Newsticker Archiv März 2004

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31.03.2004
Oberlungwitz: Stadtwerke gehen neue Wege im Wohnungsbau

Aus zwei mach eins – Erste Maisonette-Wohnung im Oberlungwitzer Wohngebiet Robert-Koch-Straße entsteht
Neue Wege gegen den Leerstand gehen die Stadtwerke Oberlungwitz in diesen Tagen. Zwei Wohnungen im Plattenbau an der Robert-Koch-Straße 24 b wurden zusammengelegt und in Absprache mit dem potenziellen Mieter völlig neu gestaltet. 108 Quadratmeter Wohnfläche, für die Familie Nebe mit zwei Kindern bedeutet dies vor allem eine große Küche mit Fenster, zwei Kinderzimmer und genügend Stauraum für alles, was sich in einem Vier-Personen-Haushalt so findet.
Das Neuland, das Stadtwerke- chef Ulrich Steiner damit beschreitet, ist kein Zufall: Um dem Leerstand im Wohnungsbestand zu begegnen, will man versuchen, Wohnungen komfortabler, weil geräumiger, zu gestalten. „Wir werden am Freitag von 13 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 13 Uhr diese Wohnung zur Besichtigung für die Öffentlichkeit freigeben“, sagt Steiner und will damit das Interesse weiterer Mieter an möglichen Umbauten wecken. Dabei ist das Prozedere denkbar einfach: Finden sich Mieter, werden die Stadtwerke nach der Prüfung der Statik in den Plattenbauten eine Umbauvariante vorschlagen. Denkbar sei dabei, dass übereinander und nebeneinander liegende Wohnungen verbunden werden und so Wohnräume entstehen, die mit der Größe eines Einfamilienhauses vergleichbar sind.
Welche Fliesen und welcher Bodenbelag in die Wohnung kommt, auch das können die neuen Mieter mit bestimmen. 450 Wohnungen haben die Oberlungwitzer Stadtwerke seit 1993 in ihrem Bestand, bis heute komplett saniert und treten damit in der 6000 Einwohner zählenden Stadt als Vermieter auf. Dabei ist das Thema Wohnraumreduzierung längst nicht unbekannt. Sieben Wohnungen wurden bereits im altersgerechten Wohnblock der Stadtwerke an der Robert-Koch-Straße zu größeren Quartieren umgestaltet.
„Abwanderung auf der Suche nach einer Beschäftigung und eine zunehmende Überalterung“, darin sieht Steiner die Hauptursachen im Leerstand von Wohnungen. Zwar sind die Oberlungwitzer Stadtwerke längst von den dramatischen Leerständen großer Städte entfernt, doch will Steiner dem Trend auch künftig nicht tatenlos zusehen.
Eine Entwicklung, die auch in der Nachbarstadt Hohenstein-Ernstthal ihre Spuren zeigt. Mit mehr als 20 Prozent Leerstand im Wohnungsbestand erreicht man hier jene kritische Größe, die über das im Jahr 2000 aufgelegte Programm Stadtumbau Ost gefördert werden soll. „Mit 414.000 Wohnungen ist die Zahl frei stehender Wohnungen in Sachsen daramtisch hoch“, sagt Beate Bartsch vom Vorstandsstab der Sächsischen Aufbaubank. Obwohl 20.000 Wohnungen schon vom Markt genommen wurden, könne das Überangebot nur reduziert werden, wenn jährlich 25.000 Wohneinheiten verschwinden.

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31.03.2004
Sachsen: Ideen für Problemzonen
W o ist eigentlich Hoyerswerdas Mitte? Die Frage ist unkompliziert nur so zu beantworten: Die nordsächsische Stadt hat gleich zwei Mittelpunkte. Denn eigentlich besteht sie aus zwei großen Teilen, die nie wirklich zusammengewachsen sind. Da ist die im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte, durchaus reizvolle Altstadt. Vor 49 Jahren wurden die ersten Grundsteine für die Neustadt gelegt. Den alten und neuen Teil der kreisfreien Stadt trennen die Bundesstraße 96 und der Elsterkanal. Die am 15. März in Dresden gestartete sächsische City-Offensive hat bei den Hoyerswerdaern deshalb auch den leicht abgewandelten Namen „Ab in die Mitten“. Gestern Nachmittag saßen Hoyerswerdaer zum ersten Mal in einer großen Runde, um gemeinsam zu überlegen, womit sie sich an dem Wettbewerb beteiligen.
Ein idyllisches Quartier am Elsterfließ zwischen Senftenberger Straße, Kirchstraße und Mühlenfließ soll entdeckt werden. Das könnte damit beginnen, dass für das wunderschön restaurierte Gebiet gleich hinter dem Markt überhaupt erst einmal ein Name gefunden wird. Mit Veranstaltungen, möglicherweise im Rahmen der Lausitzer Fischwochen im September, sollen die Hoyerswerdaer eingeladen werden, mal jenseits der bekannten Adressen spazieren zu gehen.
Schwieriger wird es da schon in der Neustadt. Sagt Bürgermeister Stefan Skora. Rund um die Lausitzhalle und das Lausitz-Center klaffen viele Wunden. Wo bis vor kurzem noch tausende Menschen in Hochhäusern lebten, wächst Gras oder parken Autos auf unbefestigtem Gelände. Hier soll Hoyerswerdas neue Neustadt-Mitte sein. Ob hier ein Park mit Skulpturen, ein kleiner See, vielleicht ein Rodelberg entsteht? Das sollen die Hoyerswerdaer selbst mitbestimmen. Damit sie das diskutieren, werden die Partner aus der City-Offensive – darunter Planungsbüros, der Gewerbering, die Vereine Stadtumbau und Subversion, Stadtverwaltung – Aktionen organisieren. Übliche wie Podiumsdiskussionen oder Workshops, aber auch spektakuläre sind im Gespräch, wie Abrisshäusern aufs Dach steigen, sie beleuchten, Modelle oder ein Info-Zentrum aufstellen. „Wir wollen bei den Einwohnern Vorschläge rauskitzeln“, sagt Skora.
Szenenwechsel von der Schwarzen Elster an die Neiße. Wer in Görlitz vom Bahnhof aus die Stadt erkundet, hat erst einmal einen schweren Brocken zu verdauen. Leer stehende, unsanierte Häuser, zugenagelte Schaufensterscheiben: Seit gut zehn Jahren dümpelt die eigentliche Bummelmeile im oberen Teil der Berliner Straße in diesem Zustand vor sich hin. Händler haben sich an attraktivere Standorte zurückgezogen, Eigentümer scheuen die Investition, sagt Stadtplaner Lutz Penske.
Doch das soll sich ändern. Die Fußgängerachse vom Bahnhof bis zum denkmalgeschützten Karstadt-Kaufhaus stellen die Görlitzer in den Mittelpunkt ihrer City-Offensive. Arbeitstitel: „Görlitz kommt gut an.“ Schwerpunkt dabei soll der neue zentrale Busbahnhof werden, der vom Demianiplatz auf von der Bahn nicht mehr genutzte Gleise im Bahnhofsgelände verlegt wird. Hier könnten künftig auch die Reisebusse parken. Ob der Grundstein dafür schon nächstes Jahr gelegt wird, steht noch nicht fest. Mit Aktionen, wie dem Frühjahrsputz in der oberen Berliner Straße und vielleicht einem Fest, soll das Augenmerk auf das Problemkind gelegt werden.

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31.03.2004
Zweite Abriss-Welle kommt
Die Wohnungsunternehmen in den neuen Ländern kommen beim Stadtumbau viel zu langsam voran. Die Ursachen versuchte gestern ein Stadt-umbau-Kongress im sächsischen Hoyerswerda zu klären. Ob die Wohnungswirtschaft den Stadtumbau schafft oder eher der Stadtumbau die Wohnungswirtschaft, das konnten die Teilnehmer allerdings nicht eindeutig beantworten. Sie einigten sich auf die Formel: «Es wird schon schief gehen» .
Die Bevölkerung im Osten wird immer weniger und immer älter, der zu bewältigende Leerstand immer größer. Die Wirtschaftskraft der Wohnungsunternehmen schwindet, auch wenn Banker mit Blick auf den Durchschnitt meinen, es sei ein Mythos, dass die ostdeutsche Wohnungswirtschaft am Abgrund steht.
Hoyerswerdas Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig behält dennoch seinen Mut und Optimismus. Seine Stadt erhielt gestern gleich mehrere Komplimente: Als Pionier des Stadtumbaus und Vorzeige-Beispiel für das Zusammengehen von Wohnungsunternehmen, Kommune, Ver- und Entsorgern, Stadtplanern und Bürgern. «Wir werden mal eine schöne Stadt» , versicherte Brähmig. Noch zählt Hoyerswerda rund 47 900 Einwohner. Aktuellen Prognosen zufolge werden es 2020 noch rund 30 400 sein. Brähmig kann das nicht bange machen. «Untergang ist nicht unsere Aufgabe» , sagte er, sondern den Prozess gestalten – mit den Bürgern und für sie. «Das wichtigste ist, dass sie sich wohl fühlen in unserer Stadt.»
Bis 2010 wollen Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft der Stadt Hoyerswerda rund 8500 Wohnungen vom Markt nehmen, danach werden mindestens 2000 weitere folgen müssen. «Dafür brauchen wir eine längerfristigere und berechenbare Unterstützung von Bund und Land» , forderte Wolfgang Jenschke von der Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda.
«Wenn es keine Korrekturen gibt im Stadtumbauprogramm Ost, werden viele Wohnungsunternehmen den Stadtumbau nicht schaffen» , warnte auch Ludwig Schönefeldt, Geschäftsführer der BBT GmbH, einem Beratungsunternehmen der Wohnungswirtschaft. Das im Jahr 2002 aufgelegte Stadtumbauprogramm gewinne zwar an Fahrt, jedoch nehme der Bevölkerungsschwund schneller zu, erklärte Schönefeldt. Es werde eine zweite Abrisswelle geben ab 2010. Die jetzige sei noch zu zäh. Das gefährde die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen.
Günther Troppmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank AG, machte die Dimension deutlich: Werden alle 350 000 Wohnungen abgerissen, für die Bund und Länder über das Stadtumbauprogramm Ost die nötige Förderung bereitstellen, ergibt sich eine Betriebskostenersparnis von 100 Millionen Euro pro Jahr. Dabei setzte Troppmann lediglich einen Euro pro Quadratmeter und Monat als Betriebskosten an. Hinzu kämen rund 80 Millionen Euro aus der Entlastung von der Altschuldenhilfe. «Das heißt, jeder der nicht abreißt, vergibt eine Chance, sich wirtschaftlich zu stabilisieren» , sagte Troppmann.
Die für 2004 für die Altlastenentschuldung im Bundeshaushalt zusätzlich bereitgestellten 315 Millionen Euro sind nach Angaben von Peter Runkel, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, gesperrt. Ursache sei die nicht gestrichene Eigenheimzulage. Aus der Streichung sollten die zusätzlichen Mittel finanziert werden.
Runkel sieht den Stadtumbau Ost «insgesamt auf einem guten Weg» , Stefan Weber, Vorstand der Sächsischen Aufbaubank, in Sachsen jedoch noch nicht. «99 Prozent der bereitgestellten Mittel haben wir noch, ein Prozent ist erst abgeflossen» , kritisierte Weber. Der Förder-Banker versuchte, die Unternehmer im Saal zu motivieren, die Zeit besser zu nutzen: «Sie müssen sich heute fit machen für die zweite Abrisswelle. Für die werden sie keine solchen Fördermittel mehr bekommen.»

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28.03.2004
Aschersleben: Michelangelo Symbol für erweckte Stadt?
Es ist soweit: Die "Zahnlücken" Hinter dem Zoll in Aschersleben bekommen bunte Füllungen. Als "Zahnärzte" wirken etwa 15 junge Graffiti-Sprayer aus Sachsen-Anhalt, die ihre künstlerischen Ambitionen auf riesigen, sechs Meter hohen Leinwänden ausleben. Auf etwa 250 Quadratmetern Fläche, die ein Stahlskelett überspannt, wird Kunst der jugendlichen Art entstehen.
Die Entwürfe bis hin zum Farbkonzept liegen bereits auf dem Tisch. Schnell wird klar: Die jungen Leute haben sich Gedanken gemacht, sind sich ihrer Verantwortung für das Stadtbild wohl bewusst. Die Silhouette der Einestadt wird zu erkennen sein, auf einer weiteren Riesen-Tafel wird sich stilisiertes Wasser seinen Weg bahnen. Einer der Entwürfe zeigt die berühmte Erweckungsszene aus dem Michelangelo-Fresko "Die Erschaffung Adams" - die sich berührenden Hände graffiti-typisch verändert. Ein Symbol für ein "aufgewecktes" Aschersleben? Bernhard Lohe vom Ascherslebener Kunst- und Kulturverein, der die Arbeiten gemeinsam mit der Stadt koordiniert, freut sich schon auf die nächsten Wochen, wenn sich die Alte Hobelei gleich gegenüber zur Künstlerwerkstatt wandeln wird.
Die gesprühten Bilder entstehen ab Ende nächster Woche in einem öffentlichen Pleinair - und sie sind Teil des Stadtumbauprogramms, das mit dem Abriss nicht mehr bewohnter Häuser an den Durchfahrtstraßen seinen Anfang nahm. Die Idee zur Kunst an der Straße, die nicht nur das Stadtbild verändern wird, sondern auch als Sicht- und Schallschutz dient, stammt vom Berliner Architekten Josef Weitz. Er gehört zu einer Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit dem Ascherslebener Stadtumbau als Modellprojekt für die Internationale Bauausstellung 2010 befasst.
Pünktlich zum Sachsen-Anhalt-Tag wird die junge Kunst Hinter dem Zoll zu bestaunen sein. Hinter den Wänden, die auf der Rückseite begrünt werden, entstehen Parkflächen. Für die Aktion, die mit einem Fest abgeschlossen wird, stehen 20 000 Euro zur Verfügung.

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27.03.2004
Crimmitschau: Fahrstuhl als Alternative zu Leerstand und Abriss
Der Abriss von Wohngebäuden in größerem Umfang als bisher steht zur Debatte, die Kommunalpolitiker nennen es Rückbau. Beim jüngsten Bürgerforum stellte Oberbürgermeister Holm Günther fest, dass es durchaus passieren könne, dass aus ökonomischer Sicht auch einmal ein bereits sanierter Plattenbau mit abgebrochen oder eventuell in der Geschosshöhe reduziert werden müsse. Städtebauliche Aspekte und finanziell nicht zu verkraftender Leerstand seien die Gründe für solche Erwägungen.
Dies könnte die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau (WGC) ebenso betreffen, die solche Häuser am westlichen Ende der Bebelstraße in ihrem Bestand hat. Öfter schon war davon die Rede, dass es wünschenswert sei, diese zusammen mit den unsanierten der kommunalen Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) am Rand des großen Wohngebietes abzureißen.
Harald Lichtenstein, Geschäftsführer der WGC, sieht das etwas anders. Bis Ende 2001 hatte die Genossenschaft nämlich alle 1385 im Bestand vorhandenen Wohnungen saniert und das hat viel Geld gekostet. Rund 200 Wohnungen, das sind knapp 19 Prozent, sind nicht vermietet, also hat auch die WGC mit dem Leerstand zu kämpfen. Doch die Aus- und Einzüge hielten sich in den vergangenen Jahren die Waage, der Leerstand habe sich nicht erhöht, so Lichtenstein.
Wiederholt hatten sich deshalb Aufsichtsrat und Vorstand gegen einen Abriss von sanierten Wohnraum ausgesprochen. Denn: Die Prognose einer in Auftrag gegebenen Studie geht davon aus, dass die Liquidität der WGC bei festgeschriebenen Mieten und konstanten Personalkosten ohne die Berücksichtigung von Tariferhöhungen und einem angenommenen Leerstand von 23 Prozent bis zum Jahre 2013 festgeschrieben ist.
Auch der Rückbau von zwei oder drei oberen Etagen bei sechsgeschossigen Plattenbauhäusern müsse unter ökonomischen Aspekten betrachtet werden. Es gehe ja nicht nur um das vorsichtige Abtragen von Betonteilen. Die Häuser brauchen beispielsweise ein neues Dach, welches in die Kalkulation einbezogen werden muss, um nur mal einen der größeren finanziellen Posten zu nennen. Außerdem sei dies unter bewohnten Bedingungen wohl kaum zu realisieren, ist Lichtenstein skeptisch.
Die WGC hat eine ganz andere Sache erwogen: Aufsichtsrat und Vorstand haben sich nämlich Gedanken darüber gemacht, wie die oberen Stockwerke besser erschlossen werden könnten, so Lichtenstein. Man habe vor, im Rahmen eines Pilotprojektes am Eingang eines noch auszuwählenden Plattenbauhauses einen Personenaufzug anzubringen. Man habe die vorerst noch nicht ganz ausgereifte Vorstellung, damit weitere Wohnungen in Aufzugsnähe mit bedienen zu können und das gesamte 6. Geschoss durchgehend zugängig zu machen, etwa unter Inanspruchnahme der jeweiligen Kinderzimmer.
Inbegriffen ist also ein Umbau der Wohnungen im 6. Stock. Dort könne danach eine Art Wohnservice für ältere Menschen entstehen, der die Versorgung, Betreuung und Pflege einschließen soll. Man verspricht sich dadurch eine bessere Auslastung des oberen Stockwerkes.

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27.03.2004
Auerbach/Erzg: Wohnungsgesellschaft in Auerbach vor schwerem Jahr
Eine gute Entwicklung trotz finanzieller Schwierigkeiten bilanzierte der Geschäftsführer der Auerbacher Wohnungsgesellschaft Heinz Grasse im Gemeinderat. Die Gesellschaft verwaltet 157 Wohnungen. Dazu kommen alle öffentlichen Gebäude mit einer Gesamtfläche von 15.960 Quadratmetern. Mit der stark sanierungsbedürftigen Esda-Siedlung hat sich die Wohnungsgesellschaft einen schweren Klotz ans Bein gebunden. Eine Komplettsanierung ist derzeit nicht möglich. In den sieben Jahren des Bestehens der Wohnungsgesellschaft, die zurzeit 14 Mitarbeiter beschäftigt, wurden immerhin etwa eine Million Euro für die Instandhaltung und Modernisierung des Gebäudebestandes investiert. Allein im vorigen Jahr wurden Baumaßnahmen im Wert von rund 100.000 Euro verwirklicht.
Die durchschnittlichen monatlichen Mieteinnahmen belaufen sich auf 41.400 Euro. Dazu kommen 10.450 Euro Betriebskosten und 5800 Euro Heizkosten. Der Wohnungsleerstand liegt bei 13,14 Prozent und verursacht einen monatlichen Mietausfall von 2859 Euro. Mit einer Verschuldung von 114,35 Euro je Quadratmeter Wohnfläche rangiert die Auerbacher Wohnungsgesellschaft weit unter den Verschuldungsraten anderer Gesellschaften. Das Anlagevermögen beläuft sich zur Zeit auf gut fünf Millionen Euro.
Das laufende Wirtschaftsjahr nannte Grasse „das bislang schwierigste“. Die Tilgung aus der Kreditaufnahme beim Kauf der Esda-Siedlung ist mit 48.317 Euro das erste Mal fällig. Dazu kommen Zinsbelastungen und Tilgung in Höhe von 121.000 Euro. Außerdem müssen zum Beispiel die letzten Wohngebäude in der Wirkerstraße an das vorhandene Abwassersystem und die Feldstraße 7 an die im Vorjahr errichtete Kläranlage angeschlossen werden. Der Geschäftsführer verwies auf die nötige Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die ja Mitgesellschafter in der Wohnungsgesellschaft ist.

www.freiepresse.de

27.03.2004
Brandenburg: Minister mit Scheckbuch
Mit vollen Taschen war Bauminister Frank Szymanski  gestern in die Stadt gekommen. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann bekam einen Förderbescheid über 890 000 Euro für das Sanieren der St. Annen-Promenade. Der etwa 800 Meter lange Weg vom St. Annen-Tor zum Steintor zwischen Stadtkanal und Stadtmauer erscheint derzeit in einem recht ungepflegten Zustand. Erosionen haben dazu geführt, dass die Füße der vor zwei Jahren sanierten Stadtmauer frei liegen, kleine Stützmauern aus Naturstein sollen künftig die Erosion verhindern. Die Böschung wird angeschüttet und bepflanzt, um den Park-Charakter wiederherzustellen, sagt Katrin Witt, Leiterin des Denkmalpflegeamtes. An den Enden und in der Mitte werden zum Wasser hin kleine Plattformen angelegt, die von Anglern und Paddlern genutzt werden können. Zudem wird der Weg beleuchtet.
Zusagen über eine umfangreiche Landesförderung in zweistelliger Millionenhöhe gab es beim Thema Stadtumbau. Szymanski versicherte, dass der Abriss von 2000 Wohnungen komplett gefördert werde. Das wird mehr als sieben Millionen Euro kosten. 62 Euro für jeden Quadratmeter abgebauten Wohnraums gibt es. In mindestens gleicher Höhe sollen so genannte Aufwertungsmittel fließen. Zu denen muss die Kommune ein Drittel Eigenanteil aufbringen.
Doch zuallererst bedarf es eines wohnungswirtschaftlichen Konzepts. Frau Tiemann will im April einen Vorschlag zum Umgang mit dem Leerstand einbringen und danach mit Wohnungsbaugesellschaften, -genossenschaften und privaten Eigentümern weiterentwickeln. "Bis zum Jahresende sollte das fertige Konzept in Potsdam sein, dann werden wir in Jahresscheiben bis 2010 die entsprechenden Fördermittel ausreichen", verspricht Szymanski, der gestern mit Vertretern der Wohnungswirtschaft und den Moderatoren des Stadtumbauprozesses zusammentraf. Für die Moderation gibt das Land beispielsweise noch vier Monate Geld.
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27.03.2004
Chemnitz: Mehr Grünflächen, schneller Abriss
Bazillenröhre, Abrisshäuser, Steinwüste: Auf dem Sonnenberg liegt einiges im Argen. Das ehemalige Arbeiterviertel gehört zu den dicht bewohnten Gebieten der Stadt, umso dringender müssen die Probleme angegangen werden.
„Künstlich beleben kann man ein Viertel nicht“, ist Stadtrat Günther Pfeil  überzeugt. „Aber als Stadt kann man was fürs Umfeld tun.“ Zum Beispiel beim so genannten Stadtumbau, sprich Abriss. Der gestaltet sich auf dem Sonnenberg schwierig, weil viele Häuser in Privatbesitz sind. Erst im vorigen Jahr fielen die ersten Gebäude. Neun Häuser wurden abgerissen, dafür flossen 400000 Euro Fördermittel. Für dieses Jahr sind zwei Objekte finanziert (87000 Euro). Gunda Dießner vom Amt für Baukoordination: „Bedarf hätten wir für 16 weitere, aber da ist noch kein Geld da.“
Stadtplaner Börries Butenop bleibt trotzdem zuversichtlich: „Auf dem Sonnenberg gibt es engagierte Bewohner, mit denen wir zusammen arbeiten. Zunächst wollen wir in dem Viertel mehr Grünflächen schaffen.“
Eine wichtige Verbindung des Sonnenbergs in die Stadt ist die so genannte Bazillenröhre, der Tunnel von der Dresdner Straße zum Bahnhof. Pfeil: „Das ist eigentlich nicht zumutbar.“ Der Tunnel gehört der Bahn, die findet den auch nicht schön. Sprecherin Helga Kuhn: „Aber wir haben kein Geld.“
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25.03.2004
Kamenz: Abrissbagger kein Allheilmittel
Bislang war der Abbruch von Wohnungen in der Kreisstadt eine Angelegenheit der anderen gewesen. Zum Beispiel der Wohnungsbaugenossenschaft Kamenz, die innerhalb eines Jahres 216 Wohnungen vom Markt nehmen muss, um überleben zu können. Doch auch bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) wird es ernst. SZ sprach mit Geschäftsführer DANIEL JIRCIK.
Die SWG hat in den Neunzigern massiv saniert. Fällt Ihnen dieses Konzept jetzt auf die Füße?
Wir haben damals bedarfsorientiert gehandelt und konnten nur durch diese zeitige Sanierung unseren Leerstand gering halten.
Nun rückt der Tag näher, an dem tatsächlich modernisierte Häuser angegriffen werden?
Davon kann keine Rede sein, schon weil jegliches Handlungskonzept dafür fehlt. Dies beginnt doch damit, dass die einst geldgebenden Banken zustimmen müssten. Undenkbar. Zum anderen haben wir selbst noch einen gewissen Spielraum an unsanierten Wohnungen
Diesen geht es jetzt also an den Kragen?
Teilweise, schließlich darf man nicht außer Acht lassen, dass es immer noch einen Bedarf an preiswerten, also unsanierten Wohnungen in der Stadt gibt. An dieser ökonomischen Tatsache darf man nicht vorbeigehen. Aber dort, wo Blöcke und Wohnhäuser fast leergezogen sind, werden wir über kurz oder lang abreißen. Das betrifft zehn Wohnungen in der Grenzstraße 1 a-c, 15 Wohnungen am Lindenweg in Jesau und 14 Wohnungen in der Prietitzer Straße 27/29 in Thonberg.
Wissen die Mieter Bescheid?
Wir haben Gespräche geführt und sind weitgehend auf Verständnis gestoßen. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist bekannt, da leuchtet es ein, dass die teure Hausinstandhaltung unsanierter Gebäude keinen Sinn mehr macht. Wir haben allen Betroffenen natürlich Ersatz bei der SWG angeboten, manch einer wird es sicher wahrnehmen.
Mit dem Rückbau kann sich die SWG dann sanieren?
Es ist ein weit verbreiterter Irrtum, dass man annimmt, mit dem Wohnungsabriss könne man wirtschaftliche Ziele verfolgen. Der Abriss macht in dieser Hinsicht nichts besser. Hinzu kommt das negative Image, wenn man Häuser wegreißt.
Die toten Augen in leergezogenen Häusern sind aber auch nicht gerade anheimelnd.
Natürlich nicht, und deshalb gibt es ja auch mit Blick auf die Stadtentwicklung keine Alternative zu einem geordneten Rückbau. Ich sperre mich nur als Wohnungswirtschaftler gegen die verbreitete Meinung, der Abrissbagger sei eine Art Allheilmittel. Wohnungen wollen vermietet und nicht abgerissen sein.
Die SWG hat elf Prozent Leerstand. Sehen sie sich damit noch im grünen Bereich?
Wir gehören zu den nach wie vor gut aufgestellten Großvermietern in der Region, weshalb ja auch ein Altschuldenerlass für „notleidende Wohnungsgesellschaften“ nicht in Frage kommt. Dies nur nebenbei. Allerdings muss man die mittelfristigen Probleme sehen. Und diese erwachsen vor allem aus den veränderten Mieterinteressen.
Können Sie denen in Zukunft nicht mehr gerecht werden?
Darauf wird es ankommen. Heutzutage ist die sanierte 2-Raum-Wohnung mit gehobenem Standard der Renner. Da können wir den Bedarf derzeit gar nicht abdecken. Stattdessen stehen mehr und mehr der typischen 60-Quadratmeter-Wohnungen mit drei Zimmern leer. Das heißt: Die Anzahl der Haushalte nimmt sogar zu bei uns, aber sie werden kleiner. Darauf müssen wir uns einstellen.
Durch Zuschnittänderungen?
Das eben kostet viel Geld. Deshalb arbeiten wir derzeit an einem Gesamtkonzept für die SWG. Ziel muss dabei sein, die Kreditbelastung zu reduzieren. Neue Kredite aufzunehmen ist vollständig ausgeschlossen.
Dann bleibt ja nur eine kräftige Mieterhöhung, oder?
Dafür gibt es am Wohnungsmarkt auch in Kamenz schon lange kein Potenzial mehr.
Und wie stets mit dem Eintreiben der Mietschulden?
Mit zusätzlichen Einnahmen durch den Mietschuldenabbau rechnen wir eher nicht. Die Anzahl der Schuldner ist relativ stabil, aber die Höhe der Rückstände jedes einzelnen steigt. Derzeit haben wir sechsstellige Außenstände. Unser Ziel ist es, diese Summe nicht weiter anwachsen zu lassen. Wir wollen wirklich nicht unbedingt zwangsräumen, sondern mit den Betroffenen gemeinsam eine Lösung suchen. Man muss freilich mit uns sprechen. Sonst geht das nicht.
Eine weitere Einnahme-Möglichkeit wäre die Übernahme städtischer Aufgaben ...
Schon vor längerer Zeit haben wir dem Rathaus ein Angebot unterbreitet. Es ging um die Liegenschaftsverwaltung – zum Beispiel des Rathauses, der Schulen oder des Stadtwaldes. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch und werden gewiss auch im neuen Gesamtkonzept des Gesellschafters eine Rolle spielen.

www.sz-online.de

25.03.2004
Weida: Förderung von Straßenbau und Abriss
Zwei wichtige Vorhaben in der Weidaer Innenstadt hat der Stadtrat per Fördermittelbeschluss auf den Weg gebracht. So ist geplant, den grundhaften Ausbau der Brauhausgasse einschließlich der Uferbefestigung in zwei Bauabschnitten zu realisieren. Die Brauhausgass als Anliegerstraße verbindet die Brüderstraße in Höhe der Kirchbrücke mit der Stegstraße.
Das gesamte Areal ist Bestandteil des Sanierungsgebietes und des Denkmalensembles "Kernstadt Weida". Beantragt werden sollen zunächst die Fördermittel für den ersten Bauabschnitt, den Bau der Ufermauer. Bei Gesamtkosten von rund 286 900 Euro liegt der städtische Anteil bei rund 95 600 Euro.
In einem 2. Bauabschnitt soll dann die endgültige Herstellung der Straße mit Geländer, Beleuchtung und Verblendung der Stützmauer erfolgen. Hier sind förderfähige Gesamtkosten von rund 228 140 Euro veranschlagt, wiederum mit rund einem Drittel Eigenanteil.
Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost - Rückbaumaßnahmen wird die Stadt beantragen für den Abriss des Wohn- und Geschäftsgebäudes Gräfenbrücker Straße 2. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 58 430 Euro, wobei ein städtischer Anteil von 21 430 Euro verbleibt. Mit dem Abriss wird das Ziel verfolgt, den Einmündungsbereich Gräfenbrücker/Obere Straße zu erweitern. Die Gräfenbrücker Straße ist bislang nur als Einbahnstraße befahrbar. Das Straßenbauamt Gera hat für den Fall des Abrisses die Erweiterung des Knotenpunktes für einen Zweirichtungsverkehr in Aussicht gestellt, heißt es zur Begründung.

www.tlz.de

25.03.2004
Immer mehr Städte stehen vor dem Kollaps
Was die Auguren seit Monaten prophezeien, das wird immer mehr zum Albtraum der Städtebauer: der Wohnungsleerstand erreicht den Westen. Auf einer Expertenkonferenz in Dortmund hat jetzt der Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung (vhw) den erschreckenden Ergebnisbericht einer von ihm eingesetzten interdisziplinären Arbeitsgruppe "Stadtumbau Ost/West" vorgelegt. Danach erreichen die Leerstände auch in Westdeutschland verschiedentlich schon Spitzenwerte um 13 Prozent. Spätestens ab 2015, so der Bericht, "ist in Westdeutschland mit strukturellen Leerständen in einer Dimension zu rechnen, die denen ostdeutscher Regionen nahe kommt".
Die Arbeitsgruppe hat sieben ausgewählte Städte aufgesucht und die Situation verglichen. Während sie in den ostdeutschen Städten Luckenwalde, Görlitz und Halle gründliche Analysen und Konzepte vorfand, traf sie in den westdeutschen Städten Duisburg, Herten, Oer-Erkenschwick und Neunkirchen (Saar) vielfach auf Ahnungslosigkeit und mangelndes Problembewusstsein. Auf die Frage nach dem Leerstand 2001 wussten die drei größeren Städte keine Antwort. Aus Duisburg verlautete: "unter zehn Prozent". Eine Leerstandsprognose konnte keine der vier Städte vorlegen.
Mit dieser Vogel-Strauß-Einstellung könnten die westdeutschen Städte mittelfristig in dieselbe Spirale des Niedergangs geraten, die inzwischen viele ostdeutsche Städte in eine unentrinnbare Notlage gebracht hat. Prof. Gerd Schmidt-Eichstädt, Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin: "Im Osten stehen Wohnungen für 2,6 Millionen Menschen leer, das ist ein Sechstel der Bevölkerung, und niemand hat das Geld dafür, die Lage zu wenden."
Nach dem Bericht der Expertengruppe hatte sich die Leerstandsquote der vom GdW vertretenen Unternehmen schon per 31.12.2002 auf 16,2 Prozent erhöht, "immer mehr Unternehmen haben bereits heute sogar einen Leerstand von über 30 Prozent". Damit schnappt die Falle zu: Die Investitionsfähigkeit geht rapide zurück, Modernisierungsmaßnahmen scheinen kaum noch möglich. In der Folge schwinden die Möglichkeiten, Mietern aus Abrissobjekten Ersatzwohnungen anzubieten, "die Gefahr der Insolvenz von Wohnungsunternehmen und des Zusammenbrechens ganzer Wohnungsmärkte nimmt zu". Für viele Unternehmen ergibt sich schon jetzt eine hoffnungslose Perspektive: "Die Eigenkapitalrentabilität der ostdeutschen Wohnungsunternehmen lag Ende 2001 bei insgesamt minus sieben Prozent, das Kapital wird mittelfristig aufgezehrt."
Die tiefere und nicht mehr abwendbare Ursache für das Kippen der Wohnungsmärkte in Ost und West sehen Fachleute wie Rita Tölle, Referatsleiterin im Städtebauministerium NRW, in der Bevölkerungsimplosion. Bis 2015 werde die Einwohnerzahl in Dortmund um 9,1 Prozent, in Hagen um 9,3 Prozent und in Essen um 11,5 Prozent schrumpfen. Im Westen werde der Leerstand vielfach noch als Qualitätsproblem gesehen, das man durch Beseitigung von "Schlechtwohnungen" an Ausfallstraßen bewältigen könne. Doch dahinter erhebe sich drohend das schon bald kaum noch beherrschbare Quantitätsproblem.
Um "aus der Schrumpfung den Weg in die Zukunft zu finden", hält Schmidt-Eichstädt radikales Umdenken für unabdingbar: "Die Immobilienmärkte müssen realistisch eingeschätzt werden. Dafür gilt im Osten heute schon die Formel: Verkehrswert gleich Marktwert. Die Bodenwerte tendieren gegen Null." Außerdem müssten die Wohnwünsche der Betroffenen erforscht und ernst genommen werden. So sei im Osten "manches gefördert worden, was schon wieder beseitigt werden muss".

Beispiele für fatale Fehleinschätzungen lieferte Frank Segebade, Referatsleiter im brandenburgischen Stadtentwicklungsministerium: "Es gab regelrechte Rattenrennen. Zuerst wurde in aller Eile der schlechteste Bestand saniert, in den horrende Fördergelder gepumpt werden mussten, und dann auch noch der zweitschlechteste. Am Ende hat man den drittschlechtesten abgerissen, für dessen Instandsetzung man die wenigsten Mittel benötigt hätte."
Segebade war es auch, der den westdeutschen Nachahmern ostdeutscher Rezepte ins Stammbuch schrieb, die Städte müssten konsequent von den Rändern zurückgebaut werden. Nur das sei bezahlbar. "Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn sanierte Bestände am Waldrand übrig bleiben." Am schlechtesten stünden heute solche Unternehmen da, die ihre Plattenbauten weitgehend instand gesetzt haben: "Denen bleibt gar keine Luft mehr, wenn der Mieterschwund beginnt."
Dass im harten Konkurrenzkampf um den Mieter die Großsiedlungen zum Klotz am Bein werden können, unterstrich auch Rita Tölle: "Die sind einfach teurer als der drei- bis viergeschossige Bestand. Wir müssen im Westen frühzeitig wohnungswirtschaftlich denken und fragen, was kann der Standort langfristig bringen." Dasselbe forderte in Dortmund Anita Steinhart, Projektleiterin Stadt- und wohnungswirtschaftliche Forschung, isw Halle-Leipzig, die auf die noch kaum berücksichtigten Auswirkungen des Stadtumbaus auf die Infrastruktur verwies. So habe eine Untersuchung in vier Städten Sachsen-Anhalts ergeben, dass für die Anpassung der Trink- und Abwassersysteme sowie Fernheizungen 20 Euro/qm rückgebauter Wohnfläche veranschlagt werden müssten, die sich um weitere 19 Euro/qm für vorzeitige Stilllegung noch nicht voll abgeschriebener Anlagen nahezu verdoppeln. Nach Meinung der Expertin kann die "Betriebsfähigkeit" ganzer Städte bedroht sein, wenn die Anpassung der Infrastruktur verschleppt und die Kostenlawine unterschätzt wird.
Was sind die Lehren für den Stadtumbau? Er sollte auf keinen Fall "punktuell", sondern möglichst flächenmäßig erfolgen. Sonst klettern die Kosten für die Unterhaltung der Systeme für die verbleibenden Mieter ins Astronomische - was neue Vertreibungseffekte und Leerstände auslöst und laut Steinhart zuletzt die Wirtschaftlichkeit der Gesamtkommune unterhöhlt.

www.welt.de

25.03.2004
 "Nur die A-Gruppe bleibt: Alte, Ausländer, Asoziale"
Leerstand West ist (noch) nicht gleich Leerstand Ost. Das ist die Erkenntnis der interdisziplinären Arbeitsgruppe des vhw, die nach der Bereisung von sieben Städten in Ost- und Westdeutschland einen Ergebnisbericht "Stadtumbau Ost/West" vorgelegt hat - die bisher gründlichste Bestandsaufnahme der Folgen des Bevölkerungsschwundes auf Wohnungsmarkt und Städtebau. Während im Osten auf den Leerstand unmittelbar die Verödung folgt, geht dem Ende der städtischen Zivilisation im Westen Gettobildung, Verarmung und Überalterung der Quartiere voraus.
Duisburgs Einwohnerzahl ist von 650 000 (1975) auf 500 000 geschrumpft, bilanziert das Papier. Und sie wird weiter fallen - bis 2016 auf 460 000. Schon jetzt verzeichnet die Gebag Leerstände von bis zu acht Prozent. Gleichzeitig kommt es zur "negativen Selektion": "In den Kernbereichen verbleiben nur noch die A-Gruppen: Ausländer, Alte, Asoziale."
In einigen Städten hat dieser Trend schon jetzt zu kaum noch beherrschbaren Verhältnissen geführt. So zählt der Stadtteil Duisburg-Hochfeld 18 000 Einwohner mit 100 Nationalitäten, davon 35 Prozent Nicht-Deutsche beziehungsweise Bewohner mit Migrationshintergrund. In der inzwischen zugemauerten 20-geschossigen Wohnhochhausanlage Homberg-Hochheide mit 320 Wohneinheiten aus den 70-er Jahren wurden zuletzt Bewohner mit 25 bis 30 verschiedenen Nationalitäten gezählt.
Das Beispiel steht offenbar symbolisch für einen das ganze Ruhrgebiet erfassenden Trend. Der frühere Stadtbaurat von Hagen, Johannes Dieckmann, sieht ab dem Jahr 2010 in den Großstädten des Ruhrgebiets bei den unter 40-jährigen das Mehrheitsverhältnis zwischen den Deutschen und der Bevölkerung mit Migrationshintergrund kippen.
Auf dem vhw-Forum "Stadtumbau Ost/West" schilderte er die Folgeerscheinungen als eine Kettenreaktion mit Zerstörungswirkung für das Integrationsmodell "Europäische Stadt". Gettobildung, kollektiver Abstieg ganzer Stadtteile und selektive Wanderung beschleunigen sich. Die Mehrheit nachwachsender Generationen wächst in Armutsvierteln auf. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung spitzt sich zum Kampf zwischen Integrierten und Überflüssigen zu.
Dieckmanns Appell: Die Brückenfunktion der Quartiere für die Integration in den Arbeitsmarkt muss gestärkt werden. Ein Modell könne die Weiterentwicklung der Stadtteilschule zur "Erziehungs- und Familienschule" sein. Die "Routinepolitik" mit Mitteln des Wohnungsbaus sei am Ende.

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25.03.2004
Ein Immobilienanleger berichtet
Im Chor der Klagenden über die millionenfachen Wohnungsleerstände im Osten haben sie wahrlich nicht die lauteste Stimme: die privaten Wohnungseigentümer. Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften tönen nicht nur lauter, ihnen scheinen die Maßnahmen des "Stadtumbauprogramms Ost" (bei allen Unzulänglichkeiten) auch viel eher angemessen zu sein. Und das, obwohl in den privaten Wohnungsbeständen die Leerstandsquote viel höher ist, wie die Sächsische Aufbaubank (SAB) in ihrem "Monitoring Wohnungswirtschaft 2003" feststellt.
Das Revier privater Wohnungsinvestoren sind hauptsächlich Innenstadtlagen mit Altbauten. Solch ein Haus aus der Gründerzeit kaufte 1995 auch Heinrich B. aus dem Allgäu. Seine Neuerwerbung mit 19 Wohnungen und einem kleinen Ladengeschäft steht in Leipzig. B. marschierte nicht mit fliegenden Fahnen in ein Immobilien-Abenteuer, er hielt sich für hinreichend abgesichert: War doch ein umfangreiches Verfahren zu durchlaufen, dass die Förderwürdigkeit von Bs. Vorhaben prüfte.
"Die werden schon nicht ihr Steuergeld zum Fenster hinaus werfen und über den wirklichen Bedarf hinaus fördern." So dachte B. und machte mit - im Hinterkopf die Lockrufe von den blühenden Landschaften. Dass er aber in einer schrumpfenden Stadt angekommen war, ging ihm bereits wenig später auf. Ab 1997 sei es unmöglich gewesen, die "Soll-Miete" von 8,50 DM/qm zu erzielen, berichtet B. Für 1998 waren im Finanzplan gar 9,50 DM/qm vorgesehen - "alles Makulatur", sagt B. heute. "Um überhaupt noch vermieten zu können, mussten wir auf 5,50 DM/qm herunter." Was nicht mehr die Kosten deckt, unter dem herrschenden Verdrängungswettbewerb aber schier unausweichlich war.
Seit 1998 drücken zudem wachsende Leerstände den privaten Vermieter, zwei bis vier Wohnungen ständen immer leer, berichtet B. Vier Wohnungen von 19 - damit ist die kritische Leerstands-Quote überschritten, deren Erreichen für eine kommunale Wohnungsgesellschaft als Existenz bedrohend angesehen wird, und in deren Folge das Unternehmen Abriss-Hilfen in Anspruch nehmen kann. Die sind zwar auch längst nicht hinreichend, um durchschlagende Erfolge im "Stadtumbauprogramm Ost" zu erzielen. Für das Rückzugsgefecht der Wohnungsgesellschaften auf den schrumpfenden Märkten liefern sie aber noch eine Weile Munition. Und in jedem Fall sind sie mehr als das, was einem vom Leerstand gequälten privaten Vermieter wie Heinrich B. zur Verfügung steht.
Denn was soll B. mit Stadtumbau-Mitteln? Abzureißen ist bei ihm nichts. Was ihn drückt liest sich so: Jedes Jahr summiert sich der Mietausfall auf 55 000 bis 60 000 Euro, Verluste, die anderweitig nicht kompensiert werden können. Im Jahr 2008 ist zudem das Förderdarlehen in Höhe von ursprünglich 2,4 Mio. DM abgelaufen. Die Summe ist aber bei weitem noch nicht getilgt. "Es ist wohl illusorisch zu glauben, dass sich noch eine Bank findet, die eine Anschluss-Finanzierung übernimmt", sagt B. Und verkaufen? "Wenn, dann nur weit unter dem Einstandspreis." Seine Perspektive ist düster: "Aus der Darlehensschuld wird eine Dauerschuld, die die wirtschaftliche Existenz unserer Familie ruiniert."
Der Rechtsweg verspricht nach eingehender Prüfung wenig, die Signale aus der Politik ähneln dem von Justizministerin Brigitte Zypries, die lauthals verkündete, mit Immobilien-Opfern keinerlei Mitleid zu hegen - und sich damit aus der Verantwortung stiehlt

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25.03.2004
Wo die Wohnungsmärkte zuerst zusammen brechen
Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis etliche Wohnungsmärkte in Ostdeutschland zusammen brechen. Wen es aller Voraussicht nach als erstes treffen wird, macht eine Untersuchung der Sächsischen Aufbaubank deutlich. Demnach haben jene Städte und Regionen die schlechtesten Karten, in denen es sowohl mit dem Stadtumbau, als auch mit der Wirtschaftsentwicklung hakt.
Die SAB-Statistiker liefern (für den Freistaat Sachsen) die Indizien zur Beantwortung der Frage nach dem "Wer?". Entscheidende Kriterien sind: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und die Zahl der Erwerbstätigen für den wirtschaftlichen Rahmen sowie das Verhältnis von Bauabgängen zu Baufertigstellungen als Spiegelbild der Wohnungsmarktbereinigungen im Zuge des Stadtumbaus. Sowohl im "Wachstums-Quadranten" der Wirtschaftsstatik, als auch ganz oben in der Tabelle der "Leerstands-Abräumer" stehen Chemnitz, Zwickau und der Landkreis Riesa-Großenhain. Setzen sich diese Trends fort, dürfte dort am ehesten zutreffen, was bei der SAB so formuliert wird: "Impulse für die Entwicklung der Wohnungsnachfrage in einer Stadt oder Region werden demnach mittel- und langfristig von der wirtschaftlichen Dynamik bestimmt."
Die Verminderung der Wohnungsleerstände durch Rückbau und die Aufwertung von Wohngebieten im Rahmen des Stadtumbauprozesses ist deshalb sicherlich eine notwendige Voraussetzung, aber kein Wundermittel dafür, dass Abwanderungsbewegungen gestoppt werden. Auch aus "umgebauten" Städten und Gemeinden werden Menschen mobiler Altersgruppen abwandern, wenn sich dort keine wirtschaftlichen Perspektiven und Einkommenschancen bieten. Dafür liefert die SAB-Untersuchung gleich zwei Beispiele: Hoyerswerda ist mit 34 Bauabgängen je 1000 Wohnungen absoluter Spitzenreiter in Sachsen (Durchschnitt: fünf je 1000), steckt aber wirtschaftlich in einem ganz tiefen Loch. Ähnliches gilt für Görlitz und den niederschlesischen Oberlausitzkreis. Dort zeigen ökonomische Parameter ebenso "schrumpfen" an wie demografische und die Migrationsströme.
Was fast zwangsläufig zu der bislang noch unausgesprochenen Frage führt: Wie lange wird überhaupt noch öffentliches Geld in solche "hoffnungslosen Regionen" fließen können?

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24.03.2004
Brandenburg: Abrissliste soll aus der Schublade heraus
Veröffentlichen soll die Stadtspitze die "augenscheinlich beschlossene Abrissliste" für Wobra-Wohnungen. Das fordert Frank Schulze, Geschäftsführer des Mietervereins Brandenburg. Es gebe viele verunsicherte Wobra-Mieter, die fragten, wie lange sie in ihren Wohnungen bleiben dürften.
Der Abriss kann nach Ansicht des Mietervereines nur das letzte Mittel sein und dürfe nicht vorrangig der Marktbereinigung dienen. Der Leerstand sei mehr als zur Hälfte in Altbauten zu verzeichnen; deshalb seien Ideen zum Stadtumbau gefragt, "die nicht einseitig zu Lasten des Wohngebietes Hohenstücken gehen". Mieter müssten sich in den Prozess einbringen dürfen, zudem brauche man einen Sozialplan als "Lastenausgleich" für unbillige Härten, beispielsweise wenn eine Einbauküche nicht weiter nutzbar ist.
Schulze warnt die Stadt davor, Tafelsilber zu veräußern. Durch Verkauf Tausender Wohnungen steige das Mietpreisniveau, damit die Belastung für den Haushalt durch Wohngeld und Sozialhilfe. Zudem müssten notwendige kommunale Belegungsrechte teuer eingekauft werden.
Vielmehr sollte die Stadt die Wobra fit machen für Wohnungsangebote mit sozialen Dienstleistungen wie dem Betreuen älterer Menschen. Das dürfe man nicht allein privaten Anbietern überlassen.
Der Mieterverein mutmaßt, dass zuerst die drei Wobra-Blöcke im Ortsteil Kirchmöser von Verkauf und Abriss bedroht sein könnten - Mitglieder sollten daher schnell Rechtsrat einholen.

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24.03.2004
Halle:  Das Glück liegt im Stadtumbau
Es war mehr ein Sprint als ein geordneter Marsch. Halles Kultur-Träger sind spät ins Rennen gekommen und die Stadt hat mit rund 45000 Euro für den ersten Auftritt das Budget vergleichsweise knapp gehalten. Aber einen Atemzug vor Ultimo liegt die Bewerbung vor, die morgen der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Es ist eine reich bebilderte Druckschrift von gut 110 Seiten, nebst Logo und Motto. Und genau das ist in seiner Vieldeutigkeit auch Inhalt und Programm: "Halle verändert".
Bis ins magische Jahr 2010 will die Stadt nämlich ein Modell dafür sein, wie Veränderung auch unter negativen Vorzeichen Lebensqualität heben kann. Halles Traum von höheren europäischen Weihen zaubert denn auch keine utopische Liste von Projekten und Events hervor. Im Mittelpunkt steht ein Thema. Es geht um die kulturelle Dimension der unausweichlichen Veränderungsprozesse aus dem Stadtumbau.
Halle ist vertraut damit, unter den deutschen Städten eine zu wenig bekannte Größe zu sein. Auf der angestrebten europäischen Ebene verknüpft die Stadt daher ihre historische und kulturelle Substanz mit dem demografischen Umbruch der kommenden Jahrzehnte. Die Bewerbung spricht die Brennpunkte unumwunden an. Sie setzt voraus, dass Wirtschaftskrise, Bevölkerungsrückgang und Leerstand mit allen ihren gesellschaftlichen Folgen zunehmend gesamteuropäisch wahrgenommen werden.
Im Kern bleiben die Vorhaben, die die Bewerbung nennt, auch bei einem Scheitern im Visier der Stadt. Doch das "Experimentierfeld" für Kunst und Architektur, das Halle werden will, bekäme mit der Zielmarke 2010 kräftigen Schub - und vielleicht auch eine Kunsthalle.
So will die Stadt im Erfolgsfall auch die "Internationale Bauausstellung" des Landes in Szene setzen, die 2010 den Stadtumbau thematisieren soll. Und während Halle-Neustadt als Schauplatz "radikaler Konzepte" vorgeschlagen ist, wird die Neuentdeckung alter Schätze nicht minder visionär aufgezogen. Bei weitem die anspruchvollste Idee ist das Museumsufer an der Saale, das einen Flanierweg vom geplanten Universitätsmuseum in der Neuen Residenz bis zur umgestalteten Moritzburg vorsieht.
Die Kulturinstitutionen der Stadt wollen sich mit "Renaissance" (Moritzburg) und "Aufklärung" (Franckesche Stiftungen) in das Konzept einfügen. Die Bühnen, die Hochschulen, das Händelfest, aber auch Neuankömmlinge wie die Werkleitz-Gesellschaft sind im Boot. Dank Europa proben Halles kulturelle Kräfte zum ersten Mal ein echtes Zusammenspiel. Und das könnte auch der Ansatz sein, dass die Stadt eine Kulturpolitik aufbaut, die den Namen verdient.

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24.03.2004
Meerane: Ärger über Brachen und leerstehende Wohnhäuser
Nicht nur als Bauplaner und -unternehmer, sondern in erster Linie als CDU-Stadtrat stören Jochen Salzbrenner die leider noch vielen dem Verfall preisgegebenen Wohnhäuser und Industriebrachen in der Stadt.
Der hässliche Anblick ist das kleinere Übel für seinen Frust, vielmehr ist es die von diesen Gebäuden ausgehende Gefahr, die ihn Sorgen bereitet. Kaputte Verblechungen, Dacheindeckungen und Fensterscheiben beispielsweise sind permanente Gefahrenherde. Vor allem die Industriebrachen entwickeln sich zunehmend zu innerstädtischen Mülldeponien, lässt Jochen Salzbrenner nicht unerwähnt. Seiner Meinung nach reichen Absperrungen nicht aus, die Bürger ausreichend zu schützen. Für den CDU-Stadtrat grenzt es an ein Wunder, dass noch keine Personen zu Schaden gekommen sind.
Bei allem Verständnis für die Probleme der Kommune, kein Geld für Ersatzmaßnahmen, schwierige Suche nach den Eigentümern und komplizierte Gesetzeslage, um die Eigentümer zum Handeln zu zwingen, ist es für Jochen Salzbrenner unverständlich, dass diese Missstände nicht zügiger beseitigt werden.
„Wenn jemand Abhilfe schaffen kann, ist es die Politik. Warten, bis etwas passiert, ist nicht zu verantworten“, begründet der CDU-Stadtrat, weshalb er selbst in die Spur gegangen ist und sich mit seinen Sorgen an den PDS-Landtagsabgeordneten Uwe Adamczyk und den CDU-Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz wandte, mit teilweisem Erfolg. Die Antwort des PDS-Abgeordneten, dass nach rechtlichen Gesichtspunkten die Stadt das Problem allein bewältigen müsse, enttäuschte. Vom Bildungswerk Sachsen dagegen erhielt der CDU-Stadtrat am Montag die Mitteilung, dass auf sein Betreiben am 14. April im Parkhotel ein Gesprächsforum zum Thema : „Stadtumbau – Nutzung und Sicherung von Innenstadtbrachen“ stattfinden soll. Seine Teilnahme hat der Staatssekretär für Bau- und Wohnungswesen im Sächsischen Staatsministerium des Innern, Albrecht Buttolo, zugesagt.

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23.03.2004
Olbernhau: Stadt muss mit Ruinen und Brachen leben
Weit über 70 Wohnhäuser und ehemalige Industriegebäude stehen in Olbernhau leer oder sind dem Verfall preisgegeben. Das Schlimme daran: Diese Objekte konzentrieren sich nicht auf ein bestimmtes Territorium, sondern erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet. Dazu kommen die unterschiedlichsten Eigentumsverhältnisse, wodurch den Verantwortlichen im Rathaus in vielen Fällen die Hände gebunden sind. „Ein Abriss von Gebäuden, sofern wir das Geld dafür haben, ist nur bei Objekten möglich, die sich in kommunaler Hand befinden“, erklärt Bürgermeister Steffen Laub.
Genau das seien aber die wenigsten, zumindest im Bereich der Industrie- bzw. gewerblichen Brachen, wie das integrierte Stadtentwicklungskonzept aussagt. In diesem Papier sind sämtliche Problemgebiete zusammengefasst.Insgesamt betrachtet, müsse man feststellen, dass es in Olbernhau zwar viele Industriebrachen gibt, sich nur wenige davon aber in kommunaler Hand befinden. Dass das so ist, sei kein Zufall, sagt der Bürgermeister. Bei Planungen neuer Einrichtungen sei immer zuerst geschaut worden, wo etwas Vorhandenes nachgenutzt werden könne. Gab es solche Lösungen, sei man diese auch angegangen oder habe sie potenziellen Investoren angeboten. Als Beispiele nennt der Bürgermeister das Gymnasium, das neue Feuerwehrgerätehaus, die heutige Volksbank oder die Förderschule am Jagdweg.
Anders sehe das mit der Thematik Wohnungsleerstand aus. Hiervon sei die Stadt bzw. die städtische Wohnungsbaugesellschaft durchaus betroffen. Und da der Abriss von Wohnflächen mit 70 Euro pro Quadratmeter gefördert wird, will man bereits in den nächsten Wochen mit der Liquidierung erster leer stehender Häuser beginnen.

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23.03.2004
Benstedt: Hilfe für die Görlitzer Straße
„Ab in die Mitte“ heißt eine neue sächsische City-Initiative. Es geht um einen Umbau von außen nach innen. So soll das Leben in den zumeist historischen Stadtkernen erhalten bzw. wieder angekurbelt werden. In Bernstadt a. d. Eigen ist auf diesem Gebiet bereits seit neun Jahren die Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung (GSL) tätig.
„Konzentrierte und außergewöhnlich hohe Aktivitäten sind zur Umsetzung der neuen Initiative gefragt“, betonte GSL-Mitarbeiter Arnim Rönsch unlängst vor den Bernstädter Stadträten. „Aber auch Kontinuität ist wichtig.“
Als erstes habe man 1995 eine Analyse des Stadtgebietes gemacht und sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der unübersehbare Wohnungsleerstand ja eigentlich nur die Spitze des Eisberges darstellt, sagte Rönsch. Hinzu kämen der Einwohnerrückgang, ein höheres Durchschnittsalter, Brachflächen und Umnutzungen, mehr Ein-Personen-Haushalte als in der Vergangenheit, Abbrüche von Gebäuden und eine Neuverteilung von Handel und Dienstleistungen. Der Bedarf an Dienst- und Versorgungsleistungen hat abgenommen, die Infrastruktur ist spürbar zurückgegangen. Besonders davon seien die Innenstädte betroffen, so Rönsch.
In Bernstadt zeige sich das zum Beispiel darin, dass die Einkaufsmöglichkeiten in der Mitte der Görlitzer Straße nicht mehr attraktiv sind, weil die Parkflächen fehlen. Ein großes Problem, mit dem die GSL beispielsweise auch in Löbau zu kämpfen hatte. Dort sammelte man inzwischen reichliche Erfahrungen. Die Lösung hieß: Aufteilung der Innenstadt in einzelne Quartiere und Sanierung Stück für Stück. In der Görlitzer Straße könne man vielleicht analog verfahren, Durchgänge schaffen, ohne dabei die geschlossenen Häuserzeilen auseinander zu reißen, und den ruhenden Verkehr nach hinten auf entkernte Flächen verlagern.
„Von den Zielen, die wir uns nach der Analyse von 1995 gestellt haben, sind derzeit etwa 40 Prozent erreicht“, berichtete Arnim Rönsch. Der bisherige finanzielle Aufwand betrug rund 2,5 Millionen Euro, die zu zwei Dritteln gefördert wurden. 33 Maßnahmen wurden realisiert. Das betreffe unter anderem das Rathaus, das Museum, die Görlitzer und die Zittauer Straße sowie die Neustadt. Auch 68 private Projekte wurden gefördert. Er hoffe, bei gleichem Tempo die Stadtsanierung in Bernstadt bis Ende des Jahres 2010 abschließen zu können.
Leider zeige sich, dass nicht alle betroffenen Bürger an ihren Gebäuden etwas machen wollen, bedauerte Rönsch. Und zwingen könne man sie ja nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen als quasi letzten Schritt. Andererseits gebe es an der Görlitzer Straße und anderswo auch Leute, die einfach nicht das Geld für private Modernisierung bzw. Sanierung besitzen. Allerdings wisse manch einer von ihnen gar nicht, dass er im Sanierungsgebiet wohnt und somit entsprechende Fördermittel beantragen kann. Man werde deshalb umgehend, noch vor Beginn der Gesamtplanung für die Görlitzer Straße, die Bewohner eines Quartiers zu einem zwanglosen Gespräch einladen, um ihnen alle Ängste zu nehmen, Fördermöglichkeiten zu erläutern und sie für die Umsetzung zu gewinnen. „Wie es dem Bürger geht, so geht es auch der Stadt“, resümierte Arnim Rönsch
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23.03.2004
Kommunen sollen trotz Geldnot einspringen
Deutsche Innenstädte müssen sich verstärkt den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen. Trotz knapper Kassen sollten die Kommunen die lokale Vielfalt unterstützen und die Gründung kleiner Geschäfte fördern, sagte Florian Birk, 1. Vorsitzender der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (BCSD) am Montag zur Eröffnung der Frühjahrstagung in Halberstadt. Investoren suchten sonst verstärkt effektive Standorte an Ausfallstraßen.
Dem Schrumpfungsprozess im Einzelhandel könne nur mit neuen Initiativen im öffentlichen Raum begegnet werden. Mehr als 100 Vertreter bundesdeutscher Innenstädte, die erstmals in einer ostdeutschen Stadt tagen, wollen bis Dienstag über neue Anziehungsmöglichkeiten und Hilfe zur Selbsthilfe beraten. Beim Stadtumbau in Halberstadt sei der Spagat zwischen Außenbereichen und einer attraktiven Innenstadt dank eines konzentrierten Vorgehens aller Beteiligten gelungen, sagte Birk.
Viele Innenstädte würden inzwischen wegen der Finanznot ein «grausames Bild» bieten. Auch Landesfördermittel seien für den Erhalt der Citys künftig nötig. Innovative Lösungen für Gründungsoffensiven im innerstädtischen Einzelhandel sollen auf der Tagung ebenso gesucht werden wie neuartige Kundenbindungsinstrumente und vielfältige Werbemaßnahmen. In Sachsen-Anhalt hätten viele Städte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Marketings noch nicht erkannt, sagte Wolfgang Oette, Geschäftsführer der Landesmarketinggesellschaft.

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22.03.2004
Premnitz: Anlegestelle und Havelbereich
Die Dalben und die Abdeckung der Kaimauer sind witterungsbedingt stark beschädigt. Die Sanierung soll in diesem Jahr erfolgen. Diese Arbeiten sind der Beginn der Sanierung der Anfang der 90er Jahre ausgebauten Dampferanlegestelle und des Havelbereiches im Rahmen der schrittweisen Umsetzung des Premnitzer Stadtumbaus.
Die Hauptarbeiten zur Umgestaltung des gesamten Bereichs von Anlegestelle und Havel sollen im nächsten Jahr erfolgen, erläuterte Bauamtsleiterin Carola Kapitza vor Kommunalpolitikern, Vereinsvorständen und Unternehmern. Mit dem Stadtumbau soll das Zentrum an Attraktivität gewinnen und Premnitz eine wohnenswertere Stadt werden.
Von der Brandenburger Planungsbüro GmbH wurde im Auftrag der Stadt ein Gestaltungsvorschlag erarbeitet, mit dessen Umsetzung das Gebiet an Anziehungskraft gewinnt. Auch die Vorhaltung einer gastronomischen Einrichtung ist vorgesehen. Das Land Brandenburg stellt Premnitz für das Vorhaben im Rahmen des Stadtumbauprogramms insgesamt für dieses und nächstes Jahr 200 000 Euro Fördermittel zur Verfügung. 30 Prozent muss die Stadt als Eigenmittel aufbringen

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22.03.2004
Parchim: Künftiges Aussehen der Weststadt wird mit den Bürgern diskutiert
Die Stadt Parchim hat den Rahmenplan "Wohnumfeldverbesserung Weststadt" aus dem Jahre 1996 unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Integrierten Stadtenwicklungskonzeptes (ISEK) inhaltlich weiter fortgeschrieben. Das Ergebnis wird der städtebauliche Rahmenplan "Stadtumbau Parchim Weststadt" sein. Ein Entwurf dieses Rahmenplanes liegt nunmehr vor.
Er soll am Mittwoch dieser Woche (24. März) öffentlich vorgestellt werden. Dazu sind alle interessierten Bürger, natürlich insbesondere die Weststädter, zu um 19 Uhr in die Grundschule West in der Hans-Beimler-Straß 24 b eingeladen. Dort können die Teilnehmer auch ihre Meinung zum Entwurf äußern und mit Fachleuten diskutieren. Es werden große Originalpläne zum Gestaltungs-, Verkehrs- und Nutzungskonzept ausgehängt und erläutert. Darüber hinaus können die Pläne ebenfalls im Stadtbauamt in der Cordesiusstraße eingesehen werden, die dortigen Mitarbeiter geben Auskunft.
Neben dem Erhalt und der Stärkung der historischen Innenstadt von Parchim geht es laut ISEK in dem Umstrukturierungsgebiet Weststadt vorrangig um die Reduzierung leerstehender Wohnungen bei gleichzeitiger Aufwertung zukunftsfähiger Bestände und Quartiere. Die Zielstellung des Freiflächenkonzeptes besteht darin, für die gesamte Weststadt ein zusammenhängendes Grün- und Freiflächensystem zu entwickeln und damit die Wohnqualität deutlich zu verbessern - nach dem Motto: "Die Weststadt wird zur Waldstadt". Vor allem sollen mehr brach liegende Flächen einbezogen werden. Vorgesehen ist laut Rahmenplan der Abriss des bald leer stehenden Gebäudes der Haupt- und Realschule.

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22.03.2004
Delitzsch: Altstadtsanierung führt zu stetiger Belebung der Innenstadt
Die demographische Entwicklung von Delitzsch hat die städtebaulichen Planungen nach der Wende maßgeblich beeinflusst. "Die Stadtmitte war nach der Wende das Sorgenkind, sie war leergezogen. Heute ist sie durch Altbausanierung, Neubauten und die Verbesserung der Infrastruktur attraktiver geworden", sagt Stadtplaner Karl-Heinz Koch. Diese Einschätzung spiegelt sich inzwischen in den Bevölkerungszahlen wider. Die City ist der einzige Stadtteil, in dem die Einwohnerzahl konstant wächst.
Innerhalb der Innenstadt gibt es allerdings nach wie vor Strukturunterschiede. "Dort wo die Sanierung gut läuft, gewinnt die Mitte", so Koch und nennt beispielhaft die Münze und den Pfortenplatz. Selbst die Bismarckstraße, in der die Verkehrsbelastungen immer noch groß sind, habe nach dem Umbau der Straße und der Rekonstruktion vieler Wohnhäuser an Zuspruch gewonnen. Im Bereich Ritterstraße/Badergasse, Ehrenberganlage und Hallesche Straße offenbarten sich dagegen Defizite, die im Wohnungsleerstand ihren Ausdruck finden.
Bevölkerungszuwächse verbuchte im vorigen Jahr auch der Stadtteil Südwest. Trotz des dort befindlichen Biokraftwerkes siedelten sich rund um die Richard-Wagner-Straße Menschen an. Dem Stadtplaner signalisiert das vor allem eines: Die Leute nehmen selbst Einschränkungen durch gewerbliche und industrielle Anlagen in Kauf, wenn sie damit ihren Arbeitsweg kurz halten. "Es ist alles teurer geworden, da wird auch am Benzin und Auto gespart", so Koch.
Wie notwendig der Stadtumbau in den Plattensiedlungen Nord und West war, zeigt ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. Aus dem Stadtteil Nordwest zogen allein in den letzten drei Jahren knapp 650 Menschen weg. "Das Ziel war dort, den Leerstand zu beseitigen", so Koch. Deshalb ließen sowohl die Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch als auch die Wohnungsgenossenschaft Aufbau ganze Wohnblocks abreißen. Um das Gebiet aufzuwerten wurden bereits Freizeitanlagen errichtet, weitere sind geplant, ebenso Grüngürtel.

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21.03.2004
Hessen: Nordhessen droht gefährlicher Bevölkerungsverlust
Nordhessen droht in den nächsten 15 Jahren nach Einschätzung von Experten ein gefährlicher Bevölkerungsschwund. Durch Sterbe- und Wanderungsverluste werde die Bevölkerungszahl dort bis 2020 auf etwa 92 Prozent des Standes vom Jahr 2000 sinken, sagte der Mannheimer Regionalforscher Paul Gans am Donnerstag in Wiesbaden. Mehr Sterbefälle als Geburten gebe es zwar auch in Südhessen; dort werde diese Tendenz aber durch Zuwanderung innerhalb des Landes und von außen ausgeglichen. Nordhessen habe schon jetzt den landesweit höchsten Anteil an Menschen im Rentenalter, sagte die Wiesbadener Bevölkerungswissenschaftlerin Charlotte Höhn: Bei den 65-Jährigen und Älteren liegt der Werra-Meißner-Kreis laut Statistischem Bundesamt mit gut 20 Prozent vor Hersfeld-Rotenburg (19,8 Prozent, dem Vogelsberg (19,2 Prozent), Kassel (18,9 Prozent) und Waldeck- Frankenberg (18,4 Prozent). Erste südhessische Kommune in der Rangliste ist die bei Rentnern traditionell beliebte Kur- und Landeshauptstadt Wiesbaden auf Platz acht. Der nordhessische Werra-Meißner-Kreis werde beispielsweise bis 2020 mehr als 14 Prozent seiner Einwohner verlieren, während etwa der südhessische Main-Taunus-Kreis mehr als zwölf Prozent gewinnt, sagte Gans. "Der Bevölkerungsschwerpunkt in Hessen wird sich weiter nach Süden verlagern." Die Zahlen stammen aus der Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Gans sprach für Nordhessen von der Gefahr eines "kumulativen Schrumpfungsprozesses" aus sinkenden Steuereinnahmen, nachlassender Handlungsfähigkeit von Kommunen und sinkender Nachfrage, die das Angebot weiter ausdünne. Kommunen müssten deshalb verstärkt kooperieren, um die Qualität ihrer Leistungen unter starkem Kostendruck zu erhalten. Am Wohnungsmarkt drohten in strukturschwachen Gebieten Leerstände, prophezeite Gans. Eigentümer sollten sich auf den zu erwartenden Trend zu altengerechten Wohnungen einstellen. Höhn nannte es "dramatisch", dass Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen zunehmend auf Kinder verzichteten. 2002 seien schon fast zwei Drittel der in Großstädten lebenden Hochschulabsolventinnen zwischen 30 und 44 Jahren kinderlos geblieben. Hessenweit sind knapp die Hälfte dieser Gruppe ohne Kinder, bei den Frauen mit abgeschlossener Lehre nur ein Viertel. Teilnehmer der Diskussion führten dies auch auf die weiterhin unbefriedigenden Leistungen für Familien zurück. Die Tagung der hessischen Staatskanzlei beleuchtete unter dem Motto "Graue Kreise, greise Städte" die Folgen des Geburtenrückgangs und der bundesweiten Überalterung für Hessens Kommunen.
www.rhein-main.net

21.03.2004
Finsterwalde: Wo fallen in Finsterwalde Plattenbauten?
In Cottbus, Spremberg, Guben oder Forst ist er bereits in vollem Gange - auch Finsterwalde kommt am "Rückbau" , wie das schöner klingende Wort heißt - nicht drumherum. Auch hier werden Häuser, insbesondere in den Plattensiedlungen, der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die Frage ist nur: Wo und wann? Während die Stadt zunehmend Druck macht, stellt man sich bei den beiden Wohnungsunternehmen auf die Hinterbeine. Dennoch zeichnet sich immer mehr ab: Der Abriss von Plattenbauten kommt in Finsterwalde möglicherweise schneller in Gang als mancher denkt. Diesen Schluss hinterließ eine kompetente Gesprächsrunde im Wirtschaftsausschuss, der dieser Tage im Finsterwalder Schloss tagte - und wo man in die Zukunft blickte: Danach ist vorgesehen, bis zum Jahre 2015 immerhin 1.015 Wohnungen "vom Markt" zu nehmen - weil sie nicht mehr gebraucht und leer stehen werden, so rechnete Hathumar Drost, der Geschäftsführer vom Büro Complan, vor. In einem ersten Schub sollen bis 2009 610 Wohnungen mit Fördergeld aus dem Stadtumbau-Programm abgerissen werden. Dabei wird es die städtische Wohnungsgesellschaft am härtesten treffen - während die Wohnungsgenossenschaft in den nächsten Jahren nicht an Abriss von Blöcken denkt, obwohl auch hier der Leerstand immer mehr zunimmt. Die Philosophie im Rathaus ist die: Die Stadt sei in höchstem Maße daran interessiert, die historische Innenstadt zu erhalten und weiter wohnlich so herzurichten, dass sich die Leute wieder ins Zentrum hingezogen fühlen - und nicht in die Plattenbauten. Dabei dürfte insbesondere die städtische Wohnungsgesellschaft den privaten Hauseigentümern, in deren Besitz etwa die Hälfte aller Wohnungen sind, in der Innenstadt keine Konkurrenz bieten. Stattdessen müsse der private Wohnungsbesitz mitten in der Stadt gefördert und das Interesse nicht zugeschüttet werden. "Das funktioniert aber nicht, wenn wir die Plattenblöcke nicht anrühren" , drängt Bürgermeister Johannes Wohmann nach Abriss- und Umzugskonzepten. So ist konkret im Gespräch, ab dem Jahre 2009 Wohnblöcke in der Bergheider Straße abzureißen. In der Zeit nach 2015 will man auch an den Bauten im Klingmühler Eck Hand anlegen. Schon jetzt sei dort ein Leerstand von bis zu zehn Prozent zu verzeichnen, hat Complan ermittelt. Als weiteres verbindliches Abrissgebiet wird der Lange Hacken definiert. Hier geht es insbesondere um die Blöcke in der zweiten Reihe. In diesem Wohngebiet, das zwar komplett sanierte Wohnungen und ordentliche Grünanlagen habe, gäbe es keinen Zuzugsstrom mehr, wird festgestellt. Stattdessen nehme der Wohnungsleerstand immer mehr zu und liege gegenwärtig bei einigen Blöcken von bis über 20 Prozent. Dennoch wehrt sich die Wohnungsgenossenschaft, die Am langen Hacken mit 538 Wohnungen der größte Hauseigentümer ist, oder sonstwo Wohnungen oder gar Gebäude abzureißen. Geschäftsführer Gerhard Münchow legt Wert auf die Feststellung: "Wir sind als Genossenschaft ein privates Wohnungsunternehmen. Von uns kann keiner, auch die Stadt nicht, Abrisse verlangen. Wir entscheiden das alleine und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten." So liege für jedes einzelne Gebäude eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vor. Wo erforderlich, will man insbesondere die oberen Etagen frei ziehen, den Mietern als Gemeinschaftsräume anbieten, und so die Zahl der Wohnungen reduzieren. Münchow weist noch auf ein anderes Problem hin: Die Genossenschaft werde sich "nicht in den wirtschaftlichen Ruin stürzen" , wenn sie zwar 60 Euro je Quadratmeter Abrisshilfe bekomme, dafür aber weiterhin 80 Euro Altschulden zahlen müsse. Vor dieser Situation stehe die städtische Wohnungsgesellschaft ebenso, verwies Gerhard Münchow in der Runde. Es sei nicht die Absicht, das eigene Wohnungsunternehmen in die Insolvenz zu treiben, reagierte Bürgermeister Wohmann - stellte aber klar: "Nur über unsere Wohnungsgesellschaft können wir Einfluss auf den Stadtumbau in Finsterwalde nehmen. Als Stadt stehen wir in der Verantwortung, ihre Lebensfähigkeit und Attraktivität auch bei weiter sinkender Einwohnerzahl zu sichern. Wenn es uns nicht gelingt, die historische Altstadt auch als gute Wohnstube zu erhalten, kommt früher oder später der dramatische Einwohnerschwund im Südkomplex." Doch gerade im Finsterwalder Süden hat man sich bei den Abrissszenarien noch nicht auf Straße und Hausnummer einigen können. Vorgeschlagene Projekte, insbesondere dort Eingriffe vorzunehmen, wo die längsten Plattenfronten stehen – wie in der Saarlandstraße oder in der Mecklenburger Straße - sind von den Wohnungsunternehmen bislang abgelehnt worden. Doch bei der Stadt steht fest - wenn man es auch noch andere sagen lässt: "Abrisse wird es in Finsterwalde vor allem im Südkomplex geben" , stellte Hathumar Drost klar. Abgeordnete und Fraktionen halten sich in der aktuellen Stadtumbaudiskussion noch weitgehend zurück.
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20.03.2004
Stralsund:  Plattenbau in Grünhufe wird um zwei Etagen gestutzt
„Wir wollen mit dem ersten Rückbau eines Plattenbau-Blockes ein Zeichen setzen“, sagte Dirk Puchert, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft, als er gestern in Grünhufe den symbolischen Startschuss dafür gab. Im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes werden die vierte und fünfte Etage der Parkstraße 11 bis 19 abgetragen.
Bis Ende Oktober sollen aus ehemals 71 Wohnung 57 modernisierte entstehen. Geflieste Balkons und komplett erneuerte Sanitäreinrichtungen sind nur einige von vielen baulichen Veränderungen. Nicht ohne Stolz merkt Puchert an, dass etwa 30 Prozent der einstigen Mieter ab Herbst wieder in ihren Block zurück ziehen möchten. Die WBG investiert in dieses Projekt 1,4 Millionen Euro und möchte je nach Finanzlage ab 2006 den Kranichgrund 5 bis 9 ebenfalls zurückbauen.

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20.03.2004
Magdeburg: Spielplatzplaner haben Vision von multifunktionaler Sportanlage
Noch ist es eine Vision, da die Finanzierung nicht steht: die "Cassiopeia" für Reform. Anstelle eines Bolzplatzes plant die Stadt eine multifunktionale Sportanlage an der Hermann-Hesse-Straße - die zweite Einrichtung dieser Art deutschlandweit. Mittels Sponsoring hoffen die Spielplatz-Planer das Projekt finanzieren zu können.
Noch stecken die Planungen für den angesichts sinkender Einwohnerzahlen notwendigen Stadtumbau in Neu-Reform in den Kinderschuhen. Heike Klinkerfuß, im städtischen Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) zuständig für Spiel- und Freizeitflächen: "Wir für unseren Teil haben aber schon Überlegungen, wie wir den Stadtteil voranbringen könnten."
In den vergangenen Monaten wurde die Vision für eine multifunktionale Sportanlage entwickelt. Auf einer Fläche von 24 mal 12 Metern soll demnach eine Anlage mit einer Maximalhöhe von 3 Metern entstehen. Sportbegeisterte aus Reform könnten sich dort auf einem Kunststoffrasen bei Fußball, Basketball, Badminton, Hockey oder Volleyball austoben. Neben den Toren würde dann vor allem das höhenverstellbare Netz für ideale Bedingungen sorgen.
Heike Klinkerfuß: "Bislang gibt es diese Anlage nur zweimal. Und zwar eine in Frankreich und eine in Schöneck im Vogtland." Bei einer Besichtigung in Schöneck hatten sich die Magdeburger Spieplatzbauer von der Funktionalität und Eleganz der Anlage überzeugt. "Nach diesem Besuch waren wir sicher: Wenn wir eine solche Anlage nach Reform holen könnten, wäre das eine tolle Aufwertung für das Viertel."
Allerdings: Noch ist die Sportanlage mit dem Namen "Cassiopeia" Vision. Zwar ist schon ein Platz gefunden - ein Bolzplatz an der Hermann-Hesse-Straße - zurzeit fehlt es jedoch am Geld. Einschließlich des dafür notwendigen Unterbaus werden die Kosten vom SFM auf 70000 Euro geschätzt. Angesichts knapper Kassen und eines noch nicht beschlossenen städtischen Haushalts sei die Finanzierung nicht geklärt. "Möglicherweise könnten wir die Kosten ja ähnlich wie die Betreiber in Schöneck mit Bandenwerbung drücken", sagt Heike Klinkerfuß.
Auf die Suche nach Sponsoren sind die SFM-Mitarbeiter aber noch nicht gegangen. Heike Klinkerfuß: "Wir müssen zunächst alle Pläne über Erdleitungen in dem Bereich vorliegen haben." Falls sich nämlich im Untergrund unter dem Bolzplatz eine Wasser- oder Stromleitung befindet, ist ein Bau undenkbar: "Einen solchen Untergrund wegen eventuell irgendwann notwendiger Arbeiten aufreißen zu müssen, wäre viel zu teuer", so die Spielplatz-Planerin. Deshalb sei übrigens eine zuvor favorisierte Fläche an der Apollostraße als Standort für die neue Anlage schon aus dem Rennen.
Neben der Begeisterung über das Vorhaben meldeten bei einem Treffen der AG Gemeinwesenarbeit Reform jüngst einige Anwohner Bedenken an. Wieso würde die Anlage an einem Ort errichtet, an dem es bereits einen Bolzplatz gibt? Ist nicht mit einer Lärmbelastung zu rechnen? Wie sieht es mit Vandalismus aus?
Heike Klinkerfuß entgegnet: "Die Bolzplätze müssten sowieso saniert werden. Und an der Stelle wollen wir im Interesse des Viertels die Gelegenheit für eine Aufwertung des Areals nutzen." In Sachen Vandalismus ist die SFM-Mitarbeiterin optimistisch. Ihr Betrieb habe nach den Erfahrungen in den vergangenen Jahren Wert gelegt auf widerstandsfähige Materialien - das werde auch hier der Fall sein.
Und in Sachen Spiellärm beruhigt Heike Klinkerfuß: "Eine andere Belästigung als auf dem jetzigen Bolzplatz wird es kaum geben." Und der Platz werde so oder so erhalten - mit einer Aufwertung

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20.03.2004
Sachsen-Anhalt: Zukunftsdebatte: Verkehr und Stadtumbau
Wie entwickelt sich Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren? Wie kann man schon jetzt auf die künftigen Probleme reagieren? Ministerien und Staatskanzlei haben dazu ein Diskussionspapier erarbeitet. Federführend war das Bau- und Verkehrsministerium. Der zuständige Minister Karl-Heinz Daehre sagt: "Wir müssen mit weniger Menschen die Zukunftsfähigkeit des Landes gestalten."
Laut Prognosen leben im Jahr 2020 nur noch gut zwei Millionen Menschen in Sachsen-Anhalt - das sind fast 500000 weniger als heute. Das Regierungspapier orakelt düster: "Angesichts dieser dramatischen Entwicklung ist die Zukunftsfähigkeit des Landes ernsthaft gefährdet und eine nachhaltige, auf Langfristigkeit angelegte gesellschaftliche Entwicklung nicht möglich."
Karl-Heinz Daehre sagt dazu: "Die Überschrift kann nicht lauten: Wir ergeben uns in unser Schicksal." Er meint: Das Land muss flexibel auf den erwarteten Bevölkerungsrückgang reagieren.
Beispiel öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Gerade in dünn besiedelten Gebieten wie etwa der Altmark wird die schrumpfende Bevölkerungszahl Bus und Bahn zu schaffen machen. Infolge sinkender Auslastung steigen wirtschaftliche Probleme. "Der klassische Transport - starre Linien - ist vorbei", sagt Daehre. "Daher müssen wir in Zukunft verstärkt auf flexible Bedienformen setzen - wie Linientaxis, Anrufsammeltaxis oder Rufbusse."
Er meint auch: "Wir brauchen Verkehrsverbünde über Landkreise hinaus. Da besteht Handlungsbedarf." Wie will er die Kreise dazu bringen? Daehre: "Das geht über den goldenen Zügel Geld."
Daehre lässt keinen Zweifel daran, dass das Land auch weiter unattraktive Schienenstrecken abbestellen wird. Andererseits will er das bestehende Netz ausbauen. Daehres Credo: "Die Verkehrsinfrastruktur muss investorenfreundlich gestaltet werden. Wir müssen darauf reagieren, wo die Wirtschaft hingeht."
Beispiel Osterweddingen, ein wirtschaftlich boomender Ort vor den Toren Magdeburgs, gelegen an der Bahnstrecke Magdeburg-Halberstadt. "Dort arbeiten inzwischen 5000 Menschen, viele von ihnen sind Pendler", sagt Daehre. "Ihnen müssen wir einen attraktiveren Personennahverkehr anbieten." Dem Minister schwebt eine Verkehrsanbindung im Stundentakt vor, eine Art S-Bahn wie sie auf der Linie Schönebeck - Magdeburg - Zielitz pendelt.
Ein Zukunftsthema ist auch der Stadtumbau: Wenn die Bevölkerungszahl kontinuierlich sinkt, erhöht sich der Wohnungs-Leerstand. Angesichts 240000 leer stehender Wohnungen sollen 100000 bis 2010 abgerissen und die Wohngebiete aufgewertet werden. Sollten diese Pläne aufgehen, hätten 2002 und 2003 bereits mehr als 17600 Wohnungen abgerissen werden müssen - tatsächlich aber verschwanden nur 6800 Wohnungen.
Daehre drückt aufs Tempo und erhöht den Druck auf die Wohnungswirtschaft. Wer die für 2002 und 2003 sowie die Hälfte der für dieses Jahr zum Abriss vorgesehenen Wohnungen nicht vom Markt nimmt, bekommt ab 2005 weniger Geld.
Daehre ist sich bewusst, dass Magdeburg und Halle vor größeren Problemen stehen als kleinere Orte. So will der Minister Vereinbarungen mit kleineren Städten abschließen mit dem Ziel, dass diese zunächst mehr Geld bekommen, um schneller Wohnungen abzureißen. Diese Zielvereinbarungen wurden bereits mit Wolmirstedt, Haldensleben, Hohenmölsen, Querfurt und Eisleben abgeschlossen. Statt mit der Gießkanne das Geld zu verteilen, werde nun konzentriert vorgegangen.
Der Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Bernd Kregel, sagt dazu: "Die finanzielle Lage vieler Gemeinden bremst den Stadtumbau-Ost und den Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen." Trotz Vorfinanzierung durch die Landesinvestitionsbank sei der finanzielle Spielraum der Wohnungsgesellschaften und Städte ausgeschöpft.

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19.03.2004
Chemnitz: Nächster Anlauf für Brühl-Sanierung
Der Wohnungsleerstand im Zentrum der Stadt beträgt gegenwärtig um die 30 Prozent, auf dem Brühl liegt er sogar bei 60 Prozent und bei Gewerberäumen dort bei 75 Prozent. Wenn sich da zu einer dreistündigen Werbeveranstaltung am Mittwochabend für das Wohnen in der Innenstadt und ganz speziell zur neuen Altstadt Brühl der große Kammersaal der IHK gefüllt hat, darf das schon als unerwarteter Fingerzeig für ein großes Interesse gewertet werden. Denn der Brühl hat viel zu bieten, vor allem eine Traumlage: Hauptbahnhof, Oper, Kunstsammlung, Busbahnhof, Stadtbad, Schlossteich, Küchwald, Universität und innerstädtische Arbeitgeber sind zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar.
Mit dieser Toplage warb Baubürgermeisterin Petra Wesseler und skizzierte die Zukunft des Brühls als ein hochwertiges Wohnquartier mit kleinen Läden, speziellen Fachgeschäften, Cafés und Kneipen. Perspektivisch soll das Wohngebiet wieder direkt an die Innenstadt angeschlossen werden. Nur eine Einkaufsmeile, wie zu DDR-Zeiten der Brühl-Boulevard, so die Bürgermeisterin, sei nicht mehr denkbar.
Der größte Trumpf des Brühls ist dabei vor allem die Ausweisung als Sanierungsgebiet. Damit sind für die 20 Hektar mit rund 1400 Wohnungen bis zum Jahr 2010 3,657 Millionen Euro als Städtebaufördermittel eingestellt, 1,2 Millionen wurden schon verbraucht u. a. für die Pflasterung des Boulevards, für Straßenbaumaßnahmen, für den Abbruch von Hintergebäuden und für 12 private Haussanierungen. Sanierungsträger ist die GGG, die selbst mit 750 Wohnungen in 69 Altbauten etwa die Hälfte des Bestandes besitzt. Doch die GGG saniert nicht, sondern verkauft, so zum Immobilienmeeting mit dem Schwerpunkt Brühl, wie Werner Mewes darlegte. Er sieht die City-Offensive Sachsens „Ab in die Mitte!“ für eine höhere Attraktivität der Innenstädte auch für den Chemnitzer Brühl zu treffend.
Dabei ergeben sich mit dem Status Sanierungsgebiet interessante Finanzierungsmöglichkeiten. Steuerabschreibungen, Investitions- und Eigenheimzulagen und die noch wenig bekannte und deshalb kaum genutzte Innenstadtzulage sowie das zinsverbilligte Darlehn für den Brühl erläuterten Doreen Stephan von der Oberfinanzdirektion und Frank Hübner von der Sächsischen Aufbaubank in Dresden.
Darf man der Rechnung glauben, die Uwe Stephan vom Bauträger Encon aus Limbach-Oberfrohna vor dem Forum aufmachte, beträgt für Familien mit Kindern die Förderung bei einem Wohnungskauf im Sanierungsgebiet Brühl zwischen 27 und 34 Prozent der Preissumme. Von den neun Wohnungen, die Stephan gegenwärtig an der Karl-Liebknecht-Straße hochwertig saniert, sind sechs vor allem an Eigennutzer bereits verkauft. Die Sanierung eines zweiten Hauses will er noch in diesem Jahr in Angriff nehmen.
Ein weiterer Vorzug des Brühls für potenzielle Investoren sind die Vorleistungen unterschiedlicher Architekturbüros für einzelne Karrees. So predigt der bekannte Architekt Peter Apfel seit Jahren nahezu die Vorzüge des Brühls. Sein Konzept für das Karree 5 beinhaltet einen grünen Innenhof, nicht sichtbare, weil begrünte Tiefgaragen und Häuser im schönen Gründerzeitviertel mit einem interessanten Gesicht. Ginge es nach Apfel, bliebe das Karree 7 (Hermann-, Elisen-, Hauboldstraße), das für den Abriss vorgesehen ist, erhalten. Dafür dachte er schon mal laut über den Abriss der beiden Punkthäuser aus DDR-Zeit nach.
Doch Petra Wesseler schilderte den Abriss des Karrees 7 als Gewinn für den Brühl, weil damit nicht nur ein Sportplatz für die Rosa-Luxemburg-Schule entstehen kann, sondern die Gestaltung eines Uferparks an der Chemnitz möglich wird. Apfel, der sich regelrecht in die Sanierung des Brühls verbissen hat, nannte mehrere Häuser, die verkauft sind beziehungsweise werden und wo in der kommenden Zeit die Sanierung beginnt, so die Elisenstraße 21/23 und der Brühl 46 bis 50. Doch es sei noch schwierig, alle Häuser an den Mann zu bringen.
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19.03.2004
Eilenburg: Weitere Häuser müssen weichen
Wüst sieht es derzeit in der Beethovenstraße in Eilenburg aus. Dort, wo noch bis vor kurzem der Wohnblock 9 bis 12 stand, klafft ein Loch, Bagger schaufeln Dreck und Geröll beiseite. Das Stadtumbauprogramm Ost, das in puncto Wohnungsleerstand durch Abriss regulierend einwirken soll, wird umgesetzt.
Wie geplant, realisiert damit die Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (EWV) ihr Vorhaben, verstärkt im Eilenburger Stadtteil Ost zu wirken. Insgesamt werden in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro - finanziert durch Bund, Land, Stadt und EWV-Eigenmittel - eingesetzt. Das Areal wird vorerst begrünt. Weitere Nutzungspläne liegen bisher noch nicht vor. "Klar ist eigentlich nur, dass es nicht wieder bebaut wird", sagt EWV-Geschäftsführerin Birgit Bendix.
Der genannte Block in der Beethovenstraße bildete den Auftakt. Weitere Häuser folgen. Doch allein mit Abriss ist es nicht getan. Gleich nebenan in der Mozartstraße wird die komplette äußere Hülle des Blocks 9 bis 16 erneuert. "Die Häuser bekommen neue Dächer, Fenster, die Fassade wird gemacht. Außerdem erhalten sie noch Balkone", so Bendix. Ein Teil der Bewohner, die aus der Mozartstraße raus mussten, ist in diesen Block umgezogen. Die Hausnummern 1-8 in der gleichen Straße sind bereits saniert.
Die EWV, so Bendix, schaffe damit Voraussetzungen, für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Schon jetzt steht fest, dass im Rahmen des Förderprogramms bis 2005 weitere 100 Wohnungen in Eilenburg-Ost vom Markt genommen werden. Zu Details will sich die EWV-Chefin noch nicht äußern. Fragen der Finanzierung müssen noch geklärt, die aktuelle Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt werden. "Es laufen bereits Gespräche mit den betroffenen Mietern. Wir haben aber noch nicht alle erreicht." Angst brauche aber keiner zu haben. Die Informationen würden mindestens ein Jahr zuvor an die Mieter gehen, um ihnen akzeptable Alternativen anbieten zu können. "Keiner muss in einer Hauruck-Aktion ausziehen", betont Bendix, rät aber Mietern trotzdem, bei geplanten größeren Investitionen in den Wohnungen zur Absicherung Kontakt mit der EWV aufzunehmen.

www.lvz-online.de

19.03.2004
Saarbrücken: Stadtumbau West: Vier Förderschwerpunkte
Das Landesministerium für Umwelt hat am Mittwoch den Zuwendungsbescheid für das Pilotprojekt Stadtumbau West - Saarbrücken-Burbach - in Höhe von 2,6 Millionen Euro an die Vertreter der Landeshauptstadt Saarbrücken überreicht. Mit dem Projekt, so das Ministerium, würden in enger Kopplung an das Förderprogramm "Soziale Stadt" umfangreiche Stadtumbaumaßnahmen im Stadtteil Burbach durchgeführt. Vier Schwerpunkte wurden als Impulsprojekte für das Pilotprogramm Stadtumbau West vorgestellt: der Stadtteileingang Hochstraße, das Geschäftszentrum Burbach, der Burbacher Markt und die Jakobstraße.
www.sol.de

19.03.2004
Rostock: Reiheneigenheime statt der Würfel
Einen völlig neuen Weg gehen Bauherren und Vermieter in Groß Klein: Auf altem Grund eines Plattenbaus entstehen moderne Reihenhäuser.
Momentan haben die Abrissbagger im Sprengmeisterweg das Sagen, denn die Wiro reißt hier am nördlichen Teil von Groß Klein vier Würfelhäuser ab. Mit der Entkernung und Schadstoffbeseitung wurde bereits im Februar begonnen.
Anfang März ging es konkret dem Baggermeisterring 22 an den Kragen, im Abstand von 14 Tagen folgt ein weiteres Gebäude. Bis Mitte Mai sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, teilte die Wiro kürzlich mit. Der Abriss wurde mit bisher knapp 342 000 Euro gefördert, hieß es aus der zuständigen Abteilung im städtischen Bauamt. Bis zu den nächsten baulichen Schritten wird dort erst einmal Grünfläche angelegt, wo vorher die Würfel standen, wie die Gebäude im Volksmund hießen.
Die Wiro und weitere Wohnungsgenossenschaften haben für dieses Groß Kleiner Quartier Pläne für eine Neubebauung mit Reiheneigenheimen mit dem Planungsamt der Hanestadt abgestimmt. Sie basieren auf den Ergebnissen und Zuarbeiten für das Integrierte Stadtentwicklungskonzeptes (ISEC), das in Zusammenhang mit dem Programm Stadtumbau schon vor einigen Jahren erarbeitet worden ist. Mit diesen Plänen gehen die Wiro und die anderen beteiligten Unternehmen auf den Wunsch nach Bauland und individuellerem Wohnen in den Nordwest-Wohngebieten ein. Denn bei aller Kritik und allen Defiziten, die es vor dem Start der Wohnumfeldmaßnahmen an diesem Stadtteil gab, war die Nähe zu Warnemünde ein besonderes Pfund dieses Stadtteils. Werden die Pläne zum Bau der Reiheneigenheime konkreter, stellen wir sie vor.

www.svz.de

18.03.2004
Crimmitschau: Spielgeräte und Bäume für Carolaplatz
Der Baubeschluss zur Umgestaltung des Carolaplatzes in der Südstadt nahm zur Sitzung des Technischen Ausschusses einen breiten Raum ein und wurde von den Stadträten intensiv diskutiert. Der Platz liegt innerhalb des Stadtumbau-Fördergebietes „Südstadt/Unter den Weiden“. Mit der beabsichtigten Umgestaltung sollen eine Aufwertung dieses gründerzeitlichen Wohngebietes erreicht und zugleich der typische Charakter des Platzes erhalten werden.
Im Wesentlichen geht es um die Neuanlage des Spielplatzes auf der westlichen Platzhälfte sowie die Erneuerung des Großgrüns. Die Linden wurden schon auf zirka fünf Meter Höhe eingekürzt, die Schnittstellen sind aber zu 95 Prozent von baumzerstörenden Pilzen befallen. Vom Landschaftsarchitekten wurde eingeschätzt, dass die Bäume dauerhaft geschädigt sind und daher eine Ersatzpflanzung erforderlich sei.
Der 1996 errichtete „Seilzirkus“ auf der östlichen Platzhälfte soll erhalten werden, der westliche Teil werde vor allem der Nutzung durch jüngere Kinder im Alters bis zu acht Jahren dienen. Hierzu sollen ein Tanzglockenspiel, ein Laufbalken, ein Schwingpferd sowie eine Kinderrutsche aufgestellt werden. Nach einer ersten Kostenschätzung würden für die Baumaßnahme insgesamt 130.000 Euro benötigt, wobei allein für die Begrünung 51.000 Euro vorgesehen sind. Vorbehaltlich einer 75-prozentigen Förderung könnte im Juli oder August dieses Jahres mit den entsprechenden Arbeiten begonnen werden, hieß es.
„Der Carolaplatz ist eine der ersten Maßnahmen, die im Gebiet Südstadt/Unter den Weiden realisiert werden soll. Da die städtebauliche Situation sehr unbefriedigend ist, wollen wir das Umfeld so gestalten, dass Wohnen hier wieder attraktiv wird“, hob die Fachbereichsleiterin Bau, Annett Wihan, hervor.
Besonders die Pflege des Großgrüns beschäftigte die Stadträte sehr, denn nur bis zum Jahr 2006, so sieht es die Verankerung im Projekt jedenfalls vor, sei eine Erhaltungspflege geplant. „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, wie die Bäume in den nächsten Jahren beschnitten werden sollen. Außerdem scheinen mir die Kosten für die Begrünung zu hoch“, machte SPD-Stadtrat Claus Favreau aufmerksam und sprach davon, besonderes Augenmerk auf die verschiedenen Schnittmaßnahmen zu legen.
www.freiepresse.de

17.03.2004
Hagen:  Gründerzeit 
Vielleicht geht es einmal in die Geschichte als eines der letzten Stadtumbauprojekte Deutschlands vor dem großen Rückbau ein: das Projekt "Neue City Hagen". Die einst mit glanzvoller Jugendstilarchitektur auftrumpfende 200 000-Einwohner-Stadt am südöstlichen Rand des Ruhrgebietes "leistet" sich ein neues Zentrum mit Rathaus, Einkaufszentrum, neuen Bürohäusern, umgebauten Straßen und Fußgängerzonen, mit der "ersten" Hagener Diskothek, mit Straßengrün und Uferpromenaden.
Vor elf Monaten wurde die Volme-Galerie eröffnet. Erst wenige Tage ist es her, dass die Sprengung des Sparkassenhochhauses die Innenstadt erschütterte. Gestern hat der Umbau der zentralen Kampstraße begonnen. In sechs Wochen soll das nagelneue Rathaus bezogen werden. Gründerzeit in Hagen.
Der Kraftakt ist den widrigen Zeitumständen regelrecht abgetrotzt. Denn seit drei Jahren hat die Stadt keinen genehmigten Haushalt mehr. Viele der Großinvestitionen konnten nur mit PPP-Verträgen gestemmt werden. Und nun scheint erst mal das Ende der Fahnenstange erreicht. "Ehe wir das Emil-Schumacher-Museum anpacken können, muss es erst wieder Geld regnen", meint Christine Grebe, zuständig für "Sonderprojekte" der Stadt. "Denn eher können Zuschüsse des Landes nicht abgerufen werden."
Stadtumbau in Hagen - das ist kein Projekt für die Schrumpfung, sondern für die Revitalisierung der Stadt. Als Partner für die zentrale Maßnahme, das Rathaus- und das Center-Projekt, hat die Stadt die holländische Multi Development Corporation (MDC) angeheuert. Man wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Käuferströme des Einzelhandels neu an die City binden und zugleich 27 Standorte der Stadtverwaltung wieder in einem Gebäude zusammenführen. Mit der Ausführung des 90-Mio.-Euro-Vorhabens wurden die Profis des Architekturgroßbüros Rhode, Kellermann, Wawrowsky betraut.
Herausgekommen ist schlichte Durchschnittsarchitektur, deren lasche Aussage hinter der kraftvollen Architektursprache des nicht gerade schönen, aber charaktervollen Nachkriegs-Ratstrakts der Architekten Wiehl und Roßkotten zurückbleibt. Doch wie der Vorgänger borgt sich der Komplex ein Quäntchen Imposanz vom Torso des ganz alten Rathauses, das einst mit seinem prachtvollen Turm und dem Neorenaissancegiebel ein Wahrzeichen Hagens war. Die Modernisierungsmanie der Nachkriegszeit hat ihm den Garaus gemacht.
An den Ratsturm schließen am Friedrich-Ebert-Platz nun keine Verwaltungstrakte mehr an, sondern unmittelbar die gläsernen, sandsteingerahmten Fassaden des mit 13 000 qm Verkaufsfläche mittelgroßen Centers. Das neue Rathaus ist mit seinen 15 000 qm Bürofläche um die Ecke in die schmale Nebenstraße (Rathausstraße) verschwenkt und hat damit seine dominante Position am repräsentativsten Platz der Stadt aufgegeben. Diese Rochade war den Investoren einen Kaufpreis von 3,5 Mio. Euro für das Grundstück wert. Insgesamt haben die Stadt 27Mio. und MDC 63 Mio. Euro in die "neue City" gesteckt.

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17.03.2004
Reichenbach: Stadtgeschichtliches Gebäude wird abgerissen
Ein weiteres Loch in die historische Bausubstanz der Neuberinstadt wird gerissen werden. Mit einer Gegenstimme beschloss der Technische Ausschuss der Stadt Reichenbach am Montagabend den Abriss des Wohngebäudes Schulberg 4 b, in dem zu DDR-Zeiten die Hilfsschule untergebracht war.
Für rund 22.346 Euro erhielt die Bietergemeinschaft Lengenfelder Recycling & Abbruch GmbH aus Lengenfeld und Planschwitzer Naturstein GmbH aus Neuensalz den Zuschlag der Stadträte. Nun gehören Abbrucharbeiten zum fast alltäglichen Stadtbild.
Stadtrat Ralf Auerswald (Bürgerinitiative Altstadt) bereitet die Situation Sorgen, dass in der Stadt mehr und mehr Löcher entstehen wie in einem Schweizer Käse. Er stellte den Antrag, den Abbruch-Beschluss um sechs Monate zu verschieben, damit in einer bisher von ihm vermissten öffentlichen Diskussion über die weitere Nutzung des Gebäudes gesprochen werden könnte. Er sehe keine unmittelbare Notwendigkeit des Abbruchs. Außerdem fehle ein Konzept, was nach Abbruch mit der Lücke passiern solle. Der Antrag wurde mit fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen von den Ausschussmitgliedern jedoch abgelehnt.
Fachbereichsleiter Gregor Hubert räumte ein, dass möglichst geschlossene Flächen in der Altstadt bestehen bleiben sollen. Doch habe die Stadt keinen Nutzer für das leerstehende Gebäude gefunden. Nach dem Abriss, der sich einfach gestalten würde, da es ein Einzelgebäude ist, sei dann ein direkter Blick auf die Peter-Paul-Kirche gegeben. Außerdem könne man sich nicht nur am Alten festhalten. Investoren im Stadtzentrum würden immer nach Stellplätzen in Wohnhausnähe fragen. Laut Stadtplaner Sven Hörning wird demnächst die Planung für das bald freie Land in Auftrag gegeben werden. Sicherlich werde es Stellplätze und teilweise Begrünung geben.Mit dem Haus verschwindet übrigens ein stadtgeschichtlich interessantes Gebäude. Hier befand sich das von Johann Siegfried Ackermann (1662 bis 1741) gestiftete hiesige Waisenhaus. Von 1848 bis 1857 war im Gebäude Reichenbachs erste Webschule untergebracht.

www.freiepresse.de

17.03.2004
Land Brandenburg: Zu wenig Wassertrinker wecken Keim und Korrosion
Der Bevölkerungsrückgang in Brandenburg ruft nicht nur die Gefahr finanzieller Mehrbelastung hervor, sondern sogar gesundheitlicher Schäden. Wie die Landesregierung in einem Fachbericht mitteilte, sei das eine Folge zu geringer Auslastung von Trinkwasser-Rohrleitungssystemen.
Wenn immer weniger Nutzer von der Wasserzu- und ableitung Gebrauch machen, dann wächst die Keimbelastung, weil die Spülung nicht ausreichend ist, hebt der Bericht hervor. Ein ähnliches Problem entsteht beim Abwasser. Wenn es zu lange in den Leitungen verbleibt, kommt es zur vermehrten Bildung von Schwefelsäure. Die wiederum zersetzt Leitungen durch verstärkte Korrosion.
Für die in Brandenburg verbleibenden Bevölkerungsteile ist laut Bericht mit höheren Belastungen zur rechnen, da die umzulegenden Fixkosten für den Einzelnen wachsen. Zudem greifen Wasserwerke bei einer zu geringen Nutzung von Trinkwasser zum Mittel der Spülung. Dabei werden Rohre mit frischem Trinkwasser freigeschwemmt. Von den Nutzern wird dieses Trinkwasser zwar im engeren Sinne nicht benötigt, doch finden sie es auf ihrer Rechnung wieder.
Vor dem Hintergrund des Bevölkerungsschwundes, des Abbaus von Industriekapazitäten und des Verzichts auf Beregnung in der Landwirtschaft ist der Wasserverbrauch viel stärker gesunken, als die Politik Anfang der 90er Jahre für möglich hielt. Wegen des erforderlichen Abrisses ganzer Stadtviertel wird laut Landesregierung regional die Stilllegung »ganzer Teile der Versorgungsnetze« erwogen. Dies sei immer noch kostengünstiger als ein punktueller Rückbau, »der das Versorgungsnetz weitgehend unverändert lässt, aber zu einer weiteren Ausdünnung der Nachfrage führt«.
Immer weniger Kunden müssen für die Kredite zentraler Anlagen und die vergleichsweise hohen Gehälter der Beschäftigten in der Wasserwirtschaft aufkommen. Ex-Bauminister Hartmut Meyer (SPD) räumte vor einiger Zeit ein, dass vielfach der Umfang dieser Anlagen in Brandenburg immer stärker in Widerspruch zum eigentlichen Bedarf geraten ist. »Sowohl bei der Trinkwasser- als auch bei der Abwasserversorgung ist mit einem Anstieg der finanziellen Belastung für die Verbraucher zu rechnen.«
Radikale Maßnahmen werden ins Auge gefasst, denn laut vorsichtigen Prognosen sinkt die Bevölkerungszahl in Berlin-fernen Regionen bis 2015 noch einmal um neun Prozent.

www.nd-online.de

17.03.2004
Sachsen: Wettbewerb soll verwaisten Innenstädten neues Leben einhauchen
Mit viel Geld wurden seit der Wiedervereinigung Morbidität, Schimmel und Mief aus Sachsens Innenstädten vertrieben. "Nun muss wieder Leben hinter und vor die sanierten Fassaden", fordert Albrecht Buttolo, Staatssekretär im Innenministerium. Den "Kick" dafür möge eine Offensive geben, die gestern in Dresden offiziell gestartet wurde. "Ab in die Mitte" heißt die Kampagne der Industrie- und Handelskammer (IHK). In ihr sind die Kommunen aufgefordert, mit Ideen für die Belebung ihrer Innenstädte in Wettbewerb zu treten.
Zwar sprudeln keine neuen Geldquellen für die Realisierung dieser Konzepte. Doch Buttolo ließ durchblicken, dass die Sieger bei der Vergabe von Städtebaufördermitteln bevorzugt behandelt würden. 30000 Euro erhält der Erste, 20F000 der Zweite und 10000 der Drittplatzierte. Die Gelder wurden bisher ausschließlich von Sponsoren gestiftet. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) ließ offen, mit welcher Summe sich der Freistaat beteiligt. Er stellte aber klar: "Von der Vorstellung, man könne Probleme mit Geld lösen, muss man sich verabschieden."
Festlegen wollte sich bei der gestrigen Auftaktveranstaltung vor 300 Vertretern von Kommunen und Verbänden auch niemand, welcherart Ideen im Juni das Rennen machen könnten. Maßstab soll sein, möglichst viele Menschen in die City zu locken, die Kernstadt in ihrer Konkurrenz zum Einkaufstempel vor der Stadt aufzuwerten. "Leute anlocken", "zum Verweilen einladen", "Handel ankurbeln", "der Stadt ein Gesicht geben", wurde bruchstückhaft geantwortet, wenn nach der Art der gewünschten Beiträge gefragt wurde. "Es ist kein Schönheitswettbewerb", stellte Milbradt klar. Denn schön sind Sachsens Innenstädte ja schon. Aber: "Viele sind verwaist, leiden unter hohem Leerstand, bieten wenig Kunst und Kultur", weiß Christian Schramm, Präsident des Städte- und Gemeinde-tages. Er hätte in der Altstadt Bautzens, deren Oberbürgermeister er ist, am liebsten "italienische Verhältnisse". Schramm: "Wäsche auf den Balkonen, spielende Kinder, schimpfende Mütter, Wohnen, Handeln, Arbeiten, Leben nebeneinander."
Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Uni Leipzig, ermunterte die Kommunen, mit Eigentümern, Händlern, Dienstleistern und Bürgern Ideen zu entwickeln, um die City zum Wohlfühlort aufzuwerten, in dem Einkaufen zum sinnlichen Erlebnis wird. "Wir müssen keine Unterhaltungszentren als Implantate in die Städte einpflanzen. Eine City ist Unterhaltungszentrum genug." Hauptattraktion ist das Einkaufen. Denn, so Kaufhof-Vorstand Lovro Mandac, "wenn Handel nicht funktioniert, funktioniert die Stadt nicht". Aber Einkaufen könne viel mehr sein, als sich nur den Kofferraum vollzupacken.

www.dnn-online.de

16.03.2004
Gladbeck: Hochhaus sollte bis auf drei Stockwerke abgerissen werden
Einstimmig billigte der Bau- und Planungsausschuss das Konzept des Baudezernates, mit Fördermitteln aus dem Programm "Stadtumbau-West" das Hochhaus Schwechater Straße 38 abzureißen und zu einem "urbanen Stadtteil-Zentrum" umzugestalten.
Die bislang im Haushalt gesperrten Planungskosten von 40 000 Euro "für eine gesamtstädtische Analyse" des Bereiches auszugeben, fand Zustimmung bei allen Fraktionen. So will man 20 000 E für ein Gutachten zum "Stadtteil-Entwicklungskonzept", 10 000 E, für ein "städtebauliches Konzept" sowie 10 000 Euro für "flankierende Maßnahmen" ausgeben. Rund 3000 Euro sollen Studenten der Uni Dortmund erhalten, die in einem "begleitenden Workshop" Erkenntnisse (wie z. B. aus dem Abriss von Plattenbauten der Ex-DDR?) einbringen.
Die Fakten: Bauschäden und -mängel in Höhe von mehreren Millionen Euro, rund 50 Prozent leer stehende Wohneinheiten (mit steigender Tendenz), rund die Hälfte der Wohnungseigentünmer sei zahlungsunfähig, es gebe Wohngeldrückstände von rund 2 Mio Euro, und die Hälfte der Wohnungen stünden unter Zwangsverwaltung, das Kaufinteresse bei Dritten wird "als gleich Null" eingeschätzt, weil nicht einmal Zwangversteigerungsverfahren durchgeführt werden könnten.
Als Lösungen sieht die Stadt die Bildung einer Auffanggesellschaft, Übernahme der Miteigentumanteile ( zum Teil sicher eher "entschädigungslos"), einen Verzicht der Gläubigerbanken und außerdem eine Übereignung von städtischen Bauflächen an die Auffanggesellschaft und den "Rückbau" des Hochhauses.
Hierfür erhoffe man sich Mittel aus dem Förderprogramm "Stadtumbau-West", der die Wiederherstellung intakter Stadtstrukturen zum Inhalt habe. "Doch dass wir da hineinkommen, ist nicht sicher, aber wir brauchen endlich einen Fuß in der Tür", merkte Stadtbaurat Michael vorsichtshalber Stojan an.

Daher betonten alle Fraktionssprecher, "die Ruine muss schnell abgerissen werden", damit das Geschäftszentrum wieder "zur Ruhe kommen" könne. Darüber hinaus soll danach der Stadtteil Rentfort wieder "genesen" können.
www.waz.de

13.03.2004
Borken: Kopf aus dem Sand
"Es geht nicht darum, über Sein oder Nicht-Sein der Borkener Gewerbevereinigung zu diskutieren. Denn sie wird immer bestehen“, sagte Borkens Bürgermeister Bernd Heßler am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung der BGV. Zuvor hatte Kassierer Harald Klug die Zukunft des Vereins in Frage gestellt.Ein Grund für den Optimismus des Rathaus-Chefs: „Wenn der interkommunale Zweckverband profitiert, dann somit auch jede der ihm angeschlossenen Städte“, so Heßler. In Sachen Zweckverband gebe es Grund zur Freude. „Wir können trotz Haushaltssperre der Landesregierung mit einem Bewilligungsbescheid von fünf Millionen Euro rechnen“, so Heßler . Für Borken heiße das, dass sowohl die alte Molkerei als auch die Altstadt und die ehemalige Tankstelle Vietor gefördert werden könnten. Bislang haben man nur mit 70 Prozent der Fördersumme für das Forschungsprojekt Stadtumbau West gerechnet, so Heßler.
Das Geld für die Förderung fließe aus zwei Töpfen in den Zweckverband. Denn sowohl das Ministerium für Raumordnung als auch das hessische Wirtschaftsministerium seien beteiligt.
Zudem laufe die Vorauswahl für das interkommunale Gewerbegebiet Schwalm-Eder-West. „Das können wir in vier bis fünf Wochen vorstellen“, machte Heßler deutlich. Sechs Gebiete seien in der Vorauswahl. „Die Tendenz geht stark zu Wabern-West“, so Heßler. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Waberns Bürgermeister Jung mit, dass über den Standort des Projekts noch nicht entschieden worden sei.
Anerkennenden Applaus gab es für die Neuigkeiten, die Heßler überbrachte, von den Mitgliedern der BGV. Die BGV zog - zumindest finanziell - eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. „Trotz einer schwierigen Lage haben wir ein positives Ergebnis erzielt“, so der Vorsitzende Heinfried Becker. Denn alle Aktivitäten und Feste habe man ohne Defizit abschließen können. Vielmehr seien Weihnachtsmarkt und auch Heimatfest Erfolge gewesen. Auch würden die Einkaufsgutscheine der BGV sehr gut angenommen. Dennoch: „Der Verein ist im Umbruch“, sagte Becker. Von 96 Mitgliedern sei man auf 81 geschrumpft.

www3.hna.de

13.03.2004
Neugersdorf:  Eine Perle an der Fröbelstraße
Es zieht schon die Blicke auf sich, das prachtvolle, große Umgebindehaus. Zumal es direkt gegenüber dem Neugersdorfer Ärztehaus steht und hier ein großer Publikumsverkehr herrscht. Ab April werden auch in dem denkmalgerecht sanierten Haus Patienten ein- und ausgehen. Denn hierhin ziehen jetzt zwei Arztpraxen um. Die Zwei-Raum-Wohnung im Obergeschoss ist ebenfalls schon vergeben.
Die Garantie einer sinnvollen Nutzung war entscheidend dafür, dass die Eigentümerin die kostspielige Rekonstruktion und Modernisierung unter denkmalpflegerischen Belangen auf sich nahm. Die in Schorndorf/Württemberg lebende Ärztin und Apothekerin Dr. Maria Palm, geborene Krampf, hat das Gebäude und sieben weitere in den 90er Jahren durch Rückübereignung bekommen. Die Fröbelstraße 10 ist das zweite sanierte, ein drittes ist in Vorbereitung.
Wie alt das einstige Faktorenhaus genau ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. „Es gibt wenig Nachweisliches darüber“, sagt Dr. Werner Nette, dessen Neugersdorfer Bauplanungsbüro mit der Sanierungsplanung und -betreuung beauftragt wurde. Der eingebaute Türstock beinhaltet die Jahreszahl 1787. Bestimmte Baumerkmale deuten aber darauf hin, dass das Haus noch älter ist und auch vergrößert wurde. Es ist über 18 Meter lang und über zehn Meter breit.
Die stattliche Größe und prachtvolle Elemente, wie zum Beispiel ein Kreuzgewölbe mit Stuckelementen, verzierte Stubendeckenbalken und die außen „vornehmere Holzverkleidung mittels Andeutung von Quadermauerwerk“, so Nette, sind Kennzeichen eines Faktorenhauses. Eine weitere Besonderheit ist ein Raum im hinteren Teil, wo selbst die Innenmauern etwa 90 Zentimeter stark sind.
1999 nahm das Ehepaar Palm mit Unterstützung der Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung (GSL) Löbau zunächst die Sanierung der Außenfassade in Angriff. Noch im selben Jahr erhielten sie die denkmalschutzrechtliche Genehmigung. 2001 begann die Dacherneuerung, dann wurde die komplette Sanierung vorbereitet. Ende 2002/Anfang 2003 wurdet der auf Grund großer Feuchteschäden nicht mehr nutzbare Anbau abgerissen. „Übrigens mit Unterstützung der Stadt Neugersdorf durch das Programm ,Stadtumbau Ost’“, berichtet Sebald Henkel von der GSL. Außerdem hat das Land Sachsen die äußeren denkmalpflegerischen Mehraufwendungen gefördert.

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13.03.2004
Frankfurt (Oder): Schülerschwund macht weitere Schulen überflüssig
Der Bevölkerungsschwund und der Geburtenrückgang wirken sich massiv auf die Schullandschaft in Frankfurt sowie den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland aus. "Der Einbruch in der SekundarstufeI hat uns jetzt erreicht und setzt sich in den kommenden Jahren fort", so die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Karin Wenzel. Die Folge sei, dass viele Schulen künftig keine siebenten Klassen mehr haben würden und im Endeffekt auch massiv Schulen geschlossen und zusammengelegt werden müssen.
Welche Schulen es künftig nicht mehr geben wird, entscheiden die Schulträger vor Ort selbst. Das Staatliche Schulamt hingegen hat die Aufgabe festzulegen, welche Schule noch siebente Klassen haben darf und welche nicht. In einer Prognose des Staatlichen Schulamtes wird davon ausgegangen, dass sich in Frankfurt nur noch zwei Gymnasien, eine Realschule und ein bis zwei Gesamtschulen halten. In Eisenhüttenstadt wären es je eine Gesamt- und eine Realschule sowie ein Gymnasium. Fürstenwalde käme mit zwei Gesamtschulen und einem Gymnasium aus.

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13.03.2004
Oschatz: Mieter stehen zur Plattenbau-Wohnung
In den nächsten Jahren will die Oschatzer Wohnstätten GmbH die Mieter aus dem Plattenbau Am Langen Rain 51-57 in andere Häuser der Wohnungsgesellschaft vermittelt haben. Grund: Der Wohnblock soll abgerissen werden. Ein Vorhaben, das bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe stößt.
Zum Beispiel bei Erika Kürschner. Die 61-Jährige ist erst im Jahr 2001 hier eingezogen und mit ihrer Zwei-Raum-Wohnung (mit Balkon für 163 Euro Kaltmiete) zufrieden. "Als ich hier eingezogen bin, war noch keine Rede von Abriss", ärgert sie sich.
Siegfried Lange wohnt mit seiner Frau seit sieben Jahren in seiner Plattenbau-Wohnung. "Erst hieß es, die Wohnungen werden saniert, dann war von einem altersgerechten Umbau die Rede, nun ist der Abriss geplant", empört sich der Rentner. Vor allem stört ihn, dass gerade dieser Wohnblock abgerissen werden soll. "Das ist eine der besten Wohnlagen. Unsere Wohnzimmer gehen ins Grüne raus, und vom Straßenverkehr hören wir nichts", zählt der Oschatzer auf.
Loni Junker wohnt seit 25 Jahren in diesem Wohnblock. Wegen Herz-Kreislauf-Beschwerden ist sie 1999 aus dem dritten in das erste Obergeschoss gezogen. "Deshalb trifft mich das besonders hart", sagt die 76-Jährige. Bis zuletzt will Loni Junker nicht in ihrer jetzigen Wohnung ausharren. Denn in ihrem Aufgang stehen jetzt schon mehrere Wohnungen leer. Aus dem Angebot der Wohnstätten GmbH hat sie sich schon eine Wohnung ausgesucht. "Ich werde in die Goethe-Straße umziehen", kündigt die Rentnerin an.

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13.03.2004
Bautzen: Große Frischzellen-Kur für Wohnblock an der Post
Heute wirkt er unscheinbar, zu DDR-Zeiten war er etwas Besonderes. Der Plattenbau am Postplatz ist einer der wenigen Wohnblocks, die nicht auf der grünen Wiese errichtet wurden, sondern mitten in der Innenstadt stehen. Das ist kein Zufall. Der Block vom Typ WBS 70 war ein Versuchsbau, an dem Architekten und Bauleute 1986 erprobten, wie man innerhalb der Stadt mit Plattenbau-Elementen arbeiten kann. Dafür wurde das Haus vor allem optisch angepasst. Es bekam ein richtiges Ziegeldach und eine Ladenzeile im Erdgeschoss. An der äußeren Form soll sich mit der Modernisierung nicht viel ändern. Nur einige alte Schuppen im Hinterhof wurden abgerissen, um Platz für Mülltonnen und Parkplätze zu schaffen. „Außerdem werden Dach und Fassade gedämmt und neue Fenster eingesetzt“, sagt Kai Hübner, der Leiter der Bauabteilung der BWB.Neu ist auch, dass alle Mieter einen Balkon bekommen. Bisher ist dies nur bei einem Teil der 60 Wohnungen der Fall. Die meisten anderen Veränderungen spielen sich im Inneren des Hauses ab. „Wir werden die Sanitär- und Lüftungstechnik erneuern und die Elektrik auswechseln“, kündigt Kai Hübner an. Außerdem wird es eine neue Heizungsanlage geben, und die alten Durchlauferhitzer verschwinden aus den Küchen. Auch sonst werden die Wohnungen auf den üblichen Standard gebracht. Es gibt neue Türen, und in der Küche und im Bad kommen neue Fliesen an die Wand. Die Geschäfte im Erdgeschoss stehen ebenfalls auf der Sanierungsliste. Sie erhalten neue Schaufenster. Außerdem wird die Rampe vor der Ladenzeile in Ordnung gebracht. Um die Fläche etwas aufzulockern, kommen in Richtung Straße Granitplatten an die Front.
Für die Baukosten hat die BWB 2,5 Millionen Euro eingeplant.
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12.03.2004
Hoyerswerda: Sterben die Laubenpieper aus?
Die Befürchtung, dass die Anzahl der Kleingärten in den kommenden Jahren dramatisch sinken wird, ist nicht neu. Schon 2001, als der aus dem einstigen Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) hervorgegangene Verband der Kleingärtner Hoyerswerda sein 10-jähriges Gründungsjubiläum beging, hatte dessen Vorsitzender Siegfried Piehler auf den drohenden Rückgang hingewiesen. Auch wurde von ihm laut über das Schließen einzelner Kleingarten-sparten nachgedacht. Wie dramatisch die Situation inzwischen ist, darüber informierte er am Mittwoch in der Sitzung des Technischen Ausschusses des Hoyerswerdaer Stadtrates, in dem er über „Die Kleingartenentwicklung in Hoyerswerda unter Beachtung der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes“ sprach. Sein Bericht war genau genommen ein Hilferuf.
„Nach mehr als 10-jähriger Arbeit im Verband der Kleingärtner Hoyerswerda wird sichtbar, dass in der Kommunalpolitik der Stadt Hoyerswerda für das Kleingartenwesen noch kein wirkungsvoller Platz gefunden ist“, stellte Siegfried Piehler fest. „War es bisher möglich, die Aufgaben im Verband in eigener Verantwortung als gesellschaftlichen und gemeinnützigen Auftrag zu lösen, so stehen wir jetzt vor der Tatsache, dass mit der Strukturentwicklung und dem Stadtumbau eine Neukonzipierung des Kleingartenwesens dringend erforderlich ist.“ Im gleichen Atemzug machte er deutlich: „Dieser Umgestaltungsprozess, verbunden mit dem Umbau von Kleingartenanlagen, ist vom Verband ohne Mitwirkung der Stadt nicht zu bewältigen.“
Und Siegfried Piehler ließ Zahlen folgen, die das zu erwartende Ausmaß des Kleingartensterbens offenbarten: „Ausgehend von den prognostizierten Einwohnerzahlen der Stadt Hoyerswerda ist ein Rückgang von 4 020 Kleingärten auf 1 500 Parzellen als real anzusehen.“ Der Verband der Kleingärtner gehe davon aus, dass bis zum Jahr 2010 der größte Einbruch zu erwarten sei. Neben der mit der zurückgehenden Bevölkerungszahl einhergehenden sinkenden Nachfrage nannte er noch einen weiteren Grund für diesen Trend. Da auch Kleingärtner immer älter werden und sich in zunehmender Anzahl nicht mehr in der Lage fühlen, ihre Parzellen zu bewirtschaften, wird es zu Rückgaben von Kleingärten kommen.
Allerdings hat sich der Verband der Kleingärtner Hoyerswerda auch Gedanken darüber gemacht, wie die anstehenden Probleme gelöst werden könnten. Wie Siegfried Piehler sagte, sollte „dem Kleingartenwesen ein Mitspracherecht eingeräumt werden“. Vorstellbar sei die Bildung eines Kleingartenbeirates auf kommunaler Ebene, der dem Stadtrat ein Hilfsinstrument sein könnte. Wichtig auch: „Im Flächennutzungsplan der Stadt sind die Standorte von Dauerkleingartenanlagen unter Berücksichtigung der Struktur und Bevölkerungsentwicklung festzulegen.“ Heißt im Klartext: Es muss entschieden werden, welche Kleingartenanlagen auf Dauer Bestand haben sollen und welche analog zur Wohnbebauung der Stadt früher oder später verschwinden sollten. In diesem Zusammenhang, so ein weiteres Anliegen, müsse das Kleingartenwesen mit den bestehenden Anlagen als Bestandteil in das Programm des Stadtumbaus aufgenommen werden. Zumindest im Teilkonzept Wohnen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) waren die Kleingärten nicht berücksichtigt worden. Auch sollte die Stadt „mit Hilfe einer Studie die Wirtschaftlichkeit prüfen, die Bereitstellung von Kleingärten auf kommunalem Grund und Boden vorzunehmen und neu zu konzipieren“.
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12.03.2004
Cottbus: Das zweite Leben der Sachsendorfer Abrissplatten
Rund 2.200 Plattenbau-Wohnungen sind in Sachsendorf bisher abgerissen worden. Noch einmal so viele Wohnungen aus der DDR-Zeit sollen in den nächsten Jahren dem Stadtumbau zum Opfer fallen. Bisher sind nach Angaben der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Cottbus" (GWG) dabei rund 200.000 Tonnen mineralischer Bauschutt angefallen. Das entspricht etwa 8.000 Kipperladungen. Vehemente Gegnerin des Abrisses ist Dr. Angelika Mettke. Die Fachgruppenleiterin für Bauliches Recycling am BTU-Lehrstuhl Altlasten plädiert für behutsamen Rückbau, bei dem die Platten nicht beschädigt werden. 50 bis 60 Prozent des Materials seien wieder verwendbar. "Wenn alles platt gemacht wird, verödet die Stadt weiter, und es entstehen soziale Brennpunkte" , sagt die Wissenschaftlerin. Vor allem aus ökologischer Sicht dürften einmal geschaffene Werte nicht zerstört werden. "Beton ist unverwüstlich" , so Mettke. Plattenbauten könnten 120 Jahre alt werden. An der BTU sei eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten für Betonplatten erarbeitet worden. Sie könnten für den Bau von Garagen und Swimmingpools eingesetzt werden. Derzeit entstehe der Entwurf eines Einfamilienhauses aus Alt-Beton. Die BTU liefere beispielsweise das Know-how für einen Jugendpark in Gröditz, bei dem landschaftsgestalterische Elemente wie ein Baumhaus oder eine Sprayer-Wand aus Alt-Beton verwendet werden sollen. In Cottbus seien die Beispiele für die umweltfreundliche Wiederverwendung von Platten dagegen rar. Neben den Stadtvillen der GWG in der Stormstraße gebe es Kletterwände an der Waldorfschule und - das neueste Projekt - eine Freitanzfläche am Sportplatz von Wacker 09 in Ströbitz. Doch nur ein Bruchteil der Platten werde wiederverwendet. In Sachsendorf setzten die Wohnungsgesellschaften aus Kostengründen auf Abbruch. So habe das Pilotprojekt der GWG Stormstraße 9 a bis 9 e keine Nachnutzer gefunden. 13 Wohnungen aus Alt-Platten sind hier im Frühjahr 2002 bezogen worden. "Technologisch ist das super gelaufen und ingenieurtechnisch überhaupt kein Problem" , meint Dieter Gebauer, Abteilungsleiter Technik bei der GWG. Die Kosten hätten 10 bis 15 Prozent unter denen für einen vergleichbaren Neubau gelegen. Dennoch plane die GWG vorerst kein weiteres Projekt dieser Art. Gebauer: "Der Markt gibt das derzeit einfach nicht her." Wer die Wahl habe zwischen einem gewöhnlichen Neubau und einem Bau aus alten Platten, entscheide sich für den Neubau. Doch was geschieht mit dem Bauschutt? Allein beim Abriss durch die Sternbau GmbH seien 66 Tonnen angefallen, erklärt Bauleiter Maik Tropenz. Der überwiegende Teil davon, rund 40 Tonnen, sei zum Tagebau Jänschwalde gebracht worden. Den kleineren Anteil, 26 Tonnen, habe die Cottbuser Recycling Gesellschaft (CRG) aufbereitet. Das Recycling-Material werde beim Bau von Straßen und Fundamenten eingesetzt. Allerdings könne die Anlage das derzeit anfallende Material nicht fassen. Insgesamt 60.000 Tonnen Bauschutt verarbeite die CRG jährlich, erklärt deren Chef Frank Riemann. Knapp die Hälfte davon käme aus Sachsendorf. Ein weiterer Großabnehmer für den Platten-Bruch ist die Vattenfall Europe Mining AG. Bisher seien in der Ortslage Grötsch rund 150.000 Tonnen mineralischer Baureste verwendet worden, sagt Gert Klozek, Abteilungsleiter für Tagebauplanung. Daraus entstehe ein etwa 300 Meter langer und vier Meter hoher Stützkörper für die Kippenböschung, der ein Abrutschen der Erdmassen verhindere. Das Material sei frei von Schadstoffen und seine Verwendung deshalb völlig unbedenklich. Klozek: "Um das zu kontrollieren, ist ein ganzes Labor rund um die Uhr beschäftigt."
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12.03.2004<