Newsticker Archiv Juni 2004

zurück NEWS

28.06.2004
Deutschlands Misere in europäischer Perspektive
Dieses europäische Deutschland erfährt allerdings zurzeit ein schmerzliches Erwachen aus seinem kurzen Traum immerwährender Prosperität. Symptom dafür ist eine neue «Deutschland erwache!»-Literatur. «Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmass», schreibt Frank Schirrmacher in seinem Bestseller «Das Methusalem- Komplott», von dem inzwischen mehr als 350 000 Exemplare verkauft worden sind, und vergisst dabei, dass ein Grossteil der nichteuropäischen Menschheit sich von dem Gegenproblem, nämlich der Überbevölkerung, bedroht sieht; und er fährt fort (und das ist nicht ironisch gemeint): «Wir (das heisst: die Deutschen) müssen das Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen.»Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Nicht nur einzelne Länder, ganz Europa erlebt einen dramatischen Geburtenrückgang. Wenn man den bisherigen Trend fortschreibt, wird die europäische Population bis zum Jahre 2050 um mehr als 15 Prozent geschrumpft sein und sich in 100 Jahren halbiert haben. Von allen europäischen Ländern weist nur Albanien eine Geburtenrate auf, die die Bevölkerungszahl auf konstantem Niveau reproduziert. Europa altert, und zwar dramatisch. Bei Schirrmachers urdeutscher Welt- Nabelschau-Perspektive tritt gar nicht erst in den Blick, worin der politische Schock, der diesem Kontinent bevorsteht, gipfelt, nämlich in der Einsicht, dass es letztlich nur eine Lösung gibt: die Einwanderung. Europa verfügt ja über einen Fundus von jungen Menschen, die einen besseren Lebensstandard anstreben, denn es ist von Ländern umgeben, deren Geburtenrate mehr als doppelt so hoch ist wie diejenige im europäischen Durchschnitt. Das Problem ist, dass fast alle diese Länder muslimisch sind. Und nicht nur das: Unmittelbar am Rande der EU, genau genommen zwischen der EU und dem Irak, existiert ein Land, das einen begründeten Anspruch auf die Mitgliedschaft in der EU hat: die Türkei.Damit treffen natürlich zwei gegensätzliche Imperative aufeinander: Auf der einen Seite muss die Europäische Union ihre Grenzen offen halten und eine entsprechende Migrationspolitik auch in den neuen Beitrittsländern durchsetzen. Auf der anderen Seite schürt das Neonationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Schon jetzt sehen sich sogar die Mitte-Links-Regierungen dazu gezwungen, rechtspopulistische Themen zu absorbieren, um Wahlen zu gewinnen. Die Frage, die sich der europäischen Politik stellt, lautet dementsprechend: Wie soll dieser Widerspruch zwischen Inklusionsnotwendigkeit und Exklusionsrhetorik aufgelöst oder doch wenigstens kanalisiert werden? Dabei wird Europa durch zwei Faktoren paralysiert - nach den Terrorattentaten vom 11. September 2001 in New York und vom 11. März 2004 in Madrid treffen die Sicherheitsfragen gerade die muslimischen Kulturen, aus denen sich legale und illegale Arbeitsmigranten rekrutieren; das aber wiederum schürt Fremdenängste, die das Wählerverhalten beeinflussen. Von Österreich bis Australien werden Wahlen mehr und mehr mit den Themen eines protektionistischen Neonationalismus gewonnen.Daran kranken die neuen deutschen Untergangs-Bestseller: Man dramatisiert kleindeutsche Weltprobleme und sucht nach kleindeutschen Antworten für dieselben. Viele Deutsche gucken mit grossen Sorgenaugen in die Welt, scheinen geradezu verliebt zu sein, sich selbst zu geisseln. Doch auch diese Lust am Untergang macht wirklichkeitsblind: Weder ist der Bevölkerungsrückgang das nationale Problem einzelner Gesellschaften (wie das bis jetzt sowohl bevölkerungswissenschaftlich als auch öffentlich-politisch diskutiert wird, im Banne des «methodologischen Nationalismus»), noch kann es im nationalen Alleingang angemessen gelöst werden. Wohin man schaut, dieselbe Situation überall in Europa. Die Überalterung droht, die Rentensysteme funktionieren nicht mehr, aber die notwendigen Reformen werden durch den organisierten Widerstand der betroffenen Gruppen blockiert. Ein wichtiger Schritt vorwärts aus dieser Falle könnte darin liegen, den Zusammenhang von Bevölkerungsrückgang, alternder Gesellschaft, notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme und einer gezielten Migrationspolitik als ein europäisches Problem zu definieren und kooperativ zu bearbeiten. Alle Regierungen, die sich in der nationalen Sackgasse mit Scheinlösungen begnügen müssen, können davon profitieren: Angenommen, es würde ein EU-Konzept entwickelt und verabschiedet, wie die Probleme Alterssicherung und Migration angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung angegangen werden können und sollen. Dieses Vorhaben würde die nationalen Regierungen entlasten. Auf der einen Seite entstünde ein Bewusstsein dafür, dass es sich gerade nicht um ein nationales Versagen handelt, sondern um Fragen, die alle europäischen Gesellschaften und Regierungen auf die eine oder andere Weise zu beantworten gezwungen sind. Auf der anderen Seite erlaubte dies nationalen Regierungen, sich mit europäischen Argumenten zu wappnen. Dies setzt allerdings ein realistisches Selbstbild der Gesellschaften Europas voraus, ein Selbstbild, das nationale, regionale, ethnische und religiöse Vielfalt bejaht. Kulturelle Diversität ist nichts Beängstigendes, sondern etwas Erstrebenswertes, ein Wert. Je mehr Kulturen beispielsweise in Deutschland nebeneinander wohnen, desto kulturell lebendiger und reicher ist Deutschland, ja, desto deutscher ist Deutschland. Dies hat sicher nicht zuerst, aber wahrscheinlich zuletzt Thomas Mann formuliert: Es gehört - schreibt er - «beinahe zur deutschen Humanität . . ., sich undeutsch, und selbst anti-deutsch, aufzuführen; dass eine den Nationalsinn zersetzende Neigung zum Kosmopolitischen nach massgeblichem Urteil vom Wesen der deutschen Nationalität untrennbar ist; dass man seine Deutschheit möglicherweise verlieren muss, um sie zu finden, dass ohne ein Zusatz von Fremden vielleicht kein höheres Deutschtum möglich» ist. Weltoffene Gesellschaft heisst: Die Welt verwandelt Deutschland.Dahinter verbirgt sich auch die neue Logik des kosmopolitischen Realismus: Gerade die dringenden nationalen Probleme bedürfen zu ihrer Lösung der globalen Kooperation. Anders gesagt, dauerhafte Kooperation zwischen Staaten verhindert nicht, sondern erhöht deren Handlungsfähigkeit. Paradox formuliert: Souveränitätsverzicht erweitert Souveränität. Das ist, nebenbei gesagt, das Erfolgsgeheimnis der Europäischen Union. Wer dagegen den untauglichen Versuch unternimmt, sich national abzuschotten, gefährdet die eigene Prosperität und demokratische Freiheit. Denn Reichtum und Wirtschaftswachstum, die Bewältigung der Arbeitslosigkeit und die Stabilität der Demokratie setzen Weltoffenheit voraus.
www.nzz.ch

28.06.2004
Görlitz: Patenschaften für abrissgefährdete Gebäude
Gegen den von der städtischen Wohnunungsbaugesellschaft (WBG) geplanten Abriss bisher denkmalgeschützter Bausubstanz in Görlitz will sich der Verein „Ideenfluss“ mit einer Petition an den Sächsischen Landtag wehren.
Den vom Regierungspräsidium Dresden bestätigten Abrissantrag für die Häuser Büchtemannstraße 1 bis 17 stellt Birgit Beltle, Vorsitzende des Vereins „Ideenfluss“, in Frage: Die Entscheidung widerspreche geltendem Recht. Die Aufsichtsbehörde habe für ihre Begründung einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg von 1976 angeführt, der für Sachsen nicht anwendbar sei, da er dem Denkmalschutzgesetz widerspreche.
Konkret geht es darum, ob und wenn ja, in welchen Gebieten Denkmale aus wirtschaftlichen Gründen abgerissen werden dürfen. Kommt es zum Abbruch auf der Büchtemannstraße sei weiteren Abrissen Tor und Tür geöffnet, fürchtet Beltle: „Jedes Denkmal ist gleichrangig.“ Es spiele keine Rolle, ob es aus den 30er Jahren stamme oder 500 Jahre alt sei. Wenn der Stadtrat zulasse, dass die WBG die Häuser Büchtemannstraße, die für relativ wenig Geld saniert werden könnten, aus wirtschaftlichen Gründen abreißen darf, sei es künftig kein Problem, Abrissgenehmigungen für das Gründerzeitviertel oder die Altstadt zu erhalten, fürchtet sie. Man könne dann leer stehende Gebäude kaufen und mit dem Abbruch Geld verdienen, was wohl Absicht der WBG sei. Beltle hegt den Verdacht, dass in der Büchtemannstraße lukratives Bauland geschaffen werden soll.
Unverständlich sei, dass in der Innenstadt und nicht in Königshufen abgerissen werde. In den Plattensiedlungen sollte im Zuge des Stadtumbaus ein gezielter Rückbau stattfinden. In der Realität werde aber investiert, würden Fahrstühle angebaut und von der Einwohnermeldestelle der Zuzug nach Königshufen forciert. Beltle fordert Bürger, Institutionen und Betriebe auf, Patenschaften für abrissgefährdete Gebäude zu übernehmen.
www.sz-online.de

27.06.2004
Nordrhein-Westfalen: fördert den Stadtumbau mit Hilfe von Bürgerprojekten
Mit einem Landesprogramm "Initiative ergreifen" sollen in Nordrhein-Westfalen Bürgerprojekte gefördert werden, die "neue Arbeit schaffen und die Lebensqualität in Stadtteilen, Siedlungen und Wohnquartieren verbessern" sollen. Das hat Manfred Morgenstern, Staatssekretär im NRW-Städtebauministerium, vor Bürgergruppen und Kommunen auf dem Düsseldorfer Kongress "Bürger machen Stadt" angekündigt. So werden bis Ende 2005 neun Projekte in Büren, Dortmund, Düren, Duisburg, Moers, Remscheid und Wuppertal mit 6,1 Mio. Euro gefördert. Insgesamt wurden bereits 21 Projekte in 18 Städten mit einer Fördersumme von 22,9 Mio. Euro unterstützt.
So wandelte sich beispielsweise eine ehemalige Rohrmeisterei in Schwerte zur Stadthalle, eine denkmalgeschützte Schule in Castrop-Rauxel zur Kindertagesstätte und ein Vereinshaus und ein verwahrloster Bahnhof in Essen-Kettwig zum Bürgerzentrum für Sport, Gesundheit und Kultur. Eine Textilfabrik in Wuppertal wurde zum Zentrum für Existenzgründer. Laut Morgenstern wurden die Kosten jeweils zu 80 Prozent vom Land und in der Regel zu 20 Prozent von den Bürgern selbst aufgebracht.
Mehr zum Thema: "Bürger machen Stadt. Zivilgesellschaftliches Engagement in der Stadterneuerung - ein Projektbuch", 15 Euro, startklar.projekt.kommunikation, Dortmund.

www.welt.de

25.06.2004
Sachsen-Anhalt: Sozial schwache Mieter in unsanierte Plattenbauten?
Die Idee der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft LWB, sozial schwache Mieter in unsanierten Plattenbauten unterzubringen und dies in einem einzigen Stadtteil zu konzentrieren, hat in Sachsen-Anhalt gegensätzliche Reaktionen hervorgerufen. Jost Riecke, Direktor des Landesverbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, hat Verständnis für das Vorgehen der Leipziger.
"Wenn ich ein Unternehmen wie die LWB hätte, das Chancen besitzt, den Leerstand durch Vermietung senken zu können, würde ich darüber nachdenken", sagt er. "Betriebswirtschaftlich ist das Leipziger Vorhaben sinnvoll", fügt er hinzu um gleichzeitig zu erklären: Ein Musterbeispiel ist das aber nicht. Es könne ohnehin nur für große Gesellschaften gelten , sagt Riecke.
Die Leipziger LWB, der größte Vermieter der sächsischen Großstadt, bereitet sich nach Berichten der örtlichen Presse auf die Folgen des Reformgesetzes Hartz IV vor, in dem sie tausende unsanierte Plattenbau-Wohnungen auf den Markt bringen will. Die Wohnungsmanager gehen davon aus, dass durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen und Sozialhilfe mit deutlich sinkenden Einkommen gerechnet werden muss. Ursprünglich sollten die betroffenen Häuser abgerissen werden.
Doch 12000 Quartiere dieser Kategorie wurden inzwischen aus dem Abrissprogramm genommen. Sie sollen noch mindestens zehn Jahre am Markt bleiben. Außerdem will das Unternehmen in den nächsten Jahren bis zu weitere 5000 Wohnungen preisgünstig aus Zwangsversteigerungen hinzu kaufen, um das Billig-Angebot aufstocken zu können.
Die ersten Häuser mit Billig-Wohnungen sind bereits ausgewählt. Sie befinden sich ausschließlich am Rande der Stadt, im Plattenbau-Gebiet Grünau. Die Wohnungen sollen für drei Euro pro Quadratmeter, teilweise auch für weniger angeboten werden.
Bei der Halleschen Wohnungsgesellschaft HWG ist man auf Bezieher von Arbeitslosengeld als Mieter vorbereitet. Der Aufsichtsrat habe sich damit beschäftigt. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass 5400 unsanierte Plattenbauwohnungen an drei verschiedenen Standorten dafür geeignet wären, sagt HWG-Geschäftsführer Heinrich Wahlen. Allerdings seien diese Wohnungen - anders als in Leipzig - nie für den Abriss vorgesehen gewesen. "Der Stadtumbau Ost darf davon nicht berührt werden", so Wahlen. Es müsse weiterhin eine soziale Mischung von Mietern geben, soziale Brennpunkte müssten unbedingt vermieden werden, erklärt der HWG-Chef.
Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre betrachtet diese Pläne mehr als skeptisch. Private Gesellschaften könnten ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien handeln, räumt er ein. Das gelte aber nicht für kommunale Unternehmen, schränkt er sofort ein. Städte müssten Gesellschaften, die ihnen gehören, solche Vorhaben verbieten", fordert der CDU-Politiker. Wer so handelt verabschiede sich vom Stadtumbau, fördere Ghettobildung und Verslumung, prophezeit er. Daehre fordert seit langem, dass Mieter wie auf dem Auto- so auch auf dem Wohnungsmarkt zwischen Polo und Mercedes wählen können. Doch das dürfe nicht dazu führen, dass sie in Stadtgebieten entsprechend ihrer sozialen Lage sortiert werden, sagt er. Gegen Ausgrenzung
Es müsse einen Mix von Bewohnern, aber keine soziale Ausgrenzung geben. Daehre sieht in Leipzig sogar das Grundgesetz in Gefahr. Das erkläre die Menschenwürde für unantastbar, erinnert er. Das müsse auch für jene gelten, die zeitweilig auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, so Daehre.

www.mz-web.de

25.06.2004
EU-Vergleich: Schwerin verliert zu viele Bürger
Bei Einwohnerschwund europaweit auf Platz 4
Schwerin gehört zu den europäischen Städten mit dem stärksten Bevölkerungsrückgang. Die Landeshauptstadt verlor im Durchschnitt 2,7 Prozent ihrer Einwohner. Dies ist Platz vier im EU-Vergleich, geht aus einer fünfjährigen Studie hervor, die das Europäische Statistikamt Eurostat gestern in Brüssel veröffentlichte.
Auch andere Städte in den neuen Bundesländern leiden demnach besonders stark unter Einwohnerschwund. Angeführt wird die Liste allerdings vom slowenischen Maribor, das im Durchschnitt 3,1 Prozent seiner Bürger verlor. Darauf folgen aber schon Halle mit drei sowie Frankfurt (Oder) und Schwerin. Magdeburg steht mit einem Minus von 2,3 Prozent an sechster Stelle dieser Negativliste.
Die bevölkerungsreichste Stadt Europas ist der Großraum London mit 7,2 Millionen Einwohnern, gefolgt von Paris mit 6,2 Millionen. Berlin steht mit 3,4 Millionen Menschen an dritter Stelle.
www.svz.de

23.06.2004
Sebnitz: „Dort war früher mal der OP-Saal“
Auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses von Sebnitz geht es voran, mit dem Abriss. Doch der bringt zweifelsohne Hoffnung für die Sebnitzer. Fürchtete man doch, über lange Zeit eine weitere leere Immobilie im Stadtgebiet zu haben. Und so wird das Treiben auf der Neustädter Straße auch neugierig beäugt.
Josef Werner kommt fast täglich hierher. „Das ist wirklich interessant, eigentlich schon faszinierend, wie so ein riesiger Komplex demontiert wird. Dort oben war übrigens mal der OP-Saal. Dort habe ich selbst gelegen“, schwelgt Josef Werner in Erinnerungen. Aber er findet es gut, dass mit dem Gebäude endlich etwas passiert. Fenster und Türen wurden bereits ausgebaut, Zwischenwände abgerissen, und auch die ersten Mauern fallen mittlerweile. Die Arbeiten liegen voll im Plan, sagt Rita Seidel, die stellvertretende Chefin vom Arbeiter-Samariter-Bund Neustadt. Die Organisation will im ehemaligen Krankenhaus von Sebnitz ein Pflegeheim mit 36 Plätzen einrichten, dazu zwölf Plätze in der Kurzzeitpflege. Außerdem wird geprüft, ob hier auch eine Gruppe für Demenzkranke eingerichtet werden kann.
er Abriss wird zu einem Großteil aus dem Programm Stadtumbau Ost gefördert und damit von Sebnitz unterstützt. Schließlich ist die Stadt froh über die Lösung an der Neustädter Straße. „Wir werden das Vorhaben, welches einerseits Investitionen und Arbeitsplätze bringt, andererseits die Pflegesituation deutlich verbessert, nach Kräften unterstützen“, verkündete der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) im April. Und damit wurden dann auch die Weichen gestellt. Die Stadträte gaben ihr Okay für die Fördermittel. Und der Abriss konnte beginnen.
Der Arbeiter-Samariter-Bund lässt das ehemalige Hauptgebäude auf seine ursprüngliche Größe zurückbauen, alte Anbauten und das ehemalige Wäschereigebäude werden abgerissen. „Die Front Richtung Marktplatz, also das eigentlich Prägende an diesem Bau, bleibt erhalten“, weiß Rita Seidel. Noch bis 30. November dominiert der Abriss. Die Betreiber des künftigen Pflegeheimes arbeiten parallel am Finanzierungskonzept. „Aber wir sind da recht zuversichtlich und schon ziemlich weit.“ Die Baukosten belaufen sich nach ersten Schätzungen auf etwa drei Millionen Euro. 2005 soll dann mit dem eigentlichen Bauwerk begonnen werden. Erst Mitte 2006 könnte nach groben Planungen des ASB das neue Pflegeheim bezugsfertig sein.
www.sz-online.de

23.06.2004
Wittenberge: Sanierung mit Blick auch für Details
Nicht besonders ansehnlich ist das Eckgebäude, das 1958 im Stil des "Nationalen Traditionalismus" für Nähmaschinenwerker auf den Mauern einer Kriegsruine errichtet worden war. Die Perleberger Straße 30 hingegen kann man schon als vorzügliches Beispiel gründerzeitlichen Bauens bezeichnen. "Die wohlproportionierte Stuckfassade hat fünf Schmuckfelder, die in der sogenannten Sgraffito-Technik gestaltet sind. Ein für die Elbestadt einmaliges, auch regional überaus seltenes Beispiel für den hohen Stand der dekorativen Kunst um 1900", schreibt Architekt Stefan Kunzemann in einem Gutachten für die Stadt.
"Uns war klar, dass man diese prägende Ecke nicht abreißen kann", erklärt Torsten Diehn als Geschäftsführer des Eigentümers Wohnungsbaugesellschaft. Also Aufwertung in der Innenstadt, aber sichtbar. Die WGW plante, beantragte Fördermittel, die natürlich nur begrenzt kamen, denn das Objekt liegt nicht im Sanierungsgebiet.
Die Seitenflügel wurden abgerissen, übrig blieben 13 großzügige Wohnungen mit verschiedensten Grundrissen, die bis auf zwei bereits vermietet sind - mit Mietern von 17 bis 94. Und alle können sich über Terrasse oder Balkon über dem freien, begrünten Hof freuen. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss sind normgerecht behindertengerecht.
Insgesamt 765000 Euro, teilweise gefördert, fließen in den Komplex, der fast ausschließlich von örtlichen Firmen realisiert wird und der zweifellos die belebte Innenstadtecke aufwertet - wenn da nicht die gegenüberliegende Brache wäre, die als wilder Parkplatz genutzt wird. "Wir haben mit dem Eigentümer einen Pachtvertrag vereinbart und werden dort die Stellplätze für unsere Mieter und anliegende Geschäfte einrichten", so Diehn.
Bis Ende nächster Woche werden die Arbeiten der Stukkateure an den Schmuckelementen noch dauern, die nachempfunden bzw. restauriert werden und vom Stolz der einstigen Malerwerkstatt Otto Kunze auf dem Hof künden, der das Mietshaus an der Straße 1891 errichten ließ.

www.svz.de

22.06.2004
Wismar: Präsentation und Podiumsdiskussion zum Stadtumbau
Seit einigen Jahren ist deutlich geworden, dass Abwanderungen und eine zu geringe Anzahl an Geburten die Entwicklung der Städte und Dörfer stark beeinflussen und zu planungsrelevanten Veränderungen führen. Der Einwohnerrückgang vor allem in den größeren Städten aber auch in vielen Dörfern hat zu enormen Leerständen geführt, auf die der Stadtumbau nun reagieren soll.
Auf die Anforderungen, die sich daraus für die zukünftigen Architekten ergeben, wird am Fachbereich Architektur der Hochschule Wismar seit längerem reagiert. In einer Lehrveranstaltungsreihe im Fachgebiet Stadt- und Gebäudesanierung wurde für Masterstudenten die Frage der ganzheitlichen Stadtentwicklungsplanung in der schrumpfenden Region zu einem Arbeitsschwerpunkt. Mit Vorlesungen, Seminaren und Exkursionen sowie vertiefenden Konsultationen wurde eine Semesterarbeit begleitet, in der sich die Studierenden mit Fragen der Abstimmung unterschiedlicher Interessenvertreter in diesem Planungsprozess auseinandersetzen.
Im Stadtumbau sind verschiedenste Akteure involviert, die der Planer zu berücksichtigen hat und deren Interessen abgewogen und ausgeglichen den Stadtentwicklungsprozess gestalten müssen. Zu diesen Beteiligten bzw. Betroffenen gehören neben den Wohnungsunternehmen und privaten Haus- bzw. Wohnungseigentümern auch Verkehrsbetriebe, Stadtwirtschaftsbetriebe und Energieversorger, städtisch betriebene Schulen, Kindergärten und andere Infrastruktureinrichtungen, Vereine, die das Gemeinschaftsleben mit prägen, aber auch Banken, Versicherungsinstitute, Stadtplanungs-, Sozial-, Familien und sonstige Ämter, Kommunalpolitiker, Landes- und Regionalplanungsverbände und viele andere mehr. Diese unterschiedlichen Akteure zu erkennen, ihre Probleme unter den Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts darzustellen, war Aufgabe der Studenten in diesem Semester. Da diese Thematik in Zukunft eine Rolle im Stadtentwicklungsprozess spielen wird, sollen die Ergebnisse der Studienarbeit öffentlich präsentiert und in einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Experten des Stadtumbaus thematisiert werden. Alle, denen dieses Thema am Herzen liegt, sind zu der Veranstaltung am Donnerstag herzlich eingeladen.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

19.06.2004
Frankfurt (Oder): Der Stadtumbau geht weiter
Nein, den Abgeordneten kann man nicht unterstellen, dass sie Entscheidungen einfach treffen. Bei der Diskussion um das Stadtumbaukonzept (STUK) wurde deutlich, welche Brisanz dieses Thema hat, wie wichtig dieses zukünftig die Stadtsilhouette, ja ganz Frankfurt betreffende Konzept ist. Über jeden Punkt wurde diskutiert, ja selbst der Begriff Konzept angezweifelt, ob er denn der richtige sei. Es schien fast, als werde eine Entscheidung verschoben. Und das, obwohl Baudezernent Peter Edelmann (SPD) und auch mehrere Abgeordnete immer wieder betonten, dass dieses Papier eine "rahmengebende Strategie" sei, "in die Fachplanungen mit eingearbeitet werden".
Aufgrund der langen Diskussion folgend verknappt die Anträge der Fraktionen und Abgeordneten: Beschlossen wurde der Vorschlag des Jugendhilfeausschusses. Danach ist das vorliegende Stadtumbaukonzept als rahmengebende Strategie für den weiteren Stadtumbauprozess anerkannt. "daraus folgende relevante Fachplanungen sind der Stadtverordnetenversammlung im IV. Quartal vorzulegen", lautet der geänderte Beschlusstext. Auf Vorschlag der CDU-Fraktion wurde ein neuer Punkt hinzugefügt, der ebenfalls Zustimmung fand. Die Verwaltung wird darin beauftragt, die Dokumente sofort zu überarbeiten. Der Stadtentwicklungsausschuss wird das Vorgehen aktiv begleiten, die Abgeordneten werden auf der Sitzung am 30. September über die Veränderungen informiert. Die neuen Dokumente werden für die weitere Planung benutzt. Durchsetzen konnte sich auch die FDP-Fraktion mit einem Teilbeschluss. Der lautet: "...die in der Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes aufgeführten Aufwertungsmaßnahmen und Nachnutzungskonzeptionen sind lediglich beispielhaft aufgeführt und damit nicht mit beschlossen."
Alle anderen Zusatz- und Änderungsanträge sollen bis 30. September vom Stadtentwicklungsausschuss geprüft werden. Dabei handelt es sich u. a. um solche Vorschläge wie von Michael Kaspar (FDP), der vorschlägt, das STUK einem Bebauungsplan gleichzusetzen. Damit müsse das Konzept vier Wochen lang öffentlich ausgelegt werden. Carola Leschke (CDU) hingegen schlug vor, dass jede weitere Fortschreibung eines STUK drei Wochen vor Beschlussfassung den Stadtverordneten vorliegt, so dass auch gezielt eine öffentliche Diskussion mit den Bürgern möglich sei. Wolfgang Behrens verlangte im Namen der CDU-Fraktion, dass ein technisches Infrastrukturkonzept erarbeitet wird. Das soll aufzeigen, welche Auswirkungen der Stadtumbau auf die Versorgung (Gas, Wasser etc.) hat, welche Auswirkungen er auf die Anlagen, also Leitungen, hat. Bei diesen beiden Punkten sollen die finanziellen Auswirkungen aufgeschlüsselt werden. Dritter Punkt dieses Antrages sind die Auswirkungen auf die Betriebskosten. Gleichzeitig beantragte er, dass der Abriss von saniertem Wohnungsbau, u.a. in Neuberesinchen vorgesehen, gestrichen wird.
Hans Dieter Wachner (Bürgerbündnis) sprach sich für den Stopp des Abrisses im Zentrum aus und verlangte, dass alle Abrissplanungen, bei denen es noch möglich ist, überprüft werden. Immer wieder haben die Stadtverordneten am Donnerstag deutlich gemacht, wie wichtig das Stadtumbaukonzept für das künftige Frankfurt ist. Jedem ist bewusst, dass sich neben dem Stadtbild auch soziale Strukturen in Wohngebieten verändern werden. Oft wurde betont, dass die Frankfurter mitdiskutieren sollen. Doch die Stadtverwaltung scheint das nicht so zu sehen. Wie sonst ist zu werten, dass im Stadtumbaubüro in der Großen Scharrnstraße das Konzept nicht auslag, die Bürger so nicht die Möglichkeit hatten, sich vor Diskussion und Beschlussfassung selbst zu informieren. Die Stadtverordneten sollten sehr schnell kontrollieren, welche Informationen die Mitarbeiter des Büros wirklich liefern können und vor allem wollen.

www.moz.de

18.06.2004
Rostock: Wiro-Konzern zieht Bilanz
Der Rostocker Wohnungsmarkt, das sind insgesamt 112 000 Wohnungen. Größter der acht Großvermieter mit einem Bestand von zusammen 75 000 Wohnungen ist der Wiro-Konzern, der Ende vergangenen Jahres 36 045 eigene Wohnungen, elf Eigenheime, 621 Gewerbeeinheiten, 7469Garagen/ Stellplätze, 4119 verwaltete Wohnungen und 1636 verwaltete Eigentumswohnungen bewirtschaftete. 2505 Wohnungen der Rogewo sind von der Wiro angepachtet.
Das entnehmen wir dem Wiro-Konzernbericht 2003, der uns vor einigen Tagen von Wiro-Chef Bernhard Küppers überreicht wurde. Die Vollmodernisierung des eigenen Wohnungsbestandes, so lesen wir, sei weitgehend abgeschlossen. 2004 steht nur noch ein Restprogramm von 1430 Wohnungen an. Der Leerstand bei den vollmodernisierten Wohnungen liegt knapp über 4,7 Prozent, in anderen bis zu 18 Prozent. In Verbindung mit dem Stadtumbau Ost sollen in Rostock bis zum Jahre 2009 rund 2500 Wohnungen vom Markt genommen werden. Die Wiro selbst baute 2002 und 2003 knapp 650 Wohnungen zurück. Das Hochhhaus Fridtjof-Nansen-Str. 6 mit 18 Geschossen wurde abgerissen. Die Wiro verkaufte 47 Miet-/Eigentumswohnungen und zwei Gewerbeeinheiten, 127 540 qm erschlossene bauträgerfreie Baulandflächen wurden veräußert. Durch Modernisierung und Wohnumfeldverbesserungen wurden im Geschäftsjahr 64,7 Millionen Euro im Anlagevermögen investiert.

www.svz.de

18.06.2004
Leipzig: LWB will unsanierte Plattenbauten anbieten
Der größte Vermieter Leipzigs bereitet sich auf die Folgen des Reformgesetzes Hartz IV vor: Weil mit der geplanten Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe mit deutlich sinkenden Einkommen gerechnet wird, will die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) tausende unsanierte Plattenbau-Wohnungen auf den Markt bringen, berichtet die «Leipziger Volkszeitung»
Ursprünglich wollte die LWB viele dieser Häuser leer ziehen und abbrechen lassen. Denn wegen des geringen Komforts und des Überangebots an sanierten Wohnungen schien es in absehbarer Zeit kaum noch Mieter dafür zu geben. Doch mittlerweile gehören 12 000 Quartiere dieser Kategorie wieder zum «Kernbestand» des stadteigenen Anbieters und sollen noch mindestens zehn Jahre am Markt platziert werden.
Darüber hinaus kauft die LWB dem Bericht zufolge preisgünstige Häuser aus Zwangsversteigerungen hinzu. In den nächsten Jahren will sie bis zu 5000 Wohnungen erwerben. Das betreffe allerdings nicht nur unsanierte Gebäude, sondern auch sanierte und sogar Neubauten, hieß es. Die ersten Häuser mit Billig-Wohnungen wurden bereits ausgewählt. Sie befinden sich ausschließlich in Grünau und sollen künftig zu Quadratmeter-Kaltmieten von drei Euro offeriert werden - teilweise auch für weniger Geld.

de.news.yahoo.com

17.06.2004
Görlitz: Häuslebauer braucht die Stadt
In der Nikolaivorstadt entsteht ein neuer Häuserblock. Der Architekt Hagen Aye plant 14 Wohnhäuser auf dem Gelände der Tuchfabrik an der Großen Wallstraße. Nach der erfolgreichen Abwicklung eines Wohnprojekts an der Rothenburger Straße will Aye weitere Häuslebauer in die Innenstadt locken.
Wenn Hagen Aye durch die Nikolaivorstadt spaziert, dann hebt er an jeder Straßenecke die Hand zum Gruß, nickt hier mit dem Kopf, hebt dort das Kinn, und wo er über den Gartenzaun winkt, da empfängt ihn ein lautes Hallo. Hagen Aye wohnt selbst in der Nikolaivorstadt. Doch er ist nicht nur ein Nachbar. Viele hier kennen ihn als den Architekten, der ihre Häuser entworfen hat. Bald sollen es wieder ein paar mehr sein.
Auf dem Gelände der alten Tuchfabrik an der Großen Wallstraße und Am Hirschwinkel sollen demnächst 14 neue Einfamilienhäuser entstehen. Bereits in diesem Sommer sollen große Teile des leer stehenden Fabrik-Gebäudes abgerissen werden. An dessen Stelle entstehen zwei Häuser in historischem Stil und vier in moderner Bauweise. Zwei alte Wohnhäuser, die zur Fabrik gehörten, werden saniert. Auf der anderen Seite des Fabrikgeländes entstehen sechs weitere Häuser, ebenfalls in modernem Stil. Der Architekt Aye glaubt fest daran, dass solche Wohnprojekte in der Innenstadt eine attraktive Alternative zum Häuschen im Grünen sein können.
„Stadtumbau“ ist eines seiner Lieblingsworte. „Stadtumbau bedeutet: abreißen, neu bauen, Wohnraum reduzieren“, sagt er. Görlitz schrumpft. Viele Wohnungen in der Innenstadt stehen leer. Gleichwohl zieht es die Häuslebauer meist in die Randgebiete. Sie kommen selten auf die Idee, dass ihr Heim mitten in der Stadt, mit Blick auf die Peterskirche, entstehen könnte.
Dabei sieht Aye gerade in den Eigenheimbesitzern die Menschen, die eine Stadt beleben können. „Wer ein eigenes Haus baut, hat eine ganz andere Beziehung zu seinem Heim und zu seinem Umfeld“, sagt er. „Wenn einem Mieter etwas nicht passt, dann zieht er weg. Wer ein Haus hat, kümmert sich selbst.“ Aye glaubt: Wo städtisches Wohneigentum entsteht, da entwickeln sich gute Nachbarschaften, soziales Engagement, lebendige Straßen – ganz so, wie es der Architekt selbst von seinen eigenen Nachbarn in der Nikolaivorstadt kennt. Was nach soziologischer Theorie klingt, hat Aye längst in die Wirklichkeit umgesetzt. Vor kurzem sind nach seinen Plänen fünf neue Wohnhäuser im ländlich-barocken Stil an der Rothenburger Straße entstanden. Mittlerweile sind sie alle verkauft und bewohnt.
Binnen kurzer Zeit hat sich hier eine bunte Nachbarschaft entwickelt: junge und alte Menschen aus verschiedenen Berufen – genau die richtige Mischung, wie Aye findet. „Das sind nicht nur Besserverdiener“, sagt er. Die Grundstücke in der Nikolaivorstadt seien günstiger als in Biesnitz, wo die Nachfrage nicht so gering ist. Beim neuen Projekt auf dem Gelände der alten Tuchfabrik will Aye als Architekt mehr Akzente setzen als bisher.
„Wenn wir etwas im Jahr 2004 bauen, dann muss das auch am Baustil erkennbar sein“, sagt er. Deshalb sollen die meisten der neuen Häuser eine eigenständige, moderne Architektur haben, mit Flachdächern, Dachterrassen und hohen, schmalen Fenstern.
Daneben plant Aye zwei Häuser in alter Bauweise, wie sie für die Nikolaivorstadt typisch ist. Die Wohnräume im Erdgeschoss des Fabrikgebäudes haben noch die alten Gewölbe im gotischen Stil. Sie stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Aye will sie erhalten und in den Neubau integrieren.
Das Haus mit der Nummer 35 soll überhaupt nicht verändert, sondern saniert werden. „Hier sind alle in Görlitz zu findenden Baustile vermischt“, sagt Aye. Barock, Gründerzeit, Jugendstil, Renaissance – diese Mischung will der Architekt nicht antasten. Obgleich die Detailplanung jetzt erst richtig losgeht, hat Aye schon wieder ganz neue Ideen. „Es gibt da so ein, zwei Standorte“, sagt er – mehr will er nicht verraten.

www.sz-online.de

17.06.2004
Gelsenkirchen: Alter Bahnhof weicht neuem Stadtquartier
Eine planerische "Altlast" soll endlich entsorgt werden: Ein neues Stadtquartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern mit bis zu 550 Wohneinheiten plant die Verwaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs Schalke-Süd. Die auf dem Areal angesiedelte Spedition Burgmer geht davon aus, dass sie den Standort Ende 2005 aufgeben und nach Herten ziehen wird.265 000 Euro hat die Stadt für das Projekt in das Paket "Stadtumbau West" (wir berichteten) eingestellt. Die Mittel sollen in die Erstellung eines Planungskonzepts für die Begrünung und Zwischennutzung der brach liegenden alten Bahnanlagen fließen.Von einem Baubeginn in 2004 ging die Stadt vor Jahren aus. Davon ist nicht mehr die Rede: Zurzeit arbeitet die Verwaltung an einem städtebaulichen Entwurf und der Aufstellung eines Bebauungsplans für die 19 ha große Fläche. Frühestens in der zweiten Hälfte 2005 könnten die Bagger anrollen, so Clemens Arens, kommissarischer Leiter des Referats Stadtplanung. Das in City-Nähe gelegene Gelände soll schrittweise bebaut werden.Ende 2001 hatte die Politik schon einmal die Weichen für das alte Bahnareal gestellt. Um zwei konkurrierende Entwürfe ging es damals: "Klein-Polsum" oder "Legebatterie". Als "Klein-Polsum" hatte die Architekten-Gruppe "Stadt planen" den städtischen Entwurf wegen ihres "dörflichen Charakters" bezeichnet. Und mit der Umschreibung "Legebatterie" hatten Politiker den Entwurf von "Stadt planen" bedacht. Die Entscheidung des Rats fiel auf "Klein-Polsum" - ein grünes Stadtquartier mit bis zu 300 Wohneinheiten.Nach Offenlegung der Pläne und Anregungen von "Stadt planen" habe die Verwaltung ihren Entwurf noch einmal "stark überarbeitet". Ergebnis: weder "Groß-Polsum" noch "Legebatterie", sagt Arens. Sondern: ein Mix aus Geschosswohnungsbau (entlang der Rheinischen Straße) und kleinteiligen Stadthäusern. "Wir gehen darin mehr auf die vorhandenen Strukturen ein", so Arens.Auch im Hinblick auf die Vermarktbarkeit seien die Pläne noch einmal optimiert worden. An potenziellen Investoren werde es der Stadt nicht mangeln, prophezeit Arens.
www.waz.de

17.06.2004
Magdeburg: Handelshafen soll neuer Schwerpunkt zur großen Bauausstellung 2010 werden
Magdeburgs Südosten entlang der Elbe, einst die "Perlenkette" der Stadt, hat ihren Glanz verloren. Leerstand und Verfall allerorten. Der Südosten wird noch lange Probleme haben, räumen Fachleute ein. So gilt es als Herausforderung, dass die Stadt die elbnahen Stadtteile als Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2010 angemeldet hat. Jetzt aber tauchte im Stadtrat eine Information aus dem Rathaus auf, wonach plötzlich der Handelshafen in der Alten Neustadt Schwerpunkt bei der IBA sein soll.
Der Handelshafen mit der geplanten neuen Denkfabrik, mit Marina und historischer Hafentechnik soll neuer IBA-Baustein werden und "prioritär" behandelt werden. Die Information aus der Verwaltung sorgte für Irritationen im Rat. Welche Chancen haben dann Salbke, Fermersleben und Westerhüsen überhaupt noch? Zumal für den geplanten Wissenschaftsstandort im Handelshafen gerade über 14 Millionen Euro Fördermittel aus dem Urban-21-Topf bewilligt wurden. "Nein", heißt es später aus dem Rathaus, an einen Quasi-Rausschmiss des Projektbausteins "Südost" sei nicht gedacht.
Wie also soll Magdeburgs Beitrag zur Bauausstellung in sechs Jahren aussehen? Bei der IBA wollen 11 beteiligte Städte in Sachsen-Anhalt zeigen, wie sie mit Stadtumbau-Projekten auf Leerstand und Schrumpfung reagieren. Die Stadtplaner in Magdeburg haben ihre Vision aufgemacht: "Leben an und mit der Elbe - Eine neue Urbanität für Magdeburg", lautet hier das Thema. Und es bezieht beide Bereiche mit ein, den Handelshafen und den Südosten, betonte der zuständige Stadtplaner Johannes Wöbse gestern auf Nachfrage. Magdeburg wolle zur IBA zeigen, wie sich Entwicklungen am "Rückgrat Elbe" vollziehen. Im Handelshafen solle "mehr Stadt und weniger Landschaft" entstehen. Auch der Uferbereich der Altstadt wird auf der IBA eine Rolle spielen. Projekte, wie die über Stadtumbaumittel finanzierte neue Fußgängerbrücke über das Schleinufer sollen das Magdeburger Thema untersetzen: Das Leben rückt näher an die Elbe. Im Südosten wolle sich die Stadt hingegen "zurückziehen". Das Prinzip hier: Weniger Stadt und mehr Landschaft. Planer Wöbse erklärt: Auf der Achse Buckau, Fermersleben, Salbke und Westerhüsen ist es Ziel, die alten Ortskerne zu stärken, indem z. B. Industriebrachen verschwinden, Wohnen und Gewerbe abgegrenzt werden - durch neues Grün. Kernaufgabe bleibt die Verlegung der Hauptstraße, die seit Jahren Eigentümer und Interessenten abschreckt, Geld in die alten Immobilien zu stecken. Doch der Flächenankauf für die Umgehung gestaltet sich schwierig. Das haben harte Preisverhandlungen mit der Bahn gezeigt.
Mittel aus dem Stadtumbauprogramm könnten auch im Südosten helfen, Projekte anzugehen. Sicher sind Finanzspritzen allerdings nicht. Und die Stadtplaner wissen: Die Probleme im Südosten sind zu groß, als dass bis 2010 wirklich viel zu sehen sein könnte. Anders als im Handelshafen, wo schon Millionen in Aussicht stehen.
Schlechtere Startbedingungen also für die südöstlichen Stadtteile, die Stadtplaner wollen dennoch "angreifen". Jetzt soll, so Wöbse, ein Brachflächen-Kataster erstellt werden. "Damit wir wissen, worüber wir genau reden und mit wem wir verhandeln können."

www.volksstimme.de

16.06.2004
Berlin: Die Platte fällt
Nach Marzahn beginnt jetzt auch in Hellersdorf der Abriss von Plattenbauten: Zwei seit zwei Jahren leer stehende elfgeschossige Wohnblöcke mit 132 Wohnungen müssen weichen. Schon im Juli rücken in der Mittenwalder Straße 2-4 und 10-12 die Abrissbagger an. Etwa 850 000 Euro kostet der Abriss, zwei Drittel davon werden durch das Programm "Stadtumbau Ost" finanziert.
Ursprünglich sollten die Gebäude zu Terrassenhäusern mit Dachgärten umgebaut werden. Systematisch wurden die Häuser deshalb im Jahr 2002 geräumt. Doch die Fördermittel - etwa sieben Millionen Euro wären für den Umbau nötig gewesen - flossen nach Marzahn. "Unsere Idee wird jetzt dort verwirklicht", sagt Rudolf Kujath, Geschäftsführer der Stadt und Land/ Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe).
Kujath sieht nun im Abriss der leer stehenden Häuser eine neue Möglichkeit zur Aufwertung des Quartiers rund um die Alte Hellersdorfer-/Zossener- sowie die Mittenwalder Straße. Denn das Viertel gehört zu den am dichtesten bebauten in der Großsiedlung Hellersdorf. Zudem ist die soziale Mischung nicht die Beste - in dem Gebiet wohnen mehr Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose als anderswo in der Plattensiedlung. "Das Gebiet muss auch wieder für andere Mieter attraktiv werden", sagt Kujath.
Um dieses Ziel und eine neue städtebauliche Qualität zu erreichen, will Kujath mehrere Häuser an der Alten Hellersdorfer Straße mit 235 Wohnungen komplett modernisieren. Aber auch der Abriss geht weiter: Außer den beiden Leerstandshäusern sollen zwei weitere Elfgeschosser an der Klausdorfer Straße fallen. Diesen Abrissplänen muss der Senat noch zustimmen. "Wichtig ist auch, dass nicht mehr genutzte kommunale Gebäude wie Kitas und Schulen abgerissen werden", sagt Kujath. Anschließend müsse der entstehende Freiraum attraktiv gestaltet werden. Kujath sieht dabei alle Eigentümer in der Pflicht, ein gemeinsames Konzept für das Viertel zu erarbeiten. Außer dem Wohnungsunternehmen gehören dort Grundstücke auch dem Bezirk und dem Liegenschaftsfonds.
Erste Vorstellungen wurden schon vor zwei Wochen dem Bezirksamt präsentiert. Fünf Möglichkeiten werden diskutiert: ein Park, ein Obstgarten, ein Stadtwald, aber auch ein See mit Bootsverleih oder ein Golfabschlagplatz sind im Gespräch. Diese könnten von Privaten betrieben werden.
"Wir sind ganz am Anfang der Diskussion", sagt Heinrich Niemann, der zuständige Dezernent für ökologische Stadtentwicklung. Mit einer Entscheidung sei nicht kurzfristig zu rechnen. Frühestens am Jahresende werde feststehen, in welche Richtung es gehe.

www.berlinonline.de

16.06.2004
Dessau: Schrumpf dich schön
Dessau ist Avantgarde. Zumindest was das Schrumpfen angeht, ist die Stadt in Sachsen-Anhalt ganz vorne dabei: Schwindende Industrie. Rapide sinkende Einwohnerzahlen. Leere Wohnungen zuhauf in den Innenstädten. Seit der Wende verlor Dessau fast ein Viertel seiner Einwohner und befindet sich damit in bester internationaler Gesellschaft.
Weltweit schrumpfen ehemalige Industriestädte vor sich hin, von Detroit in Amerika bis Ivanovo in Russland, von Halle bis Liverpool. Die an Wachstum gewohnten Stadtplaner, Politiker und Soziologen stehen überall hilflos vor den gleichen Fragen: Was macht man mit einer Stadt, in der Schulen und Kindergärten schließen, weil der Nachwuchs fehlt? Wohin mit all den leeren Wohnungen und Industriebauten?
In Dessau lautet die Antwort: beherzter Abriss. "Unsere Zukunft ist nicht schwarz, sondern grün", erklärt Karl Gröger energisch. Der Baudezernent präsentiert im Konferenzraum der Stadtverwaltung seine Vision. Die Powerpoint-Grafik zeigt eine Innenstadt mit grauen Sprengseln in einem Meer von Grün. Wo sich der Laie an einen löchrigen Schweizer Käse erinnert fühlt, sieht der Baudezernent "vitale Stadtinseln in einem aufgelockerten Stadtkern". Nicht ohne Selbstironie nennt Gröger die auffällig großen Grünflächen das "grüne Band der Sympathie".
Für die Neugestaltung der Innenstadt wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat das Schweizer-Käse-Modell, in das der Baudezernent so viel Hoffnung steckt. Bis 2010 soll aus der schrumpfenden eine schlanke Stadt werden, mit weniger Wohnfläche und mehr Natur. Das Umbau-Programm hat etwas von einer radikalen Hungerkur: etwa 15.000 Wohnungen müssen weg.
Martin Krems vom Stadtplanungsbüro IBA ist Miterfinder des "grünen Bands der Sympathie" und von Berufs wegen Optimist. Er beschwört eine urbane Wildnis herauf, die aus den "Schuttlaboren" der Abrissflächen entstehen soll. "Die Schrumpfung ist für die Stadt eine Chance, ihre individuellen Stärken zu betonen", findet Krems. Für Dessau hofft er auf Tourismus und Umweltschutz: Schließlich biete die Stadt mit Bauhaus, Wörlitzer Gartenreich und der nahen Lutherstadt Wittenberg drei UNESCO-geschützte Attraktionen in unmittelbarer Nähe. Nicht nur Krems hofft, dass der baldige Zuzug des Umweltbundesamtes Dessau einen weiteren grünen Bonus beschert.
Zur Vorhut der neuen Öko-Elite gehören Dirk Walter und Thomas David Die beiden Zivildienstleistenden des Amts für Umwelt- und Naturschutz sind im Einsatz auf dem Rathausplatz. Hier ist Bauernmarkt: kleine Buden, Kaninchenbuletten aus Beelitz, Spargel und Käsesuppe.
Neben dem Streichelgehege mit Kälbchen aus der Agrargenossenschaft Mosigkau türmen sich Strohballen zu einer Kletterburg. Dirk und Thomas passen auf, dass sich keines der spielenden Kinder verletzt. Thomas mit dem Kinn-Piercing liebt seinen Job. Krötenzäune bauen, Eulenpopulationen beobachten.
Er könnte sich gut vorstellen, später einmal etwas "im Umweltbereich" zu machen, wobei er an das Umweltbundesamt noch gar nicht denkt.
Erst einmal ist Thomas glücklich, bleiben zu können. "Meine Freundin wohnt hier", sagt er fast entschuldigend "und die Landschaft ist schön." Sein Freund Dirk sieht das anders. Er kann das Ende seiner Zivi-Zeit gar nicht abwarten: "Nix wie weg!" ist seine Devise. Dirk freut sich schon auf seinen Wirtschaftsinformatik-Studienplatz in Stuttgart. Wird er einmal wieder zurückkehren nach Dessau? Nie mehr: "Hier ist doch alles tot."
In der Fußgängerzone entlang der Zerbster Straße ist von der Tristesse einer schrumpfenden Stadt freilich nichts zu spüren, zwischen "Bistro Cup & Cino", "Kartoffelhaus" und "American Sports Bar" herrscht reger Fußgängerverkehr. Schon ein paar Straßenzüge weiter herrscht genau die Leere, der Dirk entfliehen will. Am Friederikenplatz dämmern gammlige Platten-Ensembles in der Stille. Schemenhafte Gestalten bewegen sich hinter vorgezogenen Gardinen. Wie um der lähmenden Beschaulichkeit zu trotzen, schart sich die noch nicht abgewanderte Jugend um ein bunt bemaltes Eckhaus.
Wie auf der Flucht wirkt hier niemand. Punks sitzen mit ihren Hunden auf der Treppe, ein paar Jugendliche kicken einen Ball. Unter dem Vordach des Alternativen Jugendzentrums sitzen Bettina (15), Alice (13) und Aline (14). Bettina geht im Skater-Look, Alice trägt Stachelhalsband, Alines Füße stecken in abgewetzten Springerstiefeln, alle verstehen sich als "linksalternativ". "Wir sind eigentlich immer hier", sagt Bettina. "Es gibt ja sonst nichts". Ganze neunzehn Jugendeinrichtungen bemühen sich um den kostbaren Nachwuchs. Doch in den Augen von Bettina, Alice und Aline findet nur das AJZ Gnade. Alles andere ist ihnen "zu spießig". Die drei könnten in jeder kleineren Stadt zu Hause sein. Das ehemalige besetzte Haus mit Konzertraum, billiger Kneipe und politisch korrektem Infoladen empfinden sie als ihre Heimat. Dessau mögen sie für seine Überschaubarkeit. Natürlich wissen die Mädchen, dass ihre Zukunft anderswo stattfinden wird. "Wer nicht zum Bauhaus will, muss weg", sagt Aline nüchtern. Sie will später Medizin studieren, in Halle oder Leipzig. Und damit in einer anderen schrumpfenden Stadt die Statistik bereichern. In den Westen will keines der Mädchen. "Was soll ich da? Hier ist es doch viel schöner", findet Bettina.
Schön ist Dessau an manchen Ecken durchaus. Ein paar Straßen hinter dem Jugendzentrum erheben sich prächtige Gründerzeitbauten. Hier sieht es ein bisschen aus wie in Ost-Berlin: unsanierter Prunk neben renovierten Pastellfassaden, Bäume, vereinzelte Plattenbauten dazwischen. Die Bertolt-Brecht-Straße ist mustergültig saniert. Auch die Fassade des Kulturprojekts "Kiez e.V." strahlt in leuchtendem Orange. Zu Wendezeiten besetzten Künstler das Haus, heute trifft man sich zu Programmkino, Ausstellungen und Lesungen.
Tilo, der auf einer Bierbank im Cafégarten sitzt, engagiert sich schon seit langem in verschiedenen alternativen Kulturprojekten. "Das ,Kiez' und ein paar Galerien, das sind unsere blühenden Landschaften", witzelt er. Tilo hat sich in Bürgerversammlungen sorgfältig über die Stadtplaner-Visionen vom neuen grünen Dessau informiert. Er hofft darauf, denn er hängt an seiner Heimat. "Endlich merkt die Stadt, dass wir neue Ideen brauchen, nicht neue Gewerbegebiete", sagt er. Für die weitere touristische Erschließung steuert er ganz eigene Ideen bei: "Neben Bauhaus und Wörlitzer Gartenreich sollte man den Besuchern auch zeigen, dass in Dessau das Giftgas ,Zyklon B' und die ,Tante Ju-Bomber' produziert wurden. Auch Adriano müsste dazu gehören". Tilos Anliegen ist es, an den Afrikaner Alberto Adriano zu erinnern, der von Neonazis erschlagen wurde. Doch kritisch die eigene Stadtgeschichte aufzuarbeiten, das passt hier gerade niemandem.
Dessau will endlich wieder nach vorne blicken. Dazu dient sogar das zweifelhafte Prädikat "schrumpfende Stadt". Der Stadtplaner Martin Krems ist erstaunt, wie bereitwillig sich die Bevölkerung auf das Stadtumbau-Projekt einlässt. Dessau will einfach nur am Leben bleiben - und sei es als schrumpfende Modellstadt der Zukunft. Im Trend sein: Dieses Gefühl hat man in der Heimat des Bauhauses lange vermisst.

www.taz.de

16.06.2004
Sachsen-Anhalt: Wohnungsleerstand geht erstmals zurück
Erstmals seit fast zehn Jahren geht in Sachsen-Anhalt die Zahl der leer stehenden Wohnungen zurück - Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsverbände führen die Trendumkehr auf "eine erste positive Wirkung" des Stadtumbaus zurück. Allerdings sei das Tempo noch zu langsam.
Weniger leer stehende Wohnungen in Sachsen-Anhalt - dies ist vor allem das Ergebnis des Quartierabrisses. Zählten die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen Ende 2002 noch 95300 leer stehende Wohnungen, waren es ein Jahr später rund 4000 weniger. "Der Stadtumbau kommt voran", stellten die Direktoren der jeweiligen wohnungswirtschaftlichen Verbände, Jost Riecke und Ronald Meißner, gestern in Magdeburg fest.
Zugleich verwiesen sie auf erhebliche regionale Unterschiede. Würde etwa der Abriss in Magdeburg und Halle gut vorankommen, hätten die Altmark oder die Region Bitterfeld/Wolfen weiter zu kämpfen. "Wir brauchen mehr Tempo", erklärten Riecke und Meißner.
Die 250 kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalt wollen in diesem Jahr insgesamt 13000 Wohnungen abreißen, von 2005 bis 2010 weitere 50000. Ob das erreicht werden kann, hängt den Verbänden zufolge unter anderem von der rechtzeitigen Auszahlung flankierender öffentlicher Mittel ab. Beispielsweise stehe die so genannte Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern, durch die Sachsen-Anhalt mit 52 Millionen Euro bedacht werden würde, für dieses Jahr immer noch aus. Deshalb sei zu befürchten, dass die Wohnungsunternehmen wie 2003 auch diesmal erst wieder im Herbst aktiv werden könnten. Vergangenes Jahr konnten wegen der verspäteten Bereitstellung des Geldes nur 6600 Wohnungen abgerissen werden, monierten die Verbandsdirektoren.
Bauminister Karl-Heinz Daehre (CDU) kritisierte gestern seinerseits den Bund, weil dieser die Verwaltungsvereinbarung noch nicht vorgelegt habe. "Dem Land und den Kommunen fehlt dadurch jegliche Planungssicherheit, weil der finanzielle Umfang der Förderung nicht feststeht."
Die Verbände beklagten zudem, dass Sachsen-Anhalt für 2004 keine Wohnungsbauförderung aufgelegt habe. "Der Bund hatte rund zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das Land verzichtete aber auf die Kofinanzierung", sagte Riecke. "Das bedauern wir, weil auch damit Quartiere hätten aufgewertet werden können." Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen verwalten und bewirtschaften mit derzeit 460000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt etwa 70 Prozent des Mietwohnungsbestandes.

www.volksstimme

10.06.2004
Großenhain: Lockmittel für Familien schaffen
Eine frisch sanierte KiTa mit Abenteuerspielplatz, der auch öffentlich zugänglich ist. Die Familien wohnen gegenüber, praktisch in Sichtweite. Kein Autoverkehr gefährdet die Kleinen beim Herumtollen. Welche junge Familie würde von so einer Wohnlage nicht magisch angezogen, noch dazu in Zentrumsnähe? Ginge es nach dem Großenhainer Stadtbaudirektor Tilo Hönicke und Planer Michael Preibisch soll in dieser Weise das Areal um die Kombi „Preuskerstraße“ im Alt-Neubaugebiet Preuskerviertel umgestaltet werden. „Wir wollen versuchen, das Projekt mit dem Förderprogramm Stadtumbau Ost finanziert zu bekommen“, so Hönicke. Die Großenhainer Wohnungsgenossenschaft, als Eigentümerin der Wohnblocks, steht den Plänen aufgeschlossen gegenüber. „Unsere Messlatte ist die Zufriedenheit unserer Mieter“, sagte gestern der Geschäftsführer Jochen Leubner.
1,3 Million Euro wird sein Unternehmen dieses Jahr an eigenen Mitteln für Instandhaltung und Sanierung ausgeben. Dazu gehört Dämmung und Trockenlegung an Häusern im Preusker-Viertel. Eine Vielzahl Bäder soll modernisiert und Innentüren erneuert werden. Auch der Stadtumbau Ost geht weiter. Die Außenanlagen der Eingänge Dr.-Schweitzer-Straße 1 bis 7 werden aufwendig begrünt. Von den 16 Mietparteien des 2005 für den Abriss vorgesehene Blocks Dr.-Jakobs-Straße 2 bis 8 sind 14 bereits mit neuem Wohnraum versorgt. „Bis Ende September soll der Block leergezogen sein“, so Leubner. 2003 hatte die Genossenschaft auf der Dr.-Semmelweis-Straße 48 Wohnungen abgerissen.
www.sz-online.de

10.06.2004
Schwerin: Dreesch wird Großbaustelle
Großer Dreesch/Neu Zippendorf/Mueßer Holz In den nächsten zwei Jahren werden umfangreiche Baumaßnahmen in den Stadtteilen Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz in Angriff genommen. Dies war die Hauptbotschaft eines von der SPD-Stadtfraktion organisierten Bürgerforums zum Stadtumbau-Ost. "Um die drei großen Stadtteile attraktiver zu machen, müssen alle geplanten Maßnahmen zügig in Angriff genommen werden", so der Ortsbeiratsvorsitzende Daniel Meslien (SPD).
Schwerpunkte beim Stadtumbau der nächsten zwei Jahre sind die Stadtteile Großer Dreesch und Neu Zippendorf. Ende des Jahres will die WGS mit dem Abriss des Obdachlosenheimes am Dreescher Markt beginnen und den Standort in eine Grünfläche verwandeln. Dem früheren Möbelhaus steht auch der Abriss bevor. Schon im nächsten Jahr soll an dieser Stelle ein Fachmarktzentrum mit Supermarkt, Discounter und kleineren Geschäften eröffnen.
Die SWG wird nach Angaben des Ortsbeiratsvorsitzenden und Dreescher Stadtvertreters in wenigen Wochen die Vollsanierung der Friedrich-Engels-Straße 3-5 beenden. Auf die neuen Mieter warten dann Maisonette-Wohnungen, altersgerechte Wohnungen mit Fahrstuhl und überall vergrößerte Wohnstuben und Balkone. Viele Badezimmer werden über Fenster verfügen.
Ende des Jahres wird die Genossenschaft ihre Wohnungen in der Schulenburgstraße 5-10 nach dem gleichen Muster sanieren. Im nächsten Jahr ist dann die Sanierung der Reichpietsch-Straße geplant. Ende 2006 folgt der Abriss des Innenhofblocks in der Schulenburg-Straße 11-16.
In Neu Zippendorf ist das Pilotprojekt "Stadtumbau Ost" in der Tallinner Straße in vollem Gange. Im Spätherbst ist die Fertigstellung des Abschnittes an der Hamburger Allee geplant. Das oberste Geschoss wurde abgetragen, und Hauseingänge wurden komplett entfernt. Ende des Jahres wird die SWG ihre letzten Häuser in der Tallinner und Vidiner Straße in Baustellen verwandeln.
Der Abriss des Innenhofblockes in der Parchimer Straße durch die WGS soll im Herbst beginnen. Ende des Jahres wird laut Meslien die Sanierung des SWG-Blocks in der Potsdamer Straße abgeschlossen sein. Die feierliche Übergabe des neu gestalteten Berliner Platzes soll im nächsten Jahr stattfinden.
In Mueßer Holz wird bis auf einige Rückbaumaßnahmen vorerst wenig in Angriff genommen. Ende des Jahres beginnt die SWG mit dem Abriss des Wohnblocks in der Bürgelstraße. Geplant sei der Rückbau des Blocks in der Kopernikusstraße 3-6, so Meslien.

www.svz.de

10.06.2004
Stadtumbau wird Forschungsthema
Ein Kompetenzzentrum zur Revitalisierung historischer Städte nimmt heute seine Arbeit in Görlitz auf. Mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde dafür der Lehrstuhl «Stadtumbau und Stadtforschung» eingerichtet, der an die Technische Universität in Dresden angegliedert ist. Angesichts des vielerorts anhaltenden Bevölkerungsschwundes soll sich das neue Institut mit Fragen zur Wiederbelebung historischer Stadtkerne beschäftigen. Die Einrichtung will Experten aus verschiedenen Fachgebieten zusammenbringen, um Handlungsansätze zu entwickeln.
Für das Kompetenzzentrum wurden zufolge Räume in einem etwa 500 Jahre alten Gebäude in der Görlitzer Altstadt saniert. Die Außenstelle der TU Dresden richtet sich in den beiden unteren Etagen ein. Das obere Geschoss hat die Verwaltung des 1991 in Görlitz gegründeten Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege bezogen.

www.freiepresse.de

09.06.2004
Cottbus: Spirale des Schrumpfens
"Riechen Sie was?", sagt Ralf Fischer und fächelt mit der Hand durch die Luft. Ein fauliger Geruch hängt zwischen den braungrauen Gebäuderiegeln in der Plattenbausiedlung "Am Stadtrand" in Cottbus-Sachsendorf. Fischer weist auf die Gullys, die in den rissigen Asphalt eingelassen sind. "Die Abwasserleitungen setzen sich zu. Hier wohnt ja kaum noch jemand." In dem Hochhaus am Ende der Stichstraße, elf Stockwerke, drei Flügel, rund 1 000 Wohnungen, leben noch ganze sieben Parteien.
In Cottbus-Sachsendorf kann man das städtebauliche Megaproblem der Zukunft am lebenden Objekt studieren: Das Problem der schrumpfenden Stadt. Cottbus hatte in den 80er Jahren, als die Braunkohlefelder der Lausitz noch die ganze DDR mit Energie versorgten, knapp 130 000 Einwohner. Heute sind noch etwas über 100 000 davon übrig. Auch im Westen, so prophezeien die Demoskopen, werden Abwanderung und Sterbeüberschuss viele Städte dramatisch schrumpfen lassen.

Den Cottbusser Stadtteil Sachsendorf hatten die DDR-Stadtplaner einst auf 30 000 Einwohner angelegt. Heute wohnen dort nur noch knapp 16 000, mit sinkender Tendenz. Das bedeutet nicht nur Tausende leerer Wohnungen. Das bedeutet Straßen ohne Verkehr, Schulen ohne Schüler, Einkaufszentren ohne Käufer. Das bedeutet Verelendung und Vandalismus. Das bedeutet Abwasserleitungen, die ständig unter der Mindestauslastung gefahren werden müssen - weshalb es in der ohnehin wenig anheimelnden Siedlung am Stadtrand immer ein wenig süßlich riecht.
Die Folge ist eine Spirale des Schrumpfens: Wer in einer schrumpfenden Stadt wohnt, auf dem lastet ein immer größerer Druck, selbst wegzuziehen. Bernhard Müller, Professor für Raumentwicklung in Dresden, nennt zwei Gründe: Der Imagefaktor und die Kosten. "Wenn man sieht, dass ringsum die Häuser abgerissen werden, gibt das ein Gefühl des Verlorenseins." Und dazu kommt: Es wird richtig teuer, dort wohnen zu bleiben. Die Anschlusskosten für Ver- und Entsorgung steigen massiv an und verteilen sich zusätzlich auf weniger Köpfe. Gleichzeitig sinken die Immobilienwerte.
Müller hat für die erzgebirgische Kleinstadt Johanngeorgenstadt, die samt Umland bis 2016 von 40 000 Einwohnern auf 30 000 schrumpfen wird, folgendes ausgerechnet: Die Mietnebenkosten steigen von rund 1 500 Euro pro Jahr und Haushalt auf 2 500 bis 3 000 Euro an. Die Kosten für Rückbau und Anpassung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sind dabei noch nicht berücksichtigt. Die liegen nach einer Studie der Universität Cottbus beim Trinkwasser zwischen 4 und 12 Euro pro Quadratmeter und beim Abwasser zwischen 6 und 18 Euro.
Ralf Fischer ist Stadtteilmanager in Cottbus-Sachsendorf. Sein Job ist es, den sozialen Zerfall des Viertels zu stoppen oder zumindest zu bremsen. Er besucht die alten Leute, die noch in den Plattenbauten wohnen, die bald abgerissen werden. Er initiiert Freiwilligenagenturen, die die Langzeitarbeitslosen von ihren Balkonen holen.
An der Sachsendorfer Hegelstraße standen einst 1 080 Wohnungen. Heute sieht man nur noch ein planiertes Feld. Doch der Eindruck täuscht. "Man muss auch sehen, was unter der Erde liegt", sagt Fischer. Die Gebäude sind zwar weg, aber die Versorgungsleitungen und Zufahrtsstraßen sind meist alle noch da - und keiner weiß, was damit passieren soll. Fördergelder gibt es nämlich nur für den Wohnungsabriss - 60 Euro pro Quadratmeter.
Fischer wird wütend beim Thema Infrastruktur: Die alten Leitungen im Boden seien nicht nur ökologisch problematisch, sondern machten die Flächen auch unverkäuflich. Es ist ohnehin nicht leicht, mit den Rückbauflächen etwas anzufangen. Auf dem Sand- und Schottergemisch lässt sich selbst Rasen nur schwer ansäen. An der Hegelstraße hat Fischer ein Experiment gewagt und auf den 4 Hektar Fläche Topinambur-Knollen gesät. Die Nutzpflanze aus Mittelamerika mit ihren süßlichen Knollen "vermehrt sich wie Unkraut", sagt Fischer.
Es gibt aber auch Straßen in Sachsendorf, die zeigt Fischer mit Freude her. Das sind die so genannten Aufwertungsquartiere: Nicht alles wird abgerissen, ein Teil der Stadtumbau-Mittel dient auch Sanierung. Beete werden gepflanzt, die Fassaden bunt angemalt und in den endlosen Hochhausriegeln werden gezielt einzelne Segmente herausgenommen, um die Bebauungsstruktur aufzulockern und neue Sichtachsen zu schaffen.
An der Theodor-Storm-Straße beispielsweise steht eine Reihe schmucker Mehrfamilienhäuser, moderne Würfel mit Terrassen und kleinen Gärten. Das sind nichts anderes als recyclete Plattenhochhäuser, erklärt Fischer: Dort stand vorher ein Elfstöcker, längst abgerissen - aber ein Teil der Platten wurde zu den neuen "Stadtvillen", wie Fischer sie nennt, zusammengesetzt. Ein anderer Elfstöcker steht noch, wurde aber saniert und mit einer aufwendigen Glasfassade geschmückt. Sehr beliebt bei der Bevölkerung, sagt Fischer: "Da kriegen sie heute keine Wohnung mehr."

zeus.zeit.de

07.06.2004
Görlitz:  Wird aus der Stadt ein Schweizer Käse?
Das Regierungspräsidium (RP) hat grünes Licht für den Abriss denkmalgeschützter Bausubstanz in Görlitz durch die Wohnungsbaugesellschaft gegeben. Besonders pikant: Die Untere Denkmalschutzbehörde, die sich bisher gegen die Aufgabe der Gebäude gestemmt hatte, muss per Weisung die Abrissgenehmigung erteilen.
Die Häuser Büchtemannstraße 1 bis 27 können abgerissen werden. Die dauerhafte Erhaltung der Häuser mit 75 Wohnungen sei an dieser Stelle aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar, argumentiert das RP. Dabei handele es sich um eine Einzelfallentscheidung, betont RP-Sprecher Holm Felber, unter Verweis auf weitere Widerspruchsverfahren, die vorliegen. Es könne nicht geschlussfolgert werden, dass auch in anderen Fällen Abrissgenehmigungen erteilt werden.
Die Untere Denkmalschutzbehörde, ohnehin von durch den Stadtrat beschlossenen Stellenstreichungen verunsichert, signalisiert, ihren bisher mit viel persönlicher Aufopferung betriebenen Kampf um jedes einzelne Haus aufzugeben. Von einem Grundsatzurteil, auf das sich künftig auch jeder private Hausbesitzer berufen kann, spricht Michael Vogel, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde: „Gleiches Recht für alle.“
Konkret bedeutet das, dass private Hausbesitzer, deren finanzielle Lage viel angespannter sein dürfte, als die der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) als städtischer Tochter, ebenfalls ihre Abrissgenehmigung erhalten. Viele Einzelobjekte seien in einem viel schlimmeren Zustand, als die Häuser auf der Büchtemannstraße, sagt Vogel. Was der WBG nicht zugemutet werden darf, könne er auch keinem Privaten zumuten.
Während es der WBG um den Abriss von Häuserzeilen geht (und vor allem die Stadt notfalls eingreifen kann), könnten private Hausbesitzer den Abbruch einzelner Gebäude verlangen: „Die machen uns die Stadt zu einem Schweizer Käse“, sagt Vogel, der schon Abrissgenehmigungen für den Hirschwinkel, die Heilige-Grab-Straße und die Zeppelinstraße befürchtet.
WBG-Geschäftsführer Gerd Kolley bestätigt zwar Abrisspläne für insgesamt 300 Häuser, darunter auch weitere, die unter Denkmalschutz stehen. Aber er wehrt sich gegen den Eindruck, das Konzept für den Stadtumbau dadurch zu unterlaufen. „Der Stadtrat hat beschlossen, dass in der Südstadt 2 000 Wohnungen vom Markt genommen werden. Was soll ich abreißen, wenn nicht die leer stehenden Häuser?“ Kolley sieht sich von Denkmalschützern zu Unrecht stigmatisiert. „Wir sind die einzigen, die wirklich Stadtumbau betreiben.“ Und der sei darauf angelegt, langfristig die Innenstadt zu beleben. Vor einem Ausspielen vom Denkmalpflege und WBG warnt Architekt Wolfgang Kück, Stadtratskandidat der Bürger für Görlitz: Die Formel, Kolley raubt der Stadt die Identität und Vogel verhindert die Wirtschaftlichkeit, tauge nichts.
Kolley versichert indessen, dass er für sensible Objekte wie am Fischmarkt keine echten Abrisspläne hat. „Hier wollte ich die Stadt in erster Linie auf unsere Probleme aufmerksam machen.“
Auch für CDU-Stadtrat Stephan Lechner ist das Ganze eine gesamtgesellschaftliche Frage: Wie kann die Allgemeinheit mit Blick auf schrumpfende Fördertöpfe etwas erhalten, was für den Einzelnen nicht finanzierbar ist? Stadtumbau und -entwicklung würden Schwerpunkte des neuen Stadtrates sein, betont Lechner. „Die neue politische Führung der Stadt muss diesen Prozess moderieren“, sagt auch Kück.
Einen Präzedenzfall sieht er in der Entscheidung des Regierungspräsidiums nicht: Die Abrissgenehmigung stärke zwar die WBG-Position, aber „die können, sie müssen nicht abreißen“. Wenn die Stadt im Aufsichtsrat gegen den Abriss stimme, muss die WBG dem folgen. „Aber wir dürfen Kolley mit seinen Problemen nicht allein lassen.“

www.sz-online.de

07.06.2004
Bad Berka: Frühere Brache sinnvoll genutzt
Seit vier Jahren schon bemüht sich die Stadt Bad Berka, das Areal rund um die sechs Plattenbauten an der Blankenhainer Straße attraktiver zu gestalten. Mit dem Bau eines neuen Parkplatzes, der sich am südöstlichen Rand des Wohngebietes in einem Bogen an die Straße schmiegt, ist sie dabei erneut ein gutes Stück vorangekommen.
Froh sind vor allem die Anwohner: Ist doch nicht nur eine verwilderte Brache vor ihren Fenstern verschwunden, sondern auch Platz für 43 Pkw in einem Bereich geschaffen worden, in dem Parkmöglichkeiten zumindest nach Feierabend und am Wochenende so knapp sind wie Bananen zu DDR-Zeiten. Die sauber eingefassten Parkplätze sollen demnächst noch von viel Grün gerahmt werden, kündigte am Freitag anlässlich der Übergabe Christine Meißner von der DSK in Weimar an - sie betreut die Sanierungsgebiete in der Kurstadt und deren Ortsteilen Tiefengruben und Tannroda.
Immerhin 83 400 Euro hat die Maßnahme gekostet, wobei auf die reinen Bauleistungen rund 77 000 Euro entfallen. Sowohl die Planung als auch die Ausführung lagen in den Händen hiesiger Firmen: Den ersten Part übernahm das Architekturbüro Seidel & Seidel aus Weimar, den zweiten die in Umpferstedt ansässige Eurovia GmbH. Der Löwenanteil der Kosten, nämlich 75 Prozent, kam aus dem Landesprogramm für städtebauliche Erneuerung in Gebieten der Block- und Plattenbauweise, in die übrigen 25 Prozent teilten sich die Wohnungsbaugenossenschaft und der Eigenbetrieb Kommunale Wohnungen als Eigentümer der sechs Blöcke. Sie haben auch je ein Viertel der anderen Bauprojekte übernommen, die bisher in Angriff genommen wurden: die Erneuerung von Fußwegen und Straßenbeleuchtung sowie den Umbau des alten Trafohäuschens zu einem Reparaturstützpunkt für insgesamt 127 693 Euro (2000 und 2001) plus die Erneuerung der Containerstellplätze für 50 000 Euro im Vorjahr. Verständlich, dass sich die Anwohner des Wohngebietes Solesmeser Straße stiefmütterlich behandelt fühlen: Doch seit 2001 wurden die Förderanträge der Stadt für dieses Areal nur abgelehnt. Letzte Hoffnungen setzt Bad Berka deshalb jetzt auf das Bund-Landes-Programm: "Stadtumbau Ost".

www.tlz.de

07.06.2004
Gera: Sanierung in der Kiefernstraße holt Leben in Lusans Zentrum
Damit ist der Anfang beim Umbau dieses Quartiers gemacht. "Aus vier Blöcken machen wir zwei", sagt Uwe Klinger, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft "Glück Auf". Er erläutert, dass der Stadtumbau nicht der Abrisse wegen betrieben wird, sondern letztlich eine Aufwertung des Wohnumfeldes zum Ziel hat. Das beginnt bei den Wohnungen selbst, die in zwölf Varianten nach dem Wunsch der Genossenschafter zugeschnitten wurden, setzt sich mit dem Einbau des Fahrstuhls fort und gipfelt in der Gestaltung der Außenanlagen. Jene auf der Hauseingangsseite sollen noch 2004 ein neues Gesicht erhalten, wenn dafür Städtebaufördermittel bewilligt werden.
Der zweite Bauabschnitt begann unterdessen im März 2004. Eingang für Eingang wird der Block Kiefernstraße 25 bis 35 bis Anfang Oktober saniert. Voraussichtlich im Juli soll dafür auch der Block 14 bis 24 abgerissen werden. Damit entsteht mehr Abstand zur Kreuzung Nürnberger/Zeulsdorfer Straße, der Luft und Licht bringt und die Öffnung des Giebels des angrenzenden Hauses für Balkone und Fenster ermöglicht. Diese architektonische Neugestaltung rahmt dann den sanierten Komplex ein. Die Planungen zum Umbau der Platte stammen aus dem Geraer Büro Euen, Wolf & Winter. Schließlich soll auch das Haus Kiefernstraße 12 bis 24 weichen, der mittlere der drei Blöcke im Hintergrund.
"Alle unsere Wünsche sind in Erfüllung gegangen", schwärmt Genossenschafterin Gabriele Jähnert. Sie und ihr Mann Hans-Joachim gehören zu den drei Mietparteien, die bis zur Sanierung ausharrten und aus der Übergangswohnung zurückkehrten. Eine Eckbadewanne und Dusche im durch den Anbau vergrößerten Bad gehörten zu ihren Sonderwünschen. Mit dem Anbau bekam das Bad sogar ein Fenster und steht der Esstisch in einem Verbindungsraum zwischen Stube und Küche jetzt hinter einer großen Fensterfront. "Dass die Miete steigt, wussten wir", sagt die 52-Jährige.
Für beide Häuser nimmt die Genossenschaft bei einem Gesamtaufwand von rund 5,2 Millionen Euro Fördermittel des Landes in Anspruch. Damit steht fest, dass die Kaltmiete pro Quadratmeter 4,50 Euro im Durchschnitt nicht übersteigen darf.

www.otz.de

04.06.2004
Land Brandenburg: Preis für attraktive Einkaufsmeile
Im Landeswettbewerb "Attraktiver Standort Innenstadt" hat Bauminister Frank Szymanski (SPD) gestern in Cottbus die Preise verliehen. Zu den elf ausgezeichneten Städten des Landes gehört auch Wittenberge.
Eine Jury ermittelte die Sieger aus 63 Beiträgen von 40 Städten. "Attraktive Innenstädte brauchen gute Vorbilder als Impulse für ihre Zukunft", sagte der Minister beim 2. Innenstadtforum Brandenburg. Im Anschluss gründete sich eine kommunale Arbeitsgemeinschaft, die sich für die Stärkung der Innenstädte einsetzen will.
Bei dem Ende 2003 vom Ministerium für Stadtentwicklung gestarteten Landeswettbewerb ging es um gute Beispiele für bürgerschaftliches Engagement zur Belebung der Innenstädte und um Aktivitäten zur Stärkung der städtischen Funktionen. Die elf Preisträger erhielten Prämien in Höhe von insgesamt 30 000 Euro. Die Jury entschied sich neben Wittenberge für erfolgreiche Projekte in Luckenwalde, Zehdenick, Fürstenwalde, Calau, Ketzin, Frankfurt (Oder), Angermünde, Treuenbrietzen, Eberswalde und Potsdam-Babelsberg.
Wittenberge wurde für den Aufbau einer attraktiven Bummel- und Einkaufsmeile geehrt. Wie der stellvertretende Bauamtsleiter, Hubert Mackel, betonte, wurde der Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung bereits 1996 mit dem städtebaulichen Wettbewerb gelegt. Ein weiterer Meilenstein war das EU-Programm ZiS (Zukunft im Stadtteil), das beträchtliche Fördermittel locker machte.
Seit 1991 seien rund 1,25 Milliarden Euro in die Entwicklung der brandenburgischen Städte geflossen, berichtete Szymanski. Davon entfielen allein
400 Millionen auf die Sanierung von Städten mit historischen Stadtkernen. "Unser Ziel ist es, den Trend zum Umzug auf die grüne Wiese zu stoppen." Der SPD-Politiker kündigte an, dass der "Stadtumbau Ost" im Land Brandenburg bis 2009 mit mehr als 400 Millionen Euro unterstützt wird. Diese Mittel stehen zusätzlich zu den klassischen Programmen der Städtebauförderung bereit.
In der neuen Arbeitsgemeinschaft "Innenstadtforum Brandenburg" sind Städte vereint, die sich besonders auf die Entwicklung ihrer Citys konzentrieren. Die Akteure des Forums wollen angesichts knapper Kassen nach neuen Wegen und Lösungen jenseits finanzieller Unterstützungen suchen.

www.svz.de

04.06.2004
Sachsen: Häuser auf dem Lande verlieren weiter an Wert
Der Markt für privat genutzte Immobilien in ländlichen Regionen des Ostens steht nach Meinung der Allianz vor dem Zusammenbruch. Hauseigentümern auf dem flachen Land in Ostdeutschland droht ein hoher Vermögensverlust. „Der Wertverfall von Häusern in kleinen Dörfern zum Beispiel in der Lausitz ist dramatisch“, sagte gestern Peter Haueisen, Leiter des Baufinanzierungsgeschäfts bei der Allianz-Lebensversicherung der SZ. Angesichts von Abwanderung, Geburtenknick und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit werde es „für Hauseigentümer auf dem Land zunehmend schwieriger, Geld für Sanierung oder Um- und Neubau zu bekommen“, so Haueisen.
Auch in den Ballungsgebieten Dresden und Leipzig sei es „zu erheblichen Wertverlusten von Immobilien gekommen“, sagte Haueisen. Da der Neubau derzeit „praktisch null“ betrage und zudem Wohnungen abgerissen würden, habe sich der Markt in diesen Regionen aber der Nachfrage angepasst. „Dort haben wir beim Preis jetzt ein Stück weit einen Boden gefunden“, sagte der 49-Jährige.
Haueisen erwartet einen Anstieg der Baufinanzierungszinsen bis zum Jahresende auf durchschnittlich 5,5 bis sechs Prozent. „Die Zinsen liegen damit aber immer noch deutlich unter dem langfristigen Wert von acht bis 8,5 Prozent.“ 1982 lagen sie in Westdeutschland laut Allianz-Leben gar bei 10,5 Prozent.
Dem Unternehmen gelang es laut Haueisen trotz des schwierigen Marktes, 2003 in den neuen Ländern ein „Rekordjahr“ einzufahren – überwiegend durch Umschuldung bereits bestehender Baukredite. Schon zu Jahresbeginn hatte der führende Herausgeber von Kalendern für Zwangsversteigerungen, die Argetra GmbH, festgestellt, dass 2003 in Sachsen so viele Immobilienbesitzer aufgaben wie nie zuvor.

www.sz-online.de

03.06.2004
Land Brandenburg: Planen für das Schrumpfen
Gutachter: Städte in Südbrandenburg sollen Status verlieren
Mit einer Halbierung der Berufsschulstandorte und der Reduzierung solcher Ortschaften, die als regional bedeutsam eingestuft werden, soll die Region Lausitz-Spreewald dem Bevölkerungsschwund begegnen. Das sind die Vorschläge zweier Gutachten, die gestern in Forst vorgestellt wurden. Bei der Sitzung der Regionalen Planungsgemeinschaft wurden unter anderem Städtekooperationen gefordert.
Die Frage, wie der Spreewald und Brandenburgs Teil der Lausitz künftig aussehen sollen, kommt im Mäntelchen unscheinbarer zungenbrecherischer Bezeichnungen daher: Die «Regionalversammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald» , ein aus Landräten, Bürgermeistern und sonstigen Funktionsträgern bestehendes Gremium, debattierte gestern im Forster Kreishaus über das Gutachten «Zentralörtliche Gliederung» .
Das hört sich zwar dröge an, birgt aber eine Menge politischen Sprengstoff: Das vom Berliner Regionalplaner ARP erarbeitete Papier ist sogar so brisant, dass eine Landkarte, die den ARP-Vorschlag zur künftigen Aufteilung Südbrandenburgs zeigte, kurzfristig aus der Tischvorlage entfernt wurde. Denn laut Gutachten sollte sich die Region davon verabschieden, wie bisher 50 Orte als wichtige Zentren mit Versorgungsfunktion in Sachen Kultur, Bildung und Gesundheit für das Umland anzusehen. Doch an diesem Zentrums-Status hängt für viele Gemeinden die Begründung für besondere kommunale Angebote – und die Hoffnung auf Fördergelder.
Geht es nach ARP-Geschäftsführer Rötger von Grot, sollen nur 31 bleiben. Vorschläge dazu sind unter anderem:
Auch Forst und Guben sollen einen Verbund eingehen, da sie ihre bisherigen Funktionen nach Grots Ansicht auf Dauer «alleine nur sehr schwer oder gar nicht erhalten können» . Grot plädierte für eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen polnischen Nachbarn.
Die ehemaligen Kreisstädte Luckau und Calau, die bislang in der Planung noch als Grundzentren «mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums» firmieren, sollen diesen Status verlieren.
Ein schmerzhafter Schlag für seine Stadt wäre das, sagte Luckaus Bürgermeister Harry Müller (parteilos). Trotzdem sei er bereit, an dem neuen Regionalplan mitzuwirken. Die Bürgermeister von Finsterwalde und Spremberg, Johannes Wohmann (FDP) und Klaus-Peter Schulze (CDU), drängten angesichts leerer Kassen zur schnellen Umsetzung. Denn noch basiert die Regionalplanung im Land und der Region auf der Annahme, dass die Bevölkerung in Südbrandenburg zunimmt, also auch mehr Krankenhäuser, Schwimmbäder, Schulen und Bibliotheken braucht. Forscher fürchten aber den weiteren Bevölkerungsaderlass: Die Region dürfte nach Schätzungen bis 2020 etwa jeden achten jetzigen Bewohner verloren haben.
Nun soll eine Arbeitsgruppe das Gutachten in Handlungsanweisungen für die Regionalplanung umsetzen. Das wird aber erst ab Herbst passieren, denn die regionale Planung ist von der im Land abhängig. Auch in Potsdam arbeite man derzeit intensiv an der Neufassung des Landesentwicklungsplanes von 1993, so der zuständige Referatsleiter Jan Drews. Erste Ergebnisse liegen nicht vor Herbst vor.
Noch eine zweite Studie eröffnete den Bürgermeistern in Forst unangenehme Erkenntnisse: Nach einer Studie des Teltower Instituts für Wirtschaftsforschung ist die Region im Berufsschulangebot dauerhaft überversorgt: Die Studie rät langfristig zur Halbierung der jetzt 24 Oberstufenzentren-Standorte (OSZ).

www.lr-online.de

03.06.2004
Hettstedt: Die Abrissbirne schlägt weiter zu
Der Einwohnerschwund in Hettstedt sorgt für leere Wohnungen. Seit 1990 kehrten rund 4 500 Leute der Kupferstadt den Rücken. Etwa 16 500 Einwohner zählt die Stadt derzeit nur noch. Der Leerstand bei Wohnungsgesellschaft und Wohnungsgenossenschaft liegt bei etwa 18 Prozent. Tendenz steigend.
"Wir müssen etwas gegen den Leerstand tun", sagt Bauamtsleiter Winfried von Donat. Und da keine Mieter her gezaubert werden können, bleibe nur eine Alternative: weiterer Abriss.
In der Händel- und Bachstraße hat die Abrissbirne bereits zugeschlagen und Wohnblocks verschwinden lassen. Doch das reiche nicht aus, so von Donat. Mehr als 1 000 Wohnungen sollen bis zum Jahr 2015 noch abgerissen werden.
Das ist jetzt in der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes verankert worden, dem jetzt im Stadtrat mehrheitlich zugestimmt wurde. Das Konzept dient als Empfehlung für die Stadtentwicklung. "Wo konkret abgerissen wird, steht aber noch nicht fest", sagt von Donat.
Um in den Genuss von Fördermitteln aus dem Programm "Stadtumbau Ost" zu kommen, sei solch ein Konzept notwendig. Wirtschaftlich sei der Erhalt der leer stehenden Wohnungen überhaupt nicht zu vertreten, betonte Ilona Detzner vom Stadtplanungsamt.
Sie rechnet vor: Um die Kosten für eine leer stehende Wohnung zu tragen, müsse man vier vermietete Wohnungen dagegenrechnen. Und dafür die notwendigen Mieteinnahmen auch wirklich erhalten.
Der höchste Leerstand ist in den Plattenbauten zu verzeichnen. Spitzenreiter dabei ist das Wohngebiet III mit fast 40 Prozent. Abriss bedeute aber zugleich die Möglichkeit, das Wohnumfeld neu zu gestalten und dadurch attraktiver zu machen. "Damit soll auch erreicht werden, dass sich die Leute mit ihrem Wohngebiet identifizieren", sagt von Donat.
In der Bachstraße zum Beispiel, wo schon ein Block dem Erdboden gleich gemacht wurde, entstehe eine Grünfläche mit Bäumen und Sträuchern. Der Erholungsfaktor werde dadurch erhöht, was bei den bewohnern gut ankomme.

www.mz-web.de

03.06.2004
Frankfurt: Neuberesinchen wird halbiert
Es ist 37 Seiten dick, enthält im Anhang zahlreiche Übersichtskarten und wird Frankfurt in den kommenden Jahren verändern: Die Rede ist vom Stadtumbaukonzept, das jetzt fortgeschrieben wird und von den Stadtverordneten am 17. Juni verabschiedet werden soll. Zuvor wird es Thema in jedem Ausschuss sein, denn eingearbeitet wurden nicht nur die Leerstände und Abrisslisten, sondern auch Auswirkungen auf Schulen und Kitas. Neu ist, dass so genannte Abrisspotenzialflächen aufgeführt sind. Halb Neuberesinchen, also der komplette vierte Wohnkomplex, ist beispielsweise als eine solche Fläche ausgewiesen. Bis 2010 sollen 7500 Wohnungen abgerissen werden. Danach könnten noch bis zu 3500 zusätzlich folgen.
Wo eben noch ein Wohnblock stand, sprießt vier Wochen später der frischgesäte Rasen. 1357 Wohnungen sind in Frankfurt bislang dem Erdboden gleich gemacht worden. Die Wahrnehmung, dass der Abriss rasant vor sich geht, täuscht nicht. Denn Frankfurt hat seine Abrisspläne beschleunigt. Bis 2010 sollen jetzt nicht nur 6500 Wohnungen fallen, sondern 1000 mehr.
Und wer sich die so genannte Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes näher anschaut, stellt fest: Halb Neuberesinchen und da vor allem der vierte Wohnkomplex und halb Hansa Nord (Seelower Kehre/Pflaumenweg, Hamburger/Wismarer Straße) könnten in zehn Jahren nicht mehr stehen. Denn die Planer haben so genannte Abrisspotenzialflächen ausgewiesen. Alle in diesen Flächen stehenden Häuser werden bei Bedarf platt gemacht. In der Stadt, so die häufige Kritik von Menschen, die wegen des geplanten Abrisses umziehen müssen, gibt es keine Listen, in denen die Gebäude aufgeführt sind, die garantiert stehen bleiben. "Diese Abrisspotenzialflächen brauchen wir, um auf die Entwicklung reagieren zu können. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die anderen Gebiete als relativ bestandssicher gelten", so Baudezernent Peter Edelmann .
Frankfurts Größe steht und fällt mit der Bevölkerungsentwicklung. Bleibt es bei der so rasanten Talfahrt auch nach 2010, könnten noch einmal zwischen 1200 und 3500 Wohnungen auf die Abrissliste zusätzlich gesetzt werden und dann wird ganz sicher Neuberesinchen halbiert.
"Objektkonkret", so haben es die Abgeordneten gefordert, sollen jedes Jahr in Drei-Jahres-Scheiben die Wohnblocks benannt werden, die Monate später nicht mehr stehen. Diese Abrissliste für die Jahre 2005 bis 2007 soll im Herbst vorliegen. Ebenfalls zum Jahresende will die Stadtverwaltung aus der langen Wunschliste für Aufwertungsmaßnahmen eine Prioritätenliste herausgefiltert haben. Die vorliegenden Vorschläge reichen von der Sanierung des Lichtspieltheaters der Jugend über Um- und Rückbau der Leipziger Straße bis hin zu Wohnumfeldgestaltung. Allein es fehlt das Geld.
"Wir haben dieses Liste erarbeitet, weil wir hoffen, dass das Land doch noch einen Fördertopf auflegt", erklärt Edelmann. Fakt ist, dass die Stadt zwar Geld bekommt für die Aufwertung von Abrissflächen, es aber derzeit zu etwa 40 Prozent für die Infrastrukturmaßnahmen einsetzt. Denn die bezahlt (noch) keiner. Sollte es zusätzliche Förderprogramme für die Umfeldgestaltung geben, sei Frankfurt, so Dezernatsmitarbeiter Nicolas Ruge, bestens vorbereitet und könne Mittel beantragen. Wenn bis Jahresende klar ist, wieviel von den 350 000 Euro Aufwertungsmitteln tatsächlich noch übrig sind, und sich die Abgeordneten entschieden haben, welche Aufwertungen am wichtigsten sind, könnte losgelegt werden.
Als Beispiel, dass hier nicht nur abgerissen, sondern auch aufgewertet wird, musste die Neugestaltung des HEP-Vorplatzes herhalten. Dass diese lange geplant, nichts mit dem Stadtumbau zu tun hat und aus einem anderen Topf gefördert wird, störte nicht. Ein weiteres Beispiel hatten Edelmann & Co nicht anzubieten. Wohl aber den Hinweis, dass auch Umfeldgestaltungen, die aus anderen Töpfen bezahlt werden, vom Ministerium anerkannt werden.
Neu am Stadtumbaukonzept ist, dass jedes Stadtgebiet betrachtet wurde. Neuberesinchen soll von der Großsiedlung zum grünen Quartier entwickelt werden. Wert legt man auf die Stärkung der Wohnkomplexe 1 bis 3 und damit auch des HEP. Süd soll grünes Rückgrat der Stadt werden und das Zentrum lebendig. Mit "urbane Achse und Freiraumpole" wurde die Zukunft für Hansa Nord umschrieben.
Eine Übersicht über die Zukunft von Schulen und Kitas ist ebenfalls enthalten. Darin wird ihr baulicher Zustand eingeschätzt und ob sie Bestand haben.
Jetzt wird das Konzept in allen Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung öffentlich diskutiert. Eine Sondersitzung hat der Umweltausschuss für den 9. Juni ab 17 Uhr im Raum 215 des Rathauses anberaumt.Folgende Gebäude sind in der Dreijahresliste 2004 bis 2006 neu aufgeführt (WE bedeutet Wohnungseinheiten):
Jungclaussenweg 1-4 (43 WE); Baumschulenweg19-22 (48 WE), Große Müllroser Straße 56-63a (96 WE); Fürstenwalder Poststraße 97-99 (36 WE); Baumgartenstraße 1-4 (43 WE); Meurerstraße 4-6 (36 WE); Goethestraße 27-31 (40 WE); Thomasiusstraße 33-35 (32 WE); Baumschulenweg 1-4 und 5-8 (96 WE); Richtstraße 4-9 (60 WE); Fürstenwalder Poststraße 94-96 (36 WE); Clara-Zetkin-Ring 22-25 (42 WE); Meurerstraße 1-3 (33 WE); Berliner Straße 25 in Booßen (5 WE); Wimpinastraße 1-6 (64 WE) und Birkenallee 54-57 (40 WE).

www.moz.de

02.06.2004
Großenhain: Wohnungsgesellschaft liegt mit Abriss im Plan
Auf seiner Sitzung vor Pfingsten hat der Großenhainer Stadtrat den Jahresabschluss 2003 der Großenhainer Wohnungsverwaltungs- und Baugesellschaft mbH festgestellt. Ihren Geschäftsführer Jürgen Reimitz befragte Peter Anderson zum Wohnungsabriss und der Entwicklung des Unternehmens.
Herr Reimitz, wie lief das vergangene Jahr für die Wohnungswirtschaft?
Wir hatten 2003 zwei schwere Aufgaben zu lösen. Mittlerweile lässt sich sagen: Wir haben beide Hürden gut gemeistert. Im Rahmen des Stadtumbau Ost wurden weitere 108 Wohnungen abgerissen. Und wir haben die wohnungswirtschaftliche Software modernisiert.
Wo steht Großenhain beim Stadtumbau Ost?
Für unser Unternehmen kann ich sagen: Wir liegen gut im Plan. Bis 2006 wollen wir rund 400 Wohnungen vom Markt nehmen. 2002 haben wir mit 72 angefangen. 2003 wurden die Häuser Dr.-Külz-Straße 49 bis 65 abgerissen. Das sind weitere 108 Wohnungen.
Was ist für 2004 geplant?
Die Fördermittelbescheide für den Stadtumbau für 2004 liegen uns noch nicht vor. Wir werden denoch mit den Häusern Dr.-Schweitzer-Straße 19 bis 23, Dr.-Semmelweiss-Straße 9 bis 13 sowie Dr.-Külz-Straße 67 bis 71 weiter machen. Das sind 126 Wohnungen, die vom Markt kommen. Auch bei der Wohnumfeldgestaltung geht es voran: Die Robert-Koch-Straße 1 bis 15 ungerade und die Villastraße 1 bis 5a sind angefangen. Dort werden Wege befestigt, Sitzgruppen und neue Wäschegerüste aufgestellt. Zwei weitere Projekte sind in der Planungsphase.
Sind die 2004 für den Abriss vorgesehenen Wohnungen frei gezogen?
Nach aktuellem Stand gibt es lediglich für vier Mieter, von den insgesamt 220 bis 2006 vom Rückbau betroffenen Mietparteien, noch keine Lösung. Dort bemühen sich unsere Mitarbeiter weiter.
Wie schwierig war die Freilenkung der Abriss-Wohnungen?
Hinter den Zahlen verbergen sich Einzelschicksale. Menschen, die an ihrem gewachsenen Wohnumfeld hängen. So ein Prozess geht nie völlig reibungslos ab. Wir können es nicht allen recht machen. Letztlich sind daraus nur zwei Klagen vor Gericht entstanden. 80 Prozent der Betroffenen haben uns versichert, sie würden gern als Mieter bei der GWVB bleiben. Das werte ich als Vertrauensbeweis. Wir sind allerdings nur eine kleine Gesellschaft und konnten lediglich 50 Prozent der Nachfragen befriedigen.
Trotz der Fördermittelbescheide haben Sie bei der Stadt als Ihrem Gesellschafter um ein Darlehen von 500 000 Euro nachgefragt. Wieso das?
Nehmen Sie die Häuser Semmelweiss-Straße 9 bis 13. Die werden Anfang August vollständig leer sein. Lassen wir sie weiter stehen, kostet uns das Grundsteuer, Versicherung, Wärmeversorgung und vieles mehr. Deshalb haben wir uns entschlossen, den Abriss vorab zu finanzieren. Dazu brauchen wir den Kredit. Die Fördergelder sind möglicherweise erst im nächsten Jahr zu erwarten. Eigenes Kapital, um in Vorleistung zu gehen, haben wir nicht mehr. Wir müssen jeden Cent dreimal umdrehen. Die Leistungen für unsere Mieter würden dann noch weiter leiden.
Bis 2010 ist das Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost angelegt. Kommt dann für Sie das große Aufatmen?
Ich befürchte nein. Wir rechnen damit, dass dann bereits die nächste Rückbau-Aktion geplant werden muss. Das wird für unsere Gesellschaft kritisch. Da die öffentlichen Gelder immer knapper werden, muss die Förderung anders aussehen. Vielleicht sollte nochmals über die Altschulden diskutiert werden.
Sie erwähnten anfangs die Software-Umstellung als ein wichtiges Ergebnis der Arbeit im vergangenen Jahr. Was hat es damit auf sich?
Die Mieterverträge, die Betriebskostenabrechnung und alle anderen wohnungswirtschaftlichen Anwendungen laufen jetzt über eine neu Software. Die Lizenz war wesentlich günstiger als der alte Vertrag. Das sind Einsparungen, die dann wieder unseren Mietern zugute kommen.
www.sz-onlin.de