Newsticker Archiv Juli 2005
27.07.2005
Erfolgsmodell Abriss
Das milliardenschwere Programm "Stadtumbau Ost" wird von
den meisten Fachleuten als Erfolg eingeschätzt. Die Sache ist sehr gut
vorangekommen, das sehen auch die Kommunalvertreter aus den neuen Ländern und
die Wohnungswirtschaft so", sagt Folkert Kiepe, Stadtentwicklungsdezernent beim
Deutschen Städtetag. Es fanden sich alte Industriestädte wie Magdeburg und
Halle, DDR-"Energiestädte" wie Cottbus, aber auch kleine Orte in
Mecklenburg-Vorpommern. Entsprechend unterschiedlich gingen die Städte dann auch
vor. In Schwedt an der Oder gelang es, ganze Plattenbauten zu räumen und
abzureißen. In den übrigen Häusern wurden Wohnungen zusammengelegt und damit
vergrößert, durch Aufzüge und Balkone stieg die Lebensqualität. In der Berliner
Trabantenstadt Marzahn-Hellersdorf mussten Schulen und Kindergärten eingeebnet
werden, weil sie wegen Kindermangels ohnehin leer standen. Zusammen mit
niedergerissenen Plattenbauten ergaben sich Flächen, die als Bauland für
Einfamilienhäuser, als Gewerbeflächen oder Grünanlagen genutzt wurden. Wismar
und Schwerin stellten ihre historischen Stadtbilder wieder her. Leipzig und
Plauen rissen in Altstadtvierteln leer stehende Bauten ab, sodass die anderen
Häuser mehr Sonne abbekommen, die sie mit neuen Fenstern und Balkonen einfangen
können. Mit dem Programm wurden allerdings auch einige "teure
Schildbürgerstreiche der 90er Jahre" aus der Welt geschafft, sagt Reiner
Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Weltbevölkerung. Damals seien viele
Wohnquartiere teuer saniert worden, die dann doch leer standen und nun
abgerissen wurden - die Baubranche verdiente jeweils ordentlich. "Für
Eisenhüttenstadt oder Halle-Neustadt wäre ein finales Konzept besser", so
Klingholz, "die sind im freien Fall." Jetzt würden auch Städte im Ruhrgebiet, im
Saarland sowie Bremerhaven gefördert. Nach Ansicht von Bevölkerungsforscher
Klingholz ist das auch bitter nötig: "In Duisburg oder Wuppertal gehen die
Zentren kaputt. Die bestehen fast nur noch aus Ein-Euro-Läden, Handygeschäften
und Videotheken." Ähnlich sei die Lage in Ludwigshafen: "Die gut verdienenden
BASF-Angestellten wohnen an der Weinstraße. Zurück bleiben nur die sozialen
Problemgruppen."
www.ftd.de
27.07.2005
Halle: Keiner will die großen Häuser
Kaum entdeckten die Wohnungsgesellschaften den Leerstand,
fand die Politik mit dem Stadtumbau die Antwort: Das Problem wird mit
Abrissprogrammen zumindest teilweise aus der Welt geschafft. So leicht geht das
(noch) nicht mit den öffentlichen Bauten. Wie dramatisch die Leerstandssituation
auf diesem Gebiet ist, wird vielen erst jetzt bewusst, da die Schrumpfung der
Städte zunehmend auch die Verwaltung erfasst.
Kaum irgendwo gerät die Entwicklung so unübersehbar in den Blick wie in Halle.
Die Innenstadt ist gespickt mit großen, historisch wertvollen Häusern, aus denen
das Leben weicht. Unübersehbare Menetekel sind etwa das seit langem leer
stehende Arbeitsamtsgebäude der 20er Jahre am Steintor, oder das
Polizeipräsidium nahe am Hallmarkt. Dort bröckelte den Beamten zuletzt auch noch
der Taubenkot auf die Köpfe. Derlei Verhältnisse werden jede Vermarktung
erschweren. Aber was Nutzer vor allem abschreckt, ist wie am schönen
20er-Jahre-Backsteinbau am Steintor ein Mix aus ungünstigen Raumzuschnitten,
maroder Technik und schierer Größe.
Die Stadt selbst kämpft mit einem Problem, für dessen Lösung andere zuständig
sind. Wie dringlich ein Ausgleich an Interessen wäre, das zeigt sich drastisch
beim Altstadtquartier nahe der Moritzburg. Mehrere naturwissenschaftliche
Institute der Universität verlassen in den kommenden Jahren ihre angestammten
Sitze. Bereits leer gezogen ist der Renaissancebau der "Neuen Residenz" Kardinal
Albrechts. Dem touristisch bedeutenden Viertel droht die Verödung.
Stadtplanerin Elisabeth Merk vermisst bei den Liegenschaftsverwaltungen die
"kreative Auseinandersetzung" mit der Aufgabe. Zwar arbeiteten sie in einem
ständigen Ausschuss mit. Nötig seien aber Konzepte, auch mehr "Aufbereitung"
etwa für Immobilienmessen.
www.mz-web.de
27.07.2005
Gotha: Der Abriss rückt näher
Die Tage von Gothas größtem und skandalträchtigsten
Wohnhaus sind gezählt: Nächste Woche wird der Elfgeschosser in der Moßlerstraße
zwangsversteigert. Das Ziel der Stadt Gotha für die Moßlerstraße 4 bis 8 ist
klar umrissen: Kaufen und abreißen. Oberbürgermeister Volker Doenitz hat
angekündigt, dass die Baugesellschaft in seinem Auftrag mitbieten wird. Das
Mindestgebot liegt bei 310 000 Euro. Ein Schnäppchen: Das Grundstück mitten in
der Stadt ist 6 500 Quadratmeter groß. Geht der leer stehende und abriss reife
Block dafür weg, ergibt das einen Quadratmeterpreis von 47,70 Euro in zentraler
Lage. Interessenten für eine Nachnutzung gibt es: Ein Handelsunternehmen hat ein
Auge auf das Areal geworfen. Die Stadt selbst hatte bis vor kurzem auch eine
Perspektive im Visier: Mit dem Gothaer Kinobetreiber wurde über das Gelände
gesprochen, schließlich trug er sich jahrelang mit Plänen für den Bau eines
neuen Lichtspieltheaters. Der erste Schritt jedoch wird der Abriss des größten
Wohnhauses der Stadt (das Hochhaus am Arnoldiplatz hatte zehn Geschosse). Der
ist längst beschlossene Sache: Anträge des Noch-Besitzers 9. Grund im Zuge des
"Stadtumbau Ost" gibt es. Die wären zwar bei einem Besitzerwechsel hinfällig,
aber damit wären die Fördermittel nicht verloren. Sie müssten durch den neuen
Besitzer beantragt und mit einem Stadtratsbeschluss untersetzt werden. 60
Euro/pro Quadratmeter beträgt die Förderung beim Rückbau. Mit Ausschreibungen
und allen Formalien werde es wohl in diesem Jahr nicht mehr zum Abriss kommen,
glaubt Exner.
www.tlz.de
25.07.2005
Das Land Brandenburg wird wieder ländlicher
Nur in Mecklenburg leben noch mehr Menschen
auf dem Dorf. Während es in den vergangenen 300 Jahren den Zug der Dörfler in
die Stadt gegeben hat, verläuft in Brandenburg der Weg inzwischen umgekehrt: Das
Bundesland wird wieder ländlicher. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, ist
der Anteil der Landbevölkerung im Nordosten Deutschlands am höchsten.
Brandenburg habe einen Anteil an Landbevölkerung von 53,5 Prozent.
Mit 64,4 Prozent liegt nur noch der nördliche Nachbar Mecklenburg-Vorpommern
darüber. Dagegen leben im Saarland nur noch 0,6 Prozent der Einwohner auf dem
Dorfe, in Nordrhein-Westfalen sind es noch 1,2 Prozent. Bei der Erhebung wurde
die Bevölkerung der Bundesländer in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Die
Vermutung, dass sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung in den Städten
konzentriert, wird auch vom Agrarministerium ins Reich der Legende verwiesen.
Nach seinen Berechnungen werden im Jahr 2015 noch 38 Prozent der Brandenburger
in Städten leben. Im Jahr 1990 traf das noch auf 43 Prozent zu. Der Anteil der
ländlichen (und kleinstädtischen) Bevölkerung soll demnach in der gleichen Zeit
von 57 auf 62 Prozent steigen. Trotz dieses relativen Bedeutungszuwachses der
ländlichen Gebiete gegenüber den Städten werden die ländlichen Gebiete immer
weniger dicht besiedelt sein, sind sich Fachleute sicher. Habe die
brandenburgische Siedlungsdichte zur Wendezeit noch 45 Einwohner je
Quadratkilometer betragen, so werde dieser Wert bis 2015 auf 40 Einwohner
sinken. Oder sogar noch darunter. Damit ist Brandenburg hinter
Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte Bundesland Deutschlands.
Demnach wäre der gegenwärtige Stand der Bevölkerung im deutschen Nordosten nur
mit einer großzügigen Einwanderungspolitik halbwegs zu sichern. Viele Aktive im
Leistungsalter sind schlicht und einfach schon weg. Laut einer Studie der Berlin
Brandenburgischen Wohnungsunternehmen hat die Zahl der Ostdeutschen sich seit
1989 von 16,74 Millionen auf 14,8 Millionen (2004) vermindert. Damit hat der
Osten erneut noch einmal so viele Menschen verloren, wie zwischen 1949 und 1961
aus der DDR nach Westdeutschland geflüchtet waren. Im Gegenzug kamen 1,3
Millionen Westdeutsche in die neuen Länder. Die Bevölkerungszahl Brandenburgs
könnte sich nach Schätzungen der Landesregierung bis 2040 um mehr als eine halbe
Million Menschen verringert haben. Wie sie in einem Fachbericht mitteilte, ist
innerhalb der nächsten 35 Jahre von einem Rückgang um 500.000 bis 550.000
Personen auszugehen. Derzeit leben im Bundesland knapp 2,5 Millionen Menschen.
Vor allem die berlinfernen Regionen, der so genannte äußere Entwicklungsraum,
müsse mit einem Bevölkerungsverlust von insgesamt etwa 350.000 Menschen rechnen.
Gemessen am gegenwärtigen Stand wäre das die Reduzierung um ein Drittel der
Einwohnerschaft. Nur Zuwanderungen könnten hier gegensteuern, doch „mit hoher
Wahrscheinlichkeit würde die Reduzierung nicht vollständig durch
Wanderungsgewinne ausgeglichen werden können“.
Die erwähnte Studie hatte die Bevölkerung der Bundesländer eingeteilt in
Bewohner städtischer oder dicht besiedelter Gebiete (mehr als 500 Einwohner je
Quadratkilometer), weiter in halbstädtische oder mittelstark besiedelte Regionen
(zwischen 100 und 500 Einwohner je Quadratkilometer) und schließlich in den
Anteil der ländlichen Regionen, wo die Bevölkerungsdichte unter 100 Einwohnern
je Quadratkilometer liegt.
Lausitzer Rundschau
22.07.2005
Delmenhorst: Wollepark- Mehr als die Hälfte der
Wohnungen steht leer
Der soziale Brennpunkt Wollepark benötigt Fürsprecher in
der Landespolitik, um die geplante Aufwertung des Wohnquartiers zu erreichen.
Insbesondere geht es dem Wollepark-Beirat darum, dass das Quartier in das
Programm des Stadtumbaus West aufgenommen wird. Nur so könne der nötige Abriss
von rund 430 derzeit leerstehenden Wohnungen finanziert werden, sagte
Beiratsvorsitzender Harald Groth. Annette Schwarz jedoch machte wenig Hoffnung
darauf, dass die Landesregierung in Hannover für das kommende Jahr die Teilnahme
am Bundesprogramm Städtebau West beantragt. Denn dann müsste das Land eine
entsprechende ergänzende Finanzierung sicherstellen.
Aber immerhin, so Schwarz, werde das Land in 2006 das für dieses Jahr
ausgesetzte Hilfsprogramm Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (GISS) wieder
laufen lassen, das Finanzmittel für die Aufwertung des Wolleparks bereitstelle.
So könne mit Hilfe von GISS möglicherweise sogar der Abriss des leerstehenden
Wohnblocks an der Westfalenstraße 8 bezahlt werden.
Das 23 Hektar umfassende Gebiet Wollepark wurden wegen der vorhandenen Probleme
als Sanierungsgebiet festgelegt. In das Städtebauförderprogramm des Bundes und
der Länder wurde der Wollepark am 18. September 2000 aufgenommen. Die Laufzeit
für die Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt beträgt vorraussichtlich zehn
Jahre, in denen rund fünf Millionen Euro in den Stadtteil fließen. In dem
Sanierungsgebiet liegen 1249 Wohneinheiten. Davon unterliegen 917 Wohnungen der
Zwangsverwaltung, 170 Wohnungen sind auf drei Eigentümergemeinschaften verteilt,
ein Gebäude mit 42 Wohneinheiten befindet sich in Privatbesitz, und 120
Wohnungen sind im Eigentum der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt.
Der aktuelle Leerstand im zwangsverwalteten Bereich hat 56 Prozent erreicht,
wobei der Schwerpunkt der Leerstände im südlichen Teil des Wolleparks liegt. Die
Zu- und Wegzüge gleichen sich aus. Bei Neuvermietungen wurden die Mieten
gesenkt, um Zuzüge zu erleichtern. Die Bevölkerungsentwicklung ist seit einigen
Jahren rückläufig. Zum 18. Juni 2002 lebten 1997 Menschen im Wollepark, davon
kamen 1029 aus dem Ausland. Zu den deutschen Bewohner des Quartier wurden aber
auch die aus Russland eingewanderten Personen gezählt. Insgesamt 50 Prozent der
Bewohner lebten zu dem Stichtag von Hilfe zum Lebensunterhalt und fallen heute
mehrheitlich unter die Regelungen von Hartz IV. Am 29. April des vergangenen
Jahres lebten nur noch 1671 Personen im Wollepark, ein Rückgang von 16 Prozent.
www.dk-online.de
21.07.2005
Dorsten: Stadtumbau gerät aus der Spur
Womöglich sind alle Pläne zum Stadtumbau Barkenberg für
die Papiertonne. "Es kann so sein", sagt Baudezernent Frank Gläßner. "Aber wir
müssen so tun, als wenn es weiter geht." Nahezu auf der Zielgeraden droht das
Großvorhaben aus der Spur zu geraten: Erstens mit der Absicht von
Ministerpräsident Rüttgers, den Bestand der LEG zu verkaufen und damit auch die
Wohnungen in Barkenberg, die abgerissen oder modernisiert werden sollen.
Zweitens mit der Forderung, die Stadt solle den Umbau auf Pump vorfinanzieren.
Das würde aber den Kreditrahmen der Stadt sprengen. Die größere Ungewissheit
bringt wohl der Verkauf mit sich. "Da besteht in der Tat die Gefahr, dass wir
mit den Gesprächen von vorn anfangen", urteilt Gläßner. Mit der LEG waren Stadt
und Ministerium nahezu handelseinig; derzeit feilt Gläßner am Förderantrag für
das Großprojekt. Ob sich ein neuer Besitzer an die Vereinbarung gebunden fühlt,
steht in den Sternen. Gläßner: "Wir sollten so schnell wie möglich ein
Spitzengespräch mit dem Ministerium führen." Bei der Finanzierungs-Frage droht
politischer Streit mit Bezirksregierung und Land. Das Land steht eindeutig
in der Pflicht." Stadtplaner Gläßner indes hofft, dass der Stadtumbau doch noch
ohne allzu große Umwege verwirklicht wird: "Ich mach´ jetzt erstmal die Arbeit
und spekuliere nicht. Für Barkenberg ist das Projekt eine historische Chance,
den Stadtteil weiter zu bringen."
www.waz.de
19.07.2005
Berlin: Studenten entwarfen neuen Park
Der neue Westpark zwischen Köthener, Dessauer und
Hohenschönhauser Straße/Hellersdorfer Weg ist jetzt zur öffentlichen Nutzung
übergeben. Die Grünfläche wurde nach Entwürfen von drei Studenten aus dem
Bereich Landschaftsplanung der TU gestaltet. Der zentrale Bereich ist ein so
genannter Lindenhügel, zu dem eine Eichenallee vom Wohngebiet an der Köthener
Straße führt. Die Allee entstand nach dem Abriss einer nicht mehr gebrauchten
Schule. Ein etwa 500 Quadratmeter großer Aufenthaltsbereich bekam spezielle
Bänke, die an Bänder erinnern sollen. "Echinacea", Plastiken der Berliner
Künstlerin Christine Gersch, die aus vielen kleinen Mosaiken entstanden,
schmücken den Bereich. Der Park mit Kosten von rund 400 000 Euro wurde mit
Mitteln aus den Programmen Stadtumbau Ost und Soziale Stadt gebaut.
www.berlinonline.de
19.07.2005
Wurzen: Stadtumbau braucht ein breites Publikum
Stadtumbau Ost oder der staatlich geförderte Abriss! Um
laute Proteste muss sich das Programm nicht sorgen. Zu viele prominente Opfer
sind schon zu beklagen, denen die Greifer der Bagger den Garaus machten. Und
weitere drohen. Ganz aktuell: der Erlenhof in Nemt, Schladebachs Gut in Wurzen.
Darin heißt es: "Die Erarbeitung des Seko sollte genutzt werden, um die Thematik
des Stadtumbaus einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen." - Über ein
Forum Stadtumbau. Hauptanliegen müsse es sein, "die allgemeine Wahrnehmung der
... Prozesse zu verbessern und in der Bürgerschaft ein Grundverständnis für
notwendige Schwerpunktsetzungen auszubauen". Die Forderung ist allerdings
keineswegs alt. Bereits vor zwei Jahren - am 29. Juli 2003 zur 1.
Stadtentwicklungskonferenz in Wurzen - sprach der städtische Bauamtsleiter
Hans-Otto Jurich davon, die Einwohner "zu sensibilisieren", damit sie mithelfen,
die Stadt zu gestalten.
Beim zwischenzeitlichen Fall vom Immobilien aus dem Grundstücksbestand der
stadteigenen Wohnungs- und Gebäudegesellschaft Wurzen (WGW) wurde jedoch keine
offensive Informationspolitik betrieben. Daher leidet das Image - am Stadtumbau
und der WGW. Und das, obwohl der WGW eine Vorreiterrolle beim Abriss zukommt.
Unter anderem schon "aus ökonomischen Zwängen heraus".
www.lvz-online.de
15.07.2005
Borna: Übler Anblick und Treffpunkt für Halbstarke
Sie bieten ein Bild des Jammerns, die ehemaligen
Kaufhallen in Borna-Nord und West sowie in Gnandorf. Seit Jahren stehen die
Supermärkte leer. Ein Zustand, der sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern
dürfte. Für die Kaufhalle in Gnandorf soll es einen neuen Besitzer geben, heißt
es in der Stadtverwaltung. Der hat das heruntergekommene Gebäude sogar schon
einmal mit Bauzäunen gesichert. Genutzt hat es wenig. "Dadurch lassen sich
vielleicht die Kinder abschrecken", sagt Oberbürgermeister Bernd Schröter.
Größere allerdings nicht, und so zieht die Kaufhalle Halbstarke immer wieder an.
Vielleicht sei denkbar, die Supermärkte, die von ihren früheren Betreibern vor
allem mangels Umsatzes dichtgemacht wurden, im Rahmen des Programms Stadtumbau
Ost abzureißen. Dann verschwände der üble Anblick. Das allerdings steht noch in
den Sternen. Bis dahin müssen die Anwohner mit den leeren Bauwerken leben, weil,
so Schröter, die Stadt nur etwas unternehmen kann, wenn sozusagen eine
Gefährdung der Allgemeinheit ansteht. Das aber wäre wohl nur der Fall, wenn
Dachziegel auf die Straße stürzen würden.
www.lvz-online.de
12.07.2005
Schwerin: Weitere Millionen für Stadtumbau
bewilligt
Die Landeshauptstadt kann weitere zwei Millionen in den
Rückbau von Wohnungen investieren, Das Geld wurde jetzt von Land und Bund
bewilligt. Mit der Förderung können etwa 600 Wohnungen in den nächsten fünf
Jahren zurückgebaut werden.Seit 2002 hat die Landeshauptstadt damit rund neun
Millionen Euro für derartige Arbeiten erhalten, womit etwa 2850 Wohnungen
umgestaltet werden können. 1300 Wohnungen haben die Schweriner
Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) und die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS)
bereits nach den Planungen des integrierten Stadtentwicklungskonzepts der Stadt
zurückgebaut. So beispielsweise das komplett abgerissene Hochhaus in der
Ratzeburger Straße in Lankow, die fünfgeschossigen Wohnblöcke in der
Bürgelstraße im Mueßer Holz oder die Wohnblöcke in der Anne-Frank-Straße auf dem
Großen Dreesch. Beide Wohnungsunternehmen werden den Stadtumbau in den kommenden
Monaten zügig fortsetzen. Schwerpunkt wird dabei das Modellquartier Tallinner-/
Vidiner Straße (SVZ berichtete) in Neu Zippendorf und der Rückbau von 58
Wohnungen am Schwälkenberg in der Werdervorstadt sein. Standen zu Beginn
des Umbaus noch fast elf Prozent aller bewohnbaren Wohnungen in Schwerin leer,
so ist die Quote mittlerweile auf 9,3 Prozent gesunken.
www.svz.de
9.07.2005
Wohnungsunternehmen befürchten «Herztod der Städte»
Die Wohnungswirtschaft befürchtet einen «Herztod der Städte», falls die Kommunen
bei der Planung nicht stärker Immobilienunternehmen einbeziehen. Gemeinsames
Ziel müsse die Wiederbelebung der Städte sein, sagte am Dienstag in Frankfurt
der Vorstandssprecher des Verbandes Südwestdeutscher Wohnungswirtschaft (VdW
südwest), Rudolf Ridinger. Derzeit litten die großen Kommunen unter der Flucht
der Bevölkerung, der Verödung ihrer Zentren und einer Zunahme der sozialen
Probleme.
Der Verband, der 200 private und öffentliche Unternehmen in Hessen und dem
südlichen Rheinland-Pfalz mit insgesamt 400.000 Wohnungen vertritt, schlug den
Kommunen eine neue Zusammenarbeit vor. Unter dem Motto «Aktion Stadt» sollten
gemeinsam Dinge wie Infrastruktur, Wohnen und Arbeiten koordiniert werden. Viele
Investitionen beim Neubau oder der Sanierung von Wohnungen könnten nicht genau
gesteuert werden, weil sie mit der Stadtplanung nicht verzahnt seien,
kritisierte Ridinger. Ein erster Anfang sei die «Frankfurter Erklärung» von 1998
gewesen, in der Kommune und Wohnungswirtschaft Grenzwerte für den
Ausländeranteil in Vierteln anvisiert hatten. Der Bochumer Stadtplaner Prof.
Volker Eichener warnte vor einer «Gettoisierung und Verslumung». Bald könne es
in deutschen Städten wie in den USA auch Viertel geben, die man nicht betrete.
Verhindert werden könne dies nur mit einer Durchmischung von Wohnvierteln mit
Menschen unterschiedlicher Einkommens- und Altersstruktur sowie einer guten
Infrastruktur. Deutsche und Ausländer müssten darin gemeinsam leben. Viel zu
lange habe sich Deutschland auf den Bau von homogenen Siedlungen für eine
bestimmte Bevölkerungsgruppe konzentriert. Verbandsvorsitzender Ridinger
kritisierte Wohnbauprojekte, die nur auf einkommensstarke Gruppen konzentriert
seien. So richteten sich die neuen Bauten direkt am Main in Frankfurt unter dem
Motto «Leben am Fluss» vor allem an Singles.
www.rhein-main.net
9.07.2005
Neuss: Abriss für den Stadtumbau
Der Neusser Bauverein will seine Mietshäuser an der Euskirchener Straße abreißen
und neu bauen. Der Knackpunkt: Die Stadt soll für fünf Jahre auf Teile der
Dividendenzahlung ihrer Tochtergesellschaft verzichten.
Der Aufsichtsrat gab grünes Licht für die große Lösung: Der Neusser Bauverein
plant für seine 208 Wohnungen in den Häusern Nummer 14 bis 40 an der
Euskirchener Straße den Abriss. Anschließend sollen neue, moderne nur noch
viergeschossige Gebäude mit insgesamt 200 Einheiten entstehen. Der Knackpunkt:
Angesichts der zu erwartenden finanziellen Belastung, will die (fast)
100-prozentige städtische Tochter in den nächsten „fünf, sechs Jahren“ nur noch
Zweidrittel der jährlichen Dividende (bisher 750 000 Euro) an die Stadtkasse
abführen. Das Aufsichtgremium stattete nach einer Sitzungsunterbrechung den
Vorstand mit einem entsprechenden Verhandlungsauftrag aus. Gesprächspartner wird
Stadtkämmerer Frank Gensler sein. Die Gebäude, bis zu acht Geschosse hoch,
wurden 1972/73 gebaut. Sie sind längst in die Jahre gekommen.
Investitionen für die Instandhaltung in Verbindung mit einem über
zehnprozentigen Leerstand führen dazu, dass der Bauverein mit seinem Erfttaler
Komplex zuletzt ein Jahresdefizit in Höhe von 300 000 Euro verkraften musste.
„Tendenz steigend“, sagt ein Kenner. Der Bauverein sieht sich zum Handeln
gezwungen. So packte er seinen Erfttaler Bestand an. Das Mietshaus Harffer
Straße 2 bis 4 wurde abgerissen. Dort entstanden 19 Einfamilienhäuser. In einem
weiteren Komplex an der Euskirchener Straße, am Ortseingang, wurden 69 Einheiten
in Eigentumswohnungen umgewandelt. Jetzt steht das dritte Kapitel des
Stadtumbaus an. Geplant war eine umfassende Renovierung und Modernisierung der
Bauverein-Häuser. Doch mit dem Taschenrechner in der Hand empfahlen die Planer
um den Architekten Professor Franz Pesch (Herdecke) den großen Wurf: keine
bauliche Reparatur, sondern eine radikale Lösung mit Abriss und Neubauten. Neben
dem städtebaulichen Aspekt solle auch die demografische Entwicklung der
Gesellschaft betont werden: „Ich kann mir gut vorstellen, dass dort auch wieder
barrierefreie Wohnungen entstehen.“ Allerdings: Die Zeit drängt, denn die
Anträge auf Landesmittel aus dem Topf für Neubauförderung müssen bald gestellt
werden. Sobald Bauverein und Stadt Einigung erzielt haben, sollen die Mieter
informiert werden.
www.ngz-online.de
9.07.2005
Pirna: Miethäuser auf der Abbruchliste
Pirnas Bevölkerung schrumpft. Hatte die Kreisstadt 1990
noch über 46 000 Einwohner, waren es 2003 nur noch 40 600. Der Rückgang setzt
sich fort. "Jetzt sind es noch knapp 40 000. 2015 rechnen wir nur noch mit 38
000 Einwohnern", erklärt Steffen Möhrs, Leiter der Fachgruppe Stadtentwicklung.
Damit steigt unweigerlich der Wohnungsleerstand, der jetzt bei zwölf Prozent
liegt. Die Stadt reagiert mit dem Abriss von Wohnungen. "Noch ist der Leerstand
nicht dramatisch, aber wir müssen uns darauf vorbereiten, dass künftig immer
mehr Wohnungen leer stehen werden. Das ergibt sich aus der Analyse der
Altersstruktur in den verschiedenen Stadtteilen", erläutert Möhrs. Wo heute
vorwiegend über 60-Jährige wohnen, wie in den Plattenbauten von Copitz-West und
auf dem Sonnenstein, wird die Zahl der leer stehenden Wohnungen schon in den
nächsten Jahren deutlich wachsen. Trotzdem hat Möhrs vorerst beim geplanten
"Stadtrückbau" noch nicht die Platte im Auge. Vorerst geht es vorrangig um
ältere Mietshäuser, die fallen sollen. Zwei kleinere unsanierte Wohngebäude an
der Brückmühle und an der Grenzstraße in Copitz sind bereits weg. An der
Viehleite 23-29 in der Südvorstadt begann am Freitag der Abriss. Dort handelt es
sich um ehemalige Kasernengebäude und Nebengelasse wie Pferdeställe und
Schuppen, die nach dem 1. Weltkrieg primitiv zu Wohnzwecken hergerichtet und
jetzt kaum noch bewohnt wurden. "Der Denkmalschutz war über den Abriss der 46
Wohnungen zwar nicht begeistert, hat sich aber angesichts der Wohnungssituation
geschlagen gegeben", sagt der Stadtentwicklungschef. Weiterer Abriss-Kandidat
ist ein Wohngebiet mit 250 Wohnungen an der Rottwerndorfer Straße. Die
Fördermittel für den Abriss sind bereits genehmigt. Nur der Eigentümer, eine
Immobilienfirma, zögert noch, obwohl der Wohnungsleerstand dort schon über 80
Prozent beträgt. "Da der Standort mit allen Medien versorgt ist, wollen wir ihn
später als Eigenheimstandort ausweisen", erläutert Möhrs. Die Gegend an der
Viehleite sei attraktiv und durch die Nähe zur geplanten Autobahnanbindung
selbst für in Dresden Arbeitende schnell zu erreichen.
www.dnn-online.de
9.07.2005
Frankfurt (Oder): Fernwärme steht auf Kippe
Die Stadtwerke Frankfurt sind dabei, grundlegende
Änderungen in der Unternehmensstrategie vorzunehmen. Die Weichen für die neue
Geschäftspolitik sollen spätestens im Dezember dieses Jahres gestellt werden und
könnten im umfassendsten Fall bedeuten, dass das Heizkraftwerk künftig nicht
mehr Strom und Fernwärme erzeugt, sondern nur noch den Strommarkt bedient.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Klinikum Markendorf seinen
Versorgungsauftrag mit Fernwärme zum 31. Dezember 2007 gekündigt hat. Doch die
Umstrukturierung, so Eberhard Tief, stehe damit nicht in Zusammenhang. "Die
Situation ist nicht dramatisch, aber auch nicht so, dass wir uns in Ruhe
zurücklehnen können", sagt Eberhard Tief. Und: "Wir wollen und müssen
rechtzeitig auf die Trends, die sich bereits abzeichnen, reagieren. Eine
Situation wie in Cottbus können und wollen wir uns nicht leisten." Und meint
damit, dass die dortigen Stadtwerke mit 17 Millionen Euro in der Kreide stehen.
Da ist zum einen das Heizkraftwerk, das Anfang der 90er Jahre konzipiert und vor
rund zehn Jahren gebaut wurde. Ausgelegt ist es auf 90 000 Einwohner. Damals
noch in der Hoffnung, die Stadt wächst. Doch was alle wissen: Frankfurt ist weit
weg von solchen Einwohnerzahlen, schrumpft weiter. Nächste Sorge: Der
Kapitaldienst für das Heizkraftwerk beläuft sich im Jahr derzeit auf mehr als
sechs Millionen Euro. Alle fünf Jahre steigt er um 15 Prozent. Bei sinkenden
Abnehmerzahlen und steigenden Zulieferpreisen wurden zum 1. April die Preise
erhöht. "Und genau dort sind wir an einem Punkt, an dem wir nicht mehr viel
Spielraum haben. Vor acht Jahren lagen wir noch in einem niedrigen bis normalen
Level. Jetzt sind wir in der gehobenen Gruppe", sagt Tief. Der niedrige Preis
damals war möglich, weil der Kapitaldienst bei vergleichweise "nur" rund zwei
Millionen Euro lag. "
www.moz.de
7.07.2005
Land Brandenburg: Leere Schulgebäude
überfordern Kommunen
Im Streichen und Abbestellen von
Schulgebäuden geht die Landesregierung inzwischen rigide vor: Allenfalls 60
Prozent der früheren Häuserzahl werden in wenigen Jahren noch als
Bildungseinrichtung betrieben.
Mit der Nachnutzung der oft großen Gebäude werden die Kommunen allein gelassen.
Sollen die Schulen jetzt neben den oft maroden Schlössern und Herrenhäusern
vergammeln?
Das Ministerium ist unerbittlich: Laut Schulplanung werden in fünf Jahren von
einst 645 Grundschulen noch 450 weiter betrieben. Noch krasser sieht es bei den
weiterführenden Schulen aus: Hier werden von 435 Gebäuden künftig noch 220 als
Schule „überleben“. Die rund 400 ausgemusterten Gebäude sind ein gigantisches
Problem in aussterbenden Regionen.
Tatsächlich liegt in ländlichen Gemeinden das Problem weniger im Leerstand von
Wohnungen sondern im Leerstand von Schulen, Gaststätten oder ehemaligen
Verkaufseinrichtungen. Hinzu kommen noch die historisch wertvollen zerfallenden
Schlösser und Herrenhäuser. Diese Gebäude sind in der Regel schwer für eine neue
Nutzung vermittelbar aber Ortsbild prägend
Der Minister räumt ein, dass es sich „zweifellos um eine problematische
Begleiterscheinung“ von Schulschließung handelt, doch bleibt er hart: „Gemäß dem
Schulgesetz verwaltet der Schulträger seine Schulangelegenheiten in eigener
Verantwortung.“ Demnach sind die Kreise und Kommunen als Schulträger in erster
Linie zuständig für die Nachnutzung leerer Schulgebäude.
Auf Nachfrage hat das Ministerium Vorschläge: Zum einen bestehe die Möglichkeit,
dass nicht-renovierte Schulen in neue Gebäude ziehen oder dass leere Schulen von
Kitas, Jugendklubs oder als Bürgerzentrum genutzt werden. „Auch Abriss und eben
Leerstand sind möglich.“
Mit Blick auf diese Entwicklung konnte sich der innenpolitische Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion Werner-Siegwart Schippel nur ärgern: „Selbst als diese
Tendenz schon deutlich absehbar war, haben sich viel Kommunen für teures Geld
neue Verwaltungsgebäude hingestellt.“ Aus seiner Sicht wäre es vertretbar
gewesen, die leeren Schulen entsprechend auszubauen.
www.lr-online.de
5.07.2005
Chemnitz: Im Heckert kämpfen Mieter um ihren Block
„Das ist doch der schönste Block hier“, meint Peter Ebert
(45). „Beste Aussicht, gute Anbindung an Bus und Bahn, Kaufhalle und Ärzte in
der Nähe - warum wollen die ausgerechnet den abreißen?“ Ebert spricht von dem
neungeschossigen Wohnblock, zwei Eingänge, Paul-Bertz-Straße 10 und 12. Seit 18
Jahren wohnt er hier mit seiner Frau Kathrin (45). Die beiden fühlten sich wohl
- bis nun ein Brief der GGG kam. Darin hieß es, dass sie bis zum 30. Juni
nächsten Jahres ausziehen sollen. Grund: Stadtumbau. Der Block soll weg. „Das
gehört zum Gesamtkonzepts des Rückbaus“, sagt GGG-Sprecher Stefan Reisz. „In der
Stadtumbau GmbH ist das mit den fünf Wohnungsbaugenossenschaften abgestimmt und
auch mit der Stadt.“ Schließlich geht es nicht nur um den Abbau teurer, weil
unbewohnter Wohnungen, sondern auch um ein städteplanerisches Gesamtkonzept. In
Chemnitz stehen etwa 44 000 Wohnungen leer, die Einwohnerzahl sinkt. Laut
Statistischem Landesamt bis 2020 auf 200 000. Derzeit leben hier rund 249 000
Menschen. Nach bisheriger Planung sollen in der Stadt 20000 Wohnungen vom Markt
verschwinden. Der größte Teil gehört der GGG. Sie alleine will bis 2010 13000
Wohnungen abreißen. „In diesem Jahr 1600“, sagt Reisz. Die Mitbestimmung der
Mieter ist nicht sehr ausgebaut. Reisz: „Gerade im Heckertgebiet allerdings
haben wir mit dortigen Bürgerinitiativen verhandelt.“ Meistens allerdings bleibe
die GGG bei ihren Plänen. Die betroffenen Hausbewohner einzubeziehen - das soll
über die Quartierskonzepte geschehen. Seit zwei Jahren arbeiten die Stadtplaner
an dem Papier, das die Zukunft der Stadtteile in Sachen Infrastruktur,
Wohnungssanierung und -abriss festlegen soll. Doch noch hat die Öffentlichkeit
keinen Einblick in das Konzept bekommen.
www.sz-online.de
4.07.2005
Demographischer Winter befürchtet
Die demographische Entwicklung in Deutschland folgt seit
Jahren einem klaren Trend: Immer weniger Kinder stehen immer mehr alten Menschen
gegenüber. Daraus resultiert, dass die Bevölkerungszahl in den kommenden
Jahrzehnten um mehrere Millionen zurückgehen wird. Dass diese Veränderungen auch
Auswirkungen auf den Städtebau haben, darauf wies Dr. Michael Denkel vom
Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner bei einem Vortrag hin.
"Der demographische Wandel unserer Gesellschaft ist die zentrale Herausforderung
für die zukünftige Stadtentwicklung", betonte Denkel. Während in den meisten
Entwicklungsländern die Bevölkerungszahlen weiterhin explodierten, würden die
Gesellschaften der Industriestaaten immer mehr altern. "In den nächsten 20 bis
30 Jahren erwartet uns in Deutschland ein demographischer Winter."
Dieser Herausforderung müssten sich Politik und Stadtplanung frühzeitig stellen,
denn der Rückgang und die Alterung der Bevölkerung hätten massive Auswirkungen
auf die Siedlungsentwicklung und die Immobilienwirtschaft. "Bereits heute ist
der Stadtumbau in Deutschland in vollem Gange. Vor allem im Osten werden
tausende Wohnungen abgerissen, weil es dort nicht mehr genug Menschen gibt",
sagte Denkel. Aufgrund der vorhergesagten Veränderungen der Bevölkerungsstruktur
in den kommenden Jahrzehnten werde sich dieser Umbau noch deutlich
beschleunigen. Kurskorrekturen müssten deshalb frühzeitig ansetzen.
"Die demographische Entwicklung wird den Bedarf an städtischer Infrastruktur
verändern. Deshalb stellt sich die Frage, was sich eine Stadt angesichts dieses
Wandels in Zukunft noch leisten kann", so Denkel, der als wichtigste zu lösende
Fragestellungen der Stadtentwicklung die Bereiche Schulen,
Senioreneinrichtungen, öffentlichen Nahverkehr und Wohnen nannte. "Ein
nennenswerter Gestaltungsspielraum für die Stadtentwicklung besteht nur noch
rund 25 Jahre", sagte Denkel.
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