Newsticker Archiv Mai 2003

zurück NEWS

31.05.2003
Bad Langensalza:  Rückbau nicht "optimal und nicht praktizierbar"
Von einer "dramatischen Entwicklung" und einer "bedrohlichen Situation" für die Wohnungsunternehmen der neuen Bundesländer wegen der Leerstände sprach am Dienstagabend der Vorsitzende der Bad Langensalzaer Wohnungsbaugenossenschaft, Peter Körner, in der Mitgliederversammlung. Auch um sein Unternehmen mache diese Entwicklung keinen Bogen, habe aber noch nicht die Dramatik wie in anderen Städten erreicht. Im vergangenen Jahr konnte der Leerstand sogar von zehn auf 8,25 Prozent der bewirtschafteten Fläche verringert werden. Man befasse sich im Vorstand ständig mit diesem Thema, sagte Körner weiter. Mit "überzeugendem Service für die Mieter", mit einer Werbung, bei der "gehandelt, aber keine Sprüche geklopft werden" und "akzeptablen Lösungen bei der Zahlung der Anteile" soll der Leerstand weiter verringert werden. Der konzentriere sich im Wesentlichen auf 3-Raum-Wohnungen in den oberen Etagen. Deshalb sei auch der Abriss oder der Rückbau nicht "optimal und nicht praktizierbar", beruhigte Körner die Mieter. Knapp 1,1 Millionen Euro habe die Genossenschaft im vergangenen Jahr für Instandhaltung und Modernisierung ausgeben, berichte der Vorsitzende. Schwerpunkt waren die komplexe Instandsetzung und Modernisierung der Wohnblöcke Böhmenstraße 11 und 11 b, Hermann-von-Salza-Straße 8, 10 und 12 und Friedrich-Hahn-Straße 2 sowie die Wohnumfeldgestaltung im Südviertel. Damit seien 60 Prozent der Mietobjekte saniert und die restlichen 40 teilsaniert. Darüber hinaus habe sich die unternehmenseigene Regieabteilung als Wettbewerbsvorteil herausgestellt. Den "überzeugenden Service bei Instandsetzungen und Kleinreparaturen" wüssten die Genossenschafter sehr wohl zu schätzen. Immerhin 550.000 Euro habe sich die Genossenschaft diesen "Meilenstein auf dem Weg zum Wohlfühlen und der Geborgenheit" 2002 kosten lassen. Die Genossenschaft bewirtschaftete 905 Wohnungen. Durchschnittlich 3,63 Euro je Quadratmeter wurde an Miete eingenommen. Körners Fazit fiel kurz aus: "Die Zahlungsfähigkeit war jederzeit gegeben, die Kaptitalstruktur ist ausgeglichen - und der Fortbestand der Genossenschaft gesichert."
www.thueringer-allgemeine.de

30.05.2003
Abrissbirne wird von unwilligen Mieter aufgehalten
I
n diesem Jahr wartet auf 5000 Wohnungen in Thüringen die Abrissbirne. Bis 2010 sollen im Freistaat rund 50 000 Wohnungen in Plattenbauten abgerissen werden. Doch stoßen Stadtumbaupläne auf persönliche Hindernisse. Von den 24 Millionen Euro für den sogenannten Rückbau könnten insgesamt 7000 leer stehende Wohnungen abgerissen werden. Doch bisher sind nur 5000 solcher Abrisse beantragt.
Kommunen und Wohnungsgesellschaften hätten als Eigentümer oft Schwierigkeiten, einzelne Mieter freiwillig zum Auszug zu bewegen, sagte Innenstaatssekretär Manfred Scherer. Es sei „mühsam, in Einzelprozessen“ die schwierige Rechtslage von oft unkündbaren Mietverträgen zu lockern. Entsprechende Forderungen an den Bund zur Änderung der Gesetze in solchen Fällen habe es bereits gegeben.
Thüringen investiert in diesem Jahr in den Stadtumbau rund 73 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es 102 Millionen Euro. Das Defizit sei auf die niedrigere Mitleistungsquote der Kommunen zurückzuführen, die im vergangenen Jahr zwischen 20 und 25 Prozent lag. Bei Stadtumbauprojekten übernehmen Bund, Land und Kommunen üblicherweise ein Drittel der Kosten.
Insgesamt sind im Etat für städtebauliche Maßnahmen 147 Euro eingestellt. Scherer forderte vom Bund Städtebauförderung nicht nur über Kreditprogramme, sondern über Bundesbürgschaften zu unterstützen. Angesichts der Finanzlage in den Kommunen nützten Kredite nicht viel.
Bei der Eigenheimzulage müsse es zudem eine bundeseinheitliche Regelung geben, wonach Modernisierung und Neubau künftig gleichwertig bezuschusst werden.
Der Präsident der Thüringer Architektenkammer, Hartmut Strube, hat beim Stadtumbau eine stärkere Einbeziehung der Bürger gefordert. Durch diese neue „Planungskultur“ wachse auch die Akzeptanz. Er kritisierte, dass Planungen und die Zustimmung bei der Vergabe von Fördermitteln oft zu lange dauere. „Bauen steht in einer Wechselbeziehung zur Wirtschaft“, so mahnte Strube. Nach seinen Angaben lösten Mittel aus der Städtebauförderung nachfolgende Investitionen in achtfacher Höhe aus.

www.freies-wort.de

30.05.2003
Wurzen: Bagger zernagt auf dem Sperlingsberg Häuserwände
Mit Sperlingsberg 1 und Barbaragasse 9 steigt die Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft (WGW) in den "Stadtumbau Ost" ein. Innerhalb von zwei Wochen werden die seit Jahren leer stehenden Häuser mit staatlicher Förderung abgerissen. So soll unrentabel gewordener Wohnraum verschwinden.
Der Sperlingsberg zieht Schaulustige magisch an: Der Abrissbagger zermalmt die Mauern eines zweihundert Jahre altes Hauses. In hohem Bogen spritzt Wasser aus einem Schlauch, um die Staubentwicklung einzudämmen. Seit Wochenbeginn, so erzählt WGW-Geschäftsführerin Heike Pönicke, wird das Gebäude entkernt. Es steht eigentlich auf der Liste geschützter Denkmale. Die Fachleute haben der WGW allerdings attestiert, dass es "wirtschaftlich unzumutbar" sei, das Haus zu erhalten. Sie forderten eine Dokumentation und die Bergung von Konsolen sowie einer historischen Decke im Erdgeschoss. Das ist geschehen. Das Grundstück von 180 Quadratmetern soll ebenso wie das Areal in der Barbaragasse - hier sind es 100 Quadratmeter - verkauft werden.
Finanziell muss die WGW bei der Abbruch-Aktion trotz Fördermittel in Vorleistung gehen: Mit Zuwendungen auf Bescheide von 2002 fließen 819 Euro für Sperlingsberg 1 und 10.847 Euro für Barbaragasse 9. "Der Abriss der beiden Häuser bis zur Oberkante der Keller kostet uns aber 20.000 Euro, wir zahlen die Differenz", macht Pönicke die Rechnung auf.
Kopfzerbrechen bereitet ihr auch, dass die finanzielle Situation beim Stadtumbau-Programm in diesem Jahr noch völlig unklar sei - und das Mitte Mai. Unter diesen Umständen befürchtet Pönicke eine empfindliche Verzögerung bei der Beseitigung ungenutzten Wohnraums, der bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein soll. Außerdem sei es wichtig, dass nicht nur der Abbruch gefördert werde, sondern auch die Euro zur Aufwertung der Baulücken mit Grün- oder Parkflächen fließen.

www.lvz-online.de

29.05.2003
Thüringen: 24 Millionen für Abriss von Wohnungen
Für den Abriss leerstehender Wohnungen hat Thüringen in diesem Jahr 24 Millionen Euro zur Verfügung. Die Summe setzt sich je zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und des Landes zusammen.
Mit den Geldern können 7000 Wohnungen vom Markt genommen werden, sagte Innenstaatssekretär Manfred Scherer gestern in Erfurt. Die Kommunen haben aber erst 5000 für den Abriss angemeldet. Bis 2010 sollen den Baggern maximal 50 000 Wohnungen zum Opfer fallen. Damit wäre die gegenwärtige Leerstandsquote im Freistaat allerdings noch nicht einmal halbiert.
Der Staatssekretär versicherte, dass die Städtebauförderung von Land fortgesetzt wird, so dass keine Bundesmittel verloren gehen. Für den Stadtumbau Ost sind 2003 aus Bundes- und Landeskassen 143 Millionen Euro vorhanden.

www.otz.de

28.05.2003
Kein gutes Geld mehr für schwierige Großsiedlungen
Mit dem Knaller seiner Rede konfrontierte der Gast aus Düsseldorf seine Zuhörer gleich im ersten Satz: "Ich weiß, dass wir am Ende der Dienstzeit der Wohnungswirtschaft stehen." Geraune, Gelächter, halblaute Kommentare "Das ist schon peinlich" waren die Antwort aus dem Saal. Und doch erlebten die Teilnehmer der Fachtagung im Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Bochum so etwas wie einen historischen Augenblick. Zum ersten Mal in der hundertjährigen Geschichte des sozialen Wohnungsbaus wagte es mit Hans-Dieter Krupinski ein hochrangiger deutscher Wohnungspolitiker, die Götterdämmerung des Siedlungsbaus vorauszusagen.
Es war auf der Tagung "Weiterentwicklung von Großsiedlungen in NRW", und vorausgegangen waren schonungslose Bestandsaufnahmen, die allesamt zeigten: Das Gespenst des Leerstands hat den Westen Deutschlands erreicht. Dabei geraten die Großsiedlungen der 60er- und 70er-Jahre in eine aussichtslose Lage. Ähnlich wie im Osten nehmen hier die Leerstände unaufhaltsam zu. Deshalb war es ein gut gemeinter Einfall, den Diskussionsblock "Lernen vom Stadtumbau Ost" ins Programm zu nehmen. Am Ende der Tagung freilich hätte man das Motto umdrehen können: Denn von der Radikalität der Schlussfolgerungen und der Klarheit der Positionen, die diese Tagung kennzeichneten, müsste das mit unendlicher Vorsicht operierende politische Establishment im Osten lernen.
Gewiss, das Thema ist auch im Westen, so Burghard Schneider, VdW-Verbandsdirektor Rheinland-Westfalen, "viel zu lange tabuisiert worden". Wenn jetzt nicht nur einzelne Wohnlagen, sondern "die Großsiedlungen insgesamt auf dem Prüfstand stehen" (Schneider), so ist dies eine Entwicklung, die sich schon Mitte der 80er Jahre im Westen Deutschlands abzeichnete. "Seit der Errichtung dieser Siedlungen beschäftigt uns diese Problematik", stöhnte Manfred Morgenstern, Staatssekretär im Bauministerium Nordrhein-Westfalens. Und: "Auch ständige Nachsubventionierung hat nicht zur Problemlösung beigetragen."
Die Euphorie über diese Siedlungskomplexe habe kaum zehn Jahre überdauert, dann habe mit Nachbesserungen und Nachfinanzierungen nachgeholfen werden müssen. Doch was ist damit erreicht worden? Morgenstern: "Heute drohen Leerstand, hohe Fluktuationsraten und Mietausfälle, die sozialen Gettos sind zu Brutnestern von Vandalismus und Kleinkriminalität geworden." Allein NRW verfügt über mehr als 17 solcher Siedlungen mit über 2500 Einwohnern.
Morgenstern ließ keinen Zweifel, dass die heutigen Rahmenbedingungen ein "Hinterherschmeißen öffentlicher Gelder" auf unabsehbare Zeit verbieten. Schrumpfende Wohnungsmärkte, schrumpfende Bevölkerung, Arbeitslosigkeit und sinkende Einkommen schränkten die Möglichkeiten staatlicher Intervention auf das "absolut Notwendige" ein. Deshalb hätten die Ministerpräsidenten der Länder dem Bund vorgeschlagen, aus der sozialen Wohnraumförderung auszusteigen. Für die Länder werde es "im wesentlichen um die Bestandsförderung" gehen. Dass davon auch "Monostrukturen wie die Großsiedlungen" profitieren könnten, sei angesichts zunehmender Qualitätsauslese mehr als fraglich.
Für den Osten zog Maren Kern, Geschäftsführerin der Potsdamer Domus Consult, eine verheerende Bilanz: "Kommunen und Wohnungsunternehmen stehen am Abgrund." So seien in der größten Stadt Thüringens, Gera, bei prognostiziertem Bevölkerungsrückgang von einst 135 000 auf 85 000 Einwohner und einem Wohnungsüberhang von 21,5 Prozent schon heute Wohnungen in Großsiedlungen trotz zum Teil "sehr umfassender Sanierung" nicht mehr nachgefragt. Eine "sozioökonomische Studie" zeige: Die Mieter wollen überwiegend raus und andere wollen nicht rein, weil sie die Blöcke als unattraktiv empfinden.
Als Hans-Dieter Krupinski das Podium betrat, war der Boden für die grausame Wahrheit bereitet: "Die schwierigen Siedlungen mit ihrem heruntergekommenen Image kann man nicht retten durch öffentliche Förderung. Sehen Sie sich den ältesten Bautenbestand an, der hat sich als Wohnform bewährt und überdauert alle Leerstandsphasen. Die Siedlungen aber funktionieren nur noch an Wachstumsstandorten mit hochpreisigen Wohnungen." Und dann das nüchterne Resümee: "Wir werden uns nicht engagieren, um überkommene Strukturen zu verfestigen, an deren langfristige Perspektive wir selbst nicht glauben.

www.welt.de

28.05.2003
Die Alten sterben, und der Nachwuchs fehlt
In den nächsten Jahren wird Brandenburg durch Abwanderung und niedrige Geburtenraten extrem an Einwohnern verlieren. Das geht aus der Bevölkerungsprognose bis 2020 hervor, die der Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik sowie das Landesumweltamt gestern in Potsdam vorlegte. Vorgestellt wurde sie von Innenminister Jörg Schönbohm  und Raumordnungsminister Wolfgang Birthler. Nach Einschätzung der Statistiker werden in knapp 20 Jahren in Brandenburg nur noch 2,4 Millionen Menschen leben, 181600 oder sieben Prozent weniger als heute.
Während die Bevölkerung im Speckgürtel rund um Berlin weiter wächst, dünnen die ländlichen Räume an den Landesrändern weiter aus. Dort werden dann durchschnittlich nur noch 56 Menschen pro Quadratkilometer leben, während es rund um Berlin 722 sind. Die Zahl der jährlich geborenen Kinder wird laut Prognose bis zum Ende des Vorhersagezeitraums von gegenwärtig 17700 auf 15200 absinken, die Sterbefälle steigen im gleichen Zeitraum von 26000 auf 36000. Während im Speckgürtel die Zahl der Bewohner durch die Zuwanderung aus Berlin um weitere 63000 Personen wächst, rechnet man in den Randregionen des Landes mit einer Reduzierung der Bevölkerung um 244000 Menschen, das sind 15 Prozent. Von den 14 Landkreisen können künftig nur noch Havelland, Potsdam-Mittelmark und Oberhavel mit einer wachsenden oder stabilen Einwohnerzahl rechnen. Alle anderen Kreise müssen sich auf teilweise beträchtliche Rückgänge einrichten.
Staatskanzleichef Rainer Speer  hatte bereits vor wenigen Wochen vor einer »öffentlichen Verelendung« der brandenburgischen Randregionen gewarnt. Teilweise werde es künftig nur noch 35 und weniger Einwohner pro Quadratkilometer geben, sagt er. Die vorhandene Infrastruktur würde dann nicht mehr benötigt. Raumordnungsminister Birthler wies das zurück. »In Dänemark oder Schweden leben oft nur 20 Menschen pro Quadratkilometer, und niemand spricht dort von einer Verelendung«, sagte er. Die negative Bevölkerungsentwicklung betreffe den gesamten Osten.
»Bereits heute müssen Antworten auf die Frage zur künftigen Gestaltung Brandenburgs gefunden werden«, forderte auch Innenminister Schönbohm. Dabei gehe es um die soziale Versorgung der Menschen, die innere Sicherheit und Bildung unter den veränderten Voraussetzungen. Bereits im September sollen die Minister der einzelnen Ressorts im Kabinett entsprechende Vorschläge auf den Tisch legen.
www.nd-online.de

28.05.2003
Güstrow: Kräftig in der Südstadt investieren
In der Südstadt wird weiter kräftig investiert. Während die Neugestaltung des Feierabendparkes mit dem 2. Bauabschnitt abgeschlossen ist, beginnen in den nächsten Tagen die Bauarbeiten in der Karl-Liebknecht-Straße, am Platz der Freundschaft und im Gorkiweg. Der Straßenausbau und der Bau von Parkplätzen sind dabei vorrangiges Anliegen.
Rund zwei Millionen Euro stehen in diesem Jahr zur Verfügung, so ließ Tomas Kämpfert von der BauGrund AG gestern wissen. Das ist mehr als in vergangenen Jahren und ergibt sich daraus, dass einige Vorhaben mit Blick auf die künftige Entwicklung des Wohngebietes - Stichwort Stadtumbau einschließlich Abriss von Wohnblöcken - im vergangenen Jahr zurückgestellt wurden. Bevor die Sanierung der Straße der DSF im nächsten Jahr in Angriff genommen wird, sollen die Nebenstraßen auf Vordermann gebracht werden. "Wir wollen zum Beispiel sehen, wie viele Stellflächen hier geschaffen werden können, um dann zu entscheiden, was in der DSF noch notwendig ist", nennt Cornelia Dettmann vom Stadtentwicklungsamt einen Grund. Sowohl im Gorkiweg als auch in der Karl-Liebknecht-Straße fehlt es derzeit an Parkplätzen. Partner und Mitfinanzier ist hier in erster Linie die Allgemeine Wohnungsbaugesellschaft (AWG), die in dem Bereich deutlich mehr Wohnungen hat als die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG). Beide Baumaßnahmen sollen nach Pfingsten beginnen.

www.svz.de

27.05.2003
Oer-Erkenschwick: Durchs Schrumpfen zur Lebensqualität
Der Bevölkerungsschwund wird viele Städte gerade im Ruhrgebiet zwingen, sich kleiner zu setzen. Elf Modellstädte sind ausgeguckt, nachzudenken über den geordneten Rückzug; über Schrumpfen als Chance.
Quadratisch, praktisch, hoch - so bauten die 60er, 70er Jahre. Ein Umfeld aus Beton und Pflaster, darin Hochhäuser und Halbhochhäuser, die sich zu Riegeln verbinden - so baut man, wenn man glaubt, man wachse ewig. So bauten sie das Uni-Center Bochum, bauten die Marler Mitte, Essen-Steele, Dortmund-Scharnhorst . . . So bauten sie in Oer-Erkenschwick die Siedlung an der Halluinstraße. Man kann das buchstabengetreudeutsch aussprechen, man kann auch den Namen der französischen Partnerstadt Halluin vor sich hin nasalieren. Doch manche sagen einfach: "Halloweenstraße." Der Schrecken.
Denn heute sind hier viele Fenster blind, andere mit Tüchern verhängt; wohnen hier oft ältere Leute, ärmere Leute, manchmal auch unverträgliche Leute; 17 Nationen ("Sie treffen jeden GUS-Staat", sagt ein Anwohner); heute stehen hier rund 90 von 221 Wohnungen leer, sind abgewohnt, dabei nicht wirklich billig. Die Zeichen sind also deutlich. Diese Wohnform ist unerwünscht.
Seit mehreren Jahren gibt es den "Stadtumbau Ost", der darauf reagiert, dass dort inzwischen 1,4 Millionen Wohnungen leerstehen. Nun kommt auch der "Stadtumbau West", denn der Bevölkerungsschwund wird auch hier spürbar - allein das Ruhrgebiet verliert noch 300 000 Menschen bis 2015; weil mehr Menschen weg- als herziehen, mehr sterben als geboren werden. "Ein Problem wird gesamtdeutsch", fiel ,Areal´ dazu ein, der Zeitschrift der Landesentwicklungsgesellschaften.
Und so warnt bereits die Friedrich-Ebert-Stiftung, bald würden "Umbauprogramme für westdeutsche Teilmärkte erforderlich sein". Und, drastischer, ein Funktionär aus dem Wohnungsbau: "Wenn wir den Zeitpunkt zum Handeln versäumen, werden einige Städte irreparable Schäden erleiden." Wenn vieles leersteht, wenn Stadtteile verkommen, wenn die Infrastruktur zu teuer wird für immer weniger Einwohner. Was überdehnt ist, das schlottert.
Elf Städte im Westen sollen Ideen beitragen, wie man damit umgeht. Darunter viele Fußkranke des Strukturwandels, Bremerhaven etwa, Wilhelmshaven, Pirmasens, Völklingen oder Salzgitter und Oer-Erkenschwick. Schlechte Strukturdaten hat die Stadt auch, wächst als Wohnstadt des Ruhrgebiets am Rand des Münsterlandes aber noch leicht. Aber "wir kennen natürlich auch die Zahlen für die nächsten Jahre", sagt der Technische Beigeordnete Bernd Immohr; er spricht von einem Wechsel des Leitbilds "vom kontrollierten Wachstum zum geordneten Rückzug".
Weil Stadt nicht von selbst von den Rändern zum Zentrum schrumpft; von selbst würde sie nur hier ausdünnen, da löchrig werden und dort überhaupt zerfallen. "Es geht darum, aus weniger Einwohnern, weniger Arbeitsplätzen und weniger Nachfrage mehr Lebensqualität und Standortqualität zu machen", sagt der einschlägig erfahrene frühere Bau-Bürgermeister von Chemnitz, Ralf-Joachim Fischer, über den Stadtumbau. Brachen in der Stadt wiederzugewinnen, gehört dazu; Altbauten in der Mitte attraktiv zu machen; auch, keine Neubausiedlungen weit draußen mehr zuzulassen.
www.waz.de

24.05.2003
Anklam: Mehr Kraft für Innenstadt

Ein Umdenken in Sachen Invesitionen mahnte jetzt Anklams Bürgermeister Michael Galander an. "Nur passiv darauf zu warten, dass Investoren nach Anklam kommen, ist sinnlos. Wir müssen in unserer Stadt eigene Kräfte mobilisieren und die eigene Wirtschaft unterstützen", sagte er am Rande einer Stadtbegehung mit einigen Fachleuten. Diese diente der detaillierteren Vorbereitung des Integrierten Stadtumbaukonzeptes (ISEK), mit dessen Hilfe mehr Leben in die Anklamer Innenstadt gebracht werden soll.
So wäre eine Wiederbebauung des Peeneufers am Bollwerk wünschenswert, waren sich Galander und seine Begleiter von der BIG Städtebau, der Stadtentwicklungsgesellschaft Neubrandenburg (SEN), dem Anklamer Sicherungstechnischen Anlagenbau (STA-Bau) und den Rahmenplanern vom Architektenbüro "Plan 4d" aus Stuttgart einig. Vor Jahren war dies schon gescheitert, weil eine Bank dem Beinahe-Investor einen Kredit mit dem Hinweis verweigerte, dass sie in Anklam für eine Vermarktung von Eigentumswohnungen kein Potenzial sehe. Hier appellierten Galander und die anderen vor allem an die Verantwortung der beiden großen Wohnungsunternehmen der Stadt - GWA und AWG. Diese sollten eine Vorreiterrolle übernehmen und in der "absoluten 1a-Lage Anklams Wohnraum" schaffen.
Entgegen dem Votum der Bank seien hier mit der Lage und dem Argument der preiswerten Ostsee-Nähe sicher auch Interessenten dafür bis aus dem Berliner Umland zu gewinnen. Aber auch Anklamer sollten wieder mehr ins Zentrum gezogen werden. Galander bezeichnete es als Fehler der vergangenen Jahre, viel Geld in die Trabantensiedlungen außerhalb des Zentrums zu investieren, dabei aber Flächen im Zentrum brachliegen zu lassen.
"Ghettos" verhindern Auch Hans Hellmann von "Plan 4d" plädierte dafür, alle Kraft wieder in die Altstadt zu stecken. Dabei müsse man aber aufpassen, in den Wohngebieten am Rand der Stadt keine "Ghettos" zu schaffen.
Viel alte Bausubstanz macht den Beteiligten Sorgen - zumeist befindet sich diese seit Jahren im Eigentum von Privateigentümern, die die Häuser aber aus den unterschiedlichsten Gründen verfallen lassen. In der Pötterstraße 13, die im Eigentum der Stadt stehe, hingegen gehe es noch in diesem Jahr mit der Sanierung als Wohngebäude los - auch die benachbarte Baulücke werde bebaut, kündigte Thomas Riemer an.
Die Pötterstraße 15 hingegen müsse man eigentlich abreißen, allerdings stehe die Fassade noch unter Denkmalschutz. Eigentlich unbegreiflicherweise, meinte Riemer, denn diese wurde erst in den 20er Jahren vor den alten Fachwerkbau gesetzt. Jetzt finde man allein wegen der Lage keinen Interessenten mehr für das Areal - die Bundesstraße B 110/B 109 ist gleich nebenan. Eine Grünfläche an dieser Stelle wäre ansprechender. Die Denkmalbehörde stehe auch dem Abriss der verfallenen Bauten an der Ecke Mägde-/Wollweberstraße kritisch gegenüber - zudem seien hier wieder Privatleute die Eigentümer. Oft könne die Lösung nur heißen, Baulücken oder ruinierte Häuser als Stadt anzukaufen, um sie umzugestalten.

www.nordkurier.de

24.05.2003
Erfurt: Mit den Fahrstühlen kamen neue Mieter
In Erfurt stehen über 15 Prozent der Wohnungen leer. Das betrifft sowohl große Unternehmen wie private Vermieter. Vor diesem Hintergrund sind die fünf Prozent Leerstand bei der WBG Einheit erstaunlich.
An architektonischen Raffinessen kann es nicht liegen. Von den 7349 Wohnungen der Genossenschaft gehören 5300 zu den Plattenbaugebieten Herrenberg, Wiesenhügel und Drosselberg. Die übrigen sind 60er-Jahre-Bauten rund um den Landtag. Die ältesten, bis zu 110 Jahre alten Häuser, stehen im Daberstedter Feld. Doch ein Glücksumstand kommt der "Einheit" zugute: Sie hat keine Wohnscheiden oder Punkthochhäuser. Diese großen Objekte haben sich klar als die Problemfälle erwiesen.
Zudem erfuhren 80 Prozent des gesamten Bestandes inzwischen eine Schönheitskur, allein 2002 wurden 424 Wohnungen modernisiert, verkündete gestern Vorstandssprecher Jürgen Tietsche. Im gleichen Zuge entstanden 111 Aufzüge. Mit dem mühelosen Hinaufgleiten bis in die sechste Etage erhöhte sich sprunghaft die Vermietung der oberen Stockwerke. Davon beflügelt sollen am Herrenberg auch bereits modernisierte Häuser noch Fahrstühle erhalten. Weiterhin rechnet sich die Genossenschaft Grundrissveränderungen auf ihrem Erfolgskonto an. Maisonette-Wohnungen, Vierraumwohnungen mit zwei Bädern - wo gab es das vorher schon in der Platte.
Diesjähriger Schwerpunkt der Sanierung ist der Drosselberg - 300 Wohnungen sind davon betroffen. Doch 100 Prozent Modernisierung strebt das Unternehmen nicht an. Es will auch bezahlbare Wohnungen für Menschen mit wenig Einkommen anbieten, begründete Tietsche. Für diejenigen, die dagegen etwas mehr fürs Wohnen ausgeben wollen, entstanden im Vorjahr in Marbach 15 Wohnungen in Stadtvillen und 34 Reihenhäuser - auf Mietbasis. Wegen der großen Nachfrage plant die WBG in der Mühlhäuser Straße weitere neue 170 Wohnungen.
Diese stünden nicht im Gegensatz zu den 180 abgerissenen Wohnungen am Brombeer- und 170 am Hagebuttenweg (beides Wiesenhügel), betonte der Vorstandssprecher. Es handele sich um unterschiedliches Interessen-Klientel. Kein Mieter einer Stadtvilla hätte für den Wiesenhügel gewonnen werden können.
Zudem ist das Thema Abriss für die WBG erst einmal erledigt. Der Drosselberg sei zu 95 Prozent vermietet und selbst am Herrenberg, der als kritisch gilt, stehen von den 1600 Einheit-Wohnungen nur 43 leer. Da lohnt es nicht, Bestände wegzunehmen, so Tietsche. Doch genau das sah der Masterplan zum Stadtumbau Ost 2000 noch vor. Er wird inzwischen von den vier großen Unternehmen und der Stadt überarbeitet.

www.thueringer-allgemeine.de

24.05.2003
Schwerin: als Vorbild für Stadtumbau im Westen
Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt hat nach Ansicht von Fachleuten mit dem bisherigen Umbau ihrer Neubaugebiete und der Neubelebung der Innenstadt Maßstäbe gesetzt. "Bei der Erneuerung der Straßenzüge blieb das alte Stadtbild erkennbar. Und in den Plattenbausiedlungen zeigt man, wie Rückbau in höhere Wohnqualität münden kann", sagte Robert Sander vom Deutschen Institut für Urbanistik gestern zum Abschluss einer Kommunalkonferenz zur Stadterneuerung und Sozialplanung in Schwerin.
Städteplaner aus etwa 100 Städten nahmen daran teil. Schwerin war im Vorjahr im Bundeswettbewerb Stadtumbau vor Halle und Leipzig mit der Goldmedaille geehrt worden.
Die Erfahrungen der ostdeutschen Städte mit dem milliardenschweren Stadtumbauprogramm Ost würden zunehmend auch im Westen interessieren. "Bevölkerungsrückgang und steigende Lebenserwartung der Menschen werden die Stadtentwicklung in den kommenden Jahren massiv beeinflussen. Im Ruhrgebiet zum Beispiel schaut man mit großen Augen nach Osten", sagte Sander. Es gelte, die veränderten Ansprüche, beispielsweise immer älterer Mieter, rechtzeitig einzuplanen.
Hans-Hermann Bode, Leiter des städtischen Bauamtes in Schwerin, forderte von Bund und Land Planungssicherheit für Kommunen und Wohnungsunternehmen.

www.svz.de

 

22.05.2003
Zschopau: Wasserschleier gegen den Staub
Ende Juli wird im Zschopauer August-Bebel-Wohngebiet nichts mehr vom Wohnblock Meixnerweg 1 bis 10 zu sehen sein. In nur sieben Wochen sollen die 120 Genossenschaftswohnungen des Typs IW 73 komplett verschwunden sein, legte Harald Bertram, Abteilungsleiter für Abriss der HTG Handelstransport Grüna GmbH, den rund 60 Anwohnern zur Bürgerversammlung am Dienstagabend im High Point dar. Das Unternehmen - seit Jahren bei Abrissarbeiten speziell in Neubaugebieten im Einsatz - hatte nach Ausschreibung der Leistungen von 38 Firmen das wirtschaftlichste Angebot abgegeben.
510.000 Euro - komplett finanziert mit Hilfe von Fördermitteln des Freistaates und des Bundes - wird der Abriss von insgesamt 7300 Quadratmetern Wohnfläche kosten. 170.000 Euro wurden der Wohnungsgenossenschaft Zschopau eG bereits bewilligt.
Mittels Press-Schneide-Verfahren soll dem Betonbau der Garaus gemacht werden. Ein Bagger mit hydraulischer Presszange wird die sechs Meter hohen und 2,63 Meter breiten, dreischichtigen Wandelemente stückweise abreißen und auf 80 Zentimeter Kantenlänge zerkleinern, so dass diese sofort abtransportiert werden können. Ein Sprühkopf an der Zange, der einen Wasserschleier erzeugt, wird eine Ausbreitung der Faserstäube aus der fünf Zentimeter dicken Mineralwoll-Dämmschicht verhindern. Das vom Gesetzgeber als krebserregend beziehungsweise krebsverdächtig eingestufte Material wird dadurch auf den unmittelbaren Arbeitsbereich beschränkt, versicherte Arnd Wagner vom Marienberger Architekturbüro Frank + Stirnweiß: „Die Faserkonzentration außerhalb des Bauraumes entspricht der überall in der Luft vorhandenen. Das kann ich garantieren. Begleitende Messungen der Gewerbeaufsicht und des Umweltfachamtes bei bisherigen Vorhaben, beispielsweise in Chemnitz, haben das bestätigt.“
www.freiepresse.de

22.05.2003
Tücken liegen im Detail
Berlin - Vor gut einem Jahr trat das mit insgesamt 2,7 Mrd. Euro (bis 2009) dotierte "Stadtumbauprogramm Ost" in Kraft. Die Kritik an der zähen Umsetzung reißt nicht ab. Die Schere zwischen dem Notwendigen und dem Machbaren klafft weit auseinander:
Falsche Mittelverteilung: 2002 sind nur 15 Prozent der Fördermittel in den Abriss geflossen. Das reicht nicht, um die steigende Leerstandsflut einzudämmen. Die Forderung: Umschichtung von Geldern in den Rückbau, damit die Schlagzahl beim notwendigen Wohnungsabriss erhöht werden kann - "auf mindestens 20 000 im Jahr", sagt CDU-Experte Henry Nitzsche. Lastenausgleich: Wer mit dem Abriss beginnt ist der Dumme. Denn das Nachbarunternehmen füllt mit den verbliebenen Mietern die leeren Wohnungen und verbessert so seine Wettbewerbsstellung ohne eigenen Beitrag. Fördersystematik: Damit die Wohnungsunternehmen die Rückbauzuschüsse in vollem Umfang sofort erhielten, sollte, so fordert es der GdW, die Aufteilung der Förderung in fünf Jahresteilbeträgen generell überprüft werden. Mindestens müssten Regelungen greifen, die den Unternehmen eine Zwischenfinanzierung ermöglichten und nicht durch zusätzliche Kosten das Rückbauvolumen schmälerten.

www.welt.de

22.05.2003
Pößneck: Stadtumbau Ost beginnt  in der Turmstraße
Der so genannte Stadtumbau Ost wird in Pößneck in der Turmstraße beginnen. Fünf nicht sanierte und leer stehende Häuser sollen dort noch in diesem Jahr abgerissen werden - die 30 und 32 auf der einen Straßenseite, die 33 und 35 sowie weiter hinten die 53 auf der anderen. Vier dieser Immobilien sind Eigentum der Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneck/Triptis, eines befindet sich noch in privater Hand und soll demnächst von der Stadt Pößneck erworben werden.
60 Euro pro Quadratmeter "zurückgebauter" Wohnfläche erhalten GWG und Rathaus vom Bund, wenn sie ihre Wohnungen "vom Markt nehmen". Mit diesem Geld wird der vernichtete Wert und der Abriss vielleicht nicht komplett refinanziert. Die Eigentümer sparen sich allerdings die Kosten des Leerstandes. Zudem gewinnt die Allgemeinheit: Auf den frei werdenden Flächen können notwendige Stellplätze und belebendes Grün angelegt werden. Und es wird ein erster Schritt zur Entspannung des Mietwohnungsmarktes in Pößneck getan. Die Baukultur soll in der Turmstraße jedenfalls erhalten werden, sagte der Geraer Architekt Thomas Weber, der Pößneck beim Stadtumbau begleitet, am Dienstagabend im 28. Pößnecker Stadtgespräch. Mit etwa 40 Bürgern einschließlich Rathaus-Mitarbeitern und Stadträten war die Veranstaltung nur mäßig besucht.
Im Quartier Turmstraße, zu dem insgesamt 14 Straßen und Straßenabschnitte gehören, sollen langfristig vierzig bis fünfzig Gebäude abgerissen werden. Die Stadt hofft, dass kommunale Maßnahmen private Initiativen generieren. "Es gibt durchaus Interesse von Privat, Gebäude und Grundstücke abzugeben", sagte der Pößnecker Bauamtsleiter Thomas Wunsch im Stadtgespräch. Spekulationen sollen aber keine Chance haben. Thomas Wunsch: "Wir werden nicht jedem privaten Abriss-Interesse stattgeben." Zuvor hatte Bürgermeister Michael Roolant darauf hingewiesen, dass der Stadtumbau auch eine Frage des Geldes in den öffentlichen Kassen sei.

www.otz.de

21.05.2003
Verwaltungsvereinbarung 2003 noch nicht unterschrieben
Das milliardenschwere Stadtumbauprogramm Ost droht in MV wie in den anderen neuen Ländern ins Stocken zu geraten. Hintergrund ist, dass die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern noch nicht unterschrieben ist, bestätigte das Bauministerium gestern. MV dringe auf rasche Unterzeichnung, unterstrich der Abteilungsleiter für Wohnungswesen und Städtebau, Michael Gäbert. "Die Vorbereitungen für das Programm laufen im Land bereits." Jedoch könnten die Gelder für Abriss und Aufwertung der Wohngebiete erst dann bewilligt werden, wenn die Verwaltungsvereinbarung unterschrieben ist.
Ein Streitpunkt ist die Beteiligung der Kommunen von einem Drittel bei der Wohngebietsaufwertung, wie Gäbert sagte. Dies betreffe etwa den Bau von Straßenbahnhaltestellen oder die Anlage von Parkflächen. Die Ostländer wollen den Anteil der Kommunen auf 20 Prozent senken. Denn finanzschwächere Gemeinden litten oft am großen Wohnungsleerstand. Sie könnten den geforderten Anteil aber nicht aufbringen. Der Finanzierungsanteil von Bund und Ländern würde jedoch von je einem Drittel auf 40 Prozent steigen.
www.svz.de

21.05.2003
Guben: will wieder blühen
Als hätte ein Zahnarzt einen großen Backenzahn gezogen, gähnt mitten in Guben eine riesige Brachfläche. Noch wächst kein Zahn nach, doch die Stadt ist fest entschlossen, dass hier das neue Zentrum "Promenade am Dreieck" entstehen soll. Ein paar Meter weiter wird die Einkaufsmeile Frankfurter Straße aufgebuddelt, direkt gegenüber dem Grenzübergang an der Neiße ist die neue Flanieratmosphäre schon zu spüren. In der Berliner Straße sind Fassaden verhüllt, das Krankenhaus wird entkernt und zum Altenheim umgebaut. Im Wohngebiet Reichenbacher Berg fallen leerstehende Plattenbauten. 400 Wohnungen wurden seit vergangenem November abgerissen, 1000 weitere folgen bis 2005. Im Industriegebiet Süd siedeln sich neue Unternehmen an, am Stadtrand wird eine Umgehungsstraße gebaut. Guben beteiligt sich an der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land. Und für jedes Neugeborene wird ein Apfelbaum einer traditionellen heimischen Sorte gepflanzt. Insgesamt 17 Projekte zum Strukturumbau sind derzeit in Arbeit.
In Guben ist Aufbruchstimmung zu spüren. Seit Klaus-Dieter Hübner  im Februar 2002 das Bürgermeisteramt übernahm, hat sich viel getan.  Die Arbeitslosenquote liegt in Guben bei 25 Prozent. 23 000 Menschen leben in der Neißestadt, 34 000 waren es 1989. Die Prognosen sagen eine düstere Entwicklung voraus: nur noch 15 000 Einwohner in 30 Jahren.
Mangels Perspektive verlassen junge Menschen die Stadt, und das Arbeitsamt zahlt Prämien für den Wegzug. "Wer Abitur hat, geht weg", sagt eine Gubenerin. Inzwischen habe einige Betriebe Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.

www.maerkischeallgemeine.de

20.05.2003
Trotz Leerstands wird weiter modernisiert
"Bis 2004 sollen alle Wohnungen modernisiert sein", nennt Renate Bremer von der "Wiro"-Wohnungsgesellschaft in Rostock das Ziel des größten Wohnungsunternehmens in Mecklenburg-Vorpommern für 2003. Geplant ist, mehr als 2000 Domizile aufzuwerten. Dafür stellen die Rostocker knapp 45 Millionen Euro bereit. Landesweit fließen in diesem Jahr nach Angaben des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) etwa 122 Millionen Euro in die Modernisierung des Bestands - ebenso viel wie im Vorjahr und ungeachtet der Leerstandsquote, die inzwischen bei fast elf Prozent liegt.
Die Strategie der Anbieter: "Schöner wohnen" wird zunehmend mit Rückbau verknüpft. Beispiel Schwerin. Hier planen die beiden großen Wohnungsfirmen WGS und SWG, in den nächsten Jahren ein ganzes Quartier mit 690 Wohnungen in zehn Blocks gemeinsam zurückzubauen und zu modernisieren. Teils durch Abriss, teils durch Abtragen oberer Etagen, soll demnach eine stadtvillenähnliche Bebauung mit Grünflächen entstehen. Das "Stadtumbau Ost"-Projekt auf dem Großen Dreesch startet Ende des Jahres.
"Neben der Bestandspflege bleibt der Stadtumbau Investitionsschwerpunkt der Wohnungswirtschaft", betont VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege. Im Zuge des Programms sollen in diesem Jahr 5000 Wohnungen in MV zurückgebaut oder abgerissen werden. Problem aus Sicht des Verbands: Auf dem Bestand liegen noch Restaltschulden. Der VNW fordert deshalb vom Bund, Unternehmer bei dauerhaft leer stehenden oder für den Abriss vorgesehenen Gebäuden von der Tilgung zu befreien.
In der verminderten staatlichen Förderung sieht Wege einen der Hauptgründe dafür, dass die VNW-Mitglieder ihre Gesamtinvestitionen von 285 Millionen Euro im Jahr 2002 auf etwa 250 Millionen zurückgefahren haben. Davon werden rund 100 Millionen für die Instandhaltung und nur 28 Millionen Euro für den Neubau ausgegeben.

www.svz.de

19.05.2003
Leipzig: Hauseigentümer fordern Ende des Neubau-Booms
Leipzigs private Hauseigentümer verlangen eine andere Förderpolitik im Wohnungsbau. Im vergangenen Jahr seien in der Stadt 798 Wohnungen abgerissen worden, sagte Steffen Mildner von "Haus & Grund" bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes am Sonnabend. "Zugleich kamen 2525 neue Wohnungen auf den Markt, wodurch sich der Gesamtbestand weiter spürbar erhöht hat."
Wer den Leerstand in Leipzig verringern wolle, der müsse dafür sorgen, dass die Zahl der neu gebauten Wohnungen nicht mehr steigt, sondern sinkt, so der Vorstands-Experte. "Man darf das Problem nicht auf die Zahl der Abrisse verengen." Vielmehr müsse die Zahl der Neubauten kontrolliert und verringert werden.
Insofern sei es völlig verkehrt, dass der stadteigene Großvermieter LWB "nun noch in den Bau von Eigenheimen einsteigt". Ebenfalls widersinnig seien Selbstnutzer-Programme der Kommune, durch die noch mehr neue Häuser entstehen und "das Problem des Leerstands weiter verschlimmert wird", wie Geschäftsführer Henning Mau kritisierte. Ruinierte Altbauten sollten vorerst nur noch im Ausnahmefall saniert werden. Die Masse könne man gegen einen weiteren Verfall sichern und später als Quartiere für Olympia herrichten.
Vom neuen Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" würden wieder fast nur öffentliche Wohnungsgesellschaften profitieren. "Die LWB und manche Genossenschaft füllen durch den Abriss ihre übrigen Bestände auf. Dadurch können sie dort besser wirtschaften", erklärte Mau. "Wenn ein privater Eigentümer sein Haus abreißt, erhält er die gleiche Förderung. Jedoch wird er seinen Mietern kein Ausweichquartier anbieten, weil er nur ein Haus hat."
Um die Situation insgesamt zu verbessern, solle die Eigenheimzulage auf Altbausanierungen beschränkt werden, forderten die Mitglieder. Sie kritisierten auch ihren Bundesvorstand, der sich zu wenig für Ost-Interessen einsetze. Vizepräsident Jürgen Happ sagte dazu, der Bundesvorstand habe soeben ein "Referat Neue Länder" ins Leben gerufen.

www.lvz-online.de

18.05.2003
Brandenburger verlassen die Randregionen
In Brandenburg werden in den nächsten 15 Jahren immer mehr Menschen die ländlichen Gebiete verlassen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die gestern Staatskanzleichef Rainer Speer vorstellte. Danach ist die Abwanderung aus den nördlichen und östlichen Randregionen des Landes wie Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Uckermark oder im südlichen Oberspreewald-Lausitz besonders hoch. Die Folgen dieser Entwicklung sind dramatisch: Die Infrastruktur in den dünn besiedelten Räumen sei nicht mehr finanzierbar, sagte Speer. Er sprach von der Gefahr der "öffentlichen Verelendung des ländlichen Raumes".
Das Kabinett hatte sich mit der jüngsten Prognose der Bevölkerungsentwicklung während der Klausur Anfang Mai befasst. Bis Sommer sollen die Minister untersuchen, welche Auswirkungen für ihr jeweiliges Ressort bestehen. Am 16. September befasst sich eine Klausur mit den Folgen des demographischen Trends.
Dass die Gesamtbevölkerung Brandenburgs weiter abnehmen wird, war schon länger klar. Während die Zahl der Bewohner im "Speckgürtel" durch den Zuzug von Berlinern weiter wächst, dünnt sie in der Peripherie des Landes aus. Spitzenreiter beim Bevölkerungszuwachs zwischen 1990 und 2001 sind Falkensee (Havelland) mit rund 160 Prozent, Wildau (Dahme-Spreewald) und Bernau (Barnim) mit rund 130 Prozent sowie Hennigsdorf und Oranienburg (beide Oberhavel) mit knapp unter 110 Prozent. Die größten Verluste mussten Guben (Oder-Spree), Schwedt (Uckermark), Wittenberge (Prignitz) hinnehmen, die jeweils etwa ein Viertel ihrer Bevölkerung verloren. Die Zahl der unter 20-Jährigen in den Randgebieten Brandenburg ist seit 1990 um mehr als ein Drittel und die der unter 40-Jährigen um etwa ein Viertel gesunken. Hingegen stieg die Zahl der über 60-Jährigen um 31 Prozent. Dieser Trend werde sich weiter fortsetzen, heißt es.
Die Spirale scheint unaufhaltsam: Bevölkerungsrückgang in den Randregionen, geringere Geburtenraten und zugleich Anstieg des Anteils älterer, hilfsbedürftiger Menschen. Der Druck auf die Sozialsysteme wachse an, sagte Speer. Hinzu komme eine schleichende Verödung der Dörfer, Abriss von Wohnhäusern, Schulsterben, Schließung von Krankenhäusern, Ärztemangel. Der öffentliche Nahverkehr sei dann nicht mehr bezahlbar. Überdies würden qualifizierte Arbeitskräfte fehlen.
Die Politik müsse gegensteuern, sagte Speer. Beispielsweise stehe die Frage, ob die derzeitige Kreisstruktur im Land - 14 Kreise, 4 kreisfreie Städte - noch genügend leistungsfähig sei. Offenbar nicht.

www.maerkischeallgemeine.de

17.05.2003
Leinefelde: Rückbau ist Aufwertung der Lebensqualität
"Was in Leinefelde im Bereich Stadterneuerung und -entwicklung geleistet wurde, dürfte in Deutschland weit an der Spitze liegen", lobte gestern der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), Lutz Freitag, das Engagement der Verantwortlichen der Stadt. Der GdW-Fachausschuss Stadterneuerung und -entwicklung führte in Leinefelde eine zweitägige Tagung durch, in deren Mittelpunkt der Stadtumbau von schnellgewachsenen DDR-Plattenbaustädten stand. "Von den Leinefelder Erfahrungen können viele andere Städte lernen. Ein Rückbau ist kein Prozess des Rückganges, sondern eine Aufwertung des Wohnumfeldes, der Lebensqualität und der Attraktivität der Stadt. Das hat man in Leinefelde früh erkannt und diesen Prozess konsequent und mit Erfolg durchgeführt", betonte der Leiter des Ressorts Stadtumbau Ost im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Ministerialrat Dr. Wolfgang Preibisch.
"Leinefelde ist ein Beispiel dafür, dass man mit einem Rückbau auch Perspektiven schafft. Leinefelde untermauert eindrucksvoll den Slogan ,Mehr Stadt für weniger Bürger´", zeigte sich Dieter Cordes, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover, beeindruckt von den Aktivitäten und sagte in Richtung Bürgermeister Gerd Reinhardt, dass dies nur erreichbar ist, "wenn die Konzepte stimmen, die Interessen aller gebündelt werden und natürlich, wenn die Menschen zupacken".

www.tlz.de

17.05.2003
Berlin: Erster Abriss einer Schule
Im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" wird im Bezirk jetzt erstmals eine Schule abgerissen. An der Dessauer Straße in Marzahn-West begannen jetzt Arbeiten an der früheren 6. Grundschule und einer daneben stehenden, ebenfalls entkernten Kindertagesstätte. Beide Gebäude sind Plattenbauten aus DDR-Zeiten, die aufgrund stark sinkender Kinder- und Schülerzahlen nicht mehr benötigt werden. Im Zuge des Rückbaus müssen auch einige Pappeln gefällt werden, teilte das Bezirksamt mit.
Etwa zwei Drittel der bis Mitte Oktober renaturierten Flächen sollen den benachbarten Abenteuer-Spielplatz erweitern, der Rest soll Teil des künftigen Westparks werden. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren etwa 20 leer stehende Schulen und Kitas im Bezirk abgerissen werden.

www.morgenpost.berlin1.de

17.05.2003
Altentreptow: Stadtumbau - Altschulden
Für den Rückbau und die Aufwertung von Plattenbauten, die kaum noch vermietbar sind, stellt das Land bis 2009 175 Millionen Euro bereit. Von dem Förderkuchen möchte auch das Rathaus ein Stück abbekommen und ist dabei, Grundlagen für die Antragstellung zu erarbeiten (der Nordkurier berichtete), denn die Zuzüge können die Abwanderungen nicht mehr aufheben. Wohnungen vom Markt zu nehmen werde für das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen mit einigen Problemen behaftet sein, erklärte dessen Geschäftsführer Rainer Ladendorf vor dem Bauausschuss. "Welche rückgebaut werden, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die meisten Wohnungen sind mit Altschulden, Krediten aus der DDR-Zeit, belastet. Diese Belastung wird aber auch nach dem Rückbau bestehen bleiben", macht er die Verzwicktheit der Lage deutlich. Die staatliche Regelung, den Wohnungsunternehmen Schulen zu erlassen, die mehr als 15 Prozent ihres Bestandes leerstehend haben, hält Ladendorf für unsinnig. "Man muss doch reagieren, um Leerstand zu verhindern und nicht warten, bis er da ist." Er sehe hier eine Benachteiligung gegenüber jenen Unternehmen, die Leerstand vermeiden. Heute würden von einst 150 Euro Altschulden pro Quadratmeter Wohnfläche noch 136 Euro zu Buche stehen. "Es kann unmöglich verlangt werden Wohnungen wegzunehmen und gleichzeitig für die Schulden aufzukommen."
www.nordkurier.de

16.05.2003
Wohnungsunternehmen kennen ihre Kunden kaum

In Anbetracht der disparaten Entwicklung auf den bundesdeutschen Wohnungsmärkten müssen sich die Eigentümer künftig mehr um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Bestände kümmern. Rückläufige Bevölkerungszahlen, die sinkende Attraktivität dezentraler Lagen sowie die Abkehr vom Massenwohnungstyp werden zur Entvölkerung ganzer Stadtviertel führen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach individuellem, großzügigem Wohnraum hoch.
So haben einige Regionen heute schon sowohl Wohnungsknappheit als auch Leerstände zu beklagen. Im Regierungsbezirk Oberbayern beispielsweise fehlen knapp 25 000 Wohnungen, gleichzeitig sind 7700 Einheiten ohne Nutzer. Dies stellt eine Studie des Eduard-Pestel-Institutes heraus. In Hessen steht ein Überhang von insgesamt 13 200 Wohnungen einer Nachfrage nach rund 21 000 Wohnungen gegenüber. In Niedersachsen werden 2 500 Wohnungen nachgefragt, dabei stehen fast 53 000 leer. Dramatisch auch das Verhältnis in Nordrhein-Westfalen: Rund 100 000 Einheiten gehen nicht vom Markt, für 18 500 Haushalte fehlen dagegen die richtigen Produkte.
Der Markt dreht sich also, und dennoch ist der "Kunde Mieter" für viele Unternehmen eine unbekannte Größe. Das könnte teuer werden. "Während die Einführung einer neuen Zahnpasta mit genausten Analysen der Zielgruppen und der Anbieter-Konkurrenz generalstabsmäßig geplant wird, werden im Immobilienbereich auch dreistellige Millionenbeträge nicht selten emotional, auf Basis einseitiger und subjektiver Interessenslagen ausgerichteter Informationen investiert", sagt der Immobilienberater Günter Muncke. Methodisch einwandfreie und fachlich fundierte Analysen sollten die Unternehmen daher zur Grundlage ihres Portfolio-Managements machen, rät Volker Eichener, Geschäftsführer des Inwis Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum. Erst dann könnten die Eigentümer entscheiden, welche Bestände sie behalten und von welchen sie sich trennen wollen.
Doch: "Rückbau macht nur als Teil einer integrierten Quartiers- oder Stadtteilentwicklung Sinn", mahnt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen (VdW). Der Verband fordert, dass "Wohnen" fachübergreifend - Wirtschaft, Städte, Politik - geplant und gestaltet wird. Anders wird dies kaum zu machen sein, denn vor allem Unternehmen wie Viterra, RAG Immobilien oder ThyssenKrupp Immobilien, haben gar nicht vor, mit dem Abriss ganzer Straßenzüge zu beginnen, wenn sie dadurch die Marktchancen ihrer Mitbewerber verbessern. Und schon wird auch im Westen der Ruf nach einer staatlichen Rückbauförderung laut. Gisela Walsken, Landtagsabgeordnete in NRW, winkt jedoch ab. Zwar gebe es aus dem Sozialen Wohnungsbau noch erhebliche Restgelder. Sie bezweifelt jedoch, dass diese Mittel für "Abrissförderung" richtig eingesetzt seien.
Staatliche Fördermillionen fließen derzeit unter anderem in das Programm "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt), das parallel zum 2,7 Mrd. Euro schweren "Stadtumbau Ost" Maßnahmen für den "Stadtumbau West" mit 15 Mio. Euro unterstützt. Ausgewählt wurden bundesweit elf Pilotstädte, die massive Bevölkerungsverluste und hohe Arbeitslosenquoten - durch Schließung von Industrieanlagen oder Aufgabe von Kasernenstandorten - zu beklagen haben. Dabei handelt es sich um ausgewählte Subzentren und Mittelstädte, die im Kleinen durchmachen, was bundesweit ganzen Regionen bevorsteht. Kritiker sehen darin deshalb auch nicht mehr als den "berühmten Tropfen auf dem heißen Stein", mit dem Wählerwillen im Nacken, doch am Problem vorbei. Burghard Schneider vom VdW in Düsseldorf spricht von "Trostpflästerchen der Politik".
www.welt.de

16.05.2003
Problem Wohnungsleerstand wird auf Kosten öffentlicher Unternehmen bewältigt
Für einen beschleunigten Abriss leer stehender Wohnungen hat sich der Verband Thüringer Wohnungswirtschaft e. V. (vtw) auf seiner Jahrestagung ausgesprochen, die am Donnerstag in Suhl zu Ende ging. Dazu müsste es aber auch mehr öffentliche Förderung geben.
Seit 1991 stieg der Anteil leer stehender Wohnungen in den rund 220 Verbandsunternehmen des vtw von reichlich 2auf derzeit rund 16 Prozent. Durch den forcierten Abriss von 4800 Wohnungen konnte im vorigen Jahr der Anstieg des Leerstandes erstmals gebremst werden. Die Unternehmen zahlten dafür allerdings einen hohen Preis, weil sie mit dem Abriss Teile ihres Vermögens vernichten und den »Rückbau« auch noch mitfinanzieren müssen, erklärte Verbandsdirektor Norbert Nareyke.
Auf Nachfrage bestätigte Nareyke, dass die mit dem Abriss verbundene Vermögensvernichtung nahezu ausschließlich zu Lasten der kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen geht. Banken und Immobilienfonds, die in den vergangenen Jahren im Osten kommunale Wohnungsbestände gekauft haben, verfügten offenbar über einen ausreichend langen finanziellen Atem und steuerliche Möglichkeiten, um Kosten durch Leerstand kompensieren zu können. Sie warten darauf, dass ihnen der »bereinigte« Wohnungsmarkt wieder ausreichend Mieter beschert und gewinnträchtige Einnahmen ermöglicht.
Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen, Lutz Freitag, plädierte in Suhl deshalb für einen Interessenausgleich und verlangte, den Unternehmen wenigstens die Altschulden für die abgerissenen Wohnungen zu erlassen. Das werde von der Politik bisher aber als nicht finanzierbar abgelehnt. Offenbar gebe es noch kein ausreichendes Bewusstsein dafür, dass der Stadtumbau nicht allein Sache der Wohnungsunternehmen sein könne, klagte Freitag.
Aus Sicht der Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Iris Gleicke (SPD), dürften sich die Banken nicht »vornehm zurücklehnen«. Sie müssten ihre Beteiligung am Stadtumbau vielmehr als Chance begreifen, forderte sie in Suhl. Dass die Kreditinstitute ihre »Chance« gerade im Abriss sehen, dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben. In Gera beispielsweise bauen private Konsortien mit Unterstützung durch städtebaulicher Fördermittel auf Industriebrachen neue Mietwohnungen, während die kommunalen Unternehmen Hunderte von Wohnungen in Plattenbauvierteln abreißen (müssen).
Den kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen bleibt allerdings gar keine andere Wahl, als sich mit per Abrissbirne Entlastungen zu verschaffen. In Thüringen summierten sich die überwiegend durch Leerstand verursachten Mietausfälle im vorigen Jahr auf annähernd 130 Millionen Euro. Bis 2010 ist deshalb der »Rückbau« von weiteren 34000 Wohnungen geplant. Das sind rund 11Prozent des derzeitigen Wohnungsbestandes der Mitgliedsunternehmen des vtw. Die wachsenden finanziellen Belastungen haben zu einem dramatischen Rückgang der Investitionen geführt. Diese schrumpften von einer Milliarde Euro 1995 auf nur noch 400Millionen Euro im vorigen Jahr. Trotz ihrer misslichen wirtschaftlichen Lage haben die Wohnungsunternehmen bereits 80Prozent ihres Bestandes saniert und dafür 7,8Milliarden Euro aufgewendet. Inzwischen ist nach Angaben des Verbandes die Belastbarkeit der Unternehmen durch neue Kredite allerdings weitgehend eingeschränkt.
Damit seien die Hoffnungen der Politik illusorisch, dass mit dem Programm zur Zinsverbilligung um zwei Prozentpunkte für vier Jahre ein großes Wohnungsmodernisierungsprogramm angekurbelt werden könne. Der Fortgang der Modernisierung stehe oder falle mit entsprechenden Förderprogrammen, hieß es in Suhl. Trotz der niedrigen Nettokaltmieten von durchschnittlich 3,79Euro pro Quadratmeter müssen sich die Unternehmen auch mit erheblichen Mietschulden herumschlagen. Die stiegen in den vtw-Unternehmen im vorigen Jahr um neun Prozent auf fast 51Millionen Euro. Daran konnte auch der aufwändige Einsatz eigener Sozialarbeiter zum Betreuen der Mieter nichts ändern. Aus bitterer Erfahrung plädiert der Verband deshalb dafür, Wohngeld direkt an die Vermieter zu überweisen, da für eine »nicht unbeträchtlich hohe Zahl von Wohngeldempfängern« die Versuchung groß sei, das Geld für andere Zwecke zu verwenden. Mancher Schuldner verschwinde dann einfach, ohne sich abzumelden und bleibe unauffindbar. Für diesen Trick gibt es inzwischen sogar schon einen »Fachbegriff« – Miethopping.

www.nd-online.de

15.05.2003
Leipzig: Dieses Jahr wieder nur Abriss in Grünau - Einwohner empört
In Grünau herrscht Frust, weil es in diesem Jahr wieder nur Abrisse von Häusern geben soll. Erstmals werden auch Wohnungsgenossenschaften einige Blöcke schleifen. Hingegen fehlt für Sanierungsvorhaben das Geld. Die Großvermieter verlangen dringend Hilfe, weil der Stadtteil sonst unter die Grenze von 50.000 Einwohnern zu fallen droht.
Das Modell heißt "Eins für Zehn". Nach Ansicht vieler Fachleute könnte es nicht nur Grünau, sondern auch etliche Großvermieter vor dem Ruin retten. "Wer zehn Wohnungen abreißt, soll zusätzlich so viele Fördermittel bekommen, dass er damit eine Wohnung neu bauen oder gut sanieren kann", erklärt Hans-Dieter Thomas. Er ist Vorstand der Genossenschaft Unitas, hat "Eins für Zehn" erfunden und damit immer mehr Fans.
Warum das Modell so wichtig ist, zeigte sich Montagabend bei einem Bürgerforum im Klubhaus "Völkerfreundschaft". Etliche der 200 Zuhörer protestierten, weil es laut Leipzigs Chefplaner Engelbert Lütke Daldrup in diesem Jahr wieder nur Abrisse in Grünau geben wird. Die LWB bricht vier Blöcke ab: Zwei davon sind schon weg, es folgen noch zwei Hochhäuser im Wohnkomplex (WK) 5.1.
Die Zuhörer forderten von Bund und Freistaat schnelle Hilfe. "Wenn es hier nur noch Abriss gibt, kommt eine Abwärtsspirale in Gang, die nicht mehr zu stoppen ist", warnte Evelin Müller aus dem WK 8. Viele Leute ziehen nur weg, weil sie keine passende Zwei-Raum-Wohnung finden, schimpfte Monika Nöcker vom Bürgerbeirat im WK 4. "Dafür stehen massenhaft Ein- und Vier-Raum-Wohnungen leer. Man muss sie nur umbauen - und nicht wegsäbeln."

www.lvz-online.de

15.05.2003
Werdau: Altschulden werden erlassen

Ein erfreulicher Bescheid flatterte am Montag der Gebäude- und Grundstücksverwaltungs GmbH Werdau (GGV) ins Haus: Wegen des schlüssigen Sanierungkonzeptes des Unternehmens werden von der KFW-Bank Frankfurt 1,1 Millionen Euro Altschulden erlassen. „Das zeigt, dass wir mit der Entwicklung der GGV auf dem richtign Weg sind“, freute sich der Geschäftsführer Klaus Müller.
Die Freude stand auch Oberbürgermeister Volkmar Dittrich (PDS) ins Gesicht geschrieben. „Wir wissen und sind sicher, dass wir mit unserem Tochterunternehmen in keine Turbulenzen geraten“, erklärte der OB bei seinem Betriebsbesuch in der Turnhallenstraße. In erster Linie wollte Dittrich mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Als Aufsichtsratschef empfinde er es als Notwendigkeit, zu den Angestellten Kontakt zu suchen. „Und außerdem muss ich ja auch sehen, ob der Geschäftsführer seine Arbeit macht“, scherzte Dittrich im Vorbeigehen.
Im Mittelpunkt der GGV-Maßnahmen steht momentan der Rückbau von Wohnstandorten vor allem in der Sorge. „Der Leerzug hier läuft planmäßig und problemlos“, berichtet Klaus Müller. Gemeinsam mit der Genossenschaft sollen insgesamt 420 Wohnungen verschwinden. Im Januar nächsten Jahres werden die Abrissbagger anrollen. „75 Prozent unserer Mieter, die von dem Leerzug betroffen sind, bleiben uns erhalten. In diesem Zusammenhang können wir auch unsere altersgerechten Blöcke auffüllen“, so Müller. Insgesamt betreuen die 16 GGV-Mitarbeiter zurzeit 2091 Wohneinheiten und 40 Gewerberäume. Im Auftrag Dritter verwaltet das städtische Tochterunternehmen zusätzlich 680 Wohnungen.
www.freiepresse.de

15.05.2003
Tausende Wohnungen im Land modernisiert
Mecklenburg-Vorpommerns Wohnungsunternehmen investieren weiter in ihren Wohnungsbestand. Derzeit sind rund 80 Prozent der 310 000 bewirtschafteten Wohnungen in einem teil- oder vollmodernisierten Zustand, teilte der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) gestern mit.
Die Investitionen belaufen sich in diesem Jahr auf etwa 250 Millionen Euro, knapp 35 Millionen weniger als im Jahr davor. Die reduzierte staatliche Förderung und hohe Investitionen der vergangenen zwölf Jahre seien die Gründe dafür, sagte VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege. Die 170 Mitgliedsunternehmen im Nordosten haben seit 1989 mehr als 7 Milliarden Euro in Wohnungen und das Wohnumfeld gesteckt.
Um Leerstände abzubauen und die Attraktivität der Wohnungsbestände und Städte wiederherzustellen, wurden 2002 rund 950 Wohnungen durch Abriss, Rückbau oder Zusammenlegung vom Markt genommen. Bis Ende 2003 sollen es rund 5000 sein.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

14.05.2003
Stadtumbau Ost in Thüringen auf einem guten Weg
Der Thüringer Wohnungswirtschaft tritt auf die Bremse. Erstmals seit zehn Jahren ist es gelungen, den Anstieg beim Wohnungsleerstand im Freistaat zu stoppen. Mit 54000 Wohnungen hätten 2002 annähernd so viele Wohnungen leer gestanden, wie im Jahr davor, sagte der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft (vtw), Norbert Nareyke, am Dienstag in Suhl.
Der Preis dafür sei allerdings hoch gewesen: 4800 Wohnungen mussten abgerissen werden. Ohne diese «gravierenden Einschnitte in die Substanz der Wohnungsunternehmen, hätte die Leerstandsquote bereits die 17-Prozent-Marke überschritten», betonte Nareyke. Derzeit verwalten die 235 vtw-Unternehmen etwa 350000 Wohnungen (mit knapp 16 Prozent Leerstand).
Ein Großteil der Abrisskosten wurden über den Stadtumbau Ost gefördert. «Wir sehen das Programm auf einem guten Weg», erklärte der Verbandschef. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass Stadtumbau nicht Problem der Wohnungswirtschaft allein sei. Bund, Länder und Kommunen müssten hierbei noch stärker zusammenarbeiten. Bis 2009 werden insgesamt 2,7 Milliarden Euro in den Abriss und die Erneuerung von Wohnungen in den neuen Bundesländern fließen.
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Iris Gleicke (SPD), kündigte an, das Stadtumbauprogramm den aktuellen Erfordernissen anzupassen. So müssten die Mittel beispielsweise nicht mehr strikt zur Hälfte für den Abriss und die anschließende Aufwertung verwandt werden. Gleicke forderte zudem die Banken auf, sich stärker bei der Finanzierung des Stadtumbaus zu engagieren. Hierbei gehe es unter anderem um Zwischenfinanzierungen, bis die Stadtumbau-Mittel den Wohnungsunternehmen zur Verfügung stünden.
Über das Stadtumbau-Programm kann zwar der Abriss leer stehender Wohnungen gefördert werden, die Ursachen für den Leerstand werden damit aber nicht beseitigt. Die sieht der vtw vor allem in der allgemein rückgängigen Bevölkerungsentwicklung und in gravierenden Abwanderungen von der Stadt aufs Land. Mit 4000 bis 5000 zusätzlichen leer stehenden Wohnungen rechnet der Verband jährlich. Nach Angaben von Olaf Langlotz vom Thüringer Innenministerium müssten etwa 7000 Wohnungen im Jahr abgerissen werden, um unter eine Leerstandsquote von zehn Prozent zu kommen. Bis einschließlich 2010 planen die vtw-Unternehmen den Rückbau von weiteren 34000 Wohnungen.
Insbesondere durch leer stehende Wohnungen hatte die Thüringer Wohnungswirtschaft im vergangenen Jahr Mietausfälle in Höhe von fast 130 Millionen Euro zu beklagen. Um so höher sei daher das Geschaffte zu bewerten, sagte Verbandsdirektor Nareyke. Rund 80 Prozent der vtw-Wohnungen seien modernisiert. Rund 405 Millionen Euro wurden allein 2002 in die Modernisierung von Wohnungen investiert.

www.freies-wort.de

11.05.2003
Stadtumbau in Thüringen: Spagat auf dem Drahtseil
Der Exitus des Wohnblockes in der Birkenstraße in Gera-Lusan vollzog sich schleichend. Drei oder vier Familien, so erinnert sich Günther Weinhardt, der seit 1979 in dem Neubaugebiet wohnt, hätten nach der Wende ihr eigenes Haus im Grünen gebaut. Später sei die Arbeitslosigkeit der Hauptgrund gewesen, der Platte den Rücken zu kehren. "Die Letzten haben dann wegen der hohen Betriebskosten den Umzugsdienst bestellt."
Die Wohnungsgesellschaften führen seit Jahren einen "Spagat auf dem Drahtseil" vor, umreißt Norbert Nareyke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft e.V., die derzeitige Situation im Freistaat beim Thema "Stadtumbau Ost".
Die Lage ist alles andere als rosig: 128 000 Wohnungen stehen in den Thüringer Städten und Gemeinden leer, jeden Monat kommen weitere hinzu. "Es gab schon Überlegungen von Planern, einfach einen Stadtteil tot zu machen. Solche rigiden Überlegungen sind allerdings kein Ausweg", meint Nareyke stellvertretend für die 230 Mitgliedsunternehmen in seinem Verband, die rund 360 000 Wohnungen bewirtschaften.
Um einen Rückbau kommen viele Unternehmen oder Genossenschaften trotzdem nicht herum. 4800 Wohnungen fielen allein im vorigen Jahr in Thüringen der Abrissbirne zum Opfer. In diesem Jahr sollen die baulichen Hüllen von weiteren 6000 Wohnungen zu handlichem Bauschotter recycelt werden. Die Zeit drängt: Wie der Chef des Bundesvorstandes Deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), Lutz Freitag, kürzlich dem Magazin "Wirtschaft & Markt" sagte, "vernichtet" eine leer stehende Wohnung den Ertrag von vier vermieteten, unsanierten Wohnungen. Die Thüringer Wohnungsunternehmen haben jährlich 150 Millionen Euro an Mietausfällen zu beklagen. 54 000 Wohnungen stehen bei ihnen inzwischen leer.
Allein um die Bewohnbarkeit eines Blockes in der Plattensiedlung Gera-Lusan abzusichern, würden pro Quadratmeter Wohnfläche rund 15 Euro jährlich an Betriebskosten anfallen, weiß Horst Richter, Geschäftsführer der Geraer Wohnungsgesellschaft mbH (Gewo), der zugleich Vorsitzender der Geraer Arbeitsgruppe "Wohnungsmarktstabilisierung" ist. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Block zu 100 oder nur zu 30 Prozent vermietet sei. Hinzu komme der Kapitaldienst. "Wir zahlen für jeden Quadratmeter Wohnfläche sechs Euro Zins und Tilgung", sagt Richter, dessen Gesellschaft rund 9600 Wohnungen in Gera besitzt und vermietet.
"50 000 bis 60 000 Wohnungen müssen in Thüringen in den nächsten Jahren vom Markt genommen werden", schätzt Norbert Nareyke ein. Wobei er großen Wert darauf legt, dass es nicht erklärtes Ziel sei, in erster Linie die "Platte platt zu machen." Den Thüringer Wohnungsunternehmen gehe es auch um Altbauten, die als Ruinen in ihren Beständen aufgelistet seien.
Etliche Wohnungen müssen auch der Modernisierung weichen: "Minibuden" wurden während der Sanierung von Häusern zu einer großen Wohnung zusammengelegt oder Elfgeschosser auf ein fünfgeschossiges Niveau zurückgestutzt.
Doch der Rückbau von 1000 oder 2000 Wohnungen im Jahr fällt angesichts der Dimensionen kaum ins Gewicht: Insbesondere im Osten Deutschlands, wo nach aktuellen Schätzungen insgesamt 1,3 Millionen Wohnungen leer stehen, droht den Städten durch den stetigen Bevölkerungsverlust ein unliebsamer Dominoeffekt: Erst kippt ein Haus, dann ein Quartier und schließlich ein ganzer Stadtteil.
Hinzu kommt die Überalterung. In Pößneck, so prognostizierte jüngst Unternehmensberater Ulrich Weibler, werde es im Jahr 2020 noch etwa 10 250 Einwohner geben. Besonders ungünstig sei für die Stadt, dass zwar gegenwärtig nur 22,4 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt seien, dieser Anteil im Jahr 2020 allerdings bei 34,5 Prozent liegen werde. Dies bedeute, dass die Zahl der Menschen, die einen Haushalt bilden könnten, sich halbiere.
"Hier tickt eine Zeitbombe", warnt Nareyke. Denn ohne neue Arbeitsplätze sei die Entvölkerung der Städte auf Dauer nicht zu stoppen. "Arbeit ist der ausschlaggebende Faktor", weiß auch Horst Richter. Seine Beobachtung: Anfänglicher Leerstand in einem Wohnblock bedeutet in den meisten Fällen das Aus für den Standort. Der Leerstand bringe einen Stein ins Rollen, der nicht zu stoppen sei.
Zwar ist seit geraumer Zeit ein deutlicher Rückgang bei den Abwanderungsbewegungen in den Thüringer Städten zu verzeichnen, aber die nächsten dunklen Wolken ziehen sich bereits über dem Wohnungsmarkt zusammen. "Wenn die geburtenschwachen Jahrgänge nachrücken, werden wir 2010 eine richtige Delle hinnehmen müssen", so die düstere Einschätzung von Nareyke.
Mit der gegenwärtigen Förderpolitik des Bundes seien die Probleme nicht zu lösen. Zirka 10 000 Wohnungen müssen in Gera in den nächsten Jahren vom Markt genommen werden. Ähnliche Probleme hat man in Greiz, Gotha, Arnstadt oder Altenburg. Der durchschnittliche Wohnungsleerstand in Thüringer Städten liegt bei etwa 16 Prozent. Damit steht der Freistaat noch in einem guten Licht. Im benachbarten Sachsen-Anhalt ist jede vierte Wohnung leer.
Die 358 Millionen Euro, die der Bund für die Entlastung von Altschulden bereitstellt, sind bereits gebunden. "In Thüringen gibt es 40 Antragsberechtigte, aber nur 20 kommen möglicherweise in den Genuss der Entlastung", verdeutlicht Nareyke. "Hier muss ganz schnell nachgerüstet werden", lautet eine seiner zentralen Forderungen.
Dem Leerstand ist aber nicht nur mit Abriss und Modernisierung beizukommen. "Erst brauche ich sanierten Wohnraum", meint Richter. Zwischen 400 bis 500 Euro pro Quadratmeter müssen in die Modernisierung eines Plattenbaus investiert werden. Bei einem Altbauhaus schnellen die Kosten schon mal auf 1000 Euro pro Quadratmeter in die Höhe. Dies ist mit ein Grund, warum sich Wohnungsunternehmen schwer tun, ihre "Altlasten" im innerstädtischen Bereich zu sanieren. "Die gegenwärtige Mietsituation lässt das einfach nicht zu", rechnet der Gewo-Chef vor.
Das Leerstandsproblem nur durch die Wohnungswirtschaft lösen zu lassen, kann deshalb auf Dauer nicht funktionieren. Mit einem weiteren Bevölkerungsrückgang wird auch der Anspruch der größeren Thüringer Kommunen, lebenswerte Innenstädte zu entwickeln, nicht mehr umzusetzen sein. Was droht, ist eine so genannte "Ausdünnung" von Mietern und eine Zunahme von leeren Wohnungen in der Fläche.
Hinzu kommt, dass private Hausbesitzer in knallharter Konkurrenz mit Wohnungsgenossenschaften stehen. "Machen sie einem Hauseigentümer einmal klar, dass ein Abriss seines Eigentumes gut für die Aufwertung eines ganzen Wohnquartieres wäre", meint Richter. Die Privaten sind es auch, für die die Luft auf dem Wohnungsmarkt immer dünner wird. Vollsanierte Wohnungen in Gera sind für vier bis sechs Euro Miete pro Quadratmeter im Angebot. Von solchen Preisen und Top-Wohnungen träumen Jenaer Studenten.
"Ich würde mir wünschen, die Häuser, die ich verwalte, würden am Stadtrand von München stehen", seufzt Marita Poser, die sich in Gera auf Immobilien- und Hausverwaltungen spezialisiert hat. Sie kennt die Probleme der Privaten genau: hoher Modernisierungsaufwand, der aufgrund des Überangebots von Wohnungen nur schwer über Mieteinnahmen abzudecken ist. Stimmt das Umfeld nicht, drehen sich Wohnungssuchende nach kurzer Zeit auf den Fersen um.

www.otz.de

11.05.2003
Brandenburg rechnet mit weiterer Abwanderung
Die brandenburgische Landesregierung rechnet mit einer weiteren Abwanderung aus Ostdeutschland.
Bis 2015 sei mit dem Wegzug von rund einer Million Menschen aus den neuen Bundesländern zu rechnen, sagte ein Regierungssprecher in Potsdam. Zwischen 1989 und heute hätten bereits rund 2,7 Millionen Ostdeutsche ihre Heimat verlassen.
"Das Ende der Negativentwicklung ist jedoch noch nicht erreicht", betonte der Sprecher. Dieser "beispiellose Bevölkerungsrückgang" sei eine Folge des ausbleibenden Angleichs der Lebensbedingungen.
"Mit Sorge" sehe die Landesregierung, dass sich die Schere zwischen Ost und West wieder weiter öffnet, hieß es weiter. Die Zuwachsraten im Osten blieben inzwischen wieder hinter denen in den alten Bundesländern zurück. Auch der Produktivitätsangleich mache kaum Fortschritte.

rbb-online.de

08.05.2003
Cottbus: verliert weiter an Einwohnern / Starke Abwanderung aus Plattenbaugebieten
Auf einen neuen Tiefstand sank die Einwohnerzahl von Cottbus am 31. März. Wie das Amt für Statistik mitteilt, leben in der Stadt nur noch 102.713 Menschen – 2072 weniger als noch vor einem Jahr. Damit setzt sich der Abwärts-Trend der vergangenen Jahre fort. Besonders betroffen: Sachsendorf mit einem Verlust von 1.718 Einwohnern und Schmellwitz, das 352 Menschen weniger beherbergt als im März 2002. Zur Gewinnerseite kann sich hingegen die Stadtmitte zählen, außerdem Stadtteile wie Merzdorf, Branitz, Kahren, Madlow, Ströbitz, Saspow, Skadow, Sielow, Döbbrick und Dissenchen. Fachleute gehen davon aus, dass der Negativ-Trend mit der bereits beschlossenen Eingemeindung von Groß Gaglow, Gallinchen und Kiekebusch in diesem Jahr vorerst gestoppt wird – diese eingerechnet, hätte Cottbus derzeit 108.584 Einwohner.
www.lr-online.de

08.05.2003
Greifswald: Kofferpacken für den Stadtumbau
Umzugsmanager Axel Mielke kennt sich aus im Quartier A4, wo im Frühjahr nächsten Jahres die Abrissbirne zum Einsatz kommen soll. „Der Riemser Weg 5/6 wird komplett beseitigt“, berichtet der Mitarbeiter der Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald eG, während er auf einer Karte den betreffenden Block markiert. Das Informationsbüro zum „Stadtumbau Ost“ in der Tallinner Straße 2, wo Axel Mielke dienstags und donnerstags auf wissbegierige Leute wartet, ist in diesen Tagen viel frequentiert. Seit kurzem steht nämlich fest, wie die neuen Umrisse der verbleibenden 61 Wohnungen aussehen. „75 Wohnungen verliert die WGG in dem Quartier – einerseits durch den Abriss, andererseits durch den Rückbau von zwei Etagen im Helsinkiring 21-23 und Riemser Weg7/8“, erklärt der Umzugsmanager.
Der junge Mann hat gemeinsam mit seiner Kollegin Marlies Neumann in den zurückliegenden Wochen mit allen 75 noch anzutreffenden Mietparteien persönliche Gespräche geführt. „Etliche Genossenschaftsmitglieder sind mit Blick auf den Umbau schon ausgezogen“, so Mielke. Wer es wünscht – insbesondere die Älteren – bekommt dabei Unterstützung. „Wir machen Termine mit einem Umzugsunternehmen, klären, falls notwendig, die Sperrmüllabfuhr, besichtigen mit den Betroffenen neue Wohnungen und richten die auserwählte auch einzugsfertig her“, verspricht Axel Mielke. Das Ganze geschieht auf Kosten der WGG.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

07.05.2003
Wir müssen ganze Stadtteile schließen
Die "schrumpfende Gesellschaft" wirft nun auch im Westen Deutschlands ihre Schatten voraus. Überalterung und Leerstände unbekannter Größenordnung werden das Bild auch der westdeutschen Städte prägen - nachdem der Osten Deutschlands schon heute einen Wohnungsleerstand von 1,4 Mio. Wohnungen verkraften muss. Auf der ersten bundesweiten Konferenz "Stadtumbau West" in Bremen räumte der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Achim Großmann, jetzt ein, dass es erste Anzeichen dieser Entwicklung gibt: "Verluste an Einwohnern und Arbeitsplätzen stellen einzelne Regionen und Kommunen in Westdeutschland zunehmend vor die Herausforderung, ihre Städte den demographischen und wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen."
Die Experten der Wohnungswirtschaft deuteten dies als eine eher beschwichtigende Beschreibung. "In Städten wie Essen müssen wir uns auf einen dramatischen Bevölkerungsrückgang von mehr als zehn Prozent in nur 15 Jahren einstellen - mit dramatischen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Bis 2020 haben wir hier mit 24 000 leerstehenden Wohnungen zu rechnen, das sind 20 Prozent des Bestandes", so Prof. Volker Eichener (Inwis GmbH, Bochum). Eichener warf den Politikern vor, sich damit schwer zu tun, die Tragweite der Schrumpfungsprozesse zu begreifen: "Tatsächlich hätte man schon vor zwanzig Jahren reagieren müssen."
Übereinstimmend bezeichneten die Experten das sich erstmals seit dem Dreißigjährigen Krieg stellende Problem der Schrumpfung als "epochal". Norbert Portz, Beigeordneter für Umwelt und Städtebau beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, Bonn: "Die Verlierer sind gerade jene Städte, die im 19. und 20. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung explosionsartig gewachsen sind und sich monostrukturell entwickelt haben." Betroffen sind aber auch kleine Gemeinden wie Selb und Wildflecken im Nordosten Bayerns, die ihre wirtschaftliche Basis verloren und massive Bevölkerungsverluste zu verkraften haben. So gehen der Gemeinde Wildflecken in der bayerischen Rhön nach dem Abzug der US-Soldaten zwei Drittel der Bevölkerung verloren.
Die tiefen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen des jetzt auf ganz Deutschland ausgreifenden Schrumpfungsprozesses werden seit dem vergangenen Jahr im Forschungsfeld "Stadtumbau West" im Rahmen des Programms "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt) der Bundesregierung analysiert. Parallel zu dem mit 2,7 Mrd. Euro ausgestatteten Programm "Stadtumbau Ost" werden dabei mit Finanzhilfen des Bundes von 15 Mio. Euro (und einem etwa gleich hohen Beitrag der Bundesländer) "Projektwerkstätten" initiiert, die "Pilotstadtprofile" zu den Themen "Stadt im Strukturwandel" und "Wohngebiet im Wandel" erarbeiten sollen.
Dabei geht es laut Großmann nicht darum, neue städtebauliche Instrumente für die Bewältigung der Anpassungsprozesse zu erfinden, sondern darum, diese mit Blick auf die epochalen Stagnations- und Schrumpfungstendenzen zu überprüfen. Unter anderem müssten zwei grundsätzliche Fragen geklärt werden: Brauchen wir mehr Regionalisierung in der Städtebauförderung? Brauchen wir eine Förderinitiative "Stadtumbau West"? Insgesamt wurden elf Pilotstädte ausgewählt, in denen sich die Dramatik der Prozesse schon jetzt abzeichnet: Hochhaussiedlung Tenever in Bremen (Bevölkerungsverlust seit 1995 11,5 Prozent, Arbeitslosenquote 25 Prozent, Leerstände bis zu 44 Prozent). Großsiedlung Lübeck-Buntekuh (Bevölkerungsverlust 5,7 Prozent, Arbeitslosenquote 16,3 Prozent). Bergbaustadt Oer-Erkenschwick (Wohnsiedlung Schillerpark mit wachsenden Leerständen: 2002 bereits 15 Prozent); Schuhstadt Pirmasens (Verlust 15 000 Arbeitsplätze in der Schuhindustrie, Abzug der Amerikaner, 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Verlust von 5000 Einwohnern); Porzellanstadt Selb (Schrumpfung von 24 000 auf 18 000 Einwohner, Wohnungsleerstände von zehn bis 14 Prozent); Stahlstadt Völklingen (Leerstand von 40 Prozent der Einzelhandelsflächen im Zentrum, jährlicher Bevölkerungsverlust 0,8 Prozent); Landgemeinde Wildflecken (Konversionsfläche von 30 Hektar, 30 Prozent Leerstand im Geschosswohnungsbau); Marinestadt Wilhelmshaven (20 Prozent Arbeitslose, Prognose für zwei Siedlungen bis 2010: 3700 leerstehende Wohnungen); Textilstadt Albstadt (seit 1993 2000 Einwohner verloren, Wegfall von zwei Drittel aller Arbeitsplätze, zunehmende Leerstände im Mietwohnungsbereich); Seestadt Bremerhaven (in zehn Jahren 10 000 Einwohner verloren, Leerstand sechs Prozent); Stahlstadt Salzgitter (bis 2015 Schrumpfung von 112 000 auf 96 500 Einwohner). Übereinstimmendes Kennzeichen aller Krisenstandorte ist der überproportionale Bevölkerungsrückgang auf Grund wirtschaftlicher Strukturbrüche und einer davon ausgelösten massenhaften Abwanderung. Angesichts derartiger Prozesse halten Experten wie Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für Urbanistik, Berlin, die Parole "Stadtumbau" für eine "massive Beschönigung". Henckel in Bremen: "Es geht nicht um Ausdünnung, sondern radikalen Rückbau bis hin zur Schließung ganzer Stadtteile."

www.welt.de

07.05.2003
Das Ruhrgebiet soll die Vorreiterrolle beim Stadtumbau West übernehmen
Nicht nur in den neuen Bundesländern entwickelt sich der steigende Wohnungsleerstand zu einem ersten Problem für Städte und Kommunen. Auch strukturschwache Regionen in den alten Ländern haben verstärkt mit mieterlosen Beständen zu kämpfen. Stadtflucht, eine schrumpfende und vergreisende Bevölkerung sowie in Auflösung begriffene Monostrukturen - Montan-, Kohle-, oder Truppenstandorte - lassen den Anteil unvermieteter Einheiten rasant anwachsen. Obwohl die Leerstandsrate im Westen Ende 2001 insgesamt nur bei durchschnittlich 3,2 Prozent lag, bewegen sich eine Vielzahl von Regionen längst im zweistelligen Prozentbereich. So verzeichnen einige Wohnungsgenossenschaften in Kassel einen Leerstand von 13 Prozent, in Pirmasens von 12,5 Prozent, in Salzgitter 9,9 Prozent und in Bremerhaven 9,9 Prozent. Dies haben Erhebungen des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) ergeben. Tendenz steigend.
Der Regionalverband Niedersachsen Bremen geht davon aus, dass sich im Landkreis Osterode/Harz bis zum Jahr 2015 rund 17 Prozent aller Wohnungen nicht mehr vermarkten lassen, in Wilhelmshaven werden es 14 Prozent sein. Im gesamten Südosten Niedersachsens stehen bis dahin mehr als zehn Prozent der Wohnungen leer. Im Ruhrgebiet stieg der Anteil unvermieteter Wohnungen zwischen 2001 und 2002 um zehn Prozent an. Im vergangenen Jahr standen dort nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) 40 000 Wohnungen leer.
"Die Unternehmen haben eine Verschnaufpause von einigen Jahren. Jedenfalls Zeit genug, um ihre Bestände auf Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen. Grundrisse, die den Lebensstilen künftiger Nutzergruppen nicht entsprechen, müssen verändert werden, Balkone angebaut, minderwertige Gebäude abgerissen werden. Tabus können wir uns nicht mehr leisten. Wohnungspolitik muss ein integrativer Bestandteil aller Politikfelder sein", sagt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen.
Dem Ruhrgebiet schreibt der Verband eine Vorreiterfunktion für Um- und Rückbaumaßnahmen zu. "Was hier im Wohnungsbau geschieht, wird andere Bundesländer auch ereilen, nur etwas später", prophezeit Schneider. Dass andere westdeutsche Regionen schon heute ebenso von strukturellen Mängeln betroffen sind, liege auch in der Förderpolitik der letzten Jahre. "Wer mehr als zehn Jahre lang auf 80 Prozent der früheren Förderung verzichten muss, hinkt hinterher. Nun sieht man westdeutsche Städte vergammeln. Deshalb kann es nur einen Stadtumbau geben - nicht einmal West und einmal Ost. Die Mittel müssen dahin fließen, wo die Not am größten ist."

www.welt.de

06.05.2003
Städte auf dem Weg zum geordneten Rückbau
Mehr als zweihundert Experten versammelten sich gestern im Parkhotel zum ersten fachöffentlichen Gespräch über das von der Bundesregierung initiierte Programm "Stadtumbau West". Der Tagungsort war gut gewählt: Eines der elf Pilotprojekte, mit denen das Bundesministerium für Bau prüfen will, ob ein solches Programm auch für die alten Bundesländer dauerhaft aufgelegt werden muss, heißt Osterholz-Tenever. Und so wird die Hochhaussiedlung im Nord-Osten Bremens - einst ein Vorzeigeprojekt für urbanes, verdichtetes Wohnen - erneut zum Vorbild. Diesmal allerdings soll die Fachwelt am Beispiel Tenevers lernen, wie man Stadt zurückbaut, Sprich: abreißt.
"Wir stehen vor der neuen Herausforderung, mit rückläufigen Entwicklungen fertig werden zu müssen", leitete der Staatssekretär im Bauministerium, Achim Großmann, die Tagung ein. Neben Bremen-Tenever hat der Bund zehn weitere Projekte aus sieben Bundeländern ausgewählt, in denen städtebauliche Miseren aufgearbeitet werden. 15 Millionen Euro hat die Bundesregierung dafür locker gemacht.
Die ausgewählten Städte sind in der Regel vom Strukturwandel gebeutelt, so etwa Pirmasens vom Wegfall der Schuhindustrie, Selb durch den Niedergang der Porzellanindustrie, Bremerhaven - auch dies ein Pilotprojekt im "Stadtumbau West" - durch den Zusammenbruch der Hafenwirtschaft. Einzelne Projekte in diesen Städten wurden auf dem Fachtag ausführlich vorgestellt.
In den Podiumsrunden wurde vor allem eines deutlich: Die Probleme, mit denen Kommunen auch im Westen kämpfen, sind nicht punktuell, sondern strukturell. Dank stark rückläufiger Bevölkerungszahlen - aktuelle Schätzungen gehen von zwölf Millionen weniger Einwohnern im Jahr 2050 aus - und einer zunehmenden Überalterung, müssen sich, so Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für Urbanistik, die allermeisten Städte aufs Schrumpfen einstellen. Es gelte jetzt, das "Loser-Image" loszuwerden, das mit Schrumpfungsprozessen immer noch einherginge - vor allem bei Politikern. Bei denen sei "Offenheit gefragt, nicht Erkenntnisverweigerung".
Norbert Porz vom Deutschen Städte- und Gemeinde-Bund zog aus der Prognose schrumpfender Städte Schlüsse, die unter anderem für Bremen, aber auch für das Ruhrgebiet oder die abgeschlagenen Stahl-Städte an der französischen Grenze ein Horrorszenario darstellen. Der verfassungsrechtlich garantierte Grundsatz gleichwertiger Lebensverhältnisse für alle Bürger Deutschlands - einer der Gründe für die Finanzspritzen des Bundes an Bremen und das Saarland - könne in Zukunft vermutlich nicht aufrechterhalten werden. Es werde "verschiedene Ligen in der Lebenshaltung geben", mutmaßte Porz. Er forderte vom Bund die deutliche Ausweitung des Programms "Stadtumbau West": "Wir stehen mit dem Brachfallen ganzer Stadtteile erst am Beginn einer Entwicklung, nicht am Ende."

www.taz.de

06.05.2003
Startschuss für „Stadtumbau West“ im Park Hotel
Der „Aufbau Ost“ für viele hundert Milliarden Euro aus dem Westen der Republik ist weitgehend gelaufen. Nun geht es verstärkt an den „Stadtumbau West“, für den gestern im Park Hotel der Zündfunke an die Lunte gelegt wurde.
In Bremens Nobelherberge hatten sich dazu Stadtplaner, Architekten, Vertreter von Wohnungsbau-Gesellschaften, Wissenschaftler und hochrangige Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen versammelt. Der parlamentarische Staatssekretär Achim Großmann (SPD) bestätigte gegenüber den Medienvertretern, dass man Bremen nicht aus Zufall für die erste Tagung „Stadtumbau West“ in elf westdeutschen Städten auserkoren habe.
Denn in Bremen ist mit dem Rück- und Umbau des einstigen Vorzeige-Projektes Tenever eines der größten Pilot-Vorhaben angelaufen, das auch mit drei Millionen Euro die vorerst größte Fördersumme aus dem Berliner Ministerium erhält. Staatssekretär Großmann: „Wir wollen den Kommunen helfen, Lösungen zum Umgang mit rückläufigen Entwicklungen zu finden.“ Gemeint sind der allgemeine Rückgang der Bevölkerung und die Abkehr der Stadtbevölkerung von großen Wohnmaschinen wie Tenever mit all ihren Problemen. Das Forschungsvorhaben „Stadtumbau West“ wird vom Bund mit jährlich 15 Millionen Euro gesponsert und soll die allgemeine Städtebauförderung zielgenau ergänzen
Im kleinsten Bundesland ist, wie Bausenatorin Christine Wischer (SPD) den Tagungsteilnehmern erläuterte, der Stadtumbau sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven im Gange. Dabei werden in Tenever rund 650 Wohnungen aus dem Bestand des insolventen Architekten Krause abgerissen, Beton-Barrieren beseitigt und Tiefgaragen zurückgebaut. Eine eigens dafür gebildete Projektierungs-Gesellschaft mit der Gewoba investiert 72 Millionen Euro.

www.weser-kurier.de

05.05.2003
Rostock: Damit kein Stadtteil auf der Kippe steht
Die Wohngebiete wurden im zurückliegenden Jahrzehnt grundlegend saniert, erhielten neues Make-up. Doch nicht alle hielten Schritt. Im Bundesprogramm "Soziale Stadt" und bei Aufwertung innerhalb von Fördermaßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung auf 587 Hektar sind in den Vorjahren 22 Millionen Euro eingesetzt worden, berichtete Roland Blank von der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS). Im vergangenen Jahr bildete Groß Klein mit 4,6 Millionen Euro den Schwerpunkt. Doch nicht genug, 7,3 Millionen Euro sollen diesen Jahr wieder nach Groß Klein fließen. Denn trotz aller Erfolge bleibt dieser Stadtteil im Nordwesten ein Sorgenkind: Auffälliger Leerstand mit Folgewirkungen. "Wir brauchen dringendes und schnelles Handeln, um einem zunehmenden Leerstand entgegenzuwirken und ein Auseinanderdriften von Stadtteilen zu verhindern", begründete Roland Blank. Weitere deutliche Akzente will die RGS in Schmarl setzen.
Doch auch in der Platte im Nordosten der Hansestadt geht die RGS Defiziten zu Leibe. Schulhofgestaltung in der Pablo-Picasso-Straße im August, Arbeiten im öffentlichen Raum der Martin-Luther-King-Allee ab Herbst sowie eine baldige Gestaltung für Spielplatz und Wegeverbindung "Zum Vogelnest" zählen zu den Projekten. Mit Toitenwinkler Qualitäten möchte man Anreize schaffen, damit nicht noch mehr Menschen der Wohnlage ade sagen. "Wir wollen dazu beitragen, die sozialen Netze aufzuwerten", erklärte Blank Zusammenhänge und verwies auf das geglückte Beispiel mit Groß Klein-Dänenberg, das sich vor der IGA zu einer schmucken, lebenswerten Wohnlage wandelte.
In den großen Wohnsiedlungen dürften "keine Mondlandschaften entstehen", warnte der RGS-Mann. Auch deshalb greife man zu Abriss und Rückbau von einzelnen Häusern in Groß Klein und Evershagen. Dies leite sich aus einem integrierten Stadtentwicklungskonzept her, mit dem sich Rostock erfolgreich an einem entsprechenden Bundeswettbewerb beteiligte, berichtete RGS-Geschäftsführer Reinhard Wolfgramm. "Hiermit wurde vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bausenatsbereich eine fundierte Grundlage geliefert für eine Aufnahme der beantragten Gebiete in das neue Programm ,Stadtumbau Ost'", so Wolfgramm weiter. Neue Wege für ein allseits attraktives Rostock.

www.svz.de

02.05.2003
Warum immer nur Abriss
Die Wohnungsbranche macht von sich reden – Leerstand, Stadtumbau, Abriss. Freies Wort fragte bei Norbert Nareyke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft (VTW), nach wie es um die Quartiere bestellt ist. In den Unterkünften der 235 Mitglieder – private und kommunale Wohnungsgesellschaften bzw. Genossenschaften – leben rund 900 000 Thüringer.
Herr Nareyke, in Suhl wird zurzeit der größte Plattenbau Südthüringens platt gemacht. Ist mit dem schönen Wort vom Stadtumbau nicht nur Abriss gemeint?
Norbert Nareyke: Abriss ist nicht der Schwerpunkt beim Stadtumbau Ost. Es geht darum, die Liegenschaften so zu gestalten, dass zukunftsfähige Wohnquartiere entstehen. Und ein leeres Haus kann diese Entwicklung durchaus beeinträchtigen. Nicht nur finanziell. Von der zerschlagenen Fensterscheibe zum Vandalismus ist es oft nicht weit. Und wer will das schon.
Der Bevölkerungsschwund in Thüringen bleibt für die Vermieter im Freistaat das größte Problem. Wie stellt sich das Problem für ihren Verband dar?
Nareyke: Wir können mit Stolz sagen, dass wir rechtzeitig gegengesteuert haben. Das «Tabuthema» Abriss ist vom Tisch. Allein in diesem Jahr werden rund 4500 Wohnungen vom Markt genommen. Trotzdem hat der VTW einen Verbandsleerstand von derzeit 55 000 Wohnungen. In Thüringen liegt der Leerstand bei derzeit 15,7 Prozent. Das ist gut im Vergleich zu Sachsen-Anhalt (24 Prozent) oder Sachsen (21 Prozent).
Nachdem es mit der Wohnungsgenossenschaft Crossen-Hartmannsdorf in Thüringen bereits eine Insolvenz gegeben hat, fragt man sich, wie sicher die Einlagen der Genossenschaftler sind. Die Mieter dort werden sogar herangezogen, um Gläubiger zu bedienen...
Nareyke: Crossen ist ein Einzelfall, der auf falsche Geschäftspolitik des Managements zurückgeht. Was die so genannte Nachschusspflicht der Mieter dort betrifft, muss man sagen, dass diese Klausel generell nur bei wenigen unserer Mitglieder Vertragsgegenstand ist. Unser Verband unternimmt aber alles, um Wiederholung auszuschließen. Seit zwei Jahren betreiben wir eine intensive Insolvenzvorsorge. Bei größeren Leerständen und Überschuldung greift ein Frühwarnsystem, damit Probleme rechtzeitig erkannt werden.
Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?
Nareyke: Bisweilen muss man sich schon fragen, ob die Bundespolitik erkannt hat, dass unsere Probleme nicht nur uns betreffen. In den letzten zehn Jahren haben Wohnungsgesellschaften örtlich gebunden 7,8 Milliarden Euro investiert. Als Wirtschaftsfaktor sind wir unverzichtbar.
Wo fehlt Unterstützung?
Nareyke: Wir brauchen Klarheit bei den Haushaltsmitteln. Die Wohnraumförderung des Bundes muss mindestens auf demselben Niveau wie bisher verstetigt werden. Und auch beim Thema Vertragskündigung bei notwendigem Abriss muss sich der Gesetzgeber bewegen. In Jena hatten wir zum Beispiel den Fall, wo eine westdeutsche Familie mit Zweitwohnsitz in Jena dort partout die Wohnung nicht räumen wollte. Wir haben viele Ersatz-Angebote gemacht, aber die wollten nur Kasse machen. Jeder Prozess wurde gewonnen, aber es ist ein Skandal, dass der Bundesgesetzgeber sich bei dem Problem versteckt, und alles über die Gerichte laufen lässt.

www.freies-wort.de