Newsticker Archiv März und April 2006

28.04.2006
Teures Bauland treibt Familien ins Umland
Deutschlands Stadtplanern ignorieren die demographische Entwicklung: "Trotz schrumpfender Bevölkerungszahlen weisen die meisten Städte nur restriktiv neues Bauland aus und treiben finanziell gutgestellte Familien weiter ins Umland", kritisiert Volker Eichener, Geschäftsführer des Instituts für Wohnungswesen, Stadt- und Regionalentwicklung (Inwis) der Ruhr-Universität Bochum.
Dadurch werde die soziale Entmischung und die Ghettobildung in den Städten weiter vorangetrieben, warnt Eichener. "Die kaufkräftigen Teile der Mittelschicht wandern ins Umland ab, zurück bleiben die Sozialschwachen und in einigen Nobelquartieren gutverdienende Singles und Angehörige der Oberschicht." Diese Entwicklung werde schon bald dramatische Konsequenzen haben, prognostiziert der Wissenschaftler. "Wenn die Kommunen nicht in wenigen Jahren unter der Last der Sozialleistungen zusammenbrechen wollen, müßten sie schnellstens beginnen, intensiv um die Mittelschicht zu werben." Schon bald werde die schrumpfende Bevölkerung die Städte in einen Wettbewerb um finanzkräftige Einwohner zwingen, sagt Eichener. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerungszahl von derzeit 82,5 Mio. Einwohner bis 2050 auf 75 bis 70 Mio. zurückgehen. Der bereits 1966 begonnene Rückgang der Geburtenrate hat inzwischen dramatische Ausmaße angenommen. Nur noch 676 000 Babys wurden vergangenes Jahr geboren. 2004 waren es noch 706 000. "Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, daß Städte wie Essen noch immer Bauland zu Preisen von bis zu 500 Euro/qm verkaufen", sagt Eichener. Für Familien seien lediglich Preise von bis zu 100 Euro/qm finanzierbar. "Ein Kämmerer kassiert nicht, wenn er Grundstücke teuer verkauft, sondern wenn er neue Einwohner anlockt oder die Bevölkerungszahl zumindest stabil hält", betont der Institutsleiter. Denn jeder Einwohner verschaffe einer Stadt durch Schlüsselzuweisungen, Gebühren und Steuern im Schnitt 2000 Euro pro Jahr. "Rockefeller hat Petroleum-Lampen verschenkt, damit die Leute sein Öl kaufen", sagt Eichener. Nach dieser Devise müßten auch Städte verfahren und billiges Bauland zur Verfügung stellen, um Einwohner zu halten und neue Bürger anzulocken. Daß dieses Konzept aufgeht, zeige das Beispiel Dortmund. 1995 habe das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalens der Stadt am Rand des Ruhrgebiets bis heute einen Bevölkerungsverlust von sieben Prozent prognostiziert, sagt der Institutsleiter. "Tatsächlich ist die Einwohnerzahl jedoch konstant geblieben, weil Dortmund eine große Baulandoffensive gestartet hat."
Durch die großflächige Ausweisung neuer Baugebiete sei nicht nur das Flächenangebot explodiert. "Die Stadt hat gleichzeitig die Bauträger in einen Preiswettbewerb gezwungen", erläutert Eichener. Als Folge könne eine vierköpfige Familie in Dortmund heute ein neues Reihenhaus für nur 150 000 Euro erstehen.
Daß Bürger, die heute ins Umland ziehen, im Alter sowieso in die Stadt zurückkehren werden, hält Eichener für eine gewagte These. "Darauf sollte keine Verwaltung setzen." Zwar sei es richtig, daß steigende Ölpreise und die schlechter werdende medizinische Versorgung in suburbanen Regionen langfristig zu einer Entvölkerung der ländlichen Räume führen werden. "Wer aber heute ein Einfamilienhaus im Grünen erwirbt, wird es möglicherweise in 20 oder 30 Jahren gar nicht gegen ein Apartment in der Stadt eintauschen können", meint der Institutsleiter. "Weil die Nachfrage nach diesen Objekten drastisch schwinden wird, werden viele der heutigen Käufer im Alter auf Gedeih und Verderb an diese Immobilien gebunden sein."
www.welt.de

28.04.2006
Der Auftakt zum Stadtumbau West
Die Städte Schwarzenbach am Wald, Selbitz und Naila haben im Rahmen des Projekts Stadtumbau West ein Entwicklungskonzept in Auftrag gegeben. Es soll Chancen der städtischen Entwicklung zeigen und Maßnahmen erarbeiten zur Stärkung und Verbesserung des Wohnens, der Innenstädte, des Arbeitsplatzangebots sowie der Freizeit und des Tourismus. Mit der Erarbeitung der Studie gehen die drei Städte einen neuen Weg. Die zukünftige Entwicklung wird nicht mehr als eine ausschließliche Aufgabe der einzelnen Stadt begriffen, sondern soll gemeinsam in Angriff genommen werden. Der Blick über die Stadtgrenzen hinaus auf die Nachbarstädte soll deutlich machen, welche Aufgaben zukünftig in der Kooperation besser gelöst werden und welche Maßnahmen überhaupt nur gemeinsam umgesetzt werden können.
www.frankenpost.de

28.04.2006
Chemnitz: Neues Zusammenleben in alten Häusern
Eine Gruppe von Frauen um die 60 Jahre will sich gemeinsam in ein Haus einmieten. Jeder für sich, aber mit Gemeinschaftsräumen und Gästezimmern für Kinder und Enkel.Der Besitzer eines leer stehenden Hauses sucht dringend Mieter, nach deren Vorstellung er mit der Sanierung des Gebäudes beginnen kann.
Wer bringt alle Interessenten unter einem Hut? In Chemnitz gibt es jetzt eine Antwort: Die Agentur Stadt-Wohnen. In einem wohl für den Stadtumbau Ost bisher einmaligen Modell- und Forschungsprojekt, das von der Bundesregierung finanziell unterstützt wird, werden Interessengruppen für neue Wohnformen und Hauseigentümer zusammengebracht.
www.freiepresse.de

25.04.2006
Höchstadt: Bagger rollen auf das Manz-Gelände
In Höchstadt wird derzeit eine Großbaustelle nach der anderen eingerichtet. Nach dem Baubeginn am Vogelseck rollten gestern die Bagger und Baumaschinen auf dem ehemaligen Manz/Fortuna-Gelände an. An der alten Schuhfabrik sind die Abriss- und Umbauarbeiten für das Höchstadter Kulturzentrum und das neue Domizil der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt (VG) angelaufen.Der Umbau des denkmalgeschützten Fabrikgebäudes in ein Kultur- und Jugendzentrum wird rund fünf Millionen Euro verschlingen. Auf weitere 1,2 Millionen ist die Sanierung des Westflügels veranschlagt, in den die VG einzieht. Für das Kulturzentrum rechnet Bürgermeister Brehm mit einem Eigenanteil der Stadt von maximal zwei Millionen Euro, der Rest kommt als Zuschuss von der Landesstiftung und dem Entschädigungsfonds für Denkmalpflege, dem Programm „Stadtumbau West“ und dem Bayerischen Jugendring. Die Kosten für die Sanierung des VG-Traktes sollen sich langfristig über die Miete amortisieren. Eine weitere Zuschussquelle hat Brehm für den späteren Betrieb des Kulturzentrums im Auge. So soll es für „Mehrgenerationshäuser“ fünf Mal 40 000 Euro Betriebskostenzuschuss geben. Jeweils ein Pilotprojekt soll in jedem Landkreis gefördert werden. Das Kulturzentrum könnte ein solches Pilotprojekt werden, ist darin unter anderem doch die Unterbringung von Jugendzentrum, städtischer Bücherei, Musikschule, VHS und Seniorenräumen geplant.
www.fraenkischer-tag.de

25.04.2006
Mestlin: In dieser Woche kommt die Abrissbirne zum Einsatz
Der komplette Rückbau des ersten Wohnblocks in der Mestliner Fritz-Reuter-Straße hat dieser Tage begonnen. Die Firma Dörner aus Crivitz hat den Zuschlag für den Abriss der Blöcke mit zwölf Wohnungen erhalten. "Der Wohnungsleerstand in Mestlin ist drastisch gestiegen und die laufenden Unterhaltungskosten steigen ins Unermessliche", begründete die Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnungsgesellschaft Mildenitz, Petra Steiniger, die Maßnahme. Die Mieter des betroffenen Blockes sind umgezogen. Da der Wohnblock erst vor zehn Jahren saniert wurde, sind etliche Bauteile noch gut erhalten und können verwertet werden. "Die Fenster zum Beispiel werden so ausgebaut, dass möglichst keine Schäden entstehen. Nach einer Aufarbeitung können diese dann später an anderen Orten wieder eingesetzt werden", so Bauleiter Hans Schleede. Ein weiterer Wohnblock mit 26 Wohnungen steht auf der Abrissliste. Für die Kosten des Abrisses erhält Mestlin eine Landesförderung von rund 160000 Euro aus dem Fond Stadtumbau Ost.
www.svz.de

22.04.2006
Luckenwalde: Ein Garten für jedermann
Künstler und Architekten des Landes Brandenburg haben die Stadtrauminitiative Brandenburg gegründet, die sich auch in der Kreisstadt Luckenwalde um frei gewordene Abrissflächen und leer stehende Häuser kümmern will. Nun wurde die Idee geboren, in Luckenwalde einen "Garten für jedermann" zu errichten - als Anschauungsobjekt und Treffpunkt.
"Wir wollen die durch Abriss entstandenen Lücken als Möglichkeit zur Gestaltung annehmen und mit wiederverwerteten Baumaterialien eine Gartenlandschaft schaffen", erklärt Silke Riechert das Vorhaben. Die Berliner Künstlerin hat in Luckenwalde bisher unter anderem durch ihre Skulptur an der Großen Weinbergstraße zur Erinnerung an die Mendelsohnhalle auf sich aufmerksam gemacht.
Für den geplanten Garten suchen die Initiatoren noch interessierte Bürger als Mitstreiter. "Der Garten nimmt Ideen von allen Mitwirkenden auf, er wird mit eigener Kraft gestaltet und gepflegt - auch die Mitnahme von Blumen und Kräutern ist möglich", sagt Silke Riechert. Langfristig soll die neue Attraktion in einen Themengarten verwandelt werden - zum Beispiel in einen Schmetterlingsgarten. Darüber hinaus sollen zweimal im Jahr auswärtige Künstler und Architekten eingeladen werden, um einen Beitrag zum Thema Garten und Stadtumbau zu leisten.
www.maerkischeallgemeine.de

22.04.2006
Aus Stadtentwicklung wird Stadtabwicklung
Hausbesitzer, Immobilienmakler, Investoren, Architekten schlagen Alarm. Von einem "beschämenden Vergehen an der Baukultur" spricht der Chemnitzer Architekt Frank Kotzerke. "Chemnitz verfügt, trotz Kriegszerstörung der kompletten Innenstadt, über ausgedehnte Gründerzeitviertel mit nahezu lückenlos geschlossener Karreestruktur," erläutert der Architekt. Seiner Meinung nach "ein stadtbildprägendes Kulturgut", das in jedem Fall erhalten werden sollte. Doch die Stadtverwaltung scheint es trotz anders lautenden Lippenbekenntnissen anders zu sehen: "Seit jüngster Vergangenheit," so Kotzerke, "sieht man vermehrt riesige Bagger wahllos an städtebaulich markanten und wichtigen Eckhäusern nagen oder Lücken in geschlossene Straßenzüge brechen. Chemnitz beraubt sich seiner Visitenkarte."
Der Weißenfelser Buchhändler Hartwig Arps kritisiert "Fehlplanungen an der Peripherie der Stadt, während die Innenstadt mangels eines geschlossenen Konzeptes zu großen Teilen weiter zerfällt". Obwohl 45 Mio. Euro Sanierungsmittel nach Weißenfels geflossen seien, sehe die Innenstadt teilweise noch immer so aus, "als wäre der letzte Krieg gerade zu Ende gegangen", klagt der Geschäftsmann. Und es solle genauso weitergehen. Wie in der Schützenstraße sollten ganze historische Straßenzüge und soundsoviele Eckhäuser geopfert werden. "Solche Eckgrundstücke," konstatiert Arps, der selbst schon mehrere gefährdete Häuser in der Novalisstadt gerettet hat, "haben besondere statische Stützfunktionen für die benachbarten Grundstücke und letztendlich für ganze Straßen. Abrisse in solchen Bereichen führen daher zu riesigen Schäden im Umfeld."
In Leipzig prophezeiht das Stadtforum, ein Zusammenschluß aufgebrachter Bürger unter Führung von Rechtsanwälten und Architekten: "Nach den zahlreichen sinn- und verantwortungslosen Abbrüchen der letzten Jahre, von denen das Henriette-Goldtschmidt-Haus, das Haus Karl-Heine-Straße 30, die Kleine Funkenburg und erst kürzlich die Reudnitzer Wagenhalle nur die prominentesten Beispiele sind, soll der Abriß nun verstärkt innerhalb gewachsener innerstädtischer Wohnquartiere weitergehen."
Dabei hatte gerade Leipzig noch unlängst als Beispiel einer erfolgreichen Innenstadtaufwertung gegolten. 4 000 Einwohner, so der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Engelbert Lütke Daldrup, sind seit der Wiedervereinigung Deutschlands aus Stadtrandwohnungen in die zu DDR-Zeiten flächenhaft dem Totalverfall entgegengehende Leipziger Innenstadt zurückgekehrt und haben sanierte Gründerzeithäuser bezogen. In einer Studie des Berliner Difu-Instituts wurde Leipzig neben München zum Modellfall für die neue Attraktivität der Innenstädte erhoben. Umso drängender stellt sich die Frage: Wie konnte es zu der abrupten Trendwende kommen?
Nach Ansicht von Thomas Ungethüm, Präsident von Haus & Grund Sachsen, hat die Politik die Weichen falsch gestellt. Bei der Ausgestaltung der Stadtumbaustrategien hätten einige Bundesländer die kommunalen Wohnungsunternehmen systematisch bevorzugt. Die Folge: Während die Großvermieter Kasse machen, stünden 20 Prozent der mittelständischen privaten Vermieter in Leipzig vor dem Ruin.
Wie das "Kassemachen" funktioniert, rechnet der Leipziger Investor Hartmut Panzer vor, Chef der Exclusiv Bau GmbH mit Sitz in Anger-Crottendorf. Für 175 Wohnungen in einem denkmalgeschützten Straßenzug in Leipzig-Eutritzsch, die seit langem leerstehen, hatte er der städtischen Wohnungsbaugesellschaft LWB 500 000 Euro geboten. Doch die lehnte ab und verlangte den vierfachen Preis, obwohl das Angebot nach Panzers Angaben dem Zeitwert 2002 entsprach. Die Rechnung der LWB dagegen sieht so aus: Für den Abriß kassiert das kommunale Unternehmen 60 Euro/qm Fördermittel, was bei 10 000 qm Wohnfläche der Anlage an der Zerbster Straße 600 000 Euro ergibt. Gleichzeitig werden ihr die auf den Häusern lastenden Altschulden in Höhe von 770 000 Euro erlassen. Bei einem Verkauf für 500 000 Euro hätte das Unternehmen nicht nur den kompletten Verkaufserlös, sondern auch noch eigenes Geld an den Bund überweisen müssen, nur um die Altschulden abzudecken - für Unternehmenssprecher Gregor Hoffmann ein indiskutables Geschäft.
www.welt.de

15.04.2006
Brandenburgs Landesetat droht Millionenverlust
Brandenburgs Landesregierung befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge Millionenverluste durch Pleiten auf dem Wohnungsmarkt. Der mögliche Etatausfall belaufe sich derzeit auf 316 Millionen Euro. Hintergrund seien zinsgünstige Kredite in Höhe von rund 4,8 Milliarden Euro, die das Land in der Hoffnung auf einen deutlichen Einwohnerzuwachs seit 1990 für den sozialen Wohnungsbau und an Bauherren ausgereicht hatte. Inzwischen stünden jedoch bereits 165.000 Wohnungen leer, und in manchen Regionen sei der Wohnungsmarkt zusammengebrochen, heißt es. Auch geförderte Objekte seien in Mitleidenschaft gezogen. Zwar seien die Verluste nach Einschätzung der Ministerien und der Landesinvestitionsbank (ILB) "beherrschbar". Aber die Gefahr wachse, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden könnten, heißt es weiter.
www.rbb-online.de

15.04.2006
Neue Strategien für alte Siedlungen
Architektonisch von großer Bedeutung, aber für die Bewohner oft nicht mehr zeitgemäß – so lässt sich das Schicksal vieler größerer Wohnsiedlungen in Berlin beschreiben. Zwar stehen bekannte Anlagen wie die von Bruno Taut entworfene Hufeisensiedlung in Britz, die Thermometersiedlung in Lichterfelde oder die „Reichsforschungssiedlung“ von Walter Gropius in Haselhorst unter Denkmalschutz. Auch wurden viele Wohnungen inzwischen modernisiert. Doch noch immer verfügt ein Teil der Anfang oder Mitte des vorigen Jahrhunderts errichteten Siedlungen über Wohnungsgrößen und Grundrisse, die nicht den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Zum ersten Mal hat der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) in einem „Siedlungsforum“ versucht, Stärken und Schwächen der Berliner Siedlungen zu analysieren und Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Die Wünsche der Bewohner wurden dabei ebenso ermittelt wie die Anforderungen an eine zielgruppenorientierte Vermarktung der Wohnungen.
Urs Kohlbrenner, Architekt und Stadtplaner, über das Grundproblem: „Die Siedlungen waren auf Durchschnittsfamilie mit Durchschnittseinkommen ausgerichtet“. Doch diese gebe es heute kaum noch: Inzwischen werde jede zweite Wohnung in Berlin von einem so genannten „Ein-Personen-Haushalt“ genutzt. Drei oder mehr Personen zähle dagegen nur noch jeder fünfte Haushalt. Deshalb sei eine Leerstandsquoten von zwölf Prozent in Großsiedlung nicht selten.
Noch drängender ist das Altersproblem: „In manchen Siedlungen stirbt die Bevölkerung langsam weg“, so Kohlbrenner. In vielen Wohnungen der Marzahner und Hellersdorfer Plattenbauten zum Beispiel habe seit dem Erstbezug kein Mieterwechsel mehr stattgefunden, so Siegfried Rehberg vom BBU. Mit zunehmendem Alter veränderten sich aber auch die Ansprüche der Mieter. Das betrifft die Ausstattung der Wohnung und die Infrastruktur in der Siedlung. Statt eines Spielplatzes vor der Haustür sei der Einkaufsservice gefragt. In naher Zukunft werde sich dieses Problem mit dem prognostizierten Anstieg des Durchschnittsalters auf 43,6 Jahre sogar noch verschärfen.
Die Gewobag hat reagiert. Gemeinsam mit dem Institut für innovatives Bauen hat sie drei Zielgruppen ermittelt und entsprechende Wohnungstypen in der Reichsforschungssiedlung entwickelt: „Trend, Modern und Klassik“ . Diese unterscheiden sich in der Größe: Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien und 55 bis 65 Quadratmeter große Wohnungen für Ältere. Außerdem ist die Ausstattung verschieden: Die Trend-Wohnungen für Jüngere haben im Bad schwarz-weiße Objekte sowie gestrichene Dielen. Diese rund 500 Wohnungen werden aber nur verkauft. Bei Mietwohnungen seien derartige Differenzierungen nicht finanzierbar.
Oft müsse bei der Neuvermietung aber ohnehin das Bad instand gesetzt werden. Dann könne man auch auf Wünsche des Mieters eingehen, sagt Rehberg von der BBU. Außerdem komme es immer häufiger zu Modernisierungsvereinbarungen: Der Eigentümer modernisiert und der Mieter stimmt im Gegenzug einer höheren Miete zu. Kompromisse seien ohnehin gefragt: Denn die Bevölkerungszahl in Berlin werde bis 2020 nicht nennenswert steigen, daher wachse die Konkurrenz – zwischen den Lagen und zwischen den Unternehmen. Schon heute stünden in Berlin rund 100 000 Wohnungen leer. „Die Eigentümer müssen sich zwangsläufig stärker am Kunden orientieren“, sagt auch Kohlbrenner.
Schon heute sei es schwer, eine Wohnung zu vermieten, wenn es keinen Balkon gibt, das Bad innen liegt und das Haus an einer Hauptverkehrsstraße, so Rehberg. „Zudem haben sich Hartz IV und sinkende Einkommen kolossal auf den Wohnungsmarkt ausgewirkt.“ Kleine Wohnungen, noch vor einiger Zeit schlecht vermietbar, würden stärker nachgefragt. Auch viele Familien könnten sich keine größeren Wohnungen mehr leisten. Im Ostteil der Stadt würden große Wohnungen zunehmend aufgeteilt, im Westteil die Zusammenlegung kleinerer Wohnungen gestoppt. Anders als beim Bau der Siedlungen seien heute auch größere Bäder und Küchen sowie „neutrale“ Raumgrößen gefragt – und nicht mehr große Wohn- und winzige Kinderzimmer. Und wichtiger als Komfort sei vielen Bewohnern im Ostteil der Stadt eine niedrige Miete, so Rehberg. Zu den weiteren Wünschen der Bewohner gehören mehr Angebote für Kinder und Jugendliche im Wohnumfeld sowie Dienstleistungen und Service für Ältere. Dazu zählen barrierefreie Wohnungen ebenso wie der Schutz vor Lärm und zusätzliche Sicherheitsanlagen. Weil das Angebot an Wohnungen in der Stadt gut ist, seien viele Mieter außerdem immer weniger zu Kompromissen bereit, meinen Rehberg und Kohlbrenner: „Es wird häufiger umgezogen und die Zeit zwischen den Wohnungswechseln kürzer.“ Hinzu komme, dass die Ansprüche der Mieter – abhängig von ihrer jeweiligen Lebenssituation – stärker wechselten als früher. „Die Bedürfnisse sind oft kurzlebig“, sagt Kohlbrenner.
archiv.tagesspiegel.de

13.04.2006
Kyritz: Ein Quartett
Ein Trio ist schon in Kyritz verschwunden, nun wird daraus ein Quartett. In der Straße Am Bahnhof und in der Robestraße erinnern lediglich noch Kiesflächen daran, dass hier einmal Mehrfamilienhäuser gestanden haben. In der Poststraße ist es immerhin schon Mutterboden, der das Loch ausfüllt. Dafür ist durch den Abriss des Hauses der Blick frei geworden auf unschöne Schuppen.
Man kann es drehen und wenden, wie man will - der Abriss ist wirklich die einzige Alternative, um gegen den Wohnungsleerstand in Kyritz anzugehen. Jetzt ist in der Pestalozzistraße 5 ein Block dran, der Anfang der 90er Jahre für viel Geld saniert worden ist. Trotzdem: Auch Leerstand kostet Geld. Klar also, dass man abreißt, zumal, wenn dafür sogar noch Fördermittel fließen. Das irgendwann einmal in Kyritz Wohnungen fehlen könnten, das darf man mit Sicherheit ausschließen.
www.maerkischeallgemeine.de

12.04.2006
Schwerin:  Wegzug aus Mueßer Holz nicht gestoppt
Die auf der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung beschlossene Fortschreibung des Stadtumbau-Programmes für die Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz wird von den Sozialdemokraten nachdrücklich begrüßt. Sie schlagen aber einen viel stärkeren Rückbau vor. "Wir stellen fest, dass die Städtebaufördermittel in Mueßer Holz zwar für eine Verschönerung, aber im Vergleich zu Neu Zippendorf nicht für den erhofften Abwanderungsstopp gesorgt haben. Die aktuellen Einwohnerzahlen vom 31. März sprechen leider eine deutliche Sprache", so Daniel Meslien, Sprecher der SPD-Fraktion für die Stadtteile Neu Zippendorf und Mueßer Holz.
Mit inzwischen 12124 Bewohnern liegt das Mueßer Holz nur noch ganz knapp vor der Weststadt und wird auch noch in diesem Jahr den Titel des größten Stadtteils verlieren. In Neu Zippendorf (6402) und auf dem Großen Dreesch (8307) gab es auch Verluste, die jedoch vergleichsweise gering ausgefallen sind. "Es wird Zeit, dass die Schweriner Leitbilddiskussion endlich in die Gänge kommt. Wir müssen Stadtentwicklung viel stärker stadtteilübergreifend betrachten", fordert Meslien. So sei beispielsweise ein Drittel der mehr als 22 000 Bewohner der Stadtteile Lankow und Weststadt älter als 65. Nach Ansicht der SPD-Fraktion müsse man schon jetzt offen darüber sprechen, wie mit dem demografisch bedingten Einwohnerverlust dort in den nächsten 15 Jahren umgegangen wird, damit diese Ortsteile lebendig bleiben. Es sei davon auszugehen, dass es zu einer verstärkten Wanderung vom Mueßer Holz in die Weststadt und nach Lankow kommt, da dort eine intakte Infrastruktur vorhanden ist und komplex sanierte Wohnungen zu verträglichen Preisen angeboten werden. Wer es sich leisten kann, ziehe dagegen zunehmend in die Innenstadt.
Nach Berechnungen Mesliens wird das Mueßer Holz schon in 15 Jahren nur noch rund 6000 Einwohner haben. Die kommunale Infrastruktur wird deshalb perspektivisch nicht so bleiben können. "In Zeiten leerer Kassen muss jede Investition auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden. Komplexe Schulsanierungen werden hier wohl leider nicht mehr stattfinden können", sagt Meslien. Es mache auch keinen Sinn, die Hamburger Allee zu einer den Stadtteil zerschneidenden Magistrale umzugestalten. Die SPD-Fraktion spricht sich dafür aus, die demografischen Veränderungen positiv zu nutzen. So sollte versucht werden, Mueßer Holz langfristig bewusst auf zwei kleine Siedlungskerne "gesund" zu schrumpfen, um die derzeitige großflächenbedingte Anonymität überwinden zu können. Aufgrund der vorhandenen Erschließung im Erdreich sei es vorstellbar, die freigewordenen Flächen in attraktiver Lage perspektivisch für junge Familien als überdurchschnittlich günstiges Bauland zur Verfügung zu stellen.
www.svz.de

10.04.2006
Mehr leere Wohnungen abreißen
Das Wohnungsbauprogramm "Stadtumbau Ost" soll über das Jahr 2009 hinaus weitergeführt werden. Wie Bundesbauminister Tiefensee  sagte, stehen derzeit mehr als eine Million Wohnungen leer. Es müsse daher überlegt werden, wenig bewohnte Wohnviertel komplett abzureißen. Der Unterhalt der Versorgungsnetze für Strom, Wasser und Wärme treibe sonst die Nebenkosten in die Höhe. Für die kommenden Jahre stellte Tiefensee 620 Millionen Euro für den Stadtumbau in Ost- und Westdeutschland in Aussicht. Auch Städte im Westen müssten wegen sinkender Einwohnerzahlen Wohnungen abreißen, so der Minister.
www.mdr.de

07.04.2006
Ost-Kommunen statt Unternehmen fördern
Nach der Veröffentlichung des Statusberichts zum Stadtumbau Ost (wie berichtet) sieht die Eigentümerschutz-Gemeinschaft "Haus & Grund" ihre Auffassung bestätigt, daß das Programm einer Kursänderung bedarf: "Mehr Aufwertung der vorhandenen Stadtstrukturen unter Einbindung der privaten Eigentümer". Der Statusbericht zeige auf, daß der Großteil der zur Verfügung gestellten Mittel in den Abriß bzw. Rückbau vorhandener Bestände vor allem beim Plattenbau investiert wird. "Damit fördert das Programm Stadtumbau Ost vorrangig Wohnungsunternehmen, nicht aber Städte", kritisiert Haus-& Grund-Präsident Rüdiger Dorn. Funktionierende Wohnungsmärkte und intakte Stadtstrukturen seien mit diesem Förderschwerpunkt nicht zu sichern. Dringend geboten sei die Umorientierung hin zur verstärkten städtebaulichen Aufwertung und Sanierung der Bestände.
www.welt.de

07.04.2006
Schwedt: beendet Abriss von Hochhäusern
Der Abriss von Hochhäusern wird in Schwedt (Uckermark) jetzt beendet. Seit 1999 wurden 16 elfgeschossige Plattenbauten abgebrochen. An diesem Montag wird die letzte Platte eines solchen Wohnhauses demontiert. "Ein wichtiges Kapitel beim Stadtumbau Schwedts ist damit abgeschlossen und Geschichte", teilte die Stadt mit. Der Rückbau weiterer Hochhäuser sei nicht vorgesehen. Der Stadtumbau gehe weiter, aber nicht mehr in dieser Dimension, sagte Bürgermeister Jürgen Polzehl am Donnerstag. "Bis Ende des Jahres werden rund 5000 Wohnungen abgerissen sein." Nach Einschätzung des Infrastrukturministeriums hat die Kommune sich für die Organisation des Stadtumbaus Anerkennung und Respekt verdient. "Die Stadt hat frühzeitig mit den Abrissen begonnen und war seit Beginn des Programms im Jahr 2002 der Spitzenreiter", sagte Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. Jetzt könne sie sich auf das "Abrunden" der Projekte konzentrieren. Kommunen mit schwierigen Stadtumbauprozessen könnten sich in Schwedt Rat holen.
www.svz.de

06.04.2006
Kasel/Kostheim: "Stadtumbau nicht ohne Fehl und Tadel"
Auch das Stadtumbau-Projekt, mit dem sterbende Industrieflächen bis zum Jahr 2020 in blühende Wohnviertel umgewandelt werden sollen, sei nicht ohne Fehl und Tadel. Hier müsse ökologisch und sozialpolitisch nachgebessert werden, damit nicht die Fehler wiederholt würden, die im Wohnviertel Krautgärten gemacht worden seien. In den zum Stadtumbau vorgesehenen Terrains müsse der Grünanteil erhöht und eine Verkehrspolitik ins Auge gefasst werden, die dem Busverkehr nicht im Wege stehe. Der Stadtumbau führe zu einer Änderung der Einwohnerstruktur und zu "Umschichtungen in der Bevölkerung". Daher müsse auch die Kritik an der geplanten Verlagerung des Sozialamtes von Kostheim in den Industriepark Kalle-Albert neu bewertet werden: "Wenn etwas von sozialen Brennpunkten fortbewegt wird, dann kann es nicht besser werden", sagte Porten. Den Anlass für seine kritischen Anmerkungen boten zwei Informationstreffen des Stadtplanungsamts für Kommunalpolitiker am Dienstag. Eine Runde in der Ortsverwaltung sei zwar stark besucht, aber von wenig Diskussionsfreude geprägt gewesen. Ein zur gleichen Zeit im Rathaus für Stadtverordnete angebotenes Informationsforum habe mit dem Besuch von einer Person eine "mäßige" Resonanz gefunden, berichtete Stadtplaner Marcus Vaupel.
Für das heutige öffentliche Planungsforum hat die Stadt rund 180 Bürger persönlich eingeladen, unter denen sich nicht nur Vertreter des Kulturlebens und andere, für den Fortgang der Planungen wichtige Personen befinden. Sondern auch die Teilnehmer des Kasteler Rheinuferforums, die vor einigen Jahren mit großen Erwartungen Zukunftsvisionen für die Umgestaltung der Kasteler Rheinpromenade entworfen hatten. Ziel des Projekts Stadtumbau ist es, verlassenen Industrieflächen im Karree zwischen Linde-Werk, Industriehof, Stahlbau Hammer und Philippshof mit Hilfe des Landesprogramms Stadtumbau bis zum Jahr 2020 ein anderes Profil zu geben. Eine Auseinandersetzung mit dem Projekt lohne sich in jedem Fall, da Entwürfe wie die Rheinpromenaden-Gestaltung erneut aufgegriffen werden könnten. "20 Prozent der Projekte berühren Kastel, 80 Prozent Kostheim", berichtete der stellvertretende Ortsvorsteher Porten.
Im Grunde genommen handele es sich beim geplanten Stadtumbau um ein Bündel von Einzelprojekten, die nicht nur beschlossen, sondern zum Teil auch schon verwirklicht seien. Offenbar wolle die Stadt ein Gesamtpaket schnüren, um das Programm passgenau an den Vorgaben des Landesprogramms auszurichten, mit dem eine Menge Geld verbunden sei. So stelle das Land 2006 rund 500 000 Euro für eine Anschubfinanzierung zur Verfügung, wenn die Stadt in den nächsten vier Jahren selbst jeweils 174 000 Euro beisteuere.
www.allgemeine-zeitung.de

06.04.2006
Schwerin: Wohnungsbestand dem Bedarf anpassen
In der Tallinner und der Vidiner Straße ist der Stadtumbau am deutlichsten zu sehen. Ganze Wohnblöcke verschwinden, andere werden in der Zahl der Stockwerke reduziert. Das Milliardenprogramm der Bundesregierung wirkt – sichtbar auch in Schwerin.Doch so unkompliziert wie im Stadtteil Neu Zippendorf ist es nicht immer, betont Stadtplaner Hans-Hermann Bode. "Durch den Kooperationsvertrag mit der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) und der Wohnungsgesellschaft (WGS) konnten wir das Projekt ,Wohnen in Schwerin 2010’ in Angriff nehmen", sagt Bode. "Ohne die Vermieter als Partner ist solch eine zukunftsweisende Entscheidung aber nicht möglich." Was in Neu Zippendorf beispielgebend funktioniert, ist beispielsweise im Mueßer Holz schwieriger. "Wir haben viele Vermieter, manchmal auch nur Banken, die als Treuhänder fungieren." Dennoch hält die Stadt am "Stadtumbau Ost" – dem Milliardenprogramm der Bundesregierung – fest. Es gebe keine Alternative, sagt Bode. "Auch bei einem deutlich abgeschwächten Bevölkerungsrückgang gibt es auf Stadtteilebene – insbesondere in Neu Zippendorf und im Mueßer Holz – nach wie vor Handlungsbedarf." Ziel müsse es bleiben, alle Einzelmaßnahmen von Stadtumbau und Aufwertung in ein abgestimmtes Konzept der Stadtteilentwicklung zu integrieren. Deshalb sei die Kooperation mit allen Beteiligten wichtig. Die Arbeitsgemeinschaft Stadtumbau koordiniere zwischen Bürgern, Vermietern, Banken und Bürgern.
www.svz.de

06.04.2006
Chemnitz: Mehr Steuerung beim Stadtumbau
Eine Initiative auf dem Sonnenberg wirbt für Sanierung statt Abriss. Wenngleich auch weiterhin noch viele Häuser mangels Bedarf abgerissen werden müssen, soll das künftig planvoller geschehen. Überflüssigen Wohnraum zu entfernen, war bisher das vorrangige Ziel im Rahmen des öffentlich geförderten Stadtumbaus. Das hat mitunter zu hässlichen Baulücken in Chemnitz geführt. Nur, wo zukunftsfähige und detaillierte Stadtentwicklungskonzepte vorgelegt werden können, gibt es künftig noch öffentliches Umbau-Geld beziehungsweise Fördermittel für den Abriss leer stehender Wohnhäuser.
www.freiepresse.de

03.04.2006
Gladenbach: Thermal-Freizeitbad als gemeinsames Projekt
Ausgeklügelt haben den Plan die Bürgermeister der Kommunen. Als angesichts der beiden geplanten Bäderneubauten in Bad Endbach und Gladenbach Unmut und Konkurrenzdenken aufkamen, setzten sich die Parteifreunde Markus Schäfer und Klaus-Dieter Knierim zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Die Idee zum Bau einer gemeinsamen Anlage stieß beim Land Hessen schnell auf Akzeptanz. Allein aus regionalplanerischer Sicht öffneten sich die Kommunen mit dem Vorschlag die Tür zu satten Zuschüssen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums bestätigte der OP gestern, dass mit einer Förderung in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro zu rechnen sei: „Das Konzept für ein Thermen-Freizeitbad auf der Grenze zwischen zwei Gemeinden ist ein Symbol für mehr Bereitschaft zur interkommunalen Zusammenarbeit, und das werden wir selbstverständlich unterstützen.“
Rund 20 Millionen Euro soll das Superbad kosten. Fünf Millionen Euro will das Land aus eigenen Mitteln zuschießen, vier Millionen Euro sollen aus dem EU-Förderprogramm „Leader+“ fließen, und mit einer weiteren Millionen Euro dürfen die Kommunen dank der Aufnahme ins Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ rechnen. Um die Bezuschussung haben sich die Bürgermeister gemeinsam bemüht – während geheimer Besuche in Wiesbaden, die in den vergangenen Monaten stattfanden. Die Stadt Gladenbach will sich mit 6,7 Millionen Euro beteiligen. Diesen Betrag zahlte die Versicherung als Entschädigung für das abgebrannte „Nautilust“ bereits aus. Die Gemeinde Bad Endbach will sich verpflichten, die dann noch fehlenden 3,3 Millionen aus eigenen Mitteln bereitzustellen.
www.op-marburg.de

30.03.2006
Kostheim/Kastel: Bürgerbeteiligung startet
"Stadtumbau Kostheim/Kastel - Entwicklung für die Zukunft", so ist ein Planungsforum überschrieben, mit dem die Stadt die Bürgerbeteiligung an der geplanten Umformung aufgegebener Industriegrundstücke in den beiden Stadtteilen am Donnerstag, 6. April, eröffnet. Das Treffen beginnt um 19 Uhr in der Ortsverwaltung am Sankt Veiter Platz. Ziel ist es, einen Einblick zu vermitteln, was es mit dem hessischen Landesprogramm Stadtumbau auf sich hat, mit dessen Hilfe der wirtschaftliche Wandel in den beiden Vororten in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann. Dabei wollen Stadtplanungsamt und die Abteilung Wohnbauförderung und Stadterneuerung Anregungen von Bürgern sammeln, um eine Richtschnur für ihr weiteres Vorgehen zu erhalten. Das Stadtumbau-Terrain umfasst das Geviert zwischen Waldhofstraße (Stahlbau Hammer), Kostheimer Siedlung, Industriehof in Alt-Kostheim, Gückelsberg (Linde-Kältetechnik), Floßhafen, Maaraue, Philippshof sowie das Rheinufer in Kastel.
Im Linde-Konzern, dem die Grundstücke des ehemaligen Standorts in Kostheim gehören, ist noch keine Entscheidung über die Zukunft des Werks 1 am Floßhafen gefallen. Das Terrain sei Bestandteil des Stadtumbauprogramms und die Überlegungen seien im Gange. Für das Werk 2 bestehe ein langfristiger Mietvertrag mit der Carrier-Gruppe, der weder verlängert noch gekündigt worden sei, sondern einfach weiter bestehe.
www.main-rheiner.de

30.03.2006
Wolfen: Mieter bleiben trotz Umzug
Im vergangenen Jahr Fehlinvestitionen im Plattenbau hat die WGW an ihren Wohnungsstandorten in Wolfen-Nord, im Krondorfer Gebiet, in Sandersdorf-Nord und in der Bitterfelder Anhaltsiedlung weitere Schritte nach vorn gehen können. Wie Jürgen Trümpler, technischer Geschäftsführer, berichtet, konnte in Sandersdorf der komplette Bestand von 450 Wohnungen auf ein neues Heizsystem umgestellt werden. Rund 900 000 Euro wurden dafür 2004 und 2005 aufgewendet. In Sandersdorf, so Gerhard Jaenichen, kaufmännischer Geschäftsführer, werde es trotz Leerstand mittelfristig keinen Abriss bei der WGW geben. Gleiches gelte für die Anhaltsiedlung.
In Wolfen-Nord indes sind bereits 2 320 Wohnungen vom Markt genommen worden. Mit dem für dieses Jahr genehmigten werden es 2 827 sein. Hinter dem Wort Abriss steckt allerdings auch bei der Genossenschaft ein ganzes Umzugsmanagement. "Gleiche Qualität zum gleichen Preis - das ist die unterste Grenze", sagt Jaenichen. In der Regel danken das die Mieter. Im vergangenen Jahr blieben 80 Prozent trotz notwendigen Umzugs bei der WGW. Gegenwärtig geht die Genossenschaft, so Jaenichen, davon aus, dass sie künftig einen Gesamtbestand von rund 6 500 Wohnungen haben wird. Einst waren es etwa 10 000. Was der kaufmännische Vorstand betont, ist die Tatsache, dass in den zurück liegenden acht Jahren die Kaltmiete bei der WGW gleich geblieben ist, Modernisierungsumlagen ausgenommen.
Etwa 2,4 Millionen Euro stehen der Genossenschaft in diesem für Instandhaltung und Investitionen zur Verfügung. Ein Schwerpunkt sind die Zuwegungen zu den Wohnungen. Viel, so sagt Jürgen Trümpler, passiere unter der Erde, beispielsweise bei der Gewährleistung der Entsorgung. Da müssten manchmal andere Vorhaben zurück gestellt werden. Auch die Wohnungsgenossenschaft Wolfen wird durch die gegenwärtige Wohnungsbaupolitik behindert. Da sich beispielsweise Wolfen außerstande sieht, das geforderte Drittel bei der Finanzierung beim Stadtumbau-Ost aufzubringen, folgt dem Abriss kaum die nötige Aufwertung in den Wohnsiedlungen.
www.mz-web.de

30.03.2006
Fehlinvestitionen im Plattenbau
Läuft der "Stadtumbau Ost" in die falsche Richtung? In dem noch unveröffentlichten ersten "Statusbericht Stadtumbau Ost" des Bundesbauministeriums, der sich noch in der Abstimmung mit den Bundesländern befindet, der WELT aber schon vorliegt, übt die beauftragte "Bundestransferstelle Stadtumbau Ost" an der bisherigen Praxis unverhohlen Kritik.
So sei der notwendige Rückbaubedarf in den Plattenbaugebieten vielfach "deutlich unterschätzt" worden. Hier müsse bei Aufwertungsmaßnahmen "in noch viel stärkerem Maße die Frage nach einer langfristigen Tragfähigkeit gestellt werden". Werde diese Frage nicht ernstgenommen, bestehe die Gefahr "weiterer Fehlinvestitionen".
Im Geleitwort des Berichtes weist Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee  selbst auf die eigentlichen Ziele des Stadtumbaus hin: Steigerung der Attraktivität der Städte - insbesondere durch Stärkung der Innenstädte und Erhalt wertvoller Altbausubstanz - sowie die Stabilisierung des Wohnungsmarkts durch Abriß von rund 350 000 Wohneinheiten. Dafür stellten Bund, Länder und Gemeinden im Zeitraum 2002 bis 2009 insgesamt rd. 2,5 Mrd. Euro zur Verfügung, von denen allein die Bundesregierung rd. eine Mrd. Euro aufbringe. Doch der Erfüllung dieser Ziele stellt der Statusbericht kein besonders schmeichelhaftes Zeugnis aus. Mit dem Blick auf die Plattenbaugebiete mahnt er an, Bestände, die langfristig möglicherweise nicht zu stabilisieren und auf dem Wohnungsmarkt abzulösen sind, nicht allein nach "bestehenden Wohnpräferenzen der derzeitigen Bewohner" zu beurteilen. Vielen dieser Siedlungen fehle ein größeres Zuzugspotential, da die Bewohnerschaft bereits heute oft stark überaltert sei und sich jüngere Bewohner von dieser Wohnform eher abwenden. Im Zweifelsfall gelte es, die weitere Entwicklung erst zu beobachten, bevor weitere Investitionen getätigt werden. Demgegenüber müßten im Altbaubestand die Ressourcen stärker auf die stadtentwicklungsrelevanten, image- und stadtbildprägenden Quartiere und Gebäude konzentriert werden, während sich Rückbaumaßnahmen auf die "nicht stadtbildprägenden Bestände" beschränken sollten. Jedem Abbruch in diesen Stadtbereichen müsse eine "gründliche Abwägung" vorausgehen, die "aufgrund ihrer Endgültigkeit für alle Akteure in der Stadt vertretbar sein" müsse: "Vor dem Rückbau von Gebäuden ist die Frage zu beantworten, inwieweit diese Maßnahme tatsächlich einen Zugewinn an neuer Stadtqualität ermöglicht. Im Zweifelsfall ist es dann besser, Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen als einem vorschnellen Rückbau zuzustimmen."
www.welt.de

28.03.2006
Chemnitz: Bürgerforum für Mitsprache beim Stadtumbau
Neues Podium will historisch wertvolle Bausubstanz retten und Ideen sowie Konzepte zum Erhalt des Gründerzeit-Flairs einbringen.  Seit diesem Wochenende hat Chemnitz ein Forum, das sich für den Erhalt historisch wertvoller Bausubstanz und mehr Mitsprache beim Stadtumbau einsetzen will.Gegründet nach dem Vorbild eines gleichartigen Leipziger Podiums, versteht sich das Bündnis als offener Kreis von Bürgern, Vereinen, Studenten oder Firmen, denen das Chemnitzer Stadtbild mit seiner Vielfalt an Architektur und Wohnkultur am Herzen liegt. Zur ersten Versammlung trafen sich am vergangenen Freitagabend rund 20 Leute im Kellerhaus am Schlossberg und diskutierten über die inhaltlichen Schwerpunkte.
www.freiepresse.de

28.03.2006
Schwerin: Stadtumbau dreht an Gebührenschraube
Das Milliardenprogramm Stadtumbau Ost ermöglicht es erstmals Vermietern, leer stehende Wohnungen mit Fördermitteln des Bundes abzureißen. Damit verbunden ist allerdings auch der Rückbau der technischen Infrastruktur. Doch die Ver- und Entsorgungsunternehmen bleiben derzeit in Mecklenburg-Vorpommern auf den Kosten sitzen. Die Folgen: Die Gebühren könnten steigen. Wer will schon wissen, welcher Aufwand hinter dem Verlegen von Wasserleitungen steckt, wenn das köstliche Nass verlässlich aus dem Wasserhahn sprudelt? Doch damit diese vertrauenswürdige Tatsache so bleibt, müssen tagtäglich die Experten der Schweriner Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG) präzise ihre Arbeit erledigen. Doch ein – zumindest imaginärer – Blick unter die Erdoberfläche lohnt sich. Denn das Leitungsnetz der Ver- und Entsorgungsunternehmen der Stadt wie der WAG bereitet erhebliche Probleme. Schließlich wurde es gebaut für die damals fast 130000 Einwohner Schwerins. Aufgrund der Wegzüge von Einwohnern, des Wegfalls von Firmen, des Abzugs der Roten Armee und des Geburtenrückgangs gibt es längst viel weniger Abnehmer von Wasser als gut für die Leitungen ist. Ein weiteres Problem: Mit der Erschließung zahlreicher neuer Wohngebiete wuchs mit dem kontinuierlichen Rückgang der angeforderten Wassermengen das Leitungsnetz. Inzwischen gibt es mehr als 340 Kilometer Wasserleitungen im Schweriner Erdreich. Der Verbrauch jedoch ist geschrumpft. Wurden im Tagesdurchschnitt im Jahr 1988 noch 50 000 Kubikmeter Wasser verbraucht, sind es gegenwärtig nur noch 13 500. "Wir haben jährlich stetig steigende Kosten für die Rohrnetzspülung", sagt WAG-Geschäftsführerin Gesine Strohmeyer. Diese sind notwendig, um die Trinkwasserqualität zu erhalten. "Durch den extrem starken Rückgang im Verbrauch gibt es lange Standzeiten des Wassers in den Leitungen, es setzen sich zudem Sedimente ab", erklärt der Technik-Experte der WAG, Jürgen Deter. "Ohne die Spülungen könnten wir nicht unseren hohen Ansprüchen der Wasserqualität Rechnung tragen." Deshalb verwundert es nicht, wenn Strohmeyer und Deter mit den Augen rollen, wenn ein neues Wohngebiet ausgerechnet in Warnitz entstehen soll. Dorthin müssen neue Leitungen verlegt und auch Pumpstationen gebaut werden. Eine Eigenheimsiedlung in Dreeschnähe wäre ihnen lieber. Denn das vorhandene Leitungssystem ist nach wie vor auf die ehemals gut 60000 Einwohner ausgelegt. Als wären diese Probleme noch nicht genug, bringt auch der groß angelegte Stadtumbau Ost zusätzliche Schwierigkeiten. Denn der vom Bund großzügig geförderte Rückbau der Immobilien beinhaltet nicht die unterirdischen leitungen. Derzeit bleiben die Ver- und Entsorger allein auf den Kosten sitzen, um das Leitungssystem unter der Erde dem tatsächlich vorhandenen Wohnungsbestand anzupassen. In der Tallinner und Vidiner Straße, wo die Wohnungsbaugenossenschaft SWG gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft (WGS) nicht nur Wohnblöcke abreißen lässt, sondern auch einzelne Geschosse abträgt, müssen auch die Wasser- und Abwasserleitungen, die Stromversorgung sowie die Fernwärmestränge verringert werden: Erhebliche Kosten für die kommunalen Unternehmen.
Auch wenn gegenwärtig noch kein Geschäftsführer eines kommunalen Ver- und Entsorgungsunternehmens offen darüber spricht: Die Kosten dafür werden die städtischen Firmen auf Dauer nicht allein tragen können. Die Folge: Die Gebühren für Wasser, Abwasser, Strom und Fernwärme müssen zwangsläufig steigen.
www.svz.de

27.03.2006
Wuppertal: Keine Utopie: Arrenberg wird Vorzeigeviertel
Es gibt Quartiere, die sind typisch für eine Stadt. Sie stehen für die Industrie- und Kulturtradition, ihre Architektur ist typisch für bestimmte Epochen und sie sind Symbol des Strukturwandels mit vielen Leerständen, maroder Bausubstanz, sozialen Problemen, hohem Migrantenanteil. So ein Stadtteil ist der Arrenberg. An der engsten Stelle des Tals verfällt ein Gründerzeitviertel, das in direkter Nachbarschaft zu Wuppertals Vorzeigequartier liegt, dem Brill.
Ein Förderprogramm soll das ändern. Stadtumbau West heißt es in Anlehnung an das Neue-Länder-Vorbild Stadtumbau Ost. Seit zwei Jahren arbeiten die Partner darunter WSW, GWG, Wuppertaler Bau- und Sparverein, Barmer Wohnungsbau und Stadtsparkasse an der Entwicklung des Arrenbergs. Jetzt soll das Engagement mit 300 000 Euro Startkapital aus dem Fördertopf von Stadtumbau West professionell vorangetrieben werden. Zurzeit befindet sich eine Quartiersentwicklungsgesellschaft in der Gründung.
Sie wird zunächst für den Arrenberg zuständig sein, später ihre Arbeit aber auf vergleichbare Stadtteile wie Wichlinghausen/Oberbarmen, Unterbarmen und die Elberfelder Nordstadt ausdehnen. Das so genannte Entwicklungsmanagement bezieht ein Büro am Arrenberg und muss sich letztlich selbst tragen. Denn städtisches Geld gibt es kaum, um den Arrenberg aufzumöbeln.
Privates Kapital ist gefragt, also die Hauseigentümer. Für die soll sich finanzielles Engagement wieder lohnen, "weil wir dem Stadtteil eine Perspektive geben", so Rathke. Dabei geht es darum, die Hausbesitzer zusammenzubringen, Impulse zu geben, Hilfe zu leisten bei Fragen der Wärmedämmung wie der Fassadengestaltung. Rathke: "Gemeinsam können die Eigentümer Sanierungs-Kosten sparen, während sich das Büro um Freiflächen oder um das Marketing für den Standort kümmert.
www.wz-newsline.de

24.03.2006
Hof: „Wir brauchen die Hilfe aller Bürger“
Sinkende Einwohnerzahlen, schrumpfender Arbeitsmarkt – Hof steht vor großen Herausforderungen, die nur im Rahmen eine Stadtumbaus zu meistern sind. Die Redaktion sprach mit dem Projektteam über Chancen und Risiken. In Ihren Händen liegt der so genannte Stadtumbau West. Worum geht es dabei überhaupt?
Klaus J. Schulz: Der Stadtumbau West ist ein Programm des Bundes und der Länder. Es wurde konzipiert für Städte mit demografischen und wirtschaftlichen Themen, die sich hemmend auf die Stadtentwicklung auswirken. Mit dem Programm sollen Probleme identifiziert, Chancen untersucht und Potenziale einer Stadt unterstützt werden, damit sie nach einer Phase der Konsolidierung aus eigener Kraft weitermachen kann.
Dr. Manfred Bauer: Letztlich geht es darum, die Infrastruktur einer Stadt der schrumpfenden Bevölkerung anzupassen. Die Prognosen zeigen: Viele Städte verlieren in naher Zukunft Einwohner. Es gilt, diesen Prozess möglichst reibungslos zu vollziehen, ihn sinnvoll zu koordinieren, und – im besten Falle – aus dem Schrumpfungsprozess qualitativen Nutzen für die Menschen zu ziehen.
Unter Infrastruktur versteht der viel zitierte Mann auf der Straße vor allen Dingen Straßen und Bahnverbindungen. Was ist Infrastruktur in Ihrem Sinne?
Bauer: Infrastruktur umfasst den Wohnungsmarkt, soziale Einrichtungen – zum Beispiel Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für die Jugend und alte Menschen, technische Infrastruktureinrichtungen zum Beispiel die Energieversorgung, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie die Umwelt-Bedingungen. Kurzum: die Bedingungen für eine gute Wohn- und Lebensqualität.
Es geht also um ein integriertes Stadtentwicklungs-Konzept, das alle Lebensbereiche umfasst. Warum ist so ein ganzheitlicher Ansatz notwendig?
Dr. Bernhard Michel: In früheren Zeiten, beispielsweise vor 40 Jahren, mussten sich Politiker und Stadtplaner darüber Gedanken machen, wie sie mit dem Wachstum umgehen, wo sie neue Wohn- oder Gewerbegebiete ausweisen. Heute schrumpfen die Städte im Osten und zunehmend auch im Westen Deutschlands. Planer und Politiker müssen deshalb intensiv darüber nachdenken, wie sie damit zurecht kommen, dass Bevölkerungszahl und Arbeitsplatzangebot abnehmen. Dieser Schrumpfungsprozess muss gestaltet werden.
Selbst kleinere Städte wie Hof haben in der Vergangenheit heftig expandiert und immer mehr Fläche verbaut. Was war der Grund hierfür?
Michel: Ein wesentlicher Grund war natürlich das Wachstum. Die Prognosen gingen häufig davon aus, dass sowohl das wirtschaftliche als auch das Bevölkerungs-Wachstum sich stetig und dauerhaft fortsetzen. Von dieser Einschätzung müssen wir uns dauerhaft verabschieden.
Schulz: Hof hatte ausgedehnte, prosperierende Industriegebiete, die aufgrund der langen Tradition mit der Textilverarbeitung zu unglaublich großen wirtschaftlichen Potenzialen geführt haben. Diese gibt es so nicht mehr; sie sind weggebrochen. Mit den Politikern und der Bevölkerung müssen wir nun Wege finden, die Stadt räumlich sinnvoll, sozial- und wirtschaftsverträglich umzubauen.
Was hat für Sie Vorrang beim Stadtumbau?
Schulz: Priorität hat für uns die Stärkung der Innenstadt. Innenstadt heißt für uns: Altstadt, Neustadt, Westend, Bahnhofsviertel und die Wohngebiete rund um die Fabrikzeile. Dieses Gebiet ist der kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Kern der Stadt Hof.
Michel: Ziel dieses Stadtumbau-Programmes ist es, die Qualität der Innenstadt zu verbessern. Nur mit lebendigen und wirtschaftlich starken Zentren haben die Städte eine Zukunft.
Was haben die Hofer Bürger vom Stadtumbau?
Michel: Der Nutzen für die Bürger besteht darin, dass sie auch künftig gute Rahmenbedingungen in ihrer Stadt vorfinden: eine angemessene Wohn- und Lebensqualität, eine vernünftige Versorgung mit Schulen und Kindergärten, Arbeitsplätze, einen funktionierenden Personennahverkehr, damit sie nicht in allen Lebenslagen auf ein Auto angewiesen sind. Ein sehr wichtiges Thema resultiert aus der Altersstruktur. Unsere Gesellschaft wird ja immer älter. Auch unsere alten Herrschaften wollen zentral wohnen, die kulturellen Einrichtungen und Bibliotheken nutzen, in Konzertveranstaltungen und ins Theater oder ins Kino gehen. Teilweise sind sie nicht in der Lage oder bereit, mit dem Auto zu fahren oder kilometerweit zu laufen. Also müssen sie im Zentrum entsprechende Wohnmöglichkeiten vorfinden.
Sie laden für Samstag zu einer ,,Zukunfts-Werkstatt'' ein. Was passiert da?
Bauer: Für den Stadtumbau brauchen wir die Bürger, weil viele der Maßnahmen nur mit Akzeptanz der Bürger umgesetzt werden können. Deshalb ist es also nur allzu logisch, dass wir versuchen, die Hofer frühzeitig einzubinden und ihre Meinung kennen zu lernen. Was passiert konkret? Wir machen zunächst gemeinsam eine Bestandsaufnahme und schauen uns die Stärken und Schwächen der Stadt an. Wir gehen dann in die Zukunft – wie könnte die Stadt Hof im Jahr 2030 aussehen? – und fragen die Bürgerinnen und Bürger nach ihren Vorstellungen, Wünschen und Meinungen. Und dann werden wir in kleineren Arbeitsgruppen – zum Beispiel zu den Themen Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Verkehr oder Städtebau – miteinander diskutieren.
Das klingt sehr spannend, weil die Bürger die Möglichkeit haben, die Zukunft ihrer Stadt mitzugestalten. Können Sie zwei oder drei konkrete Beispiele für Maßnahmen nennen, die Sie in Angriff nehmen wollen?
Michel : Auch wenn es derzeit noch zu früh ist, konkrete Ergebnisse vorlegen zu können – die Bestandsaufnahme und Bewertung der Situation ist gerade abgeschlossen – ist absehbar, dass sich das integrierte Stadtentwicklungskonzept vor allem mit der Frage beschäftigen wird, wie die Attraktivität der Innenstadt verbessert werden kann. Dabei spielt auch die Qualität der Bus- und Bahnverbindungen eine Rolle. Von hoher Bedeutung für die Zukunft der Stadt Hof wird auch die Aus- und Weiterbildung sein, die bereits mit der vorschulischen Erziehung beginnen muss und bis zur Weiterbildung von Fachkräften reicht, damit sich diese für die veränderten Arbeitsanforderungen qualifizieren. Das Konzept wird sich auch mit den Möglichkeiten zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Hof beschäftigen.
Über welchen Zeitraum ist das Projekt angelegt, und wie finanziert es sich?
Bauer: Das Projekt ist angelegt bis zum Jahr 2020. Zugrunde liegt ein Prognose-Zeitraum, der einerseits noch überschaubar ist, es andererseits aber notwendig macht, strategische Entwicklungen einzuleiten.
Schulz: Grundlage ist ein mit der Kommunalpolitik und der Regierung von Oberfranken abgestimmtes Entwicklungskonzept. Daraus resultieren so genannte Impuls-Projekte aus allen möglichen Bereichen wie zum Beispiel Umwelt, Kultur, Arbeitsmarkt, Verkehr oder Wohnqualität. Die Projekte sollten an strategisch wichtigen Punkten greifen. Sie dienen dazu, den Schrumpfungsprozess in geordnete Bahnen zu lenken und daraus Nutzen für die Bevölkerung zu ziehen.
Michel: Generell kann man mit einer staatlichen Förderquote von 80 Prozent rechnen. Das heißt aber nicht, dass die restlichen 20 Prozent unmittelbar aus dem Haushalt der Stadt kommen müssen, denn in der Stadt gibt es natürlich auch Investitionen von Unternehmen, die in dem Programm als Eigenmittel gewertet werden.
Bauer: Die Grundsatzfrage lautet doch: Welche Alternativen hat die Stadt überhaupt, wenn es nicht gelingt, durch Investitionen die negative Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung zu konsolidieren? Soviel ist doch klar: Wenn man nicht einmal den Bestand an Betrieben und Wirtschaftsunternehmen zu halten vermag, hat man als Stadt auch keine eigenen Steuer-Einnahmen und somit keinen Gestaltungs-Spielraum.
Mancher Bürger wird sich fragen, ob es überhaupt funktioniert, Innenstädte wieder zu beleben. Gibt es Beispiele für eine gelungene Umsetzung?
Bauer: Es gab ein Vorläufer-Projekt, es nannte sich Stadtumbau Ost. In den neuen Bundesländern verlief der Bevölkerungs-Rückgang noch drastischer als im Westen. Auf den Erfahrungen, die man dort gemacht hat, setzt jetzt der Stadtumbau West auf. Für die Veränderungen, die wir anstreben, werden wir natürlich Jahre brauchen. War bisher das Haus im Grünen für die Menschen erstrebenswert, muss man sie jetzt davon überzeugen, dass das City-Wohnen durchaus Vorteile hat: Wer im Zentrum einer Stadt wohnt, spart Zeit und Kosten, weil er kein Auto braucht, oder wegen des größeren Waren-Angebots in unmittelbarer Nachbarschaft. Das setzt voraus, dass man in Wohnbereichen die notwendige Infrastruktur schafft. Beispielsweise für alte Menschen, die ganz bestimmte Bedürfnisse haben.
Boedecker: Die Herausforderung, dass Städte schrumpfen, ist relativ neu für die Stadtplaner, früher bestand die Aufgabe in der Entwicklung der Städte und der Sicherung von historischen Altstadt-Kernen. Dabei haben wir viele Erfolge nachzuweisen. Alle kennen die schönen bayerischen Städte, von Regensburg bis Seßlach bei Coburg, wo es funktioniert hat. Jetzt haben wir eine neue Zielsetzung: Es geht darum, die Probleme, die mit dem Schrumpfungsprozess einhergehen, zu lösen. Und dazu brauchen wir die Hilfe aller – der Politiker, der Bürger und der Fachleute.
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24.03.2006
Brandenburg: Nützlichkeit geht noch vor Städtebau
Die mit Plänen und Fotos unterlegte Präsentation war ursprünglich zum Beschwichtigen der Bewertungskommission der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen erstellt worden; die Experten hatten sich um den möglicherweise laxen Umgang mit dem fragilen Stadterbe gesorgt. Der Vortrag an sich war als Bestandsaufnahme in Ordnung, Brandts Kommentare hingegen ließen manchem Stadtplaner den Schweiß auf die Stirn treten. Beispielsweise wenn der Kommunalpolitiker und gelernte Jurist bekundete, dass man bei der Auswahl der Bewerbungen für das künftige St. Annen-Center auf dem Astler/Telekom-Areal "nicht herangegangen ist aus städtebaulicher Sicht, sondern nur nach dem Konzept, das funktioniert und für die Innenstadt verträglich ist." Nun ja, aber welche Konkurrenz soll nach dieser Logik schon für die Innenstadt-Händler verträglich sein, deren Existenzgrundlage Brandt als "Maßnahme zur Arbeit statt Sozialhilfe" abqualifiziert?
Sei's drum. Es bleibt auch beim Abriss der beiden Häuser Neustädtische Fischerstraße 17/18. Dass die Brandenburger und direkten Anwohner danach eineinhalb Jahre mit einer Brache leben müssen, bis nach dem Abschluss der Mühlendammarbeiten vielleicht ein begrünter Park entsteht, kann nach seiner Ansicht hingenommen werden.
Es gebe ohnehin nur zwei Entwicklungsachsen, in die es sich zu investieren lohne. Von Brennabor zur Altstadt, von der Dominsel zum Zentrumsring - Schnittpunkt ist der Neustädtische Markt.
Das Szenario des Bevölkerungsrückgangs auf 71 000 bis 72 500 Brandenburger bis 2010 beziehungsweise auf 65 000 bis 68 000 Einwohner bis 2020 hat Brandt zur Kenntnis genommen, visionär setzt er aber auf die Wachstums-Chancen, die sich aus der "Entleerung des ländlichen Raums" ergeben. Dennoch wird der Überhang an leer stehenden Wohnungen sich zwischen den Prognosezahlen 8672 und 10 483 einpendeln, bevor es an geordnete Stadtentwicklung geht, muss der geordnete Rückzug im Stadtumbau abgeschlossen sein. Nun ja, dazu hat er wenig gesagt, wer will schon Visionen von Abrissbaggern?
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23.03.2006
Eisenhüttenstadt: Überleben steht an erster Stelle
Der Stadtumbau, die sinkende Einwohnerzahl und die wirtschaftliche Lage in der Region wirken sich problematisch auf die kommunalen Unternehmen der Stadt aus. Während der Leerstand bei der Gebäudewirtschaft trotz Wohnungsabriss noch bei 30 Prozent liegt und damit existenzgefährdend für das Unternehmen ist, behalten sich Versorger wie die Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH weitere Preiserhöhungen vor und begründen diese u.a. mit veränderten innerbetrieblichen Abläufen. Den Stadtverordneten lagen jetzt die Wirtschaftspläne für 2006 vor.
Seite 10, Punkt 3, des Wirtschaftsplans der Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH für 2006 brachte am Dienstagabend so einige Stadtverordnete in Rage: "Weiterhin sind Änderungen in den organisatorischen Abläufen und in den personellen Zuordnungen und Verantwortlichkeiten im Unternehmensverbund der Stadtwerke erforderlich. All das ist mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden, die, soweit möglich, an die Kunden weitergegeben werden müssen." Immerhin gehört das kommunale Unternehmen Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH noch zu den wenigen Eigenbetrieben, die Gewinne einfahren: Für 2006 hat Geschäftsführer Bernd Rothe-Sallmann 345 000 Euro anvisiert. Seine Geschäftsführer-Kollegen mit kommunaler Beteiligung können von solchen Zahlen nur träumen.
Beispiel Kita-Vereinigung: Die Kita-Vereinigung betreibt noch acht Kindertagesstätten und fünf Horte an Grundschulen und prognostiziert für Ende 2006 einen Verlust von rund 4,8 Millionen Euro, der durch den städtischen Haushalt ausgeglichen wird. Geschäftsführerin Gudrun Grund sieht im Stadtumbau unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung der städtischen Kita-Landschaft. Die geplante Übernahme von zwei Kitas durch das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk - Lazarus AG ist vorerst auf Eis gelegt und abhängig von der weiteren Fortschreibung des Stadtumbaus sowie der Kita-Bedarfsplanung. Auch die für 2006 vorgesehene Auflösung der Kita-Vereinigung verschiebt sich. Als problematisch bezeichnete die Werkleiterin den weiter steigenden Altersdurchschnitt der Kita-Erzieher, der schon bald zwischen 50 und 52 Jahren liege und dem entgegengewirkt werden müsse. Größter Posten sind die Personalkosten.
Beispiel Gebäudewirtschaft: Etwas mehr als 10 000 Euro stehen am Jahresende auf der Haben-Seite im Wirtschaftsplan 2006. Dabei kämpft die Gewi angesichts eines Leerstands von rund 30 Prozent um ihre Existenz. "Wir dürfen keine weiteren Liquiditätsverluste haben", sagt Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer und verweist auf das Konzept zur Insolvenzabwehr, dessen Kernpunkt ein ausgeglichener Haushalt ist. Weitere Schwerpunkte: Einsparungen bei Verwaltungs- und Personalkosten. Sanierungen erfolgen nur dort, wo die Gewi nach den Bauarbeiten auch wirtschaftlicher mit den Objekten arbeiten kann. Die Gebäudewirtschaft plant im laufenden Jahr mit weiteren 200 leergezogenen Wohnungen. Verluste durch Leerstand, fehlende Mieteinnahmen, hohe Kosten der Innenstadtsanierung, mangelndes Interesse von Banken für Sanierung sowie erschwertes Umzugsmanagement durch den Denkmalschutz bringen die Gewi in Bedrängnis.
Beispiel Stadtwirtschaft Eisenhüttenstadt GmbH: Mit einem positiven Ergebnis - 4500 Euro Gewinn - will die Stadtwirtschaft das Jahr abschließen. "Die strategische Ausrichtung des Unternehmens als Garten- und Landschaftsbaubetrieb und Städtereiniger mit fachlicher Kompetenz und Sachkunde bei der Erbringung kommunaler und gewerblicher Dienstleistungen steht auch 2006 im Mittelpunkt unserer Entwicklung", sagt Geschäftsführer Knut Kirschke. Die Liquiditätslage sei zwar weiterhin angespannt, aber auf dem Weg der Besserung. Das Unternehmen hat 57 Mitarbeiter.
Beispiel Städtisches Alten- und Altenpflegeheim: Obwohl das städtische Alten- und Altenpflegeheim mit der Eröffnung des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit rückläufiger Tendenz bei der Auslastung von Pflegeplätzen leben musste, steuert die GmbH 2006 erneut leichte Gewinne mit 5000 Euro an. Noch im ersten Halbjahr soll mit einem ambulanten Pflegedienst eine weitere Unternehmenssäule gegründet werden.
Beispiel Eisenhüttenstädter Freizeit- und Erholungs GmbH (EFE): Mit mehr als einer Million Euro muss die Stadt die GmbH bezuschussen und das Minus ausgleichen. Das Defizit soll zwar 2006 im Vergleich zum Vorjahr weiter sinken, ist aber dennoch erheblich. Hauptverursacher ist das Inselbad mit einem prognostizierten Verlust von mehr als 800 000 Euro.
Darüber hinaus ist die Stadt an Gesellschaften wie der Gemeinnützigen Gesellschaft für Qualifizierung und produktive Berufs- und Arbeitsförderung der Region Eisenhüttenstadt mbH (GEM) sowie der Flugplatzgesellschaft Eisenhüttenstadt/Frankfurt (Oder) beteiligt. Über den Wirtschaftsplan des Krankenhauses wird zu einem späteren Zeitpunkt debattiert.
www.moz.de

22.03.2006
Velten: Plattenbausiedlung soll der Stadtumbau am 1. April beginnen
Bauvorbereitende Arbeiten künden in Veltens Plattenbaugebiet Süd den Beginn der Wohnungsmodernisierung an. Am Freitag und am Montag sind insgesamt 20 Bäume an der Straße der Solidarität und an der Straße der Freundschaft gefällt worden. Dies hat bei den Anwohnern für Ärger gesorgt, auch deshalb, weil nichts angekündigt worden ist.
Dafür entschuldigt sich der Chef der verantwortlichen Regionalentwicklungsgesellschaft (REG), Frank Kupsch, ausdrücklich. Doch er habe die Fällgenehmigung zum spätestmöglichen Termin, am 15. März, vom Kreis erhalten und dann sofort handeln müssen. Für zehn der 20 Bäume sei überhaupt nur eine Genehmigung erforderlich gewesen. Laut Kupsch standen die Bäume an der Straße der Solidarität zu dicht an den Wohnblöcken, die Balkone erhalten sollen. Und in der Straße der Freundschaft müssen Rettungswege zu den Blocks geschaffen werden, die breit genug für Fahrzeuge sind. Wann geht es nun los mit dem Stadtumbau in Süd? Bis nächste Woche Freitag erwartet Frank Kupsch die Baugenehmigung vom Landkreis. Dann werden die ersten beiden Wohnhäuser an der Straße der Solidarität, die Vorbesitzer Wolter bereits leer gezogen hatte, saniert. Danach sind die Häuser an der Straße der Freundschaft dran. Insgesamt modernisiert die REG für die Stadt Velten acht Häuser. Die Zahl der Wohnungen kann Kupsch erst nach Baugenehmigung nennen. Beantragt sind nach dem Umbau 331 Wohnungen. Sollten die Statiker jedoch einige der beantragten Änderungen der Wohnungszuschnitte ablehnen, könnten es mehr Wohnungen werden. Mit den Außenanlagen soll der Stadtumbau in zwei Jahren abgeschlossen sein, sagte Kupsch gestern auf Anfrage. Die ILB hat ein Darlehen von 6,4 Millionen Euro für die Sanierung der Wohnungen und weitere 3,5 Millionen Euro für die Errichtung von Aufzügen bewilligt.
www.maerkischeallgemeine.de

20.03.2006
Berlin: Genossenschaft läßt Wohnungen abreißen
Nun kommt auch die erste Berliner Wohnungsgenossenschaft um den Abriß von Plattenbauten nicht herum. An der Jan-Petersen-Straße 2-6 und 10-12 sollen bis 2007 insgesamt 82 Wohnungen der Genossenschaft "Marzahner Tor" verschwinden. Vorstand Marianne Blätz sagt: "Der Leerstand von 30 bis 40 Prozent in diesen Gebäuden läßt uns keine andere Wahl." Die Elfgeschosser werden entweder gänzlich abgerissen, so an der Jan-Petersen-Straße 4 und 6, oder terrassenartig um zwei bis vier Etagen zurückgebaut.
Es wird auch ein architektonisches Novum geben. Der Aufgang Jan-Petersen-Straße 2 bleibt als elfgeschossiger Turm bestehen. Blätz: "Dort gibt es überwiegend Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen mit einer hervorragenden Aussicht auf den historischen Marzahner Dorfkern." Auch die anderen verbleibenden Häuser werden komplett saniert. Sie erhalten neue Fassaden und Loggien.
99 Prozent der Mieter sind bereits seit Mitte 2005 umfassend informiert worden. "Nur einer war bisher nicht zu erreichen", sagt Blätz. Ein Mieterbeirat wurde gebildet. Von 136 Bewohnern der Wohnblöcke wollen nur acht nicht in Marzahn bleiben. Alle anderen möchten nach Rückbau und Sanierung in ihre Wohnungen zurückkehren oder wegen des Abrisses eine neue Wohnung in der Nachbarschaft beziehen.
Vorbereitende Arbeiten werden schon in diesem Jahr beginnen. Die Genossenschaft, die derzeit über 4719 Wohnungen verfügt, investiert in das Projekt mehr als 7,3 Millionen Euro.
Blätz: "Im Gegensatz zu den Wohnungsbaugesellschaften erhalten wir leider keine Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost, außer 60 Euro pro abgerissener Wohnungsfläche." Das sind insgesamt nur knapp 380 000 Euro
morgenpost.berlin1.de

19.03.2006
Stadtumbau am Scheideweg

Die Schatten wurden länger und länger an einem jener Abende, die mit ihrem schönen Wetter fast den gesamten Herbst 2005 prägten und in den matt werdenden Strahlen der Sonne spiegelten sich zerborstene Scheiben. Wie schwarze Löcher absorbierten die leeren Fensterrahmen die Sonnenstrahlen ins Nichts der Zimmer. Ganze Straßenzüge offenbarten die Malaise: Keine Einwohner, keine Nutzer, kein Leben. Die Stadt, die einst blühende Residenzstadt war, findet am Ende einer Zeitenwende wohl auch deshalb nicht mehr zu sich selbst, weil Andere und an anderer Stelle über das Schicksal dieser Stadt bestimmen.
Der bröckelnde Putz beginnt eine sanfte, hellbraune Färbung zu bekommen, so als hätte ein Maler mit leichtem Pinsel Ocker auf die Wände getüncht und dort, wo der Schatten die Häuser bereits eingehüllt hatte, tauchten mit Matt der grauen Fassaden wie Parolen aus einer alten Zeit Schriftzüge auf: Konzert- und Ballhaus – Gaststätte „Zur fröhlichen Einkehr“ – Kolonialwaren A. Werner – Persil! Für wahr, die Stadt hat bessere Zeiten gesehen und jede Straße atmete Geschichte und Geschichten. Und wären wir im geschichtsträchtigen Süden Europas, die Stille der Umgebung würde vom Klicken tausender japanischer Kameras gestört. So aber siechen prachtvolle Bauten einer ungewissen Zukunft entgegen, ohne Perspektive auf Besserung.
Immer mehr wird klar: Städtebau und Stadtumbau in seiner bisherigen Form wird die tief greifende Krise der deutschen Stadt – zurzeit noch mit Schwerpunkt in Ostdeutschland, aber bald schon auch im Westen der Republik – nicht mehr lösen können. Städtebauförderung entpuppt sich mehr und mehr als ein Pflaster auf einer Wunde, die nicht einmal mehr mit einem Verband geheilt werden kann. Wende im Denken ist angesagt, in einer Zeit knappster Kassen, neue Wege, die sich angesichts zunehmender wirtschaftlicher Unsicher-heiten nicht von selbst ergeben, sondern von Politik und Wirtschaft ein grundsätzliches Überdenken vieler Positionen erfordern werden. Hat die deutsche Stadt noch eine Chance?   Oder: Heißt Globalisierung auch Abschied vom unrentierlichen Denkmalschutz, weg von der tausendjährigen Siedlungsgeschichte Deutschlands?
Es ist fast müßig, die Stadt beim Namen zu nennen, denn das, was sich schildern lässt, spielt sich in Altenburg ebenso ab wie in Zeitz, findet seinen Ausdruck im Niedergang der Industrie des Zschopautals ebenso wie im Mansfelder Land und frisst sich in die Bausubstanz von Demmin und Lassan ebenso wie in Quedlinburg und Zittau. Überall beginnen, nach den Jahren des Aufbruchs am Anfang der 1990-er Jahre, Ernüchterung und Bestürzung Platz zu greifen, weil immer deutlicher wird, was Planer beim Nachwendestart kaum ahnen konnte: Verfall und Entleerung der Städte gehen schneller, als Denkmalschützer, Stadtplaner und Städtebauer die Chance zu ihrer Sicherung haben.
Quedlinburgs Bürgermeister Eberhard Brecht hat es in diesen Tagen auf den Punkt gebracht, als er meinte, die Bevölkerung müsse bewogen werden, aus den vorgelagerten Gebieten in die Innenstädte zurückzukehren, um diese nachhaltig wieder besiedeln und mit Leben erfüllen zu können. Dafür müssten die Innenstädte für die Menschen attraktiver gemacht und den Bedürfnissen der Menschen mehr angepasst werden. Tatsächlich hat selbst das Weltkulturerbe im östlichen Harzvorland eine trübe Zukunft, wenn die Stadt nicht Einwohner in das Zentrum, Gewerbe an den Stadtrand oder in die Vorstadtgebiete und Steuern in die Stadtkasse bekommt. Quedlinburg, die altehrwürdige Stadt, die die Jahrhunderte fast unbeschadet überdauert hat, braucht Hilfe, weil fehlende Wirtschaftskraft und Einwohnerverluste die Stadt in die Zange nehmen.
Nicht alles, was zwischen Ostsee und Fichtelberg in Sachen „Städtebau“ sich zur Problemlawine auftürmt, haben Andere zu verantworten, aber eine gehörige Portion kommt aus der Vergangenheit, in der nicht nur der innerstädtische Mittelstand ruiniert wurde, sondern auch hochwertigste Bausubstanz dem Verfall preisgegeben war. Die bundesdeutsche Gesetzgebung war indessen bisher wenig in der Lage, die Probleme tatsächlich zu lösen, weil die nötigen Selbstheilungskräfte der Wirtschaft für die dahinsiechenden Städte nicht vorhanden sind. Im Zeitalter der Globalisierung reicht der noch dazu schwindende Bürgersinn nicht mehr aus, um eine historische Stadt am Leben zu erhalten. Die offensichtlichen Mehrkosten der Innenstadt lassen sich wirtschaftlich nicht rechnen, wenn die Lohnkosten Bulgariens mit den Kosten der Arbeit in Deutschland verglichen werden.                                                                                
In krassem Gegensatz steht auch das Verhalten vieler Finanzkreise, die auf Besitzstandswahrung bei Grundstückspreisen pochen, während sie in den Fonds und Renditeobjekten die Lohnkosten Osteuropas preisen. Nicht nur für den Arbeitsmarkt hat dies fatale Folgen, auch für Deutschlands Städte – und hier wieder besonders in Ostdeutschland – entsteht ein verheerenden Sekundäreffekt: Der Wert der Innenstädte sinkt und bedeutende Bausubstanz verliert den erforderlichen wirtschaftlichen Boden. Fehlende wirtschaftliche Perspektiven für – insbesondere – die Schwellenhaushalte, jene also, die aus der Mietwohnung in Eigentum wechseln wollen, verhindern zugleich einen Markt für Altbausubstanz. Dabei stehen die steuerlichen Erleichterungen – vor allem für jene Schwellenhaushalte, die wenig Steuern bezahlen – im Missverhältnis zum Mehraufwand, den Altbausubstanz und Denkmalschutz abverlangen.
Neben den wirtschaftlichen Perspektiven sind es vor allem auch Anforderungen, die Nebenkosten auslösen, die viele Schwellenhaushalte und private Bauinteressenten vor dem Schritt in die Innenstädte abhalten. Auch wenn langfristig und mit Blick auf das Älterwerden die Innenstadt kostengünstiger sein dürfte, lassen sich viele Sanierungsobjekte kaum ohne Architekten, Statiker und Bauleiter betreuen. Ein Großteil der Objekte ist zudem für eine Familie zu groß. Zu wenig Grün, fehlende Stellplätze und der Lärm der Hauptstraßen kumulieren zu einer Bedrohung für die Substanz der Innenstädte. Wer zudem steuerlich wenig Abgaben zu zahlen hat – junge Familien mit Kindern – dem kommen auch die steuerlichen Vorteile der Sanierungsgebiete nur wenig zugute. Vielen Finanzinvestoren indessen sind die Renditen zu gering, die sich derzeit in den Quartieren der Innenstädte erzielen lassen.
Neues Nachdenken sollte die Finanzlage auch bei den Denkmalschützern auslösen: Überzogener Denkmalschutz gefährdet die Denkmale! "Zwischenlösungen" sind das Gebot der Stunde, für die Dauer einer Renovierungsperiode, etwa preiswerte Dachpfannen statt teure Biberschwänze. Auch das ist historisch, denn die Bauhistoriker finden immer wieder bei prachtvollen Bauten über die Jahrhunderte verschiedene Baustoffe, die die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eigentümer widerspiegeln. Gleiches gilt für Infrastruktur und öffentliche Flächen, wo Pflasterstraßen nicht nur an finanzielle Grenzen stoßen, sondern neben dem Ärger mit den Stöckelschuhen auch Lärmquelle für die Anwohner darstellen. Maßvolle "Entdichtung" hilft dabei auch das Grün- und Stellplatzproblem zu lösen.
In vielen Problemregionen Ostdeutschlands fehlt es an raumordnerischen Grundsatzentscheidungen, die den Städten jenen Stellenwert zuweisen, den sie benötigen, um ihre urbanen Strukturen sichern zu können. So fließen nach wie vor wertvolle Investitionen in periphere Bereiche und die wenigen Investoren nutzen günstig gelegene Gewerbegebiete der "Grünen Wiese". Wenn diese dann noch im Umfeld größerer Städte liegen, kann der Investor deren Infrastruktur gleich kostengünstig mit nutzen. Vielen Städten bleibt – ob dieser Konkurrenz – keine Alternative dazu, ebenfalls an den Randzonen Gewerbegebiete auszuweisen, obwohl 15 Jahre nach der Wende in den Innenstädten sich zum Teil große Industriebrachen auftun. Brachen, die auch westdeutschen Städten zunehmend industriellen Niedergang beschert und deren Nachnutzungsmöglichkeiten gezielt unterstützt werden müssten.
Zweifellos verschärft sich der Verteilungskampf zwischen Stadt und ländlichem Raum, doch dabei darf nicht verkannt werden, wie stark beide – Stadt und Dorf – aufeinander angewiesen sind. Besonders kleinere und mittlere Städte stehen vor einer existenziellen Bedrohung, für die leerfallende Innenstädte die Spitze des Eisberges sind. Kommunal- und Verwaltungsstrukturen müssen sich an dieser Herausforderung messen lassen. Aber auch das Miteinander von Rat, Verwaltung und Bürgern muss mehr auf der Basis eines gemeinsamen Zieles – zum Wohl der Stadt – organisiert werden. In vielen Räten herrscht die Meinung vor, Gegenregierung zur Stadtverwaltung sein zu müssen, ohne zu begreifen, dass Rat und Verwaltung mehr denn je zwei Seiten von ein und derselben Münze sind.
Bundes- und Landespolitik, Stadträte, Gemeinderäte und Kreistage stehen vor gewaltigen Aufgaben, wollen sie das historische Erbe der Städte in den nächsten Jahren sichern. Förder- und Steuerkulissen müssen neu geordnet und beim Städtebau auf diese Herausforderung adaptiert werden. Die Zeit dafür drängt, denn der Zahn der Zeit nagt ohne Unterbrechung, ohne Antrag, ohne auf Legislaturperioden oder Förderrichtlinien Rücksicht zu nehmen. Und einen "vorzeitigen Maßnahmenbeginn" hat dieser Zahn sich längst selbst bewilligt.
www.stadt-und-Gemeinde.de

19.03.2006
Wittenberge: In die Poststraße 1 soll Leben einziehen
Der Architekt Wolf Kaufmann hat über Jahre mit seinen Ideen die Stadtsanierung in Wittenberge geprägt. Mit seinem Wechsel in den Ruhestand wird es keinen Abbruch geben. Projektleiterin Petra Lüdtke, ihres Zeichens diplomierte Stadtplanerin, wird die Fäden in der Hand halten.
Insgesamt, so Petra Lüdtke, sei der Einsatz von 2,25 Millionen Euro vorgesehen. Mit jeweils einem Drittel sind der Bund, das Land und die Stadt an dieser Fördersumme beteiligt. Der Großteil entfällt dabei auf den Stadtumbau Ost. Interessante Projekte werden auch in der Altstadt als einem der offiziell ausgewiesenen Sanierungsgebiete in Angriff genommen.
Nach längeren Vorbereitungen sind die Dinge in der Poststraße 1 mittlerweile soweit gediehen, dass hier die Sanierung beginnen konnte. Das große Wohn- und Geschäftsgrundstück mit seinem in der Substanz repräsentativen Vorderhaus an der Ecke zur Bahnstraße und den interessanten Hinterhofgebäuden ist seit längerem nicht mehr bewohnt, der Verfall der auch stadtbildprägenden Gebäude drohte. Ein privater Investor, der sich an mehreren Stellen in der Stadt engagiert bzw. engagieren möchte, plant den Aus- und Umbau der Wohngebäude. Nach vorn heraus zur Poststraße/Bahnstraße sollen zwei Wohnungen entstehen. Im hinteren Bereich – das Grundstück erstreckt sich bis Hinter den Planken und hat auch von dort einen Zugang – sollen durch Umbau kleinere Wohnungen entstehen. Für das Vorderhaus kann der Investor mit einer umfassenden Förderung rechnen, eine Hüllenförderung soll es für die anderen Gebäude geben. Der Bauherr ist mit einem erheblichen Eigenanteil dabei. Die Poststraße 1 steht unter Denkmalschutz, entsprechend muss die Sanierung erfolgen.
Bereits im nächsten Monat soll die Bahnstraße zwischen der Post- und der Kirchstraße in Angriff genommen werden. An der Ecke Bahnstraße/Kirchstraße entsteht - auch aus der Not heraus geboren, dass die dort einst die Ecken prägenden Wohnhäuser abgebrochen wurden – ein torartig gestalteter Eingang zur Altstadt. Nach dem Vorschlag des Landschaftsarchitekten Udo Jobst sind die Grundstücke mit niedrigen Mauern eingefasst worden. Torartige Metallelemente sollen den Straßeneingang prägen. Im Jahnschul-Viertel, in dem mit dem Stadtumbau Ost ein Schwerpunkt gesetzt ist, ist die Modernisierung von zwei privaten und drei Häusern der WGW mit insgesamt 38 Wohnungen vorgesehen.

www.svz.de

19.03.2006
Eberswalde: Erstes Bürgerzentrum im Wohngebiet gefeiert
Das Bürgerzentrum im Brandenburgischen Viertel hat am Freitag seine Pforten geöffnet. Die offizielle Übergabe feierte der amtierende Bürgermeister Lutz Landmann mit vielen Gästen, darunter Brandenburgs Infrastrukturminister Frank Szymanski. Der Potsdamer löste damit zugleich sein Versprechen vom Oktober 2003 ein, als das gleichfalls geförderte Kontakt-Büro fertiggestellt werden konnte.
Es war ein Tag der frohen Botschaften. Die erste galt den Einwohnern des Brandenburgischen Viertels. 8000 Einwohner zählt das 1978 entstandene Wohngebiet. Seit 1999 profitiert das Viertel von Fördertöpfen "Soziale Stadt" und "Stadtumbau Ost". Mehr als sechs Millionen Euro wurden daraus investiert. "Der Strukturwandel auf demografischem Gebiet machte dennoch Defizite deutlich. Wir wollen, dass sich das Brandenburgische Viertel zu einem kleinen, lebendigen, stabilen Wohnbereich entwickelt", sagte der amtierende Bürgermeister Lutz Landmann. In diesem Zusammenhang sei auch die Idee des Bürgerzentrums entstanden.
2003 konnte mit den Umbaumaßnahmen in der Kita "Gestiefelter Kater" begonnen werden. Für das gesamte Projekt machten Bund, Land und Kommune rund 1,9 Millionen Euro locker. Davon flossen 850 400 Euro aus dem Programm "Soziale Stadt" in den Teil des Bürgerzentrums. "Ich bin gern nach Eberswalde gekommen", sagte Infrastrukturminister Frank Szymanski. Das Bürgerzentrum sei ein investives Schlüsselprojekt für die Förderung aus dem Topf "Soziale Stadt" gewesen. 40 Millionen wurden seit 1991 für die Stadtentwicklung und Stadterneuerung in Eberswalde bereit gestellt, verwies der Minister, der sich einen Rungang durch das Bürgerzentrum nicht nehmen ließ.

www.moz.de

19.03.2006
Eisenhüttenstadt: Unterschriften gegen den Abriss
Nach dem Bekanntwerden von Abrissplänen der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (Gewi) im Innenstadtbereich versuchen betroffene Mieter die Vorhaben von Stadt und Gewi durch Unterschriftenlisten zu stoppen. Mieter aus der Holzwolle, der Puschkinstraße, der Querstraße und der Straße des 8. Mai haben sich in Protestbriefen an die Stadt und ihren Vermieter gewandt und sind nicht gewillt, einen anstehenden Umzug widerstandslos hinzunehmen. Stadt und Gewi betonen indes, dass lediglich 235 Wohnungen im Innenstadtbereich verschwinden und diese Zahl bereits seit 2003 feststeht. Erst bei einer Leerstandsquote von unter zehn Prozent kann die Gewi mit Fördermitteln für die Wohnungssanierung rechnen.
Wie die Mieter der Holzwolle reagieren auch andere ähnlich. Unterschriftenlisten gehen durch Aufgänge im Friedensweg, in Puschkin- und Querstraße und die Straße des 8. Mai. Seit der Stadtumbau immer näher heranrückt, fürchten die - oft alteingesessenen Bewohner im Stadtzentrum - um ihre angestammten vier Wände. Einige zurecht, andere zu unrecht. In der Straße des 8. Mai, so Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer, sei der Protest unbegründet. Hier, sagt sie, ist kein Abriss vorgesehen - zumindest nicht bis zum Jahr 2015. Auch für andere Straßenzüge in der City ist ihrer Ansicht nach kein Grund zur Panik: Sie werden - bis auf die Holzwolle - frühestens 2010 abgerissen. Um den Abriss einzelner Wohnblöcke im Stadtzentrum aber kommt die Gewi nicht herum. "Wir haben schon 2003 gesagt, dass in der Innenstadt 235 Wohnungen abgerissen werden müssen und die Zahl hat sich nicht verändert", sagt Wolfgang Perske, Geschäftsbereichsleiter Stadtmanagement. Beim durch Bund und Land geförderten Stadtumbau reduziert die Gewi ihren Bestand bis zum Jahr 2015 um mehr als 4000 Wohnungen und will dadurch die Leerstandsquote von derzeit rund 30 auf dann unter zehn Prozent drücken. Simone Irmer braucht dringend sanierten Wohnraum, sonst stocken Stadtumbau und Abriss. Noch ist die Sanierungsquote der Gewi mit 29 Prozent recht gering. Was auch daran liegt, dass die Gewi bislang ohne einen Cent an Zuschüssen das Flächendenkmal auf Vordermann bringen sollte, da bestehende Förderprogramme des Landes nicht für den Wohnungsbestand, errichtet Anfang der 50er Jahre, griffen. Alle bisher erhaltenen Unterstützungen des Landes (immerhin 60 Millionen Euro) waren Förderdarlehen, die zwar am Anfang verbilligt waren, aber mit steigenden Zinsen und Tilgungen neben den Altschulden von je ein Euro je Quadratmeter bewohnter Fläche an die ILB zurückzuzahlen sind. Simone Irmer: "Ohne diese Förderung hätte die Gewi bisher im Innenstadtbereich nur etwa 200 Wohnungen saniert."

www.moz.de

16.03.2006
Deutschlands Osten schrumpft
Die zunehmende Entvölkerung Ostdeutschlands ruft nun auch die Bundesregierung auf den Plan. Der zuständige Minister für den Aufbau Ost, Wolfgang Tiefensee, wird kommenden Montag in Sachsen-Anhalt mehrere Modellversuche vorstellen, wie man eine Rückkehr abgewanderter Menschen in die Heimatregionen unterstützen könnte. So werden etwa "Heimatschachteln" an 18- bis 30-jährige Einwohner Magdeburgs verschickt, die das Bundesland verlassen haben oder das in nächster Zeit tun. Die Pakete enthalten auch kleinere Geschenke, die positive Erinnerungen wecken und die Magdeburg-Identität stärken sollen: Gutscheine für Bars, regionale Produktproben, ein Zeitungs-Abonnement oder "Heimat-Magneten" für den Kühlschrank im neuen Zuhause. Weitere Pilotversuche sind die Gründung einer Rückkehrer-Agentur oder das Projekt "Familienfreundliche Hochschule".
Die Magdeburger Abwanderungs-Expertin Christiane Dienel, die die Pilotprojekte der Bundesregierung entwickelt hat, reagierte zurückhaltend auf die Studie des Berlin-Instituts. "Wir sind ja langsam müde von den ewigen Warnrufen der Demografen", sagte sie der Berliner Zeitung. Entscheidend sei, einen Schritt weiter zu gehen und konkrete Politik für mehr Kinder zu machen. "Die demografische Entwicklung ist kein Schicksal, das man stumpfsinnig erdulden muss wie das Wetter", sagte die Professorin der Hochschule Magdeburg-Stendal. Beispiele in Europa, aber auch in Deutschland selbst zeigten, dass die Verwirklichung eines Kinderwunsches von politisch gesetzten Rahmenbedingungen abhänge.
Die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder wird nach Prognosen des Berlin-Instituts bis 2050 weiter abnehmen. Dann würden noch etwa halb so viele Kinder geboren wie heute. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Geburten von knapp über 700 000 im Jahr 2005 auf rund 680 000 im vergangenen Jahr gesunken. Statistisch gesehen bringt jede Frau in der Bundesrepublik 1,36 Babys zur Welt. Das ist der niedrigste Wert seit 1945.

www.berlinonline.de

16.03.2006
Im Jahr 2015 Schock in Ostdeutschland
Eine Studie des privaten Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat ergeben, daß vor allem strukturschwache Regionen in Ostdeutschland, im Ruhrgebiet und im Saarland durch den zunehmenden Bevölkerungsrückgang bedroht sind. Dort nehmen nach den Ergebnissen der Untersuchung, die am Mittwoch in Berlin vom Vorstandsvorsitzenden des Instituts, Fleisch, und seinem Direktor Klingholz vorgestellt wurde, Überalterung und Bevölkerungsschwund besonders stark zu.
Junge und gut ausgebildete Menschen zögen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz vor allem in die strukturstarken Gebiete Baden-Württembergs und Bayerns. So blieben die Alten, Arbeitslosen und Geringqualifizierten zurück, wodurch sich dort das Problem potenziere, heißt es in der Studie. Die arbeitslosen und schlecht qualifizierten Männer fielen als Familiengründer weitgehend aus.
Spätestens im Jahr 2015 werde der Osten den „zweiten demographischen Wendeschock” erleben, weil dann eine wegen des Geburtenrückgangs nach 1990 halbausgefallene Generation als Eltern fehlen werde, sagte Klingholz. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in den neuen Ländern auf durchschnittlich 0,77 Kinder pro Frau zurückgegangen.
Die ohnehin schon niedrige Geburtenrate sei in Deutschland weiter gesunken, heißt es in der Untersuchung weiter. Derzeit bringe jede Frau in der Bundesrepublik durchschnittlich 1,36 Kinder zur Welt. „Damit ist Deutschland Spitzenreiter im negativen Sinn”, sagte Klingholz. Fleisch sagte, das sei der niedrigste Wert in der Welt außer dem Vatikan. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2005 etwa 680.000 Kinder zur Welt. Das sei der niedrigste Wert seit 1945. Bis 2050 sei zu erwarten, daß sich die Zahl der Neugeborenen halbiere, sagte Klingholz.

www.faz.net

16.03.2006
Im Schatten der Leuchtturmregionen
Die Bundesrepublik hat nämlich die niedrigste Kinderzahl pro Einwohner auf dem gesamten Globus. Das ist an sich nichts Neues: Schon 2000 rief beispielsweise die Kulturstiftung des Bundes das Projekt "Schrumpfende Städte" ins Leben, das sich mit den kulturellen Auswirkungen des Bevölkerungsschwunds auseinandersetzt. Trotz der bekannten Sachlage hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung gestern eine Studie vorgestellt, die im Prinzip die Tatsachen wiederholt. Neu ist allerdings eine Bewertung der einzelnen Regionen. Die werden nicht nur nach ihrer Demografie, sondern auch nach ihrer Zukunftsfähigkeit eingeteilt. Denn schwindende Einwohnerzahlen haben nicht nur Auswirkungen auf die Familienplanung, sondern auch auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Kommunen. Vielerorts kommt es laut Rainer Klingholz, Mitherausgeber der Studie, schon jetzt zu "Einwohnerkannibalismus" unter den Gemeinden, die um die wenigen kinderreichen Familien kämpfen. Dabei werden mitunter harte Bandagen angelegt: Manche Kommunen kaufen großflächig Bauland auf und vergeben es zu verbilligten Preisen an Familien - manchmal bis zu 50 Prozent unter Marktwert. Das können sich natürlich nur Gemeinden leisten, die ohnehin schon volle Kassen haben, die finanzschwachen Kommunen bluten langsam aus.
Brandenburg kommt in der Studie relativ gut weg. Die Einwohnerzahlen sind hierzulande seit der Wende nahezu stabil geblieben - einmalig in Ostdeutschland. Schaut man jedoch genauer hin, ergibt sich ein problematischeres Bild: Während die Regionen im Speckgürtel um Berlin großen Zuwachs verzeichnen, leeren sich die Städte in den Randgebieten zunehmend. Die Einwohnerzahl Falkensees stieg beispielsweise seit 1991 um fast 70 Prozent, den Schwundrekord hält Guben, das in derselben Zeit über 30 Prozent seiner Einwohner verlor. Der Landkreis Spree-Neiße, in dem Guben liegt, findet sich in der Liste der zukunftsfähigsten Kommunen unter den zwanzig Schlusslichtern wieder - Schulnote 4,41. Hier lässt man sich auf den Kampf der Kommunen um junge Familien gar nicht erst ein: "Der Bevölkerungsrückgang ist ein natürlicher Vorgang", erklärt Landrat Dieter Friese. Durch den Aufbau der Schwerindustrie und den Bergbau seien damals viele Leute in die Lausitz gezogen, jetzt würde sich die Bevölkerungszahl eben wieder auf ein angemessenes Maß einpendeln. Er rechnet mit ungefähr 130 000 Einwohnern im Jahre 2015, ein Bevölkerungsspiegel wie vor ungefähr 40 Jahren. Die Infrastruktur müsse sich diesem Rückgang natürlich anpassen, zum Beispiel durch Abbau des öffentlichen Nahverkehrs.
Dieser Meinung ist auch die Landesregierung. Angesichts der ungleichen Entwicklung von berlinnahen und -fernen Gebieten wurde in Brandenburg eine Kehrtwende in der Förderpolitik eingeleitet. Statt wie bisher im Gießkannenprinzip allen Regionen die gleichen Gelder zur Verfügung zu stellen, werden jetzt nur noch so genannt "Leuchtturmgebiete" gefördert. Die Regionen, die weniger Strahlkraft besitzen, werden damit praktisch aufgegeben. Das spürt man auch im Kreis Spree-Neiße, hier wurden regelmäßige Buslinien durch so genannte Rufhaltestellen ersetzt, die nur nach vorheriger Anmeldung angesteuert werden. Laut der Studie wird jetzt im Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung schon darüber nachgedacht, Krankenhäuser, Behörden und Bildungsstätten an zentralen Stellen zusammenzulegen. Die Regierung erntet damit viel Lob von Klingholz, er spricht sogar von einer "Vorreiterrolle" für andere Bundesländer. In den Regionen, die im Schatten der förderungswürdigen "Leuchttürme" liegen, wird man das allerdings anders sehen.

www.maerkischeallgemeine.de

15.03.2006
Zehdenick: Der Schwund wird schwächer
Der Bevölkerungsrückgang in Zehdenick verläuft bei weitem nicht mehr so rasant, wie noch Anfang dieses Jahrtausends. Innerhalb von fünf Jahren haben die Havelstadt und ihre Ortsteile zwar 5,2 Prozent ihrer Einwohner verloren, im Durchschnitt pro Jahr 1,04 Prozent. Sieht man sich aber den reellen Verlust für das vergangene Jahr gegenüber 2004 an, dann liegt der Schwund nur noch bei 0,4 Prozent. Anfang des Jahres 2005 lebten in Zehdenick und seinen Ortsteilen noch 14 722 Einwohner, am Ende waren es 14 643. Für Bürgermeister Arno Dahlenburg ist das ein Signal dafür, dass die Region nicht zwangsläufig mit dem Ruf des langsam verödenden Landstrichs leben muss.
Bei der Bewertung der Bevölkerungszahlen für das vergangene Jahr macht ein Blick auf die Bewegungsstatistik deutlich, wodurch sich die Einwohnerzahl verändert. 503 Wegzügen stehen 490 Zuzüge gegenüber. Damit hält sich Zu- und Abwanderung in etwa die Waage. Drastischer wird die Bilanz aber bei Geburten und Sterbefällen. Konnten in Zehdenick im vergangenen Jahr 114 neue Erdenbürger begrüßt werden, so starben aber auch 180 Menschen. In diesem Ungleichgewicht liegt nach wie vor die Hauptursache für die negative Bevölkerungsbilanz. Dieses Problem wäre leicht zu beheben. Ein Appell an junge Paare von Bürgermeister Arno Dahlenburg sollte reichen.
Insgesamt hat Zehdenick und die Ortsteile in den vergangenen fünf Jahren 803 Bürger verloren. Für die Kernstadt Zehdenick war das vergangene Jahr in dieser Hinsicht besonders bitter, weil die Bevölkerungszahl erstmals unter die 10 000-er Marke fiel und insgesamt 129 Zehdenicker weniger dort lebten als Ende 2004. Mit 9946 Einwohnern verbucht die Havelstadt ihren bisherigen Tiefsstand. Noch Ende 2000 wurden 10 543 Zehdenicker gezählt.
www.maerkischeallgemeine.de

15.03.2006
Kosel: Ein Dorf verliert seine Jugend
Die einstige Turnhalle hat Kosel, das seit über einem Jahrzehnt im acht Kilometer entfernten Niesky eingemeindet ist, zum Gemeindezentrum mit schönem Saal umgebaut. Der Heimatverein organisiert hier Fasching, Skatturniere und Dorffeste. Im Saal herrscht trotz der Mittagsstunde allerhand Betrieb. An die zehn Koseler räumen fleißig auf, denn am Abend zuvor ist groß gefetet worden. Zwei Schwestern haben ihren 60. und 54. Geburtstag gefeiert. An der Wand stehen noch die Präsentkörbe. Christa und Joachim Neumann haben mitgefeiert, ebenso ihre Kinder, was nicht selbstverständlich ist. „Die Kinder sind extra hergekommen. Die leben doch in Köln, Braunschweig und Berlin, sie sind der Arbeit hinterhergezogen“, erzählt Frau Neumann. Sie glaubt nicht, dass auch nur einer jemals zurückkommt nach Kosel ins Elternhaus, in das die Neumanns so viel Lebenszeit investiert haben. Was dann mal aus dem Haus wird? Joachim Neumann zuckt resigniert mit den Schultern. Seine Frau sagt: „Man kann nur hoffen.“
Nicht nur Neumanns haben mit diesem Problem zu tun. Und deshalb ist die Stimmung im Dorf manchmal auch etwas gedrückt, obwohl es Kosel eigentlich gut geht. Den großen Bevölkerungsrückgang wie in Hoyerswerda, Weißwasser oder Görlitz hat es hier noch nicht gegeben, obwohl einige wenige Häuser schon leer stehen. Ende 2005 zählte das Dorf 442 Einwohner, sagen die Akten von Wolfgang Rückert, dem Nieskyer Bürgermeister. Zur Wendezeit waren es auch höchstens 470 oder 475, so genau weiß das keiner mehr.
Die großen Probleme kommen also erst in den nächsten Jahren. Und weil im Dorf jeder jeden kennt, weiß jeder, dass das Dorf seine Jugend verliert. „Richtig Zukunft hat das hier nicht“, sagt Regina Knöfel. „Vor fünf Jahren hatten wir in Neu-Kosel 15 Kinder unter 18 Jahren. Von denen sind inzwischen fünf fortgezogen, irgendwohin, wo es Arbeit gibt.“ Weiterer Nachwuchs ist im Dorfteil kaum noch zu erwarten. „Die, die jetzt Kinder kriegen könnten, sind so gut wie alle weg.“ Die letzte Geburt in Neu-Kosel liegt schon vier Jahre zurück. Privat sieht es bei Knöfels mit der Familienzukunft ebenfalls eher trübe aus: Die Töchter leben in Sindelfingen und Weißwasser, „die kommen beide nicht wieder, haben dort eine gute Arbeit“. Aber vielleicht haben ja in ein paar Jahrzehnten die Enkel Interesse am Haus, das Knöfels erst vor acht Jahren gebaut haben.
So fragen sich schon heute viele Koseler, was mal aus ihren Grundstücken und Häusern wird. Schuberts Anwesen beispielsweise ist sehr stattlich, das Haus wurde 1970 gebaut. Regina Schubert, 56, glaubt nicht, dass die drei Kinder jemals wieder zurückkommen, sie haben sich in Berlin, Leipzig und Niesky Existenzen geschaffen. „Was sollten sie denn hier? Ich denke, Kosel wird ein Rentnerdorf.“
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12.03.2006
Geburtenrate sinkt stärker als erwartet
Die deutsche Bevölkerung schrumpft nach einer neuen Studie schneller als erwartet. Der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, sagte dem «Focus» als Mitautor einer Untersuchung zur demographischen Entwicklung, in nur zwei Jahren sei die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau um 0,7 auf 1,36 Prozent gesunken. «Dieser Rückgang mag gering erscheinen, er ist aber, wenn er sich so über Jahre fortsetzt, dramatisch», sagte er. Die Studie soll am Mittwoch offiziell vorgestellt werden.
Gleichzeitig seien weniger Ausländer eingewandert: Im Jahr 2002 seien es noch 220.000 gewesen und 2005 nur noch 90.000.
Nach Angaben von Klingholz wollen die Frauen generell weniger Kinder haben. Die Zahl der gewünschten Kinder sei durchschnittlich von zwei auf 1,6 pro Frau gesunken. Die Wirtschaftslage verunsichere die Deutschen, erklärte der Experte. «Und die Lebenserfahrung mit Kindern geht verloren», befürchtet Klingholz.
In anderen Ländern kämen deutlich mehr Kinder auf die Welt, wenn die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Bezahlung und der Arbeitslosenquote gering seien wie in Frankreich und Skandinavien. «Wenig Kinder gibt es in den Ländern, in denen die jungen Männer sehr lange zu Hause wohnen bleiben.» Länger als die Deutschen blieben nur noch Griechen, Italiener und Spanier im «Hotel Mama».
Als Folge des Bevölkerungsrückgangs öffne sich auch «die Schere zwischen Gewinner- und Verlierer-Regionen» weiter, sagte Klingholz. «Verlierer-Städte» wie Hoyerswerda, Hof in Nordbayern oder die Städte im Ruhrgebiet könnten nicht planen, weil sie nicht wüssten, wann der Tiefpunkt erreicht sei. In Magdeburg beispielsweise sei «das völlig überdimensionierte Fernwärmenetz» nur zur Hälfte ausgelastet. Auch der Wasserverbrauch sei dort seit der Wende um die Hälfte zurückgegangen.
In Ostdeutschland fehlt eine halbe Generation. Laut Berlin-Institut lässt sich bei Kinderwunsch und Kinderzahlen nach wie vor ein deutliches Ost-West-Gefälle ausmachen: Die Geburtenzahlen in Ostdeutschland liegen konstant niedriger. Hier gebe es die verstärkte Tendenz, dass junge und gut ausgebildete Frauen in den Westen abwanderten, sagte Klingholz. Zurück blieben arbeitslose und schlecht qualifizierte Männer, die als Familiengründer weitgehend ausfielen.
Spätestens im Jahr 2015 werde der Osten den "zweiten demographischen Wendeschock" erleben, weil dann eine wegen des Geburtenrückgangs nach 1990 halb ausgefallene Generation als Eltern fehlen werde. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in den neuen Ländern auf durchschnittlich 0,77 Kinder pro Frau zurückgegangen. "Das war weltweit die niedrigste Geburtenrate mit Ausnahme des Vatikan", sagte Klingholz.

www.dieneueepoche.com

11.03.2006
Frankfurt (Oder): 13 000 Wohnungen sollen weg
Die Stadtverwaltung hat am Freitag sowohl ihre Bevölkerungsprognosen als auch die Zahl der Wohnungen korrigiert, die abgerissen werden müssen. So geht man jetzt davon aus, dass im Jahr 2020 nur noch 52 000 Menschen in der Stadt leben. Das hat einen enormen Zuwachs an leer stehenden Wohnungen zur Folge. Deshalb sollen nun nicht nur rund 9000 Wohnungen bis zum Jahr 2015 abgerissen werden, sondern 13 000 bis zum Jahr 2020.
Dazu passen die Bevölkerungsprognosen. Nur rund 52 000 Menschen werden in 14 Jahren noch in Frankfurt leben. Die Folge: Noch mehr Wohnungen werden leer stehen. Also müssen nicht nur die avisierten 9000 in den kommenden sechs Jahren abgerissen werden, sondern kommen noch 4000 drauf. Macht insgesamt 13 000 Abrisswohnungen. Danach soll es speziell um den III. und IV. Wohnkomplex in Neuberesinchen gehen. Käme der komplett weg, wären das rund 5400 Wohnungen mit einem Schlag. Eines ist aber ganz klar: Die bis April versprochenen Abrisslisten für die Jahre 2007 und 2008 wird es nicht geben. "Das schaffen wir nicht", so Martin Patzelt. Und: "Zurzeit ist nichts und niemand sicher vor einem Abriss oder Umzug."
www.moz.de

10.03.2006
Stadtumbau ohne Leitbilder
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Berlin, bringt es an den Tag: Noch immer wird der Stadtumbau in Deutschland zu wenig "perspektivisch" angegangen. Es fehlen klare Leitbilder für die Zukunft der Städte in der schrumpfenden Gesellschaft. Die Verantwortlichen in den Gemeinden gestehen selbst einen "hohen Aufklärungs- und Enttabuisierungsbedarf" beim Thema Abriß ein. Wenn nun umgekehrt das Difu einen "Mentalitätswechsel" bei den Akteuren fordert, so heißt das im Klartext: Es wird permanent viel Geld in die falschen Maßnahmen gesteckt.
Deutlich wird es an einigen konkreten Befunden der schriftlichen Umfragen, die das Institut in allen Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern und tatsächlichem oder prognostiziertem Bevölkerungsrückgang sowie bei Experten in 20 ausgewählten Städten veranstaltet hat. Dabei hat sich herauskristallisiert: Mit Abstand wirkt sich der Bevölkerungsrückgang am stärksten in den Großwohnsiedlungen am Stadtrand aus - im Osten Deutschlands sagen das 90 Prozent, im Westen immerhin 72 Prozent der Befragten. Obwohl sich daraus die eindeutige Absage an eine Wohnform und einen Wohnungstyp ablesen läßt, sehen gleichwohl noch immer 67 Prozent im Osten und sogar 75 im Westen die Lösung in einer "Wohnumfeldverbesserung". Die größte Verweigerungshaltung gegenüber den Realitäten beobachtet das Institut dabei nach wie vor im Westen: Hier können nur 37 Prozent der Befragten Handlungsbedarf beim Rückbau und Abriß erkennen (im Osten 89 Prozent).
Wie unterentwickelt sich der planerische Sachverstand darstellt, beweist ein anderes Ergebnis der Umfragen. Nach den Risiken des Stadtumbaus befragt, geben zwar in Ost und West je 90 der Befragten Prozent richtig an, daß der Rückbau den Erhalt und Betrieb der Infrastruktur verteuern werde, sehen aber gleichzeitig die größte "Chance" in der Verringerung der Baudichte (75/32 Prozent) und in der "besseren Versorgung mit Grün- und Freiflächen" (67/34). Aber gerade diese Strategien sind es, die nach Forschungsergebnissen von Instituten in Frankfurt/Oder und Halle/Saale diese Kostensteigerung auslösen - mit der Folge einer Kettenreaktion, die bis zu den Mietern durchschlägt. Steigende Infrastrukturkosten (Abwasser, Schulwege, Krankenhäuser) treiben danach die Lebenshaltungskosten und Mieten gerade in den ohnehin unbeliebtesten und vom Bevölkerungsrückgang am stärksten betroffenen Wohngebieten in die Höhe und erhöhen damit auch den Vertreibungseffekt gegen die verbliebene Wohnbevölkerung. Das Ergebnis ist eine "Verstärkung der sozialräumlichen Segregation", in der die Befragten zwar ebenfalls völlig zutreffend ein weiteres Risiko der Schrumpfung sehen (im Osten 66, im Westen 58 Prozent), ohne aber die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen.

www.welt.de

09.03.2006
Stadtumbau zu Lasten privater Bauherren
"Stadtumbau Ost - eine Erfolgsgeschichte? Keineswegs, " schreibt H&G-Präsident Thomas Ungethüm in der Hauszeitschrift des Vereins. Und er kritisiert, "daß die Privaten die Hauptlast des Leerstandes, sowohl von der Anzahl, als auch von den finanziellen Folgen her tragen". Allein in der "Leuchtturmregion" Leipzig seien 20 Prozent von ihnen durch die Leerstandsentwicklung vom Ruin bedroht. Grund für die Unzufriedenheit ist die einseitige Ausrichtung des sächsischen Stadtumbauprogramms auf Abriß. Anstatt dem tausendfachen Wohnungsleerstand mit Abbruch und Aufwertung in einem Verhältnis von 50:50 zu begegnen, habe sich in Sachsen eine Relation von 80:20 eingependelt. Aufwertung finde "so gut wie nicht mehr statt". Tatsächlich könnte der Eindruck entstehen, als sei der Stadtumbau in Sachsen stillschweigend zu einem "Rettungsprogramm für die Großvermieter" (kommunale Wohnungswirtschaft und Genossenschaften) umdefiniert worden. Ihre Großwohnkomplexe an den Stadträndern scheinen nach einer ersten, erstaunlich schonungsvollen Rückbauphase für eine Revitalisierung umgerüstet zu werden, während die innerstädtischen Wohngebiete mit ihren heterogenen Eigentümerstrukturen zunehmend in Schieflage geraten. Die Zahl der Zwangsversteigerungen sei in den neuen Ländern um 16 Prozent, in Sachsen um 30 Prozent jährlich gestiegen, rechnet Ungethüm vor. Und er resümiert: "Es scheint der politische Wille in Sachsen zu sein, daß wir alle in der zum dritten Mal, jetzt altengerecht, sanierten Platte wohnen".
"Nichtbewohnte Häuser sind dem Verfall preisgegeben, und diesem folgt der Verfall der Stadtstruktur", attackierte der Abgeordnete Georg Hamburger die eigene Regierung im Landtag. Und er fügte hinzu: "Rückbau ohne Aufwertung löst die Qualitätsprobleme einer Stadt überhaupt nicht." Stadtumbau müsse großflächig von außen nach innen betrieben werden, denn "kleingliedriger" Rückbau sei nicht bezahlbar und werde "Folgen" haben. Es war eine Warnung, der die Abgeordnete Margit Weihnert zustimmte: "Es besteht Gefahr, daß die begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen des Stadtumbaus allein schon in solchen Stadtbereichen aufgezehrt werden, die seriös ohnehin kaum zu halten sind" - eine kaum verhüllte Kritik an der Vorzugsstellung, in die die Plattenbaugebiete gegenüber den Innenstädten geraten sind.
Verschärft wird die Konfrontation noch durch den Verkauf ganzer Plattenbaustadtteile an Investoren, die damit als Großvermieter in die Rolle der kommunalen Wohnungsgesellschaften eintreten. Und "was passiert, wenn diese zu Billigmieten an den Markt gebracht werden?" fragt H&G-Präsident Ungethüm angesichts des unmittelbar bevorstehenden Totalverkaufs des Dresdner Wohnungsunternehmens Woba (48 000 Wohnungen). Er sieht die privaten mittelständischen Hausbesitzer auf der Verliererstraße: "Bei ihnen werden die Leerstände steigen, und mancher Eigentümer, der noch Kredite bedienen muß, weil er modernisiert hat, wird um seine Existenz gebracht."
www.welt.de


09.03.2006
Chemnitz:  muss beim Stadtumbau umdenken
Der Stadtumbau in Chemnitz muss in den nächsten Jahren offenbar neu gestaltet werden. Grund: Der Freistaat hat immer weniger Fördergeld, um den Stadtumbau wie bisher zu unterstützen .
Stadtumbau hieß bisher vor allem: Abriss oder Sanierung von Wohnungen. Allein die Wohnungsbauunternehmen haben in den vergangenen 15 Jahren rund 60000 Wohnungen für 1,8 Milliarden Euro saniert.
Bis 2009 soll darüber hinaus von knapp 40 000 leer stehenden Quartieren die Hälfte abgerissen werden. Dafür sind insgesamt 70 Millionen Euro notwendig. Für rund 27 Millionen Euro sind bisher seit 2000 rund 8000 Quartiere zurückgebaut worden. Hintergrund: Untersuchungen ergaben, dass aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Chemnitz in den nächsten Jahren rund 133000 Wohnungen notwendig sind (Stichtag 31. Dezember 2003: 169000 Wohnungen).
Börries Butenop, Chef des Planungsamtes: „Beim Stadtumbau sind wir auf Fördermittel angewiesen.“ In der Regel sind dies zwei Drittel der Gesamtkosten. Butenop: „Der Freistaat fordert nun, dass wir bei Fördermittelanträgen Schwerpunkte setzen.“ Beispiel: Reichte es bisher, ein Fördergebiet (Grenzen: Wanderer Werke, Brühl, Gablenzsiedlung, Altchemnitz) festzulegen, müssen nun konkrete Projekte innerhalb dieses Gebietes benannt werden.
www.sz-online.de


07.03.2006
Heidenheim:  Bürger beim Stadtumbau gefragt
Langsam fressen sich die Bagger in die Fassade. Große Stücke von Mörtel und Beton fallen aus der Wand. Der "Frühjahrsputz" hat begonnen im Heidenheimer Sanierungsgebiet Voithsiedlung, zu dem auch die Siedlungen Eisenberg, Siechenberg, Haintal und Klein Zürich gehören. Allein in Klein Zürich werden rund 180 Wohnungen abgerissen, mehr als hundert Apartments wurden bereits saniert.
"Die Wohnungen waren einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Daher stehen viele Häuser leer, und die Menschen sind unzufrieden mit ihrem Viertel. Keine Blumen, die Plätze und Straßen ungestaltet: So sieht die Siedlung vielerorts aus.
Die Voithsiedlung wurde zwischen den Weltkriegen als Arbeiterwohngebiet gebaut. Die Grundstücke sind sehr groß, weil die Angestellten des Anlagebauers Voith damals in den Gärten unter anderem Gemüse anbauen sollten. Durch viele An- und Umbauten wurden die städtebaulichen Strukturen aufgeweicht - aus dem ehemals durchdachten und ansehnlichen Viertel ist ein Ort mit schlechtem Image und wenig Aufenthaltsmöglichkeiten für die Bewohner geworden.
Dies soll nun anders werden. Seit 2004 wird in Heidenheim kräftig saniert. Neben der Umgestaltung des zentralen Platzes an der Friedrich-Voith-Straße zu einem Stadtteilzentrum und Identifikationspunkt soll auch das Bildungs- und Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche verbessert werden.
Dabei wurden die Einwohner von Anfang an mit in die Planung einbezogen. Schließlich seien sie es ja, die in dem Viertel leben und es zum Leben bringen sollen, fasst der Oberbürgermeister zusammen. Auf mehreren Stadtteilspaziergängen haben er, Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft und der Stadt sich die Ideen und die Kritik angehört. "Die Bewohner stehen dem ganzen Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber", sagt Ilg.
Hinzu kommt, dass nicht nur die Wohnungsbaugesellschaft, der etwa die Hälfte der rund 1400 Wohnungen gehört, Geld zum Sanieren bekommen, sondern auch Privatleute. So könnten auch nicht ganz so betuchte Menschen ihre Wohnungen und Häuser ihre maroden Heizungen oder Isolierungen reparieren lassen, sagt eine Vertreterin der Stadt.
Allerdings wird auch in Heidenheim nach Abschluss der Stadtteilsanierung im Jahr 2012 nicht alles rosig. Die Mehrzahl der 50.000 Einwohner lebt von der Arbeit bei Firmen wie Voith und dem Medizin- und Hygieneartikelhersteller Hartmann. Abgesehen von diesen Hauptarbeitgebern fehlte es aber etwas an Arbeitsplätzen in der Dienstleistungsbranche.
www.stuttgarter-zeitung.de
 

05.03.2006
Rochlitz: Stadt will Wohnungsrückbau prüfen
Derzeit müssen vorrangig zwei Schritte abgewägt werden: Welchen der beiden Blöcke der Wohnungsbaugesellschaft auf der Oberen Lindenbergstraße wird es als nächstes treffen? Ist eventuell auch ein Rückbau einzelner Stockwerke finanziell machbar? Der Stadtrat soll im März darüber entscheiden. War man in der Rochlitzer Stadtverwaltung bislang nur von einem Komplettabriss weiterer Wohnungen der Rochlitzer Wohnungsbaugesellschaft auf der Oberen Lindenbergstraße ausgegangen, so schließt OB Joachim Knappe  einen teilweisen Rückbau einzelner Etagen nicht mehr aus. In einem Gesprächsforum mit Mietern des Blocks 22 bis 30 am Montagabend im Rathaus warnte er jedoch vor übereilten Hoffnungen: „Ein Komplettabriss wird mit 60 Euro pro Quadratmeter gefördert, ein Teilrückbau kostet jedoch 130 Euro.
Wir müssen noch prüfen, wo wir die Differenz von 70 Euro herbekommen. Auch müssen wir erst noch einen Architekten anhören und den Rückbau durchrechnen.

www.freiepresse.de

05.03.2006
Frankfurt (Oder): Komplette Straßenzüge sind entvölkert
Die Gustav-Adolf-Straße kann aus dem Frankfurter Adressbuch gestrichen werden. Ebenso die Wünschstraße. In der Willichstraße stehen nur noch vier Würfelhäuser. Die Anschrift An der Schwedenschanze gilt lediglich noch für den Dienstleistungskomplex in der früheren gleichnamigen Schülergaststätte.
Mit dem massiven Wohnun