Newsticker Archiv November 2005

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28.11.2005
Brandenburg: Wir bleiben das sichere Zuhause"
Die Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg e. G. (WBG) spürt die Auswirkungen des Bevölkerungsrückganges und des nur zaghaft in Angriff genommenen Stadtumbaus. Im Vorjahr erwirtschaftete die Genossenschaft einen Verlust von 16,7 Millionen Euro. Ihre Bilanz wurde vor wenigen Tagen entsprechend der WBG-Satzung in einer Beilage der Monatszeitschrift "Die Wohnungswirtschaft" veröffentlicht. Die beiden Vorstandsmitglieder Norbert Meyne (kaufmännischer Bereich) und Hans-Jürgen Höpfner (technischer Bereich) stellten sich im MAZ-Gespräch den Fragen von André Wirsing über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und seine Perspektiven für die nächsten Jahre.
Wie wollen Sie in den nächsten Jahren eine drohende Insolvenz von der WBG abwenden, angesichts der Tatsache, dass das Eigenkapital der Genossenschaft innerhalb eines Jahres um rund 11,2 auf 61,4 Millionen Euro geschrumpft ist?
Norbert Meyne: Der Bevölkerungsrückgang verschont auch uns nicht. Insofern ist die kleiner werdende Zahl der Brandenburger mit unserem Leerstand recht übereinstimmend. Wir halten das für relativ normal, zumal 60 Prozent unseres Bestandes in Nord und in Hohenstücken liegen. Wir haben nun im Zuge des Stadtumbaus eine Abwertung für die Objekte vorgenommen, die wir planmäßig für den Rückbau leer gezogen haben, und für die Objekte mit 30 oder mehr Prozent Leerstand. Einen Abwertungsbedarf in dieser Größenordnung wird es in den kommenden Jahren nicht mehr geben.
Also droht keine finanzielle Schieflage?
Norbert Meyne: Nein, absolut nicht. Im Vorjahr haben wir auch den Zusammenschluss von Mietergenossenschaft und WBG vollzogen, das erspart uns 35 Millionen Euro Altschuldenbelastung. Trotz dieser großen Vorgänge haben wir immer noch eine Eigenkapitalquote von 41,4 Prozent, die uns ein erfolgreiches Arbeiten sichert.
Sehen Sie nach dem Geschäftsjahr 2004 sich weiter in der Verantwortung als Vorstand der WBG?
Norbert Meyne: Ja. Eine Veränderung steht derzeit nicht zur Diskussion.
Hat der Mut für den großen Wurf beim Stadtumbau gefehlt; statt 725 wie geplant hätte man doch lieber gleich 2000 Wohnungen abreißen müssen?
Norbert Meyne: Das ist eine Kostenfrage. Unser innerbetriebliches Konzept aus dem Jahr 2002/03 ist in den Aufsichtsgremien abgestimmt und wird 2006/07 realisiert.
Hans-Jürgen Höpfner: Wir hatten die einmalige Chance, nach dem Altschuldenhilfegesetz Erleichterungen zu erhalten, deshalb haben wir Ende 2003 den Antrag gestellt. Das sind 2,6 Millionen Euro Abrissmittel und 3,3 Millionen Euro Altschuldentilgung.
Norbert Meyne: Damals hatten wir noch gehofft den Stadtumbau anders zu bestreiten, durch den etagenweisen Rückbau, wir hätten jeweils drei Etagen abgetragen. Übrig geblieben wären Zweigeschosser im Reihenhausstil. Doch die Förderpolitik von Bund und Land und die Geschäftspolitik der Banken haben sich dramatisch geändert.
www.maerkischeallgemeine.de

28.11.2005
Wenn Städte schrumpfen...
"Shrinking Cities“ – so lautet das Thema einer Doppelausstellung, die es seit einer Woche in Halle und ab heute in Leipzig zu sehen gibt. Es geht um Orte, aus denen Menschen abwandern, deren Häuser leer stehen, abgerissen werden. „Schrumpfende Städte“ heißt das auf Deutsch. Hinter dem englischen Titel dieser von Architekten, Künstlern und Wissenschaftlern durchgeführten Untersuchung steht eine Botschaft: Dies ist keine typisch (ost-)deutsche Entwicklung, sondern ein internationales Phänomen. So warfen die Ausstellungsmacher einen vergleichenden Blick nach Halle und Leipzig sowie nach Detroit, Ivanovo, Manchester und Liverpool. Leiter dieses Projekts ist der Architekt Philipp Oswalt (41). Mit ihm hat sich Ulrich Hammerschmidt unterhalten.
Freie Presse: Städte schrumpfen. Das passiert in den USA genauso wie in Großbritannien oder Russland zum Beispiel...
Philipp Oswalt: Richtig. Als wir mit unseren englischen Partnern aus Manchester und Liverpool zusammengearbeitet haben, entwickelten diese den Slogan: „We are not alone“, also „Wir sind nicht allein“. Oft wird das Thema ja tabuisiert, weil manche glauben, sie hätten versagt, etwas falsch gemacht, so dass nur ihre Städte schrumpfen. Es ist jedoch so, dass global betrachtet ein Fünftel der Städte in den 90er Jahren Einwohner verloren haben. Dies ist also ein Prozess, der nicht mehr als Randerscheinung abgetan werden kann, sondern eine weltweit typische Form von Stadtentwicklung darstellt. Dies als Normalität zu betrachten, hilft auch den Leuten vor Ort zu verstehen: Wir sind nicht der letzte Abschaum, sondern wir leiden unter einem allgemeinen Phänomen. Das führt auch, glaube ich, zu einem anderen Selbstbewusstsein.
Freie Presse: Gibt es weltweit vergleichbare Gründe für das Schrumpfen der Städte?
Oswalt: In unserem Projekt haben wir uns auf vier Ursachen konzentriert. Erstens: Hinter diesem Phänomen steht oft kein echtes Schrumpfen, sondern regionale Verlagerung durch Eigenheimbau, Gewerbegebiete, Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Der Verbrauch an Wohnflächen zum Beispiel ist in Ostdeutschland nach 1989 gar nicht heruntergegangen, sondern sogar gestiegen trotz sinkender Einwohnerzahlen. So hätte man ohne Neubauten keine Leerstände. Zweiter Grund: die Deindustrialisierung, der Verlust an Arbeit. Der dritte Prozess, der erst in Zukunft immer deutlicher werden wird, ist der demografische Wandel, also der Rückgang der Geburtenzahlen. Und die vierte Ursache, die immerhin ein Drittel der Weltbevölkerung trifft, ist der Wandel vom Sozialismus zum Kapitalismus, der die drei bereits genannten Ursachen nochmals ausformt und verschärft.
Freie Presse: Mehr Platz zu haben in seinem unmittelbaren Lebensraum, also in den eigenen vier Wänden, wird ja als angenehmer Luxus gesehen. Mehr Stadt-Raum für weniger Menschen dagegen als eine Verarmung städtischen Lebens. Ist das ein Widerspruch?
Oswalt: Auch mehr Raum in schrumpfenden Städten kann durchaus als Luxus gesehen werden. Beispiel Manchester: Da wurde die leer stehende Innenstadt in den 70er und 80er Jahren zunehmend von der Kultur- und auch von der Schwulen-Szene in Anspruch genommen und damit ein wichtiger Baustein gelegt für den Wiederaufschwung der Stadt in den 90er Jahren. Leerer Raum taucht also auch auf als eine Ressource, als ein Wert, der sich für eine Stadt bezahlt machen kann.
Mehr Raum in schrumpfenden Städten kann durchaus als Luxus gesehen werden.
Freie Presse: Das funktioniert aber nicht immer. Weshalb?
Oswalt: Das hängt ab von der Frage, wer lebt in solchen Städten? Und wie ist die Seelenlage, die Atmosphäre? Herrscht hohe Arbeitslosigkeit zum Beispiel, wird der Stadt-Raum immer weniger genutzt, ist oft ein Rückzug in die eigenen vier Wände zu beobachten. Man glaubt, selbst schuld zu sein an diesem Schicksal, will mit niemanden darüber reden und sucht so keinen Kontakt nach draußen. Es sind oft die Leute, die von außen kommen, die solche sich leerenden Stadt-Räume besetzen, mit neuem Leben erfüllen. Wenn eine Stadt eine Hochschule hat, dann sind es die Studenten. Wenn es das nicht gibt, findet dies nicht statt. Ein Rentner oder Arbeitsloser, der seit Jahrzehnten an einem Ort lebt, wird selten die Chance nutzen, sich neuen Stadtraum zu erobern.
Freie Presse: Ist das Modell Stadt, das als Wohn-Raum und Markt-Platz seit dem Mittelalter funktionierte, heute ein Auslaufmodell?
Oswalt: Nein. Die Stadt ist schon so oft tot gesagt worden. Zum Beispiel vor dem Hintergrund der neuen Informationstechnologien meinte man, jeder kann eh überall alles machen, also ist eine Konzentration auf den Lebens- und Arbeitsort Stadt nicht mehr vonnöten. Das hat sich nicht bewahrheitet, heute gibt es starke Konzentrationsprozesse zu Ballungszentren. Wir haben es mit einer fundamentalen Änderung, was Stadt ist, zu tun. Bewohner als auch Investoren agieren in viel größeren Räumen als noch im 19. Jahrhundert. Dazu gehört eben auch über den Innenstadtraum hinaus das Shopping-Center, das Eigenheim im Grünen oder eine Industriebrache. Dennoch hängen wir immer noch alten Vorstellungen nach. Doch die sind vorbei, nicht das Städtische ist vorbei. Das muss nun neu entdeckt werden.
Freie Presse: Also ist der Neubau eines Innenstadtkerns, wie er in Chemnitz geschieht, ein nostalgischer Akt, ein Modell von gestern?
Oswalt: Es gibt oft gegenläufige Tendenzen. Da werden in Chemnitz zum Beispiel, wie ich gelesen habe, Innenstadt-Häuser am Brühl abgerissen, in die man Leute aus den Plattenbauten holen wollte. Doch dann hat man gemerkt, dass die heutigen Bewohner eigentlich gerne in den Plattensiedlungen leben. In der Regel ist es so, dass die Zentren der Städte, also die Kerne, sich wieder beleben. Die Innenstadtbereiche jenseits dieser Zentren aber sind oftmals dem Verfall preisgegeben, wohingegen die Peripherien wiederum ganz gut dastehen. Doch kann ich nicht urteilen, ob das gut oder schlecht ist. Denn ein Idealbild einer Stadt gibt es nicht.
Freie Presse: Architekten denken oft pragmatisch – im Auftrag eines Bauherrn zum Beispiel. Künstler können träumen. Welche Städte-Träume gibt es, die aufs Schrumpfen reagieren?
Oswalt: Es gibt eine ungeheure Erwartung – vom Bauministerium bis hin zu kommunalen und privaten Investoren – an Künstler, die Entwicklung einer Stadt anders zu gestalten. Aber das können Künstler nicht, die meisten wollen es auch nicht. Sie sind nicht in der Lage, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Was sie haben, ist ein individueller, kritischer Blick, mit dem sie durchaus neue Perspektiven eröffnen, theoretische Modelle entwickeln und als Gesten praktizieren. Doch die ganze Orgie, die es gibt an Bespielung von Leerständen durch Künstler führt an den wirklichen Problemen vorbei. Das ist ein inszeniertes, städtisches Leben. Da gibt es einen Sommer, einen Monat, eine Woche lang zum Beispiel buntes Treiben in einer leer stehenden Ladenzeile. Doch das verpufft, hat keine Nachhaltigkeit.
Freie Presse: Weshalb haben Sie dann überhaupt Künstler in Ihr Projekt und die Ausstellung mit einbezogen?
Oswalt: Sie können einen wichtigen kritischen Beitrag in dieser Diskussion liefern, aber man sollte nicht aus der eigenen Ratlosigkeit heraus meinen, dass sie es sind, die uns das Heil, die Lösung der Probleme bringen.
Freie Presse: Wenn dies Künstler nicht bringen, können das Politiker?
Oswalt: Wir brauchen von der Politik Instrumente dafür, dass die Ideen der Architekten und Planer umgesetzt werden können.
Freie Presse: Welche Instrumente sind das?
Oswalt: Wir haben heute sehr unterschiedliche Subventionsprogramme, die zu einer Entmächtigung der Kommunen, der lokalen Akteure führen. Besser wäre es, Gelder für die Stadtentwicklung zu haben, über die man dann lokal entscheidet, was man damit macht. Und keine Förderprogramme für den Stadtumbau Ost zum Beispiel, die auf den Abriss festgelegt sind. Die Kommunen sollten selbst bestimmen können, ob sie mit dem Geld nun Häuser abreißen oder etwas anderes damit machen. Sicher sind so keine Fehlentscheidungen zu verhindern, aber dies erscheint mir sinnvoller, als mit Subventionen alles durchzuregulieren. Zudem braucht man, glaube ich, ein anderes Verständnis von Grund und Boden, von Eigentum. Der privat besessene Boden ist oft ein Hemmnis, in schrumpfenden Städten gestalterisch einzugreifen.
Freie Presse: Fordern Sie etwa die Verstaatlichung?
Oswalt: Nein, es sind Modelle gefragt, die die Nutzung und Gestaltung von Grund und Boden vom Eigentum entkoppeln, wenn die Eigentümer nicht in der Lage sind, ihre Immobilien sinnvoll zu verwenden. Darüber sollte nun eine Debatte beginnen.

www.freiepresse.de

22.11.2005
Rote Laterne für Frankfurt (Oder)
In Frankfurt an der Oder steht jede fünfte Wohnung leer: Das ist die höchste Quote in Deutschland. Aber auch andere ostdeutsche Städte wie Görlitz, Schwerin oder Halle liegen mit Leerstandsquoten zwischen 12,8 und 16,9 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt von 3,9 Prozent, wie aus einer gestern vorgelegten Gemeinschaftsstudie des Bonner Marktforschungsinstituts empirica und des Immobiliendienstleisters Techem hervorgeht.
Der Untersuchung zufolge gibt es bei den ungenutzten Wohnungen in Deutschland ein deutliches Gefälle zwischen Nord und Süd beziehungsweise Ost und West. In westdeutschen Städten sind 2,4 Prozent, in Ostdeutschland und Berlin hingegen 7,1 Prozent der Wohnungen ungenutzt. Unter den 102 ausgewerteten Städten weist Ingolstadt (Bayern) mit 0,5 Prozent den geringsten Leerstand auf. Bestplatzierte ostdeutsche Stadt ist Weimar (Thüringen) mit einer Quote von 2,5 Prozent.
Cottbus erreicht mit 4,9 Prozent Rang 77. Der Studie zufolge sind derzeit rund 2300 von insgesamt 49 642 Wohnungen unbewohnt, deutlich weniger als vor zwei Jahren. Die Abrissmaßnahmen und damit verbundene attraktive Aufwertungen der Wohnquartiere haben Wirkung gezeigt. Im Jahr 2003, als empirica und Techem erstmals eine Leerstands-Statistik vorgelegt hatten, lag die Quote noch bei 6,9 Prozent.
Auch in Dresden hat der Stadtumbau etwas bewegt. Die Leerstandsquote ist von 8,5 Prozent im Jahr 2003 auf nunmehr 7,7 Prozent gesunken. Völlig gegen den Trend dieser beiden Städte hat sich die Modellstadt Görlitz entwickelt. Hier weist die Studie einen Anstieg der Quote von 11,8 auf 16,9 Prozent aus.
Basis der Untersuchung sind nach Angaben von Techem anonymisierte Heizkostenabrechnungen von 2,5 Millionen Wohnungen, aus denen empirica den regionalen Leerstands-index errechnet hat. Techem verfügt nach eigenen Angaben als Marktführer bei Erfassung und Abrechnung von Energie und Wasser über das umfangreichste Datenmaterial vom deutschen Wohnungsmarkt

www.lr-online.de

20.11.2005
Berlin: Der Friedhof wird zur grünen Wiese
„Die Friedhöfe entwickeln sich allmählich zu grünen Wiesen“, sagt Achim Dick, Geschäftsführer der Friedhof Treuhand Berlin, einer Interessenvertretung von Friedhofsgärtnern. Immer mehr Menschen lassen sich anonym in Urnengemeinschaftsgräbern beerdigen.„Das liegt an der gesellschaftlichen Entwicklung“, sagt der Religionssoziologe Wilhelm Gräb von der Berliner Humboldt-Universität. Bei allseits knappen Kassen und in einer Gesellschaft, die Mobilität und Flexibilität forderte, seien anonyme Grabstellen offenbar die bessere Variante. Zumindest sind sie in vieler Hinsicht günstiger. Zwar wurde die Berliner Bestattungsordnung vor einem Jahr so geändert, dass die Gebühren mit 520 Euro pro Bestattungsfall und nicht mehr nach Bestattungsart berechnet werden. Aber eine Erdbestattung ist mit durchschnittlich 2500 Euro teurer als ein Urnenbegräbnis mit knapp 1500 Euro. Vor allem kostet die Pflege des Grabes mehr als bei einem Urnengrab, zumal einem anonymen. „Zwischen vier und vierzig Euro im Monat“, sagt Dick. Letztes Jahr gaben die Deutschen zwar rund elf Milliarden Euro für Bestattungen und Grabpflege aus. „Die Älteren haben aber Angst, ihren Nachkommen zur Last zu fallen, und bestimmen daher im Testament öfter eine anonyme Bestattung“, sagt Arne Ziekow von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. 2004 wurden in Berlin 31034 Menschen bestattet, etwa 24000 – und damit etwa drei Viertel – in Urnen, 12620 davon wiederum in Urnengemeinschaftsgräbern. Der Anteil der Einäscherungen und anonymen Beerdigungen ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, Letzterer um 15 Prozent. Dadurch ging der Bedarf an Grabfläche zurück. Zu Berlin gehören 225 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 1470 Hektar – das sind theoretisch mehr als vier Quadratmeter Grabfläche pro Einwohner. Durchschnittlich liegt der Bedarf jedoch bei weniger als zwei Quadratmetern pro Grab. Die Stadtentwicklungsverwaltung geht langfristig von einem Überschuss von rund 730 Hektar Friedhofsfläche aus.
Von den Berliner Friedhöfen werden laut Entwicklungsplan des Senats 163 weiterhin für Begräbnisse genutzt, 27 haben eine historische Bedeutung und bleiben dauerhaft „Friedhofsparks“. Die übrigen 35 Friedhöfe sollen stillgelegt und nach Ablauf der gesetzlich festgelegten 30-jährigen Ruhezeit zu Grünanlagen umgestaltet, in Einzelfällen als Baugrund genutztwerden, bestätigt Hans-Georg Büchner von der Stadtentwicklungsverwaltung. Parallel dazu entstehen „Friedwälder“, Gebiete, in denen Verstorbene anonym unter den Wurzeln der Bäume beerdigt werden. Deutschlandweit wurden in elf Friedwäldern in den vergangenen vier Jahren 1000 Verstorbene begraben, 17 davon in einem Gebiet des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs, wo bereits 40 weitere Grabstätten reserviert sind. In Berlin gibt es noch keinen Friedwald, die Bezirke Spandau und Steglitz-Zehlendorf wollen jedoch Areale auf einzelnen Friedhöfen ausweisen.

archiv.tagesspiegel.de

20.11.2005
Frankfurt (Oder): Abrissliste nur für ein Jahr
Wenn am 15. Dezember die Stadtverordneten zu ihrer letzten Tagung in diesem Jahr zusammenkommen, steht auch der Stadtumbau auf der Tagesordnung. Dabei geht es um die von den Abgeordneten alljährlich geforderten Abrisslisten für die drei Folgejahre und um die so genannten Aufwertungsmaßnahmen. Beide Vorlagen sollen nur zur Kenntnis genommen und in den Ausschüssen nicht diskutiert werden. Doch bereits jetzt hat Axel Henschke  angekündigt, dass er das so nicht hinnehmen will. Er will erreichen, dass beide Vorlagen am 7. Dezember im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden. Genug Gesprächsstoff wird es geben, denn die Verwaltung hat lediglich die Abrisslisten für kommendes Jahr beigelegt.
Auf Vorschlag der PDS haben die Stadtverordneten vor rund zwei Jahren festgelegt, dass die Stadtverwaltung jedes Jahr eine objektkonkrete Abrissliste für die drei Folgejahre vorlegen muss. Das bedeutet: Diese Übersichten enthalten exakt die Häuser mit Straße und Hausnummer, die abgerissen werden. Sinn dieses Beschlusses war es unter anderen, den Frankfurtern, die in den Neubaugebieten leben, Sicherheit und Klarheit zu geben. Den einen damit die Möglichkeit zu geben, in die Wohnung zu investieren und zu wissen, dass man wohnen bleiben kann. Und den anderen rechtzeitig klar zu machen, dass sie umziehen und sich um ein neues Zuhause bemühen müssen. Auch die Versorgungsunternehmen wie etwa die Stadtwerke brauchen diese Klarheit. Denn Leitungen müssen gekappt und verlegt werden.
Das hat bisher geklappt, doch in diesem Jahr ist das Papier recht dünn. Und lediglich die Liste für 2006 ist enthalten. Baubeigeordneter Peter Edelmann  dazu: "Die Stadt und die Wohnungsunternehmen konnten sich bis jetzt noch nicht auf 2007 und 2008 einigen. Die rein wohnungswirtschaftlich geprägten Vorschläge der Wohnungsunternehmen können aus gesamtstädtischer Sicht teilweise nicht mitgetragen werden." Bis April 2006 soll es Einigung für die Abrisshäuser 2007 geben. In etwa einem Jahr soll die Liste für 2008 vorliegen.
www.moz.de

20.11.2005
Gefördert saniert und gefördert abgerissen
Zwar sind es nur "wenige Ausnahmefälle", bei denen dieses Paradoxon auftritt, teilt Bauminister Frank Szymanski (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage mit. Doch lässt sich nicht leugnen, dass inzwischen auch solche Wohngebäude "zurückgebaut", d. h. abgerissen werden, bei denen der Wohnwert zuvor durch geförderte Programme verbessert worden war. Immerhin betreffen solche Abrissanträge bislang keine Gebäude, die zuvor komplett modernisiert worden waren, ergänzt der Minister.
Zuvor haben die Linkspartei-Abgeordneten Carolin Steinmetzer und Helga Böhnisch in ihrer Anfrage darauf hingewiesen, dass die Stadt Finsterwalde offenbar plant, mit öffentlichen Fördermitteln modernisierte Wohnungen wiederum mit öffentlicher Förderung aus dem Stadtumbauprogramm abzureißen. Wenn der Antrag gestellt wird, teilsanierte Gebäude aufgrund mangelnder Nachfrage abzureißen, dann gelten "besonders strenge Maßstäbe" für die Bewilligung, unterstrich Szymanski. Doch muss er zugeben: "Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass dennoch im Einzelfall der Abriss geförderter Wohnungen aus städtebaulichen oder sonstigen Gründen unumgänglich ist".
www.svz.de

20.11.2005
Berlin: Degewo will 1 256 Wohnungen in der Großsiedlung abreißen
Das städtische Wohnungsunternehmen Degewo will in den kommenden Jahren in der Großsiedlung 1 256 Wohnungen abreißen und 374 modernisieren. 22 Millionen Euro hat das Abgeordnetenhaus dafür freigegeben, allein acht Millionen sollen für die Aufwertung der Plattenbau-Wohnungen verwendet werden.
Los geht es Anfang 2006 an der Wuhlestraße 2-8. Der Zehngeschosser wird auf fünf bis sechs Etagen heruntergebaut. Vorbild sind die "Ahrensfelder Terrassen" an der Havemannstraße, wo Hochhäuser zu niedriggeschossigen Blöcken umgebaut wurden, sagt Degewo-Sprecherin Erika Kröber. An der Ludwig-Renn-Straße 66-72 wird ein elfgeschossiger Riegel auf sechs Etagen gestutzt. Ein Pflegewohnheim und altersgerechte Wohnungen sollen entstehen. Die Geschäfte im Erdgeschoss bleiben erhalten. Die Fünfgeschosser in der Sella-Hasse-Straße 5-30 werden saniert und Mietern aus der Ludwig-Renn-Straße 46-62 angeboten, deren Elfgeschosser abgerissen werden soll.Fallen sollen 2007/08 auch zwei unsanierte Elfgeschosser im Bereich Cecilienstraße/Wuhlestraße. Im so genannten Schorfheide-Viertel sollen Häuser mit 306 Wohnungen verschwinden. An der Mehrower Allee nahe den Ringkolonnaden fallen nach den Degewo-Plänen achtgeschossige Gebäude weg. Überrascht zeigt sich der zuständige Stadtentwicklungsdezernent Heinrich Niemann : "Mit dem Bezirk hat über die Pläne keiner gesprochen", sagt er. "Die jetzige Variante ist in einem längeren Diskussionsprozess mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entstanden", sagt die Degewo-Sprecherin. Die Abrissvorgaben würden akzeptiert. Es gebe aber einen gewissen Spielraum für die einzelnen Standorte. "Noch ist nichts endgültig entschieden."
www.berlinonline.de

20.11.2005
Bauminister: Eigentumsquote im Osten muss erhöht werden
Gelder, die durch die geplante Streichung der Eigenheimzulage frei werden, sollen zum wesentlichen Teil für den Wohnungs- und Städtebau in Ost und West eingesetzt werden. Das forderten die ostdeutschen Bauminister gestern bei einem Treffen in Magdeburg. Der zum 1. Januar 2006 geplante Wegfall der Eigenheimzulage bringt im nächsten Jahr ein Einsparvolumen von rund 200 Millionen Euro. Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre (CDU) sagte nach der Konferenz in Magdeburg, mit Geldern aus der wegfallenden Zulage könne künftig zum Beispiel der Erwerb von Wohnungen in den Innenstädten gefördert werden. „Die Eigentumsquote im Osten muss erhöht werden“, erklärte der Minister. Daehre zufolge liegt diese Quote bei 36 Prozent in den neuen Ländern und bei 45 Prozent in Westdeutschland. Er betonte, dass Wohneigentum auch ein Grund sei, das Land nicht zu verlassen. Sachsen-Anhalt hat nach wie vor die höchste Abwanderungsrate aller Bundesländer.
Die ostdeutschen Bauminister forderten den Bund erneut auf, die Wohnungsgesellschaften stärker von ihren DDRAltschulden zu entlasten. Die Verbindlichkeiten für dauerhaft leer stehende und abzureißende Wohnungen müssten gestrichen werden, sagte Daehre. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Bauminister Helmut Holter (Linkspartei. PDS) betonte, dass die 2000 beschlossene Regelung zu den DDR-Altschulden nicht ausreiche. Die neue Bundesregierung müsse das Problem angesichts der anhaltenden Abwanderung und weiter hoher Leerstandsquoten im Osten zügig anpacken. Die Länder hätten für diese teilungsbedingte Altlast kein Geld, fügte Daehre hinzu. Laut Holter hat der Bund seit dem Jahr 2000 bereits 1, 13 Milliarden Euro für schwer angeschlagene Wohnungsunternehmen mit einer Leerstandsquote von mindestens 15 Prozent zur Verfügung gestellt. „Das ist durchaus anzuerkennen.“ Berücksichtigt worden seien jedoch nur Unternehmen, die bis Ende 2003 Anträge auf Entschuldung gestellt hatten. „Wir sind noch nicht am Ende der Diskussion“, betonte Holter. „Das Paket muss wieder aufgemacht werden.“ Im Osten stehen derzeit schätzungsweise eine Million Wohnungen leer. Das belastet die Wohnungsgesellschaften schwer, einigen droht die Insolvenz.
Daehre zufolge geht der Stadtumbau in Sachsen-Anhalt gut voran. Seit 2002 wurden zwischen Arendsee und Zeitz rund 30 000 Wohnungen abgerissen. Für das nächste Jahr ist die Demontage von weiteren 10 000 Wohnungen geplant. „Wir sind aber noch längst nicht am Ende des Stadtumbaus“, sagte Daehre. Ziel ist, dass im Land bis 2009 insgesamt rund 65 000 Wohnungen vom Markt genommen sind. In Sachsen-Anhalt stehen rund 200 000 Wohnungen leer. Die durchschnittliche Leerstandsquote liegt bei 13 Prozent.
www.volksstimme.de

17.11.2005
Torgau: Auch Abriss von sanierten Wohnungen
Die Zahlen sind dramatisch. Maximale Leerstände zwischen 13 und 30 Prozent (gilt für Nordwest) zwingen auch Großvermieter wie die Torgauer Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) und die Torgauer Wohnstätten GmbH (TWG) zum Handeln. Selbst der Abriss von nach der Wende erst sanierten Wohnungen ist kein Tabu mehr. "Der drastische und sich fortsetzende Rückgang der Bevölkerung sowie der Bau von Eigenheimen haben in ganz Sachsen zu einer Situation geführt, der nur durch einen konsequenten Stadtumbau Rechnung getragen werden kann", sind sich die Geschäftsführer der Unternehmen, Ulrich Niekler und Andreas Huth, einig. Mittel aus dem Landesrückbauprogramm, das seit fünf Jahren existiert, helfen bei der Lösung dieser langfristigen Zukunftsaufgabe.
Durch die Wohnungsbaugenossenschaft wurden bisher in Nordwest fünf Etagen zu Bodenräumen umgestaltet. Damit wurden 52 Wohnungseinheiten (WE) einer neuen Nutzung zugeführt. Im Jahr 2007 ist der Abriss des Gebäudes Fasanenweg 14-24 mit 60 WE vorgesehen. Gegenwärtig weist das Objekt einen Leerstand von 20 Prozent auf. Für einen Großteil der belegten Wohnungen existieren nur Zeitmietveträge. Für 2008 ist der Rückbau des Gebäudes Fasanenweg 26-40 mit 80 WE geplant. Hier beträgt der aktuelle Leerstand 14 Prozent.
"Nur mit dem Einsatz von Fördermitteln sind diese Vorhaben umzusetzen", meinte Geschäftsführer Niekler. Die Gespräche mit den Mietern werden bereits geführt. Ziel ist es, die Wohnungen bis zum Ende des Jahres vor dem geplanten Abriss leer zu ziehen. Bisher ist es gelungen, alle Mieter im Bestand zu behalten. Die meisten Mieter wollen sogar im Stadtteil Nordwest bleiben. "Ihnen wird in jedem Fall keine Schlechterstellung nach dem Umzug garantiert. Das bedeutet, die Wohnungen werden gemalert, Ersatz für Einbauten wird geleistet, Einbauküchen werden umgesetzt, Umzugshilfen mit Hausmeistern, Handwerkern und Fahrzeugen werden gewährt", versicherte Niekler.
Seit dem Geschäftsjahr 2003 ist die Wohnstätten GmbH aktiv am Stadtumbau Ost (überwiegend Projektteil Rückbau) beteiligt. Auf Basis des Unternehmenskonzeptes sollen mittelfristig 492 Wohnungen mit einer Fläche von 26783 Quadratmetern vom Markt genommen werden. Insgesamt wurden bisher 199 Wohnungen abgebrochen.
Effetiv und wirkungsvoll wird die Zusammenarbeit beider Wohnungsunternehmen mit der Stadtverwaltung in Hin-sicht auf das Programm "Stadtumbau Ost" eingeschätzt. "Als Antrag stellende Gemeinde unterstützt die Stadt unsere Vorhaben voll und ganz," bestätigten die beiden Geschäftsführer. Andererseits integrieren die Großvermieter ihre Vorhaben in das bestehende Stadtentwicklungs-konzept, das ständig fortgeschrieben wird.
Zahlen und Fakten Gesamtleerstand WBG - 6,8 Prozent TWG - 14,9 Prozent
Mittelfristiger Rückbau WBG - 140 WE TWG - 282 WE
Bevölkerungsentwicklung Torgau 1990 - 22 740 Einwohner 2005 - 18 906 Einwohner 2015 - unter 18 000 Einwohner

www.torgauerzeitung.com

14.11.2005
Eilenburg: Stadthaus statt Abriss
 "Eigentlich sollte der Block abgerissen werden. Jetzt versuchen wir aber was Neues", sagt Birgit Bendix-Bade, Geschäftsführerin der Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (EWV). Gemeint ist die Rollenstraße 24/25 mitten in Eilenburg.
Sechs Reihenhäuser sollen hier entstehen, jeweils drei Etagen, mit Wohnungsgrößen von 137 bis 165 Quadratmetern. Auf zwei Geschossen werde eine Dachetage in Holzbauweise errichtet, ergänzt durch Terrassen. Der Keller biete zusätzliche Nutzflächen. Zu jedem Grundstück gehöre ein kleiner Garten. Die Bauherren könnten bei den Entwürfen der Wohnungen mitwirken, lediglich die tragenden Wände müssten stehen bleiben.
"Mitten in der Stadt, dennoch ruhige, grüne Lage und kurze Wege zu Ärzten, Geschäften, Schule, Kinder-Einrichtungen, Bahnhof und Marktplatz", wirbt Bendix-Bade für das Projekt. Die Stadtentwicklung Südwest (Steg) sei an die EWV mit dem Vorschlag herangetreten, diese Kombination zu nutzen, um attraktiven Wohnraum zu schaffen und damit zum Stopp der Abwanderung ins Umland beizutragen. "Deshalb sind wir auch von unserem ursprünglichen Ziel abgewichen", so die EWV-Chefin. Der größte Teil der Wohnungen solle verkauft werden, Bendix-Bade geht von 80 Prozent aus. Interessenten könnten vor allem junge oder Generations-Familien und - wegen der Dreigeschossigkeit der Wohnungen - auch Gewerbetreibende, Anwälte oder Ärzte sein.
Bendix-Bade bekennt, dass dieses Projekt für die EWV Neuland ist. Stadtumbau Ost heiße in diesem Fall nicht abreißen, sondern Vorhandenes so umzubauen, dass die Innenstadt attraktiver wird. Sollten sich nicht genügend Interessenten finden, "wird der Block abgerissen." Man gehe aber optimistisch an das Ganze heran, bei Erfolg seien weitere Projekte in der Innenstadt denkbar. Auch die Stadtwerke sind mit im Boot, geprüft werde noch, welche ökologisch günstigen Heizverfahren möglich sind.
www.lvz-online.de

09.11.2005
Wurzen: "Friedhof ist zu groß für die Stadt"
Friedhöfe verraten einiges über die Veränderlichkeit der Kultur eines Landes. Pompöse Grabstätten neben schlichten Steinen oder Aschewiesen zeugen davon, wie unterschiedlich in Jahrhunderten die Toten geehrt wurden. Und Friedhöfe verraten manches über Menschen aus der Region. Namen lassen Erinnerungen an bekannte Familien aufleben.
Er hatte am vergangenen Sonntag zu einem Spaziergang über den Wurzener Friedhof eingeladen. Rund 40 Interessierte konnte er dabei auf interessante Details aufmerksam machen. So erfuhren die Teilnehmer zumBeispiel, dass in Wurzen die sterblichen Überreste von elf Menschen begraben sind, die während des Todesmarsches im April 1945 ums Leben kamen. "Ursprünglich waren es mehr", erzählt Wolfgang Ebert. Doch bei einigen der Toten hatten Angehörige nach deren Verbleib geforscht. Sie wurden in ihre Heimatländer überführt.
Während des Rundgangs machte Ebert auch auf die unterschiedliche Bedeutung der Gräber aufmerksam, die sich durch einheitliche schlichte Kreuze von anderen abheben. Nicht alle Kreuze erinnern an Soldaten, die im Ersten oder Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. 21 Kreuze stehen nämlich für Wurzener Bürger, die Opfer des Bombenangriffs am 7. Oktober 1944 wurden. "Das jüngste Opfer war zwei Jahre alt."
In anderen Abteilungen des riesigen Areals lassen Familiengrabstätten, aufwändig gearbeitete Grabsteine und manche Inschrift auf eine gehobene gesellschaftliche Stellung der Verstorbenen schließen. Zu vielen gab es Geschichten zu erzählen.
Insgesamt gibt es rund 3900 Gräber auf dem sieben Hektar großen Gelände. Einst seien es 10.000 Grabstellen gewesen. "Und da der Bevölkerungsrückgang auch in Wurzen spürbar ist, wird deutlich:Der Friedhof ist zu groß für die Stadt", weist Ebert auf enorme Kosten hin, die für den Erhalt des parkähnlichen Geländes erbracht werden müssen.

www.lvz-online.de

09.11.2005
Mecklenburg-Vorpommern:  Weiterer Bevölkerungsrückgang im 1. Halbjahr 2005
Im Zeitraum 1.1. bis 30.6.2005 sank die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern um weitere 6 497 Personen bzw. 0,4 Prozent auf 1 713 156 Einwohner, 849 027 männlichen und 864 129 weiblichen Geschlechts. Nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes ist der Rückgang sowohl auf Wanderungsverluste (- 3 570 Personen) als auch auf das Geburtendefizit (- 2 935 Personen) zurückzuführen.
Der Wanderungsverlust belief sich bei der Bevölkerung insgesamt im genannten Zeitraum auf 3 570 Personen und war damit etwas geringer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (- 3 829; 1.1. bis 30.6.2003: - 3 341). Dieser Gesamtwanderungsverlust resultiert aus Wanderungsverlusten gegenüber den anderen Bundesländern von 3 860 Personen, die teilweise durch Wanderungsgewinne aus dem Ausland von 290 Personen gemindert wurden. Insgesamt standen im Zeitraum 1.1. bis 30.6.2005 12 696 Zuzügen in das Land 16 266 Fortzüge aus dem Land gegenüber.
Die höchsten Wanderungsverluste waren gegenüber den Ländern Hamburg (- 1 088), Schleswig-Holstein (- 670), Berlin (- 565), Nordrhein-Westfalen (- 460) und Niedersachsen (- 379 Personen) zu verzeichnen.
Innerhalb des Landes verlegten 26 169 Personen ihren Wohnsitz in eine jeweils andere Gemeinde des Landes. Damit gab es 1 428 Umzüge weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.
Im Zeitraum 1.1. bis 30.6.2005 wurden 5 832 Kinder lebend geboren, 3,3 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dem standen 8 767 Sterbefälle gegenüber, 3,5 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der resultierende Sterbefallüberschuss betrug 2 935 Personen und war damit um 495 Personen größer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Zwischen den Kreisen gibt es durchaus Unterschiede in der Entwicklung. Das Geburtendefizit ist in den kreisfreien Städten Neubrandenburg und Greifswald am geringsten. Alle kreisfreien Städte erzielten leichte Wanderungsgewinne, die in Neubrandenburg und Rostock sogar zu einem Bevölkerungsanstieg führten.
Im Berichtszeitraum gaben sich 4 233 Paare das Jawort, das waren 255 Eheschließungen mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.
www.rasender-reporter.com

09.11.2005
Anklam: Fusions-Debatte bei Anklams Groß–Vermietern
Die mögliche Fusion der beiden großen Anklamer Wohnungsunternehmen wird konkreter: Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung der städtischen Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH Anklam (GWA) am 22. November wollen der Verband der Norddeutschen Wohnungsunternehmen und die Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Domus Nordrevision mbH ein Konzept vorlegen, welche Varianten des Zusammenschlusses mit der Anklamer Wohnungsgenossenschaft möglich sind. Nach Informationen unserer Zeitung waren die beiden Geschäftsführer Lothar Salzsieder (GWA) und Karl-Dieter Lehrkamp (Genossenschaft) am Wochenende zu Gesprächen in Hamburg.
Angesichts des Zerwürfnisses zwischen dem scheidenden GWA-Chef Salzsieder und der Mehrheit des Aufsichtsrates auf der einen und dem als Aufsichtsratsvorsitzenden fungierenden Bürgermeister Michael Galander (parteilos) auf der anderen Seite sowie der über eineinhalb Jahre dauernden Suche nach einem Salzsieder-Nachfolger kommt der möglichen Fusion einige Brisanz zu. So hatte Galander Genossenschafts-Chef Lehrkamp angeboten, zum 1. Januar auch die Führung der GWA zu übernehmen. Beobachter sehen darin auch den Versuch, Lehrkamp politisch loszuwerden; als Bürgervorsteher zählt der Christdemokrat zu den schärfsten Kritikern des Rathauschefs. Doch Lehrkamp lehnt eine Personalunion an der Spitze der Groß-Vermieter ab: Erstens „würden meine Gremien das nicht akzeptieren“, sagte er auf Nachfrage. Und zweitens sei er überzeugt, dass nur ein geeintes Unternehmen auf Dauer stabil genug wäre, um den Stadtumbau mit dem Abriss überzähliger Wohnungen zügig über die Bühne zu bringen: Derzeit gehören der GWA 2800 Wohnungen, der Genossenschaft etwa 1100.
Dass das größere das kleinere Unternehmen übernimmt, ist zwar vorstellbar – aber nicht zwangsläufig. So soll es nach Informationen unserer Zeitung auch ein Modell geben, wonach die Genossenschaft die GWA übernimmt und der klammen Stadt dafür jährliche Zahlungen garantiert.

www.nordkurier.de

09.11.2005
Sachsen-Anhalt: Mit Stadtumbau-Geld 29 Schulen saniert
Landesweit 29 Schulen und neun Kindertagesstätten wurden in den vergangenen sechs Monaten saniert, verschönert und auf Vordermann gebracht. Die dafür aufgewandten knapp elf Millionen Euro hatte das Bauministerium zu einem Viertel aus dem Topf für Städteumbau Ost genommen. Knapp eine Million Euro flossen aus dem Denkmalschutzprogramm in die Bildungsstätten. „Es bringt doch nichts, die 70. Hausfassade zu verschönern, und daneben bröckelt in der Schule der Putz von den Wänden“, sagte gestern Bauminister Karl-Heinz Daehre in Magdeburg bei der Vorstellung der Bilanz.
So wurden unter anderem die Sporthallen der Goethe- und Reutter-Grundschulen in Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) erneuert sowie die Kindertagesstätte „Elbespatzen“ in Barby (Landkreis Schönebeck) saniert. Davon profi tiert haben auch Schulen in Magdeburg, Hettstedt und Halle.
Die Gelder für den Stadtumbau Ost werden vom Bund an die Länder überwiesen, um vor allem Plattenbauten abzureißen und die vom Leerstand geplagten Stadtviertel attraktiver zu gestalten. Sachsen-Anhalts Landesregierung will ein Teil der Mittel aber auch weiterhin für die Schulsanierung einsetzen. Für das nächste Jahr rechnet das Bauministerium mit Investitionen in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro. Daehre: „Lernergebnisse lassen sich kaum verbessern, wenn die Umgebung nicht stimmt.“
Die Gelder werden auch eingesetzt, um nicht mehr benötigte Schulgebäude abzureißen: So geschehen mit der Kindertagesstätte und Lernbehindertenschule in Wanzleben (Bördekreis). Abgebrochen wurde auch ein Musikschulgebäude in Bernburg.

www.volksstimme.de

08.11.2005
Velten: Killerphrasen nicht erlaubt
Einen Neuanfang in Sachen Stadtentwicklung macht die Stadt Velten. Deren Sanierungsbeauftragter, die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH, lädt gemeinsam mit dem städtischen Bauamt zu zwei Klausurtagungen ein. Die erste findet am kommenden Sonnabend, 12. November, von 10 bis 16 Uhr in der ehemaligen Realschule, jetzt 1. Oberschule, an der Breiten Straße statt. Eingeladen sind Gewerbetreibende, Vereinsmitglieder, Grundstückseigentümer, Bewohnervertreter, Akteure von Museen, Kirche und städtischen Gesellschaften, Abgeordnete - alle, die an einem Schub für Veltens Innenstadtentwicklung interessiert sind.
Eine Laberrunde soll die Tagung nicht werden. Sachverständige vermitteln Ideen und Anstöße, die durchaus provokativ sein können und auf die anschließenden Beratungen einstimmen sollen. In den Arbeitsgruppen herrschen straffe Spielregeln: Die Redezeit ist auf 30 Sekunden beschränkt, ausgeschlossen sind Kritik am Vorredner, Wiederholungen und Parteipolitik. "Killerphrasen" wie "Das funktioniert bei uns nicht!" oder "Das hatten wir schon einmal" lassen die Moderatoren nicht zu. Es soll etwas bewegt werden zum Wohle der Veltener Innenstadt. Als Sachverständige wirken mit: Luise Adrian, Expertin für Stadtmarketing und Einzelhandel vom Büro Adrian-Mehlin, Architekt Bernhard Conradi vom Büro Conradi, Braum und Bockhorst, Udo Stande aus Hennigsdorf berät in Sachen Tourismus und Gastronomie. Freiraumplaner Tobias Micke ist mit Problemen des fließenden und ruhenden Verkehrs vertraut.
Nach der Einstimmung erfolgt die Aufteilung in die beiden Gruppen "Funktion der Stadt/Stadtmarketing" und "Gesicht der Stadt". Anfangs werden Defizite und Potenziale der Innenstadt genannt, anschließend Ideen, Utopien und Wünsche aufgenommen. Die dritte Phase heißt "Ideen contra Realität". Hier werden Strategien bestimmt und Arbeitsaufträge erteilt, an die Verwaltung, Politik, den Sanierungsbeauftragten oder die Sachverständigen. Konkret könnte es um die viel diskutierte Ratsgasse, die Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen oder Fördermöglichkeiten gehen. Die zweite Klausurtagung findet am 7. Januar 2006 statt. In der Zwischenzeit werden die Teilnehmer Gestaltungsvarianten und Handlungskonzepte bewerten und präzisieren. Zum Schluss will der Sanierungsbeauftragte Leitbilder für die künftige Entwicklung der Veltener Innenstadt aufstellen. Gleichzeitig sollen neue Wege der Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Gewerbetreibenden, Vereinen, Schulen und allen anderen Einrichtungen der Stadt aufgezeigt werden.
www.maerkischeallgemeine.de

06.11.2005
Wurzener: entdecken ihre Stadt neu
Den Wurzenern ist ihre Stadt nicht "wurscht". Davon zeugten rund 50 Teilnehmer, die sich am Sonnabend mit Landschaftsplaner Bertram Weißhaar auf einen Spaziergang der besonderen Art machten. Darauf zielte Weißhaars Aktion. Die Bürger sollen mitgenommen werden in die notwendigen Veränderungen des Stadtbilds. Deren Ursache sei in Wurzen, nicht anders als in anderen Städten, im Schrumpfen der Bevölkerung zu suchen. Wer sich selbst Gedanken um die Zukunft eines Gebäudes oder einer Fläche mache und nicht warte, bis andere entscheiden, nehme Umgestaltung an. Die müssten nicht zum Nachteil einer Stadt sein. Wurzen hat Potenzial. Wurzen hat Probleme. In Wurzen gibt es Kleinode, die in Szene zu setzen wären. Genauso Ecken, deren Verfall im Alltagstrott leicht übersehen wird. In Wurzen gibt es Wohnungsleerstand und die Möglichkeiten Ungenutztes neu zu entdecken.
Doch Wurzener sollten entscheiden, wo welche Schwerpunkte gesetzt werden. Nicht von ungefähr teilte Bertram Weißhaar zu Beginn des Spaziergangs Einweg-Kameras aus. Die Teilnehmer sollten damit das fotografieren, von dem sie glauben, dass es das in zehn Jahren nicht gibt. "Eine Möglichkeit zu sondieren, wovon sich die Einwohner trennen würden", führte Weißhaar zu verfallenen Hinterhöfen und Ruinen im Zentrum.
Manchmal präge ein einziges Haus das Bild einer Straße. "Oft auch Privatbesitz", ergänzt Weißhaars Kollege Holger Schmidt, dass nicht nur die Stadt oder die Großvermieter gefordert seien, sich einzubringen. Wie indes Besitzer unterstützt werden könnten, damit sich ihr Eigentum vorteilhaft ins Ganze fügt?
"Eine Frage der Kommunikation und des Konzepts." Das berge Chancen. Die müssen nicht zwingend viel kosten. Die Krietsch-Villa könnte mit einer Beleuchtung in Szene gesetzt werden. Für Abrissflächen, die in Wurzen schon existieren, sollten Gestaltungsideen greifen. Warum nicht eine Fläche mit farbigen Blumen so bepflanzen, dass sie ein Muster der hiesigen Teppichfabrik ergeben?
www.lvz-online.de

06.11.2005
Kastel und Kostheim: Für Stadtumbau-Programm
Ein positives Echo hat die Aufnahme Kastels und Kostheims in das Landesprogramm "Stadtumbau in Hessen" gefunden. Der Kasteler Ortsvorsteher Heinz-Erich Krone erinnerte daran, dass die Stadt Mittel zur Komplementärfinanzierung in den Haushalt einstellen müsse. "Erst mal sehen, was da ist und in welcher Größenordnung investiert werden kann", sagte Krone. Zwei Drittel der Förderungsgelder zahlt das Land Hessen, ein Drittel muss aus dem kommunalen Etat beigesteuert werden. Wichtigstes Projekt in Kastel wäre die Schaffung eines autofreien Rheinufers. Wahrscheinlich werde man bei der Sitzung der Finanzkommission am 22. November und im Ortsbeirat über das Programm reden. Kostheimes Ortsvorsteher Klaus Lenz  regte an, in das Terrain, das von dem Erneuerungsprogramm erfasst werden soll, den Industriehof einzubeziehen. Andeutungen Stadtrat Pös´, nach denen der Zugang zur Maaraue erleichtert werden könnte, liefen in diese richtige Richtung. Es entspräche seiner Zukunftsvision zur städtebaulichen Entwicklung Kostheims, wenn vom heutigen Linde-Werksgelände eine Brücke zur Maaraue geschlagen werden könnte. Dann bleibe Alt-Kostheim an heißen Sommertagen vom Autoverkehr in Richtung des Schwimmbads auf der Maininsel verschont. Die Stadt könne für Kastel und Kostheim 266 000 Euro abrufen, wenn sie selbst 136 000 Euro hinzugebe.
www.main-rheiner.de

03.11.2005
Anklam: Bürgermeister will rasche Markt-Bebauung
Die nach dem Abriss des Plattenbaus leere Westseite des Anklamer Marktplatzes soll nach dem Willen von Bürgermeister Michael Galander (parteilos) schnellstens wieder bebaut werden. „Spätestens im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres müssen sich die Baukräne drehen– ansonsten können wir den ganzen Stadtumbau vergessen“, betonte er und erteilte damit Diskussionen um eine mögliche Begrünung der Fläche beziehungsweise die Umwandlung in einen provisorischen Parkplatz eine Absage.
Wie berichtet, waren im Wirtschaftsausschuss der Stadtvertretung Überlegungen laut geworden, das Areal zumindest für eine Übergangszeit als Parkplatz zu benutzen; demgegenüber hatte sich Lothar Salzsieder als Geschäftsführer der städtischen Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH (GWA) für die Begrünung ausgesprochen. Eine Neubebauung der Fläche sieht er allenfalls mittelfristig als möglich an; schließlich betrage der Leerstand in den von der GWA bewirtschafteten Gebäuden bereits 17 Prozent. Weitere Wohn- und Gewerbeflächen würden den Leerstand weiter in die Höhe treiben, argumentierte Salzsieder. Dagegen verweist Galander – zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der GWA – auf „einen klaren Beschluss des Aufsichtsrates zur Wiederbebauung“. Es sei eine „verlogene Diskussion“, diese Pläne auf die lange Bank zu schieben. Hätte er dies vorausgesehen, „hätte ich nie den Zuwendungsbescheid für den Abriss an die GWA weitergegeben“; rund 60 Euro pro Quadratmeter abgerissenem Wohnraum gibt es
als Förderung. Unterdessen hält GWA-Chef Salzsieder der Kommune vor, der von der GWA verwaltete hohe Leerstand resultiere vor allem aus städtischen Altbauten, welche die GWA nur betreut; so stünden rund zwei Drittel der kommunalen Wohnungen im Innenstadtbereich leer, im GWA-eigenen Bestand betrage die Quote nur knapp zehn Prozent.

www.nordkurier.de

03.11.2005
Der Westen mag nicht vom Osten lernen
Was kann der Westen Deutschlands vom Osten lernen? Einhellige Antwort auf allen Stadtumbau-Konferenzen in den alten Bundesländern: Nichts. So tönte es auch in Köln, als jetzt die Konrad-Adenauer-Stiftung unter der Schlagzeile "Schrumpfende Städte?" zu einer Diskussion "Lernen vom Stadtumbau Ost: Konzepte für einen Strukturwandel" einlud. Die zahlreich erschienenen westlichen Kommunalvertreter schüttelten nur die Köpfe. "Aber wir schrumpfen doch gar nicht," war die stereotype Reaktion. Exakt dieselbe Auskunft haben noch vor zehn Jahren Sozialwissenschaftler, Ingenieure und Planer erhalten, wenn sie im Osten vor dem nicht mehr aufzuhaltenden Bevölkerungsrückgang warnten. Inzwischen ist die Thematik dort für ganze Städte, Kreise und Regionen zur Existenzfrage geworden. Und die Fachleute sind sich einig: Hätte man den Realitäten früher ins Auge gesehen, wäre es nicht zu millionenfachen Wohnungsleerständen, zu Konkursen, Überschuldungen und Bankenkrächen gekommen.
"Unser Problem wird auch die heile Welt erreichen", prophezeite der Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, Albrecht Buttolo, den westlichen Kollegen. Und er schilderte, wie die Schrumpfung dortzulande inzwischen einige Städte im Würgegriff hält: Hoyerswerda müsse ein Minus an Einwohnern von 26 Prozent verkraften, bis 2020 kämen weitere 36 Prozent hinzu. Flächenhaft verlören die Landkreise 15 bis 21 Prozent ihrer Bewohner, die Grenzstadt Görlitz habe schon jetzt 23 Prozent eingebüßt. "Da macht Kosmetik keinen Sinn mehr. Wir brauchen flächenhafte Abbrüche, " folgerte der Politiker und vermied sogar die beschönigende Floskel vom "Rückbau". Bei einem Leerstand von derzeit 410 000 Wohnungen allein in Sachsen, davon ein Drittel unbewohnbar, müsse man sich fragen, was falsch gelaufen sei, wollte ein Ruhrgebietsplaner wissen. Buttolo verwies auf den "erheblichen Nachholbedarf an individuellem Wohneigentum in den neuen Ländern, der unter dem Druck drohender Abwanderung habe befriedigt werden müssen. Im Ergebnis seien seit 1990 rund 130 000 Familien zu Eigentümern geworden - leider eher im Umland, als in den Innenstädten, mithin also "an der falschen Stelle". Viele Westdeutsche, die in derartige Bauprogramme investiert hätten, müßten heute einsehen, daß sie Geld verloren haben: "Was sie als Erlös erzielt haben, ist weit weniger als das, was sie aufgewendet haben, trotz steuerliche Vorteile."
Der dringende Rat des Praktikers aus dem Osten: Machen Sie rechtzeitig Stadtentwicklungspläne, in denen bereits die Rückzugsgebiete ausgewiesen sind! Stellen Sie Bauleitplanungen aus den Zeiten des Wachstums nochmals zur Disposition! Konzipieren Sie den Stadtumbau im regionalen Rahmen! Planen sie rechtzeitig für die Aufrechterhaltung der technischen und sozialen Infrastruktur, damit ihnen nicht plötzlich die medizinische Versorgung wegbricht und die Abwasserrohre verstopfen! Bei den westlichen Kollegen trafen derlei Mahnungen auf (fast) völlig taube Ohren. Ulrich Hatzfeld (NRW-Bauministerium) gab die Sprachregelung vor: "Der Schrumpfungsprozeß birgt doch enorme Chancen. Natürlich müssen wir auch was abreißen, aber wir sollten über die positiven Dinge reden." Mit solcher Augenwischerei hatten sich bis vor wenigen Jahren auch noch ostdeutsche Kommunalvertreter getröstet. Inzwischen ist klar: Das Versäumnis, rechtzeitig schlüssige Stadtentwicklungskonzepte auszuarbeiten, kommt die Gemeinden und damit den Steuerzahler teuer zu stehen

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03.11.2005
127 Kommunen hatten sich für eine Aufnahme in das städtebauliche Förderprogramm "Stadtumbau in Hessen" 2005 beworben. Ausgewählt für eine Programmaufnahme 2005 wurden 14 interkommunale Gruppen und 15 Einzelstandorte. "Damit wird das Land diese Kommunen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren aktiv bei den Aufgaben des Stadtumbaus unterstützen und Fördermittel bereitstellen. Noch im Jahr 2005 werden Kosten in Höhe von insgesamt rund neun Millionen Euro gefördert. Davon tragen Land und Bund jeweils ein Drittel. Das dritte Drittel finanziert die Kommune selbst", sagte Dr. Rhiel. Die Förderung wird für das Jahr 2005 gewährt, in den Folgejahren können die Kommunen neue Förderungen beantragen.
Der Minister erläuterte, Einzelstandorte erhielten für die Erstellung eines integrierten Handlungskonzeptes eine Förderung von rund 66000 Euro (zwei Drittel der Kosten in Höhe von 100000 Euro). Einzelstandorte, denen über die Planungskosten hinaus bereits im Jahr 2005 Kosten für investive Maßnahmen gefördert werden, erhalten für Planung und Investitionen zusammen rund 266000 Euro an Förderung (zwei Drittel der Kosten von 400000 Euro). Interkommunale Standorte erhalten 133000 Euro an Förderung (zwei Drittel der Kosten von 200000 Euro) für die Planung oder 466000 Euro (zwei Drittel der Kosten von 700000 Euro) für Planung und investive Maßnahmen zusammen. Auch die Bergsträßer Kommunen Einhausen, Heppenheim, Lautertal (Odenwald), Lorsch, Zwingenberg bekommen Geld vom Land.
30000 Euro Preisgeld Gleichzeitig gab Rhiel den Startschuss für die Initiative Baukultur in Hessen mit dem Landeswettbewerb "Übergangs(t)räume, für den das Land Hessen ein Preisgeld von insgesamt 30000 Euro bereitgestellt hat. Thematisiert werden die Flächen in der Stadt, die brach liegen und als Baulücke zwischen Gebäuden auf "bessere Zeiten" warten sowie Gebäude, die ihre Nutzungen verloren haben und für den Umbau oder gar Abriss vorgesehen sind.
"Bis zur endgültigen Klärung zukünftiger Nutzung vergehen oft Jahre. In der Zwischenzeit nehmen die Bewohner diese Stadträume kaum noch wahr oder gehen rasch daran vorbei", sagte Rhiel. "Für diese Räume gilt es Konzepte zu entwickeln, die keine gestalterische Notlösung für fehlende Gebäude oder Nutzungen, sondern tatsächlich erlebbare Verbesserungen darstellen. Wir stellen für diesen Landeswettbewerb eine Preissumme in Höhe von insgesamt 30000 Euro bereit. Die Bewerbungsfrist geht bis zum 1. März 2006", so Dr. Rhiel.

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01.11.2005
Leipzig: "Eiger Nordwand" verschwindet
Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) will ihr größtes Häuserensemble in Grünau schleifen. Im kommenden Jahr müssten alle Mieter aus der Neuen Leipziger Straße 2-28 raus, erklärte gestern eine Sprecherin. Dann werde die "Eiger Nordwand" - so der Spitzname für die dicht aneinander stehenden Elfgeschosser - umgehend abgerissen.
"Eigentlich wollten wir die Betroffenen erst nach Weihnachten informieren", sagte LWB-Sprecherin Veronika Schliebe. Auf Anfrage bestätigte sie aber schon gestern Informationen der LVZ, nach denen die "Eiger Nordwand" schnellstmöglich abgerissen werden soll. Im kommenden Jahr müssten alle Mieter aus den 550 Wohnungen ausziehen. Auch die Ladenzeile im Erdgeschoss werde verschwinden. "Nach dem Abriss von 16 Hochhäusern, der gerade abgeschlossen wurde, ist die Neue Leipziger Straße für uns der letzte große Brocken beim Stadtumbau in Grünau. Immerhin haben wir dort bereits 3000 Wohnungen zurückgebaut."
Der Spitzname des Häuserensembles im Wohnkomplex (WK) 7 geht auf den früheren LWB-Geschäftführer Christoph Beck zurück. Als er erstmals die imposante Kulisse sah, soll er sich spontan an den grandiosen Gipfel in den Schweizer Alpen erinnert und gesagt haben: "Das ist ja wie die Eiger Nordwand." Natürlich konnten sich die Elfgeschosser nie mit einer 1800 Meter hohen, fast kerzengeraden Felswand messen. Vom Hof aus, wo es keine Balkone gibt, erscheinen die sechs direkt nebeneinander stehenden Häuser aber wirklich wie ein ebenes Steinmassiv.
In der Ladenpassage im Erdgeschoss seien schon mehrere Händler weggezogen, berichtete Berthold Prager vom gleichnamigen Frisörsalon: "Auch mir passt der Abriss nicht, aber man kann nichts machen. Die LWB will uns ein Ausweichdomizil in der Straße Am kleinen Feld geben, das aber nie ein Laden war. Wahrscheinlich ziehen wir nun Anfang 2006 um."

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