Stadtumbau West
Im Jahr 2002 begannen die ersten Pilotprojekte für den Stadtumbau West. Dazu die Dokumentation.
Stadtumbau West - die Situation
Die Herausforderungen an eine zukunftsichernde Stadtentwicklung sind durch
demographische Anpassungsprozesse und durch die örtlichen Auswirkungen des
wirtschaftlichen Strukturwandels geprägt. Während in den neuen Bundesländern ein
akuter Handlungsdruck wegen rückläufiger Bevölkerungszahlen und hoher
Arbeitslosigkeit Sofortmaßnahmen erfordert, ergeben sich in einzelnen Städten
und Gemeinden der alten Bundesländer erste Anzeichen eines langfristigen Wandels
der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Neben lokalen Wohnungsleerständen
werden auch im Infrastrukturbereich zunehmende Kapazitätsprobleme erkennbar. Die
Anforderungen an einen behutsamen Stadtumbau zur Wiederherstellung intakter
Stadtstrukturen verlangen nach einem Instrumentarium, das präventive
Stadtentwicklungspolitik ermöglicht.
Durch ein Forschungsvorhaben "Stadtumbau West" sollen daher
praktische Erfahrungen mit Kapazitätsanpassungen im Sinne eines ressourcenbewussten Umbaus in westdeutschen Städten gesammelt werden.
Mit der Förderung von elf Projektstädten und mit der
wissenschaftlichen Auswertung soll geklärt werden, welche besonderen
städtebaulichen Herausforderungen sich für diejenigen Kommunen ergeben,
die durch rückläufige Bevölkerungszahlen, hohe Arbeitslosigkeit und
überdurchschnittlichen Wohnungsleerstand sowie Strukturschwächen der
Stadtentwicklung geprägt sind. Konkret sollen sich die Projektstädte im
Rahmen des Forschungsfeldes der Aufgabe stellen, wie durch eine
zukunftsbeständige Stadtentwicklung der Paradigmawechsel vom "gesteuerten
Wachstum" auf "geordneten Rückzug" zu kommunizieren und umzusetzen ist.
Der Umbau der Städte und Gemeinden wird nicht länger nur - wie in der
Vergangenheit gewohnt - dadurch bestimmt sein, Wachstum räumlich zu
verteilen bzw. den Wachstumskräften angemessenen Raum zu geben. Die
Steuerung künftiger Entwicklungen wird zunehmend auch dadurch geprägt
sein, Stagnations- und Schrumpfungsprozesse aktiv zu gestalten.
Eine Herausforderung stellt sich daher hinsichtlich der Anpassung von
Kapazitäten an veränderte Nachfrage- bzw. Bedarfsstrukturen, wobei nicht
nur operative Eingriffe, sondern strategische Konzepte als
Langzeitprogramme gefordert sind. Der Erfolg und die Akzeptanz solcher
Umbaustrategien werden davon abhängen, wie dieser Wandel nicht als
Verlust, sondern als Gewinn von Lebensqualität und örtlicher Attraktivität
vermittelbar und erkennbar wird; dies im grundsätzlichen Sinne "weniger
ist mehr".
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BMVBW: Erstmals auch Mittel für den
Stadtumbau West
Städtebauförderung 2002 auf hohem Niveau
Pressemitteilung vom: 28. Januar 2002, Nr.: 020/02
Der Minister wies darauf hin, dass neben den
Mitteln für die Städtebauförderung West erstmals auch zusätzliche Mittel für den
Stadtumbau in den alten Bundesländern bereit stünden. Im Bundeshaushalt 2002
sind 15 Millionen Euro für Pilotprojekte in den westlichen Ländern ausgewiesen.
Sie seien Teil eines Forschungsvorhabens, in dem untersucht werden soll,
inwieweit auch dort infolge des Strukturwandels ein Stadtumbauprogramm
erforderlich ist. Ziel sei es, Städte oder Stadtteile zu fördern, die vom
wirtschaftlichen Wandel besonders betroffen sind. Das können Gebiete sein, in
denen Wohnungen bereits in erheblichem Umfang leer stehen oder Gebiete, in denen
Industrie- und Militärbrachen umgewandelt werden müssten. Mit den Maßnahmen soll
die Attraktivität dieser Städte als Wohn- und Wirtschaftsstandort gestärkt
werden. Schließlich gelte es, dort die Schaffung und Erhaltung neuer
Arbeitsplätze zu fördern. "Auch hier wird sich zeigen, dass die Bundesmittel
nicht nur sozial- und kommunalpolitische Bedeutung haben. Sie sind ein wirksames
Instrument der Beschäftigungspolitik, das sich vor allem im Bereich des
mittelständischen Handwerks, Handel und Gewerbe bewährt", sagte Bodewig.
www.bmvbw.de
Verband der Wohnungswirtschaft in
Niedersachsen und Bremen e.V.: Einstieg in den Stadtumbau West nicht verpassen
Pressemitteilung: 8.05.2002
Der vdw Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen Bremen fordert den Einstieg
in den Stadtumbau West. "Wenn wir den richtigen Zeitpunkt zum Handeln versäumen,
werden einige Städte irreparable Schäden erleiden", betonte vdw-Verbandsdirektor
Bernd Meyer am Dienstag in Hannover. Meyer stützte seine Forderung auf die
Ergebnisse einer Studie des Hamburger Gewos-Instituts. Unter anderem wird in
dieser Untersuchung auf die Gefahr drohender struktureller Leerstände
hingewiesen. Das Gutachten, das im Auftrag des vdw erarbeitet worden ist, zeigt,
wie sehr sich die Wohnungsmärkte zu lokalen Märkten entwickeln.
"Den einen Wohnungsmarkt gibt es nicht mehr", sagte Meyer. Vielmehr verlangen
die unterschiedlichen Verhältnisse an der Küste und im Harz, in den
Ballungszentren und in der Fläche nach differenzierten Handlungsstrategien. "Die
demografische Entwicklung in Deutschland und die sich wandelnden Anforderungen
an den Wohnraum werden zu einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die
Wohnungswirtschaft führen", fasste Gewos-Geschäftsführerin Renate Szameitat die
Resultate der Studie zusammen. Zukünftig steht einer insgesamt stagnierenden
Nachfrage durch anhaltende Neubautätigkeit - wenn auch auf niedrigerem Niveau
als in den neunziger Jahren - ein wachsendes Angebot gegenüber. Bis zum Jahr
2015 bildet sich ein Angebotsüberhang von insgesamt 170.000 Wohneinheiten oder
gut vier Prozent des Gesamtbestands an Wohneinheiten (Miete und Eigentum) im
Verbandsgebiet des vdw.
Dabei ergibt sich regional ein sehr unterschiedliches Bild: Im Südosten
Niedersachsens ist bis 2015 eine starke Abnahme der Einwohnerzahlen zu erwarten.
Dagegen wird die Bevölkerung im Hamburger Umland sowie in den Kreisen
Westniedersachsens deutlich zunehmen. Während beispielsweise in Braunschweig die
Zahl der Haushalte um rund 10.000 oder acht Prozent zurückgeht, wird die
Nachfrage im Landkreis Harburg um gut 15.000 Haushalte oder knapp 15 Prozent
zunehmen. Zugleich ist beispielsweise in den Landkreisen Vechta, Oldenburg und
Cloppenburg jeweils mit rund 17 Prozent zusätzlichen Wohnungen zu rechnen.
www.welt.de
www.vdw-online.de
BMVBW: Wohnungs- und Städtebaupolitik fit
für das 21. Jahrhundert
Wohnungspolitisches Forum in Herford
Pressemitteilung: 03. Juni 2002, Nr.: 184/02
Auch in den alten Ländern zeichne sich zunehmender Handlungsbedarf für einen
Stadtumbau ab, betonte der Staatssekretär. Diese durch Strukturwandel und
Stadt-Umland-Wanderung verursachte Entwicklung habe den Bund veranlasst, 15
Millionen Euro für Pilotprojekte zum Stadtumbau West im Rahmen des
Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus bereitzustellen. Die Resonanz der
Städte auf die Ausschreibung sei erfreulich gewesen. Das Spektrum der
eingereichten Vorschläge reiche von umfassenden Stadtentwicklungsstrategien für
Städte mit Strukturschwächen bis hin zu baulichen Maßnahmen an Einzelgebäuden
www.bmvbw.de
BMVBW: Startschuss für die
Städtebauförderung 2002
Pressemitteilung: 26. Juni 2002, Nr.: 236/02
"Wir wollen aber auch", so Bodewig weiter, "den Stadtumbau in den alten Ländern
unterstützen. Im Bundeshaushalt 2002 stehen 15 Millionen Euro für Pilotprojekte
bereit, mit denen wir klären, inwieweit auch in den alten Ländern infolge des
Strukturwandels massive Stadtumbauprobleme bestehen, zu deren Bewältigung die
Kommunen auf finanzielle Hilfe angewiesen sind. Aus den Vorschlägen der Länder
haben wir jetzt Pilotprojekte in 11 Städten ausgewählt. "Drei Städte sollen mit
insgesamt 200 000 Euro bei der Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten
gefördert werden:
Bremerhaven (Land Bremen),
Salzgitter (Niedersachsen) und
Albstadt (Baden-Württemberg).
Acht Städte sollen vom Bund insgesamt 13,8 Millionen Euro für konkrete
Stadtumbauprojekte erhalten:
Selb und Wildflecken (in Bayern),
Bremen,
Pirmasens (Rheinland-Pfalz),
Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen),
Wilhelmshaven (Niedersachsen),
Lübeck (Schleswig-Holstein) und
Völklingen (Saarland).
Bodewig: "Wir werden die Länder bitten, die Bundesmittel für diese Städte
durch Landesmittel aufzustocken, damit die Pilotprojekte einen möglichst
aussagekräftigen Umfang erreichen. "Bereits bei der Auswahl der Pilotprojekte
habe sich gezeigt, dass auch in Westdeutschland gravierende Stadtumbauprobleme
zu bewältigen sind. Viele Städte müssten den Wegfall bisher prägender
Industriezweige bewältigen (in Selb gelte das für die Porzellanindustrie, in
Pirmasens für die Schuhindustrie, in Völklingen für die Montanindustrie und in
Albstadt für die Textilindustrie). Andere Städte müssten sich nach dem Abzug von
Streitkräften neu strukturieren (so Wildflecken, Pirmasens, Wilhelmshaven und
Albstadt). In anderen Städten führten der Bevölkerungsrückgang und die damit
einhergehende Entspannung am Wohnungsmarkt dazu, dass weniger attraktive
Siedlungen zunehmend mit Leerstand kämpfen müssten (das gelte zum Beispiel für
die im 2. Weltkrieg gebauten Großsiedlungen in Salzgitter und Wilhelmshaven, für
die Großsiedlung der 60er Jahre in Lübeck oder für die Großsiedlungen der 70er
Jahre in Bremen, Bremerhaven und Oer-Erkenschwick). "Die Pilotprojekte haben zum
Ziel, in solchen Kommunen intakte Stadtstrukturen herzustellen und
städtebaulichen Schwächen offensiv zu begegnen, die sich auch in
Wohnungsleerständen ausdrücken", erklärte Bodewig. "Wir wollen mit den
Pilotprojekten zum Stadtumbau auch in den alten Ländern frühzeitig auf Umbrüche
und neue städtebauliche Herausforderungen reagieren."
www.bmvbw.de
GdW: Wachsende Leerstände in
strukturschwachen Regionen Westdeutschlands
Pressekonferenz am 3.07.2002
Der GdW und die von ihm vertretene Wohnungswirtschaft verstehe sich mit ihrer
regelmäßigen Wohnungsmarktbeobachtung als eine Art "gesellschaftspolitisches und
ökonomisches Frühwarnsystem". Ziel müsse es sein, so Freitag, ein Marktversagen
wie in den neuen Ländern durch vorausschauende Maßnahmen zu vermeiden. Der Staat
müsse mit entsprechendem Datenmaterial in die Lage versetzt werden, gegen zu
steuern.
In strukturschwachen Regionen der alten Bundesrepublik steige der Leerstand
ebenfalls an – wenn auch von einem viel niedrigeren Niveau ausgehend, erklärte
Lutz Freitag. So betrug der Leerstand dort Ende 2001 im Durchschnitt 3,2 %. Die
Leerstandsquoten an ausgewählten Standorten waren jedoch viel höher: So
verzeichneten einzelne Wohnungsunternehmen in Kassel einen Leerstand von 13 %,
in Pirmasens von 12,5 %, in Salzgitter von 9,9 %, in Bremerhaven von 9,3 % und
in Hannover von 8,2 %. Eine jüngst vom Verband der Wohnungswirtschaft
Niedersachsen und Bremen in Auftrag gegebene und vom Hamburger
Forschungsinstitut GEWOS erstellte Studie prognostiziert für das Jahr 2015
starke regionale Angebotsüberhänge, z.B. im Landkreis Osterode/ Harz mit 17 %,
in Bremerhaven mit 16 % und Wilhelmshaven mit 14 %. Im gesamten Südosten
Niedersachsens werde das Überangebot an Wohnraum im Jahr 2015 mehr als 10 %
betragen, bei gleichzeitig stark steigender Nachfrage nach größeren Wohnungen
und wachsender Wohneigentumsquote. Fazit: Auch in strukturschwachen Regionen
Westdeutschlands zeichneten sich zunehmend die Auswirkungen des ökonomischen und
demographischen Strukturwandels auf den Wohnungsmarkt ab. Der Sterbeüberschuss
werde in den strukturschwachen Gebieten in seinen Wirkungen durch
Wanderungsbewegungen verstärkt. Die Folge: "Leerstände in vielen
Mietwohnungsbeständen in weniger begehrten Wohnlagen", erklärte GdW-Chef
Freitag. Er verlangte, ebenso wie in den neuen Ländern, auch im Westen
ganzheitliche Stadtentwicklungskonzepte zu erarbeiten, die realistische
Perspektiven für die Siedlungsentwicklung der nächsten Jahre darstellten und
eine geeignete Planungsgrundlage für die Investitionstätigkeit der Unternehmer
sein könnten. Freitag begrüßte die Ankündigung von Bundesbauminister Kurt
Bodewig, für Pilotprojekte in 11 westdeutschen Städten 15 Mio. Euro noch in
diesem Jahr bereit zu stellen. 3 Städte sollen mit insgesamt 200.000 Euro bei
der Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten gefördert werden: Bremerhaven,
Salzgitter und Albstadt. 8 Städte sollen vom Bund insgesamt 13,8 Mio. Euro für
konkrete Stadtumbauprojekte erhalten: Selb, Wildflecken, Bremen, Pirmasens,
Oer-Erkenschwick, Wilhelmshaven, Lübeck und Völklingen. Insgesamt müsse die
Investitionstätigkeit der Unternehmen noch mehr als bisher in die Modernisierung
und Umgestaltung der Wohnungsbestände gelenkt werden.
www.gdw.de
MSWKS NRW:
Grußwort anlässlich der Delegiertenversammlung des DMB Landesverbandes NRW
e. V.
am 5. Juli 2002 in Siegen
Das wachsende Problem der Wohnungsleerstände und des Stadtumbaus muss angepackt
werden.
Leerstand und Stadtumbau sind nicht nur Probleme der neuen Länder, sondern auch
auf verschiedenen Wohnungsmärkten z.B. hier in NRW anzutreffen. Sie können m. E.
nur in einer gesamtstaatlichen Anstrengung gelöst werden. Gefragt sind zunächst
die Wohnungsunternehmen und Vermieter. Leerstände, die die wirtschaftliche
Existenz der Wohnungsunternehmen gefährden, liegen aber auch nicht im Interesse
der Mieterschaft. Wir brauchen neue Konzepte, die u. U. auch einen geordneten
Rückbau bzw. Abriss von Wohnraum nicht ausschließen.
Der Bund hat inzwischen den vor allem von NRW vorangetriebenen Vorschlag zur
Auflage eines Modellprogramms "Stadtumbau-West" aufgegriffen. Eines der soeben
vom Bund ausgewählten Modellprojekte liegt in NRW (Oer-Erkenschwick).
www.mbw.nrw.de
Bertelsmann-Stiftung:
Bevölkerungsschwund: Ohne Handeln droht Verödung der Städte
Pressemitteilung: 14.09.2002
Leere Kindergärten und Schulen, Wettbewerb um Einwohner, Arbeitskräftemangel:
Rückläufige Geburtenzahlen und ein steigender Anteil älterer Menschen werden in
deutschen Kommunen zu tief greifenden Veränderungen führen. Die Kommunen müssen
den demografischen Wandel in Zukunft aktiv gestalten, sonst droht eine Verödung
der Städte.
Die Bertelsmann Stiftung zeigt in einer Untersuchung ausgewählter Kommunen die
Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf. Bis 2015 wird die Bevölkerung
in fast allen der untersuchten Kommunen um bis zu acht Prozent abnehmen. In
Dortmund zum Beispiel werden in acht Jahren 50 Prozent mehr Menschen als heute
über 80 Jahre alt sein. Demgegenüber wird es 18 Prozent weniger Kinder im
schulpflichtigen Alter geben. “Es ist dringend notwendig, mit geeigneten
Maßnahmenpaketen auf den demografischen Wandel zu reagieren”, so Kerstin
Schmidt, Projektleiterin der Bertelsmann Stiftung.
www.bertelsmann-stiftung.de
Deutsche Statistiker- Verbände: Nahezu alle deutschen
Städte schrumpfen
Pressebericht: 2.10.2002
Konstanz - Die Einwohnerzahl schrumpft, zurück bleiben verwaiste Wohnblocks,
geschlossene Bäder, leere Busse und Geschäfte ohne Kunden: Was in mancher
ostdeutschen Kommunen schon heute Wirklichkeit ist, wird nach Ansicht von
Fachleuten in den nächsten Jahrzehnten die meisten deutschen Städte prägen. "Der
Club der wachsenden Gemeinden wird kleiner und kleiner werden", sagte der Leiter
des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Heinrich Mäding (Berlin), bei
der Jahrestagung der deutschen Statistiker- Verbände, die am Donnerstag in
Konstanz zu Ende ging.
Im Westen steige die Bevölkerungsdichte noch, doch nach 2015 könnten auch hier
nur wenige Städte mit einer stabilen Einwohnerzahl rechnen. "Am Ende
wird sich nur eine handvoll Städte halten", sagte Mäding. Der demographische Wandel werde zu einem zentralen Thema, weil er
nahezu alle Felder der Kommunalpolitik berühre.
Über die Ursachen des Schrumpfens waren sich die Statistiker einig: Vor allem
nannten sie die geringen Geburtenzahlen als Grund. So sollen bis 2050 in
Deutschland nur noch zwischen 60 und 70 Millionen Menschen leben statt heute 82
Millionen. Daneben spielen Wanderungen innerhalb Deutschlands und Umzüge in die
Vororte eine Rolle. Die zu erwartenden Einwanderer glichen diesen Trend in den
Städten mittelfristig nicht mehr aus, hieß es bei der Tagung. Erschwerend komme
für die Städte hinzu, dass ihre Bewohner älter würden, sich die Unterschiede im
Lebensstil vergrößerten und immer mehr Menschen vereinzelt lebten.
Die Deutsche Gesellschaft für Demographie verwies in Konstanz auf große
regionale Unterschiede, die sich in den bundesweiten Durchschnittswerten nicht
widerspiegelten: So waren die Bürger im Kreis Cloppenburg (Niedersachsen) Ende
der neunziger Jahre im Schnitt 36 Jahre alt, die in Baden-Baden aber 45 Jahre.
Während die Zahl der im Saalkreis (Sachsen-Anhalt) lebenden Menschen im
vergangenen Jahrzehnt um ein Viertel anstieg, schrumpfte sie im Kreis
Hoyerswerda (Sachsen) um fast 23 Prozent.
Je kleinräumiger die Perspektive, desto schwerer sei eine Vorhersage, sagte
Mäding. Dennoch müssten sich Bürgermeister und Räte der meisten Städte
möglichst rasch auf den demographischen Wandel einstellen.
"Schrumpfung und Alterung erlauben keine großen Sprünge." Einerseits müsse bei
einem wachsenden Anteil von Senioren in Infrastruktur für Pflege und Betreuung
investiert werden. Andererseits bedeute Schrumpfung für eine Stadt leere
Wohnungen und leere Läden, das Aus für Schulen und Schwimmbäder.
"Der Wettbewerb um Menschen wird sich intensivieren", sagte Mäding. Angeheizt
werde diese Konkurrenz vom Selbstverständnis der Kommunalpolitik: "Schrumpfung
ist der symbolisierte Misserfolg." Oberbürgermeister und Räte hätten künftig die
Aufgabe, das Schrumpfen der Einwohnerzahl nicht als Politikversagen, sondern als
Folge der Bevölkerungsentwicklung zu erklären, sagte Mäding.
www.stuttgarter-nachrichten.de
BBR: Stadtumbau West - Das neue
Forschungsfeld im ExWoSt startet mit 11 Projektstädten
Das BBR führt im Auftrag des BMVBW die Begleitforschung für ein neues
ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West" durch, an dem insgesamt 11 Projektstädte
aus den alten Bundesländern teilnehmen werden. Themenstellung:
Die Herausforderungen an eine zukunftsichernde Stadtentwicklung sind durch
demographische Anpassungsprozesse und durch die örtlichen Auswirkungen des
wirtschaftlichen Strukturwandels geprägt. Während in den neuen Bundesländern ein
akuter Handlungsdruck wegen rückläufiger Bevölkerungszahlen und hoher
Arbeitslosigkeit Sofortmaßnahmen erfordert, ergeben sich in einzelnen Städten
und Gemeinden der alten Bundesländer erste Anzeichen eines langfristigen Wandels
der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Neben lokalen Wohnungsleerständen
werden auch im Infrastrukturbereich zunehmende Kapazitätsprobleme erkennbar. Die
Anforderungen an einen behutsamen Stadtumbau zur Wiederherstellung intakter
Stadtstrukturen verlangen nach einem Instrumentarium, das präventive
Stadtentwicklungspolitik ermöglicht.
Durch das vierjährige Forschungsvorhaben "Stadtumbau West" sollen daher
praktische Erfahrungen mit Kapazitätsanpassungen im Sinne eines
ressourcenbewussten Umbaus in westdeutschen Städten gesammelt werden.
Stadtumbau West
Stadtumbau West: Übersicht über die Pilotprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld
Stadtumbau West
Stadtumbau West: Betreuung der Projektstädte im Stadtumbauprozess
Stadtumbau
West: Forschungsziel: Strategien zur Gestaltung des Stadtumbaus
Aus Sicht des Informationskreises für Raumplanung (IfR) machen veränderte Rahmenbedingungen eine Neuorientierung der Wohnungsmarktpolitik und ein differenziertes Handlungskonzept unerlässlich, um mittelfristig bis 2020 einen funktionierenden Wohnungsmarkt zu erhalten, der u.a. an den Zielen der Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Zu den veränderten Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes gehören insbesondere:
Die Wohnungsmarktpolitik umfasst alle Bereiche, die direkt bzw. indirekt mit dem Wohnungsmarkt und der Entwicklung seiner Teilmärkte zu tun haben. Hierzu zählen die kommunalen Baulandausweisungen und die fiskalischen Förderinstrumente des Staates. Die im Folgenden aufgelisteten Bausteine eines Handlungskonzepts sind vier Akteursgruppen zugeordnet:
1. Handlungskonzept für Kommunen und Wohnungswirtschaft
2. Anforderungen an die Wohnungsmarktbeobachtung
3. Vom Bund bzw. den Ländern zu schaffende Rahmenbedingungen
4. Begleitung durch Wissenschaft und Forschung
Thesenpapier (pdf)
Pirmasens:
Erste Projektwerkstatt "Stadtumbau West" am 30. und 31. Januar
"Das ist keine Solidarität der Underdogs", sagte gestern Bürgermeister Bernhard
Matheis im Anschluss an die erste Projektwerkstatt "Stadtumbau West". Es seien
im Gegenteil Städte, die die Zeichen der Zeit erkannt, ihre Hausaufgaben gemacht
und Strategien entwickelt haben, um ihre Struktur-Probleme zu bewältigen, so
Matheis.
Der Tag des Abrisses dieser baufälligen Häuser des Rheinberger-Komplexes in der
Fröhnstraße rückt näher. Ab 17. Februar geht"s los. Den Auftrag erhielt eine
Firma aus Eppelborn, die das günstigste Angebot (rund 125.000) Euro abgegeben
hatte.. -
Die Herausforderung "Stadtumbau" sei ein brandaktuelles Thema der Gegenwart und
der Zukunft. Welche Auswirkungen seien durch den Bevölkerungsrückgang zu
erwarten? Was bedeute die zu erwartende Überalterung der Bevölkerung? Welche
Instrumente stehen den Städten zur Verfügung, um dem wirtschaftlichen
Strukturwandel wirksam zu begegnen? All dies waren Themen bei ersten
Erfahrungsaustausch des Projektteams zum "Stadtumbau West", zu dem sich Experten
und Akteure der elf ausgewählten Pilotstädte zwei Tage lang in Pirmasens
austauschten.
Jürgen Hiller, der als Vertreter des rheinland-pfälzischen Innenministeriums an
der Projektwerkstatt teilnahm, sagte gestern: "Wir haben mit Pirmasens bisher
beste Erfahrungen gemacht. Die Stadt hat sich rechtzeitig aufgestellt, um den
Umstrukturierungsprozess mit örtlicher und regionaler Wirtschaft und mit Hilfe
des Landes zu organisieren." Neben den bereits laufenden Konversions- und
Stadtumbaumaßnahmen werde das Land auch die ausgewählten drei Impulsprojekte im
Rahmen des Bundesprogrammes "Stadtumbau West" anteilig unterstützen.
Stadtumbau West nennt sich das Forschungsvorhaben im Rahmen des experimentellen
Wohnungs- und Städtebaues des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Mit dem Programm
soll untersucht werden, inwieweit auch in den alten Ländern infolge des
Strukturwandels ein Stadtumbau erforderlich ist, zu dessen Bewältigung die
Kommunen auf finanzielle Hilfe angewiesen sind.
Die Pilotstädte werden durch ein Forschungsteam der "Forum GmbH" aus Oldenburg
begleitet. Projektleiter Martin Karsten: "Die erste Projektwerkstatt muss Dampf
machen und das am besten in einer Stadt, wo schon was läuft." Deshalb sei
Pirmasens für den Workshop ausgewählt worden.
Die Stadt kann bis 2006 eine Summe von insgesamt 6,8 Millionen Euro erwarten;
2,7 Millionen vom Bund, 3,4 Millionen vom Land und 600.000 Euro muss die Stadt
als Eigenanteil einbringen.
Die Auswahl der Impulsprojekte basiert auf den Ergebnissen des
Innenstadtentwicklungskonzeptes, das die Entwicklungsschwerpunkte auf die
Innenstadt Nord, ihre Verknüpfung über das Zweibrücker Tor mit der Husterhöhe
und auf der Achse Bahnhof - Rheinberger - Exerzierplatz - Messe lege, so Matheis
weiter. Der brach liegende Rheinbergerkomplex werde bei entsprechender
Entwicklung ein wichtiger Imageträger sein.
Dieses Projekt wird 2,85 Millionen Euro verschlingen. Darin enthalten sind
Bestandssicherung, Umnutzung einer Fabrikanlage und Integration in das
städtebauliche Umfeld; Planung, Koordinierung und Bauinvestitionen. eine erste
Tranche von 600.000 Euro könne bereits dieses Jahr bei Land und Bund abgerufen
werden. Zusammen mit der Millionenspende der Firma Rheinberger könne damit das
Gebäude und sein Umfeld so weit instand gesetzt werden, dass es für private
Investoren eine akzeptable Ausgangsbasis darstelle, so Matheis. Denn natürlich
seien bei allen drei Impulsprojekten auch private Investoren gefragt, sonst sei
die Aufgabe kaum zu schultern.
Während die ersten Maßnahmen beim Rheinberger bald für die Öffentlichkeit
sichtbar würden, seien für die Projekte "Messeumfeld" und "Wohnen" noch
planerische und organisatorische Vorarbeiten zu leisten, so Matheis. Beginn und
Umsetzung der Impulsprojekte seien zeitlich gestaffelt, doch müssen alle
Projekte bis zum Ende des Forschungsvorhabens Mitte 2006 abgeschlossen sein.
www.ron.de
06.05.2003
Städte auf dem Weg zum geordneten Rückbau
Eine Tagung rät, dem Schrumpfen der Städte das Loser-Image zu nehmen. Tenever
ist eines der Pilotprojekte. In Zukunft Luxus- und Armenregionen?
taz Mehr als zweihundert Experten versammelten sich gestern im Parkhotel zum
ersten fachöffentlichen Gespräch über das von der Bundesregierung initiierte
Programm "Stadtumbau West". Der Tagungsort war gut gewählt: Eines der elf
Pilotprojekte, mit denen das Bundesministerium für Bau prüfen will, ob ein
solches Programm auch für die alten Bundesländer dauerhaft aufgelegt werden
muss, heißt Osterholz-Tenever. Und so wird die Hochhaussiedlung im Nord-Osten
Bremens - einst ein Vorzeigeprojekt für urbanes, verdichtetes Wohnen - erneut
zum Vorbild. Diesmal allerdings soll die Fachwelt am Beispiel Tenevers lernen,
wie man Stadt zurückbaut, Sprich: abreißt (siehe Interview).
"Wir stehen vor der neuen Herausforderung, mit rückläufigen Entwicklungen fertig
werden zu müssen", leitete der Staatssekretär im Bauministerium, Achim Großmann,
die Tagung ein. Neben Bremen-Tenever hat der Bund zehn weitere Projekte aus
sieben Bundeländern ausgewählt, in denen städtebauliche Miseren aufgearbeitet
werden. 15 Millionen Euro hat die Bundesregierung dafür locker gemacht.
Die ausgewählten Städte sind in der Regel vom Strukturwandel gebeutelt, so etwa
Pirmasens vom Wegfall der Schuhindustrie, Selb durch den Niedergang der
Porzellanindustrie, Bremerhaven - auch dies ein Pilotprojekt im "Stadtumbau
West" - durch den Zusammenbruch der Hafenwirtschaft. Einzelne Projekte in diesen
Städten wurden auf dem Fachtag ausführlich vorgestellt.
In den Podiumsrunden wurde vor allem eines deutlich: Die Probleme, mit denen
Kommunen auch im Westen kämpfen, sind nicht punktuell, sondern strukturell. Dank
stark rückläufiger Bevölkerungszahlen - aktuelle Schätzungen gehen von zwölf
Millionen weniger Einwohnern im Jahr 2050 aus - und einer zunehmenden
Überalterung, müssen sich, so Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für
Urbanistik, die allermeisten Städte aufs Schrumpfen einstellen. Es gelte jetzt,
das "Loser-Image" loszuwerden, das mit Schrumpfungsprozessen immer noch
einherginge - vor allem bei Politikern. Bei denen sei "Offenheit gefragt, nicht
Erkenntnisverweigerung".
Norbert Porz vom Deutschen Städte- und Gemeinde-Bund zog aus der Prognose
schrumpfender Städte Schlüsse, die unter anderem für Bremen, aber auch für das
Ruhrgebiet oder die abgeschlagenen Stahl-Städte an der französischen Grenze ein
Horrorszenario darstellen. Der verfassungsrechtlich garantierte Grundsatz
gleichwertiger Lebensverhältnisse für alle Bürger Deutschlands - einer der
Gründe für die Finanzspritzen des Bundes an Bremen und das Saarland - könne in
Zukunft vermutlich nicht aufrechterhalten werden. Es werde "verschiedene Ligen
in der Lebenshaltung geben", mutmaßte Porz. Er forderte vom Bund die deutliche
Ausweitung des Programms "Stadtumbau West": "Wir stehen mit dem Brachfallen
ganzer Stadtteile erst am Beginn einer Entwicklung, nicht am Ende."
www.taz.de
Startschuss für „Stadtumbau West“ im Park Hotel
Der „Aufbau Ost“ für viele hundert Milliarden Euro aus dem Westen der Republik
ist weitgehend gelaufen. Nun geht es verstärkt an den „Stadtumbau West“, für den
gestern im Park Hotel der Zündfunke an die Lunte gelegt wurde.
In Bremens Nobelherberge hatten sich dazu Stadtplaner, Architekten, Vertreter
von Wohnungsbau-Gesellschaften, Wissenschaftler und hochrangige Vertreter des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen versammelt. Der
parlamentarische Staatssekretär Achim Großmann (SPD) bestätigte gegenüber den
Medienvertretern, dass man Bremen nicht aus Zufall für die erste Tagung
„Stadtumbau West“ in elf westdeutschen Städten auserkoren habe.
Denn in Bremen ist mit dem Rück- und Umbau des einstigen Vorzeige-Projektes
Tenever eines der größten Pilot-Vorhaben angelaufen, das auch mit drei Millionen
Euro die vorerst größte Fördersumme aus dem Berliner Ministerium erhält.
Staatssekretär Großmann: „Wir wollen den Kommunen helfen, Lösungen zum Umgang
mit rückläufigen Entwicklungen zu finden.“ Gemeint sind der allgemeine Rückgang
der Bevölkerung und die Abkehr der Stadtbevölkerung von großen Wohnmaschinen wie
Tenever mit all ihren Problemen. Das Forschungsvorhaben „Stadtumbau West“ wird
vom Bund mit jährlich 15 Millionen Euro gesponsert und soll die allgemeine
Städtebauförderung zielgenau ergänzen
Im kleinsten Bundesland ist, wie Bausenatorin Christine Wischer (SPD) den
Tagungsteilnehmern erläuterte, der Stadtumbau sowohl in Bremen als auch in
Bremerhaven im Gange. Dabei werden in Tenever rund 650 Wohnungen aus dem Bestand
des insolventen Architekten Krause abgerissen, Beton-Barrieren beseitigt und
Tiefgaragen zurückgebaut. Eine eigens dafür gebildete
Projektierungs-Gesellschaft mit der Gewoba investiert 72 Millionen Euro.
www.weser-kurier.de
07.05.2003
Wir müssen
ganze Stadtteile schließen
Die "schrumpfende Gesellschaft" wirft nun auch im Westen Deutschlands ihre
Schatten voraus. Überalterung und Leerstände unbekannter Größenordnung werden
das Bild auch der westdeutschen Städte prägen - nachdem der Osten Deutschlands
schon heute einen Wohnungsleerstand von 1,4 Mio. Wohnungen verkraften muss. Auf
der ersten bundesweiten Konferenz "Stadtumbau West" in Bremen räumte der
Staatssekretär im Bundesbauministerium, Achim Großmann, jetzt ein, dass es erste
Anzeichen dieser Entwicklung gibt: "Verluste an Einwohnern und Arbeitsplätzen
stellen einzelne Regionen und Kommunen in Westdeutschland zunehmend vor die
Herausforderung, ihre Städte den demographischen und wirtschaftlichen
Verhältnissen anzupassen."
Die Experten der Wohnungswirtschaft deuteten dies als eine eher beschwichtigende
Beschreibung. "In Städten wie Essen müssen wir uns auf einen dramatischen
Bevölkerungsrückgang von mehr als zehn Prozent in nur 15 Jahren einstellen - mit
dramatischen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Bis 2020 haben wir hier mit 24
000 leerstehenden Wohnungen zu rechnen, das sind 20 Prozent des Bestandes", so
Prof. Volker Eichener (Inwis GmbH, Bochum). Eichener warf den Politikern vor,
sich damit schwer zu tun, die Tragweite der Schrumpfungsprozesse zu begreifen:
"Tatsächlich hätte man schon vor zwanzig Jahren reagieren müssen."
Übereinstimmend bezeichneten die Experten das sich erstmals seit dem
Dreißigjährigen Krieg stellende Problem der Schrumpfung als "epochal". Norbert
Portz, Beigeordneter für Umwelt und Städtebau beim Deutschen Städte- und
Gemeindebund, Bonn: "Die Verlierer sind gerade jene Städte, die im 19. und 20.
Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung explosionsartig gewachsen sind und
sich monostrukturell entwickelt haben." Betroffen sind aber auch kleine
Gemeinden wie Selb und Wildflecken im Nordosten Bayerns, die ihre
wirtschaftliche Basis verloren und massive Bevölkerungsverluste zu verkraften
haben. So gehen der Gemeinde Wildflecken in der bayerischen Rhön nach dem Abzug
der US-Soldaten zwei Drittel der Bevölkerung verloren.
Die tiefen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen des jetzt auf ganz
Deutschland ausgreifenden Schrumpfungsprozesses werden seit dem vergangenen Jahr
im Forschungsfeld "Stadtumbau West" im Rahmen des Programms "Experimenteller
Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt) der Bundesregierung analysiert. Parallel zu
dem mit 2,7 Mrd. Euro ausgestatteten Programm "Stadtumbau Ost" werden dabei mit
Finanzhilfen des Bundes von 15 Mio. Euro (und einem etwa gleich hohen Beitrag
der Bundesländer) "Projektwerkstätten" initiiert, die "Pilotstadtprofile" zu den
Themen "Stadt im Strukturwandel" und "Wohngebiet im Wandel" erarbeiten sollen.
Dabei geht es laut Großmann nicht darum, neue städtebauliche Instrumente für die
Bewältigung der Anpassungsprozesse zu erfinden, sondern darum, diese mit Blick
auf die epochalen Stagnations- und Schrumpfungstendenzen zu überprüfen. Unter
anderem müssten zwei grundsätzliche Fragen geklärt werden: Brauchen wir mehr
Regionalisierung in der Städtebauförderung? Brauchen wir eine Förderinitiative
"Stadtumbau West"? Insgesamt wurden elf Pilotstädte ausgewählt, in denen sich
die Dramatik der Prozesse schon jetzt abzeichnet: Hochhaussiedlung Tenever in
Bremen (Bevölkerungsverlust seit 1995 11,5 Prozent, Arbeitslosenquote 25
Prozent, Leerstände bis zu 44 Prozent). Großsiedlung Lübeck-Buntekuh
(Bevölkerungsverlust 5,7 Prozent, Arbeitslosenquote 16,3 Prozent). Bergbaustadt
Oer-Erkenschwick (Wohnsiedlung Schillerpark mit wachsenden Leerständen: 2002
bereits 15 Prozent); Schuhstadt Pirmasens (Verlust 15 000 Arbeitsplätze in der
Schuhindustrie, Abzug der Amerikaner, 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Verlust von
5000 Einwohnern); Porzellanstadt Selb (Schrumpfung von 24 000 auf 18 000
Einwohner, Wohnungsleerstände von zehn bis 14 Prozent); Stahlstadt Völklingen
(Leerstand von 40 Prozent der Einzelhandelsflächen im Zentrum, jährlicher
Bevölkerungsverlust 0,8 Prozent); Landgemeinde Wildflecken (Konversionsfläche
von 30 Hektar, 30 Prozent Leerstand im Geschosswohnungsbau); Marinestadt
Wilhelmshaven (20 Prozent Arbeitslose, Prognose für zwei Siedlungen bis 2010:
3700 leerstehende Wohnungen); Textilstadt Albstadt (seit 1993 2000 Einwohner
verloren, Wegfall von zwei Drittel aller Arbeitsplätze, zunehmende Leerstände im
Mietwohnungsbereich); Seestadt Bremerhaven (in zehn Jahren 10 000 Einwohner
verloren, Leerstand sechs Prozent); Stahlstadt Salzgitter (bis 2015 Schrumpfung
von 112 000 auf 96 500 Einwohner). Übereinstimmendes Kennzeichen aller
Krisenstandorte ist der überproportionale Bevölkerungsrückgang auf Grund
wirtschaftlicher Strukturbrüche und einer davon ausgelösten massenhaften
Abwanderung. Angesichts derartiger Prozesse halten Experten wie Dietrich Henckel
vom Deutschen Institut für Urbanistik, Berlin, die Parole "Stadtumbau" für eine
"massive Beschönigung". Henckel in Bremen: "Es geht nicht um Ausdünnung, sondern
radikalen Rückbau bis hin zur Schließung ganzer Stadtteile."
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07.05.2003
Das Ruhrgebiet soll die Vorreiterrolle beim
Stadtumbau West übernehmen
Nicht nur in den neuen Bundesländern entwickelt sich der steigende
Wohnungsleerstand zu einem ersten Problem für Städte und Kommunen. Auch
strukturschwache Regionen in den alten Ländern haben verstärkt mit mieterlosen
Beständen zu kämpfen. Stadtflucht, eine schrumpfende und vergreisende
Bevölkerung sowie in Auflösung begriffene Monostrukturen - Montan-, Kohle-, oder
Truppenstandorte - lassen den Anteil unvermieteter Einheiten rasant anwachsen.
Obwohl die Leerstandsrate im Westen Ende 2001 insgesamt nur bei durchschnittlich
3,2 Prozent lag, bewegen sich eine Vielzahl von Regionen längst im zweistelligen
Prozentbereich. So verzeichnen einige Wohnungsgenossenschaften in Kassel einen
Leerstand von 13 Prozent, in Pirmasens von 12,5 Prozent, in Salzgitter 9,9
Prozent und in Bremerhaven 9,9 Prozent. Dies haben Erhebungen des
Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) ergeben. Tendenz steigend.
Der Regionalverband Niedersachsen Bremen geht davon aus, dass sich im Landkreis
Osterode/Harz bis zum Jahr 2015 rund 17 Prozent aller Wohnungen nicht mehr
vermarkten lassen, in Wilhelmshaven werden es 14 Prozent sein. Im gesamten
Südosten Niedersachsens stehen bis dahin mehr als zehn Prozent der Wohnungen
leer. Im Ruhrgebiet stieg der Anteil unvermieteter Wohnungen zwischen 2001 und
2002 um zehn Prozent an. Im vergangenen Jahr standen dort nach Angaben des
Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) 40 000 Wohnungen leer.
"Die Unternehmen haben eine Verschnaufpause von einigen Jahren. Jedenfalls Zeit
genug, um ihre Bestände auf Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen. Grundrisse,
die den Lebensstilen künftiger Nutzergruppen nicht entsprechen, müssen verändert
werden, Balkone angebaut, minderwertige Gebäude abgerissen werden. Tabus können
wir uns nicht mehr leisten. Wohnungspolitik muss ein integrativer Bestandteil
aller Politikfelder sein", sagt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der
Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen.
Dem Ruhrgebiet schreibt der Verband eine Vorreiterfunktion für Um- und
Rückbaumaßnahmen zu. "Was hier im Wohnungsbau geschieht, wird andere
Bundesländer auch ereilen, nur etwas später", prophezeit Schneider. Dass andere
westdeutsche Regionen schon heute ebenso von strukturellen Mängeln betroffen
sind, liege auch in der Förderpolitik der letzten Jahre. "Wer mehr als zehn
Jahre lang auf 80 Prozent der früheren Förderung verzichten muss, hinkt
hinterher. Nun sieht man westdeutsche Städte vergammeln. Deshalb kann es nur
einen Stadtumbau geben - nicht einmal West und einmal Ost. Die Mittel müssen
dahin fließen, wo die Not am größten ist."
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BMVBW: Innovative Strategien durch
Pilotprojekte "Stadtumbau West"
Erstes fachöffentliches Forum zum Forschungsvorhaben "Stadtumbau West"
Pressemitteilungen
BMVBW: Offizielle Seite Stadtumbau West
mit Inhalt gefüllt
Seite
14.09.2003
Bundesregierung ist zur Aufstockung der Städtebauförderung West bereit
Das erklärte Bundesminister Dr. Manfred
Stolpe bei seinem Besuch der Ruhrgebietsstädte Duisburg, Gelsenkirchen und
Gladbeck. Der Minister folgte einer Einladung des nordrhein-westfälischen
Bauministers Dr. Michael Vesper, der - ebenso wie Ministerpräsident Peer
Steinbrück - in den letzten Tagen eine stärkere Bundesförderung für die alten
Länder gefordert hatte. "Ich nehme mich der Probleme der Städte im Westen
Deutschlands ebenso an wie der Probleme im Osten. Gelsenkirchen ist mir genauso
wichtig wie Görlitz", fügte der Bundesminister hinzu.
In Gelsenkirchen und anderen Städten des Ruhrgebiets seien tief greifende
Veränderungen unübersehbar, verursacht durch den massiven wirtschaftlichen
Strukturwandel, durch das Wegbrechen der Stahlindustrie und des
Steinkohlebergbaus. Bevölkerungsrückgang, hohe Arbeitslosigkeit und nicht
ausgelastete Wohnungsbestände mit schlechter Bausubstanz sowie Anpassungsbedarf
bei der Infrastruktur stellten die Kommunen vor schwere Aufgaben. "Hier müssen
und hier wollen wir gegensteuern. Deshalb habe ich erst vor wenigen Tagen meinem
Kollegen Dr. Vesper mitgeteilt, dass der Bund beabsichtigt, Gelsenkirchen in die
Pilotprojekte zum 'Stadtumbau West' aufzunehmen. Wir wollen damit ein neues
Programm 'Stadtumbau West' vorbereiten.
Zu den elf Pilotprojekten, die wir im letzten Jahr begonnen haben und zu denen
in Nordrhein-Westfalen Oer-Erkenschwick zählt, kommen jetzt Gelsenkirchen und
Essen dazu." So werden in Gelsenkirchen-Altstadt Stadtumbaumaßnahmen mit bis zu
2,7 Millionen Euro unterstützt. In Essen würde die Erarbeitung eines
Stadtentwicklungskonzepts finanziert. "Ich habe mich davon überzeugen können,
dass unsere Entscheidung für Gelsenkirchen goldrichtig ist", fuhr Bundesminister
Dr. Stolpe fort.
Dies sei aber nur ein kleiner Baustein der Anstrengungen, welche die
Bundesregierung zur Aufstockung der Städtebauförderung West ergreife. Die
Bundesregierung habe bereits in den letzten Jahren ihre Förderung deutlich
erhöht. Die Bundesmittel seien von 40,9 Millionen Euro im Jahr 1998 auf 167
Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen. Dazu habe auch das 1999 neu aufgelegte
Programm "Soziale Stadt" beigetragen, in das zum Beispiel schon Gelsenkirchen,
Duisburg, Dortmund, Gladbeck und Essen aufgenommen seien.
"Zur Zeit bereiten wir eine kräftige weitere Aufstockung der Städtebauförderung
in den alten Ländern vor. Wir wollen die Wohneigentumsförderung umstrukturieren
und die Eigenheimzulage durch gezielte Förderprogramme ersetzen", sagte der
Minister. In diesem Rahmen sollen die Finanzhilfen des Bundes zur
Stadtentwicklung in den alten Ländern von jetzt 92 auf 211,8 Millionen Euro und
die Mittel für das Programm "Soziale Stadt" von 80 auf 135,9 Millionen Euro
(davon alte Länder 102 Millionen) angehoben werden. Weitere 86 Millionen Euro
seien für ein neues Programm Stadtumbau West vorgesehen. Die Städtebauförderung
des Bundes in den alten Ländern würde dann von 167 Millionen Euro in diesem Jahr
auf 400 Millionen Euro wachsen. Der Anteil der alten Länder an der
Städtebauförderung für Ost und West stiege von 13 Prozent im Jahr 1998 über 27
Prozent heute auf 48 Prozent. Die Bundesregierung gehe damit zu einem Großteil
auf die Forderungen Nordrhein-Westfalens ein. "Allerdings halte ich nichts
davon, die Städtebauförderung West zu Lasten der neuen Länder aufzustocken. Ich
orientiere mich nicht an der Himmelsrichtung, sondern am Bedarf. Im Westen ist
das Problem punktuell, im Osten ist es flächendeckend", erläuterte Stolpe.
16.09.2003
Saarbrücken: Projekt "Burbach - ein Stadtteil im Strukturwandel" in
Bundesprogramm "Stadtumbau West" aufgenommen. 3,25 Mio. Euro durch
Forschungsvorhaben - Start noch 2003 - Ergänzung zu ,Soziale Stadt'
Landeshauptstadt Saarbrücken - Pressemitteilung: 3,25 Millionen Euro für Burbach
- "Stadtumbau West" macht´s möglich
18.10.2003
Bayern: Rückläufige Entwicklungen im Städtebau erfordern neue Strategien
"Die städtebaulichen Folgen des gegenwärtigen
Strukturwandels wie etwa hohe Arbeitsplatzverluste, ein kontinuierlicher
Bevölkerungsrückgang, innerstädtische Brachflächen sowie Gebäudeleerstände
stellen unsere Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen", stellte
Innenstaatssekretär a. D. Hermann Regensburger am 16. Oktober 2003 bei der
Tagung "Stadterneuerung und Stadtumbau - Konzepte und Chancen für Städte im
Anpassungsprozess" in Würzburg fest.
"Die Instrumente der städtebaulichen Sanierung bieten ein geeignetes
Verfahrensmanagement zur Lösung der oft komplexen Probleme. Angesichts der
angespannten Haushaltslage wird sich die inhaltliche Ausgestaltung der künftigen
Stadterneuerung stärker als bisher an integrierten Stadtentwicklungskonzepten
als Grundlage von Förderprioritäten, einer professionellen Prozesssteuerung,
einem sinnvollen interkommunalen Handeln und an kreativen Problemlösungen bei
der Neuordnung von Brachflächen orientieren", so Regensburger weiter.
Die Zukunftsperspektiven der bayerischen Städte und Gemeinden angesichts des
Strukturwandels in Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten mehr als 150
Tagungsteilnehmer mit Experten aus Wissenschaft, Planung und Kommunalpolitik.
"Das große Interesse an der Tagung zeigt, dass auch bayerische Gemeinden sich
auf einen Stadtumbau einstellen. Dieser kann an erfolgreiche Strategien und
Erfahrungen der bayerischen Stadterneuerungspolitik anknüpfen. Die gemeinsame
Initiative von Staat, Kommunen und Privaten in der städtebaulichen Sanierung hat
sich bewährt", so Regensburger.
Mit einer Schwerpunktsetzung bei der Konversion innerstädtischer Brachflächen
folgt die Städtebauförderung in Bayern den aktuellen Herausforderungen.
Beispiele wie die Umwandlung einer Kaserne in Amberg zu einem attraktiven
Wohngebiet und die Innenstadterweiterung in Marktredwitz auf einer ehemals
hochbelasteten Industriebrache zeigen die erfolgreichen Bemühungen bayerischer
Städte.
Die Steuerung rückläufiger Entwicklungen im Städtebau, wie sie sich punktuell
bereits in einigen Regionen abzeichnen, sind Thema des Forschungsfeldes
Stadtumbau West, an dem sich Bayern mit der oberfränkischen Stadt Selb und der
unterfränkischen Marktgemeinde Wildflecken beteiligt.
Regensburger betonte, dass für die Zukunft ein Bewusstsein für die
gesamtgesellschaftliche Verantwortung für unsere Städte und Gemeinden, eine
frühzeitige Thematisierung der Folgen eines Strukturwandels in den Kommunen und
verbindliche Qualitätsstandards erforderlich seien. Regensburger: "Der Erfolg
des Stadtumbaus lässt sich nur an den sichtbaren Ergebnissen messen. Nur
herausragende bauliche Qualitäten werden die notwendigen Impulse geben."
Die demographische Entwicklung und den zu erwartenden räumlich stark
divergierenden Bevölkerungsrückgang erläuterte Prof. Dr. Rainer Münz aus Wien.
Die Chancen der städtebaulichen Konversion stellte der Leiter des Deutschen
Architekturzentrums, Prof. Dr. Karl Ganser dar.
Die baulichen und städtebaulichen Qualitätsstandards in Regensburg als
herausragenden Standortfaktor thematisierte Herr Oberbürgermeister Hans
Schaidinger. Herr Prof. Dr. Omar Akbar von der Stiftung Bauhaus Dessau forderte
in Anknüpfung an die Erfahrungen in Ostdeutschland eine gezielte Profilierung
der Städte.
Ein herausragendes Beispiel der Stadterneuerung in Bayern ist der
Veranstaltungsort. Über den Würzburger Kulturspeicher und seine Entwicklung von
einem städtebaulichen Niemandsland zu einem modernen Kulturzentrum und einem
weit über Bayern hinaus bekannten architektonischen Vorzeigeobjekt, berichteten
die Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth.
MSWKS: Stadtumbau West -
Intelligentes Schrumpfen, Tagung am 27.11.2003
Dokumentation
BMVBW: Neue Broschüre Stadtumbau West
Broschüre (pdf)
vhw: Themenheft Stadtumbau West erschienen
Inhaltsverzeichnis
BMVBW: Stadtumbau West ist ein Zukunftsprogramm
Pressemitteilung
MSWKS: Stadtumbau West nach der Ergänzungs-VV
Städtebau 2004
Umdrucke Stadtumbau West (pdf)
ExWoSt/Stadtumbau West:
2. Forum "Was ist neu an Stadtumbau West?"
16.-17. September 2004 in Gelsenkirchen, Ergebnisse, Reden, Präsentationen
Dokumentation
Merkblatt des BMVBW zu den
Förderprogrammen insbesondere Stadtumbau Ost und West
Merkblatt (pdf)
Stadtumbau West:
Leitfaden zur Ausgestaltung des Städtebauförderprogramms "Stadtumbau West"
Leitfaden (pdf)