Newsticker Archiv Juni 2004
28.06.2004
Deutschlands Misere in europäischer Perspektive
Dieses europäische Deutschland
erfährt allerdings zurzeit ein schmerzliches Erwachen aus seinem kurzen Traum
immerwährender Prosperität. Symptom dafür ist eine neue «Deutschland
erwache!»-Literatur. «Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmass»,
schreibt Frank Schirrmacher in seinem Bestseller «Das Methusalem- Komplott», von
dem inzwischen mehr als 350 000 Exemplare verkauft worden sind, und vergisst
dabei, dass ein Grossteil der nichteuropäischen Menschheit sich von dem
Gegenproblem, nämlich der Überbevölkerung, bedroht sieht; und er fährt fort (und
das ist nicht ironisch gemeint): «Wir (das heisst: die Deutschen) müssen das
Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen.»Die
Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Nicht nur einzelne Länder, ganz Europa
erlebt einen dramatischen Geburtenrückgang. Wenn man den bisherigen Trend
fortschreibt, wird die europäische Population bis zum Jahre 2050 um mehr als 15
Prozent geschrumpft sein und sich in 100 Jahren halbiert haben. Von allen
europäischen Ländern weist nur Albanien eine Geburtenrate auf, die die
Bevölkerungszahl auf konstantem Niveau reproduziert. Europa altert, und zwar
dramatisch. Bei Schirrmachers urdeutscher Welt- Nabelschau-Perspektive tritt gar
nicht erst in den Blick, worin der politische Schock, der diesem Kontinent
bevorsteht, gipfelt, nämlich in der Einsicht, dass es letztlich nur eine Lösung
gibt: die Einwanderung. Europa verfügt ja über einen Fundus von jungen Menschen,
die einen besseren Lebensstandard anstreben, denn es ist von Ländern umgeben,
deren Geburtenrate mehr als doppelt so hoch ist wie diejenige im europäischen
Durchschnitt. Das Problem ist, dass fast alle diese Länder muslimisch sind. Und
nicht nur das: Unmittelbar am Rande der EU, genau genommen zwischen der EU und
dem Irak, existiert ein Land, das einen begründeten Anspruch auf die
Mitgliedschaft in der EU hat: die Türkei.Damit treffen natürlich zwei
gegensätzliche Imperative aufeinander: Auf der einen Seite muss die Europäische
Union ihre Grenzen offen halten und eine entsprechende Migrationspolitik auch in
den neuen Beitrittsländern durchsetzen. Auf der anderen Seite schürt das
Neonationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Schon jetzt sehen sich sogar die
Mitte-Links-Regierungen dazu gezwungen, rechtspopulistische Themen zu
absorbieren, um Wahlen zu gewinnen. Die Frage, die sich der europäischen Politik
stellt, lautet dementsprechend: Wie soll dieser Widerspruch zwischen
Inklusionsnotwendigkeit und Exklusionsrhetorik aufgelöst oder doch wenigstens
kanalisiert werden? Dabei wird Europa durch zwei Faktoren paralysiert - nach den
Terrorattentaten vom 11. September 2001 in New York und vom 11. März 2004 in
Madrid treffen die Sicherheitsfragen gerade die muslimischen Kulturen, aus denen
sich legale und illegale Arbeitsmigranten rekrutieren; das aber wiederum schürt
Fremdenängste, die das Wählerverhalten beeinflussen. Von Österreich bis
Australien werden Wahlen mehr und mehr mit den Themen eines protektionistischen
Neonationalismus gewonnen.Daran kranken die neuen deutschen
Untergangs-Bestseller: Man dramatisiert kleindeutsche Weltprobleme und sucht
nach kleindeutschen Antworten für dieselben. Viele Deutsche gucken mit grossen
Sorgenaugen in die Welt, scheinen geradezu verliebt zu sein, sich selbst zu
geisseln. Doch auch diese Lust am Untergang macht wirklichkeitsblind: Weder ist
der Bevölkerungsrückgang das nationale Problem einzelner Gesellschaften (wie das
bis jetzt sowohl bevölkerungswissenschaftlich als auch öffentlich-politisch
diskutiert wird, im Banne des «methodologischen Nationalismus»), noch kann es im
nationalen Alleingang angemessen gelöst werden. Wohin man schaut, dieselbe
Situation überall in Europa. Die Überalterung droht, die Rentensysteme
funktionieren nicht mehr, aber die notwendigen Reformen werden durch den
organisierten Widerstand der betroffenen Gruppen blockiert. Ein wichtiger
Schritt vorwärts aus dieser Falle könnte darin liegen, den Zusammenhang von
Bevölkerungsrückgang, alternder Gesellschaft, notwendigen Reformen der sozialen
Sicherungssysteme und einer gezielten Migrationspolitik als ein europäisches
Problem zu definieren und kooperativ zu bearbeiten. Alle Regierungen, die sich
in der nationalen Sackgasse mit Scheinlösungen begnügen müssen, können davon
profitieren: Angenommen, es würde ein EU-Konzept entwickelt und verabschiedet,
wie die Probleme Alterssicherung und Migration angesichts einer schrumpfenden
Bevölkerung angegangen werden können und sollen. Dieses Vorhaben würde die
nationalen Regierungen entlasten. Auf der einen Seite entstünde ein Bewusstsein
dafür, dass es sich gerade nicht um ein nationales Versagen handelt, sondern um
Fragen, die alle europäischen Gesellschaften und Regierungen auf die eine oder
andere Weise zu beantworten gezwungen sind. Auf der anderen Seite erlaubte dies
nationalen Regierungen, sich mit europäischen Argumenten zu wappnen. Dies setzt
allerdings ein realistisches Selbstbild der Gesellschaften Europas voraus, ein
Selbstbild, das nationale, regionale, ethnische und religiöse Vielfalt bejaht.
Kulturelle Diversität ist nichts Beängstigendes, sondern etwas Erstrebenswertes,
ein Wert. Je mehr Kulturen beispielsweise in Deutschland nebeneinander wohnen,
desto kulturell lebendiger und reicher ist Deutschland, ja, desto deutscher ist
Deutschland. Dies hat sicher nicht zuerst, aber wahrscheinlich zuletzt Thomas
Mann formuliert: Es gehört - schreibt er - «beinahe zur deutschen
Humanität . . ., sich undeutsch, und selbst anti-deutsch, aufzuführen; dass eine
den Nationalsinn zersetzende Neigung zum Kosmopolitischen nach massgeblichem
Urteil vom Wesen der deutschen Nationalität untrennbar ist; dass man seine
Deutschheit möglicherweise verlieren muss, um sie zu finden, dass ohne ein
Zusatz von Fremden vielleicht kein höheres Deutschtum möglich» ist. Weltoffene
Gesellschaft heisst: Die Welt verwandelt Deutschland.Dahinter verbirgt sich auch
die neue Logik des kosmopolitischen Realismus: Gerade die dringenden nationalen
Probleme bedürfen zu ihrer Lösung der globalen Kooperation. Anders gesagt,
dauerhafte Kooperation zwischen Staaten verhindert nicht, sondern erhöht deren
Handlungsfähigkeit. Paradox formuliert: Souveränitätsverzicht erweitert
Souveränität. Das ist, nebenbei gesagt, das Erfolgsgeheimnis der Europäischen
Union. Wer dagegen den untauglichen Versuch unternimmt, sich national
abzuschotten, gefährdet die eigene Prosperität und demokratische Freiheit. Denn
Reichtum und Wirtschaftswachstum, die Bewältigung der Arbeitslosigkeit und die
Stabilität der Demokratie setzen Weltoffenheit voraus.
www.nzz.ch
28.06.2004
Görlitz: Patenschaften für abrissgefährdete Gebäude
Gegen den von der städtischen Wohnunungsbaugesellschaft (WBG)
geplanten Abriss bisher denkmalgeschützter Bausubstanz in Görlitz will sich der
Verein „Ideenfluss“ mit einer Petition an den Sächsischen Landtag wehren.
Den vom Regierungspräsidium Dresden bestätigten Abrissantrag für die Häuser
Büchtemannstraße 1 bis 17 stellt Birgit Beltle, Vorsitzende des Vereins
„Ideenfluss“, in Frage: Die Entscheidung widerspreche geltendem Recht. Die
Aufsichtsbehörde habe für ihre Begründung einen Beschluss des
Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg von 1976 angeführt, der für Sachsen nicht
anwendbar sei, da er dem Denkmalschutzgesetz widerspreche.
Konkret geht es darum, ob und wenn ja, in welchen Gebieten Denkmale aus
wirtschaftlichen Gründen abgerissen werden dürfen. Kommt es zum Abbruch auf der
Büchtemannstraße sei weiteren Abrissen Tor und Tür geöffnet, fürchtet Beltle:
„Jedes Denkmal ist gleichrangig.“ Es spiele keine Rolle, ob es aus den 30er
Jahren stamme oder 500 Jahre alt sei. Wenn der Stadtrat zulasse, dass die WBG
die Häuser Büchtemannstraße, die für relativ wenig Geld saniert werden könnten,
aus wirtschaftlichen Gründen abreißen darf, sei es künftig kein Problem,
Abrissgenehmigungen für das Gründerzeitviertel oder die Altstadt zu erhalten,
fürchtet sie. Man könne dann leer stehende Gebäude kaufen und mit dem Abbruch
Geld verdienen, was wohl Absicht der WBG sei. Beltle hegt den Verdacht, dass in
der Büchtemannstraße lukratives Bauland geschaffen werden soll.
Unverständlich sei, dass in der Innenstadt und nicht in Königshufen abgerissen
werde. In den Plattensiedlungen sollte im Zuge des Stadtumbaus ein gezielter
Rückbau stattfinden. In der Realität werde aber investiert, würden Fahrstühle
angebaut und von der Einwohnermeldestelle der Zuzug nach Königshufen forciert.
Beltle fordert Bürger, Institutionen und Betriebe auf, Patenschaften für
abrissgefährdete Gebäude zu übernehmen.
www.sz-online.de
27.06.2004
Nordrhein-Westfalen: fördert den Stadtumbau mit Hilfe von
Bürgerprojekten
Mit einem Landesprogramm "Initiative ergreifen" sollen in
Nordrhein-Westfalen Bürgerprojekte gefördert werden, die "neue Arbeit schaffen
und die Lebensqualität in Stadtteilen, Siedlungen und Wohnquartieren verbessern"
sollen. Das hat Manfred Morgenstern, Staatssekretär im NRW-Städtebauministerium,
vor Bürgergruppen und Kommunen auf dem Düsseldorfer Kongress "Bürger machen
Stadt" angekündigt. So werden bis Ende 2005 neun Projekte in Büren, Dortmund,
Düren, Duisburg, Moers, Remscheid und Wuppertal mit 6,1 Mio. Euro gefördert.
Insgesamt wurden bereits 21 Projekte in 18 Städten mit einer Fördersumme von
22,9 Mio. Euro unterstützt.
So wandelte sich beispielsweise eine ehemalige Rohrmeisterei in Schwerte zur
Stadthalle, eine denkmalgeschützte Schule in Castrop-Rauxel zur
Kindertagesstätte und ein Vereinshaus und ein verwahrloster Bahnhof in
Essen-Kettwig zum Bürgerzentrum für Sport, Gesundheit und Kultur. Eine
Textilfabrik in Wuppertal wurde zum Zentrum für Existenzgründer. Laut
Morgenstern wurden die Kosten jeweils zu 80 Prozent vom Land und in der Regel zu
20 Prozent von den Bürgern selbst aufgebracht.
Mehr zum Thema: "Bürger machen Stadt. Zivilgesellschaftliches Engagement in der
Stadterneuerung - ein Projektbuch", 15 Euro, startklar.projekt.kommunikation,
Dortmund.
www.welt.de
25.06.2004
Sachsen-Anhalt: Sozial schwache Mieter in unsanierte
Plattenbauten?
Die Idee der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft LWB, sozial
schwache Mieter in unsanierten Plattenbauten unterzubringen und dies in einem
einzigen Stadtteil zu konzentrieren, hat in Sachsen-Anhalt gegensätzliche
Reaktionen hervorgerufen. Jost Riecke, Direktor des Landesverbandes der
Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, hat Verständnis für das Vorgehen der
Leipziger.
"Wenn ich ein Unternehmen wie die LWB hätte, das Chancen besitzt, den Leerstand
durch Vermietung senken zu können, würde ich darüber nachdenken", sagt er.
"Betriebswirtschaftlich ist das Leipziger Vorhaben sinnvoll", fügt er hinzu um
gleichzeitig zu erklären: Ein Musterbeispiel ist das aber nicht. Es könne
ohnehin nur für große Gesellschaften gelten , sagt Riecke.
Die Leipziger LWB, der größte Vermieter der sächsischen Großstadt, bereitet sich
nach Berichten der örtlichen Presse auf die Folgen des Reformgesetzes Hartz IV
vor, in dem sie tausende unsanierte Plattenbau-Wohnungen auf den Markt bringen
will. Die Wohnungsmanager gehen davon aus, dass durch die Zusammenlegung von
Arbeitslosen und Sozialhilfe mit deutlich sinkenden Einkommen gerechnet werden
muss. Ursprünglich sollten die betroffenen Häuser abgerissen werden.
Doch 12000 Quartiere dieser Kategorie wurden inzwischen aus dem Abrissprogramm
genommen. Sie sollen noch mindestens zehn Jahre am Markt bleiben. Außerdem will
das Unternehmen in den nächsten Jahren bis zu weitere 5000 Wohnungen
preisgünstig aus Zwangsversteigerungen hinzu kaufen, um das Billig-Angebot
aufstocken zu können.
Die ersten Häuser mit Billig-Wohnungen sind bereits ausgewählt. Sie befinden
sich ausschließlich am Rande der Stadt, im Plattenbau-Gebiet Grünau. Die
Wohnungen sollen für drei Euro pro Quadratmeter, teilweise auch für weniger
angeboten werden.
Bei der Halleschen Wohnungsgesellschaft HWG ist man auf Bezieher von
Arbeitslosengeld als Mieter vorbereitet. Der Aufsichtsrat habe sich damit
beschäftigt. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass 5400 unsanierte
Plattenbauwohnungen an drei verschiedenen Standorten dafür geeignet wären, sagt
HWG-Geschäftsführer Heinrich Wahlen. Allerdings seien diese Wohnungen - anders
als in Leipzig - nie für den Abriss vorgesehen gewesen. "Der Stadtumbau Ost darf
davon nicht berührt werden", so Wahlen. Es müsse weiterhin eine soziale Mischung
von Mietern geben, soziale Brennpunkte müssten unbedingt vermieden werden,
erklärt der HWG-Chef.
Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre betrachtet diese Pläne mehr als
skeptisch. Private Gesellschaften könnten ausschließlich nach
betriebswirtschaftlichen Kriterien handeln, räumt er ein. Das gelte aber nicht
für kommunale Unternehmen, schränkt er sofort ein. Städte müssten
Gesellschaften, die ihnen gehören, solche Vorhaben verbieten", fordert der
CDU-Politiker. Wer so handelt verabschiede sich vom Stadtumbau, fördere
Ghettobildung und Verslumung, prophezeit er. Daehre fordert seit langem, dass
Mieter wie auf dem Auto- so auch auf dem Wohnungsmarkt zwischen Polo und
Mercedes wählen können. Doch das dürfe nicht dazu führen, dass sie in
Stadtgebieten entsprechend ihrer sozialen Lage sortiert werden, sagt er. Gegen
Ausgrenzung
Es müsse einen Mix von Bewohnern, aber keine soziale Ausgrenzung geben. Daehre
sieht in Leipzig sogar das Grundgesetz in Gefahr. Das erkläre die Menschenwürde
für unantastbar, erinnert er. Das müsse auch für jene gelten, die zeitweilig auf
staatliche Unterstützung angewiesen seien, so Daehre.
www.mz-web.de
25.06.2004
EU-Vergleich: Schwerin verliert zu viele Bürger
Bei Einwohnerschwund europaweit auf Platz 4
Schwerin gehört zu den europäischen Städten mit dem stärksten
Bevölkerungsrückgang. Die Landeshauptstadt verlor im Durchschnitt 2,7 Prozent
ihrer Einwohner. Dies ist Platz vier im EU-Vergleich, geht aus einer
fünfjährigen Studie hervor, die das Europäische Statistikamt Eurostat gestern in
Brüssel veröffentlichte.
Auch andere Städte in den neuen Bundesländern leiden demnach besonders stark
unter Einwohnerschwund. Angeführt wird die Liste allerdings vom slowenischen
Maribor, das im Durchschnitt 3,1 Prozent seiner Bürger verlor. Darauf folgen
aber schon Halle mit drei sowie Frankfurt (Oder) und Schwerin. Magdeburg steht
mit einem Minus von 2,3 Prozent an sechster Stelle dieser Negativliste.
Die bevölkerungsreichste Stadt Europas ist der Großraum London mit 7,2 Millionen
Einwohnern, gefolgt von Paris mit 6,2 Millionen. Berlin steht mit 3,4 Millionen
Menschen an dritter Stelle.
www.svz.de
23.06.2004
Sebnitz: „Dort war früher mal der OP-Saal“
Auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses von Sebnitz geht es
voran, mit dem Abriss. Doch der bringt zweifelsohne Hoffnung für die Sebnitzer.
Fürchtete man doch, über lange Zeit eine weitere leere Immobilie im Stadtgebiet
zu haben. Und so wird das Treiben auf der Neustädter Straße auch neugierig
beäugt.
Josef Werner kommt fast täglich hierher. „Das ist wirklich interessant,
eigentlich schon faszinierend, wie so ein riesiger Komplex demontiert wird. Dort
oben war übrigens mal der OP-Saal. Dort habe ich selbst gelegen“, schwelgt Josef
Werner in Erinnerungen. Aber er findet es gut, dass mit dem Gebäude endlich
etwas passiert. Fenster und Türen wurden bereits ausgebaut, Zwischenwände
abgerissen, und auch die ersten Mauern fallen mittlerweile. Die Arbeiten liegen
voll im Plan, sagt Rita Seidel, die stellvertretende Chefin vom
Arbeiter-Samariter-Bund Neustadt. Die Organisation will im ehemaligen
Krankenhaus von Sebnitz ein Pflegeheim mit 36 Plätzen einrichten, dazu zwölf
Plätze in der Kurzzeitpflege. Außerdem wird geprüft, ob hier auch eine Gruppe
für Demenzkranke eingerichtet werden kann.
er Abriss wird zu einem Großteil aus dem Programm Stadtumbau Ost gefördert und
damit von Sebnitz unterstützt. Schließlich ist die Stadt froh über die Lösung an
der Neustädter Straße. „Wir werden das Vorhaben, welches einerseits
Investitionen und Arbeitsplätze bringt, andererseits die Pflegesituation
deutlich verbessert, nach Kräften unterstützen“, verkündete der Sebnitzer
Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) im April. Und damit wurden dann auch die
Weichen gestellt. Die Stadträte gaben ihr Okay für die Fördermittel. Und der
Abriss konnte beginnen.
Der Arbeiter-Samariter-Bund lässt das ehemalige Hauptgebäude auf seine
ursprüngliche Größe zurückbauen, alte Anbauten und das ehemalige
Wäschereigebäude werden abgerissen. „Die Front Richtung Marktplatz, also das
eigentlich Prägende an diesem Bau, bleibt erhalten“, weiß Rita Seidel. Noch bis
30. November dominiert der Abriss. Die Betreiber des künftigen Pflegeheimes
arbeiten parallel am Finanzierungskonzept. „Aber wir sind da recht
zuversichtlich und schon ziemlich weit.“ Die Baukosten belaufen sich nach ersten
Schätzungen auf etwa drei Millionen Euro. 2005 soll dann mit dem eigentlichen
Bauwerk begonnen werden. Erst Mitte 2006 könnte nach groben Planungen des ASB
das neue Pflegeheim bezugsfertig sein.
www.sz-online.de
23.06.2004
Wittenberge: Sanierung mit Blick auch für Details
Nicht besonders ansehnlich ist das Eckgebäude, das 1958 im Stil des "Nationalen
Traditionalismus" für Nähmaschinenwerker auf den Mauern einer Kriegsruine
errichtet worden war. Die Perleberger Straße 30 hingegen kann man schon als
vorzügliches Beispiel gründerzeitlichen Bauens bezeichnen. "Die
wohlproportionierte Stuckfassade hat fünf Schmuckfelder, die in der sogenannten
Sgraffito-Technik gestaltet sind. Ein für die Elbestadt einmaliges, auch
regional überaus seltenes Beispiel für den hohen Stand der dekorativen Kunst um
1900", schreibt Architekt Stefan Kunzemann in einem Gutachten für die Stadt.
"Uns war klar, dass man diese prägende Ecke nicht abreißen kann", erklärt
Torsten Diehn als Geschäftsführer des Eigentümers Wohnungsbaugesellschaft. Also
Aufwertung in der Innenstadt, aber sichtbar. Die WGW plante, beantragte
Fördermittel, die natürlich nur begrenzt kamen, denn das Objekt liegt nicht im
Sanierungsgebiet.
Die Seitenflügel wurden abgerissen, übrig blieben 13 großzügige Wohnungen mit
verschiedensten Grundrissen, die bis auf zwei bereits vermietet sind - mit
Mietern von 17 bis 94. Und alle können sich über Terrasse oder Balkon über dem
freien, begrünten Hof freuen. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss sind normgerecht
behindertengerecht.
Insgesamt 765000 Euro, teilweise gefördert, fließen in den Komplex, der fast
ausschließlich von örtlichen Firmen realisiert wird und der zweifellos die
belebte Innenstadtecke aufwertet - wenn da nicht die gegenüberliegende Brache
wäre, die als wilder Parkplatz genutzt wird. "Wir haben mit dem Eigentümer einen
Pachtvertrag vereinbart und werden dort die Stellplätze für unsere Mieter und
anliegende Geschäfte einrichten", so Diehn.
Bis Ende nächster Woche werden die Arbeiten der Stukkateure an den
Schmuckelementen noch dauern, die nachempfunden bzw. restauriert werden und vom
Stolz der einstigen Malerwerkstatt Otto Kunze auf dem Hof künden, der das
Mietshaus an der Straße 1891 errichten ließ.
www.svz.de
22.06.2004
Wismar: Präsentation und Podiumsdiskussion zum Stadtumbau
Seit einigen Jahren ist deutlich geworden, dass
Abwanderungen und eine zu geringe Anzahl an Geburten die Entwicklung der Städte
und Dörfer stark beeinflussen und zu planungsrelevanten Veränderungen führen.
Der Einwohnerrückgang vor allem in den größeren Städten aber auch in vielen
Dörfern hat zu enormen Leerständen geführt, auf die der Stadtumbau nun reagieren
soll.
Auf die Anforderungen, die sich daraus für die zukünftigen Architekten ergeben,
wird am Fachbereich Architektur der Hochschule Wismar seit längerem reagiert. In
einer Lehrveranstaltungsreihe im Fachgebiet Stadt- und Gebäudesanierung wurde
für Masterstudenten die Frage der ganzheitlichen Stadtentwicklungsplanung in der
schrumpfenden Region zu einem Arbeitsschwerpunkt. Mit Vorlesungen, Seminaren und
Exkursionen sowie vertiefenden Konsultationen wurde eine Semesterarbeit
begleitet, in der sich die Studierenden mit Fragen der Abstimmung
unterschiedlicher Interessenvertreter in diesem Planungsprozess
auseinandersetzen.
Im Stadtumbau sind verschiedenste Akteure involviert, die der Planer zu
berücksichtigen hat und deren Interessen abgewogen und ausgeglichen den
Stadtentwicklungsprozess gestalten müssen. Zu diesen Beteiligten bzw.
Betroffenen gehören neben den Wohnungsunternehmen und privaten Haus- bzw.
Wohnungseigentümern auch Verkehrsbetriebe, Stadtwirtschaftsbetriebe und
Energieversorger, städtisch betriebene Schulen, Kindergärten und andere
Infrastruktureinrichtungen, Vereine, die das Gemeinschaftsleben mit prägen, aber
auch Banken, Versicherungsinstitute, Stadtplanungs-, Sozial-, Familien und
sonstige Ämter, Kommunalpolitiker, Landes- und Regionalplanungsverbände und
viele andere mehr. Diese unterschiedlichen Akteure zu erkennen, ihre Probleme
unter den Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts darzustellen, war Aufgabe der
Studenten in diesem Semester. Da diese Thematik in Zukunft eine Rolle im
Stadtentwicklungsprozess spielen wird, sollen die Ergebnisse der Studienarbeit
öffentlich präsentiert und in einer anschließenden Podiumsdiskussion mit
Experten des Stadtumbaus thematisiert werden. Alle, denen dieses Thema am Herzen
liegt, sind zu der Veranstaltung am Donnerstag herzlich eingeladen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
19.06.2004
Frankfurt (Oder): Der Stadtumbau geht weiter
Nein, den Abgeordneten kann man nicht unterstellen, dass
sie Entscheidungen einfach treffen. Bei der Diskussion um das Stadtumbaukonzept
(STUK) wurde deutlich, welche Brisanz dieses Thema hat, wie wichtig dieses
zukünftig die Stadtsilhouette, ja ganz Frankfurt betreffende Konzept ist. Über
jeden Punkt wurde diskutiert, ja selbst der Begriff Konzept angezweifelt, ob er
denn der richtige sei. Es schien fast, als werde eine Entscheidung verschoben.
Und das, obwohl Baudezernent Peter Edelmann (SPD) und auch mehrere Abgeordnete
immer wieder betonten, dass dieses Papier eine "rahmengebende Strategie" sei,
"in die Fachplanungen mit eingearbeitet werden".
Aufgrund der langen Diskussion folgend verknappt die Anträge der Fraktionen und
Abgeordneten: Beschlossen wurde der Vorschlag des Jugendhilfeausschusses. Danach
ist das vorliegende Stadtumbaukonzept als rahmengebende Strategie für den
weiteren Stadtumbauprozess anerkannt. "daraus folgende relevante Fachplanungen
sind der Stadtverordnetenversammlung im IV. Quartal vorzulegen", lautet der
geänderte Beschlusstext. Auf Vorschlag der CDU-Fraktion wurde ein neuer Punkt
hinzugefügt, der ebenfalls Zustimmung fand. Die Verwaltung wird darin
beauftragt, die Dokumente sofort zu überarbeiten. Der Stadtentwicklungsausschuss
wird das Vorgehen aktiv begleiten, die Abgeordneten werden auf der Sitzung am
30. September über die Veränderungen informiert. Die neuen Dokumente werden für
die weitere Planung benutzt. Durchsetzen konnte sich auch die FDP-Fraktion mit
einem Teilbeschluss. Der lautet: "...die in der Fortschreibung des
Stadtumbaukonzeptes aufgeführten Aufwertungsmaßnahmen und
Nachnutzungskonzeptionen sind lediglich beispielhaft aufgeführt und damit nicht
mit beschlossen."
Alle anderen Zusatz- und Änderungsanträge sollen bis 30. September vom
Stadtentwicklungsausschuss geprüft werden. Dabei handelt es sich u. a. um solche
Vorschläge wie von Michael Kaspar (FDP), der vorschlägt, das STUK einem
Bebauungsplan gleichzusetzen. Damit müsse das Konzept vier Wochen lang
öffentlich ausgelegt werden. Carola Leschke (CDU) hingegen schlug vor, dass jede
weitere Fortschreibung eines STUK drei Wochen vor Beschlussfassung den
Stadtverordneten vorliegt, so dass auch gezielt eine öffentliche Diskussion mit
den Bürgern möglich sei. Wolfgang Behrens verlangte im Namen der CDU-Fraktion,
dass ein technisches Infrastrukturkonzept erarbeitet wird. Das soll aufzeigen,
welche Auswirkungen der Stadtumbau auf die Versorgung (Gas, Wasser etc.) hat,
welche Auswirkungen er auf die Anlagen, also Leitungen, hat. Bei diesen beiden
Punkten sollen die finanziellen Auswirkungen aufgeschlüsselt werden. Dritter
Punkt dieses Antrages sind die Auswirkungen auf die Betriebskosten. Gleichzeitig
beantragte er, dass der Abriss von saniertem Wohnungsbau, u.a. in Neuberesinchen
vorgesehen, gestrichen wird.
Hans Dieter Wachner (Bürgerbündnis) sprach sich für den Stopp des Abrisses im
Zentrum aus und verlangte, dass alle Abrissplanungen, bei denen es noch möglich
ist, überprüft werden. Immer wieder haben die Stadtverordneten am Donnerstag
deutlich gemacht, wie wichtig das Stadtumbaukonzept für das künftige Frankfurt
ist. Jedem ist bewusst, dass sich neben dem Stadtbild auch soziale Strukturen in
Wohngebieten verändern werden. Oft wurde betont, dass die Frankfurter
mitdiskutieren sollen. Doch die Stadtverwaltung scheint das nicht so zu sehen.
Wie sonst ist zu werten, dass im Stadtumbaubüro in der Großen Scharrnstraße das
Konzept nicht auslag, die Bürger so nicht die Möglichkeit hatten, sich vor
Diskussion und Beschlussfassung selbst zu informieren. Die Stadtverordneten
sollten sehr schnell kontrollieren, welche Informationen die Mitarbeiter des
Büros wirklich liefern können und vor allem wollen.
www.moz.de
18.06.2004
Rostock: Wiro-Konzern zieht Bilanz
Der Rostocker Wohnungsmarkt, das sind insgesamt 112 000
Wohnungen. Größter der acht Großvermieter mit einem Bestand von zusammen 75 000
Wohnungen ist der Wiro-Konzern, der Ende vergangenen Jahres 36 045 eigene
Wohnungen, elf Eigenheime, 621 Gewerbeeinheiten, 7469Garagen/ Stellplätze, 4119
verwaltete Wohnungen und 1636 verwaltete Eigentumswohnungen bewirtschaftete.
2505 Wohnungen der Rogewo sind von der Wiro angepachtet.
Das entnehmen wir dem Wiro-Konzernbericht 2003, der uns vor einigen Tagen von
Wiro-Chef Bernhard Küppers überreicht wurde. Die Vollmodernisierung des eigenen
Wohnungsbestandes, so lesen wir, sei weitgehend abgeschlossen. 2004 steht nur
noch ein Restprogramm von 1430 Wohnungen an. Der Leerstand bei den
vollmodernisierten Wohnungen liegt knapp über 4,7 Prozent, in anderen bis zu 18
Prozent. In Verbindung mit dem Stadtumbau Ost sollen in Rostock bis zum Jahre
2009 rund 2500 Wohnungen vom Markt genommen werden. Die Wiro selbst baute 2002
und 2003 knapp 650 Wohnungen zurück. Das Hochhhaus Fridtjof-Nansen-Str. 6 mit 18
Geschossen wurde abgerissen. Die Wiro verkaufte 47 Miet-/Eigentumswohnungen und
zwei Gewerbeeinheiten, 127 540 qm erschlossene bauträgerfreie Baulandflächen
wurden veräußert. Durch Modernisierung und Wohnumfeldverbesserungen wurden im
Geschäftsjahr 64,7 Millionen Euro im Anlagevermögen investiert.
www.svz.de
18.06.2004
Leipzig: LWB will unsanierte Plattenbauten anbieten
Der größte Vermieter Leipzigs bereitet sich auf die Folgen des Reformgesetzes
Hartz IV vor: Weil mit der geplanten Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe mit deutlich sinkenden Einkommen gerechnet wird, will die Leipziger
Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) tausende unsanierte Plattenbau-Wohnungen auf
den Markt bringen, berichtet die «Leipziger Volkszeitung»
Ursprünglich wollte die LWB viele dieser Häuser leer ziehen und abbrechen
lassen. Denn wegen des geringen Komforts und des Überangebots an sanierten
Wohnungen schien es in absehbarer Zeit kaum noch Mieter dafür zu geben. Doch
mittlerweile gehören 12 000 Quartiere dieser Kategorie wieder zum «Kernbestand»
des stadteigenen Anbieters und sollen noch mindestens zehn Jahre am Markt
platziert werden.
Darüber hinaus kauft die LWB dem Bericht zufolge preisgünstige Häuser aus
Zwangsversteigerungen hinzu. In den nächsten Jahren will sie bis zu 5000
Wohnungen erwerben. Das betreffe allerdings nicht nur unsanierte Gebäude,
sondern auch sanierte und sogar Neubauten, hieß es. Die ersten Häuser mit
Billig-Wohnungen wurden bereits ausgewählt. Sie befinden sich ausschließlich in
Grünau und sollen künftig zu Quadratmeter-Kaltmieten von drei Euro offeriert
werden - teilweise auch für weniger Geld.
de.news.yahoo.com
17.06.2004
Görlitz: Häuslebauer braucht die Stadt
In der Nikolaivorstadt entsteht ein neuer Häuserblock. Der
Architekt Hagen Aye plant 14 Wohnhäuser auf dem Gelände der Tuchfabrik an der
Großen Wallstraße. Nach der erfolgreichen Abwicklung eines Wohnprojekts an der
Rothenburger Straße will Aye weitere Häuslebauer in die Innenstadt locken.
Wenn Hagen Aye durch die Nikolaivorstadt spaziert, dann hebt er an jeder
Straßenecke die Hand zum Gruß, nickt hier mit dem Kopf, hebt dort das Kinn, und
wo er über den Gartenzaun winkt, da empfängt ihn ein lautes Hallo. Hagen Aye
wohnt selbst in der Nikolaivorstadt. Doch er ist nicht nur ein Nachbar. Viele
hier kennen ihn als den Architekten, der ihre Häuser entworfen hat. Bald sollen
es wieder ein paar mehr sein.
Auf dem Gelände der alten Tuchfabrik an der Großen Wallstraße und Am
Hirschwinkel sollen demnächst 14 neue Einfamilienhäuser entstehen. Bereits in
diesem Sommer sollen große Teile des leer stehenden Fabrik-Gebäudes abgerissen
werden. An dessen Stelle entstehen zwei Häuser in historischem Stil und vier in
moderner Bauweise. Zwei alte Wohnhäuser, die zur Fabrik gehörten, werden
saniert. Auf der anderen Seite des Fabrikgeländes entstehen sechs weitere
Häuser, ebenfalls in modernem Stil. Der Architekt Aye glaubt fest daran, dass
solche Wohnprojekte in der Innenstadt eine attraktive Alternative zum Häuschen
im Grünen sein können.
„Stadtumbau“ ist eines seiner Lieblingsworte. „Stadtumbau bedeutet: abreißen,
neu bauen, Wohnraum reduzieren“, sagt er. Görlitz schrumpft. Viele Wohnungen in
der Innenstadt stehen leer. Gleichwohl zieht es die Häuslebauer meist in die
Randgebiete. Sie kommen selten auf die Idee, dass ihr Heim mitten in der Stadt,
mit Blick auf die Peterskirche, entstehen könnte.
Dabei sieht Aye gerade in den Eigenheimbesitzern die Menschen, die eine Stadt
beleben können. „Wer ein eigenes Haus baut, hat eine ganz andere Beziehung zu
seinem Heim und zu seinem Umfeld“, sagt er. „Wenn einem Mieter etwas nicht
passt, dann zieht er weg. Wer ein Haus hat, kümmert sich selbst.“ Aye glaubt: Wo
städtisches Wohneigentum entsteht, da entwickeln sich gute Nachbarschaften,
soziales Engagement, lebendige Straßen – ganz so, wie es der Architekt selbst
von seinen eigenen Nachbarn in der Nikolaivorstadt kennt. Was nach
soziologischer Theorie klingt, hat Aye längst in die Wirklichkeit umgesetzt. Vor
kurzem sind nach seinen Plänen fünf neue Wohnhäuser im ländlich-barocken Stil an
der Rothenburger Straße entstanden. Mittlerweile sind sie alle verkauft und
bewohnt.
Binnen kurzer Zeit hat sich hier eine bunte Nachbarschaft entwickelt: junge und
alte Menschen aus verschiedenen Berufen – genau die richtige Mischung, wie Aye
findet. „Das sind nicht nur Besserverdiener“, sagt er. Die Grundstücke in der
Nikolaivorstadt seien günstiger als in Biesnitz, wo die Nachfrage nicht so
gering ist. Beim neuen Projekt auf dem Gelände der alten Tuchfabrik will Aye als
Architekt mehr Akzente setzen als bisher.
„Wenn wir etwas im Jahr 2004 bauen, dann muss das auch am Baustil erkennbar
sein“, sagt er. Deshalb sollen die meisten der neuen Häuser eine eigenständige,
moderne Architektur haben, mit Flachdächern, Dachterrassen und hohen, schmalen
Fenstern.
Daneben plant Aye zwei Häuser in alter Bauweise, wie sie für die Nikolaivorstadt
typisch ist. Die Wohnräume im Erdgeschoss des Fabrikgebäudes haben noch die
alten Gewölbe im gotischen Stil. Sie stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Aye
will sie erhalten und in den Neubau integrieren.
Das Haus mit der Nummer 35 soll überhaupt nicht verändert, sondern saniert
werden. „Hier sind alle in Görlitz zu findenden Baustile vermischt“, sagt Aye.
Barock, Gründerzeit, Jugendstil, Renaissance – diese Mischung will der Architekt
nicht antasten. Obgleich die Detailplanung jetzt erst richtig losgeht, hat Aye
schon wieder ganz neue Ideen. „Es gibt da so ein, zwei Standorte“, sagt er –
mehr will er nicht verraten.
www.sz-online.de
17.06.2004
Gelsenkirchen: Alter Bahnhof weicht neuem Stadtquartier
Eine planerische "Altlast" soll endlich entsorgt werden: Ein
neues Stadtquartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern mit bis zu 550
Wohneinheiten plant die Verwaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs
Schalke-Süd. Die auf dem Areal angesiedelte Spedition Burgmer geht davon aus,
dass sie den Standort Ende 2005 aufgeben und nach Herten ziehen wird.265 000
Euro hat die Stadt für das Projekt in das Paket "Stadtumbau West" (wir
berichteten) eingestellt. Die Mittel sollen in die Erstellung eines
Planungskonzepts für die Begrünung und Zwischennutzung der brach liegenden alten
Bahnanlagen fließen.Von einem Baubeginn in 2004 ging die Stadt vor Jahren aus.
Davon ist nicht mehr die Rede: Zurzeit arbeitet die Verwaltung an einem
städtebaulichen Entwurf und der Aufstellung eines Bebauungsplans für die 19 ha
große Fläche. Frühestens in der zweiten Hälfte 2005 könnten die Bagger anrollen,
so Clemens Arens, kommissarischer Leiter des Referats Stadtplanung. Das in
City-Nähe gelegene Gelände soll schrittweise bebaut werden.Ende 2001 hatte die
Politik schon einmal die Weichen für das alte Bahnareal gestellt. Um zwei
konkurrierende Entwürfe ging es damals: "Klein-Polsum" oder "Legebatterie". Als
"Klein-Polsum" hatte die Architekten-Gruppe "Stadt planen" den städtischen
Entwurf wegen ihres "dörflichen Charakters" bezeichnet. Und mit der Umschreibung
"Legebatterie" hatten Politiker den Entwurf von "Stadt planen" bedacht. Die
Entscheidung des Rats fiel auf "Klein-Polsum" - ein grünes Stadtquartier mit bis
zu 300 Wohneinheiten.Nach Offenlegung der Pläne und Anregungen von "Stadt
planen" habe die Verwaltung ihren Entwurf noch einmal "stark überarbeitet".
Ergebnis: weder "Groß-Polsum" noch "Legebatterie", sagt Arens. Sondern: ein Mix
aus Geschosswohnungsbau (entlang der Rheinischen Straße) und kleinteiligen
Stadthäusern. "Wir gehen darin mehr auf die vorhandenen Strukturen ein", so
Arens.Auch im Hinblick auf die Vermarktbarkeit seien die Pläne noch einmal
optimiert worden. An potenziellen Investoren werde es der Stadt nicht mangeln,
prophezeit Arens.
www.waz.de
17.06.2004
Magdeburg: Handelshafen soll neuer Schwerpunkt zur großen
Bauausstellung 2010 werden
Magdeburgs Südosten entlang der Elbe, einst die "Perlenkette" der
Stadt, hat ihren Glanz verloren. Leerstand und Verfall allerorten. Der Südosten
wird noch lange Probleme haben, räumen Fachleute ein. So gilt es als
Herausforderung, dass die Stadt die elbnahen Stadtteile als Projekt der
Internationalen Bauausstellung (IBA) 2010 angemeldet hat. Jetzt aber tauchte im
Stadtrat eine Information aus dem Rathaus auf, wonach plötzlich der Handelshafen
in der Alten Neustadt Schwerpunkt bei der IBA sein soll.
Der Handelshafen mit der geplanten neuen Denkfabrik, mit Marina und historischer
Hafentechnik soll neuer IBA-Baustein werden und "prioritär" behandelt werden.
Die Information aus der Verwaltung sorgte für Irritationen im Rat. Welche
Chancen haben dann Salbke, Fermersleben und Westerhüsen überhaupt noch? Zumal
für den geplanten Wissenschaftsstandort im Handelshafen gerade über 14 Millionen
Euro Fördermittel aus dem Urban-21-Topf bewilligt wurden. "Nein", heißt es
später aus dem Rathaus, an einen Quasi-Rausschmiss des Projektbausteins "Südost"
sei nicht gedacht.
Wie also soll Magdeburgs Beitrag zur Bauausstellung in sechs Jahren aussehen?
Bei der IBA wollen 11 beteiligte Städte in Sachsen-Anhalt zeigen, wie sie mit
Stadtumbau-Projekten auf Leerstand und Schrumpfung reagieren. Die Stadtplaner in
Magdeburg haben ihre Vision aufgemacht: "Leben an und mit der Elbe - Eine neue
Urbanität für Magdeburg", lautet hier das Thema. Und es bezieht beide Bereiche
mit ein, den Handelshafen und den Südosten, betonte der zuständige Stadtplaner
Johannes Wöbse gestern auf Nachfrage. Magdeburg wolle zur IBA zeigen, wie sich
Entwicklungen am "Rückgrat Elbe" vollziehen. Im Handelshafen solle "mehr Stadt
und weniger Landschaft" entstehen. Auch der Uferbereich der Altstadt wird auf
der IBA eine Rolle spielen. Projekte, wie die über Stadtumbaumittel finanzierte
neue Fußgängerbrücke über das Schleinufer sollen das Magdeburger Thema
untersetzen: Das Leben rückt näher an die Elbe. Im Südosten wolle sich die Stadt
hingegen "zurückziehen". Das Prinzip hier: Weniger Stadt und mehr Landschaft.
Planer Wöbse erklärt: Auf der Achse Buckau, Fermersleben, Salbke und Westerhüsen
ist es Ziel, die alten Ortskerne zu stärken, indem z. B. Industriebrachen
verschwinden, Wohnen und Gewerbe abgegrenzt werden - durch neues Grün.
Kernaufgabe bleibt die Verlegung der Hauptstraße, die seit Jahren Eigentümer und
Interessenten abschreckt, Geld in die alten Immobilien zu stecken. Doch der
Flächenankauf für die Umgehung gestaltet sich schwierig. Das haben harte
Preisverhandlungen mit der Bahn gezeigt.
Mittel aus dem Stadtumbauprogramm könnten auch im Südosten helfen, Projekte
anzugehen. Sicher sind Finanzspritzen allerdings nicht. Und die Stadtplaner
wissen: Die Probleme im Südosten sind zu groß, als dass bis 2010 wirklich viel
zu sehen sein könnte. Anders als im Handelshafen, wo schon Millionen in Aussicht
stehen.
Schlechtere Startbedingungen also für die südöstlichen Stadtteile, die
Stadtplaner wollen dennoch "angreifen". Jetzt soll, so Wöbse, ein
Brachflächen-Kataster erstellt werden. "Damit wir wissen, worüber wir genau
reden und mit wem wir verhandeln können."
www.volksstimme.de
16.06.2004
Berlin: Die Platte fällt
Nach Marzahn beginnt jetzt auch in Hellersdorf der Abriss von
Plattenbauten: Zwei seit zwei Jahren leer stehende elfgeschossige Wohnblöcke mit
132 Wohnungen müssen weichen. Schon im Juli rücken in der Mittenwalder Straße
2-4 und 10-12 die Abrissbagger an. Etwa 850 000 Euro kostet der Abriss, zwei
Drittel davon werden durch das Programm "Stadtumbau Ost" finanziert.
Ursprünglich sollten die Gebäude zu Terrassenhäusern mit Dachgärten umgebaut
werden. Systematisch wurden die Häuser deshalb im Jahr 2002 geräumt. Doch die
Fördermittel - etwa sieben Millionen Euro wären für den Umbau nötig gewesen -
flossen nach Marzahn. "Unsere Idee wird jetzt dort verwirklicht", sagt Rudolf
Kujath, Geschäftsführer der Stadt und Land/ Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf
(WoGeHe).
Kujath sieht nun im Abriss der leer stehenden Häuser eine neue Möglichkeit zur
Aufwertung des Quartiers rund um die Alte Hellersdorfer-/Zossener- sowie die
Mittenwalder Straße. Denn das Viertel gehört zu den am dichtesten bebauten in
der Großsiedlung Hellersdorf. Zudem ist die soziale Mischung nicht die Beste -
in dem Gebiet wohnen mehr Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose als anderswo in
der Plattensiedlung. "Das Gebiet muss auch wieder für andere Mieter attraktiv
werden", sagt Kujath.
Um dieses Ziel und eine neue städtebauliche Qualität zu erreichen, will Kujath
mehrere Häuser an der Alten Hellersdorfer Straße mit 235 Wohnungen komplett
modernisieren. Aber auch der Abriss geht weiter: Außer den beiden
Leerstandshäusern sollen zwei weitere Elfgeschosser an der Klausdorfer Straße
fallen. Diesen Abrissplänen muss der Senat noch zustimmen. "Wichtig ist auch,
dass nicht mehr genutzte kommunale Gebäude wie Kitas und Schulen abgerissen
werden", sagt Kujath. Anschließend müsse der entstehende Freiraum attraktiv
gestaltet werden. Kujath sieht dabei alle Eigentümer in der Pflicht, ein
gemeinsames Konzept für das Viertel zu erarbeiten. Außer dem Wohnungsunternehmen
gehören dort Grundstücke auch dem Bezirk und dem Liegenschaftsfonds.
Erste Vorstellungen wurden schon vor zwei Wochen dem Bezirksamt präsentiert.
Fünf Möglichkeiten werden diskutiert: ein Park, ein Obstgarten, ein Stadtwald,
aber auch ein See mit Bootsverleih oder ein Golfabschlagplatz sind im Gespräch.
Diese könnten von Privaten betrieben werden.
"Wir sind ganz am Anfang der Diskussion", sagt Heinrich Niemann, der zuständige
Dezernent für ökologische Stadtentwicklung. Mit einer Entscheidung sei nicht
kurzfristig zu rechnen. Frühestens am Jahresende werde feststehen, in welche
Richtung es gehe.
www.berlinonline.de
16.06.2004
Dessau: Schrumpf dich schön
Dessau ist Avantgarde. Zumindest was das Schrumpfen
angeht, ist die Stadt in Sachsen-Anhalt ganz vorne dabei: Schwindende Industrie.
Rapide sinkende Einwohnerzahlen. Leere Wohnungen zuhauf in den Innenstädten.
Seit der Wende verlor Dessau fast ein Viertel seiner Einwohner und befindet sich
damit in bester internationaler Gesellschaft.
Weltweit schrumpfen ehemalige Industriestädte vor sich hin, von Detroit in
Amerika bis Ivanovo in Russland, von Halle bis Liverpool. Die an Wachstum
gewohnten Stadtplaner, Politiker und Soziologen stehen überall hilflos vor den
gleichen Fragen: Was macht man mit einer Stadt, in der Schulen und Kindergärten
schließen, weil der Nachwuchs fehlt? Wohin mit all den leeren Wohnungen und
Industriebauten?
In Dessau lautet die Antwort: beherzter Abriss. "Unsere Zukunft ist nicht
schwarz, sondern grün", erklärt Karl Gröger energisch. Der Baudezernent
präsentiert im Konferenzraum der Stadtverwaltung seine Vision. Die
Powerpoint-Grafik zeigt eine Innenstadt mit grauen Sprengseln in einem Meer von
Grün. Wo sich der Laie an einen löchrigen Schweizer Käse erinnert fühlt, sieht
der Baudezernent "vitale Stadtinseln in einem aufgelockerten Stadtkern". Nicht
ohne Selbstironie nennt Gröger die auffällig großen Grünflächen das "grüne Band
der Sympathie".
Für die Neugestaltung der Innenstadt wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben.
Gewonnen hat das Schweizer-Käse-Modell, in das der Baudezernent so viel Hoffnung
steckt. Bis 2010 soll aus der schrumpfenden eine schlanke Stadt werden, mit
weniger Wohnfläche und mehr Natur. Das Umbau-Programm hat etwas von einer
radikalen Hungerkur: etwa 15.000 Wohnungen müssen weg.
Martin Krems vom Stadtplanungsbüro IBA ist Miterfinder des "grünen Bands der
Sympathie" und von Berufs wegen Optimist. Er beschwört eine urbane Wildnis
herauf, die aus den "Schuttlaboren" der Abrissflächen entstehen soll. "Die
Schrumpfung ist für die Stadt eine Chance, ihre individuellen Stärken zu
betonen", findet Krems. Für Dessau hofft er auf Tourismus und Umweltschutz:
Schließlich biete die Stadt mit Bauhaus, Wörlitzer Gartenreich und der nahen
Lutherstadt Wittenberg drei UNESCO-geschützte Attraktionen in unmittelbarer
Nähe. Nicht nur Krems hofft, dass der baldige Zuzug des Umweltbundesamtes Dessau
einen weiteren grünen Bonus beschert.
Zur Vorhut der neuen Öko-Elite gehören Dirk Walter und Thomas David Die beiden
Zivildienstleistenden des Amts für Umwelt- und Naturschutz sind im Einsatz auf
dem Rathausplatz. Hier ist Bauernmarkt: kleine Buden, Kaninchenbuletten aus
Beelitz, Spargel und Käsesuppe.
Neben dem Streichelgehege mit Kälbchen aus der Agrargenossenschaft Mosigkau
türmen sich Strohballen zu einer Kletterburg. Dirk und Thomas passen auf, dass
sich keines der spielenden Kinder verletzt. Thomas mit dem Kinn-Piercing liebt
seinen Job. Krötenzäune bauen, Eulenpopulationen beobachten.
Er könnte sich gut vorstellen, später einmal etwas "im Umweltbereich" zu machen,
wobei er an das Umweltbundesamt noch gar nicht denkt.
Erst einmal ist Thomas glücklich, bleiben zu können. "Meine Freundin wohnt
hier", sagt er fast entschuldigend "und die Landschaft ist schön." Sein Freund
Dirk sieht das anders. Er kann das Ende seiner Zivi-Zeit gar nicht abwarten:
"Nix wie weg!" ist seine Devise. Dirk freut sich schon auf seinen
Wirtschaftsinformatik-Studienplatz in Stuttgart. Wird er einmal wieder
zurückkehren nach Dessau? Nie mehr: "Hier ist doch alles tot."
In der Fußgängerzone entlang der Zerbster Straße ist von der Tristesse einer
schrumpfenden Stadt freilich nichts zu spüren, zwischen "Bistro Cup & Cino",
"Kartoffelhaus" und "American Sports Bar" herrscht reger Fußgängerverkehr. Schon
ein paar Straßenzüge weiter herrscht genau die Leere, der Dirk entfliehen will.
Am Friederikenplatz dämmern gammlige Platten-Ensembles in der Stille.
Schemenhafte Gestalten bewegen sich hinter vorgezogenen Gardinen. Wie um der
lähmenden Beschaulichkeit zu trotzen, schart sich die noch nicht abgewanderte
Jugend um ein bunt bemaltes Eckhaus.
Wie auf der Flucht wirkt hier niemand. Punks sitzen mit ihren Hunden auf der
Treppe, ein paar Jugendliche kicken einen Ball. Unter dem Vordach des
Alternativen Jugendzentrums sitzen Bettina (15), Alice (13) und Aline (14).
Bettina geht im Skater-Look, Alice trägt Stachelhalsband, Alines Füße stecken in
abgewetzten Springerstiefeln, alle verstehen sich als "linksalternativ". "Wir
sind eigentlich immer hier", sagt Bettina. "Es gibt ja sonst nichts". Ganze
neunzehn Jugendeinrichtungen bemühen sich um den kostbaren Nachwuchs. Doch in
den Augen von Bettina, Alice und Aline findet nur das AJZ Gnade. Alles andere
ist ihnen "zu spießig". Die drei könnten in jeder kleineren Stadt zu Hause sein.
Das ehemalige besetzte Haus mit Konzertraum, billiger Kneipe und politisch
korrektem Infoladen empfinden sie als ihre Heimat. Dessau mögen sie für seine
Überschaubarkeit. Natürlich wissen die Mädchen, dass ihre Zukunft anderswo
stattfinden wird. "Wer nicht zum Bauhaus will, muss weg", sagt Aline nüchtern.
Sie will später Medizin studieren, in Halle oder Leipzig. Und damit in einer
anderen schrumpfenden Stadt die Statistik bereichern. In den Westen will keines
der Mädchen. "Was soll ich da? Hier ist es doch viel schöner", findet Bettina.
Schön ist Dessau an manchen Ecken durchaus. Ein paar Straßen hinter dem
Jugendzentrum erheben sich prächtige Gründerzeitbauten. Hier sieht es ein
bisschen aus wie in Ost-Berlin: unsanierter Prunk neben renovierten
Pastellfassaden, Bäume, vereinzelte Plattenbauten dazwischen. Die
Bertolt-Brecht-Straße ist mustergültig saniert. Auch die Fassade des
Kulturprojekts "Kiez e.V." strahlt in leuchtendem Orange. Zu Wendezeiten
besetzten Künstler das Haus, heute trifft man sich zu Programmkino,
Ausstellungen und Lesungen.
Tilo, der auf einer Bierbank im Cafégarten sitzt, engagiert sich schon seit
langem in verschiedenen alternativen Kulturprojekten. "Das ,Kiez' und ein paar
Galerien, das sind unsere blühenden Landschaften", witzelt er. Tilo hat sich in
Bürgerversammlungen sorgfältig über die Stadtplaner-Visionen vom neuen grünen
Dessau informiert. Er hofft darauf, denn er hängt an seiner Heimat. "Endlich
merkt die Stadt, dass wir neue Ideen brauchen, nicht neue Gewerbegebiete", sagt
er. Für die weitere touristische Erschließung steuert er ganz eigene Ideen bei:
"Neben Bauhaus und Wörlitzer Gartenreich sollte man den Besuchern auch zeigen,
dass in Dessau das Giftgas ,Zyklon B' und die ,Tante Ju-Bomber' produziert
wurden. Auch Adriano müsste dazu gehören". Tilos Anliegen ist es, an den
Afrikaner Alberto Adriano zu erinnern, der von Neonazis erschlagen wurde. Doch
kritisch die eigene Stadtgeschichte aufzuarbeiten, das passt hier gerade
niemandem.
Dessau will endlich wieder nach vorne blicken. Dazu dient sogar das zweifelhafte
Prädikat "schrumpfende Stadt". Der Stadtplaner Martin Krems ist erstaunt, wie
bereitwillig sich die Bevölkerung auf das Stadtumbau-Projekt einlässt. Dessau
will einfach nur am Leben bleiben - und sei es als schrumpfende Modellstadt der
Zukunft. Im Trend sein: Dieses Gefühl hat man in der Heimat des Bauhauses lange
vermisst.
www.taz.de
16.06.2004
Sachsen-Anhalt: Wohnungsleerstand geht
erstmals zurück
Erstmals seit fast zehn Jahren geht in Sachsen-Anhalt die Zahl der leer
stehenden Wohnungen zurück - Die kommunalen und genossenschaftlichen
Wohnungsverbände führen die Trendumkehr auf "eine erste positive Wirkung" des
Stadtumbaus zurück. Allerdings sei das Tempo noch zu langsam.
Weniger leer stehende Wohnungen in Sachsen-Anhalt - dies ist vor allem das
Ergebnis des Quartierabrisses. Zählten die kommunalen und genossenschaftlichen
Wohnungsunternehmen Ende 2002 noch 95300 leer stehende Wohnungen, waren es ein
Jahr später rund 4000 weniger. "Der Stadtumbau kommt voran", stellten die
Direktoren der jeweiligen wohnungswirtschaftlichen Verbände, Jost Riecke und
Ronald Meißner, gestern in Magdeburg fest.
Zugleich verwiesen sie auf erhebliche regionale Unterschiede. Würde etwa der
Abriss in Magdeburg und Halle gut vorankommen, hätten die Altmark oder die
Region Bitterfeld/Wolfen weiter zu kämpfen. "Wir brauchen mehr Tempo", erklärten
Riecke und Meißner.
Die 250 kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen in
Sachsen-Anhalt wollen in diesem Jahr insgesamt 13000 Wohnungen abreißen, von
2005 bis 2010 weitere 50000. Ob das erreicht werden kann, hängt den Verbänden
zufolge unter anderem von der rechtzeitigen Auszahlung flankierender
öffentlicher Mittel ab. Beispielsweise stehe die so genannte
Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern, durch die Sachsen-Anhalt mit
52 Millionen Euro bedacht werden würde, für dieses Jahr immer noch aus. Deshalb
sei zu befürchten, dass die Wohnungsunternehmen wie 2003 auch diesmal erst
wieder im Herbst aktiv werden könnten. Vergangenes Jahr konnten wegen der
verspäteten Bereitstellung des Geldes nur 6600 Wohnungen abgerissen werden,
monierten die Verbandsdirektoren.
Bauminister Karl-Heinz Daehre (CDU) kritisierte gestern seinerseits den Bund,
weil dieser die Verwaltungsvereinbarung noch nicht vorgelegt habe. "Dem Land und
den Kommunen fehlt dadurch jegliche Planungssicherheit, weil der finanzielle
Umfang der Förderung nicht feststeht."
Die Verbände beklagten zudem, dass Sachsen-Anhalt für 2004 keine
Wohnungsbauförderung aufgelegt habe. "Der Bund hatte rund zehn Millionen Euro
zur Verfügung gestellt, das Land verzichtete aber auf die Kofinanzierung", sagte
Riecke. "Das bedauern wir, weil auch damit Quartiere hätten aufgewertet werden
können." Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen verwalten
und bewirtschaften mit derzeit 460000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt etwa 70
Prozent des Mietwohnungsbestandes.
www.volksstimme
10.06.2004
Großenhain: Lockmittel für Familien schaffen
Eine frisch sanierte KiTa mit Abenteuerspielplatz, der auch
öffentlich zugänglich ist. Die Familien wohnen gegenüber, praktisch in
Sichtweite. Kein Autoverkehr gefährdet die Kleinen beim Herumtollen. Welche
junge Familie würde von so einer Wohnlage nicht magisch angezogen, noch dazu in
Zentrumsnähe? Ginge es nach dem Großenhainer Stadtbaudirektor Tilo Hönicke und
Planer Michael Preibisch soll in dieser Weise das Areal um die Kombi „Preuskerstraße“
im Alt-Neubaugebiet Preuskerviertel umgestaltet werden. „Wir wollen versuchen,
das Projekt mit dem Förderprogramm Stadtumbau Ost finanziert zu bekommen“, so
Hönicke. Die Großenhainer Wohnungsgenossenschaft, als Eigentümerin der
Wohnblocks, steht den Plänen aufgeschlossen gegenüber. „Unsere Messlatte ist die
Zufriedenheit unserer Mieter“, sagte gestern der Geschäftsführer Jochen Leubner.
1,3 Million Euro wird sein Unternehmen dieses Jahr an eigenen Mitteln für
Instandhaltung und Sanierung ausgeben. Dazu gehört Dämmung und Trockenlegung an
Häusern im Preusker-Viertel. Eine Vielzahl Bäder soll modernisiert und
Innentüren erneuert werden. Auch der Stadtumbau Ost geht weiter. Die
Außenanlagen der Eingänge Dr.-Schweitzer-Straße 1 bis 7 werden aufwendig
begrünt. Von den 16 Mietparteien des 2005 für den Abriss vorgesehene Blocks
Dr.-Jakobs-Straße 2 bis 8 sind 14 bereits mit neuem Wohnraum versorgt. „Bis Ende
September soll der Block leergezogen sein“, so Leubner. 2003 hatte die
Genossenschaft auf der Dr.-Semmelweis-Straße 48 Wohnungen abgerissen.
www.sz-online.de
10.06.2004
Schwerin: Dreesch wird Großbaustelle
Großer Dreesch/Neu Zippendorf/Mueßer Holz In den nächsten zwei
Jahren werden umfangreiche Baumaßnahmen in den Stadtteilen Großer Dreesch, Neu
Zippendorf und Mueßer Holz in Angriff genommen. Dies war die Hauptbotschaft
eines von der SPD-Stadtfraktion organisierten Bürgerforums zum Stadtumbau-Ost.
"Um die drei großen Stadtteile attraktiver zu machen, müssen alle geplanten
Maßnahmen zügig in Angriff genommen werden", so der Ortsbeiratsvorsitzende
Daniel Meslien (SPD).
Schwerpunkte beim Stadtumbau der nächsten zwei Jahre sind die Stadtteile Großer
Dreesch und Neu Zippendorf. Ende des Jahres will die WGS mit dem Abriss des
Obdachlosenheimes am Dreescher Markt beginnen und den Standort in eine
Grünfläche verwandeln. Dem früheren Möbelhaus steht auch der Abriss bevor. Schon
im nächsten Jahr soll an dieser Stelle ein Fachmarktzentrum mit Supermarkt,
Discounter und kleineren Geschäften eröffnen.
Die SWG wird nach Angaben des Ortsbeiratsvorsitzenden und Dreescher
Stadtvertreters in wenigen Wochen die Vollsanierung der Friedrich-Engels-Straße
3-5 beenden. Auf die neuen Mieter warten dann Maisonette-Wohnungen,
altersgerechte Wohnungen mit Fahrstuhl und überall vergrößerte Wohnstuben und
Balkone. Viele Badezimmer werden über Fenster verfügen.
Ende des Jahres wird die Genossenschaft ihre Wohnungen in der Schulenburgstraße
5-10 nach dem gleichen Muster sanieren. Im nächsten Jahr ist dann die Sanierung
der Reichpietsch-Straße geplant. Ende 2006 folgt der Abriss des Innenhofblocks
in der Schulenburg-Straße 11-16.
In Neu Zippendorf ist das Pilotprojekt "Stadtumbau Ost" in der Tallinner Straße
in vollem Gange. Im Spätherbst ist die Fertigstellung des Abschnittes an der
Hamburger Allee geplant. Das oberste Geschoss wurde abgetragen, und Hauseingänge
wurden komplett entfernt. Ende des Jahres wird die SWG ihre letzten Häuser in
der Tallinner und Vidiner Straße in Baustellen verwandeln.
Der Abriss des Innenhofblockes in der Parchimer Straße durch die WGS soll im
Herbst beginnen. Ende des Jahres wird laut Meslien die Sanierung des SWG-Blocks
in der Potsdamer Straße abgeschlossen sein. Die feierliche Übergabe des neu
gestalteten Berliner Platzes soll im nächsten Jahr stattfinden.
In Mueßer Holz wird bis auf einige Rückbaumaßnahmen vorerst wenig in Angriff
genommen. Ende des Jahres beginnt die SWG mit dem Abriss des Wohnblocks in der
Bürgelstraße. Geplant sei der Rückbau des Blocks in der Kopernikusstraße 3-6, so
Meslien.
www.svz.de
10.06.2004
Stadtumbau wird Forschungsthema
Ein Kompetenzzentrum zur Revitalisierung historischer Städte
nimmt heute seine Arbeit in Görlitz auf. Mit Mitteln der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz wurde dafür der Lehrstuhl «Stadtumbau und Stadtforschung»
eingerichtet, der an die Technische Universität in Dresden angegliedert ist.
Angesichts des vielerorts anhaltenden Bevölkerungsschwundes soll sich das neue
Institut mit Fragen zur Wiederbelebung historischer Stadtkerne beschäftigen. Die
Einrichtung will Experten aus verschiedenen Fachgebieten zusammenbringen, um
Handlungsansätze zu entwickeln.
Für das Kompetenzzentrum wurden zufolge Räume in einem etwa 500 Jahre alten
Gebäude in der Görlitzer Altstadt saniert. Die Außenstelle der TU Dresden
richtet sich in den beiden unteren Etagen ein. Das obere Geschoss hat die
Verwaltung des 1991 in Görlitz gegründeten Fortbildungszentrums für Handwerk und
Denkmalpflege bezogen.
www.freiepresse.de
09.06.2004
Cottbus: Spirale des Schrumpfens
"Riechen Sie was?", sagt Ralf Fischer und fächelt mit der Hand
durch die Luft. Ein fauliger Geruch hängt zwischen den braungrauen
Gebäuderiegeln in der Plattenbausiedlung "Am Stadtrand" in Cottbus-Sachsendorf.
Fischer weist auf die Gullys, die in den rissigen Asphalt eingelassen sind. "Die
Abwasserleitungen setzen sich zu. Hier wohnt ja kaum noch jemand." In dem
Hochhaus am Ende der Stichstraße, elf Stockwerke, drei Flügel, rund 1 000
Wohnungen, leben noch ganze sieben Parteien.
In Cottbus-Sachsendorf kann man das städtebauliche Megaproblem der Zukunft am
lebenden Objekt studieren: Das Problem der schrumpfenden Stadt. Cottbus hatte in
den 80er Jahren, als die Braunkohlefelder der Lausitz noch die ganze DDR mit
Energie versorgten, knapp 130 000 Einwohner. Heute sind noch etwas über 100 000
davon übrig. Auch im Westen, so prophezeien die Demoskopen, werden Abwanderung
und Sterbeüberschuss viele Städte dramatisch schrumpfen lassen.
Den Cottbusser Stadtteil Sachsendorf hatten die DDR-Stadtplaner einst auf 30 000
Einwohner angelegt. Heute wohnen dort nur noch knapp 16 000, mit sinkender
Tendenz. Das bedeutet nicht nur Tausende leerer Wohnungen. Das bedeutet Straßen
ohne Verkehr, Schulen ohne Schüler, Einkaufszentren ohne Käufer. Das bedeutet
Verelendung und Vandalismus. Das bedeutet Abwasserleitungen, die ständig unter
der Mindestauslastung gefahren werden müssen - weshalb es in der ohnehin wenig
anheimelnden Siedlung am Stadtrand immer ein wenig süßlich riecht.
Die Folge ist eine Spirale des Schrumpfens: Wer in einer schrumpfenden Stadt
wohnt, auf dem lastet ein immer größerer Druck, selbst wegzuziehen. Bernhard
Müller, Professor für Raumentwicklung in Dresden, nennt zwei Gründe: Der
Imagefaktor und die Kosten. "Wenn man sieht, dass ringsum die Häuser abgerissen
werden, gibt das ein Gefühl des Verlorenseins." Und dazu kommt: Es wird richtig
teuer, dort wohnen zu bleiben. Die Anschlusskosten für Ver- und Entsorgung
steigen massiv an und verteilen sich zusätzlich auf weniger Köpfe. Gleichzeitig
sinken die Immobilienwerte.
Müller hat für die erzgebirgische Kleinstadt Johanngeorgenstadt, die samt Umland
bis 2016 von 40 000 Einwohnern auf 30 000 schrumpfen wird, folgendes
ausgerechnet: Die Mietnebenkosten steigen von rund 1 500 Euro pro Jahr und
Haushalt auf 2 500 bis 3 000 Euro an. Die Kosten für Rückbau und Anpassung der
Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sind dabei noch nicht berücksichtigt. Die
liegen nach einer Studie der Universität Cottbus beim Trinkwasser zwischen 4 und
12 Euro pro Quadratmeter und beim Abwasser zwischen 6 und 18 Euro.
Ralf Fischer ist Stadtteilmanager in Cottbus-Sachsendorf. Sein Job ist es, den
sozialen Zerfall des Viertels zu stoppen oder zumindest zu bremsen. Er besucht
die alten Leute, die noch in den Plattenbauten wohnen, die bald abgerissen
werden. Er initiiert Freiwilligenagenturen, die die Langzeitarbeitslosen von
ihren Balkonen holen.
An der Sachsendorfer Hegelstraße standen einst 1 080 Wohnungen. Heute sieht man
nur noch ein planiertes Feld. Doch der Eindruck täuscht. "Man muss auch sehen,
was unter der Erde liegt", sagt Fischer. Die Gebäude sind zwar weg, aber die
Versorgungsleitungen und Zufahrtsstraßen sind meist alle noch da - und keiner
weiß, was damit passieren soll. Fördergelder gibt es nämlich nur für den
Wohnungsabriss - 60 Euro pro Quadratmeter.
Fischer wird wütend beim Thema Infrastruktur: Die alten Leitungen im Boden seien
nicht nur ökologisch problematisch, sondern machten die Flächen auch
unverkäuflich. Es ist ohnehin nicht leicht, mit den Rückbauflächen etwas
anzufangen. Auf dem Sand- und Schottergemisch lässt sich selbst Rasen nur schwer
ansäen. An der Hegelstraße hat Fischer ein Experiment gewagt und auf den 4
Hektar Fläche Topinambur-Knollen gesät. Die Nutzpflanze aus Mittelamerika mit
ihren süßlichen Knollen "vermehrt sich wie Unkraut", sagt Fischer.
Es gibt aber auch Straßen in Sachsendorf, die zeigt Fischer mit Freude her. Das
sind die so genannten Aufwertungsquartiere: Nicht alles wird abgerissen, ein
Teil der Stadtumbau-Mittel dient auch Sanierung. Beete werden gepflanzt, die
Fassaden bunt angemalt und in den endlosen Hochhausriegeln werden gezielt
einzelne Segmente herausgenommen, um die Bebauungsstruktur aufzulockern und neue
Sichtachsen zu schaffen.
An der Theodor-Storm-Straße beispielsweise steht eine Reihe schmucker
Mehrfamilienhäuser, moderne Würfel mit Terrassen und kleinen Gärten. Das sind
nichts anderes als recyclete Plattenhochhäuser, erklärt Fischer: Dort stand
vorher ein Elfstöcker, längst abgerissen - aber ein Teil der Platten wurde zu
den neuen "Stadtvillen", wie Fischer sie nennt, zusammengesetzt. Ein anderer
Elfstöcker steht noch, wurde aber saniert und mit einer aufwendigen Glasfassade
geschmückt. Sehr beliebt bei der Bevölkerung, sagt Fischer: "Da kriegen sie
heute keine Wohnung mehr."
zeus.zeit.de
07.06.2004
Görlitz: Wird aus der Stadt ein Schweizer Käse?
Das Regierungspräsidium (RP) hat grünes Licht für den Abriss
denkmalgeschützter Bausubstanz in Görlitz durch die Wohnungsbaugesellschaft
gegeben. Besonders pikant: Die Untere Denkmalschutzbehörde, die sich bisher
gegen die Aufgabe der Gebäude gestemmt hatte, muss per Weisung die
Abrissgenehmigung erteilen.
Die Häuser Büchtemannstraße 1 bis 27 können abgerissen werden. Die dauerhafte
Erhaltung der Häuser mit 75 Wohnungen sei an dieser Stelle aus wirtschaftlichen
Gründen nicht zumutbar, argumentiert das RP. Dabei handele es sich um eine
Einzelfallentscheidung, betont RP-Sprecher Holm Felber, unter Verweis auf
weitere Widerspruchsverfahren, die vorliegen. Es könne nicht geschlussfolgert
werden, dass auch in anderen Fällen Abrissgenehmigungen erteilt werden.
Die Untere Denkmalschutzbehörde, ohnehin von durch den Stadtrat beschlossenen
Stellenstreichungen verunsichert, signalisiert, ihren bisher mit viel
persönlicher Aufopferung betriebenen Kampf um jedes einzelne Haus aufzugeben.
Von einem Grundsatzurteil, auf das sich künftig auch jeder private Hausbesitzer
berufen kann, spricht Michael Vogel, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde:
„Gleiches Recht für alle.“
Konkret bedeutet das, dass private Hausbesitzer, deren finanzielle Lage viel
angespannter sein dürfte, als die der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) als
städtischer Tochter, ebenfalls ihre Abrissgenehmigung erhalten. Viele
Einzelobjekte seien in einem viel schlimmeren Zustand, als die Häuser auf der
Büchtemannstraße, sagt Vogel. Was der WBG nicht zugemutet werden darf, könne er
auch keinem Privaten zumuten.
Während es der WBG um den Abriss von Häuserzeilen geht (und vor allem die Stadt
notfalls eingreifen kann), könnten private Hausbesitzer den Abbruch einzelner
Gebäude verlangen: „Die machen uns die Stadt zu einem Schweizer Käse“, sagt
Vogel, der schon Abrissgenehmigungen für den Hirschwinkel, die
Heilige-Grab-Straße und die Zeppelinstraße befürchtet.
WBG-Geschäftsführer Gerd Kolley bestätigt zwar Abrisspläne für insgesamt 300
Häuser, darunter auch weitere, die unter Denkmalschutz stehen. Aber er wehrt
sich gegen den Eindruck, das Konzept für den Stadtumbau dadurch zu unterlaufen.
„Der Stadtrat hat beschlossen, dass in der Südstadt 2 000 Wohnungen vom Markt
genommen werden. Was soll ich abreißen, wenn nicht die leer stehenden Häuser?“
Kolley sieht sich von Denkmalschützern zu Unrecht stigmatisiert. „Wir sind die
einzigen, die wirklich Stadtumbau betreiben.“ Und der sei darauf angelegt,
langfristig die Innenstadt zu beleben. Vor einem Ausspielen vom Denkmalpflege
und WBG warnt Architekt Wolfgang Kück, Stadtratskandidat der Bürger für Görlitz:
Die Formel, Kolley raubt der Stadt die Identität und Vogel verhindert die
Wirtschaftlichkeit, tauge nichts.
Kolley versichert indessen, dass er für sensible Objekte wie am Fischmarkt keine
echten Abrisspläne hat. „Hier wollte ich die Stadt in erster Linie auf unsere
Probleme aufmerksam machen.“
Auch für CDU-Stadtrat Stephan Lechner ist das Ganze eine gesamtgesellschaftliche
Frage: Wie kann die Allgemeinheit mit Blick auf schrumpfende Fördertöpfe etwas
erhalten, was für den Einzelnen nicht finanzierbar ist? Stadtumbau und
-entwicklung würden Schwerpunkte des neuen Stadtrates sein, betont Lechner. „Die
neue politische Führung der Stadt muss diesen Prozess moderieren“, sagt auch
Kück.
Einen Präzedenzfall sieht er in der Entscheidung des Regierungspräsidiums nicht:
Die Abrissgenehmigung stärke zwar die WBG-Position, aber „die können, sie müssen
nicht abreißen“. Wenn die Stadt im Aufsichtsrat gegen den Abriss stimme, muss
die WBG dem folgen. „Aber wir dürfen Kolley mit seinen Problemen nicht allein
lassen.“
www.sz-online.de
07.06.2004
Bad Berka: Frühere Brache sinnvoll genutzt
Seit vier Jahren schon bemüht sich die Stadt Bad Berka, das Areal
rund um die sechs Plattenbauten an der Blankenhainer Straße attraktiver zu
gestalten. Mit dem Bau eines neuen Parkplatzes, der sich am südöstlichen Rand
des Wohngebietes in einem Bogen an die Straße schmiegt, ist sie dabei erneut ein
gutes Stück vorangekommen.
Froh sind vor allem die Anwohner: Ist doch nicht nur eine verwilderte Brache vor
ihren Fenstern verschwunden, sondern auch Platz für 43 Pkw in einem Bereich
geschaffen worden, in dem Parkmöglichkeiten zumindest nach Feierabend und am
Wochenende so knapp sind wie Bananen zu DDR-Zeiten. Die sauber eingefassten
Parkplätze sollen demnächst noch von viel Grün gerahmt werden, kündigte am
Freitag anlässlich der Übergabe Christine Meißner von der DSK in Weimar an - sie
betreut die Sanierungsgebiete in der Kurstadt und deren Ortsteilen Tiefengruben
und Tannroda.
Immerhin 83 400 Euro hat die Maßnahme gekostet, wobei auf die reinen
Bauleistungen rund 77 000 Euro entfallen. Sowohl die Planung als auch die
Ausführung lagen in den Händen hiesiger Firmen: Den ersten Part übernahm das
Architekturbüro Seidel & Seidel aus Weimar, den zweiten die in Umpferstedt
ansässige Eurovia GmbH. Der Löwenanteil der Kosten, nämlich 75 Prozent, kam aus
dem Landesprogramm für städtebauliche Erneuerung in Gebieten der Block- und
Plattenbauweise, in die übrigen 25 Prozent teilten sich die
Wohnungsbaugenossenschaft und der Eigenbetrieb Kommunale Wohnungen als
Eigentümer der sechs Blöcke. Sie haben auch je ein Viertel der anderen
Bauprojekte übernommen, die bisher in Angriff genommen wurden: die Erneuerung
von Fußwegen und Straßenbeleuchtung sowie den Umbau des alten Trafohäuschens zu
einem Reparaturstützpunkt für insgesamt 127 693 Euro (2000 und 2001) plus die
Erneuerung der Containerstellplätze für 50 000 Euro im Vorjahr. Verständlich,
dass sich die Anwohner des Wohngebietes Solesmeser Straße stiefmütterlich
behandelt fühlen: Doch seit 2001 wurden die Förderanträge der Stadt für dieses
Areal nur abgelehnt. Letzte Hoffnungen setzt Bad Berka deshalb jetzt auf das
Bund-Landes-Programm: "Stadtumbau Ost".
www.tlz.de
07.06.2004
Gera: Sanierung in der Kiefernstraße holt Leben in Lusans
Zentrum
Damit ist der Anfang beim Umbau dieses Quartiers gemacht. "Aus
vier Blöcken machen wir zwei", sagt Uwe Klinger, Vorstand der
Wohnungsbaugenossenschaft "Glück Auf". Er erläutert, dass der Stadtumbau nicht
der Abrisse wegen betrieben wird, sondern letztlich eine Aufwertung des
Wohnumfeldes zum Ziel hat. Das beginnt bei den Wohnungen selbst, die in zwölf
Varianten nach dem Wunsch der Genossenschafter zugeschnitten wurden, setzt sich
mit dem Einbau des Fahrstuhls fort und gipfelt in der Gestaltung der
Außenanlagen. Jene auf der Hauseingangsseite sollen noch 2004 ein neues Gesicht
erhalten, wenn dafür Städtebaufördermittel bewilligt werden.
Der zweite Bauabschnitt begann unterdessen im März 2004. Eingang für Eingang
wird der Block Kiefernstraße 25 bis 35 bis Anfang Oktober saniert.
Voraussichtlich im Juli soll dafür auch der Block 14 bis 24 abgerissen werden.
Damit entsteht mehr Abstand zur Kreuzung Nürnberger/Zeulsdorfer Straße, der Luft
und Licht bringt und die Öffnung des Giebels des angrenzenden Hauses für Balkone
und Fenster ermöglicht. Diese architektonische Neugestaltung rahmt dann den
sanierten Komplex ein. Die Planungen zum Umbau der Platte stammen aus dem Geraer
Büro Euen, Wolf & Winter. Schließlich soll auch das Haus Kiefernstraße 12 bis 24
weichen, der mittlere der drei Blöcke im Hintergrund.
"Alle unsere Wünsche sind in Erfüllung gegangen", schwärmt Genossenschafterin
Gabriele Jähnert. Sie und ihr Mann Hans-Joachim gehören zu den drei
Mietparteien, die bis zur Sanierung ausharrten und aus der Übergangswohnung
zurückkehrten. Eine Eckbadewanne und Dusche im durch den Anbau vergrößerten Bad
gehörten zu ihren Sonderwünschen. Mit dem Anbau bekam das Bad sogar ein Fenster
und steht der Esstisch in einem Verbindungsraum zwischen Stube und Küche jetzt
hinter einer großen Fensterfront. "Dass die Miete steigt, wussten wir", sagt die
52-Jährige.
Für beide Häuser nimmt die Genossenschaft bei einem Gesamtaufwand von rund 5,2
Millionen Euro Fördermittel des Landes in Anspruch. Damit steht fest, dass die
Kaltmiete pro Quadratmeter 4,50 Euro im Durchschnitt nicht übersteigen darf.
www.otz.de
04.06.2004
Land Brandenburg: Preis für attraktive Einkaufsmeile
Im Landeswettbewerb "Attraktiver Standort Innenstadt" hat
Bauminister Frank Szymanski (SPD) gestern in Cottbus die Preise verliehen. Zu
den elf ausgezeichneten Städten des Landes gehört auch Wittenberge.
Eine Jury ermittelte die Sieger aus 63 Beiträgen von 40 Städten. "Attraktive
Innenstädte brauchen gute Vorbilder als Impulse für ihre Zukunft", sagte der
Minister beim 2. Innenstadtforum Brandenburg. Im Anschluss gründete sich eine
kommunale Arbeitsgemeinschaft, die sich für die Stärkung der Innenstädte
einsetzen will.
Bei dem Ende 2003 vom Ministerium für Stadtentwicklung gestarteten
Landeswettbewerb ging es um gute Beispiele für bürgerschaftliches Engagement zur
Belebung der Innenstädte und um Aktivitäten zur Stärkung der städtischen
Funktionen. Die elf Preisträger erhielten Prämien in Höhe von insgesamt 30 000
Euro. Die Jury entschied sich neben Wittenberge für erfolgreiche Projekte in
Luckenwalde, Zehdenick, Fürstenwalde, Calau, Ketzin, Frankfurt (Oder),
Angermünde, Treuenbrietzen, Eberswalde und Potsdam-Babelsberg.
Wittenberge wurde für den Aufbau einer attraktiven Bummel- und Einkaufsmeile
geehrt. Wie der stellvertretende Bauamtsleiter, Hubert Mackel, betonte, wurde
der Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung bereits 1996 mit dem
städtebaulichen Wettbewerb gelegt. Ein weiterer Meilenstein war das EU-Programm
ZiS (Zukunft im Stadtteil), das beträchtliche Fördermittel locker machte.
Seit 1991 seien rund 1,25 Milliarden Euro in die Entwicklung der
brandenburgischen Städte geflossen, berichtete Szymanski. Davon entfielen allein
400 Millionen auf die Sanierung von Städten mit historischen Stadtkernen. "Unser
Ziel ist es, den Trend zum Umzug auf die grüne Wiese zu stoppen." Der
SPD-Politiker kündigte an, dass der "Stadtumbau Ost" im Land Brandenburg bis
2009 mit mehr als 400 Millionen Euro unterstützt wird. Diese Mittel stehen
zusätzlich zu den klassischen Programmen der Städtebauförderung bereit.
In der neuen Arbeitsgemeinschaft "Innenstadtforum Brandenburg" sind Städte
vereint, die sich besonders auf die Entwicklung ihrer Citys konzentrieren. Die
Akteure des Forums wollen angesichts knapper Kassen nach neuen Wegen und
Lösungen jenseits finanzieller Unterstützungen suchen.
www.svz.de
04.06.2004
Sachsen: Häuser auf dem Lande verlieren weiter an Wert
Der Markt für privat genutzte Immobilien in ländlichen Regionen
des Ostens steht nach Meinung der Allianz vor dem Zusammenbruch. Hauseigentümern
auf dem flachen Land in Ostdeutschland droht ein hoher Vermögensverlust. „Der
Wertverfall von Häusern in kleinen Dörfern zum Beispiel in der Lausitz ist
dramatisch“, sagte gestern Peter Haueisen, Leiter des Baufinanzierungsgeschäfts
bei der Allianz-Lebensversicherung der SZ. Angesichts von Abwanderung,
Geburtenknick und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit werde es „für Hauseigentümer
auf dem Land zunehmend schwieriger, Geld für Sanierung oder Um- und Neubau zu
bekommen“, so Haueisen.
Auch in den Ballungsgebieten Dresden und Leipzig sei es „zu erheblichen
Wertverlusten von Immobilien gekommen“, sagte Haueisen. Da der Neubau derzeit
„praktisch null“ betrage und zudem Wohnungen abgerissen würden, habe sich der
Markt in diesen Regionen aber der Nachfrage angepasst. „Dort haben wir beim
Preis jetzt ein Stück weit einen Boden gefunden“, sagte der 49-Jährige.
Haueisen erwartet einen Anstieg der Baufinanzierungszinsen bis zum Jahresende
auf durchschnittlich 5,5 bis sechs Prozent. „Die Zinsen liegen damit aber immer
noch deutlich unter dem langfristigen Wert von acht bis 8,5 Prozent.“ 1982 lagen
sie in Westdeutschland laut Allianz-Leben gar bei 10,5 Prozent.
Dem Unternehmen gelang es laut Haueisen trotz des schwierigen Marktes, 2003 in
den neuen Ländern ein „Rekordjahr“ einzufahren – überwiegend durch Umschuldung
bereits bestehender Baukredite. Schon zu Jahresbeginn hatte der führende
Herausgeber von Kalendern für Zwangsversteigerungen, die Argetra GmbH,
festgestellt, dass 2003 in Sachsen so viele Immobilienbesitzer aufgaben wie nie
zuvor.
www.sz-online.de
03.06.2004
Land Brandenburg: Planen für das Schrumpfen
Gutachter: Städte in Südbrandenburg sollen Status verlieren
Mit einer Halbierung der Berufsschulstandorte und der Reduzierung solcher
Ortschaften, die als regional bedeutsam eingestuft werden, soll die Region
Lausitz-Spreewald dem Bevölkerungsschwund begegnen. Das sind die Vorschläge
zweier Gutachten, die gestern in Forst vorgestellt wurden. Bei der Sitzung der
Regionalen Planungsgemeinschaft wurden unter anderem Städtekooperationen
gefordert.
Die Frage, wie der Spreewald und Brandenburgs Teil der Lausitz künftig aussehen
sollen, kommt im Mäntelchen unscheinbarer zungenbrecherischer Bezeichnungen
daher: Die «Regionalversammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft
Lausitz-Spreewald» , ein aus Landräten, Bürgermeistern und sonstigen
Funktionsträgern bestehendes Gremium, debattierte gestern im Forster Kreishaus
über das Gutachten «Zentralörtliche Gliederung» .
Das hört sich zwar dröge an, birgt aber eine Menge politischen Sprengstoff: Das
vom Berliner Regionalplaner ARP erarbeitete Papier ist sogar so brisant, dass
eine Landkarte, die den ARP-Vorschlag zur künftigen Aufteilung Südbrandenburgs
zeigte, kurzfristig aus der Tischvorlage entfernt wurde. Denn laut Gutachten
sollte sich die Region davon verabschieden, wie bisher 50 Orte als wichtige
Zentren mit Versorgungsfunktion in Sachen Kultur, Bildung und Gesundheit für das
Umland anzusehen. Doch an diesem Zentrums-Status hängt für viele Gemeinden die
Begründung für besondere kommunale Angebote – und die Hoffnung auf Fördergelder.
Geht es nach ARP-Geschäftsführer Rötger von Grot, sollen nur 31 bleiben.
Vorschläge dazu sind unter anderem:
Auch Forst und Guben sollen einen Verbund eingehen, da sie ihre bisherigen
Funktionen nach Grots Ansicht auf Dauer «alleine nur sehr schwer oder gar nicht
erhalten können» . Grot plädierte für eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen
polnischen Nachbarn.
Die ehemaligen Kreisstädte Luckau und Calau, die bislang in der Planung noch als
Grundzentren «mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums» firmieren, sollen diesen
Status verlieren.
Ein schmerzhafter Schlag für seine Stadt wäre das, sagte Luckaus Bürgermeister
Harry Müller (parteilos). Trotzdem sei er bereit, an dem neuen Regionalplan
mitzuwirken. Die Bürgermeister von Finsterwalde und Spremberg, Johannes Wohmann
(FDP) und Klaus-Peter Schulze (CDU), drängten angesichts leerer Kassen zur
schnellen Umsetzung. Denn noch basiert die Regionalplanung im Land und der
Region auf der Annahme, dass die Bevölkerung in Südbrandenburg zunimmt, also
auch mehr Krankenhäuser, Schwimmbäder, Schulen und Bibliotheken braucht.
Forscher fürchten aber den weiteren Bevölkerungsaderlass: Die Region dürfte nach
Schätzungen bis 2020 etwa jeden achten jetzigen Bewohner verloren haben.
Nun soll eine Arbeitsgruppe das Gutachten in Handlungsanweisungen für die
Regionalplanung umsetzen. Das wird aber erst ab Herbst passieren, denn die
regionale Planung ist von der im Land abhängig. Auch in Potsdam arbeite man
derzeit intensiv an der Neufassung des Landesentwicklungsplanes von 1993, so der
zuständige Referatsleiter Jan Drews. Erste Ergebnisse liegen nicht vor Herbst
vor.
Noch eine zweite Studie eröffnete den Bürgermeistern in Forst unangenehme
Erkenntnisse: Nach einer Studie des Teltower Instituts für Wirtschaftsforschung
ist die Region im Berufsschulangebot dauerhaft überversorgt: Die Studie rät
langfristig zur Halbierung der jetzt 24 Oberstufenzentren-Standorte (OSZ).
www.lr-online.de
03.06.2004
Hettstedt: Die Abrissbirne schlägt weiter zu
Der Einwohnerschwund in Hettstedt sorgt für leere Wohnungen. Seit
1990 kehrten rund 4 500 Leute der Kupferstadt den Rücken. Etwa 16 500 Einwohner
zählt die Stadt derzeit nur noch. Der Leerstand bei Wohnungsgesellschaft und
Wohnungsgenossenschaft liegt bei etwa 18 Prozent. Tendenz steigend.
"Wir müssen etwas gegen den Leerstand tun", sagt Bauamtsleiter Winfried von
Donat. Und da keine Mieter her gezaubert werden können, bleibe nur eine
Alternative: weiterer Abriss.
In der Händel- und Bachstraße hat die Abrissbirne bereits zugeschlagen und
Wohnblocks verschwinden lassen. Doch das reiche nicht aus, so von Donat. Mehr
als 1 000 Wohnungen sollen bis zum Jahr 2015 noch abgerissen werden.
Das ist jetzt in der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes verankert
worden, dem jetzt im Stadtrat mehrheitlich zugestimmt wurde. Das Konzept dient
als Empfehlung für die Stadtentwicklung. "Wo konkret abgerissen wird, steht aber
noch nicht fest", sagt von Donat.
Um in den Genuss von Fördermitteln aus dem Programm "Stadtumbau Ost" zu kommen,
sei solch ein Konzept notwendig. Wirtschaftlich sei der Erhalt der leer
stehenden Wohnungen überhaupt nicht zu vertreten, betonte Ilona Detzner vom
Stadtplanungsamt.
Sie rechnet vor: Um die Kosten für eine leer stehende Wohnung zu tragen, müsse
man vier vermietete Wohnungen dagegenrechnen. Und dafür die notwendigen
Mieteinnahmen auch wirklich erhalten.
Der höchste Leerstand ist in den Plattenbauten zu verzeichnen. Spitzenreiter
dabei ist das Wohngebiet III mit fast 40 Prozent. Abriss bedeute aber zugleich
die Möglichkeit, das Wohnumfeld neu zu gestalten und dadurch attraktiver zu
machen. "Damit soll auch erreicht werden, dass sich die Leute mit ihrem
Wohngebiet identifizieren", sagt von Donat.
In der Bachstraße zum Beispiel, wo schon ein Block dem Erdboden gleich gemacht
wurde, entstehe eine Grünfläche mit Bäumen und Sträuchern. Der Erholungsfaktor
werde dadurch erhöht, was bei den bewohnern gut ankomme.
www.mz-web.de
03.06.2004
Frankfurt: Neuberesinchen wird halbiert
Es ist 37 Seiten dick, enthält im Anhang zahlreiche
Übersichtskarten und wird Frankfurt in den kommenden Jahren verändern: Die Rede
ist vom Stadtumbaukonzept, das jetzt fortgeschrieben wird und von den
Stadtverordneten am 17. Juni verabschiedet werden soll. Zuvor wird es Thema in
jedem Ausschuss sein, denn eingearbeitet wurden nicht nur die Leerstände und
Abrisslisten, sondern auch Auswirkungen auf Schulen und Kitas. Neu ist, dass so
genannte Abrisspotenzialflächen aufgeführt sind. Halb Neuberesinchen, also der
komplette vierte Wohnkomplex, ist beispielsweise als eine solche Fläche
ausgewiesen. Bis 2010 sollen 7500 Wohnungen abgerissen werden. Danach könnten
noch bis zu 3500 zusätzlich folgen.
Wo eben noch ein Wohnblock stand, sprießt vier Wochen später der frischgesäte
Rasen. 1357 Wohnungen sind in Frankfurt bislang dem Erdboden gleich gemacht
worden. Die Wahrnehmung, dass der Abriss rasant vor sich geht, täuscht nicht.
Denn Frankfurt hat seine Abrisspläne beschleunigt. Bis 2010 sollen jetzt nicht
nur 6500 Wohnungen fallen, sondern 1000 mehr.
Und wer sich die so genannte Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes näher
anschaut, stellt fest: Halb Neuberesinchen und da vor allem der vierte
Wohnkomplex und halb Hansa Nord (Seelower Kehre/Pflaumenweg, Hamburger/Wismarer
Straße) könnten in zehn Jahren nicht mehr stehen. Denn die Planer haben so
genannte Abrisspotenzialflächen ausgewiesen. Alle in diesen Flächen stehenden
Häuser werden bei Bedarf platt gemacht. In der Stadt, so die häufige Kritik von
Menschen, die wegen des geplanten Abrisses umziehen müssen, gibt es keine
Listen, in denen die Gebäude aufgeführt sind, die garantiert stehen bleiben.
"Diese Abrisspotenzialflächen brauchen wir, um auf die Entwicklung reagieren zu
können. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die anderen Gebiete als relativ
bestandssicher gelten", so Baudezernent Peter Edelmann .
Frankfurts Größe steht und fällt mit der Bevölkerungsentwicklung. Bleibt es bei
der so rasanten Talfahrt auch nach 2010, könnten noch einmal zwischen 1200 und
3500 Wohnungen auf die Abrissliste zusätzlich gesetzt werden und dann wird ganz
sicher Neuberesinchen halbiert.
"Objektkonkret", so haben es die Abgeordneten gefordert, sollen jedes Jahr in
Drei-Jahres-Scheiben die Wohnblocks benannt werden, die Monate später nicht mehr
stehen. Diese Abrissliste für die Jahre 2005 bis 2007 soll im Herbst vorliegen.
Ebenfalls zum Jahresende will die Stadtverwaltung aus der langen Wunschliste für
Aufwertungsmaßnahmen eine Prioritätenliste herausgefiltert haben. Die
vorliegenden Vorschläge reichen von der Sanierung des Lichtspieltheaters der
Jugend über Um- und Rückbau der Leipziger Straße bis hin zu
Wohnumfeldgestaltung. Allein es fehlt das Geld.
"Wir haben dieses Liste erarbeitet, weil wir hoffen, dass das Land doch noch
einen Fördertopf auflegt", erklärt Edelmann. Fakt ist, dass die Stadt zwar Geld
bekommt für die Aufwertung von Abrissflächen, es aber derzeit zu etwa 40 Prozent
für die Infrastrukturmaßnahmen einsetzt. Denn die bezahlt (noch) keiner. Sollte
es zusätzliche Förderprogramme für die Umfeldgestaltung geben, sei Frankfurt, so
Dezernatsmitarbeiter Nicolas Ruge, bestens vorbereitet und könne Mittel
beantragen. Wenn bis Jahresende klar ist, wieviel von den 350 000 Euro
Aufwertungsmitteln tatsächlich noch übrig sind, und sich die Abgeordneten
entschieden haben, welche Aufwertungen am wichtigsten sind, könnte losgelegt
werden.
Als Beispiel, dass hier nicht nur abgerissen, sondern auch aufgewertet wird,
musste die Neugestaltung des HEP-Vorplatzes herhalten. Dass diese lange geplant,
nichts mit dem Stadtumbau zu tun hat und aus einem anderen Topf gefördert wird,
störte nicht. Ein weiteres Beispiel hatten Edelmann & Co nicht anzubieten. Wohl
aber den Hinweis, dass auch Umfeldgestaltungen, die aus anderen Töpfen bezahlt
werden, vom Ministerium anerkannt werden.
Neu am Stadtumbaukonzept ist, dass jedes Stadtgebiet betrachtet wurde.
Neuberesinchen soll von der Großsiedlung zum grünen Quartier entwickelt werden.
Wert legt man auf die Stärkung der Wohnkomplexe 1 bis 3 und damit auch des HEP.
Süd soll grünes Rückgrat der Stadt werden und das Zentrum lebendig. Mit "urbane
Achse und Freiraumpole" wurde die Zukunft für Hansa Nord umschrieben.
Eine Übersicht über die Zukunft von Schulen und Kitas ist ebenfalls enthalten.
Darin wird ihr baulicher Zustand eingeschätzt und ob sie Bestand haben.
Jetzt wird das Konzept in allen Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung
öffentlich diskutiert. Eine Sondersitzung hat der Umweltausschuss für den 9.
Juni ab 17 Uhr im Raum 215 des Rathauses anberaumt.Folgende Gebäude sind in der
Dreijahresliste 2004 bis 2006 neu aufgeführt (WE bedeutet Wohnungseinheiten):
Jungclaussenweg 1-4 (43 WE); Baumschulenweg19-22 (48 WE), Große Müllroser Straße
56-63a (96 WE); Fürstenwalder Poststraße 97-99 (36 WE); Baumgartenstraße 1-4 (43
WE); Meurerstraße 4-6 (36 WE); Goethestraße 27-31 (40 WE); Thomasiusstraße 33-35
(32 WE); Baumschulenweg 1-4 und 5-8 (96 WE); Richtstraße 4-9 (60 WE);
Fürstenwalder Poststraße 94-96 (36 WE); Clara-Zetkin-Ring 22-25 (42 WE);
Meurerstraße 1-3 (33 WE); Berliner Straße 25 in Booßen (5 WE); Wimpinastraße 1-6
(64 WE) und Birkenallee 54-57 (40 WE).
www.moz.de
02.06.2004
Großenhain: Wohnungsgesellschaft liegt mit Abriss im Plan
Auf seiner Sitzung vor Pfingsten hat der Großenhainer
Stadtrat den Jahresabschluss 2003 der Großenhainer Wohnungsverwaltungs- und
Baugesellschaft mbH festgestellt. Ihren Geschäftsführer Jürgen Reimitz befragte
Peter Anderson zum Wohnungsabriss und der Entwicklung des Unternehmens.
Herr Reimitz, wie lief das vergangene Jahr für die Wohnungswirtschaft?
Wir hatten 2003 zwei schwere Aufgaben zu lösen. Mittlerweile lässt sich sagen:
Wir haben beide Hürden gut gemeistert. Im Rahmen des Stadtumbau Ost wurden
weitere 108 Wohnungen abgerissen. Und wir haben die wohnungswirtschaftliche
Software modernisiert.
Wo steht Großenhain beim Stadtumbau Ost?
Für unser Unternehmen kann ich sagen: Wir liegen gut im Plan. Bis 2006 wollen
wir rund 400 Wohnungen vom Markt nehmen. 2002 haben wir mit 72 angefangen. 2003
wurden die Häuser Dr.-Külz-Straße 49 bis 65 abgerissen. Das sind weitere 108
Wohnungen.
Was ist für 2004 geplant?
Die Fördermittelbescheide für den Stadtumbau für 2004 liegen uns noch nicht vor.
Wir werden denoch mit den Häusern Dr.-Schweitzer-Straße 19 bis 23,
Dr.-Semmelweiss-Straße 9 bis 13 sowie Dr.-Külz-Straße 67 bis 71 weiter machen.
Das sind 126 Wohnungen, die vom Markt kommen. Auch bei der Wohnumfeldgestaltung
geht es voran: Die Robert-Koch-Straße 1 bis 15 ungerade und die Villastraße 1
bis 5a sind angefangen. Dort werden Wege befestigt, Sitzgruppen und neue
Wäschegerüste aufgestellt. Zwei weitere Projekte sind in der Planungsphase.
Sind die 2004 für den Abriss vorgesehenen Wohnungen frei gezogen?
Nach aktuellem Stand gibt es lediglich für vier Mieter, von den insgesamt 220
bis 2006 vom Rückbau betroffenen Mietparteien, noch keine Lösung. Dort bemühen
sich unsere Mitarbeiter weiter.
Wie schwierig war die Freilenkung der Abriss-Wohnungen?
Hinter den Zahlen verbergen sich Einzelschicksale. Menschen, die an ihrem
gewachsenen Wohnumfeld hängen. So ein Prozess geht nie völlig reibungslos ab.
Wir können es nicht allen recht machen. Letztlich sind daraus nur zwei Klagen
vor Gericht entstanden. 80 Prozent der Betroffenen haben uns versichert, sie
würden gern als Mieter bei der GWVB bleiben. Das werte ich als Vertrauensbeweis.
Wir sind allerdings nur eine kleine Gesellschaft und konnten lediglich 50
Prozent der Nachfragen befriedigen.
Trotz der Fördermittelbescheide haben Sie bei der Stadt als Ihrem Gesellschafter
um ein Darlehen von 500 000 Euro nachgefragt. Wieso das?
Nehmen Sie die Häuser Semmelweiss-Straße 9 bis 13. Die werden Anfang August
vollständig leer sein. Lassen wir sie weiter stehen, kostet uns das Grundsteuer,
Versicherung, Wärmeversorgung und vieles mehr. Deshalb haben wir uns
entschlossen, den Abriss vorab zu finanzieren. Dazu brauchen wir den Kredit. Die
Fördergelder sind möglicherweise erst im nächsten Jahr zu erwarten. Eigenes
Kapital, um in Vorleistung zu gehen, haben wir nicht mehr. Wir müssen jeden Cent
dreimal umdrehen. Die Leistungen für unsere Mieter würden dann noch weiter
leiden.
Bis 2010 ist das Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost angelegt. Kommt dann für
Sie das große Aufatmen?
Ich befürchte nein. Wir rechnen damit, dass dann bereits die nächste
Rückbau-Aktion geplant werden muss. Das wird für unsere Gesellschaft kritisch.
Da die öffentlichen Gelder immer knapper werden, muss die Förderung anders
aussehen. Vielleicht sollte nochmals über die Altschulden diskutiert werden.
Sie erwähnten anfangs die Software-Umstellung als ein wichtiges Ergebnis der
Arbeit im vergangenen Jahr. Was hat es damit auf sich?
Die Mieterverträge, die Betriebskostenabrechnung und alle anderen
wohnungswirtschaftlichen Anwendungen laufen jetzt über eine neu Software. Die
Lizenz war wesentlich günstiger als der alte Vertrag. Das sind Einsparungen, die
dann wieder unseren Mietern zugute kommen.
www.sz-onlin.de