1993 waren es gerade einmal 830. Seither steigt die Rate zwar wieder - aber nur langsam.
Die Vergreisung der Gesellschaft, die in den sinkenden Schülerzahlen zum Ausdruck kommt, macht sich auch dadurch bemerkbar, dass das Durchschnittsalter der Kreisbewohner zwischen 1990 und 2001 um 3,5 Jahre gestiegen ist. In 17 Jahren werden die Menschen im Leipziger Land voraussichtlich sogar um weitere 6,3 Jahre älter sein. Eine Entwicklung zu Lasten der Sozialsysteme: 1990 waren 15,4 Prozent der Bevölkerung im Rentenalter. 2001 betrug der Anteil der Menschen über 65 Jahren 18,5 Prozent. 2020 werden es voraussichtlich 29 Prozent sein. Der Bevölkerungsrückgang führt zudem zu einem massiven Wohnungsleerstand. Um diesem Problem zu begegnen, verwirklicht Borna derzeit ein "integriertes Stadtentwicklungskonzept". Allein bis 2005 sollen 769 Wohnungen abgerissen werden. "Die Stadt ist allerdings nur selten der Eigentümer", sagt Bürgermeister Eberhard Kupfer. Das heißt: Die letzte Entscheidung obliegt der jeweiligen Wohnungsgesellschaft. 1300 Quadratmeter Wohnfläche wurden Kupfer zufolge bislang zerstört. Noch dieses Jahr sollen 416 Quadratmeter im Besitz der Stadt und 6200 Quadratmeter der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft folgen.
Vom Bevölkerungsschwund sind fast alle Kreise in Sachsen betroffen. Der Freistaat hat in 17 Jahren voraussichtlich 696 000 weniger Einwohner - ein Rückgang um 15,9 Prozent. Lediglich für die Städte Dresden und Leipzig prognostiziert das Statistische Landesamt einen schwachen Verlust oder sogar einen Zuwachs. Sachsen nimmt einen Trend vorweg, den das Statistische Bundesamt für ganz Deutschland erst später einsetzen sieht. Im Bundesgebiet soll die Bevölkerung - selbst bei ungünstigen Bedingungen - bis 2020 lediglich von 82 Millionen auf 80 Millionen schrumpfen. Dagegen leben im Jahr 2050 möglicherweise nur noch 67 Millionen Menschen in Deutschland. Diese Entwicklung tritt den Experten zufolge dann nicht ein, wenn sich zwei Dinge ändern: Die Zahl der Geburten müsste ansteigen, mehr Menschen müssten aus dem Ausland nach Deutschland einwandern.

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27.07.2003
Ebersbach:  Wohnungsunternehmen vollzieht für 2004 geplanten Rückbau im Wohngebiet Oberland
Im Wohngebiet Ebersbach-Oberland geht der Rückbau von nicht mehr benötigtem Wohnraum schneller weiter, als für dieses Jahr vorgesehen. Das Ebersbacher Wohnungsunternehmen (EWU) kann noch 2003 den Rückbau der so genannten „Stadtmauer“ in der Sachsenstraße abschließen.
Der Abrissbagger verrichtet jetzt wieder täglich seine Arbeit. In der Sachsenstraße ist bereits der zweite von insgesamt vier vorgesehenen Wohnblöcken abgerissen. Termingemäß wurde im Mai der Rückbau der ersten 60 Wohnungen abgeschlossen. Nun folgen bis Mitte August 50 weitere. Damit und mit der anschließenden Geländeplanierung und Begrünung wäre eigentlich die Arbeit für dieses Jahr getan.
Der Geschäftsführer der EWU, Jürgen Wurm, hat jedoch eine erfreuliche Mitteilung: „Die für 2004 erwarteten Fördermittel sind jetzt schon zugesagt. Damit können wir uns den dritten Bauabschnitt noch in diesem Jahr vornehmen.
Mit der Zusage der Fördermittel kann jetzt im Juli die Ausschreibung für den dritten Bauabschnitt erfolgen. Er umfasst den dritten und vierten Wohnblock des im Volksmund auch als „Stadtmauer“ bezeichneten Gebäudekomplexes.  Jeder der beiden Blöcke hat 40 Wohnungen. Der Rückbau der drei Blöcke kann von jetzt an gleichsam „in einem Ruck“ vor sich gehen. Das ist auch für den Fortgang der Arbeiten günstig.
Parallel zum Abriss geht die Modernisierung im Wohngebiet Oberland einher. So bekommen seit Mai 75 Wohnungen in der Oberlausitzer Straße neue Türen und Fenster, werden Briefkastenanlagen und Hausflure erneuert. Nach dem Abriss der 190 Wohnungen in der Sachsenstraße unterhält die EWU dann immer noch 880 frühere Neubauwohnungen im Wohngebiet Oberland. Auch in der Altstadt von Ebersbach ist das Betätigungsfeld keinesfalls klein und die Erneuerungen von Wohnraum oberstes Gebot. Hier hat die EWU rund 500 Wohnungen.

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26.07.2003
Pirna: Abrisskolonnen rücken bald an
Würden alle geplanten Haus-Abrisse in Pirna auf einen Schlag erfolgen, würden manche Gebiete der Kreisstadt einem Trümmerfeld gleichen. Der so genannte Rückbau soll aber erst Stück für Stück erfolgen. Ein Brennpunkt ist dabei die Südvorstadt.
Eine Geisterstadt. Dieser Anblick bietet sich in Teilen der Pirnaer Südvorstadt. Ob an der Viehleite oder an der Rottwerndorfer Straße, in manchen Wohnblocks stehen über die Hälfte der Wohnungen leer.
In der gesamten Stadt stehen rund zehn Prozent der Wohnungen leer. Beim Stichwort Abriss rückten bisher meist die Plattenbau-Gebiete Sonnenstein (15 Prozent Leerstand) und Copitz-West (16 Prozent) in den Blickpunkt. Doch in den unsanierten Altneubauten in der Südvorstadt zwischen Bach- und Mozartstraße sowie der Rottwerndorfer regt sich in über 50 Prozent der Wohnungen nichts mehr, umreißt Stadtplanungschef Steffen Möhrs das Problem. Von 250 Wohnungen stehen 132 leer. Die Lage ist dort allerdings besonders verzwickt. Die Berliner BIOS-Siedlungsgesellschaft hat einen Rückübertragungsanspruch auf diese Häuser gestellt, die die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) verwaltet. Deshalb sieht WGP-Geschäftsführer Matthias Armbruster derzeit keine Möglichkeit, mit den Abrissplänen für dieses Gebiet auch nur einen Fingerbreit voran zu kommen.
In den ehemaligen Kasernengebäuden an der Rottwerndorfer Straße ist die Lage noch prekärer. Dort geht in mehr als zwei Dritteln der Wohnungen kein Licht mehr an.
Die Kosten für die Abbrucharbeiten in der Südvorstadt schätzt die Stadt auf rund 2,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für die Abrisskandidaten auf dem Sonnenstein werden 3,4 Millionen Euro veranschlagt und für Copitz 2,3 Millionen.  So sollen in der Südvorstadt in den nächsten Jahren 330 Wohnungen, bis zu 580 sollen es längerfristig sein, um das Problem zu lösen.
Derzeit prüft das Rathaus darüber hinaus noch, ob Gebäude so desolat sind, dass sie abgebrochen werden müssen. Der Bund fördert den Abbruch von Wohnhäusern mit 70 Euro pro Quadratmeter. Eigentümer solcher Objekte haben bis 15. August die Möglichkeit, die Zuschüsse beim Stadtplanungsamt zu beantragen. Dann könnten die Arbeiten im kommenden Jahr beginnen. Bedingung für die Abrissförderung ist jedoch, dass in den nächsten zehn Jahren kein Neubau an diesem Standort entstehen darf.
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26.07.2003
Ohne Stadtumbau fällt der Aufschwung Ost aus
Sehr viel wurde schon über den Stadtumbau in Ostdeutschland geschrieben. Zahlreiche Einzelmaßnahmen wurden bereits umgesetzt oder begonnen. Trotzdem haben offenbar immer noch einige Beteiligte und Betroffene nicht das Ausmaß und die Dringlichkeit der Stadtumbauproblematik erkannt.
Auch im Jahr 2003 zeigen noch so unverständliche Meinungsäußerungen wie z B. von Chefvolkswirt Norbert Walter (Volksstimme vom 9. Juli 2003) oder von Bürgern in Leserbriefen, dass bestimmte Fakten für Sachsen-Anhalt einfach nicht wahrgenommen werden: Seit 1990 ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um 325000 Menschen zurückgegangen, rund 240000 Wohnungen stehen leer, allein bei den 250 Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften beläuft sich der Mietausfall wegen Leerstand auf fast 200 Millionen Euro und die Betriebskosten für den Leerstand kommen noch hinzu. Deshalb ist jetzt der zügige Abriss von Wohnungen unvermeidlich, da auch in Zukunft nicht damit zu rechnen ist, dass der Bevölkerungsrückgang gestoppt wird.
Seit 1998 haben beide wohnungswirtschaftlichen Verbände auf diese bedrohliche Entwicklung aufmerksam gemacht. Die Unternehmensleitungen der Wohnungsunternehmen haben mit hohem Engagement im Bereich Vermietung und Kostenreduzierung alles unternommen, um der Lage Herr zu werden. Die Politik hat mit ihrem Stadtumbauprogramm erst vor einem Jahr reagiert.
Viel zu spät, denn jetzt sind viele Wohnungsunternehmen aufgrund der fehlenden Zahl der Mieter und ihrer inzwischen entstandenen finanziellen Situation nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft die Leerstandsbeseitigung vorzunehmen. Im Übrigen ist der Stadtumbau kein Problem der Wohnungsunternehmen allein, sondern betrifft ebenso Bund, Land, die Kommunen, Banken, Versorger und Bürger.
Der Wohnungsbestand muss nach Umfang und Qualität an die Nachfrage angepasst werden. Dies bedeutet eine Reduzierung des Wohnungsbestandes im Landesdurchschnitt auf 70 bis 75 Prozent durch Abriss von Wohnungen bei gleichzeitiger Aufwertung der Wohnquartiere.
Wegen ihrer zögerlichen Haltung muss die Politik diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit finanziellen Mitteln für die Hauptakteure, nämlich die Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften zeitnah unterstützen. Geschieht dies nicht, ist die Politik in Bund, Land und Kommunen für die sinkende Attraktivität der Städte durch zunehmende Verwahrlosung von Wohnquartieren und die damit verbundene weitere Abwanderung verantwortlich.
Die Wohnungswirtschaft erwartet im Lichte der Erkenntnis, dass uns vielerorts die Zeit davon läuft, von allen Beteiligten realitätsnahe schnelle Entscheidungen und das klare Bekenntnis zum Stadtumbau. Dazu gehört auch der Wille der Beteiligten, mit der Wohnungswirtschaft am richtigen Strang in die richtige Richtung zu ziehen. Wenn allerdings weiterhin Beamte Grundsatzdiskussionen führen wollen, während rasche pragmatische Lösungen erforderlich sind, werden wir das Ziel vielerorts nicht erreichen.
Man muss den Eindruck gewinnen, dass wir uns mit einem viel zu komplizierten Vorschriftendschungel, der mit kostenträchtigem und unnötigem Zeit- und Personalaufwand verbunden ist, oftmals selbst im Wege stehen.
Dazu kommt eine durch Bund und Land selbst verursachte Investitionsblockade. Wenn investitionsauslösende Programme erst verspätet oder wie am Beispiel der Wohnungsbauförderung überhaupt noch nicht zur Verfügung stehen, kann auch nicht erwartet werden, dass schnell Abriss- und Aufwertungsmaßnahmen umgesetzt werden.
Stadtumbau ist Aufschwung Ost und ohne Stadtumbau wird es keinen sinnvollen wirtschaftlichen Aufschwung geben, da niemand in maroden Städten und in marode Städte investieren wird.

www.Volksstimme.de

26.07.2003
Rathenow: Modernisierung und Abriss laufen parallel
Die Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft e. G. (RWG e. G.) arbeitet intensiv an den Bauvorlagen zur Modernisierung/Instandsetzung sowie an der Umsetzung der Umzugs- und Rückbaukonzepte zum Stadtumbau.
In der Ferdinand-Lassalle-Straße sind die Arbeiten zur Modernisierung von zwölf Wohnungen teilweise schon abgeschlossen. Hier werden nicht nur die Wohnflächen und die Wohnungszuschnitte verändert, sondern auch moderne Bäder mit wahlweise Badewanne oder Dusche installiert. Die Wohnungen werden dringend für die Mieter benötigt, die noch in diesem Jahr vom Rückbau betroffen sein werden. Aber auch Objekte, die Bestandteil der zweiten Phase der Stadtumbau- und Rückbauplanung sind, werden nicht vernachlässigt. Hier werden weiterhin Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt, wie die zurzeit laufenden Dacherneuerungsarbeiten an zwei 90-Wohneinheiten-Häusern zeigen.
Der Vorstand der RWG e. G. informierte, dass die Modernisierung von insgesamt acht Wohnhäusern in das Landesprogramm 2003, 2. Halbjahr, aufgenommen wurde. Leider hat das nicht automatisch den Zugriff auf entsprechende Fördermittel zur Folge. Bei einer Kürzung der Landesförderung könnten allerdings auch diese Maßnahmen eingeschränkt werden. Von der Investitionsbank des Landes Brandenburg konnte die Bereitstellung von Krediten für diesen Zeitraum noch nicht bestätigt werden.

www.MaerkischeAllgemeine.de

26.07.2003
54 000 Wohnungen stehen im Land leer
In Thüringen stehen derzeit 54 000 Wohnungen leer - das sind nur 500 weniger als im Vorjahr. Und das, obwohl im gleichen Zeitraum 4800 Wohnungen abgerissen wurden. Für den Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft sind diese Zahlen Grund genug, auf eine weitere Forcierung des Stadtumbaus Ost zu drängen. Denn die mit dem Leerstand verbundenen Probleme sind gewaltig: 128 Millionen Euro fehlen an Mieteinnahmen in den Kassen, dazu kommen noch die übrigen durch den Leerstand verursachten Kosten, die pro Wohnung auf 1550 Euro veranschlagt werden - macht unterm Strich noch einmal 84 Millionen Euro.
In diesem Jahr sollen nach den bisherigen Planungen in Thüringen ebenfalls wieder 4800 Wohnungen verschwinden. Die so gewonnenen Flächen wollen die Unternehmen mit Hilfe staatlicher Förderprogramme zur Verbesserung der Lebens- und Wohnumfeldqualität nutzen.
In einem Schreiben appelliert der Verband an die Thüringer Bundestagsabgeordneten, dem Gesetz über die Möglichkeit von Verwertungskündigungen in den neuen Ländern zuzustimmen. Die waren bisher nicht möglich. Durch die Änderung könne vermieden werden, dass durch den Widerstand einzelner Mieter - wie jetzt in Jena - der Stadtumbau insgesamt ins Stocken gerate.

www.tlz.de

26.07.2003
Sorge um den Stadtumbau
Die geplante Streichung von Landesgeldern für den Stadtumbau sorgt für Unruhe bei Kommunen und in der Wohnungswirtschaft. "Wir stecken in einer doppelten Zange", sagt der erste Beigeordnete von Schwedt (Uckermark), Jürgen Polzehl. Zum einen würden Fördergelder gekürzt, zum anderen die Schlüsselzuweisungen des Landes. "Wir brauchen aber beides für den Stadtumbau."
Bisher galt die Aufmöbelung der ostdeutschen Städte bei allen Streichrunden als tabu. Jetzt soll es auch ans Eingemachte gehen. Staatskanzleichef Rainer Speer, der alle 198 Förderprogramme des Landes durchforstet hat, will ab 2004 zehn Prozent bei der Städtebauförderung einsparen, zu der der Stadtumbau gehört. Bisher hatte das Bauministerium 2004 in fünf Bund-Länder-Programmen 130 Millionen Euro vorgesehen. Das Bauministerium solle eine Vorlage erarbeiten, "wo zukünftig Stadtentwicklung noch betrieben werden soll", heißt es in der Streichliste.
Ganz wegfallen sollen die Weiterentwicklung von Neubaugebieten (7,9 Millionen Euro) und ein Topf für Einzelvorhaben (15,8 Millionen). Zusammengestrichen werden soll auch die Förderung von Wohneigentum in Altbauhäusern (2,6 Millionen Euro). Vor allem jedoch sollen 54 Millionen Euro Kreditförderung für Modernisierung und Instandhaltung wegfallen - ursprünglich ein Programm des sozialen Wohnungsbaus, das nun eine wesentliche Säule des Stadtumbaus werden sollte. Laut dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) werden von den bis 2009 eingeplanten 445 Millionen Euro des Stadtumbaus nur noch 200 Millionen übrig bleiben.
Es bestehe die Gefahr, dass der Stadtumbau ins Stocken gerate, sagt Polzehl. Schwedt will bis Jahresende 2500 Wohnungen abgerissen haben. In Rathenow (Havelland) fürchtet Sachgebietsleiter Jörg Kasprzyk schon um das Erscheinungsbild bei der Landesgartenschau 2006. Es sei ein falsches Signal, Geld zu sparen, mit dem man gegen die Probleme der demografischen Entwicklung angehen wollte. In Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) gibt die stellvertretende Bauamtsleiterin Inge Olbrecht zu bedenken, dass immer mehr Häuser verfallen - am Ende könnte die Stadt aussehen "wie ein Gebiss mit vielen Lücken". 15 Prozent der Wohnungen in Kyritz stehen leer.
Ein bisschen weniger dramatisch sieht man die Kürzung in Luckenwalde (Teltow-Fläming), wo bisher zehn leerstehende Altstadt-Häuser abgerissen worden sind. "Das sind Mittel, die wir vorher nicht in Aussicht hatten", sagt Bürgermeisterin Elisabeth Herzog. Doch auch in Luckenwalde würde sich der Stadtumbau verzögern, so Herzog.
Wegen genau dieser Verzögerung schlagen die Wohnungsunternehmen Alarm. Ihnen läuft die Zeit davon. Die 245 Mitglieder des BBU können 14,8 Prozent ihrer Wohnungen nicht mehr vermieten. Acht Gesellschaften haben Konkurs angemeldet, 53 gelten wegen eines Leerstands von über 15 Prozent als hilfsbedürftig. "Wenn die Kürzungen greifen, bricht ab 2006 die Städtebau- und Abrissförderung des Landes zusammen", sagt Landesgeschäftsstellenleiter Wolfgang Schönfelder.

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25.07.2003
Dresden: Wohnbau Nordwest reißt Plattenbauten am Straßburger Platz ab
Vor 25 Jahren ist Gertraude Nitzschner in ihre Wohnung in der Marschnerstraße eingezogen. Der Zehngeschosser am Straßburger Platz war damals modern und komfortabel. Heute bröckeln die Fassaden. Die Hauseingänge haben lange keine Farbe mehr gesehen.
„Trotzdem ist es eine Schande, die Häuser abzureißen“, sagt die Rentnerin. Und wenn das schon sein muss, würde sie gern in die Nachbarhäuser ziehen. Doch da diese nahezu zeitgleich zum Abriss saniert werden, hieße das doppelter Umzug. „Ich ziehe mit Tränen aus“, sagt eine über 80-jährige Dame aus der Nummer 13. Dass es so weit kommt, sei ihr schon klar gewesen, als die gläserne Fabrik gegenüber gebaut und an ihren Häusern nichts getan wurde. „Die brauchen wohl das Grundstück für etwas Besseres“, vermutet sie. Das weist jedoch Wohnbau-Sprecher Bernd Felgentreff zurück. „Der Leerstand ist auf Dauer nicht bezahlbar“, sagt er. Zudem verschlechtere sich der Bauzustand der Häuser immer mehr. Nach gründlichen Planungen habe sich die Wohnbau entschieden, den u-förmigen Gebäudeteil – dabei handelt es sich um die Marschnerstraße 15 bis 27 – zu erhalten. Die Zehngeschosser mit bisher 292 Wohnungen erhalten eine neue Fassade, zusätzliche Balkons. In den Innenhöfen werden die Grünanlagen umgestaltet und zugleich mehr Parkflächen angelegt. „Auch im Inneren wird alles erneuert und Grundrisse verändert. So entstehen zwölf Wohnungen mehr “, sagt Felgentreff. Im Sommer 2004 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Rund elf Millionen Euro kostet die Sanierung. Danach steigen die Kaltmieten im Durchschnitt von 2,80 auf 5,50 Euro je Quadratmeter.
Weitere 1,9 Millionen Euro plant die Wohnbau für den Abriss der Häuser Marschnerstraße 3 bis 13 direkt am Straßburger Platz ein. Gut die Hälfte der Summe soll aus Fördertöpfen fließen. Derzeit stehen etwa 50 Prozent der 243 Wohnungen bereits leer.
Das Aus für die 243 Wohnungen am Straßburger Platz ist ein Anfang. Schon deutlich weiter ist die Südost Woba. „Wir haben die Baugenehmigung für den Abriss von 144 Wohnungen an der Reicker Straße bereits in der Tasche. Im Oktober geht es los“, sagt Geschäftsführer Reiner Kuklinski. „Für den Abriss von fast 6 000 Wohnungen stellen wir Förderanträge“, sagt Stadtentwicklungsbürgermeister Herbert Feßenmayr. Je Quadratmeter weniger Wohnfläche gibt es 70 Euro Fördermittel. Weitere 90 Euro zahlen zu je einem Drittel Bund, Land und Stadt für die anschließende Verbesserung des Umfeldes
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25.07.2003
Preiswerter Wohnraum wird im Land knapp

Von der Wohnungsnot zum Leerstand: Spätestens ab 2010 werde der Wohnungsbestand massiv verkleinert, weil die Mieter fehlen, sagte Jürgen Fischer, Chef des Landesmieterbundes gestern in Schwerin. Bisherige Stadtentwicklungskonzepte von 30 Kommunen sehen den Rückbau von fast vier Prozent der 800 000 Wohnungen im Land vor. Und das nicht nur in den Plattenbausiedlungen. Noch hielten sich private Hausbesitzer in den Innenstädten mit dem Abbruch zurück, so Fischer. Doch auch dort dränge das Problem. In einigen Innenstädten gebe es bereits hohe Leerstände. "Mit dem Abriss stehen wir erst am Anfang."
In den kommenden Jahren könne der Einwohnerschwund nicht mehr mit dem bisherigen Trend einer steigenden Zahl an Haushalten und nach größeren Wohnungen kompensiert werden. "Diese Nachfragereserven auf dem Wohnungsmarkt sind bald verbraucht", meinte Fischer. Laut Bevölkerungsprognosen sinkt die Zahl der Einwohner in MV bis 2009 von derzeit 1,7 Millionen um weitere 140 000. "Ab 2010 bedeutet jeder Wegzug eine leere Wohnung."
Der Abriss und die fortschreitende Modernisierung in den nächsten Jahren werde allerdings zu einer Verknappung von preiswertem Wohnraum führen. Angesichts der Wirtschaftsschwäche nehme die Zahl derer, die auf eine günstige Miete angewiesen sind, aber weiter zu, erklärte Fischer und forderte eine Preisbindung für einen Teil des Bestandes. Für sanierte Plattenbauten müssten bereits sechs Euro je Quadratmeter bezahlt werden. "Wer kann sich das noch leisten?", so der Verbandschef. Gebraucht werden zudem Wohnungen, die den differenzierten Ansprüchen einer immer älter werdenden Bevölkerung entsprechen, erklärte Landesvorsitzende Doris Hildebrandt. Obwohl inzwischen jede zehnte Wohnung leer steht, könne der Bedarf nach betreutem Wohnen z. B. nicht gedeckt werden.

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25.07.2003
Apolda: Bahnhofsvorstadt winkt die Abrissbirne
Erste Überlegungen zur langfristigen Umgestaltung des so genannten Aufwertungsgebietes nördliche Bahnhofstraße stellte gestern die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) im Stadthaus vor. Andreas Jaeger, Projektleiter bei der LEG gab vor interessierten Bürgern zunächst einen Abriss zur Geschichte des Areals zwischen Lessing- und Bernhardstraße, zwischen Dornburger Straße und Bahnhof, das er als "Bahnhofsvorstadt" bezeichnete. Das Gebiet sei hervorragend geeignet, mit Mitteln des Stadtumbaus Ost überzähligen Wohnungsbestand zurückzubauen. Dafür spricht beispielsweise ein Leerstand von 160 Häusern - das sind 28 Prozent. Im übrigen Stadtgebiet liegt er bei 13 Prozent. Eine Bürgerbefragung bestätigte dabei das Urteil der Planer. So bescheinigte die Mehrzahl der Befragten, mit dem Angebot an Dienstleistungen, an Kultur und an Einkaufsmöglichkeiten zufrieden zu sein. Gemurrt wird hingegen beim baulichen Zustand der Gebäude. Und viele wünschten sich die Sanierung bzw. den Abriss schlimmer Ecken. Das soll nun auch geplant werden. So denken LEG und Stadt an den Teilabriss des alten Krankenhauses und die Entkernung des Wohnquartiers zwischen Bahnhofstraße und Lessingstraße. In einem so genannten zweiten Maßnahmebereich soll eine P+R-Fläche am Bahnhof entstehen. Zudem will man ein Konzept zur Umsiedlung des Unternehmens RST und späterem Abriss des alten Weimar-Werkes aufstellen.
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24.07.2003
Crimmitschau: 1500 Quadratmeter Wohnfläche bis Jahresende abgerissen
Das in diesem Jahr beschlossene Unternehmenskonzept der kommunalen Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) sieht bis zum Jahr 2010 den Abriss von annähernd 450 Wohnungseinheiten vor, war vom Geschäftsführer des Unternehmens, Reinhard Zill zu erfahren. Bereits in diesem Jahr trennt sich die CWG auf diese Weise von 1500 Quadratmetern Wohnfläche.
Dabei gehe es um solche Gebäude, deren Bausubstanz nicht mehr sanierungsfähig sei.
Vor allem durch die anhaltende Abwanderung von Bürgern aus der Stadt bleibt freilich auch die CWG vom Wohnungsleerstand, der derzeit mehr als ein Viertel des Bestandes beträgt, nicht verschont. Dieser Aspekt ist ebenso in die Waagschale zu werfen, wenn man zwischen Sanierung oder Abriss zu entscheiden hat. Der Aufwand für das Herrichten der Gebäude muss schließlich erwarten lassen, dass sich die Investitionen durch Mieteinnahmen auch irgendwann amortisieren. Deshalb wird die CWG noch über Jahre hinweg mit diesem Problem – im offiziellen Sprachgebrauch verharmlosend Rückbau genannt – konfrontiert sein.
Die Abrissmaßnahmen werden ergänzt durch die der Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, einem mit der CWG fusionierten Unternehmen. Fördermittel für den Abbruch der Flachbauten Glauchauer Landstraße 71/73 und 77 seien ausgereicht worden. Dennoch gestalte sich der Abriss von zwei der drei Gebäude mit je fünf Wohnungseinheiten schwierig. In ihnen wohne nämlich jeweils nur noch ein Mieter und mit beiden konnte bislang noch keine Einigung über einen Auszug erreicht werden.
Ursprünglich gab es an diesem Standort etwas abseits der Glauchauer Landstraße einen kleinen Komplex aus Flachbauten mit insgesamt 36 Wohnungen. Schon im vorigen Jahr sind mehr als die Hälfte davon abgebrochen worden. Die Wohnungen dort entsprächen in keiner Weise mehr den heutigen Normen, konstatierte Zill.
Die Abrissmaßnahmen der CWG werden durch Fördergeld von der Sächsischen Aufbaubank und eine so genannte Vergabe-ABM des Arbeitsamtes Zwickau unterstützt. Insgesamt 15 ABM-Kräfte sind daran beteiligt.
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23.07.2003
Schrumpfende Städte
Wie wäre es mit einem Hirschgehege hinter dem Leipziger Hauptbahnhof? Platz genug, finden die Stadtväter, gebe es ja. Man nutzt einfach die Brache neben dem frisch renovierten Prunkbau des Bahnhofs, platziert auf einer neu angelegten Wiese sechs Hirsche und dazu einen Hochsitz. Zwischen einfahrenden Schnellzügen und dem Autolärm der Hauptstraße könnte so der öffentliche Raum genutzt werden, den sonst niemand braucht.
Der Plan mit den Hirschen im Stadtzentrum ist bezeichnend für die städtebauliche Situation in Leipzig. Allein im Stadtteil Volkmarsdorf, direkt hinter dem Bahnhof, steht jedes zweite Haus leer - viele davon sind Altbauten. Aus manchen Häuserdächern wachsen Birken, auf rissigen Plakaten werben Immobilienmakler um Käufer, die nicht kommen werden. "Unser Plan, hier ein Hirschgehege einzurichten, ist natürlich eine Art Groteske", sagt Wolfgang Kunz, der Leiter des Leipziger Stadtplanungsamtes "Aber wir brauchen prägnante Beispiele, die auf den dramatischen Wohnungsleerstand in der Stadt hinweisen."
Fast 60 000 Wohnungen stehen in Leipzig leer. Die Sachsenmetropole hat von 1989 bis 1998 fast hunderttausend Einwohner verloren, von 530 000 Bürgern schmolz die Einwohnerschaft auf 438 000. Dann gab es eine Gebietsreform, Randbezirke wurden eingemeindet.
Viele Leipziger sind ins Umland oder in den Westen gezogen, der Geburtenrückgang kommt hinzu. Unterm Strich stieg im vergangenen Jahr die Einwohnerzahl durch Zuzug zwar leicht um 1800. Doch die Stadtplaner müssen langfristig denken. Ihnen ist klar: Leipzig droht zu veröden, und die Stadt reagiert mit drastischen Programmen, deren Namen seltsam idyllisch klingen.
"Dunkler Wald", "Wandel auf der Parzelle" oder "Lichter Hain" nennt die Behörde blumig ihre radikalen Pläne für das "Grüne Rietzschkeband", welches das Gesicht des ausblutenden Leipziger Ostens von Grund auf verändern soll. Wo sich heute zerfallende Häuser aneinander reihen, soll nach und nach eine Schneise aus Parks, Wäldchen und Veranstaltungsplätzen entstehen. "Wir wollen keine hässliche Brache in der Stadt, sondern eine positive Identifikation mit dem Prozess, gegen den wir nichts tun können. Die 60 000 Wohnungen sind ja so oder so leer", sagt Kunz.
Die Leipziger gehören zu den ersten, die sich mit Plänen einem Problem stellen, das hierzulande bald überall auf der Tagesordnung stehen wird: Deutschlands Städte und Dörfer schrumpfen. Schon heute gibt es allein in Ostdeutschland 1,2 Millionen leer stehende Wohnungen. Im Jahr 2030 werden es voraussichtlich doppelt so viele sein.
Weil hierzulande immer weniger Kinder zur Welt kommen, werden viele Hochhäuser und Gründerzeit-Schmuckstücke nicht mehr gebraucht. Ganze Stadtteile und Dörfer wandeln sich zu Ghettos, in denen nur noch die Alten und Arbeitslosen bleiben. Fenster und Türen werden vernagelt, der Niedergang der Städte ist hier schon Realität. Nur die Seniorenheime sind hübsch heraus geputzt.
Zum ersten Mal seit dem Dreißigjährigen Krieg droht Deutschland wieder die Verödung ganzer Landstriche. Das gilt auch für westdeutsche Regionen wie das Ruhrgebiet. Nach Berechnungen des Düsseldorfer Landesamtes für Datenverarbeitung verlor beispielsweise Essen seit 1990 37 000 Einwohner. Selbst florierenden Städten wie München wird der Rückgang prognostiziert: Spätestens ab dem Jahr 2030 soll auch dort die Bevölkerungszahl zurückgehen, schätzt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
Die Leipziger Stadtväter raten den Hauseigentümern zum Abriss, weil sich weit und breit eh keine Mieter mehr finden lassen. Grundbesitzern schlagen die Beamten vor, ihr Gelände der Kommune zu überlassen, auf denen sie dann Freiflächen einrichtet. Wer will, erhält nach fünf Jahren sein Eigentum zurück. Der Hintergedanke von Stadtplaner Wolfgang Kunz und seinen Leuten: Nach und nach soll sich so das Gelände leeren, und auch widerspenstige Hauseigentümer werden dann einsehen, dass ihre Immobilie mitten im Nirgendwo keinen Wert hat. Dann, so hofft Kunz, steht einem spottbilligen Ankauf durch die Stadt und der Schaffung von Grünflächen nichts mehr im Wege.
Leipzig hofft, durch die geplanten Abrisse die Entstehung eines städtischen Flickenteppichs aus sanierten Häusern, leer stehenden Ruinen und Brachen zu verhindern. Sie bewegen sich dabei auf einem schmalen Grat. Niemand kann ihnen garantieren, dass sie das Richtige tun. Was, wenn sich die Vorhersagen über die Bevölkerungsentwicklungen als falsch herausstellen? Oder die Stadtviertel, denen sie heute keine Zukunft mehr einräumen, wieder attraktiv werden? Der Abriss von je 10 000 Platten- und Altbauten könnte dann als verheerendes Kapitel in die Stadt-Geschichte eingehen.
Noch weiß niemand genau, wie das gewaltige Erbe der deutschen Städte bewahrt werden kann. Wie in den 50er Jahren schaffen Abrissbirnen heute wieder Tatsachen, die Jahrzehnte später als Bausünden am Pranger stehen. Was dabei unwiederbringlich verloren geht, kann heute niemand abschätzen.

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23.07.2003
Zschopau: Zweiter Block fällt im September
Spätestens Mitte September soll der zweite Wohnblock im Zschopauer August-Bebel-Gebiet fallen. Auf die Ausschreibung der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH Zschopau haben sich Geschäftsführerin Kerstin Rümmler zufolge 20 Unternehmen gemeldet.
In den vergangenen Jahren stand etwa die Hälfte der 80 Wohnungen des Plattenbaues am Launer Ring leer. Zurzeit bewohnt noch eine Familie das für den Abriss vorgesehene Gebäude. Doch Anfang/Mitte nächsten Monats werden auch die letzten Mieter in eine andere Wohnung umziehen, weiß Rümmler.
Für den Abbruch erwartet sie über das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“ von der Sächsischen Aufbaubank einen Zuschuss von 70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das macht bei einer Fläche von 4894 Quadratmetern 342.580 Euro. Kerstin Rümmler ist indes skeptisch, dass das Geld auch pünktlich fließen wird: „Die Wohnungsgenossenschaft hat nach dem Abriss des Blockes Meixnerweg bis heute noch nichts bekommen.“ Doch auch, wenn die Mittel auf sich warten lassen, ist der Abrisstermin nicht gefährdet, da die Gebäudewirtschaft das Projekt vorfinanziert. „Wir haben in den vergangenen Monaten etwas beiseite gelegt.“ Der Antrag auf vorfristigen förderunschädlichen Baubeginn ist genehmigt worden.
Schon umverlegt sind Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom, Heizung und Telekom, um die Versorgung der angrenzenden Gebäude zu sichern. Wo einst der Plattenbau stand, ist jetzt Rasen gesät. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Die Freiräume bleiben auf absehbare Zeit Grünflächen, vielleicht ergänzt durch zwei bis drei Strauchgruppen.“ Während der Rückbau komplett aus Bundesmitteln finanziert wird, müssen sich an den Kosten für anschließende Verschönerungsarbeiten Freistaat und Kommune zu je einem Drittel beteiligen.

www.freiepresse.de

23.07.2003
Parchim: Sanierte Platte bei Mietern beliebt
Die Wobau GmbH setzt als größter Vermieter in der Kreisstadt weiter auf Rückbau und Sanierung der Plattenbauwohnungen in der Weststadt. Neben dem erheblichen Leerstand belasten auch die wachsenden Mietrückstände das Betriebsergebnis des Unternehmens.
Im Herbst rollen in der Weststadt wieder die Umzugswagen. In der Hans-Beimler-Straße und in der Leninstraße werden dann 90 Mieter eine frisch sanierte Wohnung beziehen, in der sie zum Teil schon früher gelebt hatten. "Das Interesse für die rückgebauten Neubauwohnungen ist erfreulich groß. Nicht nur langjährige Mieter, sondern auch Parchimer, die bislang im Stadtteil wohnten, bleiben uns treu. Bis auf vier sind hier bereits alle Wohnungen wieder vermietet", freut sich Gerd Beyer als Geschäftsführer der Wobau.
Diese erfreuliche Tatsache kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch das größte Wohnungsunternehmen der Kreisstadt mit der wirtschaftlichen Gesamtsituation schwer zu kämpfen hat. Vor allem der steigende Leerstand - zum Jahreswechsel waren davon 615 Wohnungen (davon 250 baubedingt freigezogen), betroffen, führen zu finanziellen Verlusten in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro. Der Mietausfall wird im Jahresabschluss 2002 auf rund 1,4 Millionen Euro beziffert.
Der Geschäftsführer legt Wert auf die Feststellung, dass bei einer Eigenkapitalquote von etwa 30 Prozent trotz eines Rückgangs gegenüber dem Geschäftsjahr 2001 um 2,2 Prozent, die Zahlungsfähigkeit der Wobau GmbH weiterhin gewährleistet ist.
Dabei spielt der 2001 begonnene Rückbau in der Weststadt die Schlüsselrolle. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) geht von sinkenden Bevölkerungszahlen aus, die in Parchim das Niveau der 70er Jahre erreichen könnten. Bis 2008 soll sich die Anzahl der Wobei-eigenen Wohnungen von derzeit 3400 auf etwa 2800 verringern. 32000 Quadratmeter Wohnfläche sind dann verschwunden. Dies wird zu einer Schuldenentlastung von fast drei Millionen Euro führen.
Gigantische Ausmaße erreicht mittlerweise das Niveau der Mietschulden. Die Ausstände hatten sich bis zum Jahresbeginn bei der Wobau auf 439000 Euro summiert. "

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23.07.2003
Greiz: Rückbau dauert noch
"In spätestens zwei Jahren werden wir mit dem Abbruch fertig sein", sagt Gerd Grüner als Chef des städtischen Wohnungsunternehmens. Der von ihm geleitete Greizer Eigenbetrieb ging 1997 mit rund 250 Häusern an den Start. Hat davon inzwischen fast 30 saniert, einige verkauft, aber auch zahlreiche zurück gebaut, wie es Neu-Deutsch heißt. Bis heute wurde der Bestand fast halbiert. Bei rund 100 Objekten soll er sich einmal einpegeln, vermutlich bis Ende 2005.
Bis dahin sollen noch einige Häuserwände fallen. Zu dem umstrittenen Abbruch von Wohnraum wird der Eigenbetrieb aus Kostengründen gezwungen. Und gleichzeitig durch Fördermittel animiert. 75 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gibt es für den Stadtumbau Ost. "Die nutzen wir natürlich rigoros", betont Grüner. Wenngleich man die Entscheidung über das Platt-Machen eines Gebäudes keineswegs voreilig fälle, sondern erstmal umfassend im Werksausschuss diskutiere. Ob ein Haus sanierungswürdig ist, wird unter mehreren Prämissen geprüft - was sagt das Entwicklungskonzept der Stadt, wie sieht es mit der tatsächlichen Vermietbarkeit aus, wie viel Wohnraum ließe sich durch Rekonstruktion schaffen und wie teuer wird der Spaß...
"Im Wesentlichen werden wir beim Abbruch immer an die Straßenränder gehen, wo eine Entnahme nicht allzu sehr auffällt", erläutert der Werkleiter und nennt die Heinrich-Fritz-Straße 3, die Zeulenrodaer Straße 24 oder die Siebenhitze 32 als aktuelle Beispiele. Alle verwaisten Objekte kann man ohnehin nicht vom Markt nehmen. Das wäre zu viel des Guten. Denn die Leerstandsquote im Eigenbetrieb liegt momentan bei satten 55 Prozent.

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19.07.2003
Erfurt: Plattenbau soll für Rasen weichen
Es brodelt mächtig zwischen der Wohnungsbaugenossenschaft "Zukunft" und den verbliebenen Mietern des Jakob-Kaiser-Rings 13. Für Mitte nächsten Jahres plant die WbG den Abriss des Plattenbaus. Die von der WbG angesetzte Versammlung mit der Vorstellung des Umzugsmanagments endete dieser Tage damit, dass die empörten Mieter vorzeitig den Raum verließen. Die 64 Hausbewohner sind überzeugt, die WbG habe den Leerstand von 50 Prozent bewusst herbei geführt, auch durch Mietstopp. Außerdem gab es in 23 Jahren kaum Sanierungsmaßnahmen, nicht mal neue Fenster für Jeden.Falk Stock, Vorstand der WbG "Zukunft", begründet: "Keine Bank der Welt gibt Kredite für die Sanierung eines zur Hälfte leer stehenden Hauses. Außerdem gab es keinen Mietstopp, nur keine neuen Anfragen mehr."Das sehen die Bewohner anders. Sie kennen genügend Leute, die versucht haben in dieses Hochhaus einzuziehen. Am meisten verärgert sind die Mieter jedoch darüber, dass man sie seit zwei Jahren im Ungewissen gelassen habe. Auf eine 2001 gestellte Anfrage der Bewohner antwortete die WbG ausweichend, dass Entscheidungen nicht vor 2004 getroffen werden könnten. Nun ist das der Abrisstermin. "Mir ist bewusst, dass dies ein Einschnitt in das Leben der Betroffenen ist. Aber die Entscheidung ist erst dieses Jahr gefallen", so Falk Stock. Nach dem Abriss soll das Gebiet mit Rasen bepflanzt werden. Die Mieter allerdings bringen deutlich zum Ausdruck, dass Nummer 13 nicht erst den Widerstand übt, sondern bereits weiß, wie er funktioniert.
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19.07.2003
Wohnungsmarkt droht Pleitewelle
Auf die Wohnungsunternehmen des Landes rollt eine Insolvenzwelle zu. 53 Unternehmen werden als bedroht eingestuft. Acht haben bereits Insolvenz angemeldet. Den Kommunen als Gesellschaftern drohen Forderungen bis zu einer Milliarde Euro, die als Bürgschaften für Altschulden eingegangen wurden.
Der Wohnungsleerstand in Brandenburg wird in den kommenden Jahren immer mehr Wohnungsunternehmen in Brandenburg gefährden. Zu dieser Einschätzung kommt ein interner Bericht der Ministerien des Innern und für Bauen, der gemeinsam mit dem Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) erarbeitet worden ist. 53 Unternehmen mit einem Wohnungsbestand von 207 000 Wohnungen sind demnach existenzgefährdet. Weitere 14 Unternehmen könnten dieses Stadium demnächst erreichen, heißt es in dem Bericht. 38 Städte sind direkt, weitere 22 indirekt betroffen.
Der Vorstandsvorsitzende der BBU, Ludwig Burkhardt, sagte der Märkischen Oderzeitung, dass vor allem Städte im berlinfernen Raum betroffen sind. Obwohl mit dem Stadtumbauprogramm in 22 Städten des Landes bis 2007 rund 49 000 Wohnungen abgerissen werden, steige der Leerstand schneller als der Abriss hinterherkomme. Zur Zeit, schätzt Burkhardt, stehen 150 000 Wohnungen leer.
Als wichtigste Antwort auf die Situation fordert der BBU, dass keine Abstriche am Stadtumbauprogramm gemacht werden dürfen. In den kommenden Wochen will die Landesregierung entscheiden, ob sie aus Haushaltsgründen die Förderprogramme Stadtsanierung und Stadtumbau abschmilzt.

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19.07.2003
Gotha: Schuldentilgung für WBG am wichtigsten
Seit dem 1. Juli hat die Gothaer Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) - mit 2891 Mitgliedern das größte derartige Wohnungsbauunternehmen auf genossenschaftlicher Basis in der Residenzstadt - einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Dr. Udo Bender. Der 58-Jährige löste Inge Hoffmann ab, die zwölf Jahre lang an der Spitze der WBG stand und in den Ruhestand ging. Udo Bender war vorher Chef einer Wohnungsbaugesellschaft in Luckenwalde. Ein weiteres neues Vorstandsmitglied ist Steffen Priebe: Der 35-Jährige kommt aus dem eigenen Hause und ist zum kaufmännischen Vorstand bestellt worden. TA sprach mit den beiden.
Wie haben Sie als neuer Vorstandsvorsitzender die Genossenschaft bei ihrem Einritt vorgefunden? Bender: Ich bin mit dem Stand sehr zufrieden. Das Feld ist gut bestellt. Nun kommt es darauf an, die WBG weiter zu entwickeln und die Probleme, die trotzdem vor uns stehen, im Sinne der Genossenschaftler zu lösen.
Was meinen Sie damit? Priebe: Das Wichtigste ist die Schuldentilgung. Die Genossenschaft sitzt auf rund 19 Millionen Euro Altschulden. Allein deren Zinstilgung kostet uns pro Jahr 1,3 Millionen Euro. Dazu gehört auch der hohe Wohnungs-Leerstand. Von unseren 3048 Wohnungen stehen immerhin 925 leer. Und das kostet auch sehr viel Geld.
Bender: Deshalb wurde ja nun schon mit der Entkernung der Häuser An der Goth 1 bis 7 und Eschleber Straße 50 bis 56 begonnen. Nach der Entkernung folgt der Abriss. Wir müssen weg vom Leerstand. Nur mit belegten Wohnungen können wir die Schulden abbauen.
Was geschieht außer dem Abriss noch in der WBG? Bender: Wir beginnen noch in diesem Jahr mit einem großen Projekt: Ein Prestigeprojekt der Genossenschaft und auch der Stadt Gotha im Rahmen der Aktion Stadtumbau Ost. An der Fritzelsgasse wird ein großer Plattenbau nicht nur einfach saniert, sondern vollkommen umgebaut. Priebe: Eine Investition von rund sechs Millionen Euro, die zum größten Teil aus Fördertöpfen stammen.
Bender: Wir werden uns mehr als bisher in den Stadtumbau einbringen müssen, das ist nämlich eine der zentralen Aufgaben aller Wohnungsbauunternehmen im Osten Deutschlands. Demnächst wollen wir auch darüber beraten, wie es mit der Sanierung unserer Häuser weitergeht. Einig sind wir uns darin, dass das Wohnungsangebot attraktiver werden muss. In unseren Häusern stehen meist die oberen Geschosse leer. Das sollte zu denken geben. Was machen wir aus diesen Etagen, bauen wir vielleicht einen Fahrstuhl an? Viele Fragen gibt es in der Perspektive noch zu lösen.

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19.07.2003
Wittenberge: Einer Stadt laufen die Menschen weg
Eine Stille liegt über der Stadt. Die Straßen sind leer. Hinter den Fenstern der Altbau-Wohnungen hängen keine Gardinen, spielt keine Musik. An der Kreuzung zur Röhlstraße schiebt eine Seniorin ihren Gehwagen über den Weg. Es sind nicht mehr genug Menschen in Wittenberge. Die einst reiche Industriestadt in der Prignitz ist wie eine alte Dame, die für ihre schönen Kleider zu arm und zu schmal geworden ist.
Fast ein Drittel aller Einwohner, meist junge, zogen seit der Wende aus Wittenberge weg. Keine andere Stadt Deutschlands schrumpfte und alterte seit dem Mauerfall mehr. Es ist ein trauriger Rekord. Doch Wittenberge hat sich auf den Schwund und die Überalterung eingestellt - und näht die Kleider um.
Die Jugend geht und kommt nicht zurück, so war die Einsicht in der Stadt im Nordwesten von Brandenburg. Fast 40 000 Menschen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg hier Platz. Ende der 80er-Jahre lebten noch mehr als 30 000 Einwohner hier. Das ist vorbei: Etwa 21 000 Menschen sind jetzt noch da. Und für die soll der Ort möglichst praktisch und schön sein, so war der Ansatz.
"Wir haben etwa 3300 Wohnungen zu viel", hat Ulrich Siodla, Leiter des Bauamtes Wittenberg, als zentrales Problem festgestellt. Die Lösung heißt Abrissbirne - oder vornehmer: "Rückbau". Von 13 300 Einheiten sollen bis 2015 mindestens 2400 Wohnungen weg - kein Plattenbau, den gab es hier kaum, sondern meist Altbauten im historischen Stadtkern. Mit ihrem drastischen Konzept gewann Wittenberge im vergangenen Jahr einen ersten Platz im Bundeswettbewerb "Stadtumbau Ost".
Die Konsequenz: 300 Wohnungen kommen allein in diesem Jahr "vom Markt". Je 250 bis 300 folgen dann jährlich. Lieber Freifläche statt Ruine, heißt die Devise. Was ansonsten droht, ist der Verfall, der ganze Viertel hinunterzieht: Erst fehlt das Briefkastenschild, dann wackeln die die Jalousien. Bald sind die Scheiben eingeworfen, Plakate verrotten an den Fassaden. Das Argument "historisch wertvoll" zieht nicht mehr, wenn keiner einziehen will: zu marode die Substanz, zu unpraktisch der Grundriss. "Das kriegen wir nicht mehr vermietet", weiß Siodla vom Jahnschulviertel. In der Stein-Hardenberg-Straße rollt bald der Bagger an.
Was aus den Freiflächen wird? Das ist noch unklar, das Konzept ist noch zu neu. Ein "Zwischengesicht", nennt ein Stadtverordneter den Zustand, wenn die Altbauten abgerissen sind. Bislang entstanden Kinder-Spielflächen, Parkplätze, Raum für Einfamilienhäuser oder "Nachbarschaftsgärten", die Anwohner in Patenschaft pflegen. Hauptsache, die Ruinen sind weg. "Wir müssen abwarten", sagt Bauamtsleiter Siodla, "wie sich die Zukunft für uns entwickeln wird."
Heute ist etwa jeder Fünfte in Wittenberge ohne Job. Nur noch zwölf Prozent der Einwohner sind jünger als 18. Jeder dritte Wittenberger hat seinen 60. Geburtstag schon hinter sich. Nicht, weil sie die Stadt nicht mögen, ziehen die Jugendlichen weg. "Wir haben hier eigentlich alles", sagen sie. Der Elbstrand ist schön, ein Kino hat eröffnet, im vergangenen Jahr noch eine Großraumdiskothek. Doch gibt es keine Arbeit, ist selbst die ortsübliche Miete von 4,50 Euro pro Quadratmeter zu viel. "Ich warte nur, bis mein Kleiner größer ist", sagt Ronny Gohn, der seinen Sohn Robin (1) über die Straße schiebt. "Dann ziehe ich weg. Nach Berlin vielleicht."
Die Wegzug der Jungen hat Folgen: Der Bewohner von Wittenberge ist im Durchschnitt 47 Jahre alt - statt 39 wie im Rest der Republik. Eine ältere Bevölkerung braucht eine andere Stadt: Zwei Grundschulen wurden in Wittenberge in den vergangenen Jahren geschlossen, ein Seniorenheim ist in Bau, ein neuer Park geplant. Kleinigkeiten wie der Shuttle-Service zum Theater sollen das Leben für ältere Menschen angenehm machen. "Wir reagieren ständig auf Wünsche der Bevölkerung", erklärt Christiane Schomaker.

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19.07.2003
Rostock: Vorbereitungen für Stadtumbau Ost/Wohnumfeld in Dierkow wird weiter verbessert
Aufwertung von Wohngebieten heißt neben Rückbau die zweite Säule des Bundesprogramms Stadtumbau Ost. Davon profitieren auch Dierkow und Toitenwinkel, sagt Thorsten Gebhards, Projektplaner bei der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS). Für zwei Vorhaben laufen die Planungen an.
"Wir haben den Auftrag der Stadt, den Abriss der Schule an der Tessenowstraße vorzubereiten." Dabei gehe es zunächst nur um die Räumung des Grundstücks der ehemaligen Dierkower Gutenberg-Schule. Auf der Liste für das kommende Jahr steht ebenfalls die Instandsetzung der Brücke in der Gutenbergstraße, berichtet Gebhards. Dort wurde das Umfeld bereits gestaltet, der Weg unter der Brücke kann allerdings aufgrund des Bauzustands nicht genutzt werden. Ob sich das Vorhaben 2004 umsetzen lasse, hängt aber wie so vieles an der Finanzierung.
Die steht bei drei Maßnahmen in Dierkow längst, die noch wesentlich aus dem Wohnumfeldprogramm bezahlt werden und in Kürze beginnen, berichtet Thorsten Gebhards. So gibt es am Mittwoch die "Bauanlaufberatung" für die Gestaltung der Innenhöfe Kurt-Schumacher-Ring 11 bis 38. Ein halbe Million Euro steht bereit - aus Fördermitteln und aus den Kassen der Wohnungsunternehmen Wiro, WG Warnow und Fides, die sich beteiligen. Mehr Grün, Schaffung von Stellplätzen und Gestaltung der Wege und Flächen vor den Häusern sind vorgesehen.
Eine Förderung 170 000 Euro akquirierte die RGS für die Instandsetzung von Gehwegen am Kurt-Schumacher-Ring und der Heinrich-Tessenow-Straße. "Wir haben das Umfeld gestaltet, aber die Wege sind in desolatem Zustand", sagt der RGS-Planer. Dort lägen zum Teil noch alte Betonplatten, die inzwischen zu Stolperfallen geworden sind. Beginn der etwa zweimonatigen Bauarbeiten: Ende August. Dabei entstehen entlang des Schumacherrings auch neue öffentliche Parkplätze, um die katastrophale Lage etwas zu entspannen.
In Zusammenhang mit diesen Arbeiten steht das dritte Vorhaben, das für knapp 700 000 Euro zwischen September und Mai 2004 umgesetzt wird. So wird der Weg von der Haltestelle Lorenzstraße bis zum Hannes-Meyer-Platz attraktiver gemacht und der zum Teil illegale Verkehr dort rausgenommen, so Thorsten Gebhards. Auch mit Blick auf die steigenden Schülerzahlen, wenn in einigen Jahren auch die Toitenwinkler zum Kollwitz-Gymnasium müssen. Mehr Grün, neue Laternen und eine Neuordnung des Parkens heißen die zentralen Vorhaben. Erneuert wird auch die Rampe am Ärztehaus, um sie für Behinderte dann wirklich nutzbar zu machen

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17.07.2003
Thüringen verliert pro Tag 53 Bewohner

Thüringen verliert pro Tag 53 Einwohner. Die Gründe: Wenige Geburten und hoher Wanderungsverlust. Das Land reiht sich damit nahtlos in die Reihe der anderen neuen Bundesländer ein. Auch sie verlieren an Einwohnern.
Im vergangenen Jahr zogen 96 865 Einwohner neu nach Thüringen. Gleichzeitig verlor das Land aber 107 164 Menschen. Das ergibt - so das Statistische Landesamt - einen Wanderungsverlust von 10279 Personen. Damit trägt die Abwanderung zu 53 Prozent zur negativen Bevölkerungsentwicklung in Thüringen bei. Außerdem sank die Geburtenrate weiter auf 17007, 344 weniger als im Vorjahr. Mit 26 000 Gestorbenen gab es im vergangenen Jahr 8993 mehr Sterbefälle als Geburten.
Alarmierend findet der Rostocker Bevölkerungsexperte Rembrandt Scholz diese Entwicklung für die neuen Länder. Seine Prognose: Ohne Wirtschaftsaufschwung im Osten wird die Abwanderung vor allem junger Menschen in den Westen weitergehen. Da vor allem junge Menschen abwanderten, beschleunige sich der Bevölkerungsschwund unweigerlich selbst, erklärte Scholz
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17.07.2003
Ausländer gleichen Bevölkerungsrückgang aus
Die Erosion der Bevölkerungsstruktur in Deutschland hält weiter an. Nach neuen statistischen Erhebungen schrumpfte auch 2002 die Zahl der Deutschen auf Grund einer schwachen Geburtenrate. Unverändert blieb damit das Hauptproblem der sozialen Sicherungssysteme: die Alterung der Bevölkerung. Eine wachsende Zahl von Rentnern und Kranken stünde einer sinkenden Zahl von Beitragszahlern gegenüber, sagte Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.
Die Zuwanderung konnte das Problem immerhin "abfedern", fügte Dorbritz hinzu. Tatsächlich blieb dank des so genannten Zuwanderungsüberschusses die Bevölkerungszahl im Jahr 2002 relativ konstant, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Rund 219 000 Menschen zogen mehr ins Bundesgebiet als ausreisten, davon waren 152 000 Ausländer. Unter dem Strich wuchs die Bevölkerung insgesamt sogar um ,1 Prozent auf rund 82,53 Millionen. "Aber die Frage ist nicht, ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft", erläuterte Dorbritz. Entscheidend sei die Altersstruktur: Seit 1991 werden in der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr weniger Kinder geboren, als parallel dazu Alte sterben. Allein 2002 gab es 122 000 mehr Todesfälle als Geburten.
Nach Ansicht von Martin Werding vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hätten viele in Politik und Gesellschaft noch nicht begriffen, dass diese Entwicklung nicht mehr zurückzudrehen ist. "Das Schrumpfen der deutschen Bevölkerung ist längst gesetzmäßig", sagte der Leiter des Bereiches Sozialpolitik und Arbeitsmarkt der WELT. Wie Dorbritz ist Werding der Meinung, dass die wirklichen Probleme beginnen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen - das dürfte zwischen 2025 und 2035 sein.
Ein Ausweg aus der Falle wären mehr Kinder. "Damit die Bevölkerung nicht altert, bräuchten wir aber 2,1 Kinder pro Frau", hat Dorbritz errechnet. Der Durchschnitt liegt bei 1,4. Eine Familienpolitik, die den Durchschnitt anheben würde, sei aber nicht bezahlbar. Werding sieht das anders. "Eine bessere Familienpolitik bewegt schon etwas - allerdings nur sehr langfristig gesehen."
Skeptisch betrachtet er die Auffassung einiger Bevölkerungsforscher, Zuwanderung sei der einzig gangbare Ausweg. "Mit mehr Zuwanderung werden die Finanzierungsprobleme in der Alterssicherung nur minimal reduziert", ist sich Werding sicher. Deutschland könne sich "seine Zuwanderer nicht zurechtschnitzen". Eine passgenaue Zuwanderung mit günstiger Altersstruktur und Geburtenrate sei schlecht steuerbar. Ähnlich denkt auch Dorbritz. Um den Alterungsprozess zu stoppen, müssten jährlich über eine Million Menschen nach Deutschland kommen. Eine Größenordnung, die das Land wohl nicht verkraften könnte, glaubt der Wissenschaftler. Werding hält es daher für ratsam, die Situation als gegeben hinzunehmen und in der Politik zu überlegen, wie man damit umgeht.
Anhaltend hoch ist die Abwanderung innerhalb Deutschlands von Ost nach West. Die Bevölkerungszahl in den neuen Ländern schrumpfte 2002 um ,8 Prozent, während sie in den alten Ländern - mit Ausnahme des Saarlands - um 0,3 Prozent wuchs. Ohne Wirtschaftsaufschwung im Osten wird die Abwanderung vor allem junger Menschen in den Westen nach Ansicht des Bevölkerungsexperten Rembrandt Scholz weitergehen. Im Westen gäbe es noch immer mehr Jobs und Ausbildungsplätze, sagte der Experte vom Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock. Da vor allem junge Menschen abwanderten, beschleunige sich der Bevölkerungsschwund unweigerlich selbst, sagte Scholz weiter. Fehlten jedoch junge Menschen, gingen auch die Geburtenzahlen zurück. Ein Teufelskreis ohne Ende. Scholz: "Die erste Wanderung können Sie steuern, die Folgen nicht mehr."

www.welt.de

16.07.2003
Delitzsch: Wohnungsgenossenschaft reißt in West alle ihre Häuser weg
Die Delitzscher Wohnungsgenossenschaft zieht sich mit dem Abriss von 150 Wohnungen in Delitzsch-West in diesem Viertel aus der "Platte" total zurück. Nach dem Abriss der Straße der Freundschaft 4 bis 10 wird in diesem Monat die Loberaue 30 bis 36 beseitigt. Im August folgt die Monheimer Straße 19 bis 27. Dort, wo zu DDR-Zeiten vor der Wende noch die letzten WBS 70-Neubauten errichtet wurden, sorgen künftig Rasenflächen für mehr freie Sicht in West, aber auch bessere Bilanzen in Vermieterkassen. Ein Überangebot an nicht mehr gefragten Wohnungen könnte dank 100-prozentiger Landesfördermittel auf diese Weise abgebaut werden, äußerte sich Anette Pittschaft, Leiterin der Buchhaltung bei der Wohnungsgenossenschaft, froh. "Die Stadt hat es geschafft, mit einem guten Entwicklungskonzept für den Städteumbau zu überzeugen. In Rackwitz gibt es solche Konzepte nicht und damit dort leider keine Förderung."
Auch die Delitzscher Wohnungsgesellschaft nutzt die Abrissförderung zwischen Securiusstraße und Westumfahrung. Die Wohnungsgenossenschaft bewirtschaftet in der Stadt über 2000 Wohnungen.

www.lvz-online.de

16.07.2003
Bevölkerung schrumpft am Tag um fast einen Kopf
In Nordvorpommern schrumpft seit einigen Jahren die Bevölkerung. Eine Statistik vom Einwohnermeldeamt macht deutlich: Es gibt immer weniger Grimmener. 14 242 Leute wohnten 1990 noch in der Kreisstadt, im Juli dieses Jahres sind es nur noch 10 924. Unterm Strich macht das einen Verlust von rund 255 im Jahr, 21 im Monat und knapp einem dreiviertel Bürger am Tag. Ähnlich sieht es in den umliegenden Ämtern und Gemeinden aus. Mit einer Abwanderung von 6,4 Prozent führt Glewitz die lange Liste an. Insgesamt verließen im vergangenen Jahr 113 Einwohner das Trebeltal. 68 gingen aus Miltzow, 17 aus Kronskamp weg. Einzig die Gemeinde Süderholz kann mit elf neuen Bürgern auftrumpfen.
Wenig Hoffnung gibt es auch in anderen Teilen Nordvorpommerns. Arbeit ist rar im Land an der Ostsee. Und auch in der Urlaubssaison sinken die Arbeitslosenzahlen nur unerheblich. Da suchen gerade junge Leute nach Perspektiven in anderen Bundesländern. Insgesamt muss der Landkreis so einen Bevölkerungsverlust von 949 Personen – davon 575 Frauen – wegstecken.
Seitens der Kreisverwaltung weiß man aber, dass die schrumpfenden Bevölkerungszahlen auch auf immer weniger Geburten zurückzuführen sind. 107 Kinder wurden 1990 in Grimmen geboren. Danach rutschten die Zahlen rapide in den Keller. Absoluter Tiefpunkt war das Jahr 1994 für die Kreisstadt. Damals erblickten lediglich 48 Babys das Licht der Welt. Und auch geheiratet wird immer seltener. Gab es 1990 noch 163 Eheschließungen, waren es im Vorjahr nur noch 40.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

15.07.2003
Langenweißbach: Sechsgeschossern geht’s ans Oberstübchen
Wie eine unüberwindliche Wand, gut 250 Meter lang, schmucklos, wuchtig und alles andere als in ein Dorfbild passend, so stehen sie in der Landschaft: die Viergeschosser im Langenbacher Neubaugebiet „An der alten Schäferei“. Ein Großteil der Wohnungen ist leer, verursacht der kommunalen Wohnungsverwaltungs- und Sanierungsgesellschaft Langenweißbach (WVS) lediglich Kosten. Das soll sich in absehbarer Zukunft ändern.
Gemeinderat und WVS-Gesellschafterversammlung gaben in den vergangenen Monaten grünes Licht für ein Rückbau- und Sanierungsprojekt, das im ländlichen Raum für Sachsen Pilotcharakter hat. Im Herbst wird mit den Arbeiten am ersten von zwei Wohnblöcken begonnen. An den Gebäuden „An der alten Schäferei“ 32 bis 39 werden jeweils zwei Geschosse abgetragen und die verbleibenden Quartiere saniert. Pro Block verschwinden auf diese Weise 16 nicht mehr benötigte Wohnungen vom Markt.
Die mit der Planung beauftragten Büros stellten jetzt vor rund 70 Zuhörern das neue Konzept vor. Kleine, schmucke Häuser mit Reihenhauscharakter lösen die klobigen Blöcke aus den 80ern ab. Damit kommt ausgerechnet die Variante zur Ausführung, die seinerzeit in der Diskussion um die Machbarkeit aus Kostengründen beiseite gelegt werden musste. Neue Sonderförderungen ermöglichen einen „sanften“ Rückbau.
Einer vorläufigen Ermittlung zufolge belaufen sich Gesamtkosten für Abriss und Sanierung auf insgesamt 1,76 Millionen Euro. Der überwiegende Teil dieser Summe fließt den Langenweißbachern aus verschiedensten Fördermitteltöpfen zu. Unter anderem auch vom Amt für Ländliche Neuordnung und der Bundesanstalt für Arbeit.

www.freiepresse.de

15.07.2003
Weimar: Die Platten haben Geburtstag
Aufbruchzeiten, damals vor 25 Jahren: Am 20. Juli 1978 waren die ersten Baggerschaufeln in die Erde gestoßen worden mit dem Ziel, innerhalb von fünf Jahren 3700 Wohnungen zu bauen: Einer bis fünf Räume, für jeden Bedarf die richtige Wohnung. Glücklich sei er gewesen, als seine Ehefrau ihn mit dem Zuweisungsschein überraschte, erinnert sich Frank Ziegler, damals junger Familienvater, heute SPD-Stadtrat und Ortsbürgermeister in Weimar-West.
Aufbruchstimmung auch heute: Stadt, Ortschaftsrat und Städtebauförderung konnten sie ankurbeln, und so war gestern die sogenannte Fußgängerachse eröffnet worden, jener Platz am Bürgerzentrum zwischen den Elfgeschossern der Prager und der Warschauer Straße. Bäume und Sträucher geben ihm ein freundliches Gesicht, treppenfreie Wege und ebene Gehwegplatten machen ihn nutzbar sowohl für Rollstuhlfahrer wie auch für Kinder mit Tretrollern und dergleichen. Es ist dieses Projekt beispielhaft für die Beteiligung Behinderter an der Bauplanung. Betroffene aus der AG "Menschen mit Handicap" waren es, die bei der Umgestaltung der Fläche wertvolle Verbesserungsvorschläge machen konnten. Die hätten Wirkung gezeigt, lobt Sylvia Engel, eine junge Frau im Rollstuhl. Mit der Einweihung des Platzes begann gestern die Festwoche zum 25. Jahrestag der Platte in Weimar-West.
Es lebt noch ein Zehntel der Weimarer Stadtbevölkerung in der Siedlung jenseits des Wimariastadions. Die halbe Million Euro, die Bund, Land und Stadt in die "Wohnumfeldverbesserung" gesteckt haben, sind also gut angelegtes Geld, gab der Oberbürgermeister gestern zu verstehen.
"Wir haben Prioritäten gesetzt", erklärte Volkhardt Germer - und ein Phänomen abgewendet, an dem bereits das Projekt "Soziale Stadt" arbeitet: die Abwanderung junger Generationen aus der Platte. Es seien, sagt Germer, die geblieben, die vor einem Vierteljahrhundert hier einzogen. Die Platte für deren Kinder und Enkel attraktiv zu machen, bleibe als große Aufgabe bestehen, so der OB.

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12.07.2003
Crimmitschau: Riskantes Wohnen neben zerfallendem Gebäude
Das große Eckgebäude an der Leipziger Straße – es hat die Hausnummer Gutenbergstraße 14 – steht schon so lange leer, dass bereits kleine Bäume aus Fensteröffnungen und Dachrinnen wachsen. Putz- , Ziegel- und Blechteile fallen in regelmäßigen Abständen von der Ruine ab. In der Vergangenheit gefährdete dies so manchen Passanten und parkende Autos wurden beschädigt. Jetzt gebietet wenigstens ein Bauzaun, Abstand zu halten.
Doch die einen geradezu jämmerlichen Eindruck hinterlassende Wohn-und Geschäftshausruine an einer der Hauptdurchfahrtsstraße der Stadt wird wohl noch einige Zeit Stein des Anstoßes bleiben. Denn: „Freie Presse“ fragte beim Eigentümer der Immobilie – Strasskirchener Immobilien-, Marketing- und Vermögenstreuhandgesellschaft (Freistaat Bayern) – nach, was aus dem Schandfleck und Sicherheitsrisiko werden soll und erfuhr nur wenig Tröstliches. Geschäftsführer Josef Doblinger sagte, dass das Gebäude nun nicht mehr zu sanieren sei und folglich nur noch der Abriss übrig bleiben würde. Dafür bekäme er jedoch keinen Kredit. Das Abreißen verursache immerhin Kosten in Höhe von etwa 27.000 Euro.
Dies alles ist für Angelika Strauß nur ein winziger Hoffnungsschimmer. Solche oder ähnliche Antworten hat sich nämlich von Josef Doblinger schon öfter gehört, ohne dass sich etwas änderte. Sie wandte sich deshalb an die Redaktion und berichtete: Wir bewohnen seit 20 Jahren das Nachbargebäude in der Gutenbergstraße 12, ein mit viel Geld saniertes Reihenhaus. Das Eckgebäude Gutenbergstraße 14 war schon immer Stein des Anstoßes und das änderte sich auch nicht, nachdem die Strasskirchener Gesellschaft dieses Objekt gekauft hatte.
Angelika Strauß weiter: „Seit Jahren stehen wir im Schriftverkehr mit besagter Firma, aber immer wieder heißt es, wir haben kein Geld für den Abriss. Dass er dringend notwendig ist wissen die Stadt und auch der Eigentümer. Aber es wird nichts unternommen. Täglich fallen auf die Straße und unser Haus – das Dach wurde 2002 neu gedeckt – Fassadenteile.“
Und: Nach jahrelangem Schriftverkehr mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde und dem städtischen Ordnungsamt sei nun eine Absperrverfügung an den Eigentümer gegangen. Daher besagter Bauzaun.
Angelika Strauß abschließend: „Ansonsten seien der Kommune, so sagte man uns, die Hände gebunden, man könne nichts weiter tun. Beschädigen abstürzende Teile unser Haus, so müssen wir das zivilrechtlich klären und uns einen Anwalt nehmen.“

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12.07.2003
Erschreckender Strukturwandel in der Mark Brandenburg
Der sogenannte Speckgürtel um Berlin besteht nach Ansicht von Ulf Matthiesen nur aus »einigen Speckwürfeln mit viel märkischem Sand dazwischen«. Zwar gebe es Gemeinden wie Falkensee oder Kleinmachnow, die sich schnell entwickelten, sagte der Wissenschaftler vom Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung Erkner (IRS) am Freitag in Potsdam. Andere Orte und Regionen dagegen hätten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die in den Berlin-fernen Regionen.
Die »Disparitäten zwischen den Gewinner- und Verliererräumen« werden sich nach Auffassung von Matthiesen in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Angesichts des Strukturwandels seien realistische Bestandsaufnahmen nötig. Häufig würden dazu noch »besänftigende Formeln« verwandt. Doch bereits in den vergangenen Jahren sei die Politik von falschen Prognosen ausgegangen. Jetzt seien völlig neue Konzepte erforderlich.
Die größten Probleme haben Matthiesen zufolge nicht die rein ländlich geprägten Gebiete der Mark, sondern die »industrialisierten Mittelstädte«. Ursachen sieht der Wissenschaftler unter anderem in der Politik zu DDR-Zeiten. Diese habe damals die Strukturdifferenzen zwischen Stadt und Land aufheben wollen und deshalb die Industrialisierung kleiner und mittlerer Städte vorangetrieben. Dabei seien unter anderem in Schwedt (Oder), Guben und Eisenhüttenstadt Monostrukturen geschaffen worden. Diese Strukturen kollabierten jetzt. Gegen diese »brutale Bereinigung« scheine kein Kraut gewachsen. Sie wirke sich in verheerenden Wegzugsraten aus. Die Einwohnerzahl werde sich in den betroffenen Städten bis 2020 halbieren. Zugleich überlagerten sich verschiedene negative Dynamiken: Die Arbeitslosigkeit steigt, und es ziehen immer mehr junge, gut ausgebildete Menschen weg.
Zurück blieben »nicht immer die Hellsten«, betonte Matthiesen. Kraß ausgedrückt, ergebe sich ein Bild, wonach die Städte in den Randregionen hauptsächlich von »arbeitslosen Stadtdeppen« bevölkert würden. Zumal es schon jetzt einen »Frauenunterschuß« von 20 Prozent und damit auch kaum Chancen auf nachwachsende Generationen gebe.
Um aus dieser »Schrumpfungskrise« herauszukommen, müsse die Politik Schwerpunkte setzen. Wenn das Land nicht »verblöden« solle, müsse in Bildung, Ausbildung und Wissenschaft investiert werden. Daraus könnten sich neue wirtschaftliche Potentiale entwickeln. Auch die Kultur sei von großer Bedeutung. Künftig müßten kulturelle Leuchttürme ebenso vorhanden sein wie eine Alltagskultur. Kultur müsse als regionaler Entwicklungsfaktor begriffen werden. Insofern kritisierte Matthiesen die Entscheidung der Bundesregierung, die Kulturförderung der ostdeutschen Länder aufzugeben.
Weitere Reserven sieht Matthiesen in der Entwicklung des Tourismus. Es müßten mehr Attraktionen geschaffen werden. In diesem Zusammenhang konstatierte der Wissenschaftler auch Nachholbedarf bei der gastronomischen Versorgung. Bislang gebe es nur »Inseln im Meer von Soljanka«.
IRS-Referatsleiter Manfred Kühn sprach sich für eine stärkere Verzahnung der Politikressorts aus. Das Stadtumbau-Programm des Bauministeriums beispielsweise könne nicht allein die Strukturprobleme lösen. Dazu seien enge Abstimmungen unter anderem mit dem Wirtschaftsministerium nötig. Die noch vorhandenen Fördermittel müßten zudem »gezielt in wenigen, aber Erfolg versprechenden städtischen Zentren« gebündelt werden. Dem »Gießkannenprinzip« erteilte Kühn dagegen ein Absage.
Nach Ansicht von Matthiesen sprechen sowohl der Wegzug aus den Randregionen und der Zuzug im Speckgürtel für eine Fusion Brandenburgs mit Berlin. Die Wanderungsbewegung bezeichnet der Wissenschaftler als »Abstimmung mit den Füßen«. Es könne so interpretiert werden, daß Brandenburg bald nicht mehr als »allein operierendes Flächenland« bestehe und auf die Metropole Berlin angewiesen sei.

www.welt.de

10.07.2003
Lobenstein: AWG schreibt seit dem Jahr 2000 wieder schwarze Zahlen
Trotz zunehmender Schwierigkeiten auf dem Wohnraumsektor in Thüringen schreibe die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft eG (AWG) in Lobenstein seit dem Jahr 2000 wieder schwarze Zahlen. Das betonte der Geschäftsführende Vorstand der AWG Rolf Dreßler unlängst zur ordentlichen Mitgliederversammlung im Neuen Schloss Lobenstein.
Im vorigen Jahr sei ein weiteres Anwachsen des Leerstandes verhindert worden, obwohl sich der Wohnungsbestand infolge des Neubaus in Lehesten vergrößert habe. Gegenwärtig stünden in der AWG 75 Wohnungen leer, davon in Lobenstein 36, in Blankenstein 28, in Harra 7 und in Wurzbach 4. Dem gegenüber seien in Blankenberg, Oßla und Lehesten alle Wohnungen belegt. An den Abriss von Wohnraum wird in der AWG nicht gedacht. "Allerdings laufen zurzeit Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Lobenstein über die Vorbereitung des Abbruchs des Wohnblocks mit 24 Wohnungen im Rosenweg, ehemals Feingusswerk- Block. Der Block ist Eigentum der Stadt. Wir haben Interesse am Erwerb der Fläche und könnten dort ein Parkhaus bauen", teilt Rolf Dreßler den anwesenden Mitgliedern mit.
Verstärkte Anstrengungen habe man im vorigen Jahr unternommen, um Wohnungen noch mehr den Wünschen der Nutzer anzupassen. "Nach Sanierung aller Wohnungen 1997 werden seit 2002 verstärkt Eigenmittel eingesetzt und somit die Attraktivität der Wohnungen verbessert. Das führte zur Erhöhung der Instandhaltungskosten. Lagen diese von 1996 bis 1999 bei unter 60 000 Euro, so stiegen sie im Jahr 2002 auf mehr als 236 000 Euro an. Das zeigt, wenn es der Genossenschaft gut geht, können diese Leistungen, die nicht zu den Pflichtaufgaben eines Vermieters zählen, realisiert werden", führt Rolf Dreßler in seinem Bericht aus. Seit Januar dieses Jahres verwaltet die AWG auch 27 Eigentumswohnungen im Franz-Höhne-Weg in Lobenstein.
Dreßler wies aber auch darauf hin, dass die Entwicklung des Leerstandes den Spielraum für eine weitere Verbesserung der Wohnverhältnisse und des Wohnumfeldes beeinflusse. Das Anlagenvermögen der Genossenschaft habe einen Wert von mehr als 20 Millionen Euro, und das Geschäftsguthaben der Mitglieder sei nach Rückgängen in den Vorjahren im Jahr 2002 um 2,5 Prozent auf 689 598 Euro gestiegen.
Kredite wurden im vorigen Jahr keine aufgenommen. Rolf Dreßler beklagte aber, dass für die Gestaltung des Wohnumfeldes 2002 beantragte Fördermittel nicht genehmigt wurden.

www.otz.de

10.07.2003
Prenzlau: Unbequeme Wahrheiten für Kreisstadt
Wohnungsunternehmen, Verwaltung und Politik werden in der uckermärkischen Kreisstadt vor eine große Herausforderung gestellt. Über das Jahr 2020 hinaus sagt eine Studie des Landesumweltamtes einen nahezu "ungebremsten" Rückgang der Einwohnerzahlen voraus. Wurden im Jahr 2002 noch 21 972 Prenzlauer gezählt, werden es nach einem "Negativszenario" 2020 noch 19 283, im Jahr 2040 sogar nur noch 13 068 sein. Christine Preuß von der Potsdamer Domus Consult Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbH sprach am Mittwochabend im Fachausschuss weitere wohnungswirtschaftliche und wohnungspolitische Tendenzen in der Stadt Prenzlau an. Die Überalterung der Prenzlauer wird zu einer Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgrößen (mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte) führen. Bis zum Jahr 2015 werden demnach in der Kreisstadt mit den dazugehörigen Ortsteilen 470 Haushalte weniger benötigt. Gegenwärtig liegt die Zahl der Haushalte bei 10 505. Im negativsten Fall würde das im Jahr 2015 bedeuten, dass es in Prenzlau und dazugehörigen Ortsteilen einen Überhang von insgesamt 1766 Wohnungen auf dem Markt gibt, im "Positivszenario" wären es "nur" 710.
Allein im Ortsteil Dedelow, in dem sich zahlreiche "Plattenbauten" befinden, wird im Jahr 2015 ein Leerstand von 42,4 Prozent vorausgesagt.
Bei diesen Angaben, so Christine Preuß, sind bereits Neubauten gegengerechnet, die notwendig sind, um dem tatsächlichen Bedarf auf dem Wohnungsmarkt Rechnung zu tragen. Gegenwärtig stehen bereits 1271 der insgesamt 11 776 Wohnungen in der uckermärkischen Kreisstadt leer, was einem Durchschnitt von 10,8 Prozent entspricht. Besonders betroffen sind davon Wohnungen im Bestand des Bundesvermögensamtes und unsanierte Altbauwohnungen, überwiegend im privaten Eigentum.
Vor diesem Hintergund müssten bisher geplante Baulandausweisungen, die Umstrukturierung der Innenstadt, der Um- und Rückbau des Wohnungsbestandes und die Entwicklung des ländlichen Raumes neu durchdacht werden, stellte Juliane Schonauer aus dem Berliner Städtebau-Büro "Machleidt + Partner" bei der Vorstellung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes heraus. Schon heute gebe es Probleme bei der Vermietung frei finanzierter Mietwohnungen im Geschosswohnungsbau, was ebenfalls auf Eigentumswohnungen zutreffe. Während es bei der Vermietung sanierter Altbauwohnungen in guter Lage so gut wie keine Schwierigkeiten gibt, sei ein zunehmender Nachfragerückgang bei industriell gefertigten Wohngebäuden zu erkennen. Gering sei gegenwärtig auch die Nachfrage nach Eigenheimstandorten. Um die bauliche Entwicklung in eine zukunftsfähige Richtung zu steuern, empfiehlt das von Juliane Schonauer erläuterte Konzept im Wesentlichen die Konzentration auf das innere Stadtgebiet. So bestehe die Chance, auch bei einem weiteren Rückgang der Bevölkerung "eine stabile und stadtwirtschaftlich tragfähige Siedlungsgröße zu halten." Vize-Bürgermeister Helaman Krause (parteilos) bewertete beide Konzeptentwürfe als "sehr gescheite Papiere mit einer Reihe von unbequemen Wahrheiten für die Stadt Prenzlau". Dennoch sollten diese jetzt nicht Mutlosigkeit und Pessimismus auslösen: "Es gilt in intensiven Gesprächen tragfähige Lösungsmöglichkeiten zu finden, die Zukunft Prenzlaus mit Optimismus und Waghalsigkeit anzugehen." In den Fokus rückte Krause dabei die überfällige Entwicklung einer attraktiven Innenstadt, die Voraussetzung für ein florierendes Geschäftsleben sei: "Es wird niemand nach Prenzlau kommen, weil wir teuer entwickelte Neubaugebiete zu fabelhaften Mietpreisen haben."
Nachhaltigkeit statt Kurzatmigkeit seien nicht zuletzt bei Entscheidungen der Kommunalpolitik gefragt: "Die Zeiten sind vorbei, zu jeder Förderung bedingungslos Ja zu sagen. Prenzlaus Zukunft liegt in der Entwicklung des Zentrums und der Komprimierung der Stadt. Wenn wir diese Haltung beziehen, die finanziellen Möglichkeiten bündeln, können wir Schritt für Schritt etwas bewegen."

www.nordkurier.de

10.07.2003
Leerstand im Osten nimmt kaum ab
In Ostdeutschland sollen in diesem Jahr 34 000 Wohnungen abgerissen werden. Die Leerstände steigen weiter. Auch im Westen soll nun ein Programm zum Stadtumbau aufgelegt werden, das die Regierung aus der Streichung der geplanten Eigenheimzulage finanzieren will. Aus Sicht des Bundesverbands deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), der mit 3200 Mitgliedern mächtigsten Branchenvertretung, gibt es vor allem in den neuen Ländern noch große Probleme.
Bei den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen standen zum Jahreswechsel 406 000 Immobilien leer, insgesamt sind es in Ostdeutschland rund 1,3 Millionen. Die Leerstandsquote kletterte von 15,5 auf 16,2 Prozent, im Westen liegt sie bei nur drei Prozent. "Der Stadtumbau Ost muss daher als einer der wichtigsten Bestandteile des Aufbaus Ost oberste Priorität haben", fordert GdW-Präsident Lutz Freitag. Ohne Abrisse läge die Leerstandsquote bei 18 Prozent. Pro Jahr fließen laut GdW 160 Millionen Euro öffentliche Mittel in den Stadtumbau.
Bisher allerdings kommt die Marktbereinigung nur schleppend voran. Voriges Jahr wurden statt geplanter 45 000 nur etwa 15 000 Wohnungen zumeist in Plattenbaubezirken dem Erdboden gleich gemacht. Bis 2009 sollen insgesamt rund 350 000 Quartiere der Abrissbirne zum Opfer fallen. Allein seit dem Start des Programms vor zweieinhalb Jahren sei jedoch genau diese Zahl an Wohnungen in Ostdeutschland neu errichtet worden, kritisiert Freitag.
Zunehmend geraten ostdeutsche Wohnungsfirmen dadurch in die Existenzkrise. Die Mietausfälle wegen Leerstands veranschlagt der Verband allein im Osten inzwischen auf 920 Millionen Euro pro Jahr, bundesweit auf 1,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen die Altschulden aus DDR-Zeiten, die auf dem Wohnungsbestand liegen. Aus Steuergeldern wurden zwar 658 Millionen Euro zur Entlastung bereit gestellt. Die Finanztöpfe seien mit den bisher 137 Anträgen, von denen bislang 46 genehmigt wurden, aber bereits ausgeschöpft, klagt Freitag. "Oberstes Ziel der Wohnungspolitik" müsse es daher sein, sämtliche leer stehende und zum Abriss bestimmte Immobilien von den Altschulden zu entlasten, verlangt der Lobbyist.
Bei den Wohnungsinvestitionen erwartet der GdW mittelfristig einen weiteren Rückgang. Die Belebung im Eigenheimbau sei nur ein Strohfeuer, weil wegen der Streichung der Subvention Bauherren ihre Pläne früher verwirklichten. Die GdW-Mitglieder investierten im vorigen Jahr 9,3 Milliarden Euro und damit fast 13 Prozent weniger als 2001.

www.fr-aktuell.de

10.07.2003
Nicht mal der Abriss klappt
Beim Stadtumbau Ost wurden bislang 90 000 weniger Wohnungen abgerissen als geplant. Das beanstandete gestern Lutz Freitag, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Wohnungsunternehmen, als mangelnde Dynamik. Bis 2009 sollen in Ostdeutschland 350 000 Wohnungen verschwinden, bisher wurden 50 000 geschafft, was die steil ansteigende Leerstandskurve nur ein wenig abschwächen konnte. Gegenwärtig haben 16,2 Prozent aller Wohnungen im Osten keinen Mieter. Im Westen Deutschlands liegt diese Quote stabil bei etwa drei Prozent.
Die Leerstandskosten in Ostdeutschland summierten sich Ende 2002 auf 628 Millionen Euro, 1548 pro Wohnung. Der Verbandschef fordert einen Erlass der Altschulden wenigstens für beseitigte Gebäude. Die vom Bund zur Verfügung stehenden 658 Millionen Euro seien weitgehend ausgeschöpft. Hier müsse ebenso eine Lösung geschaffen werden wie bei der Reform der Gewerbesteuer. Die würde im Osten zur "Insolvenzfördersteuer", weil Wohnungsunternehmen trotz fehlenden Gewinns horrende Abgaben leisten müssten.
Auch die geplante Abschaffung der Eigenheimzulage hätte für den Osten gravierende Folgen, obwohl diese für einen spürbaren Vorzieheffekt sorgt. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg für Ein- und Zweifamilienhäuser im I. Quartal um etwa fünfzig Prozent. Dies sei ein Strohfeuer ohne nachhaltige Wirkung auf Bau- und Wohnungswirtschaft. Zudem hätten die Wohnungsfirmen 2002 etwa 800 Million Euro oder ein Viertel weniger als im Vorjahr in ihren Bestand investiert.

www.thueringer-allgemeine.de

09.07.2003
Hannover: GBH-Chef will Häuser abreißen lassen
Es ist nicht die beste Adresse der GBH: Über ein Drittel der Hochhauswohnungen stehen leer, und es ist wie überall in diesen Siedlungen: Wo Menschen in Wohnungen übereinandergestapelt werden, kommt es meist zu zwischenmenschlichen Problemen. Wo sich Bewohner kaum verantwortlich fühlen, verkommen Treppenhäuser, Fahrstühle, Eingänge und Keller. Straßenzüge drohen zu verwahrlosen, Versuche scheiterten, Wohnungen an Mieter zu verkaufen, sanieren käme teuer.
Cordes will diesen Prozess jetzt stoppen und ins Gegenteil verkehren. Noch ist offen, mit welchen Mitteln – aber zum ersten Mal spricht ein Geschäftsführer der GBH davon, Wohnblöcke im Roderbruch vielleicht abzureißen oder Stockwerke zu demontieren. In der Sprache des Wohnungsexperten Cordes heißt das, „Bauformen zu verändern, die unangemessen sind für Mieter mit sozialen Problemen“. Statt Hochhäuser könnte es Reihenhäuser geben, wie es in Klingenthal nach dem Abriss der Wohntürme in 2004 geplant ist.
Die GBH will aus dem Roderbruch ein Viertel machen, das sich der guten Umgebung anpasst. Auffallend viele leerstehende Wohnungen stören da, weshalb sich Cordes vorstellen kann, sie „stillzulegen, um sie als günstige Büroflächen an Kleinunternehmen zu vermieten.“ In der Theorie gibt es viele Varianten, aber nach Ansicht des neuen Geschäftsführers muss dringend etwas passieren, denn: „Wohnungen wie im Roderbruch sind nicht mehr zu füllen.“
Die GBH hat sich nun beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen um die Beteiligung an einem Pilotprojekt beworben. Zwei Millionen Euro kostet eine Vorstudie, die Alternativen im Gross-Buchholzer Wohnviertel prüfen würde, Bund und Land sollen je 800.000 Euro übernehmen und wegen der Bedeutung des Vorhabens würde sogar Kämmerer Stephan Weil 400.000 Euro bereit stellen. Berlin will untersuchen, wie sozialem und wirtschaftlichem Wandel mit „Stadtumbau“ begegnet werden kann. Eine Lösung für den Roderbruch lehnt Cordes jedoch auch ohne Studie ab: ganze Blöcke billig zu verkaufen. „Der Eigentümer vermietet dann jahrelang günstig, kümmert sich um nichts und hinterlässt der Stadt ungelöste soziale Probleme.“

www.haz.de

09.07.2003
Greiz: Arbeitsgruppe "Stadtumbau" am Montag konstituiert
Am Montagnachmittag konstituierte sich im Greizer Rathaus eine Arbeitsgruppe "Stadtumbau" unter Regie des Stadtbauamtes. Ihr gehören an die Wohnungsgesellschaften, die Fraktionen, Vertreter der Privateigentümer, der Makler, der Kirche, des Denkmalschutzes und des Innenministeriums.
Der Sitzung am Montag ging voraus am 25. Juni eine Diskussion in der Stadtratssitzung zum Greizer Stadtentwicklungskonzept. Angesichts der noch vorhandenen offenen Fragen hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Jatho die Gründung genannter Arbeitsgruppe gefordert, in der das Konzept der Stadtentwicklung weiter bearbeitet werden sollte.
In der konstituierenden Sitzung erteilte Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann dem in Dresden ansässigen Dipl-Ing, Architekt und Planer Hermann Sträb das Wort, der am Entwurf des Stadtentwicklungskonzeptes für die Kreisstadt großen Anteil hatte. Er begrüßte die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Stadtentwicklung. Trotz einiger Schwierigkeiten habe seiner Ansicht nach Greiz einen vergleichsweise hohen Standard bei der Ausarbeitung des Stadtentwicklungsplanes erreicht.
Ihm legten die Fraktionsvorsitzenden nochmals ihre Standpunkte dar. Harald Jatho wollte u. a. konkretere Ausführungen, was mit den Flächen geschehe, auf denen die Häuser abgerissen wurden, Reiner Vogel (PDS) monierte, dass in die bisherige Ausarbeitung zu wenig Bürger einbezogen bzw. deren Hinweise zu wenig berücksichtigt wurden. Jürgen Frantz (CDU) unterstrich, dass für die Überarbeitung des Konzeptes nicht allzu viel Zeit vergehen sollte und setzte sich dafür ein, aus diesem Thema keinen Wahlkampf zu machen. Jens Geißler (IWA) verlangte u. a. mit in die Konzeption aufzunehmen, wie die Wohnungsmarkt-Schwierigkeiten in Greiz bewältigt werden sollen mit konkreten Festlegungen. Der Bürgermeister entgegnete dem PDS-Fraktionschef, dass es zur Entwicklungskonzeption bereits sechs Bürgerversammlungen gegeben habe.

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08.07.2003
Die schrumpfende Stadt
"Die Platte wird platt gemacht." So lautete die saloppe Formulierung, unter der der komplette Umbau vieler Städte in der ehemaligen DDR ab Ende der 90er-Jahre zusammengefasst wurde: Tief greifende Strukturveränderungen, rückläufige Bevölkerungszahlen und verstärkte Stadt-Umland-Wanderungen hatten vielerorts zu enormen Leerständen geführt, insbesondere in den Plattenbausiedlungen, von denen daraufhin einige großflächig abgerissen wurden und werden.
Aber auch im Westen der Republik werden Anzeichen eines langfristigen Wandels der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur deutlich. Verluste an Unternehmen, Arbeitsplätzen und Einwohnern stellen viele Kommunen ebenfalls vor die Herausforderung, Konzepte für die schrumpfende Stadt zu entwickeln. Die Bundesregierung hat dazu Anfang des Jahres im Rahmen des Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) das Forschungsfeld "Stadtumbau West" initiiert. Pilotvorhaben in elf Projektstädten sollen klären helfen, wie den negativen Entwicklungen in nicht mehr durch Wachstum geprägten Stadtregionen entgegengewirkt werden kann. 15 Millionen Euro Bundesmittel stehen dazu zur Verfügung, die von den Gemeinden bzw. Ländern kofinanziert werden müssen. Beteiligt sind die Städte Albstadt, Bremen, Bremerhaven, Lübeck, Oer-Erkenschwick, Pirmasens, Salzgitter, Selb, Völklingen, Wildflecken und Wilhelmshaven.
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08.07.2003
Weniger Wohnungen
Der hohe Wohnungsleerstand in Thüringen hat Konsequenzen. Im vergangenen Jahr wurden im Freistaat mehr als 6000 Wohnungen abgerissen, berichtete das Statistische Landesamt. Insgesamt wurden durch Abriss, Zusammenlegung sowie gewerbliche Nutzung 6292 Wohnungen mit einer Fläche von 361 900 Quadratmetern vom Markt genommen. Das waren erstmals 153 Wohnungen mehr als neu gebaut wurden. Es war gleichzeitig die deutlichste Marktbereinigung innerhalb eines Jahres seit 1991. Insgesamt fielen im vergangenen Jahr 674 komplette Wohngebäude, darunter viele Plattenbaublocks, der Abrissbirne zum Opfer. Nur knapp ein Viertel wurde für Neubauvorhaben abgerissen.
Die steigende Zahl hängt mit dem Programm "Stadtumbau Ost" zusammen, mit dem versucht wird, die Zahl der leer stehenden Wohnungen zu verringern. Das für Wohnungs- und Städtebau zuständige Innenministerium rechnet in diesem Jahr mit dem Abriss von bis zu 7000 Wohnungen im Freistaat. Bund und Land stellen dafür allein 2003 etwa 24 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen noch mehr als 40 000 Wohnungen abgerissen werden.

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08.07.2003
Finanznot bremst Stadtumbau Ost
Bis 2009 erhält Mecklenburg-Vorpommern rund 311 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“. 2002 ist das Rückbauprogramm laut Landesbauministerium zügig realisiert worden. 31 Fördergebiete in 25 Kommunen mit insgesamt 5100 Wohnungen bekamen Mittel aus dem Fördertopf Stadtumbau Ost.
Bundesweit wurde 2002 der Abriss von rund 45 000 Wohnungen gefördert. 197 Gemeinden sind in das Stadtumbauprogramm aufgenommen worden. „Die Anträge konnten in voller Höhe und innerhalb weniger Wochen bewilligt werden“, sagte Michael Gäbert vom Schweriner Bauministerium.
Trotzdem auch in diesem Jahr die Nachfrage im Land groß ist, stockt der Mittelfluss. „Länder wie Nordrhein-Westfalen und Bayern zögern ihre Unterschrift unter die Verwaltungsvereinbarung hinaus. Es gibt Unmut darüber, dass soviel Geld in den Osten fließt“, erklärt Gäbert. Er hofft auf eine gütliche Einigung bis Ende Juli. Allein für den Rückbau von leer stehenden Wohnungen stehen landesweit 117 Millionen Euro zur Verfügung. „Hier ist das Interesse bislang am größten“, so Gäbert.
Der Städte- und Gemeindetag schätzt das Programm weniger positiv ein. „Für einzelne Kommunen kommt es in Frage. Generell ist das aber nicht der richtige Weg. Der Stadtumbau Ost hilft im Zweifel auch nur den Kommunen, die noch Geld haben. Und das sind bekanntlich wenige im Land“, kritisiert Michael Thomalla vom Städte- und Gemeindetag M-V.
Sigfried Wieland vom Stadtplanungsamt Greifswald hält das Programm dagegen für ein wichtiges Förderinstrument zur Aufwertung von Stadtquartieren. Die Hansestadt hat für den Rückbau von knapp 500 Wohnungen Zuschüsse in Höhe von 1,6 Millionen Euro beantragt.
Auch in Wismar wird ungeduldig auf die Bewilligung der Fördermittel gewartet. „Wir sind mit der Förderpraxis nicht einverstanden. Die Antragsbearbeitung läuft schleppend“, kritisiert Michael Berkhahn (CDU), Senator für Bauwesen und kommunale Betriebe. Für 2003 beantragte die Kommune aus dem Programm Gelder in Höhe von insgesamt acht Millionen Euro.
Die Boddenstadt Ribnitz-Damgarten hat hingegen keine Fördermittel aus dem Programm abgerufen. „Bei uns ist Wohnungsleerstand noch kein großes Problem“, erklärt Heiko Werth vom Ribnitzer Stadtplanungsamt

www.ostsee-zeitung.de

08.07.2003
Torgau:  Wohnungsabriss ist unumgänglich
Unter Berücksichtigung der schwieriger gewordenen Marktlage steht auch die Torgauer Wohnstätten GmbH vor einer großen Herausforderung. Ein in den letzten Jahren wachsender Wohnungsleerstand bei gleichzeitigem Rückgang der Bevölkerungszahl zwingen zum Handeln.
"Die wirtschaftliche Lage und die hohe Arbeitslosigkeit führen zu einer verstärkten Abwanderung, vor allem von jungen Leuten", nannte Andreas Huth, Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten GmbH, einen wesentlichen Grund für die Misere. Im Rahmen der integrierten Stadtentwicklung wurde gemeinsam mit der Stadtverwaltung daher ein Konzept abgestimmt.
Das sieht in den Jahren bis einschließlich 2007 den Rückbau (Abriss) von insgesamt 470 Wohnungen vor. Bei einem derzeitigen Bestand der Gesellschaft von 3523 Wohnungen ist das schon eine beachtliche Zahl. Noch in diesem Jahr geht man an die Umsetzung. 61 Wohnungen, die bereits ohne Mieter sind, sollen rückgebaut werden. Das sind konkret die Objekte "Am Fort Zinna" 9/10, die Dommitzscher Straße 45 a/b/c, das Hinterhaus in der Dommitzscher Straße 23 und möglicherweise das Haus Dorfstraße 14 in Graditz.
Im kommenden Jahr stehen zwei Wohnblöcke im Strandbadweg (109-115 und 117-123) zur Disposition. "Die weiteren Entscheidungen wird die Zeit bringen. Wir wollen in Jahresscheiben vorgehen", so Huth. Voraussetzung für die Realisierung des Konzeptes ist jedoch die Bereitstellung entsprechender Fördermittel. Über das Programm "Stadtumbau Ost" wäre dies möglich. Die Stadt hat auch die erforderlichen Anträge gestellt. Da in Sachsen eine Haushaltssperre verhängt wurde, ist wieder völlig offen, ob ausreichend Kassenmittel durch die SAB bereitgestellt werden können.
Nach dem jeweiligen Abriss werden zunächst Grünflächen entstehen. Eine spätere Bebaubarkeit ist nicht ausgeschlossen.

www.hier-leben.de

07.07.2003
Bauminister entdeckt den Stadtumbau
Bundesbauminister Manfred Stolpe will den Stadtumbau Ost zu einem Schwerpunktthema seiner Politik machen. Offenbar in Reaktion auf Kritiker, die über schleppende Fortschritte und Anlaufprobleme des Stadtumbauprogramms der Bundesregierung angesichts von 1,3 Mio. leerstehenden Wohnungen in den neuen Ländern klagen, sicherte Stolpe jetzt zu: "Ich werde sorgfältig prüfen, ob es Hemmnisse gibt. Mit den erreichten Verbesserungen gebe ich mich nicht zufrieden. In den nächsten Tagen will ich mir deshalb selbst ein Bild machen und mehrere Städte besuchen."
Auf dem Terminkalender für Juli stehen Stippvisiten in Zwickau und Döbeln in Sachsen, Guben an der polnischen Grenze, Wismar in Mecklenburg sowie der Süden Thüringens. Problemfälle wie Wittenberge, wo Teile der Altstadt abgerissen werden, weil vorschnell Plattenbauten saniert wurden, gehören nicht zum Reiseprogramm. Dagegen ließ es sich der Minister nicht nehmen, zum Auftakt der Städtetournee seine Aufwartung in Halle/Saale zu machen, der Stadt mit dem größten Bestand an Plattenbauten nach Berlin.
Als theoretisches Rüstzeug führt Stolpe die Ergebnisse eines Workshops im Bundesbauministerium am 1. Juli im Gepäck. Dort seien Verbesserungen des Stadtumbau-Instrumentariums durch die Verwaltungsvereinbarung 2003, die Verankerung des Stadtumbaus im Haushalt 2004 sowie die Ergebnisse der Auswertung von 270 Stadtentwicklungskonzepten erörtert worden, die die Kommunen 2002 im Rahmen eines Wettbewerbs zum Stadtumbau Ost erarbeitet haben, referierte der Minister vor den Zuhörern in Halle. Auf die Problematik des Stadtumbaus West, der angesichts des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs allein im Ruhrgebiet um eine Million Menschen ebenfalls bereits in greifbare Nähe rückt, ging er dagegen nicht ein. Ebenso sparte er auch diesmal raumordnungspolitische und planungstheoretische Überlegungen aus.
Die Hallenser als erste Gastgeber der Stadtumbautournee durften sich im Wohlwollen des Ministers sonnen. Ihren (eher noch zaghaften) Stadtumbaumaßnahmen zollte er Lob. Mit dem Abriss von 900 Wohnungen in Halle-Neustadt und Silberhöhe (Gesamtbestand an Plattenbauwohnungen in beiden Stadtteilen: 66 000) sei "ein erster Schritt zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes" getan. Besondere Anerkennung verdiene, dass der Stadtumbau in Halle mit einer massiven Aufwertung der Innenstadt einhergehe.
www.welt.de

06.07.2003
Neubrandenburg: Gästewohnung - Ein Ausweg für den Leerstand?
An diesem Wochenende dürfte es schwer werden, eine Gästewohnung in Neubrandenburg zu bekommen. Zwar bieten mittlerweile Tochtergesellschaften der beiden großen Wohnungsunternehmen günstige Übernachtungsplätze für Besucher der Stadt an. "Doch durch die norddeutschen Meisterschaften der Nachwuchs-Triathleten ist bei uns alles ausgebucht", weiß Siegfried Scheffler. Der Geschäftsführer der Wohnheimbetriebgesellschaft beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Gedanken, wie Gäste der Stadt komfortabel und dennoch erschwinglich unterkommen. Angefangen hatte es mit einem ehemaligen Wohnheim in Monckeshof. Im Haus "Burgwald" gab es eine möbelierte Gästewohnung, die durch Mundpropaganda weiter empfohlen wurde und "nicht so richtig lief".
"Als wir vor fünf Jahren das Haus des Sports übernahmen, zeigte sich die Nachfrage nach Ein- bis Zweiraumwohnungen, die befristet vermietet werden", berichtet Scheffler. Inzwischen gibt es solche Wohnungen auch in Fritscheshof. Derzeit werden gerade 16 Unterbringungsmöglichkeiten am Markscheiderweg von Handwerkern hergerichtet. Bauleute und Dienstreisende nutzen für ein viertel- oder halbes Jahr solche Übernachtungsmöglichkeiten mit kleiner Küche und Bad. Stehen sie leer, können sie auch für ein Wochenende vermietet werden. Scheffler registrierte vor allem Fahrradfahrer, seitdem das Angebot im Internet publiziert wird. Zwischen 40 und 60 Euro kostet das für ein Wochenende.
Ein gutes Angebot, vergleicht man Angebote in Leipzig, wo die Nacht für zwei Personen 25 Euro kostet, oder Dresden: Hier nimmt eine Genossenschaft für eine Person und Nacht 16 Euro, für jede weitere Person 8 Euro. Ob Gästewohnungen wie in den beiden Großstädten eine Alternative für leerstehende Plattenbauten in Neubrandenburg werden könnten, weiß Erhard Prestin von der Neuwoba nicht. Das Neubrandenburger Unternehmen habe zunächst die Erfahrungen einer Greifswalder Genossenschaft aufgegriffen und bietet seit ein paar Wochen auf dem Lindenberg und in der Oststadt vier solcher Gästewohnungen an. Jene mit nur einem Zimmer kosten 15 Euro pro Übernachtung. Eine fünfte Wohnung sei in Arbeit. Die Neuwoba bemüht sich um solche Angebote in jedem Stadtviertel. Das Problem: Am Wochenende sind sie ausgebucht, dazwischen stehen sie meist leer.

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06.07.2003
Prenzlau: Mietausfälle belaufen sich auf 311 000 Euro
Säumige Mieter machen der Wohnbau GmbH Prenzlau bereits seit Jahren das Leben schwer. Mittlerweile scheint das Unternehmen in punkto Erlösschmälerung aber fast an der Schmerzgrenze angelangt zu sein. Im ersten Quartal wurden Ausfälle in Höhe von 311 000 Euro verbucht.
"Das macht über zehn Prozent der Gesamteinnahmen aus", verdeutlicht Mitarbeiter Lothar Blank die Brisanz der Zahlen. Sicher spielten auch Ausfälle durch Leerstand in diese Statistik mit hinein, relativierte er die Erhebung. Aber bei ungenutztem Bestand stehe man im Vergleich zu anderen Vermietern noch recht gut da.
Von den insgesamt 4279 Wohnungen der GmbH seien zwar 528 nicht vermietet, 89 habe man allerdings wegen baldigen Verkaufs freigezogen. "Weitere 119 gelten als unbewohnbar und 144 stehen vorm Abriss", stellte Blank klar. "Über die Hälfte der Ausfälle geht wirklich auf das Konto von Mietern, die nicht zahlen wollen beziehungsweise können".
Seit Jahresbeginn habe man schon wieder 39 Kündigungen ausgesprochen. "In 12 Fällen erfolgte daraufhin eine Begleichung der Schulden, in 17 weiteren wurde eine Abzahlung vereinbart. Der Rest allerdings ist uns weiter sämtliche Außenstände schuldig", legt Blank den Finger auf die Wunde. Hier werde und dürfe man nicht lockerlassen. "Wir können wirklich behaupten, uns im Interesse der Mieter auf fast jede Vereinbarung einzulassen. Aber wenn einer partout nicht will und auch nicht die Hilfen des Sozialamtes in Anspruch nimmt, dann kämpfen wir das aus", verweist Blank auf Hartnäckigkeit und führt mit Blick auf die über 60 Haushalte, bei denen man schon wieder mit Zahlungsbefehlen um die Miete kämpfe, die Räumungszahlen an.
Seit 1999 sei die Wohnbau GmbH 22-mal den Weg bis zum bitteren Ende gegangen, sprich habe aufgrund von Rückständen gekündigt, dann einen Zahlungsbefehl erwirkt, Klage auf Räumung eingereicht, sechs bis sieben Monate bis zum Gerichtstermin abgewartet, dann den Titel bekommen und letztlich den Vollstrecker bestellt. "Das hat uns jedesmal unheimlich viel Geld gekostet. Meist blieben wir sogar auf den Kosten für den Vollstrecker - alles in allem jedesmal über 2000 Euro - sitzen. Aber im Interesse der Glaubwürdigkeit können wir nicht akzeptieren, dass unsere berechtigten Forderungen ignoriert werden. Sonst fragt sich irgendwann jeder: Warum soll ich zahlen, wenn andere trotz Schulden wohnen bleiben?"
Dass die Mehrzahl der geräumten Wohnungen danach nicht mehr bezogen wurde, sei den sinkenden Bevölkerungszahlen geschuldet. Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen gingen zwar noch immer weg wie warme Semmeln, bei größeren Einheiten ab 100 Quadratmetern sehe es allerdings schlecht aus. Obwohl der Quadratmeterpreis mit drei Euro vergleichsweise niedrig und der Bestand zu 70 Prozent saniert sei. "Wenn nicht bald der Abwanderung Einhalt geboten wird, sehen auch wir schwarz".

www.nordkurier.de

05.07.2003
Bleicherode: Genossenschaft senkt Anteile und Beitrittsgelder
107 Mitglieder aus Bleicherode und Heringen beteiligten sich an der diesjährigen Generalversammlung der Kreiswohnungsbaugenossenschaft Bleicherode eG. Die gefassten Beschlüsse orientierten sich an der derzeitigen negativen Situation auf dem regionalen Wohnungsmarkt, der mittlerweile von Leerständen gekennzeichnet ist. So waren sich die anwesenden Mitglieder darüber einig, das Wohnhaus in der Gartenstraße 4 bis 8 in Bleicherode mit 40 Wohneinheiten abzureißen. Andererseits wird bereits seit mehreren Jahren die Strategie verfolgt, mit hochwertigem Wohnraum, einem gepflegten und ansprechenden Wohnumfeld und einem Rundum-Service eine gute Basis für die Zufriedenstellung der Mieter zu schaffen, was bisher auf positive Resonanz stieß. Besonders in Zusammenarbeit mit den für die Genossenschaft tätigen Handwerksunternehmen bildete sich unter den Aspekten der Qualität und Termintreue ein gut funktionierendes Dienstleistungszentrum heraus, das den gestellten Ansprüchen gerecht wird.
Der geplante Abriss entlastet zwar die betroffenen Unternehmen vom unrentablen Betreiben leer stehender Gebäude, doch auch nach Durchführung des beschlossenen Abbruches schlagen die Fakten mit 105 Leerwohnungen in Bleicherode und 16 in Heringen negativ zu Buche. Ein entsprechendes Mieterpotenzial in der industrieschwachen Region zu finden und anzusprechen, wird für alle Wohnungsunternehmen immer komplizierter oder beinahe unmöglich.
Der Vorstandsvorsitzende der KWBG, Frank Loup, erläuterte den Jahresabschluss mit einer Bilanzsumme von 33,2 Millionen Euro und den Lagebericht für das Geschäftsjahr 2002. Mit großer Akzeptanz der anwesenden Mitglieder - und daher einstimmig - wurde die Verringerung der Genossenschaftsanteile für die jeweiligen Wohnungen sowie für den Beitritt als Mitglied beschlossen, was von Seiten des Vorstandes als notwendiger Schritt in Richtung der Verbesserung der Marktfähigkeit angesehen wird.
www.thueringer-allgemeine.de

05.07.2003
Delmenhorst: Teilabriss der Wohnblocks soll Gesundung des Viertels voranbringen
Die Großwohnanlage am Wollepark soll sich innerhalb der nächsten sechs bis zehn Jahre – so die zeitliche Vorstellung der Planer – von einer unansehnlichen und teilweise leer stehenden Betonwüste in ein vitales Viertel verwandeln. Die Planungspolitiker des Stadtrates unterstützten am Dienstagabend einstimmig einen Rahmenplan, der vom Bremer Büro Lepère erarbeitet worden war. Zentraler Baustein des Gesundungskonzeptes ist der Teilabriss von Wohngebäuden im Umfang der jetzigen Leerstände. Es geht um gut 500 der rund 1.100 Wohnungen. Für den Abriss haben die Planer insbesondere den Bereich zwischen Stedinger Straße und Am Wollepark ausgeguckt. Dort sollen Gewerbeflächen entstehen, wobei Einzelhandel wegen der Nähe von Anbietern wie Kaufland und Jute nicht in Frage kommt. Auch für den nördlichen Teil des Wolleparks (Schwabenstraße, Pommernstraße, Westfalenstraße) ist vorgesehen, einzelne Blocks abzuräumen und durch Reihenhausbebauung zu ersetzen. Darüber hinaus planen die Fachleute, das gesamte Quartier stärker zu durchgrünen, mit neuen Plätzen aufzulockern und den Straßenraum teilweise umzugestalten. Architekt Klaus von Ohlen, der die Überlegungen des Büros Lepère im Planungsausschuss vortrug, unterstrich: Kein Bewohner muss befürchten, kurzfristig seine Wohnung zu verlieren. „Wir wollen niemanden vertreiben.“ Für alle Mieter der Blocks, die in einigen Jahren zur Disposition stehen, würden vorher mindestens gleichwertige Wohnungen bereitgestellt. Ebenso einhellig wie den Rahmenplan für den Wollepark unterstützten die Planungspolitiker den Entwurf für eine Umgestaltung der Außenanlagen des angrenzenden Jugendhauses Sachsenstraße. Im Rahmen einer „Zukunftswerkstatt“ hatten sich die Besucher des Jugendhauses mit zahlreichen Ideen zu Wort gemeldet, die in das Konzept der Fachleute einflossen. Für insgesamt 230.000 Euro sollen unter anderem zwei Ballspielfelder, eine Ecke mit Wasserspielen, ein Kletterberg, eine Bühne und ein Bereich für Kleinkinder angelegt werden.
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05.07.2003
Pasewalk: Abrissauftrag geht an brandenburgischen Betrieb
Etliche Abrissunternehmen haben in den vergangenen Wochen auf Aufträge in Eggesin gehofft. Umsonst: Ein Unternehmen aus Geltow bei Potsdam wird mehrere leerstehende Neubaublöcke mit insgesamt 418 Wohnungen abreißen, die mit etwa 1,3 Millionen Euro aus dem Programm "Stadtumbau Ost" des Bundes gefördert werden. Als Maximalpreis für den Abriss setzte das Land 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche fest. Letztlich ging der Auftrag aber für knapp 30 Euro an die brandenburgische Firma. Das Geltower Unternehmen habe alle drei Lose gewonnen : Los 1 beinhaltet die Zlotower Straße 13-20 (88 Wohnungen), Los 2 die Bytzeck-Straße 16-21 und 37-42 (180 Wohnungen) und Los 3 die Bytzeck-Straße 1-6 und 22-36 (120 Wohnungen). Bei den drei Angeboten lag die Geltower Firma teilweise weit unter den Vorgaben der Konkurrenz.
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05.07.2003
Weida: Nach dem Markt andere Objekte im Blickfeld

Stadtrat Weida stimmt Jahresprogrammantrag 2004 für Sanierung zu Von Volkmar Fischer Weida. Nachdem in der Stadt Weida etwa vier Jahre lang die Sanierung des Marktbereiches im Mittelpunkt stand, rücken nun andere Objekte ins Blickfeld. So etwa der Umbau des ehemaligen Filmtheaters zum Bürgerhaus, die Schlosswache und Umfassungsmauern der Osterburg.
Gleichsam einmütig bestätigte man den Jahresprogrammantrag 2004 für den Teil Rückbaumaßnahmen im Stadtumbau Ost. Es handelt sich dabei um förderfähige Gesamtkosten in Höhe von 207 100 Euro, von denen zwei Drittel (138 067 Euro) als Finanzhilfe von Bund und Land beantragt werden. Ein Drittel (69 033 Euro) trägt die Stadt Weida. Zu den beabsichtigen Vorhaben des Jahres 2004 gehören dabei u.a. Rückbau- und Wohnumfeldgestaltungen in der Aumaer Straße 6, der Zimmerstraße 2, Zimmerstraße 4, Gräfenbrücker Straße 2 und Schloßstraße 9. Weiter sind im Jahresantrag für das Fortschreibungsjahr 2005 die Objekte Wallstraße 3 und 5, mit 70 600 bzw. 75 100 Euro enthalten, sowie der Platz der Freiheit 10/11 (100 000 Euro) und Kirchplatz 2 (50 000 Euro).

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03.07.2003
Gestaltung der Leere ist nötig
Vor allem in den neuen Bundesländern (NBL) drohen den Kommunen in den nächsten Jahrzehnten drastische Bevölkerungsverluste. Von noch 1998 rund 15 Millionen Einwohnern in den NBL werden hier demographisch bedingt nur noch etwa neun Millionen leben und wohnen, im Jahr 2100 könnten es mit hoher Wahrscheinlichkeit unter fünf Millionen sein, prognostizierte gestern Albrecht Göschel vom Deutschen Institut für Urbanistik (Berlin) beim von der LBS Hessen-Thüringen organisierten 7. "Erfurter Baugespräch" vor knapp 200 Fachleuten im Sparkassen-Finanzzentrum.
Göschel bewertete die Entwicklungsprognosen für die NBL als "äußerst bedenklich", denn längst sei klar, dass der "Umbau Ost" für viele Regionen zu einem gravierenden "Rückbau" mit enormen bevölkerungsmäßigen, baulichen und infrastrukturellen Schrumpfungsprozessen werde. Abgesehen von durchschlagenden Auswirkungen auf die Sozialsysteme werde durch den Bevölkerungsrückgang die "Gestaltung der Leere" eine zentrale Herausforderung für kommunale Planer und die Politiker.
Diesem Problem widmeten sich die Experten beim 7. Erfurter Baugespräch. Die demografische Entwicklung und die Abwanderung in prosperierende Regionen anderer Bundesländer auf der Suche nach Arbeit treffe die Wohnungswirtschaft Thüringens hart, beschrieb Hermann Priester, Sprecher der Geschäftsleitung der LBS Hessen-Thüringen, die schwierige Lage. Zusätzlich zur Abwanderung aus Thüringen gebe es für viele Städte das Problem der "Abwanderung ins Umland". Experten würden hier nicht mehr von "Stadtflucht" sondern als Folge von Verkehrsaufkommen, Lärm, Umweltverschmutzung, unattraktivem Wohnraum und -umfeld sowie zu teuren Grundstückspreisen von "Stadtvertreibung" sprechen.
Bedingt durch Beschäftigungsmöglichkeiten und die Lebensqualität mit ausmachende kommunale Anziehungskraft nur wenige Städte in Thüringen wie etwa Jena oder vielleicht noch Erfurt oder Weimar ihren Bevölkerungsstand einigermaßen halten können, schätzten Experten die Lage ein. Hannes Hubrich (Bauhaus-Uni Weimar) fordert ein. "Umdenken in der Behandlung der städtischen Wohnungslandschaft". Die bisherige Immobilien-Bewertung - auch mit Blick auf die Altersvorsorge - wird durch den Bevölkerungsrückgang grundsätzlich erschüttert.

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02.07.2003
Strasburg: Sanierungsgebiet soll erweitert werden
Das Sanierungsgebiet Altstadt Strasburg soll erweitert werden. Im bislang ausgewiesenen Gebiet sei seit Mitte der 90-er Jahre im öffentlichen wie auch im privaten Bereich nahezu alles saniert worden, begründet Bauamtsleiter Heinz Hoffmann das Vorhaben, über das die Strasburger Stadtvertreter am kommenden Donnerstag auf ihrer nächsten Tagung befinden sollen.
Viele private Eigentümer hätten die Chance genutzt, ihre Häuser mit Hilfe von Fördergeldern auf Vordermann zu bringen. Jetzt wolle die Stadt auch anderen Eigentümern diese Chance einräumen. Die Möglichkeit der Erweitung habe man der Landesregierung im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost abgerungen, meinte Hoffmann, der darauf verwies, dass der Stadt Strasburg damit aber keine zusätzlichen Gelder zur Verfügung stehen. "Die Mittel verteilen sich dann nur auf eine größere Fläche", verdeutlichte der Bauamtsleiter. Aus dem jetzt ausgewiesenen Gebiet werde einiges herausgenommen.
In dem neu ausgewiesenen Sanierungsgebiet könnten dann die gleichen Bedingungen geschaffen werden wie im bisherigen und Straßen, Wege und Plätze erneuert werden. In den einbezogenen Straßen gebe es einen teilweise sehr hohen Leerstand. Viele Gebäude seien dort sanierungsbedürftig. Aus städtischer Sicht werde jedoch "das Minimum an Eigenmitteln" die Anzahl der Maßnahmen begrenzen. Ohnehin werde nicht mehr so großzügig wie in der Vergangenheit gefördert.

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01.07.2003
Greiz: Wohnungs-Leerstand von 60 % macht Eigenbetrieb zu schaffen
Der Wohnungsleerstand macht dem Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft trotz voranschreitender Sanierung enorme Probleme. Werkleiter Gerd Grüner, der dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Jahresabschluss 2001 des Eigenbetriebes vorlegte, sprach von aktuell 60 Prozent Leerstand. Bereits 1997, bei der Gründung des Eigenbetriebes, habe dieses Hauptproblem gestanden. Den "gewaltigen Sanierungsstau", der bis 1997 aufgelaufen war, versuchte man inzwischen aufzuarbeiten. Folgerichtig gebe es in den sanierten Gebäuden, wie bspw. der Franz-Feustel-Straße, wieder mehr Mieter. Der Wohnungsbestand des Eigenbetriebes umfasste zum Jahresende 2001 insgesamt 1004 Mietwohnungen und 57 gewerbliche Einheiten. 21 Wohnungen und 4 Gewerbeeinheiten davon sind noch immer mit Restitutionsansprüchen behaftet. "Die Ertragslage der Hausbewirtschaftung", so stellt der Wirtschaftsprüfer von der Bavaria Treu AG in seinem Bericht fest, "konnte 2001 durch die kritische Leerstandssituation nicht zufrieden stellen". Ein Jahresfehlbetrag von 195000 Euro oder 381.762,13 DM ist festzustellen, der mit dem Verlustvortrag aus dem Jahr 2000 verrechnet werde, was insgesamt einen Verlustvortrag auf neue Rechnung von 1,275 Millionen DM ausmacht, wie Gerd Grüner den Stadtrat am Mittwoch informierte. Er begründete, dass der Jahresverlust aus 2001 im Wesentlichen daraus resultiere, dass außerplanmäßige Abschreibungen für die Brauhausgasse 5 in Höhe von 150000 Euro gebildet worden seien. Von den einzugehenden Mieten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro sind 524000 Euro nicht erlöst worden. Ein Verlust, der vor allem aus dem Leerstand infolge schlechten baulichen Zustandes der Gebäude resultiert. Über 56000 Euro Mietforderungen sind 2001 abgeschrieben worden. Sanierungsobjekte im Gesamtumfang von 2,1 Millionen Euro sind in Angriff genommen worden, so u. a. in der Franz-Feustel-Straße, Leonhardtstraße, Weberstraße, Rosa-Luxemburg-Straße, Salzweg, in Caselwitz und in der Mühlgasse. 29 Immobilien verkaufte der Eigenbetrieb im Jahr 2001 für zusammen 401500 Euro.
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