Newsticker Archiv Mai 2005
29.05.2005
Zeulenroda: Plötzlich Totalabriss statt Rückbau
Es grummelt mächtig unter den Anwohnern der
Plattenbau-Hauseingänge 2 bis 7. Die Gewitterstimmung ist durch ein
Rundschreiben der Wohnbau ausgelöst worden, in dem den Mietern am Donnerstag
ohne jegliche Vorwarnung offeriert wird, dass sie in diesem Jahr ihre Wohnungen
räumen sollen. Weil der Block abgerissen werden soll.Das war aber so gar nicht
geplant und dürfte wohl auch im Widerspruch zu dem stehen, was bislang übers
Stadtentwicklungs- und Sanierungskonzept immer öffentlich bekundet wurde. Denn
danach war ein Totalabriss für den Stadtbachring 8 bis 19 geplant. Beim
Plattenbau 2 bis 7 war dagegen immer nur von einem gezielten Rückbau - und das
sogar unter bewohnten Bedingungen - die Rede. Drei Etagen sollten stehen
bleiben, der Rest abgetragen werden. Besonders pikant an den auf dieses seltsame
Weise publik gewordenen Abrissplänen der Wohnbau ist aber der Umstand, dass eben
in diesen Block insgesamt sieben Mieter eingewiesen wurden, die zuvor in den
bereits abgerissenen Stadtbachring-Häusern wohnten. Sie zogen 2003 um. Und das
in dem guten Glauben, dass sie hier ihre neue Bleibe auf Dauer finden. Und jetzt
wird´s richtig heikel. Denn wie OTZ-Recherchen ergaben, wurde die Freilenkung
der bisher abgerissenen Blöcke mit der saftigen Gesamtsumme von 500 000 Euro für
die Mietparteien unterstützt. Und dabei wurde der Umzug für jene, die in den
jetzigen Abriskandidiaten-Block 2 bis 7 zogen, mit 95 000 Euro begleitet.
Unverständnis herrscht auch beim Netzwerk des Diakonievereins, das im
Hauseingang 7 im Erdgeschoss eine Bleibe fand. Auch dieser passgerechte Umbau
von Wohnraum wurde mit Stadtumbau-Ost-Geldern unterstützt. Über 20 000 Euro
wurden für das neue Diakonie-Domizil in den zwei Ex-Wohnungen investiert. Völlig
irre wird die jetzige Abriss-Idee, wenn man dann erfährt, dass im Januar nach
dem Brand in einer Wohnung im Stadtbachring 6 in allen Wohnungen des
Hausaufganges komplett alle Installationen und auch das Treppenhaus erneuert
wurden, obwohl man da ja zumindest schon fest wusste, dass zumindest sechs
Wohnungen in den oberen Etagen abgetragen werden.
www.otz.de
26.05.2005
Eisleben: Dachgeschosse werden abgetragen
Die Stadt Eisleben will Baumaßnahmen der Eisleber
Wohnungsbaugesellschaft in der Raismeser Straße Nummer 23-33 sowie Raismeser
Straße Nummer 35-43 unterstützen. Die bewilligte Gesamtsumme beträgt 115 000
Euro. Dabei handelt es sich um den Eigenanteil der Stadt, der aufgebracht werden
muss, um Fördermittel des Landes aus dem Programm zum "Stadtumbau Ost" in
Anspruch nehmen zu können. Für das Gebäude Raismeser Straße 23-33 ist Frau
Kirchner zufolge vorgesehen, das fünfte Geschoss komplett abzutragen. Das vierte
Geschoss soll lediglich in den Häusern 27 und 29 erhalten bleiben. "Somit werden
20 Wohneinheiten zurückgebaut", so die Stadtplanerin weiter. Durch
Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen unter anderem am Dach und der
Fassade des Gebäudes soll sich die Wohnqualität verbessern. Auch im Gebäude
Raismeser Straße 35-43 werden insgesamt 20 Wohneinheiten weichen. Geplant ist in
diesem Bereich, das gesamte vierte und fünfte Geschoss des Hauses abzureißen.
Wie in der Raismeser Straße 23-33 werden Dach und Fassade des Hauses ebenfalls
instand gesetzt und modernisiert.
In beiden Bereichen sollen außerdem im Zuge der Arbeiten die Außenanlagen und
Freiflächen neu gestaltet werden.
www.mz-web.de
25.05.2005
Wenn das Abwasser nicht mehr abfließt und stinkt
Norbert Walter ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank wird
wird gern gefragt, wenn es um ökonomische Einschätzungen geht. Mit einem Referat
über den "Einfluss der Demografie auf die Immobilienmärkte" sollte er den 1.
Stuttgarter Immobiliengesprächen einen hörbaren Startschuss geben. So stellt
Walter auf der einen Seite einen "Remanenzeffekt" fest. Anders gesagt: alte
Bäume pflanzt man nicht um; alte Leute wollen aus ihrer angestammten Umgebung
nicht mehr weg.
Sie bleiben in den großen Wohnungen lieber allein, statt in angemessene
Wohnungen umzuziehen. Neue Nachfrage entsteht erst, wenn ein Altenheimplatz
gesucht werden muss. Auf der anderen Seite werden in 30 Jahren die Alten ärmer
sein, als es die heutigen sind. Deshalb "wird der Remanenzeffekt ökonomisch
immer schwerer durchzuhalten". Die Alten werden womöglich mobiler werden müssen.
Wie drückt sich das aus? Wollen sie näher an die Einkaufszentren und die
kulturellen Einrichtungen heranrücken?
Damit ist die Dimension der Infrastruktur berührt. Heute bereits, erzählte
Walter, müssen manche Gemeinden Frischwasser durch ihre Abwasserkanäle pumpen,
weil das Abwasseraufkommen angesichts der gesunkenen Einwohnerzahl so gering
ist, dass es nicht mehr abfließt und anfängt zu stinken. Was passiert mit den
Kindergärten, in die immer weniger Kinder gehen? Was passiert mit den Schulen?
"Der demografische Faktor wird sich bis zu den Universitäten durcharbeiten", so
Walter. Müssen künftig Universitäten geschlossen werden, "oder verstehen wir
Bildung endlich als Exportartikel und machen Deutschland zu einem attraktiven
Standort für ausländische Studenten?" Zu glauben, dass mangels Menschen für die
Verkehrsinfrastruktur weniger getan werden müsse, sei allerdings "ziemlich
unrealistisch". Wegen der zentralen Lage Deutschlands sei ein "Ausbau dringend
angesagt".
Die Immobilienleute hörten"s mit Interesse. Richtig nachdenklich wurden sie, als
Walter konkret auf ihre Branche kam. Er schätzt, dass trotz wachsenden
Flächenbedarfs des Einzelnen - er nennt 45 bis 47 Quadratmeter pro Kopf als
künftigen Durchschnitt, im Südwesten liegt er derzeit bei 41,2 Quadratmetern -
von 2020 an die Nachfrage nach Wohnungen sinkt. Von 2030 an werde nur noch der
Ersatzbedarf von jährlich 100 000 Wohnungen in Deutschland erstellt werden, so
seine These. Mehr ist für die Unternehmer im Wohnungsbau nicht zu tun.
www.stuttgarter-zeitung.de
24.05.2005
Ende der Immobilien-Krise in Sicht
Der Traum von der eigenen Immobilie: Selten war er so
günstig zu verwirklichen wie heute. Die Preise für Eigentumswohnungen und
Einfamilienhäuser sind in den vergangenen Jahren rapide gesunken, und die
Hypothekenzinsen haben mit durchschnittlich 4,2 Prozent ein Rekordtief erreicht.
Das günstige Preisniveau geht mit einem enormen Wertverlust bei Wohnimmobilien
in den vergangenen zehn Jahren einher. Besonders betroffen waren nach einer
Feri-Analyse Ostdeutschland und strukturschwache Regionen im Westen. So sanken
die Preise für Eigentumswohnungen zwischen 1994 und 2004 um bis zu acht Prozent.
Lag der Quadratmeterpreis beispielsweise in Magdeburg 1994 im Schnitt bei 1831
Euro, waren es 2004 nur noch 791 Euro, und in Kassel gab es einen Rückgang von
1559 auf 822 Euro. Nicht viel besser sah es den Angaben zufolge bei
Einfamilienhäusern aus, wo jährliche Preisrückgänge bis zu 4,8 Prozent
verzeichnet wurden. So fiel der Durchschnittspreis in Berlin von 480 000 auf 292
000 Euro, in Offenbach wurde ein Einbruch von 397 000 auf 269 000 Euro
registriert. Doch es gab auch Gewinner. Überdurchschnittliche Wertsteigerungen
erzielten Immobilien beispielsweise in Bonn, Dortmund, Krefeld und Saarbrücken.
www.welt.de
24.05.2005
Immer mehr Single-Haushalte in deutschen Großstädten
Wiesbaden - In deutschen Großstädten gibt es immer mehr Single-Haushalte. Hinter
jeder zweiten Wohnungstür in Städten über 500 000 Einwohnern lebte 2004 ein
Mensch allein. In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der
Einpersonenhaushalte in den Großstädten damit nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes stark gestiegen: Lag ihr Anteil 1974 noch bei 37 Prozent, stieg er
auf 45 Prozent Mitte der 80er Jahre und auf 49 Prozent im vergangenen Jahr.
In Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern gab es dagegen nur 28 Prozent
Single-Haushalte. Bundesweit lag deren Anteil 2004 bei 37 Prozent - ebenso hoch
wie 2003. Das Statistische Bundesamt zählte in Deutschland 14,6 Mio.
Einzelhaushalte bei einer Gesamtzahl von 39,1 Mio.
www.welt.de
24.05.2005
Wuppertal: Schöner wohnen
Da will Wuppertal den Anschluss nicht verpassen und
bewirbt sich mit "sechs Bausteinen aus vier Quartieren" um Mittel aus dem
Programm "Stadtumbau West". Große Sprünge kann die Stadt nicht erwarten, geht es
doch um eine Summe von einer Million Euro im Jahr plus 30 Prozent städtischem
Eigenanteil (10 Millionen Euro bis 2010). Für den Abriss ganzer Häuserzeilen
soll das Geld nicht ausgegeben werden im Gegenteil. "Wir wollen Wohnquartiere
attraktiver machen, die besonders unter dem Bevölkerungsschwund leiden", sagte
Stadtentwicklungsdezernent Thomas Uebrick gestern. Das Konzept beinhaltet eine
Vielzahl von Maßnahmen in den Stadtteilen Arrenberg, Elberfelder Nordstadt,
Unterbarmen sowie im kommenden Jahr Oberbarmen/Wichlinghausen Süd.
Beispiel Schule Simonstraße: Im Rahmen des Stadtumbaus soll "aktiv darüber
nachgedacht werden", was aus dem für den Schulbetrieb nicht mehr benötigten
Gebäude werden soll. Dazu wird es eine Machbarkeitsstudie geben, die die
Vermarktungschancen klären soll. Vielversprechender klingt da schon der Titel
"Offensive Zukunft Arrenberg". 500 Hausbesitzer wurden zur Attraktivität des
Viertels befragt. Das wenig überraschende Ergebnis: Es besteht Handlungsbedarf.
Handeln soll nun ein Arbeitskreis, der wiederum einen Verein der Hausund
Grundeigentümer anschieben soll, der sich dann um die Immobilien des Stadtteils
kümmert. Die Zwischennnutzung leer stehender Ladenlokale oder die Gestaltung von
Hinterhöfen sind weitere Punkte, die mit dem Programm vorangebracht werden
sollen. Zum Beispiel am Hombücheler Platz, wo alte und junge Menschen gemeinsam
bei der Gestaltung mitarbeiten.
Ganz ausgeklammert werden soll das Thema Abriss aber nicht.
www.wz-newsline.de
24.05.05
19.05.2005
Essen: Mieter bleiben skeptisch
Der Verkauf des Essener Wohnungsunternehmens Viterra
treibt Mieterverter und die hieisge Immobilienwirtschaft um. "Wer so viel Geld
bezahlt, muss auch viel Geld damit verdienen", so Petra Leonartz. Als Sprecherin
des Mieternetz-werks Essen-Nord vertritt sie vor allem Viterra-Mieter. Sie
werden ihre Miete künftig der Deutschen Annington überweisen müssen. Für
negative Schlagzeilen hat die Düsseldorfer Immobiliengruppe bislang nicht
gesorgt. Dennoch bleibt Petra Leonartz skeptisch: "Die Privatisierung wird
weitergehen. Möglicherweise steigen auch die Mieten. Die Rendite muss
schließlich stimmen." Auch die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsunternehmen
reagiert zurückhaltend auf den Verkauf des Essener Unternehmens. Die
Gesellschaften bewirtschaften insgesamt 80 000 Wohnungen. Mehr als ein Drittel
sind nun in der Hand von am Kapitalmarkt orientierten Unternehmen, betont
Allbau-Vorstand Dietrich Goldmann, stellvertretender Sprecher der
Arbeitsgemeinschaft. Inwieweit der Stadtumbau gemeinsam angegangen werden kann,
muss sich erst noch erweisen.
www.nrz.de
19.05.2005
Gera: Die Bodenpreise in Gera rutschen deutlich ab
Der Grundstücksmarkt in Gera rutscht weiter ab: Die
aktuellen Bodenwerte erleben den bislang größten Rückgang seit der Wende. "Im
Schnitt sind die Bodenpreise um 20 Prozent gefallen", fasst Bruno Dietel vom
Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation in Gera (ehemals
Katasteramt) die jüngste Erhebung zusammen. Aller zwei Jahre legt der
Gutachterausschuss für Grundstückswerte neue Bodenrichtwertkarten vor, die die
Kaufpreisentwicklung für bebaute und unbebaute Grundstücke
widerspiegeln.Inzwischen allerdings ist der Markt so eingefroren, dass die
Gutachter Probleme bei der Erhebung haben. Auf gerade mal 1 800 Kaufverträge aus
den vergangenen zwei Jahren konnten sie sich stützen. In Spitzenzeiten wurde in
Gera doppelt soviel ver- und gekauft. In manchen Gebieten wechselte kein
Grundstück den Eigentümer. So wären viele weiße Flecken geblieben. Um den Trend
trotzdem darstellen zu können, zogen die Mitarbeiter erstmals in einer
Modellrechnung Bevölkerungsentwicklung, Immobilien- und Mietpreise, den
Leerstand bei Wohnen und Gewerbe, die Auslastung in ausgewiesenen Baugebieten,
die Zahl der Zwangsversteigerungen sowie die Entwicklungen deutschland- und
thüringenweit heran.In Gera, ein Hochpreisgebiet in der Region, ist in der
1a-Lage zwischen unterer Sorge, Elster Forum und Gera-Arcaden der Preis seit
2002 von 900 auf 700 Euro pro Quadratmeter gesackt. Zu Hoch-Zeiten wurden auf
der Sorge 2400 D-Mark gezahlt. "Eine 1b-Lage, die vom Glanz der 1a-Lage
profitiert, ist kaum noch auszumachen", sagt Dietel. Am ehesten zählen dazu
Zschochern, Kornmarkt und Humboldtstraße. Der Preis sank hier um 150 auf 300
Euro/mý. Schon die obere Sorge aber ist heute Normallage. Für Gewerbestandorte
ist der Bodenpreis von 35 auf 25 Euro gesunken, für Geschosswohnungsbau von 120
auf 95 Euro. Eigenheimstandorte haben einen Rückgang von 95 auf 80 Euro zu
verkraften.
www.tlz.de
17.05.2005
Duisburg: Die Stadt - das zu große Kleid
"Duisburg wird bald das erleben, was Halle oder Schwedt
längst hinter sich haben", ist man sich in der Brandenburger Staatskanzlei
sicher. "Ach was", kontern die Duisburger Stadtentwickler, "wir haben das
Problem seit 30 Jahren." "Das Problem" sind alternde Menschen, leere Häuser,
stillgelegte Betriebe und vertrocknende Wasserleitungen. Kurz, wie ein zu groß
geratener Mantel hängt die Stadt um ihre weniger werdenden Einwohner. Und sowohl
Schwedt im östlichen Brandenburg als auch Duisburg im westlichen Ruhrgebiet
versuchen, den Mantel anzupassen.
Geblieben sind Alte und Sozialhilfeempfänger, gekommen sind Menschen aus
Anatolien. "Von den Sozialdaten her ist die Lage in Bruckhausen katastrophal, es
ist der schlimmste Stadtteil Europas", sagt Michael Fröhling. Als Sozialarbeiter
und Manager des "Kulturbunkers" versucht er, Deutsche und Türken für Kultur zu
interessieren. Knapp 70 Prozent der Einwohnenden sind Migranten und
Eingebürgerte. Manch Großfamilie konnte sich eines der heruntergekommenen,
billigen Backsteinhäuser leisten. Darin betreiben sie Döner-Bratereien,
Lebensmittelhandel, Reisebüros und Hochzeitsgeschäfte. Die Insellage
Bruckhausens, eingekeilt zwischen Hüttenwerken und der Autobahn, sei eine
Chance, findet Michael Fröhling, der Sozialarbeiter. Trotz Leerstand, hoher
Arbeitslosigkeit und Armut habe man rechtzeitig angefangen, miteinander zu
reden. Seit 1998 besprechen Sozialarbeiter, die Vertreterin der städtischen
Entwicklungsgesellschaft, Imame, Pfarrer und Priester alle Stadtteilinitiativen
an einem runden Tisch. Wo muss ein Spielplatz hin, welches leer stehende Gebäude
darf abgerissen werden? Diese Fragen werden diskutiert, so entsteht ein Gefühl
der Gemeinschaft. Den demografischen Wandel und die globalisierte Wirtschaft
könne man nicht beeinflussen, sagen die Stadtplaner. Vorerst bleibt ihnen nur,
leer stehende Gebäude abzureißen oder zu sanieren, Grünflächen zu schaffen und
dabei zu helfen, dass es günstige Gewerbeimmobilien gibt. Aber Duisburg habe das
Schlimmste schon hinter sich, glauben alle und hoffen, dass mit dem "Stadtumbau
West" hier nun ein lebenswerter Ort entsteht.
www.taz.de
15.05.2005
Vorschlag: Mieten drastisch senken
Mit provokanten Thesen konfrontierte Donnerstagabend der
Volkswirt Dr. Kristof Dascher die Teilnehmer der öffentlichen
SPD-Fraktionssitzung. Diese stand unter der Frage: "Löst Abriss
Leerstands-Probleme?" Einer von Daschers Ansätzen lautet: "Die Mieten sind zu
hoch. Sie sollten um 1,50 Euro pro Quadratmeter gesenkt werden. Damit kann man
den Leerstand nicht komplett beseitigen, aber langfristig wird es Reaktionen
geben." Er kritisierte, dass die finanzielle Schere zwischen nichtmodernisierten
und modernisierten Wohnungen zu gering sei. Daraus folge, dass es eine
Querfinanzierung gebe. Mieter in nichtmodernisierten Wohnungen zahlten so für
modernisierte mit. Und: "Es ist unklar, warum sich bei einem solch hohen
Leerstand die Mieten auf einem solch hohen Niveau bewegen." Außerdem: "Beim
Stadtumbau geht es um die Stadt, nicht um die Wohnungsunternehmen. Die Stadt
muss darüber die Kontrolle übernehmen, was passiert." Den lautesten Widerspruch
- vor allem von Ronald Schürg, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft, und von
Michaela Schmitz-Schlär, Vorstandsvorsitzende der Wohnbau - gab es nach der
Überlegung von Dascher, "ob es wirklich schlimm wäre, wenn die beiden
Großvermieter in die Insolvenz gingen." Zu klären sei dann von den Abgeordneten,
was mit den Schulden des Unternehmens passiere. Im Sinne der Mieter würden im
schlimmsten Fall die Mieten fallen, was wiederum gut wäre.
Ronald Schürg setzte dem entgegen, dass sich die Arbeit seines Unternehmens am
Kunden orientieren würde und wirtschaftlichen Vorgaben unterworfen sei. "Wir
befragen unsere Mieter alle zwei Jahre. Von 2000 Bögen erhalten wir 500
ausgefüllte zurück." Und er fügte an: "Die Mieten steigen so lange, bis sie
kostendeckend sind." Michaela Schmitz-Schlär: "Wohnungen sind Wirtschaftsgüter,
deren Preise sich nach Ausstattung, Lage, Arbeitsnähe richten." Dass es einen
Querverbund zwischen modernisierten und nichtmodernisierten Wohnungen gebe,
bezeichnete sie als Gerücht. Nichtmodernisierte Wohnungen seien oft deutlich
preiswerter als modernisierte. "Ich glaube nicht, dass ich jemanden, der sich
für ein Eigenheim entscheiden will, durch eine geringere Miete mobilisieren
kann, in einem Plattenbau zu bleiben."
www.moz.de
siehe dazu auch Anmerkung des bbu:
Pressemitteilung
14.05.2005
Bayern: Neun Städte und Gemeinden schaffen
Interkommunales Entwicklungskonzept
Bürgermeister Helmut Ritter begrüßte als Hausherr die
Bürgermeister aus den beteiligten Städten und Gemeinden von Kirchenlamitz,
Röslau, Schönwald, Weißenstadt und Marktleuthen (alle Landkreis Wunsiedel) sowie
aus Oberkotzau, Schwarzenbach/Saale, Sparneck und Zell (alle Landkreis Hof).
Wie der für dieses Vorhaben federführende Bürgermeister der Stadt Schwarzenbach,
Alexander Eberl, in einem Pressegespräch ausführte, „ergeben sich durch die
Schließung zahlreicher Unternehmen – insbesondere der Porzellan- und
Textilindustrie und des steinverarbeitenden Gewerbes – für die Kommunen des
nördlichen Fichtelgebirges enorme Probleme“. Verschärft werde diese Problematik
durch die Nähe zum Niedriglohnland Tschechien und den Höchstfördergebieten
Sachsen und Thüringen, die Neuansiedlungen in unserem Gebiet schwierig machten.
Hinzu komme neben dem demographischen Wandel die verstärkte Abwanderung der
jungen Generation, bedingt durch das fehlende Angebot an Arbeits- und
Ausbildungsplätzen. Darunter ist nach Meinung von Eberl auch die katastrophale
Entwicklung durch die Schließung von Geschäften und Läden, das Leerstehen von
Industrie- und Gewerbebauten, die Probleme bei der Anwerbung neuer Gewerbetriebe
und die sinkende Attraktivität der Städte zu sehen. „Dies führt auch dazu, dass
die Städte und Gemeinden Schwierigkeiten haben, wichtige Einrichtungen wie
Schulen, Hallenbäder und Büchereien sowie die Infrastruktur mit der
Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Straßen und Baugebiete weiterhin zu
unterhalten und neu zu schaffen.“ Aus dieser Erkenntnis heraus hätten sich die
Städte und Gemeinden entschlossen, enger zusammen zu arbeiten und ein
interkommunales Entwicklungskonzept für das nördliche Fichtelgebirge in Auftrag
zu geben.
Insgesamt lebten im Untersuchungsraum rund 35 000 Einwohner. Bei diesem
Pilotprojekt in Oberfranken geht es nach Eberl zum einen um die Frage, in
welchen Bereichen der Raum überhaupt noch Entwicklungspotenziale besitzt wie in
Wirtschaft und Tourismus, die gemeinsam erschlossen werden könnten, und zum
anderen um die Frage, wie durch eine vertiefte Zusammenarbeit Synergieeffekte
erzielt werden könnten, um die knappen Ressourcen für die Zukunft gezielt
einsetzen zu können. Das Entwicklungskonzept soll nach der Meinung aller
beteiligten Städte und Gemeinden folgende Leistungsbestandteile abdecken: Es
wird eine Analyse des Raumes mit einer integrierten Strategie für die Bereiche
Wirtschaft, Gewerbe, Handwerk, Einzelhandel, Tourismus, Freizeit, Kultur,
Bildung, Jugend und Beschäftigung sowie Belebung der Ortskerne erstellt. Die
verschiedenen Projektvorschläge werden dann für eine interkommunale
Verwaltungszusammenarbeit aufbereitet und geeignete Sofortmaßnahmen sowie
ausgewählte Leitprojekte weiter verfolgt. Den beteiligten Städten und Gemeinden
sei nach übereinstimmender Meinung sehr daran gelegen, „keinen Papiertiger zu
produzieren“, sagte Eberl. Die Gutachter erarbeiteten ein entsprechendes
Entwicklungskonzept für jede einzelne beteiligte Gemeinde. Wie der
Vertreter der Regierung von Oberfranken, Baurat Ingo Schätz, hierzu versicherte,
„wird dieses Projekt aus Mitteln des Programms ,Stadtumbau West’ mit 80 Prozent
der förderfähigen Kosten durch die Regierung gefördert“. Der restliche Betrag
werde unter den beteiligten Gemeinden nach Einwohnerzahl aufgeteilt.
www.frankenpost.de
11.05.2005
Magdeburg: Wobau lässt Zehngeschosser in der
Agnetenstraße, Ecke Sieverstorstraße abreißen
Die 72 Einraumwohnungen hinter der Fassade des
Zehngeschossers an der Agnetenstraße sind seit Jahren verwaist und die
Bausubstanz längst veraltet. „Hohe Sanierungskosten und städtebauliche Gründe“
zwingen die Wobau als Eigentümer des 44 Jahre alten Zehngeschossers in der
Agnetenstraße 20 das Haus platt machen zu lassen. Noch in diesem Jahr soll es
fallen, die Planungen laufen bereits auf Hochtouren. Fördermittel sind bereits
bewilligt
Torsten Prusseit: „Die öffentliche Ausschreibung der Bauarbeiten ist erfolgt.
Die Auftragserteilung an die Firmen erfolgt in Kürze.“ Erfreulich für die Wobau:
„Die Fördermittel für den Abriss sind bewilligt.“ Mit 60 Euro pro Quadratmeter
wird das kostenintensive Projekt über das Programm „Stadtumbau Ost“ finanziell
unterstützt
„Der Abriss ist nicht nur wegen der besonderen Bauweise und der Lage des
Grundstücks anspruchsvoll. Es müssen weiterhin Straßensperrungen und die
Umverlegung einer Straßenbahnhaltestelle durchgeführt werden. Aus diesen Gründen
werden wir mit den Fördermitteln allein das Gebäude nicht abreißen können“,
erklärt Torsten Prusseit und fügt hinzu: „Doch über die Hälfte der Gesamtkosten
werden wir mit eigenen Mitteln bestreiten.“
Ist der Zehngeschosser gefallen, macht er Platz für ein 700 Quadratmeter großes
Grundstück. Das werde zunächst urbar gemacht, Rasen angesät und stehe zum
Verkauf.
www.volksstimme.de
06.05.2005
Jena: Abriss in Lobeda trifft die Stadt jetzt als
Bumerang
Gerade sind die letzten Betonplatten von weiteren 440
abgerissenen Wohnungen am Lobedaer Allendeplatz gefallen, da hat der
Sozialausschuss gestern Abend den Wohnungsnotstand für die Stadt ausgerufen.
Mindestens 1 000 Wohnungen fehlen, um vor allem alleinstehende Empfänger des
Arbeitslosengeldes II mit angemessenem Wohnraum zu versorgen, der den
Richtlinien der Stadt entspricht. Insgesamt verfügen laut Johanna Kühn,
Werkleiterin von "Jenarbeit", 1 800 sogenannte "Bedarfsgemeinschaften" über zu
viel oder zu teuren Wohnraum. In 800 Fällen handelt es sich aber um Familien,
denen eine Überschreitung von zehn Prozent zugestanden wird oder um nur
geringfügig zu große Wohnungen. "Entgegen unserer ersten Annahmen betragen die
Differenzen zwischen 100 und 200 Euro und sorgen schon jetzt für viel höhere
Kosten zu Lasten der Stadt", so Johanna Kühn. Nach Gesetzeslage werde die
Überzahlung nur für längstens sechs Monate übernommen, bis dahin müsse der ALG
II-Empfänger in eine günstigere Wohnung umziehen oder die Geldleistung werde um
den Differenzbetrag gekappt. "Eine andere Wahl lässt uns das Gesetz nicht, auch
wenn kein geeigneter Wohnraum gestellt werden kann", so die Werkleiterin.
Sozialdezernent Dr. Albrecht Schröter bestätigte, dass die Stadt vor einem
echten Problem stehe, da der Wohnungsleerstand nur noch zwei Prozent in der in
Jena betrage. Die Stadt komme nicht umhin, selbst günstigen Wohnraum zu
schaffen. "Kurzfristig gibt aber nur 100 bis 200 leere Wohnungen, die wir mit
einfachen Mitteln sanieren könnten", so der Dezernent. Deswegen müssten als
weiteres Mittel die Ermessensspielräume ausgeweitet oder gegebenenfalls die
Mietpreisgrenze von 6,10 Euro warm anghehoben werden. "Statt der geplanten 15,6
Millionen Euro laufen dann 2005 für die Stadt aber rasch 18 bis 20 Millionen
Euro an Kosten für Unterbringung auf", warnte Schröter.
Stadtrat Jürgen Haschke sagte, dass Jena nun das Stadtumbauprogramm-Ost
auf die Füße falle: "Erst reißen wir die günstigen unsanierten Wohnungen ab und
jetzt legen wir ein neues Wohnungsbauprogramm auf." So ist die Zahl der
Bedarfsgemeinschaften laut Johanna Kühn von ursprünglich angenommenen 3 800 auf
5 750 geklettert. Hinter dieser Zahl stehen 8 500 Einzelpersonen, die vom ALG II
leben. Pro Monat kommen etwa 400 neue Anträge hinzu, während Vermittlungen in
den ersten Arbeitsmarkt die Ausnahme bleiben.
www.otz.de
06.05.2005
Oer-Erkenschwick: Hallenbad soll verschwinden
Unten verbrettert, oben zerdeppert: Das alte Hallenbad hat schon bessere Zeiten
gesehen. Die SPD stellt den Antrag, das 1930 eröffnete Gemäuer abzureißen. Damit
wollen Stadtverbandsvorsitzender Andreas Krebs und Fraktionsvorsitzender Klaus
Schild, die gestern zu einem Gesprächstermin vor Ort einluden, möglichen
Investoren den Weg ebnen. Diese sind jedoch bislang weit und breit nicht in
Sicht. Die Fläche solle vom Hallenbad befreit werden, um sie zusammen mit dem
Kirmesplatz innerhalb des Programmes "Stadtumbau West" besser vermarkten zu
können, meinen die Sozialdemokraten. Dieser Wunsch ist nicht neu, doch die SPD
will jetzt Dampf machen, "damit endlich etwas passiert", so Schild. Die Stadt
habe viel zu lange auf das falsche Pferd gesetzt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die MGG (Montangrundstücksgesellschaft der Ruhrkohle) müsse jetzt in dem
gemeinsam mit der Verwaltung gegründeten Arbeitskreis neue Ideen entwickeln und
Investoren locken. Um das Hallenbadgelände attraktiver zu machen, müsse die
Stadt sozusagen in Vorkasse treten. Wie hoch die Abrisskosten sind, ließe sich
allerdings schwer sagen, erklärten Krebs und Schild. Das sei auch ein
Unsicherheitsfaktor für Interessenten. Beide gehen davon aus, dass die
Kommunalaufsicht (die Kreisverwaltung) mitspielt. Denn die Stadtkasse ist leer,
Oer-Erkenschwick muss zuerst den Haushalt konsolidisieren, bevor es wieder
eigenhändig entscheiden darf.
www.waz.de
05.05.2005
Thüringen: Trotz Leerstands und Finanzproblemen
keine Pleitewelle
Trotz erster Insolvenzen kommunaler Unternehmen droht nach
Ansicht der Thüringer Wohnungswirtschaft keine Pleitewelle im Freistaat. "Es
handelt sich hierbei um Einzelfälle und keine Massenerscheinung", sagte der
stellvertretende Direktor des Verbandes Thüringer Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft, Hans-Joachim Ruhland. In Ostthüringen mußten in diesem
Jahr die Wohnungsbaugesellschaft "Holzland" mit Sitz in Hermsdorf und die
Wohnungsgesellschaft Gößnitz im Kreis Altenburger Land Insolvenz anmelden.
In beiden Fällen wurde die wirtschaftliche Schieflage mit Leerständen und
Mietausfällen begründet. "Zur Insolvenz kam es, als die Banken bei beiden
Gesellschaften Kreditzusagen zurückzogen", sagte Ruhland. Allgemein sei zwar die
Finanzlage der Wohnungsunternehmen in Thüringen angespannt. "Der finanzielle
Spielraum ist aber von Standort zu Standort unterschiedlich." Die größte Last
seien die Altschulden. Diese beliefen sich durchschnittlich auf rund 70 Euro je
Quadratmeter Wohnfläche. Deshalb werde eine erweiterte Altschuldenregelung
gefordert.
Alle Unternehmen, die sich am Stadtumbauprogramm beteiligten, müßten nach
erfolgtem Wohnungsabriß unabhängig von Fristen und Kriterien entschuldet werden,
verlangte Ruhland. Von den rund 325 000 Wohnungen, die die Mitgliedsunternehmen
des Verbandes bewirtschafteten, hätten im vergangenen Jahr 47 000 leergestanden.
Im Jahr 2003 waren noch 51 000 ohne Mieter. "Das zeigt, daß sich das
Stadtumbauprogramm Ost positiv auswirkt."
Auf Grund des Leerstandes gingen den Wohnungsunternehmen laut Ruhland im
vergangenen Jahr rund 112 Mio. Euro an Einnahmen verloren. Hinzu kämen
Mietschulden von etwa 50 Mio. Euro pro Jahr. Nach Angaben des stellvertretenden
Verbandsdirektors werden jährlich rund 6000 Wohnungen abgerissen.
www.welt.de
03.05.2005
Torgau: Weitere Wohnblöcke werden 2006 weichen
Insgesamt 492 Wohnungen wird die Wohnstätten GmbH über
dieses Förderprogramm "rückbauen", voraussichtlich im Zeitraum bis 2008. Noch
weiter wachsender Wohnungsleerstand wäre die Folge, wenn man jetzt nichts
unternähme. Und jeder Quadratmeter Leerstand kostet schließlich auch Geld, das
dann anderswo fehlt und nicht investiert werden kann.
Doch nicht nur die aktuelle Leerstandslage auf dem Wohnungsmarkt ist Grund
dafür, sondern auch die Prognosen für die weitere demografische Entwicklung. Für
das Jahr 2015 geht diese Prognose in einer ungünstigen Variante von nur noch
rund 17 250 Einwohnern in Torgau aus - zum Jahresende 2004 lag die Einwohnerzahl
bei 18 812. Der weitere Rückgang wird natürlich auch Auswirkungen auf den
Wohnungsmarkt mit sich bringen. "Wir müssen bereits heute die Weichen stellen
für die wirtschaftliche Arbeit des Unternehmens in diesen prognostizierten
Zeiten", erklärt Andreas Huth, Geschäftsführer der Wohnstätten GmbH die
Notwendigkeit des Abrisses aus unternehmerischer Sicht. Diese geht konform mit
dem Torgauer Stadtentwicklungskonzept, das sich den mit sinkender Einwohnerzahl
verbundenen Prämissen aus städtebaulicher Sicht stellt und den Abriss mit einer
Aufwertung, mit der Schaffung von mehr Wohn- und Lebensqualität sowie einer
Aufwertung der Innenstädte als Ziel verbindet. Sachsenweit stehen über 414 000
Wohnungen leer, auf den Rückbau von 250 000 Wohnungen einigten sich CDU und SPD
im Koalitionvertrag. Innenminister Thomas de Maizière sprach anlässlich des 3.
Mitteldeutschen Immobilientages sogar von der jetzt anstehenden "zweiten Hälfte
des Aufbau Ost", in der als wesentliche Aufgabe gesetzt sei, "intelligente
Schrumpfungsprozesse mit qualitativem Aufschwung zu verbinden." Für die Torgauer
Wohnstätten GmbH ist mit dem Förderprogramm und dem Abriss von Wohnungen aus
ihrem Bestand zugleich ein Altschuldenerlass in Höhe von 1,9 Millionen Euro
verbunden.
www.torgauerzeitung.com
3.05.2005
Hagen: Jeder dritten Schule droht das Aus
Um 16,3 Prozent, das sind etwa 33 000 Menschen, soll die
Zahl der Hagener Einwohner nach Berechnungen des Landesamts für Statistik bis
2020 abnehmen. Und zwar im Wesentlichen durch den sogenannten Wanderungsverlust.
Während der Sterbeüberschuss bis 2020 mit 11 500 errechnet wurde, soll Hagen im
selben Zeitraum 21 000 Menschen durch Fortzüge verlieren. Ein Großteil davon ins
Umland, wo viele kleinere Gemeinden schon seit Jahren mit günstigen
Baulandofferten locken. Nach Erhebungen der Amtsstatistiker werden, sofern
dieser Trend nicht abgemildert werden kann, folglich insbesondere die 30- bis
49-Jährigen Hagen den Rücken kehren - bis zu 40 Prozent.
Schon in den vergangenen zehn Jahren verlor Hagen mehr als 3500 Menschen - im
Wesentlichen aus der genannten Altersgruppe - ans Umland. An der Spitze lag
dabei Iserlohn. Während seit 1994 2916 Iserlohner nach Hagen zogen, wählten 4087
Hagener den umgekehrten Weg. Ein Plus für Iserlohn also von 1171. Herdecke
meldet einen Zugewinn aus Hagen von 445 Personen, Breckerfeld von 414, Wetter
von 396 und Schwerte von 345. Einzig gegenüber Dortmund verbuchte Hagen einen
Gewinn von 74 Zuwanderern.
Für die jetzt begonnene Diskussion, die das Ziel einer bevölkerungspolitischen
Trendwende hat, haben die Verwaltungsexperten ausgerechnet, welche Folgen ein
anhaltender Schrumpfungsprozess haben könnte. Ein Verlust von 30 000 Einwohnern
würde beispielsweise nach dem derzeitigen Stand zu einem Einnahmeverlust bei den
Schlüsselzuweisungen von 21 Millionen Euro pro Jahr führen. Zugleich würde der
Finanzbedarf zur Aufrechterhaltung der kommunalen Infrastruktur steigen.
Konkret: Die Entwässerungs- und Müllabfuhrgebühren müssten beispielsweise um ca.
20 Prozent angehoben werden.
Weitere Folgen: Aus dem befürchteten Minus von 1500 Kindern (26 Prozent) im
Kindergartenalter folgern die Statistiker einen Rückgang der Nachfrage um 60
Gruppen, durch die Verringerung der Zahl der Grundschulkinder (Minus 30 Prozent)
sowie der Schüler in der Sekundarstufe I (Minus 35 Prozent) wird zudem jeder
dritte Schule in Frage gestellt. Schlimme Folgen werden auch für die
Stadtbücherei erwartet, deren Leserschaft sich zu 40 Prozent aus Kindern und
Jugendlichen rekrutiert sowie für die Sportvereine. Derzeit sind 16 000 der 50
000 Hagener Sportvereinsmitglieder noch keine 18 Jahre alt.
www.westfalenpost.de