Newsticker Archiv November 2003

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28.11.2003
Prenzlau-Land: Kein Geld für Wohnungsabrisse auf dem flachen Land
Ein Dorf in der Uckermark: Beschauliche Ruhe, Bauernhäuser aus Backstein, die Kirche aus Feldstein - und ein Plattenbau, in den 60er oder 70er Jahren errichtet - als die LPG noch zahlreichen Menschen Beschäftigung bot. Geblieben ist gähnende Leere. Die meisten Mieter sind weggezogen, der Plattenbau hat ausgedient. Was von Anfang an nicht ins Dorfbild passen wollte, müsste eigentlich abgerissen werden. Doch dafür fehlt das Geld. Denn der Abriss auf dem Land wird nicht gefördert, sagt Hartmut Roll.
Der Geschäftsführer des Kommunalen Wohnungsunternehmens Prenzlau Land GmbH ist Herr über rund 850 Wohnungen in Ortschaften rund um Prenzlau und Templin. Etwa ein Viertel der Wohnungen steht leer. Das kostet die Gesellschaft jährlich rund 500 000 Euro. Genau genommen, so rechnet der Geschäftsführer vor, müssten in den kommenden Jahren rund 350 Wohnungen abgerissen werden. Stattdessen sieht Roll zugemauerte Bauruinen vor sich. Denn der Wohnungsabriss wird nur in den Städten gefördert. Schwedt, Guben, Rathenow - die Liste ließe sich fortführen. Alle größeren Städte profitieren vom Stadtumbauprogramm. In Kombination mit einem Erlass der Altschulden bei den Wohnungsgesellschaften werden in diesen Städten bis 2009 rund 48 000 Wohnungen abgerissen.
Roll kann mit seiner Gesellschaft weder vom Stadtumbau noch von der Altschuldenhilfe profitieren - obwohl durch die Eingemeindung mehrerer Dörfer nach Prenzlau und Templin beide Städte Gesellschafter des ländlichen Wohnungsunternehmens geworden sind. "Wir sitzen also zwischen Baum und Borke", umschreibt Roll das Problem. Ein Teil der Dörfer gehöre zwar inzwischen zu den Städten. Aus fördertechnischer Sicht würden die Ortschaften aber behandelt wie bisher. Das sei eine Ungleichbehandlung, kritisiert der Geschäftsführer und kämpft für gerechtere Förderstrukturen.
Für den Anfang konnte Roll im Ministerium für Raumordnung ein Modellprojekt zum Abriss eines Wohnblocks durchsetzen. Zwar steht der endgültige Bescheid noch aus, doch rechnet der Geschäftsführer fest mit dem Start des Projekts im kommenden Jahr. Schon im Februar und März soll das Haus im Grünower Ortsteil Damme entkernt werden. Bis Mai soll der Block abgerissen werden. Ähnliche Projekte mit Modellcharakter sind in Randowtal und in der Lausitz geplant.
Aus den Modellprojekten muss nach Ansicht von Roll eine Richtlinie zur Förderung von Wohnungsabrissen im ländlichen Raum entwickelt werden. Andernfalls zerstörten bald zahlreiche ungenutzte und zugemauerte Häuser das Bild der Dörfer. Schon heute stünden mehr als 6000 Dorf-Wohnungen in Häusern mit mehr als sechs Wohneinheiten leer - Tendenz steigend.
Aus der Sicht der Unternehmen, so stellt Roll klar, ist das Zumauern von Fenstern und Türen die wirtschaftlichste Variante. Nur mit einer Förderung könne das Bild der Dörfer gerettet werden. Roll verweist in diesem Zusammenhang auf andere Bundesländer, wo das Stadtumbauprogramm auch für den Abriss von leerstehenden Wohnungen auf dem Lande angewendet werde.

www.welt.de

28.11.2003
Gotha: Plattenbau-Schicksal besiegelt
In der Wohnscheibe Moßlerstraße 4 bis 8 in Gotha gehen endgültig die Lichter aus. Am Freitag wird in den gesamten Fluren der Strom ab- und in den Wohnungen die Wasserversorgung eingestellt. Die Platte ist ein Fall für die Abrissbirne.
Für die letzten Mieter, die in der Moßlerstraße 4 bis 8 noch wohnen, kam die Nachricht am Dienstag überraschend. Ein Zettel im Aushang informierte sie darüber, dass die Häuser am Freitag geschlossen werden. Die Hauseingangstüren erhalten ein neues Schloss, so dass sich kein Unbefugter Zutritt verschaffen kann.
Laut Verwalter Horst Schröder sind noch drei Wohnungen in den Häusern Nummer 4 bis 8 bewohnt. Eine Mietpartei wolle diese Woche umziehen, eine weitere Mieterin komme bei ihren Kindern unter, ihre Möbel würden eingelagert, so Schröder. In dem dritten Fall sei ihm nicht bekannt, wann der Mieter das Haus verlassen will. Außerdem habe eine Mieterin, die bereits in die Moßlerstraße 14 umgezogen sei, noch Möbel und Hausrat in zwei Kellern und drei Abstellräumen. "Wegen ihr können wir den Strom im Block nicht angestellt lassen", sagte Schröder.
Besagte Mieterin informierte die TA, dass sie einen Gothaer Rechtsanwalt damit beauftragt habe, eine einstweilige Verfügung gegen die Schließung der Häuser zu erwirken. "Ich kämpfe nicht nur um mich, es geht ums Prinzip", so die Frau. Sie behauptet, dass noch acht Wohnungen bewohnt sind, darunter von einer Frau mit zwei kleinen Kindern.
Hausverwalter Schröder verweist indes auf sichtbare Renovierungserfolge in der Moßlerstraße 12. In dieses Haus sind viele eingezogen, die die Häuser 4 bis 8 räumen mussten. "Der neue Eingang sieht jetzt nett aus, im Frühjahr werden noch Bodenfliesen gelegt, die Flurtüren und Treppenaufgänge sind neu", so Schröder. Ziel ist, viele Wohnungen zu vermieten, "bei einer Kaltmiete von 2,50 Euro pro Quadratmeter sind wir sehr lukrativ".
Wie geht es nun weiter mit der leeren Platte? Es war eigentlich nicht das Interesse des Eigentümers - einer Nachfolgegesellschaft der Neunten Grundbesitz - den Block komplett abreißen zu lassen, so der Hausverwalter. Doch der Leerstand habe sich nicht auffangen lassen, außerdem seien die Forderungen in punkto Brandschutz zu kostenintensiv gewesen. Fördermittel für den Rückbau von drei bis vier Etagen waren bereits genehmigt, doch dieses Konzept ging nicht auf.
Gestern Abend beschloss der Gothaer Stadtrat, für den kompletten Abriss der Häuser Moßlerstraße 4 bis 8 Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" zu beantragen. 695 500 Euro könnte dieser Zuschuss betragen. Die Stadt muss diese Anträge für die Wohnungsgesellschaften stellen, zahlt selbst aber nichts.

www.thueringer-allgemeine.de

28.11.2003
Hermsdorf: wird für 9 000 Leute wohnlich eingerichtet
Am 8. Dezember will der Hermsdorfer Stadtrat ein Stadtentwicklungskonzept beschließen. Darin ist festgeschrieben, wie sich die Stadt in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren entwickeln soll. In einer Einwohnerversammlung wurden am Dienstag die einzelnen Bestandteile, eine Bestandsaufnahme der Entwicklung von 1990 bis jetzt eingeschlossen, der Öffentlichkeit vorgestellt.
Anja Scholl vom Planungsbüro Helk Ilmplan GmbH aus Mellingen erläuterte die Pläne für Flächen- und Gebäudenutzung, sowie den Verkehrswegeplan. Dreh- und Angelpunkt war die Einwohnerentwicklung. Die scheine sich auf eine Größenordnung von acht- bis neuntausend Stadtbewohner einzupegeln, schlussfolgerte man aus der Statistik. Lebten 1980 noch 11 250 Menschen in der Stadt, wurden 2002 nur noch 8 647 erfasst. Man rechne nicht mit nennenswertem Zuwachs, gehe aber davon aus, dass der Kreis der Hermsdorfer auch nicht gravierend kleiner werde. Angesichts eines hohen Altersdurchschnitts gehe es vor allem darum, die Stadt so einzurichten, dass sie für junge Menschen und Familien eine gute Lebensqualität biete und als Leistungsanbieter für das Umland tauge, wurde das Ziel formuliert.
Hermsdorf werde nie ein Erholungsort oder exklusiver Wohnstandort sein. "Egal in welchem Stadtteil, hier wohnt man immer auf dem Mittelstreifen der Autobahn", zeigte Bürgermeister Gerd Pillau Realitätssinn. Gleichzeitig hatte er eine Menge Stärken für die "zweitgrößte Stadt im Saale-Holzland-Kreis" aufzuzählen. Die Verkehrsanbindung am Autobahnkreuz mit drei Autobahnanschlüssen gehöre dazu. Der ehemalige Industriestandort der Keramischen Werke sei nicht verweist, sondern mit 90 Betrieben besiedelt, die 2000 Arbeitsplätze bieten. Es gebe vier Kindereinrichtungen sowie mit zwei Grundschulen, einer Regelschule, einem Gymnasium, einer Förderschule und dem Berufsschulzentrum eine attraktive Schullandschaft. Die Einkaufsmöglichkeiten seien hervorragend, ebenso die medizinische Betreuung mit 26 Ärzte und drei Apotheken. Von Freibad, Bibliothek und Sportanlagen profitiere auch das Umland, wurden Schwerpunkte genannt.
In der Altstadt die Bebauung verdichten, im Neubaugebiet dem Leerstand mit baulichen Veränderungen und neuen Ideen für Gebäudenutzung begegnen und das Wegekonzept so gestalten, dass beide Stadtteile zusammenwachsen, nach diesen Leitlinien soll die Stadtentwicklung vollzogen werden. Dabei setzt man große Hoffnung auf Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost, in das Hermsdorf aufgenommen wurde.

www.otz.de

28.11.2003
Wittenberge: WGW saniert, modernisiert und baut die Stadt um
An vier Standorten in der Stadt ist die Wohnungsbaugesellschaft gegenwärtig dabei, ihre Gebäude zu sanieren bzw. zu modernisieren, so gestern der Geschäftsführer der WGW, Torten Diehn. Er nannte die Schwimmhalle 7/8: Die kleinen Wohnungen in diesem Haus werden längerfristig durch den neuen Fahrstuhl für ältere Mieter attraktiv.
In der August-Bebel-Straße 31 und an der Ecke Perleberger Straße/Friedrich-Engels-Straße ist die WGW, die eine 100prozentige Tochter der Kommune ist und über gut 30 Prozent aller Wohnungen in der Stadt verfügt, dabei, Häuser direkt im Zentrum der Stadt durch Sanierung und Modernisierung herzurichten. In Angriff genommen ist das unter Denkmalschutz stehende große Gebäude in der Steinstraße 15. "Nur mit Städtebauförderung ist so etwas möglich", betonte Diehn.
Auf den Stadtumbau eingehend, verwies der Geschäftsführer unter anderem auf die Goethestraße 7 an der Ecke zur Stein-Hardenberg-Straße. Das städtebaulich prägende Gebäude wird voraussichtlich Ende 2004 saniert. Um künftiges Wohnen in dem Haus mit seinen 1200 Quadratmetern ansprechender zu machen, werden Nachbarhäuser in der Stein-Hardenberg-Straße abgebrochen. In Wittenberge Nord werden jetzt die Paul-Lincke-Straße 1 bis 4, 5 bis 7 und 17 bis 21 für den Abriss vorbereitet. Damit werden 140 Wohnungen gefördert vom Markt genommen.
Für den Abbruch sowie für Modernisierungen und Sanierungen werden Aufträge weitgehend an Wittenberger und regionale Firmen vergeben. Bedenkt man, dass für Investitionen zur Häuseraufwertung zirka rund 2,5 Millionen Euro eingesetzt werden, zeigt sich ein Effekt für die Bauwirtschaft.

www.prigntzer.de

27.11.2003
Borna/Geithain: Ende der Fahnenstange nicht erreicht
Nach den dramatischen Jahren von 1999 bis 2001, als der Auszug aus Neubauwohnungen galoppierte, habe sich die Entwicklung jetzt verlangsamt, sagt Jürgen Linke. Er ist der Chef der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS). Diese städtische Firma nennt noch 3600 Wohnungen ihr Eigen, von denen etwa 700 leer stehen. Dennoch sei "in Borna mit einem weiteren Bevölkerungsschwund zu rechen". Für Linke ist deshalb der Abriss, wie jetzt in Gnandorf, ein wichtiges Mittel zur "Stabilisierung des Mietmarktes". Die BWS nehme durch Abbruch in diesem Jahr "150 Wohnungen vom Markt" und will den Bestand weiter anpassen. 2004 sollen noch einmal 150 platt gemacht werden.
Die selben Beobachtungen wie Linke hat auch Fritz Kuciak gemacht. Er ist Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Espenhain (WBG) und der Rend. "Das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht", bekräftigt der Bornaer. "Wir müssen damit rechnen, dass noch mehr Blöcke leer gewohnt werden." Nach wie vor ziehen jüngere Menschen der Arbeit hinterher, vor allem in den Stuttgarter und Münchener Raum. Damit bleiben hier auch die Kinder aus, sodass unsere Region immer mehr veralte. Das beschleunige den Prozess nicht mehr benötigten Wohnraums, da die Älteren oft Pflegeheimplätze brauchen.
Kuciak hat beobachtet, dass sich der Leerstand 1999 und 2000 verdoppelte. Derzeit müssen Wohnungsunternehmen zwischen drei (Wohnungsgenossenschaft Böhlen) und 35 Prozent (Stadtbau Kitzscher) verkraften. Bei der WBG sind acht Prozent der 1509 Wohnungen ohne Mieter.
130 kommunale Wohnungen stehen per 31. Oktober in Geithain leer. "Ich befürchte, dass sich diese Zahl weiter erhöht", sagt Geithains Bürgermeister Heinz Herzog. Solange die Menschen gezwungen seien, der Arbeit nachzuziehen, sieht auch er kein Ende dieses Trends. Leerstand ist für Geschäftsführer Claus-Peter Steinbach hingegen kaum ein Thema. Die WBI GmbH verwaltet in Bad Lausick 230 Wohnungen. "Nur fünf Prozent stehen leer", sagte er. Problematisch, weil mit Kosten verbunden, sei die recht hohe Fluktuation der Mieter.

www.lvz-online.de

27.11.2003
Grimma: Last der Altschulden wirkt als Sanierungsbremse
Ein teures Erbe aus DDR-Zeiten verwaltet die Grimmaer Wohnungsbaugesellschaft. 1739 Wohnungen, 28 Gewerbebetriebe - insgesamt 98 455 Quadratmeter. Und jeder einzelne ist von Altschulden belastet.
In Grimma ist der Schuldenberg besonders hoch. Denn die Gesellschaft trägt zusätzlich zum Erbe der DDR noch das Erbe der Wende. Die fiel mitten in den Bau von sechs modernen Wohnblöcken der damaligen MAG im Grimmaer Süden. Die neuen Stadträte entschlossen sich, diese Blöcke fertig zu bauen. Mit fatalen Folgen.
"Während anderen kommunalen Wohnungsgesellschaften die Altschulden bis auf 150 Mark pro Quadratmeter entlastet wurden, stieg wegen der Kredite für die einstigen MAG-Blöcke die Schuldenlast in Grimma auf 250 Mark pro Quadratmeter. "Das ist unsere Sanierungsbremse", sagt Geschäftsführerin Jutta Vetterlein. Abgezahlt werden müssten die Kredite, ob die Häuser bewohnt sind oder leer stehen. Und leer stehen 58 Prozent der städtischen Wohnungen in der Innenstadt und in den Ortsteilen,14 Prozent in Grimma-Süd und sechs Prozent in Grimma West.
Statt für ungenutzte Wohnungen die Schulden auszusetzen, drängt die Bundesregierung auf Abriss im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost. "Es ist klar, dass wir uns wegen der Altschulden zuerst mit dem Thema Abrissbirne auseinander setzen müssen", sieht die Geschäftsführerin durchaus den Notanker. Für jede abgerissene Wohnung sinke die Schuldenlast auf 50 Euro pro Quadratmeter.
Längst wird deshalb in Grimma Süd der erste Block zum Abriss vorbereitet. Seit dem 26. Juli wissen die Mieter Bescheid. "Wir wollen jeden Mieter halten und bieten in individuellen Gesprächen andere Wohnungen an, gehen auf die Wünsche nach mehr Wohnkomfort ein und geben auch finanzielle Unterstützung", beschreibt Jutta Vetterlein die eineinhalbjährige Kleinarbeit vor dem Abriss in der Südstraße. "Die Leute sind traurig, aber haben viel Verständnis." Nach dem Abriss der 40 Wohnungen soll an der Stelle ein kleiner Ruhepark entstehen.
Rein rechnerisch müssten weitere 140 Wohnungen in Süd dem Bagger weichen, um die Kürzung der Altschulden zu erreichen. Jutta Vetterlein aber will erst einmal abwarten. Vielleicht sind die Wohnungen ja bald wieder begehrt?

www.lvz-online.de

27.11.2003
Abriss leer stehender Häuser nimmt zu
Seit zwei Jahren läuft das Abrissprogramm "Stadtumbau Ost" bereits. Doch erst in den letzten Monaten kam es in Sachsen so richtig in die Gänge. Darüber herrscht bei Politik und Wohnungswirtschaft nun gleichermaßen Zufriedenheit. "Es dauerte, bis das Geld für den Rückbau da war. Jetzt ist es soweit", freut sich Albrecht Buttolo, Staatssekretär im sächsischen Innenministerium. Aus der Wohnungswirtschaft sind trotzdem keine Lobeshymnen zu hören. "Der bürokratische Aufwand ist noch zu hoch. Wir brauchen eine bessere Lösung bei der Befreiung von Altschulden aus DDR-Zeiten und eine gesetzliche Regelung, die den Leerzug zum Abriss bestimmter Häuser nicht behindert", zählt Werner Orbanz vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) seine Forderungen auf.
In zwei Jahren wurden in Sachsen ganze 11 000 Wohnungen abgerissen. Nur. Denn für den Abriss von über 32 000 Wohnungen lagen Bewilligungen vor. Die konnten wegen des schleppenden Geldflusses aber nicht realisiert werden. Insgesamt stehen etwa 415 000 leer. "Obwohl Wohnungen zurückgebaut werden, steigt der Leerstand weiter", begründet Orbanz, warum er nur verhalten optimistisch ist. Die Leerstandsquote nimmt beim jetzigen Rückbautempo nur geringfügig ab. Selbst wenn die geplanten 100 000 Wohnungen mit dem Stadtumbau-Programm bis 2009 in Sachsen vom Markt genommen seien, stünden immer noch 300 000 leer.
Immerhin konnte Buttolo gestern Ängste beseitigen, das Rückbauprogramm der Bundesregierung werde ein Opfer des Sparzwanges. Die Unternehmen erhalten von Bund und Land jeweils 70 Euro für jeden Quadratmeter, den der Bagger abreißt. "Diese Mittel fallen unter keine Haushaltssperre. Der Bund hat Sachsen gestern zehn Millionen Euro für das nächste Jahr bestätigt", verkündete der Staatssekretär gestern gegenüber unserer Zeitung. Er mahnte Wohnungswirtschaft und Kommunen, nun weitere Rückbauvereinbarungen zu treffen.

www.lvz-online.de

27.11.2003
Prenzlau: Kein Geld für Wohnungsabrisse auf dem flachen Land
Ein Dorf in der Uckermark: Beschauliche Ruhe, Bauernhäuser aus Backstein, die Kirche aus Feldstein - und ein Plattenbau, in den 60er oder 70er Jahren errichtet - als die LPG noch zahlreichen Menschen Beschäftigung bot. Geblieben ist gähnende Leere. Die meisten Mieter sind weggezogen, der Plattenbau hat ausgedient. Was von Anfang an nicht ins Dorfbild passen wollte, müsste eigentlich abgerissen werden. Doch dafür fehlt das Geld. Denn der Abriss auf dem Land wird nicht gefördert, sagt Hartmut Roll.
Der Geschäftsführer des Kommunalen Wohnungsunternehmens Prenzlau Land GmbH ist Herr über rund 850 Wohnungen in Ortschaften rund um Prenzlau und Templin. Etwa ein Viertel der Wohnungen steht leer. Das kostet die Gesellschaft jährlich rund 500 000 Euro. Genau genommen, so rechnet der Geschäftsführer vor, müssten in den kommenden Jahren rund 350 Wohnungen abgerissen werden. Stattdessen sieht Roll zugemauerte Bauruinen vor sich. Denn der Wohnungsabriss wird nur in den Städten gefördert. Schwedt, Guben, Rathenow - die Liste ließe sich fortführen. Alle größeren Städte profitieren vom Stadtumbauprogramm. In Kombination mit einem Erlass der Altschulden bei den Wohnungsgesellschaften werden in diesen Städten bis 2009 rund 48 000 Wohnungen abgerissen.
Roll kann mit seiner Gesellschaft weder vom Stadtumbau noch von der Altschuldenhilfe profitieren - obwohl durch die Eingemeindung mehrerer Dörfer nach Prenzlau und Templin beide Städte Gesellschafter des ländlichen Wohnungsunternehmens geworden sind. "Wir sitzen also zwischen Baum und Borke", umschreibt Roll das Problem. Ein Teil der Dörfer gehöre zwar inzwischen zu den Städten. Aus fördertechnischer Sicht würden die Ortschaften aber behandelt wie bisher. Das sei eine Ungleichbehandlung, kritisiert der Geschäftsführer und kämpft für gerechtere Förderstrukturen.
Für den Anfang konnte Roll im Ministerium für Raumordnung ein Modellprojekt zum Abriss eines Wohnblocks durchsetzen. Zwar steht der endgültige Bescheid noch aus, doch rechnet der Geschäftsführer fest mit dem Start des Projekts im kommenden Jahr. Schon im Februar und März soll das Haus im Grünower Ortsteil Damme entkernt werden. Bis Mai soll der Block abgerissen werden. Ähnliche Projekte mit Modellcharakter sind in Randowtal und in der Lausitz geplant.
Aus den Modellprojekten muss nach Ansicht von Roll eine Richtlinie zur Förderung von Wohnungsabrissen im ländlichen Raum entwickelt werden. Andernfalls zerstörten bald zahlreiche ungenutzte und zugemauerte Häuser das Bild der Dörfer. Schon heute stünden mehr als 6000 Dorf-Wohnungen in Häusern mit mehr als sechs Wohneinheiten leer - Tendenz steigend.
Aus der Sicht der Unternehmen, so stellt Roll klar, ist das Zumauern von Fenstern und Türen die wirtschaftlichste Variante. Nur mit einer Förderung könne das Bild der Dörfer gerettet werden. Roll verweist in diesem Zusammenhang auf andere Bundesländer, wo das Stadtumbauprogramm auch für den Abriss von leerstehenden Wohnungen auf dem Lande angewendet werde.

www.welt.de

27.11.2003
Angermünde: Fördermittel für Häuserabriss reichen nicht
Bauen ist teuer. Abreißen erst recht. Der geplante Stadtumbau in der Angermünder Weststadt, mit dem der Abriss von leerstehenden Wohnblöcken umschrieben wird, drohte durch mangelnde Förderung zu stocken. Jetzt muss die Stadt kurzfristig zusätzliche Haushaltsmittel bereitstellen, um die Fördersumme aufstocken zu können.
Die dunklen Fensterhöhlen, die verwaisten Balkons lassen die Häuserzeile wie eine Geisterstadt aussehen. Seit Wochen schon sind 208 Wohnungen in der Gustav-Bruhn-Straße 17 bis 36 leer gezogen. Die gesamte außere Straßenfront am Stadtrand soll dem Erdboden gleich gemacht werden und die Natur der Stadt wieder ein wenig näher rücken.
Für den Abriss der überflüssig gewordenen Neubauwohnungen mit DDR-Charme hatte die Stadt Angermünde Fördermittel aus dem Stadtumbauprogramm beantragt, weil auch Abriss viel Geld kostet. Zusätzlich beantragte die Stadtverwaltung eine Vergabe-ABM zur Entkernung der Plattenbauten, um die Kosten und damit auch den Eigenanteil zu dämpfen.
Die Freude über den Bewilligungsbescheid dämpfte allerdings die Summe, die der Stadt schließlich zugebilligt wird. Von den beantragten 859000 Euro Fördermitteln, die sich aus den veranschlagten Abrisskosten insgesamt errechneten, bekommt Angermünde jedoch nur 625 000 Euro, davon sind 125 000 Euro Eigenanteil von der Stadt aufzubringen.
"Mit dieser Summe können wir den Abriss der Häuser in der Gustav-Bruhn-Straße nicht vollständig finanzieren, auch bei vollständigem Verzicht auf Aufwertungsmaßnahmen", erläutert Baudezernent Lutz Köhler, der mit diesem Problem auch in die neugewählte Stadtverordnetenversammlung ging.
Die geschröpfte Fördersumme wurde mit Beschluss der SVV im Juli zwar angenommen und auch die Verpflichtungsermächtigungen für die Haushaltsjahre 2004 und 2005 aufgenommen. Doch es könnten von fünf Wohnblöcken nur vier abgerissen werden. Einen einzelnen Block stehen zu lassen, hält Köhler jedoch für Unsinn und bei einem späteren Abriss für doppelt so teuer.
Es müsste beispielsweise zweimal eine Bautelleneinrichtung bezahlt werden. Außerdem könne dann keine Vergabe-ABM mehr in Anspruch genommen werden.
Sollte der Block nicht abgerissen werden, kann die BWG keine Altschuldenhilfe für diese Wohnungen erhalten und muss weiter hohe Kosten des Leerstands und der Sicherung tragen.
Als Restbetrag der Gesamtförderung von 625 000 Euro für den Abriss von vier Blöcken in der Bruhn-Straße 17 bis 32 würden noch 61.669 Euro übrig bleiben, die auch vom Land für den Abriss des fünften Blockes anerkannt wurden. Doch dafür reicht das Geld nicht. Die Stadt beantragte deshalb im Bauministerium eine Aufstockung der Fördersumme. Ansonsten müsste die Stadt diese Restsumme ans Land zurückzahlen. Eine Aufstockung der Mittel um 71 340 Euro sei nach Auskunft des Ministeriums nur möglich, wenn andere Städte 2003 Fördermittel zurückgeben. Das Geld müsse zudem noch in diesem Jahr ausgegeben werden. Lutz Köhler hält einen Beginn der Arbeiten noch vor Jahresende für möglich. Allerdings muss die Stadt kurzfristig einen zusätzlichen Eigenanteil von 14 268 Euro als außerplanmäßige Ausgabe aus dem Haushalt 2003 bereitstellen. Die neue Stadtverordnetenversammlung ließ sich von der Notwendigkeit und Eile überzeugen und stimmte dem Beschluss zu.
Gleichzeitig legte Lutz Köhler den Abgeordneten eine besonders sparsame Recyclingmethode ans Herz. Die abzureißenden Wohnblöcke der Wohnungsgenossenschaft Uckermark wurden erst 1997 mit einer wärmegedämmten Marmorocfassade saniert. Die würden nun abgerissen und verschrottet werden müssen. Die Stadt möchte die Fassadenplatten jedoch vorsichtig abtragen und damit kostengünstig die Fassaden der Turnhallen der Bruhnschule und Zetkinschule sanieren. Die Wohnungsgenossenschaft stellt das Fassadenmaterial der Stadt kostenlos zur Verfügung.

www.moz.de

27.11.2003
Gera: Stadtumbau bleibt hinter Erwartungen zurück
Stadtplanungsamt: Kein Rückgang bei leerstehenden Wohnungen Von Uwe Müller Gera. Trotz Stadtumbau Ost - Gera sitzt weiter auf viel zu viel leeren Wohnungen. Obwohl abgerissen wurde, sei keine Reduzierung der Leerstandsquote erreicht worden, schätzt Stadtplanungsamtsleiter Konrad Steinbrecht kritisch ein. Die Ziele, Wohnungen rück- und Leerstände abzubauen, seien nur zu zwei Drittel bis drei Viertel erreicht worden.
Der Einwohnerschwund hinterlässt mit leerstehenden Wohnungen zusehends seine Spuren im Geraer Stadtbild. Das Problem ist mittlerweile so gravierend, dass allein auf steigende Geburtenzahlen zu hoffen viel zu wenig ist. "Entscheidend sind Verbesserungen in der gewerblichen Wirtschaft, um mittelfristig eine leichte Stabilisierung zu erreichen", erkennt Steinbrecht Industrieansiedlungen als entscheidenden Faktor für die weitere Stadtentwicklung an.
Für das kommende Jahr ist im Stadtkern vorgesehen, 650 Wohnungen zu modernisieren und 180 rückzubauen. In Lusan wird der Abriss überwiegen und in Bieblach-Ost passiert vorerst so gut wie gar nichts. Drei zusätzliche Maßnahmen rückt das Stadtplanungsamt ins Blickfeld: die Dornaer Straße, die Südstraße in Debschwitz und das Gebiet um den Sachsenplatz. Für Bernd Leithold (PDS), Vorsitzender des Bauausschusses des Stadtrates, ein Widerspruch: Auf der einen Seite seien die gesteckten Ziele bei weitem nicht erreicht worden, auf der anderen Seite werden zusätzliche Projekte aufgenommen. Wenn die Südstraße für 2004 mit null Euro im Haushalt steht, so signalisiere das nicht gerade die Notwendigkeit des Vorhabens.
Baudezernent Ramon Miller (SPD) verweist darauf, dass für das letzte Jahr 6,5 Millionen Euro bewilligt wurden. Das entspreche der Modernisierung von 220 Wohnungen. Der Bedarf habe aber bei 2700 Wohnungen gelegen. Für den Dezernenten heißt das, in Zukunft müssten bei knappen Kassen weitaus schärfer Prioritäten gesetzt werden.
Stadtplanungsamtsleiter Steinbrecht ordnet die Geraer Zwischenbilanz im Stadtumbau ein, sie stelle keinen Spitzenwert in Thüringen, wohl aber Durchschnitt dar. Baudezernent Miller rechnet, dass nur mit bahnbrechenden Ideen die erforderlichen Gelder nach Gera gelenkt werden können. "Dass wir im Durchschnitt sind, liegt daran, dass auch unsere Projekte durchschnittlich sind", formuliert er.
Als pragmatische Konsequenz der Entwicklung erwartet der Stadtplanungsamtsleiter, dass der Wohnungsleerstand künftig gelenkt werden muss. Mit Abriss und Modernisierung kommt die Stadt offenbar nicht mehr hinterher. Freigeräumte Flächen seien kurz- oder mittelfristig kaum wieder zu bebauen.

www.tlz.de

27.11.2003
Der Stadtumbau muss in den Untergrund
Beim Abriss von Wohnungen im Rahmen des Stadtumbaus kommen auf die ostdeutschen Wohnungsunternehmen, Kommunen und Versorger ungeahnte Folgekosten zu. Denn während sich bislang die Aufmerksamkeit vor allem darauf gerichtet hat, wie man mit den leerstehenden Plattenbau-Blöcken über der Erde umgehen soll, schlummern darunter noch ganz andere Probleme.
Die Häuser hängen oftmals an denselben Wasser-, Abwasser-, Gas-, Fernwärme- oder Stromleitungen. Reißt man mitten in einer Siedlung einen Block ab, steigen die Versorgungskosten für die umliegenden Häuser, da beispielsweise weniger Parteien für den Energieschwund bei Fernwärmeleitungen aufkommen müssen. Vor allem beim komplexen Wohnungsbau wie dem WBS 70 seien die Häuser alle miteinander vernetzt, sagte gestern der Professor für Stadttechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), Matthias Koziol. Hinzu kommt, dass das Abwasser womöglich in den Leitungen nicht mehr schnell genug fließt, mit entsprechenden Ablagerungen und chemischen Reaktionen. In Cottbus sei es dadurch bereits zu massiver Korrosion und Geruchsbelästigung in den Leitungen gekommen, sagte Koziol.
In einigen Städten haben sich die Stadtplaner deshalb schon eines Besseren besonnen, und umgeplant. So geht man in Frankfurt (Oder) nun dazu über, ganze Stadtviertel abzureißen, statt hier und da einzelne Häuser aus den Quartieren herauszunehmen, wie der Leiter des Frankfurter Instituts für Stadtentwicklung und Wohnen (ISW), Jan Drews, berichtet. Manchmal sei es zwingend, die Städte von außen nach innen - umgekehrt, wie sie entstanden sind - zurückzubauen. So wird in Schwedt (Uckermark) ein ganzes Viertel am Stadtrand zu Bauschutt zerlegt - mit dem Vorteil, dass man die Leitungen danach einfach abklemmen kann. In ganz Brandenburg stehen gegenwärtig 165 000 Wohnungen leer, bis 2012 sollen 48 000 davon abgerissen werden.
Die Kosten für die Anpassung der städtischen Infrastruktur an den geschrumpften Bedarf sind immens: Sie können bis zu 20 Euro je abgerissenem Quadratmeter Wohnfläche ausmachen. Zum Vergleich: Bund und Länder fördern den gesamten Abriss mit 60 Euro pro Quadratmeter.
Wer die Kosten für die Neuausrichtung der Infrastruktur tragen muss, ist nach Aussage des brandenburgischen Bauministers Frank Szymanski noch nicht geklärt. Neben dem Bauministerium seien auch andere Ministerien im Land in der Pflicht. Das Bauministerium hat nun als ersten Schritt gemeinsam mit dem ISW und der BTU Cottbus eine Arbeitshilfe vorgelegt. Diese soll den Akteuren vor Ort helfen, das Problem systematisch zu erfassen und die Kosten zumindest nicht allzu sehr ausufern zu lassen.

www.MaerkischeAllgemeine.de

27.11.2003
Frankenberg: Stadtumbau funktioniert nur gemeinsam mit den Hauseigentümern
„Stadtumbau funktioniert nur gemeinsam mit den Hauseigentümern.“ Mit dieser Feststellung hat Bürgermeister Thomas Firmenich zur Bürgerinformation am Montag um Unterstützung bei der Umgestaltung der Innenstadt geworben. Dieser Prozess werde Frankenberg in den nächsten zehn Jahren prägen. Ziel sei es, einem weiteren Bevölkerungsschwund mit einem „lebenswerten“ Stadtzentrum entgegenzuwirken. Das heißt im Klartext: weniger (marode) Wohnbebauung und mehr Grün.
Brennpunkt beim Leerstand ist das Gebiet um den Baderberg. Hier hat die Stadt bereits mit den meisten Eigentümern über Möglichkeiten zum Rückbau gesprochen; das erste Haus wurde in der Leopoldstraße abgerissen. Wer sein verfallenes Haus aufgibt, kann für den Abriss Fördermittel in Höhe von 70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in Anspruch nehmen. Im Gegenzug muss sich der Eigentümer nur verpflichten, in den nächsten zehn Jahren an der Stelle keine Wohnhäuser zu errichten. Bürgermeister Firmenich hat bereits Visionen: „Entlang des Mühlbachs könnte sich eine Grünzone mit Fuß- und Radwegen quer durch die Stadt erstrecken.“

www.freiepresse.de

27.11.2003
Sebnitz: Zuschüsse für Stadtumbaukommen zu spät
Schon im Oktober wurden die Fördermittel aus dem Stadtumbau-Programm im Sebnitzer Rathaus erwartet. Doch es kam nur die Bestätigung für den Programmteil Rückbau. Insgesamt 703 150 Euro stellen Bund und Land der Stadt zur Verfügung. Für 2003 stehen keine Fördermittel bereit. Die gibt es aber dafür aus dem Programmteil Aufwertung. Denn inzwischen liegt dem Sebnitzer Rathaus auch dafür der Zuwendungsbescheid vor. Insgesamt 1,2 Millionen Euro Fördermittel könnte Sebnitz bis 2007 aus dem Programm erhalten, allein noch 106 000 Euro in diesem Jahr. „Das wird nicht stattfinden“, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Er freut sich zwar über das Geld, aber er wird an die 80 000 Euro zurückgeben müssen. Zum einen gibt es nur zwei Vorhaben, die noch realisiert werden sollen. Zum anderen müssen die Fördermittel mit einem Eigenanteil untersetzt werden. In diesem Jahr gibt den der Sebnitzer Etat nicht mehr her. Für 2004 wurde auch schon die Bremse gezogen. Um die Fördermittel auszuschöpfen, müsste Sebnitz einen Eigenanteil von etwa 700 000 Euro aufbringen. Das bedeutet zudem, dass private Investitionen von über zwei Millionen Euro möglich wären. Die Summe gilt im Rathaus aus den Erfahrungen der Innenstadtsanierung als utopisch. Deshalb wird der städtische Haushalt im kommenden Jahr den Stadtumbau Ost nur mit 555 000 Euro unterstützen.
www.sz-online.de

26.11.2003
Laubusch: Abriss-Offensive startet im Dezember
Ebenso wie Hoyerswerda hat Laubusch mit einem hohen Wohnungsleerstand zu kämpfen. Und ebenso wie nach Hoyerswerda fließen Gelder aus dem Förderprogramm Stadtumbau-Ost auch nach Laubusch - für Abrissmaßnahmen. Während es sich im Fall von Hoyerswerda um Millionen-Beträge handelt, die benötigt und bewilligt wurden, geht es in Laubusch um rund 600 000 Euro. Diese Summe wurde der Laubuscher Wohnungsgenossenschaft inzwischen per Bewilligungsbescheid für den Zeitraum bis 2007 in Aussicht gestellt. Der Löwenanteil davon soll noch in diesem Jahr in Anspruch genommen werden, wie die Genossenschaftschefin Kerstin Sauer gestern gegenüber TAGEBLATT erklärte. Ziel sei es nun , bis zum Jahresende 16 Gebäude abzureißen. Das ist zwar etwas weniger als ursprünglich geplant, aber ein „für uns realistischer Umfang“. Dabei handelt es sich um drei Achtfamilienhäuser, einen Block mit 15 Wohnungen sowie zwölf Vierfamilienhäuser verteilt auf die Bereiche Kolonie, Heimstätten und Siedlung. Knapp 320 000 Euro sind für diese Abrissmaßnahmen, die nach dem 1. Dezember in Angriff genommen werden und in der Mühlen- sowie in der Oststraße beginnen sollen, vorgesehen. Ungefähr 240 000 Euro veranschlagt Kerstin Sauer für den Abriss weiterer Gebäude im kommenden Jahr. „Ziel ist es, den Leerstand zu beseitigen.“ Bis zum Jahr 2015 soll daher die Anzahl der Wohnungen um 330 reduziert sein. Das ist in etwa ein Drittel des Gesamtbestandes. Die ersten beiden Gebäude wurden übrigens schon in den Sommermonaten abgerissen. Im Ergebnis der Abrissmaßnahmen erwartet die Laubuscher Wohnungsgenossenschaft eine finanzielle Entlastung. Nicht in erster Linie von Bewirtschaftungskosten, wie Kerstin Sauer sagt, sondern vielmehr von Kosten, die derzeit entstehen, weil permanent Vandalismusschäden an den leer stehenden Gebäuden sowie abgelagerter Unrat zu beseitigen sind.
www.sz-online.de

26.11.2003
Wittenberge:  Bis Ende 2004 - 900 Wohnungen weniger
Trotz der miesen Haushaltslage in Bund Ländern und Gemeinden soll der Stadtumbau weitergehen.
"Das Geld für 2004 ist gesichert", sagt Hubert Mackel als stellvertretender Bauamtsleiter. Ende nächsten Jahres werden es 900 Wohnungen sein, die in dem Umbauprogramm abgerissen worden sind.
"Aber Abbruch ist nur ein kleiner Teil des Programms", erklärt Mackel weiter, "Hauptziel ist die Stärkung der Innenstadt". Und dazu gehöre eben auch die Aufwertung und Sanierung des Bestandes wie auch ergänzender Neubau. "Es werden in der Innenstadt auch attraktive Eigenheimflächen entstehen."
95 Hektar der Stadtfläche gehören in das sogenannte Kerngebiet, das im Süden und Osten aus den beiden Sanierungsgebieten Altstadt und ZiS-Gebiet besteht und im Norden und Westen durch das als Erhaltungsgebiet klassifizierte Areal von der Maxim-Gorki-Straße, Perleberger Straße, Thälmannstraße, Parkstraße bis zur Elbe abgerundet wird. Obwohl für dieses Gebiet noch konkrete Konzepte nötig sind, könnten Sanierungen auch hier finanziell unterstützt werden. "Das betrifft hauptsächlich die Hüllenförderung, also Dach und Fassade und kleinteilige Maßnahmen wie Fenster und Türen", erläutert Wolf Kaufmann von der mit der Stadtsanierung beauftragten BIG Städtebau.
Wittenberge ist als Wettbewerbssieger und besonders von Abwanderung betroffene Kommune Modellstadt für den Stadtumbau geworden. Man kann also kaum auf Erfahrungen zurückgreifen.
Aber eines ist allen klar: "Stadtumbau funktioniert nur im Dialog mit den Betroffenen", sagt Mackel. Gute Resonanz habe die erste Stadtumbaukonferenz erzeugt, bei der die Grundlagen und das Konzept öffentlich vorgestellt worden waren. Kontinuierlich kämen Bürger ins Bauamt und informierten sich, wie und wo es weitergeht, fragen Kaufinteressenten nach, ob ihre Absichten mit dem städtischen Konzept übereinstimmten.
Mit einem "Forum Stadtumbau" soll die öffentliche Diskussion am 2. Dezember ab 18.30 Uhr im Kultur- und Festspielhaus wieder aufgenommen werden. "Wir werden in einer ansprechenden Multimedia-Präsentation" über den Stadtumbau in unserer Stadt informieren", informiert Christiane Schomaker, die für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt zuständig ist. Bürgermeister Klaus Petry und Bauamtsleiter Ulrich Siodla werden aus städtischer Sicht zu den nächsten Schritten der Umsetzung des Umbaukonzeptes sprechen und Jürgen Schweinberger als Referatsleiter im Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr aus Landesperspektive.
Die Wittenberger werden zum kommenden Wochenende noch einen Flyer für das Stadtumbauforum in ihren Briefkästen finden. Daran wird auch eine Antwortkarte sein, auf der die Bürger ihre Vorschläge zum Stadtumbau an die Stadt richten können. Und natürlich wird es auf dem Forum am Dienstag nächster Woche auch die Möglichkeit der umfassenden Diskussion geben.

www.svz.de

25.11.2003
Wurzen: Die Platte bleibt, weil sie beliebt und wirtschaftlich ist
Warum bleibt die Platte stehen und alte Bürgerhäuser werden abgerissen? Das Thema Stadtumbau Ost in Wurzen beschäftigt derzeit die Gemüter.
Heike Pönicke, Geschäftsführerin der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft (WGW), weiß um solche Diskussionen. "Vielleicht ist es gut, das Thema grundlegend anzugehen. Zweck des Stadtumbaus Ost ist es, den Wohnungsmarkt im Osten zu bereinigen, Überangebot und sinkende Nachfrage wegen des weiteren Bevölkerungsrückgangs ins Verhältnis zu setzen. Von daher haben die Plattenbauten ihre Berechtigung. Sie sind, weil von den Bürgern geschätzt, sehr wirtschaftlich."
Bei der WGW sei nur der Block in der Friedrich-Ebert-Straße 59-65 mäßig besetzt. "Aber selbst hier schreiben wir noch schwarze Zahlen." Geld für die Sanierung von Gründerzeit- und anderen älteren Häusern sei nicht da. "Weder der Denkmalschutz gibt uns welches noch reichen die Banken dafür Kredite aus." Und die Plattenbauten könnten ohnehin nicht abgerissen werden, weil sie im Grundbuch ständen und mit Hypotheken für die Altschuldensicherung belegt seien. Auch die Wohnungsgenossenschaft Wurzen rührt die Platte nicht an. "Wir haben 471 Wohnungen in Wurzen Nord II und III, in der Kutusow- und in der Theodor-Körner-Straße", sagt Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Sven Mittenzwei.
"Ein Abriss kommt überhaupt nicht in Frage. Denn die Häuser sind zu einhundert Prozent saniert und modernisiert. Die Nachfrage ist groß, für manche Objekte, vorzugsweise Wohnungen mit Balkon, gibt es sogar Wartelisten."
Sven Mittenzwei weiß, dass immer mehr junge Leute Plattenbauten den älteren Häusern vorziehen. Wohnumfeld, Spielgelegenheiten, Parkplätze und der Zuschnitt der Wohnungen würden sehr geschätzt. "Unser Leerstand ist minimal, er liegt bei rund drei Prozent, Tendenz fallend."
Wie bei der WGW seien in der Wohnungsgenossenschaft die Objekte mit Hypotheken belastet. "Das Geld für die Modernisierung stammt aus Darlehen, wofür wir Kredite abzahlen."
Im Übrigen bricht der Geschäftsführer noch eine Lanze für die Plattenbauten: Im Osten sehen sie anders aus als in den alten Bundesländern. Sprengstoff-Milieu wie in Gelsenkirchen gibt es hier nicht."

www.lvz-online.de

25.11.2003
Innenstädte nicht links liegen lassen
Zum Beitrag "Berlin lenkt Investitionen für den Osten in den Westen um" äußert sich Dr. Holger Neumann, Landespräsident des Verbandes Haus & Grund:
Für den Stadtumbau haben Bund und Land nochmals ein großzügiges Hilfsprogramm aufgelegt, um das uns einige Länder im Westen beneiden, denn leer stehende Wohnungen in Größenordnungen gibt es mittlerweile nicht nur in Magdeburg oder Dresden, sondern auch in den strukturschwachen Regionen des Westens. Doch setzen wir die Mittel auch verantwortungsbewusst ein? Über die Frage, wie die Menschen morgen wohnen wollen, ist viel diskutiert worden. Eines ist allerdings Konsens: Es gibt einen Trend zum individuellen Wohnen, der sich immer stärker ausformt. Ihn in konsequente Städtebaupolitik umzusetzen würde bedeuten, nachhaltig die Innenstädte in ihrer Entwicklung zu fördern.
Doch wo findet Stadtumbau Ost heute im Wesentlichen statt? In der Umgestaltung peripherer Randgebiete. Dies ist nun schon der zweite Versuch, gegen den offensichtlichen Trend Großwohnsiedlungen zu erhalten. Wir haben als Grundeigentümerverband bereits in den Jahren 1994 bis 1999 gewarnt, undifferenziert und überproportional Einzelsanierung in Plattenbausiedlungen vorzunehmen. Nun findet der zweite Versuch statt, diese Strukturen mit enormem Aufwand aufzuwerten und zu erhalten. Zwar wird teilweise auch abgerissen, doch die Restbestände sollen mit hohen Subventionen erhalten werden. Es ist absehbar, dass in zehn Jahren die frisch sanierten Bestände wiederum Problemfälle sind.
Westdeutsche Städte haben diese Entwicklung schon hinter sich. Henning Scherf, langgedienter Oberbürgermeister von Bremen, bekannte sich auf einem Zentralverbandstag von Haus&Grund zu diesem Problem in seiner Heimatstadt. Auch dort wurden in den 60er und 70er Jahren im sozialen Wohnungsbau große Wohnanlagen errichtet, die nunmehr soziale Brennpunkte sind und abgerissen werden.
Eine neue Förderpolitik würde den Bestand von einigen großen Wohnungsunternehmen, darunter auch kommunalen Unternehmen, natürlich gefährden. Andererseits: Wer hat privaten Hauseigentümern und Unternehmen geholfen, die ruiniert sind? Das Horrorszenario, dass bei einer Insolvenz einer Gesellschaft die Mieter die Verlierer sind oder der Wohnungsmarkt zusammenbricht, ist längst widerlegt. Investitionshilfen müssen also, um sinnvoll zu sein, unsere Städte zukunftsfähig gestalten. Sonst werden uns in Gremien, Ausschüssen und Vorständen die Kollegen aus den westlichen Bundesländern mit Recht vorhalten, Steuermittel zu verschwenden.

www.volksstimme.de

25.11.2003
Berlin: Der Abriss beginnt
Im Bezirk müssen nach Ansicht von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder  voraussichtlich mehr Plattenbauwohnungen abgerissen werden als bisher geplant. Bislang hatte Strieder wegen des Wohnungsleerstandes bis zum Jahr 2010 den Abriss von insgesamt 5 000 Wohnungen als notwendig bezeichnet. "Selbst wenn wir 4 000 Wohnungen in Marzahn abgerissen haben, wird es dort immer noch Leerstand in gleicher Höhe geben", sagte Strieder. Diese Entwicklung sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Plattenbaugebiete fast nur noch Mieter aus dem eigenen Territorium finden, sagte Strieder. Zuzüge von außen blieben weitgehend aus. Außerdem wirke sich die Monostruktur der Siedlungen aus: Einst für Familien gebaut, sind deren erwachsene Kinder längst weggezogen. Auch besser Verdienende haben die Stadtteile längst verlassen. Laut Strieder betrug der Bevölkerungsverlust allein in Marzahn seit 1990 rund 35 000 Menschen. Die Großsiedlung Marzahn spiele deshalb in den Plänen zum Stadtumbau Ost eine herausragende Rolle. Keine Abrisspläne gebe es dagegen für Lichtenberg und Hohenschönhausen.
In Marzahn-Nord beginnt noch vor Weihnachten das erste große Berliner Projekt im Rahmen des Stadtumbaus Ost: Im Dreh um die Havemannstraße reißt die WBG Marzahn 1 400 Wohnungen ab. Bis Ende 2004 soll der Umbau geschafft sein. Aus Elfgeschossern werden dabei Sechs- bis Dreigeschosser. 409 Wohnungen bleiben erhalten und werden luxuriöser - mit großzügigerem Schnitt, teilweise mit großen Dachterrassen. Die Nettokaltmiete soll zwischen 4 und 5 Euro pro Quadratmeter betragen. Insgesamt 30 Millionen Euro kosten die WBG die "Ahrensfelder Terrassen". Für die Wohnungen in den umgebauten Häusern soll es bereits 80 Vormietverträge geben.

www.berlinonline.de

24.11.2003
Das stille Ende der ewigen Wertsteigerung
Schrumpfende Städte werden nach Ansicht vieler Experten zuerst in Ost-, dann aber auch in Westdeutschland zum Regelfall. Dieser Tatsache sei man sich inzwischen zwar weitgehend bewusst - nicht aber über die Konsequenzen im Klaren. Angesichts einer bis zur Jahrhundertmitte um weitere 15 bis 17 Millionen Einwohner zurückgehenden Bevölkerung müsse man sich auf kleiner werdende Städte einstellen und vom Wunschtraum der ewig anhaltenden Wertsteigerungen bei Immobilien und Grundstücken verabschieden.
Jürgen Goldschmidt, Erster Beigeordneter in der seit Jahren von Abwanderung betroffenen Stadt Forst in der Lausitz, forderte auf dem zweiten Seminar des vhw Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung mit dem Thema "Stadtumbau und Wertermittlung in der kommunalen Praxis" ein komplettes Umdenken. "Leerstand und Verfall schwächen Immobilienwerte, manche werden sich einfach verflüchtigen. Immobilieneigentümer erleben unangenehme Überraschungen, Kreditgeber verlieren Sicherheiten. Es klingt paradox, doch um weiteren Werteverfall zu stoppen, muss schnell abgerissen werden."
Der Paradigmenwechsel, dass noch 1993 Wohnungsunternehmen zur Sanierung verpflichtet wurden, um Zuwendungen zu erhalten und jetzt Abriss gefördert würde, sei nur schwer zu verkraften. Falsch sei auch die Annahme gewesen, dass Mieter quasi automatisch in sanierte Gebiete ziehen. Das zeige beispielsweise die wunderbar wieder hergestellte historische Görlitzer Innenstadt, die zu 45 Prozent leer steht.
"Viele offene Fragen in der Sache", konstatierten kommunale Praktiker und Immobilien-Sachverständige aus der gesamten Bundesrepublik. Zudem mangele es an Abstimmung unter den Beteiligten am Stadtumbau. So entwerfen Stadtplaner nicht selten Abriss- und Umbauszenarien, ohne die Wohnungsunternehmen einzubeziehen. Die sollen die Last schultern, haben aber aus betriebswirtschaftlichem Interesse oft völlig andere Objekte für den Rückbau im Visier. Von Gutachterausschüssen ermittelte Bodenrichtwerte sind häufig unflexibel, Verkehrswerte spiegeln nicht die gegenwärtige Marktsituation wider, lautete die Kritik. Bei einem Leerstand von 1,4 Millionen Wohnungen allein im Osten seien Angebot und Nachfrage völlig aus der Balance geraten. Nach 1990 zu hoch angesetzte Bodenrichtwerte und Bewertungen von Immobilienbeständen verzerrten zusätzlich das Bild. In vielen, vor allem kleineren Städten sei der Grundstücksverkehr zum Erliegen gekommen, weil der Wohnungsmarkt zusammengebrochen ist. "Wir brauchen dringend aktualisierte Bodenrichtwerte und Verkehrswerte, um handlungsfähig zu bleiben." Goldschmidts Mahnung zielte auf einen wunden Punkt: "Wertermittler müssen lernen, nach unten zu schauen. Stadtumbau heißt auch Wertminderung", sprach sich Hartmut Dieterich, emeritierter Professor der Universität Dortmund, für einen Tabubruch aus. Seine vhw-Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit Vorschläge für Wertermittlungen in nicht mehr nachgefragten Nutzungen. Auch im Ruhrgebiet gibt es bekanntlich Industriebrachen, die seit Jahrzehnten kaum noch jemanden interessieren: "Kein Markt, keine Preise", erklärte er. Klassische Wertermittlungsverfahren seien für Abrissgebiete daher ungeeignet.
Nicht über Nacht werde der Bodenmarkt in Ordnung zu bringen sein, meinte Wolfgang Kleiber vom Bundesbauministerium. Zu erwarten sei eine längere Phase von dauerhaftem oder vorübergehendem Leerstand mit zunehmender oder schwindender Attraktivität in den Städten. Vieles bedürfe auch schnellerer Klärung. So müssten Bankenpools für Lastenausgleich und Umschuldung gebildet werden, forderte Kommunalpolitiker Goldschmidt, der befürchtet, die Banken könnten zur "Achillesferse" im Stadtumbau werden.

www.welt.de

23.11.2003
Hermsdorf: Stadtentwicklung zur Einwohnerversammlung
Es solle im Dezember im Stadtrat beschlossen werden und sei Grundlage für die Erarbeitung des Flächennutzungsplanes, erläutert Bürgermeister Gerd Pillau. Seit längerem arbeite Hermsdorf an diesem Konzept für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Einbezogen sei der gesamte Agenda-21-Prozess mit fünf Arbeitskreisen, die den Ist-Stand der Stadtentwicklung seit 1990 aufgeschrieben und analysiert haben.
Nun seien die Stadträte dabei, mit dem Büro Helk die Vorschläge und neuen Erkenntnisse in ein Konzept zu fassen. Einbezogen seien alle Ausschüsse des Stadtrates mit ihren berufenen Bürgern sowie die beiden Großvermieter Wohnungsbaugesellschaft Holzland und Wohnungsgenossenschaft, so Pillau weiter.
Erarbeitet werden Vorschläge für die Nutzungsarten der Flächen der Stadt und ein Gestaltungsplan von Innenstadt und Waldsiedlung. Ein Lückenbebauungsplan wird erstellt und ein Verkehrswegeplan gefertigt. Und es werden Anregungen für die Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes der Stadt unterbreitet. Über die Ergebnisse können sich die Hermsdorfer am Dienstag umfassend informieren und dazu auch ihre Meinung äußern.

www.otz.de

23.11.2003
Hainichen: Den Blick über die Stadt genießen
Wer 1989/90 endlich einen der begehrten Schlüssel in den Händen hielt, hatte Trockenklo, Kohleofen, elektrische Leitungen über Putz gegen modernsten Wohnkomfort getauscht. Glück pur beim Blick vom Balkon über ganz Hainichen. Das wollten oder konnten viele Mieter der Wohnungsgesellschaft und der Wohnungsgenossenschaft als Vermieter der Blocks wenige Jahre später nicht mehr festhalten. Viele zogen aus, der Arbeit hinterher oder, wer konnte, in eine sanierte Wohnung im Zentrum, das eigene Häuschen am Stadtrand. Fensterscheiben sind blind, in einigen Aufgängen hängen nur nur wenige Gardinen vor dem Fenster. Dabei haben sich Wohnqualität und Komfort eher noch verbessert, als sie vor 14 Jahren waren.
Millionen hat allein die Wohnungsgesellschaft in ihre 299 Wohnungen investiert. Dächer, Balkone, Fenster, die elektrischen Anlagen wurden erneuert, die Häuser vollwärmegeschützt. Wer mochte, konnte sein Bad neu gestalten lassen. Parkflächen wurden geschaffen, auch direkt vor der Haustür. Die Blumenkästen am Haus Nummer drei sind jetzt verwaist. „Aber im Sommer, diese Blütenpracht.“ Anne-Katrin Schumann, Prokuristin der Wohnungsgenossenschaft, kommt ins Schwärmen. Man sieht eben schon von außen, dass sie gern hier wohnen, die älteren Leute im Betreuten Wohnen des DRK. „In diesem Haus bauen wir zurzeit eine Gästewohnung aus“, erzählt die Prokuristin. Übernachtungsräume gibt es schon im Haus 19. Die tragen Namen wie „Hainichen“, „Ottendorf“ oder „Schlegel“; in jene Richtung, in die man aus den Fenstern blicken kann, und „Dorsten“, denn der Dorstener Schützenverein hat sie quasi eingeweiht.
„Seine“ Wohnungen im wahrsten Sinne des Wortes bestens im Blick hat Jürgen Bernhardt, Geschäftsführende Vorstand der Hainichener Wohnungsgesellschaft, die ihr Büro in einem der Blöcke eingerichtet hat. An „Platte“ erinnert in einigen Häusern fast nichts mehr. In den Nummern 62 und 54 beispielsweise wurde das sechste Geschoss abgerüstet. Hier entstand Platz für Waschmaschinen und Trockner, Unterstellmöglichkeiten. Vier Wohnungen sind im Grundriss verändert worden. Auch Gästewohnungen können angemietet werden. Zurzeit werden Hausaufgänge verschönert, Fenster erneuert.
Und so rollen längst nicht mehr die Möbelwagen vom Hang in die Stadt – Umzug innerhalb der Wohnblöcke ist angesagt. „Wir bieten unseren Mietern den Umzug in renovierte Wohnungen an, in Häusern, in denen schon mehrere Familien wohnen“, erklärt Jürgen Bernhardt. Übrigens: zum gleichen Mietpreis. Der Leerstand sei dennoch nicht zu verheimlichen. Einen Grund dafür sieht er auch in den schlechten Einkaufsmöglichkeiten vor allem für die vielen älteren Bewohner. Die Kaufhalle hat längst geschlossen.
Doch das Leben pulsiert im Wohngebiet nicht nur, wenn sich die Grüppchen zum Schwatz am Bäckerwagen finden. Im „Storchennest“ genießen die Steppkes tagsüber eine liebevolle Betreuung. Platz bleibt genug zum Toben und Spielen in dem weitläufigen Areal der Kindertagesstätte des DRK. Und die Bäume und Sträucher, ja die sind inzwischen auch gewachsen, spenden im Sommer Schatten. Das hatten sich viele Eltern für ihre Knirpse Anfang der 90er gewünscht, als der Kindergarten eingeweiht wurde. Tja, auch das hat sich geändert. Und manchmal werden Wünsche wahr, auch wenn es Jahre dauert.

www.freiepresse.de

23.11.2003
Hoyerswerda: Ordentliche SubVersion
Die Hoyerswerdaer Bürgerinitiative SubVersion hat beim jüngsten Treffen ihre Ziele neu gefasst: Nicht mehr nur um das Ex-Zuse-Gymnasium allein soll es gehen, sondern um Bürgerbeteiligung beim Hoyerswerdaer Stadtumbau generell – an vielen „Fronten“.
Auslöser für die Gründung der SubVersion war der drohende Abriss des Zuse-Gymnasiums im WK I. Die SubVersiven hatten der Stadtverwaltung in zum Teil sehr harschen Tönen vorgeworfen, den Verlust des denkmalgeschützten Hauses widerstandslos hinzunehmen. Noch fehlen die Zahlen Die Stadtverwaltung hatte dem entgegengehalten, es gebe kein Geld für eine Sanierung/ Nachnutzung in städtischer Regie. Ein privater Investor sei nicht zu finden – und bitteschön solle die SubVersion doch ein eigenes tragfähiges Nachnutzungskonzept vorlegen: Darüber könne man reden. Ein September-„Spitzengespräch“ im Rathaus hatte mit einem Patt geendet: Die Stadtverwaltung wollte Zahlen bereitstellen, welche Betriebskosten für das Haus auflaufen und was man in eine Sanierung stecken müsste. Diese Zahlen, so beklagte die SubVersion, lägen aber immer noch nicht vor. Man wolle sie nun noch einmal energisch einfordern. Vision: Senioren-Campus! Allerdings will es die SubVersion nicht beim Fordern und Worten belassen. Man ist an den Großvermieter LebensRäume herangetreten: Könne man den Zuse-Bereich im WK I nicht als „Senioren-Campus“ re-vitalisieren? Mit Wohn-Einheiten, Senioren-Akademie und Ähnlichem? Dem Vernehmen nach will der LebensRäume-Vorstand sich demnächst vom Grundsatz her mit dieser Idee befassen. Auch will die SubVersion noch einmal die Diskussion anfachen, ob die Schwesternschule nicht auf dieses Gelände ziehen könnte statt in einen noch zu errichtenden millionenschweren Neubau. Sich zum Markt zeigen Generell soll jetzt der gesamte Stadt-Umbau, genauer gesagt, die Bürgerbeteiligung dabei, als Vereins-Ziel in den Mittelpunkt rücken – denn zum Verein soll die Initiative baldmöglichst werden. Und Öffentlichkeit erreichen: Zum Markt der Möglichkeiten 2004 will sich der Verein i.G. mit einem Gestaltungswettbewerb und einer Bürger-Umfrage beteiligen; eine Podiumsdiskussion wird erwogen. Nicht zuletzt möchte man eine der/ die Stadtrats-Fraktion(en) gewinnen, SubVersive als sachkundige Bürger in die Ausschüsse zu berufen: Nur so könne man direkt im Vorfeld von Entscheidungen wirken.

www. sz-online.de

23.11.2003
Löbau und Umgebung: Nebenan kommt der Möbelwagen
Über 20.000 Einwohner hat der Landkreis seit 1990 verloren. Das sind mehr Menschen, als heute in Löbau und den zugehörigen Orten leben. Die Folgen spüren die Gemeinden inzwischen besonders schmerzlich. Noch eine Abschiedsparty im Sportclub, ein paar Behördengänge, dann kommt der Möbelwagen. Wieder zieht eine Familie der Arbeit hinterher. Irgendwann gibt es dann ein Lebenszeichen wie dieses im virtuellen Gästebuch: Ex-Olbersdorfer grüßt alle Olbersdorfer von Pforzheim aus. Die Gemeinde am Rand der Kreisstadt konnte länger als andere Kommunen eine stabile Einwohnerzahl vorweisen. Zehn Jahre nach der Wende hatte sie gerade 80 Einwohner verloren, mit Stadtnähe, Bauland und modernen Wohnungen aber auch viele Neubürger locken können. Um so unvermittelter trifft Olbersdorf jetzt der Massenwegzug. Allein in den vergangenen zwei Jahren schrumpfte die Zahl der Olbersdorfer um fast 700 Menschen. Leere Wohnungen sind eine Folge. 15 Prozent Leerstand verzeichnet die Kommunale Wohnungsgesellschaft. „Jetzt ziehen vor allem die Pendler weg, die jahrelang die Wochenenden auf der Autobahn verbracht haben“, sagte Jonsdorfs Bürgermeister Heinz Leupolt, als er unlängst in der Ratssitzung informierte, dass wieder eine Familie ihr Haus verkauft habe. Dabei gehört der Kurort zu den Gemeinden, in denen unterm Strich heute sogar noch mehr Menschen als 1990 zu Hause sind. Anders Bernstadt, das zwar mit Kemnitz, Dittersbach und Altbernsdorf inzwischen Ortsteile dazu bekommen hat, trotzdem 500 Menschen weniger in der Einwohnerstatistik führt. Die jungen Familien fehlen in der Kleinstadt auf dem Eigen. Zwei Kindereinrichtungen wird die Stadt zusammenlegen und eine Mittelschule im Terrain der Verwaltungsgemeinschaft schließen müssen. „Wo soll in fünf bis zehn Jahren nur der Nachwuchs für die Firmen herkommen?“, fragt sich Bürgermeister Gunter Lange. Es sind ja nicht nur Steuermittel (in Bernstadt 13.000 Euro, wenn im kommenden Jahr 50 Einwohner abwandern). „Man spürt das an so vielen Stellen“, sagt Gunter Lange, „den Vereinen fehlt der Nachwuchs und die Feste haben weniger Zulauf. Immer weniger Menschen müssen die überall errichteten Wasser- und Abwasseranlagen bezahlen“. Weniger Kundschaft, das wirke sich auch bitter für die Handwerker und Händler aus. Da kann seine Seifhennersdorfer Amtskollegin Karin Berndt sogar ein Beispiel anführen. Als die Firma Birkenstock aus Seifhennersdorf wegging, fanden zwar rund 40 Seifhennersdorfer im Bernstädter Werk Arbeit, aber sie kauften danach auch am Arbeitsort oder unterwegs ein. „Selbst wenn es nur die täglichen Lebensmittel waren, haben unsere Händler das Fehlen dieser Kundschaft schmerzhaft gemerkt.“ Mit einem Schwund von fast 2.000 Einwohnern in den vergangenen zwölf Jahren, das sind 23 Prozent der Gesamtbevölkerung, ist die Stadt Seifhennersdorf die am schlimmsten von der Abwanderungswelle betroffene Kommune im Landkreis. Mit Argusaugen verfolgt man im Rathaus deshalb jeden Monat die aktuellen Zahlen. Bis jetzt sieht es so aus, als ob in diesem Jahr die Abwanderungswelle verebbt ist. Doch schon jetzt fehlen in den Vereinen die Übungsleiter oder aktive Sportler, bei der Feuerwehr die Einsatzkräfte. „Wir wollen jedenfalls alles nur Mögliche tun, damit die Menschen hier Bedingungen vorfinden, die ihnen das Bleiben zumindest erleichtern.“ Freibad, Bibliothek und Museum zählt die Bürgermeisterin auf, wolle man sich weiter leisten. Am liebsten würde Karin Berndt ein Begrüßungsgeld für Neubürger zahlen, aber dafür gibt es in kommunalen Kassen keine Mittel. „So haben wir zumindest das Licht auf den Straßen wieder angeschaltet. Damit soll auch ein Zeichen gesetzt werden für alle, die hier leben, dass es noch lange nicht Zeit ist, in der Stadt Seifhennersdorf das Licht auszuschalten“, sagt die Bürgermeisterin.
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23.11.2003
Werdau: Erste "Platte" kommt weg
Es waren nur wenige Neugierige, die Ende der Woche den Start zum Abriss der ersten Plattenbauten in der Alexander-Lincke-Straße im Stadtteil Sorge verfolgten. Ohne großes Brimborium fuhr der Spezialbagger seinen Ausleger in die Höhe des sechsten Stockwerkes und noch etwas darüber hinaus und fraß sich Stück für Stück in die Dachhaut. Kurze Zeit später fielen auch schon die Seitenwände der ersten Wohnung in die Tiefe. „Wir sind unserem Plan fast zwei Monate voraus“, war vom Geschäftsführer der Gebäude- und Grundstücksverwaltung Werdau (GGV), Klaus Müller zu erfahren. Das sei auf Grund einer guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – von der Sächsischen Aufbaubank, die das Geld zur Verfügung stellte bis zu den Stadtwerken, die die Fernwärmeleitung umverlegten – möglich geworden. Der Abriss selbst habe sich gut angelassen und man könne davon ausgehen, dass spätestens am 5. Dezember von der Alexander-Lincke Straße 14 bis 24 sowie 26 bis 32 und den 132 Wohnungen nichts mehr zu sehen sein wird.
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23.11.2003
Bautzen:  Wohnungsgesellschaft sucht neue Ideen für leere Läden
Die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) hat Mühe, alle ihre Läden und Büros in der Altstadt zu vermieten. Das Wohnungsbauunternehmen hat nach eigenen Angaben 115 Gewerbeimmobilien im Bestand, die meisten in der Altstadt. Elf dieser Objekte stehen leer, manche erst seit wenigen Monaten, weil die Ladeninhaber aufgeben mussten. „Der Leerstand verharrt bei zehn Prozent“, sagte BWB-Geschäftsführerin Regine Rohark. Rohark und BWB-Justitiar Torsten Schwarz sehen eine Reihe von Gründen, wieso sich Läden und Büros nur schwer vermieten lassen oder Gewerbetreibende für immer den Rollladen herunterlassen. Da ist zum Beispiel der Sättigungsgrad beim Handel: Es gebe bereits genug Schuhläden oder Boutiquen in der Innenstadt, so Rohark. Zudem sitze das Geld bei vielen Menschen nicht mehr sonderlich locker. Geschäfte, in denen mit Blumen oder schicker Kleidung vor allem „Freude“ verkauft werde, hätten es deshalb schwer, sagte Schwarz. „Die Altstadt macht einen vollen Eindruck, aber es ist keine Kaufkraft da“, fasste Rohark die Situation zusammen. Abhilfe kommt ihrer Ansicht nach auch nicht durch die vielen Touristengruppen. Sie hätten oft ein so dichtes Besichtigungsprogramm, dass zum Einkaufen wenig Zeit bleibe, so die BWB-Chefin. Nicht unterschätzt werden darf nach Schwarz’ Meinung auch die Parkplatzsituation in der Altstadt. Oft gebe es zu wenig Stellflächen. Angesichts dieser Situation will sich Rohark nicht mehr allein auf den Einzelhändler verlassen. Das Unternehmen denkt über neue Nutzungsmodelle nach, um dem Leerstand zu begegnen. So viel steht bereits fest: Was einmal als Laden gedacht war, muss nicht immer ein Laden bleiben. Die BWB kümmert sich vor allem um Wohnungen. Laut Geschäftsführerin Rohark befinden sich 4.600 im Bestand des Unternehmens. Die BWB sei der größte Vermieter der Stadt und verwalte gut ein Fünftel aller Wohnungen in Bautzen. Im Durchschnitt 20 Prozent der BWB-Wohnungen stehen leer, hunderte allein deshalb, weil ihr Zustand eine Vermietung nicht zulässt. So gut wie nichts mehr frei ist hingegen in der Gagarinstraße und im Allende-Viertel.
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23.11.2003
Weißwasser
: Nach fünf Jahren mit dem Erreichten zufrieden
Fünf Jahre ist es her, dass Dr. Horst Opitz als Kaufmännischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft nach Weißwasser kam. Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus. Aus heutiger Sicht ist er froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Die Aufgaben, die hier anstanden, reizten ihn, wie er heute noch gern bestätigt. Die Stadt soll schrumpfen, die Wohnungsbestände müssen reduziert, der gesamte Wohnungsmarkt revitalisiert werden. „Der Ausgangspunkt damals war ein Leerstand, den man mit einem Kilometer aneinander gereihter Häuser vergleichen konnte“, erinnert sich Opitz. Veränderte Strukturen standen ins Haus Um die Zukunft zu meistern, so Opitz heute, galt es erst einmal, in der Genossenschaft organisatorische und personelle Voraussetzungen zu schaffen. Da standen veränderte Strukturen ins Haus, Weiterbildungen mussten sein. Ein anderes Aufgabenfeld war und ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Stadt, konkret mit dem Mitbewerber Wohnungsbaugesellschaft und nicht zuletzt der Stadtverwaltung. Ein Entwicklungskonzept musste her, damit die Wohnungsbetriebe handeln konnten. Das erwies sich anfänglich als sehr zählebig. „Mit Helma Orosz als Oberbürgermeisterin und dem dann mit der Konzeptaufstellung beauftragten Planer und jetzigen OB Hartwig Rauh kam dann Schwung in die Sache.“ Die Einflussnahme der Politik wurde dringend benötigt, damit Bund und Land für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgten. Die Weißwasseraner klapperten gemeinsam, was das Zeug hielt. „Mit eigenen Mitteln hätten wir den notwendigen Rückbau nie in die Reihe bekommen.“ Heinz Opitz und Heinz Richter, Geschäftsführer der Gesellschaft, ließen nicht locker. Immer stärker kristallisierte sich heraus, dass der eingeschlagene Weg der einzig richtige war. Die leer stehenden Wohnungen konnte niemand bezahlen. „Ende dieses Jahres haben wir 828 Wohnungen vom Markt genommen. 2,8 Millionen Euro erhielten wir dafür von Bund und Land. Das sind 100 Prozent Förderung.“ Gleichzeitig bedeutet das, dass 1,2 Millionen Euro weniger Kosten für das kommende Jahr. Am 17. November beging Horst Opitz seinen 65. Geburtstag. Ende des Jahres läuft sein Vertrag in Weißwasser ab. „Mit dem, was wir mit den Kollegen erreicht haben, können wir zufrieden sein“, schätzt er rückblickend ein.

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22.11.2003
Angesagte Plattenbauten
Graue Hochhaussklötze, kleine Zimmer und dünne Wände - eigentlich ist Wohnen im Plattenbau wenig attraktiv. Doch bei Künstlern und Studenten ist die "Platte" angesagt. Während die einen den "Ostalgie"-Faktor schätzen, ziehen die anderen wegen günstiger Mietpreise in die Wohnbunker. Auch die Stadtverwaltungen profitieren von diesem Trend. Schließlich stehen im Osten tausende Wohnungen in den Plattenbauten leer - und der "Stadtumbau Ost" kommt nur langsam voran.
Mit Eisenzähnen bohrt sich der Bagger in den Plattenbau im einstigen Neubaugebiet "Roter Hang" in Erfurt - und gibt den Blick in Zimmer frei, in denen noch vor wenigen Jahren Menschen gewohnt haben. Dieses Bild bietet sich derzeit in vielen Siedlungen aus DDR-Zeiten. 350.000 Wohnungen in Ostdeutschland müssen nach Angaben des Deutschen Mieterbundes in den kommenden Jahren abgerissen werden.
Seit der Wende ist die Bevölkerung im Osten stark geschrumpft, rund 1,3 Millionen Wohnungen stehen leer. Und das, obwohl in den 70er Jahren unzählige "Arbeiterschließfächer" aus dem Boden gestampft wurden, um die damalige Wohnungsnot zu beseitigen.
Nach der Wende hatten Wohnungsbaugesellschaften zunächst mit aufwändigen Sanierungen versucht, die verfallenden Wohnungen attraktiver zu machen. In den 90er Jahren setzte die Bundesregierung im Rahmen des "Stadtumbaus Ost" schließlich auf Rückbau und Abriss.
Doch der Abriss im Rahmen einer "zukunftsweisenden Stadtentwicklung" kommt nur langsam voran. Deshalb setzen viele Städte auf Eigeninitiative: Zu Spottpreisen vermieten sie die "Platte" etwa an Studenten. Um die Räumlichkeiten attraktiv zu machen, hat sich die Rostocker Wohnungsbaugesellschaft noch etwas Besonderes einfallen lassen: Wer Treppensteigen nicht scheut und in die vierte oder fünfte Etage einzieht, spart zusätzlich. Und wer jünger als 27 Jahre ist, dem werden einige Quadratmeter nicht berechnet.
In Berlin wohnen Lehrlinge und Studenten inzwischen für nur 50 Euro in einer der rund 270.000 leer stehenden Plattenbau-Siedlungen. Mehr als 200 Mietverträge hat die Berliner "Gesellschaft für Stadt und Land" innerhalb eines Jahres in Hellersdorf abschließen und Leerstände verringern können.
Doch nicht nur günstige Mieten sprechen für die "Platte". Bei Grafikern, Designern, Architekten und Künstlern sind die Wohnungen derzeit angesagt. So hat das renommierte Thalia-Theater im Spätsommer ein 18-stöckiges Hochhaus in Halle-Neustadt zu einem Hotel umgerüstet und zwei Wochen zum Schauplatz eines Kulturfestivals gemacht.
Und im Magedburger Plattenbaugebiet Neu-Olvenstedt haben vier Studenten gerade eine Ausstellung zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Plattenbauten organisiert - eine Arbeit, bei der die Studenten auf den Geschmack gekommen sind: Sie können sich jetzt durchaus vorstellen, in die Platte zu ziehen

www.zdf.de

22.11.2003
Frankfurt (Oder): Slubicer wollen nach Frankfurt
Die Stadt Frankfurt (Oder) hat einen ersten Interessenten aus der polnischen Schwesterstadt Slubice für ihre leeren Plattenbauwohnungen. Der Antrag von einer fünfköpfigen Familie ist in der Stadtverwaltung eingetroffen und wird jetzt geprüft. Zudem lägen derzeit drei weitere Wohnungsanfragen aus Polen vor, sagte Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) gestern. Die Oderstadt sucht seit langem nach Lösungen, ihre leer stehenden Wohnungen an Bürger aus Slubice zu vermieten, wo Wohnraummangel herrscht.
Die polnische Familie bringt ihre drei Kinder täglich nach Frankfurt zu Kita und Schule. Sie sei es Leid, täglich im Stau zu stehen, sagte der Stadtsprecher Heinz-Dieter Walter. Nun wollten die Eltern in Frankfurt leben, wo auch die Kinder ihre Freunde hätten. Dafür wollen die Eltern nach Polen zur Arbeit fahren.
In Frankfurt stehen 6500 Plattenbau-Wohnungen leer, für deren Abriss die Stadt pro Quadratmeter 90 Euro aufbringen müsste, während in Slubice bis zu 800 Wohnungen fehlen. Die Idee von Oberbürgermeister Martin Patzelt , dort Polen aufzunehmen, hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Die Stadt bemüht sich für das Vorhaben um EU-Fördergelder, um polnischen Mietern die Bezahlung der in Deutschland höheren Mieten zu ermöglichen. In Slubice sind Mietwohnungen knapp, aber mit etwa 50 Euro sehr billig - in Frankfurt fangen die Mieten bei 300 Euro an.

www.maerkischealgemeine.de

22.11.2003
Schwerin: Fördergelder für den Stadtumbau bewilligt
Schwerin Bund und Land fördern den Stadtumbau in Schwerin mit 2,7 Millionen Euro. Diese Summe hat das Land jetzt auf Antrag der Stadt für das Programmjahr 2003 bewilligt. Durch die diesjährige Förderzusage ist der Rückbau von weiteren 700 Wohnungen innerhalb der nächsten vier Jahre finanziell gesichert. Welche Gebäude zurückgebaut werden, ist im Stadtentwicklungskonzept festgelegt, das vom Bauamt und den Wohnungsunternehmen erstellt wurde.
Bereits im Programmjahr 2002 hat die Landeshauptstadt 2,4 Millionen Euro Förderung erhalten, mit denen mehr als 400 Wohnungen in den Stadtteilen Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz zurückgebaut wurden. Um die Ziele des Umbaukonzeptes der Stadt vollständig umzusetzen, werden in den kommenden Jahren weitere Fördermittel benötigt.
Schwerins Baudezernentin Heidrun Bluhm: "Ohne Förderung würde der Stadtumbauprozess ins Stocken geraten, denn gerade die Projekte, die Stadtumbau und Wohnungsmodernisierung miteinander verknüpfen, können sonst nicht realisiert werden." Dass dieser Umbau mehr als nur Abriss sei, habe das Modellquartier in der Vidiner und Tallinner Straße in Neu Zippendorf gezeigt. Wie dort geschehen, könne die Stadtumbauförderung auch eingesetzt werden, um fünfgeschossige Wohnblocks in dreigeschossige Stadtvillen umzubauen.

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21.11.2003
Wohnen im Jahr 2030 wird "sexy" und "trendy" sein
Der Verteilungskampf um die Mieter des Jahres 2030 hat begonnen. Und als erste Investorengruppe haben jetzt die deutschen Wohnungsgenossenschaften mobil gemacht, um die Schrumpfung der Bevölkerung und damit das schlagartige Wegbrechen der Wohnungsnachfrage heil zu überstehen.
Einziges Thema auf dem GdW-Forum in Würzburg: "Innovativ in die Zukunft". Mehr als 500 Vertreter der Wohnungsgenossenschaften aus ganz Deutschland legten dabei ein Bekenntnis zu den genossenschaftlichen Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung ab, die es ihnen ermöglichen sollen, neue Wohnangebote für eine Zukunftsgesellschaft zu entwickeln, wie sie in dieser Form keine andere Investorengruppe bereitstellen kann.
Die 2000 Wohnungsgenossenschaften - nicht zu verwechseln mit den ebenfalls im GdW organisierten kommunalen Wohnungsgesellschaften - bewirtschaften 2,2 Mio. eigene und 150 000 verwaltete Wohnungen mit vier Mio. Mietern. Ihre drei Mio. Mitglieder haben für mehr als 3,3 Mrd. Euro Genossenschaftsanteile gezeichnet. Aber diese Mittel reichen nicht, um den gewaltigen Innovationsschub auszulösen, mit dem die Genossenschaften die Konkurrenz abhängen wollen.
Mit einem schonungslosen Bild der Herausforderungen konfrontierte in Würzburg der Leiter des Bochumer InWIS-Instituts, Prof. Volker Eichener, die Genossenschafter. Er sagte einen "gnadenlosen Wettbewerb" der Wohnungsanbieter um Mieter voraus - und zwar selbst im GdW. Denn ab 2010 werde der massive Bevölkerungsrückgang den gesamten deutschen Wohnungsmarkt mit nie gekannter Wucht erschüttern. Der Westen Deutschlands werde davon genauso erfasst werden wie jetzt schon der Osten. In dieser Situation wird es laut Eichener darauf ankommen, dass die Anbieter Marktnischen besetzen. Während die "Massenbestände" unweigerlich in den Leerstand abrutschten, könnten Kunden orientierte Angebote, produktnaher Service, wohn begleitende Zusatzleistungen, innovative Finanzierungsmodelle und eine bewusste Markenpolitik sogar neue Mieter binden. Um sich im Markt als "sexy" und "trendy" darzustellen, biete die Organisationsform der Genossenschaft bessere Möglichkeiten als jede andere Unternehmensform.
Eichener machte zwei Zielgruppen aus, auf die sich das genossenschaftliche Angebot kaprizieren sollte: ältere Mieter und Junggenossen. Seien für die einen Hilfs- und Altersangebote von der Nachbarschaftshilfe über Reinigungstrupps und Kaffeekränzchen, Skatrunde und Briefmarkenverein bis hin zur Kranken- und Altenpflege wichtig, könnten die anderen mit einer Palette von "Fun-Produkten" angesprochen werden. Die Stichworte reichten hier vom Billard- und Kaminzimmer über Clubleben, After-Work-Partys, Wellness- und Fitnesseinrichtungen.
Aber wie das alles organisieren und finanzieren? Die Genossenschaften wollen es ihren Mitgliedern schmackhaft machen, Zusatzleistungen durch Zeichnungen weiterer Einlagen "anzusparen". Zu diesem Zweck fordern sie von der Bundesregierung, ein Fördermodell für die Zeichnung zusätzlicher Genossenschaftsanteile zu entwickeln sowie die Anteile an Wohnungsgenossenschaften in die Riester-Rente einzubeziehen. Vorschläge dazu hat bereits eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission vorgelegt. Kommentar des Vertreters des Bundesbauministeriums, Peter Runkel: "Sehr durchdacht".

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21.11.2003
Aschersleben: Ganz hübsch, aber problembeladen
"Ich hab ja gar nicht gewusst, dass das hier so bildschön ist." Als Staatssekretärin im Gesundheitsministerium des Landes ist Bärbel Freudenberg-Pilster oft genug durch Aschersleben gefahren. In die Innenstadt führte sie ihr Weg noch nie.
Und so zeigte sie sich überrascht von einer Innenstadt, die sie "so nicht erwartet" hatte. Frau Freudenberg-Pilster gehört zu den etwa 20 Mitgliedern einer Delegation, die in Sachen Internationale Bauausstellung (IBA) am Dienstag in Staßfurt, Aschersleben und später in Halle unterwegs war.
Aschersleben zählt zu den elf nominierten IBA-Projekten, die bis 2010 zeigen sollen, wie Stadtumbau funktionieren kann (die MZ berichtete). Im Herbst 2004 werden alle Projekte erneut auf den Prüfstand gestellt, und die Mitglieder des Kuratoriums und des Lenkungsausschusses sollen bei regelmäßigen Exkursionen die Möglichkeit haben, mit eigenen Augen zu sehen, worüber sie später entscheiden müssen.
Das Bild der hübschen und aufgeräumten Innenstadt könnte bei oberflächlicher Betrachtung über die Probleme hinwegtäuschen, denen sich Aschersleben in den nächsten Jahren zu stellen hat. Der zweifellose Zwang zur Schrumpfung wirft neue Fragen auf: Was wird aus den Flächen, insbesondere aus der das Stadtbild prägenden Industriebrache Optima? Wie können die Ortsdurchfahrten künftig sinnvoller genutzt werden? Denn wohnen möchte hier kaum noch jemand. Bei den Antworten auf diese Frage ist Aschersleben scheinbar recht weit. Regina Sonnabend, eine der Koordinatorinnen im IBA-Büro, äußerte sich nach der Präsentation im Ratssaal jedenfalls beeindruckt. "Aschersleben zeigt sehr interessante Ansätze und geht Schritte, von denen andere lernen könnten", meinte sie am Rand der Veranstaltung. Das Lob für die Ideen des Projektteams um Kai Vöckler aus Berlin gibt dieser weiter: "Die Stadt hat sehr schnell auf die Erfordernisse der demografischen Entwicklung reagiert und schon Kontakt mit dem Bauhaus aufgenommen, als es das IBA-Büro kaum gab", so Vöckler. Er stellte den Teilnehmern Ideen vor, wie Flächen "nicht als Leerfläche, sondern als Potenzial für neues Nutzen und Gestalten" begriffen werden könnten. Hinter dem Zoll, wo bereits mehrere Gebäude abgerissen sind, könnte eine angestrahlte "mediale Fassade" ein Hingucker sein. Denkbar sei eine Graffiti-Wand in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturverein. In der Geschwister-Scholl-Straße lösen sich durch die Wegnahme von Gebäuden geschlossene Straßenzüge auf - hier entstehen Verbindungen zur Innenstadt. Er zeigte Möglichkeiten, wie Lärmschutz ansprechend und unterschiedlich gestaltet werden kann und verblüffte an der Steinbrücke mit grünen Böschungen, die die Flächen dahinter schützen sollen

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21.11.2003
Zeit für die Abriss-Birne
Die Entscheidung hatte sich der Lübecker Bauverein nicht leicht gemacht. "Wir haben die Vor- und Nachteile lange gegeneinander abgewogen", erinnert sich Vorstandsmitglied Detlef Aue. Am Ende wurde die Radikallösung bevorzugt: An der Robert-Koch-Straße rückten Bagger und Abriss-Birnen an. 254 Genossenschaftswohnungen, alle 1951/52 für Flüchtlinge errichtet, wurden dem Erdboden gleich gemacht. Statt ihrer entstanden auf dem 22 046 Quadratmeter großen Areal 262 neue Wohnungen, mit modernstem Wärme- und Schallschutz und vor allem erheblich größeren Wohnflächen. Die Lübecker Situation ist exemplarisch für einen kompletten Wohnungsjahrgang.
Was den Bauverein von der zunächst erwogenen Modernisierung des Bestandes abrücken ließ, war eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Aue: "Die Sanierung wäre fast so teuer gekommen wie der Neubau." Nur wäre dabei der Schnitt der Wohnungen kaum verändert worden, die Vermietung damit langfristig in Frage gestellt. Denn die damaligen Flächenstandards, 48 qm pro Familie, bereiteten zunehmend Schwierigkeiten bei der Neuvermietung, als die alten Mieter in Altersheime zogen oder langsam wegzusterben begannen. Lag 1960 der durchschnittliche Wohnraumbedarf bei knapp 19 qm pro Person, beträgt er heute 50 qm. "Die kleinen Wohnungen waren immer weniger gefragt", sagt Aue. Als Folge konnte die sozial ausgewogene Bewohnerstruktur nicht gehalten werden.
Eine Erfahrung, die auch in anderen Städten in Vierteln mit Bestandsbauten aus den 50er Jahren gemacht wird. "Generell steigen in diesen Quartieren Vandalismus, Kriminalität und das Aggressionspotenzial an, wenn die alten Bewohner ausziehen oder wegsterben", weiß Carsten Rieckhoff, Immobilienanalyst der Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank. Ist die Abwärtsspirale erst in Gang gekommen, sei es fast unmöglich, sie wieder zu stoppen. "Irgendwann finden sich in diesen Vierteln nur noch Problemmieter." Häufig sei es dann selbst für einen Abriss zu spät: "Eine Entmietung ist fast unmöglich, wenn niemand die Mieter haben will."
In Lübeck ist es gelungen, rechtzeitig einzugreifen, meint Aue. Zwar sei die Zahl der Wohnungen von 254 auf 262 nur gering gestiegen, die Wohnfläche sei jedoch erheblich gewachsen: von 10 985 qm auf 17 683. Hatte ursprünglich die durchschnittliche Wohnfläche 43 qm pro Wohnung betragen, sind es nun 67,5. Zudem wurde eine Tiefgarage mit 181 Stellplätzen geschaffen, die Parkplatzprobleme, im Viertel seit Jahren eminent endlich gelöst.
Was in Lübeck nur ein kleines Quartier betraf, ist in Nordrhein-Westfalen ein riesiges Problem. Hans-Dieter Krupinski, Ministerialdirigent im Landesbauministerium für Wohnungs- und Stadtentwicklung, schätzt, dass von den zwei Millionen Wohnungen, die in den 50er Jahren errichtet worden sind "als Kohle und Stahle brummten und die Heimatvertriebenen ins Land strömten", noch 1,6 Mio. existieren. Eine Modernisierung zu vertretbaren Kosten sei nicht möglich, sagt Krupinski und rät zum Abriss, "auch wenn viele Wohnungsgesellschaften diesen Schritt noch scheuen". Aus den 45 bis 48 qm großen Zwei- bis Drei-Raumwohnungen, einst für Familien mit zwei bis drei Kindern geschaffen, könnten heute nur 1,5-Zimmer-Wohnungen werden, für die kaum Nachfrage bestehe.
In Einzelfällen seien Abriss- und Neubauprojekte in Nordrhein-Westfalen mit öffentlichen Geldern gefördert worden, sagt Krupinski. In Lübeck hat das Land Schleswig-Holstein das 30-Mio.-Euro-Projekt mit neun Mio. Euro gefördert, die Stadt noch einmal mit 700 000 Euro. Davon profitieren auch die Mieter. Von den 262 neuen Wohnungen unterliegen 188 den Vorgaben öffentlicher Förderung. Die Netto-Kaltmiete beträgt 4,86 Euro/qm. Bauvereins-Vorstand Aue: "Hätten wir nur modernisiert, wäre die Kaltmiete auf etwa 6,11 Euro gestiegen."

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21.11.2003
Landflucht gefährdet die Werthaltigkeit von Einfamilienhäusern im Grünen
Das eigene Haus im Grünen galt lange Zeit als ideale Immobilie schlechthin. Die Kinder sollten wohl behütet vor den Gefahren der Großstadt aufwachsen, der Blick auf Wälder und Felder Entspannung nach der Arbeit bieten. Doch der Trend kippt.
"Vor allem ältere Leute ziehen vom Land wieder zurück in die Stadt", weiß Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter der Aengevelt Immobilien KG, Düsseldorf. Jüngere Erwerber wiederum sind längst nicht mehr so vom Landleben fasziniert, wie vorherige Generationen. Langfristig könnte diese Entwicklung erhebliche negative Auswirkungen auf die Preise von Wohneigentum in den Randgebieten der Großstädte haben.
Im Hamburger Umland zeichnet sich dies bereits ab: Die Immobilienverkaufsanzeigen in den lokalen Tageszeitungen häufen sich. Nach einer Studie der Landesbausparkassen sind die Immobilienpreise im Umland der Hansestadt im vergangenen Jahr merklich gesunken. "Bei Einfamilien- und Reihenhäusern ging der Quadratmeterpreis im Schnitt um 1,6 Prozent auf 1540 Euro zurück, bei Eigentumswohnungen gar um 2,9 Prozent auf 1350 Euro", sagt LBS-Sprecher Klaus Völker. In Hamburg hingegen stiegen die Preise für Einfamilien- und Reihenhäuser leicht um ein Prozent auf 2200 Euro/qm. Auch die Bayerische Hausbau registriert eine deutlich stärkere Nachfrage nach Eigentumswohnungen in Stadtgebieten. "Auf Anzeigen, in denen wir Objekte in Citylage bewerben, ist die Resonanz dreimal so hoch wie bei Annoncen für Eigentumswohnungen in Randgebieten", sagt Simone Mausolf, Sprecherin des Projektentwicklers.
Ausgelöst wurde die neue Landflucht von älteren Grundeigentümern, deren Kinder das Haus bereits verlassen haben. Carsten Rieckhoff, Immobilienanalyst bei der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank: "Die Gartenarbeit, die langen Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen und zu Ärzten lassen die einstige Lust am Haus im Alter häufig zu einer Last werden." Zudem bevorzugen Senioren die bessere medizinische Versorgung in den Städten.
Doch auch bei jüngeren Erwerbern gewinnt die Immobilie in der Stadt zunehmend an Attraktivität. "Die Wege zur Arbeit sind kürzer, die Freizeitangebote größer und die Kinder müssen nicht lange mit dem Bus zur Schule fahren", listet der Analyst die Vorteile auf. Sollte die Pendlerpauschale gestrichen und die Mineralölsteuer weiter erhöht werden, könnte dies noch ein zusätzlicher Anreiz für junge Familien sein, in der Stadt zu bleiben. "Die höheren Fahrtkosten zur Arbeitsstelle würden dann den Preisvorteil einer Immobilie im Umland aufheben", argumentiert Rieckhoff. Schon jetzt ist ein deutliches Preisgefälle im Umland der Metropolen zu erkennen zwischen Orten mit S- und Bahnanschluss und jenen ohne Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Im Taunus etwa sind Immobilienpreise und Mieten in Städten wie Kronberg und Königsstein mit S-Bahnanbindung deutlich höher als in Kommunen, die nicht an das ÖPNV-Netz angeschlossen sind.
Aengevelt sieht denn in einem Thesenpapier auch Gefahren für den langfristigen Werterhalt von Immobilien im weiteren Umland der Großstädte: "In Regionen mit langfristig stark schrumpfender und vergreisender Bevölkerung verstärken sich an peripheren Randstandorten die Risiken der Wiederverkäuflichkeit." Im Gegensatz zur Generation der heutigen Eigentümer von Umlandimmobilien hätten immer weniger junge Paare einen Kinderwunsch und damit auch weniger Interesse an einem Haus im Grünen.
Besonders gefährdet sei die Werthaltigkeit von Reihenhäusern, da diese Objekte nicht die Vorteile eines freistehenden Hauses bieten, jedoch teurer als Eigentumswohnungen sind. "Bereits jetzt gibt es große Vermarktungsprobleme beim Wiederverkauf von Wohneigentum, das erst in den 90er Jahren in überdimensionierten Wohnparks, etwa im Speckgürtel um Berlin, errichtet wurde", sagt Aengevelt. Wer ein eigenes Haus in einer Umlandregion kaufen oder errichten wolle, sollte einen möglichen Wertverlust deshalb in seine Planung mit einbeziehen. Aengevelt: "Die Chancen für eine Werthaltigkeit oder Wertsteigerung von Immobilien in den meisten Randgebieten sind deutlich niedriger als in innerstädtischen Lagen."

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21.11.2003
Wenn Leerstand nach den 1a-Lagen greift
Längst greift das Gespenst der Verödung auch nach den Spitzenlagen der Städte. Einstige Top-Geschäftsadressen melden Leerstand und sinkende Qualität des Angebots. Um die Entwicklung umzudrehen und bedrohte Geschäftslagen zu revitalisieren, hat das Deutsche Seminar für Städtebau und Wirtschaft, DSSW, Berlin, eine Initiative gestartet, mit der speziell Immobilien- und Grundstückseigentümer in den neuen Bundesländern angesprochen werden. Erste Ergebnisse wurden soeben auf einem "Zwischenkolloquium" vorgestellt - und schon gibt es auch ein blumiges Etikett: "Pilotprojekt".
Unter dem programmatischen Titel: "Einbindung von Eigentümern: Business Improvement District - ein Modell für ostdeutsche Geschäftslagen?" ist das Verfahren gezielt in solchen Städten in Gang gebracht worden, deren alte zentrale Geschäftslagen durch den Bau überdimensionierter Einkaufscenter schweren Schaden genommen haben. Bedenken des Einzelhandels waren damals mit dem verheißungsvollen Argument beschwichtigt worden, die Konsum-Tempel würden die "Attraktivität" der Städte wie Magnete steigern. Das Gegenteil ist eingetreten.
Jetzt hat in den "Pionierstädten" Halle/Saale, Weimar, Schwerin und Chemnitz der Dialog mit den Grundstücks- und Immobilieneigentümern zur Wiederbelebung ihrer Lagen begonnen. Das Projekt versteht sich als Teil des Revitalisierungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit für ostdeutsche Innenstädte. Die Initiative ging dabei in Halle von Seiten der Stadtverwaltung aus, hier für die früher "Boulevard" genannte obere Leipziger Straße, die zur Ramschmeile verkommen ist. In Chemnitz hatte sich die IHK Südwestsachen Chemnitz- Plauen-Zwickau für das einstige städtebauliche Vorzeigeensemble, die Straße der Nationen, in Weimar die Kulturstadt Weimar GmbH für die Jacob- , die Kauf- und die Marktstraße und in Schwerin die Stadtmarketing Gesellschaft Schwerin mbH für die Friedrichstraße um das Projekt beworben. Alle Geschäftslagen waren noch vor zehn Jahren (also vor dem Bau der Einkaufscenter) Top-Adressen des Einzelhandels.
Schon die ersten Diskussionsrunden erbrachten ein kurioses Ergebnis: Denn zur Revitalisierung der Einkaufsstraßen werden auffallend ähnliche Mittel erwogen, wie sie die Centerbetreiber zur Disziplinierung ihrer Mieter einsetzen. In der ersten Runde freilich ging es noch mehr um Small-Talk. Zunächst wurden die Haus & Grund-Ortsverbände, Grundstückseigentümer und Ladenbesitzer an einen Tisch gebracht, die sich rasch darauf verständigten, dass eine langfristige Werterhaltung ihrer Lage nur dann gelingen kann, wenn Handel und Eigentümer zusammen mit der jeweiligen Stadt "neue Modelle und Funktionen für die Innenstädte entwickeln". Aber der Umbau ganzer Geschäftslagen kostet selbstredend Geld. Und das ist nicht vorhanden.
Für die Stadtverwaltungen zeigt sich nun, dass sie sich mit der Ansiedlung der Center möglicherweise einen Bärendienst erwiesen haben. Denn die Aufwendungen für die Aufmöbelung der von Verödung bedrohten Geschäftslagen könnte sie teuer zu stehen kommen. Die Eigentümer fordern von den Städten darüber hinaus, auch Eckpunkte ihrer bisherigen Entwicklungsplanung in Frage zu stellen und aktiv mitzuhelfen, Barrieren zu überwinden, die einer wirtschaftlichen Nutzung im Wege stehen.
In den "Pilotstädten" schmeichelt man sich, dass diese neue Art der privatwirtschaftlichen Zusammenarbeit "zukunftweisend" für die Revitalisierung innerstädtischer Geschäftsquartiere sein könnte - vielleicht ist sie aber eher Vergangenheitsbewältigung. Städte, die den Irrweg der Ansiedlung großer Einkaufsmärkte vermieden haben, können sich die kostspieligen Aufarbeitungs- und Umsteuerungsmaßnahmen sparen. Bis Jahresende will die vom DSSW eingesetzte urbanPR GmbH, Berlin, nun die Ergebnisse ausgewertet und einen "Leitfaden zur Bildung von Eigentümerinitiativen" entwickelt haben. Ist er fertig, soll er alsdann weiteren Kommunen, Eigentümern und Verbänden als "Anleitung zur Wiederbelebung ihrer Geschäftslagen dienen".
Besser wäre es vielleicht, den Leitfaden auch gleich an solche Kommunen auszuteilen, die noch vor der Entscheidung über ein neues Einkaufszentrum stehen. Die könnten dann schon heute nachrechnen, ob die erhofften Steuereinnahmen ausreichen, die zu erwartenden Reparaturarbeiten aus eigner Kraft zu finanzieren.
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20.11.2003
Abriss-Mikado im Ruhrgebiet
Die Leerstandsraten bei Mietshäusern aus den 50er Jahren im Ruhrgebiet werden immer größer. In einzelnen Vierteln sind nur noch 60 Prozent der Wohnungen vermietet. Experten sehen nur eine Lösung: Die veralteten Häuser müssten abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt werden. Doch die meisten Wohnungsgesellschaften scheuen diesen radikalen Schritt.
Als Zechen und Stahlindustrie in den Aufbaujahren händeringend Arbeitnehmer suchten, wurden Häuser mit 48 qm großen Zwei- bis Dreiraumwohnungen auf die Schnelle hochgezogen. Doch worin in der Wirtschaftswunderära Familien mit mehreren Kindern wohnten, sind heute nur noch Senioren und sozialschwache Mieter zu finden. Ähnlich hat sich die Situation auch in Hochhaussiedlungen aus den 70er Jahren entwickelt. In Duisburg wurden auf baupolizeiliche Anordnung in diesem Sommer gar drei Hochhäuser geräumt, weil die Gebäude so marode waren, dass die Sicherheit der Mieter gefährdet schien.
Hans-Dieter Krupinski, Ministerialdirigent für Wohnungs- und Stadtentwicklung im nordrhein-westfälischen Bauministerium, schätzt, dass von den zwei Millionen Wohnungen, die in den 50er Jahren im Ruhrgebiet entstanden, noch 1,6 Mio. existieren: "Sie müssten abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt werden." Umbau und Modernisierung des Bestandes würde nur hohe Kosten verursachen, "ohne dabei Wohnungen zu schaffen, die mit Neubauten konkurrieren könnten."
Doch die meisten Wohnungsgesellschaften betreiben nach Ansicht von Ulrich van Suntum, Direktor des Instituts für Siedlungs- und Wohnungswesen an der Wilhelms-Universität in Münster, derzeit eine Art Mikadospiel: "Niemand will sich als erster rühren." Obwohl in einzelnen Straßen nur noch 60 Prozent der Mietwohnungen belegt sind, seien die Unternehmen nicht zum Abriss bereit. "Die Gesellschaften fürchten, ihre Mieter an die Konkurrenz zu verlieren, die veraltete, aber preiswerte Wohnungen anbietet."
Zudem haben die Erträge der Wohnungsunternehmen unter den steigenden Leerstandsraten gelitten. "Die Nettomieteinnahmen decken zwar noch die Unterhaltskosten", vermutet van Suntum. Rücklagen für Abriss und Neubau könnten jedoch bei den hohen Leerständen nicht gebildet werden. Die Kosten für einen Abriss beziffert van Suntum mit "wenigstens 25 Euro/qm." Hinzu kämen Umzugsbeihilfen von rund 4000 Euro pro Haushalt.
Bisher geben die Untenehmen nicht preis, wie es um ihre Bilanzen steht - anders als in den neuen Bundesländern. Volker Eichener, Direktor des Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum (Inwis), sieht die Gesellschaften im Ruhrgebiet zwar "noch nicht" in ihrer Existenz gefährdet. Er warnt aber: "Die Situation wird immer bedrohlicher."
Van Suntum sieht die Lösung in Kooperationen der Wohnungsunternehmen: "Die Gesellschaften müssen sich zusammen tun und gemeinsam festlegen, wer wann was abreißt." Erste Ansätze dazu gibt es bereits. In Herne haben jüngst sieben Unternehmen Abrissquoten vereinbart. Eichener fordert zudem, die Interessen privater Grundeigentümer zu berücksichtigen, denen zahlreiche leerstehende Mietshäuser an Hauptstraßen im Ruhrgebiet gehören. Die Objekte stammen meist aus der Gründerzeit. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens und des Überangebots an Wohnraum sind sie jedoch kaum noch zu vermieten. "Die aufwändigste Modernisierung würde hier nicht helfen, weil niemand an diesen Straßen wohnen will", erläutert Eichener. Darum sollte ein Auffangfonds geschaffen werden, damit die Kommunen die Grundstücke erwerben und neuen Zwecken zuführen können. Dass der Vorschlag kaum Chancen hat, ist dem Institutsdirektor jedoch klar: "Die Städte im Ruhrgebiet haben kein Geld."

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20.11.2003
Rathenow: Der Leerstand sinkt
Mit umfangreichen Investitionen will die Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft (RWG) im nächsten Jahr ihr Modernisierungsprogramm vorantreiben. Vorgesehen sind die Sanierung und Modernisierung von neun Wohnblöcken mit etwa 410 Wohnungen an den Standorten Rathenow Ost, in der Curlandstraße und in der Großen Milower Straße. Gegenüber der MAZ verwies gestern RWG-Vorstand Uwe Hummel auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem aufgelegten Modernisierungspaket und dem Abrissprogramm des Unternehmens. Erst die zufriedenstellende Versorgung der von Abrissprojekten betroffenen Genossenschaftler mit modernem Wohnraum schaffe die Voraussetzungen für eine notwendige Leerstandsbeseitigung. Laut Hummel würden sowohl das Modernisierungsprogramm als auch die Abrisspläne von der großen Mehrheit der Genossenschaftler befürwortet. Parallel zu den Investitionen in die Zukunft des Unternehmens würde zudem die Zahl der Genossenschaftler in der RWG wieder steigen und der Wohnungsleerstand im Unternehmen sinken.
Nach dem bereits erfolgten Abriss von zwei Wohnblöcken in der Brandenburger Straße wird die RWG Anfang nächster Woche mit der Entkernung und dem anschließenden Abriss des Wohnblocks Brandenburger Straße 23-27 beginnen. Für 2004 hat die RWG zwei weitere große Abrissprojekte auf der Agenda. Vorgesehen ist der Rückbau der etwa 150 Wohnungen in den Blöcken Bruno-Baum-Ring 21 bis 25 und Klara-Zimmermann-Straße 21 bis 30, erläuterte Konrad Drotleff, in der RWG verantwortlich für den Stadtumbau.
Mit Blick auf die umfangreichen, durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg zu fördernden Modernisierungsvorhaben des Unternehmens versicherte Hummel, dass die Bereitstellung der Eigenmittel für die RWG machbar sei. Rückblickend auf den erfolgten Abriss der beiden Wohnblöcke in der Brandenburger Straße bezeichnete der RWG-Vorstand den staatlich geförderten Abriss in Höhe von 60 Euro je Quadratmeter als ausreichend. Hummel machte aber auch deutlich, dass es sich hierbei nur um die "harten Abrisskosten" handle. So genannte "weiche Abrisskosten" - wie das notwendige Umzugsmanagement - seien hingegen von dem Wohnungsunternehmen zu tragen. Hummel zeigte sich in dem gestrigen Gespräch optimistisch, dass die Förderanträge der RWG schnell genehmigt würden. Nach seiner Einschätzung sei Rathenow sowohl für die Investitionsbank des Landes Brandenburg als auch für das Brandenburgische Bauministerium ein mit Prioritäten versehener Standort.
Der große Umfang des Modernisierungs- und Rückbaupaketes sei auch der Erwartung geschuldet, dass die notwendigen Fördermittel nicht ewig fließen werden, so Hummel weiter. Nach dem Abriss von Wohnblöcken sei aber auch die Stadt Rathenow gefordert, abgeräumte Flächen bei der Stadtplanung sinnvoll zu verwerten. Die RWG strebe einen Flächenaustausch an. Das Unternehmen wolle interessante Flächen in der Rathenower Innenstadt bebauen .

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20.11.2003
Schrumpfen mit Tiefsinn
Man darf annehmen, dass es die "Internationale Bauausstellung (IBA) Sachsen-Anhalt" zwei Jahre nach ihrer ideellen Geburt, etlichen Konferenzen und verschiedenen Projektankündigungen jetzt wirklich gibt. In Magdeburg hat sich zu der Dauerveranstaltung, die in der Form auf Vorbilder der 60er bis 90er Jahre aus (West-)Berlin, dem Ruhrgebiet und (noch im Gange) der Lausitz zurückblickt, das Kuratorium konstituiert. Mit dem Gremium ist die Entscheidungs- und Verwaltungsstruktur der IBA komplett.
Die Runde von unabhängigen Fachleuten, Vertretern der Bundes- und Landesregierung, aus Verbänden sowie den regionalen Medien wird von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer  geleitet. Laut Satzung erörtert sie Grundsatzfragen des Stadtumbaus und wacht über die Qualität des IBA-Prozesses. Sie ergänzt damit den Lenkungsausschuss, der über IBA-Projekte entscheidet, sowie das IBA-Büro, das gemeinsam vom Bauhaus Dessau und der Landesentwicklungsgesellschaft Saleg geführt wird.
Gleichzeitig fand in der Magdeburger Johanniskirche die erste von den geplanten jährlichen Expertentagungen statt, die das Thema der IBA Sachsen-Anhalt - "Stadtumbau" - bis zu ihrem Abschluss im Jahr 2010 wissenschaftlich begleiten sollen. Und einen Tag zuvor gab es für die Mitglieder Ortstermine in Staßfurt, Aschersleben und Halle. Dort konnten sie an drei bis auf weiteres zu IBA-Projekten erklärten Fällen erfahren, wie unter den Bedingungen dramatischer Bevölkerungsrückgänge, wachsender Arbeitslosigkeit und akuter Finanzschwäche der "Stadtumbau" noch Perspektiven mitten in der Schrumpfung aufzeigen kann.
Drei Jahre ist es her, dass der Begriff des Stadtumbaus zunächst als eine neue Vokabel der Wohnungsbaupolitik in Umlauf kam. Damals wurde erstmals der Abriss großer Teile der Plattenbauviertel ernsthaft erwogen, um damit dem wachsenden Leerstand zu begegnen. Inzwischen geht der Diskurs darüber hinaus und Städte wollen im "Umbau" eine Überlebensstrategie in Zeiten der Krise erkennen.
Auf der Tagung packte Kuratoriumsmitgied Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrums Wien, das Land Sachsen-Anhalt bei der Ehre und riet zu einem angemessenen Budget für die internationale Vermarktung der IBA, schon um sich am eigenen Anspruch hochzuziehen. Die kreativen Berufe im Land nach dem Vorbild von Irland steuerfrei zu stellen, war ein weiterer Vorschlag von Steiner, der über den Stadtumbau im engeren Sinn hinausgeht. Für ihn wie auch die Bremer Geografin Ilse Helbrecht kommt es vor allem auf das Finden einer Identität an, mit der die ostdeutschen Städte in der Konkurrenz um Standortentscheidungen bestehen müssen.
Die drei am Vortag besuchten Orte beeindruckten nicht nur durch ihr Potenzial als Modellstädte. Die Besucher machten Tatendrang und Zielstrebigkeit aus. Staßfurt vor allem gilt trotz schwierigster wirtschaftlicher Voraussetzungen als ein besonders viel versprechender Gegenstand eines von der IBA initiierten Ideenwettbewerbs. Die einstige Kali-Stadt will ihre "verlorene Mitte" zu einem Bonus verwandeln, nachdem sie in den 60er Jahren fast die gesamte Altstadt abreißen musste. Die gigantischen unterirdischen Hohlräume waren eingebrochen und das Straßenniveau bis zu sieben Meter eingesackt.
Halle hält es für möglich, die Magistrale zwischen der Alt- und der Neustadt zu einer Art Querschnitt durch die Stadtentwicklung aufzubereiten und dort einen "Stadtumbauweg" anzulegen. In Aschersleben sollen noch vor Jahresende die ersten der vom IBA-Büro mitgeplanten Füllkonstruktionen in den Abrissgrundstücken entlang der Ortsdurchfahrt entstehen - Graffitiwände zum Beispiel. Da wird man dann ein erstes IBA-Projekt am konkreten Beispiel diskutieren können. Unter den mitreisenden Kuratoriumsmitgliedern war man durchaus geteilter Meinung darüber, ob die zuvor erfolgten Abrisse ein Gewinn waren oder nicht.

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20.11.2003
Wurzen: Plattenbauten werden  nicht abgerissen
"Der Stadtumbau Ost beschäftigt uns derzeit sehr", erklärt Heike Pönicke. Die Geschäftsführerin der Wurzener Gebäude- und Wohnungswirtschaft (WGW) weiß, dass das Tempo, mit dem marode Altsubstanz abgerissen wird, von den finanziellen Fördermitteln bestimmt wird.
Für die Jahre 2003 bis 2007, so die Geschäftsführerin, erhält Wurzen rund 370 000 Euro für den Rückbau im Stadtzentrum (Stadtteil I). "Wir haben bereits Gebäude in der Barbaragasse 9, im Sperlingsberg 1, in der Berggasse 1 und in der Beethovenstraße 3 abgerissen."

Die Abrissbirne wird in diesem Jahr auch noch im Stadtteil II - dem Gebiet um das Zentrum mit zahlreichen Gründerzeithäusern - aktiv. "Auf dem Rückbau-Plan stehen die Gebäude in der Goethestraße 36 und in der Liststraße 24." Für den Stadtteil II weist der Freistaat der Muldestadt im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms bis 2006 exakt 687 000 Euro zu.
Heike Pönicke tritt Gerüchten entgegen, dass in diesem Stadtteil auch Plattenbauten abgerissen werden. "Das passiert nicht. In Nord II und Nord III sowie in der Straße des Friedens 24 a bis 24 c sind alle der rund 770 Wohnungen vermietet. Die werden auf Grund der niedrigen Mieten, und weil sie Balkon und Heizung haben, sehr geschätzt."
Bedarf, sagt die Geschäftsführerin, habe die Stadt bei sanierten Wohnungen. "Doch die Hypothekenbanken rücken keine Kredite heraus. Wir rufen daher Bund und Land auf, ein Bürgschaftsprogramm aufzulegen, damit wir weiter sanieren können." Bisher habe Wurzen bereits rund 27 Millionen Euro in Sanierung und Teilsanierung seiner Bestände investiert.
Ein Problem treibt die WGW-Geschäftsführerin noch um. "Ich erwarte eine Kappung der Altschulden für abgerissene Objekte durch den Bund. Und dass es dabei nicht mehr nach dem Windhundverfahren geht, wem diese Entlastung zugute kommt. Wir waren noch nicht dabei." Die für 2004 angekündigten 1,9 Millionen Euro flössen sofort an die Bank.

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18.11.2003
Ostritz: Für den Abriss gibt es dieses Jahr kein Geld
Die Ostritzer Wohnbau- und Verwaltungsgesellschaft muss die Planungen für den Abriss des Wohnviertels Friedensblick noch einmal in der Schublade verschwinden lassen. Sachsen hat die im Rahmen des Programms Stadtumbau beantragten Mittel nicht bewilligt.
Die Abrissfirmen standen schon in Bereitschaft und warteten auf die Ausschreibungen. Auf dem Papier war die gesamte Aktion längst geplant und durchkalkuliert. Genau stand fest, welche der rund 100-jährigen Klinkerblöcke an den Neißewiesen noch in diesem Jahr abgetragen werden. Im Spätsommer waren die letzten drei Mieter ausgezogen. Doch nun bleiben die einst für Wanderarbeiter der Jute-Spinnerei errichteten Quartiere erst einmal stehen. Das Land Sachsen sagte kürzlich die diesjährigen Fördermittel für den Stadtumbau ab.
Reichlich 350 000 Euro hatte die Stadt Ostritz beantragt. Dafür wollte man zwischen 2003 und 2007 die insgesamt 30 Häuser abreißen. Im Bescheid aus Dresden sichert die Sächsische Aufbaubank der Kommune inzwischen nur noch 240 000 Euro zu, komplett gestrichen sind zudem die für dieses Jahr beantragten 73 000 Euro. „Erst sind wir regelrecht ermuntert worden, mit dem Stadtumbau zu beginnen, und nun das“, ärgert sich Peter Engler. Der Geschäftsführer der „Bauen und Wohnen“ kann sich gut vorstellen, dass die Ostritzer mit Unverständnis reagieren, wenn die Häuser leer da stehen und nichts passiert. „Man macht sich ja unglaubwürdig.“
Inzwischen hat die Stadtverwaltung Widerspruch gegen den Bescheid aus Dresden eingelegt. Fünf Prozent Eigenmittel für den Abriss könne man eventuell noch aufbringen, mehr nicht. In der Zusage der Aufbaubank sind aber für nächstes Jahr lediglich 27 500 Euro ausgewiesen, beantragt hatte die Stadt 76 000 Euro.
„Wir werden bis zum Jahresende abwarten, ob das Geld wirklich kommt, und dann erst die Firmen anschreiben“, sagt Geschäftsführer Peter Engler. So könnte man zugleich die im Jahr darauf zum Abbruch vorgesehenen Gebäude ausschreiben. Für das Jahr 2005 winken den Ostritzern nämlich rund 121 000 Euro Landesmittel für den Abriss Friedensblick.

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17.11.2003
Stadtumbau hinkt Abwanderungswelle hinterher
Seit langem pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Für notwendige Wohnungsabrisse werden Milliardenbeträge gebraucht. Doch bis heute fließen die Stadtumbaumittel nur kleckernd. Zudem ist völlig offen, ob diese Summen angesichts des ausufernden Leerstandsdramas überhaupt ausreichen.
Jetzt hat ein Symposion der Arbeitsgruppe Kooperation des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und des Deutschen Städtetages (DST) auf der Messe BauFach in Leipzig das ganze Ausmaß des Dilemmas enthüllt. Die Vertreter des Bundesbauministeriums wirkten dabei ratlos und verlegen. Von 1,077 Mio. leerstehenden Wohnungen in Ostdeutschland sind in diesem Jahr ganze 12 500 abgerissen worden. Den Aufwand bezifferte Ministerialrat Wolfgang Preibisch vom Bundesbauministerium auf 21 Mio. Euro. Doch vor dem Totalabriss der Plattenbaustädte schreckt die Regierung zurück. Tatsächlich solle bis 2009 nur jede dritte Wohnung "geopfert" werden, bis 2005 sei sogar lediglich an den Abriss von (weiteren) 95 000 Wohnungen gedacht.
Allein, die Rechnung ist nach Meinung von Fachleuten ohne den Wirt - sprich, ohne die Mieter - gemacht. Denn bis dahin werden sich die Leerstände längst schon viel weiter hochgeschaukelt haben - schon jetzt müsse von 1,3 Mio. leerstehenden Wohnungen ausgegangen werden, mit weiter steigender Tendenz. Und eine noch weit schlimmere Botschaft musste sich Preibisch von seinem nordrhein-westfälischen Kollegen Ministerialdirigent Hans-Dieter Krupinski anhören. In Leipzig rechnete Krupinski vor, dass er auch in seinem Land mit dem Leerstand von einer (weiteren) Million schwer vermietbarer Wohnungen rechne. Damit würde sich die Zahl der Leerstände nur allein in den genannten Bundesländern schlagartig auf über zwei Millionen erhöhen - ein planerisches Horror-Szenario.
Seit langem weiß man, wie es zu den Leerständen kommt. Deindustrialisierung, Ost-West-Wanderung, Geburtenschwund, ausufernde Eigenheimsiedlungen am Stadtrand lassen Überkapazitäten entstehen, die die Städte teuer zu stehen kommen. Sie müssen eine doppelte Infrastruktur aufrechterhalten, Steuerausfälle kompensieren, die sozialen Lasten abfedern, den Trend mit Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung zu brechen versuchen. Mit unsicherem Erfolg. Schon jetzt - so Krupinski - erlebten große Städte des Ruhrgebietes, etwa Essen und Gelsenkirchen, einen ähnlichen Bevölkerungsschwund von bis zu 25 Prozent wie viele ostdeutsche Regionen.
Laut Regierungsvertreter Preibisch ist dem Bund diese verheerende Entwicklung durchaus bekannt. Das Bundeskabinett arbeite deshalb "intensiv" an einem parallelen Stadtumbauprogramm West, da in den Altbundesländern mit zeitlicher Verzögerung dieselben Probleme zu erwarten seien. 16 entsprechende Pilotprojekte liefen hierzu schon. Die Kosten dafür sollten zum großen Teil durch die Abschaffung der Eigenheimzulage abgedeckt werden.
Aber die Finanzierung ist ja auch der Pferdefuß des Stadtumbauprogramms Ost. Insgesamt stehen dafür bis 2009 laufende 2,7 Mrd. Euro bereit, davon 1,3 Mrd. vom Bund, 1,1 Mrd. aus den Länderhaushalten sowie 500 Mio. von den Kommunen. Doch diese Mittel kommen bislang in unterschiedlichster Weise zum Einsatz. Während Sachsen 77 Prozent der vom Bund abgerufenen Gelder für den Rückbau verwendete und nur 23 Prozent zur Aufwertung sanierungsbedürftiger Stadtquartiere, steckte Sachsen-Anhalt lediglich drei Fünftel der Gelder in den Abriss.
An der "Basis" kommt trotz vieler schöner Worte vielfach bis heute nichts an. Im "Dresdner Immobilienblatt" vom 16. Oktober klagten unisono Axel Viehweger, Direktor des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, und Reinhold Ostendorf, sein Kollege vom Verband Sächsischer Wohnungsunternehmen, dass die versprochenen und fest eingeplanten Mittel von 70 Euro/qm Abrissfläche aus dem Programm Stadtumbau Ost und aus dem Landesrückbauprogramm noch immer nicht in Anspruch genommen werden könnten, weil es nicht einmal eine gültige Verwaltungsvorschrift für eben dieses Programm gebe.

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16.11.2003
Pulsnitz: wird barrierefreier Erholungsort

Einstimmig beschloss der Pulsnitzer Stadtrat jetzt das integrierte Stadtentwicklungskonzept (InSek) für die Pfefferkuchenstadt. Schofenberg vom beauftragten Planungsbüro stellte den Stadträten das zuvor schon im Verwaltungs- und Technischen Ausschuss beratene Konzept noch einmal vor. Der Planer erklärte auch noch einmal wie es zu besagtem Entwurf kam.
Um für die städtische Wohnungsgesellschaft weiter Fördermittel zu bekommen, wurde ein so genanntes wohnungswirtschaftliches Konzept gebraucht. Doch das allein reicht nicht aus. Das Wohnungskonzept muss Bestandteil eines Konzeptes zur Stadtentwicklung sein. Deshalb beauftragte der Stadtrat die Firma Kommunalentwicklung Sachsen im vergangenen Jahr ein solches zu erarbeiten. Entstanden ist ein langfristiges Handlungskonzept für den Stadtrat und alle an Stadtentwicklung beteiligten Akteure, welches bis ins Jahr 2017 reicht. Im Ideal sieht sich die Pfefferkuchenstadt als barrierefreien Erholungsort.
Das heißt Wohnen und Leben in reizvoller Landschaft, jahrhundertealte Handwerkstraditionen in der Gegenwart erlebbar machen und die Stadt zum idealen Standort für Einzelhandel, Dienstleistungen und Gewerbe sowie zum attraktiven Ziel für Touristen mit und ohne Handicap zu entwickeln. Rund 50 bis 60 Maßnahmen habe die Arbeitsgruppe zusammengetragen, resümierte Schofenberg:
Die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule als wesentlicher Faktor des Wohn- und Wirtschaftsstandortes Pulsnitz.
Schaffung von Voraussetzungen für das Prädikat „staatlich anerkannter Erholungsort“ und weitergehende Profilierung als barrierefreier Erholungsort.
Schaffung touristischer Angebote wie zum Beispiel die Errichtung der Schauwerkstätte „Altes Lausitzer Handwerk“, in der die traditionellen Handwerke an einem Ort vermarktet werden.
Das InSek-Papier fand im Stadtrat einhellige Zustimmung. Pfarrer Jürgen Meyer (CDU) fehlten allerdings wirtschaftliche Aussagen, wie beispielsweise, was der Umbau der Kante kostet. „Ich weiß, das kann dieses Konzept nicht leisten, es soll auch keine Kritik sein“, erklärte der CDU-Stadtrat seine Bedenken, die auch die Mehrheit seiner Fraktion teile. Deshalb bat er in der Beschlussvorlage zu ergänzen, dass sich der Stadtrat zu den einzelnen Maßnahmen das Recht der konkreten Entscheidung vorbehalte. „Es ist ein Stückchen Vorsicht, allerdings ohne Träume zu zerstören.“ Natürlich beinhalte InSek zahlreiche Visionen. Doch die würden gebraucht, betonte Bürgermeister Erhard Rückwardt.
Das das Konzept ein Spagat darstelle, war auch den Planern von Anfang an klar. „Man muss es immer wieder auf den Prüfstand stellen und klären, was finanziell machbar ist. „In Sek ist genau das, was wir alle schon lange wollen“, erklärte Hartmut Hermann (FDP). Doch die Umsetzung hänge nicht zuletzt von den Finanzen ab.
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16.11.2003
Altenberg: Block wird zur Wiese
Vor einigen Wochen hat die Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft Altenberg GmbH (WVG) mit dem Abriss des ersten Blocks im Wohngebiet Walther-Richter-Straße/Arthur-Thiermann-Straße begonnen. „Spätestens am 15. Dezember wollen wir einschließlich der Verfüllung fertig sein“, sagt Geschäftsführer Olaf Weisflog. Mehr ist für dieses Jahr nicht geplant. Im Frühjahr soll hier vorerst eine Wiese entstehen. Damit lässt sich die WVG alle Möglichkeiten der späteren Gestaltung offen. Nach den bisherigen Plänen will die WVG in den nächsten zwei, drei Jahren keinen weiteren Block im Wohngebiet zurückbauen. Zum einen deshalb, weil nach dem Abriss nur noch 35 von den 292 WVG-Wohnungen im Wohngebiet leer stehen. Und zum anderen „hängt es davon ab, wie es uns gelingt, weitere Blöcke frei zu bekommen“, sagt Bürgermeister Thomas Kirsten. Das muss im Einvernehmen mit den Mietern passieren. „Und nicht mit brachialer Gewalt.“ Beim ersten Block gelang das dem städtischen Unternehmen ganz gut. „Wir haben nur zwei Mieter verloren“, sagt Weisflog. Eine ältere, kranke Dame zog wegen der besseren Betreuung nach Dresden um und eine Wohngemeinschaft von Lehrlingen löste sich auf. „Die hatten das aber sowieso geplant“, so der Geschäftsführer.
Weisflog will sich nicht festlegen, wie es mit dem Wohngebiet weitergehen soll. Zwei Dinge bilden den Rahmen dafür. Wichtig ist einerseits die städtebauliche Planung. Andererseits ist der Stand des Freizuges samt der damit verbundenen unternehmerischen Überlegungen eine wichtige Komponente. Weisflog muss auch beachten, wie der Mitbewerber, die Genossenschaft Glück-Auf Geising-Altenberg eG, hier agiert. Wie Kirsten in der letzten Technikausschusssitzung mitteilte, hat sie ihr Unternehmenskonzept verändert. Geschäftsführer Frank Rehn wollte zu den neuen Plänen keine Stellung beziehen, weil zuerst die Mitglieder darüber informiert werden sollen. So viel sickerte aber schon durch. Die Genossenschaft will ihre Strategie derart ändern, dass das von der Stadt erarbeitete Entwicklungskonzept fortgeschrieben werden muss.
Den Auftrag dazu hat ein Dresdener Ingenieurbüro in der letzten Verwaltungsausschusssitzung bekommen. „Die Planer sind beauftragt, ein neues Konzept vorzulegen“, so Kirsten. Weisflog geht davon aus, dass das Konzept im zweiten Quartal 2004 vorliegt.

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16.11.2003
Sachsen: Genossenschafter müssen für Verluste gerade stehen
Den 273 Wohnungsgenossenschaften in Sachsen gehören rund 370.000 Wohnungen. 2002 standen 46.000 leer. Einigen Genossenschaften wie der Wohnungsgenossenschaft Laubusch eG, die 30 Prozent Leerstand zu beklagen hat, steht das Wasser bis zum Hals. Not macht erfinderisch: Die Mitgliederversammlung beschloss, den ausscheidenden Mitgliedern die Anteile nicht mehr zu erstatten. Mit dem Geld der Ex-Genossenschafter sollte ein Teil der Verluste in Höhe von fast drei Millionen Euro gedeckt werden, während die Anteile der verbleibenden Genossenschafter unangetastet blieben.
Uwe Breitbarth, der zum 2. November 2000 seine Laubuscher Genossenschaftswohnung kündigte, wollte den Verlust von rund 5500 Euro nicht hinnehmen. Das Landgericht Bautzen sprach ihm im Juli 2003 seine Anteile zu. In der gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Dresden wurde dem Mann nur ein Bruchteil der Summe in Aussicht gestellt. 925 Euro kann Breitbarth nach anteiligem Abzug der Verluste laut Auffassung des 12. Zivilsenats unter Vorsitz von Claus Wagner einklagen.
Wieviel Geld Breitbarth nun erhält, ist fast in den Hintergrund getreten. Das Verfahren hat eine Dimension gewonnen, die an den Grundfesten des Genossenschaftsgedankens in der Wohnungswirtschaft rüttelt, wie der Justiziar des Sächsischen Wohnungsgenossenschaftsverbandes Willy Baumann den DNN sagte. Der Senat untersuchte vor allem die Frage, ob nur ausscheidende Mitglieder für die roten Zahlen einer Genossenschaft gerade stehen müssen und gab eine eindeutige Antwort: "Verluste sind auf alle Genossenschafter umzulegen", so Claus Wagner.
Diese Auffassung könnte die Wohnungsgenossenschaften in eine Krise stürzen: Wie sollen sie den Leerstand verringern und neue Mitglieder gewinnen, wenn sich deren gutes Geld schon beim Einzahlen verflüchtigt, weil es zum Tilgen von Verlusten eingesetzt werden muss? Für die langjährigen Genossenschafter, die mit ihren Anteilen Miteigentümer an ihren Wohnungen geworden sind, kommt es genauso bitter. Sie stehen im schlimmsten Fall mit leeren Händen da und könnten sich nur noch als Mieter fühlen, befürchtet Baumann. "Das tut dem Genossenschaftsgedanken nicht gut."
In vier Wohnungsgenossenschaften mit wirtschaftlicher Schieflage sei bereits eine Kürzung der Anteile beschlossen worden, andere stünden kurz vor diesem drastischen Schritt, so der Justiziar. Dresdner seien davon noch nicht betroffen. Es gebe drei Kategorien von Genossenschaften: Die wirtschaftlich gesunden könnten im günstigsten Fall sogar eine Dividende auf die Anteile auszahlen. Genossenschaften mit weniger gravierenden Verlusten würden, so vorhanden, mit Sonderrücklagen das Minus ausgleichen und die Mitglieder nicht belasten. Unternehmen wie in Laubusch seien Problemfälle, bei denen die Genossenschafter für die Verluste bluten müssten.
Der Fall Laubusch sei besonders tragisch, da die Genossenschaft 1997 aus dem Besitz der Treuhandliegenschaftsgesellschaft mit staatlicher Förderung gegründet worden sei. "Deshalb sind dort die Anteile so hoch." Die Laubuscher würden über 946 wunderbare Wohnungen verfügen, nur: "Dort will leider niemand wohnen", erklärte Baumann.
Eine Genossenschaft sei als generationenübergreifendes Unternehmen anzusehen, in dem es Höhen und Tiefen gebe. Justiziar Baumann: "Alle Genossenschafter tragen das geschäftliche Risiko, während die, die ausscheiden, davor fliehen. Deshalb hätte ich es gerne gesehen, wenn das Gericht den Beschluss der Laubuscher für rechtskonform erklärt hätte."

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16.11.2003
Mühlhausen: Neubauviertel verschwindet aus Stadtbild
Nur knapp 30 Jahre sollte die Geschichte des Mühlhäuser Neubauviertels Windeberger Straße (West) dauern. 1973/74 waren d