Newsticker Archiv Mai 2003
31.05.2003
Bad Langensalza:
Rückbau nicht "optimal und nicht
praktizierbar"
30.05.2003
Abrissbirne wird von unwilligen Mieter aufgehalten
In diesem Jahr wartet auf 5000
Wohnungen in Thüringen die Abrissbirne. Bis 2010 sollen im Freistaat rund 50 000
Wohnungen in Plattenbauten abgerissen werden. Doch stoßen Stadtumbaupläne auf
persönliche Hindernisse. Von den 24 Millionen Euro für den sogenannten Rückbau
könnten insgesamt 7000 leer stehende Wohnungen abgerissen werden. Doch bisher
sind nur 5000 solcher Abrisse beantragt.
Kommunen und Wohnungsgesellschaften hätten als Eigentümer oft Schwierigkeiten,
einzelne Mieter freiwillig zum Auszug zu bewegen, sagte Innenstaatssekretär
Manfred Scherer. Es sei „mühsam, in Einzelprozessen“ die schwierige Rechtslage
von oft unkündbaren Mietverträgen zu lockern. Entsprechende Forderungen an den
Bund zur Änderung der Gesetze in solchen Fällen habe es bereits gegeben.
Thüringen investiert in diesem Jahr in den Stadtumbau rund 73 Millionen Euro. Im
vergangenen Jahr waren es 102 Millionen Euro. Das Defizit sei auf die niedrigere
Mitleistungsquote der Kommunen zurückzuführen, die im vergangenen Jahr zwischen
20 und 25 Prozent lag. Bei Stadtumbauprojekten übernehmen Bund, Land und
Kommunen üblicherweise ein Drittel der Kosten.
Insgesamt sind im Etat für städtebauliche Maßnahmen 147 Euro eingestellt.
Scherer forderte vom Bund Städtebauförderung nicht nur über Kreditprogramme,
sondern über Bundesbürgschaften zu unterstützen. Angesichts der Finanzlage in
den Kommunen nützten Kredite nicht viel.
Bei der Eigenheimzulage müsse es zudem eine bundeseinheitliche Regelung geben,
wonach Modernisierung und Neubau künftig gleichwertig bezuschusst werden.
Der Präsident der Thüringer Architektenkammer, Hartmut Strube, hat beim
Stadtumbau eine stärkere Einbeziehung der Bürger gefordert. Durch diese neue
„Planungskultur“ wachse auch die Akzeptanz. Er kritisierte, dass Planungen und
die Zustimmung bei der Vergabe von Fördermitteln oft zu lange dauere. „Bauen
steht in einer Wechselbeziehung zur Wirtschaft“, so mahnte Strube. Nach seinen
Angaben lösten Mittel aus der Städtebauförderung nachfolgende Investitionen in
achtfacher Höhe aus.
www.freies-wort.de
30.05.2003
Wurzen: Bagger zernagt auf dem Sperlingsberg
Häuserwände
Mit Sperlingsberg 1 und Barbaragasse 9 steigt die Wurzener Gebäude- und
Wohnungsgesellschaft (WGW) in den "Stadtumbau Ost" ein. Innerhalb von zwei
Wochen werden die seit Jahren leer stehenden Häuser mit staatlicher Förderung
abgerissen. So soll unrentabel gewordener Wohnraum verschwinden.
Der Sperlingsberg zieht Schaulustige magisch an: Der Abrissbagger zermalmt die
Mauern eines zweihundert Jahre altes Hauses. In hohem Bogen spritzt Wasser aus
einem Schlauch, um die Staubentwicklung einzudämmen. Seit Wochenbeginn, so
erzählt WGW-Geschäftsführerin Heike Pönicke, wird das Gebäude entkernt. Es steht
eigentlich auf der Liste geschützter Denkmale. Die Fachleute haben der WGW
allerdings attestiert, dass es "wirtschaftlich unzumutbar" sei, das Haus zu
erhalten. Sie forderten eine Dokumentation und die Bergung von Konsolen sowie
einer historischen Decke im Erdgeschoss. Das ist geschehen. Das Grundstück von
180 Quadratmetern soll ebenso wie das Areal in der Barbaragasse - hier sind es
100 Quadratmeter - verkauft werden.
Finanziell muss die WGW bei der Abbruch-Aktion trotz Fördermittel in Vorleistung
gehen: Mit Zuwendungen auf Bescheide von 2002 fließen 819 Euro für Sperlingsberg
1 und 10.847 Euro für Barbaragasse 9. "Der Abriss der beiden Häuser bis zur
Oberkante der Keller kostet uns aber 20.000 Euro, wir zahlen die Differenz",
macht Pönicke die Rechnung auf.
Kopfzerbrechen bereitet ihr auch, dass die finanzielle Situation beim
Stadtumbau-Programm in diesem Jahr noch völlig unklar sei - und das Mitte Mai.
Unter diesen Umständen befürchtet Pönicke eine empfindliche Verzögerung bei der
Beseitigung ungenutzten Wohnraums, der bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein
soll. Außerdem sei es wichtig, dass nicht nur der Abbruch gefördert werde,
sondern auch die Euro zur Aufwertung der Baulücken mit Grün- oder Parkflächen
fließen.
www.lvz-online.de
29.05.2003
Thüringen: 24 Millionen für Abriss von Wohnungen
Für den Abriss leerstehender Wohnungen hat Thüringen in diesem Jahr 24 Millionen
Euro zur Verfügung. Die Summe setzt sich je zur Hälfte aus Mitteln des Bundes
und des Landes zusammen.
Mit den Geldern können 7000 Wohnungen vom Markt genommen werden, sagte
Innenstaatssekretär Manfred Scherer gestern in Erfurt. Die Kommunen haben aber
erst 5000 für den Abriss angemeldet. Bis 2010 sollen den Baggern maximal 50 000
Wohnungen zum Opfer fallen. Damit wäre die gegenwärtige Leerstandsquote im
Freistaat allerdings noch nicht einmal halbiert.
Der Staatssekretär versicherte, dass die Städtebauförderung von Land fortgesetzt
wird, so dass keine Bundesmittel verloren gehen. Für den Stadtumbau Ost sind
2003 aus Bundes- und Landeskassen 143 Millionen Euro vorhanden.
www.otz.de
28.05.2003
Kein gutes Geld mehr für schwierige Großsiedlungen
Mit dem Knaller seiner Rede konfrontierte der Gast aus Düsseldorf seine Zuhörer
gleich im ersten Satz: "Ich weiß, dass wir am Ende der Dienstzeit der
Wohnungswirtschaft stehen." Geraune, Gelächter, halblaute Kommentare "Das ist
schon peinlich" waren die Antwort aus dem Saal. Und doch erlebten die Teilnehmer
der Fachtagung im Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft Bochum so etwas wie einen historischen Augenblick. Zum
ersten Mal in der hundertjährigen Geschichte des sozialen Wohnungsbaus wagte es
mit Hans-Dieter Krupinski ein hochrangiger deutscher Wohnungspolitiker, die
Götterdämmerung des Siedlungsbaus vorauszusagen.
Es war auf der Tagung "Weiterentwicklung von Großsiedlungen in NRW", und
vorausgegangen waren schonungslose Bestandsaufnahmen, die allesamt zeigten: Das
Gespenst des Leerstands hat den Westen Deutschlands erreicht. Dabei geraten die
Großsiedlungen der 60er- und 70er-Jahre in eine aussichtslose Lage. Ähnlich wie
im Osten nehmen hier die Leerstände unaufhaltsam zu. Deshalb war es ein gut
gemeinter Einfall, den Diskussionsblock "Lernen vom Stadtumbau Ost" ins Programm
zu nehmen. Am Ende der Tagung freilich hätte man das Motto umdrehen können: Denn
von der Radikalität der Schlussfolgerungen und der Klarheit der Positionen, die
diese Tagung kennzeichneten, müsste das mit unendlicher Vorsicht operierende
politische Establishment im Osten lernen.
Gewiss, das Thema ist auch im Westen, so Burghard Schneider,
VdW-Verbandsdirektor Rheinland-Westfalen, "viel zu lange tabuisiert worden".
Wenn jetzt nicht nur einzelne Wohnlagen, sondern "die Großsiedlungen insgesamt
auf dem Prüfstand stehen" (Schneider), so ist dies eine Entwicklung, die sich
schon Mitte der 80er Jahre im Westen Deutschlands abzeichnete. "Seit der
Errichtung dieser Siedlungen beschäftigt uns diese Problematik", stöhnte Manfred
Morgenstern, Staatssekretär im Bauministerium Nordrhein-Westfalens. Und: "Auch
ständige Nachsubventionierung hat nicht zur Problemlösung beigetragen."
Die Euphorie über diese Siedlungskomplexe habe kaum zehn Jahre überdauert, dann
habe mit Nachbesserungen und Nachfinanzierungen nachgeholfen werden müssen. Doch
was ist damit erreicht worden? Morgenstern: "Heute drohen Leerstand, hohe
Fluktuationsraten und Mietausfälle, die sozialen Gettos sind zu Brutnestern von
Vandalismus und Kleinkriminalität geworden." Allein NRW verfügt über mehr als 17
solcher Siedlungen mit über 2500 Einwohnern.
Morgenstern ließ keinen Zweifel, dass die heutigen Rahmenbedingungen ein
"Hinterherschmeißen öffentlicher Gelder" auf unabsehbare Zeit verbieten.
Schrumpfende Wohnungsmärkte, schrumpfende Bevölkerung, Arbeitslosigkeit und
sinkende Einkommen schränkten die Möglichkeiten staatlicher Intervention auf das
"absolut Notwendige" ein. Deshalb hätten die Ministerpräsidenten der Länder dem
Bund vorgeschlagen, aus der sozialen Wohnraumförderung auszusteigen. Für die
Länder werde es "im wesentlichen um die Bestandsförderung" gehen. Dass davon
auch "Monostrukturen wie die Großsiedlungen" profitieren könnten, sei angesichts
zunehmender Qualitätsauslese mehr als fraglich.
Für den Osten zog Maren Kern, Geschäftsführerin der Potsdamer Domus Consult,
eine verheerende Bilanz: "Kommunen und Wohnungsunternehmen stehen am Abgrund."
So seien in der größten Stadt Thüringens, Gera, bei prognostiziertem
Bevölkerungsrückgang von einst 135 000 auf 85 000 Einwohner und einem
Wohnungsüberhang von 21,5 Prozent schon heute Wohnungen in Großsiedlungen trotz
zum Teil "sehr umfassender Sanierung" nicht mehr nachgefragt. Eine
"sozioökonomische Studie" zeige: Die Mieter wollen überwiegend raus und andere
wollen nicht rein, weil sie die Blöcke als unattraktiv empfinden.
Als Hans-Dieter Krupinski das Podium betrat, war der Boden für die grausame
Wahrheit bereitet: "Die schwierigen Siedlungen mit ihrem heruntergekommenen
Image kann man nicht retten durch öffentliche Förderung. Sehen Sie sich den
ältesten Bautenbestand an, der hat sich als Wohnform bewährt und überdauert alle
Leerstandsphasen. Die Siedlungen aber funktionieren nur noch an
Wachstumsstandorten mit hochpreisigen Wohnungen." Und dann das nüchterne
Resümee: "Wir werden uns nicht engagieren, um überkommene Strukturen zu
verfestigen, an deren langfristige Perspektive wir selbst nicht glauben.
www.welt.de
28.05.2003
Die Alten sterben, und der Nachwuchs fehlt
In den nächsten Jahren wird Brandenburg durch Abwanderung und niedrige
Geburtenraten extrem an Einwohnern verlieren. Das geht aus der
Bevölkerungsprognose bis 2020 hervor, die der Landesbetrieb für
Datenverarbeitung und Statistik sowie das Landesumweltamt gestern in Potsdam
vorlegte. Vorgestellt wurde sie von Innenminister Jörg Schönbohm und
Raumordnungsminister Wolfgang Birthler. Nach Einschätzung der Statistiker werden
in knapp 20 Jahren in Brandenburg nur noch 2,4 Millionen Menschen leben, 181600
oder sieben Prozent weniger als heute.
Während die Bevölkerung im Speckgürtel rund um Berlin weiter wächst, dünnen die
ländlichen Räume an den Landesrändern weiter aus. Dort werden dann
durchschnittlich nur noch 56 Menschen pro Quadratkilometer leben, während es
rund um Berlin 722 sind. Die Zahl der jährlich geborenen Kinder wird laut
Prognose bis zum Ende des Vorhersagezeitraums von gegenwärtig 17700 auf 15200
absinken, die Sterbefälle steigen im gleichen Zeitraum von 26000 auf 36000.
Während im Speckgürtel die Zahl der Bewohner durch die Zuwanderung aus Berlin um
weitere 63000 Personen wächst, rechnet man in den Randregionen des Landes mit
einer Reduzierung der Bevölkerung um 244000 Menschen, das sind 15 Prozent. Von
den 14 Landkreisen können künftig nur noch Havelland, Potsdam-Mittelmark und
Oberhavel mit einer wachsenden oder stabilen Einwohnerzahl rechnen. Alle anderen
Kreise müssen sich auf teilweise beträchtliche Rückgänge einrichten.
Staatskanzleichef Rainer Speer hatte bereits vor wenigen Wochen vor einer
»öffentlichen Verelendung« der brandenburgischen Randregionen gewarnt. Teilweise
werde es künftig nur noch 35 und weniger Einwohner pro Quadratkilometer geben,
sagt er. Die vorhandene Infrastruktur würde dann nicht mehr benötigt.
Raumordnungsminister Birthler wies das zurück. »In Dänemark oder Schweden leben
oft nur 20 Menschen pro Quadratkilometer, und niemand spricht dort von einer
Verelendung«, sagte er. Die negative Bevölkerungsentwicklung betreffe den
gesamten Osten.
»Bereits heute müssen Antworten auf die Frage zur künftigen Gestaltung
Brandenburgs gefunden werden«, forderte auch Innenminister Schönbohm. Dabei gehe
es um die soziale Versorgung der Menschen, die innere Sicherheit und Bildung
unter den veränderten Voraussetzungen. Bereits im September sollen die Minister
der einzelnen Ressorts im Kabinett entsprechende Vorschläge auf den Tisch legen.
www.nd-online.de
28.05.2003
Güstrow: Kräftig in der Südstadt investieren
In der Südstadt wird weiter kräftig investiert. Während die Neugestaltung des
Feierabendparkes mit dem 2. Bauabschnitt abgeschlossen ist, beginnen in den
nächsten Tagen die Bauarbeiten in der Karl-Liebknecht-Straße, am Platz der
Freundschaft und im Gorkiweg. Der Straßenausbau und der Bau von Parkplätzen sind
dabei vorrangiges Anliegen.
Rund zwei Millionen Euro stehen in diesem Jahr zur Verfügung, so ließ Tomas
Kämpfert von der BauGrund AG gestern wissen. Das ist mehr als in vergangenen
Jahren und ergibt sich daraus, dass einige Vorhaben mit Blick auf die künftige
Entwicklung des Wohngebietes - Stichwort Stadtumbau einschließlich Abriss von
Wohnblöcken - im vergangenen Jahr zurückgestellt wurden. Bevor die Sanierung der
Straße der DSF im nächsten Jahr in Angriff genommen wird, sollen die
Nebenstraßen auf Vordermann gebracht werden. "Wir wollen zum Beispiel sehen, wie
viele Stellflächen hier geschaffen werden können, um dann zu entscheiden, was in
der DSF noch notwendig ist", nennt Cornelia Dettmann vom Stadtentwicklungsamt
einen Grund. Sowohl im Gorkiweg als auch in der Karl-Liebknecht-Straße fehlt es
derzeit an Parkplätzen. Partner und Mitfinanzier ist hier in erster Linie die
Allgemeine Wohnungsbaugesellschaft (AWG), die in dem Bereich deutlich mehr
Wohnungen hat als die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG). Beide Baumaßnahmen
sollen nach Pfingsten beginnen.
www.svz.de
27.05.2003
Oer-Erkenschwick: Durchs Schrumpfen zur Lebensqualität
Der Bevölkerungsschwund wird viele Städte
gerade im Ruhrgebiet zwingen, sich kleiner zu setzen. Elf Modellstädte sind
ausgeguckt, nachzudenken über den geordneten Rückzug; über Schrumpfen als
Chance.
Quadratisch, praktisch, hoch - so bauten die 60er, 70er Jahre. Ein Umfeld aus
Beton und Pflaster, darin Hochhäuser und Halbhochhäuser, die sich zu Riegeln
verbinden - so baut man, wenn man glaubt, man wachse ewig. So bauten sie das
Uni-Center Bochum, bauten die Marler Mitte, Essen-Steele, Dortmund-Scharnhorst .
. . So bauten sie in Oer-Erkenschwick die Siedlung an der Halluinstraße. Man
kann das buchstabengetreudeutsch aussprechen, man kann auch den Namen der
französischen Partnerstadt Halluin vor sich hin nasalieren. Doch manche sagen
einfach: "Halloweenstraße." Der Schrecken.
Denn heute sind hier viele Fenster blind, andere mit Tüchern verhängt; wohnen
hier oft ältere Leute, ärmere Leute, manchmal auch unverträgliche Leute; 17
Nationen ("Sie treffen jeden GUS-Staat", sagt ein Anwohner); heute stehen hier
rund 90 von 221 Wohnungen leer, sind abgewohnt, dabei nicht wirklich billig. Die
Zeichen sind also deutlich. Diese Wohnform ist unerwünscht.
Seit mehreren Jahren gibt es den "Stadtumbau Ost", der darauf reagiert, dass
dort inzwischen 1,4 Millionen Wohnungen leerstehen. Nun kommt auch der
"Stadtumbau West", denn der Bevölkerungsschwund wird auch hier spürbar - allein
das Ruhrgebiet verliert noch 300 000 Menschen bis 2015; weil mehr Menschen weg-
als herziehen, mehr sterben als geboren werden. "Ein Problem wird
gesamtdeutsch", fiel ,Areal´ dazu ein, der Zeitschrift der
Landesentwicklungsgesellschaften.
Und so warnt bereits die Friedrich-Ebert-Stiftung, bald würden "Umbauprogramme
für westdeutsche Teilmärkte erforderlich sein". Und, drastischer, ein Funktionär
aus dem Wohnungsbau: "Wenn wir den Zeitpunkt zum Handeln versäumen, werden
einige Städte irreparable Schäden erleiden." Wenn vieles leersteht, wenn
Stadtteile verkommen, wenn die Infrastruktur zu teuer wird für immer weniger
Einwohner. Was überdehnt ist, das schlottert.
Elf Städte im Westen sollen Ideen beitragen, wie man damit umgeht. Darunter
viele Fußkranke des Strukturwandels, Bremerhaven etwa, Wilhelmshaven, Pirmasens,
Völklingen oder Salzgitter und Oer-Erkenschwick. Schlechte Strukturdaten hat die
Stadt auch, wächst als Wohnstadt des Ruhrgebiets am Rand des Münsterlandes aber
noch leicht. Aber "wir kennen natürlich auch die Zahlen für die nächsten Jahre",
sagt der Technische Beigeordnete Bernd Immohr; er spricht von einem Wechsel des
Leitbilds "vom kontrollierten Wachstum zum geordneten Rückzug".
Weil Stadt nicht von selbst von den Rändern zum Zentrum schrumpft; von selbst
würde sie nur hier ausdünnen, da löchrig werden und dort überhaupt zerfallen.
"Es geht darum, aus weniger Einwohnern, weniger Arbeitsplätzen und weniger
Nachfrage mehr Lebensqualität und Standortqualität zu machen", sagt der
einschlägig erfahrene frühere Bau-Bürgermeister von Chemnitz, Ralf-Joachim
Fischer, über den Stadtumbau. Brachen in der Stadt wiederzugewinnen, gehört
dazu; Altbauten in der Mitte attraktiv zu machen; auch, keine Neubausiedlungen
weit draußen mehr zuzulassen.
www.waz.de
24.05.2003
Anklam: Mehr Kraft für Innenstadt
Ein Umdenken in Sachen Invesitionen mahnte jetzt Anklams
Bürgermeister Michael Galander an. "Nur passiv darauf zu warten, dass Investoren
nach Anklam kommen, ist sinnlos. Wir müssen in unserer Stadt eigene Kräfte
mobilisieren und die eigene Wirtschaft unterstützen", sagte er am Rande einer
Stadtbegehung mit einigen Fachleuten. Diese diente der detaillierteren
Vorbereitung des Integrierten Stadtumbaukonzeptes (ISEK), mit dessen Hilfe mehr
Leben in die Anklamer Innenstadt gebracht werden soll.
So wäre eine Wiederbebauung des Peeneufers am Bollwerk wünschenswert, waren sich
Galander und seine Begleiter von der BIG Städtebau, der
Stadtentwicklungsgesellschaft Neubrandenburg (SEN), dem Anklamer
Sicherungstechnischen Anlagenbau (STA-Bau) und den Rahmenplanern vom
Architektenbüro "Plan 4d" aus Stuttgart einig. Vor Jahren war dies schon
gescheitert, weil eine Bank dem Beinahe-Investor einen Kredit mit dem Hinweis
verweigerte, dass sie in Anklam für eine Vermarktung von Eigentumswohnungen kein
Potenzial sehe. Hier appellierten Galander und die anderen vor allem an die
Verantwortung der beiden großen Wohnungsunternehmen der Stadt - GWA und AWG.
Diese sollten eine Vorreiterrolle übernehmen und in der "absoluten 1a-Lage
Anklams Wohnraum" schaffen.
Entgegen dem Votum der Bank seien hier mit der Lage und dem Argument der
preiswerten Ostsee-Nähe sicher auch Interessenten dafür bis aus dem Berliner
Umland zu gewinnen. Aber auch Anklamer sollten wieder mehr ins Zentrum gezogen
werden. Galander bezeichnete es als Fehler der vergangenen Jahre, viel Geld in
die Trabantensiedlungen außerhalb des Zentrums zu investieren, dabei aber
Flächen im Zentrum brachliegen zu lassen.
"Ghettos" verhindern Auch Hans Hellmann von "Plan 4d" plädierte dafür, alle
Kraft wieder in die Altstadt zu stecken. Dabei müsse man aber aufpassen, in den
Wohngebieten am Rand der Stadt keine "Ghettos" zu schaffen.
Viel alte Bausubstanz macht den Beteiligten Sorgen - zumeist befindet sich diese
seit Jahren im Eigentum von Privateigentümern, die die Häuser aber aus den
unterschiedlichsten Gründen verfallen lassen. In der Pötterstraße 13, die im
Eigentum der Stadt stehe, hingegen gehe es noch in diesem Jahr mit der Sanierung
als Wohngebäude los - auch die benachbarte Baulücke werde bebaut, kündigte
Thomas Riemer an.
Die Pötterstraße 15 hingegen müsse man eigentlich abreißen, allerdings stehe die
Fassade noch unter Denkmalschutz. Eigentlich unbegreiflicherweise, meinte
Riemer, denn diese wurde erst in den 20er Jahren vor den alten Fachwerkbau
gesetzt. Jetzt finde man allein wegen der Lage keinen Interessenten mehr für das
Areal - die Bundesstraße B 110/B 109 ist gleich nebenan. Eine Grünfläche an
dieser Stelle wäre ansprechender. Die Denkmalbehörde stehe auch dem Abriss der
verfallenen Bauten an der Ecke Mägde-/Wollweberstraße kritisch gegenüber - zudem
seien hier wieder Privatleute die Eigentümer. Oft könne die Lösung nur heißen,
Baulücken oder ruinierte Häuser als Stadt anzukaufen, um sie umzugestalten.
www.nordkurier.de
24.05.2003
Erfurt: Mit den Fahrstühlen kamen neue Mieter
In Erfurt stehen über 15 Prozent der Wohnungen leer. Das betrifft sowohl große
Unternehmen wie private Vermieter. Vor diesem Hintergrund sind die fünf Prozent
Leerstand bei der WBG Einheit erstaunlich.
An architektonischen Raffinessen kann es nicht liegen. Von den 7349 Wohnungen
der Genossenschaft gehören 5300 zu den Plattenbaugebieten Herrenberg,
Wiesenhügel und Drosselberg. Die übrigen sind 60er-Jahre-Bauten rund um den
Landtag. Die ältesten, bis zu 110 Jahre alten Häuser, stehen im Daberstedter
Feld. Doch ein Glücksumstand kommt der "Einheit" zugute: Sie hat keine
Wohnscheiden oder Punkthochhäuser. Diese großen Objekte haben sich klar als die
Problemfälle erwiesen.
Zudem erfuhren 80 Prozent des gesamten Bestandes inzwischen eine Schönheitskur,
allein 2002 wurden 424 Wohnungen modernisiert, verkündete gestern
Vorstandssprecher Jürgen Tietsche. Im gleichen Zuge entstanden 111 Aufzüge. Mit
dem mühelosen Hinaufgleiten bis in die sechste Etage erhöhte sich sprunghaft die
Vermietung der oberen Stockwerke. Davon beflügelt sollen am Herrenberg auch
bereits modernisierte Häuser noch Fahrstühle erhalten. Weiterhin rechnet sich
die Genossenschaft Grundrissveränderungen auf ihrem Erfolgskonto an.
Maisonette-Wohnungen, Vierraumwohnungen mit zwei Bädern - wo gab es das vorher
schon in der Platte.
Diesjähriger Schwerpunkt der Sanierung ist der Drosselberg - 300 Wohnungen sind
davon betroffen. Doch 100 Prozent Modernisierung strebt das Unternehmen nicht
an. Es will auch bezahlbare Wohnungen für Menschen mit wenig Einkommen anbieten,
begründete Tietsche. Für diejenigen, die dagegen etwas mehr fürs Wohnen ausgeben
wollen, entstanden im Vorjahr in Marbach 15 Wohnungen in Stadtvillen und 34
Reihenhäuser - auf Mietbasis. Wegen der großen Nachfrage plant die WBG in der
Mühlhäuser Straße weitere neue 170 Wohnungen.
Diese stünden nicht im Gegensatz zu den 180 abgerissenen Wohnungen am Brombeer-
und 170 am Hagebuttenweg (beides Wiesenhügel), betonte der Vorstandssprecher. Es
handele sich um unterschiedliches Interessen-Klientel. Kein Mieter einer
Stadtvilla hätte für den Wiesenhügel gewonnen werden können.
Zudem ist das Thema Abriss für die WBG erst einmal erledigt. Der Drosselberg sei
zu 95 Prozent vermietet und selbst am Herrenberg, der als kritisch gilt, stehen
von den 1600 Einheit-Wohnungen nur 43 leer. Da lohnt es nicht, Bestände
wegzunehmen, so Tietsche. Doch genau das sah der Masterplan zum Stadtumbau Ost
2000 noch vor. Er wird inzwischen von den vier großen Unternehmen und der Stadt
überarbeitet.
www.thueringer-allgemeine.de
24.05.2003
Schwerin: als Vorbild für Stadtumbau im Westen
Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt hat nach Ansicht von Fachleuten mit dem
bisherigen Umbau ihrer Neubaugebiete und der Neubelebung der Innenstadt Maßstäbe
gesetzt. "Bei der Erneuerung der Straßenzüge blieb das alte Stadtbild erkennbar.
Und in den Plattenbausiedlungen zeigt man, wie Rückbau in höhere Wohnqualität
münden kann", sagte Robert Sander vom Deutschen Institut für Urbanistik gestern
zum Abschluss einer Kommunalkonferenz zur Stadterneuerung und Sozialplanung in
Schwerin.
Städteplaner aus etwa 100 Städten nahmen daran teil. Schwerin war im Vorjahr im
Bundeswettbewerb Stadtumbau vor Halle und Leipzig mit der Goldmedaille geehrt
worden.
Die Erfahrungen der ostdeutschen Städte mit dem milliardenschweren
Stadtumbauprogramm Ost würden zunehmend auch im Westen interessieren.
"Bevölkerungsrückgang und steigende Lebenserwartung der Menschen werden die
Stadtentwicklung in den kommenden Jahren massiv beeinflussen. Im Ruhrgebiet zum
Beispiel schaut man mit großen Augen nach Osten", sagte Sander. Es gelte, die
veränderten Ansprüche, beispielsweise immer älterer Mieter, rechtzeitig
einzuplanen.
Hans-Hermann Bode, Leiter des städtischen Bauamtes in Schwerin, forderte von
Bund und Land Planungssicherheit für Kommunen und Wohnungsunternehmen.
www.svz.de
22.05.2003
Zschopau: Wasserschleier gegen den Staub
Ende Juli wird im Zschopauer August-Bebel-Wohngebiet nichts mehr vom Wohnblock
Meixnerweg 1 bis 10 zu sehen sein. In nur sieben Wochen sollen die 120
Genossenschaftswohnungen des Typs IW 73 komplett verschwunden sein, legte Harald
Bertram, Abteilungsleiter für Abriss der HTG Handelstransport Grüna GmbH, den
rund 60 Anwohnern zur Bürgerversammlung am Dienstagabend im High Point dar. Das
Unternehmen - seit Jahren bei Abrissarbeiten speziell in Neubaugebieten im
Einsatz - hatte nach Ausschreibung der Leistungen von 38 Firmen das
wirtschaftlichste Angebot abgegeben.
510.000 Euro - komplett finanziert mit Hilfe von Fördermitteln des Freistaates
und des Bundes - wird der Abriss von insgesamt 7300 Quadratmetern Wohnfläche
kosten. 170.000 Euro wurden der Wohnungsgenossenschaft Zschopau eG bereits
bewilligt.
Mittels Press-Schneide-Verfahren soll dem Betonbau der Garaus gemacht werden.
Ein Bagger mit hydraulischer Presszange wird die sechs Meter hohen und 2,63
Meter breiten, dreischichtigen Wandelemente stückweise abreißen und auf 80
Zentimeter Kantenlänge zerkleinern, so dass diese sofort abtransportiert werden
können. Ein Sprühkopf an der Zange, der einen Wasserschleier erzeugt, wird eine
Ausbreitung der Faserstäube aus der fünf Zentimeter dicken
Mineralwoll-Dämmschicht verhindern. Das vom Gesetzgeber als krebserregend
beziehungsweise krebsverdächtig eingestufte Material wird dadurch auf den
unmittelbaren Arbeitsbereich beschränkt, versicherte Arnd Wagner vom
Marienberger Architekturbüro Frank + Stirnweiß: „Die Faserkonzentration
außerhalb des Bauraumes entspricht der überall in der Luft vorhandenen. Das kann
ich garantieren. Begleitende Messungen der Gewerbeaufsicht und des
Umweltfachamtes bei bisherigen Vorhaben, beispielsweise in Chemnitz, haben das
bestätigt.“
www.freiepresse.de
22.05.2003
Tücken liegen im Detail
Berlin - Vor gut einem Jahr trat das mit insgesamt 2,7 Mrd. Euro (bis 2009)
dotierte "Stadtumbauprogramm Ost" in Kraft. Die Kritik an der zähen Umsetzung
reißt nicht ab. Die Schere zwischen dem Notwendigen und dem Machbaren klafft
weit auseinander:
Falsche Mittelverteilung: 2002 sind nur 15 Prozent der Fördermittel in den
Abriss geflossen. Das reicht nicht, um die steigende Leerstandsflut einzudämmen.
Die Forderung: Umschichtung von Geldern in den Rückbau, damit die Schlagzahl
beim notwendigen Wohnungsabriss erhöht werden kann - "auf mindestens 20 000 im
Jahr", sagt CDU-Experte Henry Nitzsche. Lastenausgleich: Wer mit dem Abriss
beginnt ist der Dumme. Denn das Nachbarunternehmen füllt mit den verbliebenen
Mietern die leeren Wohnungen und verbessert so seine Wettbewerbsstellung ohne
eigenen Beitrag. Fördersystematik: Damit die Wohnungsunternehmen die
Rückbauzuschüsse in vollem Umfang sofort erhielten, sollte, so fordert es der
GdW, die Aufteilung der Förderung in fünf Jahresteilbeträgen generell überprüft
werden. Mindestens müssten Regelungen greifen, die den Unternehmen eine
Zwischenfinanzierung ermöglichten und nicht durch zusätzliche Kosten das
Rückbauvolumen schmälerten.
www.welt.de
22.05.2003
Pößneck: Stadtumbau Ost beginnt in der Turmstraße
Der so genannte Stadtumbau Ost wird in Pößneck in der Turmstraße beginnen. Fünf
nicht sanierte und leer stehende Häuser sollen dort noch in diesem Jahr
abgerissen werden - die 30 und 32 auf der einen Straßenseite, die 33 und 35
sowie weiter hinten die 53 auf der anderen. Vier dieser Immobilien sind Eigentum
der Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneck/Triptis, eines befindet sich
noch in privater Hand und soll demnächst von der Stadt Pößneck erworben werden.
60 Euro pro Quadratmeter "zurückgebauter" Wohnfläche erhalten GWG und Rathaus
vom Bund, wenn sie ihre Wohnungen "vom Markt nehmen". Mit diesem Geld wird der
vernichtete Wert und der Abriss vielleicht nicht komplett refinanziert. Die
Eigentümer sparen sich allerdings die Kosten des Leerstandes. Zudem gewinnt die
Allgemeinheit: Auf den frei werdenden Flächen können notwendige Stellplätze und
belebendes Grün angelegt werden. Und es wird ein erster Schritt zur Entspannung
des Mietwohnungsmarktes in Pößneck getan. Die Baukultur soll in der Turmstraße
jedenfalls erhalten werden, sagte der Geraer Architekt Thomas Weber, der Pößneck
beim Stadtumbau begleitet, am Dienstagabend im 28. Pößnecker Stadtgespräch. Mit
etwa 40 Bürgern einschließlich Rathaus-Mitarbeitern und Stadträten war die
Veranstaltung nur mäßig besucht.
Im Quartier Turmstraße, zu dem insgesamt 14 Straßen und Straßenabschnitte
gehören, sollen langfristig vierzig bis fünfzig Gebäude abgerissen werden. Die
Stadt hofft, dass kommunale Maßnahmen private Initiativen generieren. "Es gibt
durchaus Interesse von Privat, Gebäude und Grundstücke abzugeben", sagte der
Pößnecker Bauamtsleiter Thomas Wunsch im Stadtgespräch. Spekulationen sollen
aber keine Chance haben. Thomas Wunsch: "Wir werden nicht jedem privaten
Abriss-Interesse stattgeben." Zuvor hatte Bürgermeister Michael Roolant darauf
hingewiesen, dass der Stadtumbau auch eine Frage des Geldes in den öffentlichen
Kassen sei.
www.otz.de
21.05.2003
Verwaltungsvereinbarung 2003 noch nicht unterschrieben
Das milliardenschwere Stadtumbauprogramm Ost droht
in MV wie in den anderen neuen Ländern ins Stocken zu geraten. Hintergrund ist,
dass die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern noch nicht
unterschrieben ist, bestätigte das Bauministerium gestern. MV dringe auf rasche
Unterzeichnung, unterstrich der Abteilungsleiter für Wohnungswesen und
Städtebau, Michael Gäbert. "Die Vorbereitungen für das Programm laufen im Land
bereits." Jedoch könnten die Gelder für Abriss und Aufwertung der Wohngebiete
erst dann bewilligt werden, wenn die Verwaltungsvereinbarung unterschrieben ist.
Ein Streitpunkt ist die Beteiligung der Kommunen von einem Drittel bei der
Wohngebietsaufwertung, wie Gäbert sagte. Dies betreffe etwa den Bau von
Straßenbahnhaltestellen oder die Anlage von Parkflächen. Die Ostländer wollen
den Anteil der Kommunen auf 20 Prozent senken. Denn finanzschwächere Gemeinden
litten oft am großen Wohnungsleerstand. Sie könnten den geforderten Anteil aber
nicht aufbringen. Der Finanzierungsanteil von Bund und Ländern würde jedoch von
je einem Drittel auf 40 Prozent steigen.
www.svz.de
21.05.2003
Guben: will wieder blühen
Als hätte ein Zahnarzt einen großen Backenzahn
gezogen, gähnt mitten in Guben eine riesige Brachfläche. Noch wächst kein Zahn
nach, doch die Stadt ist fest entschlossen, dass hier das neue Zentrum
"Promenade am Dreieck" entstehen soll. Ein paar Meter weiter wird die
Einkaufsmeile Frankfurter Straße aufgebuddelt, direkt gegenüber dem
Grenzübergang an der Neiße ist die neue Flanieratmosphäre schon zu spüren. In
der Berliner Straße sind Fassaden verhüllt, das Krankenhaus wird entkernt und
zum Altenheim umgebaut. Im Wohngebiet Reichenbacher Berg fallen leerstehende
Plattenbauten. 400 Wohnungen wurden seit vergangenem November abgerissen, 1000
weitere folgen bis 2005. Im Industriegebiet Süd siedeln sich neue Unternehmen
an, am Stadtrand wird eine Umgehungsstraße gebaut. Guben beteiligt sich an der
Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land. Und für jedes Neugeborene
wird ein Apfelbaum einer traditionellen heimischen Sorte gepflanzt. Insgesamt 17
Projekte zum Strukturumbau sind derzeit in Arbeit.
In Guben ist Aufbruchstimmung zu spüren. Seit Klaus-Dieter Hübner im
Februar 2002 das Bürgermeisteramt übernahm, hat sich viel getan. Die
Arbeitslosenquote liegt in Guben bei 25 Prozent. 23 000 Menschen leben in der
Neißestadt, 34 000 waren es 1989. Die Prognosen sagen eine düstere Entwicklung
voraus: nur noch 15 000 Einwohner in 30 Jahren.
Mangels Perspektive verlassen junge Menschen die Stadt, und das Arbeitsamt zahlt
Prämien für den Wegzug. "Wer Abitur hat, geht weg", sagt eine Gubenerin.
Inzwischen habe einige Betriebe Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.
www.maerkischeallgemeine.de
20.05.2003
Trotz Leerstands wird
weiter modernisiert
"Bis 2004 sollen alle Wohnungen modernisiert sein", nennt Renate
Bremer von der "Wiro"-Wohnungsgesellschaft in Rostock das Ziel des größten
Wohnungsunternehmens in Mecklenburg-Vorpommern für 2003. Geplant ist, mehr als
2000 Domizile aufzuwerten. Dafür stellen die Rostocker knapp 45 Millionen Euro
bereit. Landesweit fließen in diesem Jahr nach Angaben des Verbands
norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) etwa 122 Millionen Euro in die
Modernisierung des Bestands - ebenso viel wie im Vorjahr und ungeachtet der
Leerstandsquote, die inzwischen bei fast elf Prozent liegt.
Die Strategie der Anbieter: "Schöner wohnen" wird zunehmend mit Rückbau
verknüpft. Beispiel Schwerin. Hier planen die beiden großen Wohnungsfirmen WGS
und SWG, in den nächsten Jahren ein ganzes Quartier mit 690 Wohnungen in zehn
Blocks gemeinsam zurückzubauen und zu modernisieren. Teils durch Abriss, teils
durch Abtragen oberer Etagen, soll demnach eine stadtvillenähnliche Bebauung mit
Grünflächen entstehen. Das "Stadtumbau Ost"-Projekt auf dem Großen Dreesch
startet Ende des Jahres.
"Neben der Bestandspflege bleibt der Stadtumbau Investitionsschwerpunkt der
Wohnungswirtschaft", betont VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege. Im Zuge des
Programms sollen in diesem Jahr 5000 Wohnungen in MV zurückgebaut oder
abgerissen werden. Problem aus Sicht des Verbands: Auf dem Bestand liegen noch
Restaltschulden. Der VNW fordert deshalb vom Bund, Unternehmer bei dauerhaft
leer stehenden oder für den Abriss vorgesehenen Gebäuden von der Tilgung zu
befreien.
In der verminderten staatlichen Förderung sieht Wege einen der Hauptgründe
dafür, dass die VNW-Mitglieder ihre Gesamtinvestitionen von 285 Millionen Euro
im Jahr 2002 auf etwa 250 Millionen zurückgefahren haben. Davon werden rund 100
Millionen für die Instandhaltung und nur 28 Millionen Euro für den Neubau
ausgegeben.
www.svz.de
19.05.2003
Leipzig: Hauseigentümer fordern Ende des Neubau-Booms
Leipzigs private Hauseigentümer verlangen eine
andere Förderpolitik im Wohnungsbau. Im vergangenen Jahr seien in der Stadt 798
Wohnungen abgerissen worden, sagte Steffen Mildner von "Haus & Grund" bei der
Jahreshauptversammlung des Verbandes am Sonnabend. "Zugleich kamen 2525 neue
Wohnungen auf den Markt, wodurch sich der Gesamtbestand weiter spürbar erhöht
hat."
Wer den Leerstand in Leipzig verringern wolle, der müsse dafür sorgen, dass die
Zahl der neu gebauten Wohnungen nicht mehr steigt, sondern sinkt, so der
Vorstands-Experte. "Man darf das Problem nicht auf die Zahl der Abrisse
verengen." Vielmehr müsse die Zahl der Neubauten kontrolliert und verringert
werden.
Insofern sei es völlig verkehrt, dass der stadteigene Großvermieter LWB "nun
noch in den Bau von Eigenheimen einsteigt". Ebenfalls widersinnig seien
Selbstnutzer-Programme der Kommune, durch die noch mehr neue Häuser entstehen
und "das Problem des Leerstands weiter verschlimmert wird", wie Geschäftsführer
Henning Mau kritisierte. Ruinierte Altbauten sollten vorerst nur noch im
Ausnahmefall saniert werden. Die Masse könne man gegen einen weiteren Verfall
sichern und später als Quartiere für Olympia herrichten.
Vom neuen Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" würden wieder fast nur
öffentliche Wohnungsgesellschaften profitieren. "Die LWB und manche
Genossenschaft füllen durch den Abriss ihre übrigen Bestände auf. Dadurch können
sie dort besser wirtschaften", erklärte Mau. "Wenn ein privater Eigentümer sein
Haus abreißt, erhält er die gleiche Förderung. Jedoch wird er seinen Mietern
kein Ausweichquartier anbieten, weil er nur ein Haus hat."
Um die Situation insgesamt zu verbessern, solle die Eigenheimzulage auf
Altbausanierungen beschränkt werden, forderten die Mitglieder. Sie kritisierten
auch ihren Bundesvorstand, der sich zu wenig für Ost-Interessen einsetze.
Vizepräsident Jürgen Happ sagte dazu, der Bundesvorstand habe soeben ein
"Referat Neue Länder" ins Leben gerufen.
www.lvz-online.de
18.05.2003
Brandenburger verlassen die Randregionen
In Brandenburg werden in den nächsten 15 Jahren immer mehr Menschen die
ländlichen Gebiete verlassen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die
gestern Staatskanzleichef Rainer Speer vorstellte. Danach ist die Abwanderung
aus den nördlichen und östlichen Randregionen des Landes wie Prignitz,
Ostprignitz-Ruppin, Uckermark oder im südlichen Oberspreewald-Lausitz besonders
hoch. Die Folgen dieser Entwicklung sind dramatisch: Die Infrastruktur in den
dünn besiedelten Räumen sei nicht mehr finanzierbar, sagte Speer. Er sprach von
der Gefahr der "öffentlichen Verelendung des ländlichen Raumes".
Das Kabinett hatte sich mit der jüngsten Prognose der Bevölkerungsentwicklung
während der Klausur Anfang Mai befasst. Bis Sommer sollen die Minister
untersuchen, welche Auswirkungen für ihr jeweiliges Ressort bestehen. Am 16.
September befasst sich eine Klausur mit den Folgen des demographischen Trends.
Dass die Gesamtbevölkerung Brandenburgs weiter abnehmen wird, war schon länger
klar. Während die Zahl der Bewohner im "Speckgürtel" durch den Zuzug von
Berlinern weiter wächst, dünnt sie in der Peripherie des Landes aus.
Spitzenreiter beim Bevölkerungszuwachs zwischen 1990 und 2001 sind Falkensee
(Havelland) mit rund 160 Prozent, Wildau (Dahme-Spreewald) und Bernau (Barnim)
mit rund 130 Prozent sowie Hennigsdorf und Oranienburg (beide Oberhavel) mit
knapp unter 110 Prozent. Die größten Verluste mussten Guben (Oder-Spree),
Schwedt (Uckermark), Wittenberge (Prignitz) hinnehmen, die jeweils etwa ein
Viertel ihrer Bevölkerung verloren. Die Zahl der unter 20-Jährigen in den
Randgebieten Brandenburg ist seit 1990 um mehr als ein Drittel und die der unter
40-Jährigen um etwa ein Viertel gesunken. Hingegen stieg die Zahl der über
60-Jährigen um 31 Prozent. Dieser Trend werde sich weiter fortsetzen, heißt es.
Die Spirale scheint unaufhaltsam: Bevölkerungsrückgang in den Randregionen,
geringere Geburtenraten und zugleich Anstieg des Anteils älterer,
hilfsbedürftiger Menschen. Der Druck auf die Sozialsysteme wachse an, sagte
Speer. Hinzu komme eine schleichende Verödung der Dörfer, Abriss von
Wohnhäusern, Schulsterben, Schließung von Krankenhäusern, Ärztemangel. Der
öffentliche Nahverkehr sei dann nicht mehr bezahlbar. Überdies würden
qualifizierte Arbeitskräfte fehlen.
Die Politik müsse gegensteuern, sagte Speer. Beispielsweise stehe die Frage, ob
die derzeitige Kreisstruktur im Land - 14 Kreise, 4 kreisfreie Städte - noch
genügend leistungsfähig sei. Offenbar nicht.
www.maerkischeallgemeine.de
17.05.2003
Leinefelde: Rückbau ist Aufwertung der Lebensqualität
"Was in Leinefelde im Bereich Stadterneuerung und -entwicklung geleistet wurde,
dürfte in Deutschland weit an der Spitze liegen", lobte gestern der Präsident
des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), Lutz Freitag, das
Engagement der Verantwortlichen der Stadt. Der GdW-Fachausschuss Stadterneuerung
und -entwicklung führte in Leinefelde eine zweitägige Tagung durch, in deren
Mittelpunkt der Stadtumbau von schnellgewachsenen DDR-Plattenbaustädten stand.
"Von den Leinefelder Erfahrungen können viele andere Städte lernen. Ein Rückbau
ist kein Prozess des Rückganges, sondern eine Aufwertung des Wohnumfeldes, der
Lebensqualität und der Attraktivität der Stadt. Das hat man in Leinefelde früh
erkannt und diesen Prozess konsequent und mit Erfolg durchgeführt", betonte der
Leiter des Ressorts Stadtumbau Ost im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen, Ministerialrat Dr. Wolfgang Preibisch.
"Leinefelde ist ein Beispiel dafür, dass man mit einem Rückbau auch Perspektiven
schafft. Leinefelde untermauert eindrucksvoll den Slogan ,Mehr Stadt für weniger
Bürger´", zeigte sich Dieter Cordes, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bauen
und Wohnen Hannover, beeindruckt von den Aktivitäten und sagte in Richtung
Bürgermeister Gerd Reinhardt, dass dies nur erreichbar ist, "wenn die Konzepte
stimmen, die Interessen aller gebündelt werden und natürlich, wenn die Menschen
zupacken".
www.tlz.de
17.05.2003
Berlin: Erster Abriss einer Schule
Im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" wird im Bezirk jetzt erstmals eine
Schule abgerissen. An der Dessauer Straße in Marzahn-West begannen jetzt
Arbeiten an der früheren 6. Grundschule und einer daneben stehenden, ebenfalls
entkernten Kindertagesstätte. Beide Gebäude sind Plattenbauten aus DDR-Zeiten,
die aufgrund stark sinkender Kinder- und Schülerzahlen nicht mehr benötigt
werden. Im Zuge des Rückbaus müssen auch einige Pappeln gefällt werden, teilte
das Bezirksamt mit.
Etwa zwei Drittel der bis Mitte Oktober renaturierten Flächen sollen den
benachbarten Abenteuer-Spielplatz erweitern, der Rest soll Teil des künftigen
Westparks werden. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren etwa 20 leer stehende
Schulen und Kitas im Bezirk abgerissen werden.
www.morgenpost.berlin1.de
17.05.2003
Altentreptow: Stadtumbau - Altschulden
Für den Rückbau und die Aufwertung von Plattenbauten, die kaum noch vermietbar
sind, stellt das Land bis 2009 175 Millionen Euro bereit. Von dem Förderkuchen
möchte auch das Rathaus ein Stück abbekommen und ist dabei, Grundlagen für die
Antragstellung zu erarbeiten (der Nordkurier berichtete), denn die Zuzüge können
die Abwanderungen nicht mehr aufheben. Wohnungen vom Markt zu nehmen werde für
das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen mit einigen Problemen behaftet sein,
erklärte dessen Geschäftsführer Rainer Ladendorf vor dem Bauausschuss. "Welche
rückgebaut werden, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die meisten
Wohnungen sind mit Altschulden, Krediten aus der DDR-Zeit, belastet. Diese
Belastung wird aber auch nach dem Rückbau bestehen bleiben", macht er die
Verzwicktheit der Lage deutlich. Die staatliche Regelung, den
Wohnungsunternehmen Schulen zu erlassen, die mehr als 15 Prozent ihres Bestandes
leerstehend haben, hält Ladendorf für unsinnig. "Man muss doch reagieren, um
Leerstand zu verhindern und nicht warten, bis er da ist." Er sehe hier eine
Benachteiligung gegenüber jenen Unternehmen, die Leerstand vermeiden. Heute
würden von einst 150 Euro Altschulden pro Quadratmeter Wohnfläche noch 136 Euro
zu Buche stehen. "Es kann unmöglich verlangt werden Wohnungen wegzunehmen und
gleichzeitig für die Schulden aufzukommen."
www.nordkurier.de
16.05.2003
Wohnungsunternehmen kennen ihre Kunden kaum
In Anbetracht der disparaten Entwicklung auf den
bundesdeutschen Wohnungsmärkten müssen sich die Eigentümer künftig mehr um die
Wettbewerbsfähigkeit ihrer Bestände kümmern. Rückläufige Bevölkerungszahlen, die
sinkende Attraktivität dezentraler Lagen sowie die Abkehr vom Massenwohnungstyp
werden zur Entvölkerung ganzer Stadtviertel führen. Gleichzeitig bleibt die
Nachfrage nach individuellem, großzügigem Wohnraum hoch.
So haben einige Regionen heute schon sowohl Wohnungsknappheit als auch
Leerstände zu beklagen. Im Regierungsbezirk Oberbayern beispielsweise fehlen
knapp 25 000 Wohnungen, gleichzeitig sind 7700 Einheiten ohne Nutzer. Dies
stellt eine Studie des Eduard-Pestel-Institutes heraus. In Hessen steht ein
Überhang von insgesamt 13 200 Wohnungen einer Nachfrage nach rund 21 000
Wohnungen gegenüber. In Niedersachsen werden 2 500 Wohnungen nachgefragt, dabei
stehen fast 53 000 leer. Dramatisch auch das Verhältnis in Nordrhein-Westfalen:
Rund 100 000 Einheiten gehen nicht vom Markt, für 18 500 Haushalte fehlen
dagegen die richtigen Produkte.
Der Markt dreht sich also, und dennoch ist der "Kunde Mieter" für viele
Unternehmen eine unbekannte Größe. Das könnte teuer werden. "Während die
Einführung einer neuen Zahnpasta mit genausten Analysen der Zielgruppen und der
Anbieter-Konkurrenz generalstabsmäßig geplant wird, werden im Immobilienbereich
auch dreistellige Millionenbeträge nicht selten emotional, auf Basis einseitiger
und subjektiver Interessenslagen ausgerichteter Informationen investiert", sagt
der Immobilienberater Günter Muncke. Methodisch einwandfreie und fachlich
fundierte Analysen sollten die Unternehmen daher zur Grundlage ihres
Portfolio-Managements machen, rät Volker Eichener, Geschäftsführer des Inwis
Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und
Regionalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum. Erst dann könnten die
Eigentümer entscheiden, welche Bestände sie behalten und von welchen sie sich
trennen wollen.
Doch: "Rückbau macht nur als Teil einer integrierten Quartiers- oder
Stadtteilentwicklung Sinn", mahnt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der
Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen (VdW). Der Verband fordert, dass "Wohnen"
fachübergreifend - Wirtschaft, Städte, Politik - geplant und gestaltet wird.
Anders wird dies kaum zu machen sein, denn vor allem Unternehmen wie Viterra,
RAG Immobilien oder ThyssenKrupp Immobilien, haben gar nicht vor, mit dem Abriss
ganzer Straßenzüge zu beginnen, wenn sie dadurch die Marktchancen ihrer
Mitbewerber verbessern. Und schon wird auch im Westen der Ruf nach einer
staatlichen Rückbauförderung laut. Gisela Walsken, Landtagsabgeordnete in NRW,
winkt jedoch ab. Zwar gebe es aus dem Sozialen Wohnungsbau noch erhebliche
Restgelder. Sie bezweifelt jedoch, dass diese Mittel für "Abrissförderung"
richtig eingesetzt seien.
Staatliche Fördermillionen fließen derzeit unter anderem in das Programm
"Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt), das parallel zum 2,7 Mrd.
Euro schweren "Stadtumbau Ost" Maßnahmen für den "Stadtumbau West" mit 15 Mio.
Euro unterstützt. Ausgewählt wurden bundesweit elf Pilotstädte, die massive
Bevölkerungsverluste und hohe Arbeitslosenquoten - durch Schließung von
Industrieanlagen oder Aufgabe von Kasernenstandorten - zu beklagen haben. Dabei
handelt es sich um ausgewählte Subzentren und Mittelstädte, die im Kleinen
durchmachen, was bundesweit ganzen Regionen bevorsteht. Kritiker sehen darin
deshalb auch nicht mehr als den "berühmten Tropfen auf dem heißen Stein", mit
dem Wählerwillen im Nacken, doch am Problem vorbei. Burghard Schneider vom VdW
in Düsseldorf spricht von "Trostpflästerchen der Politik".
www.welt.de
16.05.2003
Problem Wohnungsleerstand wird auf Kosten öffentlicher
Unternehmen bewältigt
Für einen beschleunigten Abriss leer stehender Wohnungen hat sich der Verband
Thüringer Wohnungswirtschaft e. V. (vtw) auf seiner Jahrestagung ausgesprochen,
die am Donnerstag in Suhl zu Ende ging. Dazu müsste es aber auch mehr
öffentliche Förderung geben.
Seit 1991 stieg der Anteil leer stehender Wohnungen in den rund 220
Verbandsunternehmen des vtw von reichlich 2auf derzeit rund 16 Prozent. Durch
den forcierten Abriss von 4800 Wohnungen konnte im vorigen Jahr der Anstieg des
Leerstandes erstmals gebremst werden. Die Unternehmen zahlten dafür allerdings
einen hohen Preis, weil sie mit dem Abriss Teile ihres Vermögens vernichten und
den »Rückbau« auch noch mitfinanzieren müssen, erklärte Verbandsdirektor Norbert
Nareyke.
Auf Nachfrage bestätigte Nareyke, dass die mit dem Abriss verbundene
Vermögensvernichtung nahezu ausschließlich zu Lasten der kommunalen und
genossenschaftlichen Unternehmen geht. Banken und Immobilienfonds, die in den
vergangenen Jahren im Osten kommunale Wohnungsbestände gekauft haben, verfügten
offenbar über einen ausreichend langen finanziellen Atem und steuerliche
Möglichkeiten, um Kosten durch Leerstand kompensieren zu können. Sie warten
darauf, dass ihnen der »bereinigte« Wohnungsmarkt wieder ausreichend Mieter
beschert und gewinnträchtige Einnahmen ermöglicht.
Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen, Lutz Freitag,
plädierte in Suhl deshalb für einen Interessenausgleich und verlangte, den
Unternehmen wenigstens die Altschulden für die abgerissenen Wohnungen zu
erlassen. Das werde von der Politik bisher aber als nicht finanzierbar
abgelehnt. Offenbar gebe es noch kein ausreichendes Bewusstsein dafür, dass der
Stadtumbau nicht allein Sache der Wohnungsunternehmen sein könne, klagte
Freitag.
Aus Sicht der Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Iris Gleicke (SPD),
dürften sich die Banken nicht »vornehm zurücklehnen«. Sie müssten ihre
Beteiligung am Stadtumbau vielmehr als Chance begreifen, forderte sie in Suhl.
Dass die Kreditinstitute ihre »Chance« gerade im Abriss sehen, dürfte allerdings
ein frommer Wunsch bleiben. In Gera beispielsweise bauen private Konsortien mit
Unterstützung durch städtebaulicher Fördermittel auf Industriebrachen neue
Mietwohnungen, während die kommunalen Unternehmen Hunderte von Wohnungen in
Plattenbauvierteln abreißen (müssen).
Den kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen bleibt allerdings gar keine
andere Wahl, als sich mit per Abrissbirne Entlastungen zu verschaffen. In
Thüringen summierten sich die überwiegend durch Leerstand verursachten
Mietausfälle im vorigen Jahr auf annähernd 130 Millionen Euro. Bis 2010 ist
deshalb der »Rückbau« von weiteren 34000 Wohnungen geplant. Das sind rund
11Prozent des derzeitigen Wohnungsbestandes der Mitgliedsunternehmen des vtw.
Die wachsenden finanziellen Belastungen haben zu einem dramatischen Rückgang der
Investitionen geführt. Diese schrumpften von einer Milliarde Euro 1995 auf nur
noch 400Millionen Euro im vorigen Jahr. Trotz ihrer misslichen wirtschaftlichen
Lage haben die Wohnungsunternehmen bereits 80Prozent ihres Bestandes saniert und
dafür 7,8Milliarden Euro aufgewendet. Inzwischen ist nach Angaben des Verbandes
die Belastbarkeit der Unternehmen durch neue Kredite allerdings weitgehend
eingeschränkt.
Damit seien die Hoffnungen der Politik illusorisch, dass mit dem Programm zur
Zinsverbilligung um zwei Prozentpunkte für vier Jahre ein großes
Wohnungsmodernisierungsprogramm angekurbelt werden könne. Der Fortgang der
Modernisierung stehe oder falle mit entsprechenden Förderprogrammen, hieß es in
Suhl. Trotz der niedrigen Nettokaltmieten von durchschnittlich 3,79Euro pro
Quadratmeter müssen sich die Unternehmen auch mit erheblichen Mietschulden
herumschlagen. Die stiegen in den vtw-Unternehmen im vorigen Jahr um neun
Prozent auf fast 51Millionen Euro. Daran konnte auch der aufwändige Einsatz
eigener Sozialarbeiter zum Betreuen der Mieter nichts ändern. Aus bitterer
Erfahrung plädiert der Verband deshalb dafür, Wohngeld direkt an die Vermieter
zu überweisen, da für eine »nicht unbeträchtlich hohe Zahl von
Wohngeldempfängern« die Versuchung groß sei, das Geld für andere Zwecke zu
verwenden. Mancher Schuldner verschwinde dann einfach, ohne sich abzumelden und
bleibe unauffindbar. Für diesen Trick gibt es inzwischen sogar schon einen
»Fachbegriff« – Miethopping.
www.nd-online.de
15.05.2003
Leipzig: Dieses Jahr wieder nur Abriss in Grünau -
Einwohner empört
In Grünau herrscht Frust, weil es in diesem Jahr wieder nur Abrisse von Häusern
geben soll. Erstmals werden auch Wohnungsgenossenschaften einige Blöcke
schleifen. Hingegen fehlt für Sanierungsvorhaben das Geld. Die Großvermieter
verlangen dringend Hilfe, weil der Stadtteil sonst unter die Grenze von 50.000
Einwohnern zu fallen droht.
Das Modell heißt "Eins für Zehn". Nach Ansicht vieler Fachleute könnte es nicht
nur Grünau, sondern auch etliche Großvermieter vor dem Ruin retten. "Wer zehn
Wohnungen abreißt, soll zusätzlich so viele Fördermittel bekommen, dass er damit
eine Wohnung neu bauen oder gut sanieren kann", erklärt Hans-Dieter Thomas. Er
ist Vorstand der Genossenschaft Unitas, hat "Eins für Zehn" erfunden und damit
immer mehr Fans.
Warum das Modell so wichtig ist, zeigte sich Montagabend bei einem Bürgerforum
im Klubhaus "Völkerfreundschaft". Etliche der 200 Zuhörer protestierten, weil es
laut Leipzigs Chefplaner Engelbert Lütke Daldrup in diesem Jahr wieder nur
Abrisse in Grünau geben wird. Die LWB bricht vier Blöcke ab: Zwei davon sind
schon weg, es folgen noch zwei Hochhäuser im Wohnkomplex (WK) 5.1.
Die Zuhörer forderten von Bund und Freistaat schnelle Hilfe. "Wenn es hier nur
noch Abriss gibt, kommt eine Abwärtsspirale in Gang, die nicht mehr zu stoppen
ist", warnte Evelin Müller aus dem WK 8. Viele Leute ziehen nur weg, weil sie
keine passende Zwei-Raum-Wohnung finden, schimpfte Monika Nöcker vom
Bürgerbeirat im WK 4. "Dafür stehen massenhaft Ein- und Vier-Raum-Wohnungen
leer. Man muss sie nur umbauen - und nicht wegsäbeln."
www.lvz-online.de
15.05.2003
Werdau: Altschulden werden erlassen
Ein erfreulicher Bescheid flatterte am Montag der Gebäude- und
Grundstücksverwaltungs GmbH Werdau (GGV) ins Haus: Wegen des schlüssigen
Sanierungkonzeptes des Unternehmens werden von der KFW-Bank Frankfurt 1,1
Millionen Euro Altschulden erlassen. „Das zeigt, dass wir mit der Entwicklung
der GGV auf dem richtign Weg sind“, freute sich der Geschäftsführer Klaus
Müller.
Die Freude stand auch Oberbürgermeister Volkmar Dittrich (PDS) ins Gesicht
geschrieben. „Wir wissen und sind sicher, dass wir mit unserem
Tochterunternehmen in keine Turbulenzen geraten“, erklärte der OB bei seinem
Betriebsbesuch in der Turnhallenstraße. In erster Linie wollte Dittrich mit den
Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Als Aufsichtsratschef empfinde er es als
Notwendigkeit, zu den Angestellten Kontakt zu suchen. „Und außerdem muss ich ja
auch sehen, ob der Geschäftsführer seine Arbeit macht“, scherzte Dittrich im
Vorbeigehen.
Im Mittelpunkt der GGV-Maßnahmen steht momentan der Rückbau von Wohnstandorten
vor allem in der Sorge. „Der Leerzug hier läuft planmäßig und problemlos“,
berichtet Klaus Müller. Gemeinsam mit der Genossenschaft sollen insgesamt 420
Wohnungen verschwinden. Im Januar nächsten Jahres werden die Abrissbagger
anrollen. „75 Prozent unserer Mieter, die von dem Leerzug betroffen sind,
bleiben uns erhalten. In diesem Zusammenhang können wir auch unsere
altersgerechten Blöcke auffüllen“, so Müller. Insgesamt betreuen die 16
GGV-Mitarbeiter zurzeit 2091 Wohneinheiten und 40 Gewerberäume. Im Auftrag
Dritter verwaltet das städtische Tochterunternehmen zusätzlich 680 Wohnungen.
www.freiepresse.de
15.05.2003
Tausende Wohnungen im Land modernisiert
Mecklenburg-Vorpommerns Wohnungsunternehmen investieren weiter in ihren
Wohnungsbestand. Derzeit sind rund 80 Prozent der 310 000 bewirtschafteten
Wohnungen in einem teil- oder vollmodernisierten Zustand, teilte der Verband
norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) gestern mit.
Die Investitionen belaufen sich in diesem Jahr auf etwa 250 Millionen Euro,
knapp 35 Millionen weniger als im Jahr davor. Die reduzierte staatliche
Förderung und hohe Investitionen der vergangenen zwölf Jahre seien die Gründe
dafür, sagte VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege. Die 170 Mitgliedsunternehmen im
Nordosten haben seit 1989 mehr als 7 Milliarden Euro in Wohnungen und das
Wohnumfeld gesteckt.
Um Leerstände abzubauen und die Attraktivität der Wohnungsbestände und Städte
wiederherzustellen, wurden 2002 rund 950 Wohnungen durch Abriss, Rückbau oder
Zusammenlegung vom Markt genommen. Bis Ende 2003 sollen es rund 5000 sein.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
14.05.2003
Stadtumbau Ost in Thüringen auf einem guten Weg
Der Thüringer Wohnungswirtschaft tritt auf die Bremse. Erstmals seit zehn Jahren
ist es gelungen, den Anstieg beim Wohnungsleerstand im Freistaat zu stoppen. Mit
54000 Wohnungen hätten 2002 annähernd so viele Wohnungen leer gestanden, wie im
Jahr davor, sagte der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft (vtw),
Norbert Nareyke, am Dienstag in Suhl.
Der Preis dafür sei allerdings hoch gewesen: 4800 Wohnungen mussten abgerissen
werden. Ohne diese «gravierenden Einschnitte in die Substanz der
Wohnungsunternehmen, hätte die Leerstandsquote bereits die 17-Prozent-Marke
überschritten», betonte Nareyke. Derzeit verwalten die 235 vtw-Unternehmen etwa
350000 Wohnungen (mit knapp 16 Prozent Leerstand).
Ein Großteil der Abrisskosten wurden über den Stadtumbau Ost gefördert. «Wir
sehen das Programm auf einem guten Weg», erklärte der Verbandschef. Allerdings
dürfe nicht vergessen werden, dass Stadtumbau nicht Problem der
Wohnungswirtschaft allein sei. Bund, Länder und Kommunen müssten hierbei noch
stärker zusammenarbeiten. Bis 2009 werden insgesamt 2,7 Milliarden Euro in den
Abriss und die Erneuerung von Wohnungen in den neuen Bundesländern fließen.
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Iris Gleicke
(SPD), kündigte an, das Stadtumbauprogramm den aktuellen Erfordernissen
anzupassen. So müssten die Mittel beispielsweise nicht mehr strikt zur Hälfte
für den Abriss und die anschließende Aufwertung verwandt werden. Gleicke
forderte zudem die Banken auf, sich stärker bei der Finanzierung des Stadtumbaus
zu engagieren. Hierbei gehe es unter anderem um Zwischenfinanzierungen, bis die
Stadtumbau-Mittel den Wohnungsunternehmen zur Verfügung stünden.
Über das Stadtumbau-Programm kann zwar der Abriss leer stehender Wohnungen
gefördert werden, die Ursachen für den Leerstand werden damit aber nicht
beseitigt. Die sieht der vtw vor allem in der allgemein rückgängigen
Bevölkerungsentwicklung und in gravierenden Abwanderungen von der Stadt aufs
Land. Mit 4000 bis 5000 zusätzlichen leer stehenden Wohnungen rechnet der
Verband jährlich. Nach Angaben von Olaf Langlotz vom Thüringer Innenministerium
müssten etwa 7000 Wohnungen im Jahr abgerissen werden, um unter eine
Leerstandsquote von zehn Prozent zu kommen. Bis einschließlich 2010 planen die
vtw-Unternehmen den Rückbau von weiteren 34000 Wohnungen.
Insbesondere durch leer stehende Wohnungen hatte die Thüringer
Wohnungswirtschaft im vergangenen Jahr Mietausfälle in Höhe von fast 130
Millionen Euro zu beklagen. Um so höher sei daher das Geschaffte zu bewerten,
sagte Verbandsdirektor Nareyke. Rund 80 Prozent der vtw-Wohnungen seien
modernisiert. Rund 405 Millionen Euro wurden allein 2002 in die Modernisierung
von Wohnungen investiert.
www.freies-wort.de
11.05.2003
Stadtumbau in Thüringen: Spagat auf dem Drahtseil
Der Exitus des Wohnblockes in der Birkenstraße in Gera-Lusan vollzog sich
schleichend. Drei oder vier Familien, so erinnert sich Günther Weinhardt, der
seit 1979 in dem Neubaugebiet wohnt, hätten nach der Wende ihr eigenes Haus im
Grünen gebaut. Später sei die Arbeitslosigkeit der Hauptgrund gewesen, der
Platte den Rücken zu kehren. "Die Letzten haben dann wegen der hohen
Betriebskosten den Umzugsdienst bestellt."
Die Wohnungsgesellschaften führen seit Jahren einen "Spagat auf dem Drahtseil"
vor, umreißt Norbert Nareyke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Thüringer
Wohnungswirtschaft e.V., die derzeitige Situation im Freistaat beim Thema
"Stadtumbau Ost".
Die Lage ist alles andere als rosig: 128 000 Wohnungen stehen in den Thüringer
Städten und Gemeinden leer, jeden Monat kommen weitere hinzu. "Es gab schon
Überlegungen von Planern, einfach einen Stadtteil tot zu machen. Solche rigiden
Überlegungen sind allerdings kein Ausweg", meint Nareyke stellvertretend für die
230 Mitgliedsunternehmen in seinem Verband, die rund 360 000 Wohnungen
bewirtschaften.
Um einen Rückbau kommen viele Unternehmen oder Genossenschaften trotzdem nicht
herum. 4800 Wohnungen fielen allein im vorigen Jahr in Thüringen der Abrissbirne
zum Opfer. In diesem Jahr sollen die baulichen Hüllen von weiteren 6000
Wohnungen zu handlichem Bauschotter recycelt werden. Die Zeit drängt: Wie der
Chef des Bundesvorstandes Deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), Lutz Freitag,
kürzlich dem Magazin "Wirtschaft & Markt" sagte, "vernichtet" eine leer stehende
Wohnung den Ertrag von vier vermieteten, unsanierten Wohnungen. Die Thüringer
Wohnungsunternehmen haben jährlich 150 Millionen Euro an Mietausfällen zu
beklagen. 54 000 Wohnungen stehen bei ihnen inzwischen leer.
Allein um die Bewohnbarkeit eines Blockes in der Plattensiedlung Gera-Lusan
abzusichern, würden pro Quadratmeter Wohnfläche rund 15 Euro jährlich an
Betriebskosten anfallen, weiß Horst Richter, Geschäftsführer der Geraer
Wohnungsgesellschaft mbH (Gewo), der zugleich Vorsitzender der Geraer
Arbeitsgruppe "Wohnungsmarktstabilisierung" ist. Dabei spiele es keine Rolle, ob
der Block zu 100 oder nur zu 30 Prozent vermietet sei. Hinzu komme der
Kapitaldienst. "Wir zahlen für jeden Quadratmeter Wohnfläche sechs Euro Zins und
Tilgung", sagt Richter, dessen Gesellschaft rund 9600 Wohnungen in Gera besitzt
und vermietet.
"50 000 bis 60 000 Wohnungen müssen in Thüringen in den nächsten Jahren vom
Markt genommen werden", schätzt Norbert Nareyke ein. Wobei er großen Wert darauf
legt, dass es nicht erklärtes Ziel sei, in erster Linie die "Platte platt zu
machen." Den Thüringer Wohnungsunternehmen gehe es auch um Altbauten, die als
Ruinen in ihren Beständen aufgelistet seien.
Etliche Wohnungen müssen auch der Modernisierung weichen: "Minibuden" wurden
während der Sanierung von Häusern zu einer großen Wohnung zusammengelegt oder
Elfgeschosser auf ein fünfgeschossiges Niveau zurückgestutzt.
Doch der Rückbau von 1000 oder 2000 Wohnungen im Jahr fällt angesichts der
Dimensionen kaum ins Gewicht: Insbesondere im Osten Deutschlands, wo nach
aktuellen Schätzungen insgesamt 1,3 Millionen Wohnungen leer stehen, droht den
Städten durch den stetigen Bevölkerungsverlust ein unliebsamer Dominoeffekt:
Erst kippt ein Haus, dann ein Quartier und schließlich ein ganzer Stadtteil.
Hinzu kommt die Überalterung. In Pößneck, so prognostizierte jüngst
Unternehmensberater Ulrich Weibler, werde es im Jahr 2020 noch etwa 10 250
Einwohner geben. Besonders ungünstig sei für die Stadt, dass zwar gegenwärtig
nur 22,4 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt seien, dieser Anteil im Jahr
2020 allerdings bei 34,5 Prozent liegen werde. Dies bedeute, dass die Zahl der
Menschen, die einen Haushalt bilden könnten, sich halbiere.
"Hier tickt eine Zeitbombe", warnt Nareyke. Denn ohne neue Arbeitsplätze sei die
Entvölkerung der Städte auf Dauer nicht zu stoppen. "Arbeit ist der
ausschlaggebende Faktor", weiß auch Horst Richter. Seine Beobachtung:
Anfänglicher Leerstand in einem Wohnblock bedeutet in den meisten Fällen das Aus
für den Standort. Der Leerstand bringe einen Stein ins Rollen, der nicht zu
stoppen sei.
Zwar ist seit geraumer Zeit ein deutlicher Rückgang bei den
Abwanderungsbewegungen in den Thüringer Städten zu verzeichnen, aber die
nächsten dunklen Wolken ziehen sich bereits über dem Wohnungsmarkt zusammen.
"Wenn die geburtenschwachen Jahrgänge nachrücken, werden wir 2010 eine richtige
Delle hinnehmen müssen", so die düstere Einschätzung von Nareyke.
Mit der gegenwärtigen Förderpolitik des Bundes seien die Probleme nicht zu
lösen. Zirka 10 000 Wohnungen müssen in Gera in den nächsten Jahren vom Markt
genommen werden. Ähnliche Probleme hat man in Greiz, Gotha, Arnstadt oder
Altenburg. Der durchschnittliche Wohnungsleerstand in Thüringer Städten liegt
bei etwa 16 Prozent. Damit steht der Freistaat noch in einem guten Licht. Im
benachbarten Sachsen-Anhalt ist jede vierte Wohnung leer.
Die 358 Millionen Euro, die der Bund für die Entlastung von Altschulden
bereitstellt, sind bereits gebunden. "In Thüringen gibt es 40
Antragsberechtigte, aber nur 20 kommen möglicherweise in den Genuss der
Entlastung", verdeutlicht Nareyke. "Hier muss ganz schnell nachgerüstet werden",
lautet eine seiner zentralen Forderungen.
Dem Leerstand ist aber nicht nur mit Abriss und Modernisierung beizukommen.
"Erst brauche ich sanierten Wohnraum", meint Richter. Zwischen 400 bis 500 Euro
pro Quadratmeter müssen in die Modernisierung eines Plattenbaus investiert
werden. Bei einem Altbauhaus schnellen die Kosten schon mal auf 1000 Euro pro
Quadratmeter in die Höhe. Dies ist mit ein Grund, warum sich Wohnungsunternehmen
schwer tun, ihre "Altlasten" im innerstädtischen Bereich zu sanieren. "Die
gegenwärtige Mietsituation lässt das einfach nicht zu", rechnet der Gewo-Chef
vor.
Das Leerstandsproblem nur durch die Wohnungswirtschaft lösen zu lassen, kann
deshalb auf Dauer nicht funktionieren. Mit einem weiteren Bevölkerungsrückgang
wird auch der Anspruch der größeren Thüringer Kommunen, lebenswerte Innenstädte
zu entwickeln, nicht mehr umzusetzen sein. Was droht, ist eine so genannte
"Ausdünnung" von Mietern und eine Zunahme von leeren Wohnungen in der Fläche.
Hinzu kommt, dass private Hausbesitzer in knallharter Konkurrenz mit
Wohnungsgenossenschaften stehen. "Machen sie einem Hauseigentümer einmal klar,
dass ein Abriss seines Eigentumes gut für die Aufwertung eines ganzen
Wohnquartieres wäre", meint Richter. Die Privaten sind es auch, für die die Luft
auf dem Wohnungsmarkt immer dünner wird. Vollsanierte Wohnungen in Gera sind für
vier bis sechs Euro Miete pro Quadratmeter im Angebot. Von solchen Preisen und
Top-Wohnungen träumen Jenaer Studenten.
"Ich würde mir wünschen, die Häuser, die ich verwalte, würden am Stadtrand von
München stehen", seufzt Marita Poser, die sich in Gera auf Immobilien- und
Hausverwaltungen spezialisiert hat. Sie kennt die Probleme der Privaten genau:
hoher Modernisierungsaufwand, der aufgrund des Überangebots von Wohnungen nur
schwer über Mieteinnahmen abzudecken ist. Stimmt das Umfeld nicht, drehen sich
Wohnungssuchende nach kurzer Zeit auf den Fersen um.
www.otz.de
11.05.2003
Brandenburg rechnet mit weiterer Abwanderung
Die brandenburgische Landesregierung rechnet mit einer weiteren Abwanderung aus
Ostdeutschland.
Bis 2015 sei mit dem Wegzug von rund einer Million Menschen aus den neuen
Bundesländern zu rechnen, sagte ein Regierungssprecher in Potsdam. Zwischen 1989
und heute hätten bereits rund 2,7 Millionen Ostdeutsche ihre Heimat verlassen.
"Das Ende der Negativentwicklung ist jedoch noch nicht erreicht", betonte der
Sprecher. Dieser "beispiellose Bevölkerungsrückgang" sei eine Folge des
ausbleibenden Angleichs der Lebensbedingungen.
"Mit Sorge" sehe die Landesregierung, dass sich die Schere zwischen Ost und West
wieder weiter öffnet, hieß es weiter. Die Zuwachsraten im Osten blieben
inzwischen wieder hinter denen in den alten Bundesländern zurück. Auch der
Produktivitätsangleich mache kaum Fortschritte.
rbb-online.de
08.05.2003
Cottbus: verliert weiter an Einwohnern / Starke
Abwanderung aus Plattenbaugebieten
Auf einen neuen Tiefstand sank die Einwohnerzahl von Cottbus am 31. März. Wie
das Amt für Statistik mitteilt, leben in der Stadt nur noch 102.713 Menschen –
2072 weniger als noch vor einem Jahr. Damit setzt sich der Abwärts-Trend der
vergangenen Jahre fort. Besonders betroffen: Sachsendorf mit einem Verlust von
1.718 Einwohnern und Schmellwitz, das 352 Menschen weniger beherbergt als im
März 2002. Zur Gewinnerseite kann sich hingegen die Stadtmitte zählen, außerdem
Stadtteile wie Merzdorf, Branitz, Kahren, Madlow, Ströbitz, Saspow, Skadow,
Sielow, Döbbrick und Dissenchen. Fachleute gehen davon aus, dass der
Negativ-Trend mit der bereits beschlossenen Eingemeindung von Groß Gaglow,
Gallinchen und Kiekebusch in diesem Jahr vorerst gestoppt wird – diese
eingerechnet, hätte Cottbus derzeit 108.584 Einwohner.
www.lr-online.de
08.05.2003
Greifswald: Kofferpacken für den Stadtumbau
Umzugsmanager Axel Mielke kennt sich aus im Quartier A4, wo im Frühjahr nächsten
Jahres die Abrissbirne zum Einsatz kommen soll. „Der Riemser Weg 5/6 wird
komplett beseitigt“, berichtet der Mitarbeiter der Wohnungsbau-Genossenschaft
Greifswald eG, während er auf einer Karte den betreffenden Block markiert. Das
Informationsbüro zum „Stadtumbau Ost“ in der Tallinner Straße 2, wo Axel Mielke
dienstags und donnerstags auf wissbegierige Leute wartet, ist in diesen Tagen
viel frequentiert. Seit kurzem steht nämlich fest, wie die neuen Umrisse der
verbleibenden 61 Wohnungen aussehen. „75 Wohnungen verliert die WGG in dem
Quartier – einerseits durch den Abriss, andererseits durch den Rückbau von zwei
Etagen im Helsinkiring 21-23 und Riemser Weg7/8“, erklärt der Umzugsmanager.
Der junge Mann hat gemeinsam mit seiner Kollegin Marlies Neumann in den
zurückliegenden Wochen mit allen 75 noch anzutreffenden Mietparteien persönliche
Gespräche geführt. „Etliche Genossenschaftsmitglieder sind mit Blick auf den
Umbau schon ausgezogen“, so Mielke. Wer es wünscht – insbesondere die Älteren –
bekommt dabei Unterstützung. „Wir machen Termine mit einem Umzugsunternehmen,
klären, falls notwendig, die Sperrmüllabfuhr, besichtigen mit den Betroffenen
neue Wohnungen und richten die auserwählte auch einzugsfertig her“, verspricht
Axel Mielke. Das Ganze geschieht auf Kosten der WGG.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
07.05.2003
Wir müssen
ganze Stadtteile schließen
Die "schrumpfende Gesellschaft" wirft nun auch im Westen Deutschlands ihre
Schatten voraus. Überalterung und Leerstände unbekannter Größenordnung werden
das Bild auch der westdeutschen Städte prägen - nachdem der Osten Deutschlands
schon heute einen Wohnungsleerstand von 1,4 Mio. Wohnungen verkraften muss. Auf
der ersten bundesweiten Konferenz "Stadtumbau West" in Bremen räumte der
Staatssekretär im Bundesbauministerium, Achim Großmann, jetzt ein, dass es erste
Anzeichen dieser Entwicklung gibt: "Verluste an Einwohnern und Arbeitsplätzen
stellen einzelne Regionen und Kommunen in Westdeutschland zunehmend vor die
Herausforderung, ihre Städte den demographischen und wirtschaftlichen
Verhältnissen anzupassen."
Die Experten der Wohnungswirtschaft deuteten dies als eine eher beschwichtigende
Beschreibung. "In Städten wie Essen müssen wir uns auf einen dramatischen
Bevölkerungsrückgang von mehr als zehn Prozent in nur 15 Jahren einstellen - mit
dramatischen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Bis 2020 haben wir hier mit 24
000 leerstehenden Wohnungen zu rechnen, das sind 20 Prozent des Bestandes", so
Prof. Volker Eichener (Inwis GmbH, Bochum). Eichener warf den Politikern vor,
sich damit schwer zu tun, die Tragweite der Schrumpfungsprozesse zu begreifen:
"Tatsächlich hätte man schon vor zwanzig Jahren reagieren müssen."
Übereinstimmend bezeichneten die Experten das sich erstmals seit dem
Dreißigjährigen Krieg stellende Problem der Schrumpfung als "epochal". Norbert
Portz, Beigeordneter für Umwelt und Städtebau beim Deutschen Städte- und
Gemeindebund, Bonn: "Die Verlierer sind gerade jene Städte, die im 19. und 20.
Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung explosionsartig gewachsen sind und
sich monostrukturell entwickelt haben." Betroffen sind aber auch kleine
Gemeinden wie Selb und Wildflecken im Nordosten Bayerns, die ihre
wirtschaftliche Basis verloren und massive Bevölkerungsverluste zu verkraften
haben. So gehen der Gemeinde Wildflecken in der bayerischen Rhön nach dem Abzug
der US-Soldaten zwei Drittel der Bevölkerung verloren.
Die tiefen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen des jetzt auf ganz
Deutschland ausgreifenden Schrumpfungsprozesses werden seit dem vergangenen Jahr
im Forschungsfeld "Stadtumbau West" im Rahmen des Programms "Experimenteller
Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt) der Bundesregierung analysiert. Parallel zu
dem mit 2,7 Mrd. Euro ausgestatteten Programm "Stadtumbau Ost" werden dabei mit
Finanzhilfen des Bundes von 15 Mio. Euro (und einem etwa gleich hohen Beitrag
der Bundesländer) "Projektwerkstätten" initiiert, die "Pilotstadtprofile" zu den
Themen "Stadt im Strukturwandel" und "Wohngebiet im Wandel" erarbeiten sollen.
Dabei geht es laut Großmann nicht darum, neue städtebauliche Instrumente für die
Bewältigung der Anpassungsprozesse zu erfinden, sondern darum, diese mit Blick
auf die epochalen Stagnations- und Schrumpfungstendenzen zu überprüfen. Unter
anderem müssten zwei grundsätzliche Fragen geklärt werden: Brauchen wir mehr
Regionalisierung in der Städtebauförderung? Brauchen wir eine Förderinitiative
"Stadtumbau West"? Insgesamt wurden elf Pilotstädte ausgewählt, in denen sich
die Dramatik der Prozesse schon jetzt abzeichnet: Hochhaussiedlung Tenever in
Bremen (Bevölkerungsverlust seit 1995 11,5 Prozent, Arbeitslosenquote 25
Prozent, Leerstände bis zu 44 Prozent). Großsiedlung Lübeck-Buntekuh
(Bevölkerungsverlust 5,7 Prozent, Arbeitslosenquote 16,3 Prozent). Bergbaustadt
Oer-Erkenschwick (Wohnsiedlung Schillerpark mit wachsenden Leerständen: 2002
bereits 15 Prozent); Schuhstadt Pirmasens (Verlust 15 000 Arbeitsplätze in der
Schuhindustrie, Abzug der Amerikaner, 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Verlust von
5000 Einwohnern); Porzellanstadt Selb (Schrumpfung von 24 000 auf 18 000
Einwohner, Wohnungsleerstände von zehn bis 14 Prozent); Stahlstadt Völklingen
(Leerstand von 40 Prozent der Einzelhandelsflächen im Zentrum, jährlicher
Bevölkerungsverlust 0,8 Prozent); Landgemeinde Wildflecken (Konversionsfläche
von 30 Hektar, 30 Prozent Leerstand im Geschosswohnungsbau); Marinestadt
Wilhelmshaven (20 Prozent Arbeitslose, Prognose für zwei Siedlungen bis 2010:
3700 leerstehende Wohnungen); Textilstadt Albstadt (seit 1993 2000 Einwohner
verloren, Wegfall von zwei Drittel aller Arbeitsplätze, zunehmende Leerstände im
Mietwohnungsbereich); Seestadt Bremerhaven (in zehn Jahren 10 000 Einwohner
verloren, Leerstand sechs Prozent); Stahlstadt Salzgitter (bis 2015 Schrumpfung
von 112 000 auf 96 500 Einwohner). Übereinstimmendes Kennzeichen aller
Krisenstandorte ist der überproportionale Bevölkerungsrückgang auf Grund
wirtschaftlicher Strukturbrüche und einer davon ausgelösten massenhaften
Abwanderung. Angesichts derartiger Prozesse halten Experten wie Dietrich Henckel
vom Deutschen Institut für Urbanistik, Berlin, die Parole "Stadtumbau" für eine
"massive Beschönigung". Henckel in Bremen: "Es geht nicht um Ausdünnung, sondern
radikalen Rückbau bis hin zur Schließung ganzer Stadtteile."
www.welt.de
07.05.2003
Das Ruhrgebiet soll die Vorreiterrolle beim
Stadtumbau West übernehmen
Nicht nur in den neuen Bundesländern entwickelt sich der steigende
Wohnungsleerstand zu einem ersten Problem für Städte und Kommunen. Auch
strukturschwache Regionen in den alten Ländern haben verstärkt mit mieterlosen
Beständen zu kämpfen. Stadtflucht, eine schrumpfende und vergreisende
Bevölkerung sowie in Auflösung begriffene Monostrukturen - Montan-, Kohle-, oder
Truppenstandorte - lassen den Anteil unvermieteter Einheiten rasant anwachsen.
Obwohl die Leerstandsrate im Westen Ende 2001 insgesamt nur bei durchschnittlich
3,2 Prozent lag, bewegen sich eine Vielzahl von Regionen längst im zweistelligen
Prozentbereich. So verzeichnen einige Wohnungsgenossenschaften in Kassel einen
Leerstand von 13 Prozent, in Pirmasens von 12,5 Prozent, in Salzgitter 9,9
Prozent und in Bremerhaven 9,9 Prozent. Dies haben Erhebungen des
Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) ergeben. Tendenz steigend.
Der Regionalverband Niedersachsen Bremen geht davon aus, dass sich im Landkreis
Osterode/Harz bis zum Jahr 2015 rund 17 Prozent aller Wohnungen nicht mehr
vermarkten lassen, in Wilhelmshaven werden es 14 Prozent sein. Im gesamten
Südosten Niedersachsens stehen bis dahin mehr als zehn Prozent der Wohnungen
leer. Im Ruhrgebiet stieg der Anteil unvermieteter Wohnungen zwischen 2001 und
2002 um zehn Prozent an. Im vergangenen Jahr standen dort nach Angaben des
Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) 40 000 Wohnungen leer.
"Die Unternehmen haben eine Verschnaufpause von einigen Jahren. Jedenfalls Zeit
genug, um ihre Bestände auf Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen. Grundrisse,
die den Lebensstilen künftiger Nutzergruppen nicht entsprechen, müssen verändert
werden, Balkone angebaut, minderwertige Gebäude abgerissen werden. Tabus können
wir uns nicht mehr leisten. Wohnungspolitik muss ein integrativer Bestandteil
aller Politikfelder sein", sagt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der
Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen.
Dem Ruhrgebiet schreibt der Verband eine Vorreiterfunktion für Um- und
Rückbaumaßnahmen zu. "Was hier im Wohnungsbau geschieht, wird andere
Bundesländer auch ereilen, nur etwas später", prophezeit Schneider. Dass andere
westdeutsche Regionen schon heute ebenso von strukturellen Mängeln betroffen
sind, liege auch in der Förderpolitik der letzten Jahre. "Wer mehr als zehn
Jahre lang auf 80 Prozent der früheren Förderung verzichten muss, hinkt
hinterher. Nun sieht man westdeutsche Städte vergammeln. Deshalb kann es nur
einen Stadtumbau geben - nicht einmal West und einmal Ost. Die Mittel müssen
dahin fließen, wo die Not am größten ist."
www.welt.de
06.05.2003
Städte auf dem Weg zum geordneten Rückbau
Mehr als zweihundert Experten versammelten sich gestern im Parkhotel zum
ersten fachöffentlichen Gespräch über das von der Bundesregierung initiierte
Programm "Stadtumbau West". Der Tagungsort war gut gewählt: Eines der elf
Pilotprojekte, mit denen das Bundesministerium für Bau prüfen will, ob ein
solches Programm auch für die alten Bundesländer dauerhaft aufgelegt werden
muss, heißt Osterholz-Tenever. Und so wird die Hochhaussiedlung im Nord-Osten
Bremens - einst ein Vorzeigeprojekt für urbanes, verdichtetes Wohnen - erneut
zum Vorbild. Diesmal allerdings soll die Fachwelt am Beispiel Tenevers lernen,
wie man Stadt zurückbaut, Sprich: abreißt.
"Wir stehen vor der neuen Herausforderung, mit rückläufigen Entwicklungen fertig
werden zu müssen", leitete der Staatssekretär im Bauministerium, Achim Großmann,
die Tagung ein. Neben Bremen-Tenever hat der Bund zehn weitere Projekte aus
sieben Bundeländern ausgewählt, in denen städtebauliche Miseren aufgearbeitet
werden. 15 Millionen Euro hat die Bundesregierung dafür locker gemacht.
Die ausgewählten Städte sind in der Regel vom Strukturwandel gebeutelt, so etwa
Pirmasens vom Wegfall der Schuhindustrie, Selb durch den Niedergang der
Porzellanindustrie, Bremerhaven - auch dies ein Pilotprojekt im "Stadtumbau
West" - durch den Zusammenbruch der Hafenwirtschaft. Einzelne Projekte in diesen
Städten wurden auf dem Fachtag ausführlich vorgestellt.
In den Podiumsrunden wurde vor allem eines deutlich: Die Probleme, mit denen
Kommunen auch im Westen kämpfen, sind nicht punktuell, sondern strukturell. Dank
stark rückläufiger Bevölkerungszahlen - aktuelle Schätzungen gehen von zwölf
Millionen weniger Einwohnern im Jahr 2050 aus - und einer zunehmenden
Überalterung, müssen sich, so Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für
Urbanistik, die allermeisten Städte aufs Schrumpfen einstellen. Es gelte jetzt,
das "Loser-Image" loszuwerden, das mit Schrumpfungsprozessen immer noch
einherginge - vor allem bei Politikern. Bei denen sei "Offenheit gefragt, nicht
Erkenntnisverweigerung".
Norbert Porz vom Deutschen Städte- und Gemeinde-Bund zog aus der Prognose
schrumpfender Städte Schlüsse, die unter anderem für Bremen, aber auch für das
Ruhrgebiet oder die abgeschlagenen Stahl-Städte an der französischen Grenze ein
Horrorszenario darstellen. Der verfassungsrechtlich garantierte Grundsatz
gleichwertiger Lebensverhältnisse für alle Bürger Deutschlands - einer der
Gründe für die Finanzspritzen des Bundes an Bremen und das Saarland - könne in
Zukunft vermutlich nicht aufrechterhalten werden. Es werde "verschiedene Ligen
in der Lebenshaltung geben", mutmaßte Porz. Er forderte vom Bund die deutliche
Ausweitung des Programms "Stadtumbau West": "Wir stehen mit dem Brachfallen
ganzer Stadtteile erst am Beginn einer Entwicklung, nicht am Ende."
www.taz.de
06.05.2003
Startschuss für „Stadtumbau West“ im Park Hotel
Der „Aufbau Ost“ für viele hundert Milliarden Euro aus dem Westen der Republik
ist weitgehend gelaufen. Nun geht es verstärkt an den „Stadtumbau West“, für den
gestern im Park Hotel der Zündfunke an die Lunte gelegt wurde.
In Bremens Nobelherberge hatten sich dazu Stadtplaner, Architekten, Vertreter
von Wohnungsbau-Gesellschaften, Wissenschaftler und hochrangige Vertreter des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen versammelt. Der
parlamentarische Staatssekretär Achim Großmann (SPD) bestätigte gegenüber den
Medienvertretern, dass man Bremen nicht aus Zufall für die erste Tagung
„Stadtumbau West“ in elf westdeutschen Städten auserkoren habe.
Denn in Bremen ist mit dem Rück- und Umbau des einstigen Vorzeige-Projektes
Tenever eines der größten Pilot-Vorhaben angelaufen, das auch mit drei Millionen
Euro die vorerst größte Fördersumme aus dem Berliner Ministerium erhält.
Staatssekretär Großmann: „Wir wollen den Kommunen helfen, Lösungen zum Umgang
mit rückläufigen Entwicklungen zu finden.“ Gemeint sind der allgemeine Rückgang
der Bevölkerung und die Abkehr der Stadtbevölkerung von großen Wohnmaschinen wie
Tenever mit all ihren Problemen. Das Forschungsvorhaben „Stadtumbau West“ wird
vom Bund mit jährlich 15 Millionen Euro gesponsert und soll die allgemeine
Städtebauförderung zielgenau ergänzen
Im kleinsten Bundesland ist, wie Bausenatorin Christine Wischer (SPD) den
Tagungsteilnehmern erläuterte, der Stadtumbau sowohl in Bremen als auch in
Bremerhaven im Gange. Dabei werden in Tenever rund 650 Wohnungen aus dem Bestand
des insolventen Architekten Krause abgerissen, Beton-Barrieren beseitigt und
Tiefgaragen zurückgebaut. Eine eigens dafür gebildete
Projektierungs-Gesellschaft mit der Gewoba investiert 72 Millionen Euro.
www.weser-kurier.de
05.05.2003
Rostock: Damit kein Stadtteil auf der Kippe steht
Die Wohngebiete wurden im zurückliegenden Jahrzehnt grundlegend saniert,
erhielten neues Make-up. Doch nicht alle hielten Schritt. Im Bundesprogramm
"Soziale Stadt" und bei Aufwertung innerhalb von Fördermaßnahmen zur
Wohnumfeldverbesserung auf 587 Hektar sind in den Vorjahren 22 Millionen Euro
eingesetzt worden, berichtete Roland Blank von der Rostocker Gesellschaft für
Stadterneuerung (RGS). Im vergangenen Jahr bildete Groß Klein mit 4,6 Millionen
Euro den Schwerpunkt. Doch nicht genug, 7,3 Millionen Euro sollen diesen Jahr
wieder nach Groß Klein fließen. Denn trotz aller Erfolge bleibt dieser Stadtteil
im Nordwesten ein Sorgenkind: Auffälliger Leerstand mit Folgewirkungen. "Wir
brauchen dringendes und schnelles Handeln, um einem zunehmenden Leerstand
entgegenzuwirken und ein Auseinanderdriften von Stadtteilen zu verhindern",
begründete Roland Blank. Weitere deutliche Akzente will die RGS in Schmarl
setzen.
Doch auch in der Platte im Nordosten der Hansestadt geht die RGS Defiziten zu
Leibe. Schulhofgestaltung in der Pablo-Picasso-Straße im August, Arbeiten im
öffentlichen Raum der Martin-Luther-King-Allee ab Herbst sowie eine baldige
Gestaltung für Spielplatz und Wegeverbindung "Zum Vogelnest" zählen zu den
Projekten. Mit Toitenwinkler Qualitäten möchte man Anreize schaffen, damit nicht
noch mehr Menschen der Wohnlage ade sagen. "Wir wollen dazu beitragen, die
sozialen Netze aufzuwerten", erklärte Blank Zusammenhänge und verwies auf das
geglückte Beispiel mit Groß Klein-Dänenberg, das sich vor der IGA zu einer
schmucken, lebenswerten Wohnlage wandelte.
In den großen Wohnsiedlungen dürften "keine Mondlandschaften entstehen", warnte
der RGS-Mann. Auch deshalb greife man zu Abriss und Rückbau von einzelnen
Häusern in Groß Klein und Evershagen. Dies leite sich aus einem integrierten
Stadtentwicklungskonzept her, mit dem sich Rostock erfolgreich an einem
entsprechenden Bundeswettbewerb beteiligte, berichtete RGS-Geschäftsführer
Reinhard Wolfgramm. "Hiermit wurde vor allem in Zusammenarbeit mit dem
Bausenatsbereich eine fundierte Grundlage geliefert für eine Aufnahme der
beantragten Gebiete in das neue Programm ,Stadtumbau Ost'", so Wolfgramm weiter.
Neue Wege für ein allseits attraktives Rostock.
www.svz.de
02.05.2003
Warum immer nur Abriss
Die Wohnungsbranche macht von sich reden – Leerstand, Stadtumbau, Abriss. Freies
Wort fragte bei Norbert Nareyke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der
Thüringer Wohnungswirtschaft (VTW), nach wie es um die Quartiere bestellt ist.
In den Unterkünften der 235 Mitglieder – private und kommunale
Wohnungsgesellschaften bzw. Genossenschaften – leben rund 900 000 Thüringer.
Herr Nareyke, in Suhl wird zurzeit der größte Plattenbau Südthüringens platt
gemacht. Ist mit dem schönen Wort vom Stadtumbau nicht nur Abriss gemeint?
Norbert Nareyke: Abriss ist nicht der Schwerpunkt beim Stadtumbau Ost. Es geht
darum, die Liegenschaften so zu gestalten, dass zukunftsfähige Wohnquartiere
entstehen. Und ein leeres Haus kann diese Entwicklung durchaus beeinträchtigen.
Nicht nur finanziell. Von der zerschlagenen Fensterscheibe zum Vandalismus ist
es oft nicht weit. Und wer will das schon.
Der Bevölkerungsschwund in Thüringen bleibt für die Vermieter im Freistaat das
größte Problem. Wie stellt sich das Problem für ihren Verband dar?
Nareyke: Wir können mit Stolz sagen, dass wir rechtzeitig gegengesteuert haben.
Das «Tabuthema» Abriss ist vom Tisch. Allein in diesem Jahr werden rund 4500
Wohnungen vom Markt genommen. Trotzdem hat der VTW einen Verbandsleerstand von
derzeit 55 000 Wohnungen. In Thüringen liegt der Leerstand bei derzeit 15,7
Prozent. Das ist gut im Vergleich zu Sachsen-Anhalt (24 Prozent) oder Sachsen
(21 Prozent).
Nachdem es mit der Wohnungsgenossenschaft Crossen-Hartmannsdorf in Thüringen
bereits eine Insolvenz gegeben hat, fragt man sich, wie sicher die Einlagen der
Genossenschaftler sind. Die Mieter dort werden sogar herangezogen, um Gläubiger
zu bedienen...
Nareyke: Crossen ist ein Einzelfall, der auf falsche Geschäftspolitik des
Managements zurückgeht. Was die so genannte Nachschusspflicht der Mieter dort
betrifft, muss man sagen, dass diese Klausel generell nur bei wenigen unserer
Mitglieder Vertragsgegenstand ist. Unser Verband unternimmt aber alles, um
Wiederholung auszuschließen. Seit zwei Jahren betreiben wir eine intensive
Insolvenzvorsorge. Bei größeren Leerständen und Überschuldung greift ein
Frühwarnsystem, damit Probleme rechtzeitig erkannt werden.
Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?
Nareyke: Bisweilen muss man sich schon fragen, ob die Bundespolitik erkannt hat,
dass unsere Probleme nicht nur uns betreffen. In den letzten zehn Jahren haben
Wohnungsgesellschaften örtlich gebunden 7,8 Milliarden Euro investiert. Als
Wirtschaftsfaktor sind wir unverzichtbar.
Wo fehlt Unterstützung?
Nareyke: Wir brauchen Klarheit bei den Haushaltsmitteln. Die Wohnraumförderung
des Bundes muss mindestens auf demselben Niveau wie bisher verstetigt werden.
Und auch beim Thema Vertragskündigung bei notwendigem Abriss muss sich der
Gesetzgeber bewegen. In Jena hatten wir zum Beispiel den Fall, wo eine
westdeutsche Familie mit Zweitwohnsitz in Jena dort partout die Wohnung nicht
räumen wollte. Wir haben viele Ersatz-Angebote gemacht, aber die wollten nur
Kasse machen. Jeder Prozess wurde gewonnen, aber es ist ein Skandal, dass der
Bundesgesetzgeber sich bei dem Problem versteckt, und alles über die Gerichte
laufen lässt.
www.freies-wort.de