Newsticker Archiv Mai und Juni 2006
28.06.2006
Große Fortschritte beim Stadtumbau in
Sachsen-Anhalt
" Die klare Schwerpunktsetzung zu Gunsten des Abrisses hat zu einer spürbaren
Entspannung auf dem Wohnungsmarkt geführt und den strukturellen Leerstand
deutlich verringert ", sagte Bauminister Karl-Heinz Daehre. Ähnlich äußerte sich
der Vorstandschef des Verbandes der Wohnungswirtschaft, Jost Riecke : " Man
sieht eine positive Entwicklung in den Städten und auch auf der
betriebswirtschaftlichen Seite. " Über den Berg seien die
Wohnungsgesellschaften, die für abgerissenen Wohnraum von Altschulden entlastet
werden, aber noch nicht.
Daehre und Riecke wie auch Kommunen und Wohnungsgesellschaften kritisierten,
dass es alljährlich zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Fördermittel kommt.
Grund : Die Einzelheiten des Bund-Länder-Programms müssen jährlich neu geregelt
werden, nach Einschätzung des Landes lässt sich der Bund hier zu viel Zeit. "
Dadurch erfolgen die Bewilligungen oft erst im 3. oder 4. Quartal, wodurch sich
auch die Projekte verzögern ", sagte Torsten Prusseit von der Gesellschaft Wobau,
die in Magdeburg 3000 Wohnungen abgerissen und nunmehr 31 000 im Bestand hat.
robleme gibt es auch bei den Mitteln, die die Kommunen beisteuern müssen – bei
Projekten wie der Sanierung von Ladenstraßen, neuen Parkanlagen und ähnlichem
ist das ein Drittel. Eine Reduzierung dieses Anteils wäre " hilfreich ", hieß es
etwa aus dem Rathaus in Stendal. " Ein Drittel ist auf Grund der schwierigen
Haushaltslage oft nicht möglich ", erklärte auch Karsten Golnik vom zuständigen
Fachbereich der Stadtverwaltung Halle. Immerhin : Durch den Stadtumbau wurden in
der größten Stadt des Landes 7000 Wohnungen vom Markt genommen, die
Leerstandsquote verringerte sich um zehn Prozent.
Bei allen positiven Effekten ist den Beteiligten klar : Auch in den nächsten
Jahren und Jahrzehnten wird der Stadtumbau ein Schwerpunktthema im Land sein,
zumal nach wie vor zehntausende Wohnungen leer stehen – in großen Städten bis zu
einem Viertel des Bestandes. " Trotz Abrisses wird es darum gehen, die
Lebendigkeit der Städte und ihre Attraktivität für das Umland zu erhalten und zu
erhöhen ", betonte der Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, Ralf
Niebergall. " Für die Zukunft gilt es, neue Wohnmodelle zu entwickeln und zu
fördern, um Menschen zum Umzug in die Städte zu animieren. " Die
Wohnungswirtschaft fordert, das Förderprogramm Stadtumbau Ost über 2009 hinaus
weiterzuführen. Verbandschef Riecke : " Der Umbau unserer Städte ist eine
Generationenaufgabe. "
www.volksstimme.de
24.06.2006
Eckernförde: Entwicklungskonzept ist Türöffner für
das Förderprogramm Stadtumbau West
300 Seiten ist es stark, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK),
das das Hamburger Planungsbüro STEG Mittwochabend in der Einwohnerversammlung in
der Stadthalle vorstellte. "Eckernförde hat alle Chancen, die Zukunft
erfolgreich zu gestalten", zog Bereichsleiter Martin Brinkmann ein viel
versprechendes Fazit.
Auf der Haben-Seite verbuchen die STEG-Gutachter die zentrale Lage in der
K.E.R.N.-Region, die breite Basis kleiner und mittelständischer Unternehmen, das
positive Image als Seebad und die Attraktivität als Wohnort. Das ISEK-Gutachten
verhehlt aber auch nicht die Probleme der Stadt. Dazu zählen der
Bedeutungsverlust des Hafens, die Konkurrenzsituation mit den Nachbarstädten,
Abzug der Bauschule, rückläufige Übernachtungszahlen im Tourismus und das hohe
Mietniveau.
Als größte Herausforderungen machten die Planer den wirtschaftlichen und
demographischen Wandel aus sowie die Profilierung der Stadt als Wohn-, Arbeits-
und Tourismusort. Bis 2020, so die Statistiken, wird die Einwohnerzahl um drei
bis fünf Prozent sinken. Damit steht Eckernförde allerdings noch besser da, als
die Umlandstädte. Die Zahl der Älteren wird steigen, die Haushalte werden
kleiner.
Gutachten-Betreuer Stefan Kreutz sprach von einem wachsenden Bedarf an
barrierearmem und betreutem Wohnen. Neue wirtschaftliche Möglichkeiten
eröffneten sich im Senioren- und Gesundheitsbereich. Einem ungebremsten Wachstum
der Stadt erteilte er eine Absage. Qualität müsse vor Quantität gehen, so
Kreutz. Die Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität für Senioren und Familien
stehe im Vordergrund. Der Innenentwicklung gab er Priorität vor Erweiterung und
"Grüner Wiese". Es gelte, Brachflächen zu entwickeln und das Wohnen im Bestand
zu fördern – auch mit Blick auf Alters-, Sozial- und Haushaltsstruktur. Weiter
empfahl er eine Stärkung des Tourismus, eine Weiterentwicklung der Innenstadt
und die Sicherung der ökologischen Ressourcen. Als Entwicklungsgebiete nannte
Kreutz den Bereich Carlshöhe, den Borbyer Westen, die Innenstadt mit
angrenzenden Bereichen sowie den Südwesten. In der mit nur rund 60
Interessierten schwach besuchten Einwohnerversammlung wiesen Redner auch auf die
Bedeutung des Stadtbildes und der "städtebaulichen Ästhetik" hin. Nach der
öffentlichen Vorstellung des ISEK-Gutachtens wird die Vorlage jetzt in
Verwaltung und Politik beraten. Nach der Sommerpause sollen die
Stadtumbaugebiete vereinbart und Projekte festgelegt werden. Denn 1,7 Millionen
Euro aus dem Programm Stadtumbau West hat Eckernförde dafür bereits eingeworben.
Weitere Fördergelder stehen in Aussicht.
www.kn-online.de
20.06.2006
24000 Wohnungen bisher abgerissen
Bis zum Jahr 2013 sollen zwischen 50000 und 55000 Wohnungen aus den
Städten in Brandenburg verschwunden sein, sagte ein Sprecher des Bauministeriums
in einer dpa-Umfrage. Vorwiegend handele es sich um Plattenbauquartiere. Nach
Angaben des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) stehen
derzeit landesweit rund 165000 Wohnungen leer. Die Großvermieter fordern eine
Verlängerung des Stadtumbau-Programms.
Für dessen Umsetzung hat das Land 31 Kommunen zu "Stadtumbaustädten" erklärt.
Dazu gehören besonders stark vom Bevölkerungsrückgang betroffene Städte wie
Schwedt (Uckermark), Frankfurt (Oder) und Cottbus. Allein in Schwedt soll der
Wohnungsbestand bis 2015 um rund 6000 reduziert worden sein. Der letzte von 16
zum Abriss bestimmten Schwedter 16-Geschossern ist im April gefallen. Nach
Angaben von Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) sollen bis Jahresende in den
Stadtumbau in Schwedt rund 15 Millionen Euro investiert worden sein.
Brandenburgweit haben Land und Bund dafür laut Bauministerium bisher 195
Millionen Euro bewilligt. 120 Millionen Euro entfallen auf die Abriss-Förderung;
die restlichen 75 Millionen stehen für die Aufwertung der Wohngebiete zur
Verfügung. Diese Strategie verfolge Brandenburg als einziges Bundesland. Der
Schwedter Bürgermeister sieht mit der Finanzierung von Aufwertungsmaßnahmen auch
die Akzeptanz für den Abriss gestiegen. "Damit konnten die Bürger überzeugt
werden, dass Schwedt nicht platt gemacht werden soll."
In Cottbus kommt der Stadtumbau nach Einschätzung des zuständigen Amtes gut
voran. "Seit 2000 haben wir 4350 Wohnungen abgerissen", sagte Thomas Kramer,
Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und -planung. "Das ist gut die Hälfte der
8150 Wohnungen, die wir bis 2010 rückbauen wollen."
Im Gegensatz zu anderen Orten werden in Wittenberge nicht nur Plattenbauten in
größerem Umfang abgerissen. Nach den Worten von Bauamtschef Ulrich Siedler
sollen in der Stadt bis 2015 rund 2400 Wohnungen vom Markt genommen werden. Etwa
die Hälfte davon seien Plattenbautenwohnungen.
www.svz.de
20.06.2006
Sachsen reißt 50 000 Wohnungen ab
Mittel für Aufwertung werden nicht abgerufen - Kritik an "Bevorzugung der
Großsiedlungen"
Dresden - In den vergangenen fünf Jahren wurden im Freistaat Sachsen 50 000
nicht mehr vermietbare Wohnungen abgerissen. Die weitere Steigerung des
Leerstands ist damit nach Angaben der Sächsischen Aufbaubank (SAB), die für die
finanzielle Seite des Stadtumbaus im Freistaat zuständig ist, zunächst einmal
gestoppt. Der Abrißbirne geht aber längst nicht die Arbeit aus. Und in den
Innenstädten bleibt reichlich "Aufwertungsarbeit" unerledigt liegen.
Der Eigentümer-Verband Haus & Grund Sachsen sieht in dem sächsischen "Wohnungsbaumonitoring"
aber nur eine, die "schön dargestellte" Seite der Stadtumbau-Medaille. Der
Landes-Chef des Verbandes, Thomas Ungethüm beklagt: "Die meist
marktbeherrschenden kommunalen Wohnungsgesellschaften mit ihren Großsiedlungen
werden zu Lasten der historischen Innenstädte bei Stadtumbau bevorzugt". In den
Stadtrandsiedlungen sei zuerst "am wirklichen Bedarf vorbei" saniert worden und
werde jetzt abgerissen - immer mit Fördermitteln. Gleichzeitig drohe wertvoller
historischer Bausubstanz in vielen Innenstädten der Verfall.
Auch im "Wohnungsmonitoring" der Aufbaubank wird festgehalten, daß Mittel für
Abrisse fast zu 100 Prozent abgerufen würden, der Abruf der Gelder für die
Aufwertung von Quartieren dagegen nur zögerlich vor sich gehe. "Den Kommunen
fehlt es oft an Eigenmitteln, die nötig sind, um Fördermittel zu bekommen", sagt
SAB-Vorstand Steffen Weber. Damit die Förderung nicht verfalle, müsse
rechtzeitig die Übertragung der Gelder auf die kommenden Haushaltsjahre
beantragt werden.
Sachsen leistet als einziges Bundesland zusätzlich zu dem "Stadtumbauprogramm
Ost" des Bundes und der Länder noch ein eigenes "Landesrückbauprogramm". Dort
wurden rund 50 Mio. Euro bereitgestellt - Ende 2005 waren davon knapp 95 Prozent
ausgezahlt. Die restlichen 1,6 Mio. Euro für 2006 und eine Mio. für 2007 können
bei der SAB abgerufen werden. Damit konnten 15 000 Wohnungen abgerissen werden.
Im Bund-Länder-Programm wurden zwischen 2002 und 2005 rund 382,6 Mio. Euro
Fördermittel von der SAB zugesagt. Pro Kopf waren es in Sachsen durchschnittlich
101 Euro für den Stadtumbau, in der von Leerstand besonders betroffenen Stadt
Hoyerswerda 654 Euro.
Der Rückbaus der 50 000 Wohnungen ging in Sachsen hauptsächlich auf das Konto
der kommunalen Wohnungswirtschaft. "Beim Abriß sind wir auf Förderung
angewiesen", sagt die Sprecherin des Vorstandes des Verbandes der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft Sachsen (VDW), Margitta Faßl. Mehr als die Hälfte entfiel
auf kommunale Wohnungsunternehmen - knapp 30 000 Wohnungen wurden in deren Regie
vom Markt genommen. Bei den Genossenschaften waren es 15 000. Jeder
Abriß-Quadratmeter wird den Gesellschaften mit 60 Euro vergütet. Dazu kommt bei
einer hinreichend hohen Abrißquote der Erlaß von Altschulden. An Abrißkosten
sind laut Haus & Grund zwischen 28 Euro/qm in Weißwasser und 38 Euro/qm in
Chemnitz zu kalkulieren.
www.welt.de
18.06.2006
Wunsiedel: Willkommen in der Greisstadt
Aus dem bayerischen Städtchen Wunsiedel flüchten junge Leute in Scharen.
Die Zukunft gehört den Alten - und der Bürgermeister ist fest entschlossen,
seinen Ort zum Florida Frankens zu machen. Denn zum Vorbild nimmt er sich
Amerikas Rentner-Metropole Sun City.
Die Textilindustrie in der Stadt ist weggebrochen, 1000 Jobs gingen verloren.
Bürgermeister Karl-Willi Beck (CSU) sieht es realistisch: "Die Jungen ziehen
weg, weil sie hier keinen Arbeitsplatz finden." Die Stadt vergreist. Die
dramatische Begleitmusik liefert eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Bis 2020
soll die 10.300-Einwohner-Stadt zwischen Bayreuth und Hof 992 Bürger verlieren.
Der Landkreis hält mit einem Bevölkerungsschwund von 12,2 Prozent einen
traurigen Rekord in der Region. Nur die Alten sind der Gegend treu. Deshalb hat
sich der Bürgermeister von der amerikanischen Rentner-Metropole Sun City
inspirieren lassen - Beck modelt Wunsiedel zum Florida Frankens um. Sein Motto:
"Willkommen in der Greisstadt Wunsiedel!" In 14 Jahren wird rund ein Viertel der
Einwohner älter als 60 Jahre sein. Für sie will Beck die Stadt so attraktiv wie
möglich machen. "Dazu gehört mehr als nur ausreichend Plätze im Altenheim",
betont er.
Sichtbares Zeichen der neuen Seniorenfreundlichkeit sind die abgesenkten
Bordsteine. Nur eine der vielen Anregungen, die die Verwaltung aus dem eigens
eingerichteten Seniorenparlament aufgenommen hat - wie auch Erste-Hilfe-Kurse,
Rechtsberatung, Bus-Shuttles zu Ausflugszielen, kurze Wege zum Einkaufen. Einmal
im Monat versammeln sich die Vorsitzenden der einschlägigen Vereine und Verbände
vom Sozialverband VdK über das Rote Kreuz bis zum Behindertenclub um den
Kachelofen im Großen Ratssaal und überlegen, was sie für die Senioren tun
können.
www.spiegel.de
17.06.2006
Abriss in vollem Gang
Verwaiste Plattenbauten und verfallene Häuser -
leer stehende Gebäude sind in Sachsen keine Seltenheit und damit ein Problem. In
den vergangenen fünf Jahren wurden im Freistaat 50.000 nicht mehr vermietbare
Wohnungen abgerissen.
Der Leerstand ist damit nach Angaben der Sächsischen Aufbaubank (SAB), die für
den Stadtumbau zuständig ist, zunächst einmal gestoppt. Trotzdem müssen in den
kommenden Jahren weiter Wohnungen per Abrissbirne vom Markt genommen werden,
ergab eine dpa-Umfrage.
2002 standen in den neuen Ländern etwa eine Million Wohnungen leer - mehr als
ein Drittel davon in Sachsen. Auf Grund des zum Teil dramatischen
Bevölkerungsrückgangs werden in den neuen Ländern immer weniger Wohnungen
nachgefragt. Inzwischen gibt es in 155 sächsischen Kommunen ein integriertes
Stadtentwicklungskonzept, so die SAB im jetzt veröffentlichten
Wohnungsbaumonotoring. Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften setzen große
Hoffnungen auf den Stadtumbau Ost und den Abriss, den sie jedoch aus eigener
Kraft nicht finanziell schultern können.
Während nach Angaben der SAB das Geld für Abriss fast zu 100 Prozent abgerufen
wurde, läuft das eher zögerlich bei den Mitteln, die zur Aufwertung von
Quartieren gedacht sind. „Den Kommunen fehlt es oft schlicht an Eigenmitteln“,
sagt SAB-Vorstand Steffen Weber. Damit die Förderung nicht verfalle, müsse
rechtzeitig die Übertragung der Gelder auf die kommenden Haushaltsjahre
beantragt werden.
Im „Landesrückbauprogramm“ wurden für nicht benötigte Wohnungen über 50
Millionen Euro bereitgestellt - Ende 2005 waren davon knapp 95 Prozent
ausgezahlt. Die restlichen 1,6 Millionen Euro für 2006 und 1 Million für 2007
können bei der SAB abgerufen werden. Damit konnten 15000 Wohnungen abgerissen
werden. Im Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost wurden zwischen 2002 und 2005
rund 382,6 Millionen Euro Fördermittel von der SAB zugesagt. Pro Kopf waren es
in Sachsen durchschnittlich 101 Euro für den Stadtumbau, in der von Leerstand
besonders betroffenen Stadt Hoyerswerda 654 Euro.
Die Hauptlast der Rückbaus von 50000 Wohnungen trägt die Wohnungswirtschaft.
„Beim Abriss sind wir auf Förderung angewiesen“, sagt die Sprecherin des
Vorstandes des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (VDW),
Margitta Faßl. Mehr als die Hälfte entfiel auf kommunale Wohnungsunternehmen -
knapp 30000 Wohnungen wurden in deren Regie vom Markt genommen. Bei den
Genossenschaften waren es 15000.
„In der Regel werden bei Einhaltung der Prioritäten des zuständigen
Innenministeriums beantragte Gelder problemlos bewilligt“, sagt Faßl. Ab 2007
sei mit einer reduzierten Förderung beim Abriss zu rechnen. Sie befürchtet, dass
sich dann einige Unternehmen nicht mehr am Stadtumbau beteiligen. Auch nach 2009
ist aus ihrer Sicht der Abriss notwendig. „Die Lage wird dann ähnlich sein: zu
viele Wohnungen, die niemand mehr haben will und die uns Geld kosten.“
Die Lücken und freien Flächen im Stadtbild sollen nun sinnvoll ausgefüllt
werden. Genossenschaften, wo die Mieter quasi Miteigentümer sind, bauten auch
vereinzelt neu. Ihnen fällt der Abriss besonders schwer, da sie dadurch eigenes
Vermögen vernichten, sagt Sabine Thielemann, Sprecherin des Verbandes
sächsischer Wohnungsgenossenschaften.
Durch individuelle Wohnumfeldgestaltung wie Begegnungspunkte und Mietergärten
solle das genossenschaftliche Wohnen bereichert werden, sagt sie. Sogar in der
Stadt Hoyerswerda wird neu gebaut. Individuelle Wohnungen mit interessanten
Grundrissen finden auch dort ihre Interessenten. Ziel sei es, die Innenstädte zu
erhalten, die Bewohner zum Bleiben zu animieren, sagt sie.
www.sz-online.de
17.06.2006
Potemkin in der Innenstadt
Die Stadtflucht ins grüne Umland, in die
suburbanen Einfamilienhausgebiete ist heute im reichen Westeuropa eine
Massenerscheinung. Landflucht hingegen ist aufgrund der fortgeschrittenen
Automobilisierung nicht mehr nötig: Die ländliche Bevölkerung kann die Vorteile
der Stadt – etwa Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten – nutzen, ohne deshalb
dorthin übersiedeln zu müssen. Jene schlechter entwickelten, nachwuchsstarken
Regionen mit zuwanderungswilligen Menschen, die unsere Städte beleben könnten,
liegen mittlerweile außerhalb der EU-Grenzen. Die Fremdenfeindlichkeit unserer
Gesellschaft sowie die irrationale Angst vor Wohlstandsverlust verhindern jedoch
die dringend nötige, globale Migration – weshalb viele Städte zu schrumpfen
beginnen.
Linz etwa, das bei der Volkszählung 1991 noch über 200.000 Einwohner hatte,
verlor in den 90er Jahren mehr als acht Prozent seiner Bevölkerung. Graz büßte
in den Jahren 1996 bis 2001 ebenfalls 5,5 Prozent ein. Und auch Wien
verzeichnete in der zweiten Hälfte der 90er Jahre gegenüber Niederösterreich ein
negatives Wanderungssaldo von 22.000 Menschen – Tendenz anhaltend. Noch sehen
die heimischen Großstädte diese Entwicklung recht gelassen, auch wenn sie an
verödenden Erdgeschoßzonen, leerstehenden Geschäftslokalen oder rückläufigen
Steuereinnahmen bereits schmerzlich zu spüren ist. Linz entgehen durch den
Bevölkerungsrückgang jährlich knapp 20 Millionen Euro an Bundesmitteln im Rahmen
des Finanzausgleichs. Dafür erspare man sich einige Kindergärten, argumentiert
ein Sprecher des Bürgermeisters – und für Schüler, die aus Nachbargemeinden
kämen, erhielte man ohnehin mehr Geld als für Schüler aus Linz. Schon etwas
dramatischer verläuft der Schrumpfungsprozess in wirtschaftlichen Krisenregionen
wie der Obersteiermark. Die Montan- und Universitätsstadt Leoben verlor seit
Anfang der 80er Jahre knapp 20 Prozent ihrer Bevölkerung. Die Stadt Eisenerz
schrumpfte gar um 36 Prozent. Daraus ergeben sich bald nicht mehr nur
steuerliche Einbußen: Kanalisation und Kläranlagen sind oft auf höhere
Einwohnerzahlen ausgerichtet und funktionieren nur ab einer bestimmten
Mindestmenge an Abwasser. Das öffentliche Verkehrsnetz von Städten ist unterhalb
gewisser Fahrgastzahlen nicht mehr finanzierbar. Sozialen und kulturellen
Einrichtungen wie städtischen Krankenhäusern, Schwimmbädern, Museen und
Bibliotheken droht mangels Auslastung und Rentabilität die Schließung.
Was in Österreich noch mehrheitlich verdrängt wird, sorgt in Deutschland schon
seit Jahren für öffentliche Diskussionen und fachliche Auseinandersetzung.
Demographen prognostizieren unserem Nachbarland bis Mitte des Jahrhunderts einen
Verlust von rund 20 Millionen Einwohnern – sollte sich an der restriktiven
Zuwanderungspolitik nichts Entscheidendes ändern. Besonders in den Neuen
Bundesländern sind mit der Wende die Geburtenzahlen dramatisch eingebrochen, da
es die kostenlose Kinderbetreuung, den sicheren Job und die günstige Wohnung aus
kommunistischen Zeiten nicht mehr gab. Durch die 1989 auch im Osten einsetzende
Suburbanisierung sowie die Abwanderung von Arbeitskräften nach Westdeutschland
stehen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR bereits heute rund eine Million
Wohnungen leer – und bis 2030 wird sich diese Zahl verdoppeln.
Leipzig etwa – nach Ost-Berlin die einst größte Stadt im sozialistischen
Deutschland – hat in den ersten zehn Jahren nach der Wende 100.000 Bürger
verloren. Rund 60.000 Wohnungen sind unbewohnt – sowohl in den
Plattenbausiedlungen am Stadtrand als auch in den vom SED-Regime verwahrlosten
Gründerzeitquartieren im Zentrum. 26 Prozent der Wohnviertel definiert die
Leipziger Stadtplanung als "Umstrukturierungsgebiete", was nichts anderes heißt,
als dass dort bald keine Wohnhäuser mehr stehen könnten. Denn die desolate
Bausubstanz ohne konkrete Nachfrage zu renovieren, wäre nicht finanzierbar – und
die teils einsturzgefährdeten Häuser unsaniert zu belassen, ist schon aus
Sicherheitsgründen unmöglich. Zudem strahlen heruntergekommene Baublöcke negativ
auf noch bewohnte Häuser im Umfeld aus und können ein ganzes Viertel – wie es
anschaulich heißt – runterziehen.
Selbst frisch sanierte Häuser stehen oft zu drei Viertel leer, was für Mieter in
Leipzig momentan nahezu paradiesische Verhältnisse schafft: Drei bis fünf Euro
Mietzins pro Quadratmeter in zentrumsnahen Jugendstilbauten, kostenloses
Probewohnen für drei Monate – und Vermieter, die den Umzug bezahlen und zur
Wohnungseinweihung ein kleines Gartenfest organisieren. Durch die geringen
Mieteinnahmen drohen allerdings auch renovierte Häuser langfristig zu verkommen,
da ihre laufende Instandhaltung kaum zu bezahlen ist.
Die Deutsche Bundesregierung versucht der Verödung ganzer Stadtteile mit dem
Sonderprogramm "Stadtumbau Ost" zu begegnen. Schrumpfende Städte sollen geordnet
rückgebaut und aufgelockert werden, anstatt unkontrolliert zu verfallen. In
Leipzig macht man sich daran, mitten in der Stadt großzügige Freiflächen zu
schaffen, wodurch nicht nur die störenden Ruinen verschwinden, sondern auch die
verbleibenden Bauten durch neue Grünflächen aufgewertet werden.
Der Stadtumbau bedeutet jedenfalls das Ende der Idealvorstellung einer urbanen
Dichte. Mehrgeschoßige Plattenbauten werden in verschiedenen ostdeutschen
Städten zu Reihenhäusern rückgebaut, innerstädtische Blockrandbebauung durch
aufgelockerte Wohnformen mit Garten durchmischt. Großflächige
Handelseinrichtungen müssten sich fortan nicht mehr an der Peripherie ansiedeln
– sie fänden problemlos in der Stadt Platz. Der IKEA ums Eck und der
Baustoffmarkt mit Straßenbahnanschluss könnten in schrumpfenden Städten Realität
werden. Allerdings gibt es auch Kritik am Programm "Stadtumbau Ost". Denn der
großangelegte, staatlich finanzierte Abriss von Häusern kommt nicht zuletzt
jenen zugute, deren Renditen durch die leerstandsbedingte Krise von
Mietpreismarkt und Neubausektor litten – den großen Wohnungsgesellschaften, den
Bausparkassen sowie der Bauwirtschaft. Alternative Konzepte schlagen vor, statt
der Vernichtung von Wohnungen deren Zusammenlegung zu fördern, solange Menschen
immer noch auf zu engem Raum leben. Die Wohnfläche pro Kopf beträgt in
Ostdeutschland 31 Quadratmeter, in Westdeutschland sind es 42. Eine Angleichung
der Wohnfläche von 16 Millionen ostdeutschen Bürgern an den westdeutschen
Standard würde rein rechnerisch die Nutzung des gesamten brach liegenden
Wohnraums ermöglichen – und darüber hinaus sogar noch Neubaubedarf auslösen.
Doch mittlerweile ist selbst in Westdeutschland von Stadtumbau die Rede, um dem
zunehmenden Wohnungsleerstand zu begegnen. In Vahrenheide-Ost, einem Stadtteil
von Hannover aus den 60er und 70er Jahren, ist der Abriss von 20 bis 30 Prozent
der Wohnbauten geplant. Und selbst jüngere oder erst sanierte Großsiedlungen wie
Osterholz-Tenever, eine Vorstadt von Bremen, sollen "rückgebaut" werden. Der
Vorwurf besteht auch hier, dass ungenutzter Wohnraum abgebaut wird, nur um den
Immobilienmarkt zu "bereinigen", sprich eine künstliche Wohnungsknappheit zu
schaffen. Die Erhaltung leerstehenden Wohnraums kostet Geld – am geförderten
Abriss und am ebenfalls geförderten Neubau von Wohnungen lässt sich hingegen
verdienen. Zwei Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln werden in Deutschland in
den Rückbau von bis zu 400.000 Wohnungen fließen.
Die Ursachen dafür, dass auch Menschen mit geringerem Einkommen die Stadt
verlassen, selbst wenn das Häuschen im Grünen zur lebenslangen Hypothek wird,
werden dadurch nicht behoben. Untersuchungen in München und Hannover haben
ergeben, dass 50 Prozent der jungen Familien, die aus der Stadt wegziehen, das
aufgrund der schlechten Umweltsituation tun. Der Lärm, die Abgase und die
Allgegenwart des Autos scheinen also maßgebend für das Schrumpfen der urbanen
Zentren zu sein. Dazu kommen der Mangel an Grünflächen in den Innenstädten und
ein offensichtlich schlechter Wohnbau in den Neubaugebieten – nicht nur dort, wo
es sich um Plattenbauten handelt, sondern auch am Stadtrand von Linz, Graz oder
Wien.
Selbst außerhalb Europas wächst nicht jede Stadt zur Megacitiy heran. In
Nordamerika etwa sind seit langem schon Schrumpfungsprozesse zu beobachten.
Memphis/Tennessee gilt dabei als Paradebeispiel, sowohl für die völlige Verödung
einer Stadt als auch für den gescheiterten Versuch ihrer Revitalisierung. Seit
den 60er Jahren hatte sich Memphis zu einer "Donut City" entwickelt – einer
Stadt mit einem Loch in der Mitte: mit leer stehenden oder gerade noch von den
untersten sozialen Schichten bewohnten Häusern, mit geschlossenen Läden und
nahezu ausgestorbenen Straßen.
www.wienerzeitung.at
17.06.2006
Premnitz: Rückgang schneller als gedacht
Der wichtigste Beschluss der Premnitzer Stadtverordneten auf ihrer
letzten Sitzung vor der Sommerpause war am Donnerstagabend im
Industrieparkzentrum die Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes. Wie Carola
Kapitza, Fachbereichsleiterin Bau, vor den Abgeordneten sagte, war die erste
Fassung des Stadtumbaukonzeptes im Jahre 2002 die Grundlage dafür, in das
Stadtumbauprogramm aufgenommen zu werden.
Wie viele andere Städte im Osten Deutschlands leidet auch Premnitz unter
Einwohnerrückgang. In der Chemiearbeiterstadt erscheint dieser Prozess aber
besonders rasant zu sein. "Der Bevölkerungsrückgang ist schneller
vorangeschritten als zunächst angenommen", steht es im neuen Konzept, "der
anfänglich für das Jahr 2015 prognostizierte Entwicklungsstand wird im Laufe des
Jahres 2005 nahezu erreicht sein."
Im Konzept von 2002 hatten die amtlichen Zahlen des Landesbetriebes für
Datenverarbeitung und Statistik (LDS) für 2005 noch 8530 Einwohner erwarten
lassen, 2015 hätten es demnach 7600 sein sollen. Doch die Wirklichkeit hat diese
Prognose schon weit überholt. Für 2005 stehen nur noch 7690 Einwohner in der
Statistik, was für 2015 lediglich noch 6835 Bürger erwarten lässt. Unangenehm
fiel einigen Stadtverordneten auf, dass die 2002 noch selbstständigen Gemeinden
Döberitz und Mögelin, die jetzt als Ortsteile zur Stadt Premnitz zählen, nicht
in das neue Konzept aufgenommen worden sind. Carola Kapitza teilte dazu mit,
dass im nächsten Jahr ein so genanntes integriertes Konzept erarbeitet wird, in
dem Döberitz und Mögelin betrachtet werden. Den beschriebenen Einwohnerrückgang
gibt es allerdings nur im Gebiet der früheren Stadt Premnitz.
www.freenet.de
16.06.2006
Brandenburg: Sonnendeck im Uferpark
Noch herrscht gähnende Leere, die Staubwolken der Groß(ab)baustelle
werden mühselig mit Wasser unterdrückt, die etwa ein Hektar große Fläche ringsum
die Spitze der Näthewinde gleicht einer Mond- oder Endzeitlandschaft.Noch ist es
schwer vorstellbar, dass zwischen Hammerstraße und Mühlendamm in zwölf Monaten
Kinder dem Fußball hinterher toben, Jugendliche Streetball spielen und die
gesetzteren Menschen sich auf dem Sonnendeck aus Stahl und Holz auf der
ehemaligen Kaimauer aalen. Junge Familien ruhen auf Bänken in halbhohen
Eibegevierten, Spaziergänger verschnaufen auf "umgedrehten Fischkörben" -
Zweisitzer aus Drahtgeflecht, die ein wenig an eine lange Fischertradition
erinnern sollen. Die Höhenunterschiede zwischen den Flächen werden durch Rosen-
und grasbewachsene Böschungen überwunden, die kleinkronigen Kugeltrompetenbäume
spenden etwas weniger Schatten als die rotblühenden Kastanien, als Trauerweiden
und Ahorne. Entsprechende Pläne haben Stadtplanerin Christina Frede und
Baubeigeordneter Michael Brandt nun vorgestellt. "Wir wollen die Stadtmauer
inszenieren. Autofahrer und Fußgänger sollen sie gleichermaßen erleben", sagt
Christina Frede. Die sichtbaren Teile beginnen am Mühlendamm gegenüber des
Mühlentores, dort wo derzeit die Häuser der Neustädtischen Fischerstraße 17 und
18 abgerissen werden. Weil Teile der barocken Stadtmauer darin komplett verbaut
waren, verzögerte sich der Abbau der Gebäude um rund zwei Wochen. Nach Auskunft
von Tiefbauamtschef Peter Reck soll die halbseitige Ampel heute Mittag außer
Betrieb gesetzt werden, dann ist die Fahrbahn wieder frei. Finanziert wird der
Uferpark an der Näthewinde durch so genannte Aufwertungsmittel aus dem
Stadtumbau in Höhe von 675 000 Euro.
www.maerkischeallgemeine.de
13.06.2006
Gute Zeiten für Wohnungskäufer
Studie belegt positive Wertentwicklung von Eigentum
Der Markt für Wohnimmobilien in Deutschland steht vor einem Aufschwung. Zu
diesem Ergebnis kommt eine volkswirtschaftliche Studie der Allianz Dresdner
Economic Research. Besonders der Osten Deutschlands profitiere von veränderten
Rahmenbedingungen, was zugleich die Aussichten für den gesamtdeutschen
Immobilienmarkt deutlich verbessere.
"Zur Zeit
treffen mehrere Faktoren zusammen, die die Wertentwicklung deutscher Häuser und
Wohnungen positiv beeinflussen könnten", sagt David Milleker, einer der Autoren
der Studie. Für entscheidend hält er das wachsende Interesse internationaler
Investoren an deutschen Wohnimmobilien. Aber auch der Preisanstieg bei den
Baukosten und die attraktiven Mietrenditen trügen zu der für Eigentümer
günstigen Gesamtkonstellation bei. Die Mietrenditen beschreiben das Verhältnis
von erzielbarer Miete zum Kaufpreis.
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland haben sich seit Anfang der 90er
Jahre per saldo kaum verändert. Gemessen an der Entwicklung des
Pro-Kopf-Einkommens sind Häuser und Wohnungen zur Zeit sogar günstiger als vor
15 Jahren. Deutschland stellt damit im Vergleich zu vielen seiner Nachbarländer,
in denen die Preise zum Teil exorbitant anstiegen, eine Ausnahme dar. So legte
der Preis von Wohnimmobilien in Großbritannien im genannten Zeitraum um mehr als
100 Prozent zu.
Basis für künftige Preissteigerungen bei deutschen Wohnimmobilien sei laut
Milleker die Rückkehr zu einer gewissen Normalität. Im Osten seien die Preise
seit 1996 - bedingt durch die Abwanderung junger, qualifizierter Arbeitskräfte
und noch bestehende Lohnunterschiede - im Schnitt um 17 Prozent gefallen. Zum
Vergleich: Im selben Zeitraum kletterten die Preise für Westimmobilien im
Schnitt um vier Prozent. Zudem habe der Immobilienmarkt im Osten unter dem
Aufbau hoher Überkapazitäten im Zuge der Wiedervereinigungseuphorie gelitten,
sagt Milleker.
Inzwischen griffen aber auch im Osten viele der Maßnahmen, die die dort
vorhandenen Probleme lösen sollen. "Der Stadtumbau Ost etwa, in dessen Verlauf
rund 350 000 Wohneinheiten abgerissen werden sollen, zeigt erste Erfolge", sagt
David Milleker. Die Leerstandsquote, die noch im Jahre 2002 bei rund 16,5
Prozent gelegen habe, gehe mittlerweile zurück. Diese Normalisierung der
Verhältnisse im Osten Deutschlands bilde die Basis für eine eventuell
bevorstehende Erholung der Immobilienpreise im gesamten Bundesgebiet.
"Ausgehend von den jetzt erreichten unterschiedlichen Preisniveaus, die sich in
abgeschwächter Form auch zwischen Regionen in Nord- und Süddeutschland
nachweisen lassen, bestehen Chancen, daß sich für Ost- wie Westdeutschland die
gleichen Steigerungstendenzen für die Immobilienpreisentwicklung einstellen",
sagt Milleker.
Als klares Indiz dafür wertet Milleker unter anderem den Einstieg
internationaler Investoren in den deutschen Markt. "Insbesondere 2004 und 2005
haben Anlagegesellschaften wie Fortress oder Terra Firma dieses Anlagegebiet ins
Visier genommen", sagt Thomas Beyerle, Mitautor der Studie. Er schätzt, zwischen
einem Drittel und der Hälfte der 9,8 Millionen Wohnobjekte, die derzeit in
kommunalem oder gewerblichem Besitz seien, würden in den nächsten Jahren den
Eigentümer wechseln. Gerade bei größeren Paketen werde sich der zu beobachtende
Preisauftrieb vermutlich fortsetzen.
www.wams.de
07.06.2006
Die Zeiten werden schlechter
Das Thema: Kirchenschließungen und Stellenabbau. Gelsenkirchen befindet
sich zehn Kilometer nordöstlich von Essen im Ruhrgebiet. Die gegenwärtig
Situation sei neu. Doch der Stadtdechant verweist auf Parallelen: „In den 50er
Jahren wurde die Christus-König-Gemeinde gegründet. Kein Mensch wollte damals
aus der alten Gemeinde in die neue Kirche: »Unmöglich. Wie sieht denn der Bau
aus. Da gehe ich nie hin«, hieß es.“ Man müsse helfen, Traurigkeit und
Schmerzgrenze zu überwinden.
Dabei sei „ein ganz wichtiger Punkt, daß man da ist und ganz, ganz viel redet.“
„Wenn Sie zum 100. Mal sagen, die Fakten sind jetzt so, dann schauen die Leute
Sie an und sagen: Ja, ich will aber trotzdem so nicht“ – erklärt der
Stadtdechant. Er habe seiner Pfarrei immer gesagt: Leute, die Zeiten werden
schlechter: „Laßt uns darüber nachdenken, wo können wir nicht nur sparen,
sondern wo können wir auch Akzente setzen und wie finden wir ehrenamtliche
Mitarbeiter.“
Nachdenklich zeigt sich der evangelische Superintendent Rüdiger Höcker. Der
evangelische Superintendent Rüdiger HöckerEr geht davon aus, daß in den nächsten
zehn Jahren etwa die Hälfte der evangelischen Kirchen und Gemeindehäuser
entwidmet oder außer Betrieb genommen werden.
Es gehe in der Krise darum, etwas einzuüben, „was wir über Jahrzehnte nicht
haben lernen müssen, nämlich: Kirche auch wieder zurückzubauen, und gleichzeitig
unsere Vision und unser Profil nicht zu verlieren.“ In den Kirchengemeinden
laufe derzeit sehr viel Trauerarbeit: „Besonders deutlich wird das im Rückbau
unserer kirchlichen Gebäude.“ Der Superintendent gibt Zahlen: „1974 gab es in
Gelsenkirchen 199.000 evangelische Gemeindeglieder. Ende 2004 waren wir
111.000.“ Das ist ein Rückgang von fast 45 Prozent. Man habe die Kirchen für
199.000 Gemeindeglieder geplant: „Wir beginnen aber jetzt erst, unsere Gebäude
den Gemeindegliederzahlen anzupassen.“
Superintendent Höcker geht davon aus, daß in den nächsten zehn Jahren etwa die
Hälfte der evangelischen Kirchen und Gemeindehäuser entwidmet oder außer Betrieb
genommen werden:
„Wir achten sehr darauf, daß ein Netzwerk von Kirchen und Gemeindehäusern
erhalten bleibt.“
Die bereits geschlossenen Gebäude werden zum Beispiel an Bildungseinrichtungen
untervermietet oder an Investoren verkauft, etwa um Seniorenwohnanlagen zu
bauen.
Eine letzte Möglichkeit sei auch der Abriß.
www.kreuz.net
07.06.2006
Fulda: An Hausbesitzer fließt Geld
Die Stadt Fulda plant die Ausweisung eines Sanierungsgebietes in der
oberen Florengasse zwischen Dalbergstraße und Künzeller Straße. Dies kündigt
Stadtbaurätin Cornelia Zuschke (parteilos) an.
Das Projekt in dem denkmalgeschützten Straßenzug soll nach ihren Worten in den
kommenden fünf bis zehn Jahren abgewickelt werden. Unterstützt wird die
Sanierung mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Stadtumbau West“. Nach Zuschkes
Angaben ist eine Objektförderung pro Haus in der Straße vorgesehen. Damit
verbunden sei eine erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für bauliche
Investitionen. Außerdem will die Stadt selbst aktiv werden. „Wir wollen den
Straßenraum sanieren, der dies bitter nötig hat, und die Parkplatzsituation
aufwerten“, sagt die Stadtbaurätin.
Diese Zielsetzung verfolgt auch der Masterplan für die südliche Innenstadt. Er
spricht von der Florengasse und der davon abzweigenden Sackgasse Duume als
„unverfälschtem mittelalterlichem Straßenraum“. Als Hindernis für die
Vitalisierung der Straße betrachten die Planer unter anderem die
Einbahnstraßenregelung. Der Masterplan sieht lediglich die Schließung von
Baulücken vor. Die an die Florengasse angrenzenden Gebäude der früheren
Metallwaren-Fabrik Weisensee sollen demnach erhalten bleiben. An der Ecke Duume/Florengasse
soll ein Baum vor der dortigen Gaststätte gepflanzt werden. Aus dem
Bundesprogramm „Stadtumbau West“ fließen 142 000 Euro in die südliche
Innenstadt, wie Regierungsrat Jürgen Frank vom Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung erläutert. Das Land Hessen und die Stadt Fulda geben
jeweils den selben Betrag dazu. Das in diesem Jahr mit 40 Millionen Euro vom
Bund ausgestattete Programm soll nach Franks Angaben Städten helfen, „sich
frühzeitig auf die notwendigen Anpassungsprozesse einzustellen“, die durch den
wirtschaftlichen Strukturwandel und die demographische Entwicklung ausgelöst
werden.
Das mittelalterliche Quartier der Florengasse ist allerdings ein ungewöhnlicher
Teilnehmer an dem Förderprogramm. Es richtet sich nach Franks Angaben zum einen
an Städte im wirtschaftlichen Strukturwandel und zum zweiten an Wohnquartiere,
die in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden.
www.fuldaerzeizung.de
03.06.2006
Kommunale Arbeitsgemeinschaft Regionalpark drängt
auf Gründung eines Zweckverbands
Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft "Regionalpark im Rheingau" (KAG)
schlägt erneut vor, dass die Kommunen bald einen "Zweckverband Rheingau" gründen
sollen. Bis der Zweckverband seine Arbeit aufgenommen habe, soll die KAG Träger
für das hessische Förderprogramm "Stadtumbau" im Rheingau sein, mit dem die
Entwicklung von Gewerbeflächen gefördert werden kann. Alle Vertreter der KAG
haben sich nach Angaben von Bürgermeister Paul Weimann, dem Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft, dafür ausgesprochen, für die Umsetzung des Programms
Unterstützung von Experten hinzuzuziehen: Die Nassauische Heimstätte, Wohnungs-
und Entwicklungsgesellschaft mbH, sei bereits mit der Vorbereitung des
Förderantrages 2006 beschäftigt, der bis 15. Juni eingereicht werden müsse. Bis
2009 könnten im Rheingau 290000 Euro für die Vorbereitung der städtebaulichen
Entwicklung eingesetzt werden. 189000 Euro zahlen jeweils Bund und Land an die
Arbeitsgemeinschaft.
An dem zusätzlichen Eigenanteil von 101000 Euro soll sich jede Mitgliedskommune
mit rund 14500 Euro beteiligen. Die Rheingauer Kommunen wurden bereits im
vergangenen Jahr in das Förderprogramm Stadtumbau aufgenommen. Allerdings sei
noch ein Zusammenschluss nötig, weil die KAG keine juristische Person darstelle.
Deswegen empfehle das Wirtschaftsministerium ausdrücklich die Bildung eines
Zweckverbands, der die besten Voraussetzungen für die Trägerschaft biete. Wie
berichtet, ist der Zweckverband umstritten. Vertreter der SPD und Grünen
favorisieren eher die Bildung eines Vereins.
Die KAG hat als Namen "Zweckverband Rheingau" empfohlen. Weimann weist darauf
hin, dass der Rheingau als eine von nur zwei Kooperationen im Raum Südhessen in
das Förderprogramm aufgenommen werde, und das, obwohl sich ein Drittel aller
Gemeinden in Hessen beworben haben. Deshalb müssten alle Kommunen im Rheingau
weiter an einem Strang ziehen, mahnt er. Das Land lege besonderen Wert auf
kommunale Kooperation, um so Konkurrenz unter den Städten und Gemeinden zu
vermeiden.
Voraussetzung für die Umsetzung des Förderprogramms Städteumbau sei neben einer
Organisationsform ein integriertes, regionales und städtebauliches
Entwicklungskonzept (IRSEK). Dieses Leitbild könne Grundlage für die spätere
Festlegung der Stadtumbaugebiete und die Umsetzung von Maßnahmen sein. Wichtige
Themen seien Gewerbe, Einzelhandel und kommunale Infrastruktur. Um Doppelarbeit
zu vermeiden, soll zunächst die Nassauische Heimstätte vorhandene
Flächennutzungspläne, den Masterplan Regionalpark, das regionale
Entwicklungskonzept Rheingau und andere Daten analysieren.
Für das Förderprogramm werden Daten über Wirtschafts- und Arbeitsmarkt,
Einwohner, Haushalte, Wohnungsbestand sowie -nachfrage, technische und soziale
Infrastruktur, Gewerbeentwicklung und Bauland erhoben. Festgelegt werden sollen
Schwerpunktgebiete für den Stadtumbau sowie Bereiche, in denen die Kommunen
zusammenarbeiten können.
www.wiesbadener-kurier.de
03.06.2006
Stadtumbau Ost stoppte Wohnungsleerstand in Sachsen
vorerst
In den vergangenen fünf Jahren sind in Sachsen nach Angaben der
Sächsischen Aufbaubank (SAB) 50.000 leer stehende Wohnungen abgerissen worden.
Damit konnte der Leerstand aufgehalten werden, sagte SAB-Vorstand Steffen Weber
am Donnerstag in Dresden. Jedoch stünden immer noch 25.5000 Wohnungen im
Freistaat leer. Bis 2013 sollen insgesamt rund 90.000 Wohneinheiten über das
Programm Stadtumbau Ost vom Markt genommen werden. Aus dem Programm standen 105
sächsischen Gemeinden zwischen 2002 und 2005 rund 382 Millionen Euro zur
Verfügung, sagte Weber. Im Landesrückbauprogramm konnten zwischen 2000 und 2005
rund 50 Millionen Euro abgerufen werden. Vielen Kommunen fehlten auf Grund
angespannter Haushaltslage jedoch erforderlicher Eigenmittel. Damit die
Förderungen nicht verfallen, musste rechtzeitig die Übertragung des Geldes auf
künftige Haushaltsjahre beantragt werden, sagte Weber. Pro Kopf wurden seit 2000
im Landesdurchschnitt 101 Euro je Einwohner für den Stadtumbau bereitgestellt.
In von Abwanderung stark betroffenen Orten wie Hoyerswerda waren es 654 Euro und
in Zwickau 374 Euro. Auf das Mietniveau wirkte sich bislang der geringere
Wohnungsbestand noch nicht aus, sagte Weber. Die Nettokaltmieten stagnierten im
Landesdurchschnitt. Über das Programm Stadtumbau Ost trennten sich von 2000 bis
2005 allein die kommunalen Wohnungsgesellschaften von knapp 19000 Wohneinheiten
und über das Landesrückbauprogramm von rund 8000. Ohne den geförderten Abriß vor
allem von Plattenbauten würde der Leerstand im sächsischen Wohnungsbestand bei
rund 24,2 Prozent liegen, sagte Weber. Derzeit liege er bei 16,8 Prozent.
www.sz-online.de
03.06.2006
Rathenow: Neue Nachkriegswunden
Ungeachtet der kritischen Bewertung durch das Ministerium für
Infrastruktur hat die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) damit
begonnen, die Altbauhäuser in der Goethestraße, Ecke Kleine Hagen Straße
abzureißen. Wie berichtet, sind die Gebäude nicht auf der Liste des
Stadtumbaukonzeptes vorgemerkt. Auf dieses Konzept haben sich
Wohnungsbauunternehmen, Vertreter der Stadt und das Land für Rathenow geeinigt,
damit Zuschüsse aus dem Programm "Stadtumbau Ost" fließen können.
Dieses Programm sieht vor, Städte mit starken Abwanderungstendenzen so
umzubauen, dass am Stadtrand leer stehende Wohnungen abgerissen, die
Stadtzentren aber aufgewertet werden.
Bei den Gesprächen zum Stadtumbau für Rathenow wurden die Gebäude in der
Goethestraße vom Infrastrukturministerium als erhaltenswert eingestuft. Zwar
reißt die KWR die Häuser in der Goethestraße auf eigene Kosten ab, dennoch
erwartet man im Infrastrukturministerium, über alle Rückbauprojekte der am
Stadtumbau beteiligten Unternehmen informiert zu werden. Noch ist nicht
entschieden worden, ob das Abrissprojekt Folgen bei der Auszahlung weiterer
Zuschüsse zum Stadtumbau haben wird. Regelrecht sauer reagieren die
Einwohner der Stadt auf den Abriss der Häuser. "Da bleiben Lücken, die wie
Nachkriegswunden aussehen", sagte einer, der die Abbrucharbeiten am Freitag mit
grimmigem Gesicht verfolgte.
www.maerkischeallgemeine.de
03.06.2006
Abreißen als Mittel gegen den Leerstand
Mehr als 5 000 Wohnungen werden bis 2009 in Cottbus abgerissen, 4 400 in
Frankfurt (Oder) und fast 3 000 in Senftenberg in der Lausitz. Allein dabei
verschwindet so viel Wohnraum vom Markt, als würde man drei brandenburgische
Kleinstädte in naher Zukunft dem Erdboden gleich machen. Wegen des riesigen
Wohnungsleerstandes sollen landesweit mehr als 25 000 weitere Wohnungen
verschwinden. Aber selbst das reicht nicht aus, warnte gestern der Verband
Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU): "Der Stadtumbau muss
verstärkt werden, sonst drohen in Brandenburg Siedlungswüsten", sagte
Vorstandsmitglied Ludwig Burkard.
Stadtumbau, das ist die freundliche Umschreibung für die staatlich geförderte
Vernichtung von Wohnungen. 150 Millionen Euro haben Bund und Land seit 2002
dafür in Brandenburg ausgegeben. Bis zum Ende der Programme sollen 55 000
Wohneinheiten abgerissen sein. 60 Euro zahlt die öffentliche Hand den
Wohnungsbesitzern pro abgerissenem Quadratmeter.
Wie es nach 2009 weiter geht, ist offen. Nach den neuesten Bevölkerungsprognosen
des Landesamtes für Statistik sei in 25 Jahren ein Leerstand von fast 300 000
Wohnungen zu erwarten, wenn die Stadtumbauprogramme nicht fortgesetzt würden,
warnte BBU-Vorstand Burkard. "Wer das verhindern will, muss das Abrisstempo
deutlich erhöhen." Der BBU vertritt nach eigenen Angaben 227 Unternehmen mit
einem Bestand von rund 385 000 Wohnungen, in denen etwa ein Drittel der
Brandenburger lebt.
Während die Leerstandsquote im Speckgürtel bei nur 6,1 Prozent liege, drohe in
den Berlinfernen Regionen die Verödung: Mehr als 40 000 Wohnungen (15,6 Prozent)
stehen dort gegenwärtig leer, sagte Burhard. Wären nicht rund 7 000 Wohnungen
allein im Jahr 2005 abgerissen worden, läge die Quote sogar bei 18,3 Prozent.
Zunehmend stünden mittlerweile auch sanierte und teilsanierte Wohnungen leer.
Daraus ergibt sich laut BBU ein neues Problem: Weil sie noch als Sicherheit für
Sanierungskredite dienten, stimmten die Banken dem Abriss solcher Wohnungen
nicht zu. Zu einer kurzfristigen Rückzahlung seien die Unternehmen aber nicht in
der Lage. Deswegen forderte Burkard: "Das Land muss die Kredite mit Bürgschaften
absichern. Sonst droht der Stadtumbau ins Stocken zu geraten." Schließlich gehe
es um lebenswerte, attraktive Städte, ohne die auch keine Wirtschaftsentwicklung
denkbar sei. Doch das Bauministerium erteilte schon gestern eine klare Absage:
"Wir können nicht auf Landeskosten die Banken entlasten", sagte Sprecher Lothar
Wiegand.
www.berlinonline.de
03.06.2006
Wohnungsverband warnt vor Siedlungswüsten
Die märkische Bevölkerung wandert nach Darstellung der brandenburgischen
Wohnungswirtschaft schneller ab als die Unternehmen Häuser abreißen können.
Besonders in den Randregionen des Landes würde sich die Situation dramatisch
entwickeln, sagte das Vorstandsmitglied des Verbands Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen (BBU), Ludwig Burkardt, gestern in Potsdam.
Bisher sei man in den Randgebieten nach einer Studie des Landesumweltamtes von
einem Bevölkerungsrückgang um 320 000 Einwohner bis zum Jahr 2025 ausgegangen.
Damit seien 120 000 Wohnungen überflüssig. Nach neuesten Angaben des
Statistischen Landesbetriebs jedoch würden im so genannten äußeren
Entwicklungsraum bis 2030 mindestens 360 000 Menschen weniger leben als heute.
Dies entspricht nach Berechnungen der BBU rund 150 000 Wohnungen, die zusätzlich
zu den derzeit schon 165 000 leer stehenden Wohnungen nicht mehr benötigt
werden. Trotz geplanter Abrisse belaufe sich der Leerstand in ganz Brandenburg
im Jahr 2030 auf fast 300 000 Wohnungen.
"Wenn der Bund und das Land die Stadtumbaumaßnahmen nicht verstärkt an den
demografischen Wandel anpassen, entwickeln sich in Brandenburg Siedlungswüsten",
warnte Burkardt. Die Abrissplanung des Landes sei völlig unzureichend. So sollen
zwar 55 000 Wohnungen bis 2009 für immer vom Markt verschwunden sein. Die
Wohnungsunternehmen müssten aber auch "weit darüber hinaus" finanziell
unterstützt werden. Diese Einschätzung teilt das Potsdamer Bauministerium.
Sprecher Lothar Wiegand sagte, die Landesregierung dränge den Bund seit Jahren,
das Stadtumbau-Programm Ost unvermindert fortzusetzen.
Die positive Nachricht, die der BBU gestern verkündete: Gerade durch die
Unterstützung mit Fördergeldern von bislang 200 Millionen Euro konnten bis Ende
2005 schon mehr als 22 400 Wohnungen der BBU-Mitgliedsunternehmen abgerissen und
deren Leerstandsquote auf 12,6 Prozent gesenkt werden. Das sei ein deutlicher
Erfolg gegenüber 2004, als die Quote noch 14,1 Prozent betrug. Die
Abrissmaßnahmen seien endlich nicht mehr von Leerstandszuwächsen aufgezehrt
worden, sagte der BBU-Vorstand. Dass das so bleibt, sei angesichts der
Bevölkerungsentwicklung nur möglich, wenn das Abrisstempo deutlich zunehme.
Die Zeit drängt laut Burkardt überall außerhalb des Speckgürtels rund um Berlin.
Von 7000 im Jahr 2005 abgerissenen Wohnungen lagen nur 120 im Berliner Umland.
In den entfernten Regionen hingegen würde ohne die Abrisse schon heute jede
vierte Wohnung allein der BBU-Mitglieder leer stehen. Dem Verband gehören in
Brandenburg 230 Unternehmen mit fast 400 000 Wohnungen an.
www.maerkischeallgemeine.de
02.06.2006
Weiträumige Seltenheit
Die in Hessen aufgenommenen 29 Stadtumbau-Standorte werden in den
nächsten 10 Jahren gefördert. Dazu gehört der Interkommunale Standort
Nordwaldeck mit Bad Arolsen, Volkmarsen, Diemelstadt und Twistetal. Mit einem
Informationsveranstaltung fiel der Startschuss für die Arbeitsgemeinschaft.
Eine Vereinbarung unterzeichneten die Bürgermeister und Stadträte der Kommunen.
Wichtig ist der Nordallianz, dass nichts über die Köpfe hinweg entschieden
werde, sondern dass jeder Ideen einbringen kann und soll. Für alle Kommunen
steht der demographische Wandel und die Erhaltung der Ortskerne vorn auf der
Prioritätenliste.
Sowohl öffentliche als auch private Projekte sollen entwickelt werden. Ein
Konzept dafür soll bis zum Herbst gemeinsam mit dem Planungsbüro ASP Kassel und
der Verwaltung der Wohn-Stadt Kassel erarbeitet werden. Ein Bewilligungsbescheid
über 300 000 Euro für die Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes liegt bereits
vor. Der Bad Arolser Bürgermeister Gerhard Schaller lobte die Zusammenarbeit mit
ASP und Wohn-Stadt.
Hans-Ulrich Plaßmann vom Büro ASP: "Wir signalisieren das Besondere. Ein
Programm des Miteinanders und der Öffentlichkeit. Durch eine breite Beteiligung
kann herausgefunden werden, was in die Zukunft wirkt und verbindet."
In Bad Arolsen wirken bereits Projektgruppen in verschiedenen Themenbereichen
der Stadtentwicklung.
Die Nordwaldecker Bürgermeister stellten den verschiedenen Ausschussmitgliedern
aller Kommunen erste Ideen für den Stadtumbau vor: Twistetal: Seniorengerechtes
Wohnen, Nutzung der Ortskerne, einzelne Teilbereiche einer anderen Nutzung
zuführen. Volkmarsen: Schwerpunkt Bahnhof/Umfeld, Hotel am Sauerbrunnen,
seniorengerechtes Wohnen. Bad Arolsen: Umwidmung der Kaserne zum Biopark
Nordwaldeck, Freizeit- und Naherholungsbereich Twistessee, Leerstände
beseitigen. Diemelstadt: Diemelradweg ausbauen, Sanierung Freibad Wrexen und
Gestaltung des Wohnumfeldes, Umnutzung eines alten Möbellagers. Das entwickelte
Konzept soll in den verschiedenen Gremien beraten und abgestimmt werden.
www.hna.de
02.06.2006
Leipzigs: Vorteile nur für Großvermieter
"Zahlreiche Leipziger müssen in diesen Tagen fassungslos die
schmerzlichen Abbrüche der Häuser Friedrich-Ebert-Straße 81 a/b und Dittrichring
11 mit ansehen. Der Abbruch der Käthe-Kollwitz-Straße 6 scheint unmittelbar
bevorzustehen." So klagt das "Stadtforum Leipzig für behutsamen Stadtumbau" auf
seinen Internetseiten. Viele Prominente wie Erich Loest, Neo Rauch und der erste
Leipziger Nachwende-Planungsdezernent Niels Gormsen sehen es ebenso und reihen
sich in Demonstrationen ein. Schon haben sich dem von Rechtsanwälten und
Architekten angeführten "Stadtforum" mehr als 20 Verbände angeschlossen.
Dabei schien gerade Leipzig prädestiniert zu sein, zum internationalen Modell
für Revitalisierung einer fast schon aufgegebenen Stadtmitte zu werden. Anders,
als Planungsexperten vorausgesagt hatten, anders, als es die Entwicklung in
westlichen Großstädten anzeigt, anders, als es Leerstand und Verfall der
Bausubstanz zu DDR-Zeiten erwarten ließen, ist das Zentrum der Messestadt nicht
verödet, sondern unter Einsatz von 1,6 Mrd. Euro aus Mitteln der Wohnungs- und
Städtebauförderung zu neuem Leben erweckt worden. 40 000 Leipziger kehrten den
Vorstädten den Rücken und kehrten in die Mitte der Stadt zurück - ein singulärer
Fall in der Nachkriegs-Städtebaugeschichte.
Als man im Rathaus vor einem Jahr Bilanz zog, konnte man stolz darauf verweisen,
daß bereits zwei Drittel der Leipziger Gründerzeitsubstanz instand gesetzt und
überwiegend modernisiert seien. Der Beweis für die oft bezweifelte
Konkurrenzfähigkeit sanierter Innenstadtquartiere gegenüber den
Stadtrandsiedlungen schien erbracht. Und die Behörden versicherten: Zentrales
Ziel der Stadt bleibe es, "die Wettbewerbsfähigkeit der Gründerzeitquartiere
weiter zu steigern".
Ein Jahr später setzen viele Leipziger Zweifel in die Aufrichtigkeit dieses
Versprechens. Der Interessenverband der privaten Haus- und Grundbesitzer Haus &
Grund Sachsen vermutet, daß in aller Stille ein Kurswechsel eingeleitet worden
sei. Um das Kapital der großen Leipziger Wohnungsgesellschaft LWB zu retten und
als kreditgewährende und bürgende Eigentümerin nicht selbst von ihr in den
Strudel wirtschaftlicher Schwierigkeiten gezogen zu werden, habe die Stadt ihre
Förderpolitik zugunsten der Großvermieter und der Plattenbaugebiete umgestellt.
"Es scheint der politische Wille in Sachsen zu sein, daß wir alle in der zum
dritten Mal, jetzt altengerecht, sanierten Platte wohnen", grollt Sachsens
H&G-Chef Thomas Ungethüm.
Tatsächlich fällt die Rückbaubilanz der Stadt im größten Leipziger
Plattenbaugebiet Grünau bisher enttäuschend aus. Bei einem Leerstand von 60 000
Wohnungen in Leipzig waren von den 50 000 Wohnungen in Grünau 2004 erst 2500
abgerissen. Parallel wurden 27 Mio. Euro in Stadterneuerung,
Wohnumfeldverbesserung und Quartiersmanagement gesteckt, um die Attraktivität
des Stadtteils gegenüber der Innenstadt zu verbessern.
Dort findet nun laut Thomas Ungethüm "Aufwertung so gut wie nicht mehr statt."
Das Verhältnis von Abriß zu Aufwertung habe sich von ursprünglich vorgesehenen
50:50 auf 80:20 oder gar 90:10 verschoben.
www.welt.de
29.05.2006
Schwarzenberg: sieht Stadtumbau
als Chance
Die Zeit des bloßen Abreißens von
Wohnblöcken ist im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe vorbei. Um dem
Anspruch des Förderprogramms Stadtumbau Ost gerecht zu werden, sollen die
Schwerpunkte künftig auf Teilrückbau und Aufwertung liegen. Das haben Vertreter
der Stadt und der beiden Großvermieter – Wohnungsgesellschaft und
-genossenschaft – in dieser Woche öffentlich bekräftigt.„Den Stadtumbau sehen
wir als Chance für unsere Stadt. Die Grundschule soll umziehen.
www.freiepresse.de
28.05.2006
Königs Wusterhausen: Die ersten Mieter sind da
Ins neue Wohn- und Geschäftshaus der Wohnungsbaugenossenschaft Königs
Wusterhauen in der Heinrich-Heine-Straße 38 b sind die ersten Mieter eingezogen.
Das Ehepaar Christel und Werner Woch machte den Anfang, in den nächsten Tagen
und Wochen folgen ihre künftigen Nachbarn.
Das Haus hat 12 altengerechte Zwei-Raum-Wohnungen, vier davon wurden für
Rollstuhlfahrer eingerichtet. Es gibt auch einen Aufzug, jede Wohnung hat einen
Balkon. Wegen des steigenden Bedarfs an diesen Wohnungen hatte die
Genossenschaft den Bau des Hauses vor zwei Jahren beschlossen. Es wurde nach den
Plänen des Architekturbüro Keller & Riedel aus Eichwalde gebaut. Das
Ingenieurbüro Schoefer aus Wildau plante die technische Ausstattung. Fast alle
Baufirmen kamen aus der Stadt und dem Landkreis. Der erste Spatenstich war im
April 2005, im November wurde Richtfest gefeiert. "Alle Wohnungen konnten
frühzeitig sowohl an langjährige Mitglieder, als auch an Zuzügler vermietet
werden", sagte Vorstandsmitglied Ingeborg Frotscher.
Die Büros in den beiden Etagen des Hauses erhalten gerade den letzten Schliff.
Die Genossenschaft zieht dort mit ihrer Geschäftsstelle ein, am 29. Juni soll
sie eröffnet werden. Auch die Wohnungsgenossenschaft "Fahrt frei" bezieht Büros,
beide Genossenschaften wollen sich zusammenschließen. "Mit dem Neubau ist für
Mitglieder und Beschäftigte der Genossenschaft ein lang gehegter Wunsch
realisiert und ein Zeichen in der Stadt gesetzt worden, dass Stadtumbau
vielfältige Maßnahmen vom Rückbau über Aufwertung bis zum Neubau umfassen kann",
sagte Ingeborg Frotscher
www.maerkischeallgemeine.de
24.05.2006
Wunsiedel: Die Ideen der Bürger sind gefragt
In der Stadt Wunsiedel sollen ein städtebauliches Entwicklungskonzept
und, darauf aufbauend, ein Stadtleitbild erarbeitet werden. An diesem Prozess
sollen die Bürger auf mehreren Ebenen eingebunden werden.
„Städtebauliches Entwicklungskonzept“, „Stadtleitbild“ – noch sind das in
Wunsiedel zwei Schlagworte, die wenig Griffiges bieten und deshalb sehr
theoretisch im Raum stehen. Beide Begriffe gilt es nun, vor deren Umsetzung
zunächst mit Ideen, Vorschlägen und Wünschen zu füllen. Was es mit
städtebaulichem Entwicklungskonzept und Stadtleitbild auf sich hat, das erfahren
die Wunsiedler am Dienstagabend um 20 Uhr bei einer Auftaktveranstaltung in der
Fichtelgebirgshalle. Vorab, als Hinführung zur Thematik, hat im Rathaus ein
Pressegespräch stattgefunden, an dem neben Bürgermeister Karl-Willi Beck auch
zwei Vertreter der von der Stadt beauftragten Planungsbüros teilnahmen, Dr.
Hans-Peter Dürsch von DIS-Institut für Stadtentwicklung in München und Dr.
Manfred Heider vom Büro für Standort-, Markt- und Regionalanalyse in Augsburg.
Anlass für die Ausarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ist die
Aufnahme der Stadt Wunsiedel in das Bund/Länder-Städtebausanierungsprogramm
„Stadtumbau West“. Ausschlaggebend dafür wiederum war die geplante Umgestaltung
des ehemaligen Bahnhofsgeländes. Und Voraussetzung für die Aufnahme in den
„Stadtumbau West“ ist die Erstellung eines städtischen Entwicklungskonzeptes.
Maßnahmen innerhalb des Programms „Stadtumbau West“ werden bis zu 80 Prozent
gefördert. In dieses Konzept sollen Fragen der Stadtentwicklung einfließen, so
etwa der Wohnungsmarkt, der Verkehr, die wirtschaftliche Entwicklung, die Kultur
sowie ökologische Fragen. Das Besondere an diesem Konzept ist: Es soll der
Bevölkerung nicht von oben übergestülpt werden, die Wunsiedler sind vielmehr
angehalten, sich und ihre Ideen einzubringen. Dies soll nach der
Auftaktveranstaltung bei drei so genannten Stadtforen geschehen, die am 21.
Juli, 21. Oktober und am 20. Januar 2007 stattfinden sollen. Als Grundlage für
das erste Stadtforum dienen Analysen, Prognosen und Szenarien zu allen
städtebaulich relevanten Themen, die von den beiden von der Stadt beauftragten
Büros ausgearbeitet werden. Anders ausgedrückt: Die Vorarbeit der beiden Büros
bildet die Diskussionsbasis der Stadtforen. Darüber hinaus kann jeder
interessierte Bürger bei diesen drei Terminen seine Ideen, Meinungen und Wünsche
vortragen. Die Detailarbeit geschieht aber in Bürgerworkshops. Basis dieser
Workshops werden die bereits bestehenden Runden Tische sowie der erweiterte
strategische Ausschuss „Stadtentwicklung, Verkehr, Stadtmarketing und Umwelt“
sein. Wer also intensiv an der Gestaltung seiner Stadt mitwirken möchten, dem
raten die Fachleute Hans-Peter Dürsch und Manfred Heider, an den Workshops
mitzuarbeiten.
www.frankenpost.de
24.05.2006
Rostock: Fördergelder für alte Häuser eingesetzt
Häuser im Sanierungsgebiet Innenstadt wie Am Wendländer Schilde,
Wollenweberstraße 67, Augustenstraße, Stampfmüllerstraße, Mühlenstraße 1-2, Am
Bagehl – vieles soll noch schöner werden, betonte der Geschäftsführer der
Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), Reinhard Wolfgramm. Insgesamt
sind dieses Jahr für die Förderung derartiger Maßnahmen im Sanierungsgebiet 1,5
Millionen Euro veranschlagt. In die Vorhaben dieses Jahres fallen auch
Vorbereitungen für den Bebauungsplan am Gerberbruch, wo zudem bis 2008 die neue
Erschließungs- und Entlastungsstraße Richtung Vorpommernbrücke gebaut werden
soll.
In der Östlichen Altstadt wird der Ostabschnitt der Fischbank mit einer Bauzeit
bis Oktober in Angriff genommen, und in den Wallanlagen soll eine Entschlammung
des Wallgrabens als Ausgleichsmaßnahme zum Straßenbauvorhaben Verbindungsstraße
Schröderplatz – Warnowufer, voraussichtlich ab September erfolgen.
Im Nordwesten und Nordosten der Hansestadt führt die RGS zielstrebig ihre
Maßnahmen fort, die mit den Programm-Stichworten "Die soziale Stadt" und
"Stadtumbau Ost" verbunden sind. Mittel sind beantragt, es wird im Juni mit
einer Entscheidung des Landes gerechnet.
Zu den Maßnahmen gehören die Umgestaltung des Kolumbusringes in Schmarl im 1.
bis 3. Bauabschnitt, der Abbruch der Schule Stephan-Jantzen-Ring 2 in Schmarl,
die Umgestaltung Kleiner Warnowdamm in Groß Klein, ein Geh- und Radweg
Albrecht-Tischbein-Straße in Groß Klein sowie der Festplatz Mühlenwiese in
Toitenwinkel. Ferner möchten Hansestadt und RGS das Quartiersmanagement nach den
Erfolgsmodellen in Schmarl und Groß Klein auch Dierkow und Toitenwinkel
aufbauen. Hier ist man bemüht, über das Förderprogramm "Die soziale Stadt" in
den nächsten Jahren zu guten Ergebnissen zu gelangen. Schwerpunkte sollen
künftig ohnehin Dierkow und Toitenwinkel sein, die Initiatioren rechnen mit etwa
1,5 Millionen Euro, die dorthin fließen
www.svz.de
24.05.2006
Rathenow: Krise in der Abbruchzone
Der bislang weitgehend problemlos verlaufende große Rathenower Stadtumbau ist
unerwartet in heftige Turbulenzen geraten. Hintergrund ist der Abbruch von
Wohnraum im Altbaubestand durch die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Rathenow
(KWR), der im Widerspruch zu dem Stadtumbauvertrag mit dem Brandenburgischen
Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung steht. Das Landesministerium
zeigte sich höchst verärgert über die Vorgänge.
Am Montagabend war es zu einem vom Rathenower Rathaus einberufenen
Krisengespräch gekommen. An diesem nahmen neben Bürgermeister Ronald Seeger und
KWR-Chef Hans-Joachim Richter auch der KWR-Aufsichtsrat und die
Gesellschaftervertreter der Stadtverordneten teil. In dem Gespräch ging es um
den Abbruch von Altbausubstanz in Rathenows Innenstadt, der nicht mit dem
Bauministerium als Fördermittelgeber für den Stadtumbau abgestimmt wurde. Die
fraglichen Gebäude - so in der Goethestraße - würden zwar von der KWR auf eigene
Kosten ohne den Einsatz von Fördermitteln zurückgebaut, befinden sich aber nicht
auf der mit dem Bauministerium abgestimmten Liste zum Stadtumbauprogramm und
wurden vom Ministerium offenbar als erhaltungswürdig eingestuft.
Bürgermeister Seeger will von den Abbrucharbeiten der KWR ebenso überrascht
worden sein wie das Bauministerium, in dem er jüngst mit "Beweisfotos" über den
nicht abgestimmten Abbruch von Altbausubstanz in Rathenow konfrontiert wurde.
Das Ministerium, so Seeger gestern, "fühlt sich hintergangen". Es gebe durchaus
"ernst zu nehmende Drohungen" von Konsequenzen für den Fluss von weiteren
Fördermitteln
Im Bauministerium wertet man die Vorgänge in Rathenow offenbar als klaren
Verstoß gegen den Stadtumbauvertrag. Dieser, so hieß es, basiere auf ein
abgestimmtes Stadtumbaukonzept, in dem Prioritäten festgelegt seien. Wenn
außerhalb des Vertrages Wohnraum abgerissen werde, widerspreche das dem
abgestimmten Konzept.
Wie ernst das Bauministerium den Vorgang nimmt, verdeutlichte gestern Ingrid
Even-Pröpper, Referatsleiterin Stadtumbau im Bauministerium. Even-Pröpper
zufolge werte das Ministerium die Rathenower Vorgänge als "unfreundlichen Akt".
Es sei "außerordentlich ärgerlich, wenn Objekte einfach verschwinden, von denen
man annimmt, dass sie noch da sind". Da die Zusammenarbeit bei dem mit viel
Fördergeld teuer finanzierten Stadtumbau auch etwas mit Vertrauen zu tun habe,
werde sie künftig skeptischer in ihrer Bewertung von Informationen aus Rathenow
sein, so die Referatsleiterin. Die Stadt Rathenow sei bislang bei vielen
Förderprogrammen hervorragend bedient worden. "Das ist aber selbstverständlich
keine Einbahnstraße" so Ingrid Even-Pröpper. Die Frage, ob die Vorgänge
Auswirkungen auf künftige Projekte des Stadtumbaus haben könnten, beantwortete
die Referatsleiterin wie folgt: Rathenow wäre gut beraten, die Vorgänge nicht
auf die leichte Schulter zu nehmen. Nicht bestätigen konnte die
Referatsleiterin, dass ihr Ministerium im Zusammenhang mit den Vorgängen bewusst
mit falschen Informationen aus dem Rathenower Rathaus gespeist worden sei.
Allerdings sei auch noch ein anderes Referat mit dem Rathenower Stadtumbau
befasst. Entsprechende Behauptungen waren im Vorfeld des KWR-Krisengespräches
vom Montagabend aus gut informierten Kreisen erhoben worden. Auch Bürgermeister
Seeger will keine Erkenntnisse über "bewusste Falschinformationen" an das
Bauministerium haben. Die Stadt Rathenow ist nicht nur Fördermittelempfängerin,
sondern auch federführend beim Stadtumbau.
www.maerkischeallgemeine.de
22.05.2006
Wurzen: wirbt als Wunderland
"Überall ist Wunderland. Überall ist
Leben." Wurzens Stadtväter würden sich freuen, wenn der Spruch des berühmtesten
Sohnes, Joachim Ringelnatz, auch auf den eigenen Ort zuträfe. Belebung zumindest
ist willkommen. 2000 Wohnungen stehen leer, jedes fünfte Quartier. Und Wurzen
schrumpft weiter. Derzeit leben hier noch 15.000 Menschen, bis 2020 werden es
wahrscheinlich noch 3000 weniger sein.
Also immer mehr leere Häuser, Verfall, Tristesse? Die Wurzener wollen sich nicht
in diesen Automatismus fügen. Das neue Stadtumbaukonzept, an dessen Endfassung
das Büro für Siedlungserneuerung Dessau gerade feilt, sagt: Sichert, erhaltet
und saniert die prägenden Altstadthäuser - und geht kreativ damit um, dass ein
Teil der Bausubstanz nicht mehr gebraucht wird.
In Wurzen betrifft das nicht die Plattenbauten; dort gibt es kaum Leerstand.
Stattdessen bröckeln Häuser aus den 20er und 30er Jahren. Wo sie verschwinden,
sollen die Flächen als "grüne Trittsteine" genutzt werden, schlagen die Planer
vor. Das erste größere Projekt, ein Grün-Boulevard an der Goethestraße, wird
vielleicht bald in Angriff genommen. Und da sind noch mehr Ideen, die sich
Experten und Bürgerschaft in mehreren öffentlichen Foren gemeinsam erarbeitet
haben. Unansehnliche Giebel könnten mit alten Wurzener Teppichmustern oder mit
Zitaten von Ringelnatz bemalt werden. Der erste trägt inzwischen Ringelnatzens
Wunderland-Spruch. Die Freifläche davor, auf der vor ein paar Monaten noch ein
Wohnhaus stand, wird jetzt begrünt. So lasse man alte Raumkanten fortleben,
setze Blickpunkte und wuchere mit Wurzener Pfunden, erläutert Stadtplaner Thomas
Fischer.
Die Initiatoren möchten damit die Bürger der Stadt ins Boot holen und auch
überregional auf sich aufmerksam machen. Unter Beobachtung steht Wurzen ohnehin.
Im sächsischen Innenministerium sind die Umbaukonzepte wohlwollend zur Kenntnis
genommen worden. Wurzen zeige brennglasartig die Probleme, die es in einer
Vielzahl von Städten ähnlicher Größe gibt, sagt Michael Köppl, Chef des
Wohnungsreferats im Innenministerium. Ein Pilotprojekt hat die Staatsregierung
sogar schon finanziert: Marta Doehler-Behzadi vom Leipziger Büro für urbane
Projekte moderierte über mehrere Monate hinweg die ersten Schritte des Umbaus in
der Ostvorstadt, machte eine Bestandsaufnahme, erkundete die Interessen der
Beteiligten und brachte die Akteure zusammen. Eine Erkenntnis daraus: "Man muss
die Eigentümer für den Prozess gewinnen." Dafür solle jetzt ein Umbaukoordinator
in Wurzen eingesetzt werden. Die Kommune hofft bei der Finanzierung der Stelle
auf finanzielle Hilfe vom Freistaat; die Entscheidung dazu steht aus.
www.dnn-online.de
22.05.2006
Weißenfels: übt Stadtumbau
In die halb abgeräumte Weißenfelser Innenstadt soll wieder Leben
einziehen. Geplant ist eine Reihenhauszeile für zehn junge Familien, daneben ein
Altersheim mit 48 Plätzen. Sogar auf der Höhe der Zeit will man sein und die
Wohnhäuser mit einem "Niedrigenergie"-, das Heim mit einem "Wohngruppen"-Konzept
bauen. Ansehnliche Summen fließen in diese Vorhaben: Die Wohnungsbaugesellschaft
WBG investiert 1,85 Millionen, das Deutsche Rote Kreuz drei Millionen Euro.
Das Vorhaben hat fast schon Modellcharakter für den vielberedeten Stadtumbau.
Denn der Bauplatz in zentraler Lage ist das Ergebnis des jahrelangen Niedergangs
der Altstadt mit dem Verlust ganzer Straßenzüge aus dem Barock. An deren Stelle
versucht man nun den Neuanfang mit genau dem Klientel, in dem Theoretiker den
letzten Rest Zukunftschance für die "Schrumpfenden Städte" sehen: bodenständige
junge Familien (wenige) und Senioren (viele).
Für deren Ansiedlung ist man zunehmend bereit, Altbauten zu opfern, um
vorstädtische Lebensqualität ins Zentrum zu übertragen. Auch die
Städtebauförderung wird auf dieses Ziel ausgerichtet. Im Fall Weißenfels kommen
30 Prozent der Investitionssumme der Reihenhäuser, 13 Prozent beim Altenheim,
aus entsprechenden Töpfen. Bevor man fragt, ob das der richtige Weg ist, wird
man zurückschauen auf die Ursachen für den Niedergang der Altstadt von
Weißenfels.
Die Gründe - Bevölkerungsverlust und Arbeitsplätzemangel - sind nicht
ortsspezifisch. Warum aber scheint es, als sei hier weniger saniert und mehr
abgerissen worden als anderswo? Antworten gibt es etliche. Eine banausenhafte
Verwaltung verkenne den Wert der Häuser, hört man aus dem Altstadtverein - und
man merkt, dass der Streit stark auf einer persönlichen Ebene geführt wird.
Andere wissen, dass die Altstadt am Durchgangsverkehr litt. An die spekulativ
aufgekauften Restitutionsansprüche der Nachwendejahre erinnert Stadtrat Martin
Neumann, zugleich Vorstand der WBG, und Oberbürgermeister von 1990 bis 1992:
"Als die Wirtschaft einbrach, blieben die Häuser liegen und verfielen."
www.mz-web.de
19.05.2006
Stadtumbau Ost stoppte Wohnungsleerstand in Sachsen
vorerst
In den vergangenen fünf Jahren sind in Sachsen nach Angaben der Sächsischen
Aufbaubank (SAB) 50.000 leer stehende Wohnungen abgerissen worden. Damit konnte
der Leerstand aufgehalten werden, sagte SAB-Vorstand Steffen Weber am Donnerstag
in Dresden. Jedoch stünden immer noch 25.5000 Wohnungen im Freistaat leer. Bis
2013 sollen insgesamt rund 90.000 Wohneinheiten über das Programm Stadtumbau Ost
vom Markt genommen werden.
Aus dem Programm standen 105 sächsischen Gemeinden zwischen 2002 und 2005 rund
382 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Weber. Im Landesrückbauprogramm konnten
zwischen 2000 und 2005 rund 50 Millionen Euro abgerufen werden. Vielen Kommunen
fehlten auf Grund angespannter Haushaltslage jedoch erforderlicher Eigenmittel.
Damit die Förderungen nicht verfallen, musste rechtzeitig die Übertragung des
Geldes auf künftige Haushaltsjahre beantragt werden, sagte Weber.
Pro Kopf wurden seit 2000 im Landesdurchschnitt 101 Euro je Einwohner für den
Stadtumbau bereitgestellt. In von Abwanderung stark betroffenen Orten wie
Hoyerswerda waren es 654 Euro und in Zwickau 374 Euro. Auf das Mietniveau wirkte
sich bislang der geringere Wohnungsbestand noch nicht aus, sagte Weber. Die
Nettokaltmieten stagnierten im Landesdurchschnitt.
Über das Programm Stadtumbau Ost trennten sich von 2000 bis 2005 allein die
kommunalen Wohnungsgesellschaften von knapp 19000 Wohneinheiten und über das
Landesrückbauprogramm von rund 8000. Ohne den geförderten Abriß vor allem von
Plattenbauten würde der Leerstand im sächsischen Wohnungsbestand bei rund 24,2
Prozent liegen, sagte Weber. Derzeit liege er bei 16,8 Prozent.
www.sz-online.de
16.05.2006
Land soll Stadtumbau mehr fördern
Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) in Sachsen hat
den stärkeren Einsatz von Bundesgeldern für den Stadtumbau gefordert. "Wir haben
jedoch die Sorge, dass der Freistaat damit nur Haushaltssanierung betreiben
will", erklärte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Margitta Faßl, gestern
vor Journalisten in Dresden. Das Abfinanzierung alter Programme gehe aber zu
Lasten neuer Investitionen.
Hintergrund der Debatte sind die Folgen der Förderalismusreform. Nach den
Angaben des Verbandes will der Bund ab 2007 die Verantwortung für die soziale
Wohnraumförderung auf die Länder übertragen. Bisher hat er sich mit 50 Prozent
an entsprechenden Landesprogrammen beteiligt. Als Kompensation überweist der
Bund in den nächsten Jahren jeweils 518 Millionen Euro an die Länder, auf
Sachsen entfallen davon 60 Millionen.
Diese Gelder müssten in neue Förderprogramme für den Stadtumbau fließen,
forderte Faßl. Nur so sei es möglich, den Wohnungsbestand an die demographische
Entwicklung anzupassen. Durch eine Zweckbindung sollten senioren- und
familiengerechte Wohnungen mit bezahlbaren Mieten garantiert werden.
Laut vdw hätten Bund und Land bislang jeweils 30 Millionen Euro jährlich für den
Bereich bereitgestellt. Damit sei jedoch zum überwiegenden Teil der Abriss von
Wohnungen unterstützt worden. Neben der Anpassung an die durchschnittlich immer
älter werdende Bevölkerung bräuchten die Wohnungsunternehmen - der vdw vertritt
144 kommunale Gesellschaften mit etwa 390000 Wohnungen - auch Unterstützung, um
die Umzüge der vom Wohnungsabriss betroffenen Mieter sozialverträglich gestalten
zu können.
"Ein Teil der Mittel werde zur Abfinanzierung der bisherigen mischfinanzierten
Wohnungsbauförderprogramme benötigt", erklärte das Innenministerium gestern auf
DNN-Anfrage. Aus den verbleibenden Mitteln wäre die Auflage neuer
Förderprogramme zur Unterstützung des Stadtumbaus vorstellbar. Die
konzeptionellen Überlegungen gehen dabei nach Ministeriumsangaben in Richtung
Eigentumsförderung, energetische Sanierungen sowie alten- und
behindertengerechter Umbau von Wohngebäuden im Bestand.
www.dnn-online.de
16.05.2006
Rochlitz: Von Kommunalpolitik „maßlos enttäuscht“
Mieter-Initiative Obere Lindenbergstraße schickt offenen Brief an
Rochlitzer Stadträte
Die Zeit des Wartens auf eine Entscheidung ist für die Mieter der städtischen
Wohnblocks auf der Oberen Lindenbergstraße ein unerträglicher Zustand. Klaus
Ebert
Rochlitz (fp). Rochlitz. In diesem offenen Brief hagelt es massive Kritik an der
bisherigen Verfahrensweise. Die Mieter wollen es nicht hinnehmen, wie bisher mit
ihren Vorschlägen für einen möglichen Erhalt dieser Plattenbauten umgegangen
wurde.
„Unsere bisherigen Angebote zur demokratischen Mitwirkung bei der Realisierung
des Programms Stadtumbau Ost wurden Ihrerseits nicht nur nicht genutzt, sondern
missachtet und abgewertet“, heißt es in diesem Schreiben.Die Mieter-Initiative
hatte im Februar mehrere Vorschläge und Konzepte zur Umnutzung der Gebäude
unterbreitet, doch diese seien „nicht einmal mit der Mieter-Initiative,
geschweige denn mit den Bürgern von Rochlitz offen und ehrlich diskutiert“
worden, so ihr Vorwurf.
www.freiepresse.de
13.05.2006
Wittenberge: Studenten erkunden Stadtumbau
Warum ist der Anteil leerer Wohnungen im Zentrum größer als in den
Altneubaugebieten? Liegt es an der Sanierung, an konzeptionellen Ansätzen oder
daran, dass über Jahrzehnte Strukturen gewachsen sind, die sich nicht von heute
auf morgen ändern? Ob die angehenden Diplomgeografiker bzw. Geografielehrer
gestern auf diese Fragen bis ins Detail hinein schlüssige Antworten fanden, ist
nicht zu sagen. Fakt aber ist, die jungen Leute von der Universität in Jena
haben mit ihrem Exkursionsbesuch in Wittenberge an Erkenntnissen über den
Stadtumbauprozess dazu gewonnen. "Nein, wir sind nicht auf der Suche nach dem
schlechten Beispiel, suchen in der Praxis nicht nach Bestätigungen dafür, was in
Medien bundesweit über Wittenberge zu lesen ist", sagt Gruppenleiterin
Diplomgeografin Kerstin Munsel. Die Studenten sind auf einer fünftägigen Tour
quer durch Brandenburg. Was sie in der Theorie gelernt haben, wird an der Praxis
gemessen und auch umgekehrt. Nicht immer gibt es Übereinstimmung. "Das sehe wir
hier", sagt eine der Studentinnen.
Gängige Lehrmeinung sei, dass die Leute, wenn eine Stadt im Schrumpfen begriffen
ist, von den Außenbezirken in die Innenstadt ziehen. Im hiesigen
Jahnschul-Viertel mitten in der Stadt stehen aber 45 Prozent der Wohnungen leer.
In der alten AWG sind es bedeutend weniger. Liegt es daran, dass in den
Neubaugebieten nach der Wende zuerst Wohnungen modernisiert wurden? Petra Lüdke
vom hiesigen Sanierungsträger BIG Städtebau gab wie auch Jürgen Buck vom
Stadtbauamt umfassende sach- und fachkundige Auskunft zum Stadtumbauprozess.
Petra Lüdke konnte beispielsweise darauf verweisen, dass in der Altstadt schon
1991 die Sanierung begann. In diesem Wittenberger Stadtteil mit seinen 300
Wohnungen sind sehr viele Quartier anspruchsvoll saniert, die Straßen in
Ordnung.
www.svz.de
12.05.2006
Frankfurt (Oder): Es drohen Stadtteile zu
verschwinden
Frankfurt (Oder) schrumpft und das treibt die Bürger auf die Barrikaden.
Plant man im Rathaus doch jetzt einen flächenhaften Abriss von Wohnungen, ganze
Stadtteile drohen zu verschwinden. Die dort lebenden Frankfurter wollen sich
jedoch nicht einfach vertreiben lassen. Sie wurmt vor allem, dass die
Stadtverwaltung die Wünsche von Betroffenen nicht einmal erfragt hat, bevor sie
ein entsprechendes Umbaukonzept erarbeitete.
Geburtenrückgänge und der verstärkte Wegzug haben die Einwohnerzahl seit der
Wende um 24 000 auf aktuell 63 000 sinken lassen. Im Jahr 2020 werden laut
Prognosen in Frankfurt nur noch 54 000 Menschen leben. Zurück bleiben leere
Wohnungen in Größenordnungen. Etwa 3600 Plattenbauten wurden bereits abgerissen,
dennoch klagen die beiden größten Frankfurter Wohnungsunternehmen noch immer
über einen Leerstand von über 20 Prozent. Der dramatische Bevölkerungsrückgang
in Frankfurt hat die ursprünglichen Planungen quasi überholt. Hatte man sich bis
dato auf den Abriss ausgewählter, unsanierter Plattenbauten konzentriert, sollen
laut dem aktualisierte Stadtumbaukonzept, selbst Häuser verschwinden, die
bereits aufwändig modernisiert wurden und in denen es kaum Leerstand gibt. Um
7600 Wohnungen wird demnach der Bestand der beiden großen Unternehmen bis 2010
„reduziert“.
Vor allem für ältere Leute gibt es demnach zu wenige sanierte Häuser mit
Fahrstuhl oder aber Quartiere in unteren Etagen. Verunsicherte Mieter fordern
verbindliche Auskünfte, ein Mitspracherecht bei der Stadtentwicklung und
Konzepte, die nicht noch mehr Einwohner vergraulen. In Neuberesinchen wurden
bereits tausende Unterschriften gesammelt, Widerstand gegen den Abriss eines
infrastrukturell intakten Stadtteils mit allein 7000 Plattenbauwohnungen ist
angekündigt.
www.lr-online.de
09.05.2006
Wittenberge: Statt Abriss mehr Aufwertung
Seit 1992 beteiligt sich Wittenberge an der Stadterneuerung – auch 2006
stehen diverse Vorhaben im Rahmen des Stadtumbau Ost auf dem Plan. In diesem
Jahr sollen ca. 1,96 Millionen Euro investiert werden, um öffentlichen Raum und
Bausubstanz aufzuwerten, aber auch zurückzubauen.
Laut Empfehlung des Bund-Länder-Programmes Stadtumbau Ost sollen die
Investitionen zur Hälfte in Aufwertungs- und zur anderen Hälfte in
Rückbaumaßnahmen fließen. "Wir werden 2006 aber den Großteil für die Aufwertung
und nur rund 12 Prozent für den Rückbau ausgeben", sagt Hubert Mackel vom
städtischen Bauamt.
Zu den diesjährigen Stadtumbauprojekten, mit denen öffentlicher Raum aufgewertet
werden soll, gehören die Sanierung des unteren Teils der Bahnstraße, die
Gestaltung des Altstadtzugangs (Kirchstraße), die Befestigung eines Abschnittes
der Neuhausstraße (zwischen Schiller- und Goethestraße) sowie die
Stadtbeteiligung am Bahnhofsumbau mit 190000 Euro. Gerade gestern ging die
Baugenehmigung für das Haus Poststraße 1 bei der Stadtverwaltung ein, berichtet
Hubert Mackel. Neben dem Gebäude sollen 2006 auch die Bossestraße 3 und 4, die
Goethestraße 10 bis 12 sowie die Müllerstraße 7 saniert werden. Im
Jahnschulviertel würden einige Gebäude zunächst bestandsgesichert, das heißt,
unter anderem mit neuen Dächern versehen. Die Objekte sind städtebaulich
unverzichtbar, begründet Hubert Mackel. Aber zum Teil bestünden noch
Restitutionsansprüche, daher sei unklar, wann die Häuser saniert werden können.
"Als großen Erfolg werten wir auch den fast beendeten zweiten Bauabschnitt an
der Ölmühle, da wir dieses Objekt dadurch langfristig erhalten werden", so
Mackel.Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wittenberge (WGW) wird 2006 das
selbst gesteckte Ziel, 1100 der 2400 im Wittenberger Stadtumbau-Konzept
vereinbarten Wohnungen abzubrechen, fast erreichen. Nach Jahresfrist werden mehr
als 90 Prozent des Solls erfüllt sein, so WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn.
In diesem Jahr sollen 60 Wohnungen abgerissen werden. "Deutlich zu wenig",
urteilt Diehn. 300000 Euro wird das Vorhaben kosten. "Mehr können wir allein
nicht leisten."
Vor kurzem ließ die WGW zwei Wohngebäude in der Sandstraße/Müllerstraße (wir
berichteten) abbrechen. Noch aus dem Finanzvolumen 2005 werden Nacharbeiten an
dem Abrissareal Lenzener Straße (vier Häuser) und in der Bürgerstraße
vorgenommen, so Torsten Diehn. In den Plattenbauten der WGW dagegen sei
gegenwärtig kaum Leerstand zu verzeichnen und bestehe daher derzeit kein
Abrissbedarf.
Problematisch aber auch: Seit Beginn dieses Jahres haben sich die Bedingungen
für den Stadtumbau Ost verschlechtert. Der Fördermittelzuschuss von 60 Euro pro
Quadratmeter wurde eingeschränkt, wird nur noch für Altschulden-belastete
Wohnungen gezahlt. Das erschwert auch die Vorhaben der WGW, so Diehn. Dennoch,
die WGW wird 2006 nicht nur abreißen. Zu ihren Sanierungsobjekten gehört die
erwähnte Goethestraße (Nummern 10 bis 12) mit 24 Wohneinheiten. In den
Erdgeschossen sollen sechs behinderten- und altengerechte Wohnungen entstehen.
Von den 51 denkmalgeschützten Gebäuden in Obhut der WGW seien seit 1996 rund 85
Prozent saniert worden, meist ohne Fördermittel, so Diehn. Darunter waren Häuser
in der Tivoli- und der Steinstraße. Im Jahnschulviertel gestalte sich die
Sanierung schwieriger, da dort für drei Viertel der Gebäude
Restitutionsforderungen bestanden bzw. bestehen.
"Wenn ein Wohngebäude keinen Mieter mehr findet und es städtebaulich nicht
wertvoll ist für die Umgebung, in der es steht, muss es abgerissen werden", sagt
Diehn. Nur wenn der Leerstand reduziert werde, seien nachhaltige Mieten zu
erzielen und damit die Stadt langfristige lebenswert zu gestalten.
Im Hinblick darauf muss sich Diehns Meinung nach die Wittenberger Bevölkerung
künftig im Stadtkern konzentrieren. Wittenberge sei über einen langen Zeitraum
gewachsen und flächenmäßig stark ausgedehnt. Bei sinkenden Einwohnerzahlen und
resultierendem Leerstand vielerorts gehe auf Dauer Wohnqualität verloren
www.svz.de
06.05.2006
Chemnitz: Einer Stadt die Zähne herausgebrochen
Allem Anschein nach genießt die "Bürgerstadt" in der Stadtmitte weniger
Fürsorge. Ob auf dem Sonnenberg, im Schloß- oder Lutherviertel oder in den von
Bomben unversehrt gebliebenen Zentrums-Quartieren - überall rücken Bagger
Altbauten zuleibe. "Haben Sie aus den Fehlern des Nachkriegsdeutschlands und der
Betonwut der siebziger Jahre nichts gelernt?", insistiert Wahl. Besonders
verärgert zeigt sich der Chemnitz-Fan über die Strategie des Verhackstückens.
Geschlossene Häuserzeilen würden "unterbrochen, abgebrochen, zerbrochen". Und
für was, fragt der Schwabe? "Für Imbißstände, Autoabstellplätze, bereinigte
Bilanzen?"
Das wollen viele Chemnitzer nicht mehr hinnehmen. Als im Januar ein prachtvolles
Haus an der Zschopauer Straße zum Abriß freigegeben wurde, mußte sich die
Amtschefin langer Berichte in der Lokalpresse und öffentlicher Kritik erwehren.
Denn der Bau, laut Architekt Frank Kotzerke in einem "guten Erhaltungszustand,
ausgestattet mit prächtigen Jugendstilplastiken, ... die hellgelbe
Klingerfassade gegliedert durch rötliche Gewände und Bögen aus Freiberger
Porphyr, von eisernen Fensterbrüstungen in floralem Dekor und Risaliten mit
aufgesetztem Schaugiebel", war auch ein prominentes Chemnitzer Künstlerdomizil.
Heute gähnt dort ein zugiges Loch. Welchem "Stadtentwicklungskonzept" mußte das
Gebäude weichen, fragt Wahl: "Dem ,Mut zur Lücke'? Der Leere der nächsten
Hauswand? Den Tränen der Ex-Bewohner, deren Erinnerungen ausgelöscht werden?"
Vermutlich etwas Banalerem: Dem Geschäftsinteresse der Eigentümerin, der
Chemnitzer Wohnungsgesellschaft GGG. Und da schließt sich der Kreis: Als
Aufsichtsratsvorsitzende fungiert dort jene Frau, die als Baubürgermeisterin den
Stadtumbau dirigiert. "Ausgereichte Fördermittel zum Stadtumbau dienen nicht als
Instrument aktiver Steuerung der Stadtentwicklung, sondern zur wirtschaftlichen
Stärkung der Großvermieter in einer Phase der Schrumpfung", kritisiert der
Präsident von Haus & Grund Sachsen, Thomas Ungethüm, Sachsens Förderpolitik.
Dadurch werde dem Stadtumbau in eine bestimmte Richtung gedrückt: "Nicht ,von
außen nach innen' wird rückgebaut, sondern immer mehr verfällt städtebaulich
wertvolle Substanz im zentrumsnahen Bereich. Um Plattenbauten an der Peripherie
wird ein Bogen gemacht."
Ein Opfer dieses Strategiewechsels ist auch Wahl. Er wollte das gefährdete
Künstlerhaus selbst kaufen und herrichten, holte sich aber bei der GGG eine
blutige Nase. "Wir sanieren seit zehn Jahren Häuser in Chemnitz. Unsere Käufer
kommen von weit her. Wir argumentieren mit der Geschichte, der herrlichen
Baukultur und der Zukunft dieser hochinteressanten, facettenreichen Stadt",
argumentierte der Immobilienkaufmann. Umsonst. Der Abriß war lukrativer. Für
jeden Quadratmeter beseitigten Wohnraums streicht die GGG 60 Euro Fördermittel
ein.
www.welt.de
03.05.2006
Magdeburg: Letzter Hochhaus-Abriss Mitte Mai
In Magdeburg verschwinden immer mehr Hochhäuser von der Bildfläche. Nach Angaben
der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ist in den vergangenen Jahren jeder
dritte 16-Geschosser abgerissen worden. Der vorerst letzte Abriss soll Mitte des
Monats beginnen. Die Kosten dafür
beliefen sich auf etwa 500.000 Euro. Mitte der 70er Jahre waren 25 Hochhäuser
gebaut worden. Die Stadt geht davonn aus, dass zurzeit etwa 30.000
Plattenbau-Wohnungen leer stehen.
Das Unternehmen will allein in diesem Jahr im Rahmen des Stadtumbaus Ost mehr
als 1.000 Wohnungen vom Markt nehmen.
www.mdr.de
03.05.2006
22.000 leere Wohnungen in Thüringen abgerissen
In Thüringen sind seit der Wende fast 22.000 leere Wohnungen abgerissen worden.
Darüber informierte Bauminister Trautvetter bei einer Tagung des Deutschen
Städte- und Gemeindebundes. Trautvetter sagte, hätte es diese Abrisse im Rahmen
des Programms Stadtumbau Ost nicht gegeben, stünde jetzt jede fünfte Wohnung in
Thüringen leer. Noch immer gebe es im Freistaat aber 40.000 leere Wohnungen. Das
entspreche einer Quote von gut 14 Prozent.
www.mdr.de