Newsticker Archiv Juli 2004
31.07.2004
Hamburg-Wilhelmsburg: Behörde fördert
Open-Air-Kino
Riesenfreude bei den Organisatoren des Open-Air-Kinos
"Cinema paradiso" in Wilhelmsburg. Wenige Stunden bevor gestern Abend die erste
Vorstellung begann, kam von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt die
Nachricht, dass das Filmfest auf der Elbinsel mit 25 000 Euro unterstützt wird.
Die Förderung erfolgt im Rahmen des Forschungsvorhaben "Stadtumbau West". Wie
ausführlich berichtet, sollen an 32 Tagen hintereinander jeden Abend
Filmvorstellungen stattfinden. Die Leinwand steht zwischen alten Werften, Kränen
und Fabriken direkt am Reiherstiegkanal. Der Blick reicht von der
Köhlbrandbrücke über die Hauptkirche St. Michaelis bis zum Fernsehturm. Gespielt
wird täglich ab Einbruch der Dunkelheit, Einlass ist ab 20 Uhr.
Die Förderung durch die Behörde erfolgt auch vor dem Hintergrund, den Standort
Wilhelmsburg, die größte bewohnte Flussinsel Europas, den Hamburger Bewohnern
nördlich der Elbe bekannt zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, das
Flair und die Atmosphäre der Insel zu erfahren.
www.han-online.de
31.07.2004
Wittenberge: Stadtumbauzeitung
Der neue STADTUMBAU ist da, die Zeitung zur
Stadtentwicklung in Wittenberge. Wolf Kaufmann vom Sanierungsträger BIG
Städtebau ist zufrieden mit dem Blatt - und ein bisschen stolz. "Unsere Zeitung
gilt in Brandenburg als beispielhaft", sagt er, und verdanken könne man das vor
allem Matthias Klenke, dem freischaffenden Redakteur aus Berlin. "Er kennt
Wittenberge mittlerweile richtig gut."
Seit 1992 wird die Sanierung, damals unter GSW-Regie, mit einer Zeitung
begleitet. ALTSTADT NEU hieß sie zuerst. "Ein DIN A 4-Informationsblatt, das man
leicht mit Reklame verwechseln konnte. Eine Zeitung muss auch wie eine Zeitung
aussehen, damit sie ernst genommen wird." 1996 hatte er den Kampf gewonnen, das
doppelte Format und angemessenen Raum für die brisanten Themen. "1996 haben wir
mit dem Stadtumbau eigentlich schon angefangen", belegt er an der Ausgabe, in
der es um den Rückbau des Packhofviertels ging. Information, Diskussion,
Beratung - so könnte man das Profil der Zeitung beschreiben, deren Herstellung
aus dem Teil der Mittel für die Städtebauförderung bezahlt wird, der für die
Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen ist. Ohne dass die Einwohner die Entwicklung
begleiten, geht es eben nicht. Dass die Maßnahmen, auch unpopuläre, immer mehr
Verständnis erfahren, ist auch Verdienst der Zeitung. Die neueste Ausgabe stellt
Themen zur Diskussion: Was wird mit der Giebelfläche Stern? "Die Zusammenarbeit
mit dem Wettbewerbsgewinner Raumlabor ist inzwischen abgebrochen worden - wir
müssen einen neuen Ansatz finden", erklärt Kaufmann. Er will eine Arbeitsgruppe
bilden.
Ein anderes Thema: die Brachen an den Rändern der großen Einfahrtstraßen. "Man
fährt von einer Lücke zur anderen", Bäume, Hecken, Zäune oder ganz was anderes,
aber Einheitliches als ortsbildverbessernde Zwischenlösung, denn es handele sich
ja vielfach um Privatgrundstücke.
www.svz.de
28.07.2004
Wolfen: Bauzustand spielt beim Abriss keine Rolle
Der Geschäftsführer der Erneuerungsgesellschaft
Wolfen-Nord (EWN) hat das Vorgehen verteidigt, in dem Stadtteil auch erst vor
wenigen Jahren sanierte Wohnblöcke abzureißen. Der Leerstand dort sei so hoch,
dass ein Erhalt betriebswirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei, sagte Harald
Rupprecht am Dienstag auf MZ-Anfrage. Im Durchschnitt bringe jede leere Wohnung
einen Verlust von einem Euro pro Quadratmeter und Monat für die betroffene
Wohnungsgesellschaft. "Da fließt sinnlos Geld ab." Nach dem MZ-Bericht über den
Stadtumbau in Wolfen-Nord hatten Leser kritisiert, dass auch sanierte
Plattenbauten der Abrissbirne zum Opfer fallen würden. Genannt wurden Häuser in
der Paracelsus-, der Schul- und der Otto-Schmidt-Straße. Rupprecht sagte dazu,
in den letzten beiden Fällen sei bereits 1993 saniert worden, der lange Block in
der Paracelsusstraße sogar bereits 1991. "Die Leute hatten nach der Wende
Anspruch auf vernünftigen Wohnraum, dem trug man Rechnung." Im übrigen habe es
sich durchweg um Teilsanierungen mit neuen Fenstern und gedämmten Fassaden
gehandelt.
www.mz-web.de
27.07.2004
Heiligenstadt: Auf der Suche nach einer Bank
Banken gibt es in Deutschland wie Sand am Meer - glaubt
Günter Riethmüller. Und so ist es wohl auch. Aber mit den großen Banken erlebt
der Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KoWo) derzeit "eine
Überraschung nach der anderen", sagt er. Er sucht eine Bank zur
Anschlussfinanzierung der Kredite, fand aber noch keine.
Kräftig saniert hat der Wohnungsvermieter in den letzten Jahren. Etwa 80 Prozent
seiner 2300 Wohnungen ließ die KoWo schon erneuern, außen und innen auf
Vordermann bringen. Das aber kostete Geld, viel Geld, und ließ sich über die
Mieteinnahmen allein und Fördermittel nicht bewerkstelligen. Kredite (weit über
zehn Millionen Euro) mussten aufgenommen werden. Bisher läuft die
Kreditfinanzierung hauptsächlich über die Dresdner Bank. "Aber sie will sich
nun, nach Ablauf der Zinsbindungsfrist, aus der weiteren Finanzierung
zurückziehen", meint Riethmüller. Dies sei umso ärgerlicher, da die KoWo stets
pünktlich ihren Kapitaldienst leistete. "Nicht eine müde Mark bzw. Euro blieben
wir schuldig. Vor der Gehaltsüberweisung an die Mitarbeiter stand stets die
Bankleistung", sagt der Geschäftsführer. "Zu Kundenbeziehungen treffen wir
grundsätzlich keine Aussage", so Tobias Scharch, Pressesprecher der Dresdner
Bank in Berlin gestern auf Nachfrage.
Für Riethmüller ist dieser "Ausstieg" kein Einzelfall. "Bei dem wachsenden
Wohnungsleerstand im Osten und anhaltenden Wegzügen in die alten Bundesländer
scheinen sich die Großbanken aus dem ostdeutschen Wohnungsgeschäft verabschieden
zu wollen", ist Riethmüllers Eindruck aus Gesprächen mit Geschäftführern anderer
Wohnungsunternehmen in Ostdeutschland. Als es bergauf zu gehen schien im Osten,
hätten die Großbanken Schlange gestanden. "Jetzt, in schwieriger Zeit, üben sie
sich in Zurückhaltung." Von den etwa 20 Banken, die der KoWo-Chef bisher
anschrieb, bekam er nur Absagen. Da überrascht es, wundert Riethmüller aber
nicht, dass auch regionale Banken "dankend abgelehnt haben". Riethmüller geht
aber davon aus, dass die KoWo eine neue Bank finden wird. Aber grundsätzlich
müsse sich die "große Politik" der Frage der Unterstützung der
Wohnungsgesellschaften oder -genossenschaften in den neuen Ländern stärker
zuwenden. Dazu gehöre auch, die Großbanken an ihre besondere Verantwortung in
den neuen Bundesländern zu erinnern. Über 80 Millionen Euro wurden seit der
Wende in die Wohnblocks der KoWo investiert.
www.tlz.de
27.07.2004
Mecklenburg-Vorpommern: Breite Plattform für Landesprogramm Stadtumbau Ost
Ein städtebaulich gravierendes Thema wird auf
der Robau vom 3. bis 5. September eine aktuelle Rolle spielen: das rund 98
Millionen Euro schwere Städtebauförderungsprogramm 2004 und damit verbunden das
Programm Stadtumbau Ost. Zu darin integrierten aktuellen wie langfristigen
Vorhaben in den Städten und Ballungsgebieten des Landes will die 14. Robau eine
breite Plattform öffnen.
So beschäftigt in den Städten der Rückbau von leerstehenden Plattenbauten die
Gemüter. Mit dem Rückgang der Einwohnerzahlen stehen zunehmend Wohnungen leer,
besonders in Platten- und Altbauhäusern. Allein in der Hansestadt Rostock sind
etwa 8,7 Prozent des Bestandes unbewohnt. Spitzenreiter dabei sind die
Stadtteile Groß Klein mit 22 und Toitenwinkel mit 17 Prozent Leerstand.
Welche Kriterien das Bauministerium Schwerin mit dem Landesprogramm Stadtumbau
Ost in den Mittelpunkt stellt, soll auf der Robau deutlich werden: notwendiger
Abriss und Rückbau bei gleichzeitiger infrastruktureller Aufwertung des
Wohnumfeldes, Nutzung von Baulücken als Grün-, Spiel- und Freizeitmöglichkeiten
sowie stadtumbaurelevante Maßnahmen, wie Fassadensanierung, Wärmedämmung oder
Wohnumfeldprojekte. Keinesfalls, so heißt es im Landesprogramm, dürften ganze
Stadtteile bzw. Plattenbau-Siedlungen abgeschrieben werden.
www.svz.de
27.07.2004
Wolfen: Abriss läuft, Umbau stockt
Wenn alles so klappt, wie geplant, sollen Ende des Jahres
etwa zwei Drittel dessen theoretisch geschafft sein, was bisher an Maßnahmen im
Rahmen des Stadtumbaus Ost in Wolfen-Nord vorgesehen wurde. Dann werden nach
einer Statistik der Erneuerungsgesellschaft Wolfen-Nord (EWN) 3 829
Wohnungseinheiten vom Markt zu nehmen, sprich: zum Abriss freigegeben sein. 6
000 sind bis jetzt das Ziel.
Doch Stadtumbau Ost, so EWN-Geschäftsführer Harald Rupprecht, ist viel mehr als
nur die Wegnahme dauerhaft überflüssigen Wohnraums. Er spricht von komplexem
Rückbau. Und der beginnt mit dem Umzugsmanagement für die betroffenen Mieter und
endet mit der Rasenaussaat auf den frei gewordenen Flächen. "Dabei sind neben
den Interessen der Bewohner die vieler anderer unter einen Hut zu bringen", sagt
er. Der komplexe Rückbau berühre sowohl die Interessen der
Wohnungsgesellschaften als auch die der Stadtwerke und nicht zuletzt die
städtebaulichen Ziele der Stadt. "Unter dem Strich müssen Einsparungen
herauskommen", so Rupprecht.
Gegenwärtig wird das Programmjahr 2003 abgearbeitet. Das betrifft 1 140
Wohnungen. Teil 1 der dazu notwendigen Entkernungsmaßnahmen läuft bereits und
soll Ende dieses Monats beendet werden. Er betrifft 531 Wohnungen vor allem in
der Bobbauer Straße und der Jeßnitzer Wende. Teil 2 betrifft 609 Wohnungen im
Nordring und anderen Straßen. Er begann Anfang Juli und wird sich bis März 2005
hinziehen. Insgesamt werden dafür mehr als 3,726 Millionen Euro benötigt. Für
das folgende Programmjahr wurde der Rückbau von 1 311 Wohnungseinheiten
beantragt.
Wolfen, so Rupprecht, sei einer der wenigen Standorte im Land, wo der komplexe
Rückbau funktioniere, obwohl die Stadt praktisch ein Jahr im Rückstand ist. Im
Wahljahr 2002 lief kaum etwas. Der dennoch gute Stand der Dinge sei auch darauf
zurückzuführen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das sei
beispielsweise für die großen Wohnungsunternehmen - die Wohnungs- und
Baugesellschaft (WBG) und die Wohnungsgenossenschaft Wolfen (WGW) - nicht
einfach. Immerhin seien sie gegenseitig Wettbewerber.
Auch sei die Förderpraxis so, dass die Bewilligungsbescheide stets erst am
Jahresende kommen und die Gesellschaften praktisch vorfinanzieren müssten. "Bis
vor kurzem waren diese Bescheide mit einem Haushaltsvorbehalt des Landes
versehen, was die Verhandlungen mit den Hausbanken erschwerte", sagt Rupprecht.
Das habe dem Land ausgeredet werden können. Da die Städtebau-Fördermittel über
einen Zeitraum von fünf Jahren ausgereicht werden, bleibe dennoch immer ein
Risiko.
Hinzu komme, dass die Städtebau-Förderung ursprünglich fifty-fifty für Abriss
und Aufwertung von Wohnraum vorgesehen war. "Aber mit der Aufwertung stehen die
Wohnungsunternehmen allein da", erklärt Rupprecht. Hier nämlich müsste ein
Eigenanteil der Kommune von 30 Prozent greifen, den aber nicht nur Wolfen nicht
aufbringen könne.
Sorgen macht dem EWN-Chef auch, dass der Bund die Städtebau-Fördermittel für die
neuen Länder um zehn Prozent kürzen will. Für Sachsen-Anhalt würde dies
bedeuten, dass statt 53 nur noch 43 Millionen Euro bereitstünden, wenn auch das
Land seinen Anteil zurückfährt.
www.mz-web.de
27.07.2004
Gera: Zukunft liegt für die Planer in einer
Grünstadt
Das neue Image der Stadt ist grün. So sehen Planer
die Zukunft Geras. Mit der Teilnahme am bundesweiten
Stadtverschönerungswettbewerb Entente florale im Jahr 2005, der
Bundesgartenschau zwei Jahre später und einem Stadtumbau Ost, der ganz neue
Freiflächen schafft, könnte Gera den Grundstein für ein weitreichendes Konzept
legen.
"Was spricht dagegen, dass Gera sich zur Grünstadt als Marke entwickelt?", fragt
Prof. Siegfried Knoll, dessen Planungsbüro bereits in die Buga-Vorbereitung
involviert ist, und der jetzt die 1. Grünwerkstatt initiierte, die Samstag in
Gera zu Ende ging. Bis 2012, so Knoll, könnte hier eine grüne Stadt wachsen, die
attraktiv für Familien und Unternehmen ist. Landschaftsplaner aus ganz
Deutschland, begleitet von Fachleuten aus der Stadt, sammelten im
Werkstattgespräch zwei Tage lang erste Grün-Ideen.
Mit dem Blick des Außenstehenden durchstreiften sie die Straßen aus allen
Himmelsrichtungen und entdeckten erst einmal ganz Naheliegendes: von der
Hangbepflanzung am neuen Birkenpark in Lusan über das Lichten zugewucherter
Parks, das Setzen pflegeleichter Rosen oder Weiden auf den Grünstreifen in
Siemens- und Vogtlandstraße bis hin zu begrünten Lichtmasten an der Straße des
Friedens. Mit Ideen bedacht wurde auch der Zentrale Platz: Eine Wasserfläche,
die im Winter zur Eisbahn wird - warum nicht? Kurzfristig ist sicher mit wenig
Mitteln viel zu machen, lautete eine der Botschaften. Die andere: Um
ernstgemeint am ehrgeizigen Ziel zu arbeiten, braucht die Stadt ein bekennendes
Grünleitkonzept zum Planen und Haushaltsmittel zum Pflegen und Erhalten.
Ursprünglich hatte die Werkstatt schon Ansätze für Entente florale liefern
sollen. Doch das Aufräumen in der Stadt von der Hofecke her, wie OB Ralf Rauch
das Großprojekt beschrieb, wird weit mehr Zusammenkünfte bedürfen. Knoll hat das
Gefühl, dass die Idee der Grünstadt auf fruchtbaren Boden fällt: "Es scheint,
als hätte die Stadt darauf gewartet".
www.tlz.de
26.07.2004
Dresden: Wie man Plattenbauten zersägt
Bunte Reihenhäuser mit Erkern und Riesenbalkonen. Loggien
mit Blumenampeln, Terrassen und Gartenstühle. In den Beeten Zwerge und
Vogeltränken. Wer auf den Hügeln oberhalb Cotta und Briesnitz vor den frisch
sanierten Dreigeschossern steht, meint nicht, in der größten Plattenbausiedlung
von Dresden zu sein. Schon regnet es die ersten Architektenpreise. Denn der
junge Architekt Rolf Zimmermann und die Gruppe "Bauplanung Sachsen GmbH
Architektur- und Beratungsbüro Dr. Körner" haben Erstaunliches vollbracht: Die
Platte ist wie vom Erdboden gewischt. Das Idyll regiert.
Ob seiner blumigen Straßennamen hat das vermeintlich "junge" Viertel im
Volksmund seinen Spitznamen schon weg: "Kräutersiedlung". Aber an Verkrautung,
wie sie für die Mammutsiedlung Gorbitz nur allzu typisch war, erinnert hier
nichts mehr. Ein Hauch von Eleganz umweht die Blocks. Das liegt nicht nur an der
charaktervollen Architektur mit ihren kraftvollen Akzenten, sondern auch an der
Grünplanung von "GRAS, Gruppe Architektur+Stadtplanung". Nur eines stört: die
dräuende Kulisse maroder Monsterblöcke, deren gardinenlose Fenster hohläugig
herüberglotzen.
Nach Meinung des Aufsichtsratsvorsitzenden der
Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft eG, Rolf Wolgast, müsste das nicht so
sein. Er würde am liebsten gleich weitermachen, denn "die Nachfrage ist da".
Zwei Bauabschnitte sind abgeschlossen, die Sechsstöcker wurden buchstäblich
zersägt, die Wohnungsgrundrisse verändert. Höchst individuelle Einheiten sind
entstanden, darunter Maisonetten und Appartements auf dem Dach. Aber jetzt
müsste Geld her, um den Abbruch von 450 Wohneinheiten abzuwenden. Allein, der
Fördermittelhahn wurde abgedreht, und die Sächsische Aufbaubank hat ihre Taschen
zugenäht.
Dabei rechne sich der Rückbau sogar, wie Wolgast unterstreicht: Aus 384
Wohnungen wurden 131, darunter vier Vierraum-Maisonettewohnungen. Als
Gestehungspreis nennt er 950 Euro/qm, als Kaltmiete fünf Euro/qm. In 30 Jahren
werde sich die Investition amortisiert haben. Dass alles nur mit Fördermitteln
läuft und die Bevölkerung auch in Dresden abnehmen wird, will der langjährige
Wirtschaftsbürgermeister der Stadt nicht wegwischen. Aber: "Dresden wächst ja
noch, im letzten Jahr um 2600 Einwohner. Auch die Wohnflächen wachsen." Deshalb
will sich Wolgast auch nicht zum Buhmann stempeln lassen: "Wir wollen nicht die
Platte erhalten, um Altbauten abzureißen. Dass einiges weg muss, ist klar, wir
nehmen ab 2005 zwischen 3000 und4000 Wohneinheiten vom Markt.
Das größte Sorgenkind des Aufsichtsratschefs bleiben die Altbauten. "Bei der
Platte kommen wir mit 400 bis 500 Euro/qm Sanierungskosten hin, aber in
Altbauquartieren aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brauchen wir 1000
Euro/qm - und die Investitionszulage läuft aus." Dabei, so räumt Wolgast ein,
sind die Häuser trotz Plumpsklos und morscher Elektrik noch immer besser
vermietbar als die Platte. Ein Teufelskreis.
Außer den verbliebenen Altschulden drücken die
Gesellschaften inzwischen auch Neuschulden, so dass die Altschuldenentlastung
(wie beim flächenhaften Abriss) nicht voll greift. Seit Stadt und Freistaat ihre
Eigenmittelanteile zu den Aufwertungsgeldern nicht mehr aufbringen können, gehe
auch das Bundesprogramm für die Wohnumfeldverbesserung ins Leere. Können die
Genossenschaften diese Krise überstehen? Wolgast denkt an Fusionen mit
Gesellschaften, die noch Gewinne machen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt - auch beim Stadtumbau.
www.welt.de
26.07.2004
Görlitz: Wohnungsgesellschaften mit Raubtiergeruch
In Zeiten der schrumpfenden Gesellschaft kommt es zum
gnadenlosen Wettbewerb zwischen den Städten, die plötzlich raubtierhafte Züge
entwickeln. Jeder Bewohner ist bares Kapital. Deshalb läuft der Wettbewerb
darauf hinaus, den Nachbar-, Klein- und Mittelstädten, aber auch den Metropolen,
Menschen abzujagen. Eine ganz ähnliche Rivalität entwickelt sich in den Städten
selbst. Vermieter und Investoren der Altbau- und Neubauviertel gehen auf
Menschenjagd, denn die Klientel - Wohnungsmieter und Eigentümer - die Mieter -
kann nur einmal verteilt werden.
Görlitz ist die Stadt, in der sich diese Rivalität schon jetzt austobt - noch
nicht für jeden erkennbar, aber auf subtile und umso wirkungsvollere Art. Da ist
die WBG, die Wohnungsbau Gesellschaft Görlitz mbH - mit einem Bestand von 8000
Wohneinheiten, hauptsächlich in der "Platte", der Platzhirsch auf dem Görlitzer
Wohnungsmarkt. Die winkt jedem Görlitzer mit Prämien, wenn er ihr neue Mieter
zuführt. Einer bekam einen Warengutschein von 250 Euro, ein anderer eine
Audio-Stereo-Anlage im Wert von 200. WBG-Mieter werden mit Gutscheinen für
Rot-Kreuz-Kurse, mit Bilderrätseln und "Überraschungspaketen" bei Laune
gehalten. Das Personal der Gesellschaft wird geschult, um im Umgang mit
psychisch Kranken, Drogenabhängigen und Gewalttätern Geschick zu beweisen, denn
selbst auf diese Mieter kommt es an.
Da ist die zweite Gruppe der Zwischenerwerber von 1300 Plattenbauwohnungen, die
mit Hochdruck drauflos saniert, um vollendete Tatsachen zu schaffen - und zwar
just in jenen Blöcken am Stadtrand in Weinhübel, die die WBG abgestoßen hat. Die
Einheitskisten erglänzen in frischen Farben, kriegen Balkone angehängt, werden
technisch und ausstattungsmäßig auf Vordermann gebracht - und rauben der
Konkurrenz die Mieter.
Und da ist drittens die Stadtverwaltung, die ganz andere Ziele mit dem
Stadtumbau verfolgt. Mit Bundesregierung und Land Sachsen hat sie schon 400 Mio.
Euro in die Altbausubstanz gesteckt.
WBG-Chef Gerd Kolley ist auf alle beide - die "Zwischenerwerber" und die Stadt -
nicht sonderlich gut zu sprechen. Ihm ziehen die sanierte Altstadt und die
Neueigner die Mieter aus den Wohnungen, auf denen noch immer Altschulden lasten.
"Auf meine 2000 leerstehenden Wohneinheiten zahle ich täglich 1770 Euro - die
Kosten machen mich tot", schimpft der Mann, den mancher zu den wendigsten und
beschlagensten seiner Branche zählt.
Kolley hat einen Bescheid der KfW in der Tasche, der ihm neun Mio. Euro
Entlastung für den Abriss von 2100 bis 2400 Wohneinheiten verheißt, davon zwei
Drittel in der Platte, der Rest in 20-er und 30er-Jahre-Siedlungen am Rande der
inneren Stadt. Doch da legt sich die Denkmalpflege quer. Und das bringt den
Praktiker zusätzlich in Harnisch. 160 unsanierte Denkmale nennt der WBG-Boss
sein eigen, doch der Gedanke daran treibt ihm Schweißperlen auf die Stirn. "Ich
kann die nicht sanieren, da gehe ich pleite." Für zehn Objekte hat er
Fördermittel beantragt, nur um sie zu sichern. Denn mehr sei nicht drin. Kolley:
"Denkmalschutz ist nicht mehr bezahlbar. Alle 160 würden 150 Mio. verschlingen."
Dann wird er politisch: Wer es, so wie er selbst, ernst meine mit der
Innenstadt, der dürfe die Aufwertungsmittel aus dem Stadtumbau nicht in die
Sanierung, sondern müsse sie in die Sicherung stecken. Und so ganz hat der Chef
des größten Görlitzer Wohnungsbestandes die Großsiedlungen auch noch nicht
abgeschrieben.
Er will nicht glauben, was die Soziologieprofessorin Gisela Thiele von der
Hochschule Zittau/Görlitz herausgefunden hat: Dass es einen neuen Zuzug in die
Innenstadt gibt, dass es die Jungen sind, die sich dort ansiedeln, dass die
"Platte" ein Auslaufmodell sein soll, dass nur die Alten bleiben und die
Jüngeren fortwollen. Mit seiner Mieter-Rundumpflege ist es Kolley nach eigenen
Angaben gelungen, die Abwanderung zu stoppen. Und wenn die Nachfrage nach der
Platte bei einkommensschwachen Mitbürgern sogar "wieder etwas zunimmt", so sieht
er darin fast schon einen Gegentrend: Hartz IV werfe seine Schatten voraus.
Doch Gesundbeten hilft nicht. Denn das muss auch Kolley einräumen: Die Nachfrage
hat angesichts schrumpfender Bevölkerung insgesamt so nachgelassen, dass
Sanierung zum Risiko wird. Der unsanierten "Platte" gehe es dabei fast noch am
besten: "Die Leute bleiben wohnen, weil es da am billigsten ist. Wir leben von
den unsanierten Platten."
Wer freilich meinte, damit sei die Richtung vorgegeben, wird durch einen Blick
in das bunte "WBG-Infoblatt" ernüchtert. Da glänzen schon auf Seite eins frisch
renovierte Siedlungsblocks, als habe es das Bekenntnis zur Innenstadt nie
gegeben. Zwei Nummern später, in Ausgabe I/2004, lässt die Gesellschaft dann die
Muskeln spielen: "Ob der Stadtumbau tatsächlich, wie von den Stadtplanern
anvisiert, von außen nach innen erfolgen wird, wird die Nachfrage zeigen. Die
städtischen Planungsvorgaben sind für die WBG richtungweisend, jedoch nicht
zwingend." Und so geht die Jagd nach Mietern in die nächste Runde.
www.welt.de
23.07.2004
Waltershausen: Für Attraktivität des Stadtzentrums
Im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost erfolgt derzeit
der Ausbau der Hauptstraße in Waltershausen zwischen Klaustor und Einmündung zum
Stadtgraben. Die Gesamtkosten dieses Stückes Altstadtsanierung belaufen sich auf
160 000 Euro. 106 000 Euro Fördermittel des Bundes und des Landes wurden dafür
beantragt.
Auch der Ausbau des Bereiches in der Hauptstraße zwischen den Häusern 37 und 71
wird vom Bauamt intensiv vorbereitet, denn wahrscheinlich kann in diesem Jahr
schon mit der Platzgestaltung begonnen werden. Parkflächen und Freiflächen für
Straßencafés sowie ein Brunnen sollen diesen Abschnitt der Hauptstraße um vieles
attraktiver machen, als er jetzt ist. "Wenn wir in diesem Jahr noch beginnen
können - es hängt von der Bewiiligung der Fördermittel ab -, wird der Bereich
bereits im nächsten Sommer von den Gaststätten und den Händlern genutzt werden
können", hofft Bürgermeister Michael Brychc. Im Altstadtkern werden in diesem
Jahr außerdem noch der Töpfersweg - zwischen Bornpforte und Tennebergstraße
gelegen - und die Treppenanlage von der Unteren zur Oberen Bornpforte
erneuert.Ab September wird mit der Erschließung von weiterem vier
Baugrundstücken am Mittelweg begonnen, teilt das städtische Bauamt mit. Dafür
werden von den Versorgern die nötigen Ver- und Entsorgungsleitungen gelegt;
danach erfüllt die Stadt ihren Part, lässt die erforderliche Zufahrtstraße -
Kosten 13 000 Euro - ausbauen. Im Oktober soll bereits gebaut werden können. Von
den sehr günstig gelegenen Grundstücken im Grünen sind es nur zehn Minuten bis
ins Stadtzentrum.
www.thueringer-allgemeine.de
23.07.2004
Für Arbeitslosengeld-II-Empfänger stehen alte
Plattenbauten bereit
Die Senkung der Arbeitslosenhilfe auf das Niveau der
Sozialhilfe könnte viele Langzeitarbeitslose zwingen, in preiswertere
Unterkünfte umzuziehen. Für Ostdeutschland, wo die Zahl der Empfänger von
Arbeitslosenhilfe besonders hoch ist und viel ungenutzter Wohnraum zur Verfügung
steht, warnen Fachleute vor einer Massenabwanderung in unsanierte Plattenbauten.
"Wir müssen aufpassen, daß jetzt nicht ein Umzugskarussell losgeht, das zu einer
Ghettoisierung in Billigwohnblöcken führt", mahnt der Bundesdirektor des
Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips. Man wisse noch nicht, wie viele Mieter
zwangsweise umziehen müßten. Dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen
Wohlfahrtsdienstes, Ulrich Schneider, graut vor den sozialen Konsequenzen, "wenn
Familien durch ökonomische Not aus einem Wohnumfeld herausgerissen werden".
Hintergrund der Befürchtung ist, daß Langzeitarbeitslose künftig auch bei den
Mietzuschüssen behandelt werden wie Sozialhilfeempfänger. Künftig werden ihnen
die Miet- und Nebenkosten gegen Nachweis erstattet. Aber nur in begrenzter Höhe,
denn im Sozialgesetzbuch heißt es: "Leistungen für Unterkunft und Heizung werden
in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen erbracht, soweit diese angemessen sind."
Sollte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) keine entsprechende
Verordnung erlassen, entscheiden die Städte und Gemeinden, was unter
"angemessener" Unterstützung zu verstehen ist. Sie orientieren sich vorerst an
der Praxis in der Sozialhilfe, die sich nach dem Mietspiegel und den
Voraussetzungen für einen Wohnberechtigungsschein richtet. Danach stehen einer
Einzelperson 45 Quadratmeter zur Verfügung, einem Paar 60 Quadratmeter, einer
Familie mindestens 75 Quadratmeter.
Kommt die Behörde bei der Prüfung der Wohnverhältnisse zu dem Ergebnis, daß die
Kosten unangemessen hoch sind, muß sie diese nur noch ein halbes Jahr lang
übernehmen. Danach kann sie die Wohnbezüge kürzen und damit die Hilfeempfänger
zwingen, in billigere Quartiere umzuziehen. "In den neuen Ländern gibt es ja
genug preisgünstige Unterkünfte, die man ihnen anbieten kann", sagt Monika
Gordes, die stellvertretende Geschäftsführerin des Städte- und Gemeindebundes
Brandenburg. Die Höhe der Mietübernahmen werde von Kommune zu Kommune
unterschiedlich ausfallen.
Billigwohnungen gibt es in Ostdeutschland mehr als genug. Trotz des Abrisses von
rund 53 000 Wohnungen seit 1994 stehen noch immer 16 Prozent der Quartiere leer.
In einigen Städten stellen sich die Wohnungsgesellschaften schon darauf ein,
ihre unsanierten Plattenbauten für die Empfänger des neuen Arbeitslosengeldes II
zu reaktivieren.
Der Geschäftsführer der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB), Christoph
Beck, kündigte erstmals in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an, daß
sein Unternehmen 12 000 unsanierte Wohnungen für mögliche "Hartz-IV-Opfer"
bereithalte, für etwa 3 Euro Kaltmiete je Quadratmeter: "Wir sind ganz froh, daß
wir noch nicht alles saniert oder abgerissen haben, sondern den Leuten auch in
diesen Preislagen etwas anbieten können."
Auch in Halle kommen nach Mitteilung der Wohnungsgesellschaft HWG mindestens
5400 Wohnungen für die neuen Billigmieter in Frage. Die Wohnungsbaugesellschaft
Magdeburg hat 3800 unsanierte Wohnungen im Bestand. "Damit sind wir gut
vorbereitet, wenn die Menschen mit niedrigen Bezügen neue Wohnungen suchen",
sagt Sprecher Torsten Prusseit. Eine Ghettoisierung befürchtet er nicht. "Die
soziale Entmischung hat schon stattgefunden." Wie groß das Potential der
Billigmieter wirklich ist, vermag derzeit niemand zu sagen.
Klar ist aber, daß die durch Hartz IV bedingte Umzugswelle besonders stark
werden könnte: In den neuen Ländern beziehen mehr als eine Million Personen
Arbeitslosenhilfe, fast so viele wie in Westdeutschland (1,2 Millionen). Mehr
als 43 Prozent der Menschen ohne Beschäftigung gelten als langzeitarbeitslos, im
Westen sind es 32 Prozent.
An den Plänen der LWB scheiden sich die Geister. Der Direktor des Verbandes
Sächsischer Wohnungsunternehmen, Reinhold Ostendorf, findet den Vorstoß
"marktwirtschaftlich nachvollziehbar, weil er auf die steigende Nachfrage im
unteren Preissegment reagiert".
Kritiker werfen den Leipzigern hingegen vor, sie gefährdeten das Programm
"Stadtumbau Ost". Es sieht vor, jedes Jahr Zehntausende überflüssige Wohnungen
abzureißen, in diesem Jahr allein 50 000. Die Marktbereinigung dürfe nicht
darunter leiden, daß der Abriß von Häusern aufgegeben werde, weil man sie für
Hartz IV vorhalte, monieren die privaten und genossenschaftlichen
Wohnungsanbieter. Mieterbund-Chef Rips hältes für irrsinnig, sanierte Häuser
abzureißen, um den Leerstand zu verringern und die öffentliche Abrißförderung zu
kassieren.
Bei den Gesellschaften in Leipzig, Halle, Magdeburg und anderswo heißt es dazu,
die genannten Wohnungen seien im Rückbauprogramm gar nicht vorgesehen gewesen
und gefährdeten deshalb den Stadtumbau in keiner Weise. Nicht so leicht von der
Hand zu weisen ist der Vorwurf, das Billigangebot unterminiere die ohnehin
niedrigen Mietpreise in Ostdeutschland. Kaltmieten um die 3 Euro seien nur für
die privilegierten öffentlichen Gesellschaften kostendeckend, bemängelt der
Präsident des privaten Eigentümerverbandes Haus und Grund Sachsen, Thomas
Ungethüm.
Während die Großvermieter ihre Schulden erlassen bekämen, reichten die
Mieteinnahmen der privaten Anbieter kaum aus, um ihre Refinanzierungskosten zu
decken: "Der Preisdruck, den die LWB mit ihrer Gettoisierungspolitik erzeugt,
könnte vielen Privaten das Genick brechen."
www.faz.net
23.07.2004
Bützow: Fünfmal mehr Häuser müssen rück- als
neugebaut werden
Die Stadt Bützow hat seit 1989 fast 2500 Menschen
verloren, viele Wohnungen stehen leer. Ein landesweiter Vergleich von 44 Städten
zeigt: Damit steht Bützow lange nicht allein da. In der Bewertung baulicher und
sozialer Entwicklungen rangiert die Warnowstadt im Mittelfeld.
Initiiert wurde der Wettbewerb, dem sich letztlich 44 Städte des Landes
stellten, vor zwei Jahren. Darunter u.a. die Großstädte Rostock und Schwerin,
aber auch viele kleinere Städte wie z.B. Sternberg oder Dranske. Auf diese Weise
sollte der tatsächliche Zustand und Sanierungs-Bedarf der Innenstädte für das
Programm "Stadtumbau Ost" ermittelt werden. Verschiedene Einzelauswertungen
zeigen: So schlecht, wie oft vermutet wird, steht Bützow im Vergleich gar nicht
da. Einige Beispiele:
Bevölkerung: Zwischen 1989 und 2000 verlor Bützow 15,1 Prozent seiner Einwohner.
Unter den 44 Städten ist das Platz 19 (1. Platz bedeutet: weniger Verlust).
Rostock verlor z.B. 18,4 Prozent, Güstrow 14,4 Prozent.
Arbeitslosigkeit: Die Quote lag 2000/1 in Bützow bei 19,4 Prozent - Rang 16 von
44. Schlechter: z.B. Güstrow (20,4), Anklam (25,3) und Strasburg (27,0), besser:
u.a. Rostock (12,1), Laage (13,0) und Grevesmühlen (10,5).
Wohnungs-Belegung: Einen mittleren Platz belegt Bützow auch beim Vergleich der
Einwohner je Wohneinheit. Statistisch lebten 2000 genau 2,32 Bützower in einer
Wohnung. In Rostock waren es nur 1,87, in Güstrow 2,21, dagegen z.B. Bad Doberan
2,44, in Laage 2,89. Im Jahre 1995 teilten sich noch 2,42 Bützower eine Wohnung.
Wohnungs-Größe: Die Durchschnittsgröße eine Bützower Wohnung lag 2000 bei 68,03
Quadratmetern - wieder ein Rang im Mittelfeld. Mehr Platz hatten z.B. die
Menschen in Eggesin (76,11) und Neustadt-Glewe (76,3), weniger die in Wismar
(59,94) und Rostock (60,12). Von den 4499 Wohneinheiten im Jahre 2000 in Bützow
waren 68 Prozent Drei- bis Vier-Raum-Wohnungen, über 26 Prozent größer, nur 5,5
Prozent hatten ein oder zwei Zimmer.
Alter der Wohnungen: 42,2 Prozent der 2000 bestehenden Bützower Wohnungen waren
vor 1948 gebaut, 43,2 Prozent zwischen 1948 und 1990, 14,6 Prozent nach 1991. Im
Vergleich der 44 Städte nimmt die Stadt einen Spitzenplatz bei der Anzahl der
Häuser ein, die vor 1900 (23,5 Prozent) gebaut wurden. Platz 1 hier: Grabow mit
27,8 Prozent.
Wohnungs-Leerstand: 14,7 Prozent aller Bützower Wohnungen standen im Jahre 2001
leer, 28,7 Prozent waren es bei Altbauten. Ein hinterer Platz. Zum Vergleich:
Güstrow (12,2/20,1), Schwerin (14,0/21,1), Teterow (5,1/11,7). Anmerkung: Ein
Vergleich ist hier schwer möglich, da viele Städte Daten nur teilweise angaben.
Noch eine Zahl: In der historischen Bützower Innenstadt standen 2001 fast 53
Prozent der Wohnungen leer.
Leerstands-Zunahme: Zwischen 1995 und 2000 stiegen die leeren Bützower Wohnungen
um 5,8 Prozent an. Schlechter: Güstrow (6,1), Schwerin (7,8), Laage (23,3),
besser: z.B. Teterow (0,8), Stralsund (-1,2) oder Ribnitz-Damgarten (-5,7).
Kriegs-Zerstörung: Schäden durch den Krieg gab es an Häusern laut den
Wettbewerbsunterlagen nicht. Zum Vergleich: Woldegk verlor bis 1945 rund 70
Prozent der Altstadt, Pasewalk rund 80 Prozent.
Nötiger Rückbau: "Wir müssen in Bützow fünfmal mehr zurück- als neubauen", sagt
Mathias H. Granitzki von der Gesellschaft für Ortsentwicklung und
Stadterneuerung (GOS), Sanierungsträger der Stadt. Nur so sei auf die
Entwicklung sinnvoll zu reagieren. In anderen Städten ist das Verhältnis noch
schlechter: Wolgast (6:1), Eggesin (6,7:1), besser: Güstrow (3,5:1) oder Parchim
(3:1). Keinen verstärkten Rückbaubedarf gebe es z.B. in Schwerin, Stralsund oder
Ludwigslust.
www.svz.de
22.07.2004
Weniger Einwohner, weniger Einnahmen
Durch den Bevölkerungsrückgang im Ruhrgebiet erhöht sich
der Druck auf die eh schon angespannten Haushalte der Städte und Kreise. Sparen
können die Kommunen vor allem durch verstärkte Kooperation. Das ist das Ergebnis
einer aktuellen Untersuchung des Finanz- und Regionalwissenschaftlers Professor
Martin Junkernheinrich im Auftrag des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR), die
heute in Essen vorgestellt wurde. Weniger Einwohner, das bedeutet weniger
Einnahmen, während die Ausgaben fast konstant bleiben. Laut Junkernheinrich
kommt auf die kreisfreien Ruhrgebietsstädte bis 2015 eine zusätzliche, jährliche
Belastung von 670 Millionen Euro zu, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird. Das
entspricht 17 Euro pro Einwohner und Monat, bzw. 1,3 Prozent des verfügbaren
privaten Einkommens. Allein der Ausfall an Steuern und allgemeinen Zuweisungen
könne auf rund 260 Mill. Euro jährlich anwachsen.
Zudem müssen die kommunalen Leistungen neu auf die veränderte
Bevölkerungsstruktur zugeschnitten werden. In der Studie zur "Kommunalen
Daseinsvorsorge bei rückläufiger Bevölkerung - das Ruhrgebiet als Modellregion"
- erwarten die Experten, dass sich die Altersstruktur massiv zu älteren Menschen
verschiebt. Im Kinder- und Jugendbereich bedeutet dies Abbau, im Seniorenbereich
hingegen Ausbau der Infrastrukturen. Effektive Einsparpotenziale für die Städte
sieht der KVR in der Kooperation. Durch Rationalisierung und
Organisationsreformen könnten Kosten schnell gesenkt werden. Mehrfach vorhandene
Infrastrukturen seien zu konzentrieren, dabei müsse Qualität erhalten bzw.
geschaffen werden.
Die Aufgabenreduktion liege jedoch nicht allein in der Verantwortung der
Kommunen. Die von ihnen erbrachten Leistungen werden zu über 90 Prozent von Bund
und Ländern vorgegeben. Ohne eine Entlastung bei den Aufgaben werden die
Ruhrgebietsstädte den demografischen Wandel nicht bewältigen. Um weitere
Handlungsempfehlungen für die Kommunen auszuarbeiten, beteiligt sich der KVR in
den nächsten zwei Jahren mit den Städten Essen, Bochum und Gelsenkirchen an
einem bundesweiten Forschungsvorhaben zum Thema "Infrastruktur und
demografischer Wandel". Eine Förderzusage des Bundesamtes für Bauwesen und
Raumordnung in Höhe von 80.000 Euro liegt bereits vor.
www.ruhr-guide.de
21.07.2004
Neuerung im Studienangebot der Universität Leipzig
Der ohnehin ein Unikat darstellende Aufbaustudiengang
Master of Science in urban management wird ab Wintersemester 2004/05 auch in
einer e-Learning-Version und damit als berufsbegleitender Studiengang angeboten.
Bisher war der erste Weiterbildungsstudiengang dieser Art in Deutschland nur im
2-jährigen Präsenz-, also Direktstudium zu absolvieren.
In diesem Studiengang wird nichts Geringeres als Kompetenz für die Lösung einer
zentralen Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe unserer Gesellschaft vermittelt: der
bewussten Stadtentwicklung im Übergang von den explodierenden zu den
schrumpfenden Städten. Der Spiritus rector dieses Studienganges, Johannes
Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig, zieht nach
den ersten beiden Semestern eine positive Bilanz: ''Das Konzept einer
Integration einer Vielzahl von Fachdisziplinen in einen einheitlichen
Managementprozess greift. 22 Professoren und Dozenten aus vier Fakultäten und
ein gutes Dutzend Experten aus der Praxis wirken mit. Die Kombination von
stadtplanerischen, wirtschaftlichen und ökologischen Ausbildungsinhalten bewährt
sich. Die Bausteine von Urbanistik und Baukultur bis zum rechtlichen
Instrumentarium, von sozioökonomischen bis zu bautechnischen Fragestellungen
erweisen sich als tragfähig. Und potentielle Arbeitgeber wie Stadtverwaltungen
und große Immobilienbesitzer, so Bahn, Post oder Wohnungswirtschaft, bestärken
uns immer wieder in der Ausrichtung dieses Studienganges.''
Der Lehrstuhl von Prof. Ringel wird von außen auch zunehmend in Bezug auf seine
immobilienwirtschaftliche Kompetenz angefragt. Schließlich verbindet sich damit
eine Schlüsselfrage der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.
Es geht dabei um langfristige Perspektiven und Strategien der Stadtentwicklung,
damit Immobilien in Zeiten schrumpfender Städte ihren Wert erhalten,
Fehlinvestitionen vermieden und der geringer und älter werdenden Bewohnerschaft
lebenswerte Städte und Quartiere zur Verfügung gestellt werden können. Anders
gesagt: die Städte müssen auch künftig sowohl für die Anleger als auch für die
Einwohner attraktiv sein. Der Studiengang vermittelt nun gerade hier das
notwendige Handwerkszeug, um aus den gravierenden Veränderungen, man denke an
den Bevölkerungsschwund, die Altersstruktur, den Arbeitsmarkt, die Mietpreise,
die richtigen Schlüsse für den Stadtumbau zu ziehen. Was bedeutet, in der
Schrumpfung, in der Verkleinerung Potentiale und Chancen für neue Entwicklungen
zu ermitteln. Angesichts seines Innovationsgehalts hat der neue Studiengang
bereits internationale Anerkennung erfahren. So sprach der Berufsverband RICS
(Royal Institution of Chartered Surveyors) die Empfehlung zu seiner
Akkreditierung aus.
Der Studiengang ist kostenpflichtig, 1500 Euro pro Semester, und hat eine
Aufnahmekapazität von je 25 Studierenden im Präsenzstudium und im e-Learning.
Studienvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium und eine Berufserfahrung
von mindestens einem Jahr. Einschreibungsfrist bis 15. August.
idw-online.de
21.07.2004
Gelsenkirchen: OB Wittke will nun die Ärmel
hochkrempeln
Am Tag "danach", sagt OB Oliver Wittke, sei seine
Enttäuschung über die Ergebnisse der Emscher-Lippe-Konferenz "nicht geringer".
Und doch: Demotiviert sei er keinesfalls, sondern zum Kampf für die geforderten
Projekte bereit, stellt er klar.
"Nicht abgeschrieben" hat der Oberbürgermeister den im nördlichen Ruhrgebiet
aufgestellten Projekt-Katalog, der den Strukturwandel beschleunigen sollen.
Bekanntermaßen hatten Bund und Land auf der Emscher-Lippe-Konferenz am Montag
grünes Licht für die Förderung der aufgelisteten Vorhaben abgelehnt. Er wolle
nun die Ärmel hochkrempeln, "auf Arbeitsebene" mit den Entscheidungsträgern in
Berlin und Düsseldorf für die anvisierten Projekte - gut die Hälfte der 100
Vorhaben sollen in Gelsenkirchen verwirklicht werden - eintreten.
Wittke setzt nun darauf, dass bis Oktober, wie vom Land versprochen, über Mittel
für die einzelnen Projekte entschieden wird. Diese Stadt sei "auf Gedeih und
Verderb" auf die Förderung des Landes angewiesen, meint der OB. Auch sei
Düsseldorf jenen eine Antwort schuldig, die im Vorfeld des Treffens in der Arena
Auf Schalke ihre Ideen eingebracht hätten.
"Ungerechtfertigte Enttäuschung" wirft unterdessen SPD-MdB Joachim Poß dem
Oberbürgermeister vor. "Mit Pessimismus und Schwarzmalerei entstehen keine
Arbeitsplätze", sagt der Abgeordnete und betont, dass auf der Konferenz "eine
Menge bewegt" worden sei. Nicht Mittel für ein "hochgejubeltes Papier" dürften
über Erfolg oder Misserfolg des Treffens entscheiden, sondern Initiativen, die
mittelfristig für Arbeitsplätze gerade im Mittelstand sorgten.
Jene Initiativen seien in der Arena durchaus auf den Weg gebracht worden, meint
Poß und verweist, unter anderem, auf den "Stadtumbau West", der während der
Konferenz besiegelt wurde: "Dadurch werden Rahmenbedingungen verbessert,
strukturschwache Gebiete wie Gelsenkirchen profitieren davon."
www.waz.de
21.07.2004
Land Brandenburg: Landesplan stoppt Zersiedelung
der Mark
Kleinere brandenburgische Gemeinden dürfen ihren
Wohnungsbestand in den nächsten 20 Jahren nur um zehn Prozent steigern.
Damit soll nach dem Willen der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg eine
deutliche Schranke gegen die weitere Zersiedelung gesetzt und der Stadtumbau
unterstützt werden. Die Entwicklung von Kommunen, die keine Ober- oder
Mittelzentren sind, soll auf den Eigenbedarf beschränkt werden. Das sieht der
Landesentwicklungsplan für Berlin-Brandenburg vor, für den gestern
Rechtsverordnungen beschlossen wurden.
Großflächiger Einzelhandel soll demnach fortan ausschließlich in den Ober- und
Mittelzentren angesiedelt werden. Als Ergänzung zum Ausbau des Flughafens
Berlin-Schönefeld sichert der Plan die Ausbaumöglichkeiten für drei
Regionalflughäfen in Cottbus-Drewitz, Brandenburg/Havel und Eberswalde.
www.lr-online.de
20.07.2004
Düstere Prognose für Hypotheken-Geschäfte
Die Nachfrage nach Hypothekenkrediten wird in spätestens zehn
Jahren deutlich zurückgehen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Deutsche Bank
Research über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Bankgeschäft.
Die Bausparkassen werden sich mittelfristig neue Geschäftsfelder erschließen
müssen, um weiterhin existieren zu können.
Hypothekendarlehen machen derzeit noch den größten Teil des Kreditgeschäfts der
Banken mit privaten Haushalten in der Eurozone aus. Nach Angaben von DB Research
belief sich der Gesamtbetrag aller Kredite, die Ende des dritten Quartals 2002
an Privatkunden in der Eurozone vergeben waren, auf insgesamt 3244 Mrd. Euro. 66
Prozent, 2139 Mrd. Euro, entfielen dabei auf Darlehen für den Erwerb und die
Modernisierung von Immobilien.
Doch das lukrative Geschäft dürfte bald erheblich einbrechen. Europaweit fallen
seit 1965 die Geburtenraten. Die Zahl der 30- bis 40-jährigen, die klassischen
Häuslebauer und Käufer von selbstgenutzten Wohnimmobilien, sinkt von Jahr zu
Jahr. Spätestens ab 2015, warnt DB-Research-Analystin Karin Gruber, "wird der
Neubedarf deutlich zurückgehen" - und damit auch die Nachfrage nach
Hypothekenkrediten.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele jüngere Menschen gar kein Wohneigentum mehr
erwerben müssen. Die Erbengeneration bekommt Immobilien von ihren Eltern
vermacht. In welchem Umfang Vermögen an die nachfolgenden Generationen
weitergereicht werden, zeigen die Erbschaftssteuerzahlungen. In 2002 sind nach
Angaben des Statistischen Bundesamtes Erbschaftssteuern in Höhe von 3,02
Milliarden Euro an die Finanzämter geflossen. Im Jahr 2000 hatte die Summe noch
2,9 Milliarden Euro betragen, 1997 waren es gar nur 1,98 Milliarden Euro.
Entsprechend rückläufig ist schon jetzt der Umsatz der Bausparkassen mit
Hypothekendarlehen für den Immobilienerwerb. Wüstenrot-Sprecher Rainer Christian
Rudolf: "Dieses Geschäft macht nicht einmal mehr 50 Prozent des Gesamtumsatzes
aus." Der Großteil der Kredite werde für Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen
aufgenommen. Der überwiegende Teil der Bausparer besitze bereits ein Eigenheim
oder eine Eigentumswohnung. Rudolf: "Der Bausparvertrag ist für diese Kunden
eine Absicherung, um finanzielle Rücklagen für Reparaturen und
Modernisierungsmaßnahmen zu bilden."
Diese Einschätzung wird von BHW-Sprecher Rüdiger Grimmert bestätigt: "Höchstens
noch die Hälfte der Hypothekendarlehen wird für Neubauvorhaben aufgenommen." Um
sich für den demografischen Wandel zu wappnen, will die BHW ihr Vorsorgegeschäft
mit Fondssparmodellen, Lebensversicherungen und Produkten der Riesterrente sowie
der betrieblichen Altersvorsorge weiter ausbauen. Grimmert: "Wir schaffen uns
damit neue Standbeine." Bisher machen die Vorsorgeprodukte erst 20 Prozent des
Umsatzes aus. Doch während das Bauspargeschäft im wesentlichen stagniere,
betrügen die Steigerungsraten bei den Lebensversicherungen 40 Prozent, im
Fondssektor gar 60 Prozent, sagt Grimmert. "In kommenden Jahren wird der Anteil
dieser Produkte am Gesamtgeschäft deutlich höher ausfallen."
www.welt.de
20.07.2004
Auswirkungen der Überalterung für die
Immobilienwirtschaft
Berlin - Experten sagen vielen Städten und Regionen große Bevölkerungsverluste
bis 2020 voraus. Ballungsräume werden die Gewinner der Alterungs- und
Abwanderungskrise sein. 'Bei Immobilien wirkt sich die Überalterung der
Gesellschaft am brutalsten aus. Wer das beim Hauskauf nicht beachtet, kann böse
Überraschungen erleben. In Städten und Regionen, die Einwohner und Kaufkraft
verlieren, purzeln die Preise für Büro- und Wohnimmobilien. Die Krise ist
bereits in vollem Gang. Sachsen etwa hat seit 1990 rund 600.000 Einwohner
verloren und wird bis 2020 noch einmal dieselbe Zahl verlieren. Durch
Abwanderung, aber auch durch einen wachsenden Sterbeüberschuss, der die Zahl der
Deutschen sinken lässt: Seit Anfang der 70er Jahre werden nur 1,4 Kinder pro
Frau geboren. Insgesamt beträgt die Nachwuchslücke kumuliert elf Millionen
Menschen. Jährlich wächst die Lücke um 300 000, bis 2014 gar um 500 000',
schreibt der Wirtschaftsjournalist Max Höfer im Kundenmagazin von Techem, einem
Dienstleistungsunternehmen der Immobilienbranche
http://www.techem.de. Eine Studie des
Berlin-Instituts
http://www.berlin-institut.org , die sich auf Daten des Bundesinstituts für
Bauwesen- und Raumordnung stützt, blickt in die Zukunft: Nur wenige Regionen
können bis 2020 Zuwächse an Menschen und damit an Wirtschaftskraft erwarten, die
meisten davon im Süden. Für den Großteil Deutschlands lautet die Diagnose
Stillstand oder Abstieg. Der Teufelskreis: Aus schwachen Regionen wandern die
Jungen ab, Betriebe schließen, Nachfrage und Steuereinnahmen erodieren, noch
mehr Aktive ziehen weg. Der Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Professor
Herwig Birg: 'Erst nach 2020 setzt die Schrumpfung richtig ein, denn dann tritt
die geburtenstarke Generation ab, also die Jahrgänge 1953 – 70.' Was bedeuten
Schrumpfung und Überalterung für die Immobilienwirtschaft? Weniger Erwerbstätige
benötigen weniger Büros, und weniger Menschen benötigen weniger Wohnraum. Die
Deutsche Bank fragt in einer Studie: 'Kann man den Rat zum Hausbauen noch
ruhigen Gewissens geben? Oder droht eine schleichende Wertvernichtung?' Wenn die
Senioren, gebeutelt von steigenden Abgaben und niedrigen Renten, Aktien und
Immobilien verkaufen, um ihren Lebensstandard zu halten, wäre der beste Rat an
die Jungen, auf fallende Häuserpreise zu spekulieren und erst bei echten
Schnäppchen zuzugreifen. Denn die werden sich später zuhauf bieten. Klar ist
jedenfalls: Die Immobilienmärkte werden sich regional stark spreizen. Mittlere
Städte wie Osnabrück, Wolfsburg, Hagen, Stralsund oder Chemnitz verlieren bis
2020 gut 20 Prozent ihrer Einwohner. Da heißt es: Besser heute verkaufen als
morgen. 'Im Osten Deutschlands ist mit stark sinkenden Bevölkerungszahlen zu
rechnen. Zu der demografischen Entwicklung kommt hier auch noch eine
überdurchschnittliche Abwanderung, die zum Bevölkerungsrückgang und damit auch
zu einer niedrigeren Bewertung des Wohnungsbestands beiträgt', so die Analyse
der Düsseldorfer Unternehmensgruppe Investor und Treuhand
http://www.investor-treuhand.de.
Ballungsräume wie München, Berlin und Köln werden zu den Gewinnern der
Binnenwanderung zählen, denn als wirtschaftliche Kerne bieten sie die
attraktivsten Arbeitsplätze. In den Problemregionen ist Vorsicht angesagt: 'Dort
dominiert eine jeweils unterschiedlich gewichtete Mischung aus geringen
Geburtenraten, schwacher Kaufkraft, Überalterung oder hoher Ausländerquote. So
haben Städte wie Duisburg, Remscheid, Wuppertal in den Innenstädten bald
Migrantenanteile von über 40 Prozent. Die jungen Deutschen wandern ab, die Alten
bleiben', führt Höfer aus.
www.pressrelations.de
19.07.2004
Weißenfels: Geld ist nur für die Plattenbauten da
Ein Mann in roten Hosen schlurft über den weiten
regennassen Kiesplatz. In den Pfützen spiegeln sich eng aneinander geschmiegte
zweistöckige Häuser mit klaffenden Löchern im Mauerwerk und schiefen,
zusammengerutschten Dächern. Ein rostiges Schild zeigt an: "Ab sofort Parkplatz
zu vermieten."
Wir sind im Jahr 14 nach der Wiedervereinigung, mitten im Zentrum von
Weißenfels, der Stadt, in der Schütz, Bach, Händel und Richard Wagner gewirkt
haben, in der Schiller, Körner und Wilhelm von Humboldt nächtelang debattiert
haben (eine Gedenktafel zeigt es an) und in der der Genius der Romantik,
Novalis, begraben liegt. Von der Treppe vor seinem Haus geht der Blick die
Klosterstraße hinunter. Der auswärtige Gast, der auf der Internetseite der
Stadtverwaltung über Weißenfels gelesen hat: "Lassen Sie sich verzaubern vom
Hauch der Romantik", nimmt nur den Hauch von Moder wahr. Die Häuser sind
zugenagelt und notdürftig mit Pappe gedeckt.
Weißenfels nennt sich "Modellstadt der Internationalen Bauausstellung
Sachsen-Anhalt (IBA Stadtumbau)", doch der unbefangene Beobachter fragt sich:
Modell wofür? In der Saalestadt ist es in beispielhafter Weise gelungen, dass
Konzept der Schrumpfung von außen nach innen auf den Kopf zu stellen. 30 Mio.
Euro, so rechnet Ernst Isensee, Abteilungsleiter Stadtentwicklung im
Bauministerium Sachsen-Anhalt, vor, sind nach Weißenfels geflossen. Mit Bundes-
und städtischen Mitteln summiere sich der Betrag auf 40 bis 45 Mio. - und was
ist das Ergebnis? 45 Prozent der historischen Altstadt stehen leer.
Es ist das "Modell" einer Planungsideologie, die zwar "das große Potenzial
schöner historischer Innenstädte" (Isensee) ständig im Munde führt, gleichzeitig
aber, wie der Chef der IBA Stadtumbau, Bauhausdirektor Omar Akbar, sarkastisch
anmerkt, "die Förderung der Gegenstadt" betreibt. Statt in die Restaurierung der
Innenstadt, wurden die Fördermittel in die Sanierung der Plattenbauten am
Stadtrand gesteckt.
In Weißenfels-West erstrahlen die roten Dächer und frisch getünchten Fassaden
der Zeilenbauten, als wären sie geschminkt. An den Stirnseiten der Wohnblocks
glänzt Fassadenmalerei, an den Längsseiten hängen nagelneue Balkone, die
Freiräume strotzen von Grün. Anders als in Leipzig, wo 25 000 Bewohner der
"Platte" den Rücken gekehrt haben und in die restaurierte Innenstadt
zurückgekehrt sind, denkt hier niemand daran, das frisch modernisierte Heim mit
einer Bruchbude in der Altstadt zu vertauschen. Die Wohnungsbaugesellschaften
haben vollendete Tatsachen geschaffen. Und sie sind es jetzt, die - wie WBG-Chef
Martin Neumann - Tabula rasa in der Altstadt fordern.
"Radikalkur für Marienstraße - Stadträte beschließen Abriss", meldet das "Weissenfelser
Abendblatt". Es ist eine Parole, wie man sie in DDR-Zeiten, als der Abbruch
"bürgerlicher" Altbauten Staatsziel war, dutzendfach lesen konnte. Weißenfels
hatte das seltene Glück, den Kelch mit knapper Not noch einmal an sich
vorbeigehen zu sehen. Außer einigen Häuserblocks, in die sich die Bagger schon
gefressen hatten, blieb die Altstadt weitgehend unversehrt. Jetzt sind es
paradoxerweise die "Bürgerlichen", die dort weitermachen, wo die SED nicht mehr
zum Zuge kam.
OB Manfred Rauner sieht die Schuld keinesfalls bei den Politikern, sondern
bei den Bürgern seiner Stadt. Mehr als 140 Gebäude seien instandgesetzt, doch es
wolle nicht gelingen, "die Menschen in die Innenstadt hineinzuholen". Fragt sich
nur, wie denn auch. Seit der Wiedervereinigung hat die noch 30 000 Bewohner
zählende Stadt 20 Prozent ihrer Bewohner verloren. Mit dem Ergebnis, dass in den
Quartieren rund um den Markt nun "jede Nachfrage fehlt". Ob Rauners
Wunschvorstellung: Grau raus, Grün rein, da echte Abhilfe schaffen kann, bleibt
fraglich. Sie verheißt nicht neue Urbanität, sondern den Import der Grünen Wiese
ins Stadtzentrum.
Stadtrat Otto Klein hält dem Stadtoberhaupt entgegen: "Es ist einfach nicht
wahr, dass alte Häuser deshalb abgerissen werden müssen, weil es dafür angeblich
keine Interessenten gäbe. Auch in unserer Stadt gibt es genügend Beispiele für
die Sanierung alter Häuser. Die Verantwortlichen in der Verwaltung sollten
endlich diesen Weg erkennen und etwas dafür tun, um Interessenten für städtische
Gebäude zu finden."
Bei Worten und Eingaben hat es der Lokalpatriot nicht bewenden lassen. "Seit
Monaten hat die Stadtverwaltung von mir einen Konzept in den Händen, das
vorsieht, leerstehende Gebäude aus städtischem Besitz unentgeltlich abzutreten,
die Investoren finanziell, steuerrechtlich und verwaltungstechnisch zu fördern,
sie durch eine spezielle Stabsstelle zu betreuen, die Brache Marienstraße mit
ihren letzten Wohnhäusern aus der Residenzzeit in einen attraktiven Wohnpark
umzugestalten und mit diesem Gesamtpaket über die Stadtgrenzen hinaus auf
professionelle Werbetour zu gehen." Doch als Klein in Eigeninitiative "mehrere
Bürger" aufgetrieben hatte, die ernsthaftes Interesse am Erwerb eines
leerstehenden Gebäude in der Altstadt hätten, ließ ihn die Baupolizei im Regen
stehen. Die zum Abriss bestimmten Häuser dürften nicht betreten werden.
www.welt.de
18.07.2004
Dessau: Modellstadt für Frauen und Männer
Dessau ist seit Freitag Modellstadt. Gemeinsam mit Pulheim, das in der Nähe von
Köln liegt, wurde Dessau in das Bundesforschungsprogramm "Experimenteller
Wohnungs- und Städtebau" aufgenommen und zwar im Forschungsfeld "Gender
Mainstreaming im Städtebau".
Was kompliziert klingt, lässt sich vielleicht so sagen: In Dessau soll
beispielgebend für andere Kommunen und für die künftige Gesetzgebung erprobt
werden, wie beim Stadtumbau Ost gleichwertige Bedingungen für Frauen und Männer
geschaffen werden können. Denn "gerade städtebauliche Strukturen können die
Gleichbehandlung beeinträchtigen", erklärte Staatssekretär Tilo Braune vom
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen.
Ob und wie also "Gender Mainstreaming" in der Praxis funktionieren kann, das
testet Dessau an zwei Vorhaben. Zum einen bringt sich die Stadt mit dem
strategischen Stadtumbaukonzept Heidestraße-Nord in das Forschungsprogramm ein,
zum anderen mit dem Bebauungsplan Flössergasse.
Dessau habe mit diesen Pilotprojekten gute Voraussetzungen, "beispielgebend für
andere Kommunen voranzuschreiten", schätzte Braune ein. Er begründete das unter
anderem mit der Vielfalt der Akteuren, der Stadtverwaltung, dem Bauhaus, der
Hochschule, den Planungsbüros und den Wohnungsunternehmen. Diese ermögliche eine
komplexe Herangehensweise und eine Kooperation, freute er sich auf die
kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens bis 2005 und kündigte
unter anderem Workshops an.
Auch Baudezernent Karl Gröger sieht im Projekt eine Chance für die Stadt, kühne
Wege bei der Stadtumgestaltung zu gehen und zukunftsfähige Stadtstrukturen zu
schaffen. Um dabei tatsächlich "Gender Mainstreaming" zu erreichen, soll es
unter anderem Arbeitskreise und thematische Gesprächsrunden mit Bürgern geben.
www.mz-web.de
15.07.2004
Oschatz: Vorwärts im Rückwärtsgang
Das Abrissprogramm "Stadtumbau Ost" zeigt die gewünschte
Wirkung. Beim größten Vermieter in der Döllnitzstadt, der Oschatzer Wohnstätten
GmbH, geht es im Rückwärtsgang vorwärts. Der Wohnungsleerstand sinkt seit Ende
2002 langsam -aber stetig. Bisher wurden 90 Wohnungen des Unternehmens platt
gemacht.
Bevölkerungsrückgang und weiterer Wohnungsbau - von 1998 bis 2002 entstanden in
Sachsen 88F000 neue Unterkünfte - müssten die Leerstandsquoten eigentlich
ungebremst in die Höhe treiben. Doch das ist nicht der Fall. Das Abrissprogramm
"Stadtumbau Ost" bremst den Trend. "Wir haben uns stabilisiert, wenn auch auf
hohen Niveau", sagt Reinhold Ostendorf, Direktor des Verbandes sächsischer
Wohnungsunternehmen (OAZ berichtete).
Eine Einschätzung, die von Ingeburg Fahl bestätigt wird. "Wir haben einen
leichten Abwärtstrend, aber noch keinen Grund für Optimismus", sagt die
Geschäftsführerin der Oschatzer Wohnstätten GmbH. Über das Abrissprogramm hat
das Unternehmen bisher 90 Wohnungen platt machen lassen. Das spiegelt sich in
der Statistik wider. Betrug die Leerstandsquote Ende 2002 noch 21,2 Prozent, so
sank sie bis Ende 2003 auf 20,2 Prozent und bis Ende Mai 2004 auf 19 Prozent.
Bis zum Jahr 2010 will die Wohnstätten GmbH insgesamt 265 Wohnungen abreißen
lassen und damit vordergründig dem Leerwohnen des größten Wohngebietes in
Oschatz-West entgegenwirken. Größte Brocken sind deshalb zwei Plattenbauten in
der Friedrich-Engels-Straße 1 bis 15 und Am Langen Rain 51 bis 57. "Wenn diese
zwei Blöcke abgerissen sind", blickt Ingeburg Fahl voraus, "dann haben wir in
Oschatz-West nur noch einen Leerstand von drei Prozent."In Sachsen zählten die
Statistiker vom Landesamt in Kamenz Ende 2002 genau 2365100 Wohnungen. Davon
standen 414 800 Wohnungen leer, was einer Quote von 18 Prozent entspricht.
www.lvz-online.de
15.07.2004
Dessau: Platte ergibt sich der Wildnis
"Grünes Band" heißt der Dessauer Beitrag zur
"Internationalen Bauausstellung" (IBA), der inmitten eines gerade erst
begonnenen einschneidenden Abriss-Szenarios um Sympathie für den Stadtumbau
wirbt. Es handelt sich um eines der exemplarischen Projekte, mit denen
Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2010 zeigen will, wie das Schrumpfen erträglich
gemacht - vielleicht sogar als Gewinn verstanden werden kann.
Wo andere Städte meist noch viel historische Substanz in ihr Um-Denken
einbeziehen müssen und in der Tendenz das Prinzip "Schrumpfung von den Rändern"
verfolgen, stellt sich Dessau einem Plattenbau-Gefüge der Nachkriegszeit. Dies
soll punktuell aufgegeben werden, wo Leerstand um sich greift, um zugleich die
Quartiere mit guter Nachfrage zu halten und in der Wohnqualität zu heben.
Das Bild vom "Grünen Band" soll die Planer auf eine städtebauliche Strategie
einschwören. Man will am Ende nicht auf einen Flickenteppich unkoordinierter
Abrisse schauen. Beginnend im Süden und Westen der Stadt stehen ganze Quartiere
zur Disposition. Günstigenfalls - so hofft man - werden sie zu einem Gemenge aus
Park und Wildnis aufschließen. Die neu entstandenen Grünflächen müssen im
Pflegeaufwand gering gehalten werden und sollen doch zum Wohlbefinden der Bürger
beitragen.
Um derlei Ziele überhaupt erreichen zu können, muss sich die Stadt auf den
Großversuch gelenkter Umsiedelung einlassen, wie er unter rechtsstaatlichen
Verhältnissen noch kaum erprobt ist. Die Ausgangslage ist denkbar schwierig. Da
ist zum Beispiel die ungleich verteilte Hauseigentümerstruktur. Die Hälfte des
Wohnungsbestandes gehört Großvermietern, von denen die Dessauer
Wohnungsgesellschaft (DWG) mit 14 500 Einheiten gut dreimal so groß ist wie jede
der beiden Genossenschaften.
Für alle ist der organisierte Abriss eine Existenzfrage. Die Leerstandsprognose
für die Stadt im Jahr 2010 liegt bei 10 000 Wohnungen. Bis dahin werden
geschätzte 30 000 Einwohner weniger als heute registriert sein. Jeder Abriss
erleichtert die Gesellschaften nicht nur um die Erhaltungs- und
Infrastrukturkosten, sondern um einen Teil ihrer Altschulden, die sich allein
bei der DWG nach deren Angaben auf 70 Millionen Euro belaufen. Auf genau 2 340
beziffert die DWG die Zahl ihrer Wohnungen, die bis 2010 vom Markt kommen
sollen.
Jetzt, da erste Quartiere freigeräumt sind und die nächsten schrittweise
leergezogen werden, steigt auch die Motivation aller Akteure, den begonnenen Weg
weiterzugehen. Für die Gestaltung des "Grünen Bands" sind Ideen gefragt.
Arbeitsgemeinschaften tagen bereits, und eine Art Sommerschule auswärtiger
Planer, die das Bauhaus einladen will, soll experimentellen Geist heranbringen.
Ein Vorschlag heißt "Schuttlabor". Da will man Pflanzen testen, die auf
geschreddertem Schutt gedeihen können. Anderswo könnten in der urbanen Wildnis
Attraktionen wie Kletterwände und Aussichtshügel entstehen. Diskutiert werden
Modelle der Bürgerbeteiligung, etwa die "Patenschaft" von Anrainern für einzelne
Abschnitte.
Finanziell sind enge Grenzen gesetzt. Auf Landesebene liegt im Stadtumbau der
Anspruch vorerst höher als das Vermögen, buchstäblich zu verstehen.
Wohnungsunternehmen klagen über Vorleistungen, die sie erbringen. Und derzeit
bevorzugt die Mittelvergabe den Abriss mit 80 Prozent; 20 Prozent gehen in den
eigentlichen Umbau. Strategie, sagt das Land, um Leerstände bald zu beseitigen -
doch wie viel die Städte bis 2010 davon profitieren, ist Spekulation.
www.mz-web.de
10.07.2004
Bützow: Wege für eine schönere Altstadt
Die Stadt Bützow ist bei der Sanierung der Altstadt zum
Erfolg verdammt. Seit 1991 flossen 33 Millionen Euro in den Aus- und Umbau von
Häusern und Straßen. Damit ist kaum die Hälfte des Weges geschafft. Diese Serie
wird Vor- und Nachteile, Visionen und Hemmnisse bei der Altstadt-Sanierung
beleuchten. Groß war der Aufschrei vor zwei Jahren, als das Integrierte
Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der schrumpfenden Stadt Bützow den Spiegel
vorhielt: Der "schlimmste Fall" der städtischen Entwicklung ging damals davon
aus, dass Bützow im Jahre 2005 nur noch 8222 Einwohner haben könnte. Die
Realität wird diesen Superlativ vermutlich schlagen: Lebten 1990 noch etwa 10500
Menschen in der Stadt, so waren es Ende 2003 noch 8272. Dabei dürfe gerade die
magische Zahl von 8000 nicht unterschritten werden, nennt Mathias H. Granitzki
vom Sanierungsträger der Stadt eine wichtige Säule der Planspiele. Heute
relativiert der Geschäftsführer der Gesellschaft für Ortsentwicklung und
Stadt-erneuerung (GOS) die Aussagen von 2002: Die Stadt werde auch mit weniger
Einwohnern bei der Sanierung "handlungsfähig" bleiben. Immer wieder erklärt
Granitzki: "Jammern füllt keine Kammern." 44 Städte waren 2002 landesweit für
die Teilnahme am "Stadtumbau Ost" anhand verschiedener baulicher und sozialer
Kriterien untersucht worden. Ergebnis: "Bützow befindet sich im Mittelfeld." Und
z.B. vor Güstrow.
Viele Faktoren spielen bei der Stadtsanierung eine Rolle: die Haushaltslage der
Stadt, der Wille der Stadtvertreter, wechselnde Fördermechanismen,
Kredit-Möglichkeiten, die Fähigkeit der GOS, für Bützow möglichst viele Töpfe
anzuzapfen. Oft wird die Stadtsanierung von Einzelnen in Frage gestellt. Dabei
bleibt Bützow kaum eine andere Wahl: Stadtumbau ist angesagt. 36 der 77 Gebäude,
die sich im Besitz der Stadt befinden, stehen derzeit leer. Das
Bewirtschaftungsergebnis war im Jahre 1998 erstmals defizitär, im Jahre 2001
musste Bützow sogar 232000 Euro zubuttern - der Tiefstand. Seither geht es
wieder bergauf. 2003 lag das Defizit noch bei 120000 Euro, für dieses Jahr liege
die Prognose bei minus 90000. "Leerstand bedeutet auch Wertverlust", so Mathias
H. Granitzki. "Was nicht saniert ist, ist auch nicht vermietet." Dagegen seien
alle sanierten Wohnungen in der Altstadt wieder belegt.
Eine Trendwende, wenn man so will, gelang Bützow durch ein Umsteuern in der
Stadtsanierung. Abriss und teilweiser Rückbau von Häusern in der Altstadt sind
keine Tabus mehr. Wenig Erfolg gab es dagegen beim Versuch, Grundstücke an
Private zu verkaufen. Dabei könnte hier der Schlüssel liegen: Wenn es gelingt,
wie z.B. beim Modell mit der BüWo, Häuser mit Sanierungsauflage auch für Null zu
veräußern. Bisher hat die Rechtsaufsicht des Landkreises solche Bemühungen
abgelehnt. Die Krux: Eine Kommune ist eben zu Einnahmen verpflichtet. Frank
Pubantz
33 Millionen Euro flossen seit 1991 in die Stadtsanierung, davon Fördermittel
von Land/Bund 38 Prozent, Kredite 14 Prozent, Eigenmittel der Stadt insgesamt 21
Prozent, Mittel Dritter (andere Fördermittel) sieben Prozent, Verkaufserlöse
vier Prozent.
www.svz.de
10.07.2004
Chemnitz: Ein Viertel der Wohnungen stehen leer
Was in den Ohren wohnungssuchender Mieter wie Musik
klingt, ist eine städtebauliche Katastrophe: In Chemnitz fast ein Viertel der
insgesamt 166 500 Wohnungen leer.
Ina Helbig von Statistischen Landesamt in Kamenz: „Damit liegt Chemnitz über dem
Schnitt. In Sachsen stehen durchschnittlich 18 Prozent der Wohnungen leer.“
Diese Entwicklung bereitet der Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft (GGG)
große Sorgen. Sprecher Stefan Reisz: „Das zeigt uns, dass wir den Stadtumbau
dringend voranbringen müssen. Die GGG hat in den vergangenen Monaten allein 4000
Wohnungen vom Markt genommen.“
Um den Leerstand einzudämmen, müssen Alt- und Plattenbauten, die nicht mehr
sanierungsfähig sind, abgerissen werden. Bei intakten Häusern setzt man auf
Modernisierung und Rückbau. Das ist dringend nötig: „Bei viel Leerstand besteht
die Gefahr, dass Stadtteile total verfallen und sozial kippen“, so Reisz.
www.sz-online.de
09.07.2004
"Der Stadtumbau geht ganz Deutschland an"
Der rund 800 000 Mitglieder starke Eigentümerverband Haus
& Grund Deutschland hat Politik und Wirtschaft aufgefordert, der Leerstandskrise
in schrumpfenden Städten mehr Bedeutung beizumessen.
"Das Thema Stadtumbau ist längst kein Sonderproblem mehr der neuen Bundesländer,
sondern eine komplexe Aufgabe für Politik, Wohnungswirtschaft und Gesellschaft
in den nächsten Jahrzehnten", sagte Haus & Grund-Präsident Rüdiger Dorn in einem
Gespräch mit der WELT. Dorn wies darauf hin, dass es seit 1971 in Deutschland
keinen Geburtenüberschuss mehr gebe. "Das Ergebnis sind Bevölkerungsverluste,
die in weniger als 50 Jahren diejenigen beider Weltkriege übersteigen werden."
Die Gesamtbevölkerungsentwicklung werde von erheblichen regionalen
Verschiebungen der Bevölkerungsverteilung und der Altersstruktur begleitet.
"Deutschland zieht um." Die Folgen seien für jeden sichtbar, der durch Städte
wie Chemnitz, Leipzig, Halle oder Stendal, aber auch Duisburg oder Herten gehe.
Ganze Häuserzeilen seien unbewohnt. In den neuen Bundesländern stünden bis auf
weiteres 1,3 Millionen Wohnungen leer, in denen 2,6 Millionen Menschen leben
könnten.
Die Leerstandsquote ostdeutscher Wohnungen dürfte laut Dorn bei 16 Prozent und
mehr liegen. Die Altstadt von Görlitz stehe zur Hälfte leer. In der
Jugendstil-Stadt fänden voll sanierte Gründerzeitgebäude weder Mieter noch
Käufer. 3500 denkmalgeschützte Häuser in der Innenstadt seien unbewohnt. Von den
einst 90 000 Einwohnern seien heute nur noch 60 000 hier. In Halle seien seit
der Wende 25 Prozent der Bevölkerung ins Umland oder nach Westdeutschland
abgewandert. Der Immobilienmarkt in manchen Städten sei praktisch
zusammengebrochen. Gefahr drohe aber auch alten westdeutschen Industrieregionen.
Auch für manche Einfamilienhaus-Siedlung mit überalterter Bevölkerung gebe es
keinesfalls Entwarnung.
"Wo heute Kindergärten und Schulen leer stehen, können es morgen Häuser und
Wohnungen sein. Leerstand zieht auch den Wert der Nachbarimmobilien abwärts",
sagte Dorn. Der Schrumpfungsprozess müsse jetzt organisiert werden. In den
meisten Fällen werde es sinnvoll sein, Städte vom Stadtrand zum Stadtkern hin
zurückzubauen.
An diesem Prozess seien die privaten Eigentümer stärker zu beteiligen. Sie
besitzen in den Innenstädten bis zu 80 Prozent der Immobilien. In Zeiten knapper
öffentlicher Kassen bewege sich ohne privates Kapital ohnehin nichts. Der Abbau
bürokratischer Hürden und mehr Flexibilität seien auch beim Stadtumbau die
Schlüsselbegriffe einer zukunftsfähigen Entwicklung.
Für den Eigentümerverband bedeute Stadtumbau Rückzug aus der Fläche, und zwar
notfalls auch durch Abriss von Randsiedlungen, wenn nur so die Innenstädte
aufgewertet werden können. Arbeit und Wohnen müssten wieder zusammengeführt
werden. "Das Prinzip hoheitlicher Planung und Förderung hat in die Sackgasse der
Probleme geführt. Eine neue Partnerschaft zwischen Politik und Gemeinden sowie
der gesamten Wohnungswirtschaft inklusive der Mieter ist notwendig", forderte
Dorn.
www.welt.de
09.07.2004
Nordrhein-Westfalen: Träume von
Wolkenkuckucksheimen
Zukunft der Stadt" in Zeiten von Verschuldung,
Bevölkerungsschwund und Leerstand. Geträumt wurde von der "Aufwertung der
Innenstädte", "mehr Lebensqualität", Verdichtung und Baulückenschließung,
"Freiraumkonzepten und neuen Erlebnisräumen", Urbanität und Schonung der
Landschaft. Die Architektenkammer NRW wollte auf ihrem "Architektentag 2004"
ausloten, was auf die Kommunen, die Bauwirtschaft und den Berufsstand der
Baugestalter nach den nordrhein-westfälischen Kommunal- und Landtagswahlen
zukommt, und hatte deshalb auch Kommunal- und Landtagspolitiker in die
Düsseldorfer Rheinterrassen geladen, die sich den Architekten "stellen" sollten.
Es wurde eine Geisterdebatte. Denn auf den Realitätsgehalt des Wunschzettels und
der Referate schien es nicht so sehr anzukommen. Um ja nicht zu sehr in die
Leerstandsdebatte hineingezogen zu werden (die ihre Schatten in Städten wie
Essen, Hagen und Gelsenkirchen vorauswirft), hatte man vorsorglich darauf
verzichtet, Referenten aus Problemzonen des Ruhrgebiets, Norddeutschlands und
erst recht des Ostens einzuladen. Gut gelaunte Theoretiker des planerischen
Gemischtwarenladens seligen Angedenkens, wie sie im "Boomland" Baden-Württemberg
noch aufzutreiben sind, servierten stattdessen das Komplettangebot eines noch
vorwiegend am Neubau orientierten Stadtwachstums nach innen, nach außen, ins
Grüne und in die Mitte, dass man ins Schwelgen geraten konnte. Den Rest besorgte
eine Moderatorin, die ununterbrochen zum Klatschen aufforderte. Da war man dem
Kabarett näher als der Sachdebatte.
Als "Modellstädte" wurden Dortmund und Köln präsentiert, die sich sofort selbst
als "untypisch" einstuften. Ullrich Sierau, Dortmunds Planungsdezernent, feierte
die Dortmunder City als "viertbegehrtesten Platz in Deutschland", gleich hinter
Köln, Frankfurt und München. Dass er vergaß, auf die bekannten Leerstands- und
Sanierungsprobleme der Dortmunder Großsiedlungen einzugehen, fiel im bestellten
Applaus unter den Tisch und hätte auch nur die Stimmung verdorben.
Ohnehin musste Dortmund aufpassen, dass es auf dem Architektentreff nicht noch
von Köln ausgestochen wurde. Das rosafarbene Stadtporträt der beschädigt aus dem
Wiederaufbau hervorgegangenen Domstadt entrollte die Leiterin des Planungsamtes,
Anneliese Müller: "Bis 2015 ist uns ein Anstieg der Bevölkerung prophezeit." 50
000 Wohneinheiten sind fertig oder im Bau - am Mülheimer Hafen, auf Kasernen-
und Bahngeländen, als Flickenteppich in "Ergänzung" zur Innenstadt oder aber
irgendwo am Rand. Aber was ist mit "Stadtumbau", mit dem in Sonntagsreden
geforderten "Bauen im Bestand", mit Chorweiler oder aber dem grassierenden
Leerstand in citynahen Einkaufscentern? Der Referentin war es keinen Nebensatz
wert - und niemand wollte es wissen.
"Die demografische Entwicklung sieht doch ganz anders aus", platzte einem
Graukopf der Kragen, "wir erreichen einen Zustand, dass wir bald nicht mehr
unsere Infrastruktur bezahlen können." Da blitzte für kurz Ehrlichkeit auf.
Müller: "Dafür haben wir im Moment keine Lösung." Und so waren Problemscheu und
Ratlosigkeit der Architekten und Planer vielleicht die signifikantesten
Botschaften dieses Architektentages.
Keiner brachte es so präzis auf den Punkt wie Gastredner Meinhard von Gerkan,
der Hamburger Großarchitekt und Braunschweiger Professor, der bezeichnenderweise
den einzigen "echten", langanhalten Beifall erhielt, was selbst die eloquente
Moderatorin für Augenblicke fassungslos machte. Und was war seine Aussage?
"Diejenigen Städte, " so von Gerkan am Beispiel von New York, "die in allen
Punkten am schlechtesten abschneiden: Höchstmieten, Kriminalisierung des
öffentlichen Verkehrs, Schlaglöcher, mangelnde Hygiene, fehlende
Kinderspielplätze, das eigene Auto mehr Last als Lust - gerade sie sind am
begehrtesten und erleben ständigen Zuwachs. Das ist rational nicht zu erklären."
Dem Stadtumbau, so ließe sich schlussfolgern, müsste in Deutschland erst einmal
der Umbau einer Planungs- und Gestaltungsphilosophie vorausgehen, die nach heute
verbreiteter Einsicht in 80 Jahren mehr kaputt gemacht hat als der Krieg. Von
Gerkans Beispiele - die "gänzlich antiurbane autogerechte Stadt", Zersiedlung
der Stadtränder, architektonischer Müll - könnten Ansatzpunkte einer
Aufarbeitung sein, die auf "Architektentagen" beginnen müsste. Aber davon ist
die Zunft, wie Düsseldorf gezeigt hat, wohl noch Äonen entfernt.
www.welt.de
08.07.2004
Berlin: Im August ziehen erste Mieter
in die Terrassen-Häuser
Der Stadtumbau Ost geht auf seiner größten Berliner
Baustelle - Ahrensfelder Terrassen - zügig voran. Davon hat sich gestern Tilo
Braune, Staatssekretär im Bundesbauministerium, überzeugt. An der Havemannstraße
ziehen im August die ersten Mieter in die auf vier bis sechs Etagen
zurückgebauten Elfgeschosser mit Dachterrassen ein. Es entstehen 409 Miet- und
zusätzlich 38 Eigentumswohnungen. Für 70 Prozent der Wohnungen wurden
Vorverträge abgeschlossen.
Das 30-Millionen-Euro-Umbauprogramm endet im Dezember, weil dann die
15-prozentige Investitionsförderung wegfällt. Nur wenn sie fortgeführt wird,
können weitere Projekte in Marzahn-Hellersdorf in Angriff genommen werden. Der
Stadtumbau Ost, so Braune, habe mit dazu geführt, dass der Leerstand der
Ost-Wohnungsunternehmen 2003 erstmals auf 16 Prozent gesunken ist. 2002 waren es
noch 16,2 Prozent; die Prognose für 2005 liege bei 15,4 Prozent
morgenpst.berlin1.de
08.07.2004
Arnstadt: Die Angst vor der Abrissbirne
Stadtumbau Ost - ein heißes Eisen. Das Schlüsselwort
heißt: "Abriss". Die Vokabel ist Bestandteil eines Planungskonzeptes für den
Arnstädter Osten, das die Gemüter schon bei der letzten Bürgerversammlung im
April kochen ließ. Wegen Platzmangels wurde damals ein zweiter Termin angesetzt.
Vorgestern folgte in der Stadthalle Teil zwei.
"Konkrete Untersetzung des Themas Stadtumbau Ost für das Wohngebiet Arnstadt
Ost." Dieser etwas bürokratisch vernebelte Tagesordnungspunkt war für die
Bürgerversammlung auf Punkt eins gesetzt. Übersetzen ließe sich das salopp mit:
"Butter bei de´ Fisch". Und mit dieser Erwartung füllte sich auch die Stadthalle
bis auf den letzten Stuhl. Die Bürger wollten vor allem wissen: Was passiert mit
dem Quartier in der Käfernburger Straße, das laut Konzept von Abriss bedroht
ist?
Die Brisanz des Themas war den Veranstaltern spätestens seit der letzten
Bürgerversammlung mehr als deutlich. Bürgermeister Hans-Christian Köllmer legte
alles daran, von Anfang an die Wogen zu glätten. Ein Moderator war geladen:
Professor Max Welch Guerra von der Bauhaus-Universität Weimar. Ein Raumforscher,
der die Stadtentwicklung in Berlin-Kreuzberg begleitet hatte. "Leute, die
mitreden wollen, müssen auch die Zusammenhänge kennen". So leitete Jürgen Ludwig
vom Arnstädter Umwelt- und Medienzentrum den MDR-Film: "Leeres Land - Sterben
die Deutschen aus?" ein. Die Bürger sollten durch den Film für das Problem der
demographischen Entwicklung sensibilisiert werden. Verständnis wecken für die
andere Seite war anvisiert. Verständnis für die Zwänge von
Wohnungsbaugenossenschaft, -baugesellschaft und Stadt, angesichts des
Leerstandes zu handeln. Das ging zunächst nach hinten los. Einige Bürger hatten
das Gefühl, dass mit dem Film Nebelgranaten geworfen wurden. Entsprechende
Reaktion: "Uns interessiert, was mit Arnstadt ist", schrie ein aufgebrachter
Bürger. "Wie kann man nur so engstirnig sein", meinte hingegen eine andere
Teilnehmerin. Dennoch: Der Film musste vor seinem Ende abgebrochen werden.
Moderator Guerra betonte, Ruhe zu bewahren und Vorschläge in einem geordnetem
Verfahren vorzutragen und über die Problematik zu diskutieren. Doch Interesse
bestand vor allem daran, was nun mit dem Planungskonzept werde. Stadtplaner
Andreas Tebe sagte: "Was Sie erwarten, gibt es in dieser Konkretheit nicht." Das
Konzept ist nach wie vor nicht beschlossen. "Kein Genossenschaftler muss Angst
haben, dass er aus seiner Wohnung muss", versprach Mario Oppenhäuser von der
Wohnungsbaugenossenschaft. Das einzige Mal klatschten die Versammelten. "Das ist
ein äußerst komplizierter Prozess, bei dem wir auf Bürgerbeteiligung nicht
verzichten können", sagte gestern Baudezernent Ulrich Böttcher gegenüber TA.
Das ist der Punkt, auf den Professor Guerra hinaus wollte. Die Bürger sollen
sich organisieren, um sich einzubringen. Das Resümee des Abends: Das Konzept ist
nur ein Vorschlag, an dem die Bürger mitgestalten können. Bezogen auf den
Parkplatz am EDEKA-Markt, den die Bürger mangels Parkalternativen nutzen wollen,
versprach Köllmer, sich noch einmal mit den Betreibern in Verbindung zu setzen.
Zunächst hatte sich EDEKA bereit erklärt, den Parkplatz zur Verfügung zu
stellen. Nachdem Anwohner aber ihre Fahrzeuge dort bis zum nächsten Tag hatten
stehen lassen, wurde der Schlagbaum abends wieder herunter gelassen. Etwas ist
dennoch ins Rollen gekommen. Wie Böttcher mitteilte, werde das ganze Konzept
noch einmal zusammengefasst und in einer der kommenden Mieterzeitschriften
veröffentlicht. Dort wird auch ein Aufruf zur Gründung einer Bürgervereinigung
erscheinen, damit sich die Anwohner mit einer Stimme in den Diskussionsprozess
einbringen können. Für September ist eine weitere Versammlung geplant.
www.thueringer-allgemeine.de
03.07.2004
Thüringen: Wohnungswirtschaft sieht zum Abriss keine
Alternative
Der Verband der Wohnungswirtschaft in Thüringen (VTW) hält den
Abriss von Wohnungen für unumgänglich. Der notwendige Stadtumbau müsse immer als
«Einheit von Rückbau, Umgestaltung und Aufwertung» verstanden werden, erklärte
Verbandschef Norbert Nareyke am Freitag in Erfurt. Zugleich wies er Vorwürfe des
Bundes der Steuerzahler zurück. Bei dem Abriss teilsanierter Häuser handle es
sich «nicht um eine Fehlleitung von Steuergeldern, sondern um einen Beitrag, den
die Gesellschaft leisten muss, um die Zukunftsfähigkeit der ostdeutschen und
damit auch der Thüringer Städte zu gewährleisten».
Nach Angaben Nareykes haben die Thüringer Wohnungsunternehmen in den vergangenen
Jahren mehr als acht Milliarden Euro in die Sanierung der Bestände investiert.
Nur ein Bruchteil sei über Subventionen finanziert worden. Inzwischen ließen
aber die Abwanderung von Ost nach West und die Wanderung von den Städten aufs
Land keine Alternative zum Stadtumbau zu.
Die Wohnungsbaugenossenschaft Erfurt (WBG) hatte am Donnerstag mitgeteilt, sie
wolle etwa 1500 teil- oder komplett sanierte Wohnungen «vom Markt nehmen».
WBG-Vorstandschef Manfred Fraaß begründete das Vorhaben mit dem wachsenden
Leerstand. Für die Sanierung der Wohnungen seien im Durchschnitt 7000 Euro
aufgewendet worden, zur Hälfte über Fördermittel finanziert. Auch die Kommunale
Wohnungsbaugesellschaft Erfurt (KOWO) will im kommenden Jahr einen bereits
teilsanierten Wohnblock abreißen.
Der Bund der Steuerzahler kritisierte die Pläne der Wohnungsunternehmen. Diese
hätten ungeachtet des wachsenden Leerstandes die vom Staat gezahlten
Fördermittel abgerufen. Steuermittel seien «in Millionenhöhe in die Sanierung
geflossen und jetzt sollen die Steuerzahler den Abriss erneut mitfinanzieren».
www.de.news.yahoo.com
02.07.2004
Aschersleben: Sprayerwände kaschieren die Abbrüche im
Stadtbild
"Es ist Liebe" hat bisher noch keiner über den Stadtumbau gesagt.
Aber dieser Slogan macht das giftgrüne Ufo erst recht zum Hingucker, das in
Aschersleben auf einem Abrissgrundstück gelandet ist und an der so genannten
Ortsdurchfahrt für die Sache werben soll.
Der tägliche Verkehrsinfarkt und der extrem hohe Leerstand entlang dieser
Hauptschlagader rings um die Altstadt gaben die Gründe ab, den Straßenzug für
eines der ersten Projekte der "Internationalen Bauausstellung" vorzuschlagen.
Mit der IBA will Sachsen-Anhalt der Welt bis zum Jahr 2010 Modelle für den
Umgang mit schrumpfenden Städten präsentieren.
Der Sachsen-Anhalt-Tag bietet am Wochenende auch eine IBA-Strecke am Rathaus.
Rechtzeitig dazu ist am Donnerstag an der Brache der Geschwister-Scholl-Straße
und auf der ganzen Länge der Straße "Hinter dem Zoll" mit ministeriellem
Aufgebot das erste Beispiel einer durchinszenierten Schrumpfstadt eingeweiht
worden. Sie ist das Ergebnis einer Ideenwerkstatt, mit der am Dessauer Bauhaus
seit Beginn letzten Jahres Ascherslebens Hilferuf an die IBA in eine Vielzahl
von künstlerischen Entwürfen umgesetzt wurde. Und das Lehrstück an der
Leerstelle dient nun hervorragend zur Illustration einschlägiger neuer
Stadttheorien.
Dabei hält sich die Ascherslebener Architektin aus der Werkstattrunde, Heike
Sperling, noch an die straffe Formensprache der Moderne, wenn sie das
Abrissgrundstück an der Geschwister-Scholl-Straße mit einer schmalen Passage
zerteilt wie Moses das Rote Meer.
Unter den Begriffen "Durchlässig machen", "Filterfunktion" und "Beziehungen
herstellen zur Innenstadt" kommt diesem Ort jetzt eine Vorreiterrolle zu, die
Innenstadt besser mit den Einkaufs- und Vergnügungszentren zu verknüpfen, die am
nördlichen Stadtrand entstanden sind.
Wahre Wortgebirge aus reinstem Planerdeutsch bietet der Berliner
Schrumpfstadt-Experte Detlef Weitz auf, der mit seinem Büro für die Planung der
"Hybrid-Wälle" verantwortlich war, die Hinter dem Zoll ihren Auftritt haben.
Diese "Medienskulpturen" aus planenbespannten haushohen Stahlträgern bieten
nicht nur eine Bildfläche für die ehrgeizige junge Spray-Künstlerszene der
Stadt, sondern auch den Rahmen für eine nächtliche Lichtinstallation: Die Wände
der gegenüberliegenden einstigen Maschinenfabrik erstrahlen in ähnlich bunten
Farben wie das seltsam unentschlossene Bildprogramm der Sprayer. Die konnten
sich zwischen "tags", Fantasy-Figuren und Ascherslebener Sehenswürdigkeiten
nicht recht entscheiden.
Doch der eigentliche Tiefsinn dieser Installationen liegt darin, die tiefen
Löcher im Straßenbild zu kaschieren, die letztes Jahr durch Abrisse einzelner
Häuser entstanden sind. Rückwärtig soll rankender wilder Wein den Bewohnern der
zweiten Reihe den Anblick "vertikaler Gärten" bieten.
Doch die 320 000 Euro teure Aktion, an der die Sprayer den geringsten Anteil
hatten, beleuchtet die "Ambivalenz des Themenkomplexes
Leerstand-Abriss-Schrumpfen" nicht nur so, wie es sich die Initiatoren denken.
Während sie darin "das primäre Anliegen Kommunikation und Handlung" erfüllt
sehen wollen, stößt man bei Anliegern der Straße auf Verständnislosigkeit und
Informationsdefizite. Ob Hauseigentümer, Rentner, Mieter oder Gewerbetreibender:
Ascherslebens Stadtumbauprojekt erreicht viele seiner Bürger nicht, die es
angeblich ansprechen will.
Der Widerspruch ist für niemanden aufzulösen, der zwischen den Fördergeldern für
die Stahlkonstruktionen und den immer knapperen Mitteln der Stadtsanierung
klafft. Umstritten bleibt, ob die Abrisse zu rechtfertigen sind. Waren die
Häuser, die alle der städtischen Wohnungsgesellschaft gehörten, wirklich nicht
mehr zu halten, und sei es im gesicherten Leerstand?
Man trifft auf Augenzeugen, die sich an schlimmste Verhältnisse erinnern, jedoch
zeigt der Blick auf den derzeit laufenden Abriss am südlichen Ende der Straße,
dass es auch intakte Gebäude trifft. Es beeindruckt zuletzt auch das
Beharrungsvermögen der verbleibenden Bewohner einer Straße, die auf einer Seite
Blechlawinen erträgt, auf der anderen Gartenparadiese und Feldwege aufschließt.
Die planerische Perspektive scheint in weiter Ferne, dass an der Ortsdurchfahrt
niemand mehr wohnt. So bleibt offen, was das Ascherslebener IBA-Projekt
erreichen will.
www.mz-web.de
02.07.2004
Leinefelde: Südstadt im Wandel
Seit 40 Jahren gibt es in Leinefelde eine kommunale
Wohnungsverwaltung. Das Jubiläum beging die Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH (WVL)
gestern mit einem Festakt und schloss gleichzeitig das jüngste Projekt - die
Stadtvillen - ab. Derzeit verwaltet die WVL 2700 Wohnungen. Als Dankeschön für
die Mieter, die in den vergangenen Jahren viel Verständnis für die umfangreichen
Bauarbeiten aufbringen mussten, wird am Samstag im Japanischen Garten ein großes
Fest gefeiert.
Die acht neuen Stadtvillen mit je acht Wohnungen an der Birkunger Straße sind
nun allesamt fertig. 95 Prozent der Wohnungen sind bereits vermietet. Gekostet
hat der Rückbau des früheren Neubaublocks mit seinen 15 Eingängen und 150
Wohnungen, dem Dachneubau sowie der Sanierung insgesamt über 4,8 Millionen Euro.
Heute stehen den Mietern hier Unterkünfte mit einer Größe von 39 bis 113
Quadratmetern Fläche zur Verfügung. Gestern schloss die Wohnungsbau- und
Verwaltungs GmbH das Projekt ab und machte sich damit quasi selbst ein
Geburtstagsgeschenk.
Das 40-jährige Jubiläum, das die Leinefelder Wohnungsgesellschaft begeht, war
gestern Anlass für Geschäftsführer Heiko Reinhardt, auf die Entwicklung des
Unternehmens zurück zu blicken. Angefangen hatte alles 1959 mit dem
Eichsfeldplan. Eine grundlegend neue Wirtschaftsstruktur sollte geschaffen
werden, die sich in der Ansiedlung des Textilkombinates, der Entwicklung des
Kalibergbaus und dem Aufbau der Zementproduktion widerspiegelte. So entstanden
nicht nur neue Arbeitsplätze, es mussten auch neue Wohnungen für die
Mitarbeiter, die nicht nur aus dem Eichsfeld kamen, gebaut werden. Damit war der
Grundstein für die heutige Wohnungs- und Verwaltungs GmbH Leinefelde gelegt. Um
den wachsenden Wohnungsbestand zu verwalten, wurde zum 1. Juli 1964 der VEB
Kommunale Wohnungsverwaltung gegründet. 1969 zählte Leinefelde bereits 6200
Einwohner und bekam das Stadtrecht. Im Wohnungsbau hatte sich einiges getan, im
Oktober 1972 war die 2000. Neubauwohnung in der heutigen Gaußstraße
bezugsfertig, erinnerte Reinhardt gestern an die Anfänge. Einen
Entwicklungsschub machte die Stadt bis 1990. Da waren es 16 000 Einwohner, und
der KWV-Bestand wies 3642 Wohnungen aus. Deutliche Spuren hinterließ allerdings
die Wende in der Leinestadt. Begünstigt durch die wirtschaftliche Monostruktur
brach der größte Teil der Arbeitsplätze weg, Abwanderungen und sinkende
Geburtenzahlen taten ihr übriges. Auch was das Wohnen anging, suchten die Leute
nach Alternativen und einer höheren Qualität. Viele verließen die Südstadt, die
bis dahin ein beliebter Wohnstandort war. Darauf musste die Wohnungsgesellschaft
ebenso reagieren wie auf neue Gesetze und tat es mit dem Stadtumbau. Doch erst
einmal wurde 1994 die Wohnungswirtschaft GmbH in die Wohnungsbau- und
Verwaltungs GmbH umgewandelt, alleiniger Gesellschafter ist bis heute die Stadt
Leinefelde. Die Aufgaben wurden nicht weniger, denn das neue Stadtkonzept musste
umgesetzt werden. Mit der Modernisierung von rund 580 Wohnungen in der
Konrad-Martin-Straße fiel 1993 der Startschuss. Das Bild der Südstadt veränderte
sich auch mit der Komplettsanierung des so genannten Physikerviertels, das
Expo-Projekt wurde. Und erstmals bekam die WVL dafür einen Bauherrenpreis.
Blickfang für die Leinefelder und ihre Gäste ist heute neben den vielen neu
gestalteten Blöcken der Japanische Garten.
Und stolz ist Heiko Reinhardt darauf, dass mittlerweile 80 Prozent des
Wohnungsbestandes modernisiert sind. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass auf
Grund der Differenz zwischen Nachfrage und Bestand bislang rund 550 Wohnungen
abgerissen wurden. Insgesamt, so sein Resümee, hat die WVL in den vergangenen 12
Jahren um die 60 Millionen Euro in die verschiedensten Baumaßnahmen investiert.
Und es gibt jetzt ein neues Vorhaben: In der Büchnerstraße 2 bis 16 soll der
leer gezogene Block mit 80 Wohnungen umgestaltet werden. Zwei Geschosse und ein
Eingang werden abgerissen. Es entstehen zwei Gebäude mit 39 Wohnungen, die
teilweise mit Dachterrassen oder einem Innenhof versehen werden.
Doch trotz aller Erfolge gibt es auch heute einige Wermutstropfen,
beispielsweise mit Mietschuldnern. Hilfe bietet die Gesellschaft säumigen
Mietern, doch die müssen die Angebote auch nutzen, damit es nicht zum letzten
Schritt der Räumungsklage kommt.
www.thueringer-allgemeine.de
02.07.2004
Brüel: Wohnblöcke sind abgerissen
In der Brüeler Feldstraße erinnert derzeit nur noch ein
großer Bauschutthaufen an die einstigen Wohnblöcke 1 bis 3 und 5 bis 9. Was
lange angekündigt war, wurde jetzt Wirklichkeit: Die Häuser wurden zurückgebaut.
Ende nächster Woche soll die Fläche dann auch beräumt sein, es wird Mutterboden
aufgefüllt und Gras eingesät, erfuhr SVZ auf Anfrage von der STEWO.
Die Wohnungen in der Feldstraße 1 bis 3 und 5 bis 9 standen seit Anfang 2003
leer. Viele der Mieter hatten sich seinerzeit gegen einen Aus- und Umzug
gewehrt, doch der zunehmende Leerstand im Geschosswohnungsbau der Sternberger
Wohnungsbaugesellschaft (STEWO) gerade in der Feldstraße hatte das Unternehmen
schließlich dazu bewogen, einen Rückbau dieser beiden Wohnblöcke zu beantragen.
Denn Leerstand bedeutet Verlust.
Das sahen auch die Brüeler Stadtvertreter so. Um für den Rückbau auf
Fördermittel zurückgreifen zu können, hatten sie die Beteiligung am Programm
"Stadtumbau Ost" beschlossen und zudem ein Grobkonzept für die Stadtentwicklung
in Auftrag gegeben. Das liegt seit Mitte 2003 vor und belegt u. a. auch, dass in
Brüel mittelfristig der Bürgerrückgang nicht gestoppt werden wird.
www.svz.de
01.07.2004
Schwerin: Grüne Innenhöfe laden zum
Verweilen ein
Neu Zippendorf Mehr als 30000 Quadratmeter Fläche
hat die Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) in den Innenhöfen der Pecser
und der Neubrandenburger Straße neu hergerichtet, viel Grün angelegt, rund 70
Bäume gepflanzt, aber auch Stellplätze für Pkw geschaffen, Carports errichtet
und für Hundetoiletten gesorgt. Eingefasst von den modernisierten
Fünfgeschossern der SWG sind die Innenhöfe nun Orte, die zum Verweilen einladen.
Insgesamt investierte die SWG für die Innenhöfe mehr als eine Million Euro.
Gefördert wurde die Neugestaltung durch Mittel des Bundes, des Landes und der
Stadt. Für die Planung und die Ausführung der Arbeiten zeichnen die
Landschaftsarchitektin Christiane Haberkorn und die Firma Garten- und
Landschaftsbau Jolitz verantwortlich.
In ihrem Jahresbericht kann die Genossenschaft auf schwarze Zahlen verweisen: Es
wurde im vergangenen Jahr ein Überschuss von 45000 Euro erwirtschaftet. "Unsere
insgesamt positive Bilanz resultiert vor allem aus deutlich verbesserten
Ergebnissen in der Hausbewirtschaftung. Wir haben zwar wegen des anhaltenden
Leerstands noch einen Verlust von 152000 Euro verbuchen müssen, jedoch ist
dieser deutlich geringer als im Vorjahr. Da lag das Minus noch bei 1,3 Millionen
Euro. Über Zinserträge konnte der Verlust ausgeglichen werden", sagt
Vorstandsmitglied Margitta Schumann. Auf Grund der guten Liquidität könne die
SWG zuversichtlich in die Zukunft blicken. So würden für die anstehenden
Modernisierungen Eigenmittel von fast 50 Prozent zum Einsatz kommen.
www.svz.de
01.07.2004
Erfurt: Abrissbirne droht auch sanierten Häusern
Die Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft WBG will auch bereits
sanierte Häuser abreißen lassen. Das sagte WBG-Vorstandschef Fraaß MDR 1 RADIO
THÜRINGEN. Wegen des großen Leerstands gebe es dazu leider keine Alternative.
Das Unternehmen müsse auf den Bevölkerungsrückgang und das Überangebot an
Wohnungen in Erfurt reagieren. Andernfalls sei die Genossenschaft spätestens
2009 wegen Mietausfällen und anfallenden Betriebskosten "nicht mehr
überlebensfähig".
Nach derzeitigem Planungsstand sollen gut 1500 teil- oder komplett sanierte
Wohneinheiten abgerissen werden. Deren vorherige Sanierung wird ebenso wie der
nunmehrige Abriss über Fördermittel mitfinanziert. Für die Sanierung habe die
WBG durchschnittlich 7000 Euro pro Wohnung ausgegeben. Das Geld dafür stammt zur
Hälfte aus Fördermitteln und Krediten. Der Abriss wird laut Fraaß mit 60 Euro
pro Quadratmeter ebenfalls von Bund und Land gefördert.
Mit den Abrissplänen steht die WBG in der Landeshauptstadt nicht allein. Auch
die kommunale Wohnungsbaugesellschaft KOWO will einen bereits teilsanierten
Wohnblock schleifen lassen. Die vier größten Erfurter Wohnungsbaugesellschaften
haben sich in einem Masterplan verpflichtet, in diesem und im kommenden Jahr
jeweils 1000 Wohneinheiten abzureißen.
www.mdr.de
01.07.2004
Dresden: Der letzte Mieter packt die Umzugskartons
Erst kürzlich hat es wieder gebrannt. Die Plastefassungen der
Lampen im Vorraum des Plattenbau-Wohnblocks am Terrassenufer verformten sich in
der Hitze, Briefkästen sind verkohlt. Brandspuren auch im Treppenhaus, daneben
unzählige Graffitis. Sehr wohnlich wirkt der Zwölfgeschosser mit dem
Leucht-Schriftzug „Sächsische Zeitung“ nicht mehr. Soll er auch nicht. „Wir sind
nur noch dafür zuständig, dass die letzten Mieter ausziehen“, sagt
Woba-Pressesprecher Bernd Felgentreff. Das warme Wasser ist seit vier Wochen
abgestellt, der Fahrstuhl schon seit einer Ewigkeit.
Auch Mike Wagner bereitet emsig seinen Auszug vor: „Zum 30. Juni hab ich die
Wohnungskündigung“, sagt er. Der Umzug ist weder besonders schwierig noch
besonders weit. In seine 26,5 Quadratmeter Wohraum passten nur wenig Möbel. Das
zukünftige Domizil, gleich um die Ecke auf der Steinstraße, hat stolze vier
Quadratmeter mehr. „Aber der Sonnenaufgang beim Aufwachen, der Blick in die
Sächsische Schweiz, das wird mir fehlen“, sagt der 32-Jährige.
Die Aussicht aus der zwölften Etage ist wirklich fantastisch: Vor den großen
Fenstern im Treppenhaus liegt die Altstadt-Silhouette wie ein besonders
gelungenes Postkartenmotiv. Das hat auch Claudia entdeckt. Fast täglich schleppt
die junge Künstlerin Staffelei und Farben nach oben, um Dresden in Öl zu
verewigen, „solange es noch geht.“ Denn der Block soll weg. Schließlich ist er
derjenige, der die Altstadt-Kulisse stört. Für das dritte Quartal hat das
Liegenschaftsamt den Abriss-Termin angesetzt. „Im Oktober oder November,
vorausgesetzt, dass alle Mieter draußen sind“, sagt Uta Bauch, Sachbearbeiterin
im Liegenschaftsamt.
Carmen kommt kurz vorbei, um den letzten Kleinkram aus ihrer ehemaligen Wohnung
zu holen. Sie wird Dresden zukünftig vom Hochhaus am Pirnaischen Tor aus
bewundern. Seine Nachbarin lernte Mike Wagner erst kennen, als das Haus schon
fast leer stand. „Wir waren die letzten auf unserer Etage“, sagt er. Seit vier
Jahren lebt er hier, anfangs waren alle 216 Einraumwohnungen mit Kochecke,
Einbauschränken und Kleinstbad noch bevölkert. Als 1964 die beiden Plattenbauten
Terrassenufer 12 und 14 entstanden, sollte vor allem der dringende
Wohnungsmangel in der zerstörten Stadt gelindert werden. Im vorderen ehemaligen
Wohnheim befindet sich jetzt das Hotel am Terrassenufer. Mit Wohnungen für
Alleinstehende wollte man in dem hinteren Gebäude auf die modernen Bedürfnisse
der Großstädter eingehen. Für den Abriss hat das Bund-Länder-Programm für den
Stadtumbau Ost jetzt 70 Euro pro Qudratmeter vorgesehen, 400 000 Euro insgesamt.
„Wir haben die Erfahrungen aus Hoyerswerda, wie teuer das wird“, sagt Uta Bauch.
„Nach Schätzungen kostet es etwa 600 000 Euro.“ Die Stadt wird den Rest
zusteuern.
Damit wäre der erste Schritt für einen Umbau der Pirnaischen Vorstadt gemacht.
Auf dem Areal, das auch das Hotel, die Schwimmhalle auf der Steinstraße und die
Poliklinik umfasst, sind Neubauten von Wohn- und Geschäftshäusern vorgesehen.
„Das ist alles von Investoren abhängig“, sagt Uta Bauch. „Zeitlich können wir
das nicht eingrenzen“, so Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU).Viele
wirtschaftliche Fragen müssten erst geklärt werden. „Vor 2008 werden wir unsere
Investitionen nicht herein haben“, sagt Max Trapp, Inhaber des Hotels am
Terrassenufer. „Erst dann sind wir verhandlungsbereit.“ Das Vier-Sterne-Hotel
erfreue sich großer Beliebtheit bei den Gästen, 40 Angestellte kümmern sich um
den Betrieb. „Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern“, sagt Trapp.
Mike Wagner hat seine neue Wohnung inzwischen fertig vorgerichtet. Richtig
unglücklich über den Auszug ist er nicht. „Es ist ja dieselbe Gegend und vom
Dach aus habe ich auch auf der Steinstraße einen schönen Blick“, sagt er.
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