Newsticker Archiv September 2004

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30.09.2004
Eisenhüttenstadt: Abrisskonzept auf der Kippe
Ein Thema der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend war die wirtschaftliche Situation der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (Gewi). Und die ist alles andere als rosig. Das Unternehmen hat keine Rücklagen mehr, es musste aufgrund der Denkmalschutzbestimmungen die Objekte im Flächendenkmal so aufwendig sanieren, dass sie zum teil unwirtschaftlich sind. Dazu kommt der hohe Leerstand von rund 30 Prozent. Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer erklärte, mit welchen Konzepten die Insolvenz bis 2010 abgewehrt werden soll.
Die Gewi ist in ihrer Existenz gefährdet. Zum einen belastet der hohe Leerstand von rund 30 Prozent das Unternehmen stark. Zum anderen drücken die hohen Kosten für die denkmalgerechte Sanierung der Objekte im Flächendenkmal. Das Unternehmen habe deshalb ein Managementzielprogramm aufgestellt, dessen Hauptziel eine Kostenreduzierung sei, sagte Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer. Die werde vor allem durch Personalabbau erreicht. Die erste Phase des Personalabbaus sei 2004 abgeschlossen. In einer zweiten Phase sollen von 2005 bis 2008 weitere Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Personal dann noch weiter zu reduzieren sei nicht mehr möglich, solle die Gewi arbeitsfähig bleiben. Drastisch gesenkt werden sollen auch die Verwaltungskosten.
Eine Einnahmeerhöhung sei nach Aussagen von Simone Irmer dagegen nur bedingt möglich.
Von den 11 500 Wohnungen der Gewi standen zum 30.8. 3369 Wohnungen leer. Das sind 29,3 Prozent. "Angefangen haben wir bei 30 Prozent", sagte Simone Irmer. Bis zum Jahresende soll die Leerstandsquote auf 29,2 Prozent gesenkt werden. Trotz des Abrisses könne die Quote bis zum Ende des Jahres nicht wesentlich verringert werden, weil mehr Bürger als gedacht die Stadt verlassen würden und damit mehr leere Wohnungen als geplant dazu kommen, erklärte Simone Irmer. Die Gewi hatte dieses Jahr mit einem Zugang von 250 leerstehenden Wohnungen gerechnet. Voraussichtlich werden es aber 300 sein. Dem stehen 252 Wohneinheiten gegenüber, die dieses Jahr abgerissen werden. 2003 waren es 106. Sollte die Abwanderung auch nächstes und übernächstes Jahr höher sein, als von der Gewi veranschlagt, müsse das Abrisskonzept überarbeitet werden, kündigte Simone Irmer an.
Für 2005 sei ein Abrissvolumen von 493 Wohneinheiten geplant. Die Leerstandsquote solle dann um 1,5 Prozent sinken. Von diesen 493 Wohnungen waren zum 30. August 107 bewohnt.
Kostensenkung strebt die Gebäudewirtschaft auch bei der Sanierung ihrer Objekte an, vor allem im Bereich des Flächendenkmals. Wobei die durch die denkmalgerechte Sanierung verursachten Mehrkosten von rund 15 Prozent wenig beeinflussbar seien, genauso wie die durch die Größe der Baukörper verursachten Mehrkosten. Die Folge: Alle Denkmalsanierungen bis zum Jahr 2001 sind laut Simone Irmer unwirtschaftlich. Sie machte klar, dass die wirtschaftlichen Interessen der Gewi und die Objektwirtschaftlichkeit teilweise im Widerspruch zum Denkmalschutz stehen.
Dabei sei die Objektwirtschaftlichkeit die Basis jeglicher Geldbeschaffung. Und die Gewi, die nach Aussagen von Simone Irmer über keine Rücklagen mehr verfügt, ist auf Geldbeschaffung für die weitere Sanierung angewiesen. Dafür sei die Baukostenoptimierung unausweichlich. Und weiter saniert werden müsse, denn wie Simone Irmer schon mehrfach erklärt hatte, funktioniert der Stadtumbau nur, wenn im Bereich des Flächendenkmals 1200 Ofenheizungswohnungen modernisiert werden. Aufgrund des Alters und der schlechten Bausubstanz reichten hier Teilsanierungen nicht aus. Sollte die Sanierung wegen fehlender Geldgeber nicht möglich sein, sei der Abriss denkmalgeschützter Substanz unausweichlich, betonte Simone Irmer.
Diskussionen gab es noch einmal wegen des von der Gewi geplanten Abrisses in der Wilhelmstraße, wo die Mieter mit Einwilligung der Gewi Wohnungen zusammengelegt und erst vor wenigen Jahren aufwendig - teils mit privatem Geld - saniert hatten.
Die Gewi-Geschäftsführerin verteidigte den Entschluss, die betroffenen Häuser abzureißen. Auf Grund der neuen Bevölkerungsprognose könne kein Wohnkomplex vom Abriss verschont bleiben und es werde kein Gebäude wegen fünf Mietparteien von der Abrissliste gestrichen, auch wenn das für die Betroffenen schmerzhaft sei, sagte Simone Irmer.
Den betroffenen Mietern habe die Gewi angeboten, ihre Investitionen zu 100 Prozent auszuzahlen. Eigenleistungen könnten aus steuerrechtlichen Gründen nicht bezahlt werden. Außerdem seien den Mietern Wohnungen angeboten worden mit einem Kaltmietpreis von 1,53 Euro auf Lebenszeit.

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30.09.2004
Stadtrückbau: Mehr Geld vom Bund
Mit Hochdruck wurde in NRW in allerkürzester Zeit aus städtebaulicher Forschung ein neues Förderprojekt erarbeitet. Der Bund hatte nach dem beschlossenen Auslaufen der Eigenheimförderung zusätzliche 11,4 Millionen Euro als Drittelfinanzierung noch für dieses Jahr zur Verfügung gestellt.
Kurzfristig profitiert davon das Programm "Stadtumbau West", das seit 2002 in verschiedenen "Pilot"-Städten der alten Bundesländer läuft. Wie das vorlaufende Programm in den neuen Ländern soll es Wege aufzeigen, die Entwicklungsbrüche in Städten verhindern können. Nachfragerückgang gibt es hier wie dort - aber in anderem Ausmaß. In der "Lernphase" wurden die planungsrechtlichen, städtebaulichen und stadtwirtschaftlichen Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse im Maßstab eins zu eins am Beispiel von Modellvorhaben untersucht.
Das erste Projekt des Stadtumbaus in Nordrhein-Westfalen war der "Schillerpark" in Oer-Erkenschwick, eine Siedlung, die aus drei terrassenförmig angelegten, bis zu zwölfgeschossigen Gebäudekomplexen besteht. Hier gab es erhebliche Leerstände und wachsende soziale und siedlungsstrukturelle Probleme. Diesen Problemen soll nun durch einen qualitätsorientierten Teilrückbau der Gebäude auf maximal vier Geschosse begegnet werden. Außerdem wird das Umfeld der Siedlung an die Innenstadt angebunden. Das Konzept besteht darin, Rückbau mit Chancen zu verbinden.
Auch das zweite Modellprojekt "Umbau der City Gelsenkirchen" hat bereits begonnen. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, den Innenstadtbereich unter Bedingungen des Nachfragerückgangs zu stabilisieren. Besonderes Augenmerk haben für das Land NRW in diesem Zusammenhang Konzepte zum Umgang mit dauerhaften gewerblichen Leerständen und innenstadtnahen Brachflächen.
Bei der Stadt Essen – dem dritten neuen Modellvorhaben – geht es zunächst um die Erarbeitung einer städtebaulichen Konzeption. Im Mittelpunkt der Strategie steht dabei eine Differenzierung des Stadtgebiets nach besonderen Problemtypen des Stadtumbaus bzw. des Bevölkerungsrückgangs. Die Leitfrage lautet: In welchen Stadtgebietstypen müssen welche Maßnahmen eingeleitet werden?
Mit dem Stadtumbau West sollen die Städte und Gemeinden in die Lage versetzt werden, sich frühzeitig auf Strukturveränderungen vor allem in Demografie und Wirtschaft und auf die damit verbundenen städtebaulichen Auswirkungen einzustellen.
Stadtumbaumaßnahmen sind laut ministerieller Definition in NRW "Maßnahmen, durch die Anpassungen zur Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen in von erheblichen städtebaulichen Funktionsverlusten betroffenen Gebieten vorgenommen werden."
Sie sollen insbesondere dazu beitragen, dass
* die Siedlungsstruktur den Erfordernissen der Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft angepasst wird,
* die Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie die Umwelt verbessert werden,
* innerstädtische Bereiche gestärkt werden,nicht mehr bedarfsgerechte bauliche Anlagen einer neuen Nutzung zugeführt werden,
* einer anderen Nutzung nicht zuführbare bauliche Anlagen zurückgebaut werden,
* freigelegte Flächen einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung oder einer hiermit verträglichen Zwischennutzung zugeführt werden und
* innerstädtische Altbaubestände erhalten werden.
"Wenn es beim Stadtumbau West darum geht, von der Konzeption des gesteuerten Wachstums zum geordneten Rückbau zu kommen, können wir in Nordrhein-Westfalen auf gute Vorerfahrungen aufbauen", so der zuständige Minister Michael Vesper (Grüne). Gerade das Ruhrgebiet habe eine erfolgreiche Tradition in der Bewältigung explosionsartigen Wachstums und ebenso dramatischen Rückgangs. Radikale Bevölkerungsveränderungen, Einwanderungswellen, soziale Problemlagen und wirtschaftliche Strukturbrüche seien in dieser Region bekannte Phänomene. Vesper: "Gerade die Ruhrgebietsstädte haben bewiesen: Es bedarf nicht des kontinuierlichen Wachstums, damit die Städte sich von innen heraus erneuern."

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30.09.2004
Land Brandenburg: Über 11 000 Wohnungen landesweit bereits abgerissen
Wie Bauminister Frank Szymanski mitteilte, wurden bereits 11 600 Wohneinheiten der Abrissbirne überantwortet. Ziel sei es, bis zum Jahresende über 15 000 Wohnungen loszuwerden. Das wäre dann ein Zehntel der heute etwa 165 000 leer stehenden Wohnungen im Bundesland.
Seit zwei Jahren vollzieht Brandenburg nach, was in anderen neuen Ländern schon viel länger abläuft: Der Bevölkerungsrückgang. Zwar unterschied sich die sinkenden Geburtenrate auch in der Mark nicht von denen im Gesamtosten, doch der Zuzug von jährlich rund 20 000 Berlinern ins Umland hat eine Weile kompensierend gewirkt. Doch inzwischen verringerte sich die Einwohnerzahl wieder unter 2,6 Millionen. Jährlich verlassen rund 12 000 Menschen, meist auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, das Bundesland.
Dabei ist der Rückgang nicht gleichmäßig: Während er am Landesrand (Prignitz, Lausitz) überdurchschnittlich schnell verläuft, gibt es um Berlin herum Regionen, die bei der Einwohnerzahl noch zulegen. Während in Hauptstadtnähe also Wohnraum noch hinzu kommen muss, werden an anderer Stelle die Rückbauten um so raumgreifender sein.
Der Finanzbedarf beim Häuserabriss in Brandenburg beträgt nach rasanter Leerstandszunahme jetzt fast 200 Millionen Euro. Laut Bauminister Frank Szymanski (SPD) müssten mit diesem Geld etwa 55 000 Wohneinheiten beseitigt werden. Hinzu kommt noch einmal ein Finanzbedarf von 292 Millionen Euro für nachfolgende Aufwertungsmaßnahmen in den Abrissregionen. Überwiegend werden Wohnhäuser abgerissen, die sich in kommunalem oder genossenschaftlichem Eigentum befinden.
Laut Minister erhalten im laufenden Jahr 24 märkische Kommunen Mittel für den Stadtumbau. Bis auf die Gemeinde Velten (Oberhavel) liegen sie alle außerhalb des Verflechtungsraumes mit Berlin. Genannt wurden unter anderem Wittenberge, Wittstock und Premnitz.
Der Wohnungsleerstand in Brandenburg hat laut einem Fachbericht der Landesregierung «bei fast 50 Unternehmen» eine existenzbedrohende Höhe überschritten. Vor einigen Tagen erst wurde vom Verband der Berlin Brandenburigschen Wohnungsunternehmen bekannt gegeben, dass die Insolvenz der Wohnungsgesellschaft Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) knapp vermieden werden konnte.
Gefährlich wird es, wenn die Leerstandsquote eine Höhe von 15 Prozent dauerhaft überschreitet. Experten halten den Abriss für unausweichlich, weil sonst die Mieten weiter unter Druck geraten werden. Das würde die Lage der Vermieter zusätzlich verschlechtern. Ziel der Politik bleibe es, möglichst nur unsanierte Platte zu entfernen. Im Einzelfall werde es aber nicht zu verhindern sein, dass aufwändig sanierte Häuser nicht minder aufwändig dem Abrissunternehmen übergeben werden müssen.

www.lr-online.de

29.09.2004
Torgau: Abriss ganzer Häuserzeile
Im kommenden Jahr wird sich das Gesicht der Schlachthofstraße grundlegend ändern. Die Torgauer Wohnstätten GmbH plant den Abriss mehrerer ungenutzter Gebäude, für die es bei der gegenwärtigen Lage auf dem Wohnungsmarkt keine Verwendung gibt. "Die erforderlichen Mittel haben wir über das Förderprogramm Stadtumbau Ost beantragt", bestätigte Andreas Huth, Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten GmbH. Mitte Oktober erwartet man im Unternehmen die Zusage. Inzwischen laufen die Vorarbeiten bereits planmäßig. Umgesetzt werden soll das Projekt im Jahr 2005. Wie die nach dem Abriss entstehende Freifläche einmal genutzt wird, ist noch völlig offen. Zunächst bleibt eine Brache, die alle Chancen hat, wieder ein guter Wohnstandort zu werden. Auch Wohneigentum könnte hier entstehen. Überlegungen gibt es auch, ein Hotel zu errichten. "Wir können aber gegenwärtig noch kein konkretes Nutzungskonzept vorlegen", machte Andreas Huth deutlich. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung lässt der Großvermieter deshalb eine Studie erstellen, welche Möglichkeiten es zur Entwicklung der Schlachthofstraße gibt. Dabei ist von besonderer Bedeutung, was mit dem ehemaligen Schlachthof und den Nebenanlagen wird. I
www.torgauerzeitung.com

28.09.2004
Frankfurt (Oder): Umzugsverkehr in Neuberesinchen
In Neuberesinchen herrscht reger Umzugsverkehr. Die mit Möbeln und Kartons vollgefrachteten Lastwagen fahren meist auf einer eingefahrenen Spur: Aus der Richtung südliche Fröbelpassage ans entgegengesetzte Ende des von Plattenbauten dominierten Stadtteils - von den Wohnbauten, die für den bevorstehenden Abriss leergezogen werden müssen, hin zu den sanierten Blocks. Aber nicht jeder bleibt in Neuberesinchen. Die einen suchen sich andere "Ecken" in Frankfurt oder im nahen Umland, oder sie zieht’s in den Westen. Von den rund 21 000 Menschen im Jahr 1993 sind Neuberesinchen nur knapp die Hälfte geblieben. Zumindest für die Umzugsunternehmen hat die große Wanderung ein Gutes.
Von der Willichstraße wird bald nicht mehr viel übrig sein. 139 Wohnungen - die Aufgänge 1 bis 13 - sind hier schon im vergangenen Jahr abgerissen worden. Die Aufgänge bis zur Hausnummer 34, das sind nochmal 215 Wohnungen, sollen im nächsten Jahr plattgemacht werden. Übrig sind dann noch die Würfelbauten Nr. 22, 35 und 36. Die stehen laut Stadtumbaumanager Frank Strohecker nicht in der Abrissplanung für 2005. In ganz Neuberesinchen sind im Rahmen des Stadtumbaus bislang 780 Wohnungen abgerissen worden. Bis Ende dieses Jahres sollen weitere 463 folgen. Für 2005 stehen 872 Wohnungen auf der Liste, viele davon in der Gegend um die Willichstraße.
Das Umzugsverhalten der Frankfurter, das die Spediteure am Rande registrieren, will die Stadt eingehender untersuchen. Kommunalstatistiker Harro Marx: "Seit zehn Monaten läuft dafür das Projekt Meso, die Statistik ist noch im Test. Wir wollen die Umzugsgründe erfahren. Neben dem Abriss gibt es auch soziale Aspekte - gerade in den Plattenwohnungen in den Stadtteilen Nord und Neuberesinchen. Mancher zieht weg, weil er sich im Haus mit neuen Mitbewohnern nicht mehr wohlfühlt."Neuberesinchen ist nach der Einwohnerzahl halbiert: 1993 hatten hier 20 901 Menschen ihren Hauptwohnsitz, 2003 waren es 11 244. Und der Aderlass geht weiter. Das Gebiet um die Willichstraße, das vom Stadtumbau - also vom großflächigen Abriss - besonders betroffen ist, verzeichnete den größten Einwohnerschwund. In den angrenzenden sechs Wohnbezirken lebten 1991 - zu Hoch-Zeiten - knapp 10 000 Menschen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch rund 4700. In anderen Teilen (Clara-Zetkin-Ring, Mühlental, Aurorahügel) ist der Abschwung abgebremst.

www.moz.de

25.09.2004
Querfurt: Abrissbagger in Querfurt-Süd
Der Abrissbagger frisst sich durch 20 ehemalige Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer, bohrt seinen Greifer in Küchen und Bäder und legt Keller frei.  In wenigen Tagen schon wird es die Häuser Kastanienplatz 7 bis 9 nicht mehr geben. Das Abrissmaterial wird vor Ort geschreddert und anschließend als Straßenbaumaterial verwendet.
"Es sind die ersten Wohnungen, die in Querfurt abgerissen werden", erklärt Jörg Rolle, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Querfurt. Man habe dafür Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost beantragt. Die Stadt Querfurt hat mit dem Bauministerium des Landes eine Zielvereinbarung abgeschlossen, welche alle geplanten Abrissprojekte der nächsten Jahre beinhaltet. Nachdem diese Vereinbarung in Kraft gesetzt wurde, konnte dem Antrag der Genossenschaft auf einen vorzeitigen Maßnahmebeginn zugestimmt werden.
Die 20 Wohnungen sind seit 2002 leergezogen worden. Mieter erhielten neuen Wohnraum. Das Haus wurde im Frühjahr von allen Versorgungsleitungen getrennt. Die Hausmeister und andere Mitarbeiter haben die vollständige Entkernung durchgeführt. Ausrüstungsgegenstände wie Heizkörper, Ventile, Schalter und Relais wurden gesichert und einer Wiederverwendung zugeführt. Abgerissen werden nun fast 6 000 Kubikmeter umbauter Raum. Auf der entstehenden Freifläche plant die Genossenschaft den Bau von mehr als 30 Reihengaragen für die Anwohner."Offen ist jedoch die Frage der restlichen, auf diesem Gebäude bestehenden Altschulden. Die verbleiben bei uns und müssen beglichen werden, obwohl es das Gebäude nicht mehr gibt und keine Einnahmen mehr bringt. Dies bedarf einer grundsätzlichen politischen Entscheidung", fordert Jörg Rolle.

www.mz-web.de

25.09.2004
Bremen: Größter Stadtumbau Westdeutschlands soll ein Jahr früher fertig sein als geplant
Das derzeit größte Stadtumbauprojekt in den alten Bundesländern wird ein Jahr früher fertig als geplant: Die Sanierung des sozialen Brennpunkts Bremen-Osterholz Tenever soll 2006 abgeschlossen sein. Das einstige Demonstrativbauvorhaben der 1960er Jahre gilt heute als Musterbeispiel für das Scheitern einer Hochhaussiedlung. Die Erfahrungen aus der Hansestadt, einem Pilotprojekt des Bundes, sollen in andere 16 Umbauvorhaben einfließen.
Die eigens für die Sanierung gegründete OTG Osterholz-Tenever-Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG will mit Licht und Platz in engen Wohnblöcken für mehr Lebensqualität sorgen. Denn Tenever laufen die Mieter weg. Im Schmelztiegel von über 80 Nationen stehen derzeit fast 40 Prozent der Wohnungen leer, viele Gebäude wurden seit Jahren nicht saniert, 28 Prozent der Menschen im Stadtteil leben von Sozialhilfe. Bis 2006 nimmt die OTG, hinter der die stadteigene Bremer Investitionsgesellschaft Big und das Wohnungsunternehmen Gewoba stehen, rund 72 Mio. Euro für die Sanierung in die Hand. Die Modernisierung von Fassaden, Wärmedämmung oder Aufzügen kostet etwa 41 Mio. Euro. Allein der Erwerb von etwa 1300 Wohnungen aus Zwangsverwaltung schlug mit 31 Mio. Euro zu Buche. Für OTG-Geschäftsführer Ralf Schumann ist es daher wichtig, nach der Sanierung "ein gutes Produkt an den Markt zu bringen". Trotzdem sollen die Warmmieten stabil bleiben. Geld verdienen will die OTG durch die Sanierung, an nach denen die Nebenkosten um 40 Prozent gesunken sein sollen.

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24.09.2004
Rostock: Farbenfroh und individuell
Der prominente Gast lobte den Ahornhof als gelungenes Beispiel dafür, "was alles Besonderes aus Plattenbauwohnungen entstehen kann und damit wegführt von der gewohnten Uniformität solcher Standorte". Als besonders interessantes Detail empfand Holter die Terrassenlösungen. "Mit dem Ahornhof hat sich die Wiro etwas einfallen lassen, damit dieses Quartier wieder begehrenswert ist." Überhaupt gehöre Rostock zu den Städten, die ihm zuerst einfallen, wenn es nach positiven Beispielen für die Umsetzung des Bund-Länder-Programmes Stadtumbau Ost geht. Auch weil die Rostocker Architekten und Ingenieure besonders kreativ sind, wenn es darum geht, "der gewöhnlichen Platte durch ungewöhnliche Lösungen zu Leibe zu rücken".
Die Wiro investierte an diesem Standort Zum Ahornhof 80 Millionen Euro im Rahmen der Wohnwertverbesserungsprogramme und des Wohnumfeldes an einem Teil von Groß Klein, der unter dem Namen Hermann-Flach-Straße nicht gerade den besten Ruf genossen hat. Nach dem stufenförmigen Rückbau innerhalb des Programmes Stadtumbau Ost wurden die ehemals 143 Wohnungen auf 108 reduziert.
"32 verschiedene Grundrisse entstanden bei diesen 108 Wohnungen, davon sind 89 mit zwei Zimmern zwischen 51 und 73 Quadratmetern sowie 19 Dreiraumwohnungen zwischen 76 und 94 Quadratmetern Wohnfläche", informierte Wiro-Prokuristin Sabine Schünemann. Der Mut zur Farbe, der Komfort durch solche Details wie einen Fahrstuhl, der allerdings nicht für Rollstuhlfahrer geeignet ist, weil es keine behindertengerechten Wohnungen sind, etliche Garagen und Fahrradstellplätze vor dem Haus gehören zu den Dingen, die diesen Standort besonders attraktiv machen.
Die 8,2 Millionen Euro Baukosten kommen unter anderem aus einem Landesdarlehen, einem weiteren aus der Kreditanstalt für Wiederaufbau und Städtebaufördermittel sowie einem Zuschuss vom Land für den Rückbau. 14 000 Quadratmeter beträgt die Außenfläche. 82 Bäume mit sieben Ahornarten sollen an diesem Standort gepflanzt werden.

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24.09.2004
Zeulenroda: Positive Signale für Start zum Stadtbachring-Abbruch
Der Stadtumbau Ost - so könnte man meinen - ist ins Stocken geraten. Bislang wartet man in Zeulenrodas Stadtverwaltung und in der Wohnungsbau-GmbH auf verbindliche Fördermittelzusagen, ohne die die geplanten Maßnahmen nicht zu bewerkstelligen sind. Insbesondere der vorgesehene und soweit auch vorbereitete Abriss einiger Stadtbachring-Wohnblöcke ist davon betroffen. Eigentlich sollte das Ausschreibungsverfahren für die Leistungsvergabe der Abbrucharbeiten längst laufen, gibt auch Wobau-Geschäftsführer Peter Lösche zu, doch die Unklarheiten um die Thüringer Haushalt mit Haushaltssperren und dergleichen ließen einen vorzeitigen, so genannten förderunschädlichen, Maßnahmebeginn als zu riskant erscheinen. Was, wenn die Fördermittel dann doch nicht in der gewünschten Höhe kommen? Die Wohnungsbaugesellschaft wäre nicht in der Lage, diese Kosten zu tragen. Immerhin geht es um rund 530 600 Euro, die zu 100 Prozent als Förderung beantragt sind.
Doch seit Mitte dieser Woche scheint das Licht am Ende des Tunnels sichtbar: Von der zuständigen Stelle im Landesverwaltungsamt wurde Bauamtsleiterin Karin Wagner versichert, dass die Mittel für Zeulenroda in voller Antragshöhe bewilligt werden. Zudem sei ihr auch zugesagt worden, dass die entsprechenden schriftlichen Bescheide Anfang Oktober verschickt werden. Erleichterung über diese Botschaft auch beim Wobau-Chef: "Ich gebe sofort den Startschuss für das Ausschreibungsverfahren.".

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24.09.2004
Sachsen-Anhalt:  Fördergeld für noch mehr Abrisse
Die beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände in Sachsen-Anhalt wollen beim Stadtumbau an Tempo zulegen. Bis Mitte 2005 sollen noch einmal 15 000 leer stehende Wohnungen abgerissen werden. In nur einem Jahr weichen damit genau so viele Wohnungen der Abrissbirne wie 2002 bis 2004 insgesamt, teilten die Verbände in Dessau mit. Für insgesamt nun abzureißende 30 000 Wohnungen bei kommunalen Unternehmen und Genossenschaften wurde ein Fördervolumen von 110 Mio. Euro bewilligt. Der Stadtumbau beginne zu greifen: Erstmals seit zehn Jahren sei 2003 der Leerstand gesunken. Er lag um 4000 Wohnungen unter dem Vorjahreswert. Derzeit stünden 91 000 von insgesamt 460 000 Wohnungen im Bestand der beiden Verbände leer. Wie in Sachsen-Anhalt insgesamt liegt damit die Leerstandsquote bei mehr als 20 Prozent und ist eine der höchsten in den neuen Ländern. Bis 2010 wollen die rund 250 Unternehmen beider Verbände 74 000 Wohnungen abgerissen haben.
www.welt.de

23.09.2004
Oschatz: Vorteilhafter Abriss
"Das Programm, das vom Bund gefördert wird, macht sich in Oschatz dringend erforderlich", erklärte Michael Voigt vom Oschatzer Planungsamt auf OAZ-Anfrage. Grund dafür sei die Entwicklung der Bevölkerungszahl einerseits und der Boom im Wohnungsbau andererseits. Zur Wende habe es in der Stadt rund 1000 Wohnungssuchende gegeben. "Zu diesem Zeitpunkt fehlten etwa 300 Wohnungen." Seitdem seien jedoch allein in Oschatz-Nordwest über 320 Wohnungen und im Fliegerhorst 400 entstanden, zudem zahlreiche Eigenheime. Andererseits sei die Einwohnerzahl von damals über 19F000 trotz Eingemeindung auf knapp 17F000 zurück gegangen. "In Oschatz-West zum Beispiel wird die Einwohnerzahl von 2500 bis zum Jahr 2015 laut einer Studie auf rund 1450 zurück gehen", so Voigt. Unter diesem Aspekt seien Altbauten, die nicht verwertet werden können und sich dazu in weniger vorteilhaften Lagen befinden, der Abrissbirne geweiht. Deshalb müssen zum Beispiel in Oschatz-West in einem überschaubaren Zeitraum fünf von 30 Wohnblöcken "dran glauben". Dafür könnten die Wohngebiete mit Anlagen attraktiver gestaltet werden, und auch die Wohnqualität erhöhe sich, da die Blöcke nicht mehr so dicht beieinander stünden. Gemeinsam mit der Wohnstätten GmbH werde im Vorfeld mit den betreffenden Bewohnern gesprochen. Sie bekämen "höher wertigen Wohnraum angeboten". "Das läuft relativ gut. Die Wohnstätten sind darin ein guter Partner", unterstrich Michael Voigt.
www.lvz-online.de

22.09.2004
Ost-Bürgermeister fordern Geld für Stadtumbau
Die Oberbürgermeister der ostdeutschen Länder haben an die Bundesregierung appelliert, der anhaltenden Abwanderung aus dem Osten entgegenzuwirken. Der Bund müsse die Rahmenbedingungen so verändern, dass sich der Abwanderungstrend umkehre, sagte Dessaus Stadt­oberhaupt Hans-Georg Otto auf der Oberbürgermeister-Konferenz Ost des Deutschen Städtetages am Dienstag in Stralsund. An dem Treffen nahmen 20 von 28 Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte in den neuen Bundesländern teil.
Nach Ansicht der Ost-Oberbürgermeister soll der Bund als erste Maßnahme die Eigenheimzulage abschaffen und die dadurch frei werdenden Mittel in die Stadterneuerung umlenken. Bislang fließe zu wenig Geld in die Aufwertung der Städte, bemängelten die Stadtchefs. Die Mittel würden meist nur für den Abriss bereitgestellt, sagte Otto.
Angesichts der Finanznot der Ost-Kommunen sprachen sich die Stadtoberhäupter dafür aus, die Bestimmungen für die Drittel-Finanzierung für den Stadtumbau durch Bund, Länder und Kommunen zu lockern. Die rot-grüne Bundesregierung solle es ermöglichen, dass Begünstigte an die Stelle der Kommunen treten. "Das würde die Städte entlasten", sagte Hans-Georg­ Otto.

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22.09.2004
Eisenach: In drei Wochen ist der Block Geschichte
Der eigentliche Abriss ist vergleichsweise ein Kinderspiel. In drei Wochen, so die Planung der AWG Eisenach, wird nichts mehr an den Plattenbau Stregdaer Allee 13 - 16 erinnern. Gestern Vormittag begannen die Abrissarbeiten des Blocks im Wohngebiet Eisenach-Nord.
210 000 Euro wird das Projekt verschlingen, davon aber gerade einmal 80 000 Euro kostet der reine Abriss. Die Vorarbeiten und das spätere Herrichten zu einer Grünfläche sind teurer. Das geht mit dem Umzugsmanagement für die Mieter los, reicht über die Planungen bis hin zum das Beantragen der Baugenehmigung und der Fördermittel. Allerdings, so AWG-Vorstand Edgar Lautenbach, werde der Abriss über das Programm "Stadtumbau-Ost" gefördert, bis zu einer Maximalsumme von 190 000 Euro.
Anfang November soll die Fläche dann so hergerichtet, dass es dort, wo einst 40 Wohnungen mit 2586 Quadratmetern Wohnfläche standen, das Grünen beginnen kann. Die AWG Eisenach hat dann noch etwa 1200 Wohnungen im Gebiet "Eisenach-Nord

www.tlz.de

21.09.2004
Eisenhüttenstadt: Mieter kämpfen um ihren Block
Mehrere Mieter aus den Wohnblöcken Wilhelmstraße 39 bis 39 c sowie aus dem Ahornweg 10 bis 18 kämpfen gegen den geplanten Abriss ihrer Wohnungen. Wichtigster Grund: Erst vor wenigen Jahren haben mehrere Familien Wohnungen zusammen gelegt und Geld in Größenordnungen, teilweise privat, investiert. Nun stehen die Objekte auf der schon bestätigten Abrissliste der Gebäudewirtschaft. 2010 sollen sie verschwinden, die Mieter sind sprachlos. Die Gewi begründet den bevorstehenden Abriss mit dem schlechten baulichen Zustand der Häuser, dem hohen Leerstand und der eigentlich kargen Grundausstattung mit Ofenheizung. Als Gegenleistung bietet sie sanierte Wohnungen an - fünf Mietparteien aber wollen nicht umziehen.
Ramona und Rudi Riedel zählen die Tage, bis ihre Frist abläuft. Sie wohnen im Fürstenberger Ahornweg und der Block, den sich das Ehepaar hergerichtet hat, soll abgerissen werden. So steht es im Stadtumbaukonzept. An sich ein Problem, vor dem viele Eisenhüttenstädter stehen, die in Abrissgebieten wohnen. Das Besondere in diesem Fall: Die Gebäudewirtschaft hat erst Ende der 90er Jahre interessierten Familien angeboten, zwei Wohnungen zu jeweils einer zusammenzulegen. "Hierbei mussten die Umbau- und Sanierungsarbeiten selbst finanziert und in Eigenregie durch Beauftragung von Fachfirmen durchgeführt werden", heißt es in einem vierseitigen Schreiben, das der Märkischen Oderzeitung vorliegt und in dem die betroffenen Familien Widerspruch gegen den für 2010 geplanten Abriss ihrer Blöcke im Ahornweg und in der Wilhelmstraße einlegen. Im Herbst 1998 begann die erste Familie mit dem Ausbau der Wohnungen und bis Juni 2001 folgten sieben weitere. Als Gegenleistung bot die Gewi ein unbefristetes Mietverhältnis mit einem gleichbleibenden Mietzins von 1,53 Euro Kaltmiete je Quadratmeter an. "Desweiteren wurde uns gesagt, dass langfristig eine Sanierung der Außenwände und des Daches erfolgen wird. Diese Kosten können dann aber auf die Mieter umgelegt werden", sagt Rudi Riedel. Die Familien investierten in mehr Wohnraum, machten aus zwei Wohnungen eine. Durch die Zusammenlegung wurden allein 16 Wohnungen an Familien vermietet. Der Gesamtwert der eingebauten Mittel liegt bei etwa 500.000 Euro, wovon die Gebäudewirtschaft etwa 300.000 Euro anerkannte. Nicht akzeptiert wurden vom Vermieter Dinge wie der Einbau von Küchen, Kaminen, Saunen, Whirlpools und Laminatfußböden. Diese Leistungen wurden durch die Mieter selbst finanziert und sind als Anlagevermögen in den Gewi-Bestand eingegangen. Im März dieses Jahres nun fielen die Mieter aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass die Blöcke Wilhelmstraße 39 bis 39 c und Ahornweg 10 bis 18 im Abrissplan für 2010 vorgesehen sind. "Wir verstehen die Welt nicht mehr, warum hat man uns Mieter diese Wohnungszusammenlegungen erst machen lassen?", fragt Rudi Riedel. Für ihn wie auch andere Mieter steht fest: die Abrisspläne für die Blöcke sind eine Fehlentscheidung des Managements. Der jetzige Leerstand, so schreiben die Mieter, sei absichtlich herbeigeführt worden. Den Leerstand belegt die Gebäudewirtschaft mit Zahlen: "Bei den betroffenen Wohnobjekten in Fürstenberg handelt es sich um Ofenheizungsobjekte in schlechtem baulichen Zustand mit einem Leerstand von 40 bis 95 Prozent", reagiert Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer und verteidigt ihre Strategie. 30 Prozent aller Gewi-Wohnungen stehen leer. Der Abriss von nunmehr etwa 5.100 Wohnungen ist unabwendbar, um das Überleben die Gebäudewirtschaft vor der Insolvenz zu bewahren. Bei der Auswahl der abzureißenden Objekte musste die Entscheidung zur Erhaltung des innerstädtischen Flächendenkmals berücksichtigt werden, wo Abriss nur begrenzt möglich ist. Simone Irmer: "Die oben genannten Objekte mussten in die Abrissliste einbezogen werden, weil keinerlei Austauschobjekte, auf Grund des Erhalts des Flächendenkmals, im Zentrum der Stadt und im WK 4 und 5 mehr zur Verfügung stehen.

www.moz.de

19.09.2004
Osten droht zu veröden
Die Abwanderung insbesondere junger Menschen aus Ostdeutschland hat gravierende Folgen, warnt DGB-Vorstandsmitglied Putzhammer. Viele Gebiete würden «unbeherrschbar». Die Abwanderung aus Ostdeutschland könnte nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Verödung ganzer Landstriche führen. In einem Interview der «Leipziger Volkszeitung» sagte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer, die Entvölkerung erzeuge Frust und Hoffnungslosigkeit bei den Verbleibenden. «Das ist der Nährboden für Radikale», warnte er. Ganze Landstriche würden «ökonomisch und politisch tendenziell unbeherrschbar», so Putzhammer weiter. Politik und Wirtschaft verdrängten das Thema. «Schon jetzt gibt es im Osten zahlreiche Landkreise, in denen die Arbeitslosigkeit weit über dem Durchschnitt auch der ostdeutschen Länder liegt, in denen Schulen nicht mehr betrieben werden können, in denen Betriebe reihenweise zusammen brechen, in denen vor Ort kaum mehr vorhanden ist als der Pornoschuppen.» Wenn Fachkräfte und junge Leute abwanderten, seien auch keine Unternehmen mehr bereit, sich anzusiedeln oder zu bleiben, sagte der Gewerkschafter. Die öffentliche Infrastruktur könne immer schwerer aufrechterhalten werden.Putzhammer forderte, die Gelder aus dem Solidarpakt zielgerichteter einzusetzen. «Wir brauchen dringend eine Evaluierung der laufenden Aufbau-Prozesse», sagte er.
www.netzzeitung.de

19.09.2004
Sachsen: Zahl der Kinder rückläufig
In Sachsen leben immer weniger Kinder. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wohnten Ende 2003 knapp 419.000 Menschen unter 14 in Sachsen. Das waren rund 129.000 weniger als fünf Jahre zuvor. Zwar habe sich die Zahl der Geburten in den vergangenen Jahren stabilisiert. Viele junge Sachsen ziehen mit ihren Eltern aber in andere Bundesländer oder ins Ausland. War 1998 jeder achte Sachse jünger als 14 Jahre, so war es 2003 nur jeder zehnte.
www.mdr.de

19.09.2004
Gotha: Zeichen der Zeit: Abriss
Der Abriss von Plattenbauten geht in Gotha weiter. Während am Wiegwasser 49/79 die Abrissbirne schon sichtbare Spuren hinterlassen hat, steht an der Bohnstedtstraße 2/4 der Rückbau unmittelbar bevor. Der Block ist umzäunt, innen entkernen Arbeiter das Haus. 256 sogenannte "WE" des sozialistischen Wohnungsbau-Programms verschwinden damit aus Gothas Stadtbild. Weitere Blöcke sollen folgen. Für die beiden Vorhaben erteilte des Landesverwaltungsamt einen so genannten "förderunschädlichen Vorhabensbeginn". Will heißen: Der Hauseigentümer kann den Rückbau in Auftrag geben. Die Pauschale von 60 Euro pro Quadratmeter wird dann bei Vorlage der Rechnungen mit Mitteln des Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost bezahlt. Mehrkosten gehen zu Lasten des Auftraggebers. Doch dieser braucht kaum ein Verlustgeschäft zu befürchten. Im harten Wettbewerb des Baugeschäfts haben sich die Firmen in Sachen Abriss stark profiliert und Erfahrungen gesammelt. Der Zuschuss werde oftmals gar nicht voll ausgeschöpft, berichtet Claus Untermann von der "Wohnstadt Thüringen". Sie koordiniert im Auftrag der Stadt Gotha den Abriss von Plattenbauten. Übriges Geld fließe in den so genannten "Thüringen Pool". Das Landesverwaltungsamt stelle diese Mittel dann für andere Objekte zur Verfügung, beschreibt Untermann das Verfahren. Ein Beispiel dafür sei Eschleber Straße 58/64. Aus dem Fond des Jahres 2002 blieben Reserven, die nun dort für den Abriss eingesetzt werden können.
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16.09.2004
Schulen und Krankenhäuser werden unbezahlbar
Auch wenn es den Ideologen des "aufgelockerten" Städtebaus nicht ins Konzept passt: Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass diese seit 80 Jahren propagierte Siedlungsform in Zeiten der Schrumpfung, des rapiden Bevölkerungsrückgangs und der Deindustrialisierung nicht überlebensfähig ist. Als Gradmesser dafür erweist sich die städtische Infrastruktur, die bei fortschreitender Ausdünnung der Siedlungsstrukturen unbezahlbar wird.
Es war das Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen (LBVS) des Landes Brandenburg, das als erstes staatliches Institut schon vor drei Jahren auf die Konsequenzen hingewiesen hatte, die aus dem Abriss ganzer Siedlungskomplexe für die Unterhaltung und Bezahlbarkeit der technischen Infrastruktur - Leitungsnetze, Straßenbau, Schienennetze - entstehen. Jetzt hat dasselbe Landesamt die Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur zur Diskussion gestellt. Die Bilanz fällt ähnlich niederschmetternd aus: Die mit der Schrumpfung der Bevölkerung verbundene Schließung von Schulen, Kindertagesstätten, Verwaltungs- und Sozialeinrichtungen beeinträchtigt die Lebensqualität in betroffenen "locker" bebauten und durch Perforation immer weiter ausgedünnten Stadtteilen so sehr, dass sie den Abwanderungsprozess zusätzlich beschleunigt und den städtischen Außenbezirken zuletzt die Lebensfähigkeit entzieht.
Referatsleiter Schweinberger aus dem MSWV in Potsdam machte eine einfache Rechnung auf: Wenn sich die Zahl der Schüler, wie für Brandenburg berechnet, in zehn bis 15 Jahren halbiert, muss jede zweite Schule dichtmachen, was zu längeren Schulwegen, teuren Fahrdiensten, hohem Zeitverlust, zusätzlicher Beanspruchung der Schüler und erhöhten Kosten für die betroffenen Familien führt. Schon heute dehnen sich die Schuleinzugsbereiche für Grundschulen in Brandenburg auf 65 Quadratkilometer (zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern 54, Schleswig-Holstein 32 qkm). Und ein Ende der Ausweitung ist nicht abzusehen. Vorhandene Einrichtungen verzeichnen dramatische Einbrüche bei den Benutzerzahlen. In Frankfurt/Oder ging die Zahl der Schüler von 15 000 (1995) auf 7400 zurück. Bis 2010 wird sie auf 5360 fallen. In Guben sinkt der Bedarf an Kitaplätzen von 2800 auf 550. Aber die Fachleute sehen damit das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Nach einem Geburtenrückgang um zwei Drittel erwartet Fachbereichsleiter Speichert aus Guben den zweiten Schub um 2040 - "wenn die Frauen fehlen, die heute nicht geboren werden".
Die Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Stadtstruktur. Zunächst - so Prof. Rainer Winkel (TU Dresden) - wird sich die Schieflage der Gemeindefinanzen noch verstärken. Denn die Mindereinnahmen durch Einwohnerschwund schlagen fünf- bis sechsmal so hoch wie die Entlastung zu Buche. Die Schlussfolgerung der Politik lautet daher nicht, unrentable Einrichtungen in Randlage zu erhalten, sondern die finanziellen Mittel auf die Stadtmitte mit ihren kurzen Wegen zu konzentrieren. Schweinberger: "Das Ministerium will die Städte bei der Stärkung der Innenstadtkerne unterstützen."
Bei dieser Strategie hat Schweinberger das Landesamt auf seiner Seite. Wenn, so LBVS-Projektleiter Freudenberg, die Bevölkerung in den neuen Ländern um 26 Prozent schrumpft, ist der gesamte zivilisatorische Unterbau betroffen: neben Bildungsstätten sind es die Sportanlagen und -vereine, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Gesundheitsdienste (Krankenhäuser) und Sozialstationen sowie die Verwaltung mit ihren Behörden. Verschärfend wirkt, dass sich die Folgewirkungen potenzieren. Für Stadtrandbewohner wird es immer "unbequemer", in der Abnabelung von den Zivilisationsgütern wohnen zu bleiben, zumal mittelfristig auch öffentliche Verkehrsmittel und Straßenbau um Einschränkungen nicht herum kommen. Siedlungen im Weichbild (Speckgürtel) der Städte verlieren ihre Attraktivität. Der "Speck" wird ranzig.
Auch Freudenberg riet den Kommunen, "jede Gelegenheit zur Stärkung des Stadtzentrums zu nutzen", das zu einer Art "Rückzugsgebiet" für die Stadtrandflüchtlinge werde. Vertreter der Grenzstädte Frankfurt/Oder und Guben plädierten für die Bündelung von Nutzungen unter einem Dach: Die Schule nimmt zusätzlich den Kindergarten und den Altentreff auf, im Keller des Rathauses lässt der Schützenverein die Büchsen knallen. Beispiele intelligenter Umnutzungen leerstehender Gebäude kann die Halbstadt Guben im halben Dutzend vorweisen: Kitas wurden zur Werkstatt für Behinderte, zur Tagesklinik für psychisch Kranke, zum Asylantenheim, zum deutsch-slawischen Kulturzentrum, zum Lehrlingsheim oder zum Reihenhaus mit Eigentumswohnungen. Weitere Pionierprojekte wie Haus der Vereine oder "Energieinsel" sind im Gespräch. Noch stehen fünf der einst 30 Einrichtungen leer, drei von ihnen sind zum Abbruch bestimmt, die Umnutzung von Plattenbauten gestaltet sich schwieriger und deutlich kostenintensiver als die der Altbauimmobilien, unter denen prachtvolle Villen der Gründerzeit die Erinnerung an die Glanzzeit Gubens und an seine reichen Fabrikherren bewahren.
Die Kommunen sehen sich unter Handlungsdruck. "Je später sie reagieren, desto teurer wird es", mahnte in Frankfurt/Oder TU-Professor Winkel. Um längere Leerstände zu vermeiden, sollen nicht mehr benötigte Gebäude vermehrt an Gruppen zur Nutzung weitergegeben werden. In Senftenberg sucht man "andere private Träger" und will mit der Entlassung von Einrichtungen in größere Selbstständigkeit experimentieren. Das schwer gebeutelte Eisenhüttenstadt ruft nach Fördermitteln für kostenlosen Rückbau.
Kehraus ist angesagt, und der Appell der Veranstalter an die Kommunalvertreter, im Rückbau auch Chancen der Qualitätsanhebung zu sehen, klang verdächtig nach lautem Singen im Keller. Nur über die Kardinalfrage wollte am Ende keiner mehr streiten: Die beschönigend "Anpassung der sozialen Infrastruktur" genannte Strategie wird zu einer "Kernaufgabe des Stadtumbaus". Hier ist der Osten dem Westen um Längen voraus. Als in Düsseldorf vor anderthalb Jahren Kommunalvertreter über die Zukunft des luxuriösen Netzes der Sozialinstitute in Zeiten der Schrumpfung debattierten, schwelgten sie noch in der Vorstellung, dass alles - Schulen, Bibliotheken, Kindergärten, Bäder, Bürgerhäuser - trotz voraussehbarem Bevölkerungsschwund von 20 Prozent gehalten werden kann; man müsse nur "Verknüpfungen" herstellen und vor allem: das ehrenamtliche Engagement der Mitbürger und die Hilfsbereitschaft von Stiftungen einfordern. Erfahrungen des Ostens einzuholen, hatte man tunlichst vermieden.

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15.09.2004
Graditz/Torgau: Ex-Dorfkonsum wurde abgerissen
Nur noch ein großer Trümmerberg erinnerte am Nachmittag des vergangenen Freitags an das mehrstöckige Gebäude, in dem sich einst der Dorfkonsum von Graditz befand.
"Wir haben die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn erhalten und mit dem Abriss begonnen", erklärte Andreas Huth, Geschäftsführer der Torgauer Wohnstätten GmbH. Dem Unternehmen gehört das Gebäude, das bereits längere Zeit leer stand. Mittel aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" wurden bewilligt, um das Vorhaben zu realisieren. Nach dem Abriss wird die Fläche eingeebnet und planiert, Rasen angesät. Ein Neubau an gleicher Stelle ist gegenwärtig nicht vorgesehen. Vielmehr soll das Areal in die Gestaltungskonzeption des gesamten Platzes einbezogen werden.
www.torgauerzeitung.com

14.09.2004
Kehrtwende der Planer
Europas Städtebau - und damit die gesamte städtische Zivilisation der Alten Welt - durchlebt eine fundamentale Krise, wie sie seit der Großstadtwerdung im 19. Jahrhundert nicht aufgetreten ist. Wertmaßstäbe des Wohnens und Zusammenlebens befinden sich in einem tief greifenden Umbruch. Bevölkerungsschwund, Wanderungsbewegungen und Deindustrialisierung führen zur Entvölkerung ganzer Regionen. Gleichzeitig ist die Akzeptanz "moderner" Gestaltungsweisen in Architektur und Städtebau auf einen Tiefpunkt gesunken.
Dies ist die Situation, in der 80 Planer, Architekten und Kommunalvertreter die Initiative zur Gründung eines Council for European Urbanism-Deutschland (C.E.U.-D.) ergriffen haben. Er will sich "dem Wohl der gegenwärtigen und zukünftiger Generationen" widmen, indem er "lebenswerte Regionen, Städte und Dörfer sowie die Eigenart des ländlichen Raumes in Europa fördert". Die sehr allgemein gehaltenen Grundsätze, die der Initiative eine breite Basis in der Öffentlichkeit verschaffen sollen, wurden auf einem feierlichen Gründungskongress in Görlitz mit Unterschrift und Sekt verabschiedet.
"Regionen, Städte und Dörfer werden durch soziale Ausgrenzung und Isolierung, Zersiedelung, Vergeudung von Boden und kulturellen Ressourcen, durch monofunktionale Entwicklung, fehlenden Wettbewerb und den mangelnden Respekt für lokale und regionale Kulturen zerstört," heißt es in der neuen "Charta", die sich mit ihrem Namen bewusst in die Tradition der Charta von Athen (1934), des Evangeliums modernen Städtebaus, stellt. Zugleich aber bedeutet sie eine Kehrtwende um 180 Grad. Denn nun soll mit der Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Erholen, für die sich einst der "Vater" der Athener Charta, Le Corbusier, stark gemacht hatte, Schluss gemacht werden. Stattdessen setzt sich die neue Charta für "gemischte Arbeits-, Wohn- und Freizeitstätten" ein. "Bloße Schlafstädte" soll es nicht mehr geben.
Recht moderat, aber in der Tendenz unverhohlen kritisch, geht die Görlitzer Charta mit den "Gebieten des industriellen Massenwohnungsbaus" um. Sie müssten "umgebaut" werden - eine eher beschönigende Floskel gegenüber der in weiten Regionen unabweisbaren Notwendigkeit, sie abzureißen. Die Charta sagt es sozusagen durch die Blume: "Innenentwicklung" müsse vor Außenentwicklung gehen. Den "peripheren Ausdehnungen der Städte und Orte" wird der Kampf angesagt.
Neu - und kontrovers gegenüber dem Städtebau der voraussetzungslosen Moderne - ist das Beharren auf dem historischen Bild und den sozialen Traditionen der Städte und Dörfer. Hier eignen sich die Architekten das Vokabular der Denkmalpflege an: Die Innenstädte und Dorfkerne sollten "bewahrt und behutsam erneuert werden". Le Corbusiers Flächensanierung, Ernst Mays "Auflösung" der Städte gehören für die Unterzeichner endgültig der Vergangenheit an. Nicht "globale", nivellierende Architekturstile, sondern regionale Traditionen des Bauens und Gestaltens sollen bewusst aufgegriffen und weiterentwickelt werden.
In den wirtschaftspolitischen Paragrafen der Charta vertreten die Unterzeichner die Prinzipien einer "regionale Kreislaufwirtschaft". Vor allem wollen sie auf diese Weise die ruinöse Konkurrenz der Städte um Gewerbegebiete und Eigenheimkolonien in den Griff bekommen: "Die Erlöse, Ressourcen und Kosten sollten zwischen den Gemeinden und Kommunen innerhalb der Regionen in kooperativer Weise geteilt werden, so dass der zerstörerische Wettkampf um steuerliche Einnahmen vermieden und die sachgerechte Koordination von Verkehr, Erholung, öffentlichen Diensten, Wohnungsbau und kommunalen Einrichtungen gefördert wird."

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13.09.2004
Lübbenau: Abriss ist nicht alles
Zentrum der Neustadt von Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), direkt am Roten Platz, steht es: das turmhohe Relikt aus vergangenen Wohnungsbauprogrammzeiten. Zwölf Etagen Betonplatte - mit dunklen, toten Fenstern. Ohne Gardinen. Ohne rote Hängegeranien. Dafür mit überdimensionalen Plakaten, die für eine "Traumwohnung im Spreewald" werben und provokativ fragen: "Träumst Du noch oder wohnst Du schon?"
Noch ist der Betonriese eher ein städtebaulicher Alptraum. Aber Ende 2005 sollen in dem Klotz tatsächlich 42 traumhaft modernisierte Wohnungen bezugsfertig sein. Wie Michael Jakobs, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WIS), erklärt, sollen ein Dachgarten entstehen und im Erdgeschoss ein Kaffeehaus gebaut werden, die Fassade wird begrünt, und rund um die Uhr wird den künftigen Bewohnern soziale Betreuung angeboten. Denn das Hochhaus soll für 2,8 Millionen Euro zu einem Haus für altersgerechtes Wohnen umgebaut werden. Im Dezember sollen die Bauarbeiten starten.

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12.09.2004
Nordrhein-Westfahlen: "Ich sehe die Verkäufe mit Sorge"
NRZ: Im Ruhrgebiet rollt eine gigantische Wohnungsverkaufswelle. Droht der Ausverkauf und der soziale Abstieg ganzer Stadtteile und Siedlungen?
Vesper: Ich hoffe nicht, dass es zu solchen Fehlentwicklungen kommt. Aber auch ich sehe die zunehmenden Wohnungsverkäufe im Ruhrgebiet mit Sorge.
NRZ: Wie kann die Politik hier eingreifen?
Vesper: Verhindern kann man solche Verkäufe als Landesregierung nicht. Aber wir können zweierlei tun: Zum einen nutzen wir unsere rechtlichen Möglichkeiten - so gilt in NRW jetzt in 57 Kommunen eine Kündigungssperrfrist von 8 Jahren und in 48 Kommunen von 6 Jahren, wenn es darum geht, nach einem Verkauf Eigenbedarf geltend zu machen. Das ist länger als die nach Bundesrecht obligatorischen 3 Jahre. Zum anderen moderieren wir zwischen den Unternehmen und den Mietern, wir kümmern uns um deren Interessen. So ist es uns gelungen, eine Art Verhaltenskodex für Wohnungsverkäufe zu schaffen. Bei Viterra konnten wir da durchaus Erfolge verbuchen.
NRZ: Sie sprechen die Selbstverpflichtung von Viterra an, die es seit kurzem gibt. Die gewährt Mietern bei Wohnungsverkäufen Garantien. Das haben Sie als wichtigen Schritt begrüßt. Trotzdem sind Mieterschützer skeptisch - die Zusagen sind manchen zu unkonkret, zu weich formuliert. Wäre nicht mehr machbar gewesen?
Vesper: Was Viterra erklärt hat, ist ein substanzieller Fortschritt. Und dieser Schritt gilt nicht nur für Viterra, sondern das wird sicher auch ein Mindeststandard bei Verkäufen anderer Unternehmen. Wichtig ist zum Beispiel, dass Mieter ab 65 Jahren schon vor einem Weiterverkauf ihrer Wohnung ein lebenslanges Wohnrecht garantiert bekommen können. Allerdings hätte ich mir an einigen Punkten noch weiteres Entgegenkommen gewünscht. Doch es wäre falsch zu behaupten, dass es keinen Fortschritt gegeben hat.
NRZ: Nennen Sie doch mal so einen Punkt...
Vesper: Es geht zum Beispiel um besondere Schutzrechte für ehemalige Bergmannswohnungen. Viele sind heute in den Händen anderer Wohnungsunternehmen. Wir werden in weiteren Verhandlungen darauf achten, dass diese Schutzrechte erhalten bleiben.
NRZ: Wie viele Immobilien betrifft das?
Vesper: Allein bei Viterra geht es nach den uns bekannten Schätzungen um rund 25 000 Wohnungen. Im Moment sprechen wir mit der Gesellschaft zur Sicherung von Bergmannswohnungen, GSB, um einen genaueren Überblick zu bekommen. Früher wurden diese Wohnungen von den Bergbauunternehmen gefördert, sie waren quasi ein Teil des Lohnes an die Arbeiter, die dort günstig wohnen durften. Ich halte es für wichtig, dass die besonderen Schutz- und Belegungsrechte für diese Wohnungen nicht sang- und klanglos verschwinden.
NRZ: Wie könnte das passieren?
Vesper: Zunächst brauchen wir Transparenz, auf welchen Wohnungen welche Rechte liegen. Durch mehrere Weiterverkäufe der Wohnungen sind die Rechte nämlich heute nicht mehr so klar.
NRZ: Welchen konkreten Rat geben Sie einem Mieter, der von einem Immobilienverkauf betroffen sein könnte?
Vesper: Wichtig ist: Kauf bricht nicht Miete. Die Mietverhältnisse gelten auch bei einem Verkauf der Wohnung unverändert weiter. Nur in sehr engen Grenzen, etwa bei wirklichem Eigenbedarf eines Einzelkäufers, kann das anders sein. Wir bereiten gerade, unterstützt vom Justizministerium, eine Broschüre vor, die Mieter über ihre Rechte bei Immobilien-Verkäufen aufklärt.
NRZ: Auch Kommunen halten große Wohnungsbestände. Besteht die Gefahr, dass sie angesichts leerer Kassen jetzt ebenfalls Verkäufe einleiten?
Vesper: Die Kommunen stehen in der Wohnungspolitik an der Front. Sie sind dafür verantwortlich, die Wohnungsnotfälle in ihrer Gemeinde unterzubringen, Ghettoisierung zu vermeiden und Stadtteile lebenswert zu halten. Deswegen kann ich allen Kommunen nur dringend raten, ihre Wohnungsgesellschaften oder ihre Anteile daran zu behalten, um damit ein wohnungspolitisches Instrument zu bewahren - und sich nicht komplett abhängig zu machen von den Investoren-Entscheidungen Dritter.
NRZ: Auch das Land Nordrhein-Westfalen ist am Wohnungsmarkt über die LEG, die Landesentwicklungsgesellschaft, aktiv. Ein Vorstoß, die LEG zu verkaufen, scheiterte vor wenigen Jahren. Gibt es Pläne für einen neuen Anlauf?
Vesper: Akut beabsichtigt die Landesregierung nicht, ihre Anteile an der LEG zu veräußern.
NRZ: Wird deshalb die Kapitalbasis der LEG gestärkt, damit die mehr Speck auf die Rippen bekommt - und in ein paar Jahren dann vielleicht doch abgegeben wird?
Vesper: Nein. Das Unternehmen kämpft mit schwierigen strukturellen Problemen. Die LEG hat den Bestand der früheren Neuen Heimat übernehmen müssen und jetzt ein gigantisches Modernisierungsprogramm in Angriff genommen, das mehr als 1 Mrd E kostet. Also: Die LEG arbeitet im Moment nicht auf einen Verkauf hin, sondern auf eine Konsolidierung ihrer Bestände.
NRZ: Gehen wir mal vor Ort: Niederrhein und Ruhrgebiet - welches Potenzial haben diese Regionen, wenn es um das Wohnen geht?
Vesper: Das muss man ganz differenziert sehen. Am Niederrhein haben Sie zum Teil wachsende Klein- und Mittelstädte. Die Region hat sich zu einem gefragten Wohnstandort entwickelt. Im Ruhrgebiet gibt es den Wegzug gerade in diese Region. Trotz der Leerstände im Ruhrgebiet wird es dort in einem gewissen Maß aber auch noch Neubauten geben - denn das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wird dazu führen, dass nicht mehr jede Wohnung vermietbar ist. Qualität liegt im Trend. Ich glaube, das Ruhrgebiet wird zum Beispiel "Wohnen am Wasser" ganz neu definieren und sehr viel stärker betonen müssen.

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12.09.2004
Brandenburg: Stadt will für die Wobra mit 71 Millionen Euro bürgen
Die Stadt soll Bürgschaften bis zu 71 Millionen Euro für das Wohnungsunternehmen Wobra übernehmen. Das geht aus der Beschlussvorlage der Verwaltung hervor, die am 29. September von den Stadtverordneten nicht öffentlich beraten werden soll. Die Vorlage basiert auf den Ergebnissen der Arbeit des zeitweiligen Wobra-Ausschusses. Dort waren verschiedene Szenarien für das hoch verschuldete Unternehmen durchgespielt worden. Eine Insolvenz sei nicht in Frage gekommen, weil die Stadt unmittelbar mit Haftungsverpflichtungen von 71 Millionen Euro konfrontiert wäre - dem hätte kein positiver Unternehmenswert mehr gegenübergestanden. Eine Rückverschmelzung zur Stadt hätte nicht nur deren Haftungsbeschränkungen außer Kraft gesetzt, auch die Wobra-Mitarbeiter hätten übernommen werden müssen.
So bleibt nur ein Fortführen des Unternehmens, bis es mittelfristig vielleicht privatisiert wird. Um die Liquidität der Wobra zu sichern, zahlt die Stadt weiter für deren Altschulden und die Mietgarantieverpflichtungen mit der Bavaria. Zu diesen Belastungen kommt die geringe Bonität der Wobra - Banken geben entweder gar keine Kredite oder nur mit hohem Risikozins, einige Geldhäuser könnten bereits gewährte Darlehen vorfristig fällig stellen. Das Unternehmen mit neuen Anlagewerten - etwa von der ebenfalls städtischen Wohnungsfürsorge - zu versorgen, ist sinnlos, diese Werte würden untrennbar mit dem Schicksal der Wobra verbunden sein. So blieb nur der Weg der Bürgschaften - die Stadt muss keine weiteren Vermögenswerte einsetzen, die Wobra bekommt möglicherweise billigere Kredite. Der Bürgschaftsrahmen müsse noch mit der Kommunalaufsicht abgestimmt werden, heißt es in der Vorlage: "Als Obergrenze wäre hier der Gegenwert für die maximal mögliche Belastung der Stadt beim Eintreten der Insolvenz zu nennen." Zudem soll die Stadt versuchen, die Bürgschaften von der Landesinvestitionsbank ILB ablösen zu lassen. Entwickelt wurde zudem ein Modell, mit dessen Hilfe die Wobra ihre Bestände konsolidieren könnte: Immobilien werden in eine Objektgesellschaft eingebracht, an der ein privater Investor beteiligt wird. "Einlage" der Wobra wären die Buchwerte der Häuser, der Investor schießt frisches Geld zum Sanieren zu. Danach werden entsprechend des Engagements für einen bestimmten Zeitraum die Mieteinnahmen geteilt, beispielsweise im Verhältnis 20 : 80. Nach Vertragsablauf fallen die Immobilien an die Wobra zurück. Möglicherweise dafür geeignete Modell-Objekte könnten Der Temnitz oder die St. Annen-Straße sein.

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12.09.2004
Wohnungseigentümer sollen "Schrumpfung als Chance begreifen"
Der Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Niedersachsen-Bremen (vdw), Bernd Meyer, fordert von Kommunen und Wohnungseigentümern einen offensiven Umgang mit dem sich abzeichnenden demografischen Wandel. Es gelte, die bevorstehende Schrumpfung von Städten und Gemeinden "als Chance zu begreifen" und neue Wohnqualitäten zu schaffen, sagte Meyer. Viele Kommunalpolitiker scheuten sich, den Tatsachen ins Auge zu sehen und blendeten das Thema lieber aus. "Wir können aber nicht erst anfangen, uns darüber Gedanken zu machen, wenn wir einen Leerstand von zehn bis 15 Prozent haben", betonte Meyer. Der demografische Wandel werde "enorme Auswirkungen" auf den Städtebau haben. Bereits heute bedürften ältere Wohnanlagen aus den 60-er und 70-er Jahren der "massiven Sanierung". Die Instandhaltungsinvestitionen seien "so hoch wie nie". Allein 2003 seien in seinem Verband 600 Mio. Euro investiert worden. Neubauinvestitionen seien dagegen deutlich zurückgegangen, sagte Meyer. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Daher müsse man sich bereits heute Gedanken über Pläne für den Rückbau von Gebäuden und die Nutzung von frei werdenden Flächen machen. Schon heute gebe es Regionen mit abnehmenden Bevölkerungszahlen. Teilweise liefen bereits Rückbauprogramme in Städten. Als Beispiele nannte Meyer die Städte Wilhelmshaven, Bremerhaven und Salzgitter.
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11.09.2004
Magdeburg: Die Wandlung eines abgeschriebenen Viertels
Einst unterschied sich das Wohngebiet im Neustädter Feld kaum von anderen Plattenbau-Siedlungen: Doch das Bild in der Resewitzstraße hat sich grundlegend gewandelt. Der "Stadtumbau-Ost" sorgte für Reihenhäuser und Penthousewohnungen in einem Gebiet, wo früher ein Leerstand weit über 50 Prozent herrschte. Die Reihenhäuser und fertigen Wohnungen sind inzwischen zu 100 Prozent vermietet. Für den Umbau des letzten Plattenbaus wurde gestern Richtfest gefeiert. 2005 soll alles fertig sein.
Über die Hälfte der Wohnungen in der Resewitzstraße standen einst leer. "Hier haben sich abends Jugendliche zusammengefunden und die Autos auseinander gebaut", erinnert sich Ulrich Schneider, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Stadtfeld.
"Das ist aber alles vorbei. Hier wohnen inzwischen auch Ministerialbeamte, höhere Angestellte und Selbstständige", weiß der Vorstand aus den Vermietungsplänen. Nicht ohne Stolz fügt er auch hinzu, während er auf eine Penthouse-Wohnung zeigt: "Gucken Sie mal, da wohnt zum Beispiel Nadine Kleinert." Sie wurde Silbermedaillen-Gewinnerin beim Kugelstoßen in Athen.
Der Stadtumbau Ost trägt offensichtlich erste Früchte, denn ohne Fördergelder sei das alles hier nicht machbar gewesen. 240 Plattenbauwohnungen hat allein die "Wohnungsbaugenossenschaft Stadtfeld" in der Resewitzstraße abgerissen bzw. umgebaut. Von ehemals fünf so genannten P2-Blöcken aus dem Jahr 1981 ist nur noch einer im Rohbau-Zustand. Dafür wurde gestern Richtfest gefeiert.
Die anderen sind bereits zu Etagenwohnungen und Reihenhäusern umgebaut. Ulrich Schneider: "Dabei kann man diese Häuser nicht mal mit den Reihenhäusern im Speckgürtel vergleichen. Diese hier sind voll unterkellert und haben die perfekte Infrastruktur."
Bis Mai 2005 sollen insgesamt fünf Millionen Euro verbaut sein. Allein Abriss und Rückbau kosten rund 750000 Euro. Die Förderung aus Steuergeldern beträgt allein in diesem Bereich 430000 Euro. Etwa eine Million Euro steckte die Genossenschaft in die Aufwertung der Bauwerke und etwa 165000 Euro in die Wohnumfeldaufwertung. Auf der Straßenseite gegenüber in den Nummer 1 bis 12 hat bereits die Wobau Reihenhäuser in den vergangenen Jahren geschaffen. Hier entstanden aus 220 Plattenbau-Wohnungen 44 Reihenhäuser. Auch hier gab es Förderungen zum Umbau. Dr. Holger Neumann vom Verein "Haus&Grund" nennt den Umbau "ein beachtenswertes Einzelprojekt", das es wegen der enorm hohen Fördergelder vermutlich aber so nicht mehr geben werde. "Wir haben in Magdeburg 23000 leer stehende Wohnungen. Ein Viertel des Wohnungsbestandes ist vakant. Da wird es in den nächsten Jahren richtig interessant werden. Wirtschaftlich wird bei diesen Größenordnungen in Zukunft nur ein kompletter Abriss tragbar sein, um solche Quartiere von außen nach innen gesundzuschrumpfen", so Dr. Neumann.

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10.09.2004
Niedersachsen : Protest gegen Streichung der Städtebauförderung
Die Städtebauförderung in Niedersachsen muss erhalten bleiben. Das haben Vertreter von 188 Unternehmen, die im Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) organisiert sind, gefordert. Zur Begründung hieß es: "Mit der unvermittelten Streichung der Städtebauförderung beraubt die niedersächsische Landesregierung zahlreiche Städte und Gemeinden wichtiger Entwicklungschancen und gefährdet Tausende Arbeitsplätze." Durch den Regierungsbeschluss gehen den Kommunen mindestens 450 Mio. Euro an dringend benötigten öffentlichen und privaten Investitionen verloren. Betroffen von den Sparbeschlüssen der Landesregierung sind neben der Städtebauförderung auch die Bundesprogramme "Die Soziale Stadt" und "Stadtumbau West".
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10.09.2004
Pirmasens: Siegeszug der Abrissbirne
Woran Pirmasenser heute achtlos vorbeigehen, präsentierte einst den Bürgerstolz einer ganzen Stadt. „Der Schuh hat hier uns groß gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht“, heißt es, gemeißelt in roten Pfälzer Sandstein, am Schusterbrunnen, dem Wahrzeichen der Stadt mitten in der Fußgängerzone. „Hörn se uff“, sagt eine ältere Dame, eine echte „Bärmesenserin“. Über „solch Sprüch“ könne man heute doch nur noch müde lächeln. „Schaun se sich um, von der Pracht vergangener Zeiten ist nichts übrig geblieben.“
Das Sortiment im Laden gegenüber gibt ihr Recht. Modeschuhe made in Thailand füllen die Ständer. Qualitätsschuhe aus heimischer Produktion werden hier schon lange nicht mehr angeboten. „Angesagt sind die ausländischen Fabrikate, vor allem bei den Kids“, erzählt eine Verkäuferin.
Pirmasens in der Westpfalz: von der Gründerzeit bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts eines der bedeutendsten Zentren der deutschen Schuhindustrie. Rund 300 Schuhfabriken versorgten die schnell wachsende Bevölkerung in Deutschland mit Schuhwerk. Die Monostruktur, die den Ort groß gemacht hat, ist ihm nach dem Einbruch der Branche 1975 allerdings auch zum Verhängnis geworden. Nur noch drei Firmen sind übrig geblieben. In den vergangenen 20 Jahren hat die Stadt mehr als 15 000 Arbeitsplätze verloren. Noch in den siebziger Jahren lebten 60 000 Menschen in Pirmasens. Heute sind es keine 50 000.
„Fakten wie diese nagen am Selbstbewusstsein der Stadt“, gesteht Oberbürgermeister Bernhardt Matheis. Ein Blick aus seinem Büro über den Exerzierplatz, der wegen seiner zu groß geratenen Architektur aus den achtziger Jahren vom Volksmund „Piazza protzo“ genannt wird, macht die Dimension des Wandels deutlich: Am Ende der anderthalb Kilometer langen Fußgängerzone sind in den oberen Etagen der tristen Mietshäuser vor jedem dritten Fenster die Rollläden heruntergelassen. Von den Balkonen blicken vor allem alte Menschen auf die Straßen herab. Plakate preisen „90 Quadratmeter für 320 Euro“ an – ein Betrag, der für vergleichbaren Wohnraum in München oder Köln dreimal so hoch ausfallen könnte. Stadtplaner Frank Böhme erklärt: „Von fast jedem Haus könnte man die obersten zwei Etagen abtragen, ohne dass Wohnraum knapp würde.“ In der City leidet unter dem Einwohnerschwund vor allem der Einzelhandel. An manchen Stellen steht jedes dritte Geschäft leer. Was tun? Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Kein Wunder also, dass Verwaltungschef Matheis zu großen Worten greift: „Die Pirmasenser haben in der Geschichte der Stadt unter Beweis gestellt, dass sie die Kraft haben, auch mit schwierigen Situationen fertig zu werden.“ Tatsächlich gelang der isoliert im Pfälzer Wald gelegenen Siedlung Ende des 19. Jahrhunderts binnen kurzem der Wandel von der Garnisonsstadt des dortigen Landgrafen zum Industriestandort. Der entscheidende Grund aber, warum trotz der prekären Wirtschaftslage heute dennoch Aufbruchstimmung in Pirmasens zu spüren ist, dürfte darin liegen, dass sich in der Stadtplanung und bei vielen Bürgern die Erkenntnis durchgesetzt hat, Abriss nicht als Niedergang, sondern als Chance zu begreifen – keine Selbstverständlichkeit in Westdeutschland, wo mancher Rathauschef noch der bis in die achtziger Jahre dauernden Blütezeit der Städte nachtrauert.
Ortsteil Pirmasens-Husterhöhe: Hier, wo bis Mitte der neunziger Jahre 3500 amerikanische GIs mit ihren Familien lebten und der Stadt Kaufkraft und Arbeitsplätze bescherten, wurden Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen, abgerissen, andere renoviert und neu vermietet – was zahlreiche neue Firmen anlockte. Eine von ihnen ist Convar, ein so genanntes Spinoff-Unternehmen, das sich aus der Zulieferbranche für die US-Truppen entwickelte. Der Spezialbetrieb für Reparaturen elektronischer Datenträger profitiert von den niedrigen Baukosten, einer unkomplizierten Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bei Behördengängen und nicht zuletzt von den lokalen Personalressourcen. So bildet Convar innerhalb weniger Wochen Pirmasenser, die früher an Schuh-Maschinen standen, zu EDV-Kräften aus. „Die Menschen hier sind belastbar, regelmäßige Arbeit gewohnt, lernbereit und haben realistische Lohnvorstellungen“, lobt Pressesprecher Armand Schulz. 50 Mitarbeitern und 18 Azubis bietet sein Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz. Insgesamt sind auf der Husterhöhe in den vergangenen Jahren 600 neue Jobs geschaffen worden. Gleich nebenan, ebenfalls auf früherem Kasernengelände, hat eine Fachhochschule den Lehrbetrieb aufgenommen.
Der städtische Häuserbestand, mehr als 2500 Wohnungen aus den fünfziger und sechziger Jahren, soll in den kommenden Jahren zum Teil blockweise verschwinden, die Grundstücke neu aufgeteilt und verkauft werden. „Neubau ist billiger als Umbau“, weiß Bauer. Wo heute noch schmuddelige Hinterhöfe, hässliche Zweckbauten oder heruntergekommene Wohngebäude das Stadtbild verschandeln, sollen künftig Grünanlagen zum Verweilen einladen oder neue Mehr- und Einfamilienhäuser entstehen. Dass modernes Wohnen in Citynähe auf Nachfrage stößt, zeigen Pirmasens' „P-Town-Lofts“, zu Wohnungen umgebaute Fabrikhallen der stillgelegten Schuhfirma Neuffer: 6500 Quadratmeter groß, von einem privaten Investor für wenig Geld gekauft. Außerdem soll in den kommenden Jahren Platz für den Einzelhandel, Wellness-Anbieter und Restaurants entstehen.
Ob die Konzentration auf Neubauten in der Stadtplanung angesichts des ohnehin schon hohen Häuserleerstandes Wachstumsimpulse liefern wird? Bauer ist sich sicher: „Wir haben keine andere Wahl. Oder sollen wir unsere Stadt total ausbluten und herunterkommen lassen?“

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08.09.2004
Dessau: Initiative der Bewohner soll fehlendes Geld wettmachen
Nicht dass Mangel herrschte an Ideen. Ein Radweg steht auf der Wunschliste, ein Apothekergarten, Wald ebenso wie Acker, ein Hotel für Rucksacktouristen, ein Solarkraftwerk. Und Platz, all diese Ideen zu realisieren, gäbe es demnächst ebenfalls genug: Die Stadt Dessau nämlich verkleinert sich. Einige tausend Wohnungen sollen beim Stadtumbau geschleift werden.
Gesammelt wurden die Ideen in der so genannten "Planungswerkstatt Heidestraße Nord". Nachdem sich herausstellte, dass die herkömmlichen Instrumente der Stadtplanung wenig taugen, wenn es um großflächigen Abriss gehe, so Planungsamtsleiterin Christiane Jahn, habe man neue Wege beschritten. Die Suche nach Paten, wie man sie genannt hatte, gehörte dazu: Diese sollen wenigstens Teile jener Brachflächen übernehmen, die der Abriss hinterlässt. Ein Schlagwort dafür wurde eigens erfunden: "In-Kulturnahme". Am Montag nun hat sich die Planungswerkstatt bei einer öffentlichen Präsentation erstmals in das Gebiet begeben, um das es eigentlich geht: Man traf sich in der Marienschule, einem evangelischen Kindergarten in der Steneschen Straße. In unmittelbarer Nähe überwuchert Unkraut die frischen Abrisswunden. All die schönen Pläne, vorab diskutiert - Makulatur. Was an Geld fehlt, so die Idee, sollen nun die Bewohner mit Eigeninitiative wettmachen. Modelle wurden diskutiert am Montag. Ob ein Berliner Projekt Vorbild sein könnte, das versucht, die Anbieter praktisch unvermietbarer Räume mit jenen zusammenzubringen, die für eine begrenzte Zeit preiswert Räume suchen - sei es, um Filzhüte zu fertigen oder eine Galerie zu eröffnen. Oder ob es möglich wäre, Leerflächen an eine zu gründende Bürgerstiftung zu übertragen, die sie dann an verschiedenste Interessenten weiterreicht.
www.mz-web.de

08.09.2004
Cottbus: Beim Stadtumbau kann Westen vom Osten lernen
Der Stadtumbau in Cottbus ist nach Einschätzung von Bundesbauminister Manfred Stolpe ein Beispiel für ähnliche Projekte in ganz Deutschland. Die Plattenbausiedlung Sachsendorf-Madlow in Cottbus habe die Chance zum Stadtumbau gut genutzt. Dabei könne der Westen vom Osten lernen, denn die Städte in den neuen Bundesländern hätten bereits früher damit begonnen, die Probleme anzupacken, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung gestern. Cottbus verlor seit dem Wendejahr 1989 etwa 25 000 seiner einst 130 000 Einwohner. Stolpe und Bauminister Frank Szymanski besichtigten in Sachsendorf-Madlow einige Förderprojekte. Darunter ist ein Jugendbegegnungszentrum, das nach dem Umbau einer Kita entstand. Höhepunkt war die Eröffnung des umgestalteten Boulevards Gelsenkirchener Allee, in den 3,8 Millionen Euro Fördermittel flossen. Einzelne Modellprojekte wurden gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land entwickelt. Szymanski betonte: "Wir müssen auch in Zukunft EU- und Bundesmittel für den Stadtumbau und die Städtebauförderung in voller Höhe durch Landesmittel kofinanzieren, damit uns kein Fördereuro entgeht und der Aufbau Ost weiter vorankommt." Die Stadt Cottbus hat seit 1991 für die Stadtsanierung mehr als 93 Millionen Euro Fördermittel des Bundes und des Landes erhalten. Rund die Hälfte davon war für die Innenstadt bestimmt. Zudem flossen etwa 50 Millionen Euro Fördermittel in die Sanierung von Straßen und in den Ausbau des Innenstadtringes. Bisher wurden in der Stadt etwa 2000 Wohnungen vom Markt genommen. Insgesamt sollen 9000 bis 10 000 Wohnungen abgerissen werden, davon etwa die Hälfte in Sachsendorf-Madlow.
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07.09.2004
Schwedt: Umbau im Külzviertel abgeschlossen
Einen weiteren Eckstein beim Stadtumbau in Schwedt setzte gestern Bauminister Frank Szymanski. Mit einem Blumenstrauß zusammen übergab er nach Abschluss der Umbauarbeiten im Külzviertel eine Wohnung an die Schwedterin Ramona Thelen. Insgesamt verbauten hier die Schwedter Wohnbauten in den vergangenen drei Jahren rund 15 Millionen Euro. Acht Millionen davon kamen vom Land Brandenburg. Bei der Gestaltung des Wohnumfeldes bringt sich auch die Kommune mit ein. Nun drängt die Schwedter Verwaltung auf den Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Verkehrsanbindung der Oderstadt an die Autobahn. Auch der Besuch aus Potsdam unterstützt dieses Engagement.
Drei Jahre lang haben die Schwedter Wohnbauten das Külzviertel umgebaut. In drei Bauabschnitten haben sie mit Unterstützung des Landes Brandenburg und der Schwedter Verwaltung das Wohnbild an der Stadtgrenze verschönert.
Gut 15 Millionen Euro konnten die Schwedter Wohnbauten in den Bau und weit mehr als eine Million Euro in den Abriss und Rückbau investieren. Die Hälfte der Mittel kam als zinsgünstiges Darlehen vom Land Brandenburg, kann Karl-Heinz Lienert, Kaufmännischer Geschäftsführer der Wohnbauten, berichten. So ließ es sich der brandenburgische Bauminister Frank Szymanski nicht nehmen, bei der Übergabe einer der letzten Wohnungen nach Abschluss der Umbauarbeiten im Külzviertel mit dabei zu sein.
Mit einem Blumenstrauß überraschte er Ramona Thelen. Vor zwei Monaten war sie zusammen mit ihrem Mann Volker und dem 17-jährigen Sohn Benjamin in die Wohnung mit Dachterrasse eingezogen. 96 Quadratmeter misst sie und die Familie kann vier Zimmer, Küche und Bad nutzen. "Das ist einfach toll hier. Vor allem, dass die Terrasse zwei Zugänge hat und ich einen Rundgang durch die gesamte Wohnung machen kann", sagt sie lächelnd. Vorher lebte sie zwölf Jahre in einer Wohnung an der Kastanienallee. Dort standen ihr nur 86 Quadratmeter zur Verfügung. Ramona Thelen war auch die erste in Schwedt, die Anfang der 90er einen Durchbruch in eine andere Wohnung wagte. "Wir konnten dann zwei Zimmer mitnutzen", erinnert sie sich. Aber nach zwölf Jahren hatte die Familie genug. "Wir haben uns bei den Wohnbauten gemeldet und wollten unbedingt eine Wohnung mit Dachterrasse ergattern", sagt sie. Und das war bei dem Wohnungsangebot nicht leicht. "Aber die Wohnbauten konnten schließlich unseren großen Wunsch erfüllen", erklärt Ramona Thelen. Deshalb auch zeigte sich Bauminister Frank Szymanski bei seinem Besuch im Külzviertel stolz. Der Schwedter Landtagsabgeordnete Mike Bischoff hatte ihn zum zweiten Mal in das Schwedter Hauptsanierungsgebiet geholt. "Schwedt ist beim Stadtumbau bundesweit Vorreiter", betonte er bei seinem Besuch. Vor allem der Rückbau von Wohnungen sei derzeit ein Schwerpunkt. "In diesem Jahr wurden weitere 47 Millionen Euro in Brandenburg den Kommunen zur Verfügung gestellt, um 8800 Wohneinheiten zurückzubauen", teilte der Minister mit. Ein Drittel der Summe werde für Aufwertungsmaßnahmen eingesetzt. Bürgermeister Peter Schauer, der den Minister begleitete, machte die Entwicklung noch einmal für Schwedt transparent. "Rund 4600 Wohnungen müssen insgesamt in Schwedt verschwinden, bis Ende des Jahres haben wir 3000 davon zurückgebaut", so Schauer. Der Blick geht jetzt voraus. In einem internen Gespräch mit Frank Szymanski konnte die Verwaltung noch einige Probleme erörtern. Bürgermeisterstellvertreter Jürgen Polzehl teilte mit, der Minister unterstütze, dass neue Eigenheime am Standort der bisherigen Mercedes-Filiale an der Schillstraße nach dem Umzug in die Werner-Seelenbinder-Straße entstehen können. Zudem sollen in Schwedt weitere Industrieflächen entwickelt werden. Dazu werde der B-Plan mit dem Ministerium vorbereitet.
Szymanski konnte auch verkünden, dass ab 2005 rund 1,2 Millionen Euro bereitstehen, um den Bau der Gleise vom Hafen zur Schwedter Raffinerie zu planen. Weitere wichtige Punkte, die erörtert wurden, waren der Ausbau der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und die Anbindung Schwedts an die Autobahn 11. Nach den Wahlen soll es zu den gesamten Infrastrukturmaßnahmen einen Termin im Bauministerium geben.

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07.09.2004
Magdeburg: Mit dem Fall der "Platte" kann sich Trinkwasser verteuern
Der "Stadtumbau Ost" stellt Ver- und Entsorgungsunternehmen in Ostdeutschland vor gravierende finanzielle Schwierigkeiten: Während die Wohnungswirtschaft Fördergeld für den Abriss leer stehender Wohnungen erhält, ist die Finanzierung für den Rückbau der Leitungsinfrastruktur nicht geklärt. Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) befürchtet deshalb höhere Trinkwasserpreise.
Die Neubaugebiete werden "luftiger". Ganze Blöcke weichen, einstige Hochhäuser werden gestutzt, Etagen abgetragen. Mit dem Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt verändern einzelne Quartiere ihr Gesicht. Der "Stadtumbau Ost", nach dem sich die Wohnungsunternehmen so sehr sehnten, greift. Zumindest für die Wohnungswirtschaft.
"Alles, was über der Erde liegt, wird gefördert. Was im Boden steckt aber nicht", sagt BGW-Sprecher Marian Rappl. Während die Wohnungsunternehmen für jeden Quadratmeter abgerissener Platte 60 Euro Fördergeld erhalten, gehen die Ver- und Entsorger leer aus. Doch auch sie müssen in Größenordnungen ihr Leitungsnetz demontieren und verkleinern.
Mit jedem Quadratmeter Wohnraum, der in der Landeshauptstadt der Abrissbirne zum Opfer fällt, kommen auf die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) 40 Euro zu - Kosten aus Leitungsabriss, Kapitalverlust, Umverlegungsarbeiten. Allein in den nächsten acht bis zehn Jahren muss das Unternehmen dafür 40 Millionen Euro aufbringen. 2003 gab es Fördergeld. "100000 Euro", sagt Johannes Kempmann, Mitglied der SWM-Geschäftsführung. "Ein Tropfen auf den heißen Stein." Viel schlimmer sei, so unterstreicht er, dass es "im Moment keinen gibt, der sich mit diesem Problem auseinander setzt".
Auch bei den Chefs der Wittenberger Stadtwerke werden die Sorgenfalten größer. Weil bis 2010 über 1600 Wohnungen in Wittenberg weichen sollen, rechnen die Stadtwerke mit zusätzlichen Kosten in Höhe von rund sechs Millionen Euro.
Dass es für den notwendigen "Stadtumbau Ost" ein Abrissprogramm nur für die Wohnungswirtschaft gibt, will keiner akzeptieren. Der Bundesverband sieht vor allem in der Doppelbelastung durch hohe Rückbaukosten und gravierende Buchwertverluste enorme Kosten auf die Unternehmen zukommen. Rund 50 Milliarden Euro wurden seit der Wende allein in die Wasserver- und -entsorgung in den neuen Bundesländern investiert. Auch solche neuen Leitungen müssen teilweise durch den Stadtumbau weichen - weit entfernt von einer einkalkulierten 50-jährigen Lebensdauer. "Wir haben nach der Wende zahlreiche Leitungen erneuert und reißen sie nach zehn Jahren wieder ab", beklagt Peter Lubitzsch, Prokurist der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg GmbH.
"Wir müssen die Netze auch redimensionieren", nennt Kempmann einen weiteren Kosten-Aspekt. Durch den meist punktuellen und nicht flächenmäßigen Abriss müssen Versorgungsunternehmen nach wie vor ein intaktes Netz vorhalten - jedoch für weniger Nutzer. Das bringt langsamere Fließgeschwindigkeiten und längere Trinkwasser-Verweilzeiten mit sich. Bakterienbildung ist programmiert. "Viele Unternehmen müssen schon zusätzlich spülen, um die Wasser-Qualität zu halten", weiß Rappl. "Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit." In Magdeburg werden Hydranten geöffnet, um das Wasser künstlich in Bewegung zu setzen.
Seit zwei, drei Jahren kämpfen die SWM mit anderen Versorgungsunternehmen in Sachsen-Anhalt um einen eigenen Fördertatbestand. Bewegt habe sich aber kaum was, sagt Kempmann.
Für das Landesbauministerium steht der Abriss von Wohnraum im Vordergrund. Trotzdem habe die Behörde gemeinsam mit anderen Bundesländern auf den Bund Druck ausgeübt, um das Problem in den Griff zu bekommen, heißt es. Im Auftrag der Bundesregierung soll nun ein Gutachten aufschlüsseln, welche Kosten mit dem Stadtumbau auf die Ver- und Entsorger so zukommen. Fließen keine Fördermittel, befürchtet der BGW eine Erhöhung der Trinkwasserpreise. Auch Kempmann kann das nicht ausschließen. "Wir wollen das aber nicht, weil es schädlich wäre für die Ansiedlungspolitik."

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04.09.2004
Rostock: Dierkow und Toitenwinkel sind größte Sorgenkinder

Nach zwei Jahren intensiver Analysen für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept können jetzt die Ziele definiert werden, erläutert Norbert Kröger von der Abteilung Wohnungswesen im Bauamt. Bis zum 15. Oktober liegt dann auch der Teil der Arbeit von Stadt, Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung (RGS) und Wohnungswirtschaft vor, wo genau beschrieben wird, welche Häuser noch zurückgebaut werden, kündigt Kröger an.
Bis Ende des Jahres sind bereits 1000 Wohnungen weg, dazu kommen bis 2009 weitere 2000 plus 500 durch Zusammenlegungen von kleineren Einheiten. Dafür würden etwa zehn Millionen Zuschuss vom Bund benötigt. Mit dem geplanten Rückbau würde der Leerstand von derzeit acht auf fünf Prozent sinken. "Das ist für einen gesunden Markt eine gute Zahl." Insgesamt sind 85 Prozent aller Rostocker Wohnungen saniert, so Kröger, was wohl keine andere ostdeutsche Stadt in dieser Größe bisher erreicht hat.
Abgerissen wird in Schmarl, Groß Klein, Evershagen, Dierkow und Toitenwinkel. Diese Stadtteile, in die bereits 35 Millionen Euro aus Wohnumfeldprogrammen flossen, kristallisierten sich in der Analyse weiterhin als jene heraus, die mit "dringender Handlungsbedarf" einzustufen sind, berichtet RGS-Abteilungsleiter Roland Blank. In Groß Klein konnte die Abwanderung inzwischen gestoppt werden, sieht Blank aber auch positive Anzeichen. Und in Evershagen deutet die Entwicklung deutet darauf hin, dass der "Handlungsbedarf" bald nicht mehr so dringend sein wird. Sorgen bereiten Roland Blank vor allem Toitenwinkel und Dierkow. Die jüngsten Großwohnsiedlungen der Stadt hängen bei der Sanierung noch hinterher. Allein Toitenwinkel verlor zwischen 2001 und 2003 9,5 Prozent seiner Einwohner, während sich im gesamten Stadtgebiet die Bevölkerungszahl stabilisierte. In Dierkow stieg beispielsweise die Zahl der Sozialhilfeempfänger seit 1999 um elf Prozent. "Das ist alarmierend." Höhere Arbeitslosigkeit und damit eine geringere Kaufkraft könnten dazu führen, dass sich auch die Versorgungslage beispielsweise durch Abzug des Handels verschlechtert. Weitere negative Faktoren in der sozioökonomischen Entwicklung zeigen eindeutig, dass diese beiden Stadtteile im Rostocker Nordosten in vielerlei Hinsicht der allgemeinen Entwicklung hinterher hinken.

www.svz.de

03.09.2004
Land Brandenburg: 11 600 Wohnungen in Brandenburg abgerissen
In Brandenburg sind bisher 11 600 Wohnungen abgerissen worden. Das sei deutlich mehr als für realistisch gehalten worden ist, sagte Bauminister Frank Szymanski gestern bei einem Besuch in der Spreewaldstadt Lübbenau. Er zeigte sich optimistisch, dass bis Ende dieses Jahres 15 000 Wohnungen vom Markt genommen werden können. In den märkischen Städten und Gemeinden stehen 165 000 Wohnungen vor allem in Plattenbauvierteln leer.
Beim Stadtumbau sei im Land bisher die Hälfte geschafft worden. "Der Verfall der historischen Bausubstanz wurde gestoppt, und die Menschen ziehen wieder in die Innenstädte", bilanzierte Szymanski.
Allein in diesem Jahr stehen 153 Millionen Euro für die Stadterneuerung und den Stadtumbau im Land bereit. "Das schafft Arbeit und ist auch für private Investoren ein Anreiz, Geld in die Hand zu nehmen", äußerte der Minister. Nun werde mehr Wert auf die Aufwertung von Wohnstandorten statt auf den Abriss gelegt. Am Stadtumbau Ost beteiligen sich 24 Städte.

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03.09.2004
Böhlen: Fördermittel für Kulturhaus in weiter Ferne
Der 20. September ist ein wichtiger Tag für die Zukunft des Böhlener Kulturhauses. Bei einem Termin im sächsischen Innenministerium will Bürgermeisterin Maria Gangloff zusätzliche Fördermittel ausloten. Bisher sind Neuigkeiten in dieser Hinsicht eher betrüblich.
"Bei der Auszahlung der Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost gibt es Rückstände", berichtete Gangloff zur jüngstenStadtratssitzung. Zurzeit würden vomLand erst die Gelder, die 2003 beantragt wurden, ausgezahlt. Die vom Landkreis als Eigentümer des Kulturhauses beantragten 6,4 Millionen Euro liegen mithin noch lange nicht bereit. "Unser Ziel ist in weite Ferne gerückt", so Böhlens Bürgermeisterin merklich enttäuscht.
Immerhin hatte der Stadtrat mit der Aufnahme des Kulturhauses in das Integrierte Stadtentwicklungsprogramm im Herbst vorigen Jahres dem Kreis das Anzapfen dieser Fördertöpfe überhaupt erst ermöglicht. Kreisentwicklungschefin Gesine Sommer prognostizierte damals, dass Mitte 2004 der Wiederaufbau des beim Brand am 18. Juni 2002 zerstörten Hauses beginne. Passiert ist seither nichts. Nun soll der Kreis die Mittel über ein anderes Förderprogramm beantragen, so Gangloff. Die Förderquote fiele dann freilich um einiges niedriger aus. Beim Stadtumbau Ost wären 100 Prozent subventioniert worden.

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03.09.2004
Görlitz: Deutsche Experten Stadtumbau-Projekte vorbildlich
Der geplante Brückenpark an der Neiße in Görlitz und Zgorzelec ist nach Einschätzung von etwa 80 Städtebau-Experten aus ganz Deutschland ein vorbildliches Projekt für den Stadtumbau. Das sagte gestern der Dessauer Stadtplaner Harald Kegler in Görlitz. Hier hat sich die deutsche Sektion des Council für European Urbanism (CEU) gegründet.
Nach Einschätzung der Planer steht das Thema Stadtumbau nicht nur in Ostdeutschland ganz oben auf der Tagesordnung. „Dabei geht es nicht nur um den Abriss von Plattenbauten“, betonte Harald Kegler, der die Tagung in Görlitz mit organisiert hat. Die klassische Industrie-Stadt verliere an Bedeutung. Das Beispiel Genua, Kulturhauptstadt Europas in diesem Jahr, zeige, wie eine schrumpfende Industriestadt die Krise meistern könne.
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02.09.2004
Eilenburg: Ruinen mit Hilfe von Hartz IV abreißen
Zu Beginn gab es optimistische Worte. Birgit Bendix, Geschäftsführerin der Eilenburger Wohnungsverwaltung (EWV): "In unseren 3000 Wohnungen hatten wir durch die Flut im August 2002 einen Schaden von elf Millionen Euro. Bis Ende des Jahres wird davon nichts mehr zu sehen sein." Dass die EWV dies stemmen konnte, stand nicht von vornherein fest. "Denn wenn wir die 20 Prozent Eigenmittel allein und sofort in Geld hätten aufbringen müssen, wäre das unser Ruin gewesen", weiß Bendix. Für die EWV aber auch die Eilenburger Wohnungsgenossenschaft wurden Regelungen gefunden, die den beiden Unternehmen das Überleben sichern. Dafür gab es für Buttolo und für Henke die Flasche Wein, die nun auf das Wohl der EWV geleert werden kann.
Thema war auch das Stadtumbauprogramm Ost. Buttolo: "Wir haben sachsenweit für 147 Millionen Euro Anträge, aber nur für 77 Euro Mittel. Sie müssen sich also darauf einstellen, dass es nicht für alle abzureißenden Häuser Fördermittel gibt. Es sei deutlich, dass es dort mit dem Stadtumbau klappt, wo sich Bürgermeister und Stadträte intensiv mit dem Stadtumbau auseinandersetzen."
Auch in Sachen innerstädtische Sanierungsgebiete (hier gibt es immer die Drittelteilung der Kosten zwischen Bund, Land und Stadt) drängte Buttolo: "Solange hier für die Ostländer noch etwas mehr Geld da ist, sollten wir die Sanierungsgebiete fertig bekommen. Hier möchte ich die Stadträte ermuntern, nachzuhaken."
Mit einer anderen Überlegung stieß Buttolo sofort auf offene Ohren. "Brachen wie das Eilenburger Baustoffmaschinenwerk am Eilenburger Nordring sind Ruinen, die dem Bund gehören. Man könne versuchen, diese Brachen mit Hartz IV-Arbeitslosen zu räumen." Das wäre, darin war man sich in der Runde einig, für die Kommunen eine enorme Chance in Sachen Stadtentwicklung.

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01.09.2004
Langfristig zahlt sich nur die Erhaltung der Stadtkerne aus
Die historischen Städte der neuen Länder entwickeln sich immer mehr zu Leuchttürmen. Sie sind in den letzten Jahren zu touristischen Anziehungspunkten geworden. Zugleich stärken sie das Selbstbewusstsein der Bürger und deren Verbundenheit mit ihrer Stadt." So predigte es Bundesbauminister Manfred Stolpe zum Auftakt des 12. Kongresses Städtebaulicher Denkmalschutz in Quedlinburg. Und so ist es zur Überlebensformel für Dutzende Städte in den neuen Bundesländern geworden, denen nach dem Wegbrechen der wirtschaftlichen Grundlagen manchmal nur die Hoffnung auf den Tourismus geblieben ist.
Bislang - so Stolpe - habe der Bund für die Erhaltung der historischen Stadtkerne über 1,3 Mrd. Euro bereitgestellt. In diesem Jahr kämen 92 Mio. Euro hinzu. Doch weitere Kraftakte sind nötig. Stadtumbau bedeutet laut Stolpe, "dass wir uns von leer stehenden, auf Dauer nicht mehr benötigten Wohnungen trennen müssen. Stadtumbau bedeutet aber nicht, dass wir wertvolle, das Stadtbild prägende Gebäude opfern sollten. Im Gegenteil: Nur wenn wir die Innenstädte und ihr individuelles Erscheinungsbild erhalten, binden wir die Bürger an ihre Stadt. Nur dann finden die Wohnungsunternehmen auch künftig Mieter."
Die WELT hat einen Blick auf das kleine Ziesar 25 Kilometer vor den Toren von Brandenburg an der Havel geworfen - und Licht und Schatten vorgefunden. 9,3 Mio. Euro Fördermittel aus den Töpfen der Städtebauförderung und des städtebaulichen Denkmalschutzes hat die 3000-Einwohner-Gemeinde empfangen - doch erst 40 Prozent der 1056 Jahre alten Stadt sind saniert. Die verbreitete Meinung, dass das Nötige zur Instandsetzung der mitteldeutschen Städte getan sei, erweist sich als irrig.
Dabei ist Ziesar historisch so bedeutend, dass die Winzlingsstadt sogar schon den Amerikanern aufgefallen ist. So hat der New Yorker "World Monuments Fund" Dollars über den großen Teich geschickt, um bei der Restaurierung der prachtvoll ausgemalten Burgkapelle aus dem 15. Jahrhundert zu helfen. Nur ganz wenige deutsche Kulturstätten sind bisher in den Genuss einer solchen überseeischen Unterstützung gelangt.

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01.09.2004
Rostock: Mit Stadtumbau Unterschiede verringern
In welchem Rostocker Stadtteilen ist der Handlungsbedarf zu Veränderungen am größten? Wo liegen Defizite, wo die Chancen der Hansestadt? In einem Konzept zur Stadtentwicklung, das auf Daten von 2001 bis 2003 basiert, werden Antworten und Alternativen aufgezeigt.
Roland Blank, kaufmännischer Abteilungsleiter bei der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) und Ines Gründel, Leiterin des Bauamtes der Hansestadt, stellten gestern im Bau- und Planungsausschuss Ergebnisse vor. Die Handlungsabsichten zielen darauf, einem "Auseinanderdriften der Stadtteile vorzubeugen", sagte Blank; Mittel auf dem Weg zum Ziel sind auch Abriss und Rückbau von Wohnungen, um mit einer Wohnungsmarktbereinigung höhere Attraktivität und Lebensqualität zu erreichen. Ein Prozess, der in Fluss gekommen ist und durch das spezielle Bundesprogramm Stadtumbau Ost gefördert wird.
Dringender Handlungsbedarf zu Aufwertungen besteht nach der Studie in Toitenwinkel, Groß Klein, Schmarl, Evershagen und Dierkow-Neu. Bis 2009 seien in Rostock noch 2900 Wohnungen abzureißen oder zurückzubauen, berichtete Ines Gründel, dafür wird ein Fördervolumen von etwa 9,7 Millionen Euro bereitgehalten. Noch in diesem Jahr ist der Rückbau/Abriss von 304 Wohnungen vorgesehen. Gerade die hohen Leerstandsquoten in Dierkow-Neu (17,7 Prozent) und Toitenwinkel (13,3 Prozent) zwingen zu diesen Schritten. Auf das gesamte Stadtgebiet berechnet, liegt die Leerstandsquote nur bei 7,9 Prozent, was im Vergleich zu Städten der neuen Länder ein positives Faktum darstellt.
Generell, so hielt es die Bauamtsleiterin fest, nehme die Hansestadt beim Modernisierungsgrad von Plattenwohnbauten mit 81 Prozent in den neuen Bundesländern einen vorderen Platz ein. In Evershagen sei die Leerstandsquote sogar gesunken, was zu bestimmten Teilen den dort neu ausgewiesenen Wohnstandorten zuzuschreiben sei, somit könne der Stadtteil in Kürze vielleicht in die weniger dringliche Kategorie aufrücken. Mit der laufenden Förderung werde sich eine allgemeine Niveauhebung einstellen.
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