Newsticker Archiv September 2003
30.09.2003
Finanzreform in Gemeinden
vernachlässigt demographische Entwicklung
Der Naturschutzbund NABU hat Bund und Länder aufgefordert, bei der
Gemeindefinanzreform die Konsequenzen des demografischen Wandels zu
berücksichtigen. Die Diskussion dürfe nicht länger mit überholten Konzepten
geführt werden, die immer noch vom Prinzip Zuwachs bei Städten und Gemeinden
geprägt seien, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Einwohnerrückgang und die
abzusehenden Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur müssten in die aktuelle
Diskussion einbezogen werden. Regionale Abwanderung, Leerstand ganzer
Stadtviertel, Wohnungsabriss und ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr seien
nur einige der drohenden Folgen, denen dringend mit einer umfassenden und
nachhaltigen Finanzreform entgegnet werden müsse.
"Einige Kommunen in Ostdeutschland stehen schon heute vor den Problemen, die
ohne ein grundsätzliches Umsteuern für alle Gemeinden Realität werden können",
so Tschimpke.
Je weiter durch die andauernde Zersiedlung Wohnen, Arbeiten, Versorgungs- und
öffentliche Einrichtungen voneinander entfernt lägen, umso mehr würden private
und öffentliche Aufwendungen einschließlich der sozialen Kosten steigen. Der
Verband fordert daher, nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit mehr Anreize für
die Entwicklung funktionierender und lebenswerter Städte und Gemeinden zu
bieten. "Wer heute - durch die Steuerpolitik dazu ermutigt - in
Gemeinde-Randzonen einen Neubau errichtet, muss überproportional steigende
Betriebs- und Lebenshaltungskosten einplanen und angesichts langfristig
schrumpfender Gemeinden auch einen
finanziellen Verlust beim Verkauf einkalkulieren.", so Tschimpke. Der
aussichtslose Wettbewerb um Gewerbe- und Einkommensteuern habe die Gemeinden auf
einen völlig unzeitgemäßen Expansionskurs geführt. Statt in die Innenentwicklung
zu investieren, würden Millionenbeträge für die Bereitstellung von Bauland
verausgabt.
"Die mit diesem System flüchtig gewonnenen Arbeitsplätze gehen meist woanders
verloren und die so vorangetriebene Zersiedelung mit zunehmenden Leerstand macht
den Standort Deutschland alles andere als attraktiv.", so Tschimpke. Mit Blick
auf die Entwicklung von Grünflächen und Natur im Siedlungsraum warnte er davor,
die kommunale Unterstützung freiwilliger Leistungen zu kürzen. "Nur mit der
Förderung ehrenamtlicher Arbeit konnte vielerorts eine sonst nicht zu bezahlende
regionale Identität bewahrt werden.", so Tschimpke abschließend.
www.ngo-online.de
30.09.2003
Jena: Obdachlosigkeit wird zunehmen
Diese Meinung vertraten gestern die
Teilnehmer einer Podiumsdiskussion des Imaginata-Vereins in der Messwarte des
Umspannwerkes in der Löbstedter Straße. Verglichen mit Zahlen aus anderen
Städten, nehmen sich die in Jena offiziell registrierten 36 Obdachlosen gering
aus. Die Partnerstadt Erlangen hat (trotz nur halb so hoher Arbeitslosigkeit)
469 Menschen ohne Obdach. "Diese vermeintlich ´besseren´ Zahlen täuschen", sagte
der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Lakemann von der FH Jena. Höherer
Wohnungsleerstand und ein Angebot an unsaniertem, sehr preisgünstigem Wohnraum
hätten das Problem bislang verzögert. Da sich aber auch städtische Unternehmen
wie die SWVG dem Markt stellen und Wohnungen abreißen müssen, komme es zu einer
Verknappung von billigem Wohnraum.
Sabine Werth, Gründerin der Berliner Tafel, sieht die Ursachen für
unterschiedlich hohe Obdachlosenzahlen im Unterschied zwischen Großstädten und
ländlichen Gegenden. "In das anonyme Berlin kommen Obdachlose aus dem Umland."
Zu Wort meldete sich auch ein Betroffener. Der nach einem Unfall arbeitslos
gewordene 44-Jährige sei wohnungslos, aber nicht als solcher registriert, weil
er bei einem Kumpel lebe. So werde die Statistik geschönt. Das Jenaer
Obdachlosen-Asyl sei für ihn wie ein Gefängnis gewesen und böte keine Lösung für
die Probleme.
Lösungen versuchen Ralf Kleist vom Verein "Ein Dach für alle", Michael
Baumgarten von der Jenaer Tafel und Sozialarbeiterin Renate Wippich von der SWVG
anzubieten. "Was fehlt", so Baumgarten, "ist eine Vernetzung, um Menschen schon
vor der Zwangsräumung aufzufangen." Mietschulden sind in allen Fällen der Anfang
vom Ende. Dr. Matias Mieth, Ex-Sozialdezernent, forderte die Vereine auf, sich
personell im Stadtrat und als sachkundige Bürger im Sozialausschuss
einzubringen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. "Viele Stadtäte sitzen
seit 1990 im Ausschuss und sind einfach ausgebrannt", meinte Mieth.
www.otz.de
30.09.2003
Löbau: Vandalismus nimmt zu
Das Ebersbacher Wohnungsunternehmen (EWU) hat noch zwei der zum
Abriss vorgesehenen Wohnblöcke niederzulegen. Die beiden Eckblocks in der
Sachsenstraße sollen in diesem Jahr noch fallen.
Fallen wird dann auch noch ein ganz anderer Stein, und zwar vom Herzen des
EWU-Geschäftsführers Jürgen Wurm. „Meine Befürchtungen sind leider
eingetroffen“, erklärt er. „Die Zerstörungen in den leer geräumten Gebäuden
haben noch zugenommen. Ich bin froh, wenn das einmal ein Ende hat.“
Mit Pflastersteinen wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Es wurden Eingangs-
und Innentüren eingetreten, über die Balkons eingedrungen und Resteinrichtungen
demoliert. Selbst Müllboxen wurden angezündet, zählt der EWU-Chef auf. Dabei
habe es an Mahnungen nicht gemangelt, betont Jürgen Wurm. Auch die Anwohner
hätten auf Übergriffe und Lärmbelästigungen aufmerksam gemacht. Die Täter seien
jedoch nur schwer zu packen. Allzu sehr sollten sie sich jedoch nicht in
Sicherheit wiegen. Es gäbe Anhaltspunkte, lässt der Geschäftsführer wissen.
Der Abriss der letzten beiden Blöcke wird voraussichtlich Mitte oder Ende
November beginnen. Nach wie vor, unterstreicht Wurm, ist es verboten, die
Absperrungen zu übertreten. In den Gebäuden besteht Einsturzgefahr. Der
Parkplatz im rechtwinkligen Innenhof ist nicht mehr zu benutzen. Zum Parken sind
jetzt genug Freiflächen da, so dass niemand sein Fahrzeug in der Nähe des
Abrissgeländes abzustellen braucht.
Die Anwohner, vor allem in der Thüringer Straße, werden auch in den nächsten
Monaten gleichsam Tür an Tür mit den Arbeiten leben müssen. So soll auf der
Thüringer Straße, über die der Abtransport des Abrissmaterials erfolgt, nur auf
einer Seite geparkt werden. Dazu wird diese Seite auch abgesperrt. Der
Geschäftsführer dankt dafür schon jetzt der Anwohnern für ihr Verständnis und
die nötige Vorsicht.
www.sz-online.de
30.09.2003
Apolda: Stadt der kurzen Wege ist Ziel der Planer
Das Neubaugebiet an der Paul-Schneider-Straße wird
mit Ausnahme des Seniorenheimes über kurz oder lang der Abrissbirne zum Opfer
fallen müssen. Das ist eine der Aussagen der Stadtentwicklungs-Konzeption für
2003, die der Apoldaer Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung verabschiedete.
Wie Karsten Lehmann, Planer beim beauftragten Berliner Büros Firu, sagte, hat
Apolda auch mittelfristig dasselbe Problem wie alle deutschen Klein- und
Mittelstädte - einen extremen Einwohnerschwund. So verlor die Stadt allein von
1996 bis 2002 knapp zehn Prozent ihrer Einwohner. Diese Tendenz ist steigend.
Ohne Expansionsbestrebungen gelte es jetzt, bei der Planung von außen nach innen
vorzugehen, um die Stadt künftig nicht weiter zu zersiedeln.
Der komplexe Rückbau an der Peripherie schließe dabei nach Abstimmung mit der
Stadtverwaltung nicht nur die Paul-Schneider-Straße ein. Auch im
Ernst-Thälmann-Ring müssen in einem zweiten Schritt einzelne Blöcke weichen. Der
Grund: Wenn "nur" 800 Wohnungen abgerissen werden, dann wird der
Wohnungsleerstand von 12,9 Prozent (2000) über 17,3 Prozent im Jahr 2005 bis auf
25 Prozent im Jahr 2020 ansteigen.
Mit der Ausweisung der Bahnhofsvorstadt als Sanierungsgebiet sei der
Innenstadtbereich annähernd geschlossen. "Die bewusste Konzentration auf den
Kernbestand", so Lehmann, "dessen Aufwertung sowie ein gesteuerter
Schrumpfungsprozess von außen nach innen unterstützt die ´Stadt der kurzen
Wege´." Dem stehen die Gewerbegebiete zurzeit "rein stadtplanerisch" entgegen,
weil sie wieder zergliedern was man beim Wohnungsbau mit mehr Kompaktheit
versucht. Darauf, so die Firu-Empfehlung, solle die Stadt bei künftigen
Erschließungen achten.
www.thueringer-allgemeine.de
30.09.2003
Sebnitz: Zuschuss erst im Oktober
An die zwei Millionen Euro stehen Sebnitz bis 2006
aus dem Stadtumbau Ost-Programm zu. Die Summe gliedert sich in zwei Bereich auf.
Für den Programmteil Abriss sollen 862 820 Euro kommen und für den Teil
Aufwertung 1,2 Millionen Euro.
Das Rathaus rechnete für September mit der Bewilligung der Fördermittel. Wer auf
die Zuschüsse hofft, muss sich noch einige Wochen gedulden. Es liegt lediglich
eine Ankündigung vor, dass die Fördermittel auch kommen. Der neueste Termin
heißt Oktober. „Die Reihenfolge der Realisierung der Vorhaben wird durch die
Reihenfolge der Antragstellung und durch die Aktivitäten der Eigentümer
bestimmt“, so der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh zu den weiteren
Modalitäten. Konkret heißt das, wer schon vor einiger Zeit seinen Antrag
gestellt und das notwendige Eigenkapital zusammen hat, könnte bald beginnen.
Voraussetzungen sind aber auch die Genehmigung durch die Sächsische Aufbaubank
und der Vertragsabschluss mit der Stadt, da die ja immerhin ein Drittel des
Gesamtetats aus dem eigenen Haushalt bezahlen muss. So hält das Rathaus in
diesem Jahr noch 10 000 Euro für das Programm vor. Für nächstes Jahr sind dafür
im städtischen Haushalt 378 000 Euro eingeplant.
Allerdings entscheidet nicht nur, wer am schnellsten mit dem Antrag war. Zuerst,
so der Sebnitzer Stadtchef, sollen die Vorhaben aus dem Programmteil Rückbau
realisiert werden. Da sollen vor allem ungenutzte Wohngebäude fallen, die nicht
mehr benötigt werden und deren Sanierung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar
ist. Welche Gebäude zuerst dran sind, steht noch nicht fest. Haus- und
Grundstückseigentümer, die jetzt noch Investitionen planen, können sich aber
noch bei der Stadtverwaltung Sebnitz melden.
www.sz-online.de
30.09.2003
Frankfurt: Nahverkehrsplan bis 2010 wird
vorbereitet
Der Nahverkehrsbeirat, dem u. a. Vertreter von IHK, Behindertenverband,
Funktaxi, Deutscher Bahn, Stadtverwaltung und Stadtverkehr angehören, will mit
einem Workshop den Auftakt für die Erarbeitung des Nahverkehrsplanes 2005 bis
2010 geben, der 2004 verabschiedet werden soll. Für die Erarbeitung des
Nahverkehrs-Planes wurde eine extra Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung und
Stadtverkehr gebildet.
Wichtig ist dieser Plan vor allem deshalb, weil der Stadtumbau nicht spurlos am
Nahverkehr vorbeigeht. Wohngebiete, die heute noch per Straßenbahn erreicht
werden können, gibt es möglicherweise in ein paar Jahren nicht mehr und wird die
Linie damit überflüssig. Geklärt werden soll innerhalb des Workshops aber auch
in drei nachfolgenden Tagungen, inwieweit möglicherweise eine Verbindung nach
Slubice den Stadtverkehr Frankfurt stärken könnte oder ob nicht umgekehrt diese
Kombination keine Zukunft hat.
Unabhängig davon erfolgt jetzt eine Umfrage unter den Frankfurtern. "Wir wollen
wissen, welche Wünsche unsere Kunden haben. Nur wenn wir diese kennen, können
wir auch darauf reagieren", so Stadtverkehrs-Geschäftsführer Michael Ebermann.
Deshalb ist der Stadtverkehr am heutigen Sonnabend von 10 bis 14 Uhr auf dem
Dresdener Platz mit einem Stand vertreten. Kurze Fragebögen werden verteilt, in
denen sich die Kunden u. a. zu Umsteigemöglichkeiten, Preis und Leistung,
Taktzeiten und Pünktlichkeit äußern sollen. Der Infostand wird am Montag von 14
bis 16 Uhr noch einmal am Bahnhofsvorplatz aufgebaut.
www.moz.de
26.09.2003
Großenhain : Alte Stadtmitte zurückgewonnen
Das kleine Großenhain hat sich gegen Städte wie
München, Darmstadt und Berlin durchgesetzt. Bei der Verleihung des diesjährigen
Deutschen Städtebaupreises konnten die Großenhainer den zweiten Preis in Empfang
nehmen.
Eigentlich wollte Stadtbaudirektor Tilo Hönicke gar nicht nach Darmstadt fahren.
Unter 105 Städten, die sich mit ihren originellsten städtebaulichen Konzepten um
den renommierten Architektur-Preis beworben hatten, landete die Stadt immerhin
unter den besten zwölf. Fünf waren schließlich nach den Vorortterminen der
Fachjury noch im Rennen: München, Leinefelde im Eichsfeld, Darmstadt, Berlin und
Großenhain. „Wir haben nie erwartet so weit zu kommen. Für die Endrunde haben
wir uns ehrlich gesagt keine Hoffnungen mehr gemacht“, gibt Hönicke gern zu.
Neben den klangvollen Namen der Großstädte schien es kein Bestehen zu geben.
Wozu also ein ganzes Wochenende nach Darmstadt reisen? Aber die Juroren
bestanden auf der Teilnahme. Am Ende kamen die beiden Kleinen ganz groß heraus.
Großenhain erhielt für sein Landesgartenschau-Konzept „Röderaue mit
Kulturschloss“ den zweiten Preis und damit die besondere Anerkennung beim
diesjährigen Deutschen Städtebaupreis. Sieger wurde Leinefelde mit einer
Umsetzung des „Stadtumbau Ost“. Architekt Jörg Springer und Landschaftsarchitekt
Jürgen Weidinger zeigten sich von dieser Auszeichnung genauso überrascht, wie
die Stadtväter selbst. „Das ist bemerkenswert für solch ein
Gartenschau-Projekt“, sagt Jörg Springer. Darüber habe er sich sehr gefreut und
sei ebenso verwundert gewesen. Nur durch die Landesgartenschau sei es überhaupt
möglich gewesen, in so kurzer Zeit ein zusammenhängendes, schlüssiges Projekt
umzusetzen. Offenbar sind Architekten zunehmend auf solche „Events“ angewiesen,
um eine durchgängige Gestaltung zu entwickeln. „Ganz wichtig war aber, dass uns
die Stadt hat machen lassen“, betont der Berliner Architekt. Und erinnert
zugleich an den Mann, der das Potenzial Röderaue von Anfang an gesehen hat:
Matthias Schmieder.
Bemerkenswert fand die Jury um Professor Braum, dass Großenhain in so kurzer
Zeit ein so großes und zentrales Areal bestehend aus ehemaliger Industriefläche,
Auenlandschaft, Bad und früherer Ruine als Stadtmitte für die Bürger
zurückgewonnen hat. Damit ist es gelungen, die schön sanierte Altstadt
landschaftlich mit einem historischen Gründungsort und den wichtigsten
Wohngebieten zu verbinden. Zugleich hat die Stadt einen neuen kulturellen
Mittelpunkt geschaffen. Die Juroren würdigten das Konzept deshalb als
innovativen Beitrag für eine städtebauliche Strategie zur Gestaltung der
schrumpfenden Städte.
www.sz-online.de
26.09.2003
Nüncheritz: Leerstand zwingt zu Häuserabriss
Zunehmender Wohnungsleerstand macht auch um
Nünchritz keinen Bogen. Das Zauberwort soll hier wie in vielen anderen Kommunen
„Stadtumbau Ost“ heißen. 175 Wohnungen werden damit in den nächsten Jahren
wahrscheinlich abgerissen.
Nun erwischt es also auch den Chemiestandort. Und das, so weiß Bürgermeister Udo
Schmidt, wird für die Gemeinde eine ziemlich harte Nuss. Denn: „Die meisten
Leute wollen in ihren Wohnungen bleiben“, sagt Schmidt. Und er hat Verständnis
dafür, freut sich sogar darüber.
Doch knallharte Fakten in der Kommune sprechen eine klare Sprache. Rund 20
Prozent der Wohnungen im Bestand der Nünchritzer Wohnungsgesellschaft (WGN)
stehen leer – das sind rund 200. Deshalb hat die Gemeinde jetzt ein so genanntes
integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet. Hintergrund: Nur damit besteht
die Chance, Fördermöglichkeiten beim Stadtumbau Ost abzufassen. Per
Gemeinderatsbeschluss wurden jetzt die Gebiete festgelegt, in denen Wohnungen
für den Abriss in Frage kommen: Am Ufer, Karl-Liebknecht-Ring,
Wilhelm-Pieck-Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Gartenstraße, am Schulzentrum
sowie Glaubitzer Straße, Karl-Marx-Straße, am Bahnhof. Rund 175 Wohnungen sind
dem Abriss gewidmet. Welche genau, ist noch nicht gänzlich klar. So viel steht
fest: Die ersten Häuser werden zu Jahresbeginn 2004 in der Gartenstraße fallen.
Die stehen allerdings im Prinzip schon komplett leer.
Gerade in den noch recht gut bewohnten Plattenbaugebieten in Nünchritz sieht der
Bürgermeister, dass „es Probleme geben wird“. Denn natürlich wollen viele Leute
bleiben. „Vor 2005 zieht keiner aus“, sagt Schmidt bestimmt. Betroffen seien
letztlich nur unsanierte Wohnungen, ergänzt WGN-Geschäftsführer Bernd Rieger.
Für seine Gesellschaft bringt das Programm zum Rückbau und zur Aufwertung der
Standorte neben der Förderung auch eine Menge Probleme. Die 175 Wohnungen seien
„gerade die Grenze, um das Unternehmen wirtschaftlich zu halten“.
Welche Blocks genau verschwinden werden, darüber ist noch Stillschweigen
vereinbart. „Wir wollen zuerst mit den betroffenen Leuten reden, und das
rechtzeitig“, begründet der Bürgermeister.
Auch wenn der Abriss etappenweise bis 2010 erfolgen wird, machen sich die
Nünchritzer natürlich schon Gedanken, was aus den dann freien Flächen wird. Das
Rathaus hat dazu vor einiger Zeit eine Haushaltsbefragung organisiert, deren
Ergebnisse in einer Arbeitsgruppe ausgewertet werden. Die hat bereits eine Art
Vorauswahl getroffen. „Am Ufer“ könnte demnach eine repräsentative und bislang
fehlende Rastfläche für Radfahrer entstehen. In den Plattenbaugebieten ist der
Wunsch nach zusätzlichen Parkplätzen unüberhörbar. Ebenso der nach mehr und
besserem altersgerechten Wohnraum.
Udo Schmidt freut sich vor allem, dass es viele Antworten bei der Umfrage gab.
„Die Leute haben uns nicht hängenlassen. Jetzt müssen wir zeigen, dass Abriss
und Aufwertung was Gutes für den Ort ist“, so das Gemeindeoberhaupt.
www.sz-online.de
26.09.2003
Königstein: verzichtet auf Fördermittel
Die Festungsstadt kürzt die geplanten Ausgaben im
Stadtumbauprogramm um etwa ein Drittel. Dramatische Ausfälle von
Gewerbesteuereinnahmen zwingen die Verwaltung zu solch drastischen Schritten,
heißt es. Der Erneuerungsprozess in der Innenstadt werde zwar am Laufen
gehalten, aber eben deutlich gebremst. So sollen 2003 fast 150 000 Euro weniger
für den Stadtumbau ausgegeben werden. Die Stadt würde dadurch auf fast 100 000
Euro Fördermittel verzichten. Der Stadtrat muss diesen Plänen der Verwaltung am
Montag noch zustimme
www.sz-online.de
24.09.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Jeder achten Wohnung droht Abriss
Die Folgen von Bevölkerungsschwund und
Nachwende-Bauboom schlagen massiv auf den Wohnungsmarkt durch. Der Verlust von
landesweit allein rund 77 000 Einwohnern in den letzten sieben Jahren sowie die
vor allem in den städtischen Speckgürteln aus dem Boden gestampften Baugebiete
sorgen inzwischen für einen Leerstand von mehr als 110 000 Wohnungen. Damit
stünden bereits 14 Prozent des Wohnungsbestandes ungenutzt herum, berichteten
die Experten des Pestel-Instituts auf einer Fachtagung des Verbandes
norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) in Travemünde bei Lübeck.
In der vom VNW in Auftrag gegebenen Studie "WohnWelt im Wandel" prognostizieren
die Hannoveraner Wissenschaftler für MV einen weiteren Bevölkerungsverlust von
sieben Prozent bis 2012. Als Konsequenz listete Autor Prof. Dr. Lothar Hübl für
die nächsten neun Jahre "einen Neubaubedarf von rund 25 000 Wohnungen sowie
einen notwendigen Rückbau von mindestens 100 000 Wohnungen" auf - weitestgehend
in unsanierten Plattenbauten."
Damit würde fast jede achte der landesweit 860 000 Wohneinheiten Opfer der
Abrissbirne. Das Bauministerium geht im Rahmen des Bundesförderprogramms
Stadtumbau Ost bisher lediglich von etwa 30 000 Rückbau-Wohnungen aus.
VNW-Chef Joachim Wege forderte vom Bund umso dringender eine Befreiung von
DDR-Altschulden für dauerhaft leerstehende oder abgerissene Wohnungen. Und zwar
für alle Unternehmen der Branche - nicht nur für jene mit existenzbedrohendem
Leerstand.
Bauminister Helmut Holter hielt dem Bund vor, das Problem auf die Länder
abzuwälzen und forderte eine stärkere Entlastung der Ost-Wohnungsgesellschaften.
Die eingeplante Hilfe von 658 Millionen Euro zur Tilgung alter Kredite reiche
nicht annähernd aus.
Als ebenso schwerwiegende Fehlentscheidung kritisierte der Minister die
anvisierte Streichung der Eigenheimzulage. "Das hätte verheerende Auswirkungen
auf die krisengeschüttelte Bauwirtschaft", warnte Holter. Zugleich würde die
Wohneigentumsbildung in den Ost-Ländern mit ihrem hohen Anteil an
einkommensschwächeren Haushalten weitgehend beendet und die Schere zur
Eigentumsquote West weiter geöffnet.
Als Alternative rief Holter zur Wohneigentumsförderung im Bestand und in den
Städten auf.
www.svz.de
24.09.2003
Pirna: WGP offeriert Pläne für Abriss auf Sonnenstein
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr platzte die
Bombe: Der WGP-Aufsichtsrat setzte Geschäftsführer Frieder Bahn vor die Tür. Er
hatte arge Bedenken wegen des geplanten Verkaufs einer Fläche fürs Krankenhaus
mitten im Wohngebiet Sonnenstein. Der große Komplex sollte nur 37 Meter vor die
Wohnblocks Remscheider Straße 22–27 gesetzt werden. Bahn wollte nicht
mitspielen. Da er schon vorher öfter mal der Quere geschossen war, handelte
Oberbürgermeister und WGP-Aufsichtsratschef Markus Ulbig und entließ Bahn.
Damit begann die öffentliche Abrissdebatte für die Blocks auf dem Sonnenstein.
Denn genau die Remscheider Straße 22–27, direkt vorm geplanten Krankenhaus, ist
einer der Abrisskandidaten. Zwar wird das Krankenhaus nach den öffentlichen
Protesten im Strömungsmaschinen-Gelände gebaut. Die Diskussion zum Abriss ist
aber bis heute nicht beendet. Beim SZ-Forum am 15. Oktober will die
WGP-Geschäftsführung ihre Vorstellungen offerieren.
Dass abgerissen werden muss, ist klar. In manchen Blocks steht jetzt schon fast
ein Viertel der Wohnungen leer. Bis 2015 soll die Bevölkerung um über 25 Prozent
sinken. Statt derzeit 8 500 Menschen werden dann nur noch 6 400 auf dem
Sonnenstein wohnen.
Einfach wird es allerdings nicht, schon jetzt detaillierte Abrisspläne zu
benennen, räumt WGP-Chef Jürgen Scheible ein. Schließlich sind alle Häuser der
Gesellschaft auf dem Sonnenstein saniert. Dafür mussten Kredite aufgenommen
werden. Sprich, die Banken haben ein Wörtchen mit zu reden. Bei der schwierigen
wirtschaftlichen Situation der WGP sei es gar nicht so einfach, sich mit den
Geldgebern zu einigen. In Dresden oder anderen Städten geht der Abriss von
Plattenbauten sang- und klanglos über die Bühne. Allerdings fallen dort vor
allem unsanierte Häuser.
Aus heutiger Sicht ist die Sanierung aller Häuser auf dem Sonnenstein eine
schwerwiegende Fehlentscheidung gewesen, so Scheible. Schon in den 90er Jahren
war der Bevölkerungsschwund absehbar. Doch damals wurden dreistellige
Millionenbeträge für die Sanierung ausgeben. Besonders deshalb liefen dem
Unternehmen die Finanzen aus dem Ruder. Lagen die Verbindlichkeiten gegenüber
Banken 1992 noch bei 41 Millionen Euro, so waren es 2001 über 186 Millionen. Im
Rathaus hatte damit niemand ein Problem. Als damals WGP-Chef Bahn jährlich die
Zahlen vorstellte, wurde wegen der gewaltigen Sanierungsleistungen quer durch
alle Fraktionen noch eifrig applaudiert. Die Quittung folgte. Kurz nach dem
Bahn-Rausschmiss stand die WGP kurz vor dem finanziellen Kollaps. Daran hat die
Firma noch heute zu kauen. Der im April eingestellte Chef-Sanierer Jürgen
Scheible versucht nun engagiert, das Unternehmen wieder in geordnetes
finanzielles Fahrwasser zu bringen.
www.sz-online.de
24.09.2003
Thale: Platte wird abgerissen
Vor zwei Jahren wurde der erste Plattenbau-Block im
Thalenser Weinbergsweg geräumt, jetzt haben die Vorbereitungen für den
endgültigen Abriss begonnen. Noch im September sollen die Leistungen öffentlich
ausgeschrieben, im November die Aufträge vergeben werden. "Maßnahmebeginn ist
noch in diesem Jahr", kündigte Michael Weber, Geschäftsführer der städtischen
Wohnungsgesellschaft, vor dem Bauausschuss an.
Im Wohngebiet BlankenburgerStraße soll die Wohnfläche um insgesamt 10 800
Quadratmeter verringert werden, für den Rückbau erhalte die Stadt 650 000 Euro
Fördermittel, teilte Bürgermeister Thomas Balcerowski mit.
Der Eingriff "tut uns weh", gesteht Weber. Schließlich seien die Wohnungen erst
1986 gebaut worden und mit einem Auto vergleichbar, das bereits nach drei Jahren
und nur 60 000 Kilometern Fahrleistung weggeworfen werde. "Wir trennen uns nur
von Teilbeständen der Platte, die aus dem Markt gefallen sind", fügt er hinzu.
Es werde nicht flächendeckend abgerissen, sondern nur "einzelne Blöcke
herausgenommen".
Betroffen sind vor allem Vier-Raum-Wohnungen. Blieben sie stehen, müssten sie
aufgewertet werden. Das könnten die Wohnungsunternehmen "niemals schultern",
zumal die Mieter fehlten.
Am 28. Oktober werde Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre "die erste
Platte symbolisch abhängen", kündigt Balcerowski an. Und erinnerte daran, dass
Thale "erst nachträglich durch großen Druck in das Förderprogramm Stadtumbau /
Ost kam und dem Ministerium viel zu verdanken hat". Um auch in den Folgejahren
Fördermittel zu bekommen, müsse jetzt mit dem Abriss begonnen werden. "Die
Kolonnen arbeiten zügig, bis Jahresende ist der Weinbergsweg weg", weiß Weber.
Auf teure Sprengungen oder den lautstarken und staubigen Einsatz von
Abrissbirnen wollen die Thalenser verzichten. Die Blöcke sollen "mit einer
hydraulischen Schere in transportgerechte Teile zerschnitten und dann abgefahren
werden", sagt Weber. Dieses Verfahren sei kostengünstig, die Staub- und
Lärmbelästigung relativ gering. Die Platten-Segmente werden nicht vor Ort
gebrochen, versicherte Balcerowski.
Weitere Abrisse seien vorgesehen, ergänzte Weber, wollte aber noch keine
Einzelheiten nennen. Er schloss nicht aus, dass auf den Abrissflächen "später
andere Wohnformen entstehen, zum Beispiel Ein-Familien-Häuser, mit denen die
alte Bebauung der Neustädter Straße fortgesetzt wird".
www.mz-web.de
24.09.2003
Frankfurt: Ein Mont Klamott
Der Abrissbagger gehört mittlerweile zum gewohnten
Anblick in der Stadt. Kaum sind die Wohnblocks in der Prager Straße 22 bis 33
gefallen, ist er weitergerollt und knabbert nun in der Wünschstraße die Häuser
Nummer 1 bis 8 weg. Was bleibt, sind tausende Tonnen Beton. Drei Recyclingfirmen
gibt es in Frankfurt, die diese Betonreste annehmen, zerkleinern und dann
weiterverkaufen. Als Unterbau- oder Schotterschichten im Straßenbau. Doch die
Recycler haben keine unbegrenzten Kapazitäten. Zum einen sind die Mengen, die
sie lagern dürfen, sanktioniert, zum anderen müssen die Unternehmen für jede
Tonne Material, die sie lagern, hohe Sicherheitsleistungen bezahlen. Logisch,
dass da der Platz knapp wird.
Bis Fördergelder von Land und Bund für den Abriss bereitgestellt wurden,
vergingen Jahre. Kaum war das Problem einigermaßen geklärt, jaulten die
Versorger auf. Denn niemand hatte geklärt, wer die Umverlegung von
Versorgungsleitungen bezahlt. In Frankfurt wurde ein Kompromiss gefunden. Die
Wohnungsunternehmen gehen in diesem Jahr in Vorleistung. "Doch für nächstes Jahr
gibt es noch keine Lösung", bestätigt Dietmar Bartusch, der bei der Wowi für den
Stadtumbau zuständig ist.
Jetzt rollt ein drittes Problem auf Frankfurt zu: Wohin mit dem Bauschutt?
Darüber haben sich bisher weder Land noch Stadt Gedanken gemacht. Drei
Recyclingfirmen gibt es in Frankfurt und alle drei haben ein Problem: Für jede
Tonne Material soll eine Sicherheitsleistung bezahlt werden.
"Wir können auch - abgesehen von den Sicherheitsleistungen - nicht alles
annehmen, was angeboten wird. Denn als Geschäftsführer muss ich wirtschaftlich
denken. Nur was ich in absehbarer Zeit wieder für den Straßenbau verkaufen kann,
nehme ich an. Ohne Straßenbau kein Geschäft", erklärt Wolfgang Jacob von der
Baustoff Aufbereitung Frankfurt (BAF) mit Sitz an der Autobahn. Auf deutsch: Bei
ihm wäre Platz für zwei Wohnblöcke.
Auch Ralf Schönfelder, Mitarbeiter der Geschäftsführung der Naturerden und
Recycling GmbH bestätigt eine vorsichtige Kalkulation. "Für drei Blöcke hätten
wir jetzt Platz, mehr geht nicht", sagt er. Einen Kollaps befürchtet er nicht.
"Da es in der Stadt nur wenige Abrissfirmen gibt, geht es nur sukzessive voran",
meint er.
Bei der Vorherschau, wieviel Material vermarktet werden kann, hat die Firma
Kesslau Tief-, Straßen- und Umweltbau bessere Karten. "Teile des Blocks aus dem
Baumschulenweg verbauen wir gerade in Storkow. Als Straßenbaufirma nutzen wir
unser Material selbst, wissen also, was wir brauchen. Doch der Abriss der Blocks
wird bei Weitem den tatsächlichen Bedarf überschreiten", schätzt Geschäftsführer
Siegfried Kesslau ein.
Dietmar Bartusch von der Wowi erwartet für 2004 "einen richtigen Schub" beim
Abriss. "Dann wird in sehr kurzer Zeit viel Bauschutt anfallen." Fließen die
beantragten Fördergelder für 2004, dann würden mehr als 900 Wohnungen abgerissen
werden. Pro Block rechnen die Fachleute mit 6000 bis 8000 Tonnen Betonmaterial.
"Die Dimensionen nehmen zu. Und deshalb muss die Stadt schnell über eine Lösung
nachdenken. Denkbar wäre ein Zwischenlager", regt Hubert Armbrust von Becker &
Armbrust an. Dem schließt sich Siegfried Kesslau an, der allerdings von einer
Art Mont Klamott spricht, auf dem alles zusammengebracht wird.
Wolfgang Jacob schlägt vor, dass sich Abrissunternehmen und Recycler zu einer
Gemeinschaft verbünden und nach Marktlage das Material verarbeiten. Eigentlich
aber sind Stadt und Wohnungsunternehmen in der Pflicht. Denn per
Kreislaufwirtschaftsgesetz ist der Auftraggeber bis zur Entsorgung/Verarbeitung
verpflichtet, sich um seinen Schutt zu kümmern.
www.moz.de
23.09.2003
Premnitz: ist Stadtumbaustadt
Die Stadt Premnitz ist aufgenommen worden in das
Stadtumbauprogramm des Landes. Wie Bürgermeister Roy Wallenta am
Donnerstagabend vor den Stadtverordneten sagte, sind zwei entsprechende
Förderbescheide aus Potsdam am Mittwoch in der Stadtverwaltung eingetroffen.
Schon seit Monaten hatte man damit gerechnet, als Stadtumbaustadt benannt zu
werden. Doch letzte Sicherheit brachten erst die nunmehr eingegangenen
Förderbescheide.
Gemeinsam mit 40 weiteren Städten des Landes befinde sich Premnitz jetzt im
Stadtumbauprogramm, teilte Roy Wallenta mit. Das sei ein großes Glück und eine
einmalige Chance. Bis zum Jahr 2007 dürfe man in Premnitz rund 2,5 Millionen
Euro verbauen. Dadurch werde sich das Gesicht der Stadt sehr wesentlich
verändern. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Stadt sich ihre Aufnahme
in das Programm "hart erarbeitet" habe. Mitarbeiter der Verwaltung und die
Abgeordneten hätten ihre Anteile dazu beigetragen.
Der Grundgedanke des Umbaus jeder Stadt ist, dass in Randlagen leer stehende
Wohnungen abgerissen werden und dafür durch verschiedene Baumaßnahmen das
Zentrum der Stadt aufgewertet wird. Ein Förderbescheid für Premnitz sagt 1,7
Millionen Euro zu, die auf die Jahre 2004 bis 2007 verteilt werden. Das Geld ist
für die Aufwertung des Zentrums zu verwenden. Die Stadt selbst muss noch einen
Eigenanteil von 570 000 Euro dazu geben, somit stünden insgesamt 2,3 Millionen
Euro zur Verfügung.
Der zweite Förderbescheid verspricht 360 000 Euro, je zur Hälfte für die Jahre
2004 und 2005, die zum Abriss von Wohnraum zu verwenden sind. Die Stadt hat
diese Gelder zu gegebener Zeit an die großen Vermieter weiterzureichen, die
damit ihre Abrissprogramme finanzieren. Pro Quadratmeter beseitigten Wohnraum
werden 60 Euro gezahlt. Bei 180 000 Euro für 2004 ließen sich somit im nächsten
Jahr lediglich 3000 Quadratmeter Wohnraum zurückbauen. Das wären zum Beispiel 50
Wohnungen zu je 60 Quadratmeter - bei 800 leeren Wohnungen nicht gerade viel.
Die Stadt Premnitz hat aber einen weiteren Fördermittelantrag gestellt, der für
2004 noch 420 000 Euro bringen soll.
www.MaerkischeAllgemeine.de
21.09.2003
Demographie lässt Immobilien wackeln
Nach einer Studie der Deutschen Bank wird der Bedarf
an Bürofläche 2050 um ein Fünftel niedriger ausfallen als noch 2000. Beim
Wohnraum werde es zudem nicht mehr so üppige Zuwächse geben wie in der
Vergangenheit - die Nachfrage soll 2050 nur noch um neun Prozent über dem Niveau
von 2000 liegen. "Die demographische Entwicklung lässt die Immobilien wackeln",
sagte der Autor der Studie und Ökonom der DB Research, Tobias Just, in
Frankfurt.
Insbesondere die kriselnde Bauwirtschaft werde darunter zu leiden haben, da
künftig immer seltener Neubauten hochgezogen werden. Dies werde nur minimal
dadurch gemildert, dass es einen zunehmenden Bedarf an Modernisierung und nach
Veränderungen an den Gebäuden für den Bedarf der älteren Menschen gibt. Unterm
Strich werde es einen spürbaren Rückschlag für die Branche geben.
Spätestens 2030 wird der Studie zufolge die immer kleiner werdende deutsche
Bevölkerung die Nachfrage nach Wohnraum zurückgehen lassen. Bis dahin werde es
noch Zuwächse durch den seit Jahren steigenden Flächenbedarf pro Kopf geben. Die
Gründe hierfür seien das höhere verfügbare Einkommen und die wachsende Zahl an
Senioren, die bevorzugt in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten wohnen. "Bis etwa
Mitte 40 nimmt der Raumbedarf zu, dann bleibt er ungefähr gleich - ein
70-Jähriger bewohnt eine ähnlich große Fläche wie ein 40-Jähriger", erläuterte
Just.
Die prognostizierte kräftige Einbuße von 20 Prozent bei den Büroimmobilien lässt
sich nach Ansicht von Just nur vermeiden, wenn die Arbeitslosenquote deutlich
unter das heutige Ausmaß gedrückt wird und mehr Bürojobs entstehen. "Sollte sich
der Trend zu Heimarbeit noch weiter verstärken, wird der Einbruch dagegen noch
kräftiger ausfallen."
Die künftigen Entwicklungen im Immobilien- und Bausektor werden in den einzelnen
Regionen stark unterschiedlich ausfallen. In Bayern, Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz wird es im Wohnbereich bis 2030 überdurchschnittlich hohe
Nachfragezuwächse von 15 Prozent im Vergleich zu 2000 geben, da dort die
Bevölkerung weniger schnell schrumpft. Auch soll die Situation in
Wirtschaftszentren - wie in den Großräumen Frankfurt oder Berlin - stabiler sein
als in trukturschwachen Gebieten.
Alles das ist noch kein Grund für Horrorszenarien vom Verfall der
Immobilienwerte, sagen indes Experten. Während die Bevölkerung schrumpft, steigt
die Zahl der Haushalte. Klingt paradox, ist es aber nicht: Schließlich leben
ältere Menschen meist in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten, der Trend zum
Single-Dasein ist ungebrochen und junge Paare leben nicht mehr bei den Eltern,
sondern haben ihre eigenen vier Wände. Die werden zudem immer größer: Seit 1950
stieg die Wohnfläche pro Kopf im Schnitt um einen halben Quadratmeter pro Jahr,
sagt Stefan Jokl, Leiter des ifs Städtebauinstituts in Berlin. Während sich
Eigentümer noch vor Jahren sicher sein konnten, dass sich selbst die schäbigste
Lage vermieten lässt, scheinen Mieter und Käufer in absehbarer Zeit jedoch in
der besseren Position. Das Überangebot lässt die Preise sinken, schließlich
droht sogar der Leerstand. Zuerst trifft es die Wohnblocks aus den 50er und 60er
Jahren, sagt Jokl. "Die sind nicht mehr zeitgemäß, wer will denn da noch
wohnen?"
Da hilft nur noch Abriss, bevor sich Leerstände ausbreiten und ganze Viertel
verlumpen, warnt Volker Eichener, Professor an der Fachhochschule Düsseldorf und
Geschäftsführer des Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft und
Stadtentwicklung InWIS in Bochum.
Lohnt sich also der Kauf der eigenen vier Wände nicht mehr? Es kommt darauf an,
sagt Eichener: Der Bevölkerungsschwund werde nicht den gesamten Markt einbrechen
lassen. "Exzellente Standorte laufen immer."
www.welt.de
21.09.2003
Wittenberge: Städtebau und Fluthilfe
Vier Förderbescheide in einer Gesamthöhe von rund
3,2 Millionen Euro konnte gestern Wittenberges Bürgermeister Klaus Petry in
seinem Rathaus entgegennehmen. Clemens Appel, Staatssekretär im Ministerium für
Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, hatte aber auch Förderbescheide für das
Amt Bad Wilsnack/Weisen, das Amt Neustadt/Dosse sowie das Amt Rhinow
mitgebracht. Petry freute sich vor allem darüber, dass der von ihm befürchtete
Rückschritt bei der Stadtentwicklung nicht eintreten wird. Denn Wittenberge
erhält alleine 2,052 Millionen Euro für den Stadtumbau, die für den Abriss von
570 Wohneinheiten eingesetzt werden. Dieser geschieht laut Petry in den
kommenden beiden Jahren.
Eine weitere Million ist in diesem Zusammenhang für Aufwertungsmaßnahmen
bewilligt worden. Zudem erhält die Elbestadt aus dem regulären
Städtebauförderungsprogramm 100 000 Euro für Investitionen in die Altstadt.
Petry: "Wir sind froh darüber, dass wir nun das umsetzen können, was wir uns
vorgenommen haben." Die Elbestadt hat seit der Wende bereits 25 Millionen Euro
an Fördermitteln für den Städtebau erhalten.
Wilsnacks Bürgermeister Dietrich Gappa und Amtsdirektor Hans-Jürgen Arndt
freuten sich über einen Bescheid in Höhe von 125 000 Euro für Maßnahmen zur
städtebaulichen Sanierung im Stadtkern von Bad Wilsnack. Auch in die Kustadt
flossen seit der Wende bereits 2,7 Millionen Euro an Mitteln für
Städtebauförderung. Auf das Amt wartet aber auch noch ein weiterer
Förderbescheid, der laut Appel wahrscheinlich nächste Woche ausgereicht wird.
Denn aus der Hochwasserhilfe gibt es für die amtsangehörigen Kommunen Breese,
Rühstädt rund Weisen 252 000 Euro. Der Bescheid sei bewilligt, aber noch nicht
gefertigt, betonte Appel.
Für die Stadt Wittenberge gab es gestern bereits 17 000 Euro aus Mitteln der
Hochwasserhilfe, die für die Instandsetzung des Clubraums im Bootshaus Garsedow
einzusetzen sind.
www.MaerkischeAllgemeine.de
21.09.2003
Querfurt: 860 000 Euro für den Abriss
Das Land Sachsen-Anhalt hat mit fünf Kommunen
Zielvereinbarungen abgeschlossen, um die Lösung von Wohnungsleerstandsproblemen
zu beschleunigen. Eine dieser Städte ist Querfurt.
Wie Bauminister Karl-Heinz Daehre dazu erklärte, enthalten die Vereinbarungen
konkrete Festlegungen über die Zahl der abzureißenden Wohnungen sowie die
finanzielle Förderung der geplanten Stadtumbau-Maßnahmen in den nächsten fünf
Jahren. Das Land will mit insgesamt 5,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2007 mehr
als 100 000 Quadratmeter dauerhaft leerstehenden Wohnraum vom Markt nehmen.
"Angesichts der immer knapper werdenden öffentlichen Gelder müssen wir weg vom
Gießkannenprinzip, hin zu einer möglichst effizienten Förderung von
Schwerpunktvorhaben", so Daehre. Die Vereinbarungen sehen vor, dass in den
ersten beiden Jahren der Abriss von leerstehenden Wohnungen zu 100 Prozent
gefördert wird. Dann reduziert sich die Förderung auf 85, 80 und 75 Prozent.
Pro Quadratmeter erhält jede Kommune 60 Euro. In Querfurt betrifft das 17 040,80
Quadratmeter. Das sind wiederum 860 000 Euro, die dafür fließen werden. "Wir
werden die Mittel ab 2004 einsetzen. Eigentlich sollten schon in diesem Jahr die
ersten Gelder abgefordert werden, aber das ist nicht zu schaffen", so Querfurts
Bürgermeister Peter Kunert dazu. "Uns beschäftigt auch noch die Frage, ob es
auch Förderung für den Umbau in der Altstadt gibt. Die werden wir mit dem
Minister klären müssen." Die beiden großen Wohnungsunternehmen indes wissen
schon, und ebenso die betroffenen Mieter, welche Blocks dem Abrissbagger zum
Opfer fallen müssen. Für die Wohnungsbaugesellschaft sind das 40 Wohnungen in
der Ahornstraße 3 bis 9 und für die Wohnungsbaugenossenschaft 20 Wohnungen am
Kastanienplatz 7 bis 9.
www.mz-web.de
21.09.2003
Hagenow: Fördergelder für Stadtentwicklung
Zur Umsetzung von Vorhaben im Städtebauprogramm sind
Fördermittel in Aussicht, konnte die Bürgermeisterin vermelden. "Heute
kann ich Ihnen mitteilen, dass wir aus dem Städtebauförderprogramm 2003 für
Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen für das Zentrum 810000 Euro erhalten." Zu
je einem Drittel sind diese Gelder Bundes- und Landesmittel, ein Drittel ist der
Gemeindeanteil. Die Ausreichung erfolgt in Jahresscheiben.
Ebenfalls erhielt die Kommune einen Förderbescheid aus dem Ministerium für
Arbeit und Bau zum Städtebauförderungsprogramm 2003 - Stadtumbau Ost,
Programmteil Aufwertung - in Höhe von 420000 Euro. Davon trägt der Bund und Land
je 140000 Euro, der Gemeindeanteil liegt ebenso bei 140000 Euro. Die Förderungen
werden jährlich über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgereicht.
Zum Ortsteil Sudenhof, wo am 3. September die Übergabe der K 22 erfolgte, hatte
die Bürgermeisterin noch folgendes zu bemerken: "Die private
Wohnungsgesellschaft ist zunächst in Insolvenz gegangen. Jetzt gibt es einen
Zwangsverwalter. Im Oktober wird durch die Stadtwerke Hagenow GmbH auf Grund
hoher Außenstände die Gasversorgung eingestellt. Ich sehe es als unsere
Verantwortung an, den dort noch Wohnenden Angebote zur Hilfe zu unterbreiten.
Das ist erfolgt. Darauf hinweisen möchte ich, dass der Bereich kein rechtsfreier
Raum ist. Wer dort unberechtigterweise etwas nimmt, begeht Diebstahl."
www.svz.de
19.09.2003
Sachsen-Anhalt: 141 Millionen Euro für den Stadtumbau
Allein für Abrissprogramme und städtebauliche
Aufwertung von Quartieren stellten Bund, Land und Kommunen im kommenden Jahr
mehr als 66 Millionen Euro bereit. Dazu kämen Gelder aus den traditionellen
Städtebauförderprogrammen wie Sanierung und Denkmalschutz in Höhe von 39,4
Millionen Euro und 35,6 Millionen Euro.
„Das Land hat seine Schulaufgaben gemacht, nunmehr sind die Kommunen und die
Wohnungswirtschaft am Zuge“, sagte der Minister weiter. Noch immer erfolge die
Umsetzung zu zurückhaltend. Städte und kommunale Wohnungsunternehmen müssten
jetzt in die Offensive gehen, um Wohnungsleerstand abzubauen.
Sachsen-Anhalts Wohnungswirtschaft hatte am Dienstag für das kommenden Jahr eine
schnellere Freigabe von Fördergeld für den Wohnungsabriss gefordert. Zu
Verzögerungen wie 2003, als die kompletten Mittel für den Abriss von 10 000
Wohnungen erst nach rund acht Monaten bewilligt wurden, dürfe es künftig nicht
mehr kommen.
Bis 2010 sollen im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost landesweit 106 000
Wohnungen abgerissen werden. Im selben Zeitraum sollen rund 155 000 Wohnungen
modernisiert werden. Derzeit stehen in Sachsen-Anhalt nach Angaben der
Wohnungswirtschaft mehr als 200 000 Wohnungen leer, was einem Anteil von rund 15
Prozent am Gesamtbestand entspricht.
www.lr-online.de
19.09.2003
Eine Tagung in Erkner über
"schrumpfende Städte"
Der am stärksten wachsende Stadttypus in Ostdeutschland ist die schrumpfende
Stadt. Dieser noch ironisch gefärbte Zwischenbefund einer Architekturausstellung
über die "verlassene Stadt" anno 2001 ist bittere Wirklichkeit geworden. Mit
hoch gerechneten 2,3 Millionen ‚Einwohnern' wäre ‚VS' theoretisch die
zweitgrößte Metropole Deutschlands.
Lange haben Wissenschaft und Politik in Deutschland das virulente
Dreifachproblem von Abwanderung, Überalterung und sozialen Auflösungstendenzen
ignoriert. Im europäischen Ausland wie in Übersee ist man dagegen seit längerem
rege damit beschäftigt, sich mit diesem Sachverhalt auseinander setzen. Dabei
ist dieses Problem nicht allein auf nach 1990 depravierte, deindustrialisierte
Regionen in Ostdeutschland begrenzt.
Konzepte "städtischer Kreativität als Potenzial für den Stadtumbau" analysierten
seit Anfang 2002 Forscher des Instituts für Regionalentwicklung und Stadtplanung
(IRS) im brandenburgischen Erkner sowie der Darmstädter Schader-Stiftung. Sie
konzentrierten sich auf Entwicklungen in Ostdeutschland. Zusätzlich initiierten
sie eine Workshopreihe, deren Zwischenbilanz nun auch in Buchform vorgestellt
wurde. Klaus-Dieter Keim, Direktor des IRS, formulierte die Zukunftsaussichten
auf der Tagung so:"Was wir heute verhandeln, werden wir in den nächsten Jahren
auch in Westdeutschland und in Süddeutschland verhandeln."
Der Leerstand von Stadtrandsiedlungen und Gründerzeitvierteln, eine "Verinselung
von Wachstumsfragmenten", also die Bildung neuer Zentren vor allem in den
städtischen Außenbezirken, kleiner werdende Stadtkerne und der damit
einhergehende Trend zur Musealisierung sind Ursachen für eine massive Bedrohung
städtischen Lebens, ganz abgesehen von den Tendenzen an der Peripherie, wo der
Verfall postindustrieller Areale zu beobachten ist.
Der Bedarf ist unstreitig vorhanden, jedoch scheint die intellektuelle
Kompassnadel vieler Beteiligter noch immer nicht die richtige Zielrichtung
anzeigen zu wollen. Denn die Ungleichzeitigkeit und partielle
Unübersichtlichkeit parallel ablaufender Prozesse ruft Irritationen und
Unsicherheiten hervor. Schrumpfung und Expansion ereignen sich fast zur selben
Zeit, aber in verschiedenen Städten auf ganz verschiedene Art und Weise.
Was einerseits dem Zentrum und bestimmten Stadtteilen abhanden kommt, kann
andererseits im urbanen Umland positive Effekte hervorrufen. Die zentralen
Fragen zielen ins Herz der Zivilgesellschaft: Wie erleben die Bürger die
Transformation ihres Lebensraumes? Ist Schrumpfung ausschließlich negativ? Geht
physischer Verfall in allen Fällen mit Kriminalität, Angst und verschärfter
sozialer Abgrenzung einher? Sind Leerräume Zeugnisse planerischen Versagens?
Oder eröffnet sich dadurch nicht vielmehr die Möglichkeit, Stadträume zu
begrünen, neue Treffpunkte zu schaffen, die Stadt sukzessive lebenswerter zu
machen? Wie sind sozialpsychologische Überzeugungssysteme, hergebrachte
Handlungs- und Lösungsmuster, in Planung und Verwaltung so zu perforieren, dass
Neues, Kreatives entsteht?
Vielleicht ist hierfür kein Zeitpunkt günstiger als heute, wo Städte mit
tradierten Vorgehensweisen leidvoll Schiffbruch erleiden. Denn, so Karl Ganser,
der ehemalige Leiter der IBA Emscher Park, "Wandel ohne Wachstum ist bislang
kaum vorstellbar, in der Theorie auch wenig ausformuliert und
politisch-praktisch kaum mehrheitsfähig." Wie also das Schrumpfen lenken oder
gar planen?
Stadt-Rapporte aus England, Schweden und den Niederlanden zeigten beteiligten
Planern aus Zwickau, Schwerin, Leipzig und Neuruppin, Beobachtern aus dem
Ruhrgebiet, aber auch interessierten Kommunal- und Landespolitikern, wie ein
Aufbruch möglich ist. Eine lokale Zukunftsagenda, eine programmatische
Schwerpunktsetzung ist Grundlage für eine Neuausrichtung. Das schwedische
Karlskrona definierte sich etwa als Telecom City und zog IT-Unternehmen und
Forschungsinstitute an.
"Sonderzonen der räumlichen Entwicklung" fordert der Stadtplaner Klaus-Dieter
Keim für Ostdeutschland und einen Wettbewerb rivalisierender Ideen. Bestimmte
Regelwerke sollten über eine bestimmte Zeit hinweg außer Kraft gesetzt werden,
um kontrolliert mit neuen Modellen zu experimentieren. Essentiell dabei seien
Kommunikation und Rückkoppelung mit der Bevölkerung, unumgänglich ein
schlüssiges Führungskonzept.
www.fr-aktuell.de
19.09.2003
Bevölkerungsschwund bedroht Immobilien- und Bauwirtschaft
Das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung in
Deutschland bringt die Immobilien- und die Bauwirtschaft in Zukunft heftig in
Bedrängnis. Nach einer Studie der Deutschen Bank wird der Bedarf an Bürofläche
2050 um ein Fünftel niedriger ausfallen als noch 2000. Beim Wohnraum werde es
zudem nicht mehr so üppige Zuwächse geben wie in der Vergangenheit - die
Nachfrage soll 2050 nur noch um neun Prozent über dem Niveau von 2000 liegen.
«Die demographische Entwicklung lässt die Immobilien wackeln», sagte der Autor
der Untersuchung, Tobias Just, in Frankfurt. Für Ostdeutschland prognostiziert
die Studie einen zunehmenden Leerstand. Nach Einschätzung der deutschen
Immobilienverwalter ist unterdessen auch kurzfristig bei der Problematik
Wohnungsleerstand keine Besserung in Sicht.
Insbesondere die kriselnde Bauwirtschaft werde unter der Entwicklung zu leiden
haben, da künftig immer seltener Neubauten hochgezogen werden, hieß es in der
Studie. Dies werde nur minimal dadurch gemildert, dass es einen zunehmenden
Bedarf an Modernisierung und nach Veränderungen an den Gebäuden für den Bedarf
der älteren Menschen gibt. Unterm Strich solle es einen spürbaren Rückschlag für
die Branche geben.
Spätestens 2030 wird der Studie zufolge die immer kleiner werdende deutsche
Bevölkerung die Nachfrage nach Wohnraum zurückgehen lassen. Bis dahin werde es
noch Zuwächse durch den seit Jahren kletternden Flächenbedarf pro Kopf geben.
Die Gründe hierfür seien das höhere verfügbare Einkommen und die wachsende Zahl
an Senioren, die bevorzugt in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten wohnen.
Die künftigen Entwicklungen im Immobilien- und Bausektor werden in den einzelnen
Regionen stark unterschiedlich ausfallen. In Bayern, Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz wird es im Wohnbereich bis 2030 überdurchschnittlich hohe
Nachfragezuwächse von 15 Prozent im Vergleich zu 2000 geben, da dort die
Bevölkerung weniger schnell schrumpft. Auch soll die Situation in
Wirtschaftszentren - wie in den Großräumen Frankfurt oder Berlin - stabiler sein
als in strukturschwachen Gebieten.
In Ostdeutschland und anderen Abwanderungsgebieten werden dagegen immer mehr
Gebäude leer stehen. Hier seien zweistellige Kahlschläge bei der
Wohnraumnachfrage bereits vor 2030 absehbar. Viele ostdeutsche Städte kämpfen
bereits jetzt mit der Problematik Wohnungsleerstand. Nach Angaben des
Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) sind in Städten wie Schwedt,
Frankfurt an der Oder und Cottbus noch immer 12 bis 19 Prozent aller
Plattenbauten unbewohnt. Allein die kommunalen Wohnungsunternehmen koste der
Leerstand jährlich eine halbe Milliarde Euro.
DDIV-Geschäftsführer Karlheinz Körner kritisierte Überlegungen einiger
Ministerien in Ostdeutschland, wonach Abrissmittel aus dem Sonderprogramm
Stadtumbau Ost auch für den Ausbau von Plattenbausiedlungen verwendet werden
sollten. Dies stehe einer Marktbereinigung entgegen. So seien in Sachsen von 400
000 leer stehenden Wohnungen bereits 150 000 saniert und fänden dennoch keine
Mietinteressenten.
www.stuttgarter-nachrichten.de
18.09.2003
Land Brandenburg: muss Leistungen abbauen
Der Bevölkerungsschwund im Land Brandenburg wird in
naher Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Bereitstellung von öffentlichen
Dienstleistungen haben. Die Aufgaben des Landes müssten angesichts der
finanziellen Lage überprüft und den Erfordernissen angepasst werden, sagte
Staatskanzleichef Rainer Speer gestern in Potsdam. Betroffen davon seien unter
anderem der öffentliche Nahverkehr, Gesundheitsdienste und das Schulsystem.
Die Landesregierung hatte sich am Dienstag in einer Kabinettsklausur mit der
demografischen Entwicklung beschäftigt. Nach der jüngsten Bevölkerungsprognose
verliert Brandenburg bis 2020 rund 180 000 Menschen und hätte dann nur noch 2,4
Millionen Einwohner. Jeder vierte Märker wird dann 65 Jahre oder älter sein. Als
dramatisch schätzen Experten die Entwicklung in den Randregionen ein. Dort
hielten Abwanderung und Geburtenrückgänge unvermindert an, während im so
genannten Speckgürtel um Berlin Zuwachs zu verzeichnen sei.
Der Trend zu weniger und immer älteren Einwohnern sei nicht aufzuhalten,
erklärte Speer. Die Landesregierung müsse vielmehr mit neuen Konzepten darauf
reagieren. Für den Nahverkehr bedeute das beispielsweise flexiblere Angebote.
Die Wirtschaftsförderung müsse sich auf bestimmte Regionen und den Tourismus
konzentrieren, die Sozialpolitik stärker "in Richtung Altenpflege und
Altenbetreuung" umgebaut werden. Noch im Oktober soll der Koalitionsausschuss
über die künftige Schulstruktur beraten. SPD und CDU streiten über die
Zusammenlegung von weiterführenden Schulen zu einer Sekundarschule. Laut Speer
werde das Land öffentliche Leistungen an Dritte abgeben beziehungsweise auf
ehrenamtliches Engagement setzen.
Nach den Worten des Staatskanzleichefs steht auch die mit Berlin abgestimmte
Landesplanung zur Disposition. Das Netz an regionalen Entwicklungszentren -
sechs um Berlin und fünf in den entfernten Regionen - sei möglicherweise nicht
zu erhalten.
Zur Erstellung eines neuen Entwicklungskonzepts hat die Landesregierung eine
Arbeitsgruppe gebildet, die im Dezember einen Zwischenbericht vorlegen soll.
www.MaerkischeAllgemeine.de
18.09.2003
Brandenburg: Ideen für die "Perle" Kirchmöser
Der Stadtumbau für die "Perle an Brandenburgs
Gewässern" steht - zumindest auf dem Papier. Die Wohnungsgesellschaften in
Kirchmöser und die Stadt haben sich auf eine gemeinsame Linie für den Ortsteil
verständigt. An einigen Stellen weichen sie vom Stadtumbaukonzept ab. Ihre
Überlegungen sehen den Abriss von 260 Wohnungen vor, 40 weniger als bislang
geplant.
Die Stadtumbau-Moderatoren Carsten Hagenau und Nicole Kirschbaum stellten das
Ergebnis der Arbeitsgruppe Kirchmöser am Dienstag in Gegenwart von Bürgermeister
Norbert Langerwisch vor. Kirchmöser sei ein idealer Wohnstandort für
Familien. Die Nachfrage nach Eigenheimen sei hoch, die Wasserlage sei auch für
Zuzügler sehr interessant, sagte Hagenau.
Die meisten Mietwohnungen sollen erhalten bleiben, fordert die Arbeitsgruppe.
Das gilt gerade auch für zwei Stellen, an denen das bisherige Umbaukonzept
Abrisse vorsieht. Die Wohnungsgesellschaften möchten die Mietshäuser im Starweg
und am Platz der Einheit als "sozialverträgliches" und preisgünstiges Angebot
bewahren und entwickeln. Die Abrissperspektive konzentriert sich auf drei
Standorte. Die vier Wohnblöcke in der Bahnhofstraße 1a bis 1d mit 96 Wohnungen
sollen geschliffen werden. Drei Wohnwürfel gehören der städtischen
Wohnungsgesellschaft Wobra, ein unbewohnter Block einem Privatmann. Die
Arbeitsgruppe wünscht sich außerdem den Abriss der alten Zwangsarbeiterbaracken
in der Wusterwitzer Straße. Die denkmalgeschützten Häuser, die viele Bürger als
Schandflecke ansehen, vom Bundesvermögensamt zu kaufen und zu sanieren lohne
sich nicht, sagte die Chefin der Baugenossenschaft Kirchmöser, Doris Seeber. "Da
will keiner hinziehen." Langerwisch sagte, dass eine Lösung für die Baracken
gefunden werden müsse. Ein oder zwei Baracken könnten erhalten werden. Im
Übrigen sollten dort Eigenheime und Parkplätze entstehen.
Die Wohnungsunternehmen gehen außerdem davon aus, dass die Stadt 130
Plattenbau-Wohnungen in der Wusterwitzer Straße abreißt, die zuletzt die
russischen Streitkräfte genutzt hatten.
www.MaerkischeAllgemeine.de
18.09.2003
Wittenberge: Abrissbirne über
sechs Häusern
Die Wohnungen sind nicht schlecht, denn die
Grundrisse sind günstig, auch die sanitäre Grundausstattung ist annehmbar, die
Häuser sind solide - und trotzdem werden sie abgerissen. Die Rede ist von der
Perleberger Straße 73 bis 78. Heute, spätestens morgen sind die links und rechts
neben der Einmündung zu den Grapenstücken stehenden Wohnhäuser entkernt. Die
Wohnungsbaugesellschaft ist Eigentümer der Gebäude, lässt sie abbrechen. Über
Fördermittel zum Stadtumbau gibt es pro Quadratmeter einen Zuschuss von 60 Euro.
"Damit ist der Abbruch nicht finanzierbar, wir schießen als Gesellschaft eigenes
Geld zu", so Geschäftsführer Torsten Diehn. Für ihn steht außer Zweifel, der
Abriss ist notwendig, denn niemand benötige die Häuser mehr.
Eine Alternative wäre die Sanierung, denn wie gesagt, schlecht sind die Häuser
nicht. Aber, so sagt es Diehn, als Folge wäre denkbar, dass Mieter sich aus der
Innenstadt verabschieden, um an die Peripherie zu ziehen. Städtebaulich eine
nicht gewollte Entwicklung. Mit dem Stadtumbauprozess soll die Innenstadt
gestärkt werden. Pläne zu einer Neubebauung der Abrissflächen in der Perleberger
Straße gegenüber der Polizeiwache gibt es nicht.
www.svz.de
18.09.2003
Pößneck: In der Heiligengasse
sollen drei Häuser fallen
Im nächsten Jahr sollen in Pößneck die Häuser
Heiligengasse 14, 16 und 18 abgerissen werden. Das sieht der Jahresantrag 2004
der Stadt Pößneck für Fördermittel aus dem Programm "Stadtumbau Ost" vor, der
vom Pößnecker Stadtrat einstimmig gebilligt wurde. Zwei dieser Häuser gehören
der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneckl/Triptis mbH (GWG),
eines ist in privater Hand. Eine Sanierung dieser Häuser in sehr schlechtem
Zustand sei nicht einmal langfristig geplant. Durch den Abriss soll daher nicht
nur überflüssiger und teils leer stehender Wohnraum "vom Markt genommen" werden,
so die Stadt Pößneck, der Bereich soll auch neu gestaltet bzw. mit Grün- und
Stellplätzen aufgewertet werden. Der Abriss wird mit 60 Euro pro Quadratmeter
Wohnfläche gefördert, eventuelle höhere Kosten haben die Eigentümer zu tragen.
Unklar ist, ob nach dem Abriss der drei Häuser in der Heiligengasse das Jahre
lang heiß diskutierte Parkhaus/Parkdeck gebaut wird. Die Stadt könne sich eine
solche Baumaßnahme nicht leisten, zumindest nicht in den nächsten Jahren, hieß
es gestern aus dem Pößnecker Rathaus. Ob die GWG noch an ein Parkhaus denkt, war
gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Andererseits sehen die ersten
Gewerbetreibenden in der Pößnecker Innenstadt keinen echten Bedarf mehr für ein
Parkdeck in der Heiligengasse - "leider", wie es heißt.
www.otz.de
18.09.2003
Eisenach: Vortrag zum Stadtumbau Ost
800 000 Wohnungen wurden bisher in den neuen
Bundesländern mit staatlicher Förderung saniert, eine Millionen Wohnungen stehen
derzeit leer (über 3000 allein in Eisenach) und das bei rückläufigen
Bevölkerungszahlen! Daraus ergeben sich riesige Probleme für die Zukunft unserer
Städte.
Inzwischen existiert das Förderprogramm "Stadtumbau Ost", bei dem es um die
Reduzierung von Wohnraum geht, aber gleichzeitig um die Erhaltung der Urbanität
von Wohngebieten und damit um Lebensqualität für deren Bewohner. Von zunehmendem
Leerstand betroffen sind vor allem Plattenbauten. Um neue Wege bemüht sich seit
mehreren Jahren ein kleines Cottbuser Architektenteam, das für seine
erfolgreichen Projekte mit dem Bauherrenpreis 2003 und dem Architekturpreis
"Zukunft Wohnen" 2003 ausgezeichnet wurde.
Der Architekt, Prof. Frank Zimmermann, Mitglied dieses Teams, erläuterte in
einem Vortrag des Förderkreises zur Erhaltung Eisenachs in der Reutervilla ein
über Deutschland hinaus bekannt gewordenes Projekt in der
Plattenbau-Werksiedlung Sachsenhausen, einem zentrumsnahen Stadtteil von
Cottbus. Dabei bestand die besondere Aufgabe darin, die Wohnqualität für die
Bewohner, die über mehr als drei Jahrzehnte mit ihrem Gebiet verwurzelt sind, zu
verbessern, um eine Entvölkerung des Stadtteils mit ihren verheerenden
Folgeerscheinungen zu verhindern. Ein enormes Maß an Problemen war mit dem
Auftrag zu lösen, sowohl in städtebaulicher, bautechnologischer,
bauorganisatorischer als auch in wirtschaftlicher und eigentumsrechtlicher
Hinsicht.
Prof. Zimmermann erläuterte anschaulich: Aus der Plattenbausiedlung, zu der u.a.
acht elfgeschossige, paarweise angeordnete Hochhäuser gehören, sollte ein
urbaner, in die Umgebung integrierter Stadtteil werden. Dazu war es notwendig,
eine niedrigere Bebauung als Übergangszone zur benachbarten
Einfamilienhaus-Siedlung zu gestalten. Die besondere Idee bestand darin, durch
vorsichtige Demontage eines in den 80-er Jahren nachträglich errichteten, die
Symmetrie der paarweisen Hochhäuser störenden Elfgeschossers eine
Wiederverwendung von Plattenbauelementen für den Bau kleinerer
Dreifamilienhäuser zwecks Bebauung der Übergangszone zu ermöglichen.
Gleichzeitig sollten die verbleibenden Hochhäuser kostengünstig saniert werden
mit dem Ziel, qualitätsvolle Wohnungen in verschiedenen Größen zu schaffen und
die Gebäude ästhetisch aufzuwerten.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Drei Hochhauspaare wurden inzwischen saniert.
Die Betonoberflächen der Fassaden wurden aufgearbeitet, das Raster der Platten
blieb sichtbar, da eine Wärmedämmung nicht notwendig war. Farbgestaltung und
dreigeschossige verglaste Windfänge an den Schmalseiten der Fassaden
verbesserten die Ästhetik der Gebäude. Großzügig zugeschnittene komfortable
Wohnungen im Inneren sind gut vermietbar. Die zwei- bis dreigeschossigen
Dreifamilienhäuser mit Flachdach, gebaut aus ausgewählten, geprüften
Plattenelementen des demontierten Hochhauses (Wiederverwendung von einem Drittel
der Platten) besitzen Wohnungsgrößen zwischen 47 und 108 Quadratmetern, so dass
Einzelpersonen und Familien, Jung und Alt, miteinander wohnen. Jedes Haus ist
individuell gestaltet mit Terrassen, großen und kleinen Balkonen, verglasten
Flächen von unterschiedlicher Größe, sowie variablen Wänden im Inneren. Die
sinnvollen und schön gestalteten Übergänge in den halboffenen und offenen
städtischen Raum tragen wesentlich zur Attraktivität des Gebietes bei. Die so
entstandenen 13 Wohnungen befinden sich in genossenschaftlichem Eigentum, alle
waren sofort vermietet.
Das Projekt gab Anlass zu reger Diskussion zwischen Zuhörern und Referenten.
Besonders interessiert zeigten sich Eisenacher Architekten und der Vorsitzende
der AWG Eisenach. Mit dieser Veranstaltung verfolgte der Förderkreis die
Absicht, Impulse für eine Diskussion zur Lösung der ebenso drängenden Eisenacher
Probleme mit dem Wohnungsleerstand zu geben.
www.thueringer-allgemeine.de
17.09.2003
Alte Platten zu neuem Zweck
Die Abrissbirne hat in den zu DDR-Zeiten entstandenen Neubaugebieten
Hochkonjunktur. Doch: Die Platte nicht dem Schredder zum Zerkleinern
vorzuwerfen, sondern sie erneut zu nutzen, ist die Idee des Erfurter Architekten
David Seidl. In diesen Tagen sieht man den 29-jährigen Diplomingenieur oft mit
einem handlichen Modell eines Zweifamilienhauses. Gewissermaßen auf Reklametour.
Er hebt das Dach ab, verschiebt die Innenwände, versetzt die Treppe von außen
nach innen und erläutert dabei, wie flexibel sein Gebäude umgestaltet werden
kann. Nicht allein darin besteht die Innovation, sondern in der Wiederverwendung
der Betonelemente, die beim Abriss anfallen.
Sowohl die sechs Meter langen Außen- als auch die Innenwände und Decken eignen
sich seiner Meinung nach von der Statik und Wärmedämmung bestens für individuell
gestaltete Eigenheime. Dazu wurde gemeinsam mit der Brandenburgischen
Technischen Universität in Cottbus ein Modulsystem entwickelt. Aus einstigen
zwei Kinderzimmern könnte ohne behördliche Genehmigung ein großer Raum
entstehen. Zwei abgeschlossene Wohnungen parterre sowie im 1. Obergeschoss
ließen sich zu einer Atelierwohnung umfunktionieren.
"Eine tolle Idee", bescheinigte Tilo Braune, Staatssekretär im
Bundesbauministerium. Und der Vorstandsvorsitzende des Baufinanzierers der BHW
Holding, Reinhard Wagner, fand sie so wertvoll, dass er ihr einen
Innovationspreis im Rahmen des "Starterhaus 2003" zuerkannte. Experten rechneten
aus, dass die Wiederverwendung der alten Platten die Gesamtbaukosten gegenüber
dem herkömmlichen Bauen um bis zu 15 Prozent reduzieren könnte. Argumente, die
für sich sprechen.
David Seidl und sein Team denken nicht nur an den Einsatz der Wände für
Eigenheime. Eine Chance sehen sie auch beim möglichen Bau der Unterkünfte für
die Olympioniken in Leipzig. Noch ist der junge Architekt auf der Suche nach
einem Bauträger. Das Bauministerium verspricht Unterstützung. Einen Mangel an
wiederverwendungsfähigen Platten wird es wohl in den nächsten Jahrzehnten nicht
geben.
www.thueringer-allgemeine.de
17.09.2003
Brandenburg: "Platten" reisen nach Osteuropa
In Brandenburg an der Havel müssen in den
nächsten zehn Jahren 4000 Wohnungen abgerissen werden, der Großteil davon
"Platten". Dass sie auf der Deponie landen, will jetzt der Projektentwickler
Bernd Jansen verhindern. Zusammen mit ungarischen und rumänischen
Geschäftspartnern plant er ihre Demontage und den Wiederaufbau in Süd- und
Osteuropa.
Schon im nächsten Jahr will Jansen - selbst zehn Jahre lang "Platten-Bewohner" -
die ersten Betonelemente einschiffen lassen. Beim Abbau und Transport erwartet
er etwa ein Viertel Materialverlust. Daher könne der Block am Bestimmungsort
nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden.
Vielmehr sollen dort kleinere Dreigeschosser, Reihenhäuser und Stadtvillen
entstehen. Um die Abbauverluste möglichst gering zu halten, sucht Jansens Team
Bauarbeiter, die die Plattenbauten vor der Wende montiert haben.
"Das Geschäft rechnet sich, weil nicht nur für die fertigen Wohnungen Geld
bezahlt wird, sondern auch für die Demontage", sagt Jansen. Die
Wohnungsunternehmen erhalten für die Reduzierung ihres Wohnungsbestandes über
das staatliche Stadtumbau-Programm 60 Euro pro Quadratmeter. Ein herkömmlicher
Abriss wäre damit gerade einmal kostendeckend. Jansen will dagegen weit unter
dieser Grenze bleiben. Einzig die Keller benötigt er nicht für sein Vorhaben;
dafür will er Sanitär- und Leitungsanlagen mit auf die Reise schicken.
Erste Untersuchungen laufen derzeit an einem Fünfgeschosser mit vier Eingängen.
Er wiegt 3200 Tonnen und besteht aus 1200 Einzelteilen. Brandenburgs
Baubeigeordneter Ralf Krombholz lobt das einzigartige Projekt wegen seiner
Nachhaltigkeit. Zudem werde den Menschen auf dem Balkan geholfen, die jetzt zum
Teil noch in Zelten leben, ergänzt der Urheber der Idee. Bürgermeister Norbert
Langerwisch wirbt sogar schon bei Brandenburger Wohnungsunternehmen für
das Projekt.
Projektentwickler Jansen will es auf das gesamte Bundesland ausweiten und plant
für 2004 die Verschiffung von zehn Wohnblöcken. Der Markt für die "gute alte
Platte" sei riesig.
www.svz.de
www.welt.de
17.09.2003
Grimma: GWB will in Süd ersten Block abreißen
Spätestens Anfang 2005 will die Grimmaer
Wohnungs- und Baugesellschaft (GWB) in Grimma-Süd erstmals einen Wohnblock
abreißen. Die Mieter in der Südstraße 81 bis 87 wissen seit Juli, dass sie
demnächst ausziehen sollen.
Das Vorhaben wurde erst öffentlich, weil Klaus Bock (63) und seine Frau Erika
Paul (62) sich in der Einwohnerfragestunden an den Stadtrat wandten. Die beiden
zogen vor mehr als zehn Jahren in den unsanierten Block, haben sich so
eingerichtet, dass sie eigentlich nicht nochmal umziehen wollten. Außerdem: Ihr
Haus hat Balkons und "Aussicht in alle Richtungen", sagt Erika Paul. Darauf
wollen sie nicht verzichten.
Noch vor einem reichlichen Jahr hatte Jutta Vetterlein, die Geschäftsführerin
der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Abriss abgelehnt. Dennoch musste sie
schon damals in einem Stadtentwicklungskonzept Abrissgebiete benennen, als
Vorausetzung für Fördermittel für Stadtumbau. Frühestens im Jahr 2008 wären
demnach die ersten Blöcke in Süd gefallen. Das galt bis einen Tag vor dem
Hochwasser, von dem auch die GWB betroffen war. Die Flut unterbrach auch die
Arbeit am Unternehmenskonzept. Hinterher holte sich die GWB Rat von einem
anerkannten Chemnitzer Unternehmensberater. Angesichts eines Gesamtleerstandes
von 15,42 Prozent - knapp 14 Prozent in Süd - empfahl der unmissverständlich:
Abriss. Das spart Kosten für die betroffenen Häuser und ist eine Voraussetzung
für den Erlass von Altschulden. Außerdem senkt es die Leerstandsquote, sofern es
gelingt, möglichst viele Mieter im Unternehmen zu halten.
Das Konzept wurde dem Aufsichtsrat der GWB im Juni vorgestellt, danach sollte
der Stadtrat von den Plänen erfahren. Wegen einer undichten Stelle wussten die
Mieter schon zuvor davon, deshalb fanden am 24. Juli Gespräche mit den Bewohnern
statt. Der Stadtrat wurde in der vorigen Woche informiert.
Mindestens 70 Prozent aller Bewohner des Blocks mit der abblätternden roten
Farbe will Jutta Vetterlein als Bewohner der GWB behalten. Für Umzugshilfen und
Mietpreisvereinbarungen werde es individuelle Lösungen geben. Über weitere
Abrissvorhaben spricht sie nicht. Dass es in dieser Richtung weiter gehen muss,
scheint schon allein wegen der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung
festzustehen.
www.lvz-online.de
17.09.2003
Halle: Studenten unterstützen Ortschronisten
Der Landesheimatbund (LHB) widmet sich mit
seinen Orts-, Heimat- und Interessenvereinen der Erforschung, Pflege und
weiteren Gestaltung des Lebens in Sachsen-Anhalt. Über aktuelle Vorhaben sprach
unser Redakteur Ernst Krziwanie mit dem neuen LHB-Geschäftsführer Manfred Köppe.
"Mythos Heide" lautet ein Thema. Um was geht es dabei?
Köppe: Kurz gesagt um die historische, volkskundliche, biologische und
geologische Erforschung der Dübener Heide. Die Erkenntnisse fließen in das
Tourismus- und Naturparkkonzept des Landes ein. Partner sind der Verein Dübener
Heide und viele Ortschronisten.
Gibt es Chronisten in jedem Ort?
Köppe: Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber wir gehen davon aus, dass
inzwischen in allen rund 1270 Orten Sachsen-Anhalts das Woher und Wohin sowie
die Vielfalt des Alltags festgehalten wird.
Wie hilft der LHB dabei?
Köppe: Im Moment stecken wir mitten in Ortschronistentagungen. Nach Halle,
Wittenberg und Magdeburg folgen nun Merseburg und Quedlinburg. Im Mittelpunkt
steht die Arbeit mit dem Internet. Unterstützung erhalten die Chronisten dabei
von Studenten der Martin-Luther-Universität in Halle.
Die Denkmalpflege ist seit Jahren ein Schwerpunkt des LHB. Warum hat sich jetzt
ein neuer Arbeitskreis Denkmalpflege formiert?
Köppe: Wir wollen im Zusammenhang mit dem Stadtumbau Ost einen neuen Dialog über
Baukultur anstoßen. Dabei geht es auch um die Verantwortung der Bürger für ihre
bauliche Umwelt. Neu dabei sind auch die Architekturspaziergänge. Erstmals laden
wir dazu am 18. Oktober in Bernburg ein.
www.naumburger-tageblatt.de
17.09.2003
Völklingen: Goldener Herbst in Völklingen?
In den Geschäften lockt die neue Herbst- und
Wintermode. Renommierte Autohändler präsentieren ihre Neuerscheinungen von der
Internationalen Automobilausstellung (IAA) auf Völklingens Straßen.
Oldtimer-Freunde lassen ihre Schmuckstücke aus dem Stall. Sie formieren sich zum
Auto-Korso durch die Innenstadt. Große und kleine Kinder haben ihren Spaß mit
Clowns, Karussells und kostenlosem Bullen-Reiten. Schon ab dem frühen Morgen
lockt einer der größten Flohmärkte im südwestdeutschen Raum. Und wer hungrig und
durstig bleibt, ist selbst schuld. Mit vereinten Kräften will die Kaufmannschaft
Zehntausenden von Besuchern am Sonntag, 19. Oktober, einen schönen Herbsttag in
Völklingen bereiten.
Der eigene Anspruch ist hoch. "Wir in Völklingen müssen uns abheben von allen
anderen", sagt Horst Bonin, Geschäftsführer des Woolworth-Kaufhauses. Zusammen
mit seinem Herbsttag-Team und im Namen des Wirtschaftskreises organisiert er
diesen verkaufsoffenen Sonntag als eine Großveranstaltung eigener Prägung. Von
13 bis 18 Uhr kann man in der ganzen Völklinger Innenstadt ungestört flanieren,
bummeln, schauen, aus- und anprobieren und natürlich auch kaufen. Viele
Geschäftsleute steuern zum Rahmenprogramm noch eigene Initiativen in ihren
Häusern bei - vom Begrüßungsschluck übers Sonder-Sonderangebot bis hin zum
kleinen Präsent für die Besucher.
Bonin: "Die Zeiten sind vorbei, da man nur einfach die Geschäfte öffnen musste.
Heutzutage ist ein buntes Programm angesagt, in dem sich die ganze Familie
wiederfindet." Und es muss schon auch was Besonderes sein - wie die große
Autoschau in Rathausstraße, Poststraße und Fußgängerzone, bei der an die zehn
Firmen ihre Modelle vorstellen. Hierzu macht sich auch Mercedes von Saarlouis
aus auf die Socken, pardon: auf die Räder. In diesem Jahr werden erstmals auch
Motorräder zu sehen sein. Die erste Autoschau zum verkaufsoffenen Sonntag war
übrigens vor vier Jahren mit nur zwei Händlern gestartet.
Noch wirkt der Konjunkturhimmel, bestätigt Bonin, trist. Doch die Völklinger
wollen das Ihre tun, die Dinge zum Besseren zu wenden. Die erste Völklinger
Woche im Juni mit ihren Dutzenden von Großveranstaltungen war das Resultat einer
gemeinsamen Kraftanstrengung von Stadt, Vereinen und Gewerbetreibenden. Sie
brachte auch der im Herbst zuvor abgesagten Völklinger Stadtmesse, der
Leistungsschau des Gewerbes, wieder frischen Wind in die Segel. Seit Februar
läuft in der Völklinger Innenstadt das Sanierungs-Projekt Stadtumbau West,
ausgestattet mit vier Millionen Euro an Zuschüssen. Bonin hält es für "einen
wichtigen Beitrag, um Völklingen nach vorne zu bringen". Bisher größtes Vorhaben
ist die Idee, das Ex-Kaufhof-Gebäude in der Rathausstraße in Form eines
Gesundheitszentrums wieder zu beleben. Projekt-Manager Hans Günter Weiß sagte
unserer Zeitung auf Anfrage, die Pläne und die Berechnungen für das Vorhaben
seien fertig. Die würden nun mit dem Eigentümer des Gebäudes und möglichen
Investor, Bernard Ostrolenk, besprochen. Dann werde sich entscheiden, ob der
zweite Teil der Machbarkeitsstudie, innerhalb dessen mögliche Interessenten
angesprochen werden sollen, in Auftrag gehe. Vielleicht gibt es da schon vor dem
Völklinger Herbsttag am 19. Oktober genauere Nachrichten.
www.sol.de
17.09.2003
Kreative Sonderzonen
Über hundert Stadtplaner, Kommunalpolitiker
und Wissenschaftler diskutierten vergangene Woche auf einem Symposium neue
Möglichkeiten, der Stadtschrumpfung zu begegnen. Die Veranstaltung am
Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner bei
Berlin stand unter dem Motto »Städtische Kreativität«. Sie schloss einen
Workshop ab, an dem sich fünf ostdeutsche Städte beteiligt hatten.
Frankfurt (Oder), Leipzig, Neuruppin, Schwerin und Zwickau haben seit 1989
Einwohnerverluste von 5 bis 22 Prozent hinnehmen müssen. In der Mehrzahl der
ostdeutschen Städte sieht es kaum anders aus. Reagiert wurde auf den
Schrumpfungsprozess bislang mit Wohnungsrückbau im Rahmen des »Stadtumbau Ost«.
Mit der Workshopreihe »Städtische Kreativität« sollten Planer und
Stadtverwaltungen angehalten werden, nicht nur im Wohnungsbau auf den
Einwohnerverlust zu reagieren. »Wir haben Kreativität als Arbeitsprinzip
definiert«, erklärt Heike Liebmann vom IRS. Das bedeute vor allem, eingefahrene
Funktionsweisen von Verwaltungen zu durchbrechen, flache Hierarchien zu
etablieren und im Team auch nach unkonventionellen Lösungen zu suchen. Um solche
Lösungen wie Zwischennutzungen und Umnutzungen von Wohn- und Gewerbeflächen zu
ermöglichen, sollten starre gesetzliche Regelungen auch zeitweise außer Kraft
gesetzt werden können.
Professor Karl-Dieter Keim, Leiter des IRS, schlug vor, »Sonderzonen der
räumlichen Entwicklung« einzurichten. Wie die Beispiele Leipzig, Schwerin und
Zwickau zeigten, finden zugleich Schrumpfungs- und Wachstumsprozesse statt.
Trotz einer negativen Bevölkerungsentwicklung besteht dort zunehmend Interesse
an Wohn- und Geschäftsflächen in den innerstädtischen Altbauquartieren. In
Zeiten knapper finanzieller Mittel dürften diese nicht mehr nach dem
»Gießkannenprinzip« auf alle Stadtteile verteilt werden, sondern sollten in
Gebiete fließen, in denen Entwicklungspotenziale vorhanden sind, so die Planer.
Professor Ulf Matthiesen von der Humboldt-Uni sprach dem in einer Stadt
vorhandenen Wissen eine besondere Rolle bei der Stadtentwicklung zu. Es sei
daher wichtig, genügend Wissen und Kreativität in die Stadt zu locken. Dies
könne über Universitäten und andere Forschungseinrichtungen geschehen, auch Orte
des privaten Austauschs seien wichtig. Künstlern und Kulturschaffenden fiele
dabei die Rolle von »Raumpionieren« zu.
Mit dem Leitbild der »städtischen Kreativität« ist eine Vorstellung der Stadt
als Unternehmen verbunden. Als positive Beispiele einer »kreativen«
Stadtentwicklung wurden die nordwestenglischen Städte Manchester, Liverpool und
Huddersfield angeführt. Die ehemaligen Industriestädte, die in den 80er Jahren
von Niedergang und Abwanderung betroffen waren, konnten den negativen Trend
durch die Ansiedlung einer »kreativen Klasse« umdrehen, in die – quasi von oben
verordnet – gezielt Künstler und Medienschaffende gelockt wurden. Die
Stadtverwaltungen bewarben die Städte in Imagekampagnen als »Marken«. Die Städte
werden dabei als Akteure in einem globalen Wettbewerb verstanden, der durch
Standortvorteile, Investitionen, kulturelle Einrichtungen und Großereignisse
beeinflusst wird. Dass die unternehmerische Stadt wie in Manchester oftmals eine
soziale Polarisierung nach sich zieht, fand nur am Rande des Symposiums
Erwähnung.
www.nd-online.de
16.09.2003
Wismar: hat seit der Wende über 10 000
Einwohner verloren
Schleichend nähert sich die Einwohnerzahl Wismars der 40 000er-Grenze. Denn
allein mit Hauptsitz sind nur noch 44 216 Wismarer registriert. Und die
Prognosen erscheinen besorgniserregend. Bei der Erstellung eines „Integrierten
Stadtentwicklungskonzeptes“ (ISEK) für Wismar wurde bis zum Jahr 2015 von einem
Bevölkerungsschwund um etwa 15 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2015 würden noch 38
084 Wismarer mit Hauptwohnsitz gemeldet sein. Die ISEK-Forscher empfehlen einen
Rückbau von 3000 Wohnungen, da sich die Anzahl der Haushalte erheblich
verringern werde: von 22 784 im Jahr 2001 auf 20 587 im Jahr 2015. Der Rückbau
wird vor allem am Friedenshof, langfristig auch für Wendorf empfohlen.
Vorbei sind die Zeiten, wo Wismar stolz die 50 000er-Grenze überschritten hatte.
Zuletzt im Jahr 1995 mit 51 006 Einwohnern mit Haupt- und Wohnsitz. Im Jahr 1990
wurden gar 57 173 Hansestädter gezählt. Somit hat Wismar seit der Wende rund 11
000 Frauen und Männer eingebüßt. Die Tendenz des Rückgangs wird allein an den
ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich: 68 Neugeborenen standen 148
Verstorbene gegenüber; 525 Leute zog es nach Wismar, aber 590 zogen weg.
Die Folgen für Wismar – das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region –
liegen auf der Hand. Weniger Bevölkerung bedeutet weniger Finanzzuweisung durch
das Land. „Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin bei der Wirtschaftsansiedlung.
Wer keine Arbeit hat, sucht sich neue Perspektiven“, verweist Pressesprecher
Frank Junge auf die Bemühungen der Stadt, dem Abwärtstrend entgegenzuwirken. Und
Bevölkerungszuwachs durch Eingemeindungen? „Die Gemeinden, die wollen, werden
von uns nicht abgewiesen, mit denen wird ein Weg gesucht“, so Junge. Die
Gemeindevertreter Barnekows hatten sich für Wismar entschieden, doch der Kreis
und das Innenministerium blocken.
Der Stadtteil Wendorf ist übrigens aktuell der mit der höchsten
Bevölkerungszahl. 12 839 Einwohner wurden Ende Juni gezählt. Damit wurde der
Friedenshof (11 796) inzwischen überholt. Auf Platz drei folgt die Altstadt mit
7296 Einwohnern, immerhin 1315 mehr als noch Ende 1998. Die weiteren Stadtteile:
Wismar Nord 2702 Einwohner, Wismar Ost 4472, Dargetzow 1608, Wismar Süd 3041 und
Wismar West 3520. Nach wie vor leben in der Hansestadt mehr Frauen. Ihr Plus
beträgt 1310. Fast die Hälfte davon entfällt auf Wendorf. Hier wohnen 651 Frauen
mehr als Männer. Der Ausländeranteil an der Bevölkerung liegt bei rund 1500
Frauen, Männern und Kindern.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
14.09.2003
Forst: Ein Märchenschloss
Künstler warben mit spektakulären
Großprojektionen vor tausenden Zuschauern für mehr Dialog beim Stadtumbau
Mit einem faszinierenden Lichtspektakel wurde am Wochenende in Forst ein
ungewöhnliches Projekt zum Thema Stadtumbau gestartet: Unter dem Motto «Das
Forster Tuch» verwandelte sich ein für den Abriss bestimmter Plattenbau am
Marktplatz an drei Abenden zum leuchtenden Kunstwerk. Mit der Aktion sollen die
Forster zum Dialog über die Zukunft der Neißestadt eingeladen werden.
Ein staunendes «Aah» geht durch die Reihen, als die beiden Pani-Lichtprojektoren
die zwanziger Jahre nach Forst zurückbringen: Aus der grauen Front des zum
Abriss freigegebenen P2-Fünfgeschossers wird die strahlende Fassade des Hotels «Pittius»
, in erleuchteten Fenstern tanzen lebende Schatten Charleston. Zuschauer
klatschen, Kinder jagen auf der Straße lärmend dem bimmelnden Nachbau der
Forster Stadteisenbahn «Schwarze Jule» nach. Leben kehrt ein auf dem Marktplatz,
der an anderen Abenden viel zu oft wie ausgestorben wirkt.
Jeweils bis zu tausend Forster versammelten sich am Freitag-, Samstag- und
Sonntagabend auf dem Marktplatz, um das halbstündige Lichtspektakel von «Spacewalk»
zu bestaunen.
„Spacewalk“ ist ein Künstlernetzwerk, das sich mit dem Projekt «Das Forster
Tuch» für die nächsten Monate in der Stadt einquartiert hat. Bezahlt werden soll
das über Stadtumbaumittel, Stiftungs- und Sponsorengelder. Die Künstler wollen
mit den Bewohnern ins Gespräch kommen und Ideen sammeln, wie die Stadt künftig
aussehen und gestaltet werden kann.
Denn so wie heute wird und kann Forst schon bald nicht mehr aussehen: Der Abriss
des 60 Meter breiten und 16 Meter hohen Fünfgeschossers am Markt, der heute
beginnt, ist nur der deutlich sichtbare Anfang eines dramatischen Stadtumbaus.
Etwa 1900 Wohnungen müssen in den nächsten Jahren in Forst verschwinden.
Viele davon werden wohl ausgerechnet im historischen Zentrum abgerissen: Denn
anders als bei anderen ostdeutschen Städten versammeln sich die Plattenbauten in
Forst nicht in Neubauvierteln am Stadtrand. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der 85
Prozent der alten Gebäude zerstörte, wurden rund um die Stadtkirche Wohnblocks
hochgezogen. Eigentlich Toplagen im Herzen der Grenzstadt. Doch die
Geschäftsstraßen sind vom Markt weggerückt, Investoren nicht in Sicht. Und so
weiß niemand, was an die Stelle des von den Künstlern angestrahlten Blocks
treten wird.
Der Leerstand habe sich in den letzten Jahren «dramatisiert» . Besserung ist
nicht in Sicht: Die Prognosen prophezeien in den kommenden Jahren einen weiteren
Bevölkerungsrückgang für die Noch-23 000-Einwohner-Stadt.
«Dieses Gebäude wird abgerissen. Das ist kein Grund zum Feiern. Das ist kein
Grund zum Klagen. Nutzen wird das, was morgen kommt» , ruft der Harlekin auf
Stelzen den Forstern zu, nachdem die Projektoren die 70er-Jahre auf ihre 60
Meter breite und 16 Meter hohe Bühne gemalt haben. Im Herbst 1975 wurden die
damals heiß begehrten Wohnungen bezogen.
Die Projektoren werfen Visionen auf den Beton: Eine blubbernde Unterwasserwelt
überstrahlt den Marktplatz, danach verwandeln hohe Säulen die Front des
Wohnblocks in eine aristokratische Fassade: «Verwandeln wir das hier in ein
Märchenschloss Marke Forst» , ruft der Harlekin, der im wirklichen Leben Andree
Wenzel heißt, während die Schattenspieler vom Forster Gymnasium rote Herzen in
die hellen Fenster drücken.
www.lr-online.de
14.09.2003
Bundesregierung ist zur Aufstockung der
Städtebauförderung West bereit
Das erklärte Bundesminister Dr. Manfred
Stolpe bei seinem Besuch der Ruhrgebietsstädte Duisburg, Gelsenkirchen und
Gladbeck. Der Minister folgte einer Einladung des nordrhein-westfälischen
Bauministers Dr. Michael Vesper, der - ebenso wie Ministerpräsident Peer
Steinbrück - in den letzten Tagen eine stärkere Bundesförderung für die alten
Länder gefordert hatte. "Ich nehme mich der Probleme der Städte im Westen
Deutschlands ebenso an wie der Probleme im Osten. Gelsenkirchen ist mir genauso
wichtig wie Görlitz", fügte der Bundesminister hinzu.
In Gelsenkirchen und anderen Städten des Ruhrgebiets seien tief greifende
Veränderungen unübersehbar, verursacht durch den massiven wirtschaftlichen
Strukturwandel, durch das Wegbrechen der Stahlindustrie und des
Steinkohlebergbaus. Bevölkerungsrückgang, hohe Arbeitslosigkeit und nicht
ausgelastete Wohnungsbestände mit schlechter Bausubstanz sowie Anpassungsbedarf
bei der Infrastruktur stellten die Kommunen vor schwere Aufgaben. "Hier müssen
und hier wollen wir gegensteuern. Deshalb habe ich erst vor wenigen Tagen meinem
Kollegen Dr. Vesper mitgeteilt, dass der Bund beabsichtigt, Gelsenkirchen in die
Pilotprojekte zum 'Stadtumbau West' aufzunehmen. Wir wollen damit ein neues
Programm 'Stadtumbau West' vorbereiten.
Zu den elf Pilotprojekten, die wir im letzten Jahr begonnen haben und zu denen
in Nordrhein-Westfalen Oer-Erkenschwick zählt, kommen jetzt Gelsenkirchen und
Essen dazu." So werden in Gelsenkirchen-Altstadt Stadtumbaumaßnahmen mit bis zu
2,7 Millionen Euro unterstützt. In Essen würde die Erarbeitung eines
Stadtentwicklungskonzepts finanziert. "Ich habe mich davon überzeugen können,
dass unsere Entscheidung für Gelsenkirchen goldrichtig ist", fuhr Bundesminister
Dr. Stolpe fort.
Dies sei aber nur ein kleiner Baustein der Anstrengungen, welche die
Bundesregierung zur Aufstockung der Städtebauförderung West ergreife. Die
Bundesregierung habe bereits in den letzten Jahren ihre Förderung deutlich
erhöht. Die Bundesmittel seien von 40,9 Millionen Euro im Jahr 1998 auf 167
Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen. Dazu habe auch das 1999 neu aufgelegte
Programm "Soziale Stadt" beigetragen, in das zum Beispiel schon Gelsenkirchen,
Duisburg, Dortmund, Gladbeck und Essen aufgenommen seien.
"Zur Zeit bereiten wir eine kräftige weitere Aufstockung der Städtebauförderung
in den alten Ländern vor. Wir wollen die Wohneigentumsförderung umstrukturieren
und die Eigenheimzulage durch gezielte Förderprogramme ersetzen", sagte der
Minister. In diesem Rahmen sollen die Finanzhilfen des Bundes zur
Stadtentwicklung in den alten Ländern von jetzt 92 auf 211,8 Millionen Euro und
die Mittel für das Programm "Soziale Stadt" von 80 auf 135,9 Millionen Euro
(davon alte Länder 102 Millionen) angehoben werden. Weitere 86 Millionen Euro
seien für ein neues Programm Stadtumbau West vorgesehen. Die Städtebauförderung
des Bundes in den alten Ländern würde dann von 167 Millionen Euro in diesem Jahr
auf 400 Millionen Euro wachsen. Der Anteil der alten Länder an der
Städtebauförderung für Ost und West stiege von 13 Prozent im Jahr 1998 über 27
Prozent heute auf 48 Prozent. Die Bundesregierung gehe damit zu einem Großteil
auf die Forderungen Nordrhein-Westfalens ein. "Allerdings halte ich nichts
davon, die Städtebauförderung West zu Lasten der neuen Länder aufzustocken. Ich
orientiere mich nicht an der Himmelsrichtung, sondern am Bedarf. Im Westen ist
das Problem punktuell, im Osten ist es flächendeckend", erläuterte Stolpe.
www.fankurve.de
13.09.2003
Sassnitz: Abriss nach halbem Jahrhundert
Am Montag früh um 7 Uhr beginnt der Abriss.
Dann rollen die Bagger zum ehemaligen Mietshaus Merkelstraße 61 – 63. Etage für
Etage, Zimmer für Zimmer des über viele Jahre von 28 Mietparteien bewohnten
Blockes an der Kreuzung zum Birkenweg werden heruntergebrochen und abgefahren.
„Lieber wollen wir andere Häuser verbessern, die echte Chancen besitzen“,
begründet Klaus Schütt, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft
Sassnitz mbH (WoGeSa), den Abriss, der ähnlich wie bei dem Projekt in der
Victoriastraße ablaufen soll. Eine von Anwohnern befürchtete Sprengung wird es
nicht geben. „Keine Ahnung woher solche Gerüchte kommen“, wundert sich der
Geschäftsführer.
Der Wohnblock, der bereits entkernt wurde, ist 1952 gebaut worden. Ursprünglich
war vor zwei Jahren eine komplexe Modernisierung geplant. Die Analyse der
Substanz des Hauses und der daraus resultierende Umfang der
Instandsetzungsarbeiten ergaben jedoch, dass das dafür nötige Geld nicht
refinanzierbar gewesen wäre. Es musste mit etwa 1,2 Millionen Euro
Sanierungskosten gerechnet werden. Die dabei entstehenden 27 Wohnungen wären
jeweils etwa 44 000 Euro teuer gewesen, erläutert die WoGeSa. Kosten in einer
Höhe von 950 Euro je Quadratmeter Wohnfläche seien allerdings über die Mieten
und die nur begrenzt verfügbaren vergünstigten Darlehen für eine Modernisierung
in der Kalkulation zu hoch, so Schütt weiter.
In einer Portfolio-Untersuchung werden Kriterien wie Vermietbarkeit,
Infrastruktur oder soziale Faktoren der zu sanierenden Häuser jedes Jahr aufs
Neue untersucht und ausgewertet. So kann es sein, dass für eine Immobilie auch
nach Jahren eine positive Entscheidung fällt. Für das Objekt in der Merkelstraße
allerdings fiel die Prognose ungünstig aus. Deshalb habe man sich innerhalb des
seit einem Jahr existierenden Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) für
einen geförderten Abriss zum Gesamtpreis von 55 000 Euro entschieden.
Auf dem Grundstück wird nach dem Abriss des Hauses Rasen gesäht, das Areal
selbst eingezäunt und für eine zukünftige Neubebauung bereit gehalten. Eine
konkrete Planung mit Terminvorgabe wolle man derzeit bei der Wohnungesellschaft
noch nicht nennen.
www.OSTSEE-ZEITUNG.DE
13.09.2003
Das Land der durchlöcherten Städte
Seit 1945 hieß für die deutschen Kommunen das
Leitbild immer "Wachstum". Sie werden sich ein neues suchen müssen
Die Prognosen sind düster: immer mehr alte, sterbende Menschen bei immer weniger
jungen, die sich um sie kümmern können. Krankenhäuser, die ehemalige
Säuglingsstationen zu Sterbezimmern umbauen. Stadtteile, in denen nur noch alte
Menschen leben - oder überhaupt niemand mehr.
Doch die Kommunen reagieren zäh auf die Daten von morgen. "Die Diskussion ist
sehr angstbesetzt", sagt Richard Reschl von der Kommunalentwicklung LEG
Baden-Württemberg. "Seit 1945 hieß das Leitbild der deutschen Städte immer
,Wachstum'." Noch heute würden in Deutschland täglich 129 Hektar Fläche neu
bebaut. "Themen wie Stadtschrumpfung oder Bevölkerungsweggang werden oft als
Bedrohung aufgefasst", erklärt Reschl die Lethargie vieler Kommunen.
Um den Prozess anzuregen, hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMBF 21 Städte aufgefordert, ein Zukunftsszenario für sich zu entwerfen. Das
Ergebnis, das unter dem Titel "Stadt 2030" in diesem Monat vorgestellt wird,
zeigt, dass der demografische Wandel regional sehr unterschiedliche Auswirkungen
auf das Bild der Städte haben wird.
So kämpft die Stadt Leipzig - ähnlich wie andere Städte des Ostens - schon heute
mit einem dramatischen Wohnungsleerstand. 60.000 Wohnungen - darunter ganze
Plattenbausiedlungen - stehen leer, aber auch eine große Zahl zum Teil sogar
sanierter Gründerzeitvillen ist unbewohnt. Im Stadtplanungsamt ist man
entschlossen, den Schrumpfungsprozess als Chance zu begreifen. So sollen leer
stehende Häuser in bestimmten Stadtgebieten angekauft und abgerissen werden, um
dort gezielt innerstädtische grüne Inseln zu schaffen. "Es geht darum, die
verbleibenden Quartiere zu stabilisieren", erklärt Planungsamtsmitarbeiter
Reinhard Wölpert. Ihren Umgang mit der zunehmenden Durchlöcherung der Stadt
durch Wegzug, wenig Nachwuchs und Überalterung sieht die Stadt als Leitbild.
Arbeitstitel: "Die perforierte Stadt".
Kaum betroffen von den düsteren Demografieprognosen ist dagegen bisher die
Region Stuttgart. Dort wird die Zahl der Einwohner in den nächsten zwei Jahren
voraussichtlich sogar noch zunehmen. Doch auch hier liegt unter den 2,6
Millionen Einwohnern der Anteil der über 65-Jährigen bereits bei über 16
Prozent, und es gibt Großwohnsiedlungen aus den 60er-Jahren, die inzwischen fast
ausschließlich von alten Menschen bewohnt sind. Stuttgarts Beitrag zum
Wettbewerb "Stadt 2030" ist das Projekt "Scharnhauser Park". Die ehemalige
Wohnsiedlung amerikanischer Streitkräfte wird seit 1993 umgebaut und ist
Experimentierfeld für zukünftige Wohnformen. Leitbild: soziale Integration. Das
sind Hausgemeinschaften "junger Alter", die zukünftig länger körperlich und
geistig fit bleiben und möglichst lange einen eigenen Haushalt führen wollen,
mehr Möglichkeiten des betreuten Wohnens, Wohnformen für Jüngere, die den
erwarteten Trend zur Heim- und Telearbeit unterstützen sollen. Aber auch die
zunehmend bedeutsamere Gruppe der Zuwanderer und deren individuelle Entwicklung
ist eingeplant: mit einem türkischen Altenheim, einem "religiösen Zentrum" mit
Moschee und Kirche und Bereichen "interkulturellen Wohnens".
Doch letztlich sei das alles nur denkbar, wenn die Menschen bereit seien, Normen
und Werte zu überdenken, sagt Städtebauprofessor Reschl, der im demografischen
Wandel eine Chance sieht: "Für eine neue Qualtität des bürgerschaftlichen
Engagements." Es sei dringende Aufgabe der Sozialpolitiker, dazu ein "allgemein
tragfähiges Leitbild" zu entwickeln.
Das Projekt "Stadt 2030" ist der bisher einzige größere Versuch auf öffentlicher
Ebene, sich mit den unmittelbar bevorstehenden Veränderungen stadtplanerisch
auseinander zu setzen. Andere Projekte einzelner Kommunen oder des Deutschen
Städtetags zur Verbesserung und Anpassung städtischen Lebensraums sind meist auf
aktuelle Probleme konzentriert, weniger auf die zukünftigen Bedürfnisse der
Gesellschaft. "Das Thema Stadtschrumpfung war viel zu lange tabu", sagt auch
Brunhild Spannhake, Referentin für Bauen und Wohnen im BMBF, die den Wettbewerb
begleitet hat. "Es war politisch nicht gut zu verkaufen." Der Wettbewerb hat
zumindest einen Denkprozess angeregt. Ob der Bund eine Weiterentwicklung der
erarbeiteten Szenarien finanzieren wird, ist noch nicht klar.
www.taz.de
13.09.2003
Solarenergie und Stadtumbau
Wissenschaftler der Fachhochschule Magdeburg-Stendal haben einen
Solar-Energie-Turm entwickelt. Die Idee:
Ein leer stehendes Hochhaus wird nicht abgerissen, sondern mit Solartechnik und
anderen Wärmespeichern bestückt. Der Betonkoloss würde zum Power-Tower:
Forschungsstätte und moderner Energieerzeuger zugleich. Was fehlt, sind
Fördergelder.
Mechtild Rothe, EU-Abgeordnete, kam eigens aus Brüssel angereist, um sich das
Projekt in Magdeburg näher anzuschauen. "Also wenn das nicht gefördert wird, was
dann? Ich habe ein gutes Gefühl", macht sie den Professoren und Ingenieuren an
der Fachhochschule Mut, die den Power Tower entwickelt haben. "Wir brauchen
solche Leuchttürme", meint sie, die seit Jahren das Thema Erneuerbare Energien
beackert.
Nun sind Solarzellen (für Sonnen-Strom) und Solarkollektoren (für Warmwasser)
schon lange auf dem Markt. Das Neue am Magdeburger Power-Tower wäre die
Kombination aus Stadtumbau, sauberer Energie und Wärmespeicherung, meinen die
Magdeburger Wissenschaftler. Der 16-Geschosser in Magdeburg (Leipziger Straße)
müsste nämlich abgerissen werden - wie so viele Plattenbauten im Osten, der
drastisch an Einwohnern verliert. Professor Götz Grosche, der Erfinder des Power
Towers, kam auf die Idee, den Plattenbau als "Geräteträger" für Solartechnik und
andere Energiespartechnik zu nutzen:
Dazu sollen bis auf die Nordfassade alle Seiten mit Solarzellen bestückt werden,
die Strom erzeugen. Zwischen Solarzellen und alter Fassade befindet sich ein
Luft-Zwischenraum: Die sich hier entwickelnde Wärme soll ebenfalls genutzt
werden (Luftkollektor). Im Keller sollen neue, energiespeichernde
Baustoffe (Paraffin) eingebracht werden, die die Magdeburger Firma "Zimmermann
electronic" entwickelt hat. Auf dem Dach liefern Solar-Kollektoren warmes
Wasser.
Im Inneren des Baus würde Messtechnik angebracht - die Magdeburger
Wissenschaftler würden das Zusammenwirken der verschiedenen Energielieferanten
und Speicher ergründen. Der Power Tower wäre der größte seiner Art in Europa.
"Ein Highlight nach dem Magdeburger Dom", ist sich Grosche sicher. Und: Die leer
stehenden Wohnungen kämen vom Markt - aber hier im Magdeburger Süden ohne
Abrissbirne oder Dynamit. "Das wäre auch ein wichtiger psychologischer Effekt
für die Anwohner", denkt der Professor.
Auch der Besitzer des Hochhauses, die Wohnungsbaugenossenschaft 1954, ist
begeistert. "Der Turm hätte eine Funktion und der Schandfleck wäre
verschwunden", fasst Vorstand Rolf Opitz die Vorteile zusammen.
Das Hochhaus abzureißen würde über 700000 Euro kosten. Die Verwirklichung des
Power-Turms käme auf etwa sechs Millionen Euro. Im neuen EU-Fördertopf liegen
für "intelligente Energien" 200 Millionen Euro - aber für ganz Europa.
EU-Abgeordnete Rothe weist denn auch vorsorglich darauf hin, dass die EU selbst
bei positivem Votum nicht die ganze Summe für den Turm aufbringt. Auch das Land
sei gefordert.
www.volksstimme.de
13.09.2003
Abriss von „Platte“ wird mit Kunstprojekt
eingeleitet
Der Abriss eines Plattenbaus im Stadtzentrum von
Forst (Spree-Neiße) wird seit gestern mit einem Kunstprojekt eingeleitet.
Lichtprojektionen und Chöre sollen aus dem Alltag und der Geschichte des
Gebäudes am historischen Marktplatz erzählen. Das Projekt „Das Forster Tuch“
wird im Auftrag der Stadtverwaltung von der Agentur „Spacewalk“ veranstaltet.
Bis Sonntag soll Leben ins Zentrum der Grenzstadt gebracht werden. Mit dem
Projekt wollen die Veranstalter auf den Niedergang der einst florierenden
Textilmetropole aufmerksam machen.
In vielen Städten im Osten kreisen die Abrissbirnen über Plattenbausiedlungen.
Manche Dörfer werden zu Altenheimen, weil es die Jugend dorthin zieht, wo es
noch Arbeit gibt. Doch bei diesem Szenario wollen es Soziologen und Stadtplaner
nicht belassen. Mit einem Buch möchten sie frischen Wind in die zähen
Strukturdebatten ostdeutscher Kommunen bringen – und ein bisschen Optimismus.
„Städtische Kreativität“ heißt das 245-Seiten-Werk von Heike Liebmann und Tobias
Robischon.
„Die Konzentration auf den Abriss leer stehender Plattenbauten ist doch ein viel
zu schmaler Ansatz für den notwendigen Stadtumbau“, sagte Mitautor Karl-Dieter
Keim, Direktor des Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS)
in Erkner. Doch zu einem neuen Denken zu raten, ist kein leichtes Unterfangen.
Die Situation vieler ostdeutscher Kommunen klingt dramatisch. Mit der Wende
verloren Städte wie Hoyerswerda, Cottbus, Schwerin, Zwickau, Frankfurt (Oder),
Eisenhüttenstadt nach IRS-Analysen bis zu 22 Prozent ihrer Einwohner.
Industriezweige brachen weg, die Arbeitslosenquoten stiegen.
Die Talfahrt hat so schnell kein Ende: Das Bundesamt für Bauwesen prognostiziere
bis 2015 die Abwanderung von weiteren 950 000 Menschen aus den neuen Ländern,
heißt es in dem neuen Buch. „Die Probleme sind auch nicht mehr dadurch zu lösen,
dass die ostdeutschen Gemeinden mehr Geld bekommen“, betonte IRS-Soziologe Keim.
Die Ratschläge der Stadtplaner laufen vielmehr auf einen neuen Zusammenschluss
der vorhandenen Potenziale in den Gemeinden zusammen. So wie im schwedischen
Karlskrona, wo die Universität, die Stadtverwaltung und der Telefonkonzern
Ericson als treibende Kräfte eine Art Telekom-City ins Leben riefen – als neue
Identität.
Doch gerade die gut organisierte Verbindung von Kommunen und Hochschulen
vermissen die Stadtplaner. „In Frankfurt (Oder) tauchte die Universität in
Konzepten der Stadtverwaltung gar nicht auf“, kritisierte Keim. Andere Städte
wie Eisenhüttenstadt tabuisierten das Problem der Abwanderung und ihre
Abhängigkeit vom Stahlwerk.
Und wenn es neue Ideen gibt, blockieren nach Meinung der Stadtforscher Gesetze
und Vorschriften eine Umsetzung. So wie in Berlin-Hellersdorf, wo Studenten
einen leer stehenden Plattenbau für ein Kunstprojekt nutzen wollten, ein
Vorhaben, das beinahe am Gewerberecht und an Haftungsansprüchen gescheitert
wäre.
Mit ihrem Buch wollen die Forscher vor allem Lähmung und Klage in vielen
Kommunen entgegentreten. Patentlösungen haben sie aber auch nicht – jede Kommune
müsse ihre eigene Nische finden und nutzen. Eine Lösung könnten City-Manager
sein, die wie Unternehmensberater für die Gemeinden arbeiten.
www.lr-online.de
12.09.2003
Jena: Geisterblock ist nun fertig zum Abriss
Die letzten beiden Mieter eines seit über einem Jahr
zum Abriss fertigen elfgeschossigen Wohnblocks in Jena-Lobeda sind am Dienstag
Abend ausgezogen.
Das Ehepaar Schmidt kam damit der für gestern angesetzten Zwangsräumung zuvor.
Die beiden 50-jährigen Rebellen hatten vorm Amtsgericht Jena und vorm
Landgericht Gera erfolglos gegen die Abriss-Kündigung der Städtischen
Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (SWVG) geklagt. Laut Einigungsvertrag
dürfen DDR-Mietverträge nicht für einen höheren Gewinn des Vermieters gekündigt
werden. Die Gerichte hatten aber geurteilt, dass auch im Osten Mieter unter
bestimmten Voraussetzungen ausziehen müssen, wenn der Vermieter das Haus
abreißen will. Nach Ansicht des Landgerichts will die SWVG den Leerstand beheben
und nicht etwa für einen lukrativeren Neubau Platz schaffen. Gegen dieses Urteil
sind die Schmidts beim Bundesgerichtshof (BGH) in Berufung gegangen. Eine
Entscheidung steht noch aus. Allerdings lehnte der BGH den Antrag der Kläger auf
Aussetzung der Vollstreckung der Wohnungsräumung bereits ab.
Der Abriss beginnt in den nächsten Tagen. An der Stelle soll eine Grünfläche
entstehen.
www.otz.de
12.09.2003
Rathenow: Gute Zukunftsprognose
Das Rathenower Konzept für den Stadtumbau ist gut.
Diese einstimmige Bewertung dürfte am Dienstag vor allem Manfred Kunst gefreut
haben. Er plant den Stadtumbau in Rathenow und leitete in der Aula am Weinberg
eine Podiumsdiskussion. "Was erwarten sie vom Stadtumbau?" lautete die Frage, zu
der Experten und Bürger Stellung beziehen sollten.
Mit dieser Veranstaltung wollen alle, die sich in Rathenow mit dem Stadtumbau
befassen, eine Informationsoffensive starten. "Wir müssen die Bürger bei unserem
Vorhaben mitnehmen", forderte Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger. Neues gab
es am Dienstag in der Aula nicht zu hören. Die Zahlen zur
Bevölkerungsentwicklung, die Idee Rathenow in der Stadtmitte aufzuwerten und am
Ostrand auszudünnen - das alles war und ist bekannt. Bekannt waren auch die
Adressen, wo sich die Konsequenzen aus den Stadtumbauplänen am deutlichsten
zeigen werden. Manfred Kunst erwähnte nochmals alle Gebäude, die kurz- und
mittelfristig saniert oder abgetragen werden.
"Stadtumbau beschränkt sich nicht darauf ein paar Häuser zu sanieren oder
abzureißen", sagte Klaus Eichler aus dem Potsdamer Ministerium für
Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr (MSWV). "Es geht darum, eine neue und
lebenswerte Infrastruktur zu schaffen, damit man sich als kleinere Stadt
entwickeln kann." Rathenow habe noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. Eichler
verwies auf die Landesgartenschau 2006 und machte den Anwesenden klar: "Wir
sprechen gerade darüber, wie wir nach dem Jahr 2006 Landesgartenschauen
finanzieren wollen. Wir sind uns noch nicht schlüssig. Man kann aber nicht
ausschließen, dass sie hier die letzte Brandenburger Landesgartenschau auf lange
Zeit erleben werden. Machen sie also was daraus."
Ein interessantes Bild der Stadt zeichneten zwei Unternehmer. Klaus Fürstenberg,
Geschäftsführer eines alteingesessenen Baustoffhandels plädierte dafür, die
Stadt für Investoren wieder interessant zu machen. "Da ist der Stadtumbau der
richtige Weg." Eine Stadtverwaltung müsse jedoch alle Faktoren, die Investoren
interessieren, im Auge behalten. Fürstenberg nannte die Verkehrserschließung und
Kulturangebote.
www.MaerkischeAllgemeine.de
11.09.2003
Forscher - Stadtumbau ist nicht nur Wohnungsabriss
Der Stadtumbau in Ostdeutschland darf sich nach Ansicht von Wissenschaftlern
nicht allein auf den Abriss von Wohnungen konzentrieren. Vielmehr müsse das
kreative Potenzial vor Ort besser genutzt werden, sagte Karl-Dieter Keim, der
Direktor des Institutes für Regionalentwicklung und Strukturplanung, am Mittwoch
in Erkner. Dort waren rund 100 Wissenschaftler zusammengekommen. Ein Weg sei die
unbürokratische Bereitstellung von städtischen Brachen für Kreative. Lob erfuhr
die Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), weil sie die Bereiche Strategie,
Wirtschaft und Stadtentwicklung in einem Amt zusammengefasst hat.
www.berlinonline.de
11.09.2003
40 Millionen für den Stadtumbau in der Lausitz
10.09.2003
Eilenburg: Jetzt beginnt der Stadtumbau
09.09.2003
Brandenburg: Land in Sicht
08.09.2003
Frankenberg: Streit um Fördermittel beigelegt
08.09.2003
Zaun drum und abwarten