Newsticker Archiv März und April 2006
28.04.2006
Teures Bauland treibt Familien ins Umland
Deutschlands Stadtplanern ignorieren die demographische Entwicklung:
"Trotz schrumpfender Bevölkerungszahlen weisen die meisten Städte nur restriktiv
neues Bauland aus und treiben finanziell gutgestellte Familien weiter ins
Umland", kritisiert Volker Eichener, Geschäftsführer des Instituts für
Wohnungswesen, Stadt- und Regionalentwicklung (Inwis) der Ruhr-Universität
Bochum.
Dadurch werde die soziale Entmischung und die Ghettobildung in den Städten
weiter vorangetrieben, warnt Eichener. "Die kaufkräftigen Teile der
Mittelschicht wandern ins Umland ab, zurück bleiben die Sozialschwachen und in
einigen Nobelquartieren gutverdienende Singles und Angehörige der Oberschicht."
Diese Entwicklung werde schon bald dramatische Konsequenzen haben,
prognostiziert der Wissenschaftler. "Wenn die Kommunen nicht in wenigen Jahren
unter der Last der Sozialleistungen zusammenbrechen wollen, müßten sie
schnellstens beginnen, intensiv um die Mittelschicht zu werben." Schon bald
werde die schrumpfende Bevölkerung die Städte in einen Wettbewerb um
finanzkräftige Einwohner zwingen, sagt Eichener. Nach Berechnungen des
Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerungszahl von derzeit 82,5 Mio.
Einwohner bis 2050 auf 75 bis 70 Mio. zurückgehen. Der bereits 1966 begonnene
Rückgang der Geburtenrate hat inzwischen dramatische Ausmaße angenommen. Nur
noch 676 000 Babys wurden vergangenes Jahr geboren. 2004 waren es noch 706 000.
"Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, daß Städte wie Essen noch immer
Bauland zu Preisen von bis zu 500 Euro/qm verkaufen", sagt Eichener. Für
Familien seien lediglich Preise von bis zu 100 Euro/qm finanzierbar. "Ein
Kämmerer kassiert nicht, wenn er Grundstücke teuer verkauft, sondern wenn er
neue Einwohner anlockt oder die Bevölkerungszahl zumindest stabil hält", betont
der Institutsleiter. Denn jeder Einwohner verschaffe einer Stadt durch
Schlüsselzuweisungen, Gebühren und Steuern im Schnitt 2000 Euro pro Jahr.
"Rockefeller hat Petroleum-Lampen verschenkt, damit die Leute sein Öl kaufen",
sagt Eichener. Nach dieser Devise müßten auch Städte verfahren und billiges
Bauland zur Verfügung stellen, um Einwohner zu halten und neue Bürger
anzulocken. Daß dieses Konzept aufgeht, zeige das Beispiel Dortmund. 1995 habe
das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalens der Stadt am Rand des
Ruhrgebiets bis heute einen Bevölkerungsverlust von sieben Prozent
prognostiziert, sagt der Institutsleiter. "Tatsächlich ist die Einwohnerzahl
jedoch konstant geblieben, weil Dortmund eine große Baulandoffensive gestartet
hat."
Durch die großflächige Ausweisung neuer Baugebiete sei nicht nur das
Flächenangebot explodiert. "Die Stadt hat gleichzeitig die Bauträger in einen
Preiswettbewerb gezwungen", erläutert Eichener. Als Folge könne eine vierköpfige
Familie in Dortmund heute ein neues Reihenhaus für nur 150 000 Euro erstehen.
Daß Bürger, die heute ins Umland ziehen, im Alter sowieso in die Stadt
zurückkehren werden, hält Eichener für eine gewagte These. "Darauf sollte keine
Verwaltung setzen." Zwar sei es richtig, daß steigende Ölpreise und die
schlechter werdende medizinische Versorgung in suburbanen Regionen langfristig
zu einer Entvölkerung der ländlichen Räume führen werden. "Wer aber heute ein
Einfamilienhaus im Grünen erwirbt, wird es möglicherweise in 20 oder 30 Jahren
gar nicht gegen ein Apartment in der Stadt eintauschen können", meint der
Institutsleiter. "Weil die Nachfrage nach diesen Objekten drastisch schwinden
wird, werden viele der heutigen Käufer im Alter auf Gedeih und Verderb an diese
Immobilien gebunden sein."
www.welt.de
28.04.2006
Der Auftakt zum Stadtumbau West
Die Städte Schwarzenbach am Wald, Selbitz und Naila haben im Rahmen des
Projekts Stadtumbau West ein Entwicklungskonzept in Auftrag gegeben. Es soll
Chancen der städtischen Entwicklung zeigen und Maßnahmen erarbeiten zur Stärkung
und Verbesserung des Wohnens, der Innenstädte, des Arbeitsplatzangebots sowie
der Freizeit und des Tourismus. Mit der Erarbeitung der Studie gehen die drei
Städte einen neuen Weg. Die zukünftige Entwicklung wird nicht mehr als eine
ausschließliche Aufgabe der einzelnen Stadt begriffen, sondern soll gemeinsam in
Angriff genommen werden. Der Blick über die Stadtgrenzen hinaus auf die
Nachbarstädte soll deutlich machen, welche Aufgaben zukünftig in der Kooperation
besser gelöst werden und welche Maßnahmen überhaupt nur gemeinsam umgesetzt
werden können.
www.frankenpost.de
28.04.2006
Chemnitz: Neues Zusammenleben in alten Häusern
Eine Gruppe von Frauen um die 60 Jahre will sich gemeinsam in ein Haus
einmieten. Jeder für sich, aber mit Gemeinschaftsräumen und Gästezimmern für
Kinder und Enkel.Der Besitzer eines leer stehenden Hauses sucht dringend Mieter,
nach deren Vorstellung er mit der Sanierung des Gebäudes beginnen kann.
Wer bringt alle Interessenten unter einem Hut? In Chemnitz gibt es jetzt eine
Antwort: Die Agentur Stadt-Wohnen. In einem wohl für den Stadtumbau Ost bisher
einmaligen Modell- und Forschungsprojekt, das von der Bundesregierung finanziell
unterstützt wird, werden Interessengruppen für neue Wohnformen und
Hauseigentümer zusammengebracht.
www.freiepresse.de
25.04.2006
Höchstadt: Bagger rollen auf das Manz-Gelände
In Höchstadt wird derzeit eine Großbaustelle nach der anderen
eingerichtet. Nach dem Baubeginn am Vogelseck rollten gestern die Bagger und
Baumaschinen auf dem ehemaligen Manz/Fortuna-Gelände an. An der alten
Schuhfabrik sind die Abriss- und Umbauarbeiten für das Höchstadter Kulturzentrum
und das neue Domizil der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt (VG) angelaufen.Der
Umbau des denkmalgeschützten Fabrikgebäudes in ein Kultur- und Jugendzentrum
wird rund fünf Millionen Euro verschlingen. Auf weitere 1,2 Millionen ist die
Sanierung des Westflügels veranschlagt, in den die VG einzieht. Für das
Kulturzentrum rechnet Bürgermeister Brehm mit einem Eigenanteil der Stadt von
maximal zwei Millionen Euro, der Rest kommt als Zuschuss von der Landesstiftung
und dem Entschädigungsfonds für Denkmalpflege, dem Programm „Stadtumbau West“
und dem Bayerischen Jugendring. Die Kosten für die Sanierung des VG-Traktes
sollen sich langfristig über die Miete amortisieren. Eine weitere Zuschussquelle
hat Brehm für den späteren Betrieb des Kulturzentrums im Auge. So soll es für
„Mehrgenerationshäuser“ fünf Mal 40 000 Euro Betriebskostenzuschuss geben.
Jeweils ein Pilotprojekt soll in jedem Landkreis gefördert werden. Das
Kulturzentrum könnte ein solches Pilotprojekt werden, ist darin unter anderem
doch die Unterbringung von Jugendzentrum, städtischer Bücherei, Musikschule, VHS
und Seniorenräumen geplant.
www.fraenkischer-tag.de
25.04.2006
Mestlin: In dieser Woche kommt die Abrissbirne zum
Einsatz
Der komplette Rückbau des ersten Wohnblocks in der Mestliner
Fritz-Reuter-Straße hat dieser Tage begonnen. Die Firma Dörner aus Crivitz hat
den Zuschlag für den Abriss der Blöcke mit zwölf Wohnungen erhalten. "Der
Wohnungsleerstand in Mestlin ist drastisch gestiegen und die laufenden
Unterhaltungskosten steigen ins Unermessliche", begründete die
Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnungsgesellschaft Mildenitz, Petra Steiniger,
die Maßnahme. Die Mieter des betroffenen Blockes sind umgezogen. Da der
Wohnblock erst vor zehn Jahren saniert wurde, sind etliche Bauteile noch gut
erhalten und können verwertet werden. "Die Fenster zum Beispiel werden so
ausgebaut, dass möglichst keine Schäden entstehen. Nach einer Aufarbeitung
können diese dann später an anderen Orten wieder eingesetzt werden", so
Bauleiter Hans Schleede. Ein weiterer Wohnblock mit 26 Wohnungen steht auf der
Abrissliste. Für die Kosten des Abrisses erhält Mestlin eine Landesförderung von
rund 160000 Euro aus dem Fond Stadtumbau Ost.
www.svz.de
22.04.2006
Luckenwalde: Ein Garten für jedermann
Künstler und Architekten des Landes Brandenburg haben die
Stadtrauminitiative Brandenburg gegründet, die sich auch in der Kreisstadt
Luckenwalde um frei gewordene Abrissflächen und leer stehende Häuser kümmern
will. Nun wurde die Idee geboren, in Luckenwalde einen "Garten für jedermann" zu
errichten - als Anschauungsobjekt und Treffpunkt.
"Wir wollen die durch Abriss entstandenen Lücken als Möglichkeit zur Gestaltung
annehmen und mit wiederverwerteten Baumaterialien eine Gartenlandschaft
schaffen", erklärt Silke Riechert das Vorhaben. Die Berliner Künstlerin hat in
Luckenwalde bisher unter anderem durch ihre Skulptur an der Großen
Weinbergstraße zur Erinnerung an die Mendelsohnhalle auf sich aufmerksam
gemacht.
Für den geplanten Garten suchen die Initiatoren noch interessierte Bürger als
Mitstreiter. "Der Garten nimmt Ideen von allen Mitwirkenden auf, er wird mit
eigener Kraft gestaltet und gepflegt - auch die Mitnahme von Blumen und Kräutern
ist möglich", sagt Silke Riechert. Langfristig soll die neue Attraktion in einen
Themengarten verwandelt werden - zum Beispiel in einen Schmetterlingsgarten.
Darüber hinaus sollen zweimal im Jahr auswärtige Künstler und Architekten
eingeladen werden, um einen Beitrag zum Thema Garten und Stadtumbau zu leisten.
www.maerkischeallgemeine.de
22.04.2006
Aus Stadtentwicklung wird Stadtabwicklung
Hausbesitzer, Immobilienmakler, Investoren, Architekten schlagen Alarm.
Von einem "beschämenden Vergehen an der Baukultur" spricht der Chemnitzer
Architekt Frank Kotzerke. "Chemnitz verfügt, trotz Kriegszerstörung der
kompletten Innenstadt, über ausgedehnte Gründerzeitviertel mit nahezu lückenlos
geschlossener Karreestruktur," erläutert der Architekt. Seiner Meinung nach "ein
stadtbildprägendes Kulturgut", das in jedem Fall erhalten werden sollte. Doch
die Stadtverwaltung scheint es trotz anders lautenden Lippenbekenntnissen anders
zu sehen: "Seit jüngster Vergangenheit," so Kotzerke, "sieht man vermehrt
riesige Bagger wahllos an städtebaulich markanten und wichtigen Eckhäusern nagen
oder Lücken in geschlossene Straßenzüge brechen. Chemnitz beraubt sich seiner
Visitenkarte."
Der Weißenfelser Buchhändler Hartwig Arps kritisiert "Fehlplanungen an der
Peripherie der Stadt, während die Innenstadt mangels eines geschlossenen
Konzeptes zu großen Teilen weiter zerfällt". Obwohl 45 Mio. Euro
Sanierungsmittel nach Weißenfels geflossen seien, sehe die Innenstadt teilweise
noch immer so aus, "als wäre der letzte Krieg gerade zu Ende gegangen", klagt
der Geschäftsmann. Und es solle genauso weitergehen. Wie in der Schützenstraße
sollten ganze historische Straßenzüge und soundsoviele Eckhäuser geopfert
werden. "Solche Eckgrundstücke," konstatiert Arps, der selbst schon mehrere
gefährdete Häuser in der Novalisstadt gerettet hat, "haben besondere statische
Stützfunktionen für die benachbarten Grundstücke und letztendlich für ganze
Straßen. Abrisse in solchen Bereichen führen daher zu riesigen Schäden im
Umfeld."
In Leipzig prophezeiht das Stadtforum, ein Zusammenschluß aufgebrachter Bürger
unter Führung von Rechtsanwälten und Architekten: "Nach den zahlreichen sinn-
und verantwortungslosen Abbrüchen der letzten Jahre, von denen das
Henriette-Goldtschmidt-Haus, das Haus Karl-Heine-Straße 30, die Kleine
Funkenburg und erst kürzlich die Reudnitzer Wagenhalle nur die prominentesten
Beispiele sind, soll der Abriß nun verstärkt innerhalb gewachsener
innerstädtischer Wohnquartiere weitergehen."
Dabei hatte gerade Leipzig noch unlängst als Beispiel einer erfolgreichen
Innenstadtaufwertung gegolten. 4 000 Einwohner, so der Staatssekretär im
Bundesbauministerium, Engelbert Lütke Daldrup, sind seit der Wiedervereinigung
Deutschlands aus Stadtrandwohnungen in die zu DDR-Zeiten flächenhaft dem
Totalverfall entgegengehende Leipziger Innenstadt zurückgekehrt und haben
sanierte Gründerzeithäuser bezogen. In einer Studie des Berliner Difu-Instituts
wurde Leipzig neben München zum Modellfall für die neue Attraktivität der
Innenstädte erhoben. Umso drängender stellt sich die Frage: Wie konnte es zu der
abrupten Trendwende kommen?
Nach Ansicht von Thomas Ungethüm, Präsident von Haus & Grund Sachsen, hat die
Politik die Weichen falsch gestellt. Bei der Ausgestaltung der
Stadtumbaustrategien hätten einige Bundesländer die kommunalen
Wohnungsunternehmen systematisch bevorzugt. Die Folge: Während die Großvermieter
Kasse machen, stünden 20 Prozent der mittelständischen privaten Vermieter in
Leipzig vor dem Ruin.
Wie das "Kassemachen" funktioniert, rechnet der Leipziger Investor Hartmut
Panzer vor, Chef der Exclusiv Bau GmbH mit Sitz in Anger-Crottendorf. Für 175
Wohnungen in einem denkmalgeschützten Straßenzug in Leipzig-Eutritzsch, die seit
langem leerstehen, hatte er der städtischen Wohnungsbaugesellschaft LWB 500 000
Euro geboten. Doch die lehnte ab und verlangte den vierfachen Preis, obwohl das
Angebot nach Panzers Angaben dem Zeitwert 2002 entsprach. Die Rechnung der LWB
dagegen sieht so aus: Für den Abriß kassiert das kommunale Unternehmen 60
Euro/qm Fördermittel, was bei 10 000 qm Wohnfläche der Anlage an der Zerbster
Straße 600 000 Euro ergibt. Gleichzeitig werden ihr die auf den Häusern
lastenden Altschulden in Höhe von 770 000 Euro erlassen. Bei einem Verkauf für
500 000 Euro hätte das Unternehmen nicht nur den kompletten Verkaufserlös,
sondern auch noch eigenes Geld an den Bund überweisen müssen, nur um die
Altschulden abzudecken - für Unternehmenssprecher Gregor Hoffmann ein
indiskutables Geschäft.
www.welt.de
15.04.2006
Brandenburgs Landesetat droht Millionenverlust
Brandenburgs Landesregierung befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge
Millionenverluste durch Pleiten auf dem Wohnungsmarkt. Der mögliche Etatausfall
belaufe sich derzeit auf 316 Millionen Euro. Hintergrund seien zinsgünstige
Kredite in Höhe von rund 4,8 Milliarden Euro, die das Land in der Hoffnung auf
einen deutlichen Einwohnerzuwachs seit 1990 für den sozialen Wohnungsbau und an
Bauherren ausgereicht hatte. Inzwischen stünden jedoch bereits 165.000 Wohnungen
leer, und in manchen Regionen sei der Wohnungsmarkt zusammengebrochen, heißt es.
Auch geförderte Objekte seien in Mitleidenschaft gezogen. Zwar seien die
Verluste nach Einschätzung der Ministerien und der Landesinvestitionsbank (ILB)
"beherrschbar". Aber die Gefahr wachse, dass die Kredite nicht zurückgezahlt
werden könnten, heißt es weiter.
www.rbb-online.de
15.04.2006
Neue Strategien für alte Siedlungen
Architektonisch von großer Bedeutung, aber für die Bewohner oft nicht
mehr zeitgemäß – so lässt sich das Schicksal vieler größerer Wohnsiedlungen in
Berlin beschreiben. Zwar stehen bekannte Anlagen wie die von Bruno Taut
entworfene Hufeisensiedlung in Britz, die Thermometersiedlung in Lichterfelde
oder die „Reichsforschungssiedlung“ von Walter Gropius in Haselhorst unter
Denkmalschutz. Auch wurden viele Wohnungen inzwischen modernisiert. Doch noch
immer verfügt ein Teil der Anfang oder Mitte des vorigen Jahrhunderts
errichteten Siedlungen über Wohnungsgrößen und Grundrisse, die nicht den
heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Zum ersten Mal hat der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen
(BBU) in einem „Siedlungsforum“ versucht, Stärken und Schwächen der Berliner
Siedlungen zu analysieren und Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Die
Wünsche der Bewohner wurden dabei ebenso ermittelt wie die Anforderungen an eine
zielgruppenorientierte Vermarktung der Wohnungen.
Urs Kohlbrenner, Architekt und Stadtplaner, über das Grundproblem: „Die
Siedlungen waren auf Durchschnittsfamilie mit Durchschnittseinkommen
ausgerichtet“. Doch diese gebe es heute kaum noch: Inzwischen werde jede zweite
Wohnung in Berlin von einem so genannten „Ein-Personen-Haushalt“ genutzt. Drei
oder mehr Personen zähle dagegen nur noch jeder fünfte Haushalt. Deshalb sei
eine Leerstandsquoten von zwölf Prozent in Großsiedlung nicht selten.
Noch drängender ist das Altersproblem: „In manchen Siedlungen stirbt die
Bevölkerung langsam weg“, so Kohlbrenner. In vielen Wohnungen der Marzahner und
Hellersdorfer Plattenbauten zum Beispiel habe seit dem Erstbezug kein
Mieterwechsel mehr stattgefunden, so Siegfried Rehberg vom BBU. Mit zunehmendem
Alter veränderten sich aber auch die Ansprüche der Mieter. Das betrifft die
Ausstattung der Wohnung und die Infrastruktur in der Siedlung. Statt eines
Spielplatzes vor der Haustür sei der Einkaufsservice gefragt. In naher Zukunft
werde sich dieses Problem mit dem prognostizierten Anstieg des
Durchschnittsalters auf 43,6 Jahre sogar noch verschärfen.
Die Gewobag hat reagiert. Gemeinsam mit dem Institut für innovatives Bauen hat
sie drei Zielgruppen ermittelt und entsprechende Wohnungstypen in der
Reichsforschungssiedlung entwickelt: „Trend, Modern und Klassik“ . Diese
unterscheiden sich in der Größe: Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien
und 55 bis 65 Quadratmeter große Wohnungen für Ältere. Außerdem ist die
Ausstattung verschieden: Die Trend-Wohnungen für Jüngere haben im Bad
schwarz-weiße Objekte sowie gestrichene Dielen. Diese rund 500 Wohnungen werden
aber nur verkauft. Bei Mietwohnungen seien derartige Differenzierungen nicht
finanzierbar.
Oft müsse bei der Neuvermietung aber ohnehin das Bad instand gesetzt werden.
Dann könne man auch auf Wünsche des Mieters eingehen, sagt Rehberg von der BBU.
Außerdem komme es immer häufiger zu Modernisierungsvereinbarungen: Der
Eigentümer modernisiert und der Mieter stimmt im Gegenzug einer höheren Miete
zu. Kompromisse seien ohnehin gefragt: Denn die Bevölkerungszahl in Berlin werde
bis 2020 nicht nennenswert steigen, daher wachse die Konkurrenz – zwischen den
Lagen und zwischen den Unternehmen. Schon heute stünden in Berlin rund 100 000
Wohnungen leer. „Die Eigentümer müssen sich zwangsläufig stärker am Kunden
orientieren“, sagt auch Kohlbrenner.
Schon heute sei es schwer, eine Wohnung zu vermieten, wenn es keinen Balkon
gibt, das Bad innen liegt und das Haus an einer Hauptverkehrsstraße, so Rehberg.
„Zudem haben sich Hartz IV und sinkende Einkommen kolossal auf den Wohnungsmarkt
ausgewirkt.“ Kleine Wohnungen, noch vor einiger Zeit schlecht vermietbar, würden
stärker nachgefragt. Auch viele Familien könnten sich keine größeren Wohnungen
mehr leisten. Im Ostteil der Stadt würden große Wohnungen zunehmend aufgeteilt,
im Westteil die Zusammenlegung kleinerer Wohnungen gestoppt. Anders als beim Bau
der Siedlungen seien heute auch größere Bäder und Küchen sowie „neutrale“
Raumgrößen gefragt – und nicht mehr große Wohn- und winzige Kinderzimmer. Und
wichtiger als Komfort sei vielen Bewohnern im Ostteil der Stadt eine niedrige
Miete, so Rehberg. Zu den weiteren Wünschen der Bewohner gehören mehr Angebote
für Kinder und Jugendliche im Wohnumfeld sowie Dienstleistungen und Service für
Ältere. Dazu zählen barrierefreie Wohnungen ebenso wie der Schutz vor Lärm und
zusätzliche Sicherheitsanlagen. Weil das Angebot an Wohnungen in der Stadt gut
ist, seien viele Mieter außerdem immer weniger zu Kompromissen bereit, meinen
Rehberg und Kohlbrenner: „Es wird häufiger umgezogen und die Zeit zwischen den
Wohnungswechseln kürzer.“ Hinzu komme, dass die Ansprüche der Mieter – abhängig
von ihrer jeweiligen Lebenssituation – stärker wechselten als früher. „Die
Bedürfnisse sind oft kurzlebig“, sagt Kohlbrenner.
archiv.tagesspiegel.de
13.04.2006
Kyritz: Ein Quartett
Ein Trio ist schon in Kyritz verschwunden, nun wird daraus ein Quartett.
In der Straße Am Bahnhof und in der Robestraße erinnern lediglich noch
Kiesflächen daran, dass hier einmal Mehrfamilienhäuser gestanden haben. In der
Poststraße ist es immerhin schon Mutterboden, der das Loch ausfüllt. Dafür ist
durch den Abriss des Hauses der Blick frei geworden auf unschöne Schuppen.
Man kann es drehen und wenden, wie man will - der Abriss ist wirklich die
einzige Alternative, um gegen den Wohnungsleerstand in Kyritz anzugehen. Jetzt
ist in der Pestalozzistraße 5 ein Block dran, der Anfang der 90er Jahre für viel
Geld saniert worden ist. Trotzdem: Auch Leerstand kostet Geld. Klar also, dass
man abreißt, zumal, wenn dafür sogar noch Fördermittel fließen. Das irgendwann
einmal in Kyritz Wohnungen fehlen könnten, das darf man mit Sicherheit
ausschließen.
www.maerkischeallgemeine.de
12.04.2006
Schwerin: Wegzug aus Mueßer Holz nicht
gestoppt
Die auf der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung beschlossene Fortschreibung des
Stadtumbau-Programmes für die Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und
Mueßer Holz wird von den Sozialdemokraten nachdrücklich begrüßt. Sie schlagen
aber einen viel stärkeren Rückbau vor. "Wir stellen fest, dass die
Städtebaufördermittel in Mueßer Holz zwar für eine Verschönerung, aber im
Vergleich zu Neu Zippendorf nicht für den erhofften Abwanderungsstopp gesorgt
haben. Die aktuellen Einwohnerzahlen vom 31. März sprechen leider eine deutliche
Sprache", so Daniel Meslien, Sprecher der SPD-Fraktion für die Stadtteile Neu
Zippendorf und Mueßer Holz.
Mit inzwischen 12124 Bewohnern liegt das Mueßer Holz nur noch ganz knapp vor der
Weststadt und wird auch noch in diesem Jahr den Titel des größten Stadtteils
verlieren. In Neu Zippendorf (6402) und auf dem Großen Dreesch (8307) gab es
auch Verluste, die jedoch vergleichsweise gering ausgefallen sind. "Es wird
Zeit, dass die Schweriner Leitbilddiskussion endlich in die Gänge kommt. Wir
müssen Stadtentwicklung viel stärker stadtteilübergreifend betrachten", fordert
Meslien. So sei beispielsweise ein Drittel der mehr als 22 000 Bewohner der
Stadtteile Lankow und Weststadt älter als 65. Nach Ansicht der SPD-Fraktion
müsse man schon jetzt offen darüber sprechen, wie mit dem demografisch bedingten
Einwohnerverlust dort in den nächsten 15 Jahren umgegangen wird, damit diese
Ortsteile lebendig bleiben. Es sei davon auszugehen, dass es zu einer
verstärkten Wanderung vom Mueßer Holz in die Weststadt und nach Lankow kommt, da
dort eine intakte Infrastruktur vorhanden ist und komplex sanierte Wohnungen zu
verträglichen Preisen angeboten werden. Wer es sich leisten kann, ziehe dagegen
zunehmend in die Innenstadt.
Nach Berechnungen Mesliens wird das Mueßer Holz schon in 15 Jahren nur noch rund
6000 Einwohner haben. Die kommunale Infrastruktur wird deshalb perspektivisch
nicht so bleiben können. "In Zeiten leerer Kassen muss jede Investition auf ihre
Nachhaltigkeit überprüft werden. Komplexe Schulsanierungen werden hier wohl
leider nicht mehr stattfinden können", sagt Meslien. Es mache auch keinen Sinn,
die Hamburger Allee zu einer den Stadtteil zerschneidenden Magistrale
umzugestalten. Die SPD-Fraktion spricht sich dafür aus, die demografischen
Veränderungen positiv zu nutzen. So sollte versucht werden, Mueßer Holz
langfristig bewusst auf zwei kleine Siedlungskerne "gesund" zu schrumpfen, um
die derzeitige großflächenbedingte Anonymität überwinden zu können. Aufgrund der
vorhandenen Erschließung im Erdreich sei es vorstellbar, die freigewordenen
Flächen in attraktiver Lage perspektivisch für junge Familien als
überdurchschnittlich günstiges Bauland zur Verfügung zu stellen.
www.svz.de
10.04.2006
Mehr leere Wohnungen abreißen
Das Wohnungsbauprogramm "Stadtumbau Ost" soll über das Jahr 2009 hinaus
weitergeführt werden. Wie Bundesbauminister Tiefensee sagte, stehen
derzeit mehr als eine Million Wohnungen leer. Es müsse daher überlegt werden,
wenig bewohnte Wohnviertel komplett abzureißen. Der Unterhalt der
Versorgungsnetze für Strom, Wasser und Wärme treibe sonst die Nebenkosten in die
Höhe. Für die kommenden Jahre stellte Tiefensee 620 Millionen Euro für den
Stadtumbau in Ost- und Westdeutschland in Aussicht. Auch Städte im Westen
müssten wegen sinkender Einwohnerzahlen Wohnungen abreißen, so der Minister.
www.mdr.de
07.04.2006
Ost-Kommunen statt Unternehmen fördern
Nach der Veröffentlichung des Statusberichts zum Stadtumbau Ost (wie berichtet)
sieht die Eigentümerschutz-Gemeinschaft "Haus & Grund" ihre Auffassung
bestätigt, daß das Programm einer Kursänderung bedarf: "Mehr Aufwertung der
vorhandenen Stadtstrukturen unter Einbindung der privaten Eigentümer".
Der Statusbericht zeige auf, daß der Großteil der zur Verfügung gestellten
Mittel in den Abriß bzw. Rückbau vorhandener Bestände vor allem beim Plattenbau
investiert wird. "Damit fördert das Programm Stadtumbau Ost vorrangig
Wohnungsunternehmen, nicht aber Städte", kritisiert Haus-& Grund-Präsident
Rüdiger Dorn. Funktionierende Wohnungsmärkte und intakte Stadtstrukturen seien
mit diesem Förderschwerpunkt nicht zu sichern. Dringend geboten sei die
Umorientierung hin zur verstärkten städtebaulichen Aufwertung und Sanierung der
Bestände.
www.welt.de
07.04.2006
Schwedt: beendet Abriss von Hochhäusern
Der Abriss von Hochhäusern wird in Schwedt (Uckermark) jetzt beendet.
Seit 1999 wurden 16 elfgeschossige Plattenbauten abgebrochen. An diesem Montag
wird die letzte Platte eines solchen Wohnhauses demontiert. "Ein wichtiges
Kapitel beim Stadtumbau Schwedts ist damit abgeschlossen und Geschichte", teilte
die Stadt mit. Der Rückbau weiterer Hochhäuser sei nicht vorgesehen. Der
Stadtumbau gehe weiter, aber nicht mehr in dieser Dimension, sagte Bürgermeister
Jürgen Polzehl am Donnerstag. "Bis Ende des Jahres werden rund 5000 Wohnungen
abgerissen sein." Nach Einschätzung des Infrastrukturministeriums hat die
Kommune sich für die Organisation des Stadtumbaus Anerkennung und Respekt
verdient. "Die Stadt hat frühzeitig mit den Abrissen begonnen und war seit
Beginn des Programms im Jahr 2002 der Spitzenreiter", sagte Ministeriumssprecher
Lothar Wiegand. Jetzt könne sie sich auf das "Abrunden" der Projekte
konzentrieren. Kommunen mit schwierigen Stadtumbauprozessen könnten sich in
Schwedt Rat holen.
www.svz.de
06.04.2006
Kasel/Kostheim: "Stadtumbau nicht ohne Fehl und
Tadel"
Auch das Stadtumbau-Projekt, mit dem sterbende Industrieflächen bis zum
Jahr 2020 in blühende Wohnviertel umgewandelt werden sollen, sei nicht ohne Fehl
und Tadel. Hier müsse ökologisch und sozialpolitisch nachgebessert werden, damit
nicht die Fehler wiederholt würden, die im Wohnviertel Krautgärten gemacht
worden seien. In den zum Stadtumbau vorgesehenen Terrains müsse der Grünanteil
erhöht und eine Verkehrspolitik ins Auge gefasst werden, die dem Busverkehr
nicht im Wege stehe. Der Stadtumbau führe zu einer Änderung der
Einwohnerstruktur und zu "Umschichtungen in der Bevölkerung". Daher müsse auch
die Kritik an der geplanten Verlagerung des Sozialamtes von Kostheim in den
Industriepark Kalle-Albert neu bewertet werden: "Wenn etwas von sozialen
Brennpunkten fortbewegt wird, dann kann es nicht besser werden", sagte Porten.
Den Anlass für seine kritischen Anmerkungen boten zwei Informationstreffen des
Stadtplanungsamts für Kommunalpolitiker am Dienstag. Eine Runde in der
Ortsverwaltung sei zwar stark besucht, aber von wenig Diskussionsfreude geprägt
gewesen. Ein zur gleichen Zeit im Rathaus für Stadtverordnete angebotenes
Informationsforum habe mit dem Besuch von einer Person eine "mäßige" Resonanz
gefunden, berichtete Stadtplaner Marcus Vaupel.
Für das heutige öffentliche Planungsforum hat die Stadt rund 180 Bürger
persönlich eingeladen, unter denen sich nicht nur Vertreter des Kulturlebens und
andere, für den Fortgang der Planungen wichtige Personen befinden. Sondern auch
die Teilnehmer des Kasteler Rheinuferforums, die vor einigen Jahren mit großen
Erwartungen Zukunftsvisionen für die Umgestaltung der Kasteler Rheinpromenade
entworfen hatten. Ziel des Projekts Stadtumbau ist es, verlassenen
Industrieflächen im Karree zwischen Linde-Werk, Industriehof, Stahlbau Hammer
und Philippshof mit Hilfe des Landesprogramms Stadtumbau bis zum Jahr 2020 ein
anderes Profil zu geben. Eine Auseinandersetzung mit dem Projekt lohne sich in
jedem Fall, da Entwürfe wie die Rheinpromenaden-Gestaltung erneut aufgegriffen
werden könnten. "20 Prozent der Projekte berühren Kastel, 80 Prozent Kostheim",
berichtete der stellvertretende Ortsvorsteher Porten.
Im Grunde genommen handele es sich beim geplanten Stadtumbau um ein Bündel von
Einzelprojekten, die nicht nur beschlossen, sondern zum Teil auch schon
verwirklicht seien. Offenbar wolle die Stadt ein Gesamtpaket schnüren, um das
Programm passgenau an den Vorgaben des Landesprogramms auszurichten, mit dem
eine Menge Geld verbunden sei. So stelle das Land 2006 rund 500 000 Euro für
eine Anschubfinanzierung zur Verfügung, wenn die Stadt in den nächsten vier
Jahren selbst jeweils 174 000 Euro beisteuere.
www.allgemeine-zeitung.de
06.04.2006
Schwerin: Wohnungsbestand dem Bedarf anpassen
In der Tallinner und der Vidiner Straße ist der Stadtumbau am
deutlichsten zu sehen. Ganze Wohnblöcke verschwinden, andere werden in der Zahl
der Stockwerke reduziert. Das Milliardenprogramm der Bundesregierung wirkt –
sichtbar auch in Schwerin.Doch so unkompliziert wie im Stadtteil Neu Zippendorf
ist es nicht immer, betont Stadtplaner Hans-Hermann Bode. "Durch den
Kooperationsvertrag mit der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) und der
Wohnungsgesellschaft (WGS) konnten wir das Projekt ,Wohnen in Schwerin 2010’ in
Angriff nehmen", sagt Bode. "Ohne die Vermieter als Partner ist solch eine
zukunftsweisende Entscheidung aber nicht möglich." Was in Neu Zippendorf
beispielgebend funktioniert, ist beispielsweise im Mueßer Holz schwieriger. "Wir
haben viele Vermieter, manchmal auch nur Banken, die als Treuhänder fungieren."
Dennoch hält die Stadt am "Stadtumbau Ost" – dem Milliardenprogramm der
Bundesregierung – fest. Es gebe keine Alternative, sagt Bode. "Auch bei einem
deutlich abgeschwächten Bevölkerungsrückgang gibt es auf Stadtteilebene –
insbesondere in Neu Zippendorf und im Mueßer Holz – nach wie vor
Handlungsbedarf." Ziel müsse es bleiben, alle Einzelmaßnahmen von Stadtumbau und
Aufwertung in ein abgestimmtes Konzept der Stadtteilentwicklung zu integrieren.
Deshalb sei die Kooperation mit allen Beteiligten wichtig. Die
Arbeitsgemeinschaft Stadtumbau koordiniere zwischen Bürgern, Vermietern, Banken
und Bürgern.
www.svz.de
06.04.2006
Chemnitz: Mehr Steuerung beim Stadtumbau
Eine Initiative auf dem Sonnenberg wirbt für Sanierung statt Abriss.
Wenngleich auch weiterhin noch viele Häuser mangels Bedarf abgerissen werden
müssen, soll das künftig planvoller geschehen. Überflüssigen Wohnraum zu
entfernen, war bisher das vorrangige Ziel im Rahmen des öffentlich geförderten
Stadtumbaus. Das hat mitunter zu hässlichen Baulücken in Chemnitz geführt. Nur,
wo zukunftsfähige und detaillierte Stadtentwicklungskonzepte vorgelegt werden
können, gibt es künftig noch öffentliches Umbau-Geld beziehungsweise
Fördermittel für den Abriss leer stehender Wohnhäuser.
www.freiepresse.de
03.04.2006
Gladenbach: Thermal-Freizeitbad als gemeinsames
Projekt
Ausgeklügelt haben den Plan die Bürgermeister der Kommunen. Als
angesichts der beiden geplanten Bäderneubauten in Bad Endbach und Gladenbach
Unmut und Konkurrenzdenken aufkamen, setzten sich die Parteifreunde Markus
Schäfer und Klaus-Dieter Knierim zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Die
Idee zum Bau einer gemeinsamen Anlage stieß beim Land Hessen schnell auf
Akzeptanz. Allein aus regionalplanerischer Sicht öffneten sich die Kommunen mit
dem Vorschlag die Tür zu satten Zuschüssen. Ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums bestätigte der OP gestern, dass mit einer Förderung in
Höhe von bis zu zehn Millionen Euro zu rechnen sei: „Das Konzept für ein
Thermen-Freizeitbad auf der Grenze zwischen zwei Gemeinden ist ein Symbol für
mehr Bereitschaft zur interkommunalen Zusammenarbeit, und das werden wir
selbstverständlich unterstützen.“
Rund 20 Millionen Euro soll das Superbad kosten. Fünf Millionen Euro will das
Land aus eigenen Mitteln zuschießen, vier Millionen Euro sollen aus dem
EU-Förderprogramm „Leader+“ fließen, und mit einer weiteren Millionen Euro
dürfen die Kommunen dank der Aufnahme ins Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“
rechnen. Um die Bezuschussung haben sich die Bürgermeister gemeinsam bemüht –
während geheimer Besuche in Wiesbaden, die in den vergangenen Monaten
stattfanden. Die Stadt Gladenbach will sich mit 6,7 Millionen Euro beteiligen.
Diesen Betrag zahlte die Versicherung als Entschädigung für das abgebrannte „Nautilust“
bereits aus. Die Gemeinde Bad Endbach will sich verpflichten, die dann noch
fehlenden 3,3 Millionen aus eigenen Mitteln bereitzustellen.
www.op-marburg.de
30.03.2006
Kostheim/Kastel: Bürgerbeteiligung startet
"Stadtumbau Kostheim/Kastel - Entwicklung für die Zukunft", so ist ein
Planungsforum überschrieben, mit dem die Stadt die Bürgerbeteiligung an der
geplanten Umformung aufgegebener Industriegrundstücke in den beiden Stadtteilen
am Donnerstag, 6. April, eröffnet. Das Treffen beginnt um 19 Uhr in der
Ortsverwaltung am Sankt Veiter Platz. Ziel ist es, einen Einblick zu vermitteln,
was es mit dem hessischen Landesprogramm Stadtumbau auf sich hat, mit dessen
Hilfe der wirtschaftliche Wandel in den beiden Vororten in die richtigen Bahnen
gelenkt werden kann. Dabei wollen Stadtplanungsamt und die Abteilung
Wohnbauförderung und Stadterneuerung Anregungen von Bürgern sammeln, um eine
Richtschnur für ihr weiteres Vorgehen zu erhalten. Das Stadtumbau-Terrain
umfasst das Geviert zwischen Waldhofstraße (Stahlbau Hammer), Kostheimer
Siedlung, Industriehof in Alt-Kostheim, Gückelsberg (Linde-Kältetechnik),
Floßhafen, Maaraue, Philippshof sowie das Rheinufer in Kastel.
Im Linde-Konzern, dem die Grundstücke des ehemaligen Standorts in Kostheim
gehören, ist noch keine Entscheidung über die Zukunft des Werks 1 am Floßhafen
gefallen. Das Terrain sei Bestandteil des Stadtumbauprogramms und die
Überlegungen seien im Gange. Für das Werk 2 bestehe ein langfristiger
Mietvertrag mit der Carrier-Gruppe, der weder verlängert noch gekündigt worden
sei, sondern einfach weiter bestehe.
www.main-rheiner.de
30.03.2006
Wolfen: Mieter bleiben trotz Umzug
Im vergangenen Jahr Fehlinvestitionen im Plattenbau
hat die WGW an ihren Wohnungsstandorten in Wolfen-Nord, im Krondorfer
Gebiet, in Sandersdorf-Nord und in der Bitterfelder Anhaltsiedlung weitere
Schritte nach vorn gehen können. Wie Jürgen Trümpler, technischer
Geschäftsführer, berichtet, konnte in Sandersdorf der komplette Bestand von 450
Wohnungen auf ein neues Heizsystem umgestellt werden. Rund 900 000 Euro wurden
dafür 2004 und 2005 aufgewendet. In Sandersdorf, so Gerhard Jaenichen,
kaufmännischer Geschäftsführer, werde es trotz Leerstand mittelfristig keinen
Abriss bei der WGW geben. Gleiches gelte für die Anhaltsiedlung.
In Wolfen-Nord indes sind bereits 2 320 Wohnungen vom Markt genommen worden. Mit
dem für dieses Jahr genehmigten werden es 2 827 sein. Hinter dem Wort Abriss
steckt allerdings auch bei der Genossenschaft ein ganzes Umzugsmanagement.
"Gleiche Qualität zum gleichen Preis - das ist die unterste Grenze", sagt
Jaenichen. In der Regel danken das die Mieter. Im vergangenen Jahr blieben 80
Prozent trotz notwendigen Umzugs bei der WGW. Gegenwärtig geht die
Genossenschaft, so Jaenichen, davon aus, dass sie künftig einen Gesamtbestand
von rund 6 500 Wohnungen haben wird. Einst waren es etwa 10 000. Was der
kaufmännische Vorstand betont, ist die Tatsache, dass in den zurück liegenden
acht Jahren die Kaltmiete bei der WGW gleich geblieben ist,
Modernisierungsumlagen ausgenommen.
Etwa 2,4 Millionen Euro stehen der Genossenschaft in diesem für Instandhaltung
und Investitionen zur Verfügung. Ein Schwerpunkt sind die Zuwegungen zu den
Wohnungen. Viel, so sagt Jürgen Trümpler, passiere unter der Erde,
beispielsweise bei der Gewährleistung der Entsorgung. Da müssten manchmal andere
Vorhaben zurück gestellt werden. Auch die Wohnungsgenossenschaft Wolfen wird
durch die gegenwärtige Wohnungsbaupolitik behindert. Da sich beispielsweise
Wolfen außerstande sieht, das geforderte Drittel bei der Finanzierung beim
Stadtumbau-Ost aufzubringen, folgt dem Abriss kaum die nötige Aufwertung in den
Wohnsiedlungen.
www.mz-web.de
30.03.2006
Fehlinvestitionen im Plattenbau
Läuft der "Stadtumbau Ost" in die falsche Richtung? In dem noch
unveröffentlichten ersten "Statusbericht Stadtumbau Ost" des
Bundesbauministeriums, der sich noch in der Abstimmung mit den Bundesländern
befindet, der WELT aber schon vorliegt, übt die beauftragte
"Bundestransferstelle Stadtumbau Ost" an der bisherigen Praxis unverhohlen
Kritik.
So sei der notwendige Rückbaubedarf in den Plattenbaugebieten vielfach "deutlich
unterschätzt" worden. Hier müsse bei Aufwertungsmaßnahmen "in noch viel
stärkerem Maße die Frage nach einer langfristigen Tragfähigkeit gestellt
werden". Werde diese Frage nicht ernstgenommen, bestehe die Gefahr "weiterer
Fehlinvestitionen".
Im Geleitwort des Berichtes weist Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee
selbst auf die eigentlichen Ziele des Stadtumbaus hin: Steigerung der
Attraktivität der Städte - insbesondere durch Stärkung der Innenstädte und
Erhalt wertvoller Altbausubstanz - sowie die Stabilisierung des Wohnungsmarkts
durch Abriß von rund 350 000 Wohneinheiten. Dafür stellten Bund, Länder und
Gemeinden im Zeitraum 2002 bis 2009 insgesamt rd. 2,5 Mrd. Euro zur Verfügung,
von denen allein die Bundesregierung rd. eine Mrd. Euro aufbringe.
Doch der Erfüllung dieser Ziele stellt der Statusbericht kein besonders
schmeichelhaftes Zeugnis aus. Mit dem Blick auf die Plattenbaugebiete mahnt er
an, Bestände, die langfristig möglicherweise nicht zu stabilisieren und auf dem
Wohnungsmarkt abzulösen sind, nicht allein nach "bestehenden Wohnpräferenzen der
derzeitigen Bewohner" zu beurteilen. Vielen dieser Siedlungen fehle ein größeres
Zuzugspotential, da die Bewohnerschaft bereits heute oft stark überaltert sei
und sich jüngere Bewohner von dieser Wohnform eher abwenden. Im Zweifelsfall
gelte es, die weitere Entwicklung erst zu beobachten, bevor weitere
Investitionen getätigt werden.
Demgegenüber müßten im Altbaubestand die Ressourcen stärker auf die
stadtentwicklungsrelevanten, image- und stadtbildprägenden Quartiere und Gebäude
konzentriert werden, während sich Rückbaumaßnahmen auf die "nicht
stadtbildprägenden Bestände" beschränken sollten. Jedem Abbruch in diesen
Stadtbereichen müsse eine "gründliche Abwägung" vorausgehen, die "aufgrund ihrer
Endgültigkeit für alle Akteure in der Stadt vertretbar sein" müsse: "Vor dem
Rückbau von Gebäuden ist die Frage zu beantworten, inwieweit diese Maßnahme
tatsächlich einen Zugewinn an neuer Stadtqualität ermöglicht. Im Zweifelsfall
ist es dann besser, Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen als einem vorschnellen
Rückbau zuzustimmen."
www.welt.de
28.03.2006
Chemnitz: Bürgerforum für Mitsprache beim
Stadtumbau
Neues Podium will historisch wertvolle Bausubstanz retten und Ideen sowie
Konzepte zum Erhalt des Gründerzeit-Flairs einbringen. Seit diesem
Wochenende hat Chemnitz ein Forum, das sich für den Erhalt historisch wertvoller
Bausubstanz und mehr Mitsprache beim Stadtumbau einsetzen will.Gegründet nach
dem Vorbild eines gleichartigen Leipziger Podiums, versteht sich das Bündnis als
offener Kreis von Bürgern, Vereinen, Studenten oder Firmen, denen das Chemnitzer
Stadtbild mit seiner Vielfalt an Architektur und Wohnkultur am Herzen liegt. Zur
ersten Versammlung trafen sich am vergangenen Freitagabend rund 20 Leute im
Kellerhaus am Schlossberg und diskutierten über die inhaltlichen Schwerpunkte.
www.freiepresse.de
28.03.2006
Schwerin: Stadtumbau dreht an Gebührenschraube
Das Milliardenprogramm Stadtumbau Ost ermöglicht es erstmals Vermietern,
leer stehende Wohnungen mit Fördermitteln des Bundes abzureißen. Damit verbunden
ist allerdings auch der Rückbau der technischen Infrastruktur. Doch die Ver- und
Entsorgungsunternehmen bleiben derzeit in Mecklenburg-Vorpommern auf den Kosten
sitzen. Die Folgen: Die Gebühren könnten steigen. Wer will schon wissen, welcher
Aufwand hinter dem Verlegen von Wasserleitungen steckt, wenn das köstliche Nass
verlässlich aus dem Wasserhahn sprudelt? Doch damit diese vertrauenswürdige
Tatsache so bleibt, müssen tagtäglich die Experten der Schweriner
Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG) präzise ihre Arbeit
erledigen. Doch ein – zumindest imaginärer – Blick unter die Erdoberfläche lohnt
sich. Denn das Leitungsnetz der Ver- und Entsorgungsunternehmen der Stadt wie
der WAG bereitet erhebliche Probleme. Schließlich wurde es gebaut für die damals
fast 130000 Einwohner Schwerins. Aufgrund der Wegzüge von Einwohnern, des
Wegfalls von Firmen, des Abzugs der Roten Armee und des Geburtenrückgangs gibt
es längst viel weniger Abnehmer von Wasser als gut für die Leitungen ist. Ein
weiteres Problem: Mit der Erschließung zahlreicher neuer Wohngebiete wuchs mit
dem kontinuierlichen Rückgang der angeforderten Wassermengen das Leitungsnetz.
Inzwischen gibt es mehr als 340 Kilometer Wasserleitungen im Schweriner
Erdreich. Der Verbrauch jedoch ist geschrumpft. Wurden im Tagesdurchschnitt im
Jahr 1988 noch 50 000 Kubikmeter Wasser verbraucht, sind es gegenwärtig nur noch
13 500. "Wir haben jährlich stetig steigende Kosten für die Rohrnetzspülung",
sagt WAG-Geschäftsführerin Gesine Strohmeyer. Diese sind notwendig, um die
Trinkwasserqualität zu erhalten. "Durch den extrem starken Rückgang im Verbrauch
gibt es lange Standzeiten des Wassers in den Leitungen, es setzen sich zudem
Sedimente ab", erklärt der Technik-Experte der WAG, Jürgen Deter. "Ohne die
Spülungen könnten wir nicht unseren hohen Ansprüchen der Wasserqualität Rechnung
tragen." Deshalb verwundert es nicht, wenn Strohmeyer und Deter mit den Augen
rollen, wenn ein neues Wohngebiet ausgerechnet in Warnitz entstehen soll.
Dorthin müssen neue Leitungen verlegt und auch Pumpstationen gebaut werden. Eine
Eigenheimsiedlung in Dreeschnähe wäre ihnen lieber. Denn das vorhandene
Leitungssystem ist nach wie vor auf die ehemals gut 60000 Einwohner ausgelegt.
Als wären diese Probleme noch nicht genug, bringt auch der groß angelegte
Stadtumbau Ost zusätzliche Schwierigkeiten. Denn der vom Bund großzügig
geförderte Rückbau der Immobilien beinhaltet nicht die unterirdischen leitungen.
Derzeit bleiben die Ver- und Entsorger allein auf den Kosten sitzen, um das
Leitungssystem unter der Erde dem tatsächlich vorhandenen Wohnungsbestand
anzupassen.
In der Tallinner und Vidiner Straße, wo die Wohnungsbaugenossenschaft SWG
gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft (WGS) nicht nur Wohnblöcke
abreißen lässt, sondern auch einzelne Geschosse abträgt, müssen auch die Wasser-
und Abwasserleitungen, die Stromversorgung sowie die Fernwärmestränge verringert
werden: Erhebliche Kosten für die kommunalen Unternehmen.
Auch wenn gegenwärtig noch kein Geschäftsführer eines kommunalen Ver- und
Entsorgungsunternehmens offen darüber spricht: Die Kosten dafür werden die
städtischen Firmen auf Dauer nicht allein tragen können. Die Folge: Die Gebühren
für Wasser, Abwasser, Strom und Fernwärme müssen zwangsläufig steigen.
www.svz.de
27.03.2006
Wuppertal: Keine Utopie: Arrenberg wird
Vorzeigeviertel
Es gibt Quartiere, die sind typisch für eine Stadt. Sie stehen für die
Industrie- und Kulturtradition, ihre Architektur ist typisch für bestimmte
Epochen und sie sind Symbol des Strukturwandels mit vielen Leerständen, maroder
Bausubstanz, sozialen Problemen, hohem Migrantenanteil. So ein Stadtteil ist der
Arrenberg. An der engsten Stelle des Tals verfällt ein Gründerzeitviertel, das
in direkter Nachbarschaft zu Wuppertals Vorzeigequartier liegt, dem Brill.
Ein Förderprogramm soll das ändern. Stadtumbau West heißt es in Anlehnung an das
Neue-Länder-Vorbild Stadtumbau Ost. Seit zwei Jahren arbeiten die Partner
darunter WSW, GWG, Wuppertaler Bau- und Sparverein, Barmer Wohnungsbau und
Stadtsparkasse an der Entwicklung des Arrenbergs. Jetzt soll das Engagement mit
300 000 Euro Startkapital aus dem Fördertopf von Stadtumbau West professionell
vorangetrieben werden. Zurzeit befindet sich eine
Quartiersentwicklungsgesellschaft in der Gründung.
Sie wird zunächst für den Arrenberg zuständig sein, später ihre Arbeit aber auf
vergleichbare Stadtteile wie Wichlinghausen/Oberbarmen, Unterbarmen und die
Elberfelder Nordstadt ausdehnen. Das so genannte Entwicklungsmanagement bezieht
ein Büro am Arrenberg und muss sich letztlich selbst tragen. Denn städtisches
Geld gibt es kaum, um den Arrenberg aufzumöbeln.
Privates Kapital ist gefragt, also die Hauseigentümer. Für die soll sich
finanzielles Engagement wieder lohnen, "weil wir dem Stadtteil eine Perspektive
geben", so Rathke. Dabei geht es darum, die Hausbesitzer zusammenzubringen,
Impulse zu geben, Hilfe zu leisten bei Fragen der Wärmedämmung wie der
Fassadengestaltung. Rathke: "Gemeinsam können die Eigentümer Sanierungs-Kosten
sparen, während sich das Büro um Freiflächen oder um das Marketing für den
Standort kümmert.
www.wz-newsline.de
24.03.2006
Hof: „Wir brauchen die Hilfe aller Bürger“
Sinkende Einwohnerzahlen, schrumpfender Arbeitsmarkt – Hof steht vor
großen Herausforderungen, die nur im Rahmen eine Stadtumbaus zu meistern sind.
Die Redaktion sprach mit dem Projektteam über Chancen und Risiken.
In Ihren Händen liegt der so genannte Stadtumbau West. Worum geht es dabei
überhaupt?
Klaus J. Schulz: Der Stadtumbau West ist ein Programm des Bundes und der Länder.
Es wurde konzipiert für Städte mit demografischen und wirtschaftlichen Themen,
die sich hemmend auf die Stadtentwicklung auswirken. Mit dem Programm sollen
Probleme identifiziert, Chancen untersucht und Potenziale einer Stadt
unterstützt werden, damit sie nach einer Phase der Konsolidierung aus eigener
Kraft weitermachen kann.
Dr. Manfred Bauer: Letztlich geht es darum, die Infrastruktur einer Stadt der
schrumpfenden Bevölkerung anzupassen. Die Prognosen zeigen: Viele Städte
verlieren in naher Zukunft Einwohner. Es gilt, diesen Prozess möglichst
reibungslos zu vollziehen, ihn sinnvoll zu koordinieren, und – im besten Falle –
aus dem Schrumpfungsprozess qualitativen Nutzen für die Menschen zu ziehen.
Unter Infrastruktur versteht der viel zitierte Mann auf der Straße vor allen
Dingen Straßen und Bahnverbindungen. Was ist Infrastruktur in Ihrem Sinne?
Bauer: Infrastruktur umfasst den Wohnungsmarkt, soziale Einrichtungen – zum
Beispiel Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für die Jugend und alte Menschen,
technische Infrastruktureinrichtungen zum Beispiel die Energieversorgung,
Kultur- und Freizeiteinrichtungen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie die
Umwelt-Bedingungen. Kurzum: die Bedingungen für eine gute Wohn- und
Lebensqualität.
Es geht also um ein integriertes Stadtentwicklungs-Konzept, das alle
Lebensbereiche umfasst. Warum ist so ein ganzheitlicher Ansatz notwendig?
Dr. Bernhard Michel: In früheren Zeiten, beispielsweise vor 40 Jahren, mussten
sich Politiker und Stadtplaner darüber Gedanken machen, wie sie mit dem Wachstum
umgehen, wo sie neue Wohn- oder Gewerbegebiete ausweisen. Heute schrumpfen die
Städte im Osten und zunehmend auch im Westen Deutschlands. Planer und Politiker
müssen deshalb intensiv darüber nachdenken, wie sie damit zurecht kommen, dass
Bevölkerungszahl und Arbeitsplatzangebot abnehmen. Dieser Schrumpfungsprozess
muss gestaltet werden.
Selbst kleinere Städte wie Hof haben in der Vergangenheit heftig expandiert und
immer mehr Fläche verbaut. Was war der Grund hierfür?
Michel: Ein wesentlicher Grund war natürlich das Wachstum. Die Prognosen gingen
häufig davon aus, dass sowohl das wirtschaftliche als auch das
Bevölkerungs-Wachstum sich stetig und dauerhaft fortsetzen. Von dieser
Einschätzung müssen wir uns dauerhaft verabschieden.
Schulz: Hof hatte ausgedehnte, prosperierende Industriegebiete, die aufgrund der
langen Tradition mit der Textilverarbeitung zu unglaublich großen
wirtschaftlichen Potenzialen geführt haben. Diese gibt es so nicht mehr; sie
sind weggebrochen. Mit den Politikern und der Bevölkerung müssen wir nun Wege
finden, die Stadt räumlich sinnvoll, sozial- und wirtschaftsverträglich
umzubauen.
Was hat für Sie Vorrang beim Stadtumbau?
Schulz: Priorität hat für uns die Stärkung der Innenstadt. Innenstadt heißt für
uns: Altstadt, Neustadt, Westend, Bahnhofsviertel und die Wohngebiete rund um
die Fabrikzeile. Dieses Gebiet ist der kulturelle, soziale, wirtschaftliche und
politische Kern der Stadt Hof.
Michel: Ziel dieses Stadtumbau-Programmes ist es, die Qualität der Innenstadt zu
verbessern. Nur mit lebendigen und wirtschaftlich starken Zentren haben die
Städte eine Zukunft.
Was haben die Hofer Bürger vom Stadtumbau?
Michel: Der Nutzen für die Bürger besteht darin, dass sie auch künftig gute
Rahmenbedingungen in ihrer Stadt vorfinden: eine angemessene Wohn- und
Lebensqualität, eine vernünftige Versorgung mit Schulen und Kindergärten,
Arbeitsplätze, einen funktionierenden Personennahverkehr, damit sie nicht in
allen Lebenslagen auf ein Auto angewiesen sind. Ein sehr wichtiges Thema
resultiert aus der Altersstruktur. Unsere Gesellschaft wird ja immer älter. Auch
unsere alten Herrschaften wollen zentral wohnen, die kulturellen Einrichtungen
und Bibliotheken nutzen, in Konzertveranstaltungen und ins Theater oder ins Kino
gehen. Teilweise sind sie nicht in der Lage oder bereit, mit dem Auto zu fahren
oder kilometerweit zu laufen. Also müssen sie im Zentrum entsprechende
Wohnmöglichkeiten vorfinden.
Sie laden für Samstag zu einer ,,Zukunfts-Werkstatt'' ein. Was passiert da?
Bauer: Für den Stadtumbau brauchen wir die Bürger, weil viele der Maßnahmen nur
mit Akzeptanz der Bürger umgesetzt werden können. Deshalb ist es also nur allzu
logisch, dass wir versuchen, die Hofer frühzeitig einzubinden und ihre Meinung
kennen zu lernen. Was passiert konkret? Wir machen zunächst gemeinsam eine
Bestandsaufnahme und schauen uns die Stärken und Schwächen der Stadt an. Wir
gehen dann in die Zukunft – wie könnte die Stadt Hof im Jahr 2030 aussehen? –
und fragen die Bürgerinnen und Bürger nach ihren Vorstellungen, Wünschen und
Meinungen. Und dann werden wir in kleineren Arbeitsgruppen – zum Beispiel zu den
Themen Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Verkehr oder Städtebau – miteinander
diskutieren.
Das klingt sehr spannend, weil die Bürger die Möglichkeit haben, die Zukunft
ihrer Stadt mitzugestalten. Können Sie zwei oder drei konkrete Beispiele für
Maßnahmen nennen, die Sie in Angriff nehmen wollen?
Michel : Auch wenn es derzeit noch zu früh ist, konkrete Ergebnisse vorlegen zu
können – die Bestandsaufnahme und Bewertung der Situation ist gerade
abgeschlossen – ist absehbar, dass sich das integrierte Stadtentwicklungskonzept
vor allem mit der Frage beschäftigen wird, wie die Attraktivität der Innenstadt
verbessert werden kann. Dabei spielt auch die Qualität der Bus- und
Bahnverbindungen eine Rolle. Von hoher Bedeutung für die Zukunft der Stadt Hof
wird auch die Aus- und Weiterbildung sein, die bereits mit der vorschulischen
Erziehung beginnen muss und bis zur Weiterbildung von Fachkräften reicht, damit
sich diese für die veränderten Arbeitsanforderungen qualifizieren. Das Konzept
wird sich auch mit den Möglichkeiten zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungs- und
Arbeitsplätze in Hof beschäftigen.
Über welchen Zeitraum ist das Projekt angelegt, und wie finanziert es sich?
Bauer: Das Projekt ist angelegt bis zum Jahr 2020. Zugrunde liegt ein
Prognose-Zeitraum, der einerseits noch überschaubar ist, es andererseits aber
notwendig macht, strategische Entwicklungen einzuleiten.
Schulz: Grundlage ist ein mit der Kommunalpolitik und der Regierung von
Oberfranken abgestimmtes Entwicklungskonzept. Daraus resultieren so genannte
Impuls-Projekte aus allen möglichen Bereichen wie zum Beispiel Umwelt, Kultur,
Arbeitsmarkt, Verkehr oder Wohnqualität. Die Projekte sollten an strategisch
wichtigen Punkten greifen. Sie dienen dazu, den Schrumpfungsprozess in geordnete
Bahnen zu lenken und daraus Nutzen für die Bevölkerung zu ziehen.
Michel: Generell kann man mit einer staatlichen Förderquote von 80 Prozent
rechnen. Das heißt aber nicht, dass die restlichen 20 Prozent unmittelbar aus
dem Haushalt der Stadt kommen müssen, denn in der Stadt gibt es natürlich auch
Investitionen von Unternehmen, die in dem Programm als Eigenmittel gewertet
werden.
Bauer: Die Grundsatzfrage lautet doch: Welche Alternativen hat die Stadt
überhaupt, wenn es nicht gelingt, durch Investitionen die negative Bevölkerungs-
und Wirtschaftsentwicklung zu konsolidieren? Soviel ist doch klar: Wenn man
nicht einmal den Bestand an Betrieben und Wirtschaftsunternehmen zu halten
vermag, hat man als Stadt auch keine eigenen Steuer-Einnahmen und somit keinen
Gestaltungs-Spielraum.
Mancher Bürger wird sich fragen, ob es überhaupt funktioniert, Innenstädte
wieder zu beleben. Gibt es Beispiele für eine gelungene Umsetzung?
Bauer: Es gab ein Vorläufer-Projekt, es nannte sich Stadtumbau Ost. In den neuen
Bundesländern verlief der Bevölkerungs-Rückgang noch drastischer als im Westen.
Auf den Erfahrungen, die man dort gemacht hat, setzt jetzt der Stadtumbau West
auf. Für die Veränderungen, die wir anstreben, werden wir natürlich Jahre
brauchen. War bisher das Haus im Grünen für die Menschen erstrebenswert, muss
man sie jetzt davon überzeugen, dass das City-Wohnen durchaus Vorteile hat: Wer
im Zentrum einer Stadt wohnt, spart Zeit und Kosten, weil er kein Auto braucht,
oder wegen des größeren Waren-Angebots in unmittelbarer Nachbarschaft. Das setzt
voraus, dass man in Wohnbereichen die notwendige Infrastruktur schafft.
Beispielsweise für alte Menschen, die ganz bestimmte Bedürfnisse haben.
Boedecker: Die Herausforderung, dass Städte schrumpfen, ist relativ neu für die
Stadtplaner, früher bestand die Aufgabe in der Entwicklung der Städte und der
Sicherung von historischen Altstadt-Kernen. Dabei haben wir viele Erfolge
nachzuweisen. Alle kennen die schönen bayerischen Städte, von Regensburg bis
Seßlach bei Coburg, wo es funktioniert hat. Jetzt haben wir eine neue
Zielsetzung: Es geht darum, die Probleme, die mit dem Schrumpfungsprozess
einhergehen, zu lösen. Und dazu brauchen wir die Hilfe aller – der Politiker,
der Bürger und der Fachleute.
www.frankenpost.de
24.03.2006
Brandenburg: Nützlichkeit geht noch vor Städtebau
Die mit Plänen und Fotos unterlegte Präsentation war ursprünglich zum
Beschwichtigen der Bewertungskommission der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit
historischen Stadtkernen erstellt worden; die Experten hatten sich um den
möglicherweise laxen Umgang mit dem fragilen Stadterbe gesorgt. Der Vortrag an
sich war als Bestandsaufnahme in Ordnung, Brandts Kommentare hingegen ließen
manchem Stadtplaner den Schweiß auf die Stirn treten. Beispielsweise wenn der
Kommunalpolitiker und gelernte Jurist bekundete, dass man bei der Auswahl der
Bewerbungen für das künftige St. Annen-Center auf dem Astler/Telekom-Areal
"nicht herangegangen ist aus städtebaulicher Sicht, sondern nur nach dem
Konzept, das funktioniert und für die Innenstadt verträglich ist." Nun ja, aber
welche Konkurrenz soll nach dieser Logik schon für die Innenstadt-Händler
verträglich sein, deren Existenzgrundlage Brandt als "Maßnahme zur Arbeit statt
Sozialhilfe" abqualifiziert?
Sei's drum. Es bleibt auch beim Abriss der beiden Häuser Neustädtische
Fischerstraße 17/18. Dass die Brandenburger und direkten Anwohner danach
eineinhalb Jahre mit einer Brache leben müssen, bis nach dem Abschluss der
Mühlendammarbeiten vielleicht ein begrünter Park entsteht, kann nach seiner
Ansicht hingenommen werden.
Es gebe ohnehin nur zwei Entwicklungsachsen, in die es sich zu investieren
lohne. Von Brennabor zur Altstadt, von der Dominsel zum Zentrumsring -
Schnittpunkt ist der Neustädtische Markt.
Das Szenario des Bevölkerungsrückgangs auf 71 000 bis 72 500 Brandenburger bis
2010 beziehungsweise auf 65 000 bis 68 000 Einwohner bis 2020 hat Brandt zur
Kenntnis genommen, visionär setzt er aber auf die Wachstums-Chancen, die sich
aus der "Entleerung des ländlichen Raums" ergeben. Dennoch wird der Überhang an
leer stehenden Wohnungen sich zwischen den Prognosezahlen 8672 und 10 483
einpendeln, bevor es an geordnete Stadtentwicklung geht, muss der geordnete
Rückzug im Stadtumbau abgeschlossen sein. Nun ja, dazu hat er wenig gesagt, wer
will schon Visionen von Abrissbaggern?
www.maerkischeallgemeine.de
23.03.2006
Eisenhüttenstadt: Überleben steht an erster Stelle
Der Stadtumbau, die sinkende Einwohnerzahl und die wirtschaftliche Lage
in der Region wirken sich problematisch auf die kommunalen Unternehmen der Stadt
aus. Während der Leerstand bei der Gebäudewirtschaft trotz Wohnungsabriss noch
bei 30 Prozent liegt und damit existenzgefährdend für das Unternehmen ist,
behalten sich Versorger wie die Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH weitere
Preiserhöhungen vor und begründen diese u.a. mit veränderten innerbetrieblichen
Abläufen. Den Stadtverordneten lagen jetzt die Wirtschaftspläne für 2006 vor.
Seite 10, Punkt 3, des Wirtschaftsplans der Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH für
2006 brachte am Dienstagabend so einige Stadtverordnete in Rage: "Weiterhin sind
Änderungen in den organisatorischen Abläufen und in den personellen Zuordnungen
und Verantwortlichkeiten im Unternehmensverbund der Stadtwerke erforderlich. All
das ist mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden, die, soweit möglich, an
die Kunden weitergegeben werden müssen." Immerhin gehört das kommunale
Unternehmen Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH noch zu den wenigen Eigenbetrieben,
die Gewinne einfahren: Für 2006 hat Geschäftsführer Bernd Rothe-Sallmann 345 000
Euro anvisiert. Seine Geschäftsführer-Kollegen mit kommunaler Beteiligung können
von solchen Zahlen nur träumen.
Beispiel Kita-Vereinigung: Die Kita-Vereinigung betreibt noch acht
Kindertagesstätten und fünf Horte an Grundschulen und prognostiziert für Ende
2006 einen Verlust von rund 4,8 Millionen Euro, der durch den städtischen
Haushalt ausgeglichen wird. Geschäftsführerin Gudrun Grund sieht im Stadtumbau
unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung der städtischen Kita-Landschaft.
Die geplante Übernahme von zwei Kitas durch das Evangelische Jugend- und
Fürsorgewerk - Lazarus AG ist vorerst auf Eis gelegt und abhängig von der
weiteren Fortschreibung des Stadtumbaus sowie der Kita-Bedarfsplanung. Auch die
für 2006 vorgesehene Auflösung der Kita-Vereinigung verschiebt sich. Als
problematisch bezeichnete die Werkleiterin den weiter steigenden
Altersdurchschnitt der Kita-Erzieher, der schon bald zwischen 50 und 52 Jahren
liege und dem entgegengewirkt werden müsse. Größter Posten sind die
Personalkosten.
Beispiel Gebäudewirtschaft: Etwas mehr als 10 000 Euro stehen am Jahresende auf
der Haben-Seite im Wirtschaftsplan 2006. Dabei kämpft die Gewi angesichts eines
Leerstands von rund 30 Prozent um ihre Existenz. "Wir dürfen keine weiteren
Liquiditätsverluste haben", sagt Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer und
verweist auf das Konzept zur Insolvenzabwehr, dessen Kernpunkt ein
ausgeglichener Haushalt ist. Weitere Schwerpunkte: Einsparungen bei Verwaltungs-
und Personalkosten. Sanierungen erfolgen nur dort, wo die Gewi nach den
Bauarbeiten auch wirtschaftlicher mit den Objekten arbeiten kann. Die
Gebäudewirtschaft plant im laufenden Jahr mit weiteren 200 leergezogenen
Wohnungen. Verluste durch Leerstand, fehlende Mieteinnahmen, hohe Kosten der
Innenstadtsanierung, mangelndes Interesse von Banken für Sanierung sowie
erschwertes Umzugsmanagement durch den Denkmalschutz bringen die Gewi in
Bedrängnis.
Beispiel Stadtwirtschaft Eisenhüttenstadt GmbH: Mit einem positiven Ergebnis -
4500 Euro Gewinn - will die Stadtwirtschaft das Jahr abschließen. "Die
strategische Ausrichtung des Unternehmens als Garten- und Landschaftsbaubetrieb
und Städtereiniger mit fachlicher Kompetenz und Sachkunde bei der Erbringung
kommunaler und gewerblicher Dienstleistungen steht auch 2006 im Mittelpunkt
unserer Entwicklung", sagt Geschäftsführer Knut Kirschke. Die Liquiditätslage
sei zwar weiterhin angespannt, aber auf dem Weg der Besserung. Das Unternehmen
hat 57 Mitarbeiter.
Beispiel Städtisches Alten- und Altenpflegeheim: Obwohl das städtische Alten-
und Altenpflegeheim mit der Eröffnung des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt
(AWO) mit rückläufiger Tendenz bei der Auslastung von Pflegeplätzen leben
musste, steuert die GmbH 2006 erneut leichte Gewinne mit 5000 Euro an. Noch im
ersten Halbjahr soll mit einem ambulanten Pflegedienst eine weitere
Unternehmenssäule gegründet werden.
Beispiel Eisenhüttenstädter Freizeit- und Erholungs GmbH (EFE): Mit mehr als
einer Million Euro muss die Stadt die GmbH bezuschussen und das Minus
ausgleichen. Das Defizit soll zwar 2006 im Vergleich zum Vorjahr weiter sinken,
ist aber dennoch erheblich. Hauptverursacher ist das Inselbad mit einem
prognostizierten Verlust von mehr als 800 000 Euro.
Darüber hinaus ist die Stadt an Gesellschaften wie der Gemeinnützigen
Gesellschaft für Qualifizierung und produktive Berufs- und Arbeitsförderung der
Region Eisenhüttenstadt mbH (GEM) sowie der Flugplatzgesellschaft
Eisenhüttenstadt/Frankfurt (Oder) beteiligt. Über den Wirtschaftsplan des
Krankenhauses wird zu einem späteren Zeitpunkt debattiert.
www.moz.de
22.03.2006
Velten: Plattenbausiedlung soll der Stadtumbau am
1. April beginnen
Bauvorbereitende Arbeiten künden in Veltens Plattenbaugebiet Süd den
Beginn der Wohnungsmodernisierung an. Am Freitag und am Montag sind insgesamt 20
Bäume an der Straße der Solidarität und an der Straße der Freundschaft gefällt
worden. Dies hat bei den Anwohnern für Ärger gesorgt, auch deshalb, weil nichts
angekündigt worden ist.
Dafür entschuldigt sich der Chef der verantwortlichen
Regionalentwicklungsgesellschaft (REG), Frank Kupsch, ausdrücklich. Doch er habe
die Fällgenehmigung zum spätestmöglichen Termin, am 15. März, vom Kreis erhalten
und dann sofort handeln müssen. Für zehn der 20 Bäume sei überhaupt nur eine
Genehmigung erforderlich gewesen. Laut Kupsch standen die Bäume an der Straße
der Solidarität zu dicht an den Wohnblöcken, die Balkone erhalten sollen. Und in
der Straße der Freundschaft müssen Rettungswege zu den Blocks geschaffen werden,
die breit genug für Fahrzeuge sind. Wann geht es nun los mit dem Stadtumbau in
Süd? Bis nächste Woche Freitag erwartet Frank Kupsch die Baugenehmigung vom
Landkreis. Dann werden die ersten beiden Wohnhäuser an der Straße der
Solidarität, die Vorbesitzer Wolter bereits leer gezogen hatte, saniert. Danach
sind die Häuser an der Straße der Freundschaft dran. Insgesamt modernisiert die
REG für die Stadt Velten acht Häuser. Die Zahl der Wohnungen kann Kupsch erst
nach Baugenehmigung nennen. Beantragt sind nach dem Umbau 331 Wohnungen. Sollten
die Statiker jedoch einige der beantragten Änderungen der Wohnungszuschnitte
ablehnen, könnten es mehr Wohnungen werden. Mit den Außenanlagen soll der
Stadtumbau in zwei Jahren abgeschlossen sein, sagte Kupsch gestern auf Anfrage.
Die ILB hat ein Darlehen von 6,4 Millionen Euro für die Sanierung der Wohnungen
und weitere 3,5 Millionen Euro für die Errichtung von Aufzügen bewilligt.
www.maerkischeallgemeine.de
20.03.2006
Berlin: Genossenschaft läßt Wohnungen abreißen
Nun kommt auch die erste Berliner Wohnungsgenossenschaft um den Abriß von
Plattenbauten nicht herum. An der Jan-Petersen-Straße 2-6 und 10-12 sollen bis
2007 insgesamt 82 Wohnungen der Genossenschaft "Marzahner Tor" verschwinden.
Vorstand Marianne Blätz sagt: "Der Leerstand von 30 bis 40 Prozent in diesen
Gebäuden läßt uns keine andere Wahl." Die Elfgeschosser werden entweder gänzlich
abgerissen, so an der Jan-Petersen-Straße 4 und 6, oder terrassenartig um zwei
bis vier Etagen zurückgebaut.
Es wird auch ein architektonisches Novum geben. Der Aufgang Jan-Petersen-Straße
2 bleibt als elfgeschossiger Turm bestehen. Blätz: "Dort gibt es überwiegend
Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen mit einer hervorragenden Aussicht auf den
historischen Marzahner Dorfkern." Auch die anderen verbleibenden Häuser werden
komplett saniert. Sie erhalten neue Fassaden und Loggien.
99 Prozent der Mieter sind bereits seit Mitte 2005 umfassend informiert worden.
"Nur einer war bisher nicht zu erreichen", sagt Blätz. Ein Mieterbeirat wurde
gebildet. Von 136 Bewohnern der Wohnblöcke wollen nur acht nicht in Marzahn
bleiben. Alle anderen möchten nach Rückbau und Sanierung in ihre Wohnungen
zurückkehren oder wegen des Abrisses eine neue Wohnung in der Nachbarschaft
beziehen.
Vorbereitende Arbeiten werden schon in diesem Jahr beginnen. Die Genossenschaft,
die derzeit über 4719 Wohnungen verfügt, investiert in das Projekt mehr als 7,3
Millionen Euro.
Blätz: "Im Gegensatz zu den Wohnungsbaugesellschaften erhalten wir leider keine
Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost, außer 60 Euro pro abgerissener
Wohnungsfläche." Das sind insgesamt nur knapp 380 000 Euro
morgenpost.berlin1.de
19.03.2006
Stadtumbau am Scheideweg
Die Schatten wurden länger und länger an einem jener Abende, die mit ihrem
schönen Wetter fast den gesamten Herbst 2005 prägten und in den matt werdenden
Strahlen der Sonne spiegelten sich zerborstene Scheiben. Wie schwarze Löcher
absorbierten die leeren Fensterrahmen die Sonnenstrahlen ins Nichts der Zimmer.
Ganze Straßenzüge offenbarten die Malaise: Keine Einwohner, keine Nutzer, kein
Leben. Die Stadt, die einst blühende Residenzstadt war, findet am Ende einer
Zeitenwende wohl auch deshalb nicht mehr zu sich selbst, weil Andere und an
anderer Stelle über das Schicksal dieser Stadt bestimmen.
Der bröckelnde Putz beginnt eine sanfte, hellbraune Färbung zu bekommen, so als
hätte ein Maler mit leichtem Pinsel Ocker auf die Wände getüncht und dort, wo
der Schatten die Häuser bereits eingehüllt hatte, tauchten mit Matt der grauen
Fassaden wie Parolen aus einer alten Zeit Schriftzüge auf: Konzert- und Ballhaus
– Gaststätte „Zur fröhlichen Einkehr“ – Kolonialwaren A. Werner – Persil! Für
wahr, die Stadt hat bessere Zeiten gesehen und jede Straße atmete Geschichte und
Geschichten. Und wären wir im geschichtsträchtigen Süden Europas, die Stille der
Umgebung würde vom Klicken tausender japanischer Kameras gestört. So aber
siechen prachtvolle Bauten einer ungewissen Zukunft entgegen, ohne Perspektive
auf Besserung.
Immer mehr wird klar: Städtebau und Stadtumbau in seiner bisherigen Form wird
die tief greifende Krise der deutschen Stadt – zurzeit noch mit Schwerpunkt in
Ostdeutschland, aber bald schon auch im Westen der Republik – nicht mehr lösen
können. Städtebauförderung entpuppt sich mehr und mehr als ein Pflaster auf
einer Wunde, die nicht einmal mehr mit einem Verband geheilt werden kann. Wende
im Denken ist angesagt, in einer Zeit knappster Kassen, neue Wege, die sich
angesichts zunehmender wirtschaftlicher Unsicher-heiten nicht von selbst
ergeben, sondern von Politik und Wirtschaft ein grundsätzliches Überdenken
vieler Positionen erfordern werden. Hat die deutsche Stadt noch eine Chance?
Oder: Heißt Globalisierung auch Abschied vom unrentierlichen Denkmalschutz, weg
von der tausendjährigen Siedlungsgeschichte Deutschlands?
Es ist fast müßig, die Stadt beim Namen zu nennen, denn das, was sich schildern
lässt, spielt sich in Altenburg ebenso ab wie in Zeitz, findet seinen Ausdruck
im Niedergang der Industrie des Zschopautals ebenso wie im Mansfelder Land und
frisst sich in die Bausubstanz von Demmin und Lassan ebenso wie in Quedlinburg
und Zittau. Überall beginnen, nach den Jahren des Aufbruchs am Anfang der
1990-er Jahre, Ernüchterung und Bestürzung Platz zu greifen, weil immer
deutlicher wird, was Planer beim Nachwendestart kaum ahnen konnte: Verfall und
Entleerung der Städte gehen schneller, als Denkmalschützer, Stadtplaner und
Städtebauer die Chance zu ihrer Sicherung haben.
Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht hat es in diesen Tagen auf den Punkt
gebracht, als er meinte, die Bevölkerung müsse bewogen werden, aus den
vorgelagerten Gebieten in die Innenstädte zurückzukehren, um diese nachhaltig
wieder besiedeln und mit Leben erfüllen zu können. Dafür müssten die Innenstädte
für die Menschen attraktiver gemacht und den Bedürfnissen der Menschen mehr
angepasst werden. Tatsächlich hat selbst das Weltkulturerbe im östlichen
Harzvorland eine trübe Zukunft, wenn die Stadt nicht Einwohner in das Zentrum,
Gewerbe an den Stadtrand oder in die Vorstadtgebiete und Steuern in die
Stadtkasse bekommt. Quedlinburg, die altehrwürdige Stadt, die die Jahrhunderte
fast unbeschadet überdauert hat, braucht Hilfe, weil fehlende Wirtschaftskraft
und Einwohnerverluste die Stadt in die Zange nehmen.
Nicht alles, was zwischen Ostsee und Fichtelberg in Sachen „Städtebau“ sich zur
Problemlawine auftürmt, haben Andere zu verantworten, aber eine gehörige Portion
kommt aus der Vergangenheit, in der nicht nur der innerstädtische Mittelstand
ruiniert wurde, sondern auch hochwertigste Bausubstanz dem Verfall preisgegeben
war. Die bundesdeutsche Gesetzgebung war indessen bisher wenig in der Lage, die
Probleme tatsächlich zu lösen, weil die nötigen Selbstheilungskräfte der
Wirtschaft für die dahinsiechenden Städte nicht vorhanden sind. Im Zeitalter der
Globalisierung reicht der noch dazu schwindende Bürgersinn nicht mehr aus, um
eine historische Stadt am Leben zu erhalten. Die offensichtlichen Mehrkosten der
Innenstadt lassen sich wirtschaftlich nicht rechnen, wenn die Lohnkosten
Bulgariens mit den Kosten der Arbeit in Deutschland verglichen werden.
In krassem Gegensatz steht auch das Verhalten vieler Finanzkreise, die auf
Besitzstandswahrung bei Grundstückspreisen pochen, während sie in den Fonds und
Renditeobjekten die Lohnkosten Osteuropas preisen. Nicht nur für den
Arbeitsmarkt hat dies fatale Folgen, auch für Deutschlands Städte – und hier
wieder besonders in Ostdeutschland – entsteht ein verheerenden Sekundäreffekt:
Der Wert der Innenstädte sinkt und bedeutende Bausubstanz verliert den
erforderlichen wirtschaftlichen Boden. Fehlende wirtschaftliche Perspektiven für
– insbesondere – die Schwellenhaushalte, jene also, die aus der Mietwohnung in
Eigentum wechseln wollen, verhindern zugleich einen Markt für Altbausubstanz.
Dabei stehen die steuerlichen Erleichterungen – vor allem für jene
Schwellenhaushalte, die wenig Steuern bezahlen – im Missverhältnis zum
Mehraufwand, den Altbausubstanz und Denkmalschutz abverlangen.
Neben den wirtschaftlichen Perspektiven sind es vor allem auch Anforderungen,
die Nebenkosten auslösen, die viele Schwellenhaushalte und private
Bauinteressenten vor dem Schritt in die Innenstädte abhalten. Auch wenn
langfristig und mit Blick auf das Älterwerden die Innenstadt kostengünstiger
sein dürfte, lassen sich viele Sanierungsobjekte kaum ohne Architekten, Statiker
und Bauleiter betreuen. Ein Großteil der Objekte ist zudem für eine Familie zu
groß. Zu wenig Grün, fehlende Stellplätze und der Lärm der Hauptstraßen
kumulieren zu einer Bedrohung für die Substanz der Innenstädte. Wer zudem
steuerlich wenig Abgaben zu zahlen hat – junge Familien mit Kindern – dem kommen
auch die steuerlichen Vorteile der Sanierungsgebiete nur wenig zugute. Vielen
Finanzinvestoren indessen sind die Renditen zu gering, die sich derzeit in den
Quartieren der Innenstädte erzielen lassen.
Neues Nachdenken sollte die Finanzlage auch bei den Denkmalschützern auslösen:
Überzogener Denkmalschutz gefährdet die Denkmale! "Zwischenlösungen" sind das
Gebot der Stunde, für die Dauer einer Renovierungsperiode, etwa preiswerte
Dachpfannen statt teure Biberschwänze. Auch das ist historisch, denn die
Bauhistoriker finden immer wieder bei prachtvollen Bauten über die Jahrhunderte
verschiedene Baustoffe, die die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eigentümer
widerspiegeln. Gleiches gilt für Infrastruktur und öffentliche Flächen, wo
Pflasterstraßen nicht nur an finanzielle Grenzen stoßen, sondern neben dem Ärger
mit den Stöckelschuhen auch Lärmquelle für die Anwohner darstellen. Maßvolle "Entdichtung"
hilft dabei auch das Grün- und Stellplatzproblem zu lösen.
In vielen Problemregionen Ostdeutschlands fehlt es an raumordnerischen
Grundsatzentscheidungen, die den Städten jenen Stellenwert zuweisen, den sie
benötigen, um ihre urbanen Strukturen sichern zu können. So fließen nach wie vor
wertvolle Investitionen in periphere Bereiche und die wenigen Investoren nutzen
günstig gelegene Gewerbegebiete der "Grünen Wiese". Wenn diese dann noch im
Umfeld größerer Städte liegen, kann der Investor deren Infrastruktur gleich
kostengünstig mit nutzen. Vielen Städten bleibt – ob dieser Konkurrenz – keine
Alternative dazu, ebenfalls an den Randzonen Gewerbegebiete auszuweisen, obwohl
15 Jahre nach der Wende in den Innenstädten sich zum Teil große Industriebrachen
auftun. Brachen, die auch westdeutschen Städten zunehmend industriellen
Niedergang beschert und deren Nachnutzungsmöglichkeiten gezielt unterstützt
werden müssten.
Zweifellos verschärft sich der Verteilungskampf zwischen Stadt und ländlichem
Raum, doch dabei darf nicht verkannt werden, wie stark beide – Stadt und Dorf –
aufeinander angewiesen sind. Besonders kleinere und mittlere Städte stehen vor
einer existenziellen Bedrohung, für die leerfallende Innenstädte die Spitze des
Eisberges sind. Kommunal- und Verwaltungsstrukturen müssen sich an dieser
Herausforderung messen lassen. Aber auch das Miteinander von Rat, Verwaltung und
Bürgern muss mehr auf der Basis eines gemeinsamen Zieles – zum Wohl der Stadt –
organisiert werden. In vielen Räten herrscht die Meinung vor, Gegenregierung zur
Stadtverwaltung sein zu müssen, ohne zu begreifen, dass Rat und Verwaltung mehr
denn je zwei Seiten von ein und derselben Münze sind.
Bundes- und Landespolitik, Stadträte, Gemeinderäte und Kreistage stehen vor
gewaltigen Aufgaben, wollen sie das historische Erbe der Städte in den nächsten
Jahren sichern. Förder- und Steuerkulissen müssen neu geordnet und beim
Städtebau auf diese Herausforderung adaptiert werden. Die Zeit dafür drängt,
denn der Zahn der Zeit nagt ohne Unterbrechung, ohne Antrag, ohne auf
Legislaturperioden oder Förderrichtlinien Rücksicht zu nehmen. Und einen
"vorzeitigen Maßnahmenbeginn" hat dieser Zahn sich längst selbst bewilligt.
www.stadt-und-Gemeinde.de
15.03.2006
Kosel: Ein Dorf verliert seine Jugend
Die einstige Turnhalle hat Kosel, das seit über einem Jahrzehnt im acht
Kilometer entfernten Niesky eingemeindet ist, zum Gemeindezentrum mit schönem
Saal umgebaut. Der Heimatverein organisiert hier Fasching, Skatturniere und
Dorffeste. Im Saal herrscht trotz der Mittagsstunde allerhand Betrieb. An die
zehn Koseler räumen fleißig auf, denn am Abend zuvor ist groß gefetet worden.
Zwei Schwestern haben ihren 60. und 54. Geburtstag gefeiert. An der Wand stehen
noch die Präsentkörbe. Christa und Joachim Neumann haben mitgefeiert, ebenso
ihre Kinder, was nicht selbstverständlich ist. „Die Kinder sind extra
hergekommen. Die leben doch in Köln, Braunschweig und Berlin, sie sind der
Arbeit hinterhergezogen“, erzählt Frau Neumann. Sie glaubt nicht, dass auch nur
einer jemals zurückkommt nach Kosel ins Elternhaus, in das die Neumanns so viel
Lebenszeit investiert haben. Was dann mal aus dem Haus wird? Joachim Neumann
zuckt resigniert mit den Schultern. Seine Frau sagt: „Man kann nur hoffen.“
Nicht nur Neumanns haben mit diesem Problem zu tun. Und deshalb ist die Stimmung
im Dorf manchmal auch etwas gedrückt, obwohl es Kosel eigentlich gut geht. Den
großen Bevölkerungsrückgang wie in Hoyerswerda, Weißwasser oder Görlitz hat es
hier noch nicht gegeben, obwohl einige wenige Häuser schon leer stehen. Ende
2005 zählte das Dorf 442 Einwohner, sagen die Akten von Wolfgang Rückert, dem
Nieskyer Bürgermeister. Zur Wendezeit waren es auch höchstens 470 oder 475, so
genau weiß das keiner mehr.
Die großen Probleme kommen also erst in den nächsten Jahren. Und weil im Dorf
jeder jeden kennt, weiß jeder, dass das Dorf seine Jugend verliert. „Richtig
Zukunft hat das hier nicht“, sagt Regina Knöfel. „Vor fünf Jahren hatten wir in
Neu-Kosel 15 Kinder unter 18 Jahren. Von denen sind inzwischen fünf fortgezogen,
irgendwohin, wo es Arbeit gibt.“ Weiterer Nachwuchs ist im Dorfteil kaum noch zu
erwarten. „Die, die jetzt Kinder kriegen könnten, sind so gut wie alle weg.“ Die
letzte Geburt in Neu-Kosel liegt schon vier Jahre zurück. Privat sieht es bei
Knöfels mit der Familienzukunft ebenfalls eher trübe aus: Die Töchter leben in
Sindelfingen und Weißwasser, „die kommen beide nicht wieder, haben dort eine
gute Arbeit“. Aber vielleicht haben ja in ein paar Jahrzehnten die Enkel
Interesse am Haus, das Knöfels erst vor acht Jahren gebaut haben.
So fragen sich schon heute viele Koseler, was mal aus ihren Grundstücken und
Häusern wird. Schuberts Anwesen beispielsweise ist sehr stattlich, das Haus
wurde 1970 gebaut. Regina Schubert, 56, glaubt nicht, dass die drei Kinder
jemals wieder zurückkommen, sie haben sich in Berlin, Leipzig und Niesky
Existenzen geschaffen. „Was sollten sie denn hier? Ich denke, Kosel wird ein
Rentnerdorf.“
www.sz-online.de