Newsticker Archiv Oktober 2004
30.10.2004
Sachsen: 420 000 leer stehende Wohnungen in
Sachsen
Der Wohnungsleerstand in Sachsen ist ungebrochen hoch.
Derzeit sind im Freistaat rund 420 000 Wohnungen unbewohnt, wie der
Abteilungsleiter für Bau- und Wohnungswesen im Innenministerium, Jürgen Namysloh,
am Freitag in Dresden auf einem Fachkongress zum Thema Stadtumbau sagte. Von
Leerstand besonders betroffen seien Gebiete und Städte mit hoher Abwanderung wie
beispielsweise Hoyerswerda und Weißwasser. Dort müssten 40 bis 50 Prozent der
Wohnungen vom Markt genommen werden, «weil die Menschen nicht mehr da sind»,
betonte Namysloh.
Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen, da die Zahl der Sachsen bis
2020 weiter zurückgehe auf 3,7 bis 3,8 Millionen. Ende Juni lebten laut
Statistischem Landesamt rund 4,3 Millionen Menschen im Freistaat. Nach Namyslohs
Worten sind besonders häufig jene Wohnungen unbewohnt, die zwischen 1970 und
1990 entstanden. Dort sei die Leerstandsquote in den vergangenen Jahren von etwa
9 auf mehr als 17 Prozent gestiegen.Insgesamt stehen in diesem Jahr für den
Stadtumbau in Sachsen rund 94 Millionen Euro zur Verfügung. Die so genannte
Rückbaupauschale sinkt ab 2005 von derzeit 40 Euro auf 30 Euro pro Quadratmeter
Wohnfläche.
www.freiepresse.de
29.10.2004
Aken: Bald wächst Gras, wo einst die Platte stand
"15 Jahre, das ist kein Alter für ein Haus", meint
Günther Höpner. 1989 erbaut, als in Aken Wohnungen fehlten. 2004 abgerissen,
weil der Leerstand überhand genommen hat. Die Menschen ziehen weg, dorthin, wo
es noch Arbeit gibt, sagt der Chef des städtischen Eigenbetriebes
Wohnungswirtschaft. "Wer kann das nicht verstehen." Den Abriss bezahlt das Land.
Stadtumbau Ost heißt das Programm. Etwa 184 000 Euro wird es für einen Block
kosten, schätzt Höpner.Die Platte, die den Charme aus DDR-Zeiten trägt, hat das
Rennen im 21. Jahrhundert verloren. Der WBS 70-Block Straße des Friedens 7 geht.
Nichts wird bleiben, der Grassamen ist bereits bestellt. Er wird
ausgesät, wenn der Block, in dem einmal 100 Akener zu Hause waren, verschwunden
ist. Vielleicht bleibt ja doch etwas: die Erinnerung an die Zeit in der Platte.
So wie bei Rosa Uhl. Mehr als zwölf Jahre habe sie in ihr gewohnt und sich wohl
gefühlt, sagt sie. Die Nachbarn waren irgendwie eine Art Familie. Man half sich
gegenseitig. Hielt mal einen Plausch im Treppenhaus.
Bereits vor drei Jahren zog Frau Uhl um - in eine andere Plattenwohnung in der
Dessauer Landstraße. Damals habe schon festgestanden, dass ihr Zuhause
abgerissen wird. "Die Wohnungswirtschaft hat mir den Abschied leichter gemacht",
erinnert sich die Rentnerin. "Die neue Wohnung war fix und fertig. Ich brauchte
damals nur noch meine Möbel aufstellen", weiß sie noch.
24 Prozent Leerstand gebe es derzeit bei den insgesamt 463 Wohnungen, die der
städtische Eigenbetrieb betreut. "Da brauch ich wohl nichts mehr zu sagen. Oder?"
www.mz-web.de
28.10.2004
Eisenhüttenstadt: Wohnblöcke kommen unter die
Straße
Seit gut einem Jahr laufen die Abrissarbeiten im VII.
Wohnkomplex, die dem hohen Wohnungsleerstand geschuldet sind. Zahlreiche Blöcke
sind seitdem schon verschwunden. Der Beton, aus dem die Platten bestanden, ist
aber keineswegs wertloser Bauschutt. Die Firma BETA aus Premnitz recycelt das
Material. Auf diese Weise kommen die ehemaligen Plattenbauten unter die Erde und
werden zum Beispiel als Unterboden im Straßenbau verwendet.
Seit dem Sommer ist sie mit dem Recycling der abgerissenen Wohnblöcke
beschäftigt. Vor dem Abriss mussten die Gebäude zunächst vollständig entkernt
werden, sagt Ralf Ratunde. Die großen Brocken, die von den Wohnblöcken übrig
blieben, werden nach dem Abriss mit einem so genannten Crasher zerkleinert.
Dadurch kann auch die Stahlbewehrung aus dem Beton entfernt werden. Dann erst
können die Stücke in einem Brecher zerkleinert werden. Am Ende erinnert nichts
mehr an die Betonplatten von einst. Übrig bleiben Berge von kleinen Steinchen.
"46er Körnung", sagt der Bauleiter. Eingesetzt wird das Recyclingmaterial zum
Beispiel im Straßenbau. "Es ist sehr verdichtungsfähig und frostbeständig.
Bester Untergrund",
www.moz.de
28.10.2004
Oer-Erkenschwick: Stadtumbau auch bei Bergfort
Vor einem guten halben Jahr strich Möbel Bergfort die
Segel in Oer-Erkenschwick. Die Inhaber suchen noch immer nach Nachmietern. Das
Besitzerehepaar des Riesen-Komplexes mit insgesamt über 3 700 Quadratmetern
Fläche wollen jetzt versuchen, vom Förderprogramm "Stadtumbau West" zu
profitieren.
Konkret heißt das: "Wenn an der Halluinstraße zig Wohnungen abgerissen werden,
müssen neue entstehen. Das bietet sich doch bei uns an, in unmittelbarer Nähe",
sagt Günter Rasch. Im unteren Stockwerk soll es weiterhin Geschäfte geben. Die
restlichen 3 000 Quadratmeter sollen möglichst zu Wohnungen umgebaut werden.
Derweil werde noch am Konzept gefeilt und intensive Gespräche mit der Stadt
geführt. Ein Teil der ebenerdigen Geschäftsfläche hat aber bereits einen
Nachfolger gefunden, und zwar das Matratzenlager Mara am Rathausplatz. Auch die
derzeit leer stehenden Räume in der Passage an der Marktstraße sollen wieder mit
Leben gefüllt werden: "Dort zieht wieder eine Versicherungsagentur ein", sagt
Wirtschaftsförderin Sandra Bonnemeier. Neben der ehemaligen Commerzbank an der
Stimbergstraße versuchen ein Fliesenanbieter und ein Frisör ihr Glück. Und der
zwischenzeitlich aufgegebene Kiosk an der Stimbergstraße 66 hat neue Pächter
gefunden - wenigstens etwas!
www.waz.de
26.10.2004
Rudolfstadt: Wohnungsgenossenschaft sieht sich
wirtschaftlich stabil
Die Wohnungsgenossenschaft Rudolstadt (WGR) , die 1990 aus der
Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft des VEB Chemiefaserkombinats Wilhelm Pieck
Schwarza hervorgegangen ist, hat sich trotz aller Schwierigkeiten konsequent zu
"einem wirtschaftlich stabilen Unternehmen" entwickelt. Das erklärte gestern
Thomas Degenkolbe vom Vorstand der WGR.
Dabei verwies er darauf, dass sich die WGR als zweitgrößter Vermieter von
Wohnraum in der Saalestadt eine respektable Bedeutung im kommunalen Leben
erarbeitet habe und das Unternehmen mit einem Bestand von derzeit 1466
Wohneinheiten in Cumbach, Volkstedt, Volkstedt-West und Schwarza rund 2500
Menschen Wohnraum biete. Das 50-jährige Bestehen war jetzt im Rahmen einer Feier
in der Landessportschule Bad Blankenburg Anlass für Degenkolbe, Bilanz zu ziehen
und Perspektiven aufzuzeigen.
Nach den Neubau-Etappen der fünf Jahrzehnte, der Verwaltung von Mangelwirtschaft
zu DDR-Zeiten, der Einführung des Genossenschaftsgesetzes 1990 und der Sanierung
von 60 Prozent des Wohnungsbestandes nach der Wende beginne nunmehr ein neuer
Abschnitt in der Entwicklung. Durch den Rückgang der Bevölkerungszahl und der
damit verbundenen Nachfrage sei ein Leerstand von derzeit 250 Wohnungen
entstanden. Allein dadurch hätten der WGR im vergangenen Jahr gut eine halbe
Million Euro Mieteinnahmen gefehlt. Ohne Gegenmaßnahmen könnte dieses Problem zu
einer Existenzfrage werden. Um zukunftsfähig zu sein, sei es erforderlich, den
Wohnungsbestand der Genossenschaft zu reduzieren. Dabei richte sich der Blick
auf unsanierte Gebäude, die in ihrer Gesamtheit die größten Defizite aufweisen.
Im nächsten Jahr soll mit dem Rückbau und der Sanierung des ersten Gebäudes in
der Franz-Liszt-Straße 13-16 begonnen werden. Heißt: Die obersten zwei Etagen
sollen abgetragen und der verbleibende Rest nach modernen
wohnungsgestalterischen Aspekten umgebaut werden. Dem Vorstand sei durchaus
bewusst, so Degenkolbe, dass der Stadtumbau nicht nur für das Unternehmen
Veränderungen bedeute, sondern auch die Kooperation verbliebener Mieter in den
Umbauobjekten erfordere. Entsprechender Ersatzwohnraum mit Übernahme der
Umzugskosten werde zur Verfügung gestellt. "Von den Mietern kam bisher großes
Verständnis für die beabsichtigten Maßnahmen", unterstrich Degenkolbe.
Der noch in 2004 zu beschließende Rahmenplan sehe in den nächsten zehn bis 15
Jahren eine Reduzierung des Bestandes um 320 Wohnungen in Volkstedt-West vor.
"Um diese Herausforderung zu meistern, sind wir auf finanzielle Unterstützung
von Bund und Land angewiesen", sagte Degenkolbe. Die Gesamtkosten für den
Stadtumbau bei der WGR sollen sich nach gegenwärtigem Stand auf rund 15
Millionen Euro belaufen.
www.otz.de
24.10.2004
Magdeburg: Visionen zum städtebaulichen
"Schrumpfen" der Landeshauptstadt
Es gibt ein internationales Projekt der Kulturstiftung des Bundes
zum Thema "Schrumpfende Städte": Im Auftrag der Stiftung und des
Stadtplanungsamtes Magdeburg erarbeiteten Architekten und Studenten aus Berlin,
Hamburg, Dresden und Zürich Zukunftsvisionen für Magdeburg. Es ist nicht nur ein
Magdeburger Phänomen. "In vielen Städten wurde gebaut ohne an die späteren
Folgen zu denken", sagt der Architekt Ingemar Vollenweider und betont: "Das gibt
es in Zürich, Berlin - und eben auch in Magdeburg." Was bleibt, sind leer
stehende Häuser. Damit diese "Schrumpfung" keine leere Stadt hervorruft,
beschäftigten sich Architekten und Studenten in der Sommerschule "Shrink to Fit"
im August und September mit dem Thema und entwarfen Szenarien für den Stadtumbau
der Landeshauptstadt. "Shrink to Fit" ist übrigens aus der Werbewelt entliehen
und verweist auf Jeans, die nach dem Waschen erst richtig in Form findet, weil
sich das Material dem Körper anpasst. Auch das Material einer Stadt - ihre
Architektur - sucht nach Form, erklärt Stefan Rethfeld, der Koordinator von "Shrink
to Fit". Und ums Anpassen ging es entsprechend in allen Vorschlägen, die gestern
in Magdeburg zum Thema "Schrumpfende Städte" von vier Architekturbüros
vorgestellt wurden. Oda Pälmke betont: "Wir benutzen das Wort schrumpfen
bewusst, um das Problem beim Namen zu nennen." Doch die Architektin sagt auch:
"Schrumpfen ist nichts Negatives, wenn man die Potenziale nutzt." Das sind für
das Büro Pälmke/Engelschall markante Orte der Stadt, die "ohne viel Geld so
umgestaltet werden, dass sie sich ins Umfeld einpassen", sagt Pälmke.
Unaufwändige Tricks seien Änderungen der Außenfassaden (Fensterfront statt
kahlem Endstück), moderne farbliche Gestaltung oder gezielte Begrünung.
Provokante Varianten bot das Büro Kühn/Malvezzi: In ihrer Vision verpflanzten
sie die Hyparschale als "ingenieurkünstlerische Ikone" vor die Fassade des
Allee-Centers Richtung Elbe, um einen direkten Zugang zur Flusspromenade zu
erreichen. Das Schleinufer stellten sie sich als "durchgängigen Zebrastreifen"
vor, damit "die Autos vorsichtiger fahren und Fußgänger überall die Straße
überqueren können". Alle städtebaulichen Ideen sehen Kühn/Malvezzi im
Zusammenhang mit der Stadtwerbung. Entsprechend kreierten sie Marketingartikel,
unter anderem Postkarten mit den von ihnen umgebauten Stadtansichten und
T-Shirts mit der Botschaft "Ich MAGdeburg". Zu den provokantesten Visionen
gehören die der Architekten Jessen/Vollenweider. Die nämlich schlugen vor, den
Magdeburger Ring einseitig für den Autoverkehr zu sperren und ihn als "längste
Inlinerbahn Europas" zu nutzen. Wirklichkeitsnaher da ihre Idee, alte Speicher
an der Elbe mit Maisonettewohnungen auszubauen. Ideen für Stadtbeleuchtung,
Uferwege und den Umbau von Bahn- zu Jogging-Strecken kamen auf den Tisch. Wobei
auch Vorschläge für die Finanzierung gemacht worden sind, um den finanziellen
Aufwand so gering wie möglich zu halten. Hinzu kam der Tipp, die Begrünung der
Stadt so zurückzuschneiden, dass der Blick auf Interessantes frei wird und die
Stadtsilhouette besser zur Wirkung kommt. Doch: Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit, dass diese Ideen in die Stadtplanung aufgenommen werden?
"Gedanklich beschäftigt mich das alles", erklärte nach der Vorstellung
Stadtplanungsamtsleiter Dr. Eckhart Peters. Doch sehe er einen Unterschied
zwischen Theorie und Praxis. Er wolle sich jedoch bemühen, dass im Internet
"Links" zu den Architektenvorschlägen geschaltet werden. "Dann können sich die
Magdeburger selbst ein Bild machen." Und in die Politikerdiskussion will er die
Vorschläge auch einbringen.
www.volksstime.de
24.10.2004
Hagenow: Rückbau auf dem "Kietz": die ersten zwei
Blöcke fallen
Lange haben die Anwohner auf dem "Kietz" darauf gewartet,
dass die leeren Neubaublöcke vor ihrer Nase verschwinden. Jetzt rumsen
Badewannen, Herde, Heizkörper und Waschbecken in die großen Schrottcontainer auf
der Wiese. Auf dem Dach entsorgen Männer der Schweriner Firma "HCH-Umwelt"
aufwändig die Dachpappe. Noch in diesem Jahr sollen die beiden grauen Ruinen dem
Erdboden gleich gemacht werden.
Mit 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche wird der Abriss durch das
Rückbauprogramm des Bundes gefördert, vorausgesetzt, es liegt ein integriertes
Stadtentwicklungskonzept vor. Parallel dazu beteiligt sich Hagenow auch an dem
Programm "Stadtumbau Ost", das helfen soll, z.B. Bereiche im Wohngebiet "Kietz"
aufzuwerten. Wo und wie das passieren wird – dazu äußerte sich Bauamtsleiter
Reiner Näth gestern kritisch. "Ich gehe etwa alle vier Wochen durch den Kietz
und die Situation dort erscheint mir von Tag zu Tag aussichtsloser", sagt er.
"In manchen Blocks wohnen nur noch drei, zwei oder gar ein Mieter. Wie sollen
wir hier noch etwas aufwerten? Konzentrieren wird sich die Stadt vor allem auf
den Bereich um den Einkaufsmarkt. "Unser Konzept sieht vor, den Block gegenüber
vom Markt zurückzubauen und Teich, Straßen und Stellplätze neu zugestalten."
Generell aber zwinge der Bevölkerungsrückgang dazu, die Stadt von außen nach
innen schrumpfen zu lassen, so Näth. Die Entwicklung am Sudenhof sei
symptomatisch. Das Gelände, auf dem früher 267 Wohnungen vermietet waren, soll
jetzt als Gewerbefläche ausgeschrieben werden.
www.svz.de
24.10.2004
Dabel: Letztes Stündlein rückt näher
1,155 Millionen Euro stellt das Land für den Abriss der
leerstehenden Plattenbauten in der Dabeler Siedlung Dabel zur Verfügung . Nun
werden die organisatorischen Vorbereitungen für den Rückbau getroffen.Am
nächsten Dienstag werden Vertreter der Gemeinde, des Amtes sowie der
Insolvenzverwalter in Schwerin mit dem Förderinstitut die nächsten Schritte
beraten. Wobei es auch darum gehen wird, ob es inzwischen gelang, die
Gläubiger-Banken mit ins Boot zu holen. Denn ohne dies ist der Rückbau nicht
möglich.Laut Zuwendungsbescheid vom Land müssen die Abrissgelder bis zum Jahre
2008 ausgegeben sein. Das heißt, bis dahin muss die Wohnsiedlung von der
Bildfläche verschwunden sein. Die Grundvereinbarung zum Rückbau der Wohnblöcke
wurde inzwischen vom Amt dem Insolvenzverwalter zur Unterschriftsleistung
übergeben, informierte Bürgermeister Herbert Rohde auf der jüngsten
Gemeindevertretersitzung. Er versprach, die Fraktionen unmittelbar nach dem
Treffen in Schwerin über den aktuellen Stand zu informieren. So wie für die
Plattenbauten rückt auch für die alte Sporthalle in der Siedlung das letzte
Stündlein näher. Seit dem dortigen Vandalismus ist dies bekanntlich unbrauchbar
geworden: Und wenn zum Ende des Jahres aus dem über 30 Jahre alten Schulbau auch
die Grundschule ausgezogen ist, müssen sowohl Schule als auch Sporthalle
gesichert werden, betonte Rohde.
Darüber hinaus seien andere Aufgaben nötig, betonte er, die durch die Gemeinde
finanziell abgesichert werden müssen: so werden für den Rückbau der
Hausanschlüsse für Elektro, Gas, Wasser, Abwasser und Telekom voraussichtlich
etwa 5000 Euro erforderlich sein, meinte er. "Darüber hinaus empfiehlt sich das
Zumauern der Eingänge an Schule und Sporthalle sowie die Verschalung der Fenster
in den Erdgeschossen der beiden Gebäude ", betont der Bürgermeister. Dies alles
dürfte weitere 20 000 Euro verschlingen. Nun ist der Bauausschuss am Zuge.
www.svz.de
24.10.2004
Borna: WS wartet auf Fördergelder und Hartz IV
Abgerissen werden die Gebäude Neue Platekaer Straße 21 bis
25 und 26 bis 30 sowie An der Aue 33. Ende August hatten die Arbeiten begonnen.
Insgesamt werden durch die Zeitzer Abriss GmbH 164 Wohnungen mit rund 8000
Quadratmetern Wohnraum vernichtet. Die Kosten von 560 000Euro bezahlen Land und
Bund im Rahmen des "Stadt- und Bauprogramms Ost" zu jeweils 50 Prozent. Bereits
abgerissen ist der Hochbau An der Aue, derzeit laufen die Arbeiten an der
Platekaer Straße 26 bis 30.
Dieser so genannte Rückbau von Wohnungen in Gnandorf wird nicht der letzte
bleiben, teilte BWS-Geschäftführer Jürgen Linke mit. Städtischen Planungen
zufolge hat Borna etwa 1000 Wohnungen zu viel, die bis zu 3000 Leuten Platz
bieten würden . Zwei Drittel davon baut die BWS zurück, "wobei das - ohne die
aktuellen Arbeiten - bereits zur Hälfte geschehen ist", sagt Linke. Generell
plant die Gesellschaft weitere Abrisse, Anträge dafür seien bereits
eingereicht."Wir müssen jedoch die Fördermittelbescheide für das nächste Jahr
abwarten." Vorher möchte der Geschäftsführer die Hausnummern, die zur
Disposition stehen, nicht nennen. Die Bewohner sollen nicht unnötig beunruhigt
werden, sagt Linke zur Begründung.
Ursprünglich wollte sich die BWS vollkommen aus Gnandorf
zurückziehen."Mittlerweile sind wir aber dabei, diesen Standpunkt zu
revidieren", erläutert der Geschäftsführer. Einige Vorhaben seien wegen Hartz IV
zurückgestellt worden. Sollten Empfänger von Arbeitslosengeld II umziehen
müssen, habe das Unternehmen Sozialwohnungen zur Verfügung. Bevor aber eine
endgültige Entscheidung darüber getroffen werde, "muss die generelle Handhabung
der Hartz-IV-Gesetze abgewartet werden", sagtLinke.
Der Abriss der Häuser Neue Platekaer Straße 21 bis 25 und 26 bis 30 sowie An der
Aue 33 soll Mitte Dezember abgeschlossen sein. Die frei werdenden Grundstücke
werden zu Grünflächen.
www.lvz-online.de
24.10.2004
Schwedt: Rückbau geht zügig weiter
Nur noch ein Haufen Schutt ist von dem Elfgeschosser in
der Friedrich-Engels-Straße 1 übrig. Der Plattenbau an der Ecke zur Leverkusener
Straße wurde in nur zwei Tagen abgetragen. Am Donnerstag hatte sich der mächtige
Kettenbagger noch durch die Etagen nach unten vorgearbeitet. Eine Frau läuft an
dem Berg aus Beton vorbei und zückt ihre kleine Digitalkamera. "Es ist wieder
was von Schwedt verloren gegangen", sagt sie. Seit Jahrzehnten wohne sie schon
in Talsand, nunmehr in einen der sanierten Plattenbauten nebenan.
Michael Staegemann, als Bauleiter für den Abriss des Elfgeschossers zuständig,
ist zufrieden. "Es ist alles glatt gelaufen, keine Platte falsch gekippt", so
der Fachmann von der Schwedter Firma RDD GmbH. Für ihn war es das erste
eigenständige Projekt. Dabei hat er es sich nicht nehmen lassen, den anderen
Bagger selbst zu steuern. "Das ist ja auch mal Spaß zwischendurch", sagt
Staegemann.
Beim Abriss haben die Bagger den Elfgeschosser mit einem so genannten Löffel
abgetragen, im Gegensatz zu der oft eingesetzten Abrissschere. "Dadurch ist das
Arbeiten sauberer und sicherer", sagt der Rückbau-Experte. Die Schere würde
oftmals zu viel Staub machen, weil sie die Platten eindrücke. Beim "Löffeln"
hingegen rutsche die Platte immer an der Fassade herunter, dadurch sei die
Belastung für die Anwohner geringer, erklärt der Bauleiter. In den nächsten zwei
Wochen werden die Platten noch mit einem "Beißer" zerkleinert und die Eisenteile
herausgesammelt. Der Schutt wird dann zum Recyceln abtransportiert - insgesamt
4700 Tonnen Beton. Bis zum 30. November soll der Platz an der
Friedrich-Engels-Straße komplett geräumt sein.
Nach der ursprünglichen Rahmenplanung für den Rückbau sollte der Elfgeschosser
eigentlich stehen bleiben. Im vergangenen Jahr wurde der Plan jedoch erweitert
und das Hochhaus für den Rückbau vorgesehen, weil sich das Abrissvolumen von
3500 auf 5000 Wohnungen erhöhte.
"Das hat die Bevölkerungsentwicklung erforderlich gemacht", sagt Frank Hein,
Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung im Schwedter Rathaus. Die WOBAG habe das
langfristig mit den Mietern des Elfgeschossers geklärt. "Wohnungswirtschaftlich
war es immer fragwürdig, das Hochhaus zu sanieren, es hatte anfänglich nur eine
Rolle im städtebaulichen Ensemble mit dem Goethering gespielt", so der
Amtsleiter.
Zuerst soll die Freifläche nach dem Abriss begrünt werden. "Mittelfristig wird
die Brache dann als Baufläche möglichen Investoren angeboten", sagt Hein.
Denkbar sei an dieser Stelle auch wieder ein Wohnhaus, nur weitaus kleiner. Die
Stadt wolle für Investoren als Vermittler für die WOBAG auftreten.
Auch in den kommenden Monaten soll es zügig mit dem Rückbau vorangehen. "Alle
bereits entkernten Gebäude werden bald abgerissen", betont Hein.
Bis zum Jahresende sollen über 3100 Wohneinheiten abgerissen sein, seit 1999,
sagt der für die Bauplanung zuständige Vizebürgermeister Jürgen Polzehl. Allein
in diesem Jahr seien es 550 Wohnungen, die rückgebaut werden. Dafür wurden 3,3
Millionen Euro aus dem Bund-Land-Programm bewilligt. Auch in den kommenden
Jahren sei die Förderung gesichert, so Polzehl. Bis 2009 laufe das Programm.
www.moz.de
23.10.2004
Frankfurt (Oder): Parkplatz wird weggerissen
Am Montag wird nun doch mit dem Rückbau des Parkplatzes
vor dem Haus Keplerweg 18 begonnen. Dies kündigten am Freitag übereinstimmend
die Wohnungswirtschaft und die Wohnungsbaugenossenschaft an. Beide Unternehmen
haben sich in dieser Woche noch einmal zu einem Treffen zusammengesetzt, um eine
Lösung zu suchen. Die Wohnbau hat der Wowi das Areal zum Kauf angeboten, doch
diese lehnte erneut ab. Betroffen sind knapp 60 Mieter der Wowi, die ihren
Parkplatz verlieren werden. Die angebotenen Ausweichflächen lehnen viele
Familien als unannehmbar ab.
Noch bevor am Freitag die Wowi ihr offizielles Schreiben den Mietern in die
Briefkästen werfen konnte, machte die Meldung von Mund zu Mund die Runde. "Die
Gesellschaften haben sich nicht geeinigt, am Montag kommen die Bagger",
berichtete schon am Donnerstag ganz aufgeregt Mieterin Helga Riller dem
Stadtboten. Am Freitag nun bestätigten die Gesellschaften die Nicht-Einigung.
Zum Hintergrund: Ein inzwischen abgerissener Wohnblock im Baumschulenweg gehört
der Wohnungsbaugenossenschaft. Ihr gehört der Parkplatz, auf dem auch Anwohner
des Keplerweges ihre Autos abstellen.
Bereits bei einer Abstimmung zum Stadtumbau zwischen Wohnbau und Wowi vom 28.
Januar hatte man das Thema Parkplatz Keplerweg besprochen. Die Wowi versicherte
im März, dass sie kein Interesse an einem Erwerb habe. Mit Schreiben vom 30.
Juni 2004 teilte darauf hin der Eigentümer der Wowi mit, dass mit dem Abriss
Baumschulenweg begonnen wird. Die Wowi bestätigte zwar den Eingang dieses
Schreiben, aber es habe eine konkrete Terminangabe gefehlt, erläuterte Dietmar
Bartusch von der Wowi. "Wir waren daher genauso von dem geplanten Rückbau
überrascht wie unsere Mieter", sagte er. Er bedauere sehr, dass "unseren Mietern
diese Schwierigkeiten entstanden sind."
Den Erwerb des Grundstücks halte die Wowi auch jetzt nicht für sinnvoll, "da wir
hinreichend viele andere Parkflächen in der Umgebung haben", sagte Dietmar
Bartusch am Freitag. "Wir sind sehr enttäuscht über dieses Verhalten, wir und
viele Nachbarn haben der Wowi so viele Jahre die Treue gehalten - aber die haben
für uns nichts übrig", klagte Helga Riller.
www.moz.de
23.10.2004
Hamm: Durchbruch am Bahnhof?
Gelingt ein Befreiungsschlag in der Weiterentwicklung des
Bahnhofsquartiers und des Areals rund ums ehemalige Stadtbad und die alte
Feuerwache? Der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Georg Scholz, der bisher auch den
Stadtentwicklungsausschuss geleitet hat, wittert zumindest eine Chance: Da
inzwischen Übereinstimmung darüber herrsche, dass beide Bereiche gemeinsam
entwickelt werden sollen, könnten Mittel aus dem Landesförderprogramm
"Stadtumbau West", in dem 35 Millionen Euro bereit stehen, beantragt werden.
Zwar lägen bereits 80 Anträge auf finanzielle Unterstützung ("Die Konkurrenz ist
groß.") seitens des Landes vor, dennoch könne Hamm zum Zuge kommen. Begründung:
Es handele sich um ein großflächiges Gebiet, in dem die öffentliche
Infrastruktur (Bahnhof, Kulturbahnhof, Technisches Rathaus) bereits gefördert
worden sei, nun aber neue Lösungen gefunden werden müssten. "Das Thema kann eine
Pilotfunktion auch für andere Städte haben", verweist Scholz auf die aktuelle
Entwicklung bei Karstadt.
Ein Stadtsprecher bestätigte, dass beide Innenstadtgebiete planerisch zu einer
Einheit zusammengefasst worden seien, um an Gelder aus dem
Landesstädtebauministerium zu kommen. Bei den Mitteln handele es sich um eine
Umwidmung vorhandener Gelder, die dazu dienen sollen, dass nicht nur in den
neuen Bundesländern Stadtentwicklung vorangetrieben werden könne. Entsprechend
innovative Ideen genössen Priorität.
Scholz argumentiert, dass Einzelhandelsnutzung im Bahnhofsquartier weiter
sinnvoll sei, jedoch nicht in der vorhandenen Größenordnung. Der Sozialdemokrat
plädiert für Abriss, Ergänzung und / oder Umbau vorhandener Gebäude. Im
Horten-Haus sei eine Kombination von teil-öffentlicher und privater Nutzung
vorstellbar, regt er an. Entsprechende Ideen werden zurzeit von Mitarbeitern der
Stadtverwaltung in einem Antrag formuliert, der dem Ministerium in Kürze
zugeleitet wird.
Etwa zum Jahreswechsel sei mit einer Entscheidung darüber zu rechnen, ob Hamm
Geld aus dem 35-Millionen-Euro-Topf, der die bisherigen
Städtebauförderungsmittel ergänzt, rechnen kann.
www.westfälischer-anzeiger.de
20.10.2004
Jena: Wäscheplatz statt Parkplatz
Denkmalschützer und Stadtplaner haben ein Auge aufs
Südviertel geworfen. Das Viertel zwischen Birnstiel und Tatzendpromenade,
Moritz-Seebeck-Straße und beiderseits der Döbereinerstraße soll sein typisches
Flair nicht verlieren, deshalb will die Stadt eine so genannte Erhaltungssatzung
erlassen. Parallel dazu läuft die Ausweisung als Denkmalschutzensemble.
Konsequenz ist, dass bei Sanierung und Stadtumbau nicht allzu forsch rangeklotzt
werden darf. Zum Beispiel die Freiflächen zwischen den Häusern, vielerorts noch
als Ruhezone oder Wäscheplatz genutzt: Sie sollen erhalten und nicht wie
anderenorts als Pkw-Stellfläche "einbetoniert" werden. Grundsätzlich gilt für
alle baulichen Anlagen, dass ein Bauherr die Genehmigung der Stadt einholen
muss. Bei Fassadensanierung, Dachfensterein- oder Balkonanbau kann die Stadt
also mitbestimmen, ob der Umbau dem Viertel gut tut oder nicht.
Bisher gibt es Erhaltungssatzungen vor allem in dörflichen Stadtteilen Jenas und
im Heimstättenviertel in Jena-Ost. Die gemachten Erfahrungen bewogen die
Stadtplaner, auch den südwestlichen Stadtteil in Ergänzung zum historischen
Bebauungsplan einer Satzung zu unterwerfen. Neben den genannten Straßenzügen
sollen die Vorgaben auch für den oberen Magdelstieg gelten.
Im Südviertel hinterließen die Jenaer Architekten Schreiter/Schlag vielfältige
Spuren. Später errichtete Gebäude besitzen ein ebenso typisches
Erscheinungsbild. Viele der von der Satzung erfassten Gebäude befinden sich in
der Hand eines Eigentümers. Das macht die Stadtverwaltung optimistisch, dass
sich die Erhaltungsziele gut umsetzen lässt. In der Nachbarschaft gemachte
Sanierungssünden sollen sich nicht wiederholen.
Über die Satzung muss noch der Stadtrat beschließen.Zwischen den Reihenhäusern
gibt es viel Grün und auch noch Platz, um die Wäsche zu trocken.Alles fließt an
der Döbereiner Straße: Das Ensemble ist beiderseits "erhaltenswert". Bereits
begonnen hat in einigen Abschnitten die Sanierung.
www.tlz.de
20.10.2004
Eckerförde ist am Stadtumbauprogramm West
beteiligt
Nach Angaben des Innenministeriums profitieren neben
Eckernförde die Städte Flensburg und Neumünster sowie Elmshorn, Itzehoe und
Rendsburg von dem Programm. Aufgenommen wurde sie, weil ihnen wegen
"rückläufiger Bevölkerungszahlen, überdurchschnittlicher Alterung der Menschen,
hoher Arbeitslosigkeit und Leerständen an Wohnungen und Einzelhandels- und
Gewerbeflächen ein städtebaulicher Qualitätsverlust droht".
Die insgesamt 6,48 Millionen Euro können vielfältig eingesetzt werden. Etwa um
die Siedlungsstruktur an die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft
anzupassen, die Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Umwelt zu verbessern,
innerörtliche Quartiere aufzuwerten oder Altbaubestände zu erhalten oder
umzubauen. Für Eckernförde kämen als mögliche Projekte die leer stehende Kaserne
Carlshöhe sowie die geplante Aufwertung der Innenstadt in Frage, für die bereits
ein städtebaulicher Ideenwettbewerb läuft. Zunächst ist jedoch eine
"strategische Gesamtschau" erforderlich, aus der dann einzelne Projekte
ausgewählt werden.
Das Programm Stadtumbau West ist eine Drittelfinanzierung. Je ein Drittel
steuern Bund, Land und Kommune bei. Das heißt: Eckernförde muss sich mit 200 000
Euro aus Eigenmitteln an den 600000 Euro beteiligen, die bereitgestellt werden.
Erste Mittel sollten noch in diesem Jahr abfließen. Die Landesgelder stammen aus
dem Zukunftsinvestitionsprogramm ZIP, aus dem die Landesregierung bis 2006
beschäftigungs- und strukturwirksame Investitionen in Bildung, Forschung,
Technologie und Wirtschaft fördert.
www.kn-online.de
20.10.2004
Wittenberge: Folgt dem Abriss die
Brachefläche?
In den nächsten Wochen wird, der "Prignitzer"
informierte am Sonnabend, eine Reihe von Wohnhäusern rückgebaut. So gesehen sind
die Wohnungen, die in der Karl-Marx-Straße abgerissen werden, nichts Besonderes.
Bei dieser Betrachtung kann man aber wohl nicht stehen bleiben, denn mit dem
Abbruch der Häuser in unmittelbarer Nähe zum Bismarckplatz und damit im Herzen
der Stadt stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Abrissflächen in einer neuen
Dimension.
Fakt ist, sind die Häuser 40 und 39 verschwunden, ist die Häuserzeile endgültig
zerstört. Wird eine Brache entstehen, wie sie sich in der Bürgerstraße zwischen
der Rathaus- und der Zimmerstraße nach Abriss der dortigen Häuser entwickelte?
Torsten Diehn als Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft widerspricht. Der
Gesellschaft gehört das Haus Nummer 40. Die WGW will keine Brache zulassen. Aber
eine Grünfläche wird es werden. Mehr sei nicht möglich, denn an eine
Wiederbebauung sei bei dem gegenwärtigen Wohnungsangebot in der Stadt gar nicht
zu denken.
Auf die Frage, weshalb überhaupt der Abriss an dieser Stelle, wo doch
unübersehbar in die innerstädtische Bebauungsstruktur eingegriffen wird, führt
Diehn die Sanierungskosten an. An die 400000 Euro hätte die Sanierung des Hauses
mit seinen 350 Quadratmeter Wohnfläche gekostet. 12 Wohnungen ohne Komfort
befinden sich in dem seit Jahren nicht mehr bewohnten Gebäude Nummer 40. Um die
Kosten einer umfassenden Sanierung zu decken, hätte die Wohnungsbaugesellschaft
bei einer Vermietung sechs Euro pro Quadratmeter nehmen müssen. "Ein Mietpreis,
der nicht zu realisieren ist. "
Diehn sagt, seine Gesellschaft wisse wohl um die Probleme, die mit dem
Hausabbruch entstehen. Er spricht von der Verantwortung, in der sich jeder
Eigentümer einer Leerfläche befindet, und auch davon, dass sich Nachbarn bzw.
Nachbarschaft engagieren mögen.
Einen anderen Weg scheint es zumindest auf längere Sicht auch nicht zu geben.
Zwar fördern Bund und Land mit je 30 Euro pro Quadratmeter den Abriss leerer
Häuser, und über den Stadtumbau Ost gibt es auch Geld für die Aufwertung von
Wohnumfeldern. Bewirtschaftungshilfen für die von ihren Häusern "befreiten"
Flächen gibt es nicht. Das aber wäre dringend notwendig, so Diehn.
Einzelne Flächen lassen sich hier und da noch in den Griff bekommen bzw. im
Griff behalten. Aber eine grundsätzliche Lösung ist bislang nicht gefunden, kann
wahrscheinlich in der Kommune auch nicht gefunden werden. Der Abrissförderung
müsse eine Förderung für die langfristige Flächenverwertung und, wenn diese
nicht gegeben ist, eine langfristige Bewirtschaftungsförderung angeschlossen
www.svz.de
19.10.2004
Land Brandenburg: Architektenkammer kritisiert
Priorität des Wohnungsrückbaus beim Stadtumbau
Zwischen der Brandenburgischen Architektenkammer und dem
Infrastrukturministerium gibt es handfesten Streit: Der Stadtumbau werde nur
noch als Abriss verstanden, moniert die Kammer. Dieser Vorwurf sei "völlig
falsch", wehrt sich das Ministerium.
Für Bernhard Schuster, den Präsidenten der Brandenburgischen Architektenkammer,
läuft beim Stadtumbau etwas völlig falsch. Von den Fördermitteln, die eigentlich
gleichberechtigt für den Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen sowie
städtebauliche und wohnungsbezogene Aufwertungsmaßnahmen zur Verfügung stehen
sollten, werde immer mehr Geld zugunsten des Abrisses umgeschichtet. Von dem
2001 mit Beginn des Förderprogramms Stadtumbau Ost formulierten Ziel,
problematische Quartiere umzubauen, etwa durch Reduzierung der Geschosshöhe von
Plattenbauten, sei nicht mehr die Rede, sagt Bernhard Schuster. Die gern von der
Politik gelobten entsprechenden Pilotprojekte in Schwedt und Cottbus seien vor
der Verabschiedung des Stadt-umbaus Ost initiiert worden. Ähnliche Ansätze
anderswo seien über frühe Planungsphasen aber nicht hinausgekommen, so der
Frankfurter Architekt.
Für die Architekten geschehe der Abriss "in einer rasanten Geschwindigkeit",
ohne dass die Folgen für die Städte wirklich durchdacht worden seien. So müssten
die riesigen leeren Flächen, die mit dem Abriss von Plattenbaugebieten
entstünden, vor Verwahrlosung geschützt werden.
Ein Problem, auf das der Präsident der 1200 Brandenburger Architekten hinweist,
ist die Finanzausstattung der Kommunen. Denn während der Abriss je zur Hälfte
von Bund und Land bezahlt wird, gilt bei der Aufwertung die Drittel-Finanzierung
- neben Bund und Land muss auch die entsprechende Kommune in die Kasse greifen.
Und die ist bekanntlich meist ziemlich leer.
Das will Lothar Wiegand, der Sprecher des mittlerweile zum
Infrastrukturministerium umfirmierten einstigen Bauministeriums, nicht gelten
lassen. Zwar schüttelten die betroffenen Städte das Geld "nicht locker aus dem
Ärmel". Das könne zur Verschiebung solcher Maßnahmen, etwa der Anpassung von
Infrastruktur, Wiedernutzung leerer Flächen, Verbesserung des Wohnumfeldes oder
Aufwertung des Gebäudebestandes, führen. Doch die Behauptung, dass es deshalb
faktisch gar keine Aufwertung und nur noch Abriss geben, sei "grundfalsch".
Die Kritik des Kammerpräsidenten mache fachlich keinen Sinn, meint Wiegand. Sie
könne man nur als Klientelpolitik verstehen. Was letztlich das bisher
partnerschaftliche Verhältnis zwischen Kammer und Ministerium belaste. Zwar
werde tatsächlich derzeit vor allem Geld für den Abriss ausgegeben. Einerseits,
weil sich eigentlich alle Experten einig seien, dass man möglichst schnell
möglichst viele Wohnungen verschwinden lassen müsse, um dem Leerstand, der den
Wohnungsgesellschaften größte Probleme bereite, wirksam zu begegnen. Und
andererseits, so Wiegand, seien viele Aufwertungsmaßnahmen planerisch noch gar
nicht so weit, dass sie jetzt schon realisiert werden könnten.
Das Geld aber bleibe dafür reserviert. Letztlich stünden für die Aufwertung in
dem bis 2009 laufenden Stadtumbau-Programm sogar 240 Millionen Euro für die
Aufwertung und 160 Millionen Euro für den Abriss zur Verfügung.
www.moz.de
19.10.2004
Schleswig-Holstein: Stadtumbau West
Mit einem am Montag gestarteten Stadtumbauprogramm West
soll die Einwohner-Flucht aus Innenstädten gestoppt werden. Insgesamt 6,48 Mio.
Euro stehen allein in Schleswig-Holstein zur Verfügung, um die Attraktivität der
Städte zu sichern und auszubauen. Flensburg, Neumünster, Eckernförde, Elmshorn,
Itzehoe und Rendsburg sind jetzt in das Programm aufgenommen worden, teilte
Innenminister Klaus Buß (SPD) in Kiel mit.
In diesen Städten drohe ein "städtebaulicher Qualitätsverlust" aufgrund
rückläufiger Bevölkerung, überdurchschnittlicher Alterung der Menschen und hoher
Arbeitslosigkeit. Es gebe viele leere Wohnungen sowie Einzelhandels- und
Gewerbeflächen, sagte Buß.
Insgesamt stellt der Bund für das Programm 40 Mio. Euro bereit. Davon erhält
Schleswig-Holstein 2,16 Mio. Euro. Land und Kommunen stocken den Betrag um
jeweils die gleiche Summe auf. Dadurch entsteht ein Gesamtinvestitionsvolumen
von rund 6,48 Mio. Euro. Eckernförde bekommt 600 000 Euro, Elmshorn 1,08 Mio.
Euro und Flensburg rund eine Mio. Euro. Für Itzehoe sind 1,28 Mio. Euro, für
Neumünster 1,92 Mio. Euro und für Rendsburg 600 000 Euro vorgesehen.
www.welt.de
18.10.2004
1,5 Millionen Wohnungen abreißen
Die deutsche Wohnungswirtschaft fordert von Bund, Ländern
und Gemeinden eine strategische Partnerschaft, um den nötigen Umbau der Städte
voranzutreiben. Ziel müsse unter anderem sein, bei der Städtebauförderung auf
Schrumpfungsprozesse in manchen Städten zu reagieren. Der Präsident des GdW
Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen, Lutz Freitag, sagte in Berlin,
öffentliche Hand, Banken, gewerbliche Wirtschaft und Wohnungsunternehmen müßten
besser zusammenarbeiten, um die Zukunftsfähigkeit der Städte zu erhalten.
Freitag sprach sich für ein bundesweites Stadtumbauprogramm ab 2010 aus.
Das 2001 aufgelegte Stadtumbauprogramm für Ostdeutschland läuft Ende 2009 aus;
seit diesem Sommer existiert zudem ein Umbauprogramm West. Erste Erfolge des
Ost-Programms zeigten sich nach Worten Freitags darin, daß 2003 nur noch knapp
400 000 vom GdW verwaltete Wohnungen leerstanden und die Leerstandsquote von
16,2 auf 16,0 Prozent sank. Insgesamt stünden im Osten bis zu 1,3 Millionen
Mietwohnungen leer. Bundesweit, wo die im GdW organisierten Unternehmen knapp
ein Drittel der 20 Millionen Wohnungen bewirtschaften, stehen nach GdW-Schätzung
zwei Millionen Wohnungen leer.
Zur städtebaulichen Verbesserung müssen nach GdW-Einschätzung noch mindestens
1,5 Millionen leerstehende Wohnungen der Abrißbirne weichen. "Die Attraktivität
des Standorts wird durch den Abriß leerstehender Wohnungen verbessert." Zur
leichteren Durchsetzbarkeit sollte gemäß dem Bundesratsvorschlag eine
Abrißkündigung ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen werden.
Nach dem Willen des Wohnungsverbandes sollte der in diesem Jahr mit 40 Mio. Euro
begonnene Stadtumbau West allmählich auf das Ost-Volumen von 160 Mio. Euro
ausgebaut werden. Nach Auslaufen des Ost-Programms Ende 2009 solle es nur noch
ein einheitliches bundesweites Stadtumbauprogramm geben. Die Maßnahmen wie Abriß
und Erneuerung sollten besser zwischen Wohnungsunternehmen und Kommunen
koordiniert werden, denen der GdW die Partnerschaft anbiete.
Nachdem die 1300 GdW-Unternehmen in den neuen Ländern inzwischen bereits 53 700
Wohnungen abgerissen haben, sei für das Jahr 2004 geplant, "weitere 50 000
Wohnungen vom Markt zu nehmen". Im Osten stünden knapp 400 000 Wohnungen der
kommunalen und genossenschaftlichen Gesellschaften leer. Ohne die Abrisse würde
der Anteil leerstehender GdW-Wohnungen in diesem Jahr bei 18,7 Prozent liegen -
statt der erwarteten 15,4 Prozent.
Im Westen sieht der GdW im eigenen Bereich eine Leerstandsquote von 3,1 Prozent.
Das entspreche etwa 120 000 Wohnungen. Würde man dies auf alle 20 Millionen
westdeutschen Mietwohnungen hochrechnen, ergäbe sich rechnerisch ein
Abrißpotential im Westen von 600 000 Wohnungen. Auf diese Zahl wolle er sich
jedoch nicht festlegen.
www.welt.de
17.10.2004
Land Brandenburg: Millionenrisiko bei Krediten
Städtebauminister Frank Szymanski spricht derzeit von
257,2 Millionen Kredit-Euro, die von der Landes-Investitionsbank als "ausfallgefährdet"
eingestuft würden. Noch im Januar teilte er mit, dass lediglich Kredite mit
einer Gesamthöhe von 165 Millionen Euro auf diese Weise als unsicher gelten.
Bei einem Gesamt-Förderdarlehen an brandenburigsche Wohnungsbauunternehmen von
4,8 Milliarden Euro entspricht dies laut Szymanski einer Steigerung von 3,5 auf
5,31 Prozent. Die Zinsen für die zwischen 1997 und 2002 ausgereichten Kredite
liegen bei durchschnittlich 5,488 Prozent. Tatsächlich verloren sind dem
Minister zufolge bis zum Stichtag 31. 12. 03 mehr als 5,5 Millionen Euro
gewesen, doch seien davon noch 142 000 Euro "in Bearbeitung".
Experten gehen angesichts weiterer Abwanderung und den Wohnungsleerstand von
einem weiter steigenden Ausfallrisiko beim Landeswohnungsbauvermögen aus. "Der
Umfang der mittel- und langfristig zu erwartenden Ausfälle kann nicht
abgeschätzt werden."
Dem Minister zufolge verfolgt das Land das "Ziel der Minimierung von
Darlehensausfällen". Doch könnten Ausfälle angesichts "fehlender
Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit von Wohngebäuden im Einzelfall nicht
verhindert werden". Durch den weiteren Rück- und Umbau von Städten soll
Szymanski zufolge dieser Tendenz entgegen gewirkt werden. Ein koordinierter
Einsatz der Mittel des Bundes und aus der Wohnungsbauförderung unterstütze
dieses Anliegen nachhaltig.
Laut Bauministerium existiert die Gefahr, dass Rückzahlungen ausfallen, wenn
Wohnungsgesellschaften Konkurs anmelden. In diesem Falle würden jedoch Einnahmen
fehlen, mit denen das Land gerechnet hatte. Ein Viertel dieser Unternehmen ist
laut Ministeriumsangaben in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das betreffe von
221 Unternehmen, die im Brandenburgischen Verband der Wohnungsunternehmen
zusammengeschlossen sind, immerhin 53. Bei diesen Unternehmen liege der
Leerstand inzwischen bei mehr als 15 Prozent, was in Deutschland als Signal für
drohende Zahlungsunfähigkeit gelte.25 der bedrohten Unternehmen haben diesen
Angaben zufolge sogar mit einem Leerstand über 20 Prozent zu kämpfen und "in
Einzelfällen sogar über 30 Prozent". Landesweit stehen derzeit etwa 165 000
Wohnungen leer, was den Unternehmen vor allem in berlinfernen Regionen 60
Millionen Euro entzieht und einer durchschnittlichen Leerstandsquote von 13,5
Prozent entspricht. Fachleute befürchten, dass Insolvenzen kommunaler oder
genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen das Problem verschärfen werden, denn
die dann folgenden Billig-Aufkäufe würden den Mietmarkt weiter unter Druck
bringen.
www.svz.de
17.10.2004
Wulfen: Drei Millionen Eigenanteil für Barkenberg
Einen Förderantrag auf 15 Millionen Euro für den Umbau
von Barkenberg hat die Stadt zum 1. Oktober gestellt (WAZ berichtete). Jetzt
beginnt die Suche nach Wegen, um den notwendigen städtischen Eigenanteil von
rund drei Millionen Euro aufzubringen.
"Angesichts unserer strukturellen Probleme und § 81 ist das nicht darstellbar",
sagt Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Will heißen: Weil der Haushalt
zwangsverwaltet wird, müsste die Finanzaufsicht eigentlich die Aufnahme jedes
Kredites verbieten, der nicht unbedingt notwendig ist.
Eigentlich muss der Kommune aber genehmigt werden, sich dieses Kapital zu
besorgen. Denn eine Verweigerung würde die Förderprogramme von Bund und Land ad
absurdum führen. "Die Städte müsssen das darstellen können. Sonst brauchen wird
den Stadtumbau West nicht", fordert Lütkenhorst.Ein Vorteil: Dorsten weiß sich
mit dem Problem in der Gesellschaft anderer Städte, die ebenfalls von den
Millionen profitieren wollen, die von Berlin nach NRW fließen. Es braucht also
keine "Lex Dorsten", sondern eine Regelung für alle Städte. Eine mögliche
Argumentation: Die Kommunen verweisen darauf, dass sie durch diese Investition
in die Verbesserung der Wohnsituation langfristig Geld sparen.
www.waz.de
17.10.2004
Gelsenkirchen: Neuer Citymanager will die Stadt umbauen
Unterschrieben wurde der Kooperationsvetrag in der
Bettenabteilung der Galeria Kaufhof - aber das hat erst einmal nichts zu
bedeuten. Die Unterzeichner versicherten es glaubhaft. Hintergrund der
Kooperation ist die "Stärkung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der
Innenstadt".
Partner sind Stadtdirektor Michael von der Mühlen für die Stadt, Klaus Dieler,
für die Werbegemeinschaft City, Frank Jäger für die Stadtmarketing GmbH (SMG),
Jörg Pastoors von der Galeria Kaufhof für den Handel und Dr. Siegbert Panteleit.
Der 50-jährige Standort- und Projektentwickler übernimmt in diesem
Zusammenschluss den Part eines "Citymanagers".
Noch "residiert" er in den Räumen der SMG an der Bahnhofstraße, doch noch im
Dezember bezieht er ein eigenes Büro an der Ecke Bahnhofstraße 26/Klosterstraße.
Von dort aus wird er mit seinem Team die "konzertierte Stadterneuerung"
betreiben. Sie ist nach den Worten von der Mühlens ein "wichtiger Baustein zur
Revitalisierung der Gelsenkirchener Innenstadt".
Die Vorhaben stehen im Zusammenhang mit dem Programm "Stadtumbau West". Zur
Belebung der Innenstadt haben sich die Partner drei Ziele gesteckt:
Unterstützung des Handels, Abbau des Leerstandes an der Bahnhofstraße und in
allem Nebenlagen, die City rund um die Uhr zu beleben.
Michael von der Mühlen drückte es so aus: "Die Innenstadt muss als zentraler
Einkaufsort, Wohn- und Arbeitsort, Kulturstätte und Ort der Kommunkation
gestärkt werden". Hierfür sei besonders privates Engagement notwendig -
Vorstellungen, die auch Dr. Panteleit nachdrücklich unterstreicht. Er gilt als
erfahrener Praktiker und soll - und will es auch - Einzelhändlern, Gastromenen,
Banken und Dienstleister ebenso "in ein Boot" bringen wie Immobilienbesitzer
oder Kulturschaffende - um nur einige zu nennen, mit denen Panteleit die Stadt
umbauen will. Er will auch Vereine und Verbände für seine Pläne gewinnen.Mit dem
Vertragsabschluss gestern wurde das vom Rat der Stadt beschlossene Umbauprogramm
Gelsenkirchen City konkreter. Bis 2007 sollen mit einem Gesamtvolumen von 6,76
Mio Euro u.a. wichtige Bestandteile des Leitplans-City umgesetzt werden
www.waz.de
17.10.2004
Selb: „Die Angst vor Abrissen geht um“
Der Bevölkerungsrückgang hat auch vor Selb-Plößberg, Dorf
Plößberg und der Siedlung Vielitz nicht Halt gemacht. Dies zeigte
Oberbürgermeister Wolfgang Kreil in der Bürgerversammlung im Jochen-Klepper-Haus
auf, nachdem er die allgemeine Situation der Stadt Selb mit den Schwerpunkten
Gewog, Krankenhaus und gesplittete Abwassergebühr dargelegt hatte.
Seit der letzten Bürgerversammlung 1996 habe sich einiges in dem Ortsteil getan.
Neben zahlreichen Neubauten nannte das Stadtoberhaupt Sanierungsmaßnahmen an den
Ortsstraßen, Gehwegen und Containerstellplätzen sowie Anschaffungen für die
Ortsfeuerwehr.
Die Bevölkerung sei sowohl im Dorf wie in Selb-Plößberg rückläufig und liege
heute bei 228 beziehungsweise 1070. In diesem Zusammenhang zu sehen seien
zahlreiche leer stehende Wohnungen, was in Selb-Plößberg bereits zum Abbruch von
Gewog-Häusern geführt habe.
Als vorübergehende Lösung würden auf den Brachflächen Blumenwiesen angesät, so
dass sie wenigstens ein freundliches Bild bieten. Pfarrer Bernhard Wanner wollte
wissen, warum die Gewog im Vorwerk mehr in Häuser investiere, in Selb-Plößberg
nicht. Da das Programm „Soziale Stadt“ im Vorwerk greife und der Stadtumbau West
in Selb-Ost, so Kreil. Er fügte zudem an, dass auf den Selb-Plößberger
Hochhäusern zum Beispiel noch immer Darlehen in Millionenhöhe lasteten.
www.frankenpost.de
16.10.2004
Nordhausen: Hausbesitzer
als Zahlmeister
Weitergehen soll der Abriss von leer
stehenden Plattenbauten in Nordhausen-Ost. Das beschloss der Stadtrat. Im
kommenden Jahr darf die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) ihren Bestand an
Wohnungen um 225 Stück reduzieren. Abgerissen werden die Häuser am Roßmannsbach
9 bis 28.
Die Plattenbauten wurden 1985 errichtet und stehen mittlerweile zu 94 Prozent
leer. Auf Dauer ist ihr Erhalt unrentabel. WBG und die Städtische
Wohnungsbaugesellschaft SWG ließen ein Gutachten anfertigen, das bestätigte,
dass diese Objekte keine Chancen mehr am Markt haben.
Derzeit leben noch 14 Mieter in den Häusern. Sie wissen, dass der Abriss
bevorsteht. Die WBG bot ihnen andere Wohnungen an und ist beim Umzug behilflich.
An Stelle der Häuser sollen Grünflächen entstehen, um die Wohnqualität in
Nordhausen-Ost zu erhöhen.
Der Abriss der Plattenbauten soll zu Beginn des Jahres 2005 beginnen. Die Eile
sei geboten, weil es in den leer stehenden Häusern immer wieder zu Vandalismus
und Brandstiftung kam (TA berichtete).
Seit 2002 wurden in Nordhausen im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" 368
Wohnungen abgerissen. Die Eigentümer der Häuser erhalten vom Land einen Zuschuss
von maximal 60 Euro pro Quadratmeter. Kostet der Abriss weniger, wird der
Landeshaushalt entsprechend geringer belastet. Momentan sind die WBG und die SWG
aber als Financiers gefragt. Denn das Land hat eine Haushaltssperre für 2004
verhängt. Aussagen darüber, wie viel Geld 2005 im Landeshaushalt eingestellt
wird, gibt es noch nicht. Das bedeutet, dass die Wohnungsunternehmen den Abriss
vorfinanzieren müssen. Reicht das Eigenkapital nicht, müssen sogar Kredite
aufgenommen werden. Die dafür anfallenden Zinsen erstattet das Land nicht.
Stoppen werden aber weder die WBG noch die SWG den Abriss. Denn auch leer
stehende Objekte kosten eine Menge Geld - unter Umständen sogar mehr, als für
den Abriss der nicht mehr sanierungswürdigen Häuser berappt werden muss.
www.thueringer-allgemeine.de
16.10.2004
Geithain: Mieter ins Bild gesetzt: Wohnblock muss
weichen
Der Block Lessingstraße 16 bis 19 im Gebiet Geithain-West
soll abgerissen werden. Das beschloss der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung.
Ziel ist, dass der Rückbau 2005 erfolgen kann. Noch im Jahr 2000 lebten in
Geithain rund 6950 Einwohner. Per 31. Dezember 2003 waren es nur noch 6584. Eine
Folge dieser Entwicklung ist Wohnungsleerstand. Von den 600 kommunalen Wohnungen
der Stadt Geithain gab es per 31. Juli 2004 für insgesamt 155 keine Mieter. Das
sind 26 Prozent des Bestandes. Schwerpunkt ist das Wohngebiet Geithain-West mit
126 leeren Wohnungen. Der Einnahmeausfall für die Stadt dürfte sich in diesem
Jahr auf rund 650.000 Euro belaufen. Das sind rund 100.000 Euro mehr als im
Vorjahr.
Da dieser Trend in ganz Sachsen zu verzeichnen ist, hat der Freistaat
Förderprogramme zum Abriss von Blöcken und zur Aufwertung betroffener
Wohngebiete aufgelegt. Geithain ist in das Programm "Stadtumbau Ost - Rückbau"
aufgenommen worden. Erste Fördermittel aus diesem Programm sind der Kommune für
2005 zugesichert. Die Summe reicht noch nicht für die Abrisskosten eines
Blockes. Dennoch bereitet die Kommune alles vor, damit es losgehen kann, sobald
eine Aufstockung der Mittel erfolgt. Dazu gehören das Freilenken der noch
belegten Wohnungen und die Ausschreibung der Arbeiten.
Die Verwaltung hat dem Stadtrat den Abriss des Blockes Lessingstraße 16 bis 19
vorgeschlagen. Der Stadtrat fasste einen entsprechenden Beschluss auf seiner
jüngsten Sitzung. Von den 40 Wohnungen des Blockes sind derzeit nur 17 belegt.
In den vergangenn Tagen liefen Gespräche der Stadtverwaltung und des Verwalters
mit den betroffenen Mietern, so am Montag im Rathaus. Demnächst folgen
Einzelgespräche mit allen Mietparteien. Angestrebt wird ein Umzug im Bereich des
Wohngebietes beziehungsweise des Wohnungsverwalters GDS. Die Stadt unterstützt
die Mieter dabei.
www.lvz-online.de
16.10.2004
Schkeuditz: Gartenbau für die Bürger beginnt in
der Innenstadt
Boule-Spiele in der Amtsgasse, Skulpturen stehen und
entstehen an der Halleschen Straße, die Bürger können zuschauen oder sich
beteiligen, so lautet die Idee der ersten Bürgergärten in Schkeuditz. Gärten für
Bürger sollen die sehr lückenhafte Schkeuditzer Innenstadt aufwerten. Mit den
beiden ersten solcher doch recht ungewöhnlichen Themengärten soll noch dieses
Jahr begonnen werden: an der Halleschen Straße/Ecke Schießgraben ein Figuren-
sowie ein Boule- und Fitnesgarten an der Brache Amtsgasse. An beiden Objekten
wird die "Bürgergarten"-Stehle aufgestellt.
Bei einem Erfolg soll an den ungewöhnlichen Gärten je nach Bedarf und Förderung
weiter gebaut werden. Der Technische Ausschuss des Stadtrates beschloss zunächst
die Umsetzung der beiden ersten Garten-Konzepte. "Stück für Stück sollen
Themengärten in der Innenstadt entstehen. Die Bürger sollen selbst dazu
beitragen, ihre Innenstadt attraktiv und lebendig zu gestalten", hofft der
Schkeuditzer Planungsamtschef Frank Wenzel.
In mehreren Arbeitstreffen waren Ideen und Betreiber der ersten beiden Gärten
gesucht und gefunden worden: der Bund Bildender Künstler Leipzig für den
Figurengarten sowie der Freundeskreis Schkeuditz-Villefranche mit einem
Boule-Platz.
Obwohl die Förderung aus dem Programm Stadtumbau-Ost bei 75 Prozent liegt, ist
die ungewöhnliche "Zwischennutzung" der brachen Grundstücke nicht billig (siehe
Kasten). "Können wir uns das angesichts unserer Haushaltsituation und eventuell
steigernden Gebühren in vielen Satzungen wirklich leisten?", zweifelt Stadtrat
Lothar Böttcher.
"Wir alle wollen aber auch ein attraktive Innenstadt", argumentiert
Bürgermeister Jörg Enke. Unterstützt wird er vom Planungsamtchef: "Das Konzept
ist im Januar hier beschlossen worden. Es ist die Chance für Schkeuditz, mit dem
Stadtumbau-Ost-Programm etwas für die Belebung der Innenstadt zu tun."
Die Idee der Gärten ist, dass die Bürger deren Unterhaltung und Betreibung
übernehmen, der Stadt so keine weiteren größeren Kosten entstehen. Spätestens
hier hat die Sache - die ohnehin nur über das Engagement der Bürger funktioniert
- einen Pferdefuß: "Sollten Vandalen immer wieder Zerstörungen anrichten, dann
müssen wir das Projekt wohl einstellen", so Stadtplaner Frank Wenzel.
www.lvz-online.de
14.10.2004
Eisleben: Geld fließt nur zögerlich
Ginge es nach Gisela Kirchner, könnte Eisleben beim
Stadtumbau schon viel weiter sein als es bis jetzt der Fall ist. "Die
Antragsprozeduren für Fördermittel sind sehr mühselig und langwierig", klagt die
Leiterin des Stadtplanungsamtes der Lutherstadt. Jüngstes Beispiel: Die
Bescheide, mit denen für 2004 Gelder für den Rückbau von Wohnungen bewilligt
wurden, sind erst vor wenigen Tagen vom Landesverwaltungsamt an die Stadt
geschickt worden.
Gisela Kirchner fürchtet um den Erfolg von Eislebens Stadtumbau-Bemühungen: "Wir
haben sogar private Eigentümer, die bereit sind, sich am Abriss nicht mehr
benötigter Wohnungen zu beteiligen. Die stehen in den Startlöchern und können
nicht anfangen, weil die Finanzierung so lange unklar bleibt." Zwar sei das Geld
von Bund und Land nun zugesagt, doch trotzdem blieben noch Fragen offen.
"Ausgezahlt werden die Fördermittel über fünf Jahre verteilt. Für die Eigentümer
ist das problematisch." Und Sorgen macht man sich in Eislebens Stadtverwaltung
auch darüber: Ab 2004 soll statt der Kommunen die Investitionsbank
Sachsen-Anhalt für die Auszahlung der Rückbau-Fördergelder zuständig sein. "Die
Prozedur könnte in Magdeburg viel länger dauern, als hier vor Ort", befürchtet
die Stadtplanungsamts-Chefin.
In der Landesverwaltung will man die Kritik aus Eisleben indes kaum auf sich
beziehen. "Das Bauministerium hat die Mittel erst am 1. Oktober frei gegeben,
wir haben die Bescheide innerhalb von drei Tagen rausgeschickt", sagt
Landesverwaltungsamts-Sprecherin Denise Vopel. Im Ministerium selbst verweist
man auf die Verwaltungsvereinbarung zwischen den Bundesländern, die zunächst
geschlossen werden musste. Dazu habe es in Sachsen-Anhalt eine Haushaltssperre
gegeben. Dass die Investitionsbank künftig das Stadtumbau-Fördergeld auszahle,
sei für Kommunen und Eigentümer eine Vereinfachung. Gisela Kirchner sieht indes
Stagnation. "Über Fördermittel für Aufwertungen haben wir für 2004 noch gar
keinen Bescheid bekommen", sagt sie. "Hätten wir mehr Freiheit mit den Geldern,
könnten wir viel mehr leisten."
www.mz-web.de
12.10.2004
Guben: Dachlandschaft am Ortseingang / Wie der
Stadtumbau an der Hugo-Jentsch-Straße weitergeht
Der Stadtumbau in Guben – er war bisher mit dem Rückbau vom 1.420
Wohnungen verbunden – schreitet mit dem Abriss und dem Teilrückbau von weiteren
344 Wohnungen in den kommenden Monaten voran. Der Teilrückbau von 48 Wohnungen
erfolgt an der Hugo-Jentsch-Straße 1-12. In einer Versammlung der Mieter
letzteren Blockes wurden am Donnerstag Details geklärt. „Bisher haben wir gute
Ergebnisse erreich. Besonders der Wohnkomplex IV ist zu einer attraktiven
Adresse geworden“, sagte Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner. Der Wohnblock
Akazienstraße 1-9 wird demnächst komplett abgerissen, 70 Wohnungen an der
Ahornstraße fallen im kommenden Jahr dem Bagger zum Opfer. Noch vor dem
Teilrückbau an der Jentschstraße verschwinden mit der Geschwister-Scholl-Straße
7-11 und 13-17 sowie der Franz-Mehring-Straße 1-9 insgesamt 128 Wohnungen. „Hohe
Anforderungen an den Stadtumbau stellt der Teilrückbau des Blockes an der
Hugo-Jentsch-Straße 1-12“, sagte Hübner. Dort werde im April nächsten Jahres
begonnen, die oberen beiden Etagen und damit 48 Wohnungen abzutragen. Neu ist,
dass während der Bauarbeiten die Mieter ihre Wohnungen in den unteren Etagen
weiter nutzen können. „Es ist kein Experiment, alles wurde sicherheitstechnisch
geprüft“, versicherte der Bürgermeister. Andreas Neumann vom Architektur- und
Ingenieurbüro Bartke & Neumann erklärte den Mietern der betroffenen Wohnungen,
wie ihr Zuhause nach dem Umbau aussehen wird. Der Wohnblock, der Besuchern der
Stadt optisch als Erster ins Auge fällt, bekommt eine „Dachlandschaft“. „Pult-
und Trapezdächer werden sich abwechseln, der Block wird im Ganzen gedrungener
wirken“, sagte Neumann. Die Dachfläche wird ähnlich aussehen, wie die der
rückgebauten Häuser am Märkischen Ring und an der Kastanienstraße. Die Fassade
wird in hellen Pastelltönen, angepasst an die angrenzenden Wohnblöcke, strahlen.
Bereits Ende Januar/Anfang Februar müssen die oberen zwei Etagen freigezogen
sein. „Dann beginnen wir mit den Entkernungsarbeiten“, war von Helmut Seidel von
der Beschäftigungs- und Sanierungsgesellschaft zu erfahren. Ein Fassadengerüst
mit Kassettendach wird die restlichen Stockwerke vor Witterungseinflüssen
schützen. Ab dem 4. April beginnen in der Hausnummer 12 die Arbeiten. „Zuvor
werden die oberen Medien von denen der verbleibenden Wohnungen getrennt“,
erklärte Seidel. Etwa zwei Wochen werden für den ersten Bauabschnitt (Rückbau
der ersten zwei Aufgänge) benötigt. „Allerdings können wir bei Niederschlägen
die Demontagearbeiten nicht fortsetzen“, so Seidel. Sobald die nächsten Aufgänge
abgetragen werden, erhalten die ersten „Dreigeschosser“ ihr neues Dach, und die
Rüstung wird dort abgebaut. Obwohl die Mieter ihre Wohnungen während der
Maßnahme weiter bewohnen können, ist es notwendig, bei der Demontage die unteren
Etagen aus Sicherheitsgründen für etwa zwei Wochen zu räumen. Aufenthalte in den
Wohnungen werden nach Absprache trotzdem möglich sein. „Den Mietern wird in
dieser Zeit eine Unterkunft in Gästewohnungen der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo)
oder in Pensionen zur Verfügung gestellt. Sie erhalten dabei eine Entschädigung
in Höhe von zehn Euro pro Nacht und Person“, war von Guwo-Chef Günter Schneider
zu erfahren. „Selbstverständlich ist auch die Mietminderung während er gesamten
Umbauzeit“, so Schneider. Im Juli 2005 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen
sein. „Bisher konnten wir unser Versprechen immer halten, dass es keinem Mieter
nach dem Umbau schlechter gehen wird“, sagte Hübner. Deshalb wird die Guwo
betroffene Mieter bei der Suche nach einer gleichwertigen Wohnung unterstützen
und auch die Umzugskosten übernehmen.
www.lr-online.de
08.10.2004
Sachsen-Anhalt: Suche nach Auswegen aus den Folgen
der demografischen Krise
Experten warnen seit Jahrzehnten, die Krise ist längst da:
Die demografische Entwicklung ist auch in Sachsen-Anhalt auf den Kopf gestellt.
Die Zahl der Senioren wächst, die der Kinder verharrt auf einem zu niedrigen
Niveau. Und nur langsam verringert sich die Abwanderung. Keine Theorie, sondern
Realität. In Stendal - zu DDR-Zeiten als geplante Kernkraftwerk-Stadt vom Staat
begünstigt - sind die Folgen drastisch zu spüren. 6000 Wohnungen stehen leer,
die Einwohnerzahl schrumpfte von 50000 auf 37400. In den Schulen lernen derzeit
67 Prozent weniger Schüler als vor 15 Jahren. Ein Mittelzentrum in
Existenznöten. Eine schrumpfende Stadt in einer schrumpfender Region - und kein
Einzelbeispiel. Wie können unter diesen Umständen die Schul- und
Gesundheitsversorgung aufrechterhalten werden? Eine Frage, über die in Stendal
jetzt 22 Vertreter von Städten aus Sachsen-Anhalt mit Experten aus dem Kultus-
und aus dem Sozialministerium diskutiert haben. Die vor zwei Jahren von der
Landesregierung initiierte Internationale Bauausstellung Stadtumbau in
Sachsen-Anhalt 2010, kurz IBA, hatte zur 5. Städtenetz-Konferenz eingeladen. Und
die endete mit durchaus erstaunlichen Erkenntnissen. Es muss einen Abschied von
der Monofunktionalität der Infrastruktur geben, formulierten die
Konferenzteilnehmer.
Warum sollte eine Schule nicht zugleich der soziale Marktplatz eines Stadtteils
oder gar einer Kleinstadt sein? In Rotterdam wird dies an der Community School
erfolgreich praktiziert. In der Schule treffen sich die Senioren, im Essensraum
wird sonntags Gottesdienst gehalten, behinderte Erwachsene kochen das
Schulessen. Eine kopierbare Idee, die obendrein noch mit der beispielhaften
schwedischen Futurum-Schule verknüpft werden könnte. Prof. Dr. Renate Girmes von
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat ermittelt, dass mit dem Modell
der Futurum-Schule - Kinder der Altersstufen 5 bis 16 Jahre lernen gemeinsam als
eine Einheit (bis zu 160 Schüler) und nach ganz individuellen Lehrplänen für
jedes Kind - in Magdeburg weniger Schulgebäude als bisher geplant notwendig
sind. Obendrein sei damit eine wesentlich wohnortnähere Schulversorgung möglich.
Und auch in der medizinischen Versorgung sind neue Ansätze notwendig. In den
Kreisen Salzwedel, Jerichower Land und Bernburg ist schon jetzt der
Versorgungsgrad durch ambulante Ärzte mit 75 Prozent hart an der Grenze zur
Unterversorgung. Immer mehr Ärzte scheiden auf Grund ihres Alters aus dem
Berufsleben aus. Die leeren Praxen finden keine Nachfolger. Dezentrale
Zentralisierung könnte eine Lösung sein. Die Stadt Wanzleben macht es vor. In
den dortigen Ärztehäusern praktizieren 22 Fachärzte - sieben mehr als vor 15
Jahren. Wohlgemerkt in einer Stadt mit 5500 Einwohnern.
Auf der Landesebene wird reagiert. Nicht die Bettenzahlen in den Krankenhäusern,
sondern deren Bedeutung für Regionen wird ab 2005 entscheidend sein.
Basiskrankenhäuser mit Innerer Medizin und Chirurgie sollen beispielsweise einen
Umkreis von 40 Kilometern absichern. Obendrein sind medizinische
Versorgungszentren, sprich ambulante Behandlungen, an den Krankenhäusern
denkbar. Die Funktionalität der Krankenhäuser soll sich erhöhen. Man folgt auch
dem Wanzleber Beispiel: Zuschüsse aus der Wirtschaftsförderung für junge Ärzte,
die sich ambulant in Sachsen-Anhalt niederlassen wollen, sind derzeit im
Gespräch.
www.volksstimme.de
08.10.2004
Leipzig: Rathaus streicht bei Stadtumbau
Die Finanzkrise der Stadt trifft jetzt auch Leipzigs
schwächste Viertel: Fördermittel in Millionenhöhe können nicht mehr abgerufen
werden, weil das Rathaus kein Geld für den vorgeschriebenen Eigenanteil hat. Bis
auf wenige Ausnahmen müssen die Vorhaben für Stadterneuerung und
Wohnungsbauförderung gekippt werden.
Das ganze Ausmaß der Misere wurde am Mittwochabend auf einem Forum im
Kunstkaufhaus an der Zschocherschen Straße bekannt. Amtsleiter Karsten Gerkens
erklärte dort vor fast 200 Zuhörern, dass die Finanzkrise deutlich härtere
Konsequenzen hat als ohnehin schon befürchtet. "Im Haushalt fürs nächste Jahr
sind nur noch 1,7 Millionen Euro für die Kofinanzierung von Fördermitteln
eingestellt - in diesem Jahr hatten wir dafür noch 4,2 Millionen", so Gerkens.
Und noch schlimmer: "Weil ein Eigenanteil von durchschnittlich 25 Prozent
vorgeschrieben ist, können wir mit den 1,7 Millionen nur noch 4,9 Millionen Euro
Fördermittel abrufen. Dadurch bleiben insgesamt 22,5 Millionen Euro ungenutzt,
die für die Fördergebiete im Leipziger Osten und Westen bereitliegen."
In den Stadtteilen Neustädter Markt, Neuschönefeld, Anger-Crottendorf,
Volkmarsdorf, Lindenau, Plagwitz, Leutzsch und Kleinzschocher könne nur noch ein
Bruchteil der Projekte gefördert werden. Betroffen seien Hilfen aus den
EU-Programmen Urban und Efre sowie Sanierungsmittel des Landes und Bundes.
Für Grünau gebe es "praktisch gar kein Geld mehr". Gerkens: "Wir haben nur noch
Mittel für den Stadtteiladen und für die Gestaltung von Flächen, auf denen
abgerissene Hochhäuser standen. Wir können gerade mal entscheiden, ob wir den
Rasen im Viereck oder im Kreis säen."
Der Sanierungschef betonte, dass er eine solche Situation noch nie erlebt habe.
Aus seiner Sicht sei es zwecklos, gegen die Mittelkürzung Sturm zu laufen. "Die
Stadt hat eine erhebliche Finanzkrise. Da macht es keinen Sinn, Geld zu fordern,
das keiner hat."
Stattdessen plädierte Gerkens dafür, Sparpotenziale zu heben und neue Wege zu
gehen. Um Geld aus anderen Budgets zu bekommen, hat er die Gesamtfläche der
Sanierungsgebiete bereits deutlich reduziert - von 768 auf 289 Hektar. Dadurch
muss die Stadt in den betroffenen Gebieten nicht mehr die avisierten Straßen-,
Wege- und Platzgestaltungen vornehmen und auch keine Gebäudesanierungen mehr
fördern. Betroffen davon sind Stötteritz, die Prager Straße, Connewitz,
Eutritzsch, Liebertwolkwitz, Gohlis, der Innere Süden und Böhlitz-Ehrenberg.
"Diese Stadtteile haben sich so gut entwickelt, dass sie keine Hilfen mehr
brauchen", sagte Gerkens, der auf diese Weise jährlich rund 1,5 Millionen Euro
einspart. "Wir wollen dieses Geld jetzt in die Schwerpunktgebiete des Leipziger
Ostens und Westens umschichten", so Gerkens. Ob dies tatsächlich gelingt, ist
allerdings offen.Im Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) ist
allerdings klar, dass dies allein nicht den erhofften durchschlagenden Erfolg
bringt. "Entscheidend wird sein, in welchem Ausmaß wir öffentliche Mittel durch
private ersetzen können und wie wir die Nutznießer der Fördermittel beteiligen",
so Gerkens. Gleichzeitig empfiehlt er ein neues Modell mit dem Titel "Aus eins
mach' drei", durch das im großen Stil privates Geld eingeworben werden soll. Das
Prinzip: Ein Investor, der im Stadtteil ein für alle Bewohner wichtiges Projekt
verwirklichen will und dafür Fördermittel nutzen muss, überlässt einem
entsprechenden gemeinnützigen Verein eine Spende. Dieser reicht die Summe dann
an die Stadt weiter, die damit Fördermittel aquiriert und dem Investor
anschließend für sein Projekt dreimal mehr Geld zurückzahlt. "Dieses Prozedere
muss zwar noch auf Landesseite durchgestellt werden, aber es ist grundsätzlich
möglich", meinte Gerkens.
Funktionieren wird dies nach Ansicht von Experten der Stadtverwaltung nur, wenn
die richtigen Leute möglichst schnell zueinander finden. "Wir brauchen eine neue
Qualität der Bürgeraktivität und der Organisation", heißt es.Wenn dies nicht
gelingt, sind die Aussichten für die zuständigen Stadtbediensteten bald noch
düsterer: Ihre Arbeitsplätze würden vakant. "Wir müssen jetzt Netzwerke schaffen
statt Blumenrabatten zu bauen", schwant jetzt vielen.
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07.10.2004
Sachsen-Anhalt: 44 Millionen Euro für
Wohnungsabriss
Der Abriss von 13500 leer stehenden Wohnungen in
Sachsen-Anhalt kann beginnen. Trotz Haushaltsmittelsperre stehen dafür jetzt 44
Millionen Euro im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau Ost bereit. Das erklärte
gestern der zuständige Referatsleiter des Landes-Bauministeriums, Ernst Isensee,
in Stendal. Landesweit sollen bis zum Jahr 2010 insgesamt 100000 Wohnungen
abgerissen werden. Für 50000 Wohnungen wird es die begehrte Förderung aus dem
Stadtumbau-Programm geben.
Während der 5. Städtekonferenz der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau
Sachsen-Anhalt 2010 in Stendal wies Isensee die anwesenden 22 Bürgermeister auch
auf Änderungen in Sachen Stadtumbau hin. Ab 2005 werde sich das Verhältnis bei
der Förderung von Abriss und Aufwertung des Wohnumfeldes - derzeit 90:10 -
ändern. "Der Bund fordert ein Verhältnis von 50:50", so Isensee. Grund: Die
durch den Abriss entstehenden Brachflächen sollen gestaltet und zum Beispiel in
Form neuer Parkanlagen ins Stadtbild integriert werden.
Neu ist auch, dass Kommunen prioritär Fördermittel für den Abriss oder für die
Umnutzung leer stehender Schulen erhalten. Mehr als 100 Schulgebäude werden
derzeit landesweit nicht mehr genutzt. Entsprechende Anträge für das kommenden
Jahr können noch bis zum 15. Oktober gestellt werden, hieß es gestern.
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06.10.2004
Land Brandenburg: Engagement der Banken im Land
sinkt auffällig
Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns kritisiert das
sinkende Engagement der Großbanken im Geschäftsleben Brandenburgs. Er sprach von
einem "erhöhten Ertrags- und Risikobewusstsein" der Kreditinstitute.
Es sei "auffällig" und betreffe fast alle Wirtschaftszweige und Branchen, sagte
der Minister auf eine entsprechende Nachfrage. Er verfüge über zahlreiche
Hinweise, wonach es Existenzgründern und Unternehmern "häufig außerordentlich
schwer fällt 'frisches Geld' zu beschaffen" oder auch nur bestehende
Kreditlinien aufrechtzuerhalten. Es dränge sich der Eindruck auf, dass eine
gebotene Einzefallprüfung in Branchen mit hohem Insolvenzrisiko vernachlässigt
wird. Unter anderem die lang anhaltende Stagnation sowie strukturelle Probleme
in Brandenburg haben Junghanns zufolge eine Konstellation erzeugt, "die
vollständig nur durch mehr Wirtschaftswachstum in Deutschland aufzulösen
geeignet wäre". Einzige Ausnahme von diesem Trend seien die Bereiche Verkehr,
Nachrichtenübermittlung und Ernährungsgewerbe. Ansonsten betreffe der Rückgang
des Kreditvolumens "fast alle ausgewiesenen Wirtschaftszweige und Branchen".
Laut Junghanns lässt sich ebenfalls beobachten, dass bei der Kreditvergabe von
Geschäftsbanken für Stadtumbau-Städte eine größere Zurückhaltung an den Tag
gelegt wird. Schon vor anderthalb Jahren hatte der damalige Bauminister Hartmut
Meyer kritisiert, das Verhalten von Banken behindere den notwendigen Abriss von
leerstehenden Wohngebäuden in Brandenburg. Der Abriss sei erforderlich, doch
gestalte sich die Einbeziehung der Banken dabei als "schwierig".
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05.10.2004
Aschersleben: Pfeilergraben auf Wunschliste
Die Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft (AGW)
will im kommenden Jahr 4,5 Millionen Euro in die Sanierung von Wohnraum stecken.
So steht es im Wirtschaftsplan, den der Aufsichtsrat jetzt beschlossen hat. Wenn
die beantragten Fördermittel für den Stadtumbau Ost so bewilligt werden wie
erhofft, könnte sich die Summe auf 5,9 Millionen Euro erhöhen.
"Das ist schon ein ganz schönes Paket", findet Geschäftsführer Wolfgang Adam,
der ein wenig stolz darauf ist, dass das Unternehmen bereits das vierte Jahr
ohne Darlehen auskommt. "Deshalb hatten wir in den Jahren 2002 und 2003 einen
leichten Rückgang bei den Investitionen. Jetzt wird es wieder mehr, weil uns die
Fördermittel aus dem Stadtumbauprogramm etwas mehr Spielraum geben", begründet
er die Entwicklung.
In diesem Jahr abgelehnt wurde eine halbe Million Euro für Aufwertungsmaßnahmen
im Pfeilergraben. Das Projekt für die Neugestaltung von Straßen, Gehwegen und
Grünflächen im Wohngebiet liegt bereits seit einiger Zeit in der Schublade, und
sowie das Geld bewilligt ist, könnte die Verschönerungskur für das noch ganz gut
angenommene Wohngebiet losgehen. "Der Pfeilergraben steht nun wieder auf unserer
Wunschliste für 2005", will Adam nicht aufgeben. Komplexe Sanierungen sind in
zwei Wohnblöcken im "Kosmonautenviertel" geplant. Auch auf der Alten Burg und in
der Dammköhlerstraße werden Wohnungen saniert und modernisiert. 1,5 Millionen
Euro sollen allein für Instandhaltungsarbeiten aufgewendet werden.
Ausstehende Mieten gehören zu den leidigen Problemen der Wohnungsgesellschaft.
"Wir wissen, dass viele Mieter Probleme haben, weil die Arbeitgeber unregelmäßig
zahlen", so Adam, der im Interesse seines Unternehmens trotzdem dran bleibt an
den ausstehenden Forderungen. Dennoch musste die Wohnungsgesellschaft im
vergangenen Jahr 45 000 Euro abschreiben. Ende 2003 hatten sich insgesamt 300
000 Euro Mietschulden angesammelt, davon stammen 200 000 Euro von ehemaligen
Mietern der AGW.
Ein Schwerpunkt des kommenden Jahres werde es sein, den Leerstand von gut 20
Prozent abzubauen. Zwar wurden in den vergangenen drei Jahren bereits rund 300
Wohnungen "vom Markt genommen" - der Leerstand verringert sich wegen des immer
noch anhaltenden Bevölkerungsrückgangs trotzdem nicht wesentlich. Der
Aufsichtsrat habe deshalb beschlossen, in diesem Jahr noch einmal 280 Wohnungen
abzureißen
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04.10.2004
Cottbus: Schrumpft auf 87.100 Einwohner
Nach einer neuen Bevölkerungs-Prognose wird Cottbus im
Jahr 2020 nur noch 87.100 Einwohner haben. Das sind 700 mehr als in den bislang
bis 2015 prognostizierten Werten. Die neuen Zahlen werden den Stadtverordneten –
beginnend in dieser Woche – in den Sitzungen der Ausschüsse präsentiert. Die
städtische Prognose liegt damit noch immer weit unter der vom Land
vorhergesagten Bevölkerungszahl für Cottbus. Das Land sagt für 2020 etwa 95.400
Einwohner für Cottbus voraus. Dieses Szenario stützen die Cottbuser Statistiker
mit einer trendgleichen Prognose von etwa 94.900 Bewohnern – allerdings
kritisieren sie: Diese Variante lege lediglich die "natürliche
Bevölkerungsentwicklung" zu Grunde. Wanderungen, also Zu- und vor allem Wegzüge,
sind nicht berücksichtigt – gerade Wegzüge waren in den letzten Jahren der
Aderlass für die Stadt. Cottbus werde jedoch, so heißt es in dem der RUNDSCHAU
vorliegenden Papier, allein durch Überalterung schrumpfen. "Bereits seit 1991
werden in Cottbus weniger Kinder geboren als Menschen sterben." Hinzu komme,
dass seit Jahren mehr Leute aus Cottbus wegziehen, als sich in der Stadt
niederlassen. Die Zahl derer, die der Arbeit vor allem nach Bayern oder
Nordrhein-Westfalen folgen, über steigt noch immer die der nach Cottbus
ziehenden Menschen, vor allem Studenten. Dieser Trend schwäche sich zwar ab,
werde sich aber – im Gegensatz zur Landes-Prognose – nicht umkehren in
"Wanderungsgewinne". Mit den Wegzügen verlassen immer mehr junge Familien, damit
auch (potenzielle) Mütter die Stadt. Die Zahlen der Statistiker dazu klingen
zwar eher putzig, machen aber das Problem mehr als deutlich. So seien 2,1 Kinder
pro Frau nötig, um die Elterngeneration zu ersetzen. Der tatsächliche
Durchschnitt im Bundesgebiet liegt bei 1,37 Kindern. Cottbus hatte den Tiefpunkt
1994 mit gerade 0,67 Geburten pro Frau. Danach steigerte sich die Geburtenrate
wieder etwas und schwankt derzeit um 1,1 Kind pro Frau – zu wenig, um die
altersbedingten Sterbefälle auszugleichen. Anhand fehlender Geburten und
weiterem Wegzug in den bisher bekannten Größenordnungen haben die Prognostiker
auch eine Negativ-Variante aufgestellt: Danach würde die Stadt bis 2020 nochmals
etwa 30.000 Einwohner verlieren und bei 72.300 landen. Die künftige
Einwohnerzahl hat nicht nur Auswirkungen auf die Zuschüsse vom Land, sondern
liegt auch allen städtischen Planungen zu Grunde. So muss sich die Schul-Planung
ebenso an der Prognose orientieren wie die mit dem Stadtumbau verbundenen
Wohnungsabrisse und Sanierungsprojekte. Als Grundsatz gilt dabei, dass die Stadt
von außen nach innen schrumpft. Das erfordere die Stärkung des Stadtkerns und
der unmittelbar angrenzenden Stadtteile. Die Stadtverwaltung geht dabei davon
aus, dass städtische Funktionen wie Versorgung, Dienstleistungen, Bildung oder
Kultur vor allem in der Innenstadt gefragt sein werden – auch durch stärkeren
Zuzug aus dem Umland in die Stadt. Cottbus müsse sich so als Zentrum der Region
profilieren.
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04.10.2004
Duisburg: Familienhilfe im Dichterviertel
Seit Beginn des Jahres arbeiten die Stadt Duisburg und die
Rhein Lippe Wohnen GmbH eng zusammen, um im Dichterviertel in Hamborn die
Lebensverhältnisse der rund 1800 dort lebenden Familien zu stärken und zu
verbessern. Nun haben Stadt und Wohnungsunternehmen ihre Zusammenarbeit auch
formal besiegelt.
Geschäftsführer Dr. Dieter Körner und Prokurist Klaus Otte von der Rhein Lippe
Wohnen GmbH sowie Beigeordneter Jürgen Dressler und Reinhard Luderer als Leiter
des Amtes für Soziales und Wohnen unterzeichneten jetzt einen
Kooperationsvertrag. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Handlungsstrategien
zur sozialen Stabilisierung in einem Wohnviertel, das trotz umfassender
Modernisierungen einschließlich der für diese ehemalige Arbeitersiedlung
typischen Innenhöfe immer noch überproportional hohe Leerstände aufweist und mit
sozialen Konflikten zu kämpfen hat.
Zunächst befristet auf drei Jahre wollen das Amt für Stadtentwicklung und
Projektmanagement sowie das Amt für Soziales und Wohnen gemeinsam mit der Rhein
Lippe Wohnen ein "Quartiersmanagement" aufbauen. Dabei soll es vor allen Dingen
darum gehen, ein soziales Netzwerk all der Gruppierungen zu knüpfen, die sich
bereits heute im Dichterviertel engagieren. "Nur wenn wir es schaffen, gemeinsam
Wege zu finden, aufeinander zuzugehen und die Menschen in der Bewältigung ihres
Alltags zu stützen, können wir auf Dauer das Leben im Duisburger Norden
attraktiv halten", betonte Beigeordneter Jürgen Dressler. Die Stadt Duisburg
verstehe ihr Engagement von daher auch als einen wichtigen Baustein des
gesamtstädtischen Prozesses zum Stadtumbau. Ein weiteres Projekt ist ein
gemeinsames Konzept zur Mietrückstandsbekämpfung.
www.waz.de
02.10.2004
Land Brandenburg: Geld nur noch für wichtige
Straßen
Die künftige SPD-CDU-Regierung will eine gemeinsame
Verkehrsplanungsbehörde mit Berlin einrichten. Vorbild ist die gemeinsame
Landesplanungsabteilung, die bereits seit 1996 erfolgreich arbeitet.
In dem Koalitionspapier wird der Vorschlag für eine zweite Einrichtung dieser
Art mit «Defiziten» bei der Abstimmung der Verkehrsplanung begründet. Die
gemeinsame Planungsstelle soll «eine reibungslose und ausgewogene, den
Prioritätensetzungen in beiden Ländern entsprechende Planung sicherstellen» .
Der Koalitionsvertrag wird «bittere Wahrheiten» nicht aussparen. In den
Entwürfen heißt es zum Beispiel, dass die 5800 Kilometer Landesstraßen
«dauerhaft nicht finanzierbar» seien. Der «Landestraßenbedarfsplan» soll deshalb
mit dem Ziel überarbeitet werden, Ausbaustandards zu senken und unbedeutende
Straßen von der Liste zu nehmen. Vor dem Hintergrund der Abwanderung vor allem
junger Menschen soll auch der Landesentwicklungsplan überarbeitet werden, um die
Zahl so genannter zentraler Orte zu senken, in die die Investitionen fließen.
Aus dem gleichen Grund sollen bis 2009 rund 50 000 Neubau-Wohnungen
«zurückgebaut» werden. Auch in Dörfern soll mit dem «Rückbau» begonnen werden,
um der «Entleerung von Ortskernen» vorzubeugen.
www.lr-online.de
01.10.2004
Abriss auf dem Dorf künftig unvermeidbar
Leere Fenster, eingeschlagene Scheiben, verwahrloste
Vorgärten zeigen es: Der Wohnungsleerstand hat auch viele Dörfer der Uckermark
erreicht. Die Bevölkerungsabwanderung hinterlässt ihre Spuren nicht nur in den
Städten. Welche Auswirkungen das auf die Wohnungswirtschaft des ländlichen
Raumes hat, wollten Studenten der Technischen Universität Berlin am Beispiel der
Ämter Gartz und Oder-Welse darstellen.
Entstanden ist ein wohnungspolitisches und wohnungswirtschaftliches Konzept,
welches die beiden Amtsdirektoren gestern bei der Präsentation in Pinnow dankend
in Empfang nahmen. Das einjährige Studienprojekt der 16 Studenten für Stadt- und
Regionalplanung richtete sich vor allem an die beiden kommunalen
Wohnungsunternehmen der Amtsbereiche. Nur durch die Sicherung ihres
Fortbestandes seien Lenkungsmechanismen in der Zukunft möglich, hieß es in der
Einleitung.
Das Studienprojekt hatte sich im weitläufigen Raum zwischen Gartz und Schöneberg
Einiges vorgenommen. Erstes Fazit: Die Bereiche Oder-Welse und Gartz sind gerade
hinsichtlich ihres Wohnungsbestandes stark verschieden. Während das Gebiet
zwischen Angermünde und Schwedt in der jüngsten Vergangenheit vom Zuzug aus den
Städten profitierte und sich damit auch die vorhandene Substanz an Wohnraum
wesentlich verbesserte, sieht das im Nordbereich des Altkreises Angermünde
deutlich schwieriger aus. Der Leerstand von mehr als 16 Prozent zwingt
inzwischen zum Handeln.
Bis zum Jahre 2020 errechneten die Studenten einen Wohnungsüberhang für das
gesamte Umland. Zugrunde lagen dem die statistischen Erhebungen des Landes
Brandenburg, aber auch Zuarbeiten aus den beiden Amtsverwaltungen in Gartz und
Pinnow. Um sich ein konkretes Bild über die Situation vor Ort machen zu können,
wurde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, an der auch Bürgermeister und
Wohnungsunternehmen beteiligt waren.
Neben der schwierigen Lage, in der sich die Dörfer befinden, machen sich auch
hier Bevölkerungsschwund und demografische Besonderheiten bemerkbar. Hinzu kommt
der schwierige Bestand an Wohnraum, der von frisch sanierten Häusern bis hin zu
äußerst schlechter Bausubstanz in abgeschiedener Lage reicht. "Abriss wird sich
nicht vermeiden lassen", so eine der Kernaussagen des Konzeptes. Man habe zwar
noch Zeit gegenzusteuern, dürfe aber den "richtigen Moment" nicht verpassen. Als
Lenkungsmechanismen für eine künftige Wohnungspolitik nannte das Projekt
veränderte Wohnungsgrundrisse, Umnutzung, Modernisierung und altersgerechte
Umbauten, Verkauf oder gar Stilllegung von Häusern. Wie weit die Schere auf dem
Lande auseinanderklafft, zeigen die Beispiele Woltersdorf mit 51 Prozent
Leerstand und Pinnow mit lediglich 2,9 Prozent.
www.moz.de
01.10.2004
Dessau: Keine bunten Bilder mehr
Nicht nur Jacqueline Lohde war zufrieden. Endlich keine
schönen, bunten Bilder mehr, lobte die Frau. Statt dessen hatte sie, wie ihre
Kollegen von den anderen Fraktionen im Bauausschuss, einen Stapel Papier mit
viel Text vor sich liegen: das "Strategische Stadtumbaukonzept" für die
Heidestraße, Ergebnis der Planungswerkstatt, in der sich Fachleute und Bürger
mit dem Thema befassten.
Man ist in der Tat in der Realität angekommen. Vorbei die Zeiten, als man
Giraffen durch die Stadt laufen lassen wollte und kilometerlange Skaterstrecken
vorschlug, um die Abrisslücken in der Stadt zu füllen. Jetzt geht es darum, aus
der Not eine Tugend zu machen. Wenn schon kein Geld vorhanden ist für eine
intensive Landschaftsgestaltung, dann sollte wenigstens die Schönheit einer sich
selbst entfaltenden Landschaft herausgestrichen werden, in der Kräuter und
Unkräuter gedeihen, die nur an den Rändern gemäht werden und in die hin und
wieder Gruppen von Eichenbäumen gepflanzt werden. "Wir müssen", so Thomas Stein
von der IBA Stadtumbau, "den Zugewinn deutlich machen, statt die Verluste zu
beklagen."
Diese Zugewinne dürften sich aber nur einstellen, wenn tatsächlich der
Stadtumbau grundsätzlich anders organisiert wird als bisher. Die
Planungswerkstatt, die sich mit den verschiedensten Aspekten von Kanalisation
bis zum Umzugsmanagement beschäftigte, läuft aus, war lediglich ein Versuch, der
nun in dauerhafte Strukturen überführt werden muss, wie das Konzept immer wieder
betont. Dies ist umso notwendiger, als inzwischen klar ist: die Verkleinerung
der Stadt braucht einen langen Atem.
Auffällig ist, dass man inzwischen nicht nur weit pragmatischer mit dem Thema
umgeht als noch vor zwei Jahren - die Geldknappheit zwingt letztlich dazu - auch
die Skepsis ist gewachsen, dass sich die Schrumpfung tatsächlich bis in alle
Details steuern lässt, schon weil ungewiss ist, welche Eigentümer sich überhaupt
dazu bewegen lassen, überflüssige Immobilien abzureißen. Deshalb versucht man
jetzt, sich mit "Was-wäre-wenn"-Szenarien besser zu wappnen.
Außerdem betont das flexible Konzept stärker als bisher die Rolle der "Kerne",
also jener innerstädtischen Quartiere, die nicht abgerissen werden sollen. Um
ein völliges Auseinanderfallen der Stadt zu verhindern, sollen sie gestärkt
werden. Als mittelfristig gefährdet wird zum Beispiel die südliche Innenstadt
angesehen: eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit und Überalterung auf
der einen Seite und ein nahezu gleichförmiger Wohnungsbestand sowie fehlende
öffentliche Einrichtungen ergeben hier eine überaus kritische Melange.
www.mz-web.de
01.10.2004
Weida: Hoffnung zerplatzt auf baldigen Umzug der
Weidaer Großfamilie
Die Finanzmisere des Landes hat auch in Weida schlimme
Folgen. Für die neunköpfige Familie, die schon sehnsüchtig auf die Sanierung des
Wohnhauses am Platz der Freiheit 10/11 wartet, scheint der erhoffte Umzug
vorerst geplatzt. "Wir mussten das Vorhaben abbrechen", bedauert Lutz Stiehler
Bauamtsleiter. Im September sollte die Ausschreibung erfolgen. Die Arbeiten an
Fassade, Fenster und Dach sollten in diesem Jahr beginnen. Das wurde gestoppt.
Zwei Wohnungen sollten zusammengelegt werden, damit die Weidaer Großfamilie
endlich genügend Platz hätte. Doch auch, dass sie dem Paten eines ihrer Kinder,
Ministerpräsidenten Dieter Althaus, schon eindringlich ihre Wohnungsnot
schilderten, half nichts. "Bis heute stehen uns keine Mittel für die
Stadtebauförderung 2004 zur Verfügung", erklärte Stiehler. Bittere Ironie ist,
dass der ursprünglich für dieses Jahr geplante Ausbau des Grochwitzer Weges zu
Gunsten der Wohnungsmodernisierung am Platz der Freiheit 10/11 gestrichen worden
war. Andere Maßnahmen aus der Städtebauförderung hatte die Stadt vorfinanziert,
wie den Abriss der Gräfenbrücker Straße 2.
Insgesamt sollten 645 000 Euro aus Mitteln von Bund, Land, Stadt aufgewendet
werden. So ganz ohne Förderung nur aus dem Stadtsäckel wären die Maßnahmen gar
nicht umsetzbar, meint zurecht der Bauamtsleiter. Alles könne die Stadt eben
auch nicht bezahlen. "An der ausbleibenden Förderung kranken nicht nur wichtige
Baumaßnahmen in der Stadt, sondern auch die Situation der mittelständischen
Betriebe", betonte Stiehler. Immerhin sollten bis zu 16 Lose ausgeschrieben
werden für die aufwändige Sanierung des Hauses Platz der Freiheit 10/11 als
sozialen Wohnungsbau. Aufträge wären mit Sicherheit an hiesige Unternehmen
gegangen, die nun ausbleiben auf unbestimmte Zeit. Das Ministerium verweist nur
darauf, dass keine Gelder vom Bund vorhanden sind. Genau wie in anderen Städten
bleibt in der Wiege des Vogtlandes nur die Hoffnung.Dennoch ging der Weidaer
Stadtrat optimistisch in die Planung des nächsten Jahres. Für den Stadtumbau Ost
werden rund 238 000 Euro für das Jahr 2005 beantragt, 119 000 Euro will die
Stadt selbst tragen. Dann sollen die Aumaer Str. 5, die Wallstraße 3/5, und die
Schloßstraße 9 der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die Zimmerstraße 2 und 4 wird
schon jetzt abgerissen - das machen die Weidaer selber.
www.tlz.de