Newsticker Archiv März 2004
31.03.2004
Oberlungwitz: Stadtwerke gehen neue Wege im Wohnungsbau
Aus zwei mach eins – Erste Maisonette-Wohnung im
Oberlungwitzer Wohngebiet Robert-Koch-Straße entsteht
Neue Wege gegen den Leerstand gehen die Stadtwerke Oberlungwitz in diesen Tagen.
Zwei Wohnungen im Plattenbau an der Robert-Koch-Straße 24 b wurden
zusammengelegt und in Absprache mit dem potenziellen Mieter völlig neu
gestaltet. 108 Quadratmeter Wohnfläche, für die Familie Nebe mit zwei Kindern
bedeutet dies vor allem eine große Küche mit Fenster, zwei Kinderzimmer und
genügend Stauraum für alles, was sich in einem Vier-Personen-Haushalt so findet.
Das Neuland, das Stadtwerke- chef Ulrich Steiner damit beschreitet, ist kein
Zufall: Um dem Leerstand im Wohnungsbestand zu begegnen, will man versuchen,
Wohnungen komfortabler, weil geräumiger, zu gestalten. „Wir werden am Freitag
von 13 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 13 Uhr diese Wohnung zur
Besichtigung für die Öffentlichkeit freigeben“, sagt Steiner und will damit das
Interesse weiterer Mieter an möglichen Umbauten wecken. Dabei ist das Prozedere
denkbar einfach: Finden sich Mieter, werden die Stadtwerke nach der Prüfung der
Statik in den Plattenbauten eine Umbauvariante vorschlagen. Denkbar sei dabei,
dass übereinander und nebeneinander liegende Wohnungen verbunden werden und so
Wohnräume entstehen, die mit der Größe eines Einfamilienhauses vergleichbar
sind.
Welche Fliesen und welcher Bodenbelag in die Wohnung kommt, auch das können die
neuen Mieter mit bestimmen. 450 Wohnungen haben die Oberlungwitzer Stadtwerke
seit 1993 in ihrem Bestand, bis heute komplett saniert und treten damit in der
6000 Einwohner zählenden Stadt als Vermieter auf. Dabei ist das Thema
Wohnraumreduzierung längst nicht unbekannt. Sieben Wohnungen wurden bereits im
altersgerechten Wohnblock der Stadtwerke an der Robert-Koch-Straße zu größeren
Quartieren umgestaltet.
„Abwanderung auf der Suche nach einer Beschäftigung und eine zunehmende
Überalterung“, darin sieht Steiner die Hauptursachen im Leerstand von Wohnungen.
Zwar sind die Oberlungwitzer Stadtwerke längst von den dramatischen Leerständen
großer Städte entfernt, doch will Steiner dem Trend auch künftig nicht tatenlos
zusehen.
Eine Entwicklung, die auch in der Nachbarstadt Hohenstein-Ernstthal ihre Spuren
zeigt. Mit mehr als 20 Prozent Leerstand im Wohnungsbestand erreicht man hier
jene kritische Größe, die über das im Jahr 2000 aufgelegte Programm Stadtumbau
Ost gefördert werden soll. „Mit 414.000 Wohnungen ist die Zahl frei stehender
Wohnungen in Sachsen daramtisch hoch“, sagt Beate Bartsch vom Vorstandsstab der
Sächsischen Aufbaubank. Obwohl 20.000 Wohnungen schon vom Markt genommen wurden,
könne das Überangebot nur reduziert werden, wenn jährlich 25.000 Wohneinheiten
verschwinden.
www.freiepesse.de
31.03.2004
Sachsen: Ideen für Problemzonen
W o ist eigentlich Hoyerswerdas Mitte? Die Frage ist
unkompliziert nur so zu beantworten: Die nordsächsische Stadt hat gleich zwei
Mittelpunkte. Denn eigentlich besteht sie aus zwei großen Teilen, die nie
wirklich zusammengewachsen sind. Da ist die im 13. Jahrhundert erstmals
erwähnte, durchaus reizvolle Altstadt. Vor 49 Jahren wurden die ersten
Grundsteine für die Neustadt gelegt. Den alten und neuen Teil der kreisfreien
Stadt trennen die Bundesstraße 96 und der Elsterkanal. Die am 15. März in
Dresden gestartete sächsische City-Offensive hat bei den Hoyerswerdaern deshalb
auch den leicht abgewandelten Namen „Ab in die Mitten“. Gestern Nachmittag saßen
Hoyerswerdaer zum ersten Mal in einer großen Runde, um gemeinsam zu überlegen,
womit sie sich an dem Wettbewerb beteiligen.
Ein idyllisches Quartier am Elsterfließ zwischen Senftenberger Straße,
Kirchstraße und Mühlenfließ soll entdeckt werden. Das könnte damit beginnen,
dass für das wunderschön restaurierte Gebiet gleich hinter dem Markt überhaupt
erst einmal ein Name gefunden wird. Mit Veranstaltungen, möglicherweise im
Rahmen der Lausitzer Fischwochen im September, sollen die Hoyerswerdaer
eingeladen werden, mal jenseits der bekannten Adressen spazieren zu gehen.
Schwieriger wird es da schon in der Neustadt. Sagt Bürgermeister Stefan Skora.
Rund um die Lausitzhalle und das Lausitz-Center klaffen viele Wunden. Wo bis vor
kurzem noch tausende Menschen in Hochhäusern lebten, wächst Gras oder parken
Autos auf unbefestigtem Gelände. Hier soll Hoyerswerdas neue Neustadt-Mitte
sein. Ob hier ein Park mit Skulpturen, ein kleiner See, vielleicht ein Rodelberg
entsteht? Das sollen die Hoyerswerdaer selbst mitbestimmen. Damit sie das
diskutieren, werden die Partner aus der City-Offensive – darunter Planungsbüros,
der Gewerbering, die Vereine Stadtumbau und Subversion, Stadtverwaltung –
Aktionen organisieren. Übliche wie Podiumsdiskussionen oder Workshops, aber auch
spektakuläre sind im Gespräch, wie Abrisshäusern aufs Dach steigen, sie
beleuchten, Modelle oder ein Info-Zentrum aufstellen. „Wir wollen bei den
Einwohnern Vorschläge rauskitzeln“, sagt Skora.
Szenenwechsel von der Schwarzen Elster an die Neiße. Wer in Görlitz vom Bahnhof
aus die Stadt erkundet, hat erst einmal einen schweren Brocken zu verdauen. Leer
stehende, unsanierte Häuser, zugenagelte Schaufensterscheiben: Seit gut zehn
Jahren dümpelt die eigentliche Bummelmeile im oberen Teil der Berliner Straße in
diesem Zustand vor sich hin. Händler haben sich an attraktivere Standorte
zurückgezogen, Eigentümer scheuen die Investition, sagt Stadtplaner Lutz Penske.
Doch das soll sich ändern. Die Fußgängerachse vom Bahnhof bis zum
denkmalgeschützten Karstadt-Kaufhaus stellen die Görlitzer in den Mittelpunkt
ihrer City-Offensive. Arbeitstitel: „Görlitz kommt gut an.“ Schwerpunkt dabei
soll der neue zentrale Busbahnhof werden, der vom Demianiplatz auf von der Bahn
nicht mehr genutzte Gleise im Bahnhofsgelände verlegt wird. Hier könnten künftig
auch die Reisebusse parken. Ob der Grundstein dafür schon nächstes Jahr gelegt
wird, steht noch nicht fest. Mit Aktionen, wie dem Frühjahrsputz in der oberen
Berliner Straße und vielleicht einem Fest, soll das Augenmerk auf das
Problemkind gelegt werden.
www.sz-online.de
31.03.2004
Zweite Abriss-Welle kommt
Die Wohnungsunternehmen in den neuen Ländern kommen beim Stadtumbau viel zu
langsam voran. Die Ursachen versuchte gestern ein Stadt-umbau-Kongress im
sächsischen Hoyerswerda zu klären. Ob die Wohnungswirtschaft den Stadtumbau
schafft oder eher der Stadtumbau die Wohnungswirtschaft, das konnten die
Teilnehmer allerdings nicht eindeutig beantworten. Sie einigten sich auf die
Formel: «Es wird schon schief gehen» .
Die Bevölkerung im Osten wird immer weniger und immer älter, der zu bewältigende
Leerstand immer größer. Die Wirtschaftskraft der Wohnungsunternehmen schwindet,
auch wenn Banker mit Blick auf den Durchschnitt meinen, es sei ein Mythos, dass
die ostdeutsche Wohnungswirtschaft am Abgrund steht.
Hoyerswerdas Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig behält dennoch seinen Mut
und Optimismus. Seine Stadt erhielt gestern gleich mehrere Komplimente: Als
Pionier des Stadtumbaus und Vorzeige-Beispiel für das Zusammengehen von
Wohnungsunternehmen, Kommune, Ver- und Entsorgern, Stadtplanern und Bürgern.
«Wir werden mal eine schöne Stadt» , versicherte Brähmig. Noch zählt Hoyerswerda
rund 47 900 Einwohner. Aktuellen Prognosen zufolge werden es 2020 noch rund 30
400 sein. Brähmig kann das nicht bange machen. «Untergang ist nicht unsere
Aufgabe» , sagte er, sondern den Prozess gestalten – mit den Bürgern und für
sie. «Das wichtigste ist, dass sie sich wohl fühlen in unserer Stadt.»
Bis 2010 wollen Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft der Stadt Hoyerswerda
rund 8500 Wohnungen vom Markt nehmen, danach werden mindestens 2000 weitere
folgen müssen. «Dafür brauchen wir eine längerfristigere und berechenbare
Unterstützung von Bund und Land» , forderte Wolfgang Jenschke von der
Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda.
«Wenn es keine Korrekturen gibt im Stadtumbauprogramm Ost, werden viele
Wohnungsunternehmen den Stadtumbau nicht schaffen» , warnte auch Ludwig
Schönefeldt, Geschäftsführer der BBT GmbH, einem Beratungsunternehmen der
Wohnungswirtschaft. Das im Jahr 2002 aufgelegte Stadtumbauprogramm gewinne zwar
an Fahrt, jedoch nehme der Bevölkerungsschwund schneller zu, erklärte
Schönefeldt. Es werde eine zweite Abrisswelle geben ab 2010. Die jetzige sei
noch zu zäh. Das gefährde die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen.
Günther Troppmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank AG, machte die
Dimension deutlich: Werden alle 350 000 Wohnungen abgerissen, für die Bund und
Länder über das Stadtumbauprogramm Ost die nötige Förderung bereitstellen,
ergibt sich eine Betriebskostenersparnis von 100 Millionen Euro pro Jahr. Dabei
setzte Troppmann lediglich einen Euro pro Quadratmeter und Monat als
Betriebskosten an. Hinzu kämen rund 80 Millionen Euro aus der Entlastung von der
Altschuldenhilfe. «Das heißt, jeder der nicht abreißt, vergibt eine Chance, sich
wirtschaftlich zu stabilisieren» , sagte Troppmann.
Die für 2004 für die Altlastenentschuldung im Bundeshaushalt zusätzlich
bereitgestellten 315 Millionen Euro sind nach Angaben von Peter Runkel,
Ministerialdirigent im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen,
gesperrt. Ursache sei die nicht gestrichene Eigenheimzulage. Aus der Streichung
sollten die zusätzlichen Mittel finanziert werden.
Runkel sieht den Stadtumbau Ost «insgesamt auf einem guten Weg» , Stefan Weber,
Vorstand der Sächsischen Aufbaubank, in Sachsen jedoch noch nicht. «99 Prozent
der bereitgestellten Mittel haben wir noch, ein Prozent ist erst abgeflossen» ,
kritisierte Weber. Der Förder-Banker versuchte, die Unternehmer im Saal zu
motivieren, die Zeit besser zu nutzen: «Sie müssen sich heute fit machen für die
zweite Abrisswelle. Für die werden sie keine solchen Fördermittel mehr
bekommen.»
www.lr-online.de
28.03.2004
Aschersleben: Michelangelo Symbol für erweckte
Stadt?
Es ist soweit: Die "Zahnlücken" Hinter dem Zoll in
Aschersleben bekommen bunte Füllungen. Als "Zahnärzte" wirken etwa 15 junge
Graffiti-Sprayer aus Sachsen-Anhalt, die ihre künstlerischen Ambitionen auf
riesigen, sechs Meter hohen Leinwänden ausleben. Auf etwa 250 Quadratmetern
Fläche, die ein Stahlskelett überspannt, wird Kunst der jugendlichen Art
entstehen.
Die Entwürfe bis hin zum Farbkonzept liegen bereits auf dem Tisch. Schnell wird
klar: Die jungen Leute haben sich Gedanken gemacht, sind sich ihrer
Verantwortung für das Stadtbild wohl bewusst. Die Silhouette der Einestadt wird
zu erkennen sein, auf einer weiteren Riesen-Tafel wird sich stilisiertes Wasser
seinen Weg bahnen. Einer der Entwürfe zeigt die berühmte Erweckungsszene aus dem
Michelangelo-Fresko "Die Erschaffung Adams" - die sich berührenden Hände
graffiti-typisch verändert. Ein Symbol für ein "aufgewecktes" Aschersleben?
Bernhard Lohe vom Ascherslebener Kunst- und Kulturverein, der die Arbeiten
gemeinsam mit der Stadt koordiniert, freut sich schon auf die nächsten Wochen,
wenn sich die Alte Hobelei gleich gegenüber zur Künstlerwerkstatt wandeln wird.
Die gesprühten Bilder entstehen ab Ende nächster Woche in einem öffentlichen
Pleinair - und sie sind Teil des Stadtumbauprogramms, das mit dem Abriss nicht
mehr bewohnter Häuser an den Durchfahrtstraßen seinen Anfang nahm. Die Idee zur
Kunst an der Straße, die nicht nur das Stadtbild verändern wird, sondern auch
als Sicht- und Schallschutz dient, stammt vom Berliner Architekten Josef Weitz.
Er gehört zu einer Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit dem Ascherslebener
Stadtumbau als Modellprojekt für die Internationale Bauausstellung 2010 befasst.
Pünktlich zum Sachsen-Anhalt-Tag wird die junge Kunst Hinter dem Zoll zu
bestaunen sein. Hinter den Wänden, die auf der Rückseite begrünt werden,
entstehen Parkflächen. Für die Aktion, die mit einem Fest abgeschlossen wird,
stehen 20 000 Euro zur Verfügung.
www.mz-web.de
27.03.2004
Crimmitschau: Fahrstuhl als Alternative zu
Leerstand und Abriss
Der Abriss von Wohngebäuden in größerem Umfang als bisher
steht zur Debatte, die Kommunalpolitiker nennen es Rückbau. Beim jüngsten
Bürgerforum stellte Oberbürgermeister Holm Günther fest, dass es durchaus
passieren könne, dass aus ökonomischer Sicht auch einmal ein bereits sanierter
Plattenbau mit abgebrochen oder eventuell in der Geschosshöhe reduziert werden
müsse. Städtebauliche Aspekte und finanziell nicht zu verkraftender Leerstand
seien die Gründe für solche Erwägungen.
Dies könnte die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau (WGC) ebenso betreffen, die
solche Häuser am westlichen Ende der Bebelstraße in ihrem Bestand hat. Öfter
schon war davon die Rede, dass es wünschenswert sei, diese zusammen mit den
unsanierten der kommunalen Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) am Rand des
großen Wohngebietes abzureißen.
Harald Lichtenstein, Geschäftsführer der WGC, sieht das etwas anders. Bis Ende
2001 hatte die Genossenschaft nämlich alle 1385 im Bestand vorhandenen Wohnungen
saniert und das hat viel Geld gekostet. Rund 200 Wohnungen, das sind knapp 19
Prozent, sind nicht vermietet, also hat auch die WGC mit dem Leerstand zu
kämpfen. Doch die Aus- und Einzüge hielten sich in den vergangenen Jahren die
Waage, der Leerstand habe sich nicht erhöht, so Lichtenstein.
Wiederholt hatten sich deshalb Aufsichtsrat und Vorstand gegen einen Abriss von
sanierten Wohnraum ausgesprochen. Denn: Die Prognose einer in Auftrag gegebenen
Studie geht davon aus, dass die Liquidität der WGC bei festgeschriebenen Mieten
und konstanten Personalkosten ohne die Berücksichtigung von Tariferhöhungen und
einem angenommenen Leerstand von 23 Prozent bis zum Jahre 2013 festgeschrieben
ist.
Auch der Rückbau von zwei oder drei oberen Etagen bei sechsgeschossigen
Plattenbauhäusern müsse unter ökonomischen Aspekten betrachtet werden. Es gehe
ja nicht nur um das vorsichtige Abtragen von Betonteilen. Die Häuser brauchen
beispielsweise ein neues Dach, welches in die Kalkulation einbezogen werden
muss, um nur mal einen der größeren finanziellen Posten zu nennen. Außerdem sei
dies unter bewohnten Bedingungen wohl kaum zu realisieren, ist Lichtenstein
skeptisch.
Die WGC hat eine ganz andere Sache erwogen: Aufsichtsrat und Vorstand haben sich
nämlich Gedanken darüber gemacht, wie die oberen Stockwerke besser erschlossen
werden könnten, so Lichtenstein. Man habe vor, im Rahmen eines Pilotprojektes am
Eingang eines noch auszuwählenden Plattenbauhauses einen Personenaufzug
anzubringen. Man habe die vorerst noch nicht ganz ausgereifte Vorstellung, damit
weitere Wohnungen in Aufzugsnähe mit bedienen zu können und das gesamte 6.
Geschoss durchgehend zugängig zu machen, etwa unter Inanspruchnahme der
jeweiligen Kinderzimmer.
Inbegriffen ist also ein Umbau der Wohnungen im 6. Stock. Dort könne danach eine
Art Wohnservice für ältere Menschen entstehen, der die Versorgung, Betreuung und
Pflege einschließen soll. Man verspricht sich dadurch eine bessere Auslastung
des oberen Stockwerkes.
www.freiepresse.de
27.03.2004
Auerbach/Erzg: Wohnungsgesellschaft in
Auerbach vor schwerem Jahr
Eine gute Entwicklung trotz finanzieller
Schwierigkeiten bilanzierte der Geschäftsführer der Auerbacher
Wohnungsgesellschaft Heinz Grasse im Gemeinderat. Die Gesellschaft verwaltet 157
Wohnungen. Dazu kommen alle öffentlichen Gebäude mit einer Gesamtfläche von
15.960 Quadratmetern. Mit der stark sanierungsbedürftigen Esda-Siedlung hat sich
die Wohnungsgesellschaft einen schweren Klotz ans Bein gebunden. Eine
Komplettsanierung ist derzeit nicht möglich. In den sieben Jahren des Bestehens
der Wohnungsgesellschaft, die zurzeit 14 Mitarbeiter beschäftigt, wurden
immerhin etwa eine Million Euro für die Instandhaltung und Modernisierung des
Gebäudebestandes investiert. Allein im vorigen Jahr wurden Baumaßnahmen im Wert
von rund 100.000 Euro verwirklicht.
Die durchschnittlichen monatlichen Mieteinnahmen belaufen sich auf 41.400 Euro.
Dazu kommen 10.450 Euro Betriebskosten und 5800 Euro Heizkosten. Der
Wohnungsleerstand liegt bei 13,14 Prozent und verursacht einen monatlichen
Mietausfall von 2859 Euro. Mit einer Verschuldung von 114,35 Euro je
Quadratmeter Wohnfläche rangiert die Auerbacher Wohnungsgesellschaft weit unter
den Verschuldungsraten anderer Gesellschaften. Das Anlagevermögen beläuft sich
zur Zeit auf gut fünf Millionen Euro.
Das laufende Wirtschaftsjahr nannte Grasse „das bislang schwierigste“. Die
Tilgung aus der Kreditaufnahme beim Kauf der Esda-Siedlung ist mit 48.317 Euro
das erste Mal fällig. Dazu kommen Zinsbelastungen und Tilgung in Höhe von
121.000 Euro. Außerdem müssen zum Beispiel die letzten Wohngebäude in der
Wirkerstraße an das vorhandene Abwassersystem und die Feldstraße 7 an die im
Vorjahr errichtete Kläranlage angeschlossen werden. Der Geschäftsführer verwies
auf die nötige Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die ja Mitgesellschafter in der
Wohnungsgesellschaft ist.
www.freiepresse.de
27.03.2004
Brandenburg: Minister mit Scheckbuch
Mit vollen Taschen war Bauminister Frank Szymanski
gestern in die Stadt gekommen. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann bekam einen
Förderbescheid über 890 000 Euro für das Sanieren der St. Annen-Promenade. Der
etwa 800 Meter lange Weg vom St. Annen-Tor zum Steintor zwischen Stadtkanal und
Stadtmauer erscheint derzeit in einem recht ungepflegten Zustand. Erosionen
haben dazu geführt, dass die Füße der vor zwei Jahren sanierten Stadtmauer frei
liegen, kleine Stützmauern aus Naturstein sollen künftig die Erosion verhindern.
Die Böschung wird angeschüttet und bepflanzt, um den Park-Charakter
wiederherzustellen, sagt Katrin Witt, Leiterin des Denkmalpflegeamtes. An den
Enden und in der Mitte werden zum Wasser hin kleine Plattformen angelegt, die
von Anglern und Paddlern genutzt werden können. Zudem wird der Weg beleuchtet.
Zusagen über eine umfangreiche Landesförderung in zweistelliger Millionenhöhe
gab es beim Thema Stadtumbau. Szymanski versicherte, dass der Abriss von 2000
Wohnungen komplett gefördert werde. Das wird mehr als sieben Millionen Euro
kosten. 62 Euro für jeden Quadratmeter abgebauten Wohnraums gibt es. In
mindestens gleicher Höhe sollen so genannte Aufwertungsmittel fließen. Zu denen
muss die Kommune ein Drittel Eigenanteil aufbringen.
Doch zuallererst bedarf es eines wohnungswirtschaftlichen Konzepts. Frau Tiemann
will im April einen Vorschlag zum Umgang mit dem Leerstand einbringen und danach
mit Wohnungsbaugesellschaften, -genossenschaften und privaten Eigentümern
weiterentwickeln. "Bis zum Jahresende sollte das fertige Konzept in Potsdam
sein, dann werden wir in Jahresscheiben bis 2010 die entsprechenden Fördermittel
ausreichen", verspricht Szymanski, der gestern mit Vertretern der
Wohnungswirtschaft und den Moderatoren des Stadtumbauprozesses zusammentraf. Für
die Moderation gibt das Land beispielsweise noch vier Monate Geld.
www.maerkischeallgemeine.de
27.03.2004
Chemnitz: Mehr Grünflächen, schneller Abriss
Bazillenröhre, Abrisshäuser, Steinwüste: Auf dem
Sonnenberg liegt einiges im Argen. Das ehemalige Arbeiterviertel gehört zu den
dicht bewohnten Gebieten der Stadt, umso dringender müssen die Probleme
angegangen werden.
„Künstlich beleben kann man ein Viertel nicht“, ist Stadtrat Günther Pfeil
überzeugt. „Aber als Stadt kann man was fürs Umfeld tun.“ Zum Beispiel beim so
genannten Stadtumbau, sprich Abriss. Der gestaltet sich auf dem Sonnenberg
schwierig, weil viele Häuser in Privatbesitz sind. Erst im vorigen Jahr fielen
die ersten Gebäude. Neun Häuser wurden abgerissen, dafür flossen 400000 Euro
Fördermittel. Für dieses Jahr sind zwei Objekte finanziert (87000 Euro). Gunda
Dießner vom Amt für Baukoordination: „Bedarf hätten wir für 16 weitere, aber da
ist noch kein Geld da.“
Stadtplaner Börries Butenop bleibt trotzdem zuversichtlich: „Auf dem Sonnenberg
gibt es engagierte Bewohner, mit denen wir zusammen arbeiten. Zunächst wollen
wir in dem Viertel mehr Grünflächen schaffen.“
Eine wichtige Verbindung des Sonnenbergs in die Stadt ist die so genannte
Bazillenröhre, der Tunnel von der Dresdner Straße zum Bahnhof. Pfeil: „Das ist
eigentlich nicht zumutbar.“ Der Tunnel gehört der Bahn, die findet den auch
nicht schön. Sprecherin Helga Kuhn: „Aber wir haben kein Geld.“
www.sz-online.de
25.03.2004
Kamenz: Abrissbagger kein Allheilmittel
Bislang war der Abbruch von Wohnungen in der
Kreisstadt eine Angelegenheit der anderen gewesen. Zum Beispiel der
Wohnungsbaugenossenschaft Kamenz, die innerhalb eines Jahres 216 Wohnungen vom
Markt nehmen muss, um überleben zu können. Doch auch bei der Städtischen
Wohnungsgesellschaft (SWG) wird es ernst. SZ sprach mit Geschäftsführer DANIEL
JIRCIK.
Die SWG hat in den Neunzigern massiv saniert. Fällt Ihnen dieses Konzept jetzt
auf die Füße?
Wir haben damals bedarfsorientiert gehandelt und konnten nur durch diese zeitige
Sanierung unseren Leerstand gering halten.
Nun rückt der Tag näher, an dem tatsächlich modernisierte Häuser angegriffen
werden?
Davon kann keine Rede sein, schon weil jegliches Handlungskonzept dafür fehlt.
Dies beginnt doch damit, dass die einst geldgebenden Banken zustimmen müssten.
Undenkbar. Zum anderen haben wir selbst noch einen gewissen Spielraum an
unsanierten Wohnungen
Diesen geht es jetzt also an den Kragen?
Teilweise, schließlich darf man nicht außer Acht lassen, dass es immer noch
einen Bedarf an preiswerten, also unsanierten Wohnungen in der Stadt gibt. An
dieser ökonomischen Tatsache darf man nicht vorbeigehen. Aber dort, wo Blöcke
und Wohnhäuser fast leergezogen sind, werden wir über kurz oder lang abreißen.
Das betrifft zehn Wohnungen in der Grenzstraße 1 a-c, 15 Wohnungen am Lindenweg
in Jesau und 14 Wohnungen in der Prietitzer Straße 27/29 in Thonberg.
Wissen die Mieter Bescheid?
Wir haben Gespräche geführt und sind weitgehend auf Verständnis gestoßen. Die
Lage auf dem Wohnungsmarkt ist bekannt, da leuchtet es ein, dass die teure
Hausinstandhaltung unsanierter Gebäude keinen Sinn mehr macht. Wir haben allen
Betroffenen natürlich Ersatz bei der SWG angeboten, manch einer wird es sicher
wahrnehmen.
Mit dem Rückbau kann sich die SWG dann sanieren?
Es ist ein weit verbreiterter Irrtum, dass man annimmt, mit dem Wohnungsabriss
könne man wirtschaftliche Ziele verfolgen. Der Abriss macht in dieser Hinsicht
nichts besser. Hinzu kommt das negative Image, wenn man Häuser wegreißt.
Die toten Augen in leergezogenen Häusern sind aber auch nicht gerade anheimelnd.
Natürlich nicht, und deshalb gibt es ja auch mit Blick auf die Stadtentwicklung
keine Alternative zu einem geordneten Rückbau. Ich sperre mich nur als
Wohnungswirtschaftler gegen die verbreitete Meinung, der Abrissbagger sei eine
Art Allheilmittel. Wohnungen wollen vermietet und nicht abgerissen sein.
Die SWG hat elf Prozent Leerstand. Sehen sie sich damit noch im grünen Bereich?
Wir gehören zu den nach wie vor gut aufgestellten Großvermietern in der Region,
weshalb ja auch ein Altschuldenerlass für „notleidende Wohnungsgesellschaften“
nicht in Frage kommt. Dies nur nebenbei. Allerdings muss man die mittelfristigen
Probleme sehen. Und diese erwachsen vor allem aus den veränderten
Mieterinteressen.
Können Sie denen in Zukunft nicht mehr gerecht werden?
Darauf wird es ankommen. Heutzutage ist die sanierte 2-Raum-Wohnung mit
gehobenem Standard der Renner. Da können wir den Bedarf derzeit gar nicht
abdecken. Stattdessen stehen mehr und mehr der typischen
60-Quadratmeter-Wohnungen mit drei Zimmern leer. Das heißt: Die Anzahl der
Haushalte nimmt sogar zu bei uns, aber sie werden kleiner. Darauf müssen wir uns
einstellen.
Durch Zuschnittänderungen?
Das eben kostet viel Geld. Deshalb arbeiten wir derzeit an einem Gesamtkonzept
für die SWG. Ziel muss dabei sein, die Kreditbelastung zu reduzieren. Neue
Kredite aufzunehmen ist vollständig ausgeschlossen.
Dann bleibt ja nur eine kräftige Mieterhöhung, oder?
Dafür gibt es am Wohnungsmarkt auch in Kamenz schon lange kein Potenzial mehr.
Und wie stets mit dem Eintreiben der Mietschulden?
Mit zusätzlichen Einnahmen durch den Mietschuldenabbau rechnen wir eher nicht.
Die Anzahl der Schuldner ist relativ stabil, aber die Höhe der Rückstände jedes
einzelnen steigt. Derzeit haben wir sechsstellige Außenstände. Unser Ziel ist
es, diese Summe nicht weiter anwachsen zu lassen. Wir wollen wirklich nicht
unbedingt zwangsräumen, sondern mit den Betroffenen gemeinsam eine Lösung
suchen. Man muss freilich mit uns sprechen. Sonst geht das nicht.
Eine weitere Einnahme-Möglichkeit wäre die Übernahme städtischer Aufgaben ...
Schon vor längerer Zeit haben wir dem Rathaus ein Angebot unterbreitet. Es ging
um die Liegenschaftsverwaltung – zum Beispiel des Rathauses, der Schulen oder
des Stadtwaldes. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch und werden gewiss auch im
neuen Gesamtkonzept des Gesellschafters eine Rolle spielen.
www.sz-online.de
25.03.2004
Weida: Förderung von Straßenbau und Abriss
Zwei wichtige Vorhaben in der Weidaer Innenstadt hat der Stadtrat per
Fördermittelbeschluss auf den Weg gebracht. So ist geplant, den grundhaften
Ausbau der Brauhausgasse einschließlich der Uferbefestigung in zwei
Bauabschnitten zu realisieren. Die Brauhausgass als Anliegerstraße verbindet die
Brüderstraße in Höhe der Kirchbrücke mit der Stegstraße.
Das gesamte Areal ist Bestandteil des Sanierungsgebietes und des
Denkmalensembles "Kernstadt Weida". Beantragt werden sollen zunächst die
Fördermittel für den ersten Bauabschnitt, den Bau der Ufermauer. Bei
Gesamtkosten von rund 286 900 Euro liegt der städtische Anteil bei rund 95 600
Euro.
In einem 2. Bauabschnitt soll dann die endgültige Herstellung der Straße mit
Geländer, Beleuchtung und Verblendung der Stützmauer erfolgen. Hier sind
förderfähige Gesamtkosten von rund 228 140 Euro veranschlagt, wiederum mit rund
einem Drittel Eigenanteil.
Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost - Rückbaumaßnahmen wird die Stadt
beantragen für den Abriss des Wohn- und Geschäftsgebäudes Gräfenbrücker Straße
2. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 58 430 Euro, wobei ein städtischer Anteil
von 21 430 Euro verbleibt. Mit dem Abriss wird das Ziel verfolgt, den
Einmündungsbereich Gräfenbrücker/Obere Straße zu erweitern. Die Gräfenbrücker
Straße ist bislang nur als Einbahnstraße befahrbar. Das Straßenbauamt Gera hat
für den Fall des Abrisses die Erweiterung des Knotenpunktes für einen
Zweirichtungsverkehr in Aussicht gestellt, heißt es zur Begründung.
www.tlz.de
25.03.2004
Immer mehr Städte stehen vor dem Kollaps
Was die Auguren seit Monaten prophezeien, das wird immer mehr zum
Albtraum der Städtebauer: der Wohnungsleerstand erreicht den Westen. Auf einer
Expertenkonferenz in Dortmund hat jetzt der Bundesverband für Wohneigentum und
Stadtentwicklung (vhw) den erschreckenden Ergebnisbericht einer von ihm
eingesetzten interdisziplinären Arbeitsgruppe "Stadtumbau Ost/West" vorgelegt.
Danach erreichen die Leerstände auch in Westdeutschland verschiedentlich schon
Spitzenwerte um 13 Prozent. Spätestens ab 2015, so der Bericht, "ist in
Westdeutschland mit strukturellen Leerständen in einer Dimension zu rechnen, die
denen ostdeutscher Regionen nahe kommt".
Die Arbeitsgruppe hat sieben ausgewählte Städte aufgesucht und die Situation
verglichen. Während sie in den ostdeutschen Städten Luckenwalde, Görlitz und
Halle gründliche Analysen und Konzepte vorfand, traf sie in den westdeutschen
Städten Duisburg, Herten, Oer-Erkenschwick und Neunkirchen (Saar) vielfach auf
Ahnungslosigkeit und mangelndes Problembewusstsein. Auf die Frage nach dem
Leerstand 2001 wussten die drei größeren Städte keine Antwort. Aus Duisburg
verlautete: "unter zehn Prozent". Eine Leerstandsprognose konnte keine der vier
Städte vorlegen.
Mit dieser Vogel-Strauß-Einstellung könnten die westdeutschen Städte
mittelfristig in dieselbe Spirale des Niedergangs geraten, die inzwischen viele
ostdeutsche Städte in eine unentrinnbare Notlage gebracht hat. Prof. Gerd
Schmidt-Eichstädt, Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalplanung, TU
Berlin: "Im Osten stehen Wohnungen für 2,6 Millionen Menschen leer, das ist ein
Sechstel der Bevölkerung, und niemand hat das Geld dafür, die Lage zu wenden."
Nach dem Bericht der Expertengruppe hatte sich die Leerstandsquote der vom GdW
vertretenen Unternehmen schon per 31.12.2002 auf 16,2 Prozent erhöht, "immer
mehr Unternehmen haben bereits heute sogar einen Leerstand von über 30 Prozent".
Damit schnappt die Falle zu: Die Investitionsfähigkeit geht rapide zurück,
Modernisierungsmaßnahmen scheinen kaum noch möglich. In der Folge schwinden die
Möglichkeiten, Mietern aus Abrissobjekten Ersatzwohnungen anzubieten, "die
Gefahr der Insolvenz von Wohnungsunternehmen und des Zusammenbrechens ganzer
Wohnungsmärkte nimmt zu". Für viele Unternehmen ergibt sich schon jetzt eine
hoffnungslose Perspektive: "Die Eigenkapitalrentabilität der ostdeutschen
Wohnungsunternehmen lag Ende 2001 bei insgesamt minus sieben Prozent, das
Kapital wird mittelfristig aufgezehrt."
Die tiefere und nicht mehr abwendbare Ursache für das Kippen der Wohnungsmärkte
in Ost und West sehen Fachleute wie Rita Tölle, Referatsleiterin im
Städtebauministerium NRW, in der Bevölkerungsimplosion. Bis 2015 werde die
Einwohnerzahl in Dortmund um 9,1 Prozent, in Hagen um 9,3 Prozent und in Essen
um 11,5 Prozent schrumpfen. Im Westen werde der Leerstand vielfach noch als
Qualitätsproblem gesehen, das man durch Beseitigung von "Schlechtwohnungen" an
Ausfallstraßen bewältigen könne. Doch dahinter erhebe sich drohend das schon
bald kaum noch beherrschbare Quantitätsproblem.
Um "aus der Schrumpfung den Weg in die Zukunft zu finden", hält
Schmidt-Eichstädt radikales Umdenken für unabdingbar: "Die Immobilienmärkte
müssen realistisch eingeschätzt werden. Dafür gilt im Osten heute schon die
Formel: Verkehrswert gleich Marktwert. Die Bodenwerte tendieren gegen Null."
Außerdem müssten die Wohnwünsche der Betroffenen erforscht und ernst genommen
werden. So sei im Osten "manches gefördert worden, was schon wieder beseitigt
werden muss".
Beispiele für fatale Fehleinschätzungen lieferte Frank Segebade,
Referatsleiter im brandenburgischen Stadtentwicklungsministerium: "Es gab
regelrechte Rattenrennen. Zuerst wurde in aller Eile der schlechteste Bestand
saniert, in den horrende Fördergelder gepumpt werden mussten, und dann auch noch
der zweitschlechteste. Am Ende hat man den drittschlechtesten abgerissen, für
dessen Instandsetzung man die wenigsten Mittel benötigt hätte."
Segebade war es auch, der den westdeutschen Nachahmern ostdeutscher Rezepte ins
Stammbuch schrieb, die Städte müssten konsequent von den Rändern zurückgebaut
werden. Nur das sei bezahlbar. "Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn
sanierte Bestände am Waldrand übrig bleiben." Am schlechtesten stünden heute
solche Unternehmen da, die ihre Plattenbauten weitgehend instand gesetzt haben:
"Denen bleibt gar keine Luft mehr, wenn der Mieterschwund beginnt."
Dass im harten Konkurrenzkampf um den Mieter die Großsiedlungen zum Klotz am
Bein werden können, unterstrich auch Rita Tölle: "Die sind einfach teurer als
der drei- bis viergeschossige Bestand. Wir müssen im Westen frühzeitig
wohnungswirtschaftlich denken und fragen, was kann der Standort langfristig
bringen." Dasselbe forderte in Dortmund Anita Steinhart, Projektleiterin Stadt-
und wohnungswirtschaftliche Forschung, isw Halle-Leipzig, die auf die noch kaum
berücksichtigten Auswirkungen des Stadtumbaus auf die Infrastruktur verwies. So
habe eine Untersuchung in vier Städten Sachsen-Anhalts ergeben, dass für die
Anpassung der Trink- und Abwassersysteme sowie Fernheizungen 20 Euro/qm
rückgebauter Wohnfläche veranschlagt werden müssten, die sich um weitere 19
Euro/qm für vorzeitige Stilllegung noch nicht voll abgeschriebener Anlagen
nahezu verdoppeln. Nach Meinung der Expertin kann die "Betriebsfähigkeit" ganzer
Städte bedroht sein, wenn die Anpassung der Infrastruktur verschleppt und die
Kostenlawine unterschätzt wird.
Was sind die Lehren für den Stadtumbau? Er sollte auf keinen Fall "punktuell",
sondern möglichst flächenmäßig erfolgen. Sonst klettern die Kosten für die
Unterhaltung der Systeme für die verbleibenden Mieter ins Astronomische - was
neue Vertreibungseffekte und Leerstände auslöst und laut Steinhart zuletzt die
Wirtschaftlichkeit der Gesamtkommune unterhöhlt.
www.welt.de
25.03.2004
"Nur die A-Gruppe bleibt: Alte, Ausländer, Asoziale"
Leerstand West ist (noch) nicht gleich Leerstand Ost. Das ist die
Erkenntnis der interdisziplinären Arbeitsgruppe des vhw, die nach der Bereisung
von sieben Städten in Ost- und Westdeutschland einen Ergebnisbericht "Stadtumbau
Ost/West" vorgelegt hat - die bisher gründlichste Bestandsaufnahme der Folgen
des Bevölkerungsschwundes auf Wohnungsmarkt und Städtebau. Während im Osten auf
den Leerstand unmittelbar die Verödung folgt, geht dem Ende der städtischen
Zivilisation im Westen Gettobildung, Verarmung und Überalterung der Quartiere
voraus.
Duisburgs Einwohnerzahl ist von 650 000 (1975) auf 500 000 geschrumpft,
bilanziert das Papier. Und sie wird weiter fallen - bis 2016 auf 460 000. Schon
jetzt verzeichnet die Gebag Leerstände von bis zu acht Prozent. Gleichzeitig
kommt es zur "negativen Selektion": "In den Kernbereichen verbleiben nur noch
die A-Gruppen: Ausländer, Alte, Asoziale."
In einigen Städten hat dieser Trend schon jetzt zu kaum noch beherrschbaren
Verhältnissen geführt. So zählt der Stadtteil Duisburg-Hochfeld 18 000 Einwohner
mit 100 Nationalitäten, davon 35 Prozent Nicht-Deutsche beziehungsweise Bewohner
mit Migrationshintergrund. In der inzwischen zugemauerten 20-geschossigen
Wohnhochhausanlage Homberg-Hochheide mit 320 Wohneinheiten aus den 70-er Jahren
wurden zuletzt Bewohner mit 25 bis 30 verschiedenen Nationalitäten gezählt.
Das Beispiel steht offenbar symbolisch für einen das ganze Ruhrgebiet
erfassenden Trend. Der frühere Stadtbaurat von Hagen, Johannes Dieckmann, sieht
ab dem Jahr 2010 in den Großstädten des Ruhrgebiets bei den unter 40-jährigen
das Mehrheitsverhältnis zwischen den Deutschen und der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund kippen.
Auf dem vhw-Forum "Stadtumbau Ost/West" schilderte er die Folgeerscheinungen als
eine Kettenreaktion mit Zerstörungswirkung für das Integrationsmodell
"Europäische Stadt". Gettobildung, kollektiver Abstieg ganzer Stadtteile und
selektive Wanderung beschleunigen sich. Die Mehrheit nachwachsender Generationen
wächst in Armutsvierteln auf. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung spitzt
sich zum Kampf zwischen Integrierten und Überflüssigen zu.
Dieckmanns Appell: Die Brückenfunktion der Quartiere für die Integration in den
Arbeitsmarkt muss gestärkt werden. Ein Modell könne die Weiterentwicklung der
Stadtteilschule zur "Erziehungs- und Familienschule" sein. Die "Routinepolitik"
mit Mitteln des Wohnungsbaus sei am Ende.
www.welt.de
25.03.2004
Ein Immobilienanleger berichtet
Im Chor der Klagenden über die millionenfachen Wohnungsleerstände
im Osten haben sie wahrlich nicht die lauteste Stimme: die privaten
Wohnungseigentümer. Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften tönen nicht nur
lauter, ihnen scheinen die Maßnahmen des "Stadtumbauprogramms Ost" (bei allen
Unzulänglichkeiten) auch viel eher angemessen zu sein. Und das, obwohl in den
privaten Wohnungsbeständen die Leerstandsquote viel höher ist, wie die
Sächsische Aufbaubank (SAB) in ihrem "Monitoring Wohnungswirtschaft 2003"
feststellt.
Das Revier privater Wohnungsinvestoren sind hauptsächlich Innenstadtlagen mit
Altbauten. Solch ein Haus aus der Gründerzeit kaufte 1995 auch Heinrich B. aus
dem Allgäu. Seine Neuerwerbung mit 19 Wohnungen und einem kleinen Ladengeschäft
steht in Leipzig. B. marschierte nicht mit fliegenden Fahnen in ein
Immobilien-Abenteuer, er hielt sich für hinreichend abgesichert: War doch ein
umfangreiches Verfahren zu durchlaufen, dass die Förderwürdigkeit von Bs.
Vorhaben prüfte.
"Die werden schon nicht ihr Steuergeld zum Fenster hinaus werfen und über den
wirklichen Bedarf hinaus fördern." So dachte B. und machte mit - im Hinterkopf
die Lockrufe von den blühenden Landschaften. Dass er aber in einer schrumpfenden
Stadt angekommen war, ging ihm bereits wenig später auf. Ab 1997 sei es
unmöglich gewesen, die "Soll-Miete" von 8,50 DM/qm zu erzielen, berichtet B. Für
1998 waren im Finanzplan gar 9,50 DM/qm vorgesehen - "alles Makulatur", sagt B.
heute. "Um überhaupt noch vermieten zu können, mussten wir auf 5,50 DM/qm
herunter." Was nicht mehr die Kosten deckt, unter dem herrschenden
Verdrängungswettbewerb aber schier unausweichlich war.
Seit 1998 drücken zudem wachsende Leerstände den privaten Vermieter, zwei bis
vier Wohnungen ständen immer leer, berichtet B. Vier Wohnungen von 19 - damit
ist die kritische Leerstands-Quote überschritten, deren Erreichen für eine
kommunale Wohnungsgesellschaft als Existenz bedrohend angesehen wird, und in
deren Folge das Unternehmen Abriss-Hilfen in Anspruch nehmen kann. Die sind zwar
auch längst nicht hinreichend, um durchschlagende Erfolge im "Stadtumbauprogramm
Ost" zu erzielen. Für das Rückzugsgefecht der Wohnungsgesellschaften auf den
schrumpfenden Märkten liefern sie aber noch eine Weile Munition. Und in jedem
Fall sind sie mehr als das, was einem vom Leerstand gequälten privaten Vermieter
wie Heinrich B. zur Verfügung steht.
Denn was soll B. mit Stadtumbau-Mitteln? Abzureißen ist bei ihm nichts. Was ihn
drückt liest sich so: Jedes Jahr summiert sich der Mietausfall auf 55 000 bis 60
000 Euro, Verluste, die anderweitig nicht kompensiert werden können. Im Jahr
2008 ist zudem das Förderdarlehen in Höhe von ursprünglich 2,4 Mio. DM
abgelaufen. Die Summe ist aber bei weitem noch nicht getilgt. "Es ist wohl
illusorisch zu glauben, dass sich noch eine Bank findet, die eine
Anschluss-Finanzierung übernimmt", sagt B. Und verkaufen? "Wenn, dann nur weit
unter dem Einstandspreis." Seine Perspektive ist düster: "Aus der
Darlehensschuld wird eine Dauerschuld, die die wirtschaftliche Existenz unserer
Familie ruiniert."
Der Rechtsweg verspricht nach eingehender Prüfung wenig, die Signale aus der
Politik ähneln dem von Justizministerin Brigitte Zypries, die lauthals
verkündete, mit Immobilien-Opfern keinerlei Mitleid zu hegen - und sich damit
aus der Verantwortung stiehlt
www.welt.de
25.03.2004
Wo die Wohnungsmärkte zuerst zusammen brechen
Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis etliche
Wohnungsmärkte in Ostdeutschland zusammen brechen. Wen es aller Voraussicht nach
als erstes treffen wird, macht eine Untersuchung der Sächsischen Aufbaubank
deutlich. Demnach haben jene Städte und Regionen die schlechtesten Karten, in
denen es sowohl mit dem Stadtumbau, als auch mit der Wirtschaftsentwicklung
hakt.
Die SAB-Statistiker liefern (für den Freistaat Sachsen) die Indizien zur
Beantwortung der Frage nach dem "Wer?". Entscheidende Kriterien sind:
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und die Zahl der Erwerbstätigen für den
wirtschaftlichen Rahmen sowie das Verhältnis von Bauabgängen zu
Baufertigstellungen als Spiegelbild der Wohnungsmarktbereinigungen im Zuge des
Stadtumbaus. Sowohl im "Wachstums-Quadranten" der Wirtschaftsstatik, als auch
ganz oben in der Tabelle der "Leerstands-Abräumer" stehen Chemnitz, Zwickau und
der Landkreis Riesa-Großenhain. Setzen sich diese Trends fort, dürfte dort am
ehesten zutreffen, was bei der SAB so formuliert wird: "Impulse für die
Entwicklung der Wohnungsnachfrage in einer Stadt oder Region werden demnach
mittel- und langfristig von der wirtschaftlichen Dynamik bestimmt."
Die Verminderung der Wohnungsleerstände durch Rückbau und die Aufwertung von
Wohngebieten im Rahmen des Stadtumbauprozesses ist deshalb sicherlich eine
notwendige Voraussetzung, aber kein Wundermittel dafür, dass
Abwanderungsbewegungen gestoppt werden. Auch aus "umgebauten" Städten und
Gemeinden werden Menschen mobiler Altersgruppen abwandern, wenn sich dort keine
wirtschaftlichen Perspektiven und Einkommenschancen bieten. Dafür liefert die
SAB-Untersuchung gleich zwei Beispiele: Hoyerswerda ist mit 34 Bauabgängen je
1000 Wohnungen absoluter Spitzenreiter in Sachsen (Durchschnitt: fünf je 1000),
steckt aber wirtschaftlich in einem ganz tiefen Loch. Ähnliches gilt für Görlitz
und den niederschlesischen Oberlausitzkreis. Dort zeigen ökonomische Parameter
ebenso "schrumpfen" an wie demografische und die Migrationsströme.
Was fast zwangsläufig zu der bislang noch unausgesprochenen Frage führt: Wie
lange wird überhaupt noch öffentliches Geld in solche "hoffnungslosen Regionen"
fließen können?
www.welt.de
24.03.2004
Brandenburg: Abrissliste soll aus der Schublade heraus
Veröffentlichen soll die Stadtspitze die "augenscheinlich
beschlossene Abrissliste" für Wobra-Wohnungen. Das fordert Frank Schulze,
Geschäftsführer des Mietervereins Brandenburg. Es gebe viele verunsicherte
Wobra-Mieter, die fragten, wie lange sie in ihren Wohnungen bleiben dürften.
Der Abriss kann nach Ansicht des Mietervereines nur das letzte Mittel sein und
dürfe nicht vorrangig der Marktbereinigung dienen. Der Leerstand sei mehr als
zur Hälfte in Altbauten zu verzeichnen; deshalb seien Ideen zum Stadtumbau
gefragt, "die nicht einseitig zu Lasten des Wohngebietes Hohenstücken gehen".
Mieter müssten sich in den Prozess einbringen dürfen, zudem brauche man einen
Sozialplan als "Lastenausgleich" für unbillige Härten, beispielsweise wenn eine
Einbauküche nicht weiter nutzbar ist.
Schulze warnt die Stadt davor, Tafelsilber zu veräußern. Durch Verkauf Tausender
Wohnungen steige das Mietpreisniveau, damit die Belastung für den Haushalt durch
Wohngeld und Sozialhilfe. Zudem müssten notwendige kommunale Belegungsrechte
teuer eingekauft werden.
Vielmehr sollte die Stadt die Wobra fit machen für Wohnungsangebote mit sozialen
Dienstleistungen wie dem Betreuen älterer Menschen. Das dürfe man nicht allein
privaten Anbietern überlassen.
Der Mieterverein mutmaßt, dass zuerst die drei Wobra-Blöcke im Ortsteil
Kirchmöser von Verkauf und Abriss bedroht sein könnten - Mitglieder sollten
daher schnell Rechtsrat einholen.
www.maerkischeallgemeine.de
24.03.2004
Halle: Das Glück liegt im Stadtumbau
Es war mehr ein Sprint als ein geordneter Marsch. Halles Kultur-Träger sind spät
ins Rennen gekommen und die Stadt hat mit rund 45000 Euro für den ersten
Auftritt das Budget vergleichsweise knapp gehalten. Aber einen Atemzug vor
Ultimo liegt die Bewerbung vor, die morgen der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Es ist eine reich bebilderte Druckschrift von gut 110 Seiten, nebst Logo und
Motto. Und genau das ist in seiner Vieldeutigkeit auch Inhalt und Programm:
"Halle verändert".
Bis ins magische Jahr 2010 will die Stadt nämlich ein Modell dafür sein, wie
Veränderung auch unter negativen Vorzeichen Lebensqualität heben kann. Halles
Traum von höheren europäischen Weihen zaubert denn auch keine utopische Liste
von Projekten und Events hervor. Im Mittelpunkt steht ein Thema. Es geht um die
kulturelle Dimension der unausweichlichen Veränderungsprozesse aus dem
Stadtumbau.
Halle ist vertraut damit, unter den deutschen Städten eine zu wenig bekannte
Größe zu sein. Auf der angestrebten europäischen Ebene verknüpft die Stadt daher
ihre historische und kulturelle Substanz mit dem demografischen Umbruch der
kommenden Jahrzehnte. Die Bewerbung spricht die Brennpunkte unumwunden an. Sie
setzt voraus, dass Wirtschaftskrise, Bevölkerungsrückgang und Leerstand mit
allen ihren gesellschaftlichen Folgen zunehmend gesamteuropäisch wahrgenommen
werden.
Im Kern bleiben die Vorhaben, die die Bewerbung nennt, auch bei einem Scheitern
im Visier der Stadt. Doch das "Experimentierfeld" für Kunst und Architektur, das
Halle werden will, bekäme mit der Zielmarke 2010 kräftigen Schub - und
vielleicht auch eine Kunsthalle.
So will die Stadt im Erfolgsfall auch die "Internationale Bauausstellung" des
Landes in Szene setzen, die 2010 den Stadtumbau thematisieren soll. Und während
Halle-Neustadt als Schauplatz "radikaler Konzepte" vorgeschlagen ist, wird die
Neuentdeckung alter Schätze nicht minder visionär aufgezogen. Bei weitem die
anspruchvollste Idee ist das Museumsufer an der Saale, das einen Flanierweg vom
geplanten Universitätsmuseum in der Neuen Residenz bis zur umgestalteten
Moritzburg vorsieht.
Die Kulturinstitutionen der Stadt wollen sich mit "Renaissance" (Moritzburg) und
"Aufklärung" (Franckesche Stiftungen) in das Konzept einfügen. Die Bühnen, die
Hochschulen, das Händelfest, aber auch Neuankömmlinge wie die
Werkleitz-Gesellschaft sind im Boot. Dank Europa proben Halles kulturelle Kräfte
zum ersten Mal ein echtes Zusammenspiel. Und das könnte auch der Ansatz sein,
dass die Stadt eine Kulturpolitik aufbaut, die den Namen verdient.
www.mz-web.de
24.03.2004
Meerane: Ärger über Brachen und leerstehende Wohnhäuser
Nicht nur als Bauplaner und -unternehmer, sondern in
erster Linie als CDU-Stadtrat stören Jochen Salzbrenner die leider noch vielen
dem Verfall preisgegebenen Wohnhäuser und Industriebrachen in der Stadt.
Der hässliche Anblick ist das kleinere Übel für seinen Frust, vielmehr ist es
die von diesen Gebäuden ausgehende Gefahr, die ihn Sorgen bereitet. Kaputte
Verblechungen, Dacheindeckungen und Fensterscheiben beispielsweise sind
permanente Gefahrenherde. Vor allem die Industriebrachen entwickeln sich
zunehmend zu innerstädtischen Mülldeponien, lässt Jochen Salzbrenner nicht
unerwähnt. Seiner Meinung nach reichen Absperrungen nicht aus, die Bürger
ausreichend zu schützen. Für den CDU-Stadtrat grenzt es an ein Wunder, dass noch
keine Personen zu Schaden gekommen sind.
Bei allem Verständnis für die Probleme der Kommune, kein Geld für
Ersatzmaßnahmen, schwierige Suche nach den Eigentümern und komplizierte
Gesetzeslage, um die Eigentümer zum Handeln zu zwingen, ist es für Jochen
Salzbrenner unverständlich, dass diese Missstände nicht zügiger beseitigt
werden.
„Wenn jemand Abhilfe schaffen kann, ist es die Politik. Warten, bis etwas
passiert, ist nicht zu verantworten“, begründet der CDU-Stadtrat, weshalb er
selbst in die Spur gegangen ist und sich mit seinen Sorgen an den
PDS-Landtagsabgeordneten Uwe Adamczyk und den CDU-Bundestagsabgeordneten Marco
Wanderwitz wandte, mit teilweisem Erfolg. Die Antwort des PDS-Abgeordneten, dass
nach rechtlichen Gesichtspunkten die Stadt das Problem allein bewältigen müsse,
enttäuschte. Vom Bildungswerk Sachsen dagegen erhielt der CDU-Stadtrat am Montag
die Mitteilung, dass auf sein Betreiben am 14. April im Parkhotel ein
Gesprächsforum zum Thema : „Stadtumbau – Nutzung und Sicherung von
Innenstadtbrachen“ stattfinden soll. Seine Teilnahme hat der Staatssekretär für
Bau- und Wohnungswesen im Sächsischen Staatsministerium des Innern, Albrecht
Buttolo, zugesagt.
www.freiwepresse.de
23.03.2004
Olbernhau: Stadt muss mit Ruinen und Brachen leben
Weit über 70 Wohnhäuser und ehemalige Industriegebäude stehen in
Olbernhau leer oder sind dem Verfall preisgegeben. Das Schlimme daran: Diese
Objekte konzentrieren sich nicht auf ein bestimmtes Territorium, sondern
erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet. Dazu kommen die
unterschiedlichsten Eigentumsverhältnisse, wodurch den Verantwortlichen im
Rathaus in vielen Fällen die Hände gebunden sind. „Ein Abriss von Gebäuden,
sofern wir das Geld dafür haben, ist nur bei Objekten möglich, die sich in
kommunaler Hand befinden“, erklärt Bürgermeister Steffen Laub.
Genau das seien aber die wenigsten, zumindest im Bereich der Industrie- bzw.
gewerblichen Brachen, wie das integrierte Stadtentwicklungskonzept aussagt. In
diesem Papier sind sämtliche Problemgebiete zusammengefasst.Insgesamt
betrachtet, müsse man feststellen, dass es in Olbernhau zwar viele
Industriebrachen gibt, sich nur wenige davon aber in kommunaler Hand befinden.
Dass das so ist, sei kein Zufall, sagt der Bürgermeister. Bei Planungen neuer
Einrichtungen sei immer zuerst geschaut worden, wo etwas Vorhandenes nachgenutzt
werden könne. Gab es solche Lösungen, sei man diese auch angegangen oder habe
sie potenziellen Investoren angeboten. Als Beispiele nennt der Bürgermeister das
Gymnasium, das neue Feuerwehrgerätehaus, die heutige Volksbank oder die
Förderschule am Jagdweg.
Anders sehe das mit der Thematik Wohnungsleerstand aus. Hiervon sei die Stadt
bzw. die städtische Wohnungsbaugesellschaft durchaus betroffen. Und da der
Abriss von Wohnflächen mit 70 Euro pro Quadratmeter gefördert wird, will man
bereits in den nächsten Wochen mit der Liquidierung erster leer stehender Häuser
beginnen.
www.freiepresse.de
23.03.2004
Benstedt: Hilfe für die Görlitzer Straße
„Ab in die Mitte“ heißt eine neue sächsische
City-Initiative. Es geht um einen Umbau von außen nach innen. So soll das Leben
in den zumeist historischen Stadtkernen erhalten bzw. wieder angekurbelt werden.
In Bernstadt a. d. Eigen ist auf diesem Gebiet bereits seit neun Jahren die
Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung (GSL) tätig.
„Konzentrierte und außergewöhnlich hohe Aktivitäten sind zur Umsetzung der neuen
Initiative gefragt“, betonte GSL-Mitarbeiter Arnim Rönsch unlängst vor den
Bernstädter Stadträten. „Aber auch Kontinuität ist wichtig.“
Als erstes habe man 1995 eine Analyse des Stadtgebietes gemacht und sei dabei zu
dem Ergebnis gekommen, dass der unübersehbare Wohnungsleerstand ja eigentlich
nur die Spitze des Eisberges darstellt, sagte Rönsch. Hinzu kämen der
Einwohnerrückgang, ein höheres Durchschnittsalter, Brachflächen und Umnutzungen,
mehr Ein-Personen-Haushalte als in der Vergangenheit, Abbrüche von Gebäuden und
eine Neuverteilung von Handel und Dienstleistungen. Der Bedarf an Dienst- und
Versorgungsleistungen hat abgenommen, die Infrastruktur ist spürbar
zurückgegangen. Besonders davon seien die Innenstädte betroffen, so Rönsch.
In Bernstadt zeige sich das zum Beispiel darin, dass die Einkaufsmöglichkeiten
in der Mitte der Görlitzer Straße nicht mehr attraktiv sind, weil die
Parkflächen fehlen. Ein großes Problem, mit dem die GSL beispielsweise auch in
Löbau zu kämpfen hatte. Dort sammelte man inzwischen reichliche Erfahrungen. Die
Lösung hieß: Aufteilung der Innenstadt in einzelne Quartiere und Sanierung Stück
für Stück. In der Görlitzer Straße könne man vielleicht analog verfahren,
Durchgänge schaffen, ohne dabei die geschlossenen Häuserzeilen auseinander zu
reißen, und den ruhenden Verkehr nach hinten auf entkernte Flächen verlagern.
„Von den Zielen, die wir uns nach der Analyse von 1995 gestellt haben, sind
derzeit etwa 40 Prozent erreicht“, berichtete Arnim Rönsch. Der bisherige
finanzielle Aufwand betrug rund 2,5 Millionen Euro, die zu zwei Dritteln
gefördert wurden. 33 Maßnahmen wurden realisiert. Das betreffe unter anderem das
Rathaus, das Museum, die Görlitzer und die Zittauer Straße sowie die Neustadt.
Auch 68 private Projekte wurden gefördert. Er hoffe, bei gleichem Tempo die
Stadtsanierung in Bernstadt bis Ende des Jahres 2010 abschließen zu können.
Leider zeige sich, dass nicht alle betroffenen Bürger an ihren Gebäuden etwas
machen wollen, bedauerte Rönsch. Und zwingen könne man sie ja nur unter ganz
bestimmten Voraussetzungen als quasi letzten Schritt. Andererseits gebe es an
der Görlitzer Straße und anderswo auch Leute, die einfach nicht das Geld für
private Modernisierung bzw. Sanierung besitzen. Allerdings wisse manch einer von
ihnen gar nicht, dass er im Sanierungsgebiet wohnt und somit entsprechende
Fördermittel beantragen kann. Man werde deshalb umgehend, noch vor Beginn der
Gesamtplanung für die Görlitzer Straße, die Bewohner eines Quartiers zu einem
zwanglosen Gespräch einladen, um ihnen alle Ängste zu nehmen,
Fördermöglichkeiten zu erläutern und sie für die Umsetzung zu gewinnen. „Wie es
dem Bürger geht, so geht es auch der Stadt“, resümierte Arnim Rönsch.
www.sz-online.de
23.03.2004
Kommunen sollen trotz Geldnot einspringen
Deutsche Innenstädte müssen sich verstärkt den veränderten wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen anpassen. Trotz knapper Kassen sollten die Kommunen die lokale
Vielfalt unterstützen und die Gründung kleiner Geschäfte fördern, sagte Florian
Birk, 1. Vorsitzender der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland
e.V. (BCSD) am Montag zur Eröffnung der Frühjahrstagung in Halberstadt.
Investoren suchten sonst verstärkt effektive Standorte an Ausfallstraßen.
Dem Schrumpfungsprozess im Einzelhandel könne nur mit neuen Initiativen im
öffentlichen Raum begegnet werden. Mehr als 100 Vertreter bundesdeutscher
Innenstädte, die erstmals in einer ostdeutschen Stadt tagen, wollen bis Dienstag
über neue Anziehungsmöglichkeiten und Hilfe zur Selbsthilfe beraten. Beim
Stadtumbau in Halberstadt sei der Spagat zwischen Außenbereichen und einer
attraktiven Innenstadt dank eines konzentrierten Vorgehens aller Beteiligten
gelungen, sagte Birk.
Viele Innenstädte würden inzwischen wegen der Finanznot ein «grausames Bild»
bieten. Auch Landesfördermittel seien für den Erhalt der Citys künftig nötig.
Innovative Lösungen für Gründungsoffensiven im innerstädtischen Einzelhandel
sollen auf der Tagung ebenso gesucht werden wie neuartige
Kundenbindungsinstrumente und vielfältige Werbemaßnahmen. In Sachsen-Anhalt
hätten viele Städte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Marketings noch nicht
erkannt, sagte Wolfgang Oette, Geschäftsführer der Landesmarketinggesellschaft.
www.mz-web.de
22.03.2004
Premnitz: Anlegestelle und Havelbereich
Die Dalben und die Abdeckung der Kaimauer sind witterungsbedingt
stark beschädigt. Die Sanierung soll in diesem Jahr erfolgen. Diese Arbeiten
sind der Beginn der Sanierung der Anfang der 90er Jahre ausgebauten
Dampferanlegestelle und des Havelbereiches im Rahmen der schrittweisen Umsetzung
des Premnitzer Stadtumbaus.
Die Hauptarbeiten zur Umgestaltung des gesamten Bereichs von Anlegestelle und
Havel sollen im nächsten Jahr erfolgen, erläuterte Bauamtsleiterin Carola
Kapitza vor Kommunalpolitikern, Vereinsvorständen und Unternehmern. Mit dem
Stadtumbau soll das Zentrum an Attraktivität gewinnen und Premnitz eine
wohnenswertere Stadt werden.
Von der Brandenburger Planungsbüro GmbH wurde im Auftrag der Stadt ein
Gestaltungsvorschlag erarbeitet, mit dessen Umsetzung das Gebiet an
Anziehungskraft gewinnt. Auch die Vorhaltung einer gastronomischen Einrichtung
ist vorgesehen. Das Land Brandenburg stellt Premnitz für das Vorhaben im Rahmen
des Stadtumbauprogramms insgesamt für dieses und nächstes Jahr 200 000 Euro
Fördermittel zur Verfügung. 30 Prozent muss die Stadt als Eigenmittel aufbringen
www.maerkischeallgemeine.de
22.03.2004
Parchim: Künftiges Aussehen der Weststadt wird mit den
Bürgern diskutiert
Die Stadt Parchim hat den Rahmenplan "Wohnumfeldverbesserung Weststadt" aus dem
Jahre 1996 unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Integrierten
Stadtenwicklungskonzeptes (ISEK) inhaltlich weiter fortgeschrieben. Das Ergebnis
wird der städtebauliche Rahmenplan "Stadtumbau Parchim Weststadt" sein. Ein
Entwurf dieses Rahmenplanes liegt nunmehr vor.
Er soll am Mittwoch dieser Woche (24. März) öffentlich vorgestellt werden. Dazu
sind alle interessierten Bürger, natürlich insbesondere die Weststädter, zu um
19 Uhr in die Grundschule West in der Hans-Beimler-Straß 24 b eingeladen. Dort
können die Teilnehmer auch ihre Meinung zum Entwurf äußern und mit Fachleuten
diskutieren. Es werden große Originalpläne zum Gestaltungs-, Verkehrs- und
Nutzungskonzept ausgehängt und erläutert. Darüber hinaus können die Pläne
ebenfalls im Stadtbauamt in der Cordesiusstraße eingesehen werden, die dortigen
Mitarbeiter geben Auskunft.
Neben dem Erhalt und der Stärkung der historischen Innenstadt von Parchim geht
es laut ISEK in dem Umstrukturierungsgebiet Weststadt vorrangig um die
Reduzierung leerstehender Wohnungen bei gleichzeitiger Aufwertung
zukunftsfähiger Bestände und Quartiere. Die Zielstellung des
Freiflächenkonzeptes besteht darin, für die gesamte Weststadt ein
zusammenhängendes Grün- und Freiflächensystem zu entwickeln und damit die
Wohnqualität deutlich zu verbessern - nach dem Motto: "Die Weststadt wird zur
Waldstadt". Vor allem sollen mehr brach liegende Flächen einbezogen werden.
Vorgesehen ist laut Rahmenplan der Abriss des bald leer stehenden Gebäudes der
Haupt- und Realschule.
www.svz.de
22.03.2004
Delitzsch: Altstadtsanierung führt zu stetiger Belebung
der Innenstadt
Die demographische Entwicklung von Delitzsch hat die
städtebaulichen Planungen nach der Wende maßgeblich beeinflusst. "Die Stadtmitte
war nach der Wende das Sorgenkind, sie war leergezogen. Heute ist sie durch
Altbausanierung, Neubauten und die Verbesserung der Infrastruktur attraktiver
geworden", sagt Stadtplaner Karl-Heinz Koch. Diese Einschätzung spiegelt sich
inzwischen in den Bevölkerungszahlen wider. Die City ist der einzige Stadtteil,
in dem die Einwohnerzahl konstant wächst.
Innerhalb der Innenstadt gibt es allerdings nach wie vor Strukturunterschiede.
"Dort wo die Sanierung gut läuft, gewinnt die Mitte", so Koch und nennt
beispielhaft die Münze und den Pfortenplatz. Selbst die Bismarckstraße, in der
die Verkehrsbelastungen immer noch groß sind, habe nach dem Umbau der Straße und
der Rekonstruktion vieler Wohnhäuser an Zuspruch gewonnen. Im Bereich
Ritterstraße/Badergasse, Ehrenberganlage und Hallesche Straße offenbarten sich
dagegen Defizite, die im Wohnungsleerstand ihren Ausdruck finden.
Bevölkerungszuwächse verbuchte im vorigen Jahr auch der Stadtteil Südwest. Trotz
des dort befindlichen Biokraftwerkes siedelten sich rund um die
Richard-Wagner-Straße Menschen an. Dem Stadtplaner signalisiert das vor allem
eines: Die Leute nehmen selbst Einschränkungen durch gewerbliche und
industrielle Anlagen in Kauf, wenn sie damit ihren Arbeitsweg kurz halten. "Es
ist alles teurer geworden, da wird auch am Benzin und Auto gespart", so Koch.
Wie notwendig der Stadtumbau in den Plattensiedlungen Nord und West war, zeigt
ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. Aus dem Stadtteil Nordwest zogen
allein in den letzten drei Jahren knapp 650 Menschen weg. "Das Ziel war dort,
den Leerstand zu beseitigen", so Koch. Deshalb ließen sowohl die
Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch als auch die Wohnungsgenossenschaft
Aufbau ganze Wohnblocks abreißen. Um das Gebiet aufzuwerten wurden bereits
Freizeitanlagen errichtet, weitere sind geplant, ebenso Grüngürtel.
www.lvz-online.de
21.03.2004
Hessen:
Nordhessen droht gefährlicher Bevölkerungsverlust
Nordhessen droht in den nächsten 15 Jahren
nach Einschätzung von Experten ein gefährlicher Bevölkerungsschwund. Durch
Sterbe- und Wanderungsverluste werde die Bevölkerungszahl dort bis 2020 auf etwa
92 Prozent des Standes vom Jahr 2000 sinken, sagte der Mannheimer
Regionalforscher Paul Gans am Donnerstag in Wiesbaden. Mehr Sterbefälle als
Geburten gebe es zwar auch in Südhessen; dort werde diese Tendenz aber durch
Zuwanderung innerhalb des Landes und von außen ausgeglichen. Nordhessen habe
schon jetzt den landesweit höchsten Anteil an Menschen im Rentenalter, sagte die
Wiesbadener Bevölkerungswissenschaftlerin Charlotte Höhn: Bei den 65-Jährigen
und Älteren liegt der Werra-Meißner-Kreis laut Statistischem Bundesamt mit gut
20 Prozent vor Hersfeld-Rotenburg (19,8 Prozent, dem Vogelsberg (19,2 Prozent),
Kassel (18,9 Prozent) und Waldeck- Frankenberg (18,4 Prozent). Erste
südhessische Kommune in der Rangliste ist die bei Rentnern traditionell beliebte
Kur- und Landeshauptstadt Wiesbaden auf Platz acht. Der nordhessische
Werra-Meißner-Kreis werde beispielsweise bis 2020 mehr als 14 Prozent seiner
Einwohner verlieren, während etwa der südhessische Main-Taunus-Kreis mehr als
zwölf Prozent gewinnt, sagte Gans. "Der Bevölkerungsschwerpunkt in Hessen wird
sich weiter nach Süden verlagern." Die Zahlen stammen aus der
Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Gans sprach
für Nordhessen von der Gefahr eines "kumulativen Schrumpfungsprozesses" aus
sinkenden Steuereinnahmen, nachlassender Handlungsfähigkeit von Kommunen und
sinkender Nachfrage, die das Angebot weiter ausdünne. Kommunen müssten deshalb
verstärkt kooperieren, um die Qualität ihrer Leistungen unter starkem
Kostendruck zu erhalten. Am Wohnungsmarkt drohten in strukturschwachen Gebieten
Leerstände, prophezeite Gans. Eigentümer sollten sich auf den zu erwartenden
Trend zu altengerechten Wohnungen einstellen. Höhn nannte es "dramatisch", dass
Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen zunehmend auf Kinder verzichteten. 2002
seien schon fast zwei Drittel der in Großstädten lebenden
Hochschulabsolventinnen zwischen 30 und 44 Jahren kinderlos geblieben.
Hessenweit sind knapp die Hälfte dieser Gruppe ohne Kinder, bei den Frauen mit
abgeschlossener Lehre nur ein Viertel. Teilnehmer der Diskussion führten dies
auch auf die weiterhin unbefriedigenden Leistungen für Familien zurück. Die
Tagung der hessischen Staatskanzlei beleuchtete unter dem Motto "Graue Kreise,
greise Städte" die Folgen des Geburtenrückgangs und der bundesweiten
Überalterung für Hessens Kommunen.
www.rhein-main.net
21.03.2004
Finsterwalde:
Wo fallen in Finsterwalde Plattenbauten?
In Cottbus, Spremberg, Guben oder Forst ist
er bereits in vollem Gange - auch Finsterwalde kommt am "Rückbau" , wie das
schöner klingende Wort heißt - nicht drumherum. Auch hier werden Häuser,
insbesondere in den Plattensiedlungen, der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die
Frage ist nur: Wo und wann? Während die Stadt zunehmend Druck macht, stellt man
sich bei den beiden Wohnungsunternehmen auf die Hinterbeine. Dennoch zeichnet
sich immer mehr ab: Der Abriss von Plattenbauten kommt in Finsterwalde
möglicherweise schneller in Gang als mancher denkt. Diesen Schluss hinterließ
eine kompetente Gesprächsrunde im Wirtschaftsausschuss, der dieser Tage im
Finsterwalder Schloss tagte - und wo man in die Zukunft blickte: Danach ist
vorgesehen, bis zum Jahre 2015 immerhin 1.015 Wohnungen "vom Markt" zu nehmen -
weil sie nicht mehr gebraucht und leer stehen werden, so rechnete Hathumar Drost,
der Geschäftsführer vom Büro Complan, vor. In einem ersten Schub sollen bis 2009
610 Wohnungen mit Fördergeld aus dem Stadtumbau-Programm abgerissen werden.
Dabei wird es die städtische Wohnungsgesellschaft am härtesten treffen - während
die Wohnungsgenossenschaft in den nächsten Jahren nicht an Abriss von Blöcken
denkt, obwohl auch hier der Leerstand immer mehr zunimmt. Die Philosophie im
Rathaus ist die: Die Stadt sei in höchstem Maße daran interessiert, die
historische Innenstadt zu erhalten und weiter wohnlich so herzurichten, dass
sich die Leute wieder ins Zentrum hingezogen fühlen - und nicht in die
Plattenbauten. Dabei dürfte insbesondere die städtische Wohnungsgesellschaft den
privaten Hauseigentümern, in deren Besitz etwa die Hälfte aller Wohnungen sind,
in der Innenstadt keine Konkurrenz bieten. Stattdessen müsse der private
Wohnungsbesitz mitten in der Stadt gefördert und das Interesse nicht
zugeschüttet werden. "Das funktioniert aber nicht, wenn wir die Plattenblöcke
nicht anrühren" , drängt Bürgermeister Johannes Wohmann nach Abriss- und
Umzugskonzepten. So ist konkret im Gespräch, ab dem Jahre 2009 Wohnblöcke in der
Bergheider Straße abzureißen. In der Zeit nach 2015 will man auch an den Bauten
im Klingmühler Eck Hand anlegen. Schon jetzt sei dort ein Leerstand von bis zu
zehn Prozent zu verzeichnen, hat Complan ermittelt. Als weiteres verbindliches
Abrissgebiet wird der Lange Hacken definiert. Hier geht es insbesondere um die
Blöcke in der zweiten Reihe. In diesem Wohngebiet, das zwar komplett sanierte
Wohnungen und ordentliche Grünanlagen habe, gäbe es keinen Zuzugsstrom mehr,
wird festgestellt. Stattdessen nehme der Wohnungsleerstand immer mehr zu und
liege gegenwärtig bei einigen Blöcken von bis über 20 Prozent. Dennoch wehrt
sich die Wohnungsgenossenschaft, die Am langen Hacken mit 538 Wohnungen der
größte Hauseigentümer ist, oder sonstwo Wohnungen oder gar Gebäude abzureißen.
Geschäftsführer Gerhard Münchow legt Wert auf die Feststellung: "Wir sind als
Genossenschaft ein privates Wohnungsunternehmen. Von uns kann keiner, auch die
Stadt nicht, Abrisse verlangen. Wir entscheiden das alleine und nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten." So liege für jedes einzelne Gebäude eine
Wirtschaftlichkeitsanalyse vor. Wo erforderlich, will man insbesondere die
oberen Etagen frei ziehen, den Mietern als Gemeinschaftsräume anbieten, und so
die Zahl der Wohnungen reduzieren. Münchow weist noch auf ein anderes Problem
hin: Die Genossenschaft werde sich "nicht in den wirtschaftlichen Ruin stürzen"
, wenn sie zwar 60 Euro je Quadratmeter Abrisshilfe bekomme, dafür aber
weiterhin 80 Euro Altschulden zahlen müsse. Vor dieser Situation stehe die
städtische Wohnungsgesellschaft ebenso, verwies Gerhard Münchow in der Runde. Es
sei nicht die Absicht, das eigene Wohnungsunternehmen in die Insolvenz zu
treiben, reagierte Bürgermeister Wohmann - stellte aber klar: "Nur über unsere
Wohnungsgesellschaft können wir Einfluss auf den Stadtumbau in Finsterwalde
nehmen. Als Stadt stehen wir in der Verantwortung, ihre Lebensfähigkeit und
Attraktivität auch bei weiter sinkender Einwohnerzahl zu sichern. Wenn es uns
nicht gelingt, die historische Altstadt auch als gute Wohnstube zu erhalten,
kommt früher oder später der dramatische Einwohnerschwund im Südkomplex." Doch
gerade im Finsterwalder Süden hat man sich bei den Abrissszenarien noch nicht
auf Straße und Hausnummer einigen können. Vorgeschlagene Projekte, insbesondere
dort Eingriffe vorzunehmen, wo die längsten Plattenfronten stehen – wie in der
Saarlandstraße oder in der Mecklenburger Straße - sind von den
Wohnungsunternehmen bislang abgelehnt worden. Doch bei der Stadt steht fest -
wenn man es auch noch andere sagen lässt: "Abrisse wird es in Finsterwalde vor
allem im Südkomplex geben" , stellte Hathumar Drost klar. Abgeordnete und
Fraktionen halten sich in der aktuellen Stadtumbaudiskussion noch weitgehend
zurück.
www.lr-online.de
20.03.2004
Stralsund: Plattenbau in Grünhufe wird um zwei
Etagen gestutzt
„Wir wollen mit dem ersten Rückbau eines
Plattenbau-Blockes ein Zeichen setzen“, sagte Dirk Puchert, Vorstandsmitglied
der Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft, als er gestern in Grünhufe den
symbolischen Startschuss dafür gab. Im Rahmen des integrierten
Stadtentwicklungskonzeptes werden die vierte und fünfte Etage der Parkstraße 11
bis 19 abgetragen.
Bis Ende Oktober sollen aus ehemals 71 Wohnung 57 modernisierte entstehen.
Geflieste Balkons und komplett erneuerte Sanitäreinrichtungen sind nur einige
von vielen baulichen Veränderungen. Nicht ohne Stolz merkt Puchert an, dass etwa
30 Prozent der einstigen Mieter ab Herbst wieder in ihren Block zurück ziehen
möchten. Die WBG investiert in dieses Projekt 1,4 Millionen Euro und möchte je
nach Finanzlage ab 2006 den Kranichgrund 5 bis 9 ebenfalls zurückbauen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
20.03.2004
Magdeburg: Spielplatzplaner haben Vision von
multifunktionaler Sportanlage
Noch ist es eine Vision, da die Finanzierung nicht steht: die "Cassiopeia"
für Reform. Anstelle eines Bolzplatzes plant die Stadt eine multifunktionale
Sportanlage an der Hermann-Hesse-Straße - die zweite Einrichtung dieser Art
deutschlandweit. Mittels Sponsoring hoffen die Spielplatz-Planer das Projekt
finanzieren zu können.
Noch stecken die Planungen für den angesichts sinkender Einwohnerzahlen
notwendigen Stadtumbau in Neu-Reform in den Kinderschuhen. Heike Klinkerfuß, im
städtischen Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) zuständig für Spiel-
und Freizeitflächen: "Wir für unseren Teil haben aber schon Überlegungen, wie
wir den Stadtteil voranbringen könnten."
In den vergangenen Monaten wurde die Vision für eine multifunktionale
Sportanlage entwickelt. Auf einer Fläche von 24 mal 12 Metern soll demnach eine
Anlage mit einer Maximalhöhe von 3 Metern entstehen. Sportbegeisterte aus Reform
könnten sich dort auf einem Kunststoffrasen bei Fußball, Basketball, Badminton,
Hockey oder Volleyball austoben. Neben den Toren würde dann vor allem das
höhenverstellbare Netz für ideale Bedingungen sorgen.
Heike Klinkerfuß: "Bislang gibt es diese Anlage nur zweimal. Und zwar eine in
Frankreich und eine in Schöneck im Vogtland." Bei einer Besichtigung in Schöneck
hatten sich die Magdeburger Spieplatzbauer von der Funktionalität und Eleganz
der Anlage überzeugt. "Nach diesem Besuch waren wir sicher: Wenn wir eine solche
Anlage nach Reform holen könnten, wäre das eine tolle Aufwertung für das
Viertel."
Allerdings: Noch ist die Sportanlage mit dem Namen "Cassiopeia" Vision. Zwar ist
schon ein Platz gefunden - ein Bolzplatz an der Hermann-Hesse-Straße - zurzeit
fehlt es jedoch am Geld. Einschließlich des dafür notwendigen Unterbaus werden
die Kosten vom SFM auf 70000 Euro geschätzt. Angesichts knapper Kassen und eines
noch nicht beschlossenen städtischen Haushalts sei die Finanzierung nicht
geklärt. "Möglicherweise könnten wir die Kosten ja ähnlich wie die Betreiber in
Schöneck mit Bandenwerbung drücken", sagt Heike Klinkerfuß.
Auf die Suche nach Sponsoren sind die SFM-Mitarbeiter aber noch nicht gegangen.
Heike Klinkerfuß: "Wir müssen zunächst alle Pläne über Erdleitungen in dem
Bereich vorliegen haben." Falls sich nämlich im Untergrund unter dem Bolzplatz
eine Wasser- oder Stromleitung befindet, ist ein Bau undenkbar: "Einen solchen
Untergrund wegen eventuell irgendwann notwendiger Arbeiten aufreißen zu müssen,
wäre viel zu teuer", so die Spielplatz-Planerin. Deshalb sei übrigens eine zuvor
favorisierte Fläche an der Apollostraße als Standort für die neue Anlage schon
aus dem Rennen.
Neben der Begeisterung über das Vorhaben meldeten bei einem Treffen der AG
Gemeinwesenarbeit Reform jüngst einige Anwohner Bedenken an. Wieso würde die
Anlage an einem Ort errichtet, an dem es bereits einen Bolzplatz gibt? Ist nicht
mit einer Lärmbelastung zu rechnen? Wie sieht es mit Vandalismus aus?
Heike Klinkerfuß entgegnet: "Die Bolzplätze müssten sowieso saniert werden. Und
an der Stelle wollen wir im Interesse des Viertels die Gelegenheit für eine
Aufwertung des Areals nutzen." In Sachen Vandalismus ist die SFM-Mitarbeiterin
optimistisch. Ihr Betrieb habe nach den Erfahrungen in den vergangenen Jahren
Wert gelegt auf widerstandsfähige Materialien - das werde auch hier der Fall
sein.
Und in Sachen Spiellärm beruhigt Heike Klinkerfuß: "Eine andere Belästigung als
auf dem jetzigen Bolzplatz wird es kaum geben." Und der Platz werde so oder so
erhalten - mit einer Aufwertung
www.volksstimme.de
20.03.2004
Sachsen-Anhalt: Zukunftsdebatte: Verkehr und Stadtumbau
Wie entwickelt sich Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren?
Wie kann man schon jetzt auf die künftigen Probleme reagieren? Ministerien und
Staatskanzlei haben dazu ein Diskussionspapier erarbeitet. Federführend war das
Bau- und Verkehrsministerium. Der zuständige Minister Karl-Heinz Daehre sagt:
"Wir müssen mit weniger Menschen die Zukunftsfähigkeit des Landes gestalten."
Laut Prognosen leben im Jahr 2020 nur noch gut zwei Millionen Menschen in
Sachsen-Anhalt - das sind fast 500000 weniger als heute. Das Regierungspapier
orakelt düster: "Angesichts dieser dramatischen Entwicklung ist die
Zukunftsfähigkeit des Landes ernsthaft gefährdet und eine nachhaltige, auf
Langfristigkeit angelegte gesellschaftliche Entwicklung nicht möglich."
Karl-Heinz Daehre sagt dazu: "Die Überschrift kann nicht lauten: Wir ergeben uns
in unser Schicksal." Er meint: Das Land muss flexibel auf den erwarteten
Bevölkerungsrückgang reagieren.
Beispiel öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Gerade in dünn besiedelten
Gebieten wie etwa der Altmark wird die schrumpfende Bevölkerungszahl Bus und
Bahn zu schaffen machen. Infolge sinkender Auslastung steigen wirtschaftliche
Probleme. "Der klassische Transport - starre Linien - ist vorbei", sagt Daehre.
"Daher müssen wir in Zukunft verstärkt auf flexible Bedienformen setzen - wie
Linientaxis, Anrufsammeltaxis oder Rufbusse."
Er meint auch: "Wir brauchen Verkehrsverbünde über Landkreise hinaus. Da besteht
Handlungsbedarf." Wie will er die Kreise dazu bringen? Daehre: "Das geht über
den goldenen Zügel Geld."
Daehre lässt keinen Zweifel daran, dass das Land auch weiter unattraktive
Schienenstrecken abbestellen wird. Andererseits will er das bestehende Netz
ausbauen. Daehres Credo: "Die Verkehrsinfrastruktur muss investorenfreundlich
gestaltet werden. Wir müssen darauf reagieren, wo die Wirtschaft hingeht."
Beispiel Osterweddingen, ein wirtschaftlich boomender Ort vor den Toren
Magdeburgs, gelegen an der Bahnstrecke Magdeburg-Halberstadt. "Dort arbeiten
inzwischen 5000 Menschen, viele von ihnen sind Pendler", sagt Daehre. "Ihnen
müssen wir einen attraktiveren Personennahverkehr anbieten." Dem Minister
schwebt eine Verkehrsanbindung im Stundentakt vor, eine Art S-Bahn wie sie auf
der Linie Schönebeck - Magdeburg - Zielitz pendelt.
Ein Zukunftsthema ist auch der Stadtumbau: Wenn die Bevölkerungszahl
kontinuierlich sinkt, erhöht sich der Wohnungs-Leerstand. Angesichts 240000 leer
stehender Wohnungen sollen 100000 bis 2010 abgerissen und die Wohngebiete
aufgewertet werden. Sollten diese Pläne aufgehen, hätten 2002 und 2003 bereits
mehr als 17600 Wohnungen abgerissen werden müssen - tatsächlich aber
verschwanden nur 6800 Wohnungen.
Daehre drückt aufs Tempo und erhöht den Druck auf die Wohnungswirtschaft. Wer
die für 2002 und 2003 sowie die Hälfte der für dieses Jahr zum Abriss
vorgesehenen Wohnungen nicht vom Markt nimmt, bekommt ab 2005 weniger Geld.
Daehre ist sich bewusst, dass Magdeburg und Halle vor größeren Problemen stehen
als kleinere Orte. So will der Minister Vereinbarungen mit kleineren Städten
abschließen mit dem Ziel, dass diese zunächst mehr Geld bekommen, um schneller
Wohnungen abzureißen. Diese Zielvereinbarungen wurden bereits mit Wolmirstedt,
Haldensleben, Hohenmölsen, Querfurt und Eisleben abgeschlossen. Statt mit der
Gießkanne das Geld zu verteilen, werde nun konzentriert vorgegangen.
Der Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Bernd
Kregel, sagt dazu: "Die finanzielle Lage vieler Gemeinden bremst den
Stadtumbau-Ost und den Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen." Trotz
Vorfinanzierung durch die Landesinvestitionsbank sei der finanzielle Spielraum
der Wohnungsgesellschaften und Städte ausgeschöpft.
www.volksstimme.de
19.03.2004
Chemnitz: Nächster Anlauf für Brühl-Sanierung
Der Wohnungsleerstand im Zentrum der Stadt beträgt gegenwärtig um
die 30 Prozent, auf dem Brühl liegt er sogar bei 60 Prozent und bei
Gewerberäumen dort bei 75 Prozent. Wenn sich da zu einer dreistündigen
Werbeveranstaltung am Mittwochabend für das Wohnen in der Innenstadt und ganz
speziell zur neuen Altstadt Brühl der große Kammersaal der IHK gefüllt hat, darf
das schon als unerwarteter Fingerzeig für ein großes Interesse gewertet werden.
Denn der Brühl hat viel zu bieten, vor allem eine Traumlage: Hauptbahnhof, Oper,
Kunstsammlung, Busbahnhof, Stadtbad, Schlossteich, Küchwald, Universität und
innerstädtische Arbeitgeber sind zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar.
Mit dieser Toplage warb Baubürgermeisterin Petra Wesseler und skizzierte die
Zukunft des Brühls als ein hochwertiges Wohnquartier mit kleinen Läden,
speziellen Fachgeschäften, Cafés und Kneipen. Perspektivisch soll das Wohngebiet
wieder direkt an die Innenstadt angeschlossen werden. Nur eine Einkaufsmeile,
wie zu DDR-Zeiten der Brühl-Boulevard, so die Bürgermeisterin, sei nicht mehr
denkbar.
Der größte Trumpf des Brühls ist dabei vor allem die Ausweisung als
Sanierungsgebiet. Damit sind für die 20 Hektar mit rund 1400 Wohnungen bis zum
Jahr 2010 3,657 Millionen Euro als Städtebaufördermittel eingestellt, 1,2
Millionen wurden schon verbraucht u. a. für die Pflasterung des Boulevards, für
Straßenbaumaßnahmen, für den Abbruch von Hintergebäuden und für 12 private
Haussanierungen. Sanierungsträger ist die GGG, die selbst mit 750 Wohnungen in
69 Altbauten etwa die Hälfte des Bestandes besitzt. Doch die GGG saniert nicht,
sondern verkauft, so zum Immobilienmeeting mit dem Schwerpunkt Brühl, wie Werner
Mewes darlegte. Er sieht die City-Offensive Sachsens „Ab in die Mitte!“ für eine
höhere Attraktivität der Innenstädte auch für den Chemnitzer Brühl zu treffend.
Dabei ergeben sich mit dem Status Sanierungsgebiet interessante
Finanzierungsmöglichkeiten. Steuerabschreibungen, Investitions- und
Eigenheimzulagen und die noch wenig bekannte und deshalb kaum genutzte
Innenstadtzulage sowie das zinsverbilligte Darlehn für den Brühl erläuterten
Doreen Stephan von der Oberfinanzdirektion und Frank Hübner von der Sächsischen
Aufbaubank in Dresden.
Darf man der Rechnung glauben, die Uwe Stephan vom Bauträger Encon aus
Limbach-Oberfrohna vor dem Forum aufmachte, beträgt für Familien mit Kindern die
Förderung bei einem Wohnungskauf im Sanierungsgebiet Brühl zwischen 27 und 34
Prozent der Preissumme. Von den neun Wohnungen, die Stephan gegenwärtig an der
Karl-Liebknecht-Straße hochwertig saniert, sind sechs vor allem an Eigennutzer
bereits verkauft. Die Sanierung eines zweiten Hauses will er noch in diesem Jahr
in Angriff nehmen.
Ein weiterer Vorzug des Brühls für potenzielle Investoren sind die Vorleistungen
unterschiedlicher Architekturbüros für einzelne Karrees. So predigt der bekannte
Architekt Peter Apfel seit Jahren nahezu die Vorzüge des Brühls. Sein Konzept
für das Karree 5 beinhaltet einen grünen Innenhof, nicht sichtbare, weil
begrünte Tiefgaragen und Häuser im schönen Gründerzeitviertel mit einem
interessanten Gesicht. Ginge es nach Apfel, bliebe das Karree 7 (Hermann-,
Elisen-, Hauboldstraße), das für den Abriss vorgesehen ist, erhalten. Dafür
dachte er schon mal laut über den Abriss der beiden Punkthäuser aus DDR-Zeit
nach.
Doch Petra Wesseler schilderte den Abriss des Karrees 7 als Gewinn für den
Brühl, weil damit nicht nur ein Sportplatz für die Rosa-Luxemburg-Schule
entstehen kann, sondern die Gestaltung eines Uferparks an der Chemnitz möglich
wird. Apfel, der sich regelrecht in die Sanierung des Brühls verbissen hat,
nannte mehrere Häuser, die verkauft sind beziehungsweise werden und wo in der
kommenden Zeit die Sanierung beginnt, so die Elisenstraße 21/23 und der Brühl 46
bis 50. Doch es sei noch schwierig, alle Häuser an den Mann zu bringen.
www.freiepresse.de
19.03.2004
Eilenburg: Weitere Häuser müssen weichen
Wüst sieht es derzeit in der Beethovenstraße in Eilenburg aus.
Dort, wo noch bis vor kurzem der Wohnblock 9 bis 12 stand, klafft ein Loch,
Bagger schaufeln Dreck und Geröll beiseite. Das Stadtumbauprogramm Ost, das in
puncto Wohnungsleerstand durch Abriss regulierend einwirken soll, wird
umgesetzt.
Wie geplant, realisiert damit die Eilenburger Wohnungsbau- und
Verwaltungsgesellschaft (EWV) ihr Vorhaben, verstärkt im Eilenburger Stadtteil
Ost zu wirken. Insgesamt werden in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro - finanziert
durch Bund, Land, Stadt und EWV-Eigenmittel - eingesetzt. Das Areal wird vorerst
begrünt. Weitere Nutzungspläne liegen bisher noch nicht vor. "Klar ist
eigentlich nur, dass es nicht wieder bebaut wird", sagt EWV-Geschäftsführerin
Birgit Bendix.
Der genannte Block in der Beethovenstraße bildete den Auftakt. Weitere Häuser
folgen. Doch allein mit Abriss ist es nicht getan. Gleich nebenan in der
Mozartstraße wird die komplette äußere Hülle des Blocks 9 bis 16 erneuert. "Die
Häuser bekommen neue Dächer, Fenster, die Fassade wird gemacht. Außerdem
erhalten sie noch Balkone", so Bendix. Ein Teil der Bewohner, die aus der
Mozartstraße raus mussten, ist in diesen Block umgezogen. Die Hausnummern 1-8 in
der gleichen Straße sind bereits saniert.
Die EWV, so Bendix, schaffe damit Voraussetzungen, für ausreichend bezahlbaren
Wohnraum zu sorgen. Schon jetzt steht fest, dass im Rahmen des Förderprogramms
bis 2005 weitere 100 Wohnungen in Eilenburg-Ost vom Markt genommen werden. Zu
Details will sich die EWV-Chefin noch nicht äußern. Fragen der Finanzierung
müssen noch geklärt, die aktuelle Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt werden.
"Es laufen bereits Gespräche mit den betroffenen Mietern. Wir haben aber noch
nicht alle erreicht." Angst brauche aber keiner zu haben. Die Informationen
würden mindestens ein Jahr zuvor an die Mieter gehen, um ihnen akzeptable
Alternativen anbieten zu können. "Keiner muss in einer Hauruck-Aktion
ausziehen", betont Bendix, rät aber Mietern trotzdem, bei geplanten größeren
Investitionen in den Wohnungen zur Absicherung Kontakt mit der EWV aufzunehmen.
www.lvz-online.de
19.03.2004
Saarbrücken: Stadtumbau West: Vier
Förderschwerpunkte
Das Landesministerium für Umwelt hat am Mittwoch den
Zuwendungsbescheid für das Pilotprojekt Stadtumbau West - Saarbrücken-Burbach -
in Höhe von 2,6 Millionen Euro an die Vertreter der Landeshauptstadt Saarbrücken
überreicht. Mit dem Projekt, so das Ministerium, würden in enger Kopplung an das
Förderprogramm "Soziale Stadt" umfangreiche Stadtumbaumaßnahmen im Stadtteil
Burbach durchgeführt. Vier Schwerpunkte wurden als Impulsprojekte für das
Pilotprogramm Stadtumbau West vorgestellt: der Stadtteileingang Hochstraße, das
Geschäftszentrum Burbach, der Burbacher Markt und die Jakobstraße.
www.sol.de
19.03.2004
Rostock: Reiheneigenheime statt der Würfel
Einen völlig neuen Weg gehen Bauherren und Vermieter in
Groß Klein: Auf altem Grund eines Plattenbaus entstehen moderne Reihenhäuser.
Momentan haben die Abrissbagger im Sprengmeisterweg das Sagen, denn die Wiro
reißt hier am nördlichen Teil von Groß Klein vier Würfelhäuser ab. Mit der
Entkernung und Schadstoffbeseitung wurde bereits im Februar begonnen.
Anfang März ging es konkret dem Baggermeisterring 22 an den Kragen, im Abstand
von 14 Tagen folgt ein weiteres Gebäude. Bis Mitte Mai sollen diese Arbeiten
abgeschlossen sein, teilte die Wiro kürzlich mit. Der Abriss wurde mit bisher
knapp 342 000 Euro gefördert, hieß es aus der zuständigen Abteilung im
städtischen Bauamt. Bis zu den nächsten baulichen Schritten wird dort erst
einmal Grünfläche angelegt, wo vorher die Würfel standen, wie die Gebäude im
Volksmund hießen.
Die Wiro und weitere Wohnungsgenossenschaften haben für dieses Groß Kleiner
Quartier Pläne für eine Neubebauung mit Reiheneigenheimen mit dem Planungsamt
der Hanestadt abgestimmt. Sie basieren auf den Ergebnissen und Zuarbeiten für
das Integrierte Stadtentwicklungskonzeptes (ISEC), das in Zusammenhang mit dem
Programm Stadtumbau schon vor einigen Jahren erarbeitet worden ist. Mit diesen
Plänen gehen die Wiro und die anderen beteiligten Unternehmen auf den Wunsch
nach Bauland und individuellerem Wohnen in den Nordwest-Wohngebieten ein. Denn
bei aller Kritik und allen Defiziten, die es vor dem Start der
Wohnumfeldmaßnahmen an diesem Stadtteil gab, war die Nähe zu Warnemünde ein
besonderes Pfund dieses Stadtteils. Werden die Pläne zum Bau der
Reiheneigenheime konkreter, stellen wir sie vor.
www.svz.de
18.03.2004
Crimmitschau: Spielgeräte und Bäume für Carolaplatz
Der Baubeschluss zur Umgestaltung des Carolaplatzes in der
Südstadt nahm zur Sitzung des Technischen Ausschusses einen breiten Raum ein und
wurde von den Stadträten intensiv diskutiert. Der Platz liegt innerhalb des
Stadtumbau-Fördergebietes „Südstadt/Unter den Weiden“. Mit der beabsichtigten
Umgestaltung sollen eine Aufwertung dieses gründerzeitlichen Wohngebietes
erreicht und zugleich der typische Charakter des Platzes erhalten werden.
Im Wesentlichen geht es um die Neuanlage des Spielplatzes auf der westlichen
Platzhälfte sowie die Erneuerung des Großgrüns. Die Linden wurden schon auf
zirka fünf Meter Höhe eingekürzt, die Schnittstellen sind aber zu 95 Prozent von
baumzerstörenden Pilzen befallen. Vom Landschaftsarchitekten wurde eingeschätzt,
dass die Bäume dauerhaft geschädigt sind und daher eine Ersatzpflanzung
erforderlich sei.
Der 1996 errichtete „Seilzirkus“ auf der östlichen Platzhälfte soll erhalten
werden, der westliche Teil werde vor allem der Nutzung durch jüngere Kinder im
Alters bis zu acht Jahren dienen. Hierzu sollen ein Tanzglockenspiel, ein
Laufbalken, ein Schwingpferd sowie eine Kinderrutsche aufgestellt werden. Nach
einer ersten Kostenschätzung würden für die Baumaßnahme insgesamt 130.000 Euro
benötigt, wobei allein für die Begrünung 51.000 Euro vorgesehen sind.
Vorbehaltlich einer 75-prozentigen Förderung könnte im Juli oder August dieses
Jahres mit den entsprechenden Arbeiten begonnen werden, hieß es.
„Der Carolaplatz ist eine der ersten Maßnahmen, die im Gebiet Südstadt/Unter den
Weiden realisiert werden soll. Da die städtebauliche Situation sehr
unbefriedigend ist, wollen wir das Umfeld so gestalten, dass Wohnen hier wieder
attraktiv wird“, hob die Fachbereichsleiterin Bau, Annett Wihan, hervor.
Besonders die Pflege des Großgrüns beschäftigte die Stadträte sehr, denn nur bis
zum Jahr 2006, so sieht es die Verankerung im Projekt jedenfalls vor, sei eine
Erhaltungspflege geplant. „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, wie die Bäume
in den nächsten Jahren beschnitten werden sollen. Außerdem scheinen mir die
Kosten für die Begrünung zu hoch“, machte SPD-Stadtrat Claus Favreau aufmerksam
und sprach davon, besonderes Augenmerk auf die verschiedenen Schnittmaßnahmen zu
legen.
www.freiepresse.de
17.03.2004
Hagen: Gründerzeit
Vielleicht geht es einmal in die Geschichte als eines der letzten
Stadtumbauprojekte Deutschlands vor dem großen Rückbau ein: das Projekt "Neue
City Hagen". Die einst mit glanzvoller Jugendstilarchitektur auftrumpfende 200
000-Einwohner-Stadt am südöstlichen Rand des Ruhrgebietes "leistet" sich ein
neues Zentrum mit Rathaus, Einkaufszentrum, neuen Bürohäusern, umgebauten
Straßen und Fußgängerzonen, mit der "ersten" Hagener Diskothek, mit Straßengrün
und Uferpromenaden.
Vor elf Monaten wurde die Volme-Galerie eröffnet. Erst wenige Tage ist es her,
dass die Sprengung des Sparkassenhochhauses die Innenstadt erschütterte. Gestern
hat der Umbau der zentralen Kampstraße begonnen. In sechs Wochen soll das
nagelneue Rathaus bezogen werden. Gründerzeit in Hagen.
Der Kraftakt ist den widrigen Zeitumständen regelrecht abgetrotzt. Denn seit
drei Jahren hat die Stadt keinen genehmigten Haushalt mehr. Viele der
Großinvestitionen konnten nur mit PPP-Verträgen gestemmt werden. Und nun scheint
erst mal das Ende der Fahnenstange erreicht. "Ehe wir das Emil-Schumacher-Museum
anpacken können, muss es erst wieder Geld regnen", meint Christine Grebe,
zuständig für "Sonderprojekte" der Stadt. "Denn eher können Zuschüsse des Landes
nicht abgerufen werden."
Stadtumbau in Hagen - das ist kein Projekt für die Schrumpfung, sondern für die
Revitalisierung der Stadt. Als Partner für die zentrale Maßnahme, das Rathaus-
und das Center-Projekt, hat die Stadt die holländische Multi Development
Corporation (MDC) angeheuert. Man wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
die Käuferströme des Einzelhandels neu an die City binden und zugleich 27
Standorte der Stadtverwaltung wieder in einem Gebäude zusammenführen. Mit der
Ausführung des 90-Mio.-Euro-Vorhabens wurden die Profis des Architekturgroßbüros
Rhode, Kellermann, Wawrowsky betraut.
Herausgekommen ist schlichte Durchschnittsarchitektur, deren lasche Aussage
hinter der kraftvollen Architektursprache des nicht gerade schönen, aber
charaktervollen Nachkriegs-Ratstrakts der Architekten Wiehl und Roßkotten
zurückbleibt. Doch wie der Vorgänger borgt sich der Komplex ein Quäntchen
Imposanz vom Torso des ganz alten Rathauses, das einst mit seinem prachtvollen
Turm und dem Neorenaissancegiebel ein Wahrzeichen Hagens war. Die
Modernisierungsmanie der Nachkriegszeit hat ihm den Garaus gemacht.
An den Ratsturm schließen am Friedrich-Ebert-Platz nun keine Verwaltungstrakte
mehr an, sondern unmittelbar die gläsernen, sandsteingerahmten Fassaden des mit
13 000 qm Verkaufsfläche mittelgroßen Centers. Das neue Rathaus ist mit seinen
15 000 qm Bürofläche um die Ecke in die schmale Nebenstraße (Rathausstraße)
verschwenkt und hat damit seine dominante Position am repräsentativsten Platz
der Stadt aufgegeben. Diese Rochade war den Investoren einen Kaufpreis von 3,5
Mio. Euro für das Grundstück wert. Insgesamt haben die Stadt 27Mio. und MDC 63
Mio. Euro in die "neue City" gesteckt.
www.welt.de
17.03.2004
Reichenbach: Stadtgeschichtliches Gebäude wird abgerissen
Ein weiteres Loch in die historische Bausubstanz der
Neuberinstadt wird gerissen werden. Mit einer Gegenstimme beschloss der
Technische Ausschuss der Stadt Reichenbach am Montagabend den Abriss des
Wohngebäudes Schulberg 4 b, in dem zu DDR-Zeiten die Hilfsschule untergebracht
war.
Für rund 22.346 Euro erhielt die Bietergemeinschaft Lengenfelder Recycling &
Abbruch GmbH aus Lengenfeld und Planschwitzer Naturstein GmbH aus Neuensalz den
Zuschlag der Stadträte. Nun gehören Abbrucharbeiten zum fast alltäglichen
Stadtbild.
Stadtrat Ralf Auerswald (Bürgerinitiative Altstadt) bereitet die Situation
Sorgen, dass in der Stadt mehr und mehr Löcher entstehen wie in einem Schweizer
Käse. Er stellte den Antrag, den Abbruch-Beschluss um sechs Monate zu
verschieben, damit in einer bisher von ihm vermissten öffentlichen Diskussion
über die weitere Nutzung des Gebäudes gesprochen werden könnte. Er sehe keine
unmittelbare Notwendigkeit des Abbruchs. Außerdem fehle ein Konzept, was nach
Abbruch mit der Lücke passiern solle. Der Antrag wurde mit fünf Gegenstimmen und
zwei Enthaltungen von den Ausschussmitgliedern jedoch abgelehnt.
Fachbereichsleiter Gregor Hubert räumte ein, dass möglichst geschlossene Flächen
in der Altstadt bestehen bleiben sollen. Doch habe die Stadt keinen Nutzer für
das leerstehende Gebäude gefunden. Nach dem Abriss, der sich einfach gestalten
würde, da es ein Einzelgebäude ist, sei dann ein direkter Blick auf die
Peter-Paul-Kirche gegeben. Außerdem könne man sich nicht nur am Alten
festhalten. Investoren im Stadtzentrum würden immer nach Stellplätzen in
Wohnhausnähe fragen. Laut Stadtplaner Sven Hörning wird demnächst die Planung
für das bald freie Land in Auftrag gegeben werden. Sicherlich werde es
Stellplätze und teilweise Begrünung geben.Mit dem Haus verschwindet übrigens ein
stadtgeschichtlich interessantes Gebäude. Hier befand sich das von Johann
Siegfried Ackermann (1662 bis 1741) gestiftete hiesige Waisenhaus. Von 1848 bis
1857 war im Gebäude Reichenbachs erste Webschule untergebracht.
www.freiepresse.de
17.03.2004
Land Brandenburg: Zu wenig Wassertrinker wecken Keim und
Korrosion
Der Bevölkerungsrückgang in Brandenburg ruft nicht nur die
Gefahr finanzieller Mehrbelastung hervor, sondern sogar gesundheitlicher
Schäden. Wie die Landesregierung in einem Fachbericht mitteilte, sei das eine
Folge zu geringer Auslastung von Trinkwasser-Rohrleitungssystemen.
Wenn immer weniger Nutzer von der Wasserzu- und ableitung Gebrauch machen, dann
wächst die Keimbelastung, weil die Spülung nicht ausreichend ist, hebt der
Bericht hervor. Ein ähnliches Problem entsteht beim Abwasser. Wenn es zu lange
in den Leitungen verbleibt, kommt es zur vermehrten Bildung von Schwefelsäure.
Die wiederum zersetzt Leitungen durch verstärkte Korrosion.
Für die in Brandenburg verbleibenden Bevölkerungsteile ist laut Bericht mit
höheren Belastungen zur rechnen, da die umzulegenden Fixkosten für den Einzelnen
wachsen. Zudem greifen Wasserwerke bei einer zu geringen Nutzung von Trinkwasser
zum Mittel der Spülung. Dabei werden Rohre mit frischem Trinkwasser
freigeschwemmt. Von den Nutzern wird dieses Trinkwasser zwar im engeren Sinne
nicht benötigt, doch finden sie es auf ihrer Rechnung wieder.
Vor dem Hintergrund des Bevölkerungsschwundes, des Abbaus von
Industriekapazitäten und des Verzichts auf Beregnung in der Landwirtschaft ist
der Wasserverbrauch viel stärker gesunken, als die Politik Anfang der 90er Jahre
für möglich hielt. Wegen des erforderlichen Abrisses ganzer Stadtviertel wird
laut Landesregierung regional die Stilllegung »ganzer Teile der
Versorgungsnetze« erwogen. Dies sei immer noch kostengünstiger als ein
punktueller Rückbau, »der das Versorgungsnetz weitgehend unverändert lässt, aber
zu einer weiteren Ausdünnung der Nachfrage führt«.
Immer weniger Kunden müssen für die Kredite zentraler Anlagen und die
vergleichsweise hohen Gehälter der Beschäftigten in der Wasserwirtschaft
aufkommen. Ex-Bauminister Hartmut Meyer (SPD) räumte vor einiger Zeit ein, dass
vielfach der Umfang dieser Anlagen in Brandenburg immer stärker in Widerspruch
zum eigentlichen Bedarf geraten ist. »Sowohl bei der Trinkwasser- als auch bei
der Abwasserversorgung ist mit einem Anstieg der finanziellen Belastung für die
Verbraucher zu rechnen.«
Radikale Maßnahmen werden ins Auge gefasst, denn laut vorsichtigen Prognosen
sinkt die Bevölkerungszahl in Berlin-fernen Regionen bis 2015 noch einmal um
neun Prozent.
www.nd-online.de
17.03.2004
Sachsen: Wettbewerb soll verwaisten Innenstädten neues
Leben einhauchen
Mit viel Geld wurden seit der Wiedervereinigung
Morbidität, Schimmel und Mief aus Sachsens Innenstädten vertrieben. "Nun muss
wieder Leben hinter und vor die sanierten Fassaden", fordert Albrecht Buttolo,
Staatssekretär im Innenministerium. Den "Kick" dafür möge eine Offensive geben,
die gestern in Dresden offiziell gestartet wurde. "Ab in die Mitte" heißt die
Kampagne der Industrie- und Handelskammer (IHK). In ihr sind die Kommunen
aufgefordert, mit Ideen für die Belebung ihrer Innenstädte in Wettbewerb zu
treten.
Zwar sprudeln keine neuen Geldquellen für die Realisierung dieser Konzepte. Doch
Buttolo ließ durchblicken, dass die Sieger bei der Vergabe von
Städtebaufördermitteln bevorzugt behandelt würden. 30000 Euro erhält der Erste,
20F000 der Zweite und 10000 der Drittplatzierte. Die Gelder wurden bisher
ausschließlich von Sponsoren gestiftet. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU)
ließ offen, mit welcher Summe sich der Freistaat beteiligt. Er stellte aber
klar: "Von der Vorstellung, man könne Probleme mit Geld lösen, muss man sich
verabschieden."
Festlegen wollte sich bei der gestrigen Auftaktveranstaltung vor 300 Vertretern
von Kommunen und Verbänden auch niemand, welcherart Ideen im Juni das Rennen
machen könnten. Maßstab soll sein, möglichst viele Menschen in die City zu
locken, die Kernstadt in ihrer Konkurrenz zum Einkaufstempel vor der Stadt
aufzuwerten. "Leute anlocken", "zum Verweilen einladen", "Handel ankurbeln",
"der Stadt ein Gesicht geben", wurde bruchstückhaft geantwortet, wenn nach der
Art der gewünschten Beiträge gefragt wurde. "Es ist kein Schönheitswettbewerb",
stellte Milbradt klar. Denn schön sind Sachsens Innenstädte ja schon. Aber:
"Viele sind verwaist, leiden unter hohem Leerstand, bieten wenig Kunst und
Kultur", weiß Christian Schramm, Präsident des Städte- und Gemeinde-tages. Er
hätte in der Altstadt Bautzens, deren Oberbürgermeister er ist, am liebsten
"italienische Verhältnisse". Schramm: "Wäsche auf den Balkonen, spielende
Kinder, schimpfende Mütter, Wohnen, Handeln, Arbeiten, Leben nebeneinander."
Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Uni Leipzig, ermunterte
die Kommunen, mit Eigentümern, Händlern, Dienstleistern und Bürgern Ideen zu
entwickeln, um die City zum Wohlfühlort aufzuwerten, in dem Einkaufen zum
sinnlichen Erlebnis wird. "Wir müssen keine Unterhaltungszentren als Implantate
in die Städte einpflanzen. Eine City ist Unterhaltungszentrum genug."
Hauptattraktion ist das Einkaufen. Denn, so Kaufhof-Vorstand Lovro Mandac, "wenn
Handel nicht funktioniert, funktioniert die Stadt nicht". Aber Einkaufen könne
viel mehr sein, als sich nur den Kofferraum vollzupacken.
www.dnn-online.de
16.03.2004
Gladbeck: Hochhaus sollte bis auf drei Stockwerke
abgerissen werden
Einstimmig billigte der Bau- und Planungsausschuss das
Konzept des Baudezernates, mit Fördermitteln aus dem Programm "Stadtumbau-West"
das Hochhaus Schwechater Straße 38 abzureißen und zu einem "urbanen
Stadtteil-Zentrum" umzugestalten.
Die bislang im Haushalt gesperrten Planungskosten von 40 000 Euro "für eine
gesamtstädtische Analyse" des Bereiches auszugeben, fand Zustimmung bei allen
Fraktionen. So will man 20 000 E für ein Gutachten zum
"Stadtteil-Entwicklungskonzept", 10 000 E, für ein "städtebauliches Konzept"
sowie 10 000 Euro für "flankierende Maßnahmen" ausgeben. Rund 3000 Euro sollen
Studenten der Uni Dortmund erhalten, die in einem "begleitenden Workshop"
Erkenntnisse (wie z. B. aus dem Abriss von Plattenbauten der Ex-DDR?)
einbringen.
Die Fakten: Bauschäden und -mängel in Höhe von mehreren Millionen Euro, rund 50
Prozent leer stehende Wohneinheiten (mit steigender Tendenz), rund die Hälfte
der Wohnungseigentünmer sei zahlungsunfähig, es gebe Wohngeldrückstände von rund
2 Mio Euro, und die Hälfte der Wohnungen stünden unter Zwangsverwaltung, das
Kaufinteresse bei Dritten wird "als gleich Null" eingeschätzt, weil nicht einmal
Zwangversteigerungsverfahren durchgeführt werden könnten.
Als Lösungen sieht die Stadt die Bildung einer Auffanggesellschaft, Übernahme
der Miteigentumanteile ( zum Teil sicher eher "entschädigungslos"), einen
Verzicht der Gläubigerbanken und außerdem eine Übereignung von städtischen
Bauflächen an die Auffanggesellschaft und den "Rückbau" des Hochhauses.
Hierfür erhoffe man sich Mittel aus dem Förderprogramm "Stadtumbau-West", der
die Wiederherstellung intakter Stadtstrukturen zum Inhalt habe. "Doch dass wir
da hineinkommen, ist nicht sicher, aber wir brauchen endlich einen Fuß in der
Tür", merkte Stadtbaurat Michael vorsichtshalber Stojan an.
Daher betonten alle Fraktionssprecher, "die Ruine muss schnell
abgerissen werden", damit das Geschäftszentrum wieder "zur Ruhe kommen" könne.
Darüber hinaus soll danach der Stadtteil Rentfort wieder "genesen" können.
www.waz.de
13.03.2004
Borken: Kopf aus dem Sand
"Es geht nicht darum, über Sein oder Nicht-Sein der
Borkener Gewerbevereinigung zu diskutieren. Denn sie wird immer bestehen“, sagte
Borkens Bürgermeister Bernd Heßler am Donnerstagabend bei der
Jahreshauptversammlung der BGV. Zuvor hatte Kassierer Harald Klug die Zukunft
des Vereins in Frage gestellt.Ein Grund für den Optimismus des Rathaus-Chefs:
„Wenn der interkommunale Zweckverband profitiert, dann somit auch jede der ihm
angeschlossenen Städte“, so Heßler. In Sachen Zweckverband gebe es Grund zur
Freude. „Wir können trotz Haushaltssperre der Landesregierung mit einem
Bewilligungsbescheid von fünf Millionen Euro rechnen“, so Heßler . Für Borken
heiße das, dass sowohl die alte Molkerei als auch die Altstadt und die ehemalige
Tankstelle Vietor gefördert werden könnten. Bislang haben man nur mit 70 Prozent
der Fördersumme für das Forschungsprojekt Stadtumbau West gerechnet, so Heßler.
Das Geld für die Förderung fließe aus zwei Töpfen in den Zweckverband. Denn
sowohl das Ministerium für Raumordnung als auch das hessische
Wirtschaftsministerium seien beteiligt.
Zudem laufe die Vorauswahl für das interkommunale Gewerbegebiet
Schwalm-Eder-West. „Das können wir in vier bis fünf Wochen vorstellen“, machte
Heßler deutlich. Sechs Gebiete seien in der Vorauswahl. „Die Tendenz geht stark
zu Wabern-West“, so Heßler. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Waberns
Bürgermeister Jung mit, dass über den Standort des Projekts noch nicht
entschieden worden sei.
Anerkennenden Applaus gab es für die Neuigkeiten, die Heßler überbrachte, von
den Mitgliedern der BGV. Die BGV zog - zumindest finanziell - eine positive
Bilanz des vergangenen Jahres. „Trotz einer schwierigen Lage haben wir ein
positives Ergebnis erzielt“, so der Vorsitzende Heinfried Becker. Denn alle
Aktivitäten und Feste habe man ohne Defizit abschließen können. Vielmehr seien
Weihnachtsmarkt und auch Heimatfest Erfolge gewesen. Auch würden die
Einkaufsgutscheine der BGV sehr gut angenommen. Dennoch: „Der Verein ist im
Umbruch“, sagte Becker. Von 96 Mitgliedern sei man auf 81 geschrumpft.
www3.hna.de
13.03.2004
Neugersdorf: Eine Perle an der Fröbelstraße
Es zieht schon die Blicke auf sich, das prachtvolle, große
Umgebindehaus. Zumal es direkt gegenüber dem Neugersdorfer Ärztehaus steht und
hier ein großer Publikumsverkehr herrscht. Ab April werden auch in dem
denkmalgerecht sanierten Haus Patienten ein- und ausgehen. Denn hierhin ziehen
jetzt zwei Arztpraxen um. Die Zwei-Raum-Wohnung im Obergeschoss ist ebenfalls
schon vergeben.
Die Garantie einer sinnvollen Nutzung war entscheidend dafür, dass die
Eigentümerin die kostspielige Rekonstruktion und Modernisierung unter
denkmalpflegerischen Belangen auf sich nahm. Die in Schorndorf/Württemberg
lebende Ärztin und Apothekerin Dr. Maria Palm, geborene Krampf, hat das Gebäude
und sieben weitere in den 90er Jahren durch Rückübereignung bekommen. Die
Fröbelstraße 10 ist das zweite sanierte, ein drittes ist in Vorbereitung.
Wie alt das einstige Faktorenhaus genau ist, konnte bisher nicht ermittelt
werden. „Es gibt wenig Nachweisliches darüber“, sagt Dr. Werner Nette, dessen
Neugersdorfer Bauplanungsbüro mit der Sanierungsplanung und -betreuung
beauftragt wurde. Der eingebaute Türstock beinhaltet die Jahreszahl 1787.
Bestimmte Baumerkmale deuten aber darauf hin, dass das Haus noch älter ist und
auch vergrößert wurde. Es ist über 18 Meter lang und über zehn Meter breit.
Die stattliche Größe und prachtvolle Elemente, wie zum Beispiel ein Kreuzgewölbe
mit Stuckelementen, verzierte Stubendeckenbalken und die außen „vornehmere
Holzverkleidung mittels Andeutung von Quadermauerwerk“, so Nette, sind
Kennzeichen eines Faktorenhauses. Eine weitere Besonderheit ist ein Raum im
hinteren Teil, wo selbst die Innenmauern etwa 90 Zentimeter stark sind.
1999 nahm das Ehepaar Palm mit Unterstützung der Gesellschaft für Stadt- und
Landentwicklung (GSL) Löbau zunächst die Sanierung der Außenfassade in Angriff.
Noch im selben Jahr erhielten sie die denkmalschutzrechtliche Genehmigung. 2001
begann die Dacherneuerung, dann wurde die komplette Sanierung vorbereitet. Ende
2002/Anfang 2003 wurdet der auf Grund großer Feuchteschäden nicht mehr nutzbare
Anbau abgerissen. „Übrigens mit Unterstützung der Stadt Neugersdorf durch das
Programm ,Stadtumbau Ost’“, berichtet Sebald Henkel von der GSL. Außerdem hat
das Land Sachsen die äußeren denkmalpflegerischen Mehraufwendungen gefördert.
www.sz-online.de
13.03.2004
Frankfurt (Oder): Schülerschwund macht weitere Schulen
überflüssig
Der Bevölkerungsschwund und der Geburtenrückgang wirken
sich massiv auf die Schullandschaft in Frankfurt sowie den Landkreisen
Oder-Spree und Märkisch-Oderland aus. "Der Einbruch in der SekundarstufeI hat
uns jetzt erreicht und setzt sich in den kommenden Jahren fort", so die Leiterin
des Staatlichen Schulamtes, Karin Wenzel. Die Folge sei, dass viele Schulen
künftig keine siebenten Klassen mehr haben würden und im Endeffekt auch massiv
Schulen geschlossen und zusammengelegt werden müssen.
Welche Schulen es künftig nicht mehr geben wird, entscheiden die Schulträger vor
Ort selbst. Das Staatliche Schulamt hingegen hat die Aufgabe festzulegen, welche
Schule noch siebente Klassen haben darf und welche nicht. In einer Prognose des
Staatlichen Schulamtes wird davon ausgegangen, dass sich in Frankfurt nur noch
zwei Gymnasien, eine Realschule und ein bis zwei Gesamtschulen halten. In
Eisenhüttenstadt wären es je eine Gesamt- und eine Realschule sowie ein
Gymnasium. Fürstenwalde käme mit zwei Gesamtschulen und einem Gymnasium aus.
www.moz.de
13.03.2004
Oschatz: Mieter stehen zur Plattenbau-Wohnung
In den nächsten Jahren will die Oschatzer Wohnstätten GmbH die
Mieter aus dem Plattenbau Am Langen Rain 51-57 in andere Häuser der
Wohnungsgesellschaft vermittelt haben. Grund: Der Wohnblock soll abgerissen
werden. Ein Vorhaben, das bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe stößt.
Zum Beispiel bei Erika Kürschner. Die 61-Jährige ist erst im Jahr 2001 hier
eingezogen und mit ihrer Zwei-Raum-Wohnung (mit Balkon für 163 Euro Kaltmiete)
zufrieden. "Als ich hier eingezogen bin, war noch keine Rede von Abriss", ärgert
sie sich.
Siegfried Lange wohnt mit seiner Frau seit sieben Jahren in seiner
Plattenbau-Wohnung. "Erst hieß es, die Wohnungen werden saniert, dann war von
einem altersgerechten Umbau die Rede, nun ist der Abriss geplant", empört sich
der Rentner. Vor allem stört ihn, dass gerade dieser Wohnblock abgerissen werden
soll. "Das ist eine der besten Wohnlagen. Unsere Wohnzimmer gehen ins Grüne
raus, und vom Straßenverkehr hören wir nichts", zählt der Oschatzer auf.
Loni Junker wohnt seit 25 Jahren in diesem Wohnblock. Wegen
Herz-Kreislauf-Beschwerden ist sie 1999 aus dem dritten in das erste
Obergeschoss gezogen. "Deshalb trifft mich das besonders hart", sagt die
76-Jährige. Bis zuletzt will Loni Junker nicht in ihrer jetzigen Wohnung
ausharren. Denn in ihrem Aufgang stehen jetzt schon mehrere Wohnungen leer. Aus
dem Angebot der Wohnstätten GmbH hat sie sich schon eine Wohnung ausgesucht.
"Ich werde in die Goethe-Straße umziehen", kündigt die Rentnerin an.
www.lvz-online.de
13.03.2004
Bautzen: Große Frischzellen-Kur für Wohnblock an der Post
Heute wirkt er unscheinbar, zu DDR-Zeiten war er etwas
Besonderes. Der Plattenbau am Postplatz ist einer der wenigen Wohnblocks, die
nicht auf der grünen Wiese errichtet wurden, sondern mitten in der Innenstadt
stehen. Das ist kein Zufall. Der Block vom Typ WBS 70 war ein Versuchsbau, an
dem Architekten und Bauleute 1986 erprobten, wie man innerhalb der Stadt mit
Plattenbau-Elementen arbeiten kann. Dafür wurde das Haus vor allem optisch
angepasst. Es bekam ein richtiges Ziegeldach und eine Ladenzeile im Erdgeschoss.
An der äußeren Form soll sich mit der Modernisierung nicht viel ändern. Nur
einige alte Schuppen im Hinterhof wurden abgerissen, um Platz für Mülltonnen und
Parkplätze zu schaffen. „Außerdem werden Dach und Fassade gedämmt und neue
Fenster eingesetzt“, sagt Kai Hübner, der Leiter der Bauabteilung der BWB.Neu
ist auch, dass alle Mieter einen Balkon bekommen. Bisher ist dies nur bei einem
Teil der 60 Wohnungen der Fall. Die meisten anderen Veränderungen spielen sich
im Inneren des Hauses ab. „Wir werden die Sanitär- und Lüftungstechnik erneuern
und die Elektrik auswechseln“, kündigt Kai Hübner an. Außerdem wird es eine neue
Heizungsanlage geben, und die alten Durchlauferhitzer verschwinden aus den
Küchen. Auch sonst werden die Wohnungen auf den üblichen Standard gebracht. Es
gibt neue Türen, und in der Küche und im Bad kommen neue Fliesen an die Wand.
Die Geschäfte im Erdgeschoss stehen ebenfalls auf der Sanierungsliste. Sie
erhalten neue Schaufenster. Außerdem wird die Rampe vor der Ladenzeile in
Ordnung gebracht. Um die Fläche etwas aufzulockern, kommen in Richtung Straße
Granitplatten an die Front.
Für die Baukosten hat die BWB 2,5 Millionen Euro eingeplant.
www.sz-online.de
12.03.2004
Hoyerswerda: Sterben die Laubenpieper aus?
Die Befürchtung, dass die Anzahl der Kleingärten in den kommenden
Jahren dramatisch sinken wird, ist nicht neu. Schon 2001, als der aus dem
einstigen Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)
hervorgegangene Verband der Kleingärtner Hoyerswerda sein 10-jähriges
Gründungsjubiläum beging, hatte dessen Vorsitzender Siegfried Piehler auf den
drohenden Rückgang hingewiesen. Auch wurde von ihm laut über das Schließen
einzelner Kleingarten-sparten nachgedacht. Wie dramatisch die Situation
inzwischen ist, darüber informierte er am Mittwoch in der Sitzung des
Technischen Ausschusses des Hoyerswerdaer Stadtrates, in dem er über „Die
Kleingartenentwicklung in Hoyerswerda unter Beachtung der Fortschreibung des
Flächennutzungsplanes“ sprach. Sein Bericht war genau genommen ein Hilferuf.
„Nach mehr als 10-jähriger Arbeit im Verband der Kleingärtner Hoyerswerda wird
sichtbar, dass in der Kommunalpolitik der Stadt Hoyerswerda für das
Kleingartenwesen noch kein wirkungsvoller Platz gefunden ist“, stellte Siegfried
Piehler fest. „War es bisher möglich, die Aufgaben im Verband in eigener
Verantwortung als gesellschaftlichen und gemeinnützigen Auftrag zu lösen, so
stehen wir jetzt vor der Tatsache, dass mit der Strukturentwicklung und dem
Stadtumbau eine Neukonzipierung des Kleingartenwesens dringend erforderlich
ist.“ Im gleichen Atemzug machte er deutlich: „Dieser Umgestaltungsprozess,
verbunden mit dem Umbau von Kleingartenanlagen, ist vom Verband ohne Mitwirkung
der Stadt nicht zu bewältigen.“
Und Siegfried Piehler ließ Zahlen folgen, die das zu erwartende Ausmaß des
Kleingartensterbens offenbarten: „Ausgehend von den prognostizierten
Einwohnerzahlen der Stadt Hoyerswerda ist ein Rückgang von 4 020 Kleingärten auf
1 500 Parzellen als real anzusehen.“ Der Verband der Kleingärtner gehe davon
aus, dass bis zum Jahr 2010 der größte Einbruch zu erwarten sei. Neben der mit
der zurückgehenden Bevölkerungszahl einhergehenden sinkenden Nachfrage nannte er
noch einen weiteren Grund für diesen Trend. Da auch Kleingärtner immer älter
werden und sich in zunehmender Anzahl nicht mehr in der Lage fühlen, ihre
Parzellen zu bewirtschaften, wird es zu Rückgaben von Kleingärten kommen.
Allerdings hat sich der Verband der Kleingärtner Hoyerswerda auch Gedanken
darüber gemacht, wie die anstehenden Probleme gelöst werden könnten. Wie
Siegfried Piehler sagte, sollte „dem Kleingartenwesen ein Mitspracherecht
eingeräumt werden“. Vorstellbar sei die Bildung eines Kleingartenbeirates auf
kommunaler Ebene, der dem Stadtrat ein Hilfsinstrument sein könnte. Wichtig
auch: „Im Flächennutzungsplan der Stadt sind die Standorte von
Dauerkleingartenanlagen unter Berücksichtigung der Struktur und
Bevölkerungsentwicklung festzulegen.“ Heißt im Klartext: Es muss entschieden
werden, welche Kleingartenanlagen auf Dauer Bestand haben sollen und welche
analog zur Wohnbebauung der Stadt früher oder später verschwinden sollten. In
diesem Zusammenhang, so ein weiteres Anliegen, müsse das Kleingartenwesen mit
den bestehenden Anlagen als Bestandteil in das Programm des Stadtumbaus
aufgenommen werden. Zumindest im Teilkonzept Wohnen des Integrierten
Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) waren die Kleingärten nicht berücksichtigt
worden. Auch sollte die Stadt „mit Hilfe einer Studie die Wirtschaftlichkeit
prüfen, die Bereitstellung von Kleingärten auf kommunalem Grund und Boden
vorzunehmen und neu zu konzipieren“.
www.sz-online.de
12.03.2004
Cottbus: Das zweite Leben der Sachsendorfer Abrissplatten
Rund 2.200 Plattenbau-Wohnungen sind in Sachsendorf bisher
abgerissen worden. Noch einmal so viele Wohnungen aus der DDR-Zeit sollen in den
nächsten Jahren dem Stadtumbau zum Opfer fallen. Bisher sind nach Angaben der
Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Cottbus" (GWG) dabei rund
200.000 Tonnen mineralischer Bauschutt angefallen. Das entspricht etwa 8.000
Kipperladungen. Vehemente Gegnerin des Abrisses ist Dr. Angelika Mettke. Die
Fachgruppenleiterin für Bauliches Recycling am BTU-Lehrstuhl Altlasten plädiert
für behutsamen Rückbau, bei dem die Platten nicht beschädigt werden. 50 bis 60
Prozent des Materials seien wieder verwendbar. "Wenn alles platt gemacht wird,
verödet die Stadt weiter, und es entstehen soziale Brennpunkte" , sagt die
Wissenschaftlerin. Vor allem aus ökologischer Sicht dürften einmal geschaffene
Werte nicht zerstört werden. "Beton ist unverwüstlich" , so Mettke.
Plattenbauten könnten 120 Jahre alt werden. An der BTU sei eine Vielzahl von
Verwendungsmöglichkeiten für Betonplatten erarbeitet worden. Sie könnten für den
Bau von Garagen und Swimmingpools eingesetzt werden. Derzeit entstehe der
Entwurf eines Einfamilienhauses aus Alt-Beton. Die BTU liefere beispielsweise
das Know-how für einen Jugendpark in Gröditz, bei dem landschaftsgestalterische
Elemente wie ein Baumhaus oder eine Sprayer-Wand aus Alt-Beton verwendet werden
sollen. In Cottbus seien die Beispiele für die umweltfreundliche
Wiederverwendung von Platten dagegen rar. Neben den Stadtvillen der GWG in der
Stormstraße gebe es Kletterwände an der Waldorfschule und - das neueste Projekt
- eine Freitanzfläche am Sportplatz von Wacker 09 in Ströbitz. Doch nur ein
Bruchteil der Platten werde wiederverwendet. In Sachsendorf setzten die
Wohnungsgesellschaften aus Kostengründen auf Abbruch. So habe das Pilotprojekt
der GWG Stormstraße 9 a bis 9 e keine Nachnutzer gefunden. 13 Wohnungen aus
Alt-Platten sind hier im Frühjahr 2002 bezogen worden. "Technologisch ist das
super gelaufen und ingenieurtechnisch überhaupt kein Problem" , meint Dieter
Gebauer, Abteilungsleiter Technik bei der GWG. Die Kosten hätten 10 bis 15
Prozent unter denen für einen vergleichbaren Neubau gelegen. Dennoch plane die
GWG vorerst kein weiteres Projekt dieser Art. Gebauer: "Der Markt gibt das
derzeit einfach nicht her." Wer die Wahl habe zwischen einem gewöhnlichen Neubau
und einem Bau aus alten Platten, entscheide sich für den Neubau. Doch was
geschieht mit dem Bauschutt? Allein beim Abriss durch die Sternbau GmbH seien 66
Tonnen angefallen, erklärt Bauleiter Maik Tropenz. Der überwiegende Teil davon,
rund 40 Tonnen, sei zum Tagebau Jänschwalde gebracht worden. Den kleineren
Anteil, 26 Tonnen, habe die Cottbuser Recycling Gesellschaft (CRG) aufbereitet.
Das Recycling-Material werde beim Bau von Straßen und Fundamenten eingesetzt.
Allerdings könne die Anlage das derzeit anfallende Material nicht fassen.
Insgesamt 60.000 Tonnen Bauschutt verarbeite die CRG jährlich, erklärt deren
Chef Frank Riemann. Knapp die Hälfte davon käme aus Sachsendorf. Ein weiterer
Großabnehmer für den Platten-Bruch ist die Vattenfall Europe Mining AG. Bisher
seien in der Ortslage Grötsch rund 150.000 Tonnen mineralischer Baureste
verwendet worden, sagt Gert Klozek, Abteilungsleiter für Tagebauplanung. Daraus
entstehe ein etwa 300 Meter langer und vier Meter hoher Stützkörper für die
Kippenböschung, der ein Abrutschen der Erdmassen verhindere. Das Material sei
frei von Schadstoffen und seine Verwendung deshalb völlig unbedenklich. Klozek:
"Um das zu kontrollieren, ist ein ganzes Labor rund um die Uhr beschäftigt."
www.lr-online.de
12.03.2004<