Newsticker Archiv September 2005
27.09.2005
Velten: Ruck für die Innenstadt
Mit einem Ruck von außen soll die Entwicklung der Veltener
Innenstadt vorangebracht werden. Und dieser Ruck könnte von einem
Innenstadtforum ausgehen, ist Uwe Schieferdecker von der Brandenburgischen
Stadterneuerungsgesellschaft (BSG), Veltens Sanierungsbeauftragter, überzeugt.
Zunächst werde zusammengetragen, welche Potenziale Velten habe, zum Beispiel die
grüne Umgebung, den Dorfanger, die günstige Lage zu Berlin. Zum anderen könne
man sich auch mal "auskotzen" über das, was in Velten nicht gefalle. Dann würden
Forderungen, Träume und Konzepte formuliert. Ja, es sollten durchaus Visionen
genannt werden, sagt Schieferdecker, denn man wolle ja eine langfristige
Entwicklung abstecken. Insgesamt hat das Vorhaben nichts mit Träumerei zu tun.
denn das Land Brandenburg stelle derzeit die Grundlinien für eine Neuausrichtung
der Stadtentwicklungspolitik in einem "Masterplan Stadtumbau - Starke Städte"
zur Diskussion. Vor diesem Hintergrund seien die Städte angehalten, ihre
bisherige Stadtenwicklungspolitik hinsichtlich der gesetzten Prioritäten zu
überprüfen. Velten sollte gegenüber dem Land darstellen, was die Stadt wolle und
wo ihre Entwicklung hingehen solle.
Denn am Ende der beiden Klausurtagungen sind ein Aktions-
und Handlungsplan sowie Finanzierungsmöglichkeiten zu beschließen, die dann auch
vom Stadtparlament gebilligt werden müssten, sagt Schieferdecker.
www.maerkischeallgemeine.de
26.09.2005
Salzgitter: Startschuss mit dem
Vorschlaghammer
Putz spritzt nach allen Seiten, als Sven-Thomas Munte mit
seinem Vorschlaghammer gegen die Backsteinmauer drischt. "Schon ein komisches
Gefühl", sagt Munte, "wenn man das kaputtmacht." Doch das ist nur der Anfang:
Bald kommt der Bagger und reißt das ganze Haus Kattowitzer Straße 249 ein.
Munte Immobilien, denen dieses und weitere Häuser im See-Viertel gehören, werden
mit diesem Hammerschlag zum Vorreiter einer neuen Form der Stadtentwicklung: dem
Gesundschrumpfen. "Es sind zu viele Wohnungen auf dem Markt Salzgitter", sagt
Oberbürgermeister Helmut Knebel. "Da war die Frage: Bieten wir leere, gähnende
Fenster oder machen wir die Wohnviertel attraktiver?" Die Stadt entschied sich
für letzteres und fand in Munte einen couragierten Partner.
Was die Stadt damit zu tun hat? Salzgitter ist eine von 16 Pilotstädten im
Programm Stadtumbau West. Bund und Land geben Geld dazu, wenn alternde,
schrumpfende Kommunen ihre Wohnquartiere attraktiver machen. Dazu gehört auch
der Abriss von in die Jahre gekommenen Hochhäusern wie dem in der Kattowitzer
Straße. In dem Haus gibt es 48 2-Zimmer-Wohnungen mit jeweils 50 Quadratmetern
Wohnraum. Munte: "Die sind für die einen zu klein und für andere zu groß."
Für ein ganzes Ideen-Paket bekommt Munte 1,6 Millionen Euro aus öffentlichen
Geldtöpfen überwiesen: für den Ausbau des Seeviertel-Treffs zu einem "Marktplatz
der Kommunikation", die Sanierung des Fußweges zum See und den Abriss insgesamt
zweier Häuser (das zweite wird noch nicht benannt). 800 000 Euro stammen vom
Bund und jeweils 400 000 vom Land und der Stadt Salzgitter.
Zunächst werden die grauen Eternit-Platten von dem leeren Haus abmontiert, dann
die Elektrokabel aus den Wänden gerissen. "Wenn das Haus leer ist", sagt Munte,
"kommt der Bagger und knabbert den Rest weg." In spätestens vier Wochen soll der
Abriss erledigt sein.
Was die leere Fläche später füllen soll, will Streppel noch nicht im Detail
verraten. "Die Nachnutzung wird dem demographischen Wandel in der Stadt gerecht
werden", sagt er etwas nebulös. Das lässt nur eine Interpretation zu: In der
Kattowitzer Straße wird altersgerechter Wohnraum entstehen. Um diesen Neubau, so
Streppel, werde sich ein "Drittinvestor" kümmern. Eines steht jetzt schon fest:
"Was hierher kommt, wird viel, viel kleiner sein als das jetzige Hochhaus", sagt
Munte.
www.newsclick.de
25.09.2005
Ebern: erhält 120 000 Euro
Die Haßbergstadt gehört zu jenen Kommunen in der Republik,
die vom Strukturwandel besonders gebeutelt werden. Das betrifft die Folgen der
Auflösung der Bundeswehrkaserne ebenso, wie den Verlust wichtiger Ämter und
öffentlicher Einrichtungen. Mit den damit verbundenen Arbeitsplätzen verliert
die Stadt an Wirtschaftskraft und Zukunftsperspektive. Zum Ausgleich dieser
Verluste beitragen sollen 120 000 Euro beitragen. Sie fließen der Stadt aus dem
Förderprogramm „Stadtumbau West“ zu, das im vergangenen Jahr erstmals aufgelegt
wurde .
In Ebern werden die Mittel insbesondere in den Entwicklungsplan für die
Umnutzung des 2004 aufgelösten Bundeswehrstandortes gesteckt. Der Motorpark
(neuerdings „Rotapark“) und die Strukturen, die sich in seinem „Windschatten“
entwickeln, sollen langfristig neue Arbeitsplätze schaffen. Ein Schwerpunkt des
Programms liegt bei Gemeinden, die mit den städtebaulichen Folgen der
Umstrukturierung militärischer Liegenschaften befasst sind. Dazu zählen neben
Ebern auch Brannenburg, Rottenburg/Laaber, Kötzting, Neunburg vorm Wald,
Schwabach, Mellrichstadt und Leipheim.
www.fraenkischer-tad.de
24.09.2005
Oschatz: "Sieht aus wie bei
Humpelhans"
Ziel der Entwicklung ist laut Stephan,
Lonnewitz zu einem "attraktiven dörflich geprägten Wohnstandort in günstiger
Lage zum Stadtzentrum Oschatz" zu entwickeln. Doch bis dahin ist es ein weiter
Weg. Wie viele andere ländlich geprägte Ortschaften leidet auch Lonnewitz unter
Einwohnerschwund und daraus resultierend unter Wohnungsleerstand.
Seit 1990 ist die Zahl der Einwohner von 517 auf 389 gesunken, jede fünfte
Wohnung steht leer. "Probleme mit Leerstand gibt es fast ausschließlich in den
Geschosswohnungsbauten", wies Yvonne Stephan auf eine Besonderheit hin.
Konsequenz:In den nächsten beiden Jahren sollen Wohnhäuser Am Volksplatz 4
(2006) sowie in der Bornaer Straße 3, in der Ernst-Schneller-Straße 2 - 4 und
der Ernst-Thälmann-Straße 7 c - d (2007) abgerissen werden. Zudem sollen die
Ortsränder begrünt werden. Das Stadtentwicklungskonzept muss am kommenden
Donnerstag noch vom Stadtrat beschlossen werden. Wird es dann vom Sächsischen
Innenministerium akzeptiert, kann die Kommune auf Fördergelder hoffen.
Und was wünschen sich die Lonnewitzer für ihren Ort? "Für mich ist es
unverständlich, warum der Eigentümer der Gaststätte nicht dazu gezwungen werden
kann, sein Grundstück in Ordnung zu halten. Das sieht aus wie bei Humpelhans",
sagte Stefan Höschler. OBM Kretschmar entgegnete, dass es zwar die Möglichkeit
gebe, mit Bußgeldbescheiden oder einer Zwangshypothek Druck zu machen. "Doch ist
mit einem Riesenaufwand verbunden", sagte er.
www.lvz-online.de
21.09.2005
Lorch: Regionalpark als Chance
Allein die Diskussionen über die Rheinbrücke zeigt der
Freien Wähler Gemeinschaft (FWG), das alle sieben Rheingauer Kommunen beim
besten Willen nicht unter einen Hut zu bringen sind. Für Lorch sei die
Verbindung über den Strom "lebensnotwendig". Andere Städte, die erhöhtes
Verkehrsaufkommen befürchten, interessiert die Brücke nämlich überhaupt nicht.
Ist der Regionalpark beschlossene Sache, befürchten die Freien Wähler noch mehr
solche Dispute. Und schlimmer: "Dann geben wir jährlich eine Umlage von 26000
Euro aus und haben vom Regionalpark rein gar nichts."
Unterdessen initiierte der Geisenheimer Bürgermeister Manfred Federhen einen
Vorstoß in Sachen interkommunaler Wirtschaftsförderung. Dem hessischen
Wirtschaftsministerium liegt inzwischen ein Antrag aller sieben Städte für das
Förderprogramm "Stadtumbau in Hessen" vor (siehe oben stehenden Artikel). Wie
der Geisenheimer Standort-Manager Klaus Großmann erklärt, sollen vor allem die
Rheingauer Gewerbeflächen gemeinsam vermarktet werden. Anfang November
entscheidet das Ministerium über die Verteilung der Mittel in Höhe von sechs
Millionen Euro. Das Interesse der Städte ist groß. Ministeriums-Pressesprecher
Clemens Christmann: "126 Kommunen sind im Rennen."
www.wiesbadener-kurier.de
17.09.2005
Wittenberg: Neues Gewände fürs alte Haus
Vor dem Rathaus steht im Regen des ersten fiesen
Herbsttages Gabriela Günther. Sie ist die Chefin des Gebäudemanagements der
Lutherstadt, und sie hat die Fakten zu den Dingen, die sich da hinter den Planen
zutragen (und noch zutragen sollen). Bürokratisch gesprochen handelt es sich um
den 3. Bauabschnitt der Arbeiten am Alten Rathaus, das in den zurückliegenden
Jahren bereits im Inneren komplett saniert worden ist. Nun ist die Außenhaut
dran: das Dach, die Fassade und eben das Portal. 360 000 Euro sind veranschlagt
aus dem Programm Stadtumbau Ost, es ist die übliche Drittelfinanzierung und,
Frau Günther macht keinen Hehl daraus, so etwas wie die letzte Gelegenheit, das
herausragende profane Schaustück der Altstadt auf Vordermann zu bringen.
Begonnen haben die Arbeiten vor zehn Tagen, am 7. September, da rückten die
Gerüstbauer an.
Auch wenn die Wittenberger Öffentlichkeit nach Abschluss der Arbeiten ihr
Rathaus zweifellos noch wiederkennen wird: Es wird ein wenig anders aussehen als
zuvor. Da ist zunächst das teils undichte Dach, das rote Biberschwänze aufgelegt
bekommt, optisch ein Novum, denn in den alten, einmal ebenfalls roten, steckt
das Dunkel von Jahrzehnten. Zu diesem Zweck wird laut Gabriela Günther am 20.
September ein Kran aufgebaut, einen Tag später sollen dann die Dacharbeiten
beginnen. In diesem Zusammenhang wird ein überflüssiger Schornstein entfernt und
auch allerlei Schutt entsorgt, der sich von vorangegangenen Bauarbeiten dort
oben befinden soll.
www.mz-web.de
16.09.2005
Wiedergeburt der DDR-Platte
Gebrauchte Plattenbauteile aus DDR-Produktion sind nach
Ansicht von Bundesbauminister Manfred Stolpe der als ihr Ruf. Er sprach sich
deshalb am Donnerstag in Berlin dafür aus, die Platte wiederzuverwenden. Die
Platte eigne sich hervorragend für den Bau von Einfamilienhäusern. In Schildow (Oberhavel)
entsteht derzeit erstmals ein entsprechender Rohbau aus gebrauchten
Plattenbauteilen. Auch russische Investoren zeigten Interesse an der alten
DDR-Platte.
Die Teile seien von hoher Qualität und hätten noch eine Lebensdauer von etwa 80
Jahren, sagte der Minister. Das Material in Schildow stamme aus dem Rückbau im
Rahmen des Stadtumbau Ost. Beim Hausbau mit Platten entstünden Kostenvorteile
von bis zu 30 Prozent.
Eine Delegation aus Russland besuchte nach Angaben des Berliner Ministeriums am
Donnerstag den Rohbau in Schildow. Es gebe Überlegungen Plattenbauteile aus
küstennahen Gebäuden über den Seeweg nach St. Petersburg zu schaffen, um sie
dort für den Wohnungsbau zu verwenden. Im Gespräch seien bis zu 240 000
Quadratmeter Wohnfläche.
«Wir können die Ergebnisse der Gespräche nicht vorwegnehmen», sagte Stolpe. Es
sehe aber ganz so aus, als ob der ostdeutsche Plattenbau nach 15 Jahren «in
völlig neuer und moderner Form vor einem Comeback» stehe.
www.mz-web.de
15.09.2005
Sachsen-Anhalt: 22 000 leer stehende Wohnungen
abgerissen
Bei der Verringerung des Wohnungsleerstandes in
Sachsen-Anhalt sind nach Ansicht von Bauminister Karl-Heinz Daehre in den
zurückliegenden Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden. Bislang seien 22
000 leer stehende Wohnungen vom Markt genommen worden, sagte der Minister am
Mittwoch auf dem Verbandstag der Wohnungsverbände in Magdeburg. Zugleich warnte
er davor, in den Bemühungen um die Verringerung des strukturellen
Wohnungsleerstands nachzulassen. Er verwies auf die noch immer anhaltende
Abwanderung. Es liege daher auch im wirtschaftlichen Interesse der
Wohnungsunternehmen, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Nach
Auskunft von Daehre wurden den 43 am Programm «Stadtumbau Ost» beteiligten
Kommunen des Landes seit 2002 insgesamt rund 192 Millionen Euro an Bundes- und
Landesmitteln für den Stadtumbau zur Verfügung gestellt. Von diesen Mitteln
wurden zwei Drittel (etwa 127 Millionen Euro) für den Abriss und ein Drittel
(etwa 65 Millionen Euro) für die Aufwertung eingesetzt.
www.mz-web.de
12.09.2005
Sachsen-Anhalt: In Modernisierung kräftig
investiert
Sachsen-Anhalts Wohnungen haben nach Einschätzung der
beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände 15 Jahre nach der deutschen Einheit zu
großen Teilen den Standard der alten Bundesländer erreicht. In einigen Bereichen
werde das Niveau sogar übertroffen, schätzten der Verband der
Wohnungsgenossenschaften und der Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt
gestern im Vorfeld ihres Verbandstages 2005 in Magdeburg. Seit 1990 seien 13
Milliarden Euro in Modernisierung und Instandsetzung investiert worden. Beide
Verbände mit insgesamt 250 Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften
bewirtschaften mit etwa 434 000 Wohnungen 70 Prozent des Bestandes im Land. „Das
Programm Stadtumbau bleibt ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren“, sagte Jost
Riecke, Vorstand des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. So werden
die Unternehmen bis 2009 etwa 60 000 bis 65 000 leer stehende Wohnungen vom
Markt genommen haben. Bislang seien 20 000 leer stehende Wohnungen angerissen
worden. Weitere 1, 2 Milliarden Euro sollen in die Entwicklung des Bestandes
investiert werden. Die Verbände dringen mit Blick auf die demografi sche
Entwicklung auf Tempo. Riecke sprach von einer latenten Gefahr eines weiter
wachsenden Leerstandes. Er liege nach Schätzungen im Land gegenwärtig bei 210
000 Wohnungen. Gefordert seien nun verstärkt private Eigentümer, sich in den
Stadtumbau einzubringen. Die Politik müsse auch bessere Förderbedingungen
schaffen.
„Die Rahmenbedingungen für den Stadtumbau müssen weiter verbessert werden,
pflichtete ihm Ronald Meißner, Vorstand des Verbandes der Wohngenossenschaften
Sachsen-Anhalt, bei. Dazu gehörten der weitere Abbau des Verwaltungsaufwandes
beim Stadtumbau und die Bündelung von Förderprogrammen.
Meißner wertete die Fortschritte bei der Sanierung von Gebäuden speziell aus den
50 er und 60 er Jahren positiv. Die 250 Wohnungsunternehmen zwischen Altmark und
Burgenland hätten dabei Beachtliches geleistet. Insgesamt flossen in den
vergangenen 15 Jahren über 13 Milliarden Euro vorwiegend in die Modernisierung
und Instandsetzung der Bestände. 330 000 Wohnungen profitierten von dieser
Kraftanstrengung.
Die Wohnungsunternehmen spürten, dass sich die fi nanzielle Situation vieler
Mieter deutlich verschlechtert habe, sagte Riecke. Er erwartet zudem einen
Anstieg bei den Betriebskosten. Dazu komme, dass Empfänger des
Arbeitslosengeldes II oft nicht mehr in der Lage sind, ihren Mietverpfl
ichtungen nachzukommen, da die Kosten mitunter nur teilweise erstattet werden.
www.volksstimme.de
09.09.2005
Sachsen kämpft gegen wachsenden Leerstand
Sachsen läuft wie andere ostdeutsche Bundesländer dem
Wohnungsleerstand hinterher. Trotz gezielten Rückbaus muß der Freistaat ab 2010
mit immer mehr leeren Wohnungen rechnen.
"Wenn das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" 2009 ausläuft, verschärft sich
das Problem vielerorts", sagte der Chef des Verbandes Sächsischer
Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger. Die Abrißquoten hielten den Trend
nicht auf. "Die Politik muß umsteuern. Andernfalls droht ein verheerender
Verfall."
Nach Ansicht Viehwegers geht die bisherige Förderpolitik zunehmend an der
Realität vorbei. "Unsere Gesetze und Richtlinien sind auf Expansion
ausgerichtet. Was wir brauchen, ist aber eine Konzentration auf den Erhalt der
Städte."
Statt per Eigenheimzulage den Häuslebauer auf der grünen Wiese zu unterstützen,
sollte das Wohneigentum in den Zentren der Kommunen gefördert werden. Dabei
müsse der Rückbau an geeigneten Stellen mit der Modernisierung vorhandener
Bausubstanz einhergehen: "Das Wohnen in der Stadt soll attraktiv sein."
"Weiter Eigenheime außerhalb zu bauen, ist umweltpolitisch sinnlos. Bei
steigenden Benzinpreisen und einem möglichen Wegfall von Eigenheimzulage und
Pendlerpauschale werden immer mehr Betroffene in finanzielle Zwänge geraten",
sagte Viehweger. Allerdings vollziehe sich der Bewußtseinswandel nur schleppend.
Der Leitspruch "my home is my castle" habe sich über die Jahrhunderte geformt.
"Jeder will ein Stück Scholle, das bekommt man nicht so einfach raus aus den
Leuten."
Zahlen belegen das ganze Ausmaß der Misere. Momentan stehen in Sachsen rund 400
000 Wohnungen leer - 17 Prozent des Bestandes. "Vor allem in früheren
Industriegebieten, aber auch im Vogtland gibt es mancherorts einen Leerstand von
30 Prozent", sagte Viehweger. Dabei habe Sachsen in den vergangenen fünf Jahren
bereits 40 000 Wohnungen abgerissen. Bis 2015 sollen insgesamt 250 000
verschwinden. "Dazu brauchen wir viel Geld. Der Abriß von 10 000 Wohnungen
kostet 36 Mi0. Euro." Dennoch gebe es keine Alternative: "Die Förderung für den
Stadtumbau muß weitergehen - auch nach 2009."
www.welt.de
07.09.2005
Leipziger Software für schrumpfende Städte
Leipziger Forscher wollen mittels einer Software das
Problem der schrumpfenden Städte in den Griff bekommen und Ansatzpunkte für den
Stadtumbau liefern. Die Universität Leipzig hat in dem vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp einer Million Euro geförderten Projekt
die Gesamtkoordination übernommen. Besonders Klein- und Mittelstädte sollen von
dem so genannten Monitoring profitieren.
"Unser Softwareprogramm ist für alle Kommunen von Interesse und wichtig, da die
Transformationsprozesse überall in gravierendem Maße stattfinden", sagt
Stadtplanerin Dr. Silke Weidner von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.
Ziel sei die Entwicklung eines Frühindikationssystems, das durch die Verknüpfung
von Indikatoren Wirkungszusammenhänge erschließt und den Blick in die Zukunft
erlaubt, sagte Weidner im Zusammenhang mit einem Kongress. Der Kongress für
Stadterneuerung und Stadtumbau findet vom 12. bis 14. September in
Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig statt. Die Veranstaltung fokussiert auf
Leipzig, das im Stadtumbau als Labor unter realen Bedingungen gilt, denn hier
werden neue Wege zur Revitalisierung von Altbaugebieten, zur Weiterentwicklung
von Großsiedlungen, zum Umgang mit Leerstand, zur Reaktion auf strukturelle
sowie demografische Veränderungsprozesse erprobt.
Nach Aussagen von Weidner sei gerade in Ostdeutschland lange Zeit nur reaktiv
auf die Schrumpfungs- und damit Verwaisungsprozesse von Stadtteilen reagiert
worden. "Schon in den 1990er Jahren hätte man vielerorts feststellen können,
dass das Wachstum nicht der realen Nachfrage entspricht - man hat aber weiter
dafür geplant und gebaut." In den alten Bundesländern, auch wenn dort die
Probleme noch nicht derart gravierend seien, bestehe ebenfalls die Möglichkeit,
ja Notwendigkeit zum Handeln im Sinne der Stadterneuerung. "Dafür wäre unser
Frühindikations- und Kontrollsystem bestens geeignet", sagt Weidner zur Halbzeit
des dreijährigen Projekts. Der praktische Einsatz soll in der letzten Phase an
Forst in der Lausitz erprobt werden. Die bereits bestehenden Erfahrungen
ausländischer Nachbarn sollen darüber hinaus in das Projekt einfließen.
www.freiepresse.de
05.09.2005
Eisenhüttenstadt: Abriss allein
reicht nicht
In der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit"
wird Eisenhüttenstadt reduziert auf eine schrumpfende Stadt, in der
desillusionierte, übellaunige Leute zwischen Abrissgebieten wohnen. Kein Wort
davon, dass die Stadt sich diesem Schicksal nicht ergeben hat, auch wenn fast
20.000 Menschen Eisenhüttenstadt verlassen haben und rund 30 Prozent aller
Wohnung der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (Gewi) leer stehen. Mit dem
Projekt 2030 oder mit dem Stadtumbaukonzept kämpft die Stadt schon länger gegen
den Bevölkerungsverlust an, auch wenn die Ergebnisse umstritten sind, weil viele
Eisenhüttenstädter nicht verstehen, weshalb Wohnungen mit Zentralheizung
abgerissen und dafür alter Wohnraum mit Ofenheizung renoviert wird oder weshalb
es trotz des hohen Leerstandes gerade Familien schwer haben, ihren Bedürfnissen
entsprechenden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Perske erklärte, das
Eisenhüttenstädter Konzept sei von der Fachwelt anerkannt, denn es setzte
keineswegs nur auf Abriss. Gleichzeitig habe es im Stadtgebiet eine Vielzahl von
Aufwertungen gegeben. Als Beispiel nannte er das großflächig restaurierte
Sanierungsgebiet Fürstenberg, das den VI. Wohnkomplex betreffende Projekt
"Zukunft im Stadtteil" oder die umfangreiche Sanierung im Bereich des
Flächendenkmals. Perske räumte aber auch ein, dass das Gebiet, von dem der WK
VII Süd weggeräumt wird, leer bleibe. Er sprach von Renaturierung. Die Fläche
des WK VII Nord sei für Eigenheime und Doppelhäuser vorgesehen. Zu günstigen
Preisen soll hier gebaut werden können. Auch wenn die Sanierungen im
Denkmalbereich von verschiedenen Seiten positiv bewertet würden, habe sie die
Stadt und ihre Gewi vor erhebliche finanzielle Probleme gestellt. Weil die
Wohnungen im Flächendenkmal unter Auflagen der Denkmalschützer renoviert werden
mussten, lagen nach Aussagen von Wolfgang Perske die Mehrkosten bei 20 bis 40
Prozent. Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer hatte in der Vergangenheit
wiederholt betont, dass die Sanierungen so kostenintensiv seien, dass die Mieten
sie nicht decken würden. Dellmann forderte deshalb, weiter über den
Denkmalschutz nachzudenken, auch wenn sich die Situation für die
Denkmaleigentümer in Brandenburg bereits verbessert habe. So können Denkmale nun
abgerissen werden, wenn sie nicht wirtschaftlich seien.
Märkische Oderzeitung
01.09.2005
Die Abrißwelle erreicht den Westen Deutschlands
Nicht nur im Osten Deutschlands rollt die Abrißwelle -
auch der Westen zieht nach. Denn in beiden Teilen des Landes muß sich der
Stadtumbau an unabänderlichen Fakten orientieren: Deutschlands Bevölkerung
schrumpft dramatisch. Nicht mehr vermietbare Wohnungsbestände müssen vom Markt
genommen werden.
Hans-Dieter Krupinski, Ministerialdirigent im nordrhein-westfälischen
Ministerium für Städtebau, sieht die Lösung in der klaren Orientierung der
Kommunen auf die Innenstadtentwicklung. Die Zeit der "hochgeschossigen
Trabantenstädte, Wohnhochhäuser und industriell vorgefertigten Plattenbauweisen"
sei im Westen genauso abgelaufen wie im Osten.
In seiner Begründung hebt der langjährige Steuermann der Wohnungspolitik im
bevölkerungsreichsten Bundesland die "Familienfeindlichkeit" der Großwohnanlagen
hervor: "Im Gegensatz zum mehrgeschossigen Wohnungsbau, bei dem sich
überschaubare Haus- und Wohngemeinschaften von acht bis zwölf Mieterhaushalten
je Treppenhaus bilden, entsteht bei einer Hochhausbebauung eine
wohnungswirtschaftliche Großform, bei der sich 60-120 Mieterhaushalte um das
Erschließungssystem eines Treppenhauses gruppieren. Bei diesen entfällt die
soziale Kontrolle durch das nachbarschaftliche Engagement. Die Wohnatmosphäre in
diesen Gebäudekomplexen ist vielfach durch ein hohes Maß an Anonymität
gekennzeichnet und begünstigt kriminelle Aktivitäten." Zu den laut Krupinski
nicht mehr marktgerechten Besonderheiten von Hochhauswohnanlagen zählen die
"deutlich höheren Betriebs- und Instandsetzungskosten", die verlängerten
Wegebeziehungen für die Bewohner, der Beitrag dieser Siedlungsform zur
Zersiedlung der Landschaft sowie ihre hohe Lärmanfälligkeit auf Grund der
Offenheit nach allen Himmelsrichtungen. Aus all diesen Gründen habe sich die
anfangs heftig umstrittene Beschränkung des öffentlich geförderten
Mietwohnungsbaus auf eine maximal viergeschossige Bebauung in
Nordrhein-Westfalen bewährt.
Ein Beispiel für das Umdenken präsentierte jetzt der Neusser Bauverein. Ein
achtgeschossiger Wohnkoloß an der Weckhovener Straße wird abgerissen, das
Grundstück parzelliert und vom Kölner Architekten Ulrich Böttger mit
abwechslungsreich gestalteten Eigenheimen und drei Stadthäusern bebaut.
Die Kalkulation der Gesellschaft zielt auf Familien mit einem Flächenbedarf, der
in Etagenwohnungen kaum noch befriedigt werden kann. Obwohl keinerlei
Fördermittel in Anspruch genommen werden konnten, werden die bis zu 130 qm
großen Eigenheime für 225 000 bis 250 000 Euro angeboten. Der Anpassungsdruck
zwingt die Gesellschaft zu Zugeständnissen: Rund 400 000 Euro Kosten bleiben an
dem Unternehmen hängen.
www.welt.de