Newsticker Archiv November 2. Hälfte 2002
30.11.2002
Berlin: Marzahn - Mieterflucht verändert Kieze
Der ehemalige Ostteil Berlins kämpft wie die
meisten Kommunen in den neuen Bundesländern mit dramatischen Veränderungen. Die
Bevölkerungszahl sinkt in vielen Kiezen, die Altersstruktur verschiebt sich.
Konsequenz: Vor allem in den Plattenbausiedlungen Marzahn, Hellersdorf,
Lichtenberg und Hohenschönhausen stehen bereits zahlreiche Wohnungen, aber auch
Schulen und Kindertagesstätten leer.
Auch für zehn Gebiete im Osten Berlins wurden Umbau-Konzepte erarbeitet und
eingereicht. Dazu gehören Buch, die Pankower Neumannstraße, Alt- und
Neu-Hohenschönhausen, der Fennpfuhl, Friedrichsfelde, Ostbahnhof Nord,
Marzahn-Hellersdorf, die Sanierungsgebiete in Prenzlauer Berg und das Gebiet um
das Ostkreuz.
Für die Umsetzung der Umbau-Ideen werde das Land Berlin zunächst von 2002 bis
2006 insgesamt 23 Millionen Euro bereit stellen. Dabei seien zehn Millionen Euro
für die Aufwertung und 13,5 für den Rückbau vorgesehen.
Allein im größten Entwicklungsgebiet in Marzahn-Hellersdorf «wäre der Rückbau
von bis zu 8000 Wohnungen ratsam». Das geht aus dem Umbau-Konzept für diesen
Bereich hervor, das beim Bundeswettbewerb mit einem 1. Platz ausgezeichnet
worden war. In den Großsiedlungen sanken die Einwohnerzahlen in den
zurückliegenden sechs Jahren um mehr als 22 Prozent. Setzt sich dieser Trend
fort, werden in naher Zukunft 14 Grundschulen, neun Oberschulen und 13 Kitas
nicht mehr gebraucht, mit 17 000 leer stehenden Wohnungen muss gerechnet werden.
www.morgenpost.de
28.11.2002
Ost-Bauminister für stärkere Entlastung von
Wohnungs-Altschulden
Die Wohnungsunternehmen in den neuen Ländern
müssen nach Auffassung der ostdeutschen Bauminister bei Abrisswohnungen stärker
von Altschulden entlastet werden. Der Stadtumbau müsse zudem in den Solidarpakt
II aufgenommen und beschleunigt werden, forderten die Bauminister von
Sachsen-Anhalt und Brandenburg, Karl-Heinz Daehre (CDU) und Hartmut Meyer (SPD)
am Mittwoch nach einem Treffen mit ihren Amtskollegen in Berlin
www1.sachsen-anhalt.de
25.11.2002
Altentreptow: 70 Wohnungen im GWA leer
Der Lenkungsgruppe, die das Konzept zur
integrierten Stadtentwicklung (ISEK) jüngst den Stadtvertretern vorstellte,
gehört auch der Geschäftsführer des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens
Altentreptow (GWA) an. Dass die in der Grobanalyse festgehaltenen Ergebnisse -
insbesondere was die Empfehlungen zum Rückbau von Wohnungen betrifft
Mieter des GWA und der Wohnungsgenossenschaft beschäftigen und teilweise auch
beunruhigen würden.
Das Lenkungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Dehne von der
Planungsgruppe Stadt und Dorf hat angesichts der demografischen Entwicklung bis
2015 vorgeschlagen, langfristig in der Westphal- und Friedenstraße mit dem
sanften Rückbau von 50 Wohnungen zu beginnen.
In der Friedenstraße hat das GWA gegenwärtig vier und in der Westphalstraße fünf
Wohnungen ohne Mieter. Nach Angaben der Lenkungsgruppe gibt es in der gesamten
Stadt einen Überschuss von rund 300 Wohnungen. Rückbau könne nur im
gemeinsamen Miteinander von GWA und Wohnungsgenossenschaft betrieben werden
www.nordkurier.de
24.11.2002
Erfurt: Abrisskräne drehen sich nun auch am Roten
Berg
Am Julius-Leber-Ring 9 bis 10 haben die
Abbrucharbeiten begonnen. In ein paar Wochen wird von dem fast 80 Meter langen
Elfgeschosser, der seit 1979/80 Heimstatt für 165 Familien war, nichts mehr
übrig sein. Und auch dem benachbarten "Wohnriesen" ist im nächsten Jahr das
gleiche Schicksal sicher, gibt es doch auch in seinen Mauern kein Leben mehr.
Schon im Sommer 2003 soll eine Grünfläche die Baugrube bedecken, werden Büsche
und Bäume dort Wurzeln schlagen können.
Die Situation in Erfurt ist bekannt: Tausende Wohnungen stehen leer. Der Rote
Berg ist dabei mit am schlimmsten betroffen, teilweise sind die Häuser zur
Hälfte leer. Das bringt auch für die Wohnungsunternehmen große finanzielle
Belastungen mit sich. Der so genannte Masterplan der Stadt Erfurt
garantiert durch einen gezielten, abgestimmten Stadtumbau, dass leere
Fensterhöhlen die Wohnquartiere künftig weniger verunstalten.
Die WBG Zukunft eG ist nun eines der ersten Unternehmen, das nach gründlicher
Analyse, Vorbereitung, Planung und Ausschreibung im Oktober mit den
Abrissarbeiten begonnen hat - wobei allererste Voraussetzung der 100-prozentige
Freizug der Gebäude war. Dazu gab es in der Genossenschaft ein Umzugsmanagement,
bei dem mit jedem Bewohner umfassende Gespräche geführt und Unterstützung der
verschiedensten Art gewährt wurde. Alle umgesetzten Familien haben neuen
Wohnraum bezogen, die meisten in sanierten Wohnungen der eigenen Genossenschaft.
www.thueringer-allgemeine.de
22.11.2002
Leipzig: Wohnungsgigant LWB freut sich über
Verlust von zehn Millionen Euro
Das stadteigene Wohnungsunternehmen hat im
Vorjahr ein Minus von zehn Millionen Euro erwirtschaftet. Nach einem Fehlbetrag
von 155 Millionen Euro ist das ein gutes Ergebnis.
Hauptgrund für die roten Zahlen sind Rückstellungen für "Vermietungsrisiken":
Während im Jahr 2000 rund 95 Millionen Euro zurückgelegt wurden, ließ Beck 2001
erneut 30 Millionen Euro zurückstellen und nahm dafür am Jahresende ein Minus
von 10,905 Millionen Euro in Kauf.
Begründet werden diese beiden radikalen Einschnitte mit der wachsenden Zahl leer
stehender Wohnungen. Vor allem in den unsanierten und teilsanierten Häusern
steigt der Leerstand in atemberaubendem Tempo. Wenn diese Verlustbringer nicht
bald eliminiert werden, könnte die LWB in einer steigenden Kostenflut ertrinken,
heißt es im Unternehmen.
www.lvz-online.de
22.11.2002
Altentreptow: Wohnungsmarkt auf dem
Prüfstand
Neben einer Bestandsaufnahme wurde den Abgeordneten gleichzeitig auch
Prognosen über die künftige Einwohnerentwicklung dargelegt. Seit 1989 hat Altentreptow rund 15 Prozent seiner Bürger verloren.
Doch habe der Abwanderungsprozess bereits in den 80-er Jahren begonnen. "Der
Rückgang ist somit kein typisches Wendeergebnis", sagte Dehne. Auffallend sei,
dass vorwiegend junge Leute im Alter zwischen 20 und 35 Jahren abwanderten. Die
fehlen nun, um für den Zuwachs zu sorgen. Pro Jahr verlassen 70 bis 80 Leute die
Kleinstadt . Die Bis 2015 werden weitere 400 bis 1200 Städter Altentreptow
verlassen haben und die Zahl der Haushalte wiederum um 130 bis 370 sinken. Junge
Familien werden fehlen aufgrund der niedrigen Geburtenjahre. Es wird deutlich
mehr über 45-jährige Städter geben.
In der Stadt stehen derzeit rund 300 Wohnungen leer, dies vorrangig in den
Altbaubeständen. Allein in den "Platten" sind 110 Wohnungen ohne Mieter. Der
Bedarf an Wohnraum wird bis 2015 weiter sinken und die Lenkungsgruppe sagt bis
2010 einen Überhang von rund 400 und bis 2015 rund 530 Wohnungen voraus. Das
Augenmerk werde also auf kleine und altersgerechte Wohnungen liegen, analysierte
das Team.
www.nordkurier.de
22.11.2002
Apolda: Stadtumbau Ost: 2002 eine knappe Million
Euro
Die Starterkonferenz zum Stadtumbau Ost in Weimar hat nicht ganz die
Erwartungen der beteiligten Städte und Gemeinden erfüllt. "Wir haben uns vor
allem Informationen über die weitere Verfahrensweise und die kurzfristige
Anwendung der Gelder bei der Umsetzung der Konzepte erhofft", sagte Apoldas
Baudezernent Paul Richter. Die Konferenz habe sich jedoch überwiegend mit der
Begleitforschung zum Stadtumbau-Programm befasst. In Zusammenarbeit mit
den Städten und Gemeinden sollen Daten, wie etwa Wohnungsleerstand und
Alterstruktur in ausgewiesenen Gebieten erfasst werden. Für das laufende Jahr
stehen Apolda aus dem Stadtumbau-Programm einschließlich der Eigenmittel 600 000
Euro zur Verfügung, die entweder im Sanierungsgebiet oder im Plattenbaugebiet
Apolda-Nord investiert werden können. Dazu kommen noch 390 000 Euro, die
allerdings nur ins Sanierungsgebiet fließen dürfen. "Wenn wir etwas mit
Stadtumbau-Förderung im Bereich der oberen Bahnhofstraße und der Bernhardstraße
machen wollen, müssen wir dort erst ein neues Sanierungsgebiet ausweisen",
machte Richter deutlich.
www.thueringer-allgemeine.de
22.11.2002
Altschuldenhilfe: Wohnungswirtschaft begrüßt
Aufstockung
Der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) begrüßt den
Beschluss des Kabinetts, die Mittel für die so genannte Altschuldenhilfe um 300
Millionen auf 658 Millionen Euro aufzustocken. Dies sei "ein ganz wichtiger
Schritt", um den Stadtumbau Ost voranzubringen, erklärt der Präsident der
Organisation, Lutz Freitag. Die Mittel stehen verteilt über zehn Jahre zur
Verfügung. Derzeit können etwa 300 Unternehmen einen Antrag auf diese Hilfe
stellen. Voraussetzung ist, dass 15 Prozent ihres Bestands nicht bewohnt sind.
Mit den ersten 50 Gesuchen war laut Freitag das ursprünglich bereit gestellte
Geld ausgeschöpft.
www.fr-aktuell.de
21.11.2002
Großenhain:
Etwa 250 Mieter
suchen eine neue Wohnung
500 Wohnungen sollen in Großenhain abgerissen
werden. Doch nichts ist klar. Weder ob, noch wann. Wo sollen die betroffenen
Mieter beispielsweise hin? Und wie will man ihnen einen Auszug schmackhaft
machen? Wer nicht freiwillig vor einer
Kündigung und innerhalb der eigenen Gesellschaft umzieht, bekommt auch keine
Entschädigung. Die beträgt 1500 Euro.Eine Sammel-Kündigung wegen Leerstandes sei
„Wunschdenken“ der Wohnungsgesellschaft. Davor habe der Gesetzgeber generell die
Einzelfall-Prüfung gestellt. Bei Altmietern (Vertrag vor dem 3. Oktober 1990)
gehe das gar nicht.
Geschäftsführer Jürgen Reimitz plagen andere Sorgen. „Wir
müssen als städtisches Unternehmen die Hauptlast dieses Stadtumbaus tragen“,
klagt er. Denn von angeblich 400 freien Wohnungen, von denen noch im September
die Rede war, bleiben nicht viele übrig. Etwa 900 Wohnungen stehen leer;
500 sollen rechnerisch vom Markt verschwinden; bleiben 400. Zählt man aber die
Leerwohnungen und bewohnten Wohnungen in den vorgesehenen Abrissblöcken
zusammen, bleiben tatsächlich nur gut 70 freie Wohnungen in anderen Blöcken
übrig. Davon wiederum liegen nur 30 Wohnungen nicht in der 5. und 6. Etage.
Wohlgemerkt: Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen. Gesucht würden aber vor allem
Zwei-Raum-Wohnungen. Tatsächlich bräuchten jetzt 250 Mieter eine neue Wohnung.
„Ich muss also Mieter abgeben, obwohl mir das wehtut“, sagt er. „Denn schon
jetzt zahle ich eine Million Euro jährlich Betriebskosten für leere Wohnungen.“
www.sz-online.de
20.11.2002
Nordhausen:17 Millionen Euro werden investiert
In die Aufwertung des Stadtteils Nordhausen-Ost wird mit rund 17 Millionen Euro
ein Vielfaches dessen investiert, was die 2005 beginnenden Abriss-Maßnahmen der
Wohnungsbauunternehmen mit 2,8 Millionen Euro kosten werden. Nordhausen-Ost ist
ein lebendiger Stadtteil, hat beste Voraussetzungen für eine gute Lebensqualität
und eine hervorragende Infrastruktur mit Schule, Kindertagesstätte, Sporthalle
und Freizeitanlage, gute Einkaufsmöglichkeiten, und per Straßenbahn die bequeme
Anbindung an die Innenstadt.
www.thueringer-allgemeine.de
19.11.2002
Jena: Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft an
Stadtwerke
Der Verkauf der 94 Prozent Geschäftsanteile der Städtischen Wohnungsbau- und
Verwaltungsgesellschaft (SWVG) an die Stadtwerke Jena ist notariell beglaubigt.
Die rechtsaufsichtliche Genehmigung durch das Thüringer Landesverwaltungsamt
liegt vor, die den Verkauf rückwirkend zum 1. Januar 2002 besiegelt.
Fragen im Zusammenhang mit dem Verkauf müssen geklärt, Verunsicherungen muss
entgegengewirkt werden, sagte Bürgermeister Schwind. Denn das Projekt sei in
erster Linie "eine Chance zum Umsetzen der Stadtentwicklungskonzepte" für
immerhin rund 28 000 Einwohner, die in Lobeda und Winzerla leben, gut ein
Viertel der Bevölkerung Jenas. Die zwei Wohngebiete sollen so stabilisiert
werden. Bis Januar/Februar 2003 ist die Rahmenplanung für Lobeda, noch im 1.
Halbjahr 2003 die für Winzerla beschlossen.
www.tlz.de
19.11.2002
Rostock: Wiro meldet Stopp bei Leerstandsquote
In zwei Jahren will die Wiro die Sanierung ihres Gesamtbestandes von 34 000
Wohnungen abgeschlossen haben. Durch die Modernisierungen hofft man auch, dem
Problem des Leerstands beizukommen.
Drei Prozent leerstehende Wohnungen haben wir beim vollmodernisierten Bestand zu
verzeichnen. Weit höher - zwischen 15 und 20 Prozent - liege der Anteil bei
Wohnungen, die gerade modernisiert wurden oder werden, und für jene, bei denen
eine komplette Sanierung angekündigt ist. Bei der Wiro steigen die Leerstände
nicht mehr an, die Summe der unvermieteten Wohnungen sinkt.Die kommunale Gesellschaft hat 34 000 Wohnungen unter ihren Fittichen, 30 500
davon sind voll modernisiert.
www.svz.de
18.11.2002
Berlin: Abrissbeginn der beiden ersten Plattenhochhäuser
in Marzahn
Zum Wochenanfang wird der Bauzaun um die beiden Doppeltürme in der
Marchwitzastraße 1-3 gezogen. Danach wird das Gebäude in Innern entkernt. Nach
Auskunft werden im Januar 2003 die Decken und Fassaden des 300 Wohnungen
fassenden 21-Geschossers abgetragen.
Dennoch zeigt der über eine Million Euro teure Abriss in Marzahn, der zu großen
Teilen aus dem Bundesprogramm "Stadtumbau Ost" finanziert wird, dass auch Berlin
von der Entwicklung anderer Städte - zumeist in Ostdeutschland - eingeholt
wurde: Dem Versuch, die Siedlungen an der Peripherie mit Milliardenaufwand zu
sanieren, um die Bevölkerung zu halten, folgte trotzdem ein Leerstand von
Plattenbauten.
In Marzahn-Hellersdorf, der mit 100.000 Wohnungen größten Plattensiedlung
Europas, stehen über 10.000 Wohnungen leer. Der Abriss des Doppelhochhauses an
der Marchwitzastraße bildet darum erst den Beginn eines 30 Millionen Mark
aufwendigen "Rückbauprogramms", das die Wohnungsbaugesellschaft gemeinsam mit
dem Land in den nächsten Jahren unternehmen will.
www.taz.de