Stadtumbau West

Im Jahr 2002 begannen die ersten Pilotprojekte für den Stadtumbau West. Dazu die Dokumentation.

Stadtumbau West - die Situation
Die Herausforderungen an eine zukunftsichernde Stadtentwicklung sind durch demographische Anpassungsprozesse und durch die örtlichen Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels geprägt. Während in den neuen Bundesländern ein akuter Handlungsdruck wegen rückläufiger Bevölkerungszahlen und hoher Arbeitslosigkeit Sofortmaßnahmen erfordert, ergeben sich in einzelnen Städten und Gemeinden der alten Bundesländer erste Anzeichen eines langfristigen Wandels der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Neben lokalen Wohnungsleerständen werden auch im Infrastrukturbereich zunehmende Kapazitätsprobleme erkennbar. Die Anforderungen an einen behutsamen Stadtumbau zur Wiederherstellung intakter Stadtstrukturen verlangen nach einem Instrumentarium, das präventive Stadtentwicklungspolitik ermöglicht.
Durch ein  Forschungsvorhaben "Stadtumbau West" sollen daher praktische Erfahrungen mit Kapazitätsanpassungen im Sinne eines ressourcenbewussten Umbaus in westdeutschen Städten gesammelt werden.
Mit der Förderung von elf Projektstädten  und mit der wissenschaftlichen Auswertung soll geklärt werden, welche besonderen städtebaulichen Herausforderungen sich für diejenigen Kommunen ergeben, die durch rückläufige Bevölkerungszahlen, hohe Arbeitslosigkeit und überdurchschnittlichen Wohnungsleerstand sowie Strukturschwächen der Stadtentwicklung geprägt sind. Konkret sollen sich die Projektstädte im Rahmen des Forschungsfeldes der Aufgabe stellen, wie durch eine zukunftsbeständige Stadtentwicklung der Paradigmawechsel vom "gesteuerten Wachstum" auf "geordneten Rückzug" zu kommunizieren und umzusetzen ist. Der Umbau der Städte und Gemeinden wird nicht länger nur - wie in der Vergangenheit gewohnt - dadurch bestimmt sein, Wachstum räumlich zu verteilen bzw. den Wachstumskräften angemessenen Raum zu geben. Die Steuerung künftiger Entwicklungen wird zunehmend auch dadurch geprägt sein, Stagnations- und Schrumpfungsprozesse aktiv zu gestalten.
Eine Herausforderung stellt sich daher hinsichtlich der Anpassung von Kapazitäten an veränderte Nachfrage- bzw. Bedarfsstrukturen, wobei nicht nur operative Eingriffe, sondern strategische Konzepte als Langzeitprogramme gefordert sind. Der Erfolg und die Akzeptanz solcher Umbaustrategien werden davon abhängen, wie dieser Wandel nicht als Verlust, sondern als Gewinn von Lebensqualität und örtlicher Attraktivität vermittelbar und erkennbar wird; dies im grundsätzlichen Sinne "weniger ist mehr".

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BMVBW: Erstmals auch Mittel für den Stadtumbau West
Städtebauförderung 2002 auf hohem Niveau
Pressemitteilung vom: 28. Januar 2002, Nr.: 020/02

Der Minister wies darauf hin, dass neben den Mitteln für die Städtebauförderung West erstmals auch zusätzliche Mittel für den Stadtumbau in den alten Bundesländern bereit stünden. Im Bundeshaushalt 2002 sind 15 Millionen Euro für Pilotprojekte in den westlichen Ländern ausgewiesen. Sie seien Teil eines Forschungsvorhabens, in dem untersucht werden soll, inwieweit auch dort infolge des Strukturwandels ein Stadtumbauprogramm erforderlich ist. Ziel sei es, Städte oder Stadtteile zu fördern, die vom wirtschaftlichen Wandel besonders betroffen sind. Das können Gebiete sein, in denen Wohnungen bereits in erheblichem Umfang leer stehen oder Gebiete, in denen Industrie- und Militärbrachen umgewandelt werden müssten. Mit den Maßnahmen soll die Attraktivität dieser Städte als Wohn- und Wirtschaftsstandort gestärkt werden. Schließlich gelte es, dort die Schaffung und Erhaltung neuer Arbeitsplätze zu fördern. "Auch hier wird sich zeigen, dass die Bundesmittel nicht nur sozial- und kommunalpolitische Bedeutung haben. Sie sind ein wirksames Instrument der Beschäftigungspolitik, das sich vor allem im Bereich des mittelständischen Handwerks, Handel und Gewerbe bewährt", sagte Bodewig.
www.bmvbw.de

Verband der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und Bremen e.V.: Einstieg in den Stadtumbau West nicht verpassen
Pressemitteilung: 8.05.2002
Der vdw Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen Bremen fordert den Einstieg in den Stadtumbau West. "Wenn wir den richtigen Zeitpunkt zum Handeln versäumen, werden einige Städte irreparable Schäden erleiden", betonte vdw-Verbandsdirektor Bernd Meyer am Dienstag in Hannover. Meyer stützte seine Forderung auf die Ergebnisse einer Studie des Hamburger Gewos-Instituts. Unter anderem wird in dieser Untersuchung auf die Gefahr drohender struktureller Leerstände hingewiesen. Das Gutachten, das im Auftrag des vdw erarbeitet worden ist, zeigt, wie sehr sich die Wohnungsmärkte zu lokalen Märkten entwickeln.
"Den einen Wohnungsmarkt gibt es nicht mehr", sagte Meyer. Vielmehr verlangen die unterschiedlichen Verhältnisse an der Küste und im Harz, in den Ballungszentren und in der Fläche nach differenzierten Handlungsstrategien. "Die demografische Entwicklung in Deutschland und die sich wandelnden Anforderungen an den Wohnraum werden zu einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Wohnungswirtschaft führen", fasste Gewos-Geschäftsführerin Renate Szameitat die Resultate der Studie zusammen. Zukünftig steht einer insgesamt stagnierenden Nachfrage durch anhaltende Neubautätigkeit - wenn auch auf niedrigerem Niveau als in den neunziger Jahren - ein wachsendes Angebot gegenüber. Bis zum Jahr 2015 bildet sich ein Angebotsüberhang von insgesamt 170.000 Wohneinheiten oder gut vier Prozent des Gesamtbestands an Wohneinheiten (Miete und Eigentum) im Verbandsgebiet des vdw.
Dabei ergibt sich regional ein sehr unterschiedliches Bild: Im Südosten Niedersachsens ist bis 2015 eine starke Abnahme der Einwohnerzahlen zu erwarten. Dagegen wird die Bevölkerung im Hamburger Umland sowie in den Kreisen Westniedersachsens deutlich zunehmen. Während beispielsweise in Braunschweig die Zahl der Haushalte um rund 10.000 oder acht Prozent zurückgeht, wird die Nachfrage im Landkreis Harburg um gut 15.000 Haushalte oder knapp 15 Prozent zunehmen. Zugleich ist beispielsweise in den Landkreisen Vechta, Oldenburg und Cloppenburg jeweils mit rund 17 Prozent zusätzlichen Wohnungen zu rechnen.

www.welt.de
www.vdw-online.de

BMVBW: Wohnungs- und Städtebaupolitik fit für das 21. Jahrhundert
Wohnungspolitisches Forum in Herford
Pressemitteilung: 03. Juni 2002, Nr.: 184/02
Auch in den alten Ländern zeichne sich zunehmender Handlungsbedarf für einen Stadtumbau ab, betonte der Staatssekretär. Diese durch Strukturwandel und Stadt-Umland-Wanderung verursachte Entwicklung habe den Bund veranlasst, 15 Millionen Euro für Pilotprojekte zum Stadtumbau West im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus bereitzustellen. Die Resonanz der Städte auf die Ausschreibung sei erfreulich gewesen. Das Spektrum der eingereichten Vorschläge reiche von umfassenden Stadtentwicklungsstrategien für Städte mit Strukturschwächen bis hin zu baulichen Maßnahmen an Einzelgebäuden

www.bmvbw.de

BMVBW: Startschuss für die Städtebauförderung 2002
Pressemitteilung: 26. Juni 2002, Nr.: 236/02

"Wir wollen aber auch", so Bodewig weiter, "den Stadtumbau in den alten Ländern unterstützen. Im Bundeshaushalt 2002 stehen 15 Millionen Euro für Pilotprojekte bereit, mit denen wir klären, inwieweit auch in den alten Ländern infolge des Strukturwandels massive Stadtumbauprobleme bestehen, zu deren Bewältigung die Kommunen auf finanzielle Hilfe angewiesen sind. Aus den Vorschlägen der Länder haben wir jetzt Pilotprojekte in 11 Städten ausgewählt. "Drei Städte sollen mit insgesamt 200 000 Euro bei der Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten gefördert werden:
Bremerhaven (Land Bremen), Salzgitter (Niedersachsen) und Albstadt (Baden-Württemberg).
Acht Städte sollen vom Bund insgesamt 13,8 Millionen Euro für konkrete Stadtumbauprojekte erhalten: Selb und Wildflecken (in Bayern), Bremen, Pirmasens (Rheinland-Pfalz), Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen), Wilhelmshaven (Niedersachsen), Lübeck (Schleswig-Holstein) und Völklingen (Saarland).
Bodewig: "Wir werden die Länder bitten, die Bundesmittel für diese Städte durch Landesmittel aufzustocken, damit die Pilotprojekte einen möglichst aussagekräftigen Umfang erreichen. "Bereits bei der Auswahl der Pilotprojekte habe sich gezeigt, dass auch in Westdeutschland gravierende Stadtumbauprobleme zu bewältigen sind. Viele Städte müssten den Wegfall bisher prägender Industriezweige bewältigen (in Selb gelte das für die Porzellanindustrie, in Pirmasens für die Schuhindustrie, in Völklingen für die Montanindustrie und in Albstadt für die Textilindustrie). Andere Städte müssten sich nach dem Abzug von Streitkräften neu strukturieren (so Wildflecken, Pirmasens, Wilhelmshaven und Albstadt). In anderen Städten führten der Bevölkerungsrückgang und die damit einhergehende Entspannung am Wohnungsmarkt dazu, dass weniger attraktive Siedlungen zunehmend mit Leerstand kämpfen müssten (das gelte zum Beispiel für die im 2. Weltkrieg gebauten Großsiedlungen in Salzgitter und Wilhelmshaven, für die Großsiedlung der 60er Jahre in Lübeck oder für die Großsiedlungen der 70er Jahre in Bremen, Bremerhaven und Oer-Erkenschwick). "Die Pilotprojekte haben zum Ziel, in solchen Kommunen intakte Stadtstrukturen herzustellen und städtebaulichen Schwächen offensiv zu begegnen, die sich auch in Wohnungsleerständen ausdrücken", erklärte Bodewig. "Wir wollen mit den Pilotprojekten zum Stadtumbau auch in den alten Ländern frühzeitig auf Umbrüche und neue städtebauliche Herausforderungen reagieren."

www.bmvbw.de

GdW: Wachsende Leerstände in strukturschwachen Regionen Westdeutschlands
Pressekonferenz am 3.07.2002
Der GdW und die von ihm vertretene Wohnungswirtschaft verstehe sich mit ihrer regelmäßigen Wohnungsmarktbeobachtung als eine Art "gesellschaftspolitisches und ökonomisches Frühwarnsystem". Ziel müsse es sein, so Freitag, ein Marktversagen wie in den neuen Ländern durch vorausschauende Maßnahmen zu vermeiden. Der Staat müsse mit entsprechendem Datenmaterial in die Lage versetzt werden, gegen zu steuern.
In strukturschwachen Regionen der alten Bundesrepublik steige der Leerstand ebenfalls an – wenn auch von einem viel niedrigeren Niveau ausgehend, erklärte Lutz Freitag. So betrug der Leerstand dort Ende 2001 im Durchschnitt 3,2 %. Die Leerstandsquoten an ausgewählten Standorten waren jedoch viel höher: So verzeichneten einzelne Wohnungsunternehmen in Kassel einen Leerstand von 13 %, in Pirmasens von 12,5 %, in Salzgitter von 9,9 %, in Bremerhaven von 9,3 % und in Hannover von 8,2 %. Eine jüngst vom Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen und Bremen in Auftrag gegebene und vom Hamburger Forschungsinstitut GEWOS erstellte Studie prognostiziert für das Jahr 2015 starke regionale Angebotsüberhänge, z.B. im Landkreis Osterode/ Harz mit 17 %, in Bremerhaven mit 16 % und Wilhelmshaven mit 14 %. Im gesamten Südosten Niedersachsens werde das Überangebot an Wohnraum im Jahr 2015 mehr als 10 % betragen, bei gleichzeitig stark steigender Nachfrage nach größeren Wohnungen und wachsender Wohneigentumsquote. Fazit: Auch in strukturschwachen Regionen Westdeutschlands zeichneten sich zunehmend die Auswirkungen des ökonomischen und demographischen Strukturwandels auf den Wohnungsmarkt ab. Der Sterbeüberschuss werde in den strukturschwachen Gebieten in seinen Wirkungen durch Wanderungsbewegungen verstärkt. Die Folge: "Leerstände in vielen Mietwohnungsbeständen in weniger begehrten Wohnlagen", erklärte GdW-Chef Freitag. Er verlangte, ebenso wie in den neuen Ländern, auch im Westen ganzheitliche Stadtentwicklungskonzepte zu erarbeiten, die realistische Perspektiven für die Siedlungsentwicklung der nächsten Jahre darstellten und eine geeignete Planungsgrundlage für die Investitionstätigkeit der Unternehmer sein könnten. Freitag begrüßte die Ankündigung von Bundesbauminister Kurt Bodewig, für Pilotprojekte in 11 westdeutschen Städten 15 Mio. Euro noch in diesem Jahr bereit zu stellen. 3 Städte sollen mit insgesamt 200.000 Euro bei der Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten gefördert werden: Bremerhaven, Salzgitter und Albstadt. 8 Städte sollen vom Bund insgesamt 13,8 Mio. Euro für konkrete Stadtumbauprojekte erhalten: Selb, Wildflecken, Bremen, Pirmasens, Oer-Erkenschwick, Wilhelmshaven, Lübeck und Völklingen. Insgesamt müsse die Investitionstätigkeit der Unternehmen noch mehr als bisher in die Modernisierung und Umgestaltung der Wohnungsbestände gelenkt werden.

www.gdw.de

MSWKS NRW: Grußwort anlässlich der Delegiertenversammlung des DMB Landesverbandes NRW e. V.
am 5. Juli 2002 in Siegen

Das wachsende Problem der Wohnungsleerstände und des Stadtumbaus muss angepackt werden.
Leerstand und Stadtumbau sind nicht nur Probleme der neuen Länder, sondern auch auf verschiedenen Wohnungsmärkten z.B. hier in NRW anzutreffen. Sie können m. E. nur in einer gesamtstaatlichen Anstrengung gelöst werden. Gefragt sind zunächst die Wohnungsunternehmen und Vermieter. Leerstände, die die wirtschaftliche Existenz der Wohnungsunternehmen gefährden, liegen aber auch nicht im Interesse der Mieterschaft. Wir brauchen neue Konzepte, die u. U. auch einen geordneten Rückbau bzw. Abriss von Wohnraum nicht ausschließen.
Der Bund hat inzwischen den vor allem von NRW vorangetriebenen Vorschlag zur Auflage eines Modellprogramms "Stadtumbau-West" aufgegriffen. Eines der soeben vom Bund ausgewählten Modellprojekte liegt in NRW (Oer-Erkenschwick).

www.mbw.nrw.de

Bertelsmann-Stiftung: Bevölkerungsschwund: Ohne Handeln droht Verödung der Städte
Pressemitteilung: 14.09.2002
Leere Kindergärten und Schulen, Wettbewerb um Einwohner, Arbeitskräftemangel: Rückläufige Geburtenzahlen und ein steigender Anteil älterer Menschen werden in deutschen Kommunen zu tief greifenden Veränderungen führen. Die Kommunen müs­sen den demografischen Wandel in Zukunft aktiv gestalten, sonst droht eine Verödung der Städte.
Die Bertelsmann Stiftung zeigt in einer Untersuchung ausgewählter Kommunen die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf. Bis 2015 wird die Bevölkerung in fast allen der untersuchten Kommunen um bis zu acht Prozent abnehmen. In Dortmund zum Beispiel werden in acht Jahren 50 Prozent mehr Menschen als heute über 80 Jahre alt sein. Demgegenüber wird es 18 Prozent weniger Kinder im schulpflichtigen Alter geben. “Es ist dringend notwendig, mit geeigneten Maßnahmenpaketen auf den demografischen Wandel zu reagieren”, so Kerstin Schmidt, Projektleiterin der Bertelsmann Stiftung.

www.bertelsmann-stiftung.de

Deutsche Statistiker- Verbände: Nahezu alle deutschen Städte schrumpfen
Pressebericht: 2.10.2002
Konstanz - Die Einwohnerzahl schrumpft, zurück bleiben verwaiste Wohnblocks, geschlossene Bäder, leere Busse und Geschäfte ohne Kunden: Was in mancher ostdeutschen Kommunen schon heute Wirklichkeit ist, wird nach Ansicht von Fachleuten in den nächsten Jahrzehnten die meisten deutschen Städte prägen. "Der Club der wachsenden Gemeinden wird kleiner und kleiner werden", sagte der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Heinrich Mäding (Berlin), bei der Jahrestagung der deutschen Statistiker- Verbände, die am Donnerstag in Konstanz zu Ende ging.
Im Westen steige die Bevölkerungsdichte noch, doch nach 2015 könnten auch hier nur wenige Städte mit einer stabilen Einwohnerzahl rechnen. "Am Ende wird sich nur eine handvoll Städte halten", sagte Mäding. Der demographische Wandel werde zu einem zentralen Thema, weil er nahezu alle Felder der Kommunalpolitik berühre.
Über die Ursachen des Schrumpfens waren sich die Statistiker einig: Vor allem nannten sie die geringen Geburtenzahlen als Grund. So sollen bis 2050 in Deutschland nur noch zwischen 60 und 70 Millionen Menschen leben statt heute 82 Millionen. Daneben spielen Wanderungen innerhalb Deutschlands und Umzüge in die Vororte eine Rolle. Die zu erwartenden Einwanderer glichen diesen Trend in den Städten mittelfristig nicht mehr aus, hieß es bei der Tagung. Erschwerend komme für die Städte hinzu, dass ihre Bewohner älter würden, sich die Unterschiede im Lebensstil vergrößerten und immer mehr Menschen vereinzelt lebten.
Die Deutsche Gesellschaft für Demographie verwies in Konstanz auf große regionale Unterschiede, die sich in den bundesweiten Durchschnittswerten nicht widerspiegelten: So waren die Bürger im Kreis Cloppenburg (Niedersachsen) Ende der neunziger Jahre im Schnitt 36 Jahre alt, die in Baden-Baden aber 45 Jahre. Während die Zahl der im Saalkreis (Sachsen-Anhalt) lebenden Menschen im vergangenen Jahrzehnt um ein Viertel anstieg, schrumpfte sie im Kreis Hoyerswerda (Sachsen) um fast 23 Prozent.
Je kleinräumiger die Perspektive, desto schwerer sei eine Vorhersage, sagte Mäding. Dennoch müssten sich Bürgermeister und Räte der meisten Städte möglichst rasch auf den demographischen Wandel einstellen. "Schrumpfung und Alterung erlauben keine großen Sprünge." Einerseits müsse bei einem wachsenden Anteil von Senioren in Infrastruktur für Pflege und Betreuung investiert werden. Andererseits bedeute Schrumpfung für eine Stadt leere Wohnungen und leere Läden, das Aus für Schulen und Schwimmbäder.
"Der Wettbewerb um Menschen wird sich intensivieren", sagte Mäding. Angeheizt werde diese Konkurrenz vom Selbstverständnis der Kommunalpolitik: "Schrumpfung ist der symbolisierte Misserfolg." Oberbürgermeister und Räte hätten künftig die Aufgabe, das Schrumpfen der Einwohnerzahl nicht als Politikversagen, sondern als Folge der Bevölkerungsentwicklung zu erklären, sagte Mäding.

www.stuttgarter-nachrichten.de

BBR: Stadtumbau West - Das neue Forschungsfeld im ExWoSt startet mit 11 Projektstädten
Das BBR führt im Auftrag des BMVBW die Begleitforschung für ein neues ExWoSt-Forschungsfeld "Stadtumbau West" durch, an dem insgesamt 11 Projektstädte aus den alten Bundesländern teilnehmen werden. Themenstellung:
Die Herausforderungen an eine zukunftsichernde Stadtentwicklung sind durch demographische Anpassungsprozesse und durch die örtlichen Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels geprägt. Während in den neuen Bundesländern ein akuter Handlungsdruck wegen rückläufiger Bevölkerungszahlen und hoher Arbeitslosigkeit Sofortmaßnahmen erfordert, ergeben sich in einzelnen Städten und Gemeinden der alten Bundesländer erste Anzeichen eines langfristigen Wandels der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Neben lokalen Wohnungsleerständen werden auch im Infrastrukturbereich zunehmende Kapazitätsprobleme erkennbar. Die Anforderungen an einen behutsamen Stadtumbau zur Wiederherstellung intakter Stadtstrukturen verlangen nach einem Instrumentarium, das präventive Stadtentwicklungspolitik ermöglicht.
Durch das vierjährige Forschungsvorhaben "Stadtumbau West" sollen daher praktische Erfahrungen mit Kapazitätsanpassungen im Sinne eines ressourcenbewussten Umbaus in westdeutschen Städten gesammelt werden.

Stadtumbau West
Stadtumbau West: Übersicht über die Pilotprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West

Stadtumbau West: Betreuung der Projektstädte im Stadtumbauprozess
Stadtumbau West: Forschungsziel: Strategien zur Gestaltung des Stadtumbaus

Informationskreis für Raumplanung e.V. (IfR e.V.)
Kommunale Wohnraumkonzepte und Stadtumbau West - Erklärung und Thesenpapier
Aus Sicht des Informationskreises für Raumplanung (IfR) machen veränderte Rahmenbedingungen eine Neuorientierung der Wohnungsmarktpolitik und ein differenziertes Handlungskonzept unerlässlich, um mittelfristig bis 2020 einen funktionierenden Wohnungsmarkt zu erhalten, der u.a. an den Zielen der Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Zu den veränderten Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes gehören insbesondere:

Die Wohnungsmarktpolitik umfasst alle Bereiche, die direkt bzw. indirekt mit dem Wohnungsmarkt und der Entwicklung seiner Teilmärkte zu tun haben. Hierzu zählen die kommunalen Baulandausweisungen und die fiskalischen Förderinstrumente des Staates. Die im Folgenden aufgelisteten Bausteine eines Handlungskonzepts sind vier Akteursgruppen zugeordnet:

1. Handlungskonzept für Kommunen und Wohnungswirtschaft
2. Anforderungen an die Wohnungsmarktbeobachtung
3. Vom Bund bzw. den Ländern zu schaffende Rahmenbedingungen
4. Begleitung durch Wissenschaft und Forschung

Braunschweiger Erklärung
Thesenpapier (pdf)

Pirmasens: Erste Projektwerkstatt "Stadtumbau West" am 30. und 31. Januar
"Das ist keine Solidarität der Underdogs", sagte gestern Bürgermeister Bernhard Matheis im Anschluss an die erste Projektwerkstatt "Stadtumbau West". Es seien im Gegenteil Städte, die die Zeichen der Zeit erkannt, ihre Hausaufgaben gemacht und Strategien entwickelt haben, um ihre Struktur-Probleme zu bewältigen, so Matheis.
Der Tag des Abrisses dieser baufälligen Häuser des Rheinberger-Komplexes in der Fröhnstraße rückt näher. Ab 17. Februar geht"s los. Den Auftrag erhielt eine Firma aus Eppelborn, die das günstigste Angebot (rund 125.000) Euro abgegeben hatte.. -
Die Herausforderung "Stadtumbau" sei ein brandaktuelles Thema der Gegenwart und der Zukunft. Welche Auswirkungen seien durch den Bevölkerungsrückgang zu erwarten? Was bedeute die zu erwartende Überalterung der Bevölkerung? Welche Instrumente stehen den Städten zur Verfügung, um dem wirtschaftlichen Strukturwandel wirksam zu begegnen? All dies waren Themen bei ersten Erfahrungsaustausch des Projektteams zum "Stadtumbau West", zu dem sich Experten und Akteure der elf ausgewählten Pilotstädte zwei Tage lang in Pirmasens austauschten.
Jürgen Hiller, der als Vertreter des rheinland-pfälzischen Innenministeriums an der Projektwerkstatt teilnahm, sagte gestern: "Wir haben mit Pirmasens bisher beste Erfahrungen gemacht. Die Stadt hat sich rechtzeitig aufgestellt, um den Umstrukturierungsprozess mit örtlicher und regionaler Wirtschaft und mit Hilfe des Landes zu organisieren." Neben den bereits laufenden Konversions- und Stadtumbaumaßnahmen werde das Land auch die ausgewählten drei Impulsprojekte im Rahmen des Bundesprogrammes "Stadtumbau West" anteilig unterstützen.
Stadtumbau West nennt sich das Forschungsvorhaben im Rahmen des experimentellen Wohnungs- und Städtebaues des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Mit dem Programm soll untersucht werden, inwieweit auch in den alten Ländern infolge des Strukturwandels ein Stadtumbau erforderlich ist, zu dessen Bewältigung die Kommunen auf finanzielle Hilfe angewiesen sind.
Die Pilotstädte werden durch ein Forschungsteam der "Forum GmbH" aus Oldenburg begleitet. Projektleiter Martin Karsten: "Die erste Projektwerkstatt muss Dampf machen und das am besten in einer Stadt, wo schon was läuft." Deshalb sei Pirmasens für den Workshop ausgewählt worden.
Die Stadt kann bis 2006 eine Summe von insgesamt 6,8 Millionen Euro erwarten; 2,7 Millionen vom Bund, 3,4 Millionen vom Land und 600.000 Euro muss die Stadt als Eigenanteil einbringen.
Die Auswahl der Impulsprojekte basiert auf den Ergebnissen des Innenstadtentwicklungskonzeptes, das die Entwicklungsschwerpunkte auf die Innenstadt Nord, ihre Verknüpfung über das Zweibrücker Tor mit der Husterhöhe und auf der Achse Bahnhof - Rheinberger - Exerzierplatz - Messe lege, so Matheis weiter. Der brach liegende Rheinbergerkomplex werde bei entsprechender Entwicklung ein wichtiger Imageträger sein.
Dieses Projekt wird 2,85 Millionen Euro verschlingen. Darin enthalten sind Bestandssicherung, Umnutzung einer Fabrikanlage und Integration in das städtebauliche Umfeld; Planung, Koordinierung und Bauinvestitionen. eine erste Tranche von 600.000 Euro könne bereits dieses Jahr bei Land und Bund abgerufen werden. Zusammen mit der Millionenspende der Firma Rheinberger könne damit das Gebäude und sein Umfeld so weit instand gesetzt werden, dass es für private Investoren eine akzeptable Ausgangsbasis darstelle, so Matheis. Denn natürlich seien bei allen drei Impulsprojekten auch private Investoren gefragt, sonst sei die Aufgabe kaum zu schultern.
Während die ersten Maßnahmen beim Rheinberger bald für die Öffentlichkeit sichtbar würden, seien für die Projekte "Messeumfeld" und "Wohnen" noch planerische und organisatorische Vorarbeiten zu leisten, so Matheis. Beginn und Umsetzung der Impulsprojekte seien zeitlich gestaffelt, doch müssen alle Projekte bis zum Ende des Forschungsvorhabens Mitte 2006 abgeschlossen sein.

www.ron.de

06.05.2003
Städte auf dem Weg zum geordneten Rückbau
Eine Tagung rät, dem Schrumpfen der Städte das Loser-Image zu nehmen. Tenever ist eines der Pilotprojekte. In Zukunft Luxus- und Armenregionen?
taz Mehr als zweihundert Experten versammelten sich gestern im Parkhotel zum ersten fachöffentlichen Gespräch über das von der Bundesregierung initiierte Programm "Stadtumbau West". Der Tagungsort war gut gewählt: Eines der elf Pilotprojekte, mit denen das Bundesministerium für Bau prüfen will, ob ein solches Programm auch für die alten Bundesländer dauerhaft aufgelegt werden muss, heißt Osterholz-Tenever. Und so wird die Hochhaussiedlung im Nord-Osten Bremens - einst ein Vorzeigeprojekt für urbanes, verdichtetes Wohnen - erneut zum Vorbild. Diesmal allerdings soll die Fachwelt am Beispiel Tenevers lernen, wie man Stadt zurückbaut, Sprich: abreißt (siehe Interview).
"Wir stehen vor der neuen Herausforderung, mit rückläufigen Entwicklungen fertig werden zu müssen", leitete der Staatssekretär im Bauministerium, Achim Großmann, die Tagung ein. Neben Bremen-Tenever hat der Bund zehn weitere Projekte aus sieben Bundeländern ausgewählt, in denen städtebauliche Miseren aufgearbeitet werden. 15 Millionen Euro hat die Bundesregierung dafür locker gemacht.
Die ausgewählten Städte sind in der Regel vom Strukturwandel gebeutelt, so etwa Pirmasens vom Wegfall der Schuhindustrie, Selb durch den Niedergang der Porzellanindustrie, Bremerhaven - auch dies ein Pilotprojekt im "Stadtumbau West" - durch den Zusammenbruch der Hafenwirtschaft. Einzelne Projekte in diesen Städten wurden auf dem Fachtag ausführlich vorgestellt.
In den Podiumsrunden wurde vor allem eines deutlich: Die Probleme, mit denen Kommunen auch im Westen kämpfen, sind nicht punktuell, sondern strukturell. Dank stark rückläufiger Bevölkerungszahlen - aktuelle Schätzungen gehen von zwölf Millionen weniger Einwohnern im Jahr 2050 aus - und einer zunehmenden Überalterung, müssen sich, so Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für Urbanistik, die allermeisten Städte aufs Schrumpfen einstellen. Es gelte jetzt, das "Loser-Image" loszuwerden, das mit Schrumpfungsprozessen immer noch einherginge - vor allem bei Politikern. Bei denen sei "Offenheit gefragt, nicht Erkenntnisverweigerung".
Norbert Porz vom Deutschen Städte- und Gemeinde-Bund zog aus der Prognose schrumpfender Städte Schlüsse, die unter anderem für Bremen, aber auch für das Ruhrgebiet oder die abgeschlagenen Stahl-Städte an der französischen Grenze ein Horrorszenario darstellen. Der verfassungsrechtlich garantierte Grundsatz gleichwertiger Lebensverhältnisse für alle Bürger Deutschlands - einer der Gründe für die Finanzspritzen des Bundes an Bremen und das Saarland - könne in Zukunft vermutlich nicht aufrechterhalten werden. Es werde "verschiedene Ligen in der Lebenshaltung geben", mutmaßte Porz. Er forderte vom Bund die deutliche Ausweitung des Programms "Stadtumbau West": "Wir stehen mit dem Brachfallen ganzer Stadtteile erst am Beginn einer Entwicklung, nicht am Ende."

www.taz.de

Startschuss für „Stadtumbau West“ im Park Hotel
Der „Aufbau Ost“ für viele hundert Milliarden Euro aus dem Westen der Republik ist weitgehend gelaufen. Nun geht es verstärkt an den „Stadtumbau West“, für den gestern im Park Hotel der Zündfunke an die Lunte gelegt wurde.
In Bremens Nobelherberge hatten sich dazu Stadtplaner, Architekten, Vertreter von Wohnungsbau-Gesellschaften, Wissenschaftler und hochrangige Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen versammelt. Der parlamentarische Staatssekretär Achim Großmann (SPD) bestätigte gegenüber den Medienvertretern, dass man Bremen nicht aus Zufall für die erste Tagung „Stadtumbau West“ in elf westdeutschen Städten auserkoren habe.
Denn in Bremen ist mit dem Rück- und Umbau des einstigen Vorzeige-Projektes Tenever eines der größten Pilot-Vorhaben angelaufen, das auch mit drei Millionen Euro die vorerst größte Fördersumme aus dem Berliner Ministerium erhält. Staatssekretär Großmann: „Wir wollen den Kommunen helfen, Lösungen zum Umgang mit rückläufigen Entwicklungen zu finden.“ Gemeint sind der allgemeine Rückgang der Bevölkerung und die Abkehr der Stadtbevölkerung von großen Wohnmaschinen wie Tenever mit all ihren Problemen. Das Forschungsvorhaben „Stadtumbau West“ wird vom Bund mit jährlich 15 Millionen Euro gesponsert und soll die allgemeine Städtebauförderung zielgenau ergänzen
Im kleinsten Bundesland ist, wie Bausenatorin Christine Wischer (SPD) den Tagungsteilnehmern erläuterte, der Stadtumbau sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven im Gange. Dabei werden in Tenever rund 650 Wohnungen aus dem Bestand des insolventen Architekten Krause abgerissen, Beton-Barrieren beseitigt und Tiefgaragen zurückgebaut. Eine eigens dafür gebildete Projektierungs-Gesellschaft mit der Gewoba investiert 72 Millionen Euro.

www.weser-kurier.de

07.05.2003
Wir müssen ganze Stadtteile schließen
Die "schrumpfende Gesellschaft" wirft nun auch im Westen Deutschlands ihre Schatten voraus. Überalterung und Leerstände unbekannter Größenordnung werden das Bild auch der westdeutschen Städte prägen - nachdem der Osten Deutschlands schon heute einen Wohnungsleerstand von 1,4 Mio. Wohnungen verkraften muss. Auf der ersten bundesweiten Konferenz "Stadtumbau West" in Bremen räumte der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Achim Großmann, jetzt ein, dass es erste Anzeichen dieser Entwicklung gibt: "Verluste an Einwohnern und Arbeitsplätzen stellen einzelne Regionen und Kommunen in Westdeutschland zunehmend vor die Herausforderung, ihre Städte den demographischen und wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen."
Die Experten der Wohnungswirtschaft deuteten dies als eine eher beschwichtigende Beschreibung. "In Städten wie Essen müssen wir uns auf einen dramatischen Bevölkerungsrückgang von mehr als zehn Prozent in nur 15 Jahren einstellen - mit dramatischen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Bis 2020 haben wir hier mit 24 000 leerstehenden Wohnungen zu rechnen, das sind 20 Prozent des Bestandes", so Prof. Volker Eichener (Inwis GmbH, Bochum). Eichener warf den Politikern vor, sich damit schwer zu tun, die Tragweite der Schrumpfungsprozesse zu begreifen: "Tatsächlich hätte man schon vor zwanzig Jahren reagieren müssen."
Übereinstimmend bezeichneten die Experten das sich erstmals seit dem Dreißigjährigen Krieg stellende Problem der Schrumpfung als "epochal". Norbert Portz, Beigeordneter für Umwelt und Städtebau beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, Bonn: "Die Verlierer sind gerade jene Städte, die im 19. und 20. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung explosionsartig gewachsen sind und sich monostrukturell entwickelt haben." Betroffen sind aber auch kleine Gemeinden wie Selb und Wildflecken im Nordosten Bayerns, die ihre wirtschaftliche Basis verloren und massive Bevölkerungsverluste zu verkraften haben. So gehen der Gemeinde Wildflecken in der bayerischen Rhön nach dem Abzug der US-Soldaten zwei Drittel der Bevölkerung verloren.
Die tiefen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen des jetzt auf ganz Deutschland ausgreifenden Schrumpfungsprozesses werden seit dem vergangenen Jahr im Forschungsfeld "Stadtumbau West" im Rahmen des Programms "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWoSt) der Bundesregierung analysiert. Parallel zu dem mit 2,7 Mrd. Euro ausgestatteten Programm "Stadtumbau Ost" werden dabei mit Finanzhilfen des Bundes von 15 Mio. Euro (und einem etwa gleich hohen Beitrag der Bundesländer) "Projektwerkstätten" initiiert, die "Pilotstadtprofile" zu den Themen "Stadt im Strukturwandel" und "Wohngebiet im Wandel" erarbeiten sollen.
Dabei geht es laut Großmann nicht darum, neue städtebauliche Instrumente für die Bewältigung der Anpassungsprozesse zu erfinden, sondern darum, diese mit Blick auf die epochalen Stagnations- und Schrumpfungstendenzen zu überprüfen. Unter anderem müssten zwei grundsätzliche Fragen geklärt werden: Brauchen wir mehr Regionalisierung in der Städtebauförderung? Brauchen wir eine Förderinitiative "Stadtumbau West"? Insgesamt wurden elf Pilotstädte ausgewählt, in denen sich die Dramatik der Prozesse schon jetzt abzeichnet: Hochhaussiedlung Tenever in Bremen (Bevölkerungsverlust seit 1995 11,5 Prozent, Arbeitslosenquote 25 Prozent, Leerstände bis zu 44 Prozent). Großsiedlung Lübeck-Buntekuh (Bevölkerungsverlust 5,7 Prozent, Arbeitslosenquote 16,3 Prozent). Bergbaustadt Oer-Erkenschwick (Wohnsiedlung Schillerpark mit wachsenden Leerständen: 2002 bereits 15 Prozent); Schuhstadt Pirmasens (Verlust 15 000 Arbeitsplätze in der Schuhindustrie, Abzug der Amerikaner, 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Verlust von 5000 Einwohnern); Porzellanstadt Selb (Schrumpfung von 24 000 auf 18 000 Einwohner, Wohnungsleerstände von zehn bis 14 Prozent); Stahlstadt Völklingen (Leerstand von 40 Prozent der Einzelhandelsflächen im Zentrum, jährlicher Bevölkerungsverlust 0,8 Prozent); Landgemeinde Wildflecken (Konversionsfläche von 30 Hektar, 30 Prozent Leerstand im Geschosswohnungsbau); Marinestadt Wilhelmshaven (20 Prozent Arbeitslose, Prognose für zwei Siedlungen bis 2010: 3700 leerstehende Wohnungen); Textilstadt Albstadt (seit 1993 2000 Einwohner verloren, Wegfall von zwei Drittel aller Arbeitsplätze, zunehmende Leerstände im Mietwohnungsbereich); Seestadt Bremerhaven (in zehn Jahren 10 000 Einwohner verloren, Leerstand sechs Prozent); Stahlstadt Salzgitter (bis 2015 Schrumpfung von 112 000 auf 96 500 Einwohner). Übereinstimmendes Kennzeichen aller Krisenstandorte ist der überproportionale Bevölkerungsrückgang auf Grund wirtschaftlicher Strukturbrüche und einer davon ausgelösten massenhaften Abwanderung. Angesichts derartiger Prozesse halten Experten wie Dietrich Henckel vom Deutschen Institut für Urbanistik, Berlin, die Parole "Stadtumbau" für eine "massive Beschönigung". Henckel in Bremen: "Es geht nicht um Ausdünnung, sondern radikalen Rückbau bis hin zur Schließung ganzer Stadtteile."

www.welt.de

07.05.2003
Das Ruhrgebiet soll die Vorreiterrolle beim Stadtumbau West übernehmen

Nicht nur in den neuen Bundesländern entwickelt sich der steigende Wohnungsleerstand zu einem ersten Problem für Städte und Kommunen. Auch strukturschwache Regionen in den alten Ländern haben verstärkt mit mieterlosen Beständen zu kämpfen. Stadtflucht, eine schrumpfende und vergreisende Bevölkerung sowie in Auflösung begriffene Monostrukturen - Montan-, Kohle-, oder Truppenstandorte - lassen den Anteil unvermieteter Einheiten rasant anwachsen. Obwohl die Leerstandsrate im Westen Ende 2001 insgesamt nur bei durchschnittlich 3,2 Prozent lag, bewegen sich eine Vielzahl von Regionen längst im zweistelligen Prozentbereich. So verzeichnen einige Wohnungsgenossenschaften in Kassel einen Leerstand von 13 Prozent, in Pirmasens von 12,5 Prozent, in Salzgitter 9,9 Prozent und in Bremerhaven 9,9 Prozent. Dies haben Erhebungen des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) ergeben. Tendenz steigend.
Der Regionalverband Niedersachsen Bremen geht davon aus, dass sich im Landkreis Osterode/Harz bis zum Jahr 2015 rund 17 Prozent aller Wohnungen nicht mehr vermarkten lassen, in Wilhelmshaven werden es 14 Prozent sein. Im gesamten Südosten Niedersachsens stehen bis dahin mehr als zehn Prozent der Wohnungen leer. Im Ruhrgebiet stieg der Anteil unvermieteter Wohnungen zwischen 2001 und 2002 um zehn Prozent an. Im vergangenen Jahr standen dort nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) 40 000 Wohnungen leer.
"Die Unternehmen haben eine Verschnaufpause von einigen Jahren. Jedenfalls Zeit genug, um ihre Bestände auf Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen. Grundrisse, die den Lebensstilen künftiger Nutzergruppen nicht entsprechen, müssen verändert werden, Balkone angebaut, minderwertige Gebäude abgerissen werden. Tabus können wir uns nicht mehr leisten. Wohnungspolitik muss ein integrativer Bestandteil aller Politikfelder sein", sagt Burghard Schneider, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen.
Dem Ruhrgebiet schreibt der Verband eine Vorreiterfunktion für Um- und Rückbaumaßnahmen zu. "Was hier im Wohnungsbau geschieht, wird andere Bundesländer auch ereilen, nur etwas später", prophezeit Schneider. Dass andere westdeutsche Regionen schon heute ebenso von strukturellen Mängeln betroffen sind, liege auch in der Förderpolitik der letzten Jahre. "Wer mehr als zehn Jahre lang auf 80 Prozent der früheren Förderung verzichten muss, hinkt hinterher. Nun sieht man westdeutsche Städte vergammeln. Deshalb kann es nur einen Stadtumbau geben - nicht einmal West und einmal Ost. Die Mittel müssen dahin fließen, wo die Not am größten ist."

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BMVBW: Innovative Strategien durch Pilotprojekte "Stadtumbau West"
Erstes fachöffentliches Forum zum Forschungsvorhaben "Stadtumbau West"
Pressemitteilungen

BMVBW: Offizielle Seite Stadtumbau West mit Inhalt gefüllt
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14.09.2003
Bundesregierung ist zur Aufstockung der Städtebauförderung West bereit

Das erklärte Bundesminister Dr. Manfred Stolpe bei seinem Besuch der Ruhrgebietsstädte Duisburg, Gelsenkirchen und Gladbeck. Der Minister folgte einer Einladung des nordrhein-westfälischen Bauministers Dr. Michael Vesper, der - ebenso wie Ministerpräsident Peer Steinbrück - in den letzten Tagen eine stärkere Bundesförderung für die alten Länder gefordert hatte. "Ich nehme mich der Probleme der Städte im Westen Deutschlands ebenso an wie der Probleme im Osten. Gelsenkirchen ist mir genauso wichtig wie Görlitz", fügte der Bundesminister hinzu.
In Gelsenkirchen und anderen Städten des Ruhrgebiets seien tief greifende Veränderungen unübersehbar, verursacht durch den massiven wirtschaftlichen Strukturwandel, durch das Wegbrechen der Stahlindustrie und des Steinkohlebergbaus. Bevölkerungsrückgang, hohe Arbeitslosigkeit und nicht ausgelastete Wohnungsbestände mit schlechter Bausubstanz sowie Anpassungsbedarf bei der Infrastruktur stellten die Kommunen vor schwere Aufgaben. "Hier müssen und hier wollen wir gegensteuern. Deshalb habe ich erst vor wenigen Tagen meinem Kollegen Dr. Vesper mitgeteilt, dass der Bund beabsichtigt, Gelsenkirchen in die Pilotprojekte zum 'Stadtumbau West' aufzunehmen. Wir wollen damit ein neues Programm 'Stadtumbau West' vorbereiten.
Zu den elf Pilotprojekten, die wir im letzten Jahr begonnen haben und zu denen in Nordrhein-Westfalen Oer-Erkenschwick zählt, kommen jetzt Gelsenkirchen und Essen dazu." So werden in Gelsenkirchen-Altstadt Stadtumbaumaßnahmen mit bis zu 2,7 Millionen Euro unterstützt. In Essen würde die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts finanziert. "Ich habe mich davon überzeugen können, dass unsere Entscheidung für Gelsenkirchen goldrichtig ist", fuhr Bundesminister Dr. Stolpe fort.
Dies sei aber nur ein kleiner Baustein der Anstrengungen, welche die Bundesregierung zur Aufstockung der Städtebauförderung West ergreife. Die Bundesregierung habe bereits in den letzten Jahren ihre Förderung deutlich erhöht. Die Bundesmittel seien von 40,9 Millionen Euro im Jahr 1998 auf 167 Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen. Dazu habe auch das 1999 neu aufgelegte Programm "Soziale Stadt" beigetragen, in das zum Beispiel schon Gelsenkirchen, Duisburg, Dortmund, Gladbeck und Essen aufgenommen seien.
"Zur Zeit bereiten wir eine kräftige weitere Aufstockung der Städtebauförderung in den alten Ländern vor. Wir wollen die Wohneigentumsförderung umstrukturieren und die Eigenheimzulage durch gezielte Förderprogramme ersetzen", sagte der Minister. In diesem Rahmen sollen die Finanzhilfen des Bundes zur Stadtentwicklung in den alten Ländern von jetzt 92 auf 211,8 Millionen Euro und die Mittel für das Programm "Soziale Stadt" von 80 auf 135,9 Millionen Euro (davon alte Länder 102 Millionen) angehoben werden. Weitere 86 Millionen Euro seien für ein neues Programm Stadtumbau West vorgesehen. Die Städtebauförderung des Bundes in den alten Ländern würde dann von 167 Millionen Euro in diesem Jahr auf 400 Millionen Euro wachsen. Der Anteil der alten Länder an der Städtebauförderung für Ost und West stiege von 13 Prozent im Jahr 1998 über 27 Prozent heute auf 48 Prozent. Die Bundesregierung gehe damit zu einem Großteil auf die Forderungen Nordrhein-Westfalens ein. "Allerdings halte ich nichts davon, die Städtebauförderung West zu Lasten der neuen Länder aufzustocken. Ich orientiere mich nicht an der Himmelsrichtung, sondern am Bedarf. Im Westen ist das Problem punktuell, im Osten ist es flächendeckend", erläuterte Stolpe.

16.09.2003
Saarbrücken:  Projekt "Burbach - ein Stadtteil im Strukturwandel" in Bundesprogramm "Stadtumbau West" aufgenommen. 3,25 Mio. Euro durch Forschungsvorhaben - Start noch 2003 - Ergänzung zu ,Soziale Stadt'
Landeshauptstadt Saarbrücken - Pressemitteilung: 3,25 Millionen Euro für Burbach - "Stadtumbau West" macht´s möglich

18.10.2003
Bayern: Rückläufige Entwicklungen im Städtebau erfordern neue Strategien
"Die städtebaulichen Folgen des gegenwärtigen Strukturwandels wie etwa hohe Arbeitsplatzverluste, ein kontinuierlicher Bevölkerungsrückgang, innerstädtische Brachflächen sowie Gebäudeleerstände stellen unsere Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen", stellte Innenstaatssekretär a. D. Hermann Regensburger am 16. Oktober 2003 bei der Tagung "Stadterneuerung und Stadtumbau - Konzepte und Chancen für Städte im Anpassungsprozess" in Würzburg fest.
"Die Instrumente der städtebaulichen Sanierung bieten ein geeignetes Verfahrensmanagement zur Lösung der oft komplexen Probleme. Angesichts der angespannten Haushaltslage wird sich die inhaltliche Ausgestaltung der künftigen Stadterneuerung stärker als bisher an integrierten Stadtentwicklungskonzepten als Grundlage von Förderprioritäten, einer professionellen Prozesssteuerung, einem sinnvollen interkommunalen Handeln und an kreativen Problemlösungen bei der Neuordnung von Brachflächen orientieren", so Regensburger weiter.
Die Zukunftsperspektiven der bayerischen Städte und Gemeinden angesichts des Strukturwandels in Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten mehr als 150 Tagungsteilnehmer mit Experten aus Wissenschaft, Planung und Kommunalpolitik.
"Das große Interesse an der Tagung zeigt, dass auch bayerische Gemeinden sich auf einen Stadtumbau einstellen. Dieser kann an erfolgreiche Strategien und Erfahrungen der bayerischen Stadterneuerungspolitik anknüpfen. Die gemeinsame Initiative von Staat, Kommunen und Privaten in der städtebaulichen Sanierung hat sich bewährt", so Regensburger.
Mit einer Schwerpunktsetzung bei der Konversion innerstädtischer Brachflächen folgt die Städtebauförderung in Bayern den aktuellen Herausforderungen.
Beispiele wie die Umwandlung einer Kaserne in Amberg zu einem attraktiven Wohngebiet und die Innenstadterweiterung in Marktredwitz auf einer ehemals hochbelasteten Industriebrache zeigen die erfolgreichen Bemühungen bayerischer Städte.
Die Steuerung rückläufiger Entwicklungen im Städtebau, wie sie sich punktuell bereits in einigen Regionen abzeichnen, sind Thema des Forschungsfeldes Stadtumbau West, an dem sich Bayern mit der oberfränkischen Stadt Selb und der unterfränkischen Marktgemeinde Wildflecken beteiligt.
Regensburger betonte, dass für die Zukunft ein Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für unsere Städte und Gemeinden, eine frühzeitige Thematisierung der Folgen eines Strukturwandels in den Kommunen und verbindliche Qualitätsstandards erforderlich seien. Regensburger: "Der Erfolg des Stadtumbaus lässt sich nur an den sichtbaren Ergebnissen messen. Nur herausragende bauliche Qualitäten werden die notwendigen Impulse geben."
Die demographische Entwicklung und den zu erwartenden räumlich stark divergierenden Bevölkerungsrückgang erläuterte Prof. Dr. Rainer Münz aus Wien. Die Chancen der städtebaulichen Konversion stellte der Leiter des Deutschen Architekturzentrums, Prof. Dr. Karl Ganser dar.
Die baulichen und städtebaulichen Qualitätsstandards in Regensburg als herausragenden Standortfaktor thematisierte Herr Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Herr Prof. Dr. Omar Akbar von der Stiftung Bauhaus Dessau forderte in Anknüpfung an die Erfahrungen in Ostdeutschland eine gezielte Profilierung der Städte.
Ein herausragendes Beispiel der Stadterneuerung in Bayern ist der Veranstaltungsort. Über den Würzburger Kulturspeicher und seine Entwicklung von einem städtebaulichen Niemandsland zu einem modernen Kulturzentrum und einem weit über Bayern hinaus bekannten architektonischen Vorzeigeobjekt, berichteten die Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth.

MSWKS: Stadtumbau West - Intelligentes Schrumpfen, Tagung am 27.11.2003
Dokumentation

BMVBW: Neue Broschüre Stadtumbau West
Broschüre (pdf)

vhw: Themenheft Stadtumbau West erschienen
Inhaltsverzeichnis

BMVBW: Stadtumbau West ist ein Zukunftsprogramm
Pressemitteilung

MSWKS: Stadtumbau West nach der Ergänzungs-VV Städtebau 2004
Umdrucke Stadtumbau West (pdf)

ExWoSt/Stadtumbau West:
2. Forum "Was ist neu an Stadtumbau West?"
16.-17. September 2004 in Gelsenkirchen, Ergebnisse, Reden, Präsentationen

Dokumentation

Merkblatt des BMVBW zu den Förderprogrammen insbesondere Stadtumbau Ost und West
Merkblatt (pdf)

Stadtumbau West: Leitfaden zur Ausgestaltung des Städtebauförderprogramms "Stadtumbau West"
Leitfaden (pdf)