Newsticker Archiv September 2003

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30.09.2003
Finanzreform in Gemeinden vernachlässigt demographische Entwicklung
Der Naturschutzbund NABU hat Bund und Länder aufgefordert, bei der Gemeindefinanzreform die Konsequenzen des demografischen Wandels zu berücksichtigen. Die Diskussion dürfe nicht länger mit überholten Konzepten geführt werden, die immer noch vom Prinzip Zuwachs bei Städten und Gemeinden geprägt seien, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Einwohnerrückgang und die abzusehenden Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur müssten in die aktuelle Diskussion einbezogen werden. Regionale Abwanderung, Leerstand ganzer Stadtviertel, Wohnungsabriss und ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr seien nur einige der drohenden Folgen, denen dringend mit einer umfassenden und nachhaltigen Finanzreform entgegnet werden müsse.
"Einige Kommunen in Ostdeutschland stehen schon heute vor den Problemen, die ohne ein grundsätzliches Umsteuern für alle Gemeinden Realität werden können", so Tschimpke.
Je weiter durch die andauernde Zersiedlung Wohnen, Arbeiten, Versorgungs- und öffentliche Einrichtungen voneinander entfernt lägen, umso mehr würden private und öffentliche Aufwendungen einschließlich der sozialen Kosten steigen. Der Verband fordert daher, nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit mehr Anreize für die Entwicklung funktionierender und lebenswerter Städte und Gemeinden zu bieten. "Wer heute - durch die Steuerpolitik dazu ermutigt - in Gemeinde-Randzonen einen Neubau errichtet, muss überproportional steigende Betriebs- und Lebenshaltungskosten einplanen und angesichts langfristig schrumpfender Gemeinden auch einen
finanziellen Verlust beim Verkauf einkalkulieren.", so Tschimpke. Der aussichtslose Wettbewerb um Gewerbe- und Einkommensteuern habe die Gemeinden auf einen völlig unzeitgemäßen Expansionskurs geführt. Statt in die Innenentwicklung zu investieren, würden Millionenbeträge für die Bereitstellung von Bauland verausgabt.
"Die mit diesem System flüchtig gewonnenen Arbeitsplätze gehen meist woanders verloren und die so vorangetriebene Zersiedelung mit zunehmenden Leerstand macht den Standort Deutschland alles andere als attraktiv.", so Tschimpke. Mit Blick auf die Entwicklung von Grünflächen und Natur im Siedlungsraum warnte er davor, die kommunale Unterstützung freiwilliger Leistungen zu kürzen. "Nur mit der Förderung ehrenamtlicher Arbeit konnte vielerorts eine sonst nicht zu bezahlende regionale Identität bewahrt werden.", so Tschimpke abschließend.

www.ngo-online.de

30.09.2003
Jena: Obdachlosigkeit wird zunehmen
Diese Meinung vertraten gestern die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion des Imaginata-Vereins in der Messwarte des Umspannwerkes in der Löbstedter Straße. Verglichen mit Zahlen aus anderen Städten, nehmen sich die in Jena offiziell registrierten 36 Obdachlosen gering aus. Die Partnerstadt Erlangen hat (trotz nur halb so hoher Arbeitslosigkeit) 469 Menschen ohne Obdach. "Diese vermeintlich ´besseren´ Zahlen täuschen", sagte der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Lakemann von der FH Jena. Höherer Wohnungsleerstand und ein Angebot an unsaniertem, sehr preisgünstigem Wohnraum hätten das Problem bislang verzögert. Da sich aber auch städtische Unternehmen wie die SWVG dem Markt stellen und Wohnungen abreißen müssen, komme es zu einer Verknappung von billigem Wohnraum.
Sabine Werth, Gründerin der Berliner Tafel, sieht die Ursachen für unterschiedlich hohe Obdachlosenzahlen im Unterschied zwischen Großstädten und ländlichen Gegenden. "In das anonyme Berlin kommen Obdachlose aus dem Umland."
Zu Wort meldete sich auch ein Betroffener. Der nach einem Unfall arbeitslos gewordene 44-Jährige sei wohnungslos, aber nicht als solcher registriert, weil er bei einem Kumpel lebe. So werde die Statistik geschönt. Das Jenaer Obdachlosen-Asyl sei für ihn wie ein Gefängnis gewesen und böte keine Lösung für die Probleme.
Lösungen versuchen Ralf Kleist vom Verein "Ein Dach für alle", Michael Baumgarten von der Jenaer Tafel und Sozialarbeiterin Renate Wippich von der SWVG anzubieten. "Was fehlt", so Baumgarten, "ist eine Vernetzung, um Menschen schon vor der Zwangsräumung aufzufangen." Mietschulden sind in allen Fällen der Anfang vom Ende. Dr. Matias Mieth, Ex-Sozialdezernent, forderte die Vereine auf, sich personell im Stadtrat und als sachkundige Bürger im Sozialausschuss einzubringen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. "Viele Stadtäte sitzen seit 1990 im Ausschuss und sind einfach ausgebrannt", meinte Mieth.

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30.09.2003
Löbau: Vandalismus nimmt zu
Das Ebersbacher Wohnungsunternehmen (EWU) hat noch zwei der zum Abriss vorgesehenen Wohnblöcke niederzulegen. Die beiden Eckblocks in der Sachsenstraße sollen in diesem Jahr noch fallen.
Fallen wird dann auch noch ein ganz anderer Stein, und zwar vom Herzen des EWU-Geschäftsführers Jürgen Wurm. „Meine Befürchtungen sind leider eingetroffen“, erklärt er. „Die Zerstörungen in den leer geräumten Gebäuden haben noch zugenommen. Ich bin froh, wenn das einmal ein Ende hat.“
Mit Pflastersteinen wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Es wurden Eingangs- und Innentüren eingetreten, über die Balkons eingedrungen und Resteinrichtungen demoliert. Selbst Müllboxen wurden angezündet, zählt der EWU-Chef auf. Dabei habe es an Mahnungen nicht gemangelt, betont Jürgen Wurm. Auch die Anwohner hätten auf Übergriffe und Lärmbelästigungen aufmerksam gemacht. Die Täter seien jedoch nur schwer zu packen. Allzu sehr sollten sie sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Es gäbe Anhaltspunkte, lässt der Geschäftsführer wissen.
Der Abriss der letzten beiden Blöcke wird voraussichtlich Mitte oder Ende November beginnen. Nach wie vor, unterstreicht Wurm, ist es verboten, die Absperrungen zu übertreten. In den Gebäuden besteht Einsturzgefahr. Der Parkplatz im rechtwinkligen Innenhof ist nicht mehr zu benutzen. Zum Parken sind jetzt genug Freiflächen da, so dass niemand sein Fahrzeug in der Nähe des Abrissgeländes abzustellen braucht.
Die Anwohner, vor allem in der Thüringer Straße, werden auch in den nächsten Monaten gleichsam Tür an Tür mit den Arbeiten leben müssen. So soll auf der Thüringer Straße, über die der Abtransport des Abrissmaterials erfolgt, nur auf einer Seite geparkt werden. Dazu wird diese Seite auch abgesperrt. Der Geschäftsführer dankt dafür schon jetzt der Anwohnern für ihr Verständnis und die nötige Vorsicht.

www.sz-online.de

30.09.2003
Apolda: Stadt der kurzen Wege ist Ziel der Planer
Das Neubaugebiet an der Paul-Schneider-Straße wird mit Ausnahme des Seniorenheimes über kurz oder lang der Abrissbirne zum Opfer fallen müssen. Das ist eine der Aussagen der Stadtentwicklungs-Konzeption für 2003, die der Apoldaer Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung verabschiedete.
Wie Karsten Lehmann, Planer beim beauftragten Berliner Büros Firu, sagte, hat Apolda auch mittelfristig dasselbe Problem wie alle deutschen Klein- und Mittelstädte - einen extremen Einwohnerschwund. So verlor die Stadt allein von 1996 bis 2002 knapp zehn Prozent ihrer Einwohner. Diese Tendenz ist steigend. Ohne Expansionsbestrebungen gelte es jetzt, bei der Planung von außen nach innen vorzugehen, um die Stadt künftig nicht weiter zu zersiedeln.
Der komplexe Rückbau an der Peripherie schließe dabei nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung nicht nur die Paul-Schneider-Straße ein. Auch im Ernst-Thälmann-Ring müssen in einem zweiten Schritt einzelne Blöcke weichen. Der Grund: Wenn "nur" 800 Wohnungen abgerissen werden, dann wird der Wohnungsleerstand von 12,9 Prozent (2000) über 17,3 Prozent im Jahr 2005 bis auf 25 Prozent im Jahr 2020 ansteigen.
Mit der Ausweisung der Bahnhofsvorstadt als Sanierungsgebiet sei der Innenstadtbereich annähernd geschlossen. "Die bewusste Konzentration auf den Kernbestand", so Lehmann, "dessen Aufwertung sowie ein gesteuerter Schrumpfungsprozess von außen nach innen unterstützt die ´Stadt der kurzen Wege´." Dem stehen die Gewerbegebiete zurzeit "rein stadtplanerisch" entgegen, weil sie wieder zergliedern was man beim Wohnungsbau mit mehr Kompaktheit versucht. Darauf, so die Firu-Empfehlung, solle die Stadt bei künftigen Erschließungen achten.

www.thueringer-allgemeine.de

30.09.2003
Sebnitz: Zuschuss erst im Oktober
An die zwei Millionen Euro stehen Sebnitz bis 2006 aus dem Stadtumbau Ost-Programm zu. Die Summe gliedert sich in zwei Bereich auf. Für den Programmteil Abriss sollen 862 820 Euro kommen und für den Teil Aufwertung 1,2 Millionen Euro.
Das Rathaus rechnete für September mit der Bewilligung der Fördermittel. Wer auf die Zuschüsse hofft, muss sich noch einige Wochen gedulden. Es liegt lediglich eine Ankündigung vor, dass die Fördermittel auch kommen. Der neueste Termin heißt Oktober. „Die Reihenfolge der Realisierung der Vorhaben wird durch die Reihenfolge der Antragstellung und durch die Aktivitäten der Eigentümer bestimmt“, so der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh zu den weiteren Modalitäten. Konkret heißt das, wer schon vor einiger Zeit seinen Antrag gestellt und das notwendige Eigenkapital zusammen hat, könnte bald beginnen. Voraussetzungen sind aber auch die Genehmigung durch die Sächsische Aufbaubank und der Vertragsabschluss mit der Stadt, da die ja immerhin ein Drittel des Gesamtetats aus dem eigenen Haushalt bezahlen muss. So hält das Rathaus in diesem Jahr noch 10 000 Euro für das Programm vor. Für nächstes Jahr sind dafür im städtischen Haushalt 378 000 Euro eingeplant.
Allerdings entscheidet nicht nur, wer am schnellsten mit dem Antrag war. Zuerst, so der Sebnitzer Stadtchef, sollen die Vorhaben aus dem Programmteil Rückbau realisiert werden. Da sollen vor allem ungenutzte Wohngebäude fallen, die nicht mehr benötigt werden und deren Sanierung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist. Welche Gebäude zuerst dran sind, steht noch nicht fest. Haus- und Grundstückseigentümer, die jetzt noch Investitionen planen, können sich aber noch bei der Stadtverwaltung Sebnitz melden.

www.sz-online.de

30.09.2003
Frankfurt: Nahverkehrsplan bis 2010 wird vorbereitet
Der Nahverkehrsbeirat, dem u. a. Vertreter von IHK, Behindertenverband, Funktaxi, Deutscher Bahn, Stadtverwaltung und Stadtverkehr angehören, will mit einem Workshop den Auftakt für die Erarbeitung des Nahverkehrsplanes 2005 bis 2010 geben, der 2004 verabschiedet werden soll. Für die Erarbeitung des Nahverkehrs-Planes wurde eine extra Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung und Stadtverkehr gebildet.
Wichtig ist dieser Plan vor allem deshalb, weil der Stadtumbau nicht spurlos am Nahverkehr vorbeigeht. Wohngebiete, die heute noch per Straßenbahn erreicht werden können, gibt es möglicherweise in ein paar Jahren nicht mehr und wird die Linie damit überflüssig. Geklärt werden soll innerhalb des Workshops aber auch in drei nachfolgenden Tagungen, inwieweit möglicherweise eine Verbindung nach Slubice den Stadtverkehr Frankfurt stärken könnte oder ob nicht umgekehrt diese Kombination keine Zukunft hat.
Unabhängig davon erfolgt jetzt eine Umfrage unter den Frankfurtern. "Wir wollen wissen, welche Wünsche unsere Kunden haben. Nur wenn wir diese kennen, können wir auch darauf reagieren", so Stadtverkehrs-Geschäftsführer Michael Ebermann. Deshalb ist der Stadtverkehr am heutigen Sonnabend von 10 bis 14 Uhr auf dem Dresdener Platz mit einem Stand vertreten. Kurze Fragebögen werden verteilt, in denen sich die Kunden u. a. zu Umsteigemöglichkeiten, Preis und Leistung, Taktzeiten und Pünktlichkeit äußern sollen. Der Infostand wird am Montag von 14 bis 16 Uhr noch einmal am Bahnhofsvorplatz aufgebaut.

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26.09.2003
Großenhain : Alte Stadtmitte zurückgewonnen
Das kleine Großenhain hat sich gegen Städte wie München, Darmstadt und Berlin durchgesetzt. Bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Städtebaupreises konnten die Großenhainer den zweiten Preis in Empfang nehmen.
Eigentlich wollte Stadtbaudirektor Tilo Hönicke gar nicht nach Darmstadt fahren. Unter 105 Städten, die sich mit ihren originellsten städtebaulichen Konzepten um den renommierten Architektur-Preis beworben hatten, landete die Stadt immerhin unter den besten zwölf. Fünf waren schließlich nach den Vorortterminen der Fachjury noch im Rennen: München, Leinefelde im Eichsfeld, Darmstadt, Berlin und Großenhain. „Wir haben nie erwartet so weit zu kommen. Für die Endrunde haben wir uns ehrlich gesagt keine Hoffnungen mehr gemacht“, gibt Hönicke gern zu. Neben den klangvollen Namen der Großstädte schien es kein Bestehen zu geben. Wozu also ein ganzes Wochenende nach Darmstadt reisen? Aber die Juroren bestanden auf der Teilnahme. Am Ende kamen die beiden Kleinen ganz groß heraus. Großenhain erhielt für sein Landesgartenschau-Konzept „Röderaue mit Kulturschloss“ den zweiten Preis und damit die besondere Anerkennung beim diesjährigen Deutschen Städtebaupreis. Sieger wurde Leinefelde mit einer Umsetzung des „Stadtumbau Ost“. Architekt Jörg Springer und Landschaftsarchitekt Jürgen Weidinger zeigten sich von dieser Auszeichnung genauso überrascht, wie die Stadtväter selbst. „Das ist bemerkenswert für solch ein Gartenschau-Projekt“, sagt Jörg Springer. Darüber habe er sich sehr gefreut und sei ebenso verwundert gewesen. Nur durch die Landesgartenschau sei es überhaupt möglich gewesen, in so kurzer Zeit ein zusammenhängendes, schlüssiges Projekt umzusetzen. Offenbar sind Architekten zunehmend auf solche „Events“ angewiesen, um eine durchgängige Gestaltung zu entwickeln. „Ganz wichtig war aber, dass uns die Stadt hat machen lassen“, betont der Berliner Architekt. Und erinnert zugleich an den Mann, der das Potenzial Röderaue von Anfang an gesehen hat: Matthias Schmieder.
Bemerkenswert fand die Jury um Professor Braum, dass Großenhain in so kurzer Zeit ein so großes und zentrales Areal bestehend aus ehemaliger Industriefläche, Auenlandschaft, Bad und früherer Ruine als Stadtmitte für die Bürger zurückgewonnen hat. Damit ist es gelungen, die schön sanierte Altstadt landschaftlich mit einem historischen Gründungsort und den wichtigsten Wohngebieten zu verbinden. Zugleich hat die Stadt einen neuen kulturellen Mittelpunkt geschaffen. Die Juroren würdigten das Konzept deshalb als innovativen Beitrag für eine städtebauliche Strategie zur Gestaltung der schrumpfenden Städte.
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26.09.2003
Nüncheritz: Leerstand zwingt zu Häuserabriss
Zunehmender Wohnungsleerstand macht auch um Nünchritz keinen Bogen. Das Zauberwort soll hier wie in vielen anderen Kommunen „Stadtumbau Ost“ heißen. 175 Wohnungen werden damit in den nächsten Jahren wahrscheinlich abgerissen.
Nun erwischt es also auch den Chemiestandort. Und das, so weiß Bürgermeister Udo Schmidt, wird für die Gemeinde eine ziemlich harte Nuss. Denn: „Die meisten Leute wollen in ihren Wohnungen bleiben“, sagt Schmidt. Und er hat Verständnis dafür, freut sich sogar darüber.
Doch knallharte Fakten in der Kommune sprechen eine klare Sprache. Rund 20 Prozent der Wohnungen im Bestand der Nünchritzer Wohnungsgesellschaft (WGN) stehen leer – das sind rund 200. Deshalb hat die Gemeinde jetzt ein so genanntes integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet. Hintergrund: Nur damit besteht die Chance, Fördermöglichkeiten beim Stadtumbau Ost abzufassen. Per Gemeinderatsbeschluss wurden jetzt die Gebiete festgelegt, in denen Wohnungen für den Abriss in Frage kommen: Am Ufer, Karl-Liebknecht-Ring, Wilhelm-Pieck-Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Gartenstraße, am Schulzentrum sowie Glaubitzer Straße, Karl-Marx-Straße, am Bahnhof. Rund 175 Wohnungen sind dem Abriss gewidmet. Welche genau, ist noch nicht gänzlich klar. So viel steht fest: Die ersten Häuser werden zu Jahresbeginn 2004 in der Gartenstraße fallen. Die stehen allerdings im Prinzip schon komplett leer.
Gerade in den noch recht gut bewohnten Plattenbaugebieten in Nünchritz sieht der Bürgermeister, dass „es Probleme geben wird“. Denn natürlich wollen viele Leute bleiben. „Vor 2005 zieht keiner aus“, sagt Schmidt bestimmt. Betroffen seien letztlich nur unsanierte Wohnungen, ergänzt WGN-Geschäftsführer Bernd Rieger. Für seine Gesellschaft bringt das Programm zum Rückbau und zur Aufwertung der Standorte neben der Förderung auch eine Menge Probleme. Die 175 Wohnungen seien „gerade die Grenze, um das Unternehmen wirtschaftlich zu halten“.
Welche Blocks genau verschwinden werden, darüber ist noch Stillschweigen vereinbart. „Wir wollen zuerst mit den betroffenen Leuten reden, und das rechtzeitig“, begründet der Bürgermeister.
Auch wenn der Abriss etappenweise bis 2010 erfolgen wird, machen sich die Nünchritzer natürlich schon Gedanken, was aus den dann freien Flächen wird. Das Rathaus hat dazu vor einiger Zeit eine Haushaltsbefragung organisiert, deren Ergebnisse in einer Arbeitsgruppe ausgewertet werden. Die hat bereits eine Art Vorauswahl getroffen. „Am Ufer“ könnte demnach eine repräsentative und bislang fehlende Rastfläche für Radfahrer entstehen. In den Plattenbaugebieten ist der Wunsch nach zusätzlichen Parkplätzen unüberhörbar. Ebenso der nach mehr und besserem altersgerechten Wohnraum.
Udo Schmidt freut sich vor allem, dass es viele Antworten bei der Umfrage gab. „Die Leute haben uns nicht hängenlassen. Jetzt müssen wir zeigen, dass Abriss und Aufwertung was Gutes für den Ort ist“, so das Gemeindeoberhaupt
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26.09.2003
Königstein: verzichtet auf Fördermittel
Die Festungsstadt kürzt die geplanten Ausgaben im Stadtumbauprogramm um etwa ein Drittel. Dramatische Ausfälle von Gewerbesteuereinnahmen zwingen die Verwaltung zu solch drastischen Schritten, heißt es. Der Erneuerungsprozess in der Innenstadt werde zwar am Laufen gehalten, aber eben deutlich gebremst. So sollen 2003 fast 150 000 Euro weniger für den Stadtumbau ausgegeben werden. Die Stadt würde dadurch auf fast 100 000 Euro Fördermittel verzichten. Der Stadtrat muss diesen Plänen der Verwaltung am Montag noch zustimme
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24.09.2003
Mecklenburg-Vorpommern: Jeder achten Wohnung droht Abriss
Die Folgen von Bevölkerungsschwund und Nachwende-Bauboom schlagen massiv auf den Wohnungsmarkt durch. Der Verlust von landesweit allein rund 77 000 Einwohnern in den letzten sieben Jahren sowie die vor allem in den städtischen Speckgürteln aus dem Boden gestampften Baugebiete sorgen inzwischen für einen Leerstand von mehr als 110 000 Wohnungen. Damit stünden bereits 14 Prozent des Wohnungsbestandes ungenutzt herum, berichteten die Experten des Pestel-Instituts auf einer Fachtagung des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) in Travemünde bei Lübeck.
In der vom VNW in Auftrag gegebenen Studie "WohnWelt im Wandel" prognostizieren die Hannoveraner Wissenschaftler für MV einen weiteren Bevölkerungsverlust von sieben Prozent bis 2012. Als Konsequenz listete Autor Prof. Dr. Lothar Hübl für die nächsten neun Jahre "einen Neubaubedarf von rund 25 000 Wohnungen sowie einen notwendigen Rückbau von mindestens 100 000 Wohnungen" auf - weitestgehend in unsanierten Plattenbauten."
Damit würde fast jede achte der landesweit 860 000 Wohneinheiten Opfer der Abrissbirne. Das Bauministerium geht im Rahmen des Bundesförderprogramms Stadtumbau Ost bisher lediglich von etwa 30 000 Rückbau-Wohnungen aus.
VNW-Chef Joachim Wege forderte vom Bund umso dringender eine Befreiung von DDR-Altschulden für dauerhaft leerstehende oder abgerissene Wohnungen. Und zwar für alle Unternehmen der Branche - nicht nur für jene mit existenzbedrohendem Leerstand.
Bauminister Helmut Holter  hielt dem Bund vor, das Problem auf die Länder abzuwälzen und forderte eine stärkere Entlastung der Ost-Wohnungsgesellschaften. Die eingeplante Hilfe von 658 Millionen Euro zur Tilgung alter Kredite reiche nicht annähernd aus.
Als ebenso schwerwiegende Fehlentscheidung kritisierte der Minister die anvisierte Streichung der Eigenheimzulage. "Das hätte verheerende Auswirkungen auf die krisengeschüttelte Bauwirtschaft", warnte Holter. Zugleich würde die Wohneigentumsbildung in den Ost-Ländern mit ihrem hohen Anteil an einkommensschwächeren Haushalten weitgehend beendet und die Schere zur Eigentumsquote West weiter geöffnet.
Als Alternative rief Holter zur Wohneigentumsförderung im Bestand und in den Städten auf.

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24.09.2003
Pirna: WGP offeriert Pläne für Abriss auf Sonnenstein
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr platzte die Bombe: Der WGP-Aufsichtsrat setzte Geschäftsführer Frieder Bahn vor die Tür. Er hatte arge Bedenken wegen des geplanten Verkaufs einer Fläche fürs Krankenhaus mitten im Wohngebiet Sonnenstein. Der große Komplex sollte nur 37 Meter vor die Wohnblocks Remscheider Straße 22–27 gesetzt werden. Bahn wollte nicht mitspielen. Da er schon vorher öfter mal der Quere geschossen war, handelte Oberbürgermeister und WGP-Aufsichtsratschef Markus Ulbig und entließ Bahn.
Damit begann die öffentliche Abrissdebatte für die Blocks auf dem Sonnenstein. Denn genau die Remscheider Straße 22–27, direkt vorm geplanten Krankenhaus, ist einer der Abrisskandidaten. Zwar wird das Krankenhaus nach den öffentlichen Protesten im Strömungsmaschinen-Gelände gebaut. Die Diskussion zum Abriss ist aber bis heute nicht beendet. Beim SZ-Forum am 15. Oktober will die WGP-Geschäftsführung ihre Vorstellungen offerieren.
Dass abgerissen werden muss, ist klar. In manchen Blocks steht jetzt schon fast ein Viertel der Wohnungen leer. Bis 2015 soll die Bevölkerung um über 25 Prozent sinken. Statt derzeit 8 500 Menschen werden dann nur noch 6 400 auf dem Sonnenstein wohnen.
Einfach wird es allerdings nicht, schon jetzt detaillierte Abrisspläne zu benennen, räumt WGP-Chef Jürgen Scheible ein. Schließlich sind alle Häuser der Gesellschaft auf dem Sonnenstein saniert. Dafür mussten Kredite aufgenommen werden. Sprich, die Banken haben ein Wörtchen mit zu reden. Bei der schwierigen wirtschaftlichen Situation der WGP sei es gar nicht so einfach, sich mit den Geldgebern zu einigen. In Dresden oder anderen Städten geht der Abriss von Plattenbauten sang- und klanglos über die Bühne. Allerdings fallen dort vor allem unsanierte Häuser.
Aus heutiger Sicht ist die Sanierung aller Häuser auf dem Sonnenstein eine schwerwiegende Fehlentscheidung gewesen, so Scheible. Schon in den 90er Jahren war der Bevölkerungsschwund absehbar. Doch damals wurden dreistellige Millionenbeträge für die Sanierung ausgeben. Besonders deshalb liefen dem Unternehmen die Finanzen aus dem Ruder. Lagen die Verbindlichkeiten gegenüber Banken 1992 noch bei 41 Millionen Euro, so waren es 2001 über 186 Millionen. Im Rathaus hatte damit niemand ein Problem. Als damals WGP-Chef Bahn jährlich die Zahlen vorstellte, wurde wegen der gewaltigen Sanierungsleistungen quer durch alle Fraktionen noch eifrig applaudiert. Die Quittung folgte. Kurz nach dem Bahn-Rausschmiss stand die WGP kurz vor dem finanziellen Kollaps. Daran hat die Firma noch heute zu kauen. Der im April eingestellte Chef-Sanierer Jürgen Scheible versucht nun engagiert, das Unternehmen wieder in geordnetes finanzielles Fahrwasser zu bringen.

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24.09.2003
Thale: Platte wird abgerissen
Vor zwei Jahren wurde der erste Plattenbau-Block im Thalenser Weinbergsweg geräumt, jetzt haben die Vorbereitungen für den endgültigen Abriss begonnen. Noch im September sollen die Leistungen öffentlich ausgeschrieben, im November die Aufträge vergeben werden. "Maßnahmebeginn ist noch in diesem Jahr", kündigte Michael Weber, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft, vor dem Bauausschuss an.
Im Wohngebiet BlankenburgerStraße soll die Wohnfläche um insgesamt 10 800 Quadratmeter verringert werden, für den Rückbau erhalte die Stadt 650 000 Euro Fördermittel, teilte Bürgermeister Thomas Balcerowski mit.
Der Eingriff "tut uns weh", gesteht Weber. Schließlich seien die Wohnungen erst 1986 gebaut worden und mit einem Auto vergleichbar, das bereits nach drei Jahren und nur 60 000 Kilometern Fahrleistung weggeworfen werde. "Wir trennen uns nur von Teilbeständen der Platte, die aus dem Markt gefallen sind", fügt er hinzu. Es werde nicht flächendeckend abgerissen, sondern nur "einzelne Blöcke herausgenommen".
Betroffen sind vor allem Vier-Raum-Wohnungen. Blieben sie stehen, müssten sie aufgewertet werden. Das könnten die Wohnungsunternehmen "niemals schultern", zumal die Mieter fehlten.
Am 28. Oktober werde Sachsen-Anhalts Bauminister Karl-Heinz Daehre "die erste Platte symbolisch abhängen", kündigt Balcerowski an. Und erinnerte daran, dass Thale "erst nachträglich durch großen Druck in das Förderprogramm Stadtumbau / Ost kam und dem Ministerium viel zu verdanken hat". Um auch in den Folgejahren Fördermittel zu bekommen, müsse jetzt mit dem Abriss begonnen werden. "Die Kolonnen arbeiten zügig, bis Jahresende ist der Weinbergsweg weg", weiß Weber.
Auf teure Sprengungen oder den lautstarken und staubigen Einsatz von Abrissbirnen wollen die Thalenser verzichten. Die Blöcke sollen "mit einer hydraulischen Schere in transportgerechte Teile zerschnitten und dann abgefahren werden", sagt Weber. Dieses Verfahren sei kostengünstig, die Staub- und Lärmbelästigung relativ gering. Die Platten-Segmente werden nicht vor Ort gebrochen, versicherte Balcerowski.
Weitere Abrisse seien vorgesehen, ergänzte Weber, wollte aber noch keine Einzelheiten nennen. Er schloss nicht aus, dass auf den Abrissflächen "später andere Wohnformen entstehen, zum Beispiel Ein-Familien-Häuser, mit denen die alte Bebauung der Neustädter Straße fortgesetzt wird".

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24.09.2003
Frankfurt: Ein Mont Klamott
Der Abrissbagger gehört mittlerweile zum gewohnten Anblick in der Stadt. Kaum sind die Wohnblocks in der Prager Straße 22 bis 33 gefallen, ist er weitergerollt und knabbert nun in der Wünschstraße die Häuser Nummer 1 bis 8 weg. Was bleibt, sind tausende Tonnen Beton. Drei Recyclingfirmen gibt es in Frankfurt, die diese Betonreste annehmen, zerkleinern und dann weiterverkaufen. Als Unterbau- oder Schotterschichten im Straßenbau. Doch die Recycler haben keine unbegrenzten Kapazitäten. Zum einen sind die Mengen, die sie lagern dürfen, sanktioniert, zum anderen müssen die Unternehmen für jede Tonne Material, die sie lagern, hohe Sicherheitsleistungen bezahlen. Logisch, dass da der Platz knapp wird.
Bis Fördergelder von Land und Bund für den Abriss bereitgestellt wurden, vergingen Jahre. Kaum war das Problem einigermaßen geklärt, jaulten die Versorger auf. Denn niemand hatte geklärt, wer die Umverlegung von Versorgungsleitungen bezahlt. In Frankfurt wurde ein Kompromiss gefunden. Die Wohnungsunternehmen gehen in diesem Jahr in Vorleistung. "Doch für nächstes Jahr gibt es noch keine Lösung", bestätigt Dietmar Bartusch, der bei der Wowi für den Stadtumbau zuständig ist.
Jetzt rollt ein drittes Problem auf Frankfurt zu: Wohin mit dem Bauschutt? Darüber haben sich bisher weder Land noch Stadt Gedanken gemacht. Drei Recyclingfirmen gibt es in Frankfurt und alle drei haben ein Problem: Für jede Tonne Material soll eine Sicherheitsleistung bezahlt werden.
"Wir können auch - abgesehen von den Sicherheitsleistungen - nicht alles annehmen, was angeboten wird. Denn als Geschäftsführer muss ich wirtschaftlich denken. Nur was ich in absehbarer Zeit wieder für den Straßenbau verkaufen kann, nehme ich an. Ohne Straßenbau kein Geschäft", erklärt Wolfgang Jacob von der Baustoff Aufbereitung Frankfurt (BAF) mit Sitz an der Autobahn. Auf deutsch: Bei ihm wäre Platz für zwei Wohnblöcke.
Auch Ralf Schönfelder, Mitarbeiter der Geschäftsführung der Naturerden und Recycling GmbH bestätigt eine vorsichtige Kalkulation. "Für drei Blöcke hätten wir jetzt Platz, mehr geht nicht", sagt er. Einen Kollaps befürchtet er nicht. "Da es in der Stadt nur wenige Abrissfirmen gibt, geht es nur sukzessive voran", meint er.
Bei der Vorherschau, wieviel Material vermarktet werden kann, hat die Firma Kesslau Tief-, Straßen- und Umweltbau bessere Karten. "Teile des Blocks aus dem Baumschulenweg verbauen wir gerade in Storkow. Als Straßenbaufirma nutzen wir unser Material selbst, wissen also, was wir brauchen. Doch der Abriss der Blocks wird bei Weitem den tatsächlichen Bedarf überschreiten", schätzt Geschäftsführer Siegfried Kesslau ein.
Dietmar Bartusch von der Wowi erwartet für 2004 "einen richtigen Schub" beim Abriss. "Dann wird in sehr kurzer Zeit viel Bauschutt anfallen." Fließen die beantragten Fördergelder für 2004, dann würden mehr als 900 Wohnungen abgerissen werden. Pro Block rechnen die Fachleute mit 6000 bis 8000 Tonnen Betonmaterial. "Die Dimensionen nehmen zu. Und deshalb muss die Stadt schnell über eine Lösung nachdenken. Denkbar wäre ein Zwischenlager", regt Hubert Armbrust von Becker & Armbrust an. Dem schließt sich Siegfried Kesslau an, der allerdings von einer Art Mont Klamott spricht, auf dem alles zusammengebracht wird.
Wolfgang Jacob schlägt vor, dass sich Abrissunternehmen und Recycler zu einer Gemeinschaft verbünden und nach Marktlage das Material verarbeiten. Eigentlich aber sind Stadt und Wohnungsunternehmen in der Pflicht. Denn per Kreislaufwirtschaftsgesetz ist der Auftraggeber bis zur Entsorgung/Verarbeitung verpflichtet, sich um seinen Schutt zu kümmern.

www.moz.de

23.09.2003
Premnitz: ist Stadtumbaustadt
Die Stadt Premnitz ist aufgenommen worden in das Stadtumbauprogramm des Landes. Wie Bürgermeister Roy Wallenta  am Donnerstagabend vor den Stadtverordneten sagte, sind zwei entsprechende Förderbescheide aus Potsdam am Mittwoch in der Stadtverwaltung eingetroffen. Schon seit Monaten hatte man damit gerechnet, als Stadtumbaustadt benannt zu werden. Doch letzte Sicherheit brachten erst die nunmehr eingegangenen Förderbescheide.
Gemeinsam mit 40 weiteren Städten des Landes befinde sich Premnitz jetzt im Stadtumbauprogramm, teilte Roy Wallenta mit. Das sei ein großes Glück und eine einmalige Chance. Bis zum Jahr 2007 dürfe man in Premnitz rund 2,5 Millionen Euro verbauen. Dadurch werde sich das Gesicht der Stadt sehr wesentlich verändern. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Stadt sich ihre Aufnahme in das Programm "hart erarbeitet" habe. Mitarbeiter der Verwaltung und die Abgeordneten hätten ihre Anteile dazu beigetragen.
Der Grundgedanke des Umbaus jeder Stadt ist, dass in Randlagen leer stehende Wohnungen abgerissen werden und dafür durch verschiedene Baumaßnahmen das Zentrum der Stadt aufgewertet wird. Ein Förderbescheid für Premnitz sagt 1,7 Millionen Euro zu, die auf die Jahre 2004 bis 2007 verteilt werden. Das Geld ist für die Aufwertung des Zentrums zu verwenden. Die Stadt selbst muss noch einen Eigenanteil von 570 000 Euro dazu geben, somit stünden insgesamt 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.
Der zweite Förderbescheid verspricht 360 000 Euro, je zur Hälfte für die Jahre 2004 und 2005, die zum Abriss von Wohnraum zu verwenden sind. Die Stadt hat diese Gelder zu gegebener Zeit an die großen Vermieter weiterzureichen, die damit ihre Abrissprogramme finanzieren. Pro Quadratmeter beseitigten Wohnraum werden 60 Euro gezahlt. Bei 180 000 Euro für 2004 ließen sich somit im nächsten Jahr lediglich 3000 Quadratmeter Wohnraum zurückbauen. Das wären zum Beispiel 50 Wohnungen zu je 60 Quadratmeter - bei 800 leeren Wohnungen nicht gerade viel. Die Stadt Premnitz hat aber einen weiteren Fördermittelantrag gestellt, der für 2004 noch 420 000 Euro bringen soll.
www.MaerkischeAllgemeine.de

21.09.2003
Demographie lässt Immobilien wackeln
Nach einer Studie der Deutschen Bank wird der Bedarf an Bürofläche 2050 um ein Fünftel niedriger ausfallen als noch 2000. Beim Wohnraum werde es zudem nicht mehr so üppige Zuwächse geben wie in der Vergangenheit - die Nachfrage soll 2050 nur noch um neun Prozent über dem Niveau von 2000 liegen. "Die demographische Entwicklung lässt die Immobilien wackeln", sagte der Autor der Studie und Ökonom der DB Research, Tobias Just, in Frankfurt.
Insbesondere die kriselnde Bauwirtschaft werde darunter zu leiden haben, da künftig immer seltener Neubauten hochgezogen werden. Dies werde nur minimal dadurch gemildert, dass es einen zunehmenden Bedarf an Modernisierung und nach Veränderungen an den Gebäuden für den Bedarf der älteren Menschen gibt. Unterm Strich werde es einen spürbaren Rückschlag für die Branche geben.
Spätestens 2030 wird der Studie zufolge die immer kleiner werdende deutsche Bevölkerung die Nachfrage nach Wohnraum zurückgehen lassen. Bis dahin werde es noch Zuwächse durch den seit Jahren steigenden Flächenbedarf pro Kopf geben. Die Gründe hierfür seien das höhere verfügbare Einkommen und die wachsende Zahl an Senioren, die bevorzugt in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten wohnen. "Bis etwa Mitte 40 nimmt der Raumbedarf zu, dann bleibt er ungefähr gleich - ein 70-Jähriger bewohnt eine ähnlich große Fläche wie ein 40-Jähriger", erläuterte Just.
Die prognostizierte kräftige Einbuße von 20 Prozent bei den Büroimmobilien lässt sich nach Ansicht von Just nur vermeiden, wenn die Arbeitslosenquote deutlich unter das heutige Ausmaß gedrückt wird und mehr Bürojobs entstehen. "Sollte sich der Trend zu Heimarbeit noch weiter verstärken, wird der Einbruch dagegen noch kräftiger ausfallen."
Die künftigen Entwicklungen im Immobilien- und Bausektor werden in den einzelnen Regionen stark unterschiedlich ausfallen. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird es im Wohnbereich bis 2030 überdurchschnittlich hohe Nachfragezuwächse von 15 Prozent im Vergleich zu 2000 geben, da dort die Bevölkerung weniger schnell schrumpft. Auch soll die Situation in Wirtschaftszentren - wie in den Großräumen Frankfurt oder Berlin - stabiler sein als in trukturschwachen Gebieten.
Alles das ist noch kein Grund für Horrorszenarien vom Verfall der Immobilienwerte, sagen indes Experten. Während die Bevölkerung schrumpft, steigt die Zahl der Haushalte. Klingt paradox, ist es aber nicht: Schließlich leben ältere Menschen meist in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten, der Trend zum Single-Dasein ist ungebrochen und junge Paare leben nicht mehr bei den Eltern, sondern haben ihre eigenen vier Wände. Die werden zudem immer größer: Seit 1950 stieg die Wohnfläche pro Kopf im Schnitt um einen halben Quadratmeter pro Jahr, sagt Stefan Jokl, Leiter des ifs Städtebauinstituts in Berlin. Während sich Eigentümer noch vor Jahren sicher sein konnten, dass sich selbst die schäbigste Lage vermieten lässt, scheinen Mieter und Käufer in absehbarer Zeit jedoch in der besseren Position. Das Überangebot lässt die Preise sinken, schließlich droht sogar der Leerstand. Zuerst trifft es die Wohnblocks aus den 50er und 60er Jahren, sagt Jokl. "Die sind nicht mehr zeitgemäß, wer will denn da noch wohnen?"
Da hilft nur noch Abriss, bevor sich Leerstände ausbreiten und ganze Viertel verlumpen, warnt Volker Eichener, Professor an der Fachhochschule Düsseldorf und Geschäftsführer des Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung InWIS in Bochum.
Lohnt sich also der Kauf der eigenen vier Wände nicht mehr? Es kommt darauf an, sagt Eichener: Der Bevölkerungsschwund werde nicht den gesamten Markt einbrechen lassen. "Exzellente Standorte laufen immer."

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21.09.2003
Wittenberge: Städtebau und Fluthilfe
Vier Förderbescheide in einer Gesamthöhe von rund 3,2 Millionen Euro konnte gestern Wittenberges Bürgermeister Klaus Petry in seinem Rathaus entgegennehmen. Clemens Appel, Staatssekretär im Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, hatte aber auch Förderbescheide für das Amt Bad Wilsnack/Weisen, das Amt Neustadt/Dosse sowie das Amt Rhinow mitgebracht. Petry freute sich vor allem darüber, dass der von ihm befürchtete Rückschritt bei der Stadtentwicklung nicht eintreten wird. Denn Wittenberge erhält alleine 2,052 Millionen Euro für den Stadtumbau, die für den Abriss von 570 Wohneinheiten eingesetzt werden. Dieser geschieht laut Petry in den kommenden beiden Jahren.
Eine weitere Million ist in diesem Zusammenhang für Aufwertungsmaßnahmen bewilligt worden. Zudem erhält die Elbestadt aus dem regulären Städtebauförderungsprogramm 100 000 Euro für Investitionen in die Altstadt. Petry: "Wir sind froh darüber, dass wir nun das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben." Die Elbestadt hat seit der Wende bereits 25 Millionen Euro an Fördermitteln für den Städtebau erhalten.
Wilsnacks Bürgermeister Dietrich Gappa und Amtsdirektor Hans-Jürgen Arndt freuten sich über einen Bescheid in Höhe von 125 000 Euro für Maßnahmen zur städtebaulichen Sanierung im Stadtkern von Bad Wilsnack. Auch in die Kustadt flossen seit der Wende bereits 2,7 Millionen Euro an Mitteln für Städtebauförderung. Auf das Amt wartet aber auch noch ein weiterer Förderbescheid, der laut Appel wahrscheinlich nächste Woche ausgereicht wird. Denn aus der Hochwasserhilfe gibt es für die amtsangehörigen Kommunen Breese, Rühstädt rund Weisen 252 000 Euro. Der Bescheid sei bewilligt, aber noch nicht gefertigt, betonte Appel.
Für die Stadt Wittenberge gab es gestern bereits 17 000 Euro aus Mitteln der Hochwasserhilfe, die für die Instandsetzung des Clubraums im Bootshaus Garsedow einzusetzen sind.

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21.09.2003
Querfurt: 860 000 Euro für den Abriss
Das Land Sachsen-Anhalt hat mit fünf Kommunen Zielvereinbarungen abgeschlossen, um die Lösung von Wohnungsleerstandsproblemen zu beschleunigen. Eine dieser Städte ist Querfurt.
Wie Bauminister Karl-Heinz Daehre dazu erklärte, enthalten die Vereinbarungen konkrete Festlegungen über die Zahl der abzureißenden Wohnungen sowie die finanzielle Förderung der geplanten Stadtumbau-Maßnahmen in den nächsten fünf Jahren. Das Land will mit insgesamt 5,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2007 mehr als 100 000 Quadratmeter dauerhaft leerstehenden Wohnraum vom Markt nehmen. "Angesichts der immer knapper werdenden öffentlichen Gelder müssen wir weg vom Gießkannenprinzip, hin zu einer möglichst effizienten Förderung von Schwerpunktvorhaben", so Daehre. Die Vereinbarungen sehen vor, dass in den ersten beiden Jahren der Abriss von leerstehenden Wohnungen zu 100 Prozent gefördert wird. Dann reduziert sich die Förderung auf 85, 80 und 75 Prozent.
Pro Quadratmeter erhält jede Kommune 60 Euro. In Querfurt betrifft das 17 040,80 Quadratmeter. Das sind wiederum 860 000 Euro, die dafür fließen werden. "Wir werden die Mittel ab 2004 einsetzen. Eigentlich sollten schon in diesem Jahr die ersten Gelder abgefordert werden, aber das ist nicht zu schaffen", so Querfurts Bürgermeister Peter Kunert dazu. "Uns beschäftigt auch noch die Frage, ob es auch Förderung für den Umbau in der Altstadt gibt. Die werden wir mit dem Minister klären müssen." Die beiden großen Wohnungsunternehmen indes wissen schon, und ebenso die betroffenen Mieter, welche Blocks dem Abrissbagger zum Opfer fallen müssen. Für die Wohnungsbaugesellschaft sind das 40 Wohnungen in der Ahornstraße 3 bis 9 und für die Wohnungsbaugenossenschaft 20 Wohnungen am Kastanienplatz 7 bis 9.

www.mz-web.de

21.09.2003
Hagenow: Fördergelder für Stadtentwicklung
Zur Umsetzung von Vorhaben im Städtebauprogramm sind Fördermittel in Aussicht, konnte die Bürgermeisterin  vermelden. "Heute kann ich Ihnen mitteilen, dass wir aus dem Städtebauförderprogramm 2003 für Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen für das Zentrum 810000 Euro erhalten." Zu je einem Drittel sind diese Gelder Bundes- und Landesmittel, ein Drittel ist der Gemeindeanteil. Die Ausreichung erfolgt in Jahresscheiben.
Ebenfalls erhielt die Kommune einen Förderbescheid aus dem Ministerium für Arbeit und Bau zum Städtebauförderungsprogramm 2003 - Stadtumbau Ost, Programmteil Aufwertung - in Höhe von 420000 Euro. Davon trägt der Bund und Land je 140000 Euro, der Gemeindeanteil liegt ebenso bei 140000 Euro. Die Förderungen werden jährlich über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgereicht.
Zum Ortsteil Sudenhof, wo am 3. September die Übergabe der K 22 erfolgte, hatte die Bürgermeisterin noch folgendes zu bemerken: "Die private Wohnungsgesellschaft ist zunächst in Insolvenz gegangen. Jetzt gibt es einen Zwangsverwalter. Im Oktober wird durch die Stadtwerke Hagenow GmbH auf Grund hoher Außenstände die Gasversorgung eingestellt. Ich sehe es als unsere Verantwortung an, den dort noch Wohnenden Angebote zur Hilfe zu unterbreiten. Das ist erfolgt. Darauf hinweisen möchte ich, dass der Bereich kein rechtsfreier Raum ist. Wer dort unberechtigterweise etwas nimmt, begeht Diebstahl."

www.svz.de

19.09.2003
Sachsen-Anhalt: 141 Millionen Euro für den Stadtumbau
Allein für Abrissprogramme und städtebauliche Aufwertung von Quartieren stellten Bund, Land und Kommunen im kommenden Jahr mehr als 66 Millionen Euro bereit. Dazu kämen Gelder aus den traditionellen Städtebauförderprogrammen wie Sanierung und Denkmalschutz in Höhe von 39,4 Millionen Euro und 35,6 Millionen Euro.
„Das Land hat seine Schulaufgaben gemacht, nunmehr sind die Kommunen und die Wohnungswirtschaft am Zuge“, sagte der Minister weiter. Noch immer erfolge die Umsetzung zu zurückhaltend. Städte und kommunale Wohnungsunternehmen müssten jetzt in die Offensive gehen, um Wohnungsleerstand abzubauen.
Sachsen-Anhalts Wohnungswirtschaft hatte am Dienstag für das kommenden Jahr eine schnellere Freigabe von Fördergeld für den Wohnungsabriss gefordert. Zu Verzögerungen wie 2003, als die kompletten Mittel für den Abriss von 10 000 Wohnungen erst nach rund acht Monaten bewilligt wurden, dürfe es künftig nicht mehr kommen.
Bis 2010 sollen im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost landesweit 106 000 Wohnungen abgerissen werden. Im selben Zeitraum sollen rund 155 000 Wohnungen modernisiert werden. Derzeit stehen in Sachsen-Anhalt nach Angaben der Wohnungswirtschaft mehr als 200 000 Wohnungen leer, was einem Anteil von rund 15 Prozent am Gesamtbestand entspricht.

www.lr-online.de

19.09.2003
Eine Tagung in Erkner über "schrumpfende Städte"
Der am stärksten wachsende Stadttypus in Ostdeutschland ist die schrumpfende Stadt. Dieser noch ironisch gefärbte Zwischenbefund einer Architekturausstellung über die "verlassene Stadt" anno 2001 ist bittere Wirklichkeit geworden. Mit hoch gerechneten 2,3 Millionen ‚Einwohnern' wäre ‚VS' theoretisch die zweitgrößte Metropole Deutschlands.
Lange haben Wissenschaft und Politik in Deutschland das virulente Dreifachproblem von Abwanderung, Überalterung und sozialen Auflösungstendenzen ignoriert. Im europäischen Ausland wie in Übersee ist man dagegen seit längerem rege damit beschäftigt, sich mit diesem Sachverhalt auseinander setzen. Dabei ist dieses Problem nicht allein auf nach 1990 depravierte, deindustrialisierte Regionen in Ostdeutschland begrenzt.
Konzepte "städtischer Kreativität als Potenzial für den Stadtumbau" analysierten seit Anfang 2002 Forscher des Instituts für Regionalentwicklung und Stadtplanung (IRS) im brandenburgischen Erkner sowie der Darmstädter Schader-Stiftung. Sie konzentrierten sich auf Entwicklungen in Ostdeutschland. Zusätzlich initiierten sie eine Workshopreihe, deren Zwischenbilanz nun auch in Buchform vorgestellt wurde. Klaus-Dieter Keim, Direktor des IRS, formulierte die Zukunftsaussichten auf der Tagung so:"Was wir heute verhandeln, werden wir in den nächsten Jahren auch in Westdeutschland und in Süddeutschland verhandeln."
Der Leerstand von Stadtrandsiedlungen und Gründerzeitvierteln, eine "Verinselung von Wachstumsfragmenten", also die Bildung neuer Zentren vor allem in den städtischen Außenbezirken, kleiner werdende Stadtkerne und der damit einhergehende Trend zur Musealisierung sind Ursachen für eine massive Bedrohung städtischen Lebens, ganz abgesehen von den Tendenzen an der Peripherie, wo der Verfall postindustrieller Areale zu beobachten ist.
Der Bedarf ist unstreitig vorhanden, jedoch scheint die intellektuelle Kompassnadel vieler Beteiligter noch immer nicht die richtige Zielrichtung anzeigen zu wollen. Denn die Ungleichzeitigkeit und partielle Unübersichtlichkeit parallel ablaufender Prozesse ruft Irritationen und Unsicherheiten hervor. Schrumpfung und Expansion ereignen sich fast zur selben Zeit, aber in verschiedenen Städten auf ganz verschiedene Art und Weise.
Was einerseits dem Zentrum und bestimmten Stadtteilen abhanden kommt, kann andererseits im urbanen Umland positive Effekte hervorrufen. Die zentralen Fragen zielen ins Herz der Zivilgesellschaft: Wie erleben die Bürger die Transformation ihres Lebensraumes? Ist Schrumpfung ausschließlich negativ? Geht physischer Verfall in allen Fällen mit Kriminalität, Angst und verschärfter sozialer Abgrenzung einher? Sind Leerräume Zeugnisse planerischen Versagens? Oder eröffnet sich dadurch nicht vielmehr die Möglichkeit, Stadträume zu begrünen, neue Treffpunkte zu schaffen, die Stadt sukzessive lebenswerter zu machen? Wie sind sozialpsychologische Überzeugungssysteme, hergebrachte Handlungs- und Lösungsmuster, in Planung und Verwaltung so zu perforieren, dass Neues, Kreatives entsteht?
Vielleicht ist hierfür kein Zeitpunkt günstiger als heute, wo Städte mit tradierten Vorgehensweisen leidvoll Schiffbruch erleiden. Denn, so Karl Ganser, der ehemalige Leiter der IBA Emscher Park, "Wandel ohne Wachstum ist bislang kaum vorstellbar, in der Theorie auch wenig ausformuliert und politisch-praktisch kaum mehrheitsfähig." Wie also das Schrumpfen lenken oder gar planen?
Stadt-Rapporte aus England, Schweden und den Niederlanden zeigten beteiligten Planern aus Zwickau, Schwerin, Leipzig und Neuruppin, Beobachtern aus dem Ruhrgebiet, aber auch interessierten Kommunal- und Landespolitikern, wie ein Aufbruch möglich ist. Eine lokale Zukunftsagenda, eine programmatische Schwerpunktsetzung ist Grundlage für eine Neuausrichtung. Das schwedische Karlskrona definierte sich etwa als Telecom City und zog IT-Unternehmen und Forschungsinstitute an.
"Sonderzonen der räumlichen Entwicklung" fordert der Stadtplaner Klaus-Dieter Keim für Ostdeutschland und einen Wettbewerb rivalisierender Ideen. Bestimmte Regelwerke sollten über eine bestimmte Zeit hinweg außer Kraft gesetzt werden, um kontrolliert mit neuen Modellen zu experimentieren. Essentiell dabei seien Kommunikation und Rückkoppelung mit der Bevölkerung, unumgänglich ein schlüssiges Führungskonzept.
www.fr-aktuell.de

19.09.2003
Bevölkerungsschwund bedroht Immobilien- und Bauwirtschaft
Das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung in Deutschland bringt die Immobilien- und die Bauwirtschaft in Zukunft heftig in Bedrängnis. Nach einer Studie der Deutschen Bank wird der Bedarf an Bürofläche 2050 um ein Fünftel niedriger ausfallen als noch 2000. Beim Wohnraum werde es zudem nicht mehr so üppige Zuwächse geben wie in der Vergangenheit - die Nachfrage soll 2050 nur noch um neun Prozent über dem Niveau von 2000 liegen.
«Die demographische Entwicklung lässt die Immobilien wackeln», sagte der Autor der Untersuchung, Tobias Just, in Frankfurt. Für Ostdeutschland prognostiziert die Studie einen zunehmenden Leerstand. Nach Einschätzung der deutschen Immobilienverwalter ist unterdessen auch kurzfristig bei der Problematik Wohnungsleerstand keine Besserung in Sicht.
Insbesondere die kriselnde Bauwirtschaft werde unter der Entwicklung zu leiden haben, da künftig immer seltener Neubauten hochgezogen werden, hieß es in der Studie. Dies werde nur minimal dadurch gemildert, dass es einen zunehmenden Bedarf an Modernisierung und nach Veränderungen an den Gebäuden für den Bedarf der älteren Menschen gibt. Unterm Strich solle es einen spürbaren Rückschlag für die Branche geben.
Spätestens 2030 wird der Studie zufolge die immer kleiner werdende deutsche Bevölkerung die Nachfrage nach Wohnraum zurückgehen lassen. Bis dahin werde es noch Zuwächse durch den seit Jahren kletternden Flächenbedarf pro Kopf geben. Die Gründe hierfür seien das höhere verfügbare Einkommen und die wachsende Zahl an Senioren, die bevorzugt in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten wohnen.
Die künftigen Entwicklungen im Immobilien- und Bausektor werden in den einzelnen Regionen stark unterschiedlich ausfallen. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird es im Wohnbereich bis 2030 überdurchschnittlich hohe Nachfragezuwächse von 15 Prozent im Vergleich zu 2000 geben, da dort die Bevölkerung weniger schnell schrumpft. Auch soll die Situation in Wirtschaftszentren - wie in den Großräumen Frankfurt oder Berlin - stabiler sein als in strukturschwachen Gebieten.
In Ostdeutschland und anderen Abwanderungsgebieten werden dagegen immer mehr Gebäude leer stehen. Hier seien zweistellige Kahlschläge bei der Wohnraumnachfrage bereits vor 2030 absehbar. Viele ostdeutsche Städte kämpfen bereits jetzt mit der Problematik Wohnungsleerstand. Nach Angaben des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) sind in Städten wie Schwedt, Frankfurt an der Oder und Cottbus noch immer 12 bis 19 Prozent aller Plattenbauten unbewohnt. Allein die kommunalen Wohnungsunternehmen koste der Leerstand jährlich eine halbe Milliarde Euro.
DDIV-Geschäftsführer Karlheinz Körner kritisierte Überlegungen einiger Ministerien in Ostdeutschland, wonach Abrissmittel aus dem Sonderprogramm Stadtumbau Ost auch für den Ausbau von Plattenbausiedlungen verwendet werden sollten. Dies stehe einer Marktbereinigung entgegen. So seien in Sachsen von 400 000 leer stehenden Wohnungen bereits 150 000 saniert und fänden dennoch keine Mietinteressenten.

www.stuttgarter-nachrichten.de

18.09.2003
Land Brandenburg: muss Leistungen abbauen
Der Bevölkerungsschwund im Land Brandenburg wird in naher Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Bereitstellung von öffentlichen Dienstleistungen haben. Die Aufgaben des Landes müssten angesichts der finanziellen Lage überprüft und den Erfordernissen angepasst werden, sagte Staatskanzleichef Rainer Speer gestern in Potsdam. Betroffen davon seien unter anderem der öffentliche Nahverkehr, Gesundheitsdienste und das Schulsystem.
Die Landesregierung hatte sich am Dienstag in einer Kabinettsklausur mit der demografischen Entwicklung beschäftigt. Nach der jüngsten Bevölkerungsprognose verliert Brandenburg bis 2020 rund 180 000 Menschen und hätte dann nur noch 2,4 Millionen Einwohner. Jeder vierte Märker wird dann 65 Jahre oder älter sein. Als dramatisch schätzen Experten die Entwicklung in den Randregionen ein. Dort hielten Abwanderung und Geburtenrückgänge unvermindert an, während im so genannten Speckgürtel um Berlin Zuwachs zu verzeichnen sei.
Der Trend zu weniger und immer älteren Einwohnern sei nicht aufzuhalten, erklärte Speer. Die Landesregierung müsse vielmehr mit neuen Konzepten darauf reagieren. Für den Nahverkehr bedeute das beispielsweise flexiblere Angebote. Die Wirtschaftsförderung müsse sich auf bestimmte Regionen und den Tourismus konzentrieren, die Sozialpolitik stärker "in Richtung Altenpflege und Altenbetreuung" umgebaut werden. Noch im Oktober soll der Koalitionsausschuss über die künftige Schulstruktur beraten. SPD und CDU streiten über die Zusammenlegung von weiterführenden Schulen zu einer Sekundarschule. Laut Speer werde das Land öffentliche Leistungen an Dritte abgeben beziehungsweise auf ehrenamtliches Engagement setzen.
Nach den Worten des Staatskanzleichefs steht auch die mit Berlin abgestimmte Landesplanung zur Disposition. Das Netz an regionalen Entwicklungszentren - sechs um Berlin und fünf in den entfernten Regionen - sei möglicherweise nicht zu erhalten.
Zur Erstellung eines neuen Entwicklungskonzepts hat die Landesregierung eine Arbeitsgruppe gebildet, die im Dezember einen Zwischenbericht vorlegen soll.

www.MaerkischeAllgemeine.de

18.09.2003
Brandenburg: Ideen für die "Perle" Kirchmöser
Der Stadtumbau für die "Perle an Brandenburgs Gewässern" steht - zumindest auf dem Papier. Die Wohnungsgesellschaften in Kirchmöser und die Stadt haben sich auf eine gemeinsame Linie für den Ortsteil verständigt. An einigen Stellen weichen sie vom Stadtumbaukonzept ab. Ihre Überlegungen sehen den Abriss von 260 Wohnungen vor, 40 weniger als bislang geplant.
Die Stadtumbau-Moderatoren Carsten Hagenau und Nicole Kirschbaum stellten das Ergebnis der Arbeitsgruppe Kirchmöser am Dienstag in Gegenwart von Bürgermeister Norbert Langerwisch  vor. Kirchmöser sei ein idealer Wohnstandort für Familien. Die Nachfrage nach Eigenheimen sei hoch, die Wasserlage sei auch für Zuzügler sehr interessant, sagte Hagenau.
Die meisten Mietwohnungen sollen erhalten bleiben, fordert die Arbeitsgruppe. Das gilt gerade auch für zwei Stellen, an denen das bisherige Umbaukonzept Abrisse vorsieht. Die Wohnungsgesellschaften möchten die Mietshäuser im Starweg und am Platz der Einheit als "sozialverträgliches" und preisgünstiges Angebot bewahren und entwickeln. Die Abrissperspektive konzentriert sich auf drei Standorte. Die vier Wohnblöcke in der Bahnhofstraße 1a bis 1d mit 96 Wohnungen sollen geschliffen werden. Drei Wohnwürfel gehören der städtischen Wohnungsgesellschaft Wobra, ein unbewohnter Block einem Privatmann. Die Arbeitsgruppe wünscht sich außerdem den Abriss der alten Zwangsarbeiterbaracken in der Wusterwitzer Straße. Die denkmalgeschützten Häuser, die viele Bürger als Schandflecke ansehen, vom Bundesvermögensamt zu kaufen und zu sanieren lohne sich nicht, sagte die Chefin der Baugenossenschaft Kirchmöser, Doris Seeber. "Da will keiner hinziehen." Langerwisch sagte, dass eine Lösung für die Baracken gefunden werden müsse. Ein oder zwei Baracken könnten erhalten werden. Im Übrigen sollten dort Eigenheime und Parkplätze entstehen.
Die Wohnungsunternehmen gehen außerdem davon aus, dass die Stadt 130 Plattenbau-Wohnungen in der Wusterwitzer Straße abreißt, die zuletzt die russischen Streitkräfte genutzt hatten.

www.MaerkischeAllgemeine.de

18.09.2003
Wittenberge: Abrissbirne über sechs Häusern
Die Wohnungen sind nicht schlecht, denn die Grundrisse sind günstig, auch die sanitäre Grundausstattung ist annehmbar, die Häuser sind solide - und trotzdem werden sie abgerissen. Die Rede ist von der Perleberger Straße 73 bis 78. Heute, spätestens morgen sind die links und rechts neben der Einmündung zu den Grapenstücken stehenden Wohnhäuser entkernt. Die Wohnungsbaugesellschaft ist Eigentümer der Gebäude, lässt sie abbrechen. Über Fördermittel zum Stadtumbau gibt es pro Quadratmeter einen Zuschuss von 60 Euro. "Damit ist der Abbruch nicht finanzierbar, wir schießen als Gesellschaft eigenes Geld zu", so Geschäftsführer Torsten Diehn. Für ihn steht außer Zweifel, der Abriss ist notwendig, denn niemand benötige die Häuser mehr.
Eine Alternative wäre die Sanierung, denn wie gesagt, schlecht sind die Häuser nicht. Aber, so sagt es Diehn, als Folge wäre denkbar, dass Mieter sich aus der Innenstadt verabschieden, um an die Peripherie zu ziehen. Städtebaulich eine nicht gewollte Entwicklung. Mit dem Stadtumbauprozess soll die Innenstadt gestärkt werden. Pläne zu einer Neubebauung der Abrissflächen in der Perleberger Straße gegenüber der Polizeiwache gibt es nicht.

www.svz.de

18.09.2003
Pößneck: In der Heiligengasse sollen drei Häuser fallen
Im nächsten Jahr sollen in Pößneck die Häuser Heiligengasse 14, 16 und 18 abgerissen werden. Das sieht der Jahresantrag 2004 der Stadt Pößneck für Fördermittel aus dem Programm "Stadtumbau Ost" vor, der vom Pößnecker Stadtrat einstimmig gebilligt wurde. Zwei dieser Häuser gehören der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneckl/Triptis mbH (GWG), eines ist in privater Hand. Eine Sanierung dieser Häuser in sehr schlechtem Zustand sei nicht einmal langfristig geplant. Durch den Abriss soll daher nicht nur überflüssiger und teils leer stehender Wohnraum "vom Markt genommen" werden, so die Stadt Pößneck, der Bereich soll auch neu gestaltet bzw. mit Grün- und Stellplätzen aufgewertet werden. Der Abriss wird mit 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gefördert, eventuelle höhere Kosten haben die Eigentümer zu tragen.
Unklar ist, ob nach dem Abriss der drei Häuser in der Heiligengasse das Jahre lang heiß diskutierte Parkhaus/Parkdeck gebaut wird. Die Stadt könne sich eine solche Baumaßnahme nicht leisten, zumindest nicht in den nächsten Jahren, hieß es gestern aus dem Pößnecker Rathaus. Ob die GWG noch an ein Parkhaus denkt, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Andererseits sehen die ersten Gewerbetreibenden in der Pößnecker Innenstadt keinen echten Bedarf mehr für ein Parkdeck in der Heiligengasse - "leider", wie es heißt.

www.otz.de

18.09.2003
Eisenach: Vortrag zum Stadtumbau Ost
800 000 Wohnungen wurden bisher in den neuen Bundesländern mit staatlicher Förderung saniert, eine Millionen Wohnungen stehen derzeit leer (über 3000 allein in Eisenach) und das bei rückläufigen Bevölkerungszahlen! Daraus ergeben sich riesige Probleme für die Zukunft unserer Städte.
Inzwischen existiert das Förderprogramm "Stadtumbau Ost", bei dem es um die Reduzierung von Wohnraum geht, aber gleichzeitig um die Erhaltung der Urbanität von Wohngebieten und damit um Lebensqualität für deren Bewohner. Von zunehmendem Leerstand betroffen sind vor allem Plattenbauten. Um neue Wege bemüht sich seit mehreren Jahren ein kleines Cottbuser Architektenteam, das für seine erfolgreichen Projekte mit dem Bauherrenpreis 2003 und dem Architekturpreis "Zukunft Wohnen" 2003 ausgezeichnet wurde.
Der Architekt, Prof. Frank Zimmermann, Mitglied dieses Teams, erläuterte in einem Vortrag des Förderkreises zur Erhaltung Eisenachs in der Reutervilla ein über Deutschland hinaus bekannt gewordenes Projekt in der Plattenbau-Werksiedlung Sachsenhausen, einem zentrumsnahen Stadtteil von Cottbus. Dabei bestand die besondere Aufgabe darin, die Wohnqualität für die Bewohner, die über mehr als drei Jahrzehnte mit ihrem Gebiet verwurzelt sind, zu verbessern, um eine Entvölkerung des Stadtteils mit ihren verheerenden Folgeerscheinungen zu verhindern. Ein enormes Maß an Problemen war mit dem Auftrag zu lösen, sowohl in städtebaulicher, bautechnologischer, bauorganisatorischer als auch in wirtschaftlicher und eigentumsrechtlicher Hinsicht.
Prof. Zimmermann erläuterte anschaulich: Aus der Plattenbausiedlung, zu der u.a. acht elfgeschossige, paarweise angeordnete Hochhäuser gehören, sollte ein urbaner, in die Umgebung integrierter Stadtteil werden. Dazu war es notwendig, eine niedrigere Bebauung als Übergangszone zur benachbarten Einfamilienhaus-Siedlung zu gestalten. Die besondere Idee bestand darin, durch vorsichtige Demontage eines in den 80-er Jahren nachträglich errichteten, die Symmetrie der paarweisen Hochhäuser störenden Elfgeschossers eine Wiederverwendung von Plattenbauelementen für den Bau kleinerer Dreifamilienhäuser zwecks Bebauung der Übergangszone zu ermöglichen. Gleichzeitig sollten die verbleibenden Hochhäuser kostengünstig saniert werden mit dem Ziel, qualitätsvolle Wohnungen in verschiedenen Größen zu schaffen und die Gebäude ästhetisch aufzuwerten.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Drei Hochhauspaare wurden inzwischen saniert. Die Betonoberflächen der Fassaden wurden aufgearbeitet, das Raster der Platten blieb sichtbar, da eine Wärmedämmung nicht notwendig war. Farbgestaltung und dreigeschossige verglaste Windfänge an den Schmalseiten der Fassaden verbesserten die Ästhetik der Gebäude. Großzügig zugeschnittene komfortable Wohnungen im Inneren sind gut vermietbar. Die zwei- bis dreigeschossigen Dreifamilienhäuser mit Flachdach, gebaut aus ausgewählten, geprüften Plattenelementen des demontierten Hochhauses (Wiederverwendung von einem Drittel der Platten) besitzen Wohnungsgrößen zwischen 47 und 108 Quadratmetern, so dass Einzelpersonen und Familien, Jung und Alt, miteinander wohnen. Jedes Haus ist individuell gestaltet mit Terrassen, großen und kleinen Balkonen, verglasten Flächen von unterschiedlicher Größe, sowie variablen Wänden im Inneren. Die sinnvollen und schön gestalteten Übergänge in den halboffenen und offenen städtischen Raum tragen wesentlich zur Attraktivität des Gebietes bei. Die so entstandenen 13 Wohnungen befinden sich in genossenschaftlichem Eigentum, alle waren sofort vermietet.
Das Projekt gab Anlass zu reger Diskussion zwischen Zuhörern und Referenten. Besonders interessiert zeigten sich Eisenacher Architekten und der Vorsitzende der AWG Eisenach. Mit dieser Veranstaltung verfolgte der Förderkreis die Absicht, Impulse für eine Diskussion zur Lösung der ebenso drängenden Eisenacher Probleme mit dem Wohnungsleerstand zu geben.

www.thueringer-allgemeine.de

17.09.2003
Alte Platten zu neuem Zweck
Die Abrissbirne hat in den zu DDR-Zeiten entstandenen Neubaugebieten Hochkonjunktur. Doch: Die Platte nicht dem Schredder zum Zerkleinern vorzuwerfen, sondern sie erneut zu nutzen, ist die Idee des Erfurter Architekten David Seidl. In diesen Tagen sieht man den 29-jährigen Diplomingenieur oft mit einem handlichen Modell eines Zweifamilienhauses. Gewissermaßen auf Reklametour. Er hebt das Dach ab, verschiebt die Innenwände, versetzt die Treppe von außen nach innen und erläutert dabei, wie flexibel sein Gebäude umgestaltet werden kann. Nicht allein darin besteht die Innovation, sondern in der Wiederverwendung der Betonelemente, die beim Abriss anfallen.
Sowohl die sechs Meter langen Außen- als auch die Innenwände und Decken eignen sich seiner Meinung nach von der Statik und Wärmedämmung bestens für individuell gestaltete Eigenheime. Dazu wurde gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus ein Modulsystem entwickelt. Aus einstigen zwei Kinderzimmern könnte ohne behördliche Genehmigung ein großer Raum entstehen. Zwei abgeschlossene Wohnungen parterre sowie im 1. Obergeschoss ließen sich zu einer Atelierwohnung umfunktionieren.
"Eine tolle Idee", bescheinigte Tilo Braune, Staatssekretär im Bundesbauministerium. Und der Vorstandsvorsitzende des Baufinanzierers der BHW Holding, Reinhard Wagner, fand sie so wertvoll, dass er ihr einen Innovationspreis im Rahmen des "Starterhaus 2003" zuerkannte. Experten rechneten aus, dass die Wiederverwendung der alten Platten die Gesamtbaukosten gegenüber dem herkömmlichen Bauen um bis zu 15 Prozent reduzieren könnte. Argumente, die für sich sprechen.
David Seidl und sein Team denken nicht nur an den Einsatz der Wände für Eigenheime. Eine Chance sehen sie auch beim möglichen Bau der Unterkünfte für die Olympioniken in Leipzig. Noch ist der junge Architekt auf der Suche nach einem Bauträger. Das Bauministerium verspricht Unterstützung. Einen Mangel an wiederverwendungsfähigen Platten wird es wohl in den nächsten Jahrzehnten nicht geben.
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17.09.2003
Brandenburg: "Platten" reisen nach Osteuropa
In Brandenburg an der Havel müssen in den nächsten zehn Jahren 4000 Wohnungen abgerissen werden, der Großteil davon "Platten". Dass sie auf der Deponie landen, will jetzt der Projektentwickler Bernd Jansen verhindern. Zusammen mit ungarischen und rumänischen Geschäftspartnern plant er ihre Demontage und den Wiederaufbau in Süd- und Osteuropa.
Schon im nächsten Jahr will Jansen - selbst zehn Jahre lang "Platten-Bewohner" - die ersten Betonelemente einschiffen lassen. Beim Abbau und Transport erwartet er etwa ein Viertel Materialverlust. Daher könne der Block am Bestimmungsort nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden.
Vielmehr sollen dort kleinere Dreigeschosser, Reihenhäuser und Stadtvillen entstehen. Um die Abbauverluste möglichst gering zu halten, sucht Jansens Team Bauarbeiter, die die Plattenbauten vor der Wende montiert haben.
"Das Geschäft rechnet sich, weil nicht nur für die fertigen Wohnungen Geld bezahlt wird, sondern auch für die Demontage", sagt Jansen. Die Wohnungsunternehmen erhalten für die Reduzierung ihres Wohnungsbestandes über das staatliche Stadtumbau-Programm 60 Euro pro Quadratmeter. Ein herkömmlicher Abriss wäre damit gerade einmal kostendeckend. Jansen will dagegen weit unter dieser Grenze bleiben. Einzig die Keller benötigt er nicht für sein Vorhaben; dafür will er Sanitär- und Leitungsanlagen mit auf die Reise schicken.
Erste Untersuchungen laufen derzeit an einem Fünfgeschosser mit vier Eingängen. Er wiegt 3200 Tonnen und besteht aus 1200 Einzelteilen. Brandenburgs Baubeigeordneter Ralf Krombholz lobt das einzigartige Projekt wegen seiner Nachhaltigkeit. Zudem werde den Menschen auf dem Balkan geholfen, die jetzt zum Teil noch in Zelten leben, ergänzt der Urheber der Idee. Bürgermeister Norbert Langerwisch  wirbt sogar schon bei Brandenburger Wohnungsunternehmen für das Projekt.
Projektentwickler Jansen will es auf das gesamte Bundesland ausweiten und plant für 2004 die Verschiffung von zehn Wohnblöcken. Der Markt für die "gute alte Platte" sei riesig.

www.svz.de

www.welt.de

17.09.2003
Grimma: GWB will in Süd ersten Block abreißen
Spätestens Anfang 2005 will die Grimmaer Wohnungs- und Baugesellschaft (GWB) in Grimma-Süd erstmals einen Wohnblock abreißen. Die Mieter in der Südstraße 81 bis 87 wissen seit Juli, dass sie demnächst ausziehen sollen.
Das Vorhaben wurde erst öffentlich, weil Klaus Bock (63) und seine Frau Erika Paul (62) sich in der Einwohnerfragestunden an den Stadtrat wandten. Die beiden zogen vor mehr als zehn Jahren in den unsanierten Block, haben sich so eingerichtet, dass sie eigentlich nicht nochmal umziehen wollten. Außerdem: Ihr Haus hat Balkons und "Aussicht in alle Richtungen", sagt Erika Paul. Darauf wollen sie nicht verzichten.
Noch vor einem reichlichen Jahr hatte Jutta Vetterlein, die Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Abriss abgelehnt. Dennoch musste sie schon damals in einem Stadtentwicklungskonzept Abrissgebiete benennen, als Vorausetzung für Fördermittel für Stadtumbau. Frühestens im Jahr 2008 wären demnach die ersten Blöcke in Süd gefallen. Das galt bis einen Tag vor dem Hochwasser, von dem auch die GWB betroffen war. Die Flut unterbrach auch die Arbeit am Unternehmenskonzept. Hinterher holte sich die GWB Rat von einem anerkannten Chemnitzer Unternehmensberater. Angesichts eines Gesamtleerstandes von 15,42 Prozent - knapp 14 Prozent in Süd - empfahl der unmissverständlich: Abriss. Das spart Kosten für die betroffenen Häuser und ist eine Voraussetzung für den Erlass von Altschulden. Außerdem senkt es die Leerstandsquote, sofern es gelingt, möglichst viele Mieter im Unternehmen zu halten.
Das Konzept wurde dem Aufsichtsrat der GWB im Juni vorgestellt, danach sollte der Stadtrat von den Plänen erfahren. Wegen einer undichten Stelle wussten die Mieter schon zuvor davon, deshalb fanden am 24. Juli Gespräche mit den Bewohnern statt. Der Stadtrat wurde in der vorigen Woche informiert.
Mindestens 70 Prozent aller Bewohner des Blocks mit der abblätternden roten Farbe will Jutta Vetterlein als Bewohner der GWB behalten. Für Umzugshilfen und Mietpreisvereinbarungen werde es individuelle Lösungen geben. Über weitere Abrissvorhaben spricht sie nicht. Dass es in dieser Richtung weiter gehen muss, scheint schon allein wegen der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung festzustehen.

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17.09.2003
Halle: Studenten unterstützen Ortschronisten
Der Landesheimatbund (LHB) widmet sich mit seinen Orts-, Heimat- und Interessenvereinen der Erforschung, Pflege und weiteren Gestaltung des Lebens in Sachsen-Anhalt. Über aktuelle Vorhaben sprach unser Redakteur Ernst Krziwanie mit dem neuen LHB-Geschäftsführer Manfred Köppe.
"Mythos Heide" lautet ein Thema. Um was geht es dabei?
Köppe: Kurz gesagt um die historische, volkskundliche, biologische und geologische Erforschung der Dübener Heide. Die Erkenntnisse fließen in das Tourismus- und Naturparkkonzept des Landes ein. Partner sind der Verein Dübener Heide und viele Ortschronisten.
Gibt es Chronisten in jedem Ort?
Köppe: Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber wir gehen davon aus, dass inzwischen in allen rund 1270 Orten Sachsen-Anhalts das Woher und Wohin sowie die Vielfalt des Alltags festgehalten wird.
Wie hilft der LHB dabei?
Köppe: Im Moment stecken wir mitten in Ortschronistentagungen. Nach Halle, Wittenberg und Magdeburg folgen nun Merseburg und Quedlinburg. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit dem Internet. Unterstützung erhalten die Chronisten dabei von Studenten der Martin-Luther-Universität in Halle.
Die Denkmalpflege ist seit Jahren ein Schwerpunkt des LHB. Warum hat sich jetzt ein neuer Arbeitskreis Denkmalpflege formiert?
Köppe: Wir wollen im Zusammenhang mit dem Stadtumbau Ost einen neuen Dialog über Baukultur anstoßen. Dabei geht es auch um die Verantwortung der Bürger für ihre bauliche Umwelt. Neu dabei sind auch die Architekturspaziergänge. Erstmals laden wir dazu am 18. Oktober in Bernburg ein.

www.naumburger-tageblatt.de

17.09.2003
Völklingen: Goldener Herbst in Völklingen?
In den Geschäften lockt die neue Herbst- und Wintermode. Renommierte Autohändler präsentieren ihre Neuerscheinungen von der Internationalen Automobilausstellung (IAA) auf Völklingens Straßen. Oldtimer-Freunde lassen ihre Schmuckstücke aus dem Stall. Sie formieren sich zum Auto-Korso durch die Innenstadt. Große und kleine Kinder haben ihren Spaß mit Clowns, Karussells und kostenlosem Bullen-Reiten. Schon ab dem frühen Morgen lockt einer der größten Flohmärkte im südwestdeutschen Raum. Und wer hungrig und durstig bleibt, ist selbst schuld. Mit vereinten Kräften will die Kaufmannschaft Zehntausenden von Besuchern am Sonntag, 19. Oktober, einen schönen Herbsttag in Völklingen bereiten.
Der eigene Anspruch ist hoch. "Wir in Völklingen müssen uns abheben von allen anderen", sagt Horst Bonin, Geschäftsführer des Woolworth-Kaufhauses. Zusammen mit seinem Herbsttag-Team und im Namen des Wirtschaftskreises organisiert er diesen verkaufsoffenen Sonntag als eine Großveranstaltung eigener Prägung. Von 13 bis 18 Uhr kann man in der ganzen Völklinger Innenstadt ungestört flanieren, bummeln, schauen, aus- und anprobieren und natürlich auch kaufen. Viele Geschäftsleute steuern zum Rahmenprogramm noch eigene Initiativen in ihren Häusern bei - vom Begrüßungsschluck übers Sonder-Sonderangebot bis hin zum kleinen Präsent für die Besucher.
Bonin: "Die Zeiten sind vorbei, da man nur einfach die Geschäfte öffnen musste. Heutzutage ist ein buntes Programm angesagt, in dem sich die ganze Familie wiederfindet." Und es muss schon auch was Besonderes sein - wie die große Autoschau in Rathausstraße, Poststraße und Fußgängerzone, bei der an die zehn Firmen ihre Modelle vorstellen. Hierzu macht sich auch Mercedes von Saarlouis aus auf die Socken, pardon: auf die Räder. In diesem Jahr werden erstmals auch Motorräder zu sehen sein. Die erste Autoschau zum verkaufsoffenen Sonntag war übrigens vor vier Jahren mit nur zwei Händlern gestartet.
Noch wirkt der Konjunkturhimmel, bestätigt Bonin, trist. Doch die Völklinger wollen das Ihre tun, die Dinge zum Besseren zu wenden. Die erste Völklinger Woche im Juni mit ihren Dutzenden von Großveranstaltungen war das Resultat einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Stadt, Vereinen und Gewerbetreibenden. Sie brachte auch der im Herbst zuvor abgesagten Völklinger Stadtmesse, der Leistungsschau des Gewerbes, wieder frischen Wind in die Segel. Seit Februar läuft in der Völklinger Innenstadt das Sanierungs-Projekt Stadtumbau West, ausgestattet mit vier Millionen Euro an Zuschüssen. Bonin hält es für "einen wichtigen Beitrag, um Völklingen nach vorne zu bringen". Bisher größtes Vorhaben ist die Idee, das Ex-Kaufhof-Gebäude in der Rathausstraße in Form eines Gesundheitszentrums wieder zu beleben. Projekt-Manager Hans Günter Weiß sagte unserer Zeitung auf Anfrage, die Pläne und die Berechnungen für das Vorhaben seien fertig. Die würden nun mit dem Eigentümer des Gebäudes und möglichen Investor, Bernard Ostrolenk, besprochen. Dann werde sich entscheiden, ob der zweite Teil der Machbarkeitsstudie, innerhalb dessen mögliche Interessenten angesprochen werden sollen, in Auftrag gehe. Vielleicht gibt es da schon vor dem Völklinger Herbsttag am 19. Oktober genauere Nachrichten.

www.sol.de

17.09.2003
Kreative Sonderzonen
Über hundert Stadtplaner, Kommunalpolitiker und Wissenschaftler diskutierten vergangene Woche auf einem Symposium neue Möglichkeiten, der Stadtschrumpfung zu begegnen. Die Veranstaltung am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner bei Berlin stand unter dem Motto »Städtische Kreativität«. Sie schloss einen Workshop ab, an dem sich fünf ostdeutsche Städte beteiligt hatten.
Frankfurt (Oder), Leipzig, Neuruppin, Schwerin und Zwickau haben seit 1989 Einwohnerverluste von 5 bis 22 Prozent hinnehmen müssen. In der Mehrzahl der ostdeutschen Städte sieht es kaum anders aus. Reagiert wurde auf den Schrumpfungsprozess bislang mit Wohnungsrückbau im Rahmen des »Stadtumbau Ost«. Mit der Workshopreihe »Städtische Kreativität« sollten Planer und Stadtverwaltungen angehalten werden, nicht nur im Wohnungsbau auf den Einwohnerverlust zu reagieren. »Wir haben Kreativität als Arbeitsprinzip definiert«, erklärt Heike Liebmann vom IRS. Das bedeute vor allem, eingefahrene Funktionsweisen von Verwaltungen zu durchbrechen, flache Hierarchien zu etablieren und im Team auch nach unkonventionellen Lösungen zu suchen. Um solche Lösungen wie Zwischennutzungen und Umnutzungen von Wohn- und Gewerbeflächen zu ermöglichen, sollten starre gesetzliche Regelungen auch zeitweise außer Kraft gesetzt werden können.
Professor Karl-Dieter Keim, Leiter des IRS, schlug vor, »Sonderzonen der räumlichen Entwicklung« einzurichten. Wie die Beispiele Leipzig, Schwerin und Zwickau zeigten, finden zugleich Schrumpfungs- und Wachstumsprozesse statt. Trotz einer negativen Bevölkerungsentwicklung besteht dort zunehmend Interesse an Wohn- und Geschäftsflächen in den innerstädtischen Altbauquartieren. In Zeiten knapper finanzieller Mittel dürften diese nicht mehr nach dem »Gießkannenprinzip« auf alle Stadtteile verteilt werden, sondern sollten in Gebiete fließen, in denen Entwicklungspotenziale vorhanden sind, so die Planer.
Professor Ulf Matthiesen von der Humboldt-Uni sprach dem in einer Stadt vorhandenen Wissen eine besondere Rolle bei der Stadtentwicklung zu. Es sei daher wichtig, genügend Wissen und Kreativität in die Stadt zu locken. Dies könne über Universitäten und andere Forschungseinrichtungen geschehen, auch Orte des privaten Austauschs seien wichtig. Künstlern und Kulturschaffenden fiele dabei die Rolle von »Raumpionieren« zu.
Mit dem Leitbild der »städtischen Kreativität« ist eine Vorstellung der Stadt als Unternehmen verbunden. Als positive Beispiele einer »kreativen« Stadtentwicklung wurden die nordwestenglischen Städte Manchester, Liverpool und Huddersfield angeführt. Die ehemaligen Industriestädte, die in den 80er Jahren von Niedergang und Abwanderung betroffen waren, konnten den negativen Trend durch die Ansiedlung einer »kreativen Klasse« umdrehen, in die – quasi von oben verordnet – gezielt Künstler und Medienschaffende gelockt wurden. Die Stadtverwaltungen bewarben die Städte in Imagekampagnen als »Marken«. Die Städte werden dabei als Akteure in einem globalen Wettbewerb verstanden, der durch Standortvorteile, Investitionen, kulturelle Einrichtungen und Großereignisse beeinflusst wird. Dass die unternehmerische Stadt wie in Manchester oftmals eine soziale Polarisierung nach sich zieht, fand nur am Rande des Symposiums Erwähnung.

www.nd-online.de

16.09.2003
Wismar: hat seit der Wende über 10 000 Einwohner verloren
Schleichend nähert sich die Einwohnerzahl Wismars der 40 000er-Grenze. Denn allein mit Hauptsitz sind nur noch 44 216 Wismarer registriert. Und die Prognosen erscheinen besorgniserregend. Bei der Erstellung eines „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes“ (ISEK) für Wismar wurde bis zum Jahr 2015 von einem Bevölkerungsschwund um etwa 15 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2015 würden noch 38 084 Wismarer mit Hauptwohnsitz gemeldet sein. Die ISEK-Forscher empfehlen einen Rückbau von 3000 Wohnungen, da sich die Anzahl der Haushalte erheblich verringern werde: von 22 784 im Jahr 2001 auf 20 587 im Jahr 2015. Der Rückbau wird vor allem am Friedenshof, langfristig auch für Wendorf empfohlen.
Vorbei sind die Zeiten, wo Wismar stolz die 50 000er-Grenze überschritten hatte. Zuletzt im Jahr 1995 mit 51 006 Einwohnern mit Haupt- und Wohnsitz. Im Jahr 1990 wurden gar 57 173 Hansestädter gezählt. Somit hat Wismar seit der Wende rund 11 000 Frauen und Männer eingebüßt. Die Tendenz des Rückgangs wird allein an den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich: 68 Neugeborenen standen 148 Verstorbene gegenüber; 525 Leute zog es nach Wismar, aber 590 zogen weg.
Die Folgen für Wismar – das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region – liegen auf der Hand. Weniger Bevölkerung bedeutet weniger Finanzzuweisung durch das Land. „Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin bei der Wirtschaftsansiedlung. Wer keine Arbeit hat, sucht sich neue Perspektiven“, verweist Pressesprecher Frank Junge auf die Bemühungen der Stadt, dem Abwärtstrend entgegenzuwirken. Und Bevölkerungszuwachs durch Eingemeindungen? „Die Gemeinden, die wollen, werden von uns nicht abgewiesen, mit denen wird ein Weg gesucht“, so Junge. Die Gemeindevertreter Barnekows hatten sich für Wismar entschieden, doch der Kreis und das Innenministerium blocken.
Der Stadtteil Wendorf ist übrigens aktuell der mit der höchsten Bevölkerungszahl. 12 839 Einwohner wurden Ende Juni gezählt. Damit wurde der Friedenshof (11 796) inzwischen überholt. Auf Platz drei folgt die Altstadt mit 7296 Einwohnern, immerhin 1315 mehr als noch Ende 1998. Die weiteren Stadtteile: Wismar Nord 2702 Einwohner, Wismar Ost 4472, Dargetzow 1608, Wismar Süd 3041 und Wismar West 3520. Nach wie vor leben in der Hansestadt mehr Frauen. Ihr Plus beträgt 1310. Fast die Hälfte davon entfällt auf Wendorf. Hier wohnen 651 Frauen mehr als Männer. Der Ausländeranteil an der Bevölkerung liegt bei rund 1500 Frauen, Männern und Kindern.

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14.09.2003
Forst: Ein Märchenschloss
Künstler warben mit spektakulären Großprojektionen vor tausenden Zuschauern für mehr Dialog beim Stadtumbau
Mit einem faszinierenden Lichtspektakel wurde am Wochenende in Forst ein ungewöhnliches Projekt zum Thema Stadtumbau gestartet: Unter dem Motto «Das Forster Tuch» verwandelte sich ein für den Abriss bestimmter Plattenbau am Marktplatz an drei Abenden zum leuchtenden Kunstwerk. Mit der Aktion sollen die Forster zum Dialog über die Zukunft der Neißestadt eingeladen werden.
Ein staunendes «Aah» geht durch die Reihen, als die beiden Pani-Lichtprojektoren die zwanziger Jahre nach Forst zurückbringen: Aus der grauen Front des zum Abriss freigegebenen P2-Fünfgeschossers wird die strahlende Fassade des Hotels «Pittius» , in erleuchteten Fenstern tanzen lebende Schatten Charleston. Zuschauer klatschen, Kinder jagen auf der Straße lärmend dem bimmelnden Nachbau der Forster Stadteisenbahn «Schwarze Jule» nach. Leben kehrt ein auf dem Marktplatz, der an anderen Abenden viel zu oft wie ausgestorben wirkt.
Jeweils bis zu tausend Forster versammelten sich am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend auf dem Marktplatz, um das halbstündige Lichtspektakel von «Spacewalk» zu bestaunen.
„Spacewalk“ ist ein Künstlernetzwerk, das sich mit dem Projekt «Das Forster Tuch» für die nächsten Monate in der Stadt einquartiert hat. Bezahlt werden soll das über Stadtumbaumittel, Stiftungs- und Sponsorengelder. Die Künstler wollen mit den Bewohnern ins Gespräch kommen und Ideen sammeln, wie die Stadt künftig aussehen und gestaltet werden kann.
Denn so wie heute wird und kann Forst schon bald nicht mehr aussehen: Der Abriss des 60 Meter breiten und 16 Meter hohen Fünfgeschossers am Markt, der heute beginnt, ist nur der deutlich sichtbare Anfang eines dramatischen Stadtumbaus. Etwa 1900 Wohnungen müssen in den nächsten Jahren in Forst verschwinden.
Viele davon werden wohl ausgerechnet im historischen Zentrum abgerissen: Denn anders als bei anderen ostdeutschen Städten versammeln sich die Plattenbauten in Forst nicht in Neubauvierteln am Stadtrand. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der 85 Prozent der alten Gebäude zerstörte, wurden rund um die Stadtkirche Wohnblocks hochgezogen. Eigentlich Toplagen im Herzen der Grenzstadt. Doch die Geschäftsstraßen sind vom Markt weggerückt, Investoren nicht in Sicht. Und so weiß niemand, was an die Stelle des von den Künstlern angestrahlten Blocks treten wird.
Der Leerstand habe sich in den letzten Jahren «dramatisiert» . Besserung ist nicht in Sicht: Die Prognosen prophezeien in den kommenden Jahren einen weiteren Bevölkerungsrückgang für die Noch-23 000-Einwohner-Stadt.
«Dieses Gebäude wird abgerissen. Das ist kein Grund zum Feiern. Das ist kein Grund zum Klagen. Nutzen wird das, was morgen kommt» , ruft der Harlekin auf Stelzen den Forstern zu, nachdem die Projektoren die 70er-Jahre auf ihre 60 Meter breite und 16 Meter hohe Bühne gemalt haben. Im Herbst 1975 wurden die damals heiß begehrten Wohnungen bezogen.
Die Projektoren werfen Visionen auf den Beton: Eine blubbernde Unterwasserwelt überstrahlt den Marktplatz, danach verwandeln hohe Säulen die Front des Wohnblocks in eine aristokratische Fassade: «Verwandeln wir das hier in ein Märchenschloss Marke Forst» , ruft der Harlekin, der im wirklichen Leben Andree Wenzel heißt, während die Schattenspieler vom Forster Gymnasium rote Herzen in die hellen Fenster drücken.

www.lr-online.de

14.09.2003
Bundesregierung ist zur Aufstockung der Städtebauförderung West bereit
Das erklärte Bundesminister Dr. Manfred Stolpe bei seinem Besuch der Ruhrgebietsstädte Duisburg, Gelsenkirchen und Gladbeck. Der Minister folgte einer Einladung des nordrhein-westfälischen Bauministers Dr. Michael Vesper, der - ebenso wie Ministerpräsident Peer Steinbrück - in den letzten Tagen eine stärkere Bundesförderung für die alten Länder gefordert hatte. "Ich nehme mich der Probleme der Städte im Westen Deutschlands ebenso an wie der Probleme im Osten. Gelsenkirchen ist mir genauso wichtig wie Görlitz", fügte der Bundesminister hinzu.
In Gelsenkirchen und anderen Städten des Ruhrgebiets seien tief greifende Veränderungen unübersehbar, verursacht durch den massiven wirtschaftlichen Strukturwandel, durch das Wegbrechen der Stahlindustrie und des Steinkohlebergbaus. Bevölkerungsrückgang, hohe Arbeitslosigkeit und nicht ausgelastete Wohnungsbestände mit schlechter Bausubstanz sowie Anpassungsbedarf bei der Infrastruktur stellten die Kommunen vor schwere Aufgaben. "Hier müssen und hier wollen wir gegensteuern. Deshalb habe ich erst vor wenigen Tagen meinem Kollegen Dr. Vesper mitgeteilt, dass der Bund beabsichtigt, Gelsenkirchen in die Pilotprojekte zum 'Stadtumbau West' aufzunehmen. Wir wollen damit ein neues Programm 'Stadtumbau West' vorbereiten.
Zu den elf Pilotprojekten, die wir im letzten Jahr begonnen haben und zu denen in Nordrhein-Westfalen Oer-Erkenschwick zählt, kommen jetzt Gelsenkirchen und Essen dazu." So werden in Gelsenkirchen-Altstadt Stadtumbaumaßnahmen mit bis zu 2,7 Millionen Euro unterstützt. In Essen würde die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts finanziert. "Ich habe mich davon überzeugen können, dass unsere Entscheidung für Gelsenkirchen goldrichtig ist", fuhr Bundesminister Dr. Stolpe fort.
Dies sei aber nur ein kleiner Baustein der Anstrengungen, welche die Bundesregierung zur Aufstockung der Städtebauförderung West ergreife. Die Bundesregierung habe bereits in den letzten Jahren ihre Förderung deutlich erhöht. Die Bundesmittel seien von 40,9 Millionen Euro im Jahr 1998 auf 167 Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen. Dazu habe auch das 1999 neu aufgelegte Programm "Soziale Stadt" beigetragen, in das zum Beispiel schon Gelsenkirchen, Duisburg, Dortmund, Gladbeck und Essen aufgenommen seien.
"Zur Zeit bereiten wir eine kräftige weitere Aufstockung der Städtebauförderung in den alten Ländern vor. Wir wollen die Wohneigentumsförderung umstrukturieren und die Eigenheimzulage durch gezielte Förderprogramme ersetzen", sagte der Minister. In diesem Rahmen sollen die Finanzhilfen des Bundes zur Stadtentwicklung in den alten Ländern von jetzt 92 auf 211,8 Millionen Euro und die Mittel für das Programm "Soziale Stadt" von 80 auf 135,9 Millionen Euro (davon alte Länder 102 Millionen) angehoben werden. Weitere 86 Millionen Euro seien für ein neues Programm Stadtumbau West vorgesehen. Die Städtebauförderung des Bundes in den alten Ländern würde dann von 167 Millionen Euro in diesem Jahr auf 400 Millionen Euro wachsen. Der Anteil der alten Länder an der Städtebauförderung für Ost und West stiege von 13 Prozent im Jahr 1998 über 27 Prozent heute auf 48 Prozent. Die Bundesregierung gehe damit zu einem Großteil auf die Forderungen Nordrhein-Westfalens ein. "Allerdings halte ich nichts davon, die Städtebauförderung West zu Lasten der neuen Länder aufzustocken. Ich orientiere mich nicht an der Himmelsrichtung, sondern am Bedarf. Im Westen ist das Problem punktuell, im Osten ist es flächendeckend", erläuterte Stolpe.

www.fankurve.de

13.09.2003
Sassnitz: Abriss nach halbem Jahrhundert
Am Montag früh um 7 Uhr beginnt der Abriss. Dann rollen die Bagger zum ehemaligen Mietshaus Merkelstraße 61 – 63. Etage für Etage, Zimmer für Zimmer des über viele Jahre von 28 Mietparteien bewohnten Blockes an der Kreuzung zum Birkenweg werden heruntergebrochen und abgefahren.
„Lieber wollen wir andere Häuser verbessern, die echte Chancen besitzen“, begründet Klaus Schütt, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Sassnitz mbH (WoGeSa), den Abriss, der ähnlich wie bei dem Projekt in der Victoriastraße ablaufen soll. Eine von Anwohnern befürchtete Sprengung wird es nicht geben. „Keine Ahnung woher solche Gerüchte kommen“, wundert sich der Geschäftsführer.
Der Wohnblock, der bereits entkernt wurde, ist 1952 gebaut worden. Ursprünglich war vor zwei Jahren eine komplexe Modernisierung geplant. Die Analyse der Substanz des Hauses und der daraus resultierende Umfang der Instandsetzungsarbeiten ergaben jedoch, dass das dafür nötige Geld nicht refinanzierbar gewesen wäre. Es musste mit etwa 1,2 Millionen Euro Sanierungskosten gerechnet werden. Die dabei entstehenden 27 Wohnungen wären jeweils etwa 44 000 Euro teuer gewesen, erläutert die WoGeSa. Kosten in einer Höhe von 950 Euro je Quadratmeter Wohnfläche seien allerdings über die Mieten und die nur begrenzt verfügbaren vergünstigten Darlehen für eine Modernisierung in der Kalkulation zu hoch, so Schütt weiter.
In einer Portfolio-Untersuchung werden Kriterien wie Vermietbarkeit, Infrastruktur oder soziale Faktoren der zu sanierenden Häuser jedes Jahr aufs Neue untersucht und ausgewertet. So kann es sein, dass für eine Immobilie auch nach Jahren eine positive Entscheidung fällt. Für das Objekt in der Merkelstraße allerdings fiel die Prognose ungünstig aus. Deshalb habe man sich innerhalb des seit einem Jahr existierenden Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) für einen geförderten Abriss zum Gesamtpreis von 55 000 Euro entschieden.
Auf dem Grundstück wird nach dem Abriss des Hauses Rasen gesäht, das Areal selbst eingezäunt und für eine zukünftige Neubebauung bereit gehalten. Eine konkrete Planung mit Terminvorgabe wolle man derzeit bei der Wohnungesellschaft noch nicht nennen.

www.OSTSEE-ZEITUNG.DE

13.09.2003
Das Land der durchlöcherten Städte
Seit 1945 hieß für die deutschen Kommunen das Leitbild immer "Wachstum". Sie werden sich ein neues suchen müssen
Die Prognosen sind düster: immer mehr alte, sterbende Menschen bei immer weniger jungen, die sich um sie kümmern können. Krankenhäuser, die ehemalige Säuglingsstationen zu Sterbezimmern umbauen. Stadtteile, in denen nur noch alte Menschen leben - oder überhaupt niemand mehr.
Doch die Kommunen reagieren zäh auf die Daten von morgen. "Die Diskussion ist sehr angstbesetzt", sagt Richard Reschl von der Kommunalentwicklung LEG Baden-Württemberg. "Seit 1945 hieß das Leitbild der deutschen Städte immer ,Wachstum'." Noch heute würden in Deutschland täglich 129 Hektar Fläche neu bebaut. "Themen wie Stadtschrumpfung oder Bevölkerungsweggang werden oft als Bedrohung aufgefasst", erklärt Reschl die Lethargie vieler Kommunen.
Um den Prozess anzuregen, hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF 21 Städte aufgefordert, ein Zukunftsszenario für sich zu entwerfen. Das Ergebnis, das unter dem Titel "Stadt 2030" in diesem Monat vorgestellt wird, zeigt, dass der demografische Wandel regional sehr unterschiedliche Auswirkungen auf das Bild der Städte haben wird.
So kämpft die Stadt Leipzig - ähnlich wie andere Städte des Ostens - schon heute mit einem dramatischen Wohnungsleerstand. 60.000 Wohnungen - darunter ganze Plattenbausiedlungen - stehen leer, aber auch eine große Zahl zum Teil sogar sanierter Gründerzeitvillen ist unbewohnt. Im Stadtplanungsamt ist man entschlossen, den Schrumpfungsprozess als Chance zu begreifen. So sollen leer stehende Häuser in bestimmten Stadtgebieten angekauft und abgerissen werden, um dort gezielt innerstädtische grüne Inseln zu schaffen. "Es geht darum, die verbleibenden Quartiere zu stabilisieren", erklärt Planungsamtsmitarbeiter Reinhard Wölpert. Ihren Umgang mit der zunehmenden Durchlöcherung der Stadt durch Wegzug, wenig Nachwuchs und Überalterung sieht die Stadt als Leitbild. Arbeitstitel: "Die perforierte Stadt".
Kaum betroffen von den düsteren Demografieprognosen ist dagegen bisher die Region Stuttgart. Dort wird die Zahl der Einwohner in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich sogar noch zunehmen. Doch auch hier liegt unter den 2,6 Millionen Einwohnern der Anteil der über 65-Jährigen bereits bei über 16 Prozent, und es gibt Großwohnsiedlungen aus den 60er-Jahren, die inzwischen fast ausschließlich von alten Menschen bewohnt sind. Stuttgarts Beitrag zum Wettbewerb "Stadt 2030" ist das Projekt "Scharnhauser Park". Die ehemalige Wohnsiedlung amerikanischer Streitkräfte wird seit 1993 umgebaut und ist Experimentierfeld für zukünftige Wohnformen. Leitbild: soziale Integration. Das sind Hausgemeinschaften "junger Alter", die zukünftig länger körperlich und geistig fit bleiben und möglichst lange einen eigenen Haushalt führen wollen, mehr Möglichkeiten des betreuten Wohnens, Wohnformen für Jüngere, die den erwarteten Trend zur Heim- und Telearbeit unterstützen sollen. Aber auch die zunehmend bedeutsamere Gruppe der Zuwanderer und deren individuelle Entwicklung ist eingeplant: mit einem türkischen Altenheim, einem "religiösen Zentrum" mit Moschee und Kirche und Bereichen "interkulturellen Wohnens".
Doch letztlich sei das alles nur denkbar, wenn die Menschen bereit seien, Normen und Werte zu überdenken, sagt Städtebauprofessor Reschl, der im demografischen Wandel eine Chance sieht: "Für eine neue Qualtität des bürgerschaftlichen Engagements." Es sei dringende Aufgabe der Sozialpolitiker, dazu ein "allgemein tragfähiges Leitbild" zu entwickeln.
Das Projekt "Stadt 2030" ist der bisher einzige größere Versuch auf öffentlicher Ebene, sich mit den unmittelbar bevorstehenden Veränderungen stadtplanerisch auseinander zu setzen. Andere Projekte einzelner Kommunen oder des Deutschen Städtetags zur Verbesserung und Anpassung städtischen Lebensraums sind meist auf aktuelle Probleme konzentriert, weniger auf die zukünftigen Bedürfnisse der Gesellschaft. "Das Thema Stadtschrumpfung war viel zu lange tabu", sagt auch Brunhild Spannhake, Referentin für Bauen und Wohnen im BMBF, die den Wettbewerb begleitet hat. "Es war politisch nicht gut zu verkaufen." Der Wettbewerb hat zumindest einen Denkprozess angeregt. Ob der Bund eine Weiterentwicklung der erarbeiteten Szenarien finanzieren wird, ist noch nicht klar.

www.taz.de

13.09.2003
Solarenergie und Stadtumbau
Wissenschaftler der Fachhochschule Magdeburg-Stendal haben einen Solar-Energie-Turm entwickelt. Die Idee:
Ein leer stehendes Hochhaus wird nicht abgerissen, sondern mit Solartechnik und anderen Wärmespeichern bestückt. Der Betonkoloss würde zum Power-Tower: Forschungsstätte und moderner Energieerzeuger zugleich. Was fehlt, sind Fördergelder.
Mechtild Rothe, EU-Abgeordnete, kam eigens aus Brüssel angereist, um sich das Projekt in Magdeburg näher anzuschauen. "Also wenn das nicht gefördert wird, was dann? Ich habe ein gutes Gefühl", macht sie den Professoren und Ingenieuren an der Fachhochschule Mut, die den Power Tower entwickelt haben. "Wir brauchen solche Leuchttürme", meint sie, die seit Jahren das Thema Erneuerbare Energien beackert.
Nun sind Solarzellen (für Sonnen-Strom) und Solarkollektoren (für Warmwasser) schon lange auf dem Markt. Das Neue am Magdeburger Power-Tower wäre die Kombination aus Stadtumbau, sauberer Energie und Wärmespeicherung, meinen die Magdeburger Wissenschaftler. Der 16-Geschosser in Magdeburg (Leipziger Straße) müsste nämlich abgerissen werden - wie so viele Plattenbauten im Osten, der drastisch an Einwohnern verliert. Professor Götz Grosche, der Erfinder des Power Towers, kam auf die Idee, den Plattenbau als "Geräteträger" für Solartechnik und andere Energiespartechnik zu nutzen:
Dazu sollen bis auf die Nordfassade alle Seiten mit Solarzellen bestückt werden, die Strom erzeugen. Zwischen Solarzellen und alter Fassade befindet sich ein Luft-Zwischenraum: Die sich hier entwickelnde Wärme soll ebenfalls genutzt werden (Luftkollektor).  Im Keller sollen neue, energiespeichernde Baustoffe (Paraffin) eingebracht werden, die die Magdeburger Firma "Zimmermann electronic" entwickelt hat.  Auf dem Dach liefern Solar-Kollektoren warmes Wasser.
Im Inneren des Baus würde Messtechnik angebracht - die Magdeburger Wissenschaftler würden das Zusammenwirken der verschiedenen Energielieferanten und Speicher ergründen. Der Power Tower wäre der größte seiner Art in Europa. "Ein Highlight nach dem Magdeburger Dom", ist sich Grosche sicher. Und: Die leer stehenden Wohnungen kämen vom Markt - aber hier im Magdeburger Süden ohne Abrissbirne oder Dynamit. "Das wäre auch ein wichtiger psychologischer Effekt für die Anwohner", denkt der Professor.
Auch der Besitzer des Hochhauses, die Wohnungsbaugenossenschaft 1954, ist begeistert. "Der Turm hätte eine Funktion und der Schandfleck wäre verschwunden", fasst Vorstand Rolf Opitz die Vorteile zusammen.
Das Hochhaus abzureißen würde über 700000 Euro kosten. Die Verwirklichung des Power-Turms käme auf etwa sechs Millionen Euro. Im neuen EU-Fördertopf liegen für "intelligente Energien" 200 Millionen Euro - aber für ganz Europa. EU-Abgeordnete Rothe weist denn auch vorsorglich darauf hin, dass die EU selbst bei positivem Votum nicht die ganze Summe für den Turm aufbringt. Auch das Land sei gefordert.

www.volksstimme.de

13.09.2003
Abriss von „Platte“ wird  mit Kunstprojekt eingeleitet
Der Abriss eines Plattenbaus im Stadtzentrum von Forst (Spree-Neiße) wird seit gestern mit einem Kunstprojekt eingeleitet. Lichtprojektionen und Chöre sollen aus dem Alltag und der Geschichte des Gebäudes am historischen Marktplatz erzählen. Das Projekt „Das Forster Tuch“ wird im Auftrag der Stadtverwaltung von der Agentur „Spacewalk“ veranstaltet. Bis Sonntag soll Leben ins Zentrum der Grenzstadt gebracht werden. Mit dem Projekt wollen die Veranstalter auf den Niedergang der einst florierenden Textilmetropole aufmerksam machen.
In vielen Städten im Osten kreisen die Abrissbirnen über Plattenbausiedlungen. Manche Dörfer werden zu Altenheimen, weil es die Jugend dorthin zieht, wo es noch Arbeit gibt. Doch bei diesem Szenario wollen es Soziologen und Stadtplaner nicht belassen. Mit einem Buch möchten sie frischen Wind in die zähen Strukturdebatten ostdeutscher Kommunen bringen – und ein bisschen Optimismus. „Städtische Kreativität“ heißt das 245-Seiten-Werk von Heike Liebmann und Tobias Robischon.
„Die Konzentration auf den Abriss leer stehender Plattenbauten ist doch ein viel zu schmaler Ansatz für den notwendigen Stadtumbau“, sagte Mitautor Karl-Dieter Keim, Direktor des Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner. Doch zu einem neuen Denken zu raten, ist kein leichtes Unterfangen. Die Situation vieler ostdeutscher Kommunen klingt dramatisch. Mit der Wende verloren Städte wie Hoyerswerda, Cottbus, Schwerin, Zwickau, Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt nach IRS-Analysen bis zu 22 Prozent ihrer Einwohner. Industriezweige brachen weg, die Arbeitslosenquoten stiegen.
Die Talfahrt hat so schnell kein Ende: Das Bundesamt für Bauwesen prognostiziere bis 2015 die Abwanderung von weiteren 950 000 Menschen aus den neuen Ländern, heißt es in dem neuen Buch. „Die Probleme sind auch nicht mehr dadurch zu lösen, dass die ostdeutschen Gemeinden mehr Geld bekommen“, betonte IRS-Soziologe Keim.
Die Ratschläge der Stadtplaner laufen vielmehr auf einen neuen Zusammenschluss der vorhandenen Potenziale in den Gemeinden zusammen. So wie im schwedischen Karlskrona, wo die Universität, die Stadtverwaltung und der Telefonkonzern Ericson als treibende Kräfte eine Art Telekom-City ins Leben riefen – als neue Identität.
Doch gerade die gut organisierte Verbindung von Kommunen und Hochschulen vermissen die Stadtplaner. „In Frankfurt (Oder) tauchte die Universität in Konzepten der Stadtverwaltung gar nicht auf“, kritisierte Keim. Andere Städte wie Eisenhüttenstadt tabuisierten das Problem der Abwanderung und ihre Abhängigkeit vom Stahlwerk.
Und wenn es neue Ideen gibt, blockieren nach Meinung der Stadtforscher Gesetze und Vorschriften eine Umsetzung. So wie in Berlin-Hellersdorf, wo Studenten einen leer stehenden Plattenbau für ein Kunstprojekt nutzen wollten, ein Vorhaben, das beinahe am Gewerberecht und an Haftungsansprüchen gescheitert wäre.
Mit ihrem Buch wollen die Forscher vor allem Lähmung und Klage in vielen Kommunen entgegentreten. Patentlösungen haben sie aber auch nicht – jede Kommune müsse ihre eigene Nische finden und nutzen. Eine Lösung könnten City-Manager sein, die wie Unternehmensberater für die Gemeinden arbeiten.

www.lr-online.de

12.09.2003
Jena: Geisterblock  ist nun fertig zum Abriss
Die letzten beiden Mieter eines seit über einem Jahr zum Abriss fertigen elfgeschossigen Wohnblocks in Jena-Lobeda sind am Dienstag Abend ausgezogen.
Das Ehepaar Schmidt kam damit der für gestern angesetzten Zwangsräumung zuvor. Die beiden 50-jährigen Rebellen hatten vorm Amtsgericht Jena und vorm Landgericht Gera erfolglos gegen die Abriss-Kündigung der Städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (SWVG) geklagt. Laut Einigungsvertrag dürfen DDR-Mietverträge nicht für einen höheren Gewinn des Vermieters gekündigt werden. Die Gerichte hatten aber geurteilt, dass auch im Osten Mieter unter bestimmten Voraussetzungen ausziehen müssen, wenn der Vermieter das Haus abreißen will. Nach Ansicht des Landgerichts will die SWVG den Leerstand beheben und nicht etwa für einen lukrativeren Neubau Platz schaffen. Gegen dieses Urteil sind die Schmidts beim Bundesgerichtshof (BGH) in Berufung gegangen. Eine Entscheidung steht noch aus. Allerdings lehnte der BGH den Antrag der Kläger auf Aussetzung der Vollstreckung der Wohnungsräumung bereits ab.
Der Abriss beginnt in den nächsten Tagen. An der Stelle soll eine Grünfläche entstehen.

www.otz.de

12.09.2003
Rathenow: Gute Zukunftsprognose
Das Rathenower Konzept für den Stadtumbau ist gut. Diese einstimmige Bewertung dürfte am Dienstag vor allem Manfred Kunst gefreut haben. Er plant den Stadtumbau in Rathenow und leitete in der Aula am Weinberg eine Podiumsdiskussion. "Was erwarten sie vom Stadtumbau?" lautete die Frage, zu der Experten und Bürger Stellung beziehen sollten.
Mit dieser Veranstaltung wollen alle, die sich in Rathenow mit dem Stadtumbau befassen, eine Informationsoffensive starten. "Wir müssen die Bürger bei unserem Vorhaben mitnehmen", forderte Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger. Neues gab es am Dienstag in der Aula nicht zu hören. Die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, die Idee Rathenow in der Stadtmitte aufzuwerten und am Ostrand auszudünnen - das alles war und ist bekannt. Bekannt waren auch die Adressen, wo sich die Konsequenzen aus den Stadtumbauplänen am deutlichsten zeigen werden. Manfred Kunst erwähnte nochmals alle Gebäude, die kurz- und mittelfristig saniert oder abgetragen werden.
"Stadtumbau beschränkt sich nicht darauf ein paar Häuser zu sanieren oder abzureißen", sagte Klaus Eichler aus dem Potsdamer Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr (MSWV). "Es geht darum, eine neue und lebenswerte Infrastruktur zu schaffen, damit man sich als kleinere Stadt entwickeln kann." Rathenow habe noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. Eichler verwies auf die Landesgartenschau 2006 und machte den Anwesenden klar: "Wir sprechen gerade darüber, wie wir nach dem Jahr 2006 Landesgartenschauen finanzieren wollen. Wir sind uns noch nicht schlüssig. Man kann aber nicht ausschließen, dass sie hier die letzte Brandenburger Landesgartenschau auf lange Zeit erleben werden. Machen sie also was daraus."
Ein interessantes Bild der Stadt zeichneten zwei Unternehmer. Klaus Fürstenberg, Geschäftsführer eines alteingesessenen Baustoffhandels plädierte dafür, die Stadt für Investoren wieder interessant zu machen. "Da ist der Stadtumbau der richtige Weg." Eine Stadtverwaltung müsse jedoch alle Faktoren, die Investoren interessieren, im Auge behalten. Fürstenberg nannte die Verkehrserschließung und Kulturangebote.
www.MaerkischeAllgemeine.de

11.09.2003
Forscher - Stadtumbau ist nicht nur Wohnungsabriss
Der Stadtumbau in Ostdeutschland darf sich nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht allein auf den Abriss von Wohnungen konzentrieren. Vielmehr müsse das kreative Potenzial vor Ort besser genutzt werden, sagte Karl-Dieter Keim, der Direktor des Institutes für Regionalentwicklung und Strukturplanung, am Mittwoch in Erkner. Dort waren rund 100 Wissenschaftler zusammengekommen. Ein Weg sei die unbürokratische Bereitstellung von städtischen Brachen für Kreative. Lob erfuhr die Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), weil sie die Bereiche Strategie, Wirtschaft und Stadtentwicklung in einem Amt zusammengefasst hat.
www.berlinonline.de

11.09.2003
40 Millionen für den Stadtumbau in der Lausitz
Bauminister Hartmut Meyer  überreichte am Mittwoch Bewilligungsbescheide aus der Städtebauförderung an die Städte Cottbus, Lübbenau und Lübben, wie ein Sprecher in Potsdam mitteilte. Zudem erhielt die südlich von Berlin gelegene Stadt Königs Wusterhausen eine Fördermittelbestätigung.
Meyer betonte, die Landespolitik wolle die Städte in ihrer Zentrumsfunktion stärken. Sie seien die "Anker im ländlichen Raum". Nur mit starken Zentren könne etwas gegen Abwanderung und die negativen Folgen der Bevölkerungsentwicklung getan werden.
Nach Angaben des Ministeriums leben in den 117 Städten des Landes rund 1,54 Millionen Menschen, davon mehr als eine Million in den Städten des äußeren Entwicklungsraumes. Der Minister betonte, der Lausitz komme aufgrund der vorhandenen Ressourcen, der wirtschaftsgeographischen Lage, dem landschaftlichen Umfeld und der touristisch attraktiven Lage landespolitisch eine große Bedeutung zu.
Eine Reihe der Lausitz-Städte verfüge über historische Stadtkerne und Parkanlagen mit ehemaligen Schlössern oder Gutshäusern, sehenswerten Kirchen und Festungsanlagen sowie über Zeugnisse der handwerklichen Entwicklung wie Mühlen. In diese Städte seien seit 1991 rund 425 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel aus der Städtebauförderung geflossen.

www.rbb-online.de

10.09.2003
Eilenburg: Jetzt beginnt der Stadtumbau
Auch in Eilenburg begann in diesen Tagen für Jedermann sichtbar das Stadtumbauprogramm Ost. Dabei konzentrieren sich Stadt und Eilenburger Wohnungsverwaltung (EWV) zunächst auf das Quartier im Stadtzentrum, das durch die Rinckartstraße / Wallstraße/ Eckartstraße und Leipziger Straße begrenzt wird.
Für die Rinckartstraße 28 (ehemaliges Blumengeschäft) bestellte die Eilenburger Wohnungsverwaltung nun den Abrissbagger. Mehr Luft gibt es künftig auch im Innenhof der Rinckartstraße. Hier verschwindet ein Hinterhaus. Birgit Bendix, Geschäftsführerin der EWV: "Die Rollenstraße 21 und 22, die ebenfalls bereits entkernt werden, sollen folgen." Doch nicht nur in den Abriss fließt Geld. So werden die wenigen zur Verfügung stehenden Sanierungsmittel der EWV in diesem Jahr gezielt in dieses Quartier, konkret in die Karlstraße 2 und 3 gesteckt.
Auch im Umfeld wird sich etwas tun. Neben den Fördermitteln für den Abriss, die direkt als Festbetrag pro abgerissenen Quadratmeter Wohnfläche an die EWV gehen, hat die Stadt einen ersten Bescheid für die Aufwertung erhalten. 75 000 Euro (je ein Drittel kommen von Bund, Land und Stadt) stehen damit in diesem Quartier für den Rückbau der Klärgruben, den Wegebau und Begrünung zur Verfügung.
Für die Abrundung der Maßnahme sowie dem Anlegen von Stellplätzen in diesem Bereich wird die EWV aber dennoch etwas Geld draufpacken müssen. Ein Wunsch bleibt außerdem offen. So wird der attraktiv gelegen Wohnblock Rollenstraße 24 /25 derzeit nicht saniert. Birgit Bendix. "Wir haben dafür derzeit einfach kein Geld."
Außerhalb dieses Quartieres sollen die Friedrich-Ebert-Straße 10 bis 10 c sowie die Hallesche Straße 20 b abgerissen werden. Die Genehmigungen dafür liegen inzwischen vor. Sobald die Förderbescheide kommen, gehen die Abrissaufträge raus. Eventuell passiert das noch in diesem Jahr.

www.lvz-online.de

09.09.2003
Brandenburg: Land in Sicht
In der Diskussion um einen Lastenausgleich für die im Rahmen des Stadtumbausgeplanten Abrisse ist jetzt überraschend eine Einigung in Sicht. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Wobra und die Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg (WBG) wollen in Zukunft eng zusammenarbeiten. Durch den gezielten Austausch von Immobilien, gemeinsame Projekte sowie die Gründung von Entwicklungsgesellschaften möchten beide Unternehmen friedlich den Ausgleich ihrer Interessen regeln und dadurch den Stadtumbau voranbringen. Das beschlossen Wobra-Chef Andreas Wansing und die WBG-Vorstände Norbert Meyne und Hans-Jürgen Höpfner am vergangenen Sonntag.
"Das ist ein sehr positives Ergebnis", erklärte Wansing gestern und schilderte das Treffen als "sehr locker und sachlich". "Es war eine schöne Atmosphäre", fand der Manager. Jetzt müssten allerdings die Verhandlungen um ganz konkrete Objekte aufgenommen werden. Im Gespräch sind laut Wansing das Melcherhaus in der Steinstraße, ein Wohngebäude am Altstadt Markt sowie der Plattenbau gegenüber dem Hauptbahnhof. Wie Wansing erklärte, wolle die Wobra Häuser, die sie selber nicht sanieren könne, für einen symbolischen Preis abgeben und dafür Immobilien erwerben, deren Instandsetzung sie sich trotzt der finanziellen Engpässe leisten könne. "Die WBG ist ein gesundes Unternehmen, für das sich eine teure Instandsetzung wie zum Beispiel am Altstadt Markt rechnen würde." Die Abgabe von Häusern sei immer mit einer Sanierungsverpflichtung seitens der WBG verbunden.
Deren Vorstand Norbert Meyne bezeichnete das sonntägliche Treffen ebenfalls als "sehr positiv". Gemeinsam mit der Wobra werde nun der Stadtumbau angepackt. Dabei erwarte sein Unternehmen, so Meyne, nicht - wie fälschlicherweise vom Baubeigeordneten Ralf Krombholz (parteilos) behauptet -, Geld von der Stadt zu bekommen. "Wir wollen nichts geschenkt haben", stellte er klar.
Drei Stunden lang waren die Wohnungsmanager am Sonntagnachmittag mit der Barkasse "Aufbau" über den Breitlingsee und die Havel geschippert, "um in aller Ruhe miteinander reden zu können", wie Bürgermeister Norbert Langerwisch (SPD) erklärte, der die Fahrt organisiert hatte.
Unter der Leitung von Stadtumbaumoderator Carsten Hagenau sowie den von Langerwisch kürzlich als Lastenausgleichsexperten eingesetzten früheren Baudezernenten Kurosch Arastéh suchte die Runde nach gemeinsamen Lösungen. Wie berichtet, hatte sich der jetzige Baubeigeordnete Krombholz kürzlich aus den finanziellen Belangen des Stadtumbaus überraschend zurückgezogen. Zudem hatte er Hagenaus Kompetenz angezweifelt und wie aus der Verwaltung zu erfahren war, laut über dessen Rauswurf nachgedacht.
"Es war ein sehr konstruktives Gespräch", erklärte Bürgermeister Langerwisch gestern und lobte die WBG für ihr bisheriges Engagement beim Stadtumbau. "Die WBG hat in den letzten Jahren mehr als 200 Millionen Euro in die Entwicklung ihrer Bestände investiert." Das habe die Lebensbedingungen von tausenden Brandenburgern verbessert, aber auch wesentlich das Gesicht der Stadt positiv verändert.
Vor allem stadtbildprägende Häuser sollen es denn auch sein, die die WBG künftig von der Wobra zur Instandsetzung übernimmt. Außerdem wollen die beiden Unternehmen die anstehenden Abrisse und Rückbauten von Häusern koordinieren. "Dazu brauchen wir ein wohnungswirtschaftliches Gesamtkonzept", stellte Carsten Hagenau klar. Bislang würden die von der Verwaltung erarbeiteten Teilkonzepte nur gerade einmal zu rund vier Prozent deckungsgleich mit denen der Wohnungsunternehmen sein. "Vieles passt einfach nicht zusammen."
Das war nicht immer so. Erst vor zwei Wochen hatte die WBG-Führung erklärt, künftig nicht mehr mit dem Baubeigeordneten verhandeln zu wollen. "An gemeinsamen Sitzungen mit Herrn Krombholz nehmen wir ab sofort nicht mehr teil", erklärte Norbert Meyne gestern erneut. Gleiches gelte für eventuelle Treffen mit der Wobra-Geschäftsführerin Stephanie Heinrichs, die der Manager wörtlich als "ein Werkzeug von Krombholz" bezeichnete. In die gleiche Kategorie steckte Meyne den früheren Wobra-Marketingchef Volker Dressler, von dem Wansing sich im vergangenen Jahr getrennt hatte, und der Meyne zufolge angeblich in Zukunft die Geschäfte der Wohnungsgenossenschaft "Neuer Weg" übernehmen soll.

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08.09.2003
Frankenberg: Streit um Fördermittel beigelegt
Der von der Wohnungsgesellschaft Frankenberg (WGF) geplante Abriss mehrerer leer stehender Wohnhäuser in der Stadt kann beginnen. Wie WGF-Mitarbeiterin Anita Rabe auf Anfrage von „Freie Presse“ mitteilte, liegt der Zuwendungsbescheid der Sächsischen Aufbaubank (SAB) inzwischen vor. In den vergangenen Wochen hatte die Verzögerung bei der Fördermittelzusage für Verstimmungen zwischen der WGF und der SAB gesorgt.
„Der Rückbau der Häuser soll jetzt so schnell wie möglich beginnen“, sagte Anita Rabe. Man werde versuchen, die entsprechenden Bauleistungen noch in diesem Monat in einem Paket zu vergeben. Abgerissen werden im Rahmen des „Stadtumbaus Ost“ vorerst die Gebäude Freiberger Straße 20, Seilergasse 6, Mühlenstraße 5a sowie die Reihenbebauung Hohe Straße 17 bis 19. Verschwinden werden damit insgesamt 40 Wohneinheiten. Nach Umzug der Obdachlosen in die neue Unterkunft an der Altenhainer Straße (voraussichtlich zum 1. Dezember) wird nach den Worten der WGF-Mitarbeiterin auch das Gebäude Auenweg 12 fallen. Auch für das einst denkmalgeschützte Gebäude Schlachthofstraße 1 liege inzwischen die Abrissgenehmigung vor.
Mit einer privaten Maßnahme hat indes das Abbruch-Programm zum „Stadtumbau Ost“ in Frankenberg bereits begonnen. Abgerissen wurde in diesen Tagen das Gebäude Leopoldstraße 9. „Der Grundstückseigentümer ist jetzt verpflichtet, für mindestens zehn Jahre auf eine erneute Wohnbebauung zu verzichten“, sagte Harold Grummt, Sachgebietsleiter für Stadtplanung im Rathaus. Ziel dieser Förderstrategie sei die Verringerung des Wohnungsleerstands. Nach der jüngsten Statistik fehlen in Frankenberg für rund 1500 Wohnungen die Mieter. „In der Innenstadt beträgt der Leerstand bis zu 30 Prozent“, so Grummt. An Stelle der einstigen Wohnbebauung soll die Innenstadt mit mehr Grünflächen aufgelockert werden; auch der Bau zusätzlicher Parkplätze ist geplant. Dazu liegt im Rathaus bereits ein erster Architektenentwurf vor. Über das Papier soll der Stadtrat im September beraten.

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08.09.2003
Zaun drum und abwarten
Ein fataler Irrtum: zu glauben, die Krise der Bauwirtschaft könne durch Bauen überwunden werden. Mit abenteuerlichen Prognosen errechnen die Vertreter der Wohnungswirtschaft einen millionenfachen Bedarf, während schon jetzt 1, 3 Millionen Wohnungen im Osten leerstehen und in den Trabantenstädten Westdeutschlands der 1990 nur unterbrochene Exodus aus den Betonburgen weitergeht. Dabei steht der epochale Schnitt erst noch bevor: Wenn in zwanzig Jahren Millionen Einwohner fehlen, sind Milliardensummen an Hypotheken verloren.