Newsticker Archiv September 2005

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27.09.2005
Velten: Ruck für die Innenstadt
Mit einem Ruck von außen soll die Entwicklung der Veltener Innenstadt vorangebracht werden. Und dieser Ruck könnte von einem Innenstadtforum ausgehen, ist Uwe Schieferdecker von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft (BSG), Veltens Sanierungsbeauftragter, überzeugt. Zunächst werde zusammengetragen, welche Potenziale Velten habe, zum Beispiel die grüne Umgebung, den Dorfanger, die günstige Lage zu Berlin. Zum anderen könne man sich auch mal "auskotzen" über das, was in Velten nicht gefalle. Dann würden Forderungen, Träume und Konzepte formuliert. Ja, es sollten durchaus Visionen genannt werden, sagt Schieferdecker, denn man wolle ja eine langfristige Entwicklung abstecken. Insgesamt hat das Vorhaben nichts mit Träumerei zu tun. denn das Land Brandenburg stelle derzeit die Grundlinien für eine Neuausrichtung der Stadtentwicklungspolitik in einem "Masterplan Stadtumbau - Starke Städte" zur Diskussion. Vor diesem Hintergrund seien die Städte angehalten, ihre bisherige Stadtenwicklungspolitik hinsichtlich der gesetzten Prioritäten zu überprüfen. Velten sollte gegenüber dem Land darstellen, was die Stadt wolle und wo ihre Entwicklung hingehen solle.
Denn am Ende der beiden Klausurtagungen sind ein Aktions- und Handlungsplan sowie Finanzierungsmöglichkeiten zu beschließen, die dann auch vom Stadtparlament gebilligt werden müssten, sagt Schieferdecker.
www.maerkischeallgemeine.de

26.09.2005
Salzgitter:  Startschuss mit dem Vorschlaghammer
Putz spritzt nach allen Seiten, als Sven-Thomas Munte mit seinem Vorschlaghammer gegen die Backsteinmauer drischt. "Schon ein komisches Gefühl", sagt Munte, "wenn man das kaputtmacht." Doch das ist nur der Anfang: Bald kommt der Bagger und reißt das ganze Haus Kattowitzer Straße 249 ein.
Munte Immobilien, denen dieses und weitere Häuser im See-Viertel gehören, werden mit diesem Hammerschlag zum Vorreiter einer neuen Form der Stadtentwicklung: dem Gesundschrumpfen. "Es sind zu viele Wohnungen auf dem Markt Salzgitter", sagt Oberbürgermeister Helmut Knebel. "Da war die Frage: Bieten wir leere, gähnende Fenster oder machen wir die Wohnviertel attraktiver?" Die Stadt entschied sich für letzteres und fand in Munte einen couragierten Partner.
Was die Stadt damit zu tun hat? Salzgitter ist eine von 16 Pilotstädten im Programm Stadtumbau West. Bund und Land geben Geld dazu, wenn alternde, schrumpfende Kommunen ihre Wohnquartiere attraktiver machen. Dazu gehört auch der Abriss von in die Jahre gekommenen Hochhäusern wie dem in der Kattowitzer Straße. In dem Haus gibt es 48 2-Zimmer-Wohnungen mit jeweils 50 Quadratmetern Wohnraum. Munte: "Die sind für die einen zu klein und für andere zu groß."
Für ein ganzes Ideen-Paket bekommt Munte 1,6 Millionen Euro aus öffentlichen Geldtöpfen überwiesen: für den Ausbau des Seeviertel-Treffs zu einem "Marktplatz der Kommunikation", die Sanierung des Fußweges zum See und den Abriss insgesamt zweier Häuser (das zweite wird noch nicht benannt). 800 000 Euro stammen vom Bund und jeweils 400 000 vom Land und der Stadt Salzgitter.
Zunächst werden die grauen Eternit-Platten von dem leeren Haus abmontiert, dann die Elektrokabel aus den Wänden gerissen. "Wenn das Haus leer ist", sagt Munte, "kommt der Bagger und knabbert den Rest weg." In spätestens vier Wochen soll der Abriss erledigt sein.
Was die leere Fläche später füllen soll, will Streppel noch nicht im Detail verraten. "Die Nachnutzung wird dem demographischen Wandel in der Stadt gerecht werden", sagt er etwas nebulös. Das lässt nur eine Interpretation zu: In der Kattowitzer Straße wird altersgerechter Wohnraum entstehen. Um diesen Neubau, so Streppel, werde sich ein "Drittinvestor" kümmern. Eines steht jetzt schon fest: "Was hierher kommt, wird viel, viel kleiner sein als das jetzige Hochhaus", sagt Munte.

www.newsclick.de

25.09.2005
Ebern: erhält 120 000 Euro
Die Haßbergstadt gehört zu jenen Kommunen in der Republik, die vom Strukturwandel besonders gebeutelt werden. Das betrifft die Folgen der Auflösung der Bundeswehrkaserne ebenso, wie den Verlust wichtiger Ämter und öffentlicher Einrichtungen. Mit den damit verbundenen Arbeitsplätzen verliert die Stadt an Wirtschaftskraft und Zukunftsperspektive. Zum Ausgleich dieser Verluste beitragen sollen 120 000 Euro beitragen. Sie fließen der Stadt aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ zu, das im vergangenen Jahr erstmals aufgelegt wurde .
In Ebern werden die Mittel insbesondere in den Entwicklungsplan für die Umnutzung des 2004 aufgelösten Bundeswehrstandortes gesteckt. Der Motorpark (neuerdings „Rotapark“) und die Strukturen, die sich in seinem „Windschatten“ entwickeln, sollen langfristig neue Arbeitsplätze schaffen. Ein Schwerpunkt des Programms liegt bei Gemeinden, die mit den städtebaulichen Folgen der Umstrukturierung militärischer Liegenschaften befasst sind. Dazu zählen neben Ebern auch Brannenburg, Rottenburg/Laaber, Kötzting, Neunburg vorm Wald, Schwabach, Mellrichstadt und Leipheim.

www.fraenkischer-tad.de

24.09.2005
Oschatz: "Sieht aus wie bei Humpelhans"
Ziel der Entwicklung ist laut Stephan, Lonnewitz zu einem "attraktiven dörflich geprägten Wohnstandort in günstiger Lage zum Stadtzentrum Oschatz" zu entwickeln. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Wie viele andere ländlich geprägte Ortschaften leidet auch Lonnewitz unter Einwohnerschwund und daraus resultierend unter Wohnungsleerstand.
Seit 1990 ist die Zahl der Einwohner von 517 auf 389 gesunken, jede fünfte Wohnung steht leer. "Probleme mit Leerstand gibt es fast ausschließlich in den Geschosswohnungsbauten", wies Yvonne Stephan auf eine Besonderheit hin. Konsequenz:In den nächsten beiden Jahren sollen Wohnhäuser Am Volksplatz 4 (2006) sowie in der Bornaer Straße 3, in der Ernst-Schneller-Straße 2 - 4 und der Ernst-Thälmann-Straße 7 c - d (2007) abgerissen werden. Zudem sollen die Ortsränder begrünt werden. Das Stadtentwicklungskonzept muss am kommenden Donnerstag noch vom Stadtrat beschlossen werden. Wird es dann vom Sächsischen Innenministerium akzeptiert, kann die Kommune auf Fördergelder hoffen.
Und was wünschen sich die Lonnewitzer für ihren Ort? "Für mich ist es unverständlich, warum der Eigentümer der Gaststätte nicht dazu gezwungen werden kann, sein Grundstück in Ordnung zu halten. Das sieht aus wie bei Humpelhans", sagte Stefan Höschler. OBM Kretschmar entgegnete, dass es zwar die Möglichkeit gebe, mit Bußgeldbescheiden oder einer Zwangshypothek Druck zu machen. "Doch ist mit einem Riesenaufwand verbunden", sagte er.

www.lvz-online.de

21.09.2005
Lorch: Regionalpark als Chance
Allein die Diskussionen über die Rheinbrücke zeigt der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG), das alle sieben Rheingauer Kommunen beim besten Willen nicht unter einen Hut zu bringen sind. Für Lorch sei die Verbindung über den Strom "lebensnotwendig". Andere Städte, die erhöhtes Verkehrsaufkommen befürchten, interessiert die Brücke nämlich überhaupt nicht. Ist der Regionalpark beschlossene Sache, befürchten die Freien Wähler noch mehr solche Dispute. Und schlimmer: "Dann geben wir jährlich eine Umlage von 26000 Euro aus und haben vom Regionalpark rein gar nichts."
Unterdessen initiierte der Geisenheimer Bürgermeister Manfred Federhen einen Vorstoß in Sachen interkommunaler Wirtschaftsförderung. Dem hessischen Wirtschaftsministerium liegt inzwischen ein Antrag aller sieben Städte für das Förderprogramm "Stadtumbau in Hessen" vor (siehe oben stehenden Artikel). Wie der Geisenheimer Standort-Manager Klaus Großmann erklärt, sollen vor allem die Rheingauer Gewerbeflächen gemeinsam vermarktet werden. Anfang November entscheidet das Ministerium über die Verteilung der Mittel in Höhe von sechs Millionen Euro. Das Interesse der Städte ist groß. Ministeriums-Pressesprecher Clemens Christmann: "126 Kommunen sind im Rennen."
www.wiesbadener-kurier.de

17.09.2005
Wittenberg: Neues Gewände fürs alte Haus
Vor dem Rathaus steht im Regen des ersten fiesen Herbsttages Gabriela Günther. Sie ist die Chefin des Gebäudemanagements der Lutherstadt, und sie hat die Fakten zu den Dingen, die sich da hinter den Planen zutragen (und noch zutragen sollen). Bürokratisch gesprochen handelt es sich um den 3. Bauabschnitt der Arbeiten am Alten Rathaus, das in den zurückliegenden Jahren bereits im Inneren komplett saniert worden ist. Nun ist die Außenhaut dran: das Dach, die Fassade und eben das Portal. 360 000 Euro sind veranschlagt aus dem Programm Stadtumbau Ost, es ist die übliche Drittelfinanzierung und, Frau Günther macht keinen Hehl daraus, so etwas wie die letzte Gelegenheit, das herausragende profane Schaustück der Altstadt auf Vordermann zu bringen. Begonnen haben die Arbeiten vor zehn Tagen, am 7. September, da rückten die Gerüstbauer an.
Auch wenn die Wittenberger Öffentlichkeit nach Abschluss der Arbeiten ihr Rathaus zweifellos noch wiederkennen wird: Es wird ein wenig anders aussehen als zuvor. Da ist zunächst das teils undichte Dach, das rote Biberschwänze aufgelegt bekommt, optisch ein Novum, denn in den alten, einmal ebenfalls roten, steckt das Dunkel von Jahrzehnten. Zu diesem Zweck wird laut Gabriela Günther am 20. September ein Kran aufgebaut, einen Tag später sollen dann die Dacharbeiten beginnen. In diesem Zusammenhang wird ein überflüssiger Schornstein entfernt und auch allerlei Schutt entsorgt, der sich von vorangegangenen Bauarbeiten dort oben befinden soll.
www.mz-web.de

16.09.2005
Wiedergeburt der DDR-Platte
Gebrauchte Plattenbauteile aus DDR-Produktion sind nach Ansicht von Bundesbauminister Manfred Stolpe der als ihr Ruf. Er sprach sich deshalb am Donnerstag in Berlin dafür aus, die Platte wiederzuverwenden. Die Platte eigne sich hervorragend für den Bau von Einfamilienhäusern. In Schildow (Oberhavel) entsteht derzeit erstmals ein entsprechender Rohbau aus gebrauchten Plattenbauteilen. Auch russische Investoren zeigten Interesse an der alten DDR-Platte.
Die Teile seien von hoher Qualität und hätten noch eine Lebensdauer von etwa 80 Jahren, sagte der Minister. Das Material in Schildow stamme aus dem Rückbau im Rahmen des Stadtumbau Ost. Beim Hausbau mit Platten entstünden Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent.
Eine Delegation aus Russland besuchte nach Angaben des Berliner Ministeriums am Donnerstag den Rohbau in Schildow. Es gebe Überlegungen Plattenbauteile aus küstennahen Gebäuden über den Seeweg nach St. Petersburg zu schaffen, um sie dort für den Wohnungsbau zu verwenden. Im Gespräch seien bis zu 240 000 Quadratmeter Wohnfläche.
«Wir können die Ergebnisse der Gespräche nicht vorwegnehmen», sagte Stolpe. Es sehe aber ganz so aus, als ob der ostdeutsche Plattenbau nach 15 Jahren «in völlig neuer und moderner Form vor einem Comeback» stehe.
www.mz-web.de

15.09.2005
Sachsen-Anhalt: 22 000 leer stehende Wohnungen abgerissen
Bei der Verringerung des Wohnungsleerstandes in Sachsen-Anhalt sind nach Ansicht von Bauminister Karl-Heinz Daehre in den zurückliegenden Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden. Bislang seien 22 000 leer stehende Wohnungen vom Markt genommen worden, sagte der Minister am Mittwoch auf dem Verbandstag der Wohnungsverbände in Magdeburg. Zugleich warnte er davor, in den Bemühungen um die Verringerung des strukturellen Wohnungsleerstands nachzulassen. Er verwies auf die noch immer anhaltende Abwanderung. Es liege daher auch im wirtschaftlichen Interesse der Wohnungsunternehmen, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Nach Auskunft von Daehre wurden den 43 am Programm «Stadtumbau Ost» beteiligten Kommunen des Landes seit 2002 insgesamt rund 192 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln für den Stadtumbau zur Verfügung gestellt. Von diesen Mitteln wurden zwei Drittel (etwa 127 Millionen Euro) für den Abriss und ein Drittel (etwa 65 Millionen Euro) für die Aufwertung eingesetzt.
www.mz-web.de

12.09.2005
Sachsen-Anhalt: In Modernisierung kräftig investiert
Sachsen-Anhalts Wohnungen haben nach Einschätzung der beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände 15 Jahre nach der deutschen Einheit zu großen Teilen den Standard der alten Bundesländer erreicht. In einigen Bereichen werde das Niveau sogar übertroffen, schätzten der Verband der Wohnungsgenossenschaften und der Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt gestern im Vorfeld ihres Verbandstages 2005 in Magdeburg. Seit 1990 seien 13 Milliarden Euro in Modernisierung und Instandsetzung investiert worden. Beide Verbände mit insgesamt 250 Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften bewirtschaften mit etwa 434 000 Wohnungen 70 Prozent des Bestandes im Land. „Das Programm Stadtumbau bleibt ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren“, sagte Jost Riecke, Vorstand des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. So werden die Unternehmen bis 2009 etwa 60 000 bis 65 000 leer stehende Wohnungen vom Markt genommen haben. Bislang seien 20 000 leer stehende Wohnungen angerissen worden. Weitere 1, 2 Milliarden Euro sollen in die Entwicklung des Bestandes investiert werden. Die Verbände dringen mit Blick auf die demografi sche Entwicklung auf Tempo. Riecke sprach von einer latenten Gefahr eines weiter wachsenden Leerstandes. Er liege nach Schätzungen im Land gegenwärtig bei 210 000 Wohnungen. Gefordert seien nun verstärkt private Eigentümer, sich in den Stadtumbau einzubringen. Die Politik müsse auch bessere Förderbedingungen schaffen.
„Die Rahmenbedingungen für den Stadtumbau müssen weiter verbessert werden, pflichtete ihm Ronald Meißner, Vorstand des Verbandes der Wohngenossenschaften Sachsen-Anhalt, bei. Dazu gehörten der weitere Abbau des Verwaltungsaufwandes beim Stadtumbau und die Bündelung von Förderprogrammen.
Meißner wertete die Fortschritte bei der Sanierung von Gebäuden speziell aus den 50 er und 60 er Jahren positiv. Die 250 Wohnungsunternehmen zwischen Altmark und Burgenland hätten dabei Beachtliches geleistet. Insgesamt flossen in den vergangenen 15 Jahren über 13 Milliarden Euro vorwiegend in die Modernisierung und Instandsetzung der Bestände. 330 000 Wohnungen profitierten von dieser Kraftanstrengung.
Die Wohnungsunternehmen spürten, dass sich die fi nanzielle Situation vieler Mieter deutlich verschlechtert habe, sagte Riecke. Er erwartet zudem einen Anstieg bei den Betriebskosten. Dazu komme, dass Empfänger des Arbeitslosengeldes II oft nicht mehr in der Lage sind, ihren Mietverpfl ichtungen nachzukommen, da die Kosten mitunter nur teilweise erstattet werden.

www.volksstimme.de

09.09.2005
Sachsen kämpft gegen wachsenden Leerstand
Sachsen läuft wie andere ostdeutsche Bundesländer dem Wohnungsleerstand hinterher. Trotz gezielten Rückbaus muß der Freistaat ab 2010 mit immer mehr leeren Wohnungen rechnen.
"Wenn das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" 2009 ausläuft, verschärft sich das Problem vielerorts", sagte der Chef des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger. Die Abrißquoten hielten den Trend nicht auf. "Die Politik muß umsteuern. Andernfalls droht ein verheerender Verfall."
Nach Ansicht Viehwegers geht die bisherige Förderpolitik zunehmend an der Realität vorbei. "Unsere Gesetze und Richtlinien sind auf Expansion ausgerichtet. Was wir brauchen, ist aber eine Konzentration auf den Erhalt der Städte."
Statt per Eigenheimzulage den Häuslebauer auf der grünen Wiese zu unterstützen, sollte das Wohneigentum in den Zentren der Kommunen gefördert werden. Dabei müsse der Rückbau an geeigneten Stellen mit der Modernisierung vorhandener Bausubstanz einhergehen: "Das Wohnen in der Stadt soll attraktiv sein."
"Weiter Eigenheime außerhalb zu bauen, ist umweltpolitisch sinnlos. Bei steigenden Benzinpreisen und einem möglichen Wegfall von Eigenheimzulage und Pendlerpauschale werden immer mehr Betroffene in finanzielle Zwänge geraten", sagte Viehweger. Allerdings vollziehe sich der Bewußtseinswandel nur schleppend. Der Leitspruch "my home is my castle" habe sich über die Jahrhunderte geformt. "Jeder will ein Stück Scholle, das bekommt man nicht so einfach raus aus den Leuten."
Zahlen belegen das ganze Ausmaß der Misere. Momentan stehen in Sachsen rund 400 000 Wohnungen leer - 17 Prozent des Bestandes. "Vor allem in früheren Industriegebieten, aber auch im Vogtland gibt es mancherorts einen Leerstand von 30 Prozent", sagte Viehweger. Dabei habe Sachsen in den vergangenen fünf Jahren bereits 40 000 Wohnungen abgerissen. Bis 2015 sollen insgesamt 250 000 verschwinden. "Dazu brauchen wir viel Geld. Der Abriß von 10 000 Wohnungen kostet 36 Mi0. Euro." Dennoch gebe es keine Alternative: "Die Förderung für den Stadtumbau muß weitergehen - auch nach 2009."

www.welt.de

07.09.2005
Leipziger Software für schrumpfende Städte
Leipziger Forscher wollen mittels einer Software das Problem der schrumpfenden Städte in den Griff bekommen und Ansatzpunkte für den Stadtumbau liefern. Die Universität Leipzig hat in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp einer Million Euro geförderten Projekt die Gesamtkoordination übernommen. Besonders Klein- und Mittelstädte sollen von dem so genannten Monitoring profitieren.
"Unser Softwareprogramm ist für alle Kommunen von Interesse und wichtig, da die Transformationsprozesse überall in gravierendem Maße stattfinden", sagt Stadtplanerin Dr. Silke Weidner von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Ziel sei die Entwicklung eines Frühindikationssystems, das durch die Verknüpfung von Indikatoren Wirkungszusammenhänge erschließt und den Blick in die Zukunft erlaubt, sagte Weidner im Zusammenhang mit einem Kongress. Der Kongress für Stadterneuerung und Stadtumbau findet vom 12. bis 14. September in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig statt. Die Veranstaltung fokussiert auf Leipzig, das im Stadtumbau als Labor unter realen Bedingungen gilt, denn hier werden neue Wege zur Revitalisierung von Altbaugebieten, zur Weiterentwicklung von Großsiedlungen, zum Umgang mit Leerstand, zur Reaktion auf strukturelle sowie demografische Veränderungsprozesse erprobt.
Nach Aussagen von Weidner sei gerade in Ostdeutschland lange Zeit nur reaktiv auf die Schrumpfungs- und damit Verwaisungsprozesse von Stadtteilen reagiert worden. "Schon in den 1990er Jahren hätte man vielerorts feststellen können, dass das Wachstum nicht der realen Nachfrage entspricht - man hat aber weiter dafür geplant und gebaut." In den alten Bundesländern, auch wenn dort die Probleme noch nicht derart gravierend seien, bestehe ebenfalls die Möglichkeit, ja Notwendigkeit zum Handeln im Sinne der Stadterneuerung. "Dafür wäre unser Frühindikations- und Kontrollsystem bestens geeignet", sagt Weidner zur Halbzeit des dreijährigen Projekts. Der praktische Einsatz soll in der letzten Phase an Forst in der Lausitz erprobt werden. Die bereits bestehenden Erfahrungen ausländischer Nachbarn sollen darüber hinaus in das Projekt einfließen.
www.freiepresse.de

05.09.2005
Eisenhüttenstadt: Abriss allein reicht nicht
In der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" wird Eisenhüttenstadt reduziert auf eine schrumpfende Stadt, in der desillusionierte, übellaunige Leute zwischen Abrissgebieten wohnen. Kein Wort davon, dass die Stadt sich diesem Schicksal nicht ergeben hat, auch wenn fast 20.000 Menschen Eisenhüttenstadt verlassen haben und rund 30 Prozent aller Wohnung der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (Gewi) leer stehen. Mit dem Projekt 2030 oder mit dem Stadtumbaukonzept kämpft die Stadt schon länger gegen den Bevölkerungsverlust an, auch wenn die Ergebnisse umstritten sind, weil viele Eisenhüttenstädter nicht verstehen, weshalb Wohnungen mit Zentralheizung abgerissen und dafür alter Wohnraum mit Ofenheizung renoviert wird oder weshalb es trotz des hohen Leerstandes gerade Familien schwer haben, ihren Bedürfnissen entsprechenden, bezahlbaren Wohnraum zu finden.  Perske erklärte, das Eisenhüttenstädter Konzept sei von der Fachwelt anerkannt, denn es setzte keineswegs nur auf Abriss. Gleichzeitig habe es im Stadtgebiet eine Vielzahl von Aufwertungen gegeben. Als Beispiel nannte er das großflächig restaurierte Sanierungsgebiet Fürstenberg, das den VI. Wohnkomplex betreffende Projekt "Zukunft im Stadtteil" oder die umfangreiche Sanierung im Bereich des Flächendenkmals. Perske räumte aber auch ein, dass das Gebiet, von dem der WK VII Süd weggeräumt wird, leer bleibe. Er sprach von Renaturierung. Die Fläche des WK VII Nord sei für Eigenheime und Doppelhäuser vorgesehen. Zu günstigen Preisen soll hier gebaut werden können. Auch wenn die Sanierungen im Denkmalbereich von verschiedenen Seiten positiv bewertet würden, habe sie die Stadt und ihre Gewi vor erhebliche finanzielle Probleme gestellt. Weil die Wohnungen im Flächendenkmal unter Auflagen der Denkmalschützer renoviert werden mussten, lagen nach Aussagen von Wolfgang Perske die Mehrkosten bei 20 bis 40 Prozent. Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass die Sanierungen so kostenintensiv seien, dass die Mieten sie nicht decken würden. Dellmann forderte deshalb, weiter über den Denkmalschutz nachzudenken, auch wenn sich die Situation für die Denkmaleigentümer in Brandenburg bereits verbessert habe. So können Denkmale nun abgerissen werden, wenn sie nicht wirtschaftlich seien.
Märkische Oderzeitung

01.09.2005
Die Abrißwelle erreicht den Westen Deutschlands
Nicht nur im Osten Deutschlands rollt die Abrißwelle - auch der Westen zieht nach. Denn in beiden Teilen des Landes muß sich der Stadtumbau an unabänderlichen Fakten orientieren: Deutschlands Bevölkerung schrumpft dramatisch. Nicht mehr vermietbare Wohnungsbestände müssen vom Markt genommen werden.
Hans-Dieter Krupinski, Ministerialdirigent im nordrhein-westfälischen Ministerium für Städtebau, sieht die Lösung in der klaren Orientierung der Kommunen auf die Innenstadtentwicklung. Die Zeit der "hochgeschossigen Trabantenstädte, Wohnhochhäuser und industriell vorgefertigten Plattenbauweisen" sei im Westen genauso abgelaufen wie im Osten.
In seiner Begründung hebt der langjährige Steuermann der Wohnungspolitik im bevölkerungsreichsten Bundesland die "Familienfeindlichkeit" der Großwohnanlagen hervor: "Im Gegensatz zum mehrgeschossigen Wohnungsbau, bei dem sich überschaubare Haus- und Wohngemeinschaften von acht bis zwölf Mieterhaushalten je Treppenhaus bilden, entsteht bei einer Hochhausbebauung eine wohnungswirtschaftliche Großform, bei der sich 60-120 Mieterhaushalte um das Erschließungssystem eines Treppenhauses gruppieren. Bei diesen entfällt die soziale Kontrolle durch das nachbarschaftliche Engagement. Die Wohnatmosphäre in diesen Gebäudekomplexen ist vielfach durch ein hohes Maß an Anonymität gekennzeichnet und begünstigt kriminelle Aktivitäten." Zu den laut Krupinski nicht mehr marktgerechten Besonderheiten von Hochhauswohnanlagen zählen die "deutlich höheren Betriebs- und Instandsetzungskosten", die verlängerten Wegebeziehungen für die Bewohner, der Beitrag dieser Siedlungsform zur Zersiedlung der Landschaft sowie ihre hohe Lärmanfälligkeit auf Grund der Offenheit nach allen Himmelsrichtungen. Aus all diesen Gründen habe sich die anfangs heftig umstrittene Beschränkung des öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus auf eine maximal viergeschossige Bebauung in Nordrhein-Westfalen bewährt.
Ein Beispiel für das Umdenken präsentierte jetzt der Neusser Bauverein. Ein achtgeschossiger Wohnkoloß an der Weckhovener Straße wird abgerissen, das Grundstück parzelliert und vom Kölner Architekten Ulrich Böttger mit abwechslungsreich gestalteten Eigenheimen und drei Stadthäusern bebaut.
Die Kalkulation der Gesellschaft zielt auf Familien mit einem Flächenbedarf, der in Etagenwohnungen kaum noch befriedigt werden kann. Obwohl keinerlei Fördermittel in Anspruch genommen werden konnten, werden die bis zu 130 qm großen Eigenheime für 225 000 bis 250 000 Euro angeboten. Der Anpassungsdruck zwingt die Gesellschaft zu Zugeständnissen: Rund 400 000 Euro Kosten bleiben an dem Unternehmen hängen.

www.welt.de